„Visionen und Werte – das ist nur etwas für die großen Unternehmen. Wir haben andere Sorgen.“ Das sagen die Verantwortlichen in kleinen und mittelständischen Unternehmen häufig. Dabei werden auch dort Werte gelebt. Meistens werden sie vom Chef vorgelebt. Nur werden sie selten bewusst reflektiert, manchmal sogar missachtet und ihre positive Wirkung deshalb gar nicht genutzt.
Erst wenn es darum geht, gegenüber Kunden auszudrücken, wofür das Unternehmen steht, dann macht sich der Chef Gedanken darüber, was das besondere Merkmal des eigenen Unternehmens ist. Wenn nicht nur eine schicke Marketingbotschaft daraus werden soll, dann beginnt das Nachdenken über die eigenen Werte. Und das kann in solchen Unternehmen besondere Kräfte freisetzen. Für Sie als Chef ist wichtig:
- Entdecken und erkennen Sie, was für Sie persönlich und für Ihr Unternehmen die zentralen Werte, die grundlegenden Prinzipien und der eigentliche Zweck sind?
- Vermitteln Sie diese allen Mitarbeitern bei jeder Gelegenheit. Machen Sie durch Sprache und Handeln gleichermaßen deutlich, wie wichtig es Ihnen damit ist.
- Kommunizieren Sie dies auch nach außen – gegenüber Kunden oder Bewerbern und beweisen Sie, dass Sie gewillt sind, diese Werte zu verfolgen, komme, was da wolle.
- Bedenken Sie aber, dass der Zweck der Werte vor allem darin liegt, Mitarbeiter zu inspirieren und zu motivieren; sie sind nicht dazu da, um sich von Wettbewerbern zu unterscheiden.
Kennen Sie die Vision Ihrer Abteilung?
Als Führungskraft einer Abteilung oder eines Teams tragen Sie ebenfalls dazu bei, ob und wie die Werte des Unternehmens vermittelt und umgesetzt werden. Vielleicht entwickeln Sie sogar eigene Teamwerte. Das funktioniert im Allgemeinen aber nur, wenn diese zu den Unternehmenswerten passen. Ansonsten wird es auf Dauer zu Konflikten mit den Vorgesetzten oder mit anderen Abteilungen kommen. Oder die Mitarbeiter werden einen Wertekonflikt in sich austragen müssen.
In einem Unternehmen, für das der Kundenservice ein zentraler Wert ist, kann auch jede einzelne Abteilung das zu ihrem Credo machen. Er spiegelt sich im Alltagshandeln wieder. Nach dem Motto „Der nächste Prozessschritt ist unser Kunde“ kann ein Team seine Kundenorientierung und seine Servicequalität jeden Tag unter Beweis stellen. Lautet der zentrale Unternehmenswert dagegen „schnell und günstig“, während es in der Abteilung nach dem Prinzip „richtig oder gar nicht“ zugeht, dann sind Konflikte vorprogrammiert.
Deshalb sind diese Werte auch dazu geeignet auszuwählen, wer ins Team passt und wer nicht. Es findet eine Auswahl unter den Mitarbeitern statt, die mit den Werten konform gehen und die sich überhaupt nicht von ihnen angesprochen fühlen.
Beispiel HP
Vor einigen Jahren besuchten Studierende einer Universität das Unternehmen HP; alles potenzielle Kandidaten für einen Job beim Computerhersteller. Durch Vorträge und durch persönliche Berichte von HP-Mitarbeitern bekamen die Studierenden mit, was die Werte des Unternehmens und die besondere Unternehmenskultur, der sogenannte „HP-Way“, ist. Auf der Rückfahrt unterhielten sich alle sehr angeregt über das, was sie gerade erlebten. Ein Teil war begeistert und wünschte sich einen Job bei diesem Unternehmen. Der andere Teil war erschrocken und meinte: Nie und nimmer wollen wir bei HP arbeiten.
- Teil 1: Unternehmensvision: Wofür Unternehmen eine Vision brauchen und wie sie diese entdecken
- Teil 2: Auch kleine und mittelständische Unternehmen brauchen Werte
- Teil 3: Was ist der Zweck des Unternehmens?
- Teil 4: Wenn Visionen sich auflösen
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