Ökologisch Wirtschaften Vom Ideal zum Wettbewerbsfaktor

Teil 3: Immer an die Stakeholder denken

Schlagwort: Umweltmanagement

Auch Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, sind angehalten, die Interessen ihrer Stakeholder, also verschiedener Anspruchsgruppen, in Einklang zu bringen. Dass es dabei zu Zielkonflikten kommt, ist nur konsequent. Die Intensität der Forderungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen wird mit dem Instrument der sogenannten ökologischen Betroffenheit gemessen. Sie spiegelt wider, inwiefern durch Umweltschutzforderungen von ökologischen Stakeholdern ein Sanktionspotenzial gegen das Unternehmen besteht.

Kunden haben als Nutzer nachhaltiger Produkte einen großen Einfluss. Durch die Nachfrage bestimmen sie die Eigenschaften von Produkten und damit auch die Umweltfreundlichkeit. Auf der anderen Seite können Unternehmen versuchen, die Einstellungen und Wünsche ihrer Kunden durch gezielte und ökologieorientierte Marketingmaßnahmen positiv zu beeinflussen.

Mit einer zielgerichteten Orientierung hin zu ökologisch produzierten Gütern können sich Unternehmen vom Wettbewerb absetzen. Die Stakeholdergruppe der Wettbewerber verlangt aber auch eine eingehende Untersuchung der Stärken und Schwächen potenzieller Konkurrenten am Markt. Alle Mitarbeiter müssen, um eine umweltbewusste Unternehmensstrategie umsetzen zu können, miteinbezogen werden. Dies bedarf der Vorgabe konkreter ökologieorientierter Ziele im Sinne einer Unternehmenskultur. Die Mitarbeiter selbst bestimmen durch ihr Verhalten auf allen Stufen der Leistungserstellung, inwieweit ein Unternehmen seine Ökologieorientierung auch tatsächlich verwirklichen kann.

Für die Kreditgeber als Stakeholder ergibt sich folgendes Bild: Zum einen sehen Banken durch die gestiegene Bedeutung der Umweltbranche Chancen für die Vergabe von Krediten. Zum anderen wächst das Risiko, da alle übrigen Branchen zunehmenden Akzeptanz-, Ertrags- und Umsatzproblemen ausgesetzt sind. Abhilfe kann eine ökologieorientierte Kreditwürdigkeitsprüfung schaffen mit dem Ziel, die durch Umweltgefährdung entstehenden Risiken für die Kreditgeber zu minimieren.

Anleger üben Einfluss aus, indem sie zunehmend ökologische Kriterien bei ihrer Entscheidung für oder gegen bestimmte Wertpapiere berücksichtigen. Somit können Unternehmen mit einer entsprechenden Strategie punkten, die den Ökologieansprüchen der Anleger genügt.

Übrigens: Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg schließen sich nicht per se aus. Schon eine Studie der Rating-Agentur Oekom Research in Zusammenarbeit mit der TU München aus dem Jahr 2005 belegt statistisch signifikante positive Zusammenhänge zwischen der Gesamtnote des Nachhaltigkeitsratings und den Kennziffern für unternehmerischen Erfolg, Return on Investment (ROI) sowie Earnings per Share (EPS). Der ROI ist durchschnittlich um 12,85 Prozent, der EPS sogar um 81,89 Prozent höher. Untersucht wurden 667 internationale börsennotierte Unternehmen aller bedeutenden Branchen. 

Nicht allein die Herstellung in einem Unternehmen beeinflusst die Umweltfreundlichkeit eines Produkts. Vielmehr müssen auch Lieferanten und deren Leistungen in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. Ob diese den ökologischen Anforderungen gerecht werden, kann etwa mittels eines Lieferantenbewertungsverfahrens überprüft werden.

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