Bei Fehlentscheidungen müssen die Kultureinrichtungen die Konsequenzen tragen. Fehler sind nie auszuschließen, allerdings kann ein gutes Management die Wahrscheinlichkeit senken, wenn die Entscheidungsträger über das richtige Know-how verfügen. Dies erfordert von manchen Mitarbeitern, dass sie sich weiterbilden, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.
Für die Kultureinrichtungen bedeutet dies, dass sie dafür sorgen müssen, dass ihre Mitarbeiter über ausreichend ökonomische und juristische, über politische und soziale sowie über kommunikative und kooperative Kenntnisse verfügen. Dazu ist eine Weiterbildung der Mitarbeiter notwendig sowie eine genaue Prüfung der Fähigkeiten bei Neueinstellungen.
Kultureinrichtungen dürfen nicht mehr darauf hoffen, dass ihnen ein Sonderstatus gewährt wird. Sie sollten eher damit rechnen, dass auch bei ihnen Fehlleistungen aufgedeckt werden und daraus Konsequenzen folgen. Dauerhafte Fehlleistungen führen mittlerweile auch im – bislang geschützten – Kulturbereich zur Entlassung von Verantwortlichen. Und selbst Insolvenzen oder gar Betriebsschließungen aufgrund von Managementfehlern erscheinen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.
Ohne Subvention nix los
Kulturelle Einrichtungen, die keine Subventionen erhalten, haben es besonders schwer zu überleben, weil sie allein auf die Einnahmen der Besucher angewiesen sind. Dass es immer schwieriger wird, ausreichend Besucher zu gewinnen, hat zum Beispiel das Musicalunternehmen Stage Entertainment jetzt schmerzlich erfahren müssen und zieht die Konsequenzen daraus.
"Als Privattheater erhalten wir keinerlei Subventionen, sondern sind ausschließlich auf die Einnahmen durch unsere Besucher angewiesen. Wir haben es in den vergangenen Jahren leider nicht geschafft, den Spielbetrieb in Essen profitabel zu gestalten",
begründet Stage Entertainment Deutschland Geschäftsführer Johannes Mock-O'Hara die Planung. Diese Entscheidung kommt recht spät, denn nachdem nun schon die fünfte Musicalproduktion im Collosseum-Theater in Essen floppt und seit 2001 nur rote Zahlen geschrieben werden, plant Stage Entertainment ab Juli 2010 in kein weiteres neues Musical in Essen zu investieren. Dies ist eine traurige Situation für die diesjährige Kulturhauptstadt Essen und auch für viele Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verlieren.
Die wirtschaftlich schlechte Lage ist mitunter ein Grund für die Schließung, aber auch andere Gründe könnten eine Rolle gespielt haben, zum Beispiel fehlende Marketing-Aktionen oder Fehlentscheidungen im Management, was die Spielpläne angeht. Das erste dort präsentierte Stück im Jahr 2000, ELISABETH, war immerhin sehr erfolgreich. Alles, was danach kam, konnte die Besucher nicht überzeugen.
Weitere Informationen: derwesten.de
Die etwas andere Mittelbeschaffung: Fundraising
Da kulturelle Einrichtungen in den meisten Fällen Non-Profit-Organisationen (NPO) sind, stehen sie gar nicht unter dem Druck, Gewinne zu erwirtschaften. Kostendeckend müssen sie dennoch wirtschaften, da ihnen andernfalls die Schließung droht, wenn auch noch Subventionen gekürzt werden. Wenn sie nicht genügend Geld durch den Kartenverkauf einnehmen, helfen bestenfalls Sponsoren, wieder mehr Finanzmittel in den Kassen zu haben.
Sponsoren zu finden, ist deshalb eine zentrale Aufgabe von Kultureinrichtungen zur Mittelbeschaffung – das sogennante Fundraising. Sponsoring wird gern als „Wohltat der Wirtschaft für die Kultur“ angesehen. Aus rechtlicher Sicht ist es allerdings ein unternehmerisches Kalkül mit eindeutig erwerbswirtschaftlicher Zielsetzung. Daher müssen Sponsor und Kultureinrichtung auf beiden Seiten bei einer Betriebsprüfung entsprechende Dokumente vorlegen können, wenn sie das Miteinander als Sponsoring anerkannt bekommen möchten. Andernfalls drohen der Kultureinrichtung umsatzsteuerliche Nachzahlungen und dem Sponsor die nachträgliche Aberkennung der entsprechenden Betriebsausgaben.
Klavierfestival Ruhr muss auf Sponsorensuche gehen
Im Kulturhauptstadt-Jahr drohen der Stadt Essen Kultureinbußen. In den Konzertsälen und ehemaligen Industriebauten zwischen Dortmund und Duisburg treten die Stars der Klavier-Szene im Sommer fast vollzählig an, das Klavierfestival Ruhr mit seinen rund 80 Konzerten gilt in der Fachwelt als weltweit führend.
Dennoch will der "Initiativkreis Ruhr" mit den großen Industriekonzernen der Region wie RWE, ThyssenKrupp und Evonik als Sponsoren die Förderung drastisch zusammenstreichen. In der Krise müsse mehr Geld für Bildung des Nachwuchses und Forschungsförderung angelegt werden, meinen viele Konzernchefs. Festival-Intendant Franz Xaver Ohnesorg muss sich künftig externe Förderer suchen, wenn er das Festival im alten Umfang erhalten will.
Weitere Informationen: tagblatt.de
- Teil 1: Kulturmanagement: Kultureinrichtungen kämpfen ums Überleben
- Teil 2: Anforderungen an Kulturmanager
- Teil 3: Interview mit Kulturmanagerin Vera van Hazebrouck
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