Kulturmanagement Kultureinrichtungen kämpfen ums Überleben

26.02.2010 – In Kultureinrichtungen sind immer mehr betriebswirtschaftliche Fähigkeiten gefordert. Denn wenn Subventionen gekürzt werden und Besucherzahlen zurückgehen, muss das Kulturmanagement ausgleichen. So tragen die Kulturmanager zum Teil die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg einer kulturellen Einrichtung.
Bild: r-o-x-o-r - Fotolia.com

Die Wirtschaftskrise führt früher oder später auch bei Kulturinstitutionen zu Finanzierungsengpässen. Vor allem bei öffentlichen Zuschüssen und Sponsorengeldern ist 2010 und 2011 ein deutlicher Rückgang zu erwarten. So ein Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie der Münchner Unternehmensberatung Actori.

Kleinere und weniger bekannte Kultureinrichtungen und Kulturprojekte haben es besonders schwer, da sie von gekürzten Marketingbudgets vieler Unternehmen und einer gewachsenen Zurückhaltung vermögender Privatpersonen überproportional betroffen sind.

Tendenziell am wenigsten betroffen von der Krise sind die Karteneinnahmen. Über die Hälfte der befragten Kultureinrichtungen hatten in den davor liegenden zwölf Monaten noch keine Auswirkungen der Krise auf die Besucherzahlen, 22 Prozent sogar einen steigenden Publikumszuspruch gemeldet. Vor allem Opern- und Konzerthäuser können durch die große und relativ krisenfeste Besuchergruppe älterer und gebildeter Menschen mit konstanten Eigeneinnahmen rechnen. Theater und Musicals mit einem tendenziell jüngeren und weniger finanzstarken Publikum bekommen die Krise dagegen stärker zu spüren. Um hier frühzeitig dagegen zu wirken, sind die Kulturmanager gefragt, die in den Einrichtungen dafür sorgen, dass sie sich auch in schwierigen Zeiten über Wasser halten.

Stichwort

Kulturmanagement bedeutet die Organisation und Führung von Kulturprojekten und Kultureinrichtungen. Es schafft die Rahmenbedingungen für kulturelle Aktivitäten.

Zu den Schwerpunkten des Kulturmanagements gehören unter anderem: Projektmanagement, Fundraising, Kulturmarketing, Öffentlichkeitsarbeit, Eventmanagement und Sponsoring.

Kulturmanager ist ein Beruf mit Schnittstellenkompetenz, da er zum einen kulturell versiert und interessiert sein muss und zum anderen betriebswirtschafliche Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen muss.

Mehr Freiheit für Kultureinrichtungen erfordert mehr Know-how

Vor allem Kultureinrichtungen in öffentlicher Trägerschaft wie staatliche und kommunale Theater, Orchester und Museen, wünschen sich schon lange mehr Entscheidungsfreiheit. Diese Freiheit wird ihnen inzwischen vielerorts gewährt. Während sie früher ihre Verträge mit dem Rechtsamt abstimmen mussten, so dürfen sie diese nun selbst schließen. Auch Personalentscheidungen liegen mittlerweile – unter bestimmten Bedingungen – in der Kompetenz der Kultureinrichtungen. Das ermöglicht das „Neue Steuerungsmodell“.

Stichwort

Der Begriff „Neues Steuerungsmodell (NSM)“ bezeichnet in der Organisationslehre öffentlicher Verwaltungen ein Modell zur strategischen Steuerung von Verwaltungen, insbesondere im kommunalen Bereich. Die Kernelemente sind:

  • Strategische Steuerung der Verwaltung durch Politik und Verwaltungsführung;
  • Einführung moderner Instrumente des Personalmanagements;
  • Budgetierung,
  • Dezentrale Ressourcenverantwortung;
  • Outputorientierte Steuerung auf der Grundlage von Produktbeschreibungen;
  • Berichtswesen und Controlling;
  • Technikunterstützte Informationsverarbeitung sowie
  • Wettbewerb zur Erhöhung von Wirtschaftlichkeit, Produkt- und Dienstleistungsqualität.

Das „Neue Kommunale Finanzmanagement“ ergänzt das NSM. Damit sind die finanzwirtschaftlichen Instrumente und Verfahren gemeint und vor allem der Einsatz der doppelten Buchführung in den öffentlichen Verwaltungen.

Ein wichtiges Element dieses Modells ist die „dezentrale Ressourcenverantwortung“. Es bedeutet die Verlagerung von Verantwortung für betriebliche Ressourcen, beispielsweise Budget, Personal und Material, von der Kernverwaltung hin zu den Kultureinrichtungen. Es gibt allerdings Bedingungen, die die Kultureinrichtungen erfüllen müssen. Wird zum Beispiel eine „Ziel- und Leistungsvereinbarung“ zwischen einem Kulturamt und einem städtischen Museum definiert, so ist dies ein verpflichtender Vertrag und keine freundschaftliche Abmachung. Wenn die städtische Kultureinrichtung ihre in der Ziel- und Leistungsvereinbarung genannten Verpflichtungen nicht einhält, dann hat die Kommune das Recht, ihr entsprechend eigene Leistungen, beispielsweise Finanzmittel, zu kürzen.

Einige Kulturbetriebe schaffen es nicht, erfolgreich zu wirtschaften, sodass die Kosten gedeckt sind. Politisch und gesellschaftlich ist eine Förderung aber auch gewollt, um zum Beispiel eine Stadt kulturell attraktiver für den Tourismus zu gestalten. Es gibt jedoch auch ein paar positive Beispiele für gelungenes Management von Kultureinrichtungen. Dort werden nicht nur die Kosten gedeckt, sondern sogar Gewinne erzielt.

Mit Kultur Gewinne machen

Das Stuttgarter Theaterhaus macht vor, wie ein Theater expandieren und der Stadt zusätzliche Einnahmen verschaffen kann. In der Studie „Gutachten zur kultur- und kreativwirtschaftlichen Positionierung des Theaterhauses Stuttgart“, die Ende 2009 vorgestellt wurde, kam heraus, dass das Theaterhaus nicht nur kulturelle Bedeutung hat, sondern auch einen Stellenwert in der sich neu aufstellenden „Kreativwirtschaft“. Das Haus hat nicht nur den Umzug von Stuttgart-Wangen auf den Pragsattel und damit den Wechsel vom Randgewerbe zum Großbau ohne Blessuren überstanden. Es hat auch eine Programm-Aktualisierung vorgenommen, ohne an Publikumszuspruch zu verlieren. Und schließlich bringt das Theaterhaus der Region Gewinne auf dem Wege der Umwegrentabilität.

Das Theaterhaus bringt nicht nur Künstler zum Publikum, sondern darüber hinaus auch Arbeitsplätze in die Stadt. Das Theater schafft 250 Vollzeit-Arbeitsplätze. Zudem erzeugen die Künstler und Besucher durch Übernachtungen ein touristisches Gesamtvolumen von rund 3,7 Millionen Euro.

Ein direkt finanzwirtschaftlicher Effekt entsteht durch Rückflüsse von Steuern und Abgaben. Stadt und Land unterstützen das Theaterhaus mit rund 1,75 Millionen Euro. Dafür bringt es rund 3,0 Millionen in die Staatskasse – durch eben diese Wirkungen auf Wirtschaft und Umfeld. Zusätzlich anfallende Steuern, die nur durch Vergleichswerte aus der Staatsquote ermittelbar sind, könnten den tatsächlichen Rückfluss an die öffentlichen Haushalte bis auf das Doppelte, also auf maximal 6 Millionen Euro schätzen lassen. Vom Theaterhaus profitieren somit alle.

Weitere Informationen: Institut für Kulturmanagement

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

(keine Bewertung)  Artikel bewerten