Social Business Unternehmer lösen gesellschaftliche Probleme

08.06.2010 – Ob Bildung, Umweltschutz oder Armutsbekämpfung: Einige Unternehmer engagieren sich für soziale und ökologische Belange – und gründen dafür ein eigenes Unternehmen. Der Unterschied zu anderen: Bei den Social Entrepreneurs stehen Profite für Kapitalgeber im Hintergrund. Gewinne werden als Sozialrendite ins Projekt reinvestiert.
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Banken müssen kein Geld verdienen. Das geht nicht? Doch, das geht. Beispiel GLS Bank: Schlappe 202.000 Euro Gewinn erwirtschaftete das Kreditinstitut im Geschäftsjahr 2009, die Bilanzsumme belief sich auf rund 1,35 Milliarden Euro – ein Plus von 33,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Die Sparkasse Hohenlohekreis mit regionaler Ausrichtung lag Ende 2008 mit einer Bilanzsumme von zirka 1,47 Milliarden Euro auf Platz 37 der damals noch 54 Sparkassen Baden-Württembergs. Doch den Geschäfsführer der GLS Bank, Thomas Jorberg, kümmert das nicht. Gegenüber dem Wirtschafsmagazin „enorm“ sagt er lapidar:

Es ist ein Missverständnis, dass Banken Geld verdienen müssen. Wir wollen das Kernbedürfnis befriedigen, den Geldtransfer zu regeln.“

Jorberg sagt dies aus gutem Grund, denn sein Geldinstitut zählt zu den sogenannten ethischen Banken, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, nachhaltige Investments zu vertreiben, ohne große Renditeversprechen, ohne Hedge Fonds, Calls und Puts, dafür aber einfache Anlageprodukte, eher etwas für Bodenständige. Jorbergs Kunden sind solche, die wissen möchten, wofür sie ihr Geld anlegen. Sie wollen nicht erst stundenlange Beratungsgespräche führen, um das Konzept ihrer Anlage zu verstehen. Transparenz heißt das Zauberwort. Die ökologische und sozialverträgliche Geldanlage ist ein Konzept, mit dem hierzulande immer mehr Kunden gewonnen werden. 

Neben der GLS Bank existieren in Deutschland derzeit vier weitere sogenannte ethische Banken, die Umweltband, die Ethikbank, Triodos sowie die Noa Bank. Ihnen gemeinsam ist der Boom, den sie vor allem vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise erfahren. Triodos zum Beispiel durfte sich 2009 über 50.000 neue Kunden freuen und steigerte das Geschäftsvolumen um 30 Prozent auf nun 4,9 Milliarden Euro. Auch die Kreditvergaben wuchsen um insgesamt 31 Prozent, 19 Prozent davon gingen in sogenannte Social-Business-Unternehmen. Unter dem Strich steht eine Verdoppelung der Bilanzsumme in den letzten vier Jahren. Die Geschäftstätigkeit, die alle fünf Banken auszeichnet, lässt sich mit dem Begriff „Social Banking“ umschreiben.

Mikrokredite für Social Entrepreneurs

Im sogenannten Bankenspiegel der GLS Bank listet das Kreditinstitut penibel auf, an welche Institutionen beziehungsweise Projekte Kredite geflossen sind. Für das dritte Quartal 2009 stehen zum Beispiel 77 Mikrokredite für Kleinstunternehmen in Höhe von 579.497 Euro in den Büchern.

Hinweis

Mikrokredite sind Kleinstkredite an Kleingewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern. Inzwischen gewinnen sie auch in den Industrienationen an Bedeutung. Die Kredite werden in der Regel von spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen meist zur Förderung der Entwicklung vergeben. Im Rahmen der Entwicklungspolitik werden Mikrokredite häufig auch als erfolgreiche Beispiele für das Management-Konzept „Base of the Pyramid“ genannt, das heißt die erfolgreiche Einbindung weitgehend vernachlässigter Bevölkerungsschichten in unternehmerische Wertschöpfungsketten.

Schon 1976 stellte der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch ein Mikrokredit-Programm auf die Beine, aus dem 1983 die sogenannte Grameen Bank hervorging; eine Bank, die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten fördern wollte. Geld für soziale Zwecke also, für arme Bevölkerungsschichten, denen ein besseres Leben ermöglicht werden soll.

Anderen ein besseres Leben zu ermöglichen, kann ein Grund sein, warum sich viele Unternehmer als sogenannte Social Entrepreneure engagieren. Immer geht es dabei um eines: Die Lösung eines gesellschaftlichen Problems, das weder vom Staat, noch von privaten Unternehmen gelöst werden kann. Einen Social Entrepreneur kennzeichnet außerdem:

  • Er strebt keine finanzielle Gewinnerzielung an, sondern einen mit der Aufgabenerfüllung gesellschaftlichen Erfolg.
  • Seine Werte gründen auf Demokratie und Menschenwürde.
  • Er bezieht für die Erfüllung der selbst gestellten Aufgabe eine geeignete Organisation mit ein, die eine nachhaltige Entwicklung für die Gesellschaft anstrebt.
  • Er kann die nötigen finanziellen und materiellen Ressourcen akquirieren.

Social Entrepreneure engagieren sich für Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit oder auch Menschenrechte – innovativ, pragmatisch und langfristig. Dabei steht der Profitgedanke im Hintergrund.

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