Zielsetzung Warum Ziele manchmal ins Verderben führen

Teil 2: Zeitdruck macht blind und verleitet zum Risiko

Ziele sind meist nur dann wirksam, wenn sie mit einer Terminvorgabe verknüpft werden. Auch hier neigen Vorgesetzte dazu, Druck zu machen. Sie setzen enge Termine und meinen, damit die Leistung ihrer Mitarbeiter zu verbessern und mehr aus ihnen herauszuholen.

Das verursacht bei den Betroffenen nicht nur Stress, sondern fördert wiederum den Tunnelblick. Alles, was weniger wichtig erscheint, wird ausgeblendet, verdrängt und verschoben. Nachdenken, Überprüfen oder gar die Weiterbildung und Kompetenzentwicklung – all das wird als störend und als zeitverschwendend empfunden. So betreiben die Mitarbeiter nicht nur Raubbau an sich selbst, sondern auch das Unternehmen an seiner Lernfähigkeit.

Außerdem verschlechtert sich die Teamarbeit. Die Mitarbeiter sind unkooperativ und sehen in Kollegen nur Wettbewerber und Fallensteller, die verhindern, das Ziel zu erreichen. Das behindert den Wissens- und Erfahrungsaustausch.

Scheint alles nicht zu helfen, um das gesteckte Ziel zu erreichen und die engen Termine einzuhalten, dann kann das auch zu Resignation und Rückzug zu führen. Die Mitarbeiter konzentrieren sich darauf, die Schuld anderen oder den Umständen zuzuschreiben. Manche gehen in die innere Emigration oder flüchten in operative und ziellose Hektik.

Normen, Standards und ethisches Verhalten werden außer kraft gesetzt

Um zu hochgesteckte Ziele zu erreichen, gehen Mitarbeiter auch besondere Risiken ein. Sie missachten Normen und Standards und umgehen Regelungen des Unternehmens. Mit allen Folgen, die das haben kann. Im schlimmsten Fall werden sogar gesetzliche Vorgaben, Compliance Regelungen oder ethische Normen bewusst gebrochen.

Das birgt für das Unternehmen ein großes Risiko. Werden diese Verstöße nach außen sichtbar, dann droht ein großer Imageschaden. Wieder das Beispiel Ford Pinto: Um die Termin- und Kostenziele zu erreichen, nahm man Sicherheitsmängel in Kauf. Selbst als die ersten Menschen dadurch zu Schaden kamen, weigerte sich das Unternehmen, die Mängel zu beseitigen, sagen die Kritiker.

Wer erkennt, dass er seine Zielvorgaben nicht erreicht, der wird leicht verführt, zu betrügen. Er fälscht Zahlen und Nachweise, um am Ende die Vorgaben doch noch zu erreichen. Je knapper das Ziel verfehlt wird, desto größer der Anreiz zum Betrug, sagt Maurice Schweitzer, der das in Laborexperimenten herausgefunden hat. So werden Stundenaufschreibungen angepasst oder sogar Verkaufszahlen frisiert, vorausgesetzt, dass die Betrüger meinen, dass ihr Vergehen nicht auffällt.

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