Krisenstrategie Antizyklisch handeln, um die Krise zu überstehen

Teil 2: Investieren Sie in das Know-how der Mitarbeiter

Die Zeitarbeiter hat es als Erstes getroffen. Und auch die Stammbelegschaft ist in manchen Unternehmen vor Entlassungen nicht mehr sicher. Doch es gibt viele Alternativen, um über die Krise hinweg die Mitarbeiter zu halten. Mit Kurzarbeit können die Kosten für Gehälter kurzfristig verringert werden; die Liquidität wird geschont.

Unternehmen, die hingegen noch keine dringenden Zahlungsschwierigkeiten haben, können ihre Mitarbeiter halten, indem sie ihnen Minusstunden anordnen. So wie dieses Beispiel zeigt:

Minusstunden statt Kurzarbeit

Als Alternative zur Kurzarbeit wegen wegbrechender Nachfrage finanziert das sauerländische Elektrounternehmen Mennekes einen hauseigenen Beschäftigungspakt. Statt auf Kurzarbeit mit den damit verbundenen Einkommenseinbußen für die Mitarbeiter zu setzen, zahlt die Firma in den kommenden sechs Monaten trotz verringerter Arbeitszeit den vollen Lohn.

Die Minuskonten können dann nach Ende der Krise durch Mehrarbeit wieder ausgeglichen werden, wie der Hersteller von Elektrosteckern im nordrhein-westfälischen Lennestadt mitteilte. Damit wolle das Unternehmen seine Mitarbeiter an sich binden und beim Anspringen der Konjunktur sofort startklar sein.

[Quelle: Haufe Akademie]

Noch besser ist, wenn Unternehmen in dieser Zeit in die Kompetenzen und das Know-how ihrer Mitarbeiter investieren. Das kostet zwar zunächst Geld, ist aber eine Investition in die Zukunft. Sobald sich die Auftragslage wieder erholt hat, können die Mitarbeiter mit mehr Know-how trumpfen. Vorteil: Die Mitarbeiter werden sinnvoll beschäftigt und erlangen mehr Qualifikation für ihre Tätigkeit.

„Wir nutzen die Zeiten der Nichtauslastung, um Qualifizierungen anzusetzen.“

Das sagt Herbert Mai, Personalvorstand der Fraport AG [Personalwirtschaft 3/2009]. Auch andere investieren in Weiterbildung, wie das folgende Beispiel zeigt:

Der Nutzfahrzeuge-Hersteller Scania geht mit gutem Beispiel voran

5.000 Scania-Mitarbeiter werden seit Februar 2009 mit Weiterbildung und Trainings für die Zukunft fit gemacht. Wie das Internetportal im-auto.de berichtet, müssen sich die überwiegend in der Produktion Beschäftigten vorerst keine Sorgen machen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Scania will auf die Wirtschaftskrise und die daraus resultierende Absatzflaute auch weiterhin mit Weiterbildungsmaßnahmen reagieren. Diese finden im Wechsel mit der täglichen Produktionsarbeit statt. Etwa zu speziellen Themen der Mathematik, aber auch sprachliche Kenntnisse wie Schwedisch und Englisch und Know-how im Bereich der Produktionstechnik werden vermittelt.

Unternehmen sollten versuchen, ihre Mitarbeiter so lange wie möglich zu halten, denn sie werden ihre Mitarbeiter auch wieder brauchen. Und nicht nur das: Sie sollten sogar Fachkräfte und Auszubildende gerade in Krisenzeiten einstellen, weil

  • gut qualifizierte Fachkräfte am Markt verstärkt vorhanden sind, da sogar diese in manchen Unternehmen entlassen werden und
  • Auszubildende eine Investition in die Zukunft darstellen und in den ersten Jahren nicht so hohe Kosten verursachen.

Obwohl Maschinenbauer gerade einen heftigen Einbruch bei Aufträgen und Umsätzen erleben, stellen einige Vorreiter und Marktführer wie Trumpf Werkzeugmaschinen in strategisch wichtigen Bereichen qualifizierte Mitarbeiter ein. Das berichtet die Vorsitzende des Vorstands Nicola Leibinger-Kammüller:

„Die Personalpolitik des Unternehmens orientiere sich an der Gesamtlage. Das Unternehmen könne Kapazitätsschwankungen durch seine Arbeitszeitmodelle ausgleichen, ohne dass dies zu finanziellen Einbußen bei den Mitarbeitern führe. Zugleich finde in strategisch wichtigen Bereichen durchaus ein Personalaufbau statt.“

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