Social Business Unternehmer lösen gesellschaftliche Probleme

Teil 4: Experten-Interview mit Felix Oldenburg, Hauptgeschäftsführer der Ashoka Deutschland gGmbH

Warum engagieren sich Unternehmensgründer für soziale oder ökologische Projekte? Und wie machen sie mit Ashoka ein "Geschäft" daraus? Darüber sprach business-wissen.de-Redakteur David Wolf mit dem Geschäftsführer von Ashoka, Felix Oldenburg.

Herr Oldenburg, Ashoka ist die erste und größte internationale Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs. Was genau tun Sie?

Ashoka unterstützt führende Sozialunternehmer mit einem dreijährigen Stipendium und pro-bono-Beratung in den Bereichen Strategie, Recht, Kommunikation und Coaching. Ashoka Fellow ist man aber nicht nur drei Jahre, sondern man bleibt es ein Leben lang. Die meisten Fellows profitieren am meisten vom weltweiten Netzwerk der 2.500 Ashoka Fellows in 70 Ländern sowie unseren privaten Investoren. Das ist wie eine große Familie, die eine tiefe Verbundenheit spürt, und es kommen viele Lernerfahrungen und Kooperationen zustande.

Finden sich zu einem Thema oder in einem Land eine kritische Masse von Ashoka Fellows mit erfolgreichen neuen Ideen, können sie ihre einzelnen Lösungen wie Puzzleteile zusammenlegen und gemeinsam ganze Systeme verändern. So geht Ashoka mittlerweile systematisch und global Probleme an: Hausbau in Slums, Solaranlagen für alle oder Engagementchancen für junge Menschen.

Welchen Eindruck haben Sie:  Wie ausgeprägt ist hierzulande die Bereitschaft unternehmerisch Denkender, gesellschaftliche Probleme mit innovativen Ideen lösen zu wollen?

Felix Oldenburg, Ashoka Deutschland gGmbH: Viele Menschen haben gute Ideen; sie brauchen Unterstützung bei der Umsetzung.

Es gibt nichts Kraftvolleres als eine neue Idee in den Händen eines unternehmerisch denkenden Menschen. Wir wenden enorm viele Ressourcen auf, um diese Menschen zu finden. Sie kommen eben meist nicht frisch von der Uni, sondern man muss sie wie eine Nadel im Heuhaufen finden.

Ashoka Fellows kommen aus allen möglichen Altersgruppen und aus verschiedensten Karrieren, denn sie müssen nah dran sein an der Zielgruppe, mit der sie arbeiten – sei es Kinder mit Migrationshintergrund, Biobauernhöfe oder psychisch Kranke. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Menschen mit guten Ideen und Engagement haben, sondern dass wir zu wenig Menschen darin unterstützen, als Social Entrepreneurs eigene Organisationen zu gründen und Risiken einzugehen. Deutschland ist ein Land von Ideen und Unternehmertum, und das müssen wir auf den sozialen Bereich übersetzen.

Social Business steht auch in Verbindung mit dem Themenfeld Corporate Social Responsibility (CSR). Bei letzterer besteht die Gefahr, dass Unternehmen Sie zu PR- oder Werbezwecken benutzen, um sich von ihrer „sozialen“ Seite zu zeigen. Ist diese Gefahr beim „reinen“ Social Business nach Muhammad Yunus gebannt?

Viele Unternehmen denken über ihr gesellschaftliches Engagement mittlerweile so nach wie über ihr Kerngeschäft und ihre Finanzen. Sie erwarten für ihren Einsatz verlässlich möglichst viel soziale Wirkung. Und das gilt nicht nur für ihre Spenden oder ihr Sponsoring, sondern viel mehr noch für die Zeit der Mitarbeiter und die Ressourcen, die sie einbringen. Yunus hat die Aufmerksamkeit erhöht für solche soziale Projekte, die selbst wirtschaftlich handeln – sie sind eigentlich die natürlichen Partner für Unternehmen.

Experten sagen, gerade CSR oder entsprechende Maßnahmen würden künftig zum Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, wenn es um Marktpositionierung und Umsatzgenerierung geht. Stimmen Sie dem zu?

Das Ziel von Unternehmen ist, etwas zu unternehmen, die Welt zu verändern. Unternehmen können das nur, solange sie Geld verdienen. Und sie können Geld nur verdienen, wenn sie von ihren Kunden und Stakeholdern auch akzeptiert werden. CSR ist die Vorsorge für die langfristige Geschäftsgrundlage.

Wird aber dadurch der eigentliche Gedanke, etwas freiwillig zu tun, nicht schon wieder ad absurdum geführt und Zwängen der Gewinnmaximierung unterworfen?

Warum ist etwas besser, wenn man es freiwillig tut? Wenn man ein klares Interesse damit verbinden kann, ist es viel verlässlicher für alle Beteiligten. Und übrigens sollte sich auch soziales Handeln genau wie wirtschaftliches Handeln für die Effektivität im Einsatz von Mitteln rechtfertigen. Daran leidet unsere Engagementkultur: Oft reicht es uns, wenn jemand etwas Soziales tut, und wir fragen nicht nach, wie es noch besser ginge.

Gibt es Unternehmen, die mit einzelnen CSR-Maßnahmen begonnen haben und am Ende zum Social-Business-Unternehmen wurden?

Die Begegnung von Social Entrepreneurs und Business Entrepreneurs führt oft zu großartigen Ergebnissen. Social Entrepreneurs können viel mehr erreichen, wenn sie die Kompetenzen und Ressourcen von Unternehmen nutzen. Und Unternehmen verstehen durch die Zusammenarbeit oft besser, wie sie ein soziales Problem in ihrem Umfeld lösen können. Durch die Zusammenarbeit mit Ashoka hat zum Beispiel Nike herausgefunden, dass sie eine soziale Mission in der Unterstützung von Frauen im Sport haben, auch und gerade in Ländern, in denen Frauen aus kulturellen Gründen daran gehindert werden.

Wenn Sie hierzulande ein gesellschaftliches Problem identifizieren müssten, dem sich Social Entrepreneurs Ihrer Ansicht nach unbedingt annehmen müssten, welches wäre das?

Wie werden wir zu einer Gesellschaft, die sich nicht zuerst fragt, wer für die Lösung eines Problems zuständig ist, sondern die Jedem das Selbstvertrauen und die Unterstützung gibt, sich selbst zuständig zu machen?

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Oldenburg.

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