Apropos Lieferanten: Gerade dem Einkauf und der Logistik sollte im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensstrategie besonderes Augenmerk geschenkt werden. Der Grund: Beide Bereiche beeinflussen die gesamte Lieferkette. Hier werden Produkte ausgewählt und die Transportwege festgelegt und somit die ökologische Umwelt unmittelbar tangiert. Ein Fachbeitrag der Accenture-Mitarbeiter Alexander Holst und Maja Grätz nennt vier Werttreiber einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie:
- Zunächst sei Kostensenkung die zentrale Aufgabe des Einkaufs. Bis zu 70 Prozent der Kosten eines Unternehmens entstehen laut der Autoren im Einkauf. Dieser gewinnt auch durch steigende Ölpreise und die Einpreisung externer Faktoren wie etwa CO2 und andere Emissionskosten, an Bedeutung. Das Ergebnis: Die Steuerung der Beschaffungswege wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
- Die Sicherung einer konsistent nachhaltigen Lieferkette trage weiterhin zu einer Risikosenkung bei. Hier ist eine Auditierung der Lieferanten als wichtiger Beitrag des Einkaufs zu sehen. Denn: Mängel durch Lieferanten könnten die Reputation eines Unternehmens schnell und nachhaltig schädigen. Ein drastisches Beispiel ist die immer noch weit verbreitete Produktionsweise in Form von Kinderarbeit oder Hungerlöhnen bei Lieferanten aus sogenannten Billiglohnländern.
- Gleichzeitig helfe aber, so die Autoren weiter, eine nachhaltige Beschaffung und ein entsprechendes Lieferantenmanagement die Reputation gegenüber zunehmend sensiblen Verbrauchergruppen zu verbessern und im Markt an Profil zu gewinnen.
- Schlussendlich könne der Einkauf Umsatzsteigerungen gezielt unterstützen, indem er zur Verfügbarkeit hochwertiger, innovativer und margenstärkerer Produkte beiträgt. Das Mittel: Auswahl und Prüfung geeigneter Lieferanten, die die Innovationskraft des Unternehmens und die Entwicklung nachhaltiger Produkte vorantreiben.
Das Verhalten der Kunden hat sich geändert. Heute möchten sie über die Inhaltsstoffe von Produkten und über deren Herkunft informiert werden. Und sie sind eher bereit, für Klimaschutz und Sozialverträglichkeit einen höheren Preis zu bezahlen. Hier bietet konsequenterweise die lokale Beschaffung Vorteile, denn nicht nur die Qualitäts- und Risikotransparenz sind höher, auch die Produktions- und Lieferzeiten sind kürzer und flexibler. Hinzu kommt eine Kostensenkung der Logistikkosten – vor allem in Zeiten eines starken Ölpreises ein gewichtiges Argument.
Da Öl knapp ist und langfristig immer mit Preissprüngen gerechnet werden muss, macht eine Änderung an den eigentlichen Produktionszentren und an der Logistik an sich Sinn. Eine Accenture-Studie zur Ölpreissensitivität am Beispiel eines europäischen Konsumgüterherstellers fand heraus, dass sich bei einer Verdopplung des Ölpreises die Logistikkosten nur um 3,5 statt um 14 Prozent erhöhten. Der Grund lag in eben diesen unternehmensinternen Anpassungsmaßnahmen. Insofern kann eine sogenanntes „Green Supply Chain Management“ einen entscheidenden Beitrag zum Schutz und Erhalt der Umwelt leisten. „Green SCM“ umfasst Aspekte wie:
- Mittel zur Optimierung der Energieeffizienz, etwa über die Senkung des Stromverbrauchs oder die Optimierung von Fertigungsstrukturen
- Senkung der Emissionen, etwa durch Optimierung von Transporten
- Rohstoffverwertung und Recycling von Materialien wie etwas beim „Cradle-to-Cradle“-Ansatz
- Ökonomische und ökologische Produktionsnetzwerke
- Effiziente Nutzung der Infrastruktur eines Unternehmens
Links
- www.gruene-it.org
- www.csr-in-deutschland.de
- www.csr-mittelstand.de
- www.csr-news.net
- www.nachhaltigwirtschaften.net
- www.nachhaltigkeit.info
- www.nutec.de
Viele Anregungen für ökologische Produkte, Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen finden Sie im Zukunfts-Dossier von Reinier Evers: "Eco-Bounty: From Eco-Frugal to Eco-Metering, future profits will be green"
Ein ausführliches Dossier mit zahlreichen Beiträgen zum Thema "Grüne Produkte und nachhaltige Konsumenten": Capturing the Green Advantage
[dw; Bild: Stefan Habersack - Fotolia.com]
- Teil 1: Ökologisch Wirtschaften: Vom Ideal zum Wettbewerbsfaktor
- Teil 2: Säulen einer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie
- Teil 3: Immer an die Stakeholder denken
- Teil 4: Werttreiber Sustainable Supply Chain