Ökologisch Wirtschaften Vom Ideal zum Wettbewerbsfaktor

Teil 2: Säulen einer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie

Schlagwort: Umweltmanagement

Unternehmen können unterschiedliche Intentionen haben, nachhaltig zu wirtschaften. Bei der sogenannten Effizienzstrategie geht es um eine Entkoppelung von Wirtschaftsleistung und Umweltverbrauch, um nachhaltigere, Ressourcen schonende Produkte und Verfahren. Im Mittelpunkt steht vor allem der technische Fortschritt. Wer also zum Beispiel sparsamere Fahrzeuge produziert oder in der Fertigung auf eine Reduzierung des Energie- und Materialverbrauchs setzt, geht mit der Zeit und generiert mitunter selbst Innovationen.

Die Konsistenzstrategie zielt auf natürliche Stoffkreisläufe ab. Beispielsweise können Abwärme oder auch Brauchwasser, die während des Produktionsprozesses anfallen, wieder verwendet werden. Diese Strategie geht allerdings mit technischen und organisatorischen Veränderungen einher, die das Design, die Produktion, die Distribution und die Redistribution von Produkten betreffen.

In ihrer Konsequenz am weitesten geht die sogenannte Suffizienzstrategie, denn sie zielt auf ein tatsächliches verändertes Nutzungsverhalten und auf eine Änderung der Bedürfnisse der Nutzer beziehungsweise Kunden ab. Ob Endkunden oder Geschäftskunden spielt keine Rolle. Wer also beispielsweise Carsharing als Dienstleistung anbietet, verfolgt damit gleichzeitig das Ziel, dass sich Kunden Gedanken über ihre eigene Mobilitätspraxis und mögliche Alternativen machen.

Best Practice

Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Vorsitzender des Vorstandes der Faber-Castell AG aus Nürnberg, wurde Ende vergangenen Jahres als Ökomanager des Jahres ausgezeichnet. Nach Meinung der Jury gehört soziale und ökologische Verantwortung für den Hersteller hochwer­tiger Stifte in achter Generation zu den Kernwerten der Marke. Faber-Castell sei ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein global agierendes Unternehmen trotz des wachsenden Drucks auf den Märkten im Sozial- und Umweltbereich weit reichende Standards setzen kann.

Cradle to Cradle: Weg von Rohstoffabhängigkeiten

Schenkt man Michael Braungart Glauben, so steht die nächste industrielle Revolution schon vor der Haustüre. In dem gleichnamigen Buch des Professors für Verfahrenstechnik an der Universität Lüneburg und Gründers der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH aus Hamburg, steht das Konzept der ökologisch effektiven und sozio-ökonomisch erfolgreichen Produktionsweise „Cradle to Cradle“ (C2C) im Zentrum. Übersetzt bedeutet das: Produkte werden so hergestellt, dass Sie nicht zu Abfall werden, sondern nach dem Gebrauch möglichst vollständig wieder einsatzfähig gemacht werden. Von der Wiege zur Wiege, nicht von der Wiege zur Bahre, ein völlig abfallfreier Wirtschaftskreislauf, ein zukunftsfähiges Produktdesign, das sich scheinbar nicht nur rentiert, sondern auch neuartige Geschäftsmodelle hervorbringt.

So entwickelte etwa das Berliner Designstudio „7.5“ einen Bürostuhl, der zu 42 Prozent aus wiederverwerteten Materialien besteht und zu 96 Prozent recyclebar ist. Um die Ökobilanz zusätzlich zu verbessern, wurde das gute Stück zu 100 Prozent mit Windkraft hergestellt und enthält kein PVC mit nicht biologisch abbaubaren karzinogenen Stoffen. Als Material wurde ein Polypropylen verbaut, das nicht nur gesundheitlich unbedenklich, sondern auch extrem langlebig ist: Es lässt sich bis zu 60 Mal wieder verwenden.

Auch Reinhard Backhausen setzt künftig auf C2C. Der Geschäftsführer der Backhausen Interior Textiles GmbH aus dem österreichischen Hoheneich wirbt mit einer innovativen Returnity-Technologie. Will heißen: Seine Stoffe sind vollständig wieder verwertbar. Um dies zu erreichen, arbeitet Backhausen mit Michael Braungarts Firma EPEA zusammen, die dafür ein spezielles umweltfreundliches und chemisches Optimierungsverfahren entwickelt hat. So schließt sich auch hier der Kreis.

Zusammen mit rund 1.200 anderen Teilnehmern aus 25 Nationen tauschte sich  Reinhard Backhausen im letzten Jahr in Frankfurt auf der ersten „Nutec“ mit anderen C2C-Pionieren aus. Auf dem Fachkongress mit begleitender Fachmesse standen zukunftsweisende Materialien und Produktionswege, die eine Rohstoffnutzung in geschlossenen Kreisläufen erlauben, im Fokus. Erwähnenswert: Die Niederlande sind in Sachen C2C Vorreiter. Bis 2012 wollen sie ihre gesamte öffentliche Beschaffung mit einem Volumen von rund 40 Milliarden Euro auf das „Cradle-to-Cradle“-Konzept ausrichten. Michael Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt, äußerte sich zur Auftaktveranstaltung:

„Die ‚Nutec’ hat eine Initialzündung innerhalb der ‚Cradle-to-Cradle’-Gemeinschaft ausgelöst und viele Anhänger und Interessenten für dieses revolutionäre Prinzip zusammengebracht.“

Den C2C-Pionieren geht es vor allem um eines: Loslösung von Rohstoffabhängigkeiten bei gleichzeitigem ökonomischen Erfolg auf der Basis einer Material- und Produktionsumstellung zu Gunsten der Umweltverträglichkeit. Ihre Überzeugung: Wer das Prinzip frühzeitig umsetzt, hat im Wettbewerb die Nase vorn. Gegenüber dem Handelsblatt erklärt Braungart:

„Ökoeffizienz reicht nicht. Falsches effizient gemacht, wird nicht richtig. Intelligentes Produktdesign muss und kann in allen Branchen wirkliche Umweltfreundlichkeit für die Produktlebenszyklen erreichen.“

Fakten

In der EU landen jährlich fast drei Milliarden Tonnen hochwertiger Stoffe auf dem Müll oder in Verbrennungsanlagen. Die meisten Produkte bestehen immer noch aus Materialkombinationen, die nur ein Downcycling zu minderwertigen Produkten erlauben. Ein echtes Recycling ohne Qualitätsverlust allerdings nicht.

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