So ist das beispielsweise bei der Wittener „Projektfabrik“. Um junge arbeitslose Erwachsene unter 25 Jahren ohne Berufsausbildung die Vielfalt der Aufgaben eines Theaters nahe zu bringen, organisiert die Gründerin und Geschäftsführerin Sandra Schürmann zehn Monate dauernde Projekte für jeweils 20 Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die sich auf Arbeitssuche befinden. Die Projektfabrik reagiert dabei auf den gesellschaftlichen Missstand, dass herkömmliche Arbeitsvermittlungsmethoden im Schnitt nur rund 30 Prozent dieser Zielgruppe zu einem Job verhelfen.
Die Zahlen der Jahresbilanz Berufsberatung 2008/2009 der Bundesagentur für Arbeit belegen: 2009 blieben bei den Ausbildungsstellen 16.800 Bewerber unversorgt, 17.300 Stellen unbesetzt. Von den 15- bis 25-Jährigen waren 377.000 Menschen arbeitslos. In diese Lücke stieß Schürmann, als sie die Projektfabrik 2005 aus der Taufe hob.
In ihren Theaterprojekten lernen die jungen Leute all das, was zur Inszenierung eines kompletten Theaterstück dazugehört: Themenfindung, Texterarbeitung, Bühnenbau, Kostümanfertigung und Vermarktung. Die Projektfabrik sorgt für die Projektkoordination, die Akquisition adäquater Bildungsträger, die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung der einzelnen Agenturen für Arbeit, der kommunalen Trägern und Unternehmen. Erfolgsquote: Im Schnitt schaffen es 60 Prozent der Projektteilnehmer über ein Praktikum in der zweiten Hälfte des Projekts eine Festanstellung zu bekommen.
Beispiel Nummer zwei: Anfang 2011 soll unter der Regie des Versandhandelskonzerns Otto in Bangladesch die sogenannte „Fabrik der Zukunft“ ihren Betrieb aufnehmen. Das Projekt mit dem Namen „Grameen Otto Textile Company“, unterstützt von Nobelpreisträger Yunus, möchte rund 700 Mitarbeiter wie es heißt „unter sozial und ökologisch nachhaltigen Bedingungen“ beschäftigen. Um das Projekt zu finanzieren, wurde eigens der Grameen Otto Trust ins Leben gerufen, mögliche Gewinne aus der Textilherstellung werden über ihn verwaltet und in soziale Leistungen für die Mitarbeiter investiert.
Für den Bau vergibt Otto ein zinsloses Darlehen von zwei Millionen Euro, das innerhalb von 15 Jahren aus den Gewinnen des Unternehmens zurückgezahlt werden soll. Die weitere Planung: Aus dem Geld sollen auch andere soziale Leistungen erbracht werden, wie etwa ein gesundes Mittagessen, die Gesundheitsbetreuung der Mitarbeiter und die Ausstattung der umliegenden Gemeinden mit sanitären Einrichtungen. Außerdem möchte sich Otto in Aus- und Weiterbildungsangeboten engagieren. Johannes Merck, Direktor für Nachhaltigkeit bei der Otto-Group sagt gegenüber „enorm“:
„Aus der Kapitalrendite für den Kapitalgeber wird eine Sozialrendite für die Menschen, die in dieser Fabrik arbeiten. Das ist der maßgebliche soziale Impuls.“
- Teil 1: Social Business: Unternehmer lösen gesellschaftliche Probleme
- Teil 2: Social Entrepreneurs gehen soziale Probleme an
- Teil 3: Social Business und Corporate Social Responsibility: Ähnlich und doch anders
- Teil 4: Experten-Interview mit Felix Oldenburg, Hauptgeschäftsführer der Ashoka Deutschland gGmbH
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