Zu viele Menschen fühlen sich durch unprofessionelle Anrufe belästigt. Richtig ist allerdings auch: Es gibt viel mehr Menschen, die in ihrer Rolle als Kunde gar nicht oder zu selten kontaktiert und schlecht informiert und beraten werden. Gefordert sind also nicht weniger, sondern mehr und vor allem bessere telefonische Kundenkontakte. Im B2B-Bereich ist Outbound mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil des Vertriebs geworden. Der regelmäßige telefonische „Besuch“ gehört für Kunden und Lieferanten genauso zum Alltagsgeschäft wie der Außendienstbesuch: So gewinnen zum Beispiel Hersteller und Händler von Verbrauchsmaterial in der Dentalbranche Zahnlabore und Zahnpraxen mit eigenem Labor als Kunden und verkaufen diesen regelmäßig ihre Produkte.
Wer das Telefon sinnvoll und professionell einsetzen will, muss sich überlegen, wie die aktiven Telefonate in die Vertriebsstrategie integriert werden können. Einerseits ist es das Ziel, die Ressource Außendienst möglichst dort einzusetzen, wo es am sinnvollsten und effizientesten ist. Dort nämlich, wo der persönliche Besuch der Hebel zur erfolgreichen Gewinnung von Neukunden und zur Bindung der potenzialträchtigsten Bestandskunden ist. In der Regel hat der Außendienst eine so hohe Anzahl an Kunden, dass er diese nicht ausreichend betreuen kann. Hier sind die bessere Nutzung der Kontakte, die Erhöhung der Kontaktfrequenz und die Betreuung von Kunden, die derzeit nicht vom Außendienst besucht werden, ein großes Betätigungsfeld für ein Outbound-Team. Diese Überlegungen sind erst einmal unabhängig von der Entscheidung, ob das Telefonmarketing durch ein Outbound-Team im eigenen Unternehmen oder einen externen Dienstleister umgesetzt wird.
Ehrlichkeit als Taktik im Verkauf
Aus Kundensicht sind die meisten Produkte vergleich- und austauschbar. Selbst dann, wenn die Anbieter in ihren Werbebotschaften in der Regel etwas Anderes verkünden. Das einzige für den Kunden erkennbare und relevante Unterscheidungsmerkmal ist zumeist der Preis, zumindest dann, wenn Unternehmen beim Verkauf primär auf die Qualitätsmerkmale ihrer Produkte setzen. Genau dies tun die meisten – und suchen verzweifelt nach Produkten mit USP, also Alleinstellungsmerkmal. Nach Produkten, die sich quasi von selbst verkaufen.
Doch die Konkurrenz ist nicht nur groß, sie schläft auch nicht. Produktkopien sind an der Tagesordnung. Lohnt es sich deshalb, regelmäßig „einzigartige“ Produkte zu produzieren? Unabhängig davon, dass das selbst den innovativsten Unternehmen nicht gelingt, ist dies auch nicht nötig. Denn Unternehmen können viel einfacher gute Umsätze und Renditen erzielen, wenn sie sich auf das besinnen, was im Verkauf wirklich erfolgsentscheidend ist: der Mensch. Der Mensch „Kunde“ und der Mensch „Verkäufer“.
Keine Emotionen, kein Umsatz
Statt krampfhaft nach häufig nicht existierenden USPs zu suchen, sollte der Mensch Verkäufer wieder im Mittelpunkt des Verkaufsgeschehens stehen. Er sollte das einzigartige Merkmal sein, das Kunden begeistert. Denn in Zeiten, in denen es fast nur noch „Spitzen-Angebote“ oder „Top-Konditionen“ gibt, kauft der Kunde stets das Gesamtpaket aus Verkäufer und Angebot! Ob das Produkt am Ende überhaupt interessant für ihn ist, entscheidet sich anhand des Auftretens und Verhaltens des Verkäufers. Dies passiert meist unbewusst.
Neuro-Marketing-Studien bestätigen immer wieder: Menschen kaufen gerne, wenn sie sich in einer positiven Gefühlslage befinden – was nicht ausschließt, dass zuweilen auch der Appell an negative Emotionen verkaufsfördernd ist. So sind zum Beispiel (latente) Angstgefühle beim Verkauf von Versicherungen durchaus förderlich. Denn auch hierbei werden emotionale Hirnareale angesprochen. In beiden Fällen gilt jedoch: Die positiven beziehungsweise negativen Gefühle müssen stärker sein als der „Schmerz“, Geld auszugeben. Ansonsten wird der Kunde sagen: Das ist mir zu teuer.
Oft geben Menschen jedoch mit größter Leichtigkeit viel Geld aus. Dies ist dann der Fall, wenn sie Lust auf ein Produkt haben und sich auf dessen Genuss oder Nutzen freuen. Dabei spielen der Preis beziehungsweise der reale Bedarf nur eine untergeordnete Rolle. Es muss dann ein ganz bestimmtes Produkt sein, koste es (fast), was es wolle. Somit kaufen Kunden auch keine Produkte, sondern den gewünschten (individuellen) Nutzen. Sie kaufen keine „Hard Facts“, sondern die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume. Für den Verkaufserfolg bedeutet das: keine Emotionen, kein Umsatz. Oder positiv formuliert: je mehr Emotionen, umso mehr Umsatz.
Kunden mit Emotionen binden
Nur der Verkäufer erzeugt diese Emotionen. In Zukunft wird er der zentrale Faktor für den Vertriebserfolg sein. Denn der Verkäufer kann die Kunden durch Authentizität, Begeisterung und Leidenschaft emotional erreichen. Durch die Art, wie er den Kontakt zu Kunden gestaltet, kann er Produkte emotionalisieren, genau das ist seine Aufgabe. Dieses Ziel erreicht er über sein Auftreten, seine persönliche Ausstrahlung und sein Einfühlungsvermögen. Diese Faktoren entscheiden darüber, wie wohl sich der Kunde im Kontakt mit dem Verkäufer fühlt und ob er ihm und seinem Produkt vertraut.
Emotionales Verkaufen zielt also auf die (zwischen-)menschlichen Bedürfnisse ab und kommt ganz ohne die letztlich das Vertrauen zerstörenden Verkäufertricks und -kniffe aus. Die oberste Maxime lautet: Ehrlichkeit, Vertrauen und viel Persönlichkeit statt den Griff in die Trickkiste. Ein solches Vorgehen schafft nicht nur neue Kunden, sondern bindet diese auch emotional. Eher unwichtig ist dabei, wie Verkäufer ins emotionale Verkaufen einsteigen. Wichtig ist, dass sie es tun und die Einstellung reift: Ohne Emotionen im Verkauf geht es nicht.
Hinweis
Mehr zum Thema lesen Sie in unseren Lösungshilfen:
- Kunden gewinnen: Die Akquisition von Neukunden als systematischer Verkaufsprozess [1]
- Kundenaktivierung: Kunden richtig ansprechen und zum Kauf bewegen [2]
Das Wichtigste zusammengefasst finden Sie auch im Themenspecial: Kunden gewinnen - Wie sie Kunden gewinnen und richtig ansprechen [3]
Verkaufsgespräch durch richtige Fragen abschließen
Selbst erfahrenen Verkaufsprofis fällt es oft schwer, bei Widerständen die richtige Frage parat zu haben. Sie schaffen es nicht, sich auf ihren Gesprächspartner zu konzentrieren, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, einfach nur zu reagieren. Besser wäre es zu agieren, also das Gespräch aktiv zu lenken, um geschickt verhandeln zu können und in der entscheidenden Phase tatsächlich zu verkaufen.
Es kommt immer wieder vor, dass Verkäufer präsentieren und verhandeln und erst ziemlich spät merken, dass sie eigentlich dem Falschen präsentiert, mit dem Falschen verhandelt haben. Dieses Verhalten lässt sich leicht erklären: Verkäufer sind meistens einfach nur froh, dass sie überhaupt einen Termin bekommen und dass ihnen irgendjemand zuhört. Anstatt also vorher nachzufragen, wer im Unternehmen der verantwortliche Ansprechpartner für bestimmte Fragen beziehungsweise Anliegen ist, fangen sie direkt mit dem Verkaufsgespräch an.
Allerdings nützt dies nicht nur wenig, auch die Gefahr der so genannten „stillen Post“ ist groß. Durch eine interne Weitergabe ist der Informationsverlust enorm und der Verkäufer hat keine Möglichkeit, Fragen gegebenenfalls sofort zu beantworten und den Verkauf abzuschließen. Doch eines ist sicher: Beim Einkauf entscheidet immer der Entscheider! Es ist also Aufgabe des Verkäufers herauszufinden, wer dieser Entscheider ist und wer diesen gegebenenfalls beeinflusst. Je klarer und deutlicher diese Forderung von Seiten des Verkäufers gestellt wird, umso erfolgreicher ist im Normalfall auch der Gesprächsverlauf für alle Beteiligten. Drei Erfolgsstrategien helfen dabei, Verkaufsgespräche erfolgreich zum Abschluss zu bringen:
1. Schlagfertigkeit erhöhen
Die meisten Verkaufsabschlüsse, gerade im B2B-Geschäft bei hochwertigen Investitionen, spielen sich von Angesicht zu Angesicht ab. Viele Verkäufer scheitern jedoch schon an der ersten Hürde, der Telefonzentrale, oder spätestens an der Sekretärin des Chefs. Hier lässt sich das Führungspersonal abschirmen. Die früher oft geforderte Verbündung mit der Sekretärin oder der Dame am Empfang macht – zumindest verkaufstechnisch – keinen Sinn. Ganz im Gegenteil: Die Sekretärin erlebt den Verkäufer vom ersten Augenblick an auf einer gemeinsamen Ebene, auf der es ihr leichter fällt, ihn abzuwimmeln.
Verkaufsrelevante Entscheidungen, es sei denn es handelt sich um Bürobedarf oder die Reiseplanung, werden auf dieser Ebene normalerweise nicht getroffen. An dieser – wie auch an jeder anderen Stelle im Verkaufsgespräch – macht es Sinn, schlagfertig zu sein. Nur wer nicht auf den Mund gefallen ist, hat eine Chance, an vorgeschalteten Instanzen vorbei und mit den Entscheidern ins Gespräch zu kommen. Und auch im Verkaufsgespräch selbst ist es hilfreich immer eine Antwort, oder besser, eine offene strategische Frage parat zu haben.
Praxisbeispiel:
Wir haben kein Interesse!
Reaktion als offene Frage:
Wer gemeinsam mit Ihnen trifft diese verantwortliche Entscheidung?
Diese Frage eignet sich sehr gut bei vorgeschalteten Personen wie etwa dem Sekretariat oder der Zentrale. Sagen Sie nicht, „wer ‚außer’ ihnen sondern: „... gemeinsam mit Ihnen“! Mit dieser Formulierung stellen Sie alle Beteiligten auf eine Ebene; es wird niemand benachteiligt oder bevorzugt. Da vorgeschaltete Personen keine verantwortlichen Entscheidungen treffen dürfen, wird es dieser Person an dieser Stelle schwer fallen, eine passende Antwort zu geben. Noch spannender wir es bei der offenen strategischen Frage:
Wer hat Ihnen das gesagt?
2. Zielgenaue und strategische Gesprächsführung
Für Verkäufer ist es wichtig, die eigenen Gedanken ins Zentrum zu rücken und auch im Gespräch mit dem Kunden nie den roten Faden zu verlieren. Da gibt es Unterbrechungen in der Präsentation, dort klingelt das Telefon und vielleicht kommt auch noch schnell ein Mitarbeiter ins Büro. Hilfreich ist dann eine Strategie, die das Gespräch immer wieder auf den Punkt bringt.
Um diese Gesprächskalibrierung zu erreichen, muss für den Verkäufer das Ziel klar definiert sein. Immer wieder muss er es auf dem Weg zum Ziel schaffen, den Kunden einzufangen, sich ihm immer wieder anzunähern. Vorstellen kann man sich das Ganze wie viele kleine Trichter, die der Verkäufer gemeinsam mit seinem Kunden durchläuft. Beide haben ein gemeinsames Thema, entfernen sich durch unterschiedliche Blickwinkel voneinander und nähern sich durch geschickt gestellte, offene strategische Fragen des Verkäufers wieder an.
Praxisbeispiel:
Gerne nehmen wir etwas, aber was kostet das?
Reaktion als offene Frage(n):
Wann haben Sie konkret Bedarf?
Wie viel nehmen Sie genau ab?
Welche Bestellzyklen stellen Sie sich vor?
Je genauer das Ziel des Kunden definiert ist, umso genauer kann der Verkäufer anbieten. Vor allem im Hinblick auf eine langfristige Zusammenarbeit werden hier entscheidende Weichen gestellt. Klären Sie erst alle Rahmenbedingungen ab, bevor Sie in das Preisgespräch einsteigen!
3. Erarbeiten einer Gesprächskultur
Spitzenverkäufer brauchen wie Sportler eine gute Kondition. Sie benötigen Kraft, Schnelligkeit, geistige Beweglichkeit und Ausdauer, um den täglichen Herausforderungen im Verkauf und im Umgang mit Kunden gewachsen zu sein. Diese Kondition ist ein entscheidender Faktor, um eine Gesprächskultur zu erarbeiten, und beides wiederum ist nur möglich, wenn Verkäufer bereit sind, an sich zu arbeiten, kontinuierlich und diszipliniert zu trainieren.
Erst durch das systematische Steuern der Kommunikation durch eine hohe Gesprächskultur hin zur Verkaufsebene bekommt das Fachwissen des Verkäufers den entscheidenden Rahmen, durch den es „in aller Bescheidenheit“ wirken kann. Werden Fragen und Fragetechniken entwickelt und durch Übungen zielgenau in ein Verkaufsgespräch implantiert, sind Verkäufer später im Alltag intuitiv in der Lage, die richtigen offenen, strategischen Fragen zu stellen, ohne lange darüber nachdenken zu müssen.
Praxisbeispiel:
Wir haben keinen Bedarf!
Reaktion als offene Frage(n):
Wie viel haben Sie noch von …?
Wann haben Sie wieder Bedarf?
Eine klare zeitliche Eingrenzung ist wichtig zur weiteren Terminvereinbarung. Erfolgreiche Verkäufer verlassen kein Gespräch ohne eine weitere Zielvereinbarung. So lassen sich Brücken ins nächste Gespräch bauen.
Hinweis
Vom Autor ist auch das Hörbuch ... UND WAS SAGEN SIE? Auf dem Weg zum Spitzenverkäufer [4] erschienen.
Umsatz mit Online-Shops im E-Commerce
1. Suchmaschinenmarketing: schnell höhere Conversions
Eine gut geplante Suchmaschinenmarketing-Kampagne steigert schnell die Konversionsrate oder vergrößert das Einzugsgebiet. Der Erfolgt hängt wesentlich von der Auswahl geeigneter Suchbegriffe und Plattformen ab. Am Anfang steht deshalb die Recherche nach relevanten Keywords, die mit dem jeweiligen Unternehmen in Verbindung gebracht werden sollen. Dazu werden die geschätzten Suchanfragen ermittelt und der zu erwartende Traffic analysiert.
Im zweiten Schritt wird dann eine auf die Unternehmensbedürfnisse zugeschnittene Keywordkampagne und Positionierungsstrategie entwickelt. Deren Umsetzung reicht vom Texten der Adwords-Anzeigen und der Buchung der ausgewählten Keywords mit Hilfe einer speziellen Software bis zur kontinuierlichen Überprüfung und Anpassung der gebuchten Keywords, Platzierungen und Preise. Die Durchführung von A/B-Testings und eine permanente Überprüfung der Aktivitäten, um ein intelligentes Bid-Management zu gewährleisten, schließen sich an.
Stichwort
Ein Bid-Management ist eine Software zur automatischen Steuerung der Gebote im Suchmaschinenmarketing (SEM). Mit einem Bid-Management-Tool können beliebig viele Suchbegriffe (Keywords) über verschiedene Paid-Search-Anbieter wie etwa „Google Adwords“ oder „Yahoo Search Marketing“ verwaltet werden.
Quelle: Wikipedia
2. Suchmaschinenoptimierung: besser gefunden werden
Ein ähnliches Vorgehen gilt auch für die Suchmaschinenoptimierung, bei der ein über Jahre aufgebautes Netzwerk zum Ausbau eines effizienten Link-Marketings genutzt wird. Zunächst werden der Content und die Verlinkung der Internetseiten analysiert. Auf dieser Basis und mit Hilfe umfangreicher Recherchen zu relevanten Keywords lassen sich unternehmensindividuelle Optimierungsstrategien entwickeln. Gleichzeitig wird das Vorgehen der wichtigsten Wettbewerber unter die Lupe genommen und Keywords, Rankings und alle weiteren relevanten Werte verglichen. So kann aus den Stärken und Schwächen der Konkurrenz gelernt werden und der eigene Online-Shop zu einer besseren Positionierung in den Suchmaschinen gelangen.
Im Rahmen der OnPage-Optimierung wird auf Grundlage eines festgelegten Keyword-Sets die Website analysiert. Zu den suchmaschinenrelevanten Gesichtspunkten zählen dabei unter anderem eine klare Seitenstruktur, optimierte Inhalte und eine sinnvolle Navigation. Wenn diese Hausaufgaben erledigt sind, lässt sich darauf aufbauend eine effiziente OffPage-Strategie entwickeln. Dabei wird jeder auf die Webseite verweisende Link hinsichtlich seiner Qualität und Wirksamkeit überprüft. Auch die Backlink-Struktur in ihrer Gesamtheit wird untersucht, denn die größte Wirkung zeigt ein bestimmtes Mischungsverhältnis zwischen Backlinks verschiedener Qualitäten.
Da Google und Co. ihren Suchalgorithmus regelmäßig verändern, muss durch eine kontinuierliche Beobachtung und permanente Anpassung der eigenen Strategie darauf reagiert werden. Auch aus der permanenten Analyse des Wettbewerbs ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die weitere Vorgehensweise.
3. Preis- und Produktsuchmaschinen: automatisierte Belieferung
Während Suchmaschinen wie Google von den Verbrauchern zu 79 Prozent beim Finden eines geeigneten Online-Shops für den Kauf eines bestimmten Produktes genutzt werden, spielen bei 41 Prozent der Internet-User – so eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts ibi Research GmbH [5] an der Universität Regensburg – mittlerweile auch spezialisierte Preis- und Produktsuchmaschinen eine wichtige Rolle beim Einkaufen im Web. Sie generieren besonders konversionsstarke Zugriffe, weshalb die Optimierung dieses Kanals ein wichtiger Teil des Performance-Marketings ist.
Bevor die Produktinformationen und Preise nach einer bestimmten Logik in die Datenbanken der unterschiedlichen Preis- und Produktsuchmaschinen eingespielt werden, sollte eine Überprüfung der Datenfeeds auf Qualität und Kompatibilität stattfinden. Um maximalen Erfolg zu erreichen, empfiehlt es sich an der Stelle, die Produktstammdaten noch einmal zu veredeln.
Als besonders effizient erweist sich auch der Einsatz von Technologien für das Management von Produktdatenfeeds, die aufgrund spezifischer Produkt- und Preissuchmaschinentools ein hoch automatisiertes Tracking und eine selbstregulierende Optimierung ermöglichen.
4. Affiliate Marketing: Erfolg mit starken Partnern
Affiliate Marketing lässt sich für Online-Shops als ein äußerst effektiver Vertriebskanal einsetzen. Die Partnerschaft mit geeigneten Websites auf der Basis erfolgsabhängiger Vergütung reduziert das Risiko und steigert die Kosteneffizienz. Doch der Aufwand ist beträchtlich, juristische Fallen drohen und die ans Partnerprogramm angeschlossenen Affiliates müssen gut betreut werden. Denn das Betrugsrisiko ist hier besonders hoch, wie kürzlich eine Studie feststellte. Danach verursachte das kriminelle „Ad-Hijacking“ im Affiliate-Bereich letztes Jahr Schäden von 82 Millionen Euro – gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 27 Prozent. Das sind 15 Prozent des gesamten Affiliate-Umsatzes in Deutschland! Fazit der Studie: Jeder siebte erwirtschaftete Affiliate-Euro wandert somit in dunkle Kanäle. Mit Hilfe von Präventionsmaßnahmen und einem permanenten Salesabgleich kann man Betrug allerdings weitestgehend verhindern.
Für viele Produktgruppen gibt es jedoch tausende von Portalen, Websites oder Blogs, über die Online-Shops ihre Zielgruppen erreichen können. Hier gilt es zunächst eine Auswahl der Werbeplattformen zu treffen, über die sich absatzorientiert und hochgradig transparent mittel- bis langfristig hervorragende Ergebnisse erreichen lassen. Anschließend erfolgt eine Differenzierung über unterschiedliche Kaufanreize wie Coupons, Cash-Backs und Preisvergleiche. Affiliate Marketing steht und fällt mit starken Partnern, deshalb ist die kontinuierliche Pflege der Kontakte zu den größten performanceorientierten Affiliate-Netzwerken in Deutschland unabdingbar.
5. Newsletter: starke Kaufanreize in der Mailbox
Entgegen anderslautender Gerüchte und trotz fortlaufender Spam-Attacken lesen auch heute noch viele Empfänger gut gemachte Werbung in ihrer Mailbox und reagieren darauf positiv. Dies belegen daran anschließende Bestellungen. Bevor eine Newsletter-Kampagne gestartet werden kann, müssen zunächst folgende Bereiche untersucht und Möglichkeiten für deren Optimierung gefunden werden:
- Adressgewinnung
- Anmeldeprozesse
- Segmentierung
- Mailinggestaltung
- Versendefrequenzen und –zeitpunkte
- Abmeldeprozesse bei bestehenden Newslettern
Die Analyse und Bereinigung vorhandener Empfängerdaten sowie die Nutzung geeigneter Methoden für die Adressgenerierung bilden die Basis für den Erfolg. Darauf aufbauend zählen aber auch ein zielgruppengerechtes, klick-motivierendes Design und professionelle redaktionelle Betreuung durch erfahrene Texter zu wichtigen Faktoren. Ebenso ein effizientes Kampagnenmanagement, automatisierte A/B-Tests zur kontinuierlichen Optimierung und ein aktives Bounce-Management für die Behandlung der Rückläufer.
6. Social Media: im Netzwerk mit den Kunden
Fast ein Viertel ihrer Online-Zeit verbringen Internetnutzer mittlerweile in sozialen Netzwerken. Zu einem großen Teil tauschen sie sich dabei über Produkte und Dienstleistungen aus. Wer sich auf Augenhöhe an diesem Dialog beteiligen will, muss Weblogs, Facebook, Twitter, Google+ und Co. für eine gezielte Kommunikation nutzen – und wird dadurch auch besser mit seinen Produkten und Dienstleistungen in den Suchmaschinen gefunden.
Doch ohne eine richtige Strategie und Einbindung in die Unternehmensabläufe bleiben die Social-Media-Aktivitäten Stückwerk und machen wirtschaftlich keinen Sinn. Zudem ist nicht jede Social-Media-Plattform für jedes Ziel gleichermaßen geeignet. Hier gilt es zunächst die richtigen Entscheidungen zu treffen, mit der Umsetzung zu beginnen und anhand vorher festgelegter Zieldimensionen Optimierungspotenziale zu finden.
7. Integriertes Marketing: Abverkauf Ankurbeln
Immer mehr Menschen surfen beim Fernsehen parallel im Internet. Mit dem Siegeszug des Tablet-PC verstärkt sich dieser Trend noch weiter. Was liegt also näher, als das Online-Marketing mit TV-Spots zu vernetzen. Deren Stärke ist die Emotionalisierung, die über die Online-Kanäle in direktes Handeln verwandelt wird. So lässt sich der Abverkauf ankurbeln. Die Media-Abrechnung kann dabei performanceorientiert erfolgen, so dass das Risiko eines Fehlschlags minimiert wird. Neben Internet und TV kann auch Print-, Plakat- oder Radiowerbung in einen integrierten Marketingansatz einbezogen werden, ebenso wie gedruckte Kataloge oder Beileger für die Pakete.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Im Online-Handel ist Bauchgefühl fehl am Platz. Es geht immer darum, den Erfolg bestimmter Aktivitäten zu messen und entsprechend schnell zu reagieren.
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- Starke Mailings [6] , wie Sie wirksame Werbebriefe texten.
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Umsatz und Ertrag mit Serviceleistungen
Seit Jahrzehnten erbringen herstellende Unternehmen zahlreiche Serviceleistungen für ihre Kunden. Und das völlig kostenlos, um entweder ihrem Vertrieb ein Rabattmittel für die Preisverhandlungen an die Hand zu geben, um ihre Kunden zu binden, oder um sich durch den exzellenten Service vom Wettbewerb zu differenzieren. Häufig ist dieser kostenlose Service aber auch Tradition. Unternehmen und Kunden sind es schlicht gewohnt, dass die erbrachten Serviceleistungen zumindest als Kostenpunkt in keiner Rechnung auftauchen.
Doch die Hersteller denken diesbezüglich immer mehr um. Nicht nur, weil die Gewinnmargen bei ihren technischen Gütern sinken, sondern auch, weil die Serviceerwartungen ihrer Kunden kontinuierlich steigen und der meist personalintensive Service viele Ressourcen bindet. Deshalb verdichtet sich bei den Unternehmensleitungen der Wunsch, dass Kunden für den Extra-Service künftig bezahlen sollen. Mit exzellenten Serviceleistungen lassen sich nämlich – wie viele Dienstleister aus der Industrie beweisen – hohe Gewinnmargen erzielen.
Jeder Service verursacht Kosten
Hinzu kommt: Im Zeitalter des umfassenden Controllings wird jede Abteilung regelmäßig daraufhin überprüft, inwieweit sie gewinnbringend – oder zumindest kostendeckend – arbeitet. Das gilt auch für die Servicebereiche der Unternehmen. Immer stärker wird auch analysiert, welche Deckungsbeiträge die einzelnen „Serviceprodukte“ erwirtschaften und welche Kosten dem gegenüber stehen.
Ist erst einmal der Gedanke geboren, künftig mit dem Service auch Geld verdienen zu wollen beziehungsweise zu müssen, sind seitens der Unternehmensleitung oft rasch Umsatz- und Ertragsziele definiert. Leider schon dann, bevor folgende wichtige Fragen beantwortet wurden:
- Wie arbeiten der Vertrieb von Neuanlagen und der Servicevertrieb künftig zusammen?
- Welche Servicepakete werden den Kunden mit welchen Nutzenargumenten offeriert?
- Wie werden die (bisher kostenlosen) Service-Leistungen bepreist?
- Wie werden die (internen und externen) Kunden hierüber informiert?
- Welche (zusätzlichen) Ressourcen stehen den Servicebereichen für die Zielerreichung zur Verfügung?
Die Folge: Die Verantwortlichen in den Servicebereichen stehen vor einem Berg von Aufgaben, ohne zu wissen, wann sie jeden dieser Punkte abarbeiten, womit sie am besten anfangen sollen und wie diese Themen zusammenhängen.
Welcher Service für wen?
Die zentrale Grundüberlegung für eine Bewältigung dieses Aufgabenpakets lautet:
Was sind die richtigen Serviceprodukte in welcher richtigen Kombination für die richtigen Kunden?
Um die richtigen Serviceprodukte zu definieren, ist es wichtig, die Kundenanforderungen und -erwartungen zu kennen. Das setzt eine breite und tiefe Kundenkenntnis voraus, die ein exaktes Bewerten der Servicefaktoren ermöglicht. Die Grundregel dabei lautet: Genauigkeit vor Masse! Serviceleistungen, für die Kunden bereit sind zu bezahlen, berücksichtigen mindestens die folgenden vier Faktoren:
1. Nutzen
Nur wenn ein Kunde einen Service wirklich braucht und dieser ihm Mehrwerte verspricht, wird er ihn auch kaufen. Um den Nutzen der Services detailliert zu betrachten, muss der Wertschöpfungsprozess der Zielgruppe genau durchleuchtet werden. Denn nur so lässt sich später eine quantitative Bewertung durchführen. Hierbei ist auch das Zusammenspiel von Neuanlagen-Vertrieb und Servicebereich zu beachten, damit der Kunde als Ganzes betrachtet wird.
2. Innovation
Es muss nicht immer die technische High-End-Lösung sein, die den Titel Service-Innovation verdient. Je nach Branche kann es auch eine Prozessinnnovation – zum Beispiel wie der Servicebereich mit dem Kunden zusammenarbeitet – oder ein innovatives Leistungspaket sein. Gerade über Leistungspakete, beispielsweise bestehend aus Finanzierung, Beratungsleistungen, einem überragenden Service und Entwicklungszusammenarbeit, können sich Unternehmen gegenüber ihrem Wettbewerb profilieren.
3. Emotion
Jeder erfahrene (technische) Verkäufer weiß, dass häufig nicht rationale, also technische oder betriebswirtschaftliche Erwägungen, sondern emotionale Motive den positiven Ausschlag für eine Kaufentscheidung geben. Service wird von Menschen für Menschen gemacht. Er wird dann gerne in Anspruch genommen, wenn er positive Gefühle weckt, was beispielsweise bei einer Arbeitserleichterung oder einer Steigerung des Sicherheitsgefühls der Fall ist.
4. Kontinuierliche Qualität
Einen Reparaturauftrag innerhalb von 24 Stunden anzunehmen und zu erledigen, weil man zufällig gerade in der Gegend ist, macht noch keinen exzellenten Service aus. Insbesondere dann nicht, wenn es beim nächsten Mal mehrere Tage dauert. Nur wenn eine Serviceleitung mit hoher Qualität zuverlässig erbracht wird, und das kontinuierlich, löst sie bei Kunden Begeisterung aus.
Wer die Suche nach den richtigen Serviceprodukten in der richtigen Kombination derart strukturiert, profitiert von mehreren positiven Effekten, die zeigen ...
... was dem Kunden wichtig oder unwichtig ist
... welches Serviceprodukt eine hohe oder niedrige Zahlungsbereitschaft erzeugt
... welche Produkte das Unternehmen vom Wettbewerb differenzieren und welche Leistungen noch besser werden müssen
Der Untersuchungsprozess startet üblicherweise mit der internen Betrachtung und der Konzeption unter Beteiligung aller Fachabteilungen. Liegt ein entscheidungsfähiges Konzept vor, werden ausgewählte Kunden hinsichtlich der wichtigen Details befragt. Es folgt ein iterativer Prozess für die Verfeinerung.
Was ist den Kunden der Service wert?
Zu diesem Prozess gehört auch, mit den Kunden über ihre Zahlungsbereitschaft zu sprechen. Denn was nützt das beste Angebot, wenn der Kunde es nicht bezahlen möchte? Auch hier ist die interne Kalkulation der Kundenbefragung vorgeschaltet. Verschiedene Ansätze und Mischkalkulationen führen zu einem markfähigen Preis.
Die reine Kostenkalkulation ist die Basis für weitere Zuschläge, zum Beispiel aufgrund des Innovationgrads oder der garantierten Kontinuität und Qualität. Ein Betrachten der Preise der Wettbewerber gehört ebenfalls dazu, wobei aufgrund der unterschiedlichen Kombination von Serviceleistungen, Vertragssituationen oder Verfügbarkeit eine Vergleichbarkeit meist nur eingeschränkt gegeben ist. Das dritte Kalkulationselement ist der Kundennutzen, meist der wichtigste Faktor. Denn der Nutzengrad für den Kunden – also der Profit, den er aus der Leistung zieht – entscheidet letztlich darüber, welchen Preis er bereit ist, für den Service zu bezahlen. Eine Grundregel sollten Unternehmen bei dem umfangreichen Untersuchungsprozess beachten:
„Think big - Start small - Do it fast“!
Wenn Unternehmen künftig mit ihrem Service (mehr) Geld verdienen möchten, sollten sie beim Umsetzen ihres Vorhabens folgende drei Faktoren beachten:
- Um die notwendige interne Akzeptanz für den künftig bepreisten Service zu schaffen, ist Rückendeckung seitens der Unternehmensführung nötig. Das heißt: Manchmal muss ein Pflock eingeschlagen werden, der die Notwendigkeit der Veränderung dokumentiert.
- Die Kooperation zwischen Vertrieb und Servicebereich wird deutlich verbessert, wenn beide Seiten zum Beispiel aufgrund gemeinsamer Qualifizierungsmaßnahmen verinnerlicht haben: Der Kunde mit seinen Wünschen und Bedürfnissen muss im Zentrum unserer gemeinsamen Erwägungen und unseres Handels stehen. Denn nur dann können wir mit ihm profitable Geschäfte machen.
- Das Unternehmen sollte seine Kunden frühzeitig und immer wieder in den Prozess zur Findung der richtigen Serviceprodukte in richtiger Kombination für die richtigen Kunden einbinden. Denn nur der Kunde weiß, wofür er Geld bezahlen möchte, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Durch das Einbinden der Kunden über die verschiedenen Vertriebskanäle, erzeugen Unternehmen zudem das notwendige Interesse und Vertrauen für den anschließenden Verkauf der Serviceleistungen.
Reale Kontakte statt Social Networking
Unternehmen aller Branchen und Größen müssen sich heutzutage mit der Bedeutung von Online-Kontakten als Verkaufs- und Marketingmittel auseinandersetzen. Dies wird besonders deutlich am raschen Wachstum sozialer Netzwerke. Online-Kontakten wird auch zunehmend mehr Zeit gewidmet als persönlichen. Es stellt sich die Frage: Findet die persönliche Interaktion mit potenziellen oder bestehenden Kunden mit der gleichen Regelmäßigkeit statt? Experten gehen nämlich schon heute davon aus, dass die Bedeutung sozialer Netzwerke in den kommenden drei Jahren weiter steigen wird. Demnach wird das persönliche Gespräch immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden.
Online-Kontakte kein Ersatz für persönliche Treffen
Trotz dieses Trends sollte nicht vergessen werden, dass reales Netzwerken für den Aufbau von Kundenbeziehungen und die Abwicklung von Geschäften unentbehrlich ist. Obwohl es oftmals sogar einfacher ist einer Person zu vertrauen, die uns ein Bekannter online vorgestellt hat, als jemandem, den wir aus einer Anzeige kennen, ist der Online-Kontakt kein Ersatz für ein persönliches Treffen.
Menschen verhandeln immer noch mit Menschen! Ein gemeinsames Mittagessen oder ein Feierabendbier nach der Arbeit sind oft notwendig, um herauszufinden, wer unser Gegenüber tatsächlich ist. Auch wenn wichtige Geschäftsabschlüsse anstehen, sollten die Geschäftspartner lieber persönlich aufeinander treffen: In vielen Kulturen finden die eigentlichen Verhandlungen zum Beispiel während des Geschäftsessens statt. Der Vertragsabschluss selbst erfordert ebenso die persönliche Anwesenheit der Vertragspartner.
Smalltalk funktioniert offline besser
Die gravierenden Unterschiede zwischen Online-Kontakten und realen Kontakten sollten dabei nicht vergessen werden. Zunächst wäre da der essenzielle Smalltalk, ein nicht wegzudenkender Teil sämtlicher Geschäftsangelegenheiten – sei es auf freundschaftliche oder professionelle Art und Weise. Egal, ob wir über das Wetter reden, unsere Familie, unseren Herkunftsort, unsere Hobbys oder den Lieblingssport: Durch diese Gespräche finden wir schnell Gemeinsamkeiten und können eine engere Verbindung zueinander herstellen.
In den äußerst schnell ablaufenden Online-Gesprächen beziehungsweise bei nur 140 Zeichen, die bei Twitter für ein Posting zur Verfügung stehen, bleibt allerdings keine Zeit für Smalltalk. Außerdem wird die nonverbale Kommunikation wie Körpersprache und Augenkontakt bei der Online-Kommunikation völlig ausgeklammert. Gerade diese Faktoren sind es aber, die bei realen Gesprächen instinktiv registriert und verarbeitet werden und einen bedeutenden Beitrag zu erfolgreicher Kommunikation leisten.
Videokonferenzen nur nach persönlichem Kennenlernen
Wenn Gesprächspartner an verschiedenen Orten arbeiten, eignet sich nicht nur die Online-Kommunikation. Immer öfter greifen Unternehmen auch auf die Videokonferenz als moderne Alternative zurück. Die Technologien für Videokonferenzen sind in den letzten 20 Jahren derart ausgereift, dass technische Mängel keinen Grund für einen Verzicht darstellen. Geeignet sind Videokonferenzen vor allem für regelmäßige Treffen und Routinebesprechungen, bei denen sich die Gesprächspartner jedoch bereits persönlich kennen. Bei geschäftlichen Erstkontakten jedoch sollte ein persönliches Treffen einer Videokonferenz oder Online-Korrespondenz vorgezogen werden.
Direkte Kommunikation in angenehmer Umgebung
Die Zeit, die wir gemeinsam mit anderen Menschen verbringen, ist kostbar geworden in einer Welt der Mobiltelefone und Laptops. Aus diesem Grund spielt die Umgebung für persönliche Treffen eine zunehmend wichtige Rolle. Viele Hotels, Restaurants, Bars und auch Wartehallen in Bahnhöfen und Flughäfen stellen angenehme, loungeähnliche Einrichtungen bereit, damit sich auch Geschäftsleute ungestört unterhalten können.
In Großbritannien existieren beispielsweise so genannte Networking-Standorte, die speziell auf Frauen zugeschnitten sind, um mehr persönlichen Kontakt mit ihren Mitarbeitern sowie inspirierende Standorte für ihre Arbeit, Zusammenkünfte und Networking zu ermöglichen.
Persönliches Netzwerken in Gemeinschaftsbereichen
Auch bei zahlreichen kleinen Unternehmen in Deutschland steht persönliches Netzwerken ganz oben auf der Prioritätenliste, wenn es um den Abschluss neuer Geschäfte geht. Diese kleinen Unternehmen, von denen viele von Zuhause aus oder eigenständig betrieben werden, haben das Bedürfnis nach persönlichen Kontakten erkannt.
Neue Technologien ermöglichen uns zwar den Luxus flexibler Arbeit, nehmen uns aber gleichzeitig die wohlbekannten Smalltalks am Kaffeeautomaten. Eine kurze Unterhaltung an der Bürotür kann unter Umständen eine unerwartete Idee hervorbringen oder den Weg für eine hervorragende Geschäftspartnerschaft ebnen. Viele Firmen haben bereits erkannt, wie wichtig der zwischenmenschliche Kontakt ist und sehen in speziell eingerichteten Gemeinschaftsbereichen fürs Netzwerken und Kontakte pflegen einen wesentlichen Vorteil.
Erfolgreiche Unternehmen müssen ein Gleichgewicht zwischen realen Kontakten und Online-Kontakten mit Kunden herstellen. Obwohl die ständig zunehmende Benutzerzahl geschäftsbezogener sozialer Netzwerke zeigt, dass diese bei der Neukundengewinnung heutzutage immer wichtiger werden, sollten persönliche Kontakte nicht vernachlässigt werden, denn sie sind unerlässlich für erfolgreiche Geschäftsabschlüsse und die Kundenpflege.
Das Wichtigste zusammengefasst finden Sie im Themenspecial:
Kunden gewinnen - Wie sie Kunden gewinnen und richtig ansprechen [8]
Ausführlicher lesen Sie in unseren Lösungshilfen:
- Kundenaktivierung: Kunden richtig ansprechen und zum Kauf bewegen [9]
- Kundenrückgewinnung: Kundenabwanderung erkennen und Kunden zurück gewinnen [10]
- Kunden gewinnen: Die Akquisition von Neukunden als systematischer Verkaufsprozess [11]
Tipps für Verkäufer im Vertriebsalltag
In Verkaufsgesprächen werden Kunden oft mit zahlreichen (technischen) Details konfrontiert, dass ihnen nach kurzer Zeit der Kopf brummt. Der Grund: Viele Verkäufer haben bei der Bedarfsermittlung und Nutzenargumentation primär ihr Produkt vor Augen. Sie vergessen, dass ihnen ein Mensch gegenüber sitzt, der auch als Person wahrgenommen und wertgeschätzt werden möchte. Top-Verkäufer hingegen wissen das, und deshalb gestalten sie ihre Verkaufsgespräche so, dass der Kunde ihr Interesse an seiner Person spürt. Durch welche Maßnahmen das gelingt, zeigen die folgenden sieben Praxistipps für Verkäufer:
1. Entfachen Sie Ihr inneres Feuer!
Der Verkäuferalltag ist stressig. Deshalb hasten Verkäufer oft unvorbereitet zu Kunden oder haben auf den nächsten Kundentermin unter Umständen gar keine Lust mehr. Wenn Sie mit dieser Einstellung zu Kunden fahren, bleiben Sie besser gleich zuhause, denn der Kunde spürt diese Lustlosigkeit und bleibt emotional auf Distanz. Mehr noch: Er findet Sie nicht sympathisch und will schlussendlich nicht bei Ihnen kaufen.
Versetzen Sie sich vor jedem Kundentermin in eine positive Stimmung! Selbst dann, wenn Sie nicht wissen, wo Ihnen der Kopf steht. Ein einfacher Trick hilft und versetzt Sie in gute Laune: Bevor Sie dem Kunden gegenübertreten, denken Sie einfach an ein schönes Erlebnis. Zum Beispiel an Ihren letzten Urlaub oder an den letzten Kundentermin, bei dem Sie einen positiven Abschluss erzielten. Das Denken an ein solches Erlebnis verändert die Stimmung und somit auch die eigene Ausstrahlung.
2. Werden Sie ein „Inselforscher“!
Jeder Mensch lebt – bildhaft gesprochen – auf einer eigenen Insel. Das heißt, er hat ganz individuelle Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen. Entsprechendes gilt für Organisationen. Erforschen Sie diese Insel, um herauszufinden, was der Kunde wirklich will und über welchen Kanal Sie ihn erreichen. Ihre Erkundungstour sollte sich auf folgende drei Dimensionen erstrecken:
Vergangenheit:
- Welche Vorerfahrung hat der Kunde?
- Was hat er in der Vergangenheit beziehungsweise im Vorfeld getan?
Gegenwart:
- Vor welchen Herausforderungen steht der Kunde? Welchen Zwängen ist er unterworfen?
- Was muss er bei seiner Entscheidung beachten?
Zukunft:
- Welche Wünsche, Ziele oder auch Ängste hat der Kunde?
- Was ist ihm bei seiner Kaufentscheidung wichtig?
3. Ermitteln Sie die „roten Knöpfe“!
Kunden haben viele Wünsche, doch nicht alle sind für ihre Kaufentscheidung gleichermaßen relevant. Manche Dinge sind „nice to have“, andere unverzichtbar. Ermitteln Sie diese sogenannten „roten Knöpfe“, also die Faktoren, die bei der Kosten-Nutzen-Abwägung des Kunden die ausschlaggebende Rolle spielen. Das kann zum Beispiel die Frage nach der Lieferdauer sein oder die Frage, wie rasch eine bestimmte Reparatur erfolgt. Die „roten Knöpfe“ können sehr verschieden sein. Entsprechend wichtig ist es, sie zu ermitteln, denn sonst verzetteln Sie sich in Ihrer Verkaufsargumentation. Eventuell zielt Ihre Argumentation sogar komplett ins Leere.
4. Führen Sie durch Fragen!
Ein gängiges Vorurteil lautet: Ein Verkäufer, der gut reden kann, verkauft auch gut. Falsch! Eine gewisse Rhetorik ist zwar von Vorteil, doch wenn ein Verkäufer zu viel redet, entsteht kein Dialog. Für Top-Verkäufer gilt deshalb das zielführende Fragen. Erzählen Sie dem Kunden also beispielsweise nicht nur bestimmte Produkteigenschaften, sondern geben ihm – im Idealfall – das Produkt selbst in die Hand und fragen ihn dann, ob er die zuvor proklamierte Eigenschaft auch selbst spürt.
Danach fragen Sie ihn, ob er es sich vorstellen kann, dass diese Produkteigenschaft ihm auch tatsächlich den gewünschten Vorteil bietet. Top-Verkäufer achten außerdem genau auf die Antwort des Kunden, das heißt sie hören aufmerksam zu. Denn aus seinen Antworten können sie entnehmen, auf welche Resonanz ihre Nutzenargumente stoßen. So erkennen Sie zielsicher die „roten Knöpfe“.
5. Öffnen Sie den Zustimmungstrichter!
Was ist Ihr Ziel im Verkaufsgespräch? Natürlich die Zustimmung des Kunden zum Kauf. Am einfachsten gelingt das, wenn Sie das Verkaufsgespräch so aufbauen, dass der Kunde in dessen Verlauf bereits viele kleine Teilentscheidungen trifft, die für seine Kaufentscheidung wichtig sind. Wie ein solcher Zustimmungstrichter funktioniert, sei an einem Beispiel illustriert:
Ein Kunde möchte eine neue Haustür für seinen Eigenheim kaufen. Nachdem der Verkäufer den Bedarf des Kunden grob ermittelt hat, kann der Dialog folgendermaßen ablaufen:
Verkäufer: Ihren Worten entnehme ich, dass Sie eine Haustür möchten, die gegen Lärm und Kälte gut isoliert?
Kunde: Ja.
Verkäufer: Wie wichtig ist Ihnen das Aussehen der Tür?
Kunde: Sie soll primär zu der eher schlichten Fassade unseres Hauses passen.
Verkäufer: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wollen Sie eine Haustür, die sich harmonisch ins Gesamtbild einfügt.
Kunde: Ja.
Verkäufer: An welche Farbe haben Sie gedacht?
Kunde: Weiß mit einem leichten Grauton kann ich mir gut vorstellen.
Verkäufer: Welche der beiden Türen, die Sie hier sehen, gefällt Ihnen besser?
Kunde: Das Modell X passt am besten.
Verkäufer: Gratulation zu Ihren klaren Vorstellungen! Diese Tür bietet Ihnen zudem einen optimalen Wärmeschutz. Wie wichtig ist Ihnen das?
Kunde: Ganz wichtig bei den heutigen Energiepreisen.
Der Verkäufer fordert den Kunden also immer wieder zu Teilentscheidungen auf. So werden mögliche Einwände früh erkannt und nicht erst auf der Zielgeraden. Entsprechend leicht fällt es dem Kunden, am Schluss das Produkt auch zu erwerben – und Sie haben als Verkäufer Ihr Ziel erreicht.
6. Haben Sie keine Angst vorm Preis!
Viele Verkäufer sind selbst davon überzeugt, dass die von ihnen angebotenen Produkte zu teuer sind. Der Grund: In vielen Verkaufsgesprächen hören sie die Kundenaussage: „Das ist aber teuer!“ Damit wollen Kunden jedoch oft nur ausloten, ob der Verkäufer selbst hinter dem Preis steht, denn die meisten Kunden wollen nicht möglichst billig, sondern „preiswert“ einkaufen. Sie wollen also das Produkt kaufen, das ihnen die beste Kosten-Nutzen-Relation bietet.
Reagieren Sie entsprechend gelassen, wenn ein Kunde entsprechend auftritt. Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben, können Sie etwa erwidern:
Ja, das ist richtig. Denn Sie haben sich für eine Tür höchster Qualität entschieden. Sie isoliert Ihr Haus aufgrund ihres hochwertigen Aufbaus optimal gegen Lärm und Kälte. Außerdem passt sie aufgrund ihres Designs optimal zur Fassade Ihres Hauses.
Bestätigen Sie also schlicht, dass das Produkt seinen Preis hat und nennen Sie dann nochmals Ihre zentralen Kaufargumente. In der Folge relativiert sich für die meisten Kunden der etwas höhere Preis.
7. Planen Sie voraus!
Der Erfolg eines Verkaufsgesprächs wird meist bereits entschieden, bevor sich Kunde und Verkäufer treffen, denn auch für Verkaufsgespräche gilt, ähnlich wie für gerichtliche Auseinandersetzungen: Je besser sich der Verkäufer auf das Kundengespräch vorbereitet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er den „Prozess“ gewinnt. Bereiten Sie sich also entsprechend professionell auf Verkaufsgespräche vor! Zum Beispiel, indem Sie sich zuvor im Internet über den Kunden informieren oder bei Bestandskunden die Kundenhistorie studieren. Überlegen Sie sich zudem: Welche speziellen Wünsche könnte der Kunde haben und was könnte für ihn die passende Problemlösung sein?
Je besser Sie vorbreitet sind, desto selbstsicherer sind Sie und umso besser können Sie sich im Gespräch auf die Aussagen des Kunden konzentrieren. Einen entsprechend professionellen und sympathischen Eindruck machen Sie – womit Sie den Auftrag schon halb in der Tasche haben.
Kaufargumente für Produkte entwickeln
Marketing- und Vertriebsverantwortliche wissen in der Regel, warum sie den Zielkunden ihres Unternehmens etwas verkaufen möchten. Zum Beispiel, um die gewünschten Umsätze zu erzielen. Weit schwieriger fällt ihnen das Beantworten der entscheidenden Frage:
Warum sollen unsere Zielkunden gerade bei uns kaufen und nicht bei einem Mitbewerber?
Oder anders formuliert: Sie haben zwar viele Argumente parat, mit denen sie ihren Vertriebsmitarbeiter darlegen können, warum ein aktives Verkaufen nötig ist (Verkaufsargumente). Womit sie ihnen aber nicht dienen können, ist eine überzeugende Argumentation, warum die Kunden gerade das Produkt ihres Unternehmens und kein Konkurrenzprodukt kaufen sollten (Kaufargumente).
Eine überzeugende Kaufargumention ist für den Vertriebserfolg aber extrem wichtig. Denn ganz gleich in welcher Branche ein Unternehmen aktiv ist, stets gilt: Es hat Mitbewerber, die ebenfalls um die Gunst der Kunden buhlen – Mitbewerber zudem, die häufig sogar etablierter, günstiger oder innovativer sind. Also brauchen Marketing- und Vertriebsmitarbeiter – und Verkäufer – schlagkräftige Argumente, warum die Zielkunden gerade ihr Unternehmen um ein Angebot bitten oder ihm einen Auftrag erteilen sollten. Sonst können sie weder Werbebriefe verfassen noch Broschüren konzipieren, die die gewünschte Wirkung erzielen. Und auch in Verkaufsgesprächen kommen sie ohne überzeugende Kaufargumente nicht weit.
Einen USP gibt es meist nicht
Das Formulieren solcher Kaufargumente fällt den Marketing- und Vertriebsverantwortlichen vieler Unternehmen schwer. Denn je länger sie hierüber nachdenken, umso bewusster wird ihnen meist: Unsere Mitbewerber sind auch nicht schlecht. Ihre Produkte sind gut. Auch ihr Service ist passabel und ihre Preise sind sogar noch etwas niedriger. Warum also sollten sich die Zielkunden gerade für unser Unternehmen und seine Produkte oder Leistungen begeistern?
Eine Ursache hierfür ist: Viele Marketing- und Vertriebsverantwortliche suchen, wenn es um das Formulieren der Kaufargumente geht, verzweifelt nach der „Unique Selling Proposition“ (USP), also dem einen Merkmal, das ihr Unternehmen oder Produkt von allen Mitbewerbern beziehungsweise Konkurrenzprodukten unterscheidet. Doch irgendwann stellen sie ernüchtert fest, dass es ein solches Alleinstellungsmerkmal gar nicht gibt. Und wenn doch, dann lässt sich hierauf keine längerfristige Marketingstrategie aufbauen – zum Beispiel, weil die Mitbewerber das aktuelle Alleinstellungsmerkmal im Servicebereich in relativ kurzer Zeit kopiert oder den Vorsprung im technischen Bereich oder beim Design eingeholt haben werden.
Der Versuch, einen USP beziehungsweise ein Alleinstellungsmerkmal zu formulieren, gleicht vielfach dem verzweifelten Versuch, eine Person mit einem Satz zu beschreiben. Das funktioniert nicht! Ein Beispiel: Jemand beschreibt eine Person einem Dritten nur anhand der Körpergröße. So kann noch kein konkretes Bild dieser Person im Kopf des Anderen entstehen. Denn Menschen dieser Größe gibt es viele. Anders verhält es sich, wenn weitergehende Informationen zu dieser Person gegeben werden, zum Beispiel über deren beruflichen Hintergrund oder persönliche Eigenschaften. Erst jetzt kann allmählich ein Bild entstehen.
Ähnlich verhält es sich mit Unternehmen und Produkten. Erst wenn mehrere Merkmale von ihnen kombiniert werden, gewinnen sie in der Regel an Profil (im Markt) und werden im Idealfall einzigartig und unverwechselbar.
Aus Fakten Kaufargumente ableiten
Die Aufgabe von Marketing- oder Vertriebsverantwortlichen lautet also: Merkmale ermitteln, die in ihrer Kombination ein unverwechselbares Profil ergeben. Doch auch dies allein genügt noch nicht. Das Profil soll ja nicht nur unverwechselbar sein, sondern auch attraktiv. Das wird es erst, wenn aus den einzelnen Merkmalen eines Unternehmens oder von Produkten die Vorteile für den Kunden – also die Kaufargumente – abgeleitet werden. Deren nüchterne Aufzählung motiviert Kunden in der Regel nicht zum Kauf oder zur Kontaktaufnahme. Marketing- oder Vertriebsverantwortliche müssen vielmehr aus den Fakten kundenbezogene Nutzen- oder Kaufargumente ableiten. Hierfür zwei Beispiele:
Ein Unternehmen produziert seit 20 Jahren Kopiergeräte. Das abgeleitete Kaufargument könnte lauten:
Entsprechend ausgereift und zuverlässig sind unsere Geräte, weshalb Sie keine Probleme mit der Wartung haben werden.
Eine Firma verfügt über Niederlassungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Nur ein Fakt, doch ein daraus abgeleitetes Kaufargument könnte lauten:
Entsprechend schnell sind unsere Servicetechniker bei Ihnen, wenn einmal Probleme auftauchen sollten.
Solche Kaufargumente zu entwickeln und diese den Zielkunden zu vermitteln, sei es mittels Werbebriefen, Anzeigen oder Broschüren, ist eine der Kernaufgaben von Marketingfachleuten. Doch dies allein genügt nicht. Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt müssen die Kaufargumente verinnerlicht haben, damit sie diese in Kundengesprächen locker und gezielt einsetzen können.
Dabei sollte jedoch bedacht werden: Nicht jedes Kaufargument zieht bei allen Kunden(-gruppen) gleichermaßen. Also müssen aus der Sammlung von Kaufargumenten stets die herausgepickt werden, die für den jeweiligen Kunden oder die jeweilige Kundengruppe relevant sind. Manchmal müssen aus denselben Produkt- oder Unternehmensmerkmalen sogar unterschiedliche Kaufargumente abgeleitet werden. Erneut ein Beispiel:
Bei einem kommunikativer Typ kann die Aussage „deshalb wird es dir mit mir nie langweilig“ zwar durchaus fruchten. In einem Bewerbungsgespräch könnte das entsprechend abgeleitete Kaufargument lauten:
Deshalb finde ich schnell einen Draht zu Ihren Kunden.
Entsprechendes gilt für die Kaufargumente, die bezogen auf Unternehmen und seine Produkte formuliert werden. Sie müssen glaubhaft, das heißt belegbar, sein – also aus realen Merkmalen des Unternehmens oder Produkts abgeleitet sein. Sie sollten sich zudem auf ein konkretes Bedürfnis der anvisierten Zielgruppe oder des jeweiligen Gegenübers beziehen, sonst erzielen sie nicht die gewünschte Wirkung. Also gilt es, dieses Bedürfnis zunächst im Kundenkontakt zu ermitteln.
Kunden gewinnen: Die Akquisition von Neukunden als systematischer Verkaufsprozess [12]
Kundenrückgewinnung: Kundenabwanderung erkennen und Kunden zurück gewinnen [13]
Quality Function Deployment: Vom Kundenwunsch zur Produktspezifikation [14]
Kundenlösungen durch beratendes Verkaufen
Beratendes Verkaufen ist auch unter den Begriffen „Consultative Selling“, „wertschöpfendes Verkaufen“, „bedarfsorientiertes Verkaufen“, „kundenorientiertes Verkaufen“, „strategisches Verkaufen“ oder „Verkauf von Lösungen“ bekannt. Für eine allgemeingültige Definition ist jedoch folgende Beschreibung zielführend:
- Beratendes Verkaufen ist der Prozess der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit potenziellen Kunden und Bestandskunden. Ziel ist es, dauerhafte Beziehungen aufzubauen, die für beide Seiten von Vorteil sind.
- Verkäufer sind dann in der Lage, solche Beziehungen erfolgreich herzustellen und weiterzuentwickeln, wenn sie permanent die aktuellen und zukünftigen Probleme und Bedürfnisse ihrer Kunden und des Unternehmens verstehen. Dann können sie Lösungen anbieten, die für die Kunden wertvoll sind, und sie unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.
- Mithilfe dieses Prozesses will der Verkäufer die Beziehung im Laufe der Zeit stärken und vertiefen. Er entwickelt sich in den Augen des Kunden schließlich zu einem vertrauenswürdigen Berater, der den geschäftlichen Erfolg seines Kunden in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stellt.
Während beim transaktionsorientierten Verkauf die aktive Einkaufsunterstützung im Vordergrund steht, will sich der beratende Verkäufer zum Experten für die Lebenswirklichkeit des Kunden entwickeln, und zwar sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Kennzeichen des transaktionsorientierten Verkaufens ist es, eine eher kurzfristige Beziehung aufzubauen, wobei der Kunde ein Anliegen äußert, dem der Verkäufer entspricht. Die Verkaufsgeschäfte basieren lediglich auf dem Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer, dem Preis oder den Produkteigenschaften.
Der beratende Verkäufer hingegen bietet dem Kunden die Lösung seines Engpassproblems an. Natürlich darf und soll auch der beratende Verkäufer die Aspekte des transaktionsorientierten Verkaufens nicht außer Acht lassen. Jeder Verkäufer muss eine Kundenbeziehung aufbauen, den Preis beachten und seine Produkte vorstellen können. Beim beratenden Verkauf kommen jedoch weitere Aspekte hinzu.
Hohe Branchen- und Marktexpertise
Die Prinzipien des lösungsorientierten Verkaufens lassen sich am Beispiel des Firmenkundengeschäfts erläutern, etwa in einer Bank. Beratendes und lösungsorientiertes Verkaufen heißt, dass der Verkäufer ein tiefes Verständnis bezüglich der Bedürfnisse und der Situation des Kunden hat. Denn er kennt die Herausforderungen, vor denen der Firmenkunde steht. Er ist weniger ein Finanzdienstleistungsexperte, sondern ein Experte in Bezug auf die Branche und die Märkte, in denen der Kunde agiert. Letztendlich entwickelt er sich zum Experten des Business, das der Kunde betreibt, also zum Business Consultant. Eben weil er über profundes Markt- und Branchenwissen verfügt, ist er in der Lage, dem Kunden nutzenorientierte Lösungen anzubieten, die ihm helfen, sich in seiner Branche und auf seinen Märkten zu behaupten.
Der beratende Verkäufer ist mithin stets auf dem Laufenden, was die Märkte und Unternehmensziele seines Firmenkunden anbelangt. Seine Kenntnisse gehen so weit, dass er im Sinn des Kunden strategisch denken und dessen geschäftliche Herausforderungen verstehen, bewältigen und zu dessen unternehmerischen Erfolgen beitragen kann.
Der Kunde räumt dem beratenden Verkäufer oft das Recht ein, alle Stufen seines Einkaufszyklus’ zu beeinflussen. Er gewährt ihm Einblick in die unternehmerischen Prozesse, weil er sich von ihm Beratung und Unterstützung erhofft und erwartet. Um die Beratungsphase kundenorientiert zu gestalten, bereitet sich der Verkäufer gut vor und nutzt jede Möglichkeit, um Informationen über seinen Kunden einzuholen: Er recherchiert im Internet, durchforstet die Presse, fragt bei Kollegen nach, schaut sich Geschäftsberichte an und besucht Foren, Konferenzen und Messen. Diese Leistung sollte zwar jeder kundenorientierte Verkäufer erbringen, doch beim beratenden Verkäufer läuft das intensiver ab. Ziel: Er möchte über Hintergrundwissen verfügen, um nicht nur Produkte verkaufen, sondern Lösungen anbieten zu können.
Ein weiterer Aspekt ist die Fokussierung auf den Wert. Wenn ein Verkäufer in der Lage ist, zu einer bestimmten Lösung auch die Auswirkungen auf den Return on Investment beziehungsweise die Gesamtbetriebskosten anzugeben, stützt er seine Verkaufsargumentation nicht mehr nur ausschließlich auf den Preis, sondern darüber hinaus auf den geschäftlichen Nutzen. Die besondere Herausforderung für den beratenden Verkäufer besteht darin, den Kunden dabei zu unterstützen, den Grund für den Wert des angebotenen Produkts beziehungsweise der Leistung zu verstehen. Dem konkreten Wert können viele Aspekte zugrunde liegen. Dazu gehören:
- Der Nutzen des verkauften Produkts beziehungsweise der Leistung
- Unterstützende Leistungen oder kundenspezifische Anpassungen in Zusammenhang mit dem Produkt oder der Leistung
- Der Ruf des Unternehmens
- Die vom Verkäufer vermittelten Informationen sowie seine Erfahrungen und Professionalität
In einem solchen Verkaufsprozess entwickelt sich der Verkäufer selbst zu einem Teil des Wertangebots, das dem Kunden unterbreitet wird. Verkäufer, die Werte auf diesem Niveau artikulieren können, bauen solidere Beziehungen zu ihren Kunden auf. Speziell im B2B-Kontext entstehen Beziehungen auf einer höheren Unternehmensebene.
Beratendes Verkaufen: Nicht immer die beste Lösung
Nicht immer ist der unternehmerisch denkende und beratende Verkäufer der geeignetste Partner, um einen Kunden zu überzeugen und zu begeistern. Denn jede Kundenbeziehung macht Wandlungen durch und verändert sich. Für einen Kunden etwa, der bereits damit beschäftigt ist, sich zwischen mehreren Kaufoptionen zu entscheiden, ist der beratende Verkäufer nicht der optimale Gesprächspartner. Vielmehr braucht der Kunde einen Verkäufer, der ihm konkrete Entscheidungshilfen gibt – in diesem Stadium der Kundenbeziehung sind mithin der transaktionsorientierte Verkauf und die aktive Einkaufsunterstützung wichtiger als die Beratung.
Wenn der Verkäufer das Konzept des beratenden Verkaufens umsetzen und anwenden will, sollte er die folgenden Schritte beherzigen:
Als gleichberechtigter Partner profilieren
Durch das erwähnte Branchen- und Marktwissen weiß der beratende Verkäufer, welche Probleme den Kunden derart beschäftigen (könnten), dass sie ihm nicht nur den Schlaf rauben, sondern schlimmstenfalls die Überlebensfähigkeit des Unternehmens in Frage stellen. Indem er sich als jemand profiliert, der zum Beispiel die Geschäftsherausforderungen des Kunden bis ins Detail kennt, wird er als gleichberechtigter Partner akzeptiert, mit dem der Kunde auf Augenhöhe diskutiert.
Drängendes Problem verifizieren
Hier ist die Kommunikationskompetenz des Verkäufers von entscheidender Bedeutung: Er hört genau und aktiv zu und stellt Fragen, die den Kunden animieren, näher auf seine (geschäftlichen) Problembereiche einzugehen. Reine Sachfragen hingegen muss er nicht oder kaum stellen, weil er aufgrund seiner exzellenten Vorbereitung die faktische Situation des Kunden aus dem Effeff kennt.
In dieser Phase kann es vorkommen, dass dem Kunden durch das Insiderwissen und die Fragetechnik des Verkäufers ein Problem bewusst wird, das er vorher unterschätzt oder gar nicht als solches wahrgenommen hat. Dann sollte der Verkäufer die Gelegenheit nutzen und sich endgültig als „mitdenkender Unternehmensberater“ positionieren. Fragen, die den Kunden, bewegen, sein dringlichstes Problem klar zu benennen, sind:
- Wenn Sie sich vorstellen, wo Sie/Ihr Unternehmen in fünf Jahren stehen/steht: Welcher Faktor behindert Sie aus heutiger Sicht am meisten, diese Vision zu verwirklichen?
- Welche Risiken könnten zum Scheitern Ihrer Unternehmensziele/Ziele führen?
Problem in seinen Konsequenzen beschreiben und Lösung finden
Sobald das Problem auf dem Tisch des Hauses liegt, verdeutlicht der Verkäufer dem Kunden das Problem, indem er ihn an die Folgen denken lässt, die eintreten, wenn er nicht handelt – also keine Problemlösung findet und realisiert. Dazu stellt er Konsequenzfragen wie:
- Was passiert, wenn Sie die Dinge wie bisher weiter laufen lassen?
- Wie hoch ist das Risiko, wenn Sie die Entwicklung in den Bereichen X und Y nicht berücksichtigen?
Nun geht es an die gemeinsame Erarbeitung der Lösung. Ziel ist, dass der Kunde die Lösung möglichst selbst formuliert.
Lösung umsetzen und eigenen Anteil hervorheben
Welche Problemlösung dies ist, hängt vom individuellen Fall ab. Hat es der Verkäufer erst einmal geschafft, sich zusammen mit dem Kunden ganz und gar darin zu vertiefen, eine Lösung zu finden, ist der lösungsorientierte Verkaufsprozess praktisch unumkehrbar – es sei denn, dem Verkäufer unterläuft ein grober Fehler.
Nachdem Kunde und Verkäufer die konkreten Umsetzungsschritte besprochen haben, die zur Verwirklichung der Problemlösung notwendig sind, sollte es der Verkäufer nicht versäumen, seinen Anteil an der Lösung gebührend hervorzuheben. Dabei geht es nicht um die Befriedigung von Eitelkeiten, sondern darum, sich langfristig als beratender Verkäufer und „Unternehmensexperte“ mit hoher Problemlösungskompetenz im Gedächtnis des Kunden zu verankern.
Ein beratender Verkäufer verfügt über Kompetenzen, die es ihm erlauben, beide Aspekte zu verknüpfen: das Beraten und das Verkaufen. Seine wichtigsten Kompetenzen sind: Er identifiziert sich überdurchschnittlich mit seiner Tätigkeit, seinem Arbeitgeber und seinen Produkten beziehungsweise Dienstleistungen und brilliert mit kommunikativ-rethorischer Kompetenz.
Wie sich Mitarbeiter im Service selbst motivieren
Die meisten Call Center sind besser als ihr Ruf. In vielen Centern wird heute Wert auf die kundenorientierte Behandlung der Anrufer gelegt. Vorbei die Zeiten, in denen die Mitarbeiter grundsätzlich genervt waren, wenn ein Kunde mit einem Problem anrief. In gut geführten Service-Centern sitzen in der Regel Mitarbeiter, die gerne mit Menschen umgehen, fachlich qualifiziert sind und entsprechend honoriert werden. Für die Aufgabe im Kundenservice werden kommunikationsfähige Menschen ausgesucht, denen Kundenservice Spaß macht. Doch jede gute Führungskraft weiß auch wie schwierig es ist, das anfängliche Engagement aufrecht zu erhalten und kontinuierlich Motivation und Begeisterung zu erzeugen. Dies ist die größte Herausforderung in Call Centern beziehungsweise Contact Centern mit Qualitätsanspruch und einem Management, für das Kundenbindung ein Unternehmensziel ist.
Schlüsselqualifikationen von Service-Mitarbeitern
Um ihre Mitarbeiter zu motivieren, überlegen sich die Unternehmen einiges: So setzen sie zum Beispiel auf eine gute Raumausstattung oder gemeinsame Events. Auf diese Weise werden die Mitarbeiter vielleicht zufrieden gestellt und fühlen sich am Arbeitsplatz zumindest nicht unwohl. Doch werden diese zufriedenen Mitarbeiter automatisch auch die Kunden an das Unternehmen binden? Bei dieser vorschnellen Ableitung ist Vorsicht geboten, denn Untersuchungen zeigen, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter noch lange kein Garant für deren Kunden-Engagement beziehungsweise für die Anliegen der Kunden ist.
Gerade bei diesen Mitarbeitern schlägt die Routine im Arbeitsalltag und damit in unzähligen Telefonaten immer wieder zu: ein Anruf nach dem anderen, immer wieder die gleichen oder ähnliche Kundenprobleme und teilweise sehr emotionale Gespräche mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern. Da führt auch das bloße Credo „Sei beim 50igsten Telefonat immer noch genauso freundlich wie beim ersten“ auf Dauer auch nicht zum Ziel. Um Kunden zu begeistern und emotional an das Unternehmen zu binden, braucht es engagierte und motivierte Mitarbeiter. Um gleichbleibende Motivation und damit Servicequalität zu schaffen, brauchen die Mitarbeiter zwei Schlüsselqualifikationen, die aber heutzutage noch kaum Auswahlkriterien und Lernziele darstellen:
- Empathie und Distanz
- Selbststeuerung der Gefühle
Können die Mitarbeiter sich in Kunden hineinversetzen und gleichzeitig die Probleme nicht zu nah an sich heranlassen, schaffen sie es, die Erlebnisse des Tages am Abend abzustreifen. Sie können abschalten und sich erholen. Können sie sich positiv beeinflussen, dann motivieren sie sich selbst und stellen sich so auf ihre Gesprächspartner immer wieder aufs Neue ein. Das Ziel: Spaß an der Arbeit und im Umgang mit Kunden.
Doch warum ist dies so wichtig? Wenn sich die Service-Mitarbeiter nicht aktiv mit ihrer Belastung, ihrer Rolle und ihrem emotionalen Auftrag „Lächle immer freundlich und geh auf den Kunden ein!“ auseinandersetzen, machen sich Routine und unbewusste Bewältigungsmechanismen breit. Das beeinflusst die Motivation nicht wirklich positiv.
Auf Kunden emotional eingehen statt Probleme versachlichen
Die Versachlichung der Probleme, die von Kunden an die Mitarbeiter herangetragen werden, ist eine Möglichkeit, den täglichen Stress zu bewältigen. Diese Form kennt man zum Beispiel auch von Ärzten, die einen emotionalen Abstand zu ihren Patienten herstellen. In Call Centern läuft dies etwa folgendermaßen ab:
Ein Kunde erläutert seiner Versicherung, dass er seinen Wagen zu Schrott gefahren hat. Die übliche Antwort: „Da brauche ich Ihre Kunden Nummer“. Diese Nicht-Anteilnahme am Schicksal des Kunden schafft sofort eine Distanz – sowohl beim Mitarbeiter als auch beim Kunden. Der Kunde wird zur Nummer. Dass dies gerade bei Service-Mitarbeitern nicht kundenorientiert ist, liegt auf der Hand.
Service-Mitarbeiter müssen erkennen, dass es nur im ersten Moment einfacher erscheint, nicht auf die emotionale Befindlichkeit und das emotionale Problem des Kunden einzugehen. Die versachlichten Gespräche werden eher mühsam, weil man sich nicht zuhört, aneinander vorbei redet, beide Seiten sich nicht verstanden fühlen, es Missverständnisse und manchmal auch emotionale Entgleisungen gibt. Es ist also letztlich anstrengend für den Mitarbeiter und den Kunden. Den Anfang des Gesprächs anders zu gestalten, setzt eine neue Haltung bei den Service-Mitarbeitern voraus, die etwa folgendermaßen skizziert werden kann:
Es ruft ein Kunde an, der etwas Wichtiges zu sagen hat. Ich bin neugierig auf sein Problem, sein Anliegen und höre ihm gut zu, was er zu sagen und auf dem Herzen hat. Ich stelle mich bewusst positiv auf meinen Gesprächspartner ein. Das rede ich mir nicht nur ein, sondern ich achte darauf, wie es mir gerade geht. Ob es zum Beispiel etwas gibt, was mich hindert, mich auf meinen Gesprächspartner zu konzentrieren.
Diese Reflexion nutzt der Mitarbeiter, um verständnisvoll und kompetent auf den Gesprächspartner einzugehen. Anhand des 4-Felder-Modells kann diese bewusste Gesprächsgestaltung verdeutlicht werden:

Professionelle Gefühlsarbeit in Servicegesprächen heißt, sich selbst zu reflektieren und Alarmzeichen des Körpers festzustellen, die auf eine negative Wahrnehmung von Kundenanliegen schließen lassen. Zur Selbstreflexion gehört also die Körperwahrnehmung, und durch Bewegung („e-Motion“) kann auch die Motivation positiv beeinflusst werden. So können Service-Mitarbeiter beispielsweise ab und an auch im Stehen telefonieren oder auch – sofern drahtlose Head Sets zur Verfügung stehen – sich dabei im Raum bewegen. Durch das Kneten von Schaumbällen lassen sich überdies anstrengende Situationen „entstressen“.
Erfolgreiche Kundengespräche sammeln und veröffentlichen
Eine weitere vermeintlich nützliche Methode ist, sich den Frust über aufreibende Telefonate und unfreundliche Anrufer lauthals von der Seele zu reden. Da muss ein Negativ-Beispiel immer und immer wieder herhalten und wird in der ganzen Abteilung breitgetreten. Wer auf diese Weise „Luft ablässt“ wird zwar kurzfristig Erleichterung spüren, verstärkt aber seine negative Grundhaltung und demotiviert sich selbst. Auf Dauer wird die Stimmung im gesamten Team, was die Kundenorientierung und den Spaß an der Arbeit angeht, vergiftet.
Eine einfache Art, wie Mitarbeiter dazu angeregt werden können ihre Stimmung positiv zu verändern, ist, das Zählen und Bewerten der Telefonate auf einer Smiley-Skala. Schnell zeigt sich: Die ganz wenigen negativen Gespräche werden immer wieder hervorgehoben. Die vielen netten und erfolgreichen Gespräche hingegen, die Tag für Tag mit Kunden geführt werden, sind nicht der Rede wert. Durch die Sammlung und Veröffentlichung schöner „Telefongeschichten“ kann eine Gegenbewegung geschaffen werden, die die Laune hebt.
Zielführend können auch Techniken und Übungen sein, die für die nächsten Telefonate fit machen: eine kurze Imaginationsreise an einen schönen Ort, ein Gegenstand am Arbeitsplatz, der angenehme Erinnerungen hervorruft und wenige Minuten konzentriert fixiert wird, oder einfache Atemübungen und Übungen aus der progressiven Muskelentspannung – diese bewussten Pausen beeinflussen die eigene Haltung und damit das Wohlbefinden des Service-Mitarbeiters.
Die Fähigkeit zu Empathie und Distanz sowie zur Selbststeuerung der Gefühle lässt sich erlernen und bewusst einsetzen. Der Respekt vor der emotionalen Schwerstarbeit, die die Mitarbeiter im Kundenkontakt selbstverständlich leisten und deren Wertschätzung durch die Führungskräfte und Trainer sind der erste Schritt. Daher ist eine Neuausrichtung von Telefon-Trainings und Coaching-Ausbildungen auf Inhalte notwendig, die nicht nur die Kommunikation im Fokus haben, sondern den Mitarbeiter in die Lage versetzen, seine eigene Haltung und Einstellung bewusst zu beeinflussen und zu wählen.
Das Bestreben, es dem Mitarbeiter leicht zu machen, kontinuierlich authentischen Service zu leisten, unterstützt den Lernerfolg und die Umsetzung. Aufgabe der Führungskräfte ist es, ein Umfeld zu schaffen, das Bewegung, Spaß, kurze Pausen, Selbstreflexion und Gefühle zulässt und somit die Selbstmotivation fördert. Das macht es auch für die Führungskräfte einfacher. Motivation heißt nun nicht mehr, etwa das letzte Motivations-Event oder Incentive durch ein noch besseres zu übertrumpfen. Das Ergebnis: Mitarbeiter und Kunden, die engagiert sind, und Führungskräfte, die sich ebenfalls selbst motivieren können.
Hinweis
Mehr zum Thema lesen Sie in unseren Lösungshilfen:
- Servicequalität:
Worauf es bei der Interaktion mit den Kunden ankommt [15] - Service-Engineering:
Dienstleistungen wie Produkte planen und entwickeln [16] - Kundencoaching:
Kundenwünsche erkennen und erfüllen [17]
Coaching als Führungsinstrument im Vertrieb
Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter coachen. Diese Aussage hört man immer öfter, insbesondere bezogen auf die Vertriebsbereiche von Unternehmen. Denn wie erfolgreich der Vertrieb eines Unternehmens agiert, hängt stark davon ab, wie dessen Mitarbeiter den Kontakt und die Beziehung zu den potenziellen Kunden gestalten. Unklar bleibt dabei aber meist, was die Führungsaufgabe Coachen von solch klassischen Führungsaufgaben wie Anleiten und Anweisen unterscheidet. Unklar bleibt auch, wann im Führungsalltag eher ein Coachen und wann eher Anleiten oder Anweisen angesagt sind.
Ursachen des Coaching-Booms
Es gibt viele Ursachen, warum das Coachen gerade im Vertrieb sowie den vertriebsnahen Bereichen auf eine überwiegend positive Resonanz stößt. Zum einen ist die Erwartungshaltung, insbesondere der attraktiven Zielkunden der Unternehmen an ihre externen Dienstleister sowie Lieferanten, in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten stark gestiegen. Unter anderem deshalb, weil ihnen dank Internet andere Informationsquellen zur Verfügung stehen. Sie erwarten heute von den Mitarbeitern der Unternehmen eine viel umfassendere und individuellere Beratung und Betreuung als noch vor zehn oder gar 20 Jahren.
Deshalb genügt es nicht mehr, den Vertriebsmitarbeitern in Seminaren das erforderliche Produktwissen und das kleine oder große Einmaleins des Verkaufens zu vermitteln. Die Vertriebsmitarbeiter müssen vielmehr die Kompetenz erwerben, im Kundenkontakt schnell zu ermitteln, was für ein „Typ“ ihnen gegenüber steht und welchen Bedarf die Person beziehungsweise Organisation hat, um dann situativ eine kundenspezifische Gesprächsstrategie zu entwerfen.
Zum anderen ist die Tätigkeit vieler Führungskräfte, nicht nur in den Vertriebsbereichen, heute so komplex und vielschichtig, dass ihnen nur wenig Zeit bleibt, sich mit den einzelnen Mitarbeitern zu befassen und deren Tun zu steuern und zu kontrollieren. Bedingt wird dies unter anderem durch den rasanten Wandel des Unternehmensumfelds. Das heißt: Die Mitarbeiter müssen eigenständiger und eigenverantwortlicher als früher arbeiten. Dies können sie nur, wenn sie zuvor die dafür erforderliche Kompetenz erworben haben.
Auf beide Ursachen reagiert das Coaching. Es will den Mitarbeitern die Kompetenz vermitteln eigenständig herauszufinden, welches (Verkäufer-) Verhalten die jeweilige Situation erfordert und dann das entsprechende Verhalten zu zeigen. Das bedeutet nicht, dass die klassischen Führungsaufgaben des Anleitens und Anweisens ihre Bedeutung verloren haben. Sie sind und bleiben wichtige Führungsaufgaben. Daneben ist aber die Aufgabe getreten, die Kompetenz der Mitarbeiter so zu entwickeln, dass sie ihre Aufgaben nicht nur stets besser erledigen, sondern auch dann noch weitgehend eigenverantwortlich lösen können, wenn sich die Anforderungen ändern.
Verfügen die Mitarbeiter über diese Kompetenz, können sie flexibler eingesetzt werden und auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse sowie Marktanforderungen reagieren. Gleichzeitig werden die Führungskräfte entlastet, denn sie müssen im Betriebsalltag seltener steuernd und korrigierend eingreifen und ihren Mitabeitern sagen, was sie zu tun haben (anweisen) und wie sie ihre Aufgaben zu erfüllen haben (anleiten).
Der Unterschied zwischen anweisen, anleiten und coachen
Wie Führungskräfte in der Praxis coachen können, sei an einem Beispiel beschrieben: Angenommen, ein noch junger und recht unerfahrener Key-Accounter eines IT-Dienstleisters hat den ersten Gesprächstermin beim kaufmännischen Leiter eines mittelständischen Unternehmens. Im Vorfeld des Gesprächs zeigt er sich unsicher, weil er weiß, dass dieser an die Lieferanten und Dienstleister sehr hohe Anforderungen stellt und sein Unternehmen für viele IT-Dienstleister ein attraktiver Kunde ist.
Klassische Gesprächssituation zwischen Mitarbeiter und Führungskraft:
Führungskraft: Bei Herrn X müssen Sie auf folgende Dinge achten: ... Am besten gehen Sie zunächst folgendermaßen vor: ... Danach ..., und dann ...
Die Führungskraft agiert hier weitgehend mit Anweisungen und gibt dem Mitarbeiter zahlreiche Tipps (anleiten), wie er sich im Kundenkontakt verhalten soll. Ganz anders agiert sie, wenn sie sich auch als Coach ihrer Mitarbeiter versteht.
Alternative Gesprächssituation zwischen Mitarbeiter und Führungskraft:
Führungskraft: Mit welchen Gefühlen fahren Sie zum Kunden?
Mitarbeiter: Ich bin ziemlich unsicher und nervös.
Führungskraft: Was bewegt Sie, wenn Sie an den Termin denken?
Mitarbeiter: Ich befürchte, Herr X nimmt mich als jungen Berater nicht ernst.
Führungskraft: Hatten Sie diese Befürchtung schon einmal in Ihrer Laufbahn als Verkäufer?
Mitarbeiter: Ja, als ich nach meiner Ausbildung zum ersten Mal alleine ein Beratungsgespräch mit dem Inhaber eines Ingenieurbüros führte. Doch am Schluss habe ich ihm eine neue Computeranlage verkauft.
Führungskraft: Toll. Was haben Sie gemacht, damit das Gespräch trotz Ihrer Nervosität erfolgreich war?
Mitarbeiter: Ich habe mich auf das Gespräch gut vorbereitet. Im Gespräch fand ich schnell den Draht zum Kunden, so dass ich innerlich ruhiger wurde.
Führungskraft: Und wie fanden Sie den Draht zum Kunden?
Mitarbeiter: Indem ich ihm zunächst einige persönliche sowie auf sein Unternehmen bezogene Fragen stellte, die ich mir im Vorfeld überlegt hatte. Zunächst ließ ich ihn erzählen.
Führungskraft: Welche Rolle spielte in diesem Gespräch Ihr Alter?
Mitarbeiter: Im Prinzip keine, da ich sehr gut vorbereitet war. Eigentlich war mein Alter zu Beginn eher für mich als für den Kunden ein Problem.
Eine Führungskraft, die als Coach agiert, präsentiert ihrem Mitarbeiter also keine fertigen Lösungen. Sie führt ihn vielmehr mittels Fragen an einen Punkt, an dem er wie in der aufgezeigten Gesprächssituation selbst erkennt, was die möglichen Ursachen seiner Unsicherheit sind und wie er diese in einer anderen Situation überwinden konnte. Erst dann beginnt die Führungskraft mit ihrem Mitarbeiter eine Strategie für das anstehende Kundengespräch zu entwerfen, indem sie ihm erneut Fragen stellt.
Das Gespräch könnte zum Beispiel folgendermaßen fortgesetzt werden:
Führungskraft: Wenn Sie sich die Situation damals bei Ihrem Gespräch nochmals vor Augen führen: Was bräuchten Sie im Gespräch mit Herrn X, um souverän agieren zu können?
Mitarbeiter: Eine gewisse Erstinformation darüber, wie Herr X „tickt“.
Führungskraft: Die kann ich Ihnen geben, oder Ihr Vorgänger. Noch etwas?
Mitarbeiter: Noch einige kundenspezifische Eingangsfragen, um Herrn X erst einmal zum Sprechen zu bringen. So kann ich ein Gespür für ihn entwickeln.
Führungskraft: In Ordnung. Sonst noch etwas?
Mitarbeiter: Vielleicht zwei oder drei ausgewählte Produkte beziehungsweise Lösungsvorschläge, die für sein Unternehmen passen könnten, nebst einer kundenspezifischen Nutzenargumentation, die ich ihm abhängig vom Gesprächsverlauf präsentieren könnte.
Führungskraft: Und mit welchem Ziel gehen Sie in das Gespräch, außer souverän zu wirken?
Mitarbeiter: Einen Wartungsvertrag für seine Computeranlage abzuschließen.
Führungskraft: Es freut mich, dass Sie so umsatz- und ertragsorientiert denken. Aber sind Sie sicher, dass Sie dieses Ziel bei einem Kunden wie Herrn X, der Sie noch nicht kennt, erreichen werden?
Mitarbeiter: Schön wär’s. Aber sicher bin ich nicht. Vielleicht sollte ich ein weniger anspruchsvolles, alternatives Ziel formulieren.
Führungskraft: Welches könnte das sein?
Mitarbeiter: Zum Beispiel, dass Herr X mit mir nach dem wechselseitigen Kennenlernen einen Folgetermin vereinbart.
Führungskraft: Was hätte das für einen Vorteil?
Mitarbeiter: Ich würde gelassener in das Gespräch gehen und könnte mich stärker auf meinen Gegenüber konzentrieren. Das ist besser, als wenn ich permanent im Hinterkopf habe, einen Abschluss erzielen zu müssen. Außerdem vermeide ich die Gefahr, die Beziehung zum Kunden zu gefährden, weil ich zu stark auf einen Abschluss zusteuere.
Führungskraft: Und wenn es dann trotzdem mit dem Abschluss klappt, ist es prima. Das muss es aber nicht gleich, weil es zunächst wichtiger ist, dass Herr X eine Beziehung zu Ihnen entwickelt.
Lernprozesse in Gang setzen
Eine Führungskraft, die coacht, gibt ihrem Mitarbeiter also auch nicht die (Verkaufs-) Gesprächsstrategie vor. Zentrales Ziel ist es vielmehr, beim Mitarbeiter einen Lern- und Erkenntnisprozess in Gang zu setzen. Deshalb gibt die Führungskraft keine Antworten. Sie fragt und gibt durch ihre Art der Fragen sowie der Gesprächsführung zu erkennen, dass sie viel Erfahrung im Vertrieb besitzt und weiß, was in gewissen Situationen realistisch ist. Nachdem das Ziel und das Vorgehen geklärt sind, kann die Führungskraft dem Mitarbeiter zum Beispiel folgenden Auftrag erteilen:
Beobachten Sie im Gespräch mit Herrn X bitte, wie souverän Sie sich in den verschiedenen Gesprächsphasen fühlen und agieren. Bewerten Sie Ihre Souveränität auf einer Skala von 1 bis 5. Nach dem Gespräch notieren Sie sich dies bitte und überlegen, warum Sie in gewissen Phasen souveräner als in anderen waren.
Das Ziel: Die Führungskraft möchte bei dem Mitarbeiter einen Selbstreflexionsprozess anstoßen, dessen Ergebnisse dann Inhalt eines zweiten Gesprächs sind, das beide so zeitnah wie möglich nach dem Kundengespräch führen. Dieses Gespräch könnte die Führungskraft mit folgender Frage einleiten:
Stellen Sie sich vor, bei dem Gespräch mit Herrn X wäre eine Kamera gelaufen. Was würden Sie sehen, wenn Sie den Film anschauen?
Das Ziel der Frage: Der Mitarbeiter soll sich noch einmal das Gespräch vergegenwärtigen und dessen Verlauf schildern. Danach könnte die Führungskraft zum Beispiel fragen:
Wie lief das Gespräch aus Ihrer Warte?
Anschließend:
Was würde Herr X sagen, wenn ich ihm dieselbe Frage stellen würde?
Das Ziel dieser Frage: Der Mitarbeiter soll nochmals aus der Warte der verschiedenen Beteiligten das Gespräch Revue passieren lassen, um anschließend, geleitet durch die Fragen der Führungskraft, selbst ermitteln zu können, was bereits gut lief, was weniger, und was er wie künftig besser machen kann. Bei dem Mitarbeiter soll also ein Lernprozess angestoßen werden, der mittelfristig ein Coaching durch die Führungskraft überflüssig macht. Der Mitarbeiter lernt auf diese Art und Weise, vor Kundengesprächen selbständig zu analysieren, was die Situation erfordert und welches Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit zielführend ist. Zudem kann er nach den Gesprächen selbst untersuchen, was er künftig in vergleichbaren Situationen anders machen sollte.
Coaching zielt also darauf ab, aus Mitarbeitern mit Entwicklungspotenzial sozusagen „Selbstentwickler“ zu machen, die unter anderem noch vorhandene Lernbedarfe selbst erkennen und Strategien für sich selbst entwickeln können. Ist dieses Ziel erreicht, wird auch die Führungskraft entlastet, denn sie muss ihre Mitarbeiter zumindest im Alltagsgeschäft nicht stets neu instruieren. Hinzu kommt: Verfügen die Vertriebsmitarbeiter erst einmal über die Kompetenz, aus ihrem Job resultierende Entwicklungsbedarfe selbst zu erkennen und zu beheben, kann die Gesamtorganisation schneller auf Marktveränderungen, die beispielsweise eine neue (Vertriebs-) Strategie erfordern, reagieren. Somit geht das Unternehmen einen wichtigen Schritt in Richtung lernende Organisation.
Zusammenarbeit durch indirekten Vertrieb
Hersteller erhofften sich von ihren Vertriebspartnern, also zum Beispiel Fach- und Großhändler, eine offensive und professionelle Verkaufsarbeit. Die Vertriebspartner hingegen erwarten vom Hersteller eine tatkräftige Abverkaufsunterstützung, zum Beispiel in Form zusätzlicher Rabatte und Werbekostenzuschüsse. Das klappt nicht immer reibungslos, denn oft wird aus der Zusammenarbeit ein endloses und mühseliges Gerangel um Sonderkonditionen für einzelne Aufträge und zusätzliche Gelder für Abverkaufsaktionen.
Solche Prozesse lassen sich immer wieder beobachten, wenn Hersteller ihre Produkte über Vertriebspartner verkaufen, denn Vertriebspartner sind keine Angestellten des Herstellers, sondern selbstständige Unternehmer mit eigenen Interessen. Folglich kann sie der Hersteller schwerer steuern als eigene Mitarbeiter, was immer wieder zu Konflikten führt.
Oft werden diese Konflikte scheinbar nach dem Gesetz des Stärkeren gelöst. Das heißt, der stärkere Partner diktiert dem anderen seine Bedingungen. Verfügt der Hersteller zum Beispiel über eine starke Marke, die die Fachhändler oder Handwerker führen müssen, weil Kunden danach fragen, sitzt der Hersteller meist am längeren Hebel. Umgekehrt kann der Vertriebspartner eine Art Platzhirsch sein, der den Markt in gewissen Segmenten oder in seiner Region so stark dominiert, dass er dem Hersteller bestimmte Bedingungen vorgeben kann.
Gemeinsam handeln statt voneinander fordern
Langfristig jedoch ist ein solches Verhältnis für den schwächeren Partner immer belastend, auch emotional. Also strebt er danach, die Situation zu ändern, und baut etwa als Händler parallel eine Beziehung zu anderen Lieferanten auf. Oder er führt die Produkte eines bestimmten Herstellers nur formal, um seinen Kunden auch dieses Angebot anbieten zu können. Im persönlichen Kontakt allerdings macht er hauptsächlich so lange Werbung für Konkurrenzprodukte, bis der Kunde das Wettbewerbsprodukt kauft. Dadurch werden die Umsatzpotenziale des Erstlieferanten kannibalisiert, und nichts wird dazu gewonnen.
Ähnlich verhält es sich, wenn der Vertriebspartner der stärkere Partner ist, der die Bedingungen der Zusammenarbeit diktiert. Auch dann wird der Hersteller versuchen, seine Abhängigkeit von diesem zu reduzieren, indem er etwa andere Vertriebspartner parallel aufbaut und stärkt. In beiden Fällen gehen die synergetischen Effekte einer gemeinsamen Kunden- und Marktbearbeitung verloren. Das Heben weiterer Umsatz- und Ertragspotenziale bleibt für beide Partner aus. Dieses Ziel können die Partner nur erreichen, wenn sie gemeinsam überlegen:
Wie können wir durch die Bündeldung unserer Stärken und Kompetenzen unseren Markt so bearbeiten, dass wir beide davon profitieren?
Dies setzt ein Umdenken der Beteiligten voraus: Die Marktpartner müssen sich bewusst machen, dass sie beide dasselbe Ziel haben, nämlich wirtschaftlich so erfolgreich wie möglich zu arbeiten. Verkündet wird dies oft, in die Realität umgesetzt leider noch zu wenig. Nach wie vor drehen sich die Gespräche zwischen den Gebietsverkaufsleitern der Hersteller und den Händlern und Verarbeitern fast ausschließlich um Produkte, Reklamationen und Lieferkonditionen. Der sogenannte Gebietsverkaufsleiter des Herstellers verkümmert oft zum „Troubleshooter“.
Zentrale Ursache hierfür: Viele Gebietsverkaufsleiter haben noch nicht ausreichend verinnerlicht, dass sie faktisch Betriebs- beziehungsweise Vertriebs- und Marketingberater der Vertriebspartner sind, die den Händlern im Vertriebsalltag aktiv zur Seite stehen müssen. Insbesondere dann, wenn diese keine Verkaufs- und Marketingausbildung, sondern nur mehr oder weniger motivierende sachliche Produktschulungen durchlaufen haben.
Verstehen sich die Gebietsverkaufsleiter des Herstellers hingegen als Vertriebs- sowie Marketingberater und -unterstützer, dann sprechen sie mit den Vertriebspartnern zum Beispiel über Fragen wie:
- Welche Ziele hast du als Unternehmer?
- Bei welchen Kunden möchtest du mit welchen Produkten und Leistungen wie mehr Umsatz und mehr Marge machen?
- Wie kann ich dich unterstützen, diese Ziele zu erreichen?
Unterstützung beim Abverkauf
Statt den Vertriebspartner nur mit Geld zu unterstützen, das dann oft als Nachlass an den Endkunden weitergegeben wird, unterstützen solche Gebietsverkaufsleiter die Händler und Handwerker beim Abverkauf – mit einem ganzen Bündel von strategisch und konzeptionell aufeinander abgestimmten Maßnahmen.
Stichwort
Mit folgenden Maßnahmen zur gemeinsamen Markt- und Kundenbearbeitung können Hersteller mit ihren Vertriebspartnern die Umsätze und Margen steigern:
- Gemeinsam ausgearbeitete Maßnahmenpläne für Verkaufsaktivitäten statt Zahlenfriedhöfe mit nicht wirklich akzeptierten Umsatzzielen
- Training „on the job“, zum Beispiel bei der Angebotsausarbeitung, bei Kundengesprächen am Telefon sowie bei Kundenbesuchen
- Motivierende Vertriebsworkshops und Verkaufstrainings, in denen die Vertriebspartner unter anderem in der aktiven Marktbearbeitung und offensiven Kundenansprache geschult werden
- Managementseminare zum Themenfeld „Planung, Führung und Controlling des Betriebs“
- Strukturieren und Organisieren des Verkaufsprozesses, von der Kundenansprache und -akquisition über die Anfragenbearbeitung, die Angebotsgestaltung und das Angebotsmanagement bis zum Abschluss und zur Auftragsabwicklung
- Tools wie zum Beispiel Kundendatenbanken, Briefe und Verkaufsförderungsmittel für die proaktive Akquisition, verkaufsfördernde Angebotstexte statt bepreiste Materialaufstellungen, Konzepte zum Nachfassen der Angebote
- Gemeinsame Verkaufsförderungsmaßnahmen wie etwa Hausmessen
Diese konzeptionelle, intensive Betreuung der Vertriebspartner kostet viel Zeit. Also müssen sich die Gebietsverkaufsleiter, bevor sie Zeit und Energie investieren, fragen, bei welchen Vertriebspartnern sich dieses Engagement lohnt, wer über das erforderliche Potenzial verfügt und bei wem die Chance auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit besteht. Zum Beispiel deshalb, weil das Gebiet des Vertriebspartners über sehr großes Absatzpotenzial verfügt oder weil der Juniorchef im Gegensatz zum Seniorchef in Sachen Marketing und Vertrieb engagiert neue Wege beschreiten möchte.
Um zu ermitteln, bei wem sich ein (weiteres) Engagement lohnt, sollten die Gebietsverkaufsleiter zum Beispiel jährlich bezogen auf alle Vertriebspartner eine Potenzial- und Chancen-Analyse durchführen, bei der sie sich unter anderem fragen:
- Wer ist ausbaufähig?
- Wo muss ein zweiter Partner ergänzend eingesetzt werden?
- Welcher Partner muss wie gehalten und gesichert werden?
- Welcher Partner muss (mittelfristig) ausgetauscht werden?
Dasselbe gilt umgekehrt für die Vertriebspartner. Auch sie müssen sich, bevor sie eine enge Partnerschaft mit einem Lieferanten eingehen – und diesen gegenüber dessen Mitbewerbern präferieren – zunächst fragen: Lohnt es sich, mit diesem zusammenzuarbeiten? Die Gründe dafür können zum Beispiel sein, dass der Hersteller pragmatisch hilft, neue Kunden(-gruppen) zu erschließen, dass er als Handwerker, der primär von seinen Montageleistungen lebt, einen sehr guten Support bietet und aktiv unterstützt, Wartungsverträge mit Kunden abzuschließen. Clevere Vertriebspartner fordern genau diese Unterstützungen statt nur nach Sonderkonditionen und Schein-Werbekostenzuschüssen zu fragen.
Partner im Vertriebsalltag begleiten
Ein gemeinsamer Erfolg lässt sich nur über eine gemeinsame Planung erzielen. So wird beispielsweise in einem extra anberaumten Jahresgespräch – wohlgemerkt ohne Troubleshooting-Themen – zunächst analysiert:
- Welche Struktur hat das Gebiet des Vertriebspartners?
- Wer sind seine Zielkunden?
- Welche Ziele will er wie erreichen?
Aus den Antworten wird dann die Strategie abgeleitet, wie sich gemeinsam attraktive Zielkunden oder Marktsegmente erobern lassen. Ist die Strategie definiert, wird ein Maßnahmenplan formuliert, wie der Mittler seine Ziele erreichen möchte und welche Unterstützung der Hersteller ihm hierbei bietet. Mit einer solchen Basis für die Zusammenarbeit haben auch die Besuchstermine des Gebietsverkaufsleiters beim Vertriebspartner eine höhere Qualität.
Es wird zum Beispiel besprochen, inwieweit die vom Vertriebspartner durchgeführten Marketing- und Vertriebsmaßnahmen von Erfolg gekrönt waren. Gebietsverkaufsleiter und Vertriebspartner können sich auch, wenn der erhoffte Erfolg nicht eingetreten ist, gemeinsam auf Ursachenforschung begeben. Zum Beispiel können sie nochmals die Adressen für Werbebriefe abgleichen und ermitteln, ob hier eventuell die falschen Personen oder Organisationen angesprochen wurden. Oder es werden noch einmal die Angebotsschreiben überprüft, ob sie auch tatsächlich verkaufsfördernd, sprich nutzenorientiert, formuliert sind oder eher technischen Datenblättern gleichen.
Der Gebietsverkaufsleiter nimmt also die Rolle des Betriebs- und Vertriebsberaters und -unterstützers wahr. Er coacht den Vertriebspartner bei seiner täglichen Arbeit, ähnlich wie dies eine gute Führungskraft im Vertrieb mit ihren Mitarbeitern tut. Nicht von oben herab, sondern getragen von der Maxime des gemeinsamen Erfolgs. Eine solche, den Vertriebsprozess begleitende Unterstützung der Vertriebspartner, können die Gebietsverkaufsleiter beziehungsweise Vertriebsmitarbeiter der Hersteller aber nur leisten, wenn sie das dafür erforderliche Selbstverständnis haben. Außerdem müssen sie über erforderliches Vertriebs-Know-how und Führungsqualitäten verfügen.
Daraus folgt: Die Gebietsverkaufsleiter müssen entsprechend geschult werden. Zudem benötigen sie eine vertriebliche und emotionale Unterstützung durch ihre Vorgesetzten. Diese müssen sie letztlich beim Wahrnehmen ihrer Aufgaben ähnlich unterstützend begleiten wie dies die Gebietsverkaufsleiter bei den Vertriebspartnern tun sollen. Nur so kann das Ziel, eine partnerschaftliche Markt- und Kundenbearbeitung zur Steigerung von Umsatz und Ertrag, gemeinsam erreicht werden.
Messe als Vertriebsinstrument
Unternehmen verfolgen mit der Beteiligung an einer Messe auch handfeste ökonomische Ziele. Folglich ist eine Budget‐Mitverantwortung für das Vertriebsinvestment Messe nicht von der Hand zu weisen, zumal die Messe das effektivste Instrument für die Marktbearbeitung und –erschließung ist. Aus diesem Grund ist es notwendig, die Messe im Vertrieb als Prozess zu betrachten, dessen Phasen vor, während und nach der Messe mit der gleichen Intensität genutzt werden sollten. Für viele Aussteller bedeutet diese neue Messekultur zunächst einen radikalen Perspektivwechsel im Vertrieb. Deshalb ist es empfehlenswert, die neue Vorgehensweise als einen kontinuierlichen Lernprozess zu gestalten, an dessen Ende der gewünschte Automatismus im Umgang mit der Messe steht.
Messe als Prozess begreifen
Das Management muss sich wieder seiner Verantwortung für das Instrument Messe bewusst werden. Jede Messebeteiligung bedarf einer Reihe strategischer Entscheidungen. Klar definierte und nachprüfbare Messeziele sind die unabdingbare Voraussetzung für eine zielorientierte und fokussierte Messeakquisition seitens des Vertriebs, die Auswahl der Exponate sowie das Kommunikations‐, Marktforschungs‐ und PR‐Konzept. Nachdem die Beteiligung auf strategischen Entscheidungen beruht, zählt die akribische Erfolgsanalyse am Ende des Messeprozesses ebenso zu den Managementaufgaben wie die kontinuierliche Prozessoptimierung zur Effizienzsteigerung.
Um das Potenzial der Messebeteiligung auszuschöpfen, müssen wir die Messe als Prozess verstehen, dessen drei Phasen vor, während und danach mit der gleichen Intensität geplant werden müssen. Besonders im B2B‐Markt ist dieses Prozessdenken die Grundvoraussetzung für den Erfolg, denn hier gibt mittlerweile der Fachbesucher, der seinen Messeaufenthalt akribisch plant, den Takt vor. Auf seiner Besuchsagenda stehen durchschnittlich 16 Aussteller, zum Teil sogar als feste Terminabsprache. Ein Vertriebsteam, welches sich auf die Kundenpflege zurückzieht und sich vornehmlich mit den „good old fellows“ verabredet, hat damit bereits vor der Messeeröffnung verloren!
Mit der Verabschiedung der Messeziele startet der parallele Planungsprozess in Vertrieb und Marketing. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer engen Abstimmung und Kooperation. Im Idealfall versteht sich das Marketing als Dienstleister des Vertriebs, der schlussendlich für den messbaren Return on Investment verantwortlich ist. Darüber hinaus sollten Marketing und Vertrieb gemeinsam überlegen, mit welchen flankierenden Maßnahmen die Arbeit der Verkäufer vor Ort optimal unterstützt werden kann. Ein kontinuierlicher Austausch über den Status quo während der gesamten Planungsphase gewährleistet den reibungslosen Ablauf.
Angesichts der jahrelang praktizierten Arbeitsweise im Vertrieb ist es empfehlenswert, die neue Vorgehensweise als einen kontinuierlichen Lernprozess zu gestalten, an dessen Ende der gewünschte Automatismus im Umgang mit der Messe steht. Die Erfahrung zeigt, dass Verkäufer sehr schnell ihre persönlichen Vorteile der neuen Arbeitsweise erkennen und mit jedem Erfolgserlebnis die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung steigt. Am Ende des Lernprozesses ist die Einbindung der Messe fester Bestandteil der Jahresplanung eines jeden Verkäufers.
Fokus-Themen der Vertriebsvorbereitung
Aufgabe der Vertriebsleitung ist es, unmittelbar nach der Zielverabschiedung das Team ins Boot zu holen. In einem Strategieworkshop wird gemeinsam der Vertriebs‐Messeprozess entwickelt.
Messeziele
Die übergeordneten strategischen und operativen Vorgaben müssen auf persönliche Verkäuferziele heruntergebrochen werden. Hierbei muss auf regionale Unterschiede geachtet werden – nicht jeder Verkäufer kann die gleichen Ziele erreichen! Für B2B‐Aussteller ist es darüber hinaus empfehlenswert, ein Messeziel wie zum Beispiel Neukundengewinnung angesichts des langen Entscheidungsprozesses in kleine Etappenziele umzuwandeln:
- Jeder Verkäufer bringt x Neukontakte der Kategorie y zur Messe
- Aus diesen Kontakten resultieren x Nachmessetermine pro Verkäufer
- Innerhalb von x Monaten werden in dieser Kontaktzielgruppe mindestens y Projektanfragen pro Verkäufer generiert
- Nach x Monaten (Ende des Messeprozesses) hat jeder Verkäufer y Aufträge bei diesen Neukunden akquiriert
Ein flankierender Verkäuferwettbewerb, der auf diesen Etappenzielen aufbaut, hat eine zusätzliche Motivationswirkung auf die Umsetzung der neuen Messekultur im Vertrieb.
Messeleads
Im nächsten Schritt muss die Frage beantwortet werden, welche Entscheider aus welchen Zielgruppen auf die Messe gebracht werden müssen, um die Ziele zu erreichen. Eine gemeinsam erarbeitete Lead-Kategorisierung legt darüber hinaus fest, welche Bedeutung welcher Besuchertyp hat. Diese Prioritätenliste beeinflusst später maßgeblich das Zeit‐Management auf der Messe.
Akquisitionsstrategie
Ziel ist es, Kontaktfrequenz und -qualität zu steigern und die kostbare Messezeit möglichst in die „High Potentials“ zu investieren. Hierzu bedient sich der Vertrieb einer mehrstufigen Akquisitionsstrategie. Durch den intensiven Dialog vor der Messe kennen Verkäufer im Idealfall bereits die Wünsche potenzieller Kunden. Vorteil dieser Strategie: Das zeitaufwändige Identifizieren und Qualifizieren potenzieller Kunden auf der Messe entfällt und das Gespräch konzentriert sich auf das Wesentliche.
Dem Fachbesucher kommt diese Strategie ebenfalls entgegen, bedeutet sie doch einen enormen Zeitgewinn. Auf diese Weise werden die Verkäufer mindestens 50 Prozent ihrer kostbaren Messezeit im Vorfeld der Messe „verkaufen“ – das heißt sie bestimmen, in wen sie ihre wertvolle Zeit investieren und werden so endgültig unabhängig von den Zufallstreffern auf der Messe.
Verbindliche Zeitachse
Als nächstes gilt es, eine Zeitachse für den Messeprozess zu verabschieden. In einer Roadmap mit Meilensteinen werden alle Projektschritte von der Akquise bis zur Erfolgskontrolle mit verbindlichen Terminen versehen. Diese Monitoringschritte stellen die kontinuierliche Prozesssteuerung durch die Vertriebsleitung sicher.
Team-Coaching ist Managementaufgabe
Während der Messe ist es Aufgabe der Vertriebsleitung, Arbeitsabläufe kontinuierlich zu optimieren und zeitnah auf Probleme zu reagieren. In den täglichen Briefings werden zurückliegende Geschehnisse reflektiert und der Plan für den neuen Messetag überprüft. Bei dieser Gelegenheit sollten auch die ausgefüllten Messeprotokolle kontrolliert und gegebenenfalls ergänzt werden. Eine tägliche Zwischenbilanz zeigt dem Team zudem, welche Teilziele bereits erreicht wurden. Eine positive Entwicklung ist dabei natürlich der beste Motivator.
Analog zur Roadmap steht unmittelbar nach der Messe für das Team die zeitnahe Bearbeitung der Messekontakte auf der Agenda. Für das Management bedeutet diese Phase, dass nach der Erfassung der Messekontakte diverse Analysen erstellt werden müssen:
- Wurden die Ziele erreicht?
- Welche Abweichungen gibt es?
- Was sind die Gründe hierfür?
Im Idealfall trifft sich das Team live oder virtuell zu einem Review‐Meeting, in dem die ersten Zwischenergebnisse präsentiert und diskutiert werden. Außerdem sollte das Team die neue Akquisitionsstrategie kritisch reflektieren können:
- Was hat funktioniert?
- Auf welches Echo ist die proaktive Arbeitsweise bei potenziellen Kunden gestoßen?
- Was könnte in Zukunft verbessert werden?
In den darauffolgenden Monaten bis zum Ende des Messeprozesses besteht für die Verkäufer weiterhin eine Reportingpflicht, der eine Informationspflicht über die weitere Entwicklung seitens des Managements gegenübersteht. Am Ende des Lernprozesses stehen die Messeevaluierung und die Erkenntnis der Verkäufer, dass die Messe ein starkes Instrument zur Erreichung ihrer persönlichen Ziele ist. Diese Verkäufer nehmen das Instrument künftig aktiv in die Hand, sind hoch motiviert und wissen um die riesigen Chancen einer Messebeteiligung.
Tipps zur Projektumsetzung
Diese neue Herangehensweise erfordert eine schrittweise Umsetzung, damit sie die Akzeptanz und Motivation auslöst, die den gewünschten Automatismus freisetzen. Für den Erfolg der neuen Strategie ist es deshalb wichtig, keinen Start von Null auf Hundert zu vollziehen, sondern sich in wohldosierten Einheiten dem Ziel einer dauerhaften Umstellung zu nähern.
Dies gelingt am besten, wenn die jeweiligen Zieleinheiten überschaubar und somit vom Team auch wirklich umsetzbar sind. Hierzu gehört auch, dass die Realisierbarkeit der Ziele im Vorfeld überprüft werden muss. Ausschlaggebend hierfür sind das zur Verfügung stehende Messe‐Zeitbudget sowie die Infrastruktur des Unternehmens.
Wird das Konzept praxisnah angelegt und orientiert es sich an den individuellen Rahmenbedingungen des Unternehmens, ist ein unmittelbarer Erfolg schon beim ersten Mal sichergestellt. Die Praxis zeigt zudem, dass Verkäufer ihre persönlichen Vorteile sehr schnell erkennen – hilft diese Strategie ihnen doch, ihre Ziele zeitsparender und effizienter zu erreichen. Die neue Arbeitsweise wird somit sehr schnell zur Routine.
Hinweis
Von der Autorin ist auch das Buch Messemarketing - So führen Sie Messen zum Erfolg [18] erschienen.
Mit Servicevertrieb Märkte erschließen und ausbauen
Der Markterfolg vieler Unternehmen, etwa aus der Industriegüterbranche, beruhte ursprünglich weitgehend auf der Leistungsfähigkeit und Qualität ihrer Produkte. Der Service hingegen war lediglich die notwendige Folge des Produktvertriebs. Die Kunden erwarteten einen After-Sales-Service – zum Beispiel die Versorgung mit Ersatzteilen sowie die Inspektion und Wartung der Maschinen. Also bekamen sie ihn. Dies war die Zeit des reaktiven Verkaufs von After-Sales-Serviceleistungen.
In den letzten Jahren jedoch hat sich das Blatt gewendet: Aufgrund des häufig bestehenden technischen Patts zwischen Produkten vieler Anbieter entscheidet sich heute der Erfolg nicht mehr allein über die Leistungsfähigkeit und Qualität der Produkte. Entscheidend für den Markterfolg ist mehr und mehr die kundenorientierte Gesamtlösung – also der Nutzen, den der Kunde während der gesamten Nutzungsdauer aus dem Gesamtpaket „Produkt plus Service“ zieht.
Service ist heute mehr als After-Sales-Service
Die logische Konsequenz: Viele Unternehmen bauen ihr Serviceangebot für die Kunden aus und der klassische After-Sales-Service wird zunehmend um einen Pre-Sales-Service (zum Beispiel technische Planung und betriebswirtschaftliche Beratung) und sowie Ad-Sales-Service (zum Beispiel Montage und Inbetriebnahme) ergänzt. Unter anderem deshalb, weil die Unternehmen in der offensiven Vermarktung von solchen kunden- und nutzungsorientierten Service-Paketen eine Chance sehen, sich gegenüber ihren Mitbewerbern zu profilieren. Und die Produkte? Sie werden zunehmend nur noch als ein Mittel gesehen, um die von den Kunden gewünschte „ganzheitliche“ Lösung zu realisieren.
Zu Recht, denn der Kunde braucht – zugespitzt formuliert – keine „Bohrer“, er braucht „Löcher.“ Bezogen auf die offensive Vermarktung von Serviceleistungen bedeutet dies:
- Der Kunde braucht nicht etwa Ersatzteile, sondern Standzeit
- Er braucht keine Störungsbeseitigung, sondern Störungsvermeidung und Prozesssicherheit
- Er braucht zum Beispiel Verfügbarkeit sowie Prozesskostenreduzierung
Eine solche kundennutzenorientierte Marktbetrachtung und -bearbeitung trägt Früchte. Das beweisen schon heute viele „First-Tier-Lieferanten“, also bevorzugte System- und Modullieferanten, sowie Generalunternehmer, die für ihre Kunden lösungsorientiert Pakete aus Produkten und Service-Dienstleistungen schnüren oder ihnen ein Performance-Contracting oder Betreibermodelle offerieren. Hersteller werden zunehmend zu herstellenden Dienstleistern.
Hinweis
Mehr zum Thema lesen Sie auch in unserem Management-Handbuch im Bereich Servicemanagement [19] .

Eine zentrale Voraussetzung für eine solche Markt(bearbeitungs-)strategie ist nicht nur die entsprechende strategische Positionierung des Bereichs „Service“ im Markt, sondern zuallererst im eigenen Unternehmen. Wichtig ist zudem die Erkenntnis, dass heute ein offensiver Servicevertrieb mindestens ebenso wichtig ist wie ein aktiver Produktvertrieb. Die damit zusammenhängenden Grundsatzentscheidungen können nur vom Top-Management eines Unternehmens getroffen werden. Dieses ist und bleibt auch der Motor dafür, dass sich der für das Umsetzen einer solchen Strategie erforderliche Bewusstseinwandel in der (gesamten) Organisation vollzieht. Diese Positionierung und konzeptionelle Umsetzung ist Chefsache. Hier sind Geschäftsleitung und Vorstand gefordert!
Welche strategischen Möglichkeiten bietet ein offensives Servicekonzept, um den Markt- und Serviceerfolg zu steigern?
1. Differenzierung zum Wettbewerb
- Kundengewinnung
- Wettbewerber-Verdrängung
2. Sicherstellen der Kundenzufriedenheit
- Kundensicherung und Kundenloyalisierung
- Kundenausbau und Folgegeschäft
- Forcieren der Weiterempfehlungen
- Durchsetzen besserer Preise im Neu- und Folgegeschäft
3. Quelle für zusätzlichen Umsatz
- Steigerung des Gewinns
4. Anwendungsbetreuung eigener und fremder Produkte
- Als Informationsquelle für Marktanalyse und über Anwenderbedarf
- Kontinuierliche Verbesserung von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen (KVP) sowie Entwicklung von Innovationen im eigenen Unternehmen
Diese vier Aspekte sind bekannt. Trotzdem wird meist nur auf einem „Instrument“ gespielt und daraus nur selten ein professionelles „Orchester“ geformt.
Das Top-Management ist gefragt
Wie können diese Defizite behoben werden und die strategischen Chancen eines Service-Vermarktungskonzeptes offensiv genutzt werden? Zunächst muss die Geschäftsleitung beziehungsweise der Vorstand eine strategische Grundsatzentscheidung treffen, welche Rolle der Service beim Realisieren der Unternehmensvision und beim Erreichen der Unternehmensziele spielt. Ist Service diesbezüglich relevant, sollte nach den Regeln des Projektmanagements ein Projekt „Service Excellence“ aufgelegt werden. Dieses strategisch wichtige Projekt muss Chefsache sein und bleiben! Das bedeutet: Im Lenkungsausschuss des Projekts ist die Geschäftsleitung beziehungsweise der Vorstand persönlich vertreten.
Hinweis
Warum strategische Potenziale des Services meist nicht konsequent genutzt werden, hat der Autor in einer Studie anhand der Industriegüterbranche ermittelt. Vier Ursachen sind dafür verantwortlich:
- Die Geschäftsleitungen beziehungsweise Vorstände vieler Unternehmen unterstützen zwar positiv das Vermarkten von Serviceleistungen, sehen darin aber (noch) nicht einen bedeutsamen Hebel zum Realisieren der Unternehmensvision.
- Dort, wo Service kein bedeutsames Element der Vision ist, fehlt natürlich auch die formulierte Strategie.
- Die für das Vermarkten der Serviceleistungen verantwortlichen Führungskräfte sind oft von der Geschäftsleitung beziehungsweise vom Vorstand nicht eindeutig instruiert und haben für diese Aufgabe auch nicht die notwendige Qualifikation erhalten.
- Die Vertriebs- und Servicemitarbeiter sind für einen offensiven Serviceverkauf nicht adäquat qualifiziert und trainiert. Zudem sind sie nicht mit den nötigen verkaufsfördernden Tools ausgerüstet.
Die Studie „Vermarktung von Serviceleistungen in der Industriegüterbranche“ kann beim Autor oder beim Institut für Unternehmensführung [20] der Hochschule Mannheim angefordert werden.
Die Projektleitung hingegen muss zunächst eine Marktanalyse durchführen und daraus die verschiedenen strategischen und organisatorischen Optionen ableiten. Nach der Diskussion dieser Optionen im Lenkungsausschuss sollte für den Service-Bereich eine erste Balanced Score Card mit Marketing- und Sellingplan ausgearbeitet werden, die dann Jahr für Jahr weiter entwickelt werden.
Für viele Unternehmen hängt der Markterfolg schon lange nicht mehr nur von der Leistungsfähigkeit und Qualität ihrer Produkte ab. Gefragt sind kundenspezifische Lösungen, die Kunden helfen, zum Beispiel ihre Prozesse zu optimieren und wettbewerbsfähiger zu sein, damit sie wiederum den eigenen Kunden ihre Lösungen erfolgreich verkaufen können.
Nur wenn Anbieter ihre Kunden mit ihren Lösungen wettbewerbsfähiger machen, verdienen diese Kunden Geld, das sie dann wieder beim Anbieter in neue, noch bessere Lösungen investieren können. Solche kundenorientierte Lösungen bestehen grundsätzlich aus Produkten im Zusammenspiel mit (Service-) Dienstleistungen. Deshalb sind ein Verankern des Services in der Unternehmensstrategie sowie ein professionelles Vermarktungskonzept speziell für die Service-Dienstleistungen unabdingbar.
Verkaufsgespräche mit Kunden führen und Preise vertreten
Stellen wir uns folgendes Verkaufsszenario vor: Verkäufer Maier lobt den Kaffeevollautomaten in höchsten Tönen. „Sehen Sie sich dieses Design an! Das Gerät passt wunderbar in Ihre Küche.“ Seit 15 Minuten präsentiert er dem Kunden das Top-Gerät, doch das hat einen Haken: Es ist zu teuer – denkt sich der Verkäufer. Er beginnt zu überlegen, wie der Kunde wohl auf den Preis reagieren wird. Je länger Maier hierüber nachdenkt, umso nervöser wird er. Hektisch spielt er mit der Broschüre, was auch dem Kunden nicht verborgen bleibt. Irgendetwas stimmt hier nicht, denkt sich dieser. Sein Gefühl verstärkt sich, als Maier nach der Frage, was das Gerät denn koste, zunächst herumdruckst, um dann schließlich leise, fast entschuldigend zu sagen: „1.499 Euro.“ Dem Kunden ist das zu teuer. Er verabschiedet sich und gibt vor, es sich noch einmal überlegen zu wollen. Und das, obwohl er doch zu Beginn von dem Produkt sehr angetan war.
Anders verläuft das Verkaufsgespräch bei Verkäufer Huber. Nachdem er dem Kunden das Gerät präsentiert hat, sagt er folgenden Satz:
„Das Beste an diesem Top-Gerät, das Ihnen auf Knopfdruck verschiedene Kaffee-Spezialitäten kredenzt, ist der Preis: Für nur 1.499 Euro wird es mit seinem italienischen Edelstahl-Design zum optischen Highlight Ihrer Küche.“
Diese Vorstellung begeistert auch den Kunden. Ein paar Minuten später kauft er das Gerät.
Warum gelang dem einen Verkäufer der Abschluss und dem anderen nicht, obwohl sie ihren Kunden dasselbe Gerät für den denselben Preis offerierten? Die Antwort ist einfach. Verkäufer Maier war selbst der Auffassung, dass der Preis – aus Kundensicht – zu hoch ist. Er befürchtete eine ablehnende Haltung von Seiten des Kunden. Entsprechend nervös wurde er, als das Verkaufsgespräch in Richtung Abschluss ging. Anders Verkäufer Huber. Er war felsenfest überzeugt, dass der Preis für dieses Top-Produkt in Ordnung geht. Entsprechend selbstbewusst erwähnte er beiläufig den Preis, um anschließend wieder einen Vorzug des Geräts zu nennen. So kam schließlich auch der Kunde zu der Überzeugung, ein Top-Produkt zu kaufen.
Beim Preis werden viele Verkäufer nervös
Immer wieder stellt man bei Verkäufern fest, dass sie zunehmend nervös werden, wenn das Verkaufsgespräch in Richtung Preisfrage geht. Oder wenn sie gezwungen sind, den Preis zu nennen. Dies ist völlig unabhängig davon, welches Produkt sie verkaufen. Oft zerstören sie, wenn das Gespräch auf den Preis kommt, im Handumdrehen die positive, emotionale Beziehung, die sie zuvor zum Kunden aufgebaut haben. Nur weil sie selbst nicht hinter den Preisen ihres Unternehmens stehen. Sie haben Angst vor der Absage des Kunden – und der spürt das. Der plötzliche Gefühlswandel verunsichert ihn. Die Folge: Er überdenkt die Kaufentscheidung, die er eigentlich schon getroffen hatte.
Verkäufer, die häufig an der Hürde Preis scheitern, sollten sich deshalb immer wieder vor Augen führen: Der Preis ist nur einer von vielen Faktoren, die für die Kaufentscheidung von Bedeutung sind. Ansonsten dürfte es keine Anbieter von Luxusartikeln geben. Ausschlagend für die Kaufentscheidung ist letztlich immer, ob der Kunde das Produkt als „preiswert“ erlebt. Das heißt, ob der ihm gebotene Nutzen – aus seiner Sicht – in einer angemessenen Relation zum Preis steht. Das gilt sogar für Schnäppchenjäger. Auch sie kaufen nicht alles, was „billig“ ist. Sie kaufen nur das, was ihnen aus ihrer Sicht eine gute Kosten-Nutzen-Relation bietet. Das dies gegeben ist, müssen Verkäufer ihren Kunden vermitteln – eine klassische Verkäuferaufgabe!
Für Kunden wird der Preis erst dann zum Problem, wenn dessen Höhe in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht. Je attraktiver ein Produkt aus Kundensicht, umso mehr ist er bereit, dafür zu bezahlen. Also ist es Ihre Aufgabe als Verkäufer, dem Kunden Ihr Produkt so zu präsentieren, dass bei ihm das Gefühl entsteht, dieses aus irgendeinem Grund kaufen zu müssen. Dann relativiert sich für ihn der Preis.
Verkäufer, die davon überzeugt sind, dass die Produkte ihres Unternehmens den Kunden eine gute Kosten-Nutzen-Relation bieten, nennen Preise ganz selbstbewusst und selbstverständlich. Schließlich haben sie gute Argumente dafür, warum ihr Produkt etwas teurer als das Konkurrenzprodukt ist. Einen Ferrari bekommt man eben nicht zum Preis eines Opels. Wenn Sie im Kundengespräch spüren, dass Ihnen dieses Selbstbewusstsein noch fehlt, sollten Sie – für sich allein oder mit Kollegen – nochmals überlegen:
Warum sollten sich Kunden für unser Produkt entscheiden?
Rufen Sie sich hierfür zum Beispiel Kunden in Erinnerung, die, ohne zu zögern, Ihren Preis bezahlten. Fragen Sie sich dann:
- Welche Kunden waren das?
- Was waren für sie die kaufentscheidenden Argumente?
- Wie sollten meine Verkaufsgespräche also künftig aufgebaut sein, damit bei Kunden häufiger das Gefühl entsteht, ein Produkt kaufen zu wollen?
Machen Sie sich immer wieder bewusst: Wenn ein Kunde sagt, das Produkt sei zu teuer, heißt das nicht automatisch, dass es auch tatsächlich zu teuer ist. Diese Aussage bedeutetet nur: Der Kunde ist vom Preis überrascht. Zum Beispiel, weil er noch keine Erfahrung mit dem Kauf entsprechender Produkte hat, oder weil ihm ein günstigeres Angebot vorliegt. Dann ist es Ihre Aufgabe als Verkäufer, dem Kunden plastisch vor Augen zu führen, warum Ihr Produkt trotzdem seinen Preis wert ist.
Hinweis
Zur Problematik von Preisen im Verkaufsgespräch lesen Sie auch unsere dreiteilige Reihe Neukundengewinnung: Erfolgreich verkaufen ohne Rabatte [21] .
Glaubwürdige Verkäufer, glaubwürdige Preise
Gerade professionelle Einkäufer wollen mit der Bemerkung „Das ist aber teuer“ oder „Ihr seid aber teuer“ vielfach nur ausloten, welcher Preisnachlass für sie noch machbar ist. Dies gehört zu ihren Aufgaben, denn sie sollen ja möglichst „preiswert“ einkaufen. Entsprechend gelassen sollten Sie auf einen solchen Einwand reagieren. Erwidern Sie zum Beispiel:
„Ja, ich weiß, dass unser Produkt etwas teurer ist. Dafür bietet Ihnen unser Gerät (oder die Zusammenarbeit mit uns) folgende Vorteile: ...“.
Sagen Sie also schlicht ja zum etwas höheren Preis und listen Sie dann nochmals Ihre zentralen Kaufargumente auf! Wenn Sie so vorbereitet und mit diesem (Selbst-)Bewusstsein in Verkaufsgespräche gehen, werden Sie feststellen, wie leicht es Ihnen fällt, den Preis zu nennen und dabei den Kunden auch anzusehen. Letzteres ist wichtig, denn dies zeigt dem Kunden, dass Sie zu dem Preis stehen und nichts zu verbergen haben. Sie wirken glaubwürdig. Und weil Sie glaubwürdig wirken, wirkt auch der Preis glaubwürdig. Entsprechend wichtig ist es, beim Präsentieren des Preises nicht unsicher zu wirken: Spielen Sie nicht nervös mit Gegenständen und vermeiden Sie unkontrollierte Handbewegungen. Wackeln Sie nicht mit den Beinen, und vor allem: Halten Sie Blickkontakt!
Wichtig ist es auch, den Preis zum richtigen Zeitpunkt zu nennen. Einer der schlimmsten Fehler, den Verkäufer begehen können, ist, den Preis schon zu nennen, bevor der Kunde vom Nutzen des Angebots überzeugt ist. Jeder Preis ist zunächst einmal zu hoch, solange der Kunde noch nicht den Nutzen erkennt, den ihm ein Produkt bietet. Ein zu frühes Nennen des Preises gefährdet nicht nur den Verkaufsabschluss, sondern führt auch dazu, dass Verkäufer oft auch zu überflüssigen Preiszugeständnissen genötigt werden.
Nennen Sie den Preis möglichst erst gegen Ende des Verkaufsgesprächs. Denn sobald Sie den Preis genannt haben, beginnt der Kunde automatisch, diesen mit dem Nutzen abzuwägen. Bei jedem Nutzenargument, das Sie nennen, fragt er sich, ob das den (hohen) Preis rechtfertigt. Bei jedem Einzelargument lautet seine Antwort: nein. Anders verhält es sich, wenn er schon alle für ihn relevanten Nutzenargumente kennt und bereits von dem Produkt oder der Lösung überzeugt ist. Dann kann er den Preis in Beziehung zum Gesamtnutzen setzen, den Ihr Angebot ihm bietet.
„Preisverpackungen“ für Produkte und Lösungen entwickeln
Doch Vorsicht: Nennen Sie den Preis nie isoliert, sondern stets verknüpft mit den wichtigsten Nutzenargumenten – die Sie zuvor in der Bedarfsermittlung erkundet haben. Sagen Sie also zum Beispiel:
„Der Kaffeeautomat kostet 1.499 Euro. Dafür erhalten Sie ein Spitzenprodukt, das ...“
Oder:
„Bei uns kostet die Gerätewartung 195 Euro pro Monat. Dafür können Sie sicher sein, dass ...“
Am einfachsten gelingt Ihnen die Preispräsentation, wenn Sie den Preis – ähnlich einem Sandwich – zwischen Nutzenargumente packen. Hierfür ein Beispiel:
„Für diese extrem handliche Schleifmaschine legen Sie 378 Euro an. Danach werden Sie und Ihre Mitarbeiter beim Arbeiten ständig begeistert sein von dem geringen Gewicht.“
Entwickeln Sie also für Ihre Produkte solche Preisverpackungen! Bei komplexeren Produkten können Sie vor und nach dem Preis auch jeweils zwei Nutzenargumente nennen. Erneut ein Beispiel:
„Für diese leicht transportierbare, besonders lärmgedämmte Fräsmaschine investieren Sie 6.960 Euro. Was das Wesentliche ist: Die leichte Bedienbarkeit und der optimale Unfallschutz machen ein zusätzliches Schulen Ihrer Mitarbeiter überflüssig. Schätzen Sie einmal, wie schnell sich diese Anschaffung für Sie rechnet!“
Wichtig beim Präsentieren des Preises ist auch die Wahl der richtigen Worte. Denn Kaufentscheidungen werden durch Gefühle beeinflusst, und Worte beeinflussen wiederum unsere Gefühle. Vermeiden Sie deshalb negativ besetzte Worte. Die zwei „hässlichsten“ Wörter im Gespräch mit Kunden sind „kosten“ und „Preis“. Bei diesen zucken die meisten Kunden innerlich zusammen und gehen auf Distanz. Streichen Sie also diese Wörter aus Ihrem Vokabular! Verwenden Sie statt dessen positiv besetzte wie „investieren“ oder Formulierungen wie „das bekommen Sie dafür“. Denken Sie daran: Ihr oberstes Ziel in Verkaufsgesprächen ist, den Kunden zur Kaufentscheidung zu führen. Dafür sollten Sie auch alles tun, was ihn dorthin führt.
Hinweis
Vom Autor ist auch das Buch Was im Verkauf wirklich zählt! Die besten Methoden für volle Auftragsbücher [22] erschienen.
Expertenurteile und Bewertungen von Service
Ausgezeichneter Service ist heute gefragter denn je. Studien, sowohl mit nationalem als auch internationalem Bezug, untermauern in schöner Regelmäßigkeit die Servicesehnsucht der Kunden. Diese beziehen sich nicht nur auf emotionale Erlebnissituationen, sondern durchaus auch auf handfeste ökonomische Handlungsmotive.
Die Ergebnisse dieser Studien sind immer gleich: Der Anspruch der Kunden in Bezug auf Service ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben sie ihre Marktposition durch mehr Wissen, bessere Kommunikation und stärkere Vernetzung untereinander verbessert.
Wenn Kunden heute einen Service goutieren, sei es ein Angebot, eine Leistungserbringung, eine Nutzung oder Ergebnisse beziehungsweise Wirkungen, dann erzeugt dies vor allem seit der vermehrten Nutzung sozialer Internetdienste ein Echo in der Öffentlichkeit, das Unternehmen und Anbieter nur schwer kontrollieren können. Also bleibt den Unternehmen nur die Flucht nach vorne, indem sie versuchen, die Qualität ihres Service selbst ins rechte Licht zu rücken. Dabei greifen sie auch gerne auf die Betrachtung des eigenen Angebotsversprechens durch Dritte zurück.
Expertenurteile müssen auch eingelöst werden
So werden, je nach Zielsetzung der Serviceanbieter, Untersuchungsszenarien genutzt, die Urteile von Kunden, Bewertungen von Experten und Vergleiche am Markt heranziehen, um entsprechende Qualitätsindikatoren zu bestätigen.
Dabei werden einmal Angebots-, dann Leistungs- und dann wieder Qualitätsmaßstäbe herangezogen, die in Bezug zur Servicenachfrage gestellt werden und den Nachweis der guten, sehr guten oder gar exzellenten Erfüllung liefern sollen.
Jedenfalls ist die Botschaft an den Kunden absolut eindeutig: Dieses Unternehmen bietet einen hervorragenden Service und liegt daher in der Gunst der Kunden im Vergleich zu anderen Anbietern weit vorne. Sogenannte „unabhängige Tests“, insbesondere von bekannten oder vertrauten Gewährsträgern, suggerieren ein Mehr an Vertrauen, das der Kunde automatisch in die Qualitätsbetrachtung des Service einfließen lässt.
Durch dieses Vorgehen werden hohe Kundenerwartungen erzeugt, die dann bei eigenen oder den berichteten Erfahrungen von Freunden oder Bekannten die Servicebewertung nicht nur beinträchtigen, sondern im schlimmsten Fall konterkarieren können.
Was die unübersichtliche Angebotslage am Servicemarkt betrifft, bleibt dem Kunden heutzutage meist nichts anderes übrig, als nach verwertbaren Kriterien für die eigene Kaufentscheidung Ausschau zu halten. Da kommen Bewertungen von unabhängiger Seite gerade recht, um dem Kundenurteil ein wenig auf die Sprünge zu helfen und die Nachfrage zu beschleunigen.
Allerdings erhöht sich durch das Anheben des Erwartungsniveaus auch das Risiko für die „Servicesieger“, im Moment der Wahrheit die scheinbar hohe Servicequalität nicht wirklich liefern zu können – und damit im Wettbewerb den Wettlauf um die Kundengunst zu verlieren.
Verhältnis Vertrieb und Kunde über Social Media
Selbstbewusst, individualistisch veranlagt, wertebewusst, informiert, kritisch im Umgang mit Konsum – das charakterisiert den Kunden 3.0. Es ist ein Kunde, der sich im Zuge der Social Economy entwickelt hat. Als neuer Kundentypus steht er für sich. Wie manch einer vielleicht vermutet, gehört er nicht automatisch der Generation der so genannten „Digital Natives“ an, und er lässt sich auch nicht auf Alter, Einkommen oder Bildungsniveau reduzieren. Klar ist aber: Der Kunde 3.0 ist anders als die Kunden früher. Er geduldet sich zum Beispiel nicht wochenlang, bis eine bestellte Ware lieferbar ist, und er gibt sich auch nicht zufrieden, wenn ein Produkt nur in einer bestimmten Ausführung angeboten wird. Stattdessen will er nach eigener Facon mitgestalten.
Von allem wendet sich der Kunde 3.0 von allem ab, was an alte Rollenschemata erinnert: Marken, die sich auf ihrem ehemaligen Erfolg ausruhen, Unternehmen, die darauf vertrauen, dass der Kunde alten Produkten gegenüber loyal ist, und Manager, die nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht“ führen. Der Kunde 3.0 ist nicht nur König, er ist die neue Prinzessin. Er will verwöhnt und umworben werden. Damit erreichen Kundenorientierung und Vertrieb eine neue Dimension. Agieren die Unternehmen weiterhin so wie bisher, laufen sie Gefahr, ihren Kunden in naher Zukunft hinterher zu laufen. Die Herausforderung besteht für sie in Zukunft darin, den Kunden 3.0 zu erreichen, zu überzeugen und zu begeistern, um in Sachen Vertrieb nicht den Anschluss zu verlieren. Um dafür die richtigen Strategien entwickeln zu können, ist Folgendes zu beachten:
Der Kunde 3.0 lässt sich nicht kaufen
Den Kunden 3.0 kennzeichnen Selbstverwirklichung statt Schnäppchenjagd. Ob er ein Angebot annimmt, hängt nicht allein vom Preis ab. Vielmehr spielen immer mehr der Mehrwert eines Produkts sowie das Image des Unternehmens eine Rolle. Für Verkäufer bedeutet dies unter anderem Abschied nehmen vom Preis-Leistungs-Argument. Vertrieb muss der neuen Werteorientierung Rechnung tragen und auf ehrliche Angebote sowie auf Qualität, Nachhaltigkeit und Political Correctness setzen. Zuverlässigkeit des Unternehmens, Qualität von Produkt und Leistung und die Ehrlichkeit des Verkäufers sind die wichtigsten Faktoren bei der Kaufentscheidung.
Der Kunde 3.0 setzt auf Mitmach-Vertrieb
„I-disigned-it-myself“ – so lautet die Losformel für den Kunden 3.0. Sein Wunsch nach Individualität, nach der Mitgestaltung unserer Welt, hat auch die Alltagsprodukte erreicht. Das heißt: Der Dialog mit den Kunden wird immer wichtiger, um von deren Ideen zu profitieren. Mitmach-Aktionen sind hierbei ein erfolgreicher Weg. Sie verschaffen dem Kunden das Gefühl, seine Meinung habe Gewicht, und sie entsprechen seinem Wunsch nach Individualität und Mitgestaltung.
Beispiel für einen Mitmach-Vertrieb:
Für ihre Eigenmarke „Balea“ ließ die Drogeriemarktkette dm kürzlich ein neues Duschgel entwickeln und die Kunden auf Facebook bei dessen Entwicklung teilhaben. Dafür konnten sie in einem ersten Schritt das Motto festlegen. Anschließend bekamen die 750 aktivsten Teilnehmer ein Paket, indem alle Zutaten für das neue Duschgel vorhanden waren. Jeder konnte nun nach eigenen Wünschen Duft und Farbe mixen und das Ergebnis den anderen Community-Mitgliedern vorstellen. Nachdem sich die Teilnehmer für einen Vorschlag entschieden hatten, stimmten sie über den Namen und die Verpackung ab. Als Dankeschön bekamen die aktivsten Teilnehmer das Duschgel nach Hause geschickt.
Grenzen von Vertrieb und Marketing verschwimmen
Einer aktuellen Studie der Managementberatung Detecon Consulting zufolge kommen die Firmen nicht mehr umhin, Social Media als Servicekanal zu integrieren. Denn Vertrieb heute findet nicht mehr ausschließlich im persönlichen Gespräch statt, sondern auch über neue, digitale Kommunikationsformen – und das quasi rund um die Uhr von jedem Ort aus. Der Kunde 3.0 holt sich Infos über das Internet und tauscht sich via Social Media mit anderen Nutzern über Produkte aus. In wenigen Jahren wird es daher ganz selbstverständlich sein, Kundenanfragen über Blogs zu beantworten sowie Produkte und ihre Nutzung via Podcast zu erklären. Erfolgreiche Unternehmen wie Otto, Carglass, Coca Cola, Starbucks und Adidas machen das schon heute.
Wichtig ist, dass die Unternehmen sich genau überlegen, wie sie offene Kommunikation in Echtzeit organisieren. Fest steht: Kundenanfragen dürfen nicht erst morgen, sie müssen sofort beantwortet werden. Mit kritischen Beiträgen muss professionell umgegangen werden. Und nicht zuletzt ist die richtige Ansprache via Facebook und Co wichtig. Zudem sollten Vertriebsmitarbeiter sich mit den Möglichkeiten von Check-In- und Location-Diensten auseinandersetzen. Über solche Dienste können den Kunden nämlich gezielt Produktinfos zugespielt werden. Die Grenzen von Marketing und Vertrieb verschwimmen somit immer mehr.
Nicht zuletzt durch die Möglichkeiten von Social Media werden Kunden zunehmend zu Botschaftern für andere (potenzielle) Kunden. Das heißt: Kunden machen Unternehmen zu Umsatz-Maschinen – wenn es sich für sie lohnt. Entscheidend heute und in Zukunft ist also, Kunden zu Fans zu machen. Aus loyalen Kunden sollen begeisterte Kunden werden, die als „Botschafter” der Marke auftreten und diese dann aktiv weiterempfehlen. Customer Experience Management lautet hierbei ein weiteres wichtiges Stichwort. Das heißt: positive Kundenerfahrungen zu schaffen und so eine emotionale Bindung zwischen Kunden und Unternehmen herzustellen. Kunden müssen begeistert werden. Wichtig dabei: Nur wer Fan seines eigenen Unternehmens, des eigenen Produkts oder der eigenen Dienstleistung ist, kann als Vertriebsmitarbeiter auch Kunden zu Fans machen. Vertriebsmitarbeiter müssen als positive Botschafter in eigener Sache auftreten.
Kundenvertrauen durch Authentizität aufbauen
Zu Fans werden Kunden vor allem dann, wenn sie sich als Mensch wahrgenommen fühlen. Eines ist ganz wichtig: Der Kunde 3.0 erwartet Respekt. Es sind nicht mehr die großen Wortschwinger, die punkten, sondern diejenigen, die gut mit Menschen umgehen und Vertrauen aufbauen können – und dabei authentisch bleiben. Vertriebsintelligent handeln heißt aber vor allem auch, dem Menschen weiterhin gerecht zu werden. Denn bei allen Vorzügen der neuen Technik bleibt eines bestehen: Menschen vertrauen Menschen, gerade in Führung und Vertrieb. Wie die Kunden früher, kauft auch der Kunde 3.0 von denjenigen, die ihm sympathisch sind. Von Verkäufern, die ehrlich und vertrauenswürdig sind und auch kompetent sind. Sympathische Verkäufer mit Kompetenz werden künftig wohl den größten Erfolg haben.
Schneller auf Megatrends reagieren
Letztlich müssen Vertriebsleiter und -mitarbeiter mehr denn je bereit sein, über den Tellerrand hinauszuschauen. Nur wenn sie sich mit den Megatrends und ihrer Bedeutung für die Kunden beschäftigen, haben sie die Chance, neue, zielgruppengerechte Produkte zu entwickeln und langfristig erfolgreich zu sein. Nur so können sie auf maßgebliche Entwicklungen wie die des Kunden 3.0 reagieren.
Hinweis
Vom Autor ist auch das Buch Vertrieb geht heute anders: Wie Sie den Kunden 3.0 begeistern [23] erschienen. Es basiert auf dem Forschungsprojekt „VertriebsIntelligenz“, das die go! Akademie für Führung und Vertrieb AG gemeinsam mit der ESB Business School Reutlingen durchgeführt hat. 250 Führungskräfte und Geschäftsführer verschiedener Branchen wurden dabei zu Vertriebsaspekten befragt.
Verkauf, Akquise und Kundengewinnung ohne Rabatt
Im dritten Teil seiner Beitragsreihe befasst sich Verkaufstrainer Thomas Burzler unter anderem mit der richtigen Verkaufspräsentation und mit wesentlichen Dingen, die es beim Auftragsabschluss zu beachten gilt.
Die Verkaufspräsentation
Der Ausrichtung Ihrer Präsentation liegt eine einzige Frage zugrunde: Was wollen Sie erreichen? Oder konkreter: Zu welcher (Teil)-Entscheidung möchten Sie Ihre Zuhörer motivieren? Sie sollten dabei ein möglichst messbares, realistisches Ziel formulieren. Je nachdem, ob es sich um eine Erst-, eine Messe-, Projekt- oder Angebotspräsentation handelt, könnte die Zielsetzung etwa lauten:
- Es sollen 100 Exemplare zum Preis X gekauft werden
- Es soll der Rahmen für ein konkretes Angebot abgesteckt werden
- Sie möchten mit dem Kunden ein anderes Unternehmen besuchen, in dem die bereits vorgeschlagene Lösung umgesetzt wurde
- Es soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet werden
Neben einer möglichst konkreten Zielsetzung ist die genaue Kenntnis der Zielgruppe für das Erfolgskonzept Ihrer Verkaufspräsentation entscheidend:
- Wie ticken diese Menschen vor Ihnen?
- Wie ist die Altersstruktur?
- An welchem Punkt der Kaufentscheidung steht Ihr potenzieller Kunde?
- Wer wird zu Ihrer Präsentation ohnehin kommen und welche Entscheider müssen Sie proaktiv dazu auffordern?
Scheuen Sie sich nicht, Ihren Ansprechpartner zu bitten, dass er auch den Einkaufsleiter einlädt. Aber bitte mit Fingerspitzengefühl! Geben Sie ihm nicht das Gefühl, dass er ein „kleines Licht“ ist. Je mehr Sie im Vorfeld wissen, desto genauer können Sie sich auf Ihre Zuhörer einstellen und desto eher erreichen Sie Ihre Zielsetzung.
Nun geht es darum, Ihren Kunden Lösungen und Ideen zu präsentieren, die weiterhelfen und überzeugen. Eine Verkaufspräsentation kann im Rahmen eines Vieraugengesprächs mit sehr hohem oder auch als Rede vor einem Gremium ganz ohne interaktiven Anteil angelegt sein. Wenn Sie es schaffen, inhaltlich einen intensiven Bezug zu Ihren Zuhörern herzustellen, kann aber auch die Rede Gesprächscharakter haben. Was kann der Kunde durch Sie besser? Bringen Sie Ihre wichtigsten Nutzenargumente gleich am Anfang und nennen Sie selbstbewusst Ihre Zielsetzung. So ist Ihnen die maximale Aufmerksamkeit gewiss. Sehr häufig haben die Teilnehmer einer Präsentation auch unterschiedliche Interessenlagen. Versuchen Sie für alle Anwesenden mindestens ein Nutzenargument zu bieten.
Im Mittelteil treten Sie sozusagen die Beweisführung für Ihre Anfangs-Behauptung an und bringen weitere Argumente für Ihr Angebot. Am Schluss sollten Sie wieder mit einem Paukenschlag alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Fassen Sie Ihre wichtigsten Punkte zusammen und nehmen Sie Bezug auf Ihren Beginn. Statt Höflichkeitsfloskeln wie „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“ ist spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt, Ihre Zuhörer mit Fragen wie „Habe ich Ihren Bedarf richtig skizziert?“ direkt anzusprechen. Zudem sollten Sie unbedingt konkret planen, was als nächstes passieren soll.
Die Werkzeuge, die Sie für Ihre Präsentation wählen, sind ausschließlich den grundlegenden Fragen untergeordnet:
- Was wollen Sie erreichen?
- Wen wollen Sie erreichen?
Die Technik ist immer nur Mittel zum Zweck. Sie soll Ihre Argumente unterstreichen, nicht ersetzen oder womöglich verdrängen. Natürlich sollten Sie sich dem Anlass entsprechend kleiden und vor einer Gruppe von Bankern nicht in Jeans erscheinen. Abgesehen von solchen Selbstverständlichkeiten gilt aber: Seien Sie authentisch! Gegen eine dialektgefärbte, aber verständliche Sprache ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Wenn Sie zu Ihrer Region stehen, zeigt das Selbstbewusstsein und Souveränität.
Mit Angeboten Kunden beim Kaufen unterstützen
Das Angebot ist das schriftliche Verkaufsgespräch. Hier wie bei allen anderen Schritten der Neukundengewinnung ohne Rabatte gilt: Gehen Sie so individuell wie möglich auf den Kunden ein. 0815-Angebote, in denen oft seitenweise die eigene Firma vorgestellt wird, haben keine Chance. Zeigen Sie dem Kunden, dass Sie sich wirklich Gedanken gemacht haben. Bieten Sie individuelle Lösungen und positionieren Sie sich als Partner auf Augenhöhe. Ziel ist ein Auftrag zu guten Konditionen, eine Win-Win-Situation für beide Parteien.
Alle Zusatzinformationen, die Sie beim Gespräch gewonnen haben, müssen hier einfließen. Welchen Nutzen erwartet der Kunde von Ihnen? Je perfekter Sie es in Ihrem Angebot schaffen, Ihre Leistung auf Ihr Gegenüber zuzuschneiden, desto größer sind die Erfolgschancen. Spätestens jetzt wird auch die Höhe der Investition eine Rolle spielen. Achten Sie dabei auf Transparenz und listen Sie die Einzelleistungen, die hinter großen Posten stehen, detailliert auf. Falls Sie einen kostenlosen Service oder ähnliches als Mehrwert anbieten, nennen Sie auch dafür den eigentlichen Preis mit dem Zusatz „Für Sie kostenlos!“ Nur dann kann der Kunde den Wert Ihres Angebots wirklich einschätzen.
Stellen Sie klar die Vorteile für den Kunden heraus und achten Sie auch bei der Sprache darauf, dass Sie von der Ich-Perspektive in die Sicht des Kunden wechseln. Lassen Sie sich, nachdem Sie Ihr Angebot gemacht haben, nicht mit Floskeln abwimmeln. Vereinbaren Sie einen konkreten Termin, bis zu dem eine Entscheidung getroffen wird beziehungsweise ein Verhandlungsgespräch stattfinden soll.
Der krönende Abschluss
Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Abschlusses? Der Spitzenverkäufer hat dem Kunden genau das geboten, was er gesucht hat. Manche Kunden wollen an die Hand genommen werden, andere sanft geführt. Es gehört sehr viel psychologisches Gespür dazu, das zu erkennen. Dann muss der Verkäufer den Abschluss wirklich wollen. Manche haben eine regelrechte Scheu davor, die unbedingt hinterfragt und abgelegt werden muss.
Am Ende sollte ein Auftragsabschluss stehen, von dem beide Seiten profitieren. Das wird aber nicht immer klappen. Lernen Sie mit einem Nein umzugehen. Analysieren Sie ehrlich mögliche Fehlerquellen, holen Sie sich ein Feedback beim Kunden ein und versuchen Sie, es das nächste Mal besser zu machen. Führen Sie sich aber auch vor Augen, dass Ihr Angebot nicht immer passen kann. Schärfen Sie weiter Ihr Profil und definieren Sie noch genauer Ihre Zielgruppe.
Der Auftrag droht wirklich am Geld zu scheitern? Es gibt sicher Unternehmen, die Konzessionen wert sind. Zum Beispiel, weil sie sehr bekannt sind oder ein besonders gutes Image haben und dadurch viele Folgeaufträge zu erwarten sind. Vielleicht bietet Ihnen der Kunde auch eine Plattform, etwas gänzlich Neues auszuprobieren. Das alles können Argumente sein, dem Kunden entgegenzukommen. Bevor Sie am Preis schrauben, sollten Sie es zunächst mit kostenlosen Zusatzleistungen versuchen. Wenn Sie doch einen Rabatt geben, sollten Sie keinesfalls in den zweistelligen Prozentbereich rutschen. Damit machen Sie sich bei den Kunden unglaubwürdig!
Hier kommen wir auf den ersten Teil der Serie Neukundengewinnung ohne Rabatte zurück: Die richtige Einstellung. Ein guter Verkäufer weiß um das Besondere seiner Leistung und hat daher ein sicheres Gespür dafür, wo beim Entgegenkommen die Grenze zu ziehen ist. Er führt das Abschlussgespräch partnerschaftlich, auf Augenhöhe und mit der tiefen Überzeugung: „Ich bin der beste Partner für Dich!“
Verkaufen, Akquise, Kunden gewinnen, Rabatt
Im zweiten Teil seiner Beitragsreihe befasst sich Verkaufstrainer Thomas Burzler unter anderem mit dem richtigen Einstieg ins Verkaufsgespräch und zeigt, wie Messen fürs Gewinnen neuer Kunden effektiv genutzt werden.
Gesprächseinstieg bei Kaltakquise
Die Kaltakquise bereitet vielen Verkäufern die größten Probleme. Doch zahlreiche Hürden lassen sich schon im Vorfeld beseitigen. Wenn die Kunden mit Sorgfalt ausgewählt wurden und der individuelle Mehrwert stimmt, ist die Einstellung völlig anders als bei strategisch nicht durchdachter, ungezielter Kaltakquise. Vertriebsmitarbeiter haben dann nicht das unangenehme Gefühl sich aufzudrängen, sondern greifen mit dem Bewusstsein zum Hörer, ein wirklich gutes Angebot für den Gesprächspartner zu haben.
Das ist der wichtigste Punkt bei der Kaltakquise: Nur wenn Sie wirklich überzeugt sind von Ihrem Produkt beziehungsweise Ihrer Leistung, können Sie auch Andere überzeugen. Rhetorische Kniffe und Fragetechniken führen nur auf Basis der richtigen Einstellung ans Ziel. Machen Sie sich zudem klar, dass Sie nichts zu verlieren haben. Auch ein Nein hat einen hohen Wert, gibt es Ihnen doch wichtige Hinweise auf die Überlegungen, nach denen ein Kunde seine Kaufentscheidung trifft und darauf, was Sie beim nächsten Mal noch besser machen können.
Im Akquise-Gespräch selbst entscheidet sich viel in den ersten Sekunden. Die ersten Worte können eine Brücke sein oder Distanz schaffen. Argumentationshilfen und Checklisten sind hilfreich, halten Sie sich aber niemals zu starr an Gesprächsmuster. Vergessen Sie nicht, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt. Natürlich sollten Sie den Namen des Entscheiders recherchiert haben. Im Normalfall werden Sie trotzdem zunächst mit einer Assistentin sprechen und diese bitten, Sie durchzustellen. Versuchen Sie nicht, sie zu übertölpeln, sondern behandeln Sie sie mit dem gleichen Respekt wie den Geschäftsführer. Machen Sie aber dennoch selbstbewusst klar, dass es sich um eine Terminvereinbarung auf Geschäftsleitungsebene handelt.
Wenn Sie im Gespräch mit dem Entscheider Allgemeinplätze verwenden wie „Mit unseren Produkten können Sie Ihren Umsatz steigern“, wird dieser zu Recht versuchen, Sie möglichst schnell abzuwimmeln. Denn diese Aussage hört man nur zu oft. Das Ziel des Kaltakquisegesprächs ist, einen Termin beim Kunden zu bekommen. Werden Sie daher möglichst konkret und wecken Sie Neugierde! Eine gute Möglichkeit sind zwei bis drei Qualifizierungsfragen zum Gesprächseinstieg.
Beispiel:
„Lieber Herr Müller, wir verfügen über spezielle Maschinen, mit denen wir in Unternehmen die Produktionsprozesse um 20 bis 30 Prozent beschleunigen konnten. Aber ich weiß nicht, ob das für Sie in Frage kommt. Darf ich Ihnen dazu zwei bis drei Fragen stellen?“
Oder:
„Lieber Herr Müller, darf ich gleich zum Punkt kommen? Ich möchte mit Ihnen einen Termin vereinbaren, aber nur, wenn es für Sie Sinn macht. Wir haben innovative Ideen entwickelt, die die Akzeptanz der Produkte bei den Kunden erhöhen. Diese funktionieren aber nicht bei allen Kunden. Darf ich Ihnen dazu zwei bis drei Fragen stellen?“
Wenn der Kunde nein sagt, sollten Sie dies akzeptieren. Bejaht er, brauchen Sie wirklich gute Fragen, die ihm zeigen, dass Sie seine Branche kennen und Ihr Angebot ihm in punkto Image, Finanzen, Wachstum, Innovation und Strategien einen Nutzen bringt. Mit diesen Fragen vermitteln Sie dem Kunden das Gefühl, dass er sich für die Lösung, die Sie ihm anbieten, erst qualifizieren muss.
Noch einmal: Ziel des Gesprächs ist der Termin beim Kunden. Wenn der also Interesse signalisiert, dann reden Sie nicht weiter und langweilen Sie ihn nicht mit Details, sondern werden Sie konkret!
Beispiel:
„Ich sehe schon, das ist genau das Richtige für Sie. Wir sollten uns kennen lernen. Passt es bei Ihnen nächste Woche?“
Messe: Warm-up für Kundentermine
Messen zählen nach wie vor zu den machtvollsten Instrumenten der Neukundengewinnung. Dies gilt allerdings nur, wenn der Messeauftritt professionell vor- und nachbereitet wird. Vergessen Sie dabei nicht die wichtigste Grundregel: Messen dienen nicht der Selbstinszenierung, sondern sollen beim Kunden Interesse und Neugier wecken.
Definieren Sie im Vorfeld deshalb genau, welche Marketing- und Vertriebsziele Sie mit der Messe erreichen, wie Sie welche Besucher einladen und auf der Messe ansprechen wollen. Entwerfen Sie einen detaillierten Strategieplan. Je konkreter Sie dabei werden, desto messbarer wird Ihr Erfolg sein. Wie bei jeder Maßnahme zur Neukundengewinnung ist auch beim Messeauftritt die Zielgruppenorientierung der entscheidende Erfolgsfaktor. Als Spitzenverkäufer bereiten Sie sich gezielt auf Ihre Wunschkunden vor. Sie überraschen mit Branchenkenntnis und klugen Fragen. Ihr Wissen gibt Ihnen zudem Sicherheit und Selbstbewusstsein für den Gesprächseinstieg. Ein Leadzettel gibt dem Messegespräch mit bestehenden Kunden und potenziellen Neukunden zusätzliche Struktur:
- Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Gespräch?
- Welche Themen möchten Sie ansprechen?
- Welche Produktneuerungen könnten den Kunden interessieren?
Bereiten Sie zudem Antworten auf mögliche Einwände vor. Sofern es sich nicht um reine B2C-Verkaufsmessen handelt (hier können Sie auch ruhig die Abschlussfrage stellen: „Wollen Sie es gleich mitnehmen?“), ist das Ziel des Kaltakquise-Gesprächs in den seltensten Fällen der Abschluss, sondern ein vertiefender, konkreter Termin beim Kunden. Denken Sie dabei immer wieder an die Grundregel: Machen Sie neugierig und überfrachten Sie Ihr Gegenüber nicht mit Informationen, sondern wecken Sie das Bedürfnis nach mehr!
Auf Messen ist die Zeit begrenzt. Der Kunde will sich noch weitere Angebote ansehen, der Verkäufer auch mit anderen (Neu-)Kunden sprechen. Viele Verkäufer beschäftigen sich zu lange mit bestehenden Kunden. Ihnen fehlt dann die Zeit für die Neukundenakquise, der wichtigsten Disziplin auf der Messe. Dies lässt sich vermeiden, indem das Zeitbudget auf etwa eine Viertelstunde pro Gespräch begrenzt wird. Für den Verkäufer gilt es nun herauszufinden, ob es sich um einen potenziellen Kunden handelt und es sich lohnt, weiter zu akquirieren. Im Vorfeld sollten Sie also klar definiert haben, welche Kriterien einen Kunden für Ihr Unternehmen interessant machen.
Natürlich sollten Sie auch mit „uninteressanten“ Kontakten freundlich umgehen und sich eine galante Abschlussformulierung überlegen. Jeder Besucher ist in erster Linie ein Mensch und verdient Wertschätzung. Zum erfolgreichen Messeauftritt gehört auch die richtige Nachbereitung. Halten Sie den mit den potenziellen Kunden besprochenen Zeitplan zur Kontaktaufnahme zumindest ein oder unterbieten Sie ihn möglichst. In den zwei Wochen nach der Messe sollten Sie Kontakte erfassen und klassifizieren, Informationen vervollständigen, Termine telefonisch vereinbaren und vorbereitete Unterlagen verschicken. In diesem Zeitraum sollten Sie Ihren Messeauftritt auch genau analysieren. Was ist gut gelaufen und was können Sie beim nächsten Mal noch besser machen?
Auf Einwände richtig reagieren
„Sie sind wesentlich teurer als Ihr Mitbewerber“, „Das Gleiche bekomme ich woanders billiger“. Jeder Verkäufer kennt solche und ähnliche Killerargumente. Sehr viele reagieren darauf mit Abwehr und einer Verteidigungshaltung. Probieren Sie es einmal anders und geben Sie dem Kunden recht: „Ja, das stimmt, wir sind teurer als andere.“ Allein durch diese Zustimmung ändert sich die Gesprächssituation gravierend, Sie halten die Fäden wieder in der Hand. Jetzt müssen natürlich schlüssige, auf Fakten basierende Argumente kommen, die dem Kunden demonstrieren, dass er eben nicht das Gleiche, sondern deutliche mehr als bei Ihren Mitbewerbern bekommt.
Und er muss mit diesem Mehr wirklich etwas anfangen können. Der Kunde möchte wissen, wofür er sein Geld ausgibt, welche Leistung und welchen Return on Investment er dafür bekommt. Jetzt zahlt sich die genaue Recherche aus, die Sie im Vorfeld betrieben haben. Sie sollten wissen, was den Kunden bewegt, wie Sie ihn unterstützen können und ihm genau das bieten. In der Praxis hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, im Vorfeld eine Liste mit möglichen Konsequenzen für den Kunden anzufertigen, sollte er sich entscheiden, nicht mit Ihnen ins Geschäft zu kommen.
Einwände sollten grundsätzlich nicht negativ bewertet werden. Schließlich zeigen sie sehr deutlich die Überlegungen, nach denen ein Kunde seine Kaufentscheidung trifft. Statt nur darauf zu reagieren, sollten Einwände deshalb gezielt durch Fragen provoziert werden.
Beispiel:
„Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann entspricht dieses Produkt Ihren Vorstellungen einer vernünftigen Vermögensaufbaustrategie, oder täusche ich mich da?“
Sie laden den Kunden so zum Dialog ein und bringen nicht offen kommunizierte Vorbehalte ans Licht. Ganz entscheidend für die richtige Reaktion auf Einwände ist die grundsätzliche Bereitschaft ein Nein zu akzeptieren. Wenn Sie auf Teufel komm raus den Abschluss wollen, laufen Sie Gefahr, ohne Not im Preis viel zu sehr nachzulassen. Das „Ich muss“ kommt als unterwürfige Haltung bei Ihrem gegenüber an. Argumentieren Sie stattdessen auf Augenhöhe und machen Sie sich klar, dass nicht jede Akquise mit einem Abschluss enden kann. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Projekte und Kunden, die wirklich zu Ihnen und Ihren Leistungen passen. So entsteht letztlich eine klassische Win-Win-Situation.
Gespräche vor Ort: Informationen sammeln
Es ist Ihnen also gelungen, den potenziellen Kunden neugierig zu machen. Der Termin steht. Jetzt geht es darum, Ihre Argumente mit Fakten zu untermauern und im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, sich darauf genaustens vorzubereiten. Vielleicht bekommen Sie gleich im ersten Vor-Ort-Gespräch die Gelegenheit zur Verkaufspräsentation, meist findet im Vorfeld zumindest ein Sondierungsgespräch statt.
Indem Sie die Bedürfnisse, Ziele und Wünsche des Kunden klären, motivieren Sie ihn, gemeinsam mit Ihnen eine Lösung zu erarbeiten, und positionieren sich so als kompetenter, vertrauenswürdiger Partner. Offene Fragen wie „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“ eignen sich, um eine ganzheitliche Beratung umzusetzen.
Grundsätzlich sollten Sie jeden Kontakt mit dem Kunden nutzen, um noch mehr über ihn und Dinge wie seine Arbeitsabläufe, verwendete Maschinen oder Werte in Erfahrung zu bringen. Gehen Sie in jedes Gespräch mit einem konkreten Ziel: der nächste Termin, das Angebot, der Abschluss – und nennen Sie es anfangs. Mit Fragen wie „Welche Informationen brauchen Sie von mir, damit wir ins Geschäft kommen?“ geben Sie dem Gespräch einen Fokus.
Wie viel Akquiseaufwand Sie pro Kunde betreiben, sollten Sie sehr genau prüfen und sich vor allem von Anfang an eine klare Grenze setzen. Wenn Sie bis zu diesem Zeitpunkt keinen Abschluss erzielt haben, wird das im Regelfall auch nicht mehr passieren.
Erfolgreich verkaufen, Akquise und Kunden gewinnen
Im ersten Teil seiner Artikelserie verrät Vertriebsexperte Thomas Burzler unter anderem, welche Einstellungen Verkäufer mitbringen müssen, um Rabattschlachten mit potenziellen Kunden zu umgehen.
Die richtige Einstellung
Die Neukundengewinnung scheitert häufig nicht an den Einwänden potenzieller Kunden oder den vielen Mitbewerbern, sondern an der Einstellung der Verkäufer. Produkt, Leistung und Mehrwert können noch so gut sein – wenn die Einstellung des Verkäufers nicht stimmt, kommt der Benefit beim Kunden nicht an. Stattdessen werden Zweifel an Qualität und Kompetenz gezüchtet und der Kunde wird – sofern er es überhaupt tut – nicht ohne hohe Rabattforderungen kaufen. Die richtige Einstellung ist die Basis jedes Vertriebserfolgs.
Doch genau daran, am Glauben ans eigene Tun, hapert es bei vielen Verkäufern. Viele Verkäufer haben Angst vor einem Nein und gehen mit einer falschen Einstellung in ein Kundengespräch. Ein Beispiel: Wenn der Kunde sagt „Das ist mir zu teuer“ und der Verkäufer denkt „Ich würde es für das Geld auch nicht kaufen“, stehen die Chancen für einen Verkaufsabschluss zu fairen Preisen schlecht. Negative Gedankenmuster können zum Glück auch verändert werden. Es bedarf zwar einiger Übung, aber es lohnt sich. Ein Blick auf die Spitzenverkäufer zeigt: Es sind immer wieder die gleichen Eigenschaften, die diese von „normalen“ Verkäufern unterscheiden: Optimismus, Menschlichkeit und Strategie.
Ein Top-Verkäufer kennt seine eigenen Leistungen und Produkte besser als jeder andere. Er agiert proaktiv und wartet nicht darauf, was ihm sein Unternehmen an Informationen und Werkzeugen zur Verfügung stellt, sondern holt sie sich eigenverantwortlich ein. Er findet alle Pluspunkte, die das Produkt für eine bestimmte Zielgruppe hat und setzt sie gewinnbringend ein. Dieser Spitzenverkäufer vergisst nie, dass sein Gegenüber in erster Linie ein Mensch ist, der sich über Aufmerksamkeit freut. Er kann und will sich in den Kunden hineindenken. So gelingt es ihm, zwischen den Wünschen seines Gegenübers und seinem Angebot die größtmögliche Schnittmenge herzustellen. Auf diese Weise kommt die Überzeugung „Ich bin der beste Partner für Dich“ auch beim Kunden an.
Es gibt eine Reihe einfacher Methoden, mit der Sie als Vertriebsmitarbeiter Ihre Einstellung optimieren können. Erstellen Sie eine Liste mit der Überschrift: „Zehn Punkte, warum meine Preise völlig ok sind“. Überlegen Sie sich dabei genau:
- Was macht Ihr Produkt, Ihre Leistung einzigartig?
- Was können Sie besser als die Anderen?
- Was unterscheidet Sie vom Wettbewerber?
In guten Verkaufstrainings wird nicht nur auf der Verhaltensebene, sondern vor allem auf der Einstellungsebene gearbeitet. Die Teilnehmer erhalten Tools, um das erworbene Wissen jeden Tag im Verkauf umzusetzen. Rhetorische Fähigkeiten sind ein wirkungsvolles Instrument, das aber nur mit der richtigen Einstellung seine ganze Schlagkraft entfalten kann.
Welche Kunden passen zu uns?
Wahlloses Akquirieren führt in den seltensten Fällen zum Erfolg. Am Anfang der erfolgreichen Neukundengewinnung sollte deshalb die Frage stehen: Welche Kunden passen überhaupt zu unserem Unternehmen? Um dies herauszufinden, muss Ihnen zunächst klar sein, wo Ihre Stärken liegen. Die Beantwortung dieser Frage hilft ihnen dabei, Ihr Profil zu schärfen. Seien Sie lieber polarisierend als nichtssagend, lieber spezifisch als zu allgemein. Und bleiben Sie dabei vor allem authentisch!
Im nächsten Schritt sollten Sie sich fragen, wer Ihre Stärken brauchen kann und bereit ist, diese zu honorieren. Bei den Teilnehmern meiner Verkaufstrainings stelle ich immer wieder fest, dass häufig viel zu viel Zeit in „falsche“ Kunden investiert wird. Wenn das Anforderungsprofil und Ihr Angebot nicht zusammenpassen, ist ein Abschluss mehr als unwahrscheinlich. Dann sollten Sie keine sinnlosen Mühen in ein aufwendiges Angebot stecken. Wenn ein potenzieller Kunde bei Ihnen anfragt und Sie wissen, dass es nicht passt, kann es ein Türöffner sein, wenn Sie dies dem Kunden offen sagen und begründen. Meist wird diese Ehrlichkeit sehr geschätzt und es ergibt sich möglicherweise eine andere Zusammenarbeit, die für beide Seiten ein Gewinn ist.
Viel Zeit und Energie sollten Sie dagegen den richtigen Kunden widmen, denn hier wird sich die Investition lohnen. Akquirieren Sie aktiv bei Unternehmen, die von dem Wert, den Sie kreieren, profitieren können. Machen Sie sich vorab im Detail mit der Zielbranche vertraut und werden Sie zum Spezialisten für die Probleme und Wünsche Ihrer potenziellen Kunden. Je mehr Sie im Vorfeld wissen, desto individueller können Sie auf sie eingehen. Ihr Gegenüber wird sich über die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, freuen. Wertschätzung ist ein großer Motivator für die Auftragsvergabe.
Vergessen Sie neben der Kaltakquise nicht die Kunden, bei denen schon Kontakte bestehen. Kunden, die schon einmal bei Ihnen gekauft haben, sollten Sie regelmäßig kontaktieren und versuchen zu reaktivieren. Wenn Sie einem Unternehmen bislang nur ein Produkt liefern, können Sie ihm Paketpreise anbieten für weitere Leistungen, die er aktuell bei Ihrem Mitbewerber bezieht. Auch hier ist Information alles. Nutzen Sie alle verfügbaren Quellen – auch jene im eigenen Unternehmen, etwa über Servicemitarbeiter – um herauszufinden, was den Kunden bewegt und wie Sie seine Lebensqualität verbessern können.
Trotz SEO und SEM: Verkäufer sind nicht überflüssig
Brauchen Unternehmen zukünftig überhaupt noch Verkäufer? Können nicht mit klugem Webmarketing und einer suchmaschinenoptimierten Homepage automatisch neue Kunden gewonnen werden? Natürlich ist das Internet heute ein entscheidendes Instrument der Neukundengewinnung. Es sollte aber nur eines von vielen sein. Ein Blick auf den Kaufprozess zeigt, warum dies so ist. Der Kaufprozess gliedert sich klar in fünf Phasen:
Phase 1: Der Kunde braucht nichts
Phase 2: Er denkt darüber nach, etwas zu verändern
Phase 3: Er holt Angebote ein und sucht Lieferanten
Phase 4: Er will Sicherheit darüber, ob seine Entscheidung richtig war
Phase 5: Wie Phase 1, das Spiel beginnt von vorn
Die Hauptaufgabe eines Verkäufers ist es, den Kunden von Phase 1 zu Phase 2 zu motivieren und ihm dann ein auf seine Bedürfnisse maßgeschneidertes Angebot zu unterbreiten. Das Internetmarketing beginnt dagegen erst in Phase 3, wenn der Kunde bereits weiß, was er will und daher im Internet nach geeigneten Anbietern sucht. Natürlich ist bei diesen potenziellen Kunden der zu erwartende Wettbewerbs- und damit auch Preisdruck viel höher als bei der proaktiven Akquise durch den Verkäufer. Der Interessent wird alle Homepages der potenziellen Lieferanten (auf der ersten Seite der Suchergebnisse) besuchen und zunächst eingehend vergleichen. Die Konkurrenz ist schließlich immer nur einen Mausklick entfernt.
Ein guter Verkäufer, der es versteht, beim Kunden ein Bedürfnis überhaupt erst zu wecken, hat demgegenüber einen entscheidenden Vorteil: Er kann sich gezielt auf den Kunden vorbereiten, er kann ihm zeigen, was er mit dem Produkt oder der Leistung gewinnt und er hat dabei erst einmal keine Mitbewerber. Der Verkäufer ist so von vorneherein in der aktiven Position – auch in Bezug auf etwaige Preisverhandlungen.
Webmarketing kann die Arbeit eines proaktiv agierenden Verkäufers also nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Beide Methoden der Neukundenakquise setzen an unterschiedlichen Phasen des Kaufprozesses an. Eine Ausnahme ist der Verkauf an Endverbraucher (B2C). Das heißt: Der reine Verkauf von Produkten, die Viele in der gleichen Form und Qualität anbieten. Hier setzen sich in der Tat mehr und mehr die „Digital Sales Forces“ durch. Folglich zählt hierbei nur noch der Preis.
Der individuelle Mehrwert
Sie möchten neue Kunden gewinnen ohne grundsätzliche Konzessionen an Ihren Preis zu machen? Dieser Ansatz ist zunächst sehr vielversprechend und weist Sie als Top-Verkäufer aus. Im zweiten Schritt sollten Sie sich nun überlegen, was an Ihrem Produkt und Ihrer Leistung den möglicherweise höheren Preis gegenüber Ihrem Wettbewerber rechtfertigt. Bieten Sie mehr als die anderen! Der Trend im Vertrieb geht eindeutig dahin, sich auf jeden einzelnen Kunden viel besser einzustellen. Nur ein gutes Produkt zu haben reicht heute nicht mehr aus. Dies gilt übrigens fürs B2B-Geschäft genauso wie für B2C.
Entscheidend für den Erfolg der auf die Vermittlung des individuellen Mehrwerts ausgerichteten Vertriebsstrategie ist eine sehr genaue Kenntnis der Zielgruppe sowie gutes Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse des Kunden. Es muss sich um einen echten Gewinn für den Kunden handeln und nicht um einen am eigenen Unternehmen ausgerichteten Mehrwert. Die Kernfrage, die Sie sich stellen sollten, lautet:
Wie können wir die Lebensqualität unserer Kunden verbessern?
Etwa, indem Arbeitsprozesse optimiert werden, der Einkauf angenehmer gestaltet wird oder ganze Pakete angeboten werden? Beispiel: Ein findiger, erfolgreicher Schraubenhändler liefert gleich noch Ordnungssysteme dazu und der Verkäufer sorgt für die rechtzeitige Nachfüllung.
Unternehmen brauchen Verkäufer, die die richtigen Fragetechniken beherrschen, psychologisches Gespür mitbringen und den Kunden individuellen Mehrwert vermitteln können. Spitzenvertriebler sprechen mit dem Entscheider nicht über das, was sie interessiert und als besonders gelungen an ihrem Produkt erachten. Sie richten ihr Angebot vielmehr auf Themen aus, von denen dieser profitiert und die ihm helfen, mehr Umsatz zu generieren: Finanzen, Wachstum, Innovation und Strategien. Ihr Mehrwert sollte Ihren Zielkunden in einem oder mehreren dieser Bereiche unterstützen! Im Gegensatz zum reinen Preismarketing entstehen so langfristige und tragfähige Kundenbeziehungen.
Bessere Preise beginnen mit der richtigen Einstellung. Wir gehen immer davon aus, dass der Kunde das billigste Angebot wählt. Dabei haben Pricing-Experten in Experimenten herausgefunden, dass überhöhte Preise sich sogar positiv auf das Kaufverhalten auswirken können, denn sie lenken die Aufmerksamkeit des Kunden auf die Produktmerkmale. Wenn Sie aber Ihren Kunden als Hauptverkaufsargument den niedrigen Preis nennen, dann werden diese konsequenterweise den billigsten Anbieter wählen. Sie zwingen die Kunden geradezu dazu, indem Sie Ihr Produkt oder Ihre Leistung austauschbar machen.
Verkaufsgespräch mit Kunden
Nehmen wir an, ein Verkäufer hatte einen Termin beim Kunden und Gelegenheit, sich und seine Produkte vorzustellen. Als er dann aber nach einer Woche noch einmal dort anruft um nachzufassen, fällt ihm der Kunde sogleich ins Wort: „Wir brauchen hier gar nicht weiter zu reden. Wir sind mit unserem jetzigen Lieferanten zufrieden und wollen nicht wechseln.“ Aus der Traum. Vergeudete Zeit, würde manch ein Verkäufer jetzt denken. Andere wiederum würden an ihren Verkaufskompetenzen zweifeln, was auch verständlich ist.
Doch wie sollten Sie als Verkäufer in so einer Situation am besten reagieren? Das hängt ganz davon ab: Wenn Sie die Reaktion Ihres Kunden sehr überrascht, spricht nichts dagegen, das auch so zu formulieren. Etwa folgendermaßen: „Das überrascht mich jetzt sehr. Ich hatte das Gefühl, dass Sie unser Produkt doch interessant fanden.“ Sie können sich aber auch einfach freundlich für die Zeit bedanken, die der Kunde sich genommen hat und auflegen und das Ganze abhaken.
Nach dem Scheitern: Kritische Selbstreflexion
Misserfolge können abgehakt werden, doch es lässt sich auch Profit daraus ziehen. Misserfolge sind immer eine Aufforderung, die Blickrichtung zu wechseln. Die spannende Frage ist doch: Was ist da schief gelaufen? Vielleicht hat der Verkäufer im Akquisegespräch in der Tat nicht ausreichend überzeugt? Die Abfuhr, die er beim Nachfassen erhalten hat, klang recht barsch. Wenn Ihnen schon einmal Ähnliches widerfahren ist, stellen Sie sich am besten folgende Fragen:
- Stimmte die „Chemie“ zwischen Ihnen und dem Kunden?
- War die Gesprächsatmosphäre locker oder verkrampft?
- Haben Sie dem Kunden zugehört oder haben Sie zu viel geredet?
- Haben Sie mehr über Ihr Produkt oder mehr über die Anforderungen und Wünsche des Kunden gesprochen?
- Haben Sie überhaupt verstanden, was der Kunde möchte?
- Haben Sie das Gespräch durch Fragen oder mehr durch Statements geführt?
- Hatte der Kunde Einwände und konnten Sie diese ausräumen?
- Wie waren Sie bei der Verabschiedung verblieben?
So viel kritische Selbstreflexion muss sein, denn wenn Sie scheitern, sollten Sie den Misserfolg zum Lernen nutzen. Tun Sie das nicht, wäre dieser Kundenkontakt wirklich nur vergeudete Zeit gewesen.
Aber selbst wenn Sie alles richtig gemacht haben, kann es natürlich trotzdem zu solchen Situationen kommen. Sie können nicht „Everybody’s darling“ sein. Eine Kernkompetenz von Verkäufern besteht darin, das zu akzeptieren. Ob der Kunde das Scheitern des Verkaufs verantwortet oder Sie an Ihren Akquise-Kompetenzen zweifeln – beides ist wenig hilfreich. Fakt ist lediglich, dass Sie den Kunden offenbar nicht wirklich erreicht haben. Zur Kommunikation gehören aber mindestens zwei. Vielleicht haben Sie Ihren Gesprächspartner einfach nur auf dem falschen Fuß erwischt. Hätten Sie einen Tag früher oder später angerufen, wäre es möglicherweise anders gelaufen. Möglicherweise. Also: Keine voreiligen Schlüsse ziehen!
Es kann unzählige Erklärungen dafür geben, warum Ihr Kunde nicht angebissen hat. Finden Sie heraus, welche zutrifft. Unter Umständen hilft Fragen, den Kunden darauf ansprechen, wie oben geschildert. Aber weder beleidigt noch vorwurfsvoll, sondern selbstbewusst interessiert. Und wenn Sie großes Glück haben, dann können Sie damit auch verlorenes Terrain wieder gut machen. Eines sollten Sie aber im Hinterkopf behalten, wenn Sie eine Abfuhr erhalten: Kunden dürfen das! Kunden dürfen Sie abweisen, dürfen wenig interessiert und schlecht gelaunt sein. Solange Sie ungefragt anklopfen, müssen Sie sogar damit rechnen. Wer stört, muss mit entsprechender Reaktion rechnen. Es liegt an Ihnen, daraus etwas zu machen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kunde Sie nicht als Störer empfindet!
Nur das verkaufen, was Kunden wollen!
Als Störer werden Sie insbesondere dann empfunden, wenn Sie unbedingt das verkaufen möchten, was der potenzielle Kunde gar nicht braucht. Menschen kaufen nämlich nur das, was sie wollen. Es ist einfach, das herauszufinden: Durch Fragen und Zuhören. Wer nicht als Verkäufer, sondern als interessierter Zuhörer und Berater auftritt, erfährt, was der Kunde will – oder wollen könnte. Aber vor allem erfährt er, ob der potenzielle Kunde überhaupt zu einem passt. Verkäufer können potenziellen Kunden nur ein Angebot unterbreiten und bei Interesse mit dem Kunden gemeinsam schauen, wie das zu seinen Vorstellungen und Zielen passt. Alles andere wäre reine Zeitverschendung – für den potenziellen Kunden und für den Verkäufer.
Gerade Fachleute machen hier oft einen großen Fehler. Sie stellen ihr Produkt in den Mittelpunkt und schildern dem Kunden dessen Eigenschaften in allen Einzelheiten. Doch die interessieren nur selten. Menschen kaufen das, was ihnen vor allem ein gutes Gefühl verschafft und nicht das, was sie vermeintlich brauchen. Daher gehen rein nutzenorientierte Verkaufsgespräche oft ins Leere. Es ist zwar gut, einem potenziellen Kunden den Nutzen eines Produkts zu erklären. Aber das alleine reicht nicht, solange das Produkt nicht seine emotionalen Bedürfnisse erfüllt. Gerade bei schwierigen Kaufentscheidungen ist es letztlich der Bauch, der den Unterschied macht zwischen Kauf und Nicht-Kauf. Und zum guten Gefühl gehört auch das Vertrauen dem Verkäufer gegenüber. Stereotyper Verkäuferslang ist wenig authentisch und schafft genauso wenig eine Vertrauensbasis wie endlose Monologe über die Vorzüge eines Produkts.
Doch wie kann es besser gehen? Folgende Tipps können hilfreich sein für alle, die mit dem Verkaufen so ihre liebe Not haben:
Perspektive wechseln
Stellen Sie sich vor, Sie sind Berater und Experte Ihres Fachs, nicht Verkäufer. Gewinnt von dieser Warte aus Verkaufen nicht mehr an Attraktivität?
Auftritt beim Kunden
Fallen Sie beim Kunden nicht mit der Tür ins Haus, sondern stellen Sie sich vor. Menschen möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben, bevor sie sich auf sie einlassen.
Beziehung aufbauen
Bauen Sie eine vertrauensvolle Beziehung mit dem Kunden auf! Setzen Sie dort an, wo es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und dem Kunden gibt. Ein kurzer Smalltalk entspannt die Atmosphäre. So wird selbst eine Kaltakquise mindestens lauwarm.
Bedarf feststellen
Finden Sie heraus, was ihr Kunde benötigt. Manchmal ist das offensichtlich. Dort, wo der Bedarf nicht offensichtlich ist: Fragen Sie!
Gefühlten Mehrwert anbieten
Bieten Sie dem Kunden eine Lösung an! Produkte und Dienstleistungen sind immer Problemlösungen. Sind sie es nicht, werden Sie kaum ein Interesse beim Kunden wecken können. Dabei geht es nicht vorwiegend um den tatsächlichen, sondern um den gefühlten Mehrwert. Alles, was Menschen mehr Sicherheit, bessere Kontrolle und soziale Bindung verschafft, was ihren Selbstwert steigert oder schlicht Spaß macht, ist ein gefühlter Mehrwert.
Authentisch kommunizieren
Emotion sells: Hier spielen Sinnesreize eine wesentliche Rolle. Sekundäre Produktmerkmale wie Design, Farbgebung, Haptik und Geruch können kaufentscheidend sein. Auch Ihr persönliches Outfit und Auftreten gehören dazu. Kommunikation spielt sich hauptsächlich nonverbal ab. Achten Sie daher auch auf Ihre Artikulation und Ihre Körpersprache. Hüten Sie sich aber vor plumpen, einstudierten Gesten und gestellter Mimik!
Mut zur Lücke
Prüfen Sie, ob der Kunde zu Ihnen passt. Laufen Sie niemandem hinterher! Ihr Kunde weiß besser als Sie, was er braucht. Wenn Sie ihm das nicht bieten können, dann lassen Sie von ihm ab – und empfehlen ihm ruhig einen Mitbewerber. Er wird es Ihnen danken. Wer gibt, bekommt auch zurück.
Keine Rabattschlachten
Zum Preis: Der stimmt, wenn der gefühlte Nutzen größer ist als der Preis. Ob er das ist, können Sie auch durch Ihre Gesprächsführung steuern. Lassen Sie sich nicht auf Rabattschlachten ein. Auch Sprüche wie „am Preis soll es nicht liegen“ werten Ihr Produkt eher ab, als dass sie kauffördernd wirken.
Empathisch reagieren
Spüren Sie nach, wenn der Kunde reif ist für einen Abschluss! Wenn Sie Zweifel bemerken, fragen Sie nach. Zweifel und Widerstände sind ein Geschenk für jeden Verkäufer. Nehmen Sie den Kunden ernst und seien Sie empathisch. Erst wenn alle Zweifel ausgeräumt sind, wird Ihr Kunde kaufen. Wenn Sie ihn damit im Regen stehen lassen, haben sie ihn verloren.
Verbindlich bleiben
Beenden Sie jedes Akquisegespräch verbindlich. Machen Sie einen Vorschlag, wie es weitergehen soll („Bis wann möchten Sie denn eine Entscheidung treffen?“). Spätestens hier werden Sie merken, ob ihr Kunde eine ernsthafte Kaufabsicht hat. Legen Sie sich ein dickes Fell zu. Absagen und andere Misserfolge sind eine Chance zu lernen, wie es besser gehen könnte.
Ob Sie erfolgreich verkaufen hängt letztlich davon ab, ob Sie beim Kunden Resonanz erzeugen. Dazu müssen Sie empathisch rüberkommen und Ihr Produkt muss die Bedürfnisse Ihres Kunden befriedigen können. Die Konsequenz: Verkaufen Sie dem Kunden doch einfach das, was er haben will!
Hinweis
Vom Autor ist auch folgendes Buch erschienen: Change - Bewegung im Kopf [24] .
Frauen im Verkauf und Vertrieb
Verkauf ist der Lackmustest der unternehmerischen Idee. Wer zu wenig verkauft, hat entweder kein gutes Produkt oder vermag es nicht, die richtige Strategie zu verfolgen. Zu einer gesunden Verkaufsstrategie gehören letztlich drei Komponenten:
- Ein gutes Angebot
- Eine klar definierte Zielgruppe
- Eine perfekt agierende und kommunizierende Vertriebsmannschaft
Gerade beim letzten Punkt denken viele Unternehmen noch zu einseitig. Sie nehmen „Mannschaft“ zu wörtlich und vernachlässigen die Chancen weiblicher Kommunikation, Argumentation und Wirkung. Strategisch verkaufen bedeutet, alle Marktpotenziale voll auszuschöpfen und jedem potenziellen Käufer den für ihn passenden Verkäufer an die Seite zu stellen. Flexibilität und Anpassung sind gefragt. In vielen Branchen können Frauen den Nutzen des Kunden leichter „verargumentieren“ – weil sie entweder glaubwürdiger sind oder über ein größeres Kommunikationsarsenal verfügen. Strategischer Vertrieb heißt deswegen auch, männliche und weibliche Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen kombiniert einzusetzen. Wer auf Frauen in seinem Vertriebsteam verzichtet, verspielt Verkaufserfolge, Umsätze und Marktpotenziale!
Frauen verkaufen, kommunizieren und wirken anders
Kunde ist nicht gleich Kunde. Jeder hat andere Motive, Maßstäbe und Erwartungen an ein Produkt – und an den Verkäufer. Und sicher gibt es auch viele Kunden, die sich selbst den neuesten Aufsitz-Rasenmäher oder die innovative Software lieber von einer Frau verkaufen lassen, auch wenn diese Produkte auf den ersten Blick wohl eher als „männlich“ bezeichnet werden können. Aber wer sagt, dass Frauen nicht auch solche Produkte nutzen möchten oder gestandene Männer nicht auch auf das Design des guten Stücks Wert legen. Die klassischen Stereotypen und Geschlechterklischees stimmen schon lange nicht mehr. Nur viele Unternehmen glauben noch daran.
Sicher, Männer verkaufen eher mit Daten, Zahlen, Fakten und objektiv belegbaren Produktmerkmalen. Sie argumentieren und überzeugen in erster Linie mit produktbezogener Fachkompetenz. Das ist aber nicht alles. Wichtig sind auch Kommunikationstalent, Empathie, aktives Zuhören und eine einnehmende Persönlichkeit. Diese Eigenschaften würde man wohl eher Frauen zuschreiben. Es kommt auf die Mischung an. Und auch hier gilt: Es gibt Daten-Zahlen-Fakten-Frauen und Empathie-Männer. Klischees sind im Vertrieb ohnehin kontraproduktiv. Es muss eben einfach passen – und gute Verkäufer wissen, was wann und zu wem passt.
Frauen würden den Rasenmäher oder die Software vielleicht anders erklären: nutzenorientierter, persönlicher oder mit anderen Eigenschaften – jenen, die eben emotional ansprechender sind. Wenn aber letztlich der Erfolg zählt und der Nutzen des Kunden, dann wäre es fahrlässig, auf weibliche Argumentationsmuster im Verkaufsgespräch zu verzichten. Weiblicher Vertrieb ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Mehr Frauen im Vertrieb erweitern den Facettenreichtum in der Argumentationskette für ein Produkt und ermöglichen somit mehr Abschlüsse. Gerade auch, weil auf Seiten der Einkäufer oft Männer sitzen, die nun mal positiver auf Frauen reagieren. Der „Machtkampf“ findet nicht mehr statt, die Beziehungsebene wird gestärkt. Die klassischen Feilschereien um den Preis und Statusspielchen unterbleiben und machen somit die Beziehung verbindlicher. Das stärkt die Vertrauensbasis.
Nur starke Frauen gehen in den Vertrieb
Nur starke Frauen gehen in den Verkauf. Verkaufen gilt noch immer als hart und anstrengend und fordert mehr Einsatzbereitschaft und Engagement als viele andere Jobs. Deswegen stehen Vertriebstätigkeiten auf der Liste weiblicher Bewerber nicht unbedingt ganz oben. Zudem ist Verkaufen, gerade im Außendienst, mit vielen Terminen, Reisen und letztlich auch mit Erfolgsdruck verbunden. Die Verantwortung für Umsatz und Gewinn ist immens und die Messbarkeit der Ergebnisse sorgt für permanenten internen und externen Wettbewerb. Wenn sich eine Frau diesen Herausforderungen stellt, dann tut sie dies ganz bewusst und beweist damit ihr hohes Energiepotenzial. Viele Frauen trauen sich das erst gar nicht zu.
Die Selektion findet beim weiblichen Geschlecht also schon vor der eigentlichen Entscheidung für den Beruf statt und nicht erst in der Praxis. Unternehmer und Verkaufsleiter können deswegen die Gewissheit haben, dass sich nur starke Frauen mit Biss, Einsatzbereitschaft und Engagement einem Vertriebsjob stellen. Und weil das so ist, sind Frauen dort dann in der Regel auch dem Durchschnitt ihrer männlichen Kollegen überlegen. Unternehmen sollten deswegen gezielt nach weiblichen Verkäufern Ausschau halten und auf diesem Wege ihre Vertriebsabteilungen strategisch und nachhaltig stärken.
Wer seinen Vertrieb optimieren möchte, sollte auf eine gesunde Mischung achten. Natürlich gibt es auch gute Gründe, männliche Vertriebler zu beschäftigen. Auch, weil gerade bei technischen Produkten der Markt diesen mehr fachliche Kompetenz zutraut. Innovatives Verkaufen baut aber auf die Potenziale beider Geschlechter und setzt jeweils den passenden Verkäufer für das passende Produkt und auf den passenden Verhandlungspartner an. Situatives und flexibles Verkaufen sorgt für nachhaltigen Erfolg, diese lang bekannte Weisheit gilt nach wie vor.
In Zeiten des demographischen Wandels und einer sich verändernden Gesellschaft und Arbeitswelt müssen neue Wege gegangen werden. Wer sich Frauen im Vertrieb gegenüber verschließt, handelt töricht, denn gute Verkäufer sind ohnehin rar. Es ist also eine kluge Entscheidung, seine Vertriebsteams frühzeitig zu stärken – mit männlicher und vor allem weiblicher High-Performace und strategischen Neuausrichtungen in der Verhandlungs- und Verkaufskommunikation. Weg von alten Klischees und Rollenmustern hin zu einem modernen Gesellschaftsbild. Mehr Frauen im Vertrieb bedeutet mehr Umsatz und Zukunftsbeständigkeit auf dem Markt.
Hinweis
Ein Beitrag der freien Journalistin und Vertriebsexpertin Sabine Brunotte unter dem Titel "Jetzt kommen die Frauen" ist im Versicherungsmagazin [25] erschienen.
Guter Vertrieb, Verkäufer und Vertriebsprozesse
Was nützen die neusten Entwicklungen und die genialsten Produkte, wenn die Produkte am Ende nicht verkauft werden. Jedes Unternehmen, ob Konzern, Mittelständler oder Kleinunternehmen, steht vor der gleichen Herausforderung: Wie findet mein Produkt den Weg zum Kunden? Ähnlich vielseitig wie die Fragestellung ist das Heer der Helferlein, das definiert, welche Vertriebsstrategien nach den aktuellsten akademischen Erleuchtungen wohl die zielführendsten sind. Doch auch hier gilt das Motto: Zu viele Köche verderben den Brei. Das Rezept eines guten Vertriebes ist vielmehr die Summe seiner einzelnen Zutaten und das Wissen, wann diese einzusetzen sind!
Vertrieb braucht schmackhafte Produkte
Das Wichtigste, was in der Küche des Vertriebs zum Einsatz kommt, ist das Produkt selbst. Hierbei gilt die Prämisse, dass das Produkt nicht dem Entwickler, der Produktion oder dem Vertrieb gefallen muss, sondern dem Kunden. Dieser Blick geht vielen Unternehmen viel zu schnell verloren. Dabei ist es so einfach sich diesen Blick zu bewahren. Ein offenes Ohr beim Kunden für dessen Bedürfnisse und ein wacher Blick auf die Vorlieben helfen, sich dessen Sichtweise anzueignen. Sehr schnell erscheint das eigene Produkt daraufhin in einem neuen Licht. Gerade dieser neue Blickwinkel ist es aber, der einen erfolgreichen Vertrieb ausmacht:
Nur wenn unser Produkt den Anforderungen des Kunden, sprich dessen Geschmack, gerecht wird, wird der Kunde kaufen!
Dass dieses Vorgehen bereits sehr früh greifen muss, wird jedem einleuchten. Bereits während der Konzeption und Entwicklung des Produkts ist es erforderlich, die Kundenbedürfnisse am eigenen Produkt zu spiegeln. Sätze wie „Ich denke, dass mein Kunde...“ ist der falsche Ansatz. Hier ist Wissen gefragt. Der direkte Kundendialog steht im Vordergrund. Und dort, wo der Kunde nicht spezifisch ist, wird dieser durch den Markt ersetzt. So gesehen fängt der Vertriebsprozess nicht mit dem fertigen Produkt, sondern mit dem Wunsch eines Kunden nach einer Lösung an. Aber gerade diese weitreichende Verantwortung wird in vielen Unternehmen dem Vertrieb entweder nicht zugebilligt oder von diesem sogar abgelehnt. Das Angebot an Unterstützungstools und Prozessempfehlungen ist gewaltig und wird dem individuellen Anspruch selten gerecht. Der bessere Weg ist, mit kleinen Tools und Checklisten sowie einem intern akzeptierten Lösungsansatz vorzugehen und dem vertriebsgerechten Produkt Raum zur Entwicklung zu bieten.
Vertrieb braucht Köche aus Leidenschaft
Ein nicht minder wichtiger Bestandteil des Vertriebsrezepts ist der Vertriebler selbst. Die weitverbreitete Meinung, jeder könne verkaufen, ist hierbei nicht haltbar. Es ist wohl jeder in der Lage Produkte anzubieten, doch dies sollte nicht als Vertrieb bezeichnet werden. Die wichtigste Eigenschaft eines Vertrieblers ist seine Sensitivität. Oft gilt es in nur wenigen Sekunden eine Stimmung im Raum, eine Situation oder Personen einzuschätzen, deren Reaktionen im Rahmen von Präsentationen immer wieder zu einem neuen Bild zu formen und daraufhin nach Gefühl die Zutaten zu variieren.
Gleichzeitig ist es erforderlich, das eigene Produkt an der sich ändernden Situation immer wieder neu zu spiegeln und die Produktvorteile neu zu positionieren. Einiges davon ist bestimmt erlernbar, folgen Menschen doch in Aktion und Reaktion oftmals vorbestimmten Verhaltensmustern. Vieles jedoch ist Bestandteil der eigenen Persönlichkeit und nur schwer erlernbar. Gut trainieren lässt sich zum Beispiel die Wahrnehmungsfähigkeit von Stimmungen wie das Verhalten in Standardsituationen. Hier kann auch der ungeübte Vertriebler Sicherheit gewinnen, um auch in schwierigeren Situationen bestehen zu können.
Entscheidend jedoch für das Gelingen des Vertriebsrezepts ist, dass der Vertriebler die Mensch-zu-Mensch-Beziehung erfasst. Produkte werden nicht von Unternehmen gekauft, sondern immer von Menschen! Das Produkt muss nicht nur dem Unternehmen Vorteile bringen, sondern vor allem der Person oder der Gruppe der Käufer. Erst wenn für den Käufer ein Vorteil erlebbar ist – zum Beispiel weniger Arbeit, mehr Budget, mehr Verantwortung, mehr Mitarbeiter – wird der Kunde „Mensch“ kaufen. Diesen Aspekt gilt es für den Vertriebler immer im Auge zu behalten und mit den Produktaspekten in Einklang zu bringen.
Vertrieb braucht Würze
Besonders in diesem Punkt neigen die Vertriebsköche zur Versalzung des Gerichts. Oft wird durch schwerfällige Tools und langwierige Dokumentation der Vertriebler in seinen Möglichkeiten eingeschränkt und seiner Kreativität beraubt. Vor allem in den Bereichen, in denen der Vertrieb zeitlichen Einschränkungen unterliegt oder immer neue Wege finden muss, seine Kunden zu erreichen beziehungsweise das Produkt neu zu positionieren, sind solche Sachzwänge oftmals hinderlich. Die andere Seite ist gleichermaßen gefährlich und führt oft zu einem Vertrieb, in dem der Zufall den Geschmack bestimmt. Es werden Kontakte verschlafen, Angebote nicht nachverfolgt oder Termine vergessen. Hauptsächlich dann, wenn der Vertrieb gleichzeitig mehrere Töpfe am köcheln halten muss, muss er jeden einzelnen genau im Blick haben.
Wie so oft liegt die Wahrheit in der Ausgewogenheit der Mittel. Jeder Vertrieb braucht Gewürze und Werkzeuge, welche eingebettet in den Prozessen verbindlich sein müssen. Gleichzeitig braucht er aber auch die Freiheit, produkt-, und kundenspezifisch agieren zu können. Denn letztendlich „kauft“ der Kunde zuerst die Vertriebsaussage und dann erst das Produkt.
Vertriebsprozesse dauerhaft genießen
Die Prozesse sind die Soße der Vertriebsküche und verbinden alle Zutaten zu einem Ganzen. Prozesse regeln die Verantwortlichkeiten und Aufgaben des Vertriebs ebenso wie dessen Vorgehen und Tools. Hierbei gibt es nicht den einen Vertriebsprozess, sondern jeder Prozess ist individuell auf die Produkte, die Kunden, das Prozessumfeld und bestehende Vertriebsressourcen aufgebaut. Den optimalen Vertriebsprozess zu finden, fällt meist schwer, doch folgende Punkte können als Orientierung dienen:
Zunächst ist es empfehlenswert, sich auf strategischer Ebene mit dem Vertrieb der eigenen Produkte zu beschäftigen. Es muss Klarheit darüber bestehen, welche Merkmale das Produkt aufweist, was seine Besonderheiten sind und welche Zielmärkte erreicht werden sollen (Querdenken ausdrücklich erlaubt!). Ebenfalls wichtig ist die Frage nach den Mitbewerbern. Nur wer die Konkurrenz kennt und die Zielmärkte identifiziert hat, kann das Marktpotenzial bestimmen. Nach der Analyse der Zielgruppen und Identifizierung der potenziellen Kunden lässt sich das Absatzpotenzial ermitteln. Anschließend sollte das Produkt durch die Augen des Kunden betrachtet werden, um dessen Blick, Wünsche und Erwartungen zu realisieren.
Danach gilt es zu definieren, welcher Weg geeignet ist, das Produkt zum Kunden zu bringen. Hierzu werden Werkzeuge des Marketings wie Präsentationen, Flyer, Prospekte, Internetseite, Kunden- und Angebotsverfolgungslisten benötigt. Ebenso wichtig wie die Auswahl der Vertriebsmittel ist es festzulegen, zu welchem Zeitpunkt des Vertriebsprozesses sie eingesetzt werden. Diese Abfolge beginnt bei der Ansprache potenzieller Kunden und der Auswertung von Interessenbekundungen, geht über die zielgerichtete Ansprache der Interessenten, über Emotionalisierung und Argumentierung des Produktes, bis hin zur Angebotserstellung und dem Vertragsabschluss.
Am Beispiel der Neukundenakquise im B2B-Dienstleistungsvertrieb könnte der Prozess wie folgt aufgebaut sein:
- Adressenrecherche und -qualifizierung
- Erstansprache, zum Beispiel durch Anruf oder Zusendung von Infomaterial
- Erste Kundenqualifizierung: Analyse Entscheidungsprozesse der Kunden oder Ermittlung der Kundenbedürfnisse
- Weitere Kundenqualifizierung: Terminvereinbarung beziehungsweise Vor-Ort-Präsentation
- Nutzen für den Kunden: Spezifizierung des Angebotes
- Angebotserstellung
- Angebotsverfolgung
- Vertragsverhandlungen
- Vertragsabschluss
- Kundenbindung: setzt wieder neuen Prozess in Gang
Diese Schritte dienen den Vertriebsmitarbeitern als Leitfaden. Wichtig ist, die einzelnen Prozessschritte mit Zuständigkeiten und Terminen zu versehen. All diese Punkte unterliegen einer ständigen Entwicklung und müssen, um einen dauerhaften Vertriebserfolg zu garantieren, immer wieder neu betrachtet und angepasst werden. Steht der Vertriebsprozess, sind die Werkzeuge vorhanden und ist der Vertriebler geschult, steht dem erfolgreichen Vertriebsrezept nichts mehr im Weg.
Vertriebsleiter müssen Verkauf mit Verkäufern analysieren
Verkaufs- und Vertriebsleiter stehen immer wieder vor der Frage, wie sie die Leistung ihrer Mitarbeiter steigern können. Entsprechend viele Konzepte zur Steigerung des Vertriebserfolgs wurden bereits entwickelt. Doch für den Betriebsalltag eignen sie sich oft nicht, unter anderem deshalb, weil die meisten Managementsysteme zu komplex, das heißt im Vertriebsalltag schwierig umzusetzen sind. Hinzu kommt: Diese Managementsysteme versuchen den Erfolg zu steuern, indem sie die Ziele mit Kennzahlen hinterlegen. Dadurch verschiebt sich der Fokus der Arbeit von der Erfolgssteuerung zur Ergebniskontrolle. Denn mit Kennzahlen lässt sich zwar ermitteln, ob die Ziele erreicht wurden, aber nicht, was getan werden sollte, um diese zu erreichen.
Kennzahlen sagen wo, aber nicht was getan werden muss
Dies erkennen Verkaufs- und Vertriebsleiter nur, wenn sie sich mit den Prozessen befassen, die zu den Zahlen, also Ergebnissen, führen. Ähnlich wie ein Fußball-Trainer, der den Erfolg seiner Spieler nicht steuert, indem er ihnen vor Saisonstart mitteilt, wie viele Tore sie im Saisonverlauf erzielen müssen. Der Coach sitzt auch nicht nur auf der Trainerbank und blickt zur Anzeigetafel, um den Spielstand, also das aktuelle Ergebnis, zu sehen. Er blickt vielmehr aufs Spielfeld, um zu erkennen, ob sein Team zum Beispiel im Rückstand liegt, weil die Spieler zu wenig Einsatz zeigen oder ein schlechtes Stellungsspiel praktizieren. Denn nur wenn der Trainer das Verhalten seiner Spieler beim Spiel beobachtet, kann er ihnen Tipps geben, wie sie dieses – trotz Rückstand – noch gewinnen können und so den kurzfristigen Erfolg beeinflussen.
Gleiches gilt für den mittel- und langfristigen Erfolg. Auch ihn kann ein Trainer nur beeinflussen, wenn er das Verhalten seiner Spieler beim Spiel analysiert. Nur dann kann er ermitteln: Wer hat wie viele Zweikämpfe gewonnen und wie viele Flanken kamen an? Dieses Wissen allein nützt aber wenig, denn wie er die Zahl der gewonnenen Zweikämpfe steigern kann, erfährt er erst, wenn er sein Wissen um die zu wenig gewonnenen Zweikämpfe mit seinen Beobachtungen beim Spiel vergleicht. Erst dann erfährt er, warum ein bestimmter Spieler viele Zweikämpfe verlor. (Kenn-)Zahlen zeigen also nur, wo etwas getan werden sollte. Aus ihnen erschließt sich aber nicht, was es zu tun gilt.
Ebenso ist es im Verkauf. Ein Verkaufs- und Vertriebsleiter, der nur am Schreibtisch sitzt und die Zahlen analysiert, kann den Erfolg seiner Verkäufer nicht beeinflussen. Nur wenn er sich, wie ein guter Fußball-Coach, mit ihrem Verhalten im Alltag – insbesondere im Kundenkontakt – befasst, kann er ihre Leistung steigern.
Beispiel:
Der Vertriebsleiter eines Gabelstapler-Herstellers vereinbart mit einem Außendienstmitarbeiter Anfang April den Verkauf von mindestens fünf Gabelstaplern bis Ende Juni. Wenn keine weiteren Vereinbarungen getroffen werden, ist es reine Glückssache, ob der Außendienstmitarbeiter dieses Ziel erreicht. Dann bleibt es dem Zufall überlassen, ob dieser im April und Mai die nötigen Vorarbeiten erledigt, damit er bis Ende Juni das Ziel erreicht.
Auch der Verkaufsleiter erfährt es erst Ende Juni, wenn der Außendienstmitarbeiter das Ziel verfehlt. Dann ist es aber zu spät, um korrigierend einzugreifen. Dies kann der Verkaufsleiter nur, wenn er den Außendienstmitarbeiter rechtzeitig folgende Fragen stellt:
- „An wen wollen Sie im Juni die fünf Gabelstapler verkaufen?“
- „Welche potenziellen Kunden haben Sie in der Pipeline?“
Hierdurch veranlasst er den Mitarbeiter zum Nachdenken darüber, wie er das vereinbarte Ziel erreicht. Außerdem, welche Maßnahmen er ergreifen muss, um die gewünschten Verkaufserfolge zu erzielen.
Beispiel:
100 Unternehmen, die Gabelstapler zum Transport von Waren oder Bauteilen einsetzen, anrufen und mit mindestens zehn Geschäftsführern oder Leitern der Logistikbereiche Präsentationstermine vereinbaren.
Zeigen seine Initiativen dann zu wenig Wirkung, hat er immer noch Zeit, ergänzende Maßnahmen zu ergreifen, damit das Ziel, der Verkauf von mindestens fünf Gabelstaplern, doch noch erreicht wird. Um die Erfolgsfaktoren, also die Voraussetzungen für den Erfolg, beeinflussen zu können, muss sich die Führungskraft auch um Details kümmern. Zum Beispiel:
- Welche Unternehmen und Personen ruft der Außendienstmitarbeiter an?
- Wie viele ruft er an?
- Wie baut er seine Gespräche beziehungsweise Telefonate auf?
- Mit welchen Unternehmen vereinbart er Präsentationstermine?
- Wie bereitet er sich auf die Termine vor und wie zielorientiert gestaltet er diese?
- Wie gestaltet er die Nachbereitung der Termine
Mitarbeiter im Vertriebsalltag coachen
Der Vertriebs- oder Verkaufsleiter muss also seinem Mitarbeiter regelmäßig bei dessen Arbeit über die Schulter schauen und ihm ein Feedback über sein Vorgehen geben. Denn nur dann setzt er bei ihm einen kontinuierlichen Lern- und Verbesserungsprozess in Gang. Hiervor schrecken aber viele Verkaufs- und Vertriebsleiter zurück – obwohl es ihre Kernaufgabe ist, ihre Mitarbeiter zum Erfolg zu führen. Denn Coachen von Mitarbeitern erfordert Zeit, und das Ermitteln der Erfolgsfaktoren im Kundenkontakt ist oft ein mühsamer Prozess. Noch schwerer ist es, die Erfolgsfaktoren ohne großen Verwaltungsaufwand messbar zu machen, damit Verhaltensveränderungen kontrollierbar werden. Stellt sich ein Verkaufsleiter jedoch diesen Herausforderungen, dann macht er den Vertriebserfolg unabhängig von Zufälligkeiten, weil er die Aktivitäten seiner Mitarbeiter gezielt steuert und ihre verkäuferische Kompetenz Schritt für Schritt ausbaut.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich Verkaufs- oder Vertriebsleiter regelmäßig mit jedem ihrer Mitarbeiter zusammensetzen und mit ihm Folgendes analysieren:
- Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit der gewünschte (Vertriebs-)Erfolg einsetzt?
- Welches Verhalten ist nötig, um die gewünschten Abschlüsse zu erzielen?
In solchen Gesprächen erweist es sich zumeist als sinnvoll, die Historie eines Mitarbeiter-Erfolgs gemeinsam zu analysieren: Was tat der Mitarbeiter, damit er Erfolg hatte?
Beispiel-Struktur eines solchen Gesprächs:
- „Herzlichen Glückwunsch, Herr Müller, zu diesem tollen Abschluss!“
- „Was taten Sie, damit dieser Erfolg zu Stande kam?“
- „Und was haben Sie davor gemacht?“
- „Und davor?“
- „Läuft das immer so gut?“
- „Wie viele Anläufe müssen Sie im Schnitt nehmen, um einmal Ihr Ziel zu erreichen?“
Das Gesprächsergebnis kann dann etwa wie folgt aussehen:
Um ein Unternehmen zu ermitteln, das aktuell einen neuen Gabelstapler braucht, müssen fünf Anrufe getätigt werden. Mit jedem zweiten Unternehmen, das einen Bedarf signalisiert, kann ein Präsentationstermin vereinbart werden. Drei Präsentationen führen zu einem Abschluss. Durch schlichte Multiplikation kann der Verkäufer dann ermitteln, wie viele Telefonate er im April führen muss, damit er bis Ende Juni wie geplant mindestens fünf Gabelstapler verkauft.
Entsprechendes gilt für das Verhalten im Kundenkontakt. Auch hier kann durch eine gemeinsame Analyse des Verkäuferverhaltens zum Beispiel im Rahmen einer Bordsteinkonferenz oder ähnlicher Feedback-Gespräche ermittelt werden, welches Verhalten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum Ziel führt. Das heißt: Der Verkäufer wird in die Lage versetzt, seine Leistung Schritt für Schritt zu verbessern – vorausgesetzt, die Führungskraft nimmt sich für ihren Mitarbeiter Zeit.
Hinweis
Vom Autor ist auch das Buch „Was im Verkauf wirklich zählt: Die besten Methoden für volle Auftragsbücher“ [26] erschienen.
Verkäufer erkennen Kaufsignale des Kunden
Verkaufsgespräche laufen oft nach dem gleichen Muster ab: Verkäufer wollen ihre Kunden perfekt beraten und ihnen ihr Angebot im besten Licht präsentieren. Entsprechend engagiert und motiviert sind sie. Doch dann naht der entscheidende Moment des Kaufabschlusses – und sie verlieren den Überblick und geben freiwillig das Heft des Handels aus der Hand. Aus einem einfachen Grund: Sie sind so damit beschäftigt, dem Kunden die Vorzüge ihres Produkts zu schildern und selbst kleinste Detailfragen zu beantworten, dass sie im Kundenkontakt das Wichtigste übersehen: Der Kunde ist schon längst zum Kauf bereit!
Trotzdem reden sie weiter auf ihn ein anstatt den Abschluss anzusteuern. Die Folge: Das Verkaufsgespräch verlängert sich unnötig mit der Gefahr, dass der Kunde sich umentscheidet. Zum Beispiel, weil ihn das Gespräch beginnt zu langweilen und er Besseres vorhat, als sich noch länger mit dem Verkäufer zu unterhalten.
Den Moment der Kaufbereitschaft erkennen
Dieser Gefahr können Verkäufer entgehen, indem sie in Verkaufsgesprächen Augen und Ohren offen und den Kunden stets im Blick behalten, damit sie zum Beispiel Veränderungen seiner Körpersprache, Stimme und Stimmung registrieren – und zwar nicht nur zu Beginn des Gesprächs, sondern auch dann, wenn es allmählich in Richtung Abschluss steuert. Denn so wichtig es zu Beginn ist, die richtigen Fragen zu stellen, um Vertrauen aufzubauen, so gefährlich und meist folgenschwer ist es, den Moment zu verpassen, in dem der Kunde seine Kaufbereitschaft signalisiert. Wenn ein Verkäufer auf diese Signale nicht (adäquat) reagiert, kann die Kauflaune des Kunden schnell wieder verfliegen. Dann wird eine gute Chance vertan – meist ein für alle Mal.
Manchmal senden Kunden sehr eindeutige Kaufsignale aus. Zum Beispiel, wenn sie sagen: „Ja, das gefällt mir.“ Jetzt ist es höchste Zeit für den Abschluss! Oder auch wenn sie nach Details fragen, in denen es um die Zeit nach dem Kauf geht. Zum Beispiel: „Wie wasche ich die Jacke?“ Oder: „Wie oft sollte ich mit dem Auto in die Inspektion?“ Auch dann ist die Zeit reif, die Initiative in Richtung Abschluss zu ergreifen.
Doch oft sind die Kaufsignale der Kunden nicht ganz so deutlich und folglich auch nicht so leicht zu erkennen. Nicht jeder Kunde ist extrovertiert. Viele sind es nicht (mehr) gewohnt, ihre wahren Gefühle spontan und unverblümt zu zeigen und tun dies etwa nur durch ein kaum wahrnehmbares Kopfnicken, eine leicht veränderte Körpersprache oder oberflächliche Scheineinwände wie: „Im Internet ist der Flachbildschirm aber billiger zu haben“. Bei manchen Kunden ist es sogar die höchste Form der Zustimmung, wenn sie aufmerksam zuhören und nicht dagegen argumentieren.
Es gibt viele Kaufsignale, die von Person zu Person verschieden sind. Eines jedoch findet in dem Moment, in dem sich ein Kunde innerlich – mehr oder minder bewusst – zum Kauf entscheidet, immer statt: ein klarer Stimmungswechsel. Denn ein zustimmender, begeisterter, innerlich „ja“ sagender Mensch hat und zeigt andere Gefühle als einer, der unentschlossen ist oder eher zu einem „Nein“ tendiert. Diese Kaufsignale erkennen Verkäufer nur, wenn sie sich voll auf ihren Gegenüber konzentrieren und nicht mit anderen Gedanken beschäftigt sind. Es gilt: 100 Prozent Aufmerksamkeit für den Kunden!
Die wichtigsten Kaufsignale
Bei den Kaufsignalen lassen sich verbale und nonverbale Signale unterscheiden. Verbale Kaufsignale sind:
Offene Zustimmung:
- „Das gefällt mir.“
- „Das hört sich gut an.“
- „Das habe ich mir genau so vorgestellt“.
Interessierte Fragen:
- „Wie sind Sie auf die Idee gekommen?“
- „Seit wann machen Sie das schon?“
Konkretisierende Nachfragen:
- „Wie gehen Sie das Thema genau an?“
- „Welche Lösung empfehlen Sie mir?“
Aussagen oder Fragen, die in die Zukunft weisen:
- „Wie schnell realisieren Sie dann…?“
- „Wie läuft das Ganze ab?“
- „Wie ist die Lieferzeit?“
Formulierung eigener Anwendungen oder Beispiele:
- „Ich kann mir vorstellen, dass wir dann…“
- „Das wird auch unsere Abteilung xy interessieren.“
Plötzliche oder zunehmende Begeisterung in der Sprache:
- Erhöhtes Sprechtempo
- Größere Lautstärke
- Mehr Betonungen und „Wir-Formulierungen“
Gebrauch von Indikativ statt Konjunktiv:
- „Wie machen wir das?“ statt „wie wäre das dann?“
Nonverbale Kaufsignale sind:
- Leichtes Kopfnicken
- Fester Blickkontakt
- Offene, dem Verkäufer zugewandte Körpersprache (der Kunde dreht sich zu Ihnen, er kommt Ihnen näher oder beugt sich nach vorne über den Tisch)
- Verstärkte Gestik und Mimik
- Lächeln
Achten Sie im Kundenkontakt auf solche Kaufsignale und steuern Sie, wenn Sie diese registrieren, den Abschluss an. Zum Beispiel mit Fragen, die die Kaufentscheidung des Kunden voraussetzen wie:
- „Soll Ihr neues Auto blaue oder grüne Sitzbezüge haben?“
- „Sollen wir Ihnen Ihr neues Bett liefern oder nehmen Sie es direkt mit?“
- „Zahlen Sie Ihre Wanderschuhe bar oder mit Karte?“
Sie werden feststellen: Fast immer ist der Kunde, wenn er eines oder mehrere der vorgenannten Signale ausgesendet hat, zum Kauf bereit. Sollte dies einmal nicht der Fall sein und der Kunde noch Einwände formulieren, beantworten Sie einfach die noch offenen Fragen und warten Sie darauf, dass er erneut ein Kaufsignal sendet. Um ihm dann erneut eine Frage zu stellen, die in Richtung Abschluss führt.
Vertrauen fürs Verkaufen und Kunden im Vertrieb gewinnen
Gibt es überhaupt so etwas wie einen Verkaufsinstinkt? Täglich auf die Pirsch zu gehen, kennen Verkäufer aus dem Alltag: Sie beobachten ihren Kunden und erkennen im Idealfall in Sekundenschnelle, was er womöglich gerne hätte und was nicht. Dieses gezielte Kennenlernen des Kunden ist im Verkauf von großer Bedeutung. Dazu sagt der Karlsruher Unternehmensberater und Vertriebsexperte Jürgen Calmbach in einem Artikel auf „redmark.de“, einem Portal für Geschäftsführer:
„Jetzt ist ein Jäger mit zupackender Persönlichkeit gefragt, der Absatzchancen instinktiv spürt, gerne auf unbekannte Menschen zugeht und auch Rückschläge sportlich nimmt.“
Viele Verkäufer fragen sich, warum einige ihrer Kollegen oder Mitbewerber erfolgreicher verkaufen als andere. Der Jagdinstinkt ist ausschlaggebend dafür, dass Verkäufer bereit sind, das vorhandene Wissen anzuwenden und durch ständiges Training weiter zu verbessern. Das Vertrauen der Verkäufer in ihren Instinkt geht einher mit dem Glauben an sich selbst, an das Unternehmen, an Produkte und Dienstleistungen und das Verkaufen an sich. Fokussieren und eine sichere Zielsetzung tun ihr Übriges dazu, dass der Umsatztrieb für alle Seiten erfolgreiche Früchte trägt.
Mehr Sicherheit beim Kundenkontakten
Ein Trieb ist im Verkauf sicherlich nicht verkehrt, steckt dahinter doch meistens eine ordentliche Portion Leidenschaft und Spaß am Verkaufen. Bestimmt die beste Grundvoraussetzung für den Umsatztrieb im Verkauf! Mit nachfolgenden drei Verkaufstipps ist es möglich, diesen Trieb durch mehr Sicherheit bei Kundenkontakten weiterhin zu stärken:
1. Glaubenssätze und innere Überzeugung
Menschen bilden von Kindesbeinen an Glaubenssätze (Beispiele: „Du kannst das nicht“ oder „Jungs dürfen nicht mit Puppen spielen“). Solche Glaubenssätze sind in unserem Inneren verankert, sie steuern unser Handeln.
Praxisbeispiel zur Verdeutlichung:
Schauen Sie sich in Ihrem Zimmer um, und suchen Sie alle grünen Gegenstände. Halten Sie nun die Augen geschlossen und überlegen Sie, wo sich die roten Dinge befinden. Die grünen Gegenstände können Sie jetzt nennen, aber die roten höchstwahrscheinlich nicht. Machen Sie nun die Augen auf und schauen Sie nach den roten Gegenständen. Sie werden plötzlich unzählige davon entdecken.
Der Grund: Ihr Fokus lag auf der Farbe Grün. Sie sehen nur das, worauf Sie sich konzentrieren. Übertragen auf unsere Glaubenssätze bedeutet das: Sie suchen regelrecht und regelmäßig nach einer Bestätigung Ihrer Glaubenssätze und diese werden nun zu Referenzerlebnissen. Verkäufer mit weniger Erfolg haben oftmals einschränkende Glaubenssätze, die ihren natürlichen Jagdtrieb ausbremsen wie etwa:
- Heutzutage geht es sowieso nur noch um den Preis
- Verkaufen bedeutet Klinkenputzen
- Als Verkäufer muss man geboren sein
Dadurch ist die Einstellung gekennzeichnet durch Zwang sowie Stresserzeugung. Unter Zwang und mit einer gehörigen Portion Stress wird jedoch kein Jäger erfolgreich sein. Einschränkende Glaubenssätze müssen deshalb möglichst schnell und wirksam in neue, unterstützende Glaubenssätze umformuliert werden. Aus „Ohne Fleiß kein Preis!“ wird etwa „Ich habe Spaß an meinem Tun und deshalb umso leichter mehr Erfolg“. Die Einstellung ist jetzt gekennzeichnet durch Auswahl (positiv formuliert) sowie Befreiung (wohltuend).
„Verkäufer, solche mit Jagdtrieb, wollen ihre Freiheit, sie fühlen sich als „die“ Unternehmer, erfahren jedoch ständig Einschränkungen: Tourenplanung, Berichtswesen, Controlling.“
Das sagt Erich-Norbert Detroy im Vorwort zum Buch „Die 200 besten Checklisten für Verkaufsleiter“ [27] , erschienen 2007 im mi-Fachverlag. Umso wichtiger ist es, sich seiner Glaubenssätze bewusst zu werden und kontinuierlich an diesen zu arbeiten.
Wie beim Jagen muss zuerst der innere Glaube, die innere Überzeugung, die geistige Vorstellung gefestigt sein. Möchte der Verkäufer „jagen“, muss er hundertprozentig daran glauben. Er muss es sich ernsthaft vorstellen können, dass er tatsächlich einen „Hirsch“ erlegt. Diese innere Überzeugung steuert sein Handeln und gibt ihm so die Möglichkeit, negative Glaubenssätze aus seinem Bewusstsein zu verbannen.
Um sich von negativen Glaubenssätzen zu lösen, die uns seit der Kindheit hemmen, ist es wichtig, den Fokus zu verändern. Mit umformulierten Glaubenssätzen wie zum Beispiel: „Ich werde immer besser im Verkauf“ oder „Mein Verkaufsinstinkt wächst von Tag zu Tag“ beginnen wir nach positiven Referenzerlebnissen zu suchen. Bestätigungen schließlich helfen uns dabei, nur noch das zu sehen, was unseren neuen Glaubenssatz immer weiter festigt.
2. Fokus steuern und absichern
Stellen Sie sich vor, Sie wären wirklich Jäger und Sie müssten nun auf das Wild zielen, das vor Ihnen grast. Was tun Sie zuerst? Gewehr ansetzen und Zielobjekt fokussieren. Das ist beim Kundengespräch nicht anders. Während der Fokussierung tilgen Sie alle anderen Gedanken, die um Sie herum sind. Unter Fokussierung wird also nichts anderes als die absolute Konzentration auf einen Gedanken, eine Idee oder eine These verstanden. Es gibt fünf Arten der Fokussierung. Eine davon wird hier näher betrachtet:
Wenn Ihr Kunde glaubt, ein Problem entdeckt zu haben, können Sie ihm eine neue Sichtweise auf die Dinge anbieten. Setzten Sie Ihrem Kunden quasi eine neue Linse vors Gewehr, damit er ein neues Gefühl für Ihr Produkt bekommt. Typische Formulierungen dafür sind:
- Stellen Sie sich einmal vor, dass…
- Nehmen Sie einmal an, dass…
Die Neu-Fokussierung ist ein natürlicher Vorgang, der sich durch die Referenzerlebnisse ergibt. Durch die eigene Fokussierung sind Sie fest davon überzeugt, den Abschluss zu tätigen und realisieren so unbewusst leichter das gesetzte Ziel. Wenn Sie überzeugt sind, den Abschluss zu tätigen und sicher sind, dass Sie die richtigen Abschlusstechniken anwenden und das Ziel erreichen, füttern Sie Ihre neuen Glaubenssätze mit neuen Referenzerlebnissen.
Aber wie Sie tilgen etwas in Ihrem Bewusstsein? Indem Sie es umformulieren und sich dadurch neu fokussieren. Christian Fischer, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Accelate, schreibt in seinem Artikel „Besser verkaufen“ für die österreichische Zeitschrift „Industriemagazin“:
„Kein Jagdtrieb, die Felder werden brav bestellt, aber die Jäger bleiben zu Hause.“
Er setzt den Fokus auf Listen, die nur dem internen Vertrieb zur Verfügung gestellt werden. Somit entsteht eine Art Wettbewerb zwischen den Verkäufern. Schließlich will keiner derjenige sein, der die schlechtesten Zahlen geschrieben hat; nur unter den Kollegen versteht sich. Eine sichere Zielführung ist daher bestimmt nicht verkehrt, um die eigene Motivation anzuheizen.
3. Optimale Ziel-Ausrichtung
Beim Jagen, beim Sport, im Urlaub oder bei geschäftlichen Vorhaben: Immer haben wir ein Ziel vor Augen. Das macht es leichter, den Fokus zu steuern und die Motivation zu entfachen. Bei der Verkaufskommunikation geht es um den Kunden und Sie selbst. Welche Ziele haben Sie? Was treibt Sie voran? Setzen Sie sich ruhig große Ziele, die Sie wirklich fordern. Diese sollten jedoch realistisch sein und Ihnen ein entspanntes Gefühl geben. Für die konkrete Planung Ihres Vorhabens gibt es den 3-Stufen-Ziel-Plan zur optimalen Zielausrichtung, der zum sicheren Umsatzerfolg führt und Ihren Umsatztrieb eine fördernde Richtung gibt:
Maximalziel:
Ein wirklich großes Ziel, bei dem Sie nach den Sternen greifen, bei dem Sie sich wirklich anstrengen müssen, um es zu erreichen.
Erwartetes Ziel:
Dieses Ziel ist für Sie zweifelsohne zu erreichen, weil es optimal Ihren Erwartungen entspricht.
Minimalziel:
Dieses Ziel umschließt das Minimum an Aufwand, den Sie betreiben und mit dem Sie auch zufrieden sind.
Der 3-Stufen-Plan ist deshalb so effizient, weil Sie unter allen Umständen etwas erreichen. Sie werden niemals versagen und können sich immer motivieren. Dieser Plan gibt Ihnen Selbstbewusstsein, Kraft und Ansporn für Ihre Aktivitäten. Allerdings sollten Sie bei der Zielsetzung folgendes vermeiden:
- Machen Sie sich nicht von anderen Umständen oder Personen abhängig.
- Vergleichen Sie sich nicht mit anderen Menschen oder Situationen.
- Keine Negationen wie „keine“ oder „nicht“!
Überlegen Sie sich genau, wo Sie in fünf Jahren stehen möchten. Stellen Sie sich folgende Fragen: Was will ich in fünf Jahren erreicht haben? Was benötige ich dafür? Setzen Sie sich Termine. Formulieren Sie die Antworten klar und deutlich und schreiben Sie diese auf ein Blatt Papier. Nehmen Sie sich dafür etwas Zeit und überlegen Sie in Ruhe. Und setzen Sie sich nicht zu große und auch nicht zu kleine Ziele. Das Kopf-Kino darf keinen negativen Druck auf Sie ausüben. Ihre Zielsetzung – im Großen wie im Kleinen, wenn es also „nur“ um das nächste Kundengespräch geht – soll Sie beflügeln und motivieren.
Neukundengewinnung und Akquise durch Dienstleister
Neukunden gewinnen – vor dieser Herausforderung stehen viele freiberufliche Dienstleister wie Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen. Und dies nicht nur, wenn sie wachsen möchten. Weil ihre Honorare zunehmend unter Druck geraten, müssen sie selbst dann neue Mandanten und Mandate gewinnen, wenn sie ihre Umsatz- und Ertragszahlen halten möchten.
Doch wie können diese Dienstleister lukrative Neukunden gewinnen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht – insbesondere, wenn es sich bei den avisierten Kunden um gestandene Unternehmen handelt. Für sie gilt:
- Sie haben bereits entsprechende Unterstützer, womit die Herausforderung bei der Neukunden-Akquise faktisch lautet: Mitbewerber verdrängen!
- Die Unternehmen und ihre Dienstleister kooperieren meist seit Jahren. Entsprechend muss die gewachsene Vertrauensbeziehung „geknackt“ werden.
- Ein Dienstleisterwechsel ist für die Unternehmen mit Mehrarbeit verbunden, da der neue Unterstützer zunächst in das für ihn unbekannte Unternehmen und seine Besonderheiten eingearbeitet werden muss.
All diese Faktoren erschweren die Neukundenakquise. Entsprechend strategisch, systematisch und professionell muss das Projekt „Neukunden gewinnen“ gestaltet werden. Die Schritte im Folgenden zeigen, wie freiberufliche Dienstleistungsunternehmen beim Akquirieren von Neukunden vorgehen sollten:
1. Stärken gegenüber dem Wettbewerb analysieren
Wenn Sie einen Konkurrenzkunden gewinnen möchten, müssen Sie sich zunächst als der attraktivere Partner erweisen. Zum Beispiel aufgrund des Spezialwissens, über das Sie verfügen. Oder aufgrund gewisser Fähigkeiten oder Produkte, die Ihr Unternehmen auszeichnet.
Das Ermitteln der eigenen Stärken fällt jedoch vielen Dienstleistern schwer, da sie etwa nur in Branchenkategorien denken. Zwar ist auch die Kenntnis gewisser Branchen bei der Neukundenakquise ein großes Plus, in der Regel jedoch nur, wenn zudem weitere Kompetenzen nachgewiesen werden können. Beispiele:
- Erfahrung mit Unternehmen mit Filialstruktur
- Erfahrung mit eigentümergeführten Mittelständlern
- Erfahrung mit Unternehmen, die in Osteuropa produzieren
- Erfahrung mit Projekteuren, die ihre Projekte weitgehend über Banken vorfinanzieren
Weitere Stärken ergeben sich oft aus der Struktur der eigenen Organisation. So kann es etwa ein Plus für bestimmte Kunden sein, wenn das Unternehmen nicht nur über eine, sondern über mehrere Niederlassungen in ganz Deutschland verfügt. Das gleiche gilt, wenn ein Dienstleister enge Kontakte zu Fachanwälten für IT- oder Medienrecht hat. Auch aus dieser Vernetzung könnte eine Kompetenz resultieren, die das Unternehmen von den meisten Mitbewerbern abhebt und gewisse Kunden, sofern entsprechende vernetzte Beratungsangebote geschnürt werden, schnell überzeugt.
Je intensiver Sie sich mit der Vorerfahrung Ihrer Organisation (und ihrer Mitarbeiter) und deren Struktur und Kultur befassen, umso mehr Faktoren werden Sie identifizieren, die Ihre Organisation von der Mehrzahl der Mitbewerber abheben. Insbesondere dann, wenn sie nicht isoliert, sondern in Kombination betrachtet werden.
2. Zielgruppen definieren
Wenn Sie die Stärken Ihrer Organisation fixiert haben, sollten Sie ermitteln, für welche Unternehmen diese ein attraktiver Partner sein könnte, also etwa IT-Dienstleister oder Unternehmen mit Filialstruktur. Auch hier ist es wichtig, zuweilen etwas um die Ecke und nicht nur in den klassischen Kategorien wie Branche, Mitarbeiterzahl und Bilanzsumme zu denken. Denn ein Filialunternehmen hat andere Probleme als ein Betrieb, dessen Mitarbeiter alle am selben Ort beschäftigt sind. Und ein Unternehmen mit sehr hohen Personalkosten hat andere Probleme als ein Betrieb, der vorrangig in Technik investieren muss. Also brauchen diese Unternehmen auch unterschiedliche Problemlösungen und somit Spezialisten mit unterschiedlichem Profil.
3. Erfolgversprechendste Zielkunden ermitteln
Wenn die Zielgruppen definiert sind, sollten Sie sich folgende Frage stellen:
„Auf welche Teilgruppen davon beziehungsweise auf welche Einzelunternehmen fokussieren wir unsere Vertriebsaktivitäten, weil wir bei ihnen die größten Erfolgsaussichten haben?“
Zum Beispiel, weil wir bereits ähnliche Unternehmen als (Referenz-)Kunden haben, oder weil sie nicht nur Softwareschmieden sind, sondern auch grenzüberschreitend agieren und ihr Personalkostenanteil über 80 Prozent liegt. Bei ihnen können wir unsere Stärken am ehesten ausspielen. Nun gilt es also, aus der Vielzahl der potenziellen Kunden diejenigen herauszufiltern, auf die Sie Ihre Akquisetätigkeit fokussieren. Denn Neukunden zu gewinnen ist ein zeit- und arbeitsintensives Geschäft. Also sollten Sie darauf achten, sich nicht zu verzetteln.
4. Strategie fürs Gewinnen von Neukunden entwickeln
Wenn die Zielkunden definiert sind, sollten Sie eine Strategie formulieren, wie Sie mit diesen in Kontakt kommen und allmählich eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Eine Marketing- und Vertriebsstrategie formulieren heißt letztlich ganz praktische Fragen zu beantworten. Zum Beispiel:
- Wie ermitteln wir die Entscheider bei den Zielkunden?
- Wie kommen wir mit ihnen in Kontakt?
- Wie vermitteln wir ihnen das Gefühl, ein attraktiver Partner für sie sein zu können?
- Wie bekommen wir einen Vorstellungstermin bei ihnen?
- Wie erreichen wir, dass sie uns einen Erstauftrag erteilen?
Operationalisiert kann die Strategie wie folgt aussehen:
„Zunächst schreiben wir alle Entscheider der Teilgruppe X mehrfach an und weisen sie auf die Gesetzesänderung Y hin und was daraus für ihr Unternehmen folgt. Dann rufen wir die 20 „heißesten Kandidaten“ an und laden sie zu einem Kamingespräch zum Thema ein. Nach dem Kamingespräch rufen wir die Entscheider, die anwesend waren, erneut an und fragen sie, ob.... Den Entscheidern, die nicht anwesend waren, schicken wir zunächst ein Management-Summary des Gesprächs und rufen Sie dann ebenfalls an, um....“
Nun gilt es also ganz konkrete Schritte zu definieren, wie zunächst der Kontakt zu den Zielpersonen hergestellt und dann die Beziehung zu ihnen ausgebaut wird. Entweder bezogen auf einzelne Teilzielgruppen oder gar Einzelunternehmen.
5. Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt ins Boot holen
Spätestens wenn Ihre Strategie zur Neukundengewinnung formuliert ist, sollten Sie alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt ins Boot holen. Das heißt, Sie sollten diese darüber informieren, welche Unternehmen Ihre Zielkunden sind und warum. Außerdem sollten Sie die Mitarbeiter darüber informieren, wie Sie aus den potenziellen Kunden echte Kunden machen möchten. Binden Sie die Mitarbeiter, soweit möglich, in das Beschreiben der „Produkte“ sowie Gestalten der Werbeinstrumente ein. Dann identifizieren sie sich stärker mit der Initiative.
Das Einbinden der Mitarbeiter ist unter anderem wichtig, weil die Zielkunden noch keine praktische Erfahrung mit Ihrer Organisation gesammelt haben. Also müssen sie erst noch Vertrauen zu ihr schöpfen. Dies tun sie nur, wenn sie im Kontakt mit den Repräsentanten Ihres Unternehmens durchgängig positiv Erfahrungen sammeln und teilweise sogar positiv überrascht werden. Zum Beispiel, weil Ihre Mitarbeiter am Telefon deutlich freundlicher sind als die Mitarbeiter ihres aktuellen Unterstützers.
6. Charmeoffensive starten
Wenn diese Vorarbeiten erledigt sind, können Sie Ihre Neukunden-Gewinnungsaktion oder Charmeoffensive starten. Charmeoffensive deshalb, weil Ihre Aktion nicht nur darauf abzielt, beim potenziellen Neukunden einen Eindruck als fachlich kompetenter Partner zu erzeugen. Bei ihm soll auch der Wunsch entstehen, gerne mit Ihnen zusammenzuarbeiten. An diesem Punkt scheitern viele Versuche zur Neukundenakquise von Dienstleistern. Denn sie versuchen, potenzielle Kunden primär davon zu überzeugen, dass sie fachlich kompetenter als deren aktuelle Unterstützer sind.
Dies allein genügt in aller Regel jedoch nicht, um die Entscheider in den Unternehmen zu einem Anbieterwechsel zu motivieren, da sie noch andere Erwartungen an ihre externen Dienstleister haben. So erwarten sie von ihnen zum Beispiel Entlastung und auch, dass sie als Person wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Sie wollen durch Aufmerksamkeit umgarnt und umworben werden. Echtes Interesse nicht nur an ihrer Arbeit, sondern auch an der Person selbst ist gefragt. All diese Dinge dürfen Ihre Mitarbeiter im Kontakt mit den potenziellen Kunden nie vergessen.
7. Auf einen „Türöffner-Auftrag“ hinarbeiten
Oft sind Dienstleister bei der Neukundenakquise zu ungeduldig und verfahren nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip". Dieses Ziel ist meist unrealistisch, denn zurecht vertraut sich kein Unternehmen gleich zu Beginn einem Anbieter komplexer Dienstleistungen vollständig an. Es fehlen die praktischen Erfahrungen mit ihm, womit wiederum hohe Risiken verbunden sind. Das (vorläufige) Akquiseziel sollte also lauten:
„Der Zielkunde soll uns einen Erstauftrag erteilen, bei dem wir unsere Kompetenz beweisen und uns – nicht nur fachlich – profilieren können.“
Das Akquise(zwischen)ziel muss also lauten, sich in der Kundenorganisation zunächst neben dem bisherigen Dienstleister als Spezialanbieter oder „Zweitlieferant“ zu etablieren. Wenn dann durch die konkrete Zusammenarbeit das Vertrauen und die Beziehung ausgebaut werden, kann Schritt für Schritt darauf hin gearbeitet werden, das Kundenpotenzial immer weiter auszuschöpfen. Mit dem mittel- oder langfristigen Ziel, den Mitbewerber ganz zu verdrängen.
Hinweis
Der Versuch, Mitbewerbern die A-Kunden abzujagen, ist oft wenig erfolgversprechend. Denn wenn Ihre Mitbewerber entsprechende Initiativen registrieren, konzentrieren sie ihre gesamte Energie auf die Abwehr Ihres Angriffs.
Anders stellt stellt sich die Situation bei B-Kunden dar: Diese stehen nicht zwingend im Fokus der Mitbewerber, daher registrieren sie Attacken oft recht spät. Zugleich empfinden gerade diese Kunden das Umgarnen oft als besonders angenehm, weil sie diese, nennen wir es „persönliche Betreuung“, beim aktuellen Dienstleister vermissen.
Existenzgründung als Trainer im Vertrieb
Tipp 1: Protektion durch starken Partner
Verabschieden Sie sich vom Einzelgängertum. Der Trainer als einsamer Wolf hat endgültig ausgedient. Suchen Sie nach einem starken (Vertriebs)Partner, der Sie von Beginn an protegiert. Vielleicht stellt die Übernahme eines Trainingskonzeptes nach dem Franchiseprinzip eine Alternative für Sie dar?
Umsetzungstipp:
Achten Sie bereits bei der Wahl des Ausbildungsinstituts darauf, ob und inwiefern Sie bei Ihren Akquisitionsaktivitäten tatkräftig unterstützt werden. Bei manchen Ausbildungsunternehmen wird bereits während der Ausbildung darauf Wert gelegt, dass die Trainer-Azubis erste Kontakte zu potenziellen Kunden knüpfen.
Tipp 2: Netzwerken an jedem Ort
Wo immer Sie auch sind, ob im Seminarraum, auf der Messe, im Internet, im sozialen Netzwerk oder auf der Party eines Bekannten: Sie sind darauf vorbereitet, mit einigen wenigen Sätzen Ihre Trainingsphilosophie, Ihre Trainingsmethodik und Ihre wichtigsten Trainingsinhalte und Ziele darzustellen. Rechnen Sie immer und überall damit, dass Sie sich präsentieren und Ihre Dienstleistung verkaufen dürfen. Potenzielle Auftraggeber lauern überall. Sie wollen allerdings rasch und zügig wissen, welchen Nutzen Sie ihnen bieten können.
Umsetzungstipp:
Beschreiben Sie auf Ihrer Visitenkarte in wenigen Worten Ihren Trainingsnutzen!
Tipp 3: Mit Umsonst-Nutzen einsteigen
Damit sind keine Geschenke, etwa Give-Aways, gemeint. Der Grundgedanke: Mit Hilfe einer kostenlosen, aber qualitativ anspruchsvollen Potenzialanalyse können Sie Ihren Erstkunden Engpassfaktoren, brachliegende Wachstumspotenziale und Kompetenzlücken nachweisbar aufzeigen – und ihnen dann anbieten, das Problem zu lösen.
Umsetzungstipp:
Prüfen Sie, ob Ihr Ausbildungsinstitut oder Ihr Franchisepartner über ein solches Tool zur Potenzialanalyse verfügt und Sie es nutzen können!
Tipp 4: Akquisitionsstrategien und -tools nutzen
Jeder Verkaufstrainer muss die Mühsal der Akquisition auf sich nehmen, und zwar mit Lust und Freude, mit Optimismus und Selbstsicherheit. Sind Sie erst einmal am Markt etabliert, leben Sie mehr und mehr von der Weiterempfehlung und der Mund-zu-Mund-Propaganda. Doch zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit benötigen Sie professionelle Akquisitionsstrategien und Akquisitionstools. Entscheidend dabei ist die strategisch intelligente Kombination der Tools.
Umsetzungstipp:
Achten Sie darauf, dass Ihnen Ihr Ausbildungsinstitut eine handfeste Akquisitionsunterstützung anbietet!
Tipp 5: Auch große Unternehmen ansprechen
Selbst etablierte Trainer trauen sich oft nicht an die ganz großen Unternehmen heran: Zuweilen ist es ein Trugschluss, dass diese mit festen, internen Trainern oder Partnern zusammenarbeiten. Sie sollten über das Selbstvertrauen verfügen, auch die Top-Firmen anzusprechen. Oft können sich diese mehr Wagemut und Innovationsfreudigkeit leisten als die kleinen Unternehmen.
Umsetzungstipp:
Überzeugen Sie die Top-Firmen mit überraschenden und innovativen Trainingsideen! Streben Sie zunächst einen Kleinauftrag an – Hauptsache, Sie bekommen den Fuß in die Tür.
Tipp 6: Erfolge nachweisen
Entscheidend im heutigen Trainingsmarkt ist, zu jedem Zeitpunkt und zu jeder Komponente von Weiterbildungsmaßnahmen über geeignete Messkriterien zu verfügen, um Auftraggeber Erfolge nachzuweisen:
- Geht es in dem Training um die Kompetenzentwicklung der Verkäufer? Dann ist ein Tool hilfreich, das eben diesen Kompetenzzuwachs nachweist.
- Geht es dem Unternehmen um die Verbesserung der Kundenzufriedenheit? Dann sollte diese auch gemessen werden können.
Umsetzungstipp:
Stellen Sie nicht allein die quantitative Messung in den Mittelpunkt – etwa die Umsatzzahlen, die verkauften Stückzahlen, die erhöhten Telefonkontakte, die Cross-Selling-Rate oder die Terminvereinbarungsquoten. Ebenso bedeutsam ist die qualitative Messung wie Mitarbeiterzufriedenheit, Mitarbeiterfluktuation oder die Qualität der unternehmensinternen Kommunikation. Auch dazu stellt Ihr Ausbildungspartner vielleicht entsprechende Tools zur Verfügung.
Tipp 7: Mit Leidenschaft Vertrauen gewinnen
Engagieren Sie sich gerne für die Lernfortschritte Ihrer Teilnehmer? Macht es Ihnen Spaß, anderen Menschen beim Lernen zu helfen und sie bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung zu unterstützen? Dann haben Sie den Grundstein dafür gelegt, um schnell in die Gewinnzone zu kommen. Denn Ihre Auftraggeber und Ihre Teilnehmer spüren es, wenn Sie mit Herzblut und Emotionalität bei der Sache sind. Und dann trauen sie Ihnen zu, mit Ihrer Leidenschaft andere anzustecken und Menschen zu motivieren, Unternehmensziele und persönliche Zielsetzungen zu erreichen.
Umsetzungstipp:
Bauen Sie blühende Trainings-, Seminar- und Coachingoasen auf, in denen der Kunde König und der einzige Mensch ist, der Sie stören darf: mit seinen Wünschen und Erwartungen, mit seinem Lob und seiner Kritik, mit seinen Anforderungen und Visionen, bei deren Verwirklichung Sie als Verkaufstrainer Unterstützung bieten.
Wie Sie Akquisitionstools strategisch kombinieren
Ihr Ziel lautet, bei einem Kunden einen Ersttermin zu erhalten:
- Sie rufen den Kunden an und verweisen ihn auf die Homepage des Ausbildungsinstituts. Das Institut hat Ihnen dort eine eigene Homepage eingerichtet, auf der Ihre Kompetenzen erläutert werden.
- Der neugierig gewordene Kunde willigt ein, dass Sie während des Telefongesprächs per Internet eine Bildschirmpräsentation durchführen dürfen.
- Die Folge: Der Kunde wünscht noch während des Telefonats eine Potenzialanalyse, um seinen Kompetenzdefiziten auf die Spur zu kommen. Dabei stellen Sie fest: Die Schwäche seiner Vertriebsmannschaft liegt im Abschluss.
- Zu einem persönlichen Termin ist der Kunde noch nicht bereit. Er wünscht zunächst die Zusendung von Unterlagen – Sie geben einen Coachingbrief, in dem das Thema „Abschluss- und Preisverhandlung“ im Mittelpunkt steht, und eine Imagebroschüre in die Post.
Kundengewinnung durch Vertrauen im Verkauf
Es gibt Menschen, die sind bei allen beliebt. Sie wissen immer, was sie sagen sollen, ohne jemanden zu verletzen oder zu verärgern. Sie bleiben stets taktvoll, haben ihre eigenen Gefühle stets im Griff, werden nicht wütend, sondern versuchen, eine Lösung zu finden. Selbst wenn diese in einem Gespräch nicht gefunden wird, fühlen wir uns danach trotzdem besser. Das macht diese Menschen zu guten Entscheidern. Sie schätzen sich selbst ehrlich ein, können gut mit Kritik umgehen und wissen, wann sie sie annehmen müssen.
Solche Menschen sind emotional intelligent. Emotional intelligent ist, wer sich seiner eigenen Gefühle bewusst ist, damit umzugehen und sie auszudrücken weiß. Zur emotionalen Intelligenz gehört außerdem Verständnis für die Gefühle Anderer und ein Gespür dafür, wie man die Beziehungen zu anderen Menschen verbessern kann. Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz sind in den meisten Dingen, die sie tun, erfolgreich. Sie sind diejenigen, die als erstes in ein Team gewählt werden. Sie bringen andere dazu, sich wohl zu fühlen. Die Folge: Emotional intelligente Menschen gehen leichter durchs Leben, denn eine positive Grundeistellung führt zu einer guten Ausstrahlung, was wiederum bei anderen Sympathien weckt.
Werte des Kunden erkennen
Emotionale Intelligenz bei Verkäufern bedeutet, dass sie über die Fähigkeit verfügen, die eigenen Emotionen zu steuern, die Emotionen des Kunden zu erkennen und zu verstehen und dem Kunden dieses Verstehen zu zeigen. Sie verstehen die Werte des Kunden und versuchen, diesen gerecht zu werden. Emotionale Intelligenz im Verkauf heißt vertrauenswürdiges und vertrauensbasiertes Verkaufsverhalten. Beim Verkaufen geht es um Vertrauensgewinn, denn wir müssen als Person überzeugen, um als Lieferant in Frage zu kommen. Eine dauerhafte Kundenbeziehung kann nur derjenige aufbauen, der seinem Kunden sympathisch ist und sich als vertrauenswürdig erweist.
Ein emotional intelligenter Verkäufer achtet genau auf seinen Kunden. Er hört ihm zu, erkennt seine Körpersprache und weiß, wann er zufrieden, interessiert und entspannt ist. Er erkennt auch, wenn der Kunde ungeduldig wird oder skeptisch ist. Der Kunde entscheidet nämlich auf Grund seiner Werte. Wenn er das Gefühl hat, das Produkt, das Unternehmen und der Verkäufer teilen und unterstützen seine Werte und bringen ihm den gewünschten Nutzen, entscheidet er sich für den Kauf. Er empfindet Sympathie zu seinem Gegenüber, wenn er das Gefühl hat, seine Werte werden akzeptiert und geteilt. Darum gehört es für den emotional intelligenten Verkäufer dazu, die Werte seiner Kunden zu erkennen. Der erste Schritt dazu: Interesse zeigen. Dadurch öffnet sich der Kunde und es entsteht Vertrauen. Wenn die Werte erfüllt werden, löst das Zufriedenheit beim Kunden aus.
Es gibt – bezogen auf ihr Wertesystem – drei wesentliche Kundentypen, anhand derer sich ablesen lässt, wie sie Produkte und Lieferanten auswählen:
Typ 1:
Legt vor allem Wert auf Prestige, zum Beispiel durch einen bekannten Namen, eine teure Marke oder anerkanntes Design.
Typ 2:
Sucht Funktionalität. Das Produkt soll die Wünsche des Kunden und den Zweck zuverlässig erfüllen und genau die Extras bieten, die der Kunde möchte. Das alles zu einem annehmbaren Preis.
Typ 3:
Sucht hauptsächlich Sicherheit. Er möchte Garantien, die beste Qualität und den besten Service, um sich möglichst keine Sorgen machen zu müssen.
Anschließend sollten die Werte und der Nutzen für den Kunden angesprochen werden, damit er weiß, dass er verstanden wurde. Fühlt er sich und seine Einschätzung wertgeschätzt, fördert dies wiederum das Vertrauensverhältnis. Der Kunde fühlt sich gut aufgehoben und erteilt gern einen Auftrag.
Beziehung zum Kunden aufbauen
Papst Benedikt XVI. schreibt im Vorwort eines seiner Bücher:
„Es steht […] jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“
Der Beginn einer guten Beziehung ist gegenseitige Sympathie. Sympathie entsteht meist unbewusst und bei jedem Menschen unterschiedlich, so dass es nicht direkt beeinflusst werden kann, ob jemand sympathisch wirkt. Trotzdem lassen sich bewusst einige Dinge vermeiden, die einen unsympathisch wirken lassen. Was nicht heißt, seine Authentizität aufzugeben und sich zu verstellen in der Hoffnung, dann besser anzukommen. Meistens wird dies vom Anderen durchschaut.
Sympathie entsteht unter anderem durch Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten. Wenn jemand das Gefühl hat, der Gesprächspartner sei ihm selbst ähnlich, dann fällt auch die Kommunikation leichter. Dem anderen wird vertraut, weil man annimmt, er verstehe und unterstütze die eigenen Prioritäten und Bedürfnisse. Dieser Vertrauensvorschuss sollte so bald wie möglich durch entsprechende Leistung bestätigt werden, damit sich eine echte Vertrauensbasis bilden kann.
Ehrliches Interesse am Anderen, an der Person und den Interessen des Anderen in Bezug auf sein Unternehmen und seinen Arbeitsbereich, aber auch ganz persönlich, ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Beziehung. Dadurch lernt man die Motivation des Kunden kennen und seine Entscheidungsabläufe verstehen. Trotzdem sollte eine gute Nachbereitung nie ausbleiben. Nicht nur Gesprächsinhalte, sondern auch andere emotionale Eindrücke sollten notiert werden:
- Welche Einstellung hat der Kunde?
- Was ist ihm besonders wichtig gewesen?
- Bei welchen Themen zeigte er Interesse und Begeisterung?
- Was langweilte ihn eher?
Eine regelmäßige Investition in die Beziehung zeigt dem Kunden, dass er geschätzt wird. Aus einer guten Beziehung entsteht Vertrauen, das durch Ehrlichkeit und Fairness gestützt wird. Durch Beharrlichkeit und Zielorientierung gelingt schließlich der erfolgreiche Abschluss.
Wie Verkäufer ihre emotionale Intelligenz verbessern
Vermeiden Sie Vorurteile und vorschnelle Schlüsse und versuchen Sie stattdessen, sich in den anderen hineinzuversetzen und die Empfindungen und die Sichtweise der Person zu verstehen! Warten Sie ab, bis Sie mehr Fakten kennen, bevor Sie ein Urteil fällen.
Versuchen Sie, sich Ihre Schwächen einzugestehen, sie zu akzeptieren und daran zu arbeiten. Weisen Sie Fehler nicht von sich, sondern akzeptieren Sie Fehlschläge und versuchen Sie es beim nächsten Mal besser zu machen!
Verlieren Sie unter Stress nicht die Nerven und versuchen Sie, in solchen Situationen Ihre Gefühle zu kontrollieren, anstatt ihnen freien Lauf zu lassen. Versuchen Sie sich abzulenken, bevor Sie „explodieren“!
Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Verhalten! Wenn Sie jemanden verletzt haben, entschuldigen Sie sich möglichst sofort, anstatt zu hoffen, dass irgendwann alles vergessen sein wird.
Hinweis
Kompetenzen für den emotionalen Verkauf
Vertrauenswürdigkeit: Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit und Fairness
Verkaufskompetenz: Gute Branchen- und Produktkenntnisse, Ausdrucksvermögen, Überzeugungskraft, positive Grundeinstellung sich selbst und anderen Menschen gegenüber
Verbindlichkeit: Am Ball bleiben; das Ziel klar formulieren und aussprechen
Kunden mit Telefonmarketing und Outbound gewinnen
Zu viele Menschen fühlen sich durch unprofessionelle Anrufe belästigt. Richtig ist allerdings auch: Es gibt viel mehr Menschen, die in ihrer Rolle als Kunde gar nicht oder zu selten kontaktiert und schlecht informiert und beraten werden. Gefordert sind also nicht weniger, sondern mehr und vor allem bessere telefonische Kundenkontakte. Im B2B-Bereich ist Outbound mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil des Vertriebs geworden. Der regelmäßige telefonische „Besuch“ gehört für Kunden und Lieferanten genauso zum Alltagsgeschäft wie der Außendienstbesuch: So gewinnen zum Beispiel Hersteller und Händler von Verbrauchsmaterial in der Dentalbranche Zahnlabore und Zahnpraxen mit eigenem Labor als Kunden und verkaufen diesen regelmäßig ihre Produkte.
Wer das Telefon sinnvoll und professionell einsetzen will, muss sich überlegen, wie die aktiven Telefonate in die Vertriebsstrategie integriert werden können. Einerseits ist es das Ziel, die Ressource Außendienst möglichst dort einzusetzen, wo es am sinnvollsten und effizientesten ist. Dort nämlich, wo der persönliche Besuch der Hebel zur erfolgreichen Gewinnung von Neukunden und zur Bindung der potenzialträchtigsten Bestandskunden ist. In der Regel hat der Außendienst eine so hohe Anzahl an Kunden, dass er diese nicht ausreichend betreuen kann. Hier sind die bessere Nutzung der Kontakte, die Erhöhung der Kontaktfrequenz und die Betreuung von Kunden, die derzeit nicht vom Außendienst besucht werden, ein großes Betätigungsfeld für ein Outbound-Team. Diese Überlegungen sind erst einmal unabhängig von der Entscheidung, ob das Telefonmarketing durch ein Outbound-Team im eigenen Unternehmen oder einen externen Dienstleister umgesetzt wird.
Tipp:
Das Management sollte den Vertrieb und den Service kritisch nach Ansatzpunkten hinterfragen, um Telefonmarketing strategisch einzusetzen. Die Orientierung entlang der Kontakte während eines Kundenlebens hilft dabei.
Outbound in Vertriebsstrategie integrieren
Folgende Impulse könnten helfen, Outbound in die Vertriebsstrategie von Unternehmen zu integrieren:
Gewinnung von neuen Kontakten, etwa durch das Einholen von Empfehlungen
Wer stolz auf eine mit dem Kunden gemeinsam realisierte Lösung und über die gute Zusammenarbeit ist, hat meist offiziell noch keine Referenz und noch nicht nach einer Weiterempfehlung gefragt. Doch gerade die „Überzeugungstäter“ unter den Kunden empfehlen gerne weiter und stellen den Kontakt mit anderen Ansprechpartnern her. Outbound-Mitarbeiter können Kunden nach Empfehlungen fragen, die Besuche bei diesen Kontakten vorbereiten und den Bedarf erfragen.
Anfragen/Leads qualifizieren und Termine für den Außendienst vereinbaren
In der Regel gehen Leads und Anfragen an vielen Stellen des Unternehmens ein. Schon deren zentrale Erfassung und die Gewährleistung der kontinuierlichen Verfolgung durch ein Outbound-Team ist ein Fortschritt. In der Anbahnungsphase wird der Interessent individuell angesprochen und für den Kauf gewonnen, wenn es gelingt, auf seinen Bedarf und seine Motive einzugehen. Outbound-Mitarbeiter können die Interessenten beraten und betreuen bis sie „reif“ für den Außendienst sind. Da die Erfassung der Anfragen und Leads sichergestellt ist, kann auch eine Auswertung beziehungsweise Erfolgskontrolle, ein Controlling, erfolgen, wiederum durch das Outbound-Team.
Dies gilt auch für das kontinuierliche Nachfassen von Angeboten, wozu der Außendienst oft nicht die Zeit hat. Die Outbound-Mitarbeiter können dies übernehmen und durch ein konsequentes Wiedervorlagemanagement die zeitnahe und systematische Akquisition gewährleisten.
Gezielte Neukundenbetreuung durch eine telefonische Begrüßung und Begleitung beim ersten Auftrag
Nach dem ersten Kauf atmet der Vertriebsmitarbeiter erst einmal durch. Doch in dieser Phase ist der neue Kunde am unsichersten: Er zweifelt, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. Hier stärkt es die Kundenbeziehung, wenn der Kunde bei seinen ersten Transaktionen mit dem Unternehmen telefonisch proaktiv an die Hand genommen und geduldig begleitet wird. Dies können zum Beispiel Anrufe zum Produkt sein, die erfragen, ob der Kunde damit zurecht kommt oder ob noch Erklärungsbedarf besteht. Dies können aber auch so genannte „Welcome Calls“ sein, etwa bei neu gewonnenen Händlern, die ihre erste Bestellung aufgegeben haben. Die Fragen können dann beispielsweise folgendermaßen formuliert sein:
„Vielen Dank für Ihren ersten Auftrag. Hat alles so geklappt, wie Sie es sich vorgestellt haben? Was können wir in Zukunft noch besser machen?“
Aufbau der Beziehung mit Bestandskunden durch regelmäßige aktive Kontaktierung
George Walter, US-amerikanischer Telemarketing Experte, sagte einmal:
„Ein Kunde, der länger als zwei Monate nicht kontaktiert wurde, ist anfällig für den Mitbewerb“.
Das Outbound-Team trägt zur Erhöhung der Kontaktfrequenz bei Kunden bei. Ein Anruf kann so wichtig und erfolgreich sein wie ein Besuch, ist aber um vieles günstiger als ein teurer Außendienst-Einsatz. Es können auch Aktivitäten des Außendiensts nachtelefoniert werden („After Visit Call“). Dann, wenn zum Beispiel Muster beim Kunden hinterlassen wurden oder Testinstallationen laufen, werden die Kunden zu deren Nutzung motiviert und deren Zufriedenheit ermittelt.
Positiv auffallen und Spuren in der Erinnerung der Kunden hinterlassen
Im Leben eines Kunden gibt es immer wieder Ereignisse, die für wertschätzende Kontakte geeignet sind und unbedingt wahrgenommen werden sollten. Besondere Anlässe sollten für positive Impulse in der Kundenbeziehung genutzt werden. Zum Beispiel bietet sich dafür die Erreichung bestimmter Ziele als Gelegenheit an, um dem Kunden Anerkennung zu erweisen und ihm Danke zu sagen.
Potenziale schöpfen durch Telefonverkauf, Up-Selling oder Cross-Selling
Kunden schätzen es, wenn ihnen Produkte, für die sie einen Bedarf haben, am Telefon angeboten werden. Daher gilt es, diesen Bedarf herauszufinden, damit der Kunde vom telefonischen Dialog profitiert. Werden zum Beispiel für den Verkauf von Verbrauchsmaterial sinnvolle Anrufrhythmen vereinbart, wird dieser Service sehr gerne in Anspruch genommen. Damit wird bei definierten Kunden in Abstimmung mit dem Außendienst, oder bei Kunden, die nicht vom Außendienst betreut werden, zusätzlich Umsatz generiert. Auch aktionsspezifisch können Zielgruppen, die bisher nur einzelne Produktbereiche kaufen auf andere Angebote des Unternehmens aufmerksam gemacht werden.
Schaffung einer emotionalen Bindung durch professionelle und wertschätzende Behandlung von Reklamationen
Reklamationen sind Chancen für die Gewinnung treuer Kunden. Fast alle loyale Kunden hatten positive Erlebnisse bei der Behandlung ihrer Reklamationen. Das Telefon ist ein schnelles, dialogfähiges Medium, mit dem Unternehmen proaktiv auf unzufriedene Kunden zugehen können. Die Kundenbeziehung wird gefestigt, wenn das Outbound-Team Kunden anruft, die schriftlich reklamiert haben und deren Beschwerde persönlich, professionell und zügig bearbeitet.
Umsatz- und Imagesteigerung durch systematische Kundenrückgewinnung
In der Regel schlummern nicht mehr kaufende Kunden als Karteileichen in der Datenbank. Dass diese Kunden verloren gehen hat sich meist angekündigt, aber niemand hat bemerkt, dass sie schleichend immer weniger bestellt haben. Das Outbound-Team kann Kunden im Falle des Bestellrückgangs reaktivieren und verlorene Kunden wieder zurückgewinnen. Schon allein die Tatsache, dass der Kunde durch den Anruf das Interesse an ihm bemerkt, verschafft Bonuspunkte und kann den Einstieg in eine neue Beziehung darstellen.
Weiterhin kann die Analyse der Rückzugs- und Verlustgründe helfen, die Probleme, die zu vermeidbaren Kundenverlusten führen, zu identifizieren. Daraus lassen sich Maßnahmen zur Vermeidung von zukünftigen Kundenverlusten ableiten, die Fluktuationsrate verringern und die Anzahl der langjährigen Stammkunden vergrößern. Kurz: Es werden mehr Umsatz und Gewinn aus vorhandenen Potenzialen erzielt!

Es gibt viele Gelegenheiten, Mitarbeiter zum Telefonhörer greifen zu lassen mit dem Ziel, Kundenbeziehungen aktiv zu gestalten. In der Betreuung der unterschiedlichen Zielgruppen sind unterschiedliche Kontaktarten der verschiedenen Medien sinnvoll.
Tipp:
Unternehmen sollten definieren, wie viele Außendienstbesuche, wie viele Anrufe und wie viele Mailings die jeweiligen Zielgruppen erhalten und mit welchen Zielsetzungen und zu welchen Anlässen und Zeitpunkten. Dabei ist es besonders wichtig, dass der Außendienst und die Outbound-Mitarbeiter gut aufeinander abgestimmt sind und sorgfältig die Kontakte und deren Ergebnisse dokumentieren. Wenn alle Kontakte intelligent aufeinander aufbauen, sind Kunden rundherum gut betreut und werden es mit Treue (kontinuierlicher Umsatz) und Loyalität (Weiterempfehlung) zurückzahlen.
Mehr dazu in den Lösungshilfen im Management-Handbuch:
Innendienst: Den Vertriebserfolg nachhaltig unterstützen
Wettbewerb im Handel und Strategien dafür
Der Handel wird in den kommenden Jahren von einem enormem Verdrängungswettbewerb gekennzeichet sein. Es wird nicht mehr um Händler A gegen Händler B, sondern um Systemgruppe A gegen Systemgruppe B und Filialsystem A gegen Franchisesystem B gehen. Außerdem wird es zu einem scharfen Wettbewerb zwischen den Branchen kommen, denn wer ein Auto kauft, verzichtet auf die Anschaffung von beispielsweise Möbeln. Wer in Urlaub fährt, verschiebt die Renovierung der Wohnung. Und wer ins Ausland in Urlaub fährt, kauft auch gleich dort ein, weil etwa Kleidung interessanter oder sogar preiswerter zu haben ist.
Der Innerbranchenwettbewerb wird durch einen Interbranchenwettbewerb, der nationale durch den internationalen Wettbewerb erweitert. Zudem verschärft die Industrie den Druck auf den Handel, indem sie durch vorwärtsgerichtete Vertikalisierung selbst verkauft. So vertrieben etwa Hersteller wie Gerry Weber ihre Produkte früher komplett über den Handel. Heute sind es gerade einmal noch etwa 50 Prozent, und in zehn Jahren vielleicht noch zehn Prozent. Wollen Händler in dieser Situation überleben, müssen sie sich von der Konkurrenz unterscheiden, differenziert auftreten und dazu innovative Überlegungen anstellen.
Was sind aber nun die Methoden, die Erfolgsfaktoren und Strategien, die einzelne Unternehmen nach vorne bringen können? Denn wenn man sich die mangelnde Nachfrage seitens der Bevölkerung ansieht, die ihre Ursache vor allem in einer mangelnden Nettorealeinkommenssteigerung, sinkenden Bevölkerung und einer starken Verschiebung in Richtung Dienstleistungen hat, ist in Deutschland mit einer generellen Branchenkonjunktur des Handels in den nächsten zehn Jahren nicht zu rechnen. Nur Firmenkonjunkturen werden einzelne Unternehmen nach vorne bringen können.
Mit den folgenden Methoden haben Handelsunternehmen auch heute eine reale Chance, sich dem fortdauernden Downsizing bei Umsatz und Rendite zu entziehen:
1. Differenzierung durch Innovationen
Unternehmen, die erfolgreich sein wollen, müssen sich in wesentlichen Aspekten vom Wettbewerb unterscheiden. Dazu reicht es nicht aus, auf Maßnahmen der Konkurrenz zu reagieren, sondern das Unternehmen muss selbst innovativ sein und Innovationen entwickeln, die es nach vorne bringen. Dabei geht es vor allen Dingen um Leistungsinnovationen, also um diejenigen, die der Kunde erkennt. Aber auch um Prozessinnovationen, aufgrund derer Unternehmen effizienter und effektiver arbeiten können. Ergänzende Sozialinnovationen, die die Mitarbeiter enger an das Unternehmen binden und zufriedener arbeiten lassen, ergänzen das Feld.
2. Kundenorientierung
Es ist immer noch vorteilhafter, vorhandene Kunden zu halten und mit ihnen mehr Umsatz zu machen, als neue Kunden zu gewinnen. Deshalb ist eine durchgehende Kundenorientierung in Programm und Auftritt wichtig, um die Kundenbindung steigern und Neukunden für das Unternehmen gewinnen zu können. Moderne Methoden hierfür sind Kundenkarten und die Akzeptanz von Kreditkarten, Newsletter, Blogs sowie eine entsprechende persönliche Betreuung.
3. Bedarfsorientierung
Der entscheidende Ansatz zur Kundenorientierung ist die Bedarfsorientierung: Die Unternehmen sollten nur das anbieten, was der Kunde auch haben möchte – und nicht das, was sie aus irgendwelchen Gründen eingekauft haben. Der Segen liegt nämlich nur dann im Einkauf, wenn die eingekaufte Ware auch verkauft werden kann.
Beispiel:
IKEA nennt sich Möbelhaus, verkauft aber selbst wenig Möbel, sondern über 50 Prozent Regale und Dinge wie Heimtextilien, Leuchten oder Deko-Ware. Im Gegensatz dazu verkauft der deutsche Möbelhandel zu 85 Prozent Möbel. Seit 1991 hat IKEA in Deutschland ein Plus von 230 Prozent erwirtschaftet; der deutsche Möbelhandel hingegen ein Minus von 30 Prozent. In Bezug auf die Bedarfsorientierung muss hier also irgendetwas falsch gelaufen sein.
4. Dienstleistungen und Problemlösungen
Bereits 52 Prozent aller Konsumausgaben der Deutschen sind heute Dienstleistungen. Wenn der Handel nur Ware verkauft, deckt er zu nicht einmal mehr 30 Prozent die Nachfrage der Verbraucher – im Jahre 2015 werden das noch allenfalls 25 Prozent sein. Der Kunde möchte Problemlösungen und das heißt: Ware + Dienstleistung + Service + Beratung + Information + After Sales Services!
5. Ware + Dienstleistung + Service
Wer neben der eigentlichen Ware auch Dienstleistungen und Services anbietet, reagiert auf diejenigen Kunden, die mehr wollen als nur das Notwendige. Diese Kunden entwickeln eine so genannte „Neue Mitte“, die ihren Platz verteidigt und durchaus aggressiv auftritt, indem sie billige, aber auch teure Produkte im Markt verdrängt. Beispiele dafür sind das Engagement von Karl Lagerfeld bei H&M, die Gourmetlinien der Discounter oder auch der VW Touareg – ein Luxusprodukt eines Massenherstellers.
6. Sortimentsoptimierung
Die Sortimente müssen optimal auf den Kunden ausgerichtet sein. Das bedeutet zweierlei: Auf der einen Seite Category Migration, also das Hineindringen in andere Sortimente, indem Handelsunternehmen die eigenen Angebote durch Randbereiche erweitern. Beispiele sind hier IKEA, Tchibo, Bau- und Heimwerkermärkte oder auch Discounter. Auf der anderen Seite heißt das aber auch Sortimentsverzicht, nämlich den Verzicht auf die Dinge, die Unternehmen nicht beherrschen, die die Kunden nicht wollen, die das Image zerstören oder die die Läden unübersichtlich machen.
7. Kooperation und strategische Allianzen
Kaum ein Unternehmen wird es künftig schaffen, im Handel alleine erfolgreich zu sein. Kooperiert werden wird im Einkauf, in der Werbung und – noch viel wichtiger – im Verkauf. Ein gemeinsamer Einkauf ist die Grundlage dafür.
8. Systemvertrieb
Der gemeinsame Verkauf geht über in den Systemvertrieb, das heißt Unternehmen schließen sich zusammen unter einer Leitstrategie, die sie gemeinsam befolgen und die wie in einem Filialsystem bundesweit möglichst einheitlich auftritt und sich entsprechend in nationaler Werbung wie auch im Internet darstellen lässt. Allein arbeitende Firmen verlieren Marktanteile, Kooperierende wachsen leicht. Alle Systemanbieter gehören zu den schnellstwachsenden Unternehmen im Markt, also Filial- und Franchisesysteme oder auch Vertikalisten.
9. Vertikalisierung
Handelsunternehmen müssen es schaffen, die Hersteller per Vertrag an sich zu binden. Dazu müssen sie sich rückwärts vertikalisieren. Das heißt: Produkte und Marken exklusiv führen. So lässt sich auch bei der Kalkulation und der Werbung entsprechend auftreten. Industrieunternehmen machen es schon heute vor, indem sie Handelsunternehmen durch Shop-in-Shop- und Flächenverträge, durch Concessions, eigene Filialen oder über Franchising an sich binden.
10. Retail Brand
Erfolgreiche Handelsunternehmen machen sich selbst zur Marke, und die wichtigsten Produkte, die sie verkaufen, führen eben diese Marke. Hierzu zählen Unternehmen wie H&M, Esprit oder IKEA. Diese Unternehmen stecken die ganze Kraft in die eigene Marke, in sich selbst, statt Marken eines dritten Herstellers groß zu machen.
11. Multi-Channel-Retailing
Das Internet wird künftig ein entscheidender Marktfaktor werden. Händler, die ihre Ware nur in stationären Läden anbieten, werden künftig auf Nischen angewiesen und beschränkt bleiben. Offensive Unternehmen hingegen werden versuchen, Verbaucher auf allen Kanälen anzusprechen und dort auch zu verkaufen. Stationär, per Versandkatalog, übers Internet, Newsletter oder auch durch Affiliate Marketing.
12. Outsourcing
Kooperationen beim Einkauf sind das eine, vertragliche Auslagerungen an Dritte das andere. Insbesondere im Zeichen des Multi-Channel-Retailing ist es sinnvoll, das gesamte Handling des dahinter stehenden Versands wie etwa Controlling, Werbung, Objektverwaltung oder Fuhrparkmanagement an externe Unternehmen auszulagern. Je mehr abgegeben wird, desto geringer ist jedoch die eigene Wertschöpfung. Hier sollten Handelsunternehmen gut überlegen, was sie selbst erledigen möchten und wo ihre Kernkompetenz liegt.
13. Internationalisierung
Wem es auf dem Heimatmarkt zu eng wird, erschließt sich neue Märkte im Ausland. In der EU ist das einfacher geworden, wie Firmen wie etwa Fressnapf oder Douglas beweisen.
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14. Neue Formate
Handelsunternehmen müssen ständig neue Angebotsformen, neue Betriebstypen und damit neue Formate entwickeln. Formate sind nichts anderes als eine neue Mixtur der Marketingelemente Preis-, Kommunikations-, Sortiments- und Distributionspolitik.
15. Mehrschienen-Politik
Je ausgedehnter ein Filialnetz oder der regionale Marktanteil werden, umso sinnvoller ist es, nicht mit einer Idee über Land zu ziehen, sondern die Idee zu splitten und zwei oder sogar drei Schienen aufzubauen. Das können zum Beispiel verschiedene Hausgrößen für Groß-, Mittel- und Kleinstädte oder Vororte und Nebenlagen sein. In preislicher Hinsicht auch Differenzierungen wie etwa eine Fachmarkt- oder Discountfiliale als Ergänzung zum Stammgeschäft. Oder die filialbezogene Übernahme eines Franchise-Konzepts, um auch andere Kundengruppen anzusprechen.
16. Technisierung durch RFID
RFID wird für den Handel immer wichtiger, vor allem in Bezug auf den Massenabsatz. Durch RFID-Technologie beziehungsweise den Einsatz von Transpondern kann der gesamte logistische Hintergrund rationalisiert werden. Künftig wird es sogar möglich sein, ganze Geschäftskonzepte auf der Basis dieser Chips aufzubauen, indem RFID am „Front End“, also beim Verbraucher, eingesetzt wird (zum Beispiel automatischer Check-Out inklusive Bezahlung oder auch automatische Diebstahlsicherung).
17. Virtuelle Unternehmensführung
Es gibt Unternehmen, die weder produzieren noch handeln – und trotzdem viel Geld verdienen. Bei der virtuellen Unternehmensführung beschränkt sich das Unternehmen einzig und allein auf die Marke. Es lässt Produkte entwickeln, produzieren und diese von Dritten, zum Beispiel Franchisepartnern, verkaufen. Es bewirbt den Verbraucher, diese Produkte bei den Franchisepartnern einzukaufen. Diese wiederum bestellen die Produkte bei den Herstellern und das Zentral-Unternehmen benötigt nicht einmal ein Lager. Das gesamte Risiko wird auf Dritte verteilt.
18. Verträge
Insbesondere bei der virtuellen Unternehmensführung, aber auch schon bei der Vertikalisierung und Systembildung ist die richtige Vertragsgestaltung von äußerster Wichtigkeit. Interessant wird es insbesondere beim Einstieg ins Franchisegeschäft oder beim Thema Lizenzen.
19. Mitarbeiterorientierung
Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, sie zufrieden zu stellen und zu Höchstleistungen zu motivieren funktioniert nur mit einer entsprechenden Orientierung in den Köpfen der Unternehmensleitung. Wer seine Mitarbeiter „liebt“, hat Chancen, von den Kunden „geliebt“ zu werden!
20. Controlling und Unternehmensplanung
Eine Unternehmensführung ohne Unternehmensplanung ist in heutigen Zeiten zum Scheitern verurteilt. Doch ein Plan hilft wenig, wenn er nicht kontrolliert wird, um bei Abweichungen Maßnahmen zu ergreifen. Je größer das Unternehmen, je aufwendiger wird die Planung und das Controlling. Es müssen nicht immer gleich ERP-Programme sein, aber Warenwirtschaftssysteme und kurzfristige Erfolgsrechnungen, die erkennen lassen, wo das Unternehmen sein Geld verdient, sind unverzichtbar.
Verkauf strukturieren und Kunden mit Sales Intelligence gewinnen
Kunden stehen für ein Produkt oder eine Dienstleistung Schlange, bezahlen fast jeden Preis dafür, lassen die Konkurrenzangebote links liegen und verzeihen fast jeden Fehler. Gibt es das? Ja. Apple macht es vor. Seine Produkte sind so begehrt, dass die Kunden sogar mehrwöchige Wartezeiten in Kauf nehmen, nur um in deren Besitz zu gelangen. Der Erfolg von Apple steht für einen Paradigmenwechsel im Vertrieb: Weg vom Verkaufen, hin zum „Kaufen lassen“.
Die Firma von Steve Jobs erreicht das vor allem durch permanente bahnbrechende Innovationen, außergewöhnliches Design und eine hohe Produktqualität. Aber auch jedes andere Unternehmen – selbst im B2B-Geschäft – kann diesen Effekt erzielen. Beispielsweise durch eine strikte Kundenorientierung. Der Verkäufer sollte dabei nur im Sinn haben, dass der Kunde die für sich beste Lösung bekommt. Er sollte im Umkehrschluss nicht alles daran setzen, sein Produkt zu verkaufen, denn dadurch vertreibt er letztendlich den Kunden. In einem solchen Fall werden dann alle Begriffe wie Verkaufsprozess, Verkäufer, Abschlusswahrscheinlichkeit, „Proof of concept“ oder Abschluss obsolet.
Kunden möchten heute viel stärker selbst entscheiden, ob und wann sie etwas kaufen. Niemand möchte etwas verkauft bekommen, aber jeder kauft gerne. Eine Überredungstaktik, die früher das Geheimnis eines guten Verkäufers war, führt deshalb immer seltener zum gewünschten Erfolg. Vielmehr gilt es, systematisch alle notwendigen Informationen über den Kaufprozess, die Kaufwahrscheinlichkeit und die Kaufwilligkeit zu sammeln, um dann den richtigen Hebel ansetzen zu können. Der Verkäufer wird also zum Kaufberater.
Verkaufschancen Schritt für Schritt analysieren
Eine „Kaufen-Lassen-Methode“, die mit Hilfe von Checklisten oder auch per Softwareunterstützung die verschiedenen Aspekte untersucht, kann dabei Hilfestellung geben. An erster Stelle stehen die „Needs“ des Kunden – also seine Probleme oder Herausforderungen, sein Leidensdruck oder auch seine Gewinnabsicht. Wichtig sind auch die „Uniques“, die eigenen Alleinstellungsmerkmale, die des potenziellen Kunden und die dahinter stehende Frage, wie diese mit den eigenen Stärken optimiert werden können. Denn nur wer als Anbieter dem Kunden glaubhaft darstellt, dass er die richtige Lösung für sein Problem nur bei ihm bekommt, hat eine realistische Chance, sich durchzusetzen, etwa gegenüber Billiganbietern. Hinzu kommt der Zeitrahmen für die Kaufentscheidung: Bestehen Leidens- und Zeitdruck, ist die Wahrscheinlicht groß, dass der Kunde etwas kaufen muss.
Über den Punkt „Budget“ wird oft gerne diskret hinweggesehen. Doch die Budgetsituation beim Kunden beeinflusst wesentlich die Kaufwahrscheinlichkeit. Ebenso das Thema „Authority“, wo es um Fragen geht wie:
- Welche Personen in welchen Rollen sind an einer Entscheidung beteiligt?
- Wer sollte wann angesprochen werden?
- Welche Information ist wann einzuholen?
- Wie ist der Zugang dazu geregelt?
Wer das weiß, kann angemessen reagieren und konzentriert sich im Kaufprozess nicht auf die falschen Leute. Denn ein realistischer Forecast lässt sich nur erstellen, wenn die wahrscheinlichen Entscheidungsprozesse beim Kunden berücksichtigt werden. Die weitgehende Übereinstimmung der angebotenen Lösung („Solution“) mit dem Bedarf des Kunden ist eine Grundvoraussetzung für die Kaufwilligkeit. Denn niemand lässt sich heute mehr, selbst von einem cleveren Verkäufer, etwas aufschwatzen, was ihm nicht bei der Lösung seiner Probleme hilft. Schließlich sollten auch die Wettbewerber („Enemy“), intern oder extern, sowie das Beziehungsnetzwerk („Relationship“) an den Schlüsselpositionen des Kunden genau analysiert werden. Denn neben den offiziellen Entscheidern auf den verschiedenen Ebenen spielen oft auch noch weitere Personen, die inoffiziellen Entscheider im Hintergrund, eine Rolle.
Ein guter Kaufberater sollte diese Personen kennen. Seien es externe Berater oder Spezialisten mit ausgeprägtem Fachwissen, die vor einer wichtigen Entscheidung zu Rate gezogen werden - eine dieser Personen ist der so genannte „Dobermann“, den es in jeder Fachabteilung gibt und der in allen wichtigen Entscheidungen mit einbezogen wird. Deshalb ist es für einen erfolgreichen Kaufberater wichtig, diese Person frühzeitig zu identifizieren, einzubinden und sich seiner Unterstützung zu versichern, bevor ein Wettbewerber dies tut. Die Zukunft im Verkauf liegt also in Systematik, Struktur und Methode. Nur damit wird Nachhaltigkeit im Verkauf erreicht.
Durch detailliertes Wissen überzeugender verkaufen
Wer sich die Zeit nimmt und im Vorfeld einer Präsentation diese Punkte beantwortet, verbessert seine Chancen beim Verkaufen und kann überzeugender auftreten. Doch nicht nur das: Es lässt sich auch viel besser einschätzen, ob eine Kaufchance wirklich erfolgversprechend ist. Denn erfolgreich im Verkauf zu sein heißt, sich von Anfang an nur auf die Fälle mit einer entsprechend hohen Erfolgswahrscheinlichkeit zu konzentrieren. Eine alte Indianerweisheit bringt dies auf den Punkt: „Effizient zu sein bedeutet auch zu wissen, wann man ein totes Pferd reitet und dann schnell abzusteigen.“ Im Ergebnis lässt sich so mehr aktive Verkaufszeit gewinnen und die Blindleistung, die heute oft die Produktivität hemmt, vermindern.
Im Verkauf hat das Prinzip Hoffnung ausgedient. Es ist keine zielführende Strategie mehr. Zum Bauchgefühl des Verkäufers, das im Kontakt zu Menschen sicher auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, muss sich Wissen gesellen. Anhand der beschriebenen Kriterien, die für eine Kaufentscheidung relevant sind, lassen sich die Chancen systematisch qualifizieren und bewerten:
- Lohnen sich weitere Anstrengungen oder ist die Sache sowieso aussichtslos?
- Wo müssen welche Maßnahmen ansetzen?
- Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Präsentation oder ein „Kaufen-Lassen-Gespräch“?
Die Qualität der vorhandenen oder eigens recherchierten Informationen bestimmt dabei die Kaufwahrscheinlichkeit beim potenziellen Kunden. Vor allem für Unternehmen mit komplexen Vertriebsprozessen kann ein solches systematisches Vorgehen sinnvoll sein, wenn auf Kundenseite mehrere Personen an der Entscheidung beteiligt sind, der Zyklus drei bis sechs Monate oder länger dauert und ein Projekt-Charakter gegeben ist.
Kunden gewinnen im Verkaufsgespräch
Für Unternehmen sind Strategien wichtig. Werden diese allerdings nicht emotional aufgeladen, fällt es Mitarbeitern oft schwer, sie im Alltag wirklich umzusetzen und zu leben. Gerade Strukturen und Prozesse im Vertrieb sollten möglichst immer mit dem Herzen der Verkäufer vernetzt sein. Dann ergibt sich aus einem positiven Gefühl, das in logische und strukturelle Prozesse eingebracht wird, eine gewollte Auflockerung der Starrheit und Regelwut. So erhalten Verkäufer letztlich darauf aufbauend die innere Stärke und Sicherheit, ihre Kunden emotional überzeugen zu können.
Von Kindesbeinen an befolgen wir Regeln. Regeln, die uns irgendwie „genormt“ und trainiert haben. Doch was hat das für Auswirkungen auf unsere berufliche Karriere? Das Einhalten bestimmter Regeln ist sinnvoll für eine gewisse Motivation, um etwa Projekte gemeinschaftlich voranzutreiben und Prozesse zu beschleunigen. Wer sich an keinerlei Regeln hält, wird dafür eventuell sogar bestraft. Das Ergebnis: Angst beziehungsweise Unsicherheit. Was ist erlaubt und was nicht? Wo Regeln auf der einen Seite Sinn machen, lähmen allzu starre Strukturen in Unternehmen die erforderlichen Bewegungen, ja sogar den notwendigen Fortschritt. Starre Strukturen blockieren die Eigeninitiative und hindern Mitarbeiter daran, etwas Neues auszuprobieren – vollkommen gelöst und ohne irgendwelche Hintergedanken. So entstehen Innovationen, werden Menschen dazu befähigt, eigenständig zu denken und zu handeln.
Mit sprachlichen Strukturen mentale Grenzen überwinden
Eine Studie der weltweit innovativsten Unternehmen, die die Handelshochschule Leipzig 2010 durchgeführt hat, kommt zum Ergebnis: Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, brauchen Deutschlands Firmen neue Strukturen. Deshalb müssen diese auch regelmäßig hinterfragt und starre Mechanismen aufgebrochen werden. Denkmuster müssen auf eine Art und Weise gefördert werden, dass zum einen kein gravierender Regelverstoß heraufbeschworen wird, und zum anderen etwas Neues entwickelt werden kann, das sowohl die eigene Entwicklung als auch die Marktwirtschaft antreibt. Doch Vorsicht: Werden alte Strukturen aufgebrochen, entsteht immer eine Art Vakuum. Denn zum einen sollen Prozesse entwicklungsfähig bleiben, während gleichzeitig Neues und Innovatives entstehen soll. Da ist es nicht immer einfach zu unterscheiden, was Bestand haben soll und was nicht. Klar ist aber auch, dass gewisse Basis-Strukturen die Weiterentwicklung des Unternehmens nicht hemmen dürfen.
Sprachliche Strukturen helfen, sich von starren und einengenden mentalen Strukturen zu lösen. So können bereits mit kleinen Hilfsmitteln Prozesse optimiert werden. Verwendet der Verkäufer eine gewisse Taktik beziehungsweise Strategie, auf die er im Ernstfall zurückgreifen kann, ist das schon einmal eine gute Basis. Dennoch sollten soviel Kreativität und Innovation übrig bleiben, dass er eine starke Wirkung auf das vorhandene Projekt oder Kundengespräch erreichen kann. Der Anfang ist dabei eindeutig im Kopf und im Herzen des Verkäufers und des Kunden zu sehen. Verfolgen Verkäufer nämlich stur eine Linie, zum Beispiel im Kundengespräch, wird die Innovationsbremse nur noch mehr angezogen. Damit das nicht passiert, können folgende Sprachstrukturen helfen, das Erfolgsziel mit einer sinnvollen Regeldichte zu erreichen.
Verknüpfung von Tatsachen und Suggestion
Kompletterneuerungen bei Unternehmens- beziehungsweise Vertriebsstrukturen sind unsinnig und helfen nicht wirklich weiter. Besser geeignet sind kleine, sinnvolle Schritte. Hier ermöglicht das geschickte Einfließenlassen sprachlicher Strukturen Kunden besser kennenzulernen und dadurch für das Unternehmen zu gewinnen.
Im Kundengespräch ist es häufig nicht gleich erkennbar, was der Kunde denkt und in welche Richtung sich das Gespräch entwickelt. Trotzdem ist es die Aufgabe des Verkäufers, das Gespräch von Anfang an zu leiten und zu lenken. Sprachmuster ermöglichen dies und damit auch, scheinbar Unvorhergesehenes zu vermeiden und das Kundengespräch souverän zu steuern. Satzkonstruktionen, bei denen Tatsachen mit einer Suggestion verknüpft werden, vermitteln den Eindruck, Ursache sei gleich Wirkung. Damit durchbrechen Verkäufer bereits die ersten starren Strukturen. Der Grund: Das Sprachmuster lässt den Kunden glauben, eine Tatsache bewirke notwendigerweise auch, dass etwas anderes geschieht.
Beispiel:
„Wenn Sie es einmal langfristig betrachten, dann sollten Sie die Immobilie wirklich in Betracht ziehen. Das hat zur Folge, dass Sie Ihrer Familie langfristig Sicherheit bieten. Dieses Haus hilft Ihnen, Ihre Zukunft zu sichern. Sie brauchen sich keine Sorgen mehr über Mieten zu machen und sind nicht vom Markt abhängig.“
Bei dieser Variante kommen verstärkende Wörter zum Einsatz. Beispiele:
- bewirken
- machen
- zwingen
- voraussetzen
- weil
- führt zu
- bedeuten
- deshalb
- ermöglichen
- unterstützen
Eine andere Variante könnte sein, den Satz mit „je...desto“ zu konstruieren.
Beispiel:
„Je günstiger das Antivirus-Programm ist, desto weniger lang ist es nützlich, und das wollen Sie doch bestimmt nicht, oder? Deshalb empfehle ich Ihnen…“
Vorannahme: Positive Folgen vorwegnehmen
Ein weiteres, wirkungsvolles Sprachmuster ist die Vorannahme. Eine durch den Einsatz von Schlüsselwörtern besonders effektive Möglichkeit.
Beispiel:
„Können Sie erkennen, wie leicht Ihr Unternehmen durch das neue Produkt am Markt eine führende Position einnehmen wird?“
Es spielt keine Rolle, ob der Kunde auf diese Frage mit Ja oder Nein antwortet, denn er hat bereits stillschweigend für sich akzeptiert, dass er durch das Produkt eine führende Position erreichen kann. Der Kunde wirft einen Blick in die Zukunft – und das nur durch die Verwendung eines einzigen Wortes. Weitere Schlüsselwörter sind hier:
- bemerken
- erleben
- wundern
- erfassen
- fragen
Es dürfte klar sein, dass Verkäufer ohne ein gutes Produkt und eine auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmte Argumentation keinen Erfolg haben. Und obwohl Sprachstrukturen keine Wunderwaffe darstellen, können sie in jedem Fall zumindest ein Türöffner sein. Die eine oder andere starre Form der Kommunikation kann mit Sprachmustern aufgebrochen werden und auch mentale Blockaden lösen.
Kunden nicht überreden, sondern überzeugen!
In den international innovativsten Unternehmensstrukturen verwalten Führungspersönlichkeiten die Prozesse nicht, sie gestalten sie. Sie verlangen von ihren Mitarbeitern das Unmögliche zu denken und die Grenzen des Bestehenden zu sprengen. Dahinter steht ein tiefes Verständnis von Kreativität. „Fun und Focus“ könnte eine solche Mischung beispielsweise lauten, die Spaß bei der Arbeit mit sich bringt und den Erfolg sicher macht, wie es jüngst im Online-Wirtschaftsmagazin „perspektive blau“ unter dem Titel „Deutschland gehen die Ideen aus“ zu lesen war. Durch den Spaß bei der Arbeit verändert sich auch der Zustand. Und dieser Zustand wiederum managt die internen Prozesse, die das Unternehmen bewegen. Die gedankliche Bewegung kommt nun den sprachlichen Strukturen nahe.
Um starre Strukturen zu durchbrechen, beschwören erfolgreiche Unternehmen die Emotionen der Kunden. Wesentlich dabei ist, den Kunden nicht zu überreden, sondern zu überzeugen. Dabei gilt der Leitsatz: Wer zuerst argumentiert, hat verloren. Menschen entscheiden aufgrund ihrer Werte, was sie kaufen. Im Verkaufsprozess sollten deshalb besonders die Emotionen des Gegenübers angesprochen werden: Profit, Bequemlichkeit oder Ansehen. Reicht das nicht aus, führen Verkäufer auch noch logische Gründe an. Die US-Professoren Sam Stern, Alan G. Robinson und Theresa Amabile von der Harvard-Universität bezeichnen die Motivation schon lange als einen wesentlichen Bestandteil von Innovation. Der Gedanke dahinter ist zunehmend greifbar: Mitarbeiter, die sich ihre Entwicklungsprojekte selbst suchen, sind schneller, ideenreicher und produktiver als Mitarbeiter, die ihre Aufgaben erteilt bekommen.
Vertrieb und Key Account Management bei Pharma-Unternehmen verbessern
Ärzte werden in ihrer Rolle als „Verordner“ immer unbedeutender, denn wichtige Entscheidungen werden zunehmend von institutionalisierten Marktteilnehmern wie dem Gemeinsamen Bundesauschuss (G-Ba) als oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen, dem Spitzenverband Bund (SpiBu), dem neuen Dachverband der Krankenkassen, und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) getroffen.
Der Flächenvertrieb von gestern und heute macht daher keinen Sinn mehr, denn das bisherige Key Account Management ist eher eine Preisverhandlungsabteilung als ein wirkliches Key Account Management. Das zeigt bereits die durchschnittliche Kundenzahl eines Key Accounters von 30 bis 40 im Vergleich zu einem bis fünf Kunden bei Schlüsselvertrieben in anderen Branchen. Um dauerhafte Vertriebserfolge zu erzielen, sollte der Fokus deshalb auf umsatzstarke Schwerpunktkunden gelegt werden. Im Folgenden werden zwei zukunftssichernde Maßnahmen dargestellt, die Pharmaunternehmen in dieser Situation ergreifen sollten.
Schritt 1: Reduzierung und Professionalisierung des Flächenaußendiensts
Werden die Renditechancen immer stärker eingeschränkt, wie es zur Zeit in der Pharmaindustrie der Fall ist, heißt es Kosten senken. Vor diesem Hintergrund kann kaum ein Pharma-Unternehmen die Frage nach der Größe seines Außendienstes auf Dauer ignorieren. Die Folge: Der Pharma-Vertrieb muss mit weniger Mitarbeitern auskommen, und diese müssen deutlich produktiver werden, um die gleichen Effekte zu erzielen. Wie kann es also gelingen, die richtigen Außendienstmitarbeiter auszuwählen?
Grundlegend dafür ist eine klare Beschreibung der künftigen Aufgaben und zu vergebenden Prozessverantwortlichkeiten. Das St. Galler Managementmodell beispielsweise bietet hierfür einen hilfreichen Gestaltungsrahmen. So lassen sich die typischen Fragen einer Matrixorganisation beantworten wie: Wer muss die Kundengewinnung, Kundenbindung und Kundenbewertung vornehmen beziehungsweise bei wem muss dieser Teilprozess angesiedelt sein? Aus diesen Informationen lassen sich dann die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen ableiten (AKV-Prinzip) und Job-Designs mit präzisen Anforderungsprofilen an die gewünschten Mitarbeiter formulieren.
Anhand der Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen und Job-Designs folgt dann ein Screening der Außendienstmannschaft. Zwei Fragen geben Aufschluss über die Eignung der einzelnen Mitarbeiter:
- Wie veränderungsfähig und -willig ist der jeweilige Mitarbeiter in Bezug auf die neuen Aufgaben?
- Wie steht es um seine Einsatzfähigkeit hinsichtlich der neuen Aufgaben?
Nachdem so die künftigen Leistungsträger ermittelt wurden und die Rumpfmannschaft der Pharmaberater feststeht, sind zwei Dinge besonders wichtig:
- die Außendiensttätigkeit konsequent auf die umsatzstärksten Kunden und Produkte auszurichten und
- das Verkaufsgespräch mithilfe langfristig angelegter Schulungen deutlich zu professionalisieren.
Kunden nach dem Doppel-Pareto-Prinzip selektieren
Wenn der Pharmavertrieb mit weniger Mitarbeitern die gleichen Resultate erzielen soll, gewinnt Targeting für den Vertriebserfolg enorm an Bedeutung. Bisher werden Targeting-Daten zumeist von Datenlieferanten bezogen. Zentrale Abteilungen wie Sales Force Effectiveness (SFE) oder Business Intelligence (BI) kaufen Kontaktdaten und spielen sie in das CRM-System ein – und geben dem Pharmaberater damit vor, welche Kunden er ansprechen soll. Doch ist dies überhaupt noch der richtige Ansatz für eine emanzipierte Außendienstmannschaft oder sollte er nicht besser überdacht werden?
Die neue Rumpfmannschaft aus selbstständigen Gebietsmanagern denkt und handelt unternehmerisch. Entsprechend sollten Marktforschung und Targeting in ihrem eigenen Pflichtbereich liegen. Das fördert nicht nur die Selbstverantwortlichkeit der Mitarbeiter, sondern eröffnet auch Einsparpotenziale hinsichtlich der Datenlieferanten.
Im Targeting heißt die neue Leitmaxime, die zu besuchenden Ärzte entlang des Doppel-Pareto-Prinzips zu selektieren. Dahinter steht folgender Gedanke: Nach dem Pareto-Prinzip (20/80-Regel) erwirtschaftet ein Pharma-Unternehmen 80 Prozent seiner Umsätze mit nur 20 Prozent der Ärzte, die es betreut. Das Doppel-Pareto-Prinzip (10/50-Regel) besagt nun, dass zehn Prozent der betreuten Ärzte dem Unternehmen 50 Prozent seines Umsatzes erwirtschaften. Dies sind die neuen Fokuskunden des Außendienstes! Bleiben noch die zweiten zehn Prozent der betreuten Ärzte, die gemäß der Pareto-Regel 30 Prozent des Umsatzes liefern. Hier sollte geprüft werden, ob andere Vertriebskanäle wie Out- und Inbound-Service-Center oder Direktmarketing diese Kunden übernehmen können.
Nicht nur im Hinblick auf die Kunden ist ein neuer, engerer Fokus vonnöten, sondern auch hinsichtlich der Produkte. Denn der deutsche Gesetzgeber beschneidet die Renditemöglichkeiten der Pharma-Hersteller, indem er die Preise für Pharmazeutika ohne nachgewiesenen Zusatznutzen deckelt. Mit diesen Arzneimitteln lassen sich keine hohen Margen mehr erwirtschaften. Gleichzeitig ergeben sich aber auch neue Umsatzpotenziale im Verkaufsgespräch mit den Ärzten: die „Innovationen mit Zusatznutzen“, fachsprachlich Solitäre.
Allerdings werden Pharma-Hersteller auch in diesem Segment künftig mit Preisabschlägen rechnen müssen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie viele Solitäre ein Unternehmen überhaupt noch haben wird und wie viele Top-Verkäufer es benötigt, um diese gewinnbringend zu vermarkten. Entsprechend liegt das neue Augenmerk des Pharma-Vertriebs nicht mehr auf der gesamten Produktlinie des Unternehmens, sondern auf einigen wenigen Produkten, die noch hohe Margen versprechen.
Außendienstmannschaft als kompetenter Lösungsanbieter
Damit es gelingt, diese Produkte zu vermarkten, muss auch im Verkaufsgespräch selbst ein Umdenken stattfinden: Der bisherige Vertriebsansatz ist auf Ärzte abgestimmt, die Therapieentscheidungen treffen. Der Arzt wird in erster Linie als Konsument gesehen. Heute jedoch werden diese Entscheidungen vermehrt an anderer Stelle getroffen. Damit schlüpft der Arzt immer weiter aus der Rolle des Kunden in die des Business Partners – der eine andere Form der Ansprache erwartet, vor allem aber einen maßgeblichen Beitrag zu seiner eigenen Wertschöpfungskette.
Die Folge: Die neu aufgestellte Rumpfmannschaft muss entsprechend geschult werden – weg vom Produktverkäufer hin zum kompetenten Lösungsanbieter, insgesamt also eine Entwicklung in Richtung Key Accounting. Dabei sind vor allem die veränderten Anforderungen im Business Case des Arztes zu berücksichtigen: Die Balance zwischen Gesetzlicher (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV) wird deutlich zu Ungunsten der PKV verschoben; in der Folge wird das PKV-System auf Dauer nicht mehr tragbar sein. Gibt es dann zu wenige Privatpatienten, werden die privaten Krankenkassen nur noch eine Zusatz-, keine Grundversorgung mehr absichern. Damit fehlt den ärztlichen Praxen künftig Honorar, geraten Ärzte als Inhaber von Wirtschaftsbetrieben zunehmend unter finanziellen Druck.
An dieser Stelle ist der Pharma-Vertrieb als Kompetenzträger gefordert, der es schafft, Produkte in die Wertschöpfungskette des Arztes einzubauen, in Managed-Care-Systeme und den klinischen Behandlungspfaden (Clinical Pathway). Ein Beispiel dafür ist die Behandlung von Diabetes Mellitus Typ 2. Besonders geriatrische multimorbide Patienten fallen oft durch eine geringe Compliance auf. Das führt immer wieder zu Mehrfachbesuchen in der Arztpraxis. Psychosoziale Aspekte verstärken diesen Effekt noch: Der tägliche Gang zum Arzt ist dann manchmal der einzige Sozialkontakt am Tag. Diese Vielfachbesucher bringen jedoch den Fluss der Wertschöpfungsströme in der Praxis leicht ins Stocken und verhindern, dass der Arzt mehr Patienten betreuen kann.
Die Pharma-Hersteller könnten nun mit medizintechnischen Unternehmen kooperieren und für dieses Problem eine passende Lösung bereitstellen: ein ambulantes Monitoring der Patienten im häuslichen Umfeld und ein Call Center, das die Compliance fördert, indem es die Patienten führt. Das würde den Arzt deutlich entlasten, er könnte mehr Patienten behandeln, dadurch mehr Honorare erzielen und so den Verlust der PKV-Honorare kompensieren. Außerdem könnte die Pharma-Industrie ihren Leistungsbeitrag dokumentieren – eine höhere Compliance und dadurch weniger Rehospitalisierungen und Folgeerkrankungen. Im Mittelpunkt der Außendiensttätigkeit steht damit künftig die Frage nach dem Mehrwert für die Gesellschaft und für den Geschäftspartner Arzt: Welchen Nutzen bringt dem Patienten das Arzneimittel und welchen Nutzen bringt dem Arzt die Kooperation mit diesem Pharma-Unternehmen konkret?
Schritt 2: Entwicklung eines echten Key-Account-Managements
Nicht nur für die Außendienstmannschaft, auch für den produktiven Key Accounter führt der Weg zum Erfolg über diese zentrale Nutzenfrage und über den Wandel zum kompetenten Lösungsanbieter. Weil der Key Accounter seine kleinere Kundenzahl wesentlich intensiver betreut als der Außendienstler, muss auch seine Fähigkeit, in Geschäftsprozessen zu denken, noch stärker ausgeprägt sein. Dazu gehören analytisches Denken und die Fähigkeit zu abstrahieren ebenso wie fundierte Kenntnisse in Gesundheitspolitik, Betriebswirtschaft und Jura. Vor allem aber wird eine deutliche Professionalisierung des Verkaufsgesprächs durch einen strukturierten, prozessorientierten Verkauf erreicht werden können.
Erfolgsschlüssel prozessorienter Verkauf
Im prozessorientierten Verkauf kennt und nutzt der Key Accounter – neben seinem Bauchgefühl und seiner Intuition – auch Bausteine des Verkaufens als Prozess. Dazu gehören:
- Anwendung durchdachter Buying-Center-Modelle
- Nutzung des Verkaufstrichtermanagements
- Einsetzen von Balanced Scorecards bei der Deselektion unproduktiver Kunden im Verkaufstrichtermanagement
- Bestimmung der Metrik im rationalen Teil des Buying-Center-Modells
- Argumentieren entlang von Value-Based-Verkaufsansätzen
- Einüben von Commitment-Techniken
- Konkrete Beantwortung der Frage nach der (individuellen) Unique Selling Position (USP)
Die Logik dieser Verkaufsprozesse muss so beschaffen sein, dass sie dem Key Accounter Handlungsoptionen aufweist und ihm auf einen Blick zeigt, wo und wie er bei den produktiven Kunden investieren sollte. So entwickelt der Verkaufsprozess seinen spezifischen Nutzen als „Landkarte des Verkaufs“. Das schafft eine Orientierungshilfe für den Key Accounter und lenkt seinen Fokus in die gewünschte, erfolgversprechendste Richtung.
Doch ist es noch nicht allein damit getan, den Key Accountern einen Verkaufsleitfaden an die Hand zu geben. Das Erzielen von Umsatz stünde zu stark im Vordergrund, der Mitarbeiter verstünde sich mehr als Umsatzbringer denn als Beziehungsgestalter. Die Frage nach dem Sinn der Arbeit käme zu kurz – keine gute Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Diesen zusätzlichen Sinn zu schaffen, ist die Aufgabe der Führung. Sie muss nicht nur die Frage „Warum soll ich arbeiten?“ beantworten können, sondern auch eine Antwort auf die Frage „Warum soll ich gerade für dieses Unternehmen arbeiten?“ liefern.
Key Account Manager sind echte Manager!
Dabei ist nicht zu vergessen: Key Accounter sind echte Manager, die eine andere Führung verlangen. Eine Führung, die über die Sinnhaftigkeit der Arbeit hinaus Gestaltungsfreiräume bietet. Denn der Key Accounter als Mensch möchte mit mehr Umsatzverantwortung auch mehr Freiheit erfahren. Zugleich darf dies aber kein Freifahrtschein sein. Die Kunst der Führung von Key Accountern liegt also im Ausbalancieren dieses Spannungsfelds.
Die Schlüsselgröße „Attraktivität für den Mitarbeiter“ muss in Einklang stehen mit dem Stakeholder-Denken, also mit der Frage nach dem Leistungsbeitrag für die Außenwelt. Damit lässt sich die Frage „Wie führe ich einen Key Accounter?“ projizieren auf die erweiterte Frage:
„Welche Gestaltungsfreiräume sind sinnvoll, um attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen und gleichzeitig Mehrwerte für die Außenwelt zu erzeugen?“
Damit entsteht ein konvergenter Prozess, der die eigenen Herausforderungen und Restriktionen ebenso berücksichtigt wie die internen Herausforderungen und Restriktionen der Stakeholder. Auf diesem Weg kommt es mit der Emanzipation der Verkaufsorganisation dann auch zu einer Emanzipation der Kundenbeziehung. Insgesamt betrachtet rückt der eigene Leistungsbeitrag des pharmazeutischen Unternehmens vermehrt in den Vordergrund. Erst mit der konkreten Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Pharma-Unternehmens für die Gesellschaft kann ein hochproduktiver Pharma-Vertrieb in der Zukunft dauerhaft bestehen. Dazu gehören hauptsächlich folgende Entwicklungspfade:
- Erfolgreiches Targeting und konsequenter Fokus auf wirklich gewinnbringende Produkte
- Ausrichtung der auf die Leistungsträger reduzierten Rumpfmannschaft des Flächenaußendienstes als Key Accounter
- Professionalisierung des prozessorientierten Verkaufens durch das Key Account Management
- Konzentration auf stark gestraffte Produktportfolios und wenige Schlüsselkunden
Hinweis
Eine ausführliche Lösungshilfe zum Thema Key Account Management finden Sie in unserem Management-Handbuch:
Key Account Management Ausgewählte Mitarbeiter kümmern sich um wichtige Kunden [29]
Richtlinie der EU zum Online-Handel
Einheitliche Kontaktmöglichkeiten
Für Verbraucher soll es künftig einheitliche Kontaktmöglichkeiten mit dem Onlinehändler oder Dienstleister in Form von E-Mail oder Telefon geben. Nicht mehr erlaubt sind 0180er- und 0900er-Telefonnummern.
Einheitliche Europäische Musterbelehrung
Online-Händler müssen Verbraucher über die Möglichkeit des Widerrufs informieren. Die deutsche Musterbelehrung gilt dabei als Vorlage für ganz Europa. Informieren sie den Verbraucher nicht, verlängert sich die Frist zum Widerruf auf zwölf Monate. Bislang gab es für solche Fälle in Deutschland keine Frist zu beachten. Allerdings kann der Online-Händler eine korrekte Widerrufsbelehrung nachreichen.
Einheitliche Widerrufsfrist
Künftig soll die Widerrufsfrist in der ganzen EU statt 30 Tage 14 Tage betragen. Weist ein Online-Händler nicht auf die Frist hin, kann der Verbraucher innerhalb von zwölf Monaten vom Vertrag zurücktreten.
Erklärung des Widerrufs
Der Widerruf kann vom Kunden auch nach wie vor durch E-Mail, Fax oder Brief erfolgen. Allerdings kann dieser nicht mehr durch die Rücksendung der Waren ausgesprochen werden.
Rückabwicklung des Widerrufs
Statt innerhalb von 30 Tagen muss der Händler den Kaufpreis künftig innerhalb von 14 Tagen inklusive aller Versandkosten zurückerstatten.
Ausnahmen vom Widerrufsrecht
Künftig ist ein Widerruf unter folgenden beispielhaften Voraussetzungen ausgeschlossen:
- Versiegelte Waren
- Schnell verderbliche Waren
- Nach Kundenspezifikation oder eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene hergestellte Waren
- Aufgrund ihrer Eigenart untrennbar mit anderen Gütern vermischte Waren
Rücksendekosten bei Widerruf
Künftig wird es keine so genannte „40-Euro-Klausel“ mehr geben. Das bedeutet: Der Käufer muss die Rücksendekosten grundsätzlich tragen, wenn der Händler deutlich darauf hinweist. Auch eine Vereinbarung ist möglich, nach der der Online-Händler diese Kosten übernehmen kann.
„Button-Lösung”
Kostenpflichtigen Dienstleistungen müssen Verbraucher künftig ausdrücklich vertraglich zustimmen. Die Zustimmung kann auch mittels einer Schaltfläche, also eines Buttons, erfolgen.
Zusätzliche Zahlungsarten
Zuschläge für bestimmte Zahlungsarten wie zum Beispiel Nachnahme sind nur dann erlaubt, wenn der Online-Händler dadurch selbst höhere Kosten aufwenden muss. Er darf allerdings nur die tatsächlichen Kosten dafür berechnen.
EU-weite Lieferung
Jedem Online-Händler bleibt es selbst überlassen, ob er seine Waren in jedes EU-Land liefert. Bestehen jedoch Lieferbeschränkungen, muss er den Verbraucher darauf hinweisen.
Längste Lieferdauer
Online-Händer sollen ihre Waren innerhalb von 30 Tagen liefern. Ist dies nicht möglich, können Kunden ab dem 31. Tag die Bestellung stornieren beziehungsweise vom Vertrag zurücktreten.
Haftung für Ware
Für den Verlust oder die Beschädigung der Ware beim Versand trägt der Online-Händler das komplette Risiko der Lieferung, bis der Kunde die Ware in Empfang genommen hat.
Innovationen mit Kunden entwickeln und Märkte bedienen
Unternehmen, die über ein funktionierendes Innovationsmanagement verfügen, sind profitabler als ihre weniger innovativen Konkurrenten. Aus diesem Grund werden unternehmenseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen oft mit hohen Budgets ausgestattet. Doch es zeigt sich, dass hohe Budgetierungen nicht unbedingt zu hoher Innovationskraft führen. Vielmehr brauchen Innovationen einen kreativen Nährboden, um gedeihen zu können. Eine Möglichkeit, einen solch kreativen Nährboden zu schaffen, bieten Kunden-Workshops. Wer sie abhält, sollte sich an folgende fünf Regeln halten, um damit erfolgreich zu sein:
1. Teilnehmer richtig auswählen
Die Auswahl der Gäste ist entscheidend für das Gelingen des Workshops. Wichtig hierbei sind Ergänzungspaare wie beispielsweise Tüftler und Visionäre. Tüftler befassen sich gerne mit Details. Sie wissen, auf welche Kleinigkeiten es bei neuen Ideen ankommt, noch bevor die konkrete Idee ausgereift ist. Visionäre dagegen betrachten die Ideenfindung als das große Ganze. Sie kümmern sich wenig um Details und um Dinge wie die technische Machbarkeit. Weitere sinnvolle Paarungen können sein:
- Inländische/ausländische Kunden
- Großunternehmen/Kleinbetriebe
- Marktkunden/Marktfremde
Das Ziel ist es, Teilnehmer aller Gruppierungen so geschickt zu kombinieren, dass kreative Abwege beschritten werden können.
2. Workshop methodisch planen
Bis Innovationen wirklich marktreif sind, braucht es weit mehr als nur ein kreatives “Get Together”. Von den entwickelten Rohideen bis zu fertigen Innovationen ist eine detaillierte Planung notwendig, deren Bedeutung für den gesamten Verlauf viele Unternehmen unterschätzen. Neben dem Event-Management ist gerade die methodische Planung des Workshops der entscheidende Erfolgsfaktor, denn Kreativität braucht immer einen festen und gelenkten Rahmen mit erprobten Methoden.
Praxistipp
Wer zu offen plant nach dem Motto: “Lassen Sie uns einmal Ideen sammeln”, programmiert den Misserfolg bereits vor. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Beschränkungen Kreativität verhindern – ganz im Gegenteil: sie schärfen den Problemfokus und spornen an!
3. Wirkliche Ideen schaffen
Man stelle sich eine Maschine vor, die innovative Ideen produzieren soll. Die Herausforderung ist, sowohl die Maschine zu konstruieren, als auch zu bestimmen, welcher Inputs es bedarf, damit diese das gewünschte Ergebnis produziert. Leider liefern klassische Kreativmethoden und Innovationstechniken nur bedingt brauchbare Bauteile für eine Innovationsmaschine. Stattdessen braucht es Sonderanfertigungen.
Praxistipp
Kreativtechniken eigenen sich gut, um Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Probleme werden vorgegeben und Lösungen gefunden. Ziel des Kunden-Workshops sind aber keine Problemlösungen, sondern Innovationen. Also braucht es Methoden, die Kreativität anstoßen ohne auszuufern (Innovationstechniken), oder aber nur vorhandene Probleme lösen (Kreativtechniken).
Hier drei Beispiele für modifizierte und erprobte Module:
Problemolympiade
Hierfür wird das klassische Brainstorming abgewandelt. Die ursprüngliche Methode wurde konzipiert, um Problemlösungen zu liefern. Ziel dieser Übung ist es aber, „richtig gute Probleme“ zu finden. Richtig gut ist ein Problem dann, wenn es auf dem Markt besteht, den das Unternehmen bedienen kann und es dafür bislang noch keine Lösung gibt. So entstehen echte Innovationen, mit denen sich neue Märkte erschließen lassen. Als Auflockerung treten die Gruppen in einem Wettbewerb gegeneinander an.
Expertencafé
Als Grundlage dient das klassische „Knowledge Café“. Die Funktion des Caféinhabers wird jedoch modifiziert, das heißt er fungiert nicht als neutraler Moderator, sondern als Fachexperte. Er steht Rede und Antwort für Fragen aus dem Unternehmensalltag der Kunden. Daraus entstehen Rohthemen, die auf Tischdecken aus Papier festgehalten werden. Die Gruppen rotieren von Tisch zu Tisch, werden über die Arbeit der Vorgruppe informiert und ergänzen das aktuelle Tischthema mit eigenen Fragen und Impulsen.
Marktplatz der Inspirationen
Der Seminarraum wird zum großen Marktplatz umgebaut. Angelehnt an die Open-Space-Methode demonstrieren die Kunden an Ständen, wie sie die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens nutzen. Die Experten fungieren als Besucher des Marktplatzes, informierten sich an den Ständen und sammeln Inspirationen. Der umgekehrte Austausch feuert damit die Innovationsarbeit weiter an.
4. Ideen nicht mit Innovationen verwechseln
Nach dem Workshop gibt es viele Rohideen, die zu vermarktbaren Innovationen weiterentwickelt werden müssen. Der Kundenworkshop selbst ist dabei ein Schritt eines fünfstufigen Prozessmodells, bestehend aus:
- Vorbereitungsphase
- Generierungsphase
- Beurteilungsphase
- Umsetzungsphase
- Stabilisierungsphase
In der Vorbereitungsphase werden die Workshopziele definiert. Sie dienen als Grundlage für die eingesetzten Methoden. Im anschließenden Workshop begegnen sich Kunde und Unternehmen und erarbeiten Ideen und diskutieren Trends (Generierungsphase). Diese hier festgehaltenen Rohideen werden am Folgetag in der Beurteilungsphase sortiert, gefiltert und nach Themen wie Marktrelevanz, Trends oder technischer Umsetzbarkeit priorisiert. Nachdem die Geschäftsführung den aussichtsreichsten Ideen Projektbudgets zugewiesen hat und konkrete Innovationsprojekte auf den Weg gebracht wurden, entstehen nun greifbare Innovationen (Umsetzungsphase). In der abschließend stattfindenden Stabilisierungsphase sorgen Anwendungstests für die Beseitigung letzter Schwierigkeiten, um die Innovationen entweder als Prozess in den Regelbetrieb oder als Produkt in den Verkaufsprozess zu überführen.
5. Die Kunden mitnehmen
Hier gilt es, einen Spagat zu meistern. Einerseits möchte man die Kunden auf dem Laufen halten und weiter in die Prozesse einbinden, denn schließlich wurde Zeit, Energie und Know-how in die Innovationskraft eines anderen Unternehmens gesteckt. Andererseits ist Zurückhaltung geboten, um mögliche Wettbewerbsvorteile, die durch Innovationen entstehen, nicht fahrlässig zu verspielen. Ein offener Newsletter oder Informationen auf Online-Plattformen laden die Konkurrenz geradezu ein. Dennoch ist es wichtig, dass sich die Kunden nach dem Workshop weiterhin als Teil des Projekts fühlen und auch in den Folgejahren als Sparrings-Partner wieder zur Verfügung stehen. Informationen über den Prozessstand, die anstehenden Phasen und Einladungen zu Test-, Review-Veranstaltungen oder Pilot-Implementierungen können eine elegante Lösung sein, die obendrein neugierig macht.
Bei professioneller Umsetzung stößt ein einmaliger Kunden-Workshop die unternehmenseigene Innovationsentwicklung spürbar an. Als fest installiertes Werkzeug des Innovationsmanagements schafft er darüber hinaus Nähe zum Kunden und seinen Bedürfnissen und schärft das Gespür für Trends und Marktentwicklungen, die zeitnah bedient werden können. Ganz nebenbei wächst die Kundenbindung von Mal zu Mal und Kunden schöpfen zusehends Vertrauen, weil sie auf die Entwicklung der Produkte Einfluss haben.
Kunden-Workshops können weit mehr sein als eben nur Workshops. Vielmehr lässt sich damit eine wertschätzende Haltung dem Kunden gegenüber transportieren, die parallel und direkt mit der Umsetzung von Unternehmensbedürfnissen gekoppelt ist. So entsteht eine dauerhafte Win-Win-Situation für Unternehmen und Kunden!
Bedürfnis und Kaufmotiv des Kunden im Vertrieb B2B kennen
Wie tickt mein Kunde? Welche Bedürfnisse beziehungsweise Kaufmotive hat er? Dies zu ermitteln, fällt vielen Verkäufern bereits im B2C-Bereich schwer. Noch komplexer ist es, die zentralen Kaufmotive der Kunden im B2B-Bereich zu ermitteln, um die richtige Kundenansprache zu wählen. Denn für den B2B-Vertrieb gilt: Die Kontaktpersonen der Verkäufer sind meist nicht die alleinigen Entscheider. Sie sind vielmehr Teil eines sogenannten Buying-Centers, das aus einer Vielzahl von mehr oder minder an der Kaufentscheidung beteiligten Personen besteht. Ist die Kontaktperson aber doch einmal der alleinige Entscheider, dann berücksichtigt sie bei ihrer Entscheidung zumeist die Bedürfnisse anderer Personen und Bereiche. Zum Beispiel die ihres Chefs, der über ihr berufliches Fortkommen entscheidet. Oder die der Abteilung, die nach der Einkaufsentscheidung mit dem Lieferanten kooperieren muss.
Diese Tatsachen haben viele Verkäufer nicht ausreichend verinnerlicht. Spricht man zum Beispiel mit ihnen über die Einkäufer in den Unternehmen, wird oft geklagt nach dem Motto: Die Einkäufer hätten fachlich keine Ahnung oder letztlich würde sie nur der Preis interessieren. Beide Aussagen sind heute jedoch nur noch bedingt richtig.
Einkäufer wollen möglichst „preis-wert“ einkaufen
Den klassischen Einkäufer, der nur Angebote einholt und vergleicht, gibt es heute in den meisten Industrieunternehmen nicht mehr. (Fach-)Einkäufer sind in der Regel Experten, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung technische Abläufe und Prozesse sehr wohl verstehen. Dasselbe gilt für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, denn meist sind sie nicht nur für die Bestellungen zuständig. Sie müssen vielmehr ein gezieltes Beschaffungsmanagement im Auftrag ihrer „Kunden“ in der Organisation betreiben. In entsprechend viele bereichs- und firmenübergreifende Projekte sind sie involviert, in denen es unter anderem um folgende Fragen geht:
- Wie können wir für unsere Kunden noch attraktivere Partner werden?
- Wie können wir unsere Logistik und Lagerhaltung optimieren?
- Wie können wir die Innovationskraft unserer Organisation erhöhen?
- Wie stellen wir den nötigen Cash-Flow sicher?
Deshalb ist für die Einkäufer bei ihren Einkaufsentscheidungen nur selten ausschließlich der Preis relevant – zumindest bei Produkten und Dienstleistungen, die für die Leistungsfähigkeit ihrer Unternehmen eine gewisse Bedeutung haben (auch weil ihre eigene Leistung nicht nur an den Einsparungen gemessen wird). Ihr Bestreben ist nicht, möglichst billig, sondern möglichst preiswert einzukaufen. Das heißt: Der Preis ist für sie eine relative Größe. Ob er als hoch, niedrig oder angemessen empfunden wird, hängt vom Nutzen ab, den das Produkt oder die Dienstleistung dem Unternehmen bietet.
Somit ist es eine zentrale Aufgabe des Verkäufers, dem Einkäufer das nötige Wertbewusstsein zu vermitteln. Das heißt, er muss in der Lage sein, dem Einkäufer glaubhaft darzulegen, welchen Mehrwert das Produkt oder die Dienstleistung seinen internen Kunden bietet. Oder anders formuliert: Er muss dem Einkäufer plastisch vor Augen führen können, warum es für ihn und sein Unternehmen vorteilhafter ist, sein „Produkt“ zu kaufen, obwohl dessen Anschaffungspreis höher ist als beim Wettbewerb. Beispiele könnten sein:
- Die Rüst- und somit Stillstandzeiten sind deutlich niedriger
- Das Unternehmen kann mit ihm gewisse Qualitätsmängel vermeiden
- Das Unternehmen erzielt mit dieser Lösung einen technischen Vorsprung vor seinen Mitbewerbern
Dies dem Kunden zu vermitteln gelingt dem Verkäufer nur, wenn er das Geschäft und den Markt des Kunden kennt und versteht. Er muss außerdem wissen, vor welchen Herausforderungen der Kunde steht. Dies gilt es also vor den eigentlichen Verkaufsgesprächen gezielt zu erkunden, etwa über eine Internet-Recherche, durch Gespräche mit Personen, die in regelmäßigem Kontakt mit dem Zielunternehmen stehen, und im Gespräch mit den Kontaktpersonen in der Kundenorganisation. Sonst ist die Gefahr groß, dass letztlich der Zufall über den Verlauf der Verkaufsgespräche und deren Ergebnisse entscheidet.
Das Buying-Center erkunden
Zwei weitere Punkte gilt es im Vorfeld zu ermitteln:
- Wer ist an der Kaufentscheidung beteiligt?
- Nach welchen Kriterien sowie wann und wie wird entschieden?
Dies können Verkäufer herausfinden, indem sie ihre Kontaktpersonen fragen, sei es in der Einkaufs- oder Fachabteilung, wer bei ihnen im Falle der Beschaffung eines Produkts in den Entscheidungsprozess involviert ist. Außerdem können sie sich nach dem weiteren Vorgehen in der anderen Organisation erkundigen, falls das Produkt oder die Dienstleistung vom Kunden gekauft wird. Aus den Antworten können die Verkäufer ableiten, wer an der Kaufentscheidung außer ihren Kontaktpersonen noch beteiligt ist – direkt und indirekt. Zum Beispiel die Geschäftsführung und die IT-Abteilung, die die Schnittstellen programmieren muss; außerdem die Logistikabteilung. Hieran kann der Verkäufer mögliche Folgefrage anknüpfen:
„Was ist Herrn XY, dem Leiter Ihrer Logistikabteilung, beim Anschaffen der Maschine und bei der Zusammenarbeit mit deren Lieferanten wichtig?“
Oder:
„Welche Probleme traten aus Sicht Ihrer Geschäftsleitung in den letzten Jahren beim Erstellen der Bilanzen auf?“
So erhält der Verkäufer detaillierte Informationen, von welchen Faktoren sich die an der Einkaufsentscheidung beteiligten Personen bei ihrer Entscheidung leiten lassen und welchen Nutzen sie sich von der Investition versprechen. Ein guter Verkäufer nimmt also im Vorfeld seines Angebots präzise Maß, um dann den gewünschten „Maßanzug“ anzufertigen. Auch der Inhalt und Aufbau seiner Angebotspräsentation wird nicht vom Produkt, sondern von den Bedürfnissen des Unternehmens beziehungsweise der Mitglieder des Buying-Centers bestimmt.
Kaufmotive und Entscheidungskriterien ermitteln
Häufig begehen B2B-Verkäufer im Kundenkontakt den Fehler, dass ihre Argumentation zu stark darauf abzielt, ihre Problemlösung erfülle die technischen Anforderungen des Kunden oder die gesetzlichen Vorgaben. Dies ist für die Kunden meistens selbstverständlich. Daneben haben sie aber noch eine Vielzahl von Nutzenerwartungen, sowohl auf der organisationalen, als auch auf der individuellen Ebene. Diese lassen sich folgenden sieben Feldern zuordnen:
1. Ansehen
Organisation: Wir wollen der Technologieführer in unserem Markt werden.
Mitarbeiter: Ich möchte mich in den Augen der Geschäftsführung als unternehmerisch denkender und handelnder Mitarbeiter profilieren.
2. Rendite
Organisation: Wir sollen unsere Lohn-Stückkosten um fünf Prozent senken.
Mitarbeiter: Ich will meine Jahresziele erreichen und am Jahresende die vereinbarte Prämie kassieren.
3. Sicherheit
Organisation: Wir wollen sicher sein, dass wir mit der Lösung kaum Ausfallzeiten haben.
Mitarbeiter: Ich will sicher sein, dass sich die von mir gekaufte Lösung bewährt und mein Chef mit mir zufrieden ist.
4. Entlastung
Organisation: Wir wollen mit der Lösung keine Folgeprobleme haben.
Mitarbeiter: Die Lösung soll meine/unsere Arbeit leichter, schneller und bequemer machen, ohne lange Einarbeitungszeit.
5. Entdeckung/Innovation
Organisation: Wir wollen mit der Lösung unsere Position als Trendsetter im Bereich XY ausbauen.
Mitarbeiter: Ich will mich in der Organisation als jemand profilieren, von dem Innovationsimpulse ausgehen.
6. Soziales
Organisation: Wir wollen wegen dieser Lösung keine Probleme mit dem Betriebsrat und mit den Mitarbeitern bekommen.
Mitarbeiter: Ich will, dass in der Umstellungsphase möglichst wenig Mehrarbeit für meine Kollegen entsteht.
7. Gesundheit, Ökologie, Nachhaltigkeit
Organisation: Wir wollen durch die neue Lösung unseren Energieverbrauch und Schadstoffausstoß senken.
Mitarbeiter: Die Arbeit an den neuen Maschinen soll rückenschonender sein.
Welche Motive bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen und welche Bedeutung sie für die Kaufentscheidung haben, müssen die Verkäufer im Kundenkontakt ermitteln.
Interessenunterschiede beachten
Ein weiterer Fehler, den Verkäufer oft begehen: Sie unterstellen, dass die Mitglieder des Buying-Centers weitgehend die gleichen Nutzenerwartungen haben und dass die einzelnen Kaufmotive bei ihrer Entscheidung die gleiche Rolle spielen. Sie übersehen dabei, dass die Mitglieder des Buying-Centers aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktion im Unternehmen oft auch unterschiedliche, zuweilen sogar sich widersprechende Nutzenerwartungen haben. Zumindest gewichten sie diese beim Abwägen, was für und gegen eine Lösung spricht, verschieden.
Hierfür ein Beispiel: Angenommen, ein Unternehmen kauft eine neue Maschine. Dann kann es sein, dass die Geschäftsführung primär interessiert, in wie viel Jahren sich die Investition amortisiert und um wie viel Prozent das Unternehmen mit ihr seinen Ausstoß erhöhen kann. Der Produktionsleiter hingegen, in dessen Bereich die neue Maschine zum Einsatz kommt, fragt sich vor allem, ob sich mit der Maschine das Problem des Ausschusses in den Griff bekommen lässt und wie lange es dauert, die Maschine umzurüsten. Der Leiter der IT-Abteilung hingegen will vor allem wissen, wie viel Programmieraufwand damit verbunden ist, die Schnittstellen zu den anderen Maschinen zu programmieren. Schließlich interessiert den Leiter der Einkaufsabteilung vor allem, mit welchem Lieferant er die wenigsten Probleme in der täglichen Zusammenarbeit hat und wer der unkomplizierteste und zuverlässigste Partner auch im Servicebereich ist.
Diese unterschiedlichen Bedürfnisse müssen die Verkäufer kennen. Denn nur dann können sie eine kundenspezifische Verkaufsargumentation aufbauen, die sich zwar auf die Top-Entscheider im Buying-Center fokussiert, aber für jedes Mitglied des Buying-Centers ein oder zwei zentrale Nutzenargumente enthält – damit letztlich alle mit der Entscheidung leben können. Sonst besteht die Gefahr, dass die Top-Entscheider zwar aus technischen oder kaufmännischen Gründen eine gewisse Lösung präferieren, sich aber für eine andere entscheiden, etwa weil sie Probleme mit dem Betriebsrat oder mit dem Daten- oder Umweltschutz befürchten.
Angenommen, der Lösungsvorschlag eines Verkäufers hat die Mitglieder des Buying-Centers überzeugt, weil dieser aus seiner Warte dem Unternehmen unter dem Strich die beste Kosten-Nutzen-Relation bietet. Angenommen, die Geschäftsführung gab dem Einkaufsleiter deshalb grünes Licht zur Investition. Dann darf der Verkäufer trotzdem nicht erwarten, dass der Einkäufer zu ihm sagt, das Angebot habe restlos überzeugt und sein Unternehmen zahle gerne den gewünschten Preis. Nein, der Einkäufer wird sich weiterhin am Angebot stoßen und fordern, dass der Verkäufer ihm mit dem Preis entgegenkommt. Denn seine Aufgabe ist es, für sein Unternehmen die bestmögliche Kosten-Nutzen-Relation zu erzielen. Also muss er auch ausloten, wie viel Luft noch im Angebot steckt. Erst wenn er absolut sicher ist, dass er so preiswert wie möglich einkauft, setzt er seine Unterschrift unter den Vertrag.
Entsprechend sicher müssen Verkäufer in der Einwandbehandlung und Nutzenargumentation sein, wenn Einkäufer in Vertragsverhandlungen in ihre Trickkiste greifen. Sonst sind sie schnell zu Preisnachlässen bereit, obwohl diese gar nicht nötig wären. Der Kunde hat sich faktisch ja bereits zum Kauf entschieden.
Fehler der Verkäufer beim Vertrieb der Güter in der Industrie
Die meisten komplexen, technischen Industriegüter lassen sich heute ohne eine hohe Servicequalität sowohl vor als auch nach dem Verkauf nicht mehr an den Mann bringen. Das ist den Herstellern von Investitionsgütern beim Entwickeln ihrer Geschäfts- und Vertriebsstrategie oft nicht ausreichend bewusst. Außerdem ist es den Vertrieblern nicht klar, dass die Kunden beim Kauf einer aufwändigen Maschine meist eine Partnerschaft für die Lebensdauer mit den jeweiligen Lieferanten des Systems eingehen – und folglich Wert auf guten Service legen. Im Kundenkontakt machen Vertriebsmitarbeiter von Industrieunternehmen deshalb immer wieder folgende Fehler:
1. Die Vertriebsmitarbeiter präsentieren den (Noch-Nicht-)Kunden Produkte statt anwendungsorientierte Lösungen für die gesamte Nutzungsdauer. Betriebswirtschaftliche Argumentationen zu den „Life Cycle Costs“ und „Total Costs of Ownership“ fehlen.
2. Die Verkäufer führen den Kunden nicht plastisch vor Augen, welchen geldwerten Nutzen ihnen ihr Unternehmen zum Beispiel auch in den Bereichen „Optimieren der Arbeitsabläufe/-organisation“, „Vermeiden von Verschwendung“ oder auch „Qualifizieren der Mitarbeiter“ bietet.
3. Die Verkäufer kennen Umfang und Nutzen der eigenen Serviceleistungen nicht genau und geben dem Kunden Leistungsversprechen, die ihr Produkt oder ihre Organisation so nicht erfüllen kann.
4. Service und Vertrieb arbeiten nicht Hand in Hand.
5. Der (After-Sales-)Service wird nicht strategisch eingesetzt, um Zusatz- und Hochverkäufe zu erzielen sowie Folgeaufträge zu generieren.
6. Überprüfbare Servicestandards und klar definierte Servicepackages fehlen.
7. Der Vertrieb erstellt keine Leistungsbilanz über die (kostenfrei und/oder ohne vertragliche Verpflichtung) erbrachten Zusatzleistungen für den Kunden.
8. Service und Vertrieb reagieren nur auf Beschwerden, statt aktiv dafür zu sorgen, dass die Kundenzufriedenheit erhalten bleibt.
9. Die persönlichen Bedürfnisse der Ansprechpartner beim Kunden – zum Beispiel der Wunsch nach Anerkennung oder das Bedürfnis, die eigenen Entscheidungen sowie die eigene Position abzusichern – werden bei der Verkaufsargumentation nicht ausreichend berücksichtigt.
10. Die (persönliche) Betreuung im After-Sales-Bereich zielt nicht darauf ab, Kundenloyalität aufzubauen, so dass der Kunde auch bei einem scheinbar günstigeren Angebot der Konkurrenz seinem bisherigen Partner die Treue hält.
Services als Produkt vermarkten
Nicht alle potenziellen Kunden eines im Vorfeld identifizierten relevanten Marktes sind gleichermaßen attraktiv für ein Unternehmen. So können sich bestimmte Kundengruppen eher zur Nutzung entschließen, weil sie über ein höheres Einkommen verfügen oder in Bezug auf ihre Lebenslage besondere Servicelösungen benötigen. Andere Kundengruppen wiederum können attraktiver sein, weil sie einen Service gleich mehrfach erwerben oder eine bestimmte Dienstleistung immer wieder zuverlässig nachfragen. Gleiches gilt umgekehrt: Ein bestimmter Service wird nicht alle potenziellen Kunden des „gesamten Marktes“ begeistern, etwa weil sie den Nutzen für nicht relevant halten, ein entsprechendes Bedürfnis schon auf andere Art befriedigt haben oder die Dienstleistung gar nicht kennen.
Aus beiden Perspektiven ist es sinnvoll, den „gesamten Markt“ aller potenziellen Servicenachfrager in kleinere Einheiten oder Teilmengen zu zerlegen, in sogenannte Zielgruppensegmente. Dabei muss eine praxisgerechte Zerlegung den folgenden Ansprüchen genügen:
- Möglichst hohe Ähnlichkeit der Kunden innerhalb der Segmente
- Möglichst große Unterschiedlichkeit der Kunden zwischen den Segmenten
- Einfache Ermittlung der Daten zur Beschreibung eines Segments (zum Beispiel Absatzpotenzial, Nettoeinkommen, Alter) oder deren einfache Ableitung aus anderen Informationen
- Auffinden und gezieltes Adressieren der ausgewählten Segmente für Vertrieb und Kommunikation im Markt
- Überschaubarkeit der Gesamtzahl der Segmente bleibt erhalten
Gestaltung des Angebots nach Einstellung und Nutzung
Einstellungen sind besonders dann als mögliche Unterscheidungskriterien wichtig, wenn sich das Angebot an Privatkunden richtet. So werden Kunden, die zu sozialen Themen (Religion, Umweltschutz, Politik, Drogen) oder persönlichen Themen (Familie, Freunde, Gesundheit, Einkaufen, Job) unterschiedliche Einstellungen haben, sich auch durch ihr Kaufverhalten oder ihre Vorlieben unterscheiden. Das Gleiche gilt auch für Serviceeigenschaften wie etwa Qualität: Die beste Servicequalität ist zwar teurer, macht sich aber langfristig bezahlt und setzt sich deutlich ab von der Botschaft „je preisgünstiger, desto besser“.
Einstellungen können dem Hersteller wertvolle Anregungen zur Differenzierung seines Serviceangebots liefern. Ein Kriterium ist die ausgeprägte Bevorzugung einer bestimmten Serviceeigenschaft oder eines bestimmten Nutzenaspekts. So werden ältere Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, schwere Lasten zu tragen, beim Einkauf im Einzelhandel Geschäfte mit Lieferservice bevorzugen. Alle anderen Eigenschaften wie Sortiment, Preis und Qualität treten dagegen in den Hintergrund.
Entsprechende Beispiele lassen sich auch bei gewerblichen Kunden finden. Speditionen, die Porzellan, Kristallglas oder andere zerbrechliche und teure Güter transportieren, müssen besonders auf eine geeignete Verpackung achten. Sie sind daher bereit, vergleichsweise hohe Summen für geeignetes Verpackungsmaterial auszugeben, um Beschädigungen beim Transport zu minimieren. Andere Speditionen, die weniger empfindliche Güter transportieren, werden versuchen, die Kosten für Verpackung und Material zu minimieren und bei der Auswahl deutlich preissensibler sein.
Die unterschiedliche Nutzung des betrachteten Service ist ein möglicher Indikator für unterschiedliche Kundenbedürfnisse und daher ein geeignetes Kriterium zur Segmentierung für entsprechende Angebote. Vielnutzer, die in ihrer täglichen Arbeit auf einen bestimmten Service angewiesen sind, erwerben diesen besonders häufig oder erwarten spezielle Eigenschaften, besonders gute Leistungen, Zubehörangebote und Angebote mit höherer Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Nachkaufmöglichkeit im Gegensatz zum typischen Gelegenheitsnutzer.
Vermarktung von Serviceprodukten als Wettbewerbsvorteil
Von „Service als Produkt“ spricht man, wenn die Serviceangebote eine eigenständige Leistung darstellen, die auch gesondert vermarktet und vom Kunden als separate Angebote betrachtet werden. Dies betrifft in der Regel kostenpflichtige Services, in besonderen Fällen auch kostenfreie. Für Unternehmen kann es sinnvoll sein, kleine Extras anzubieten, um belebende Impulse auf den Warenabsatz auszusenden.
Wenn Serviceleistungen als eigenständiges Produkt angeboten werden, sollten sie aktiv vermarktet werden. Hierzu bedient sich ein Unternehmen der gleichen Marketinginstrumente wie beim Verkauf: persönlicher Verkauf und Werbung. Durch die aktive Vermarktung von Serviceprodukten kann die Wettbewerbsposition eines Unternehmens verbessert werden. Während es über den reinen Warenverkauf oftmals schwer ist, echte Alleinstellungsmerkmale zu erlangen, kann eine aktive Serviceproduktpolitik die notwendige Abgrenzung zum Mitbewerber positiv beeinflussen.
Wenn es dem Unternehmen gelingt, durch geschicktes Marketing dem Kunden den mit den Serviceprodukten verbundenen Nutzen bewusst zu machen und vorteilhaft darzustellen, kann dies die Entscheidung des Kunden zu Gunsten des Anbieters positiv beeinflussen und die Rentabilität eines Unternehmens verbessern. Serviceprodukte haben einen weiteren Vorteil: Sie können vom Mitbewerber nicht so leicht und schnell kopiert werden wie die Sortiments-, Design- oder Preisgestaltung. Ein ausgefeiltes Serviceprodukt sichert dem Unternehmen somit einen strategischen Vorteil.
Bei allen Serviceprodukten gilt: Kundenerwartungen sollen erfüllt und sogar übertroffen werden. Unternehmen, die zum Beispiel einen 24–Stunden-Service versprechen, müssen durch entsprechende Maßnahmen absichern, dass Kunden nicht doch gelegentlich 48 Stunden warten müssen. Wenn 20 von 100 Kunden feststellen, dass die Werbeversprechen nicht erfüllt werden, ist auch die noch so gut gemeinte Serviceidee nutzlos.
Wichtig zu wissen ist, dass die Kundenerwartungen stark gewachsen sind. Vor der Installation eines Serviceproduktes sind somit innerbetriebliche Abläufe und verfügbare finanzielle und personelle Ressourcen dahingehend zu prüfen, ob durch entsprechende Maßnahmen eine möglichst hohe Kundenzufriedenheit erreicht werden kann.
Services als eigenes Angebot
Entwickelt ein Unternehmen eigenständige Serviceprodukte, gestaltet sich die Kalkulation dieser Produkte und Angebote weitreichender als bei reinen Industrieprodukten. Betrachtet ein Unternehmen den Service als Produkt, sollte auf jeden Fall eine Kostendeckung angestrebt werden. Zu beachten sind dabei die Wechselwirkungen auf den Warenabsatz: Wird eine stimulierende Wirkung beabsichtigt, kann es strategisch richtig sein, auf die vollständige Kostendeckung zu verzichten.
Dies ist möglich, wenn es durch die Koppelung mit dem Serviceangebot gelingt, die Ware mit einer entsprechend hohen Handelskalkulation zu versehen und somit die Defizite aus der Servicevermarktung auszugleichen. Insbesondere Branchen mit einer hohen Preistransparenz wie zum Beispiel die Unterhaltungselektronik sind hierbei jedoch enge Grenzen gesetzt.
Aber auch der Preisgestaltung von Serviceprodukten selbst sind – je nach Art des Produkts – Grenzen gesetzt. Wenn der Service für sich selbst genommen vermarktet werden muss, erwartet der Kunde, dass er die Dienstleistung nicht teurer oder unter Umständen sogar deutlich günstiger erhält als bei anderen Bezugsquellen. So erwartet der Verbraucher etwa bei Reparaturdiensten immer dann eine großzügige und kulante Vorgehensweise, wenn er das Gerät bei dem entsprechen Anbieter gekauft hat.
Mitunter könnte es schwierig sein, Kunden zur Nutzung einer kostenpflichtigen Serviceleistung zu bewegen. Dieser Effekt würde dann die kalkulatorischen Spielräume des Anbieters beschneiden. Eine Studie von American Express aus dem Jahr 2010 zeigt allerdings, dass Kunden durchaus bereit sind für guten Service zu bezahlen. Im Schnitt würden 55 Prozent einen höheren Preis akzeptieren. Besonders hoch ist diese Quote mit 64 Prozent sogar bei den Berufstätigen unter 30 Jahren mit einem Haushaltseinkommen von mindestens 20.000 Euro im Jahr. Im Durchschnitt wären die Verbraucher bereit, bis zu sieben Prozent mehr zu bezahlen.
Nachhaltige Services strategisch managen
Durch verschiedene methodische Ansätze zur Serviceentwicklung werden derzeit Konzepte erarbeitet, die dazu beitragen, innovative Formen des nachhaltigen Konsums zu entwickeln. Hierdurch werden Services geplant und entwickelt, die neben verbesserten ökologischen Eigenschaften bei Herstellung und Nutzung auch ökonomische Vorteile gegenüber herkömmlichen Dienstleistungen besitzen und sich somit auch wirtschaftlich rechnen.
Durch neue Methoden der Servicegestaltung sollen neue, ökologisch verbesserte Angebote entwickelt und bereitgestellt werden. Notwendigerweise müssen bei solchen Veränderungen der betrieblichen Abläufe die betrieblichen Managementmethoden ebenfalls angepasst werden. Neben der Entwicklung ökologischer Services ist deren Vermarktung eine Schlüsselgröße für nachhaltiges Wirtschaften. Die neuen Services müssen nicht nur die Umweltbelastung senken, sie müssen auch vom Konsumenten gekauft werden.
Bei der Entwicklung von Marketingkonzepten für innovative Services werden unter Berücksichtigung der Bedürfnisse, Lebensstile und Werthaltungen der Konsumenten neue Methoden entwickelt, um den Erfolg der Marke zu sichern: Immer öfter spielen ethische Faktoren eines Produktes beziehungsweise einer Dienstleistung im Kaufverhalten der Kunden eine Rolle. Die Entwicklung und Vermarktung nachhaltiger produktbezogener Dienstleistungen beinhaltet andere Anforderungen an die betriebliche Organisation und deren Abläufe als die Bereitstellung traditioneller Dienstleistungen. Verlangt ist ein strategisches Management für innovative Servicenutzung und eine Umstellung der Geschäftsmodelle.
So müssen in sehr unterschiedlicher Weise unterschiedliche Nutzungsformen im Sinne eines nachhaltigen Konsums geprüft werden. Im Fokus stehen dabei Wieder- und Weiterverwendung von Dienstleistungen, Gemeinschaftsnutzungen, Aufbau von Dienstleistungszentren und die Prüfung von alternativen Lebensstilen auf ihre Nachhaltigkeit.
Buchtipp:
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Wie eine variable Vergütung die Motivation im Vertrieb verbessert
Traditionelle Vergütungssysteme konzentrieren sich meist einseitig auf Leistungskriterien wie Umsatz oder Deckungsbeitrag und vernachlässigen wesentliche zusätzliche Aspekte wie Erträge und Kosten oder auch Produkt- und Kundenziele. Meist entfalten sie nicht die nötige Anreizwirkung, da auf die Basisleistung des Mitarbeiters mehr variable Einkommensanteile entfallen als auf seine Mehrleistung. Zusatzleistungen lohnen sich also kaum. Hinzu kommt, dass variable Einkommensanteile oft zu niedrig sind, um motivierend zu sein, oder sie sind zu hoch und damit aus arbeitsrechtlicher Sicht unzulässig.
Darüber hinaus konzentriert sich die klassische leistungsorientierte Vergütung im Vertrieb meist nur auf den Außendienst, eventuell noch den Innendienst, während eine moderne Vergütung im Verkauf viele Mitarbeiterbereiche wie etwa Produktmanagement, Call-Center, Service, Einkauf oder auch Logistik integriert. Traditionelle Vergütungssysteme weisen meist keine Teamorientierung auf, denn vergütet wird ausschließlich die Leistung Einzelner. Vernetzungen finden nicht statt.
Das Problem dabei: Oft werden Zufallstreffer vergütet anstatt die eigentliche Mitarbeiterleistung. Große Gebietspotenziale, Großkunden oder Großaufträge führen nicht selten zu ungewollten – und ungerechten – Einkommensexplosionen. Darüber hinaus lassen sich herkömmliche Vergütungssysteme meist nicht auf neue Aufgaben im Vertrieb beziehungsweise neue Markterfordernisse einstellen, ohne Verträge ändern zu müssen. Sie sind damit unflexibel.
Erwartungen an ein modernes Vergütungssystem
Heutzutage werden hauptsächlich noch Provisionen vergütet. Besser wäre jedoch die Vergütung von Zielprämien, die sich auf den „Dunstkreis der guten Leistung“ konzentrieren. Welche Erwartungen dürfen an ein modernes Vergütungssystem im Vertrieb also gerichtet werden?
1. Leichteres und besseres Erreichen der Unternehmens- und Vertriebsziele
Moderne Vergütungssysteme binden die Mitarbeiter und Teams differenziert in Ziele ein, etwa in kurzfristige wie Umsatz und Deckungsbeitrag, aber auch in langfristige wie die Forcierung strategisch wichtiger Kunden und Produkte. Selbststeuerung und Eigenverantwortung der Mitarbeiter werden verbessert, ebenso deren Entscheidungskompetenz.
2. Hohes Engagement der Mitarbeiter für Mehr- und Besserleistungen
Ein gut konzipiertes variables Vergütungsmodell arbeitet mit steil ansteigenden Vergütungskurven. Dies bedeutet: Der Mitarbeiter kann bei sehr guter Leistung sein Einkommen kurzfristig um bis zu 30 Prozent steigern. Diese Einkommenssteigerung wird aber nicht als Dauereinkommen garantiert, da im nächsten Jahr neue Leistungsziele gesetzt werden.
3. Die Renditesituation des Unternehmens verbessert sich
Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zielorientiert führen und vergüten, erwirtschaften nachweislich bessere Ergebnisse. Die Ursachen hierfür liegen in klaren Zieldefinitionen, in einer besseren Führung und Steuerung der Mitarbeiter, in größeren Anreizen für Top-Leistungen, in einer höheren Identifikation der Mitarbeiter mit den Vertriebszielen, in einer besseren Fokussierung auf Ertrags- und Kostenelemente sowie in der Berücksichtung strategischer Leistungskomponenten. Erfahrungsgemäß rechnet sich die Umstellung auf ein neues Vergütungssystem bereits nach wenigen Monaten.
4. Die Teamorientierung wird durch das Vergütungskonzept gefestigt
Durch die Einbindung mehrerer Bereiche in das Vergütungssystem (zum Beispiel Innendienst, Service, Produktmanagement oder Entwicklung) ziehen viele Vertriebsmitarbeiter an einem Strang. So stehen Unternehmensinteressen vor Abteilungsinteressen und eine zielkonforme Zusammenarbeit wird gefördert.
5. Schnelle und flexible Anpassung an Marktveränderungen
Gut konzipierte variable Vergütungsmodelle sind so gestaltet, dass einerseits verlässliche Verträge mit Mitarbeitern und Betriebsrat abgeschlossen werden können, dass aber andererseits das Vergütungssystem inhaltlich jederzeit an aktuelle Aufgaben und Zielsetzungen angepasst werden kann. So wird sichergestellt, dass jeweils aktuelle Interessen des Unternehmens vergütet werden und nicht solche, die in der Vergangenheit aktuell waren.
6. Die Bewältigung von Krisensituationen verbessert sich
Wenn möglichst viele Mitarbeiter in variable Vergütungssysteme eingebunden werden, erhöht sich die Kostenflexibilität im Unternehmen. Dies bedeutet einen spürbaren Rückgang der Personalkosten in Krisenzeiten und damit eine bessere Konditionierung des Unternehmens. In prosperierenden Phasen können und dürfen Personalkosten ansteigen und sind dann gut zu tragen.
7. Die Anziehungskraft für qualifizierte neue Mitarbeiter von außen steigt
Leistungsstarke Mitarbeiter fühlen sich durch ein attraktives Vergütungssystem angezogen. Sie erkennen, dass sich Leistung lohnt.
Gut konzipierte Vergütungsmodelle schaffen Wettbewerbsvorteile und helfen, Marktpotenziale auszuschöpfen. Sie binden die Mitarbeiter stärker in die richtigen Ziele ein und entwickeln eine hohe Leistungskultur. Außerdem sind sie attraktiv für gute Mitarbeiter – auch für solche, die der Arbeitsmarkt noch bereit hält.
Das Verkaufsgespräch richtig führen
Das Klassische Verkaufen hat uns gelehrt: Beim Erstkontakt per Telefon ist es wichtig, möglichst viel von uns und unserem Produkt beziehungsweise von unserer Dienstleistung zu erzählen. Sollte unser Kunde mit Vorwänden oder gar Einwänden reagieren, wurden wir angehalten, diese sofort abzustreiten, sie im besten Fall aufzulösen. Wir sollten manipulieren, überreden, bitten, niederknien oder dem Kunden unmissverständlich klar machen, wo es langgeht. Denn wir sind ja das Beste, was dem Kunden passieren kann. Deshalb ist es auch selbstverständlich, dass er einen Termin mit uns vereinbaren muss.
Das Klassische Verkaufen lehrte uns davon überzeugt zu sein, dass in jedem potenziellen Kunden, der Nein zu unserem Produkt oder unserer Dienstleistung sagt, doch der unabänderliche Wille steckt, bei uns kaufen zu wollen. Diesen Willen irgendwo ganz tief in seinem Inneren galt es herauszukitzeln – jeder Goldgräber hätte da etwas lernen können. Nachdem wir dann den Einstieg in das Verkaufsgespräch beendet hatten, war der „Acker“ Kunde ordentlich umgegraben.
Verkaufsgespräch: Einstieg klar und gelassen formulieren
Ganz anders stellt es sich beim Konsensitiven Verkaufen dar. Hier begegnen wir unserem Kunden auf Augenhöhe. Wir sind überzeugt davon, dass er in der Lage ist zu sagen, wenn er unser Produkt oder unsere Dienstleistung jetzt, von uns und zu unserem Preis kaufen möchte. Deshalb akzeptieren wir seine Ablehnung genauso wie seine Zustimmung. Im Konsensitiven Verkaufen ist es nicht unser Ziel, mit Biegen und Brechen einen Termin zu vereinbaren, sondern wir wollen die Kunden treffen, die bei uns kaufen wollen.
Eine Grundvorrausetzung dafür ist der Einstieg in den telefonischen Erstkontakt. Dieser sollte kurz, präzise und klar formuliert werden. Wichtig ist, den Einstieg in einem neutralen Ton vorzutragen, ruhig, gelassen und souverän. Der Einstieg besteht aus vier Schritten:
- Vorstellung: Wer sind wir
- Produkt oder Dienstleistung: Was bieten wir an
- Produktnutzen: Was hat unser Kunde davon
- Verpflichtung: Klären, ob unser Kunde unser Angebot will
Diese vier Schritte sollten so kurz wie möglich und so lang wie nötig gehalten sein. Eine Möglichkeit ist, den Einstieg in den telefonischen Erstkontakt zu notieren und aufgrund der nachfolgenden Hinweise zu prüfen, wo ein Kürzen am ehesten Sinn macht.
Vorstellung:
Hier sollte der Name der Firma des Verkäufers und natürlich sein eigener genannt werden. Auch die Nennung des Vornamens ist wichtig, denn der gehört zur eigenen Persönlichkeit. Verkäufer sollten ihrem Gesprächspartner auch von Anfang an die Chance geben zu verstehen, wer sie sind. Die Zeit – rund drei bis fünf Sekunden – lässt sich am besten mit Füllwörtern überbrücken wie:
- „Sie sprechen mit...“
- „Hier ist die Firma…“
- „Mein Name ist…“
Beispiel:
„Guten Tag, Sie sprechen mit Armin Bach, Firma Hinterseer.“
Produkt oder Dienstleistung:
Hier sagen Verkäufer in einem Satz was sie anbieten. Geht es um mehrere unterschiedliche Angebote, sollten sie sich entweder für eines davon oder für einen Überbegriff entscheiden. Je spitzer das Angebot auf den Kunden zugeschnitten ist, desto besser. Hier empfiehlt sich eine vorherige Recherche, welche Bedürfnisse der Kunden erfüllt werden können. Ein Beispiel: Das Portfolio eines Trainingsanbieters umfasst Verkaufs-, Team- und Präsentationstrainings. Soll das Verkaufstraining als „spitzes Angebot“ gewählt werden, muss von vorneherein klar sein, ob der potenzielle Kunde auch tatsächlich über ein Vertriebsteam verfügt.
Beispiel:
„Wir sind ein internationales Trainingsunternehmen…“
Produktnutzen:
Hier ist es wichtig, maximal einen bis zwei Nutzen aufzuführen und sich auf diesen Teilbereich des Verkaufsgeprächs besonders gut vorzubereiten. Geeignet ist eine Liste, die die Vorteile (Tatsachen) und den Nutzen des eigenen Unternehmens, des Produkts oder der Dienstleistung und der Person als Verkäufer und Berater enthält. Mindestens 20 Nutzen für jede Kategorie sollten es schon sein – 20 Vorteile, die für das eigene Unternehmen sprechen und was der Kunde davon hat. Wenn sich die Produkte sehr stark unterscheiden, gilt das entsprechend für jede Produktgruppe.
Als nächstes gilt es, aus dieser Liste die drei Produktvorteile herauszuarbeiten, durch die sich das eigene Unternehmen am meisten von den Mitbewerbern abhebt, oder die die Interessen der Kunden am stärksten befriedigen. Die Erarbeitung drei möglicher Einstiege in ein erstes Kontaktgespräch mit dem Kunden und der Einbau jeweils eines konkreten Vorteils mit Kundennutzen kann dabei helfen. Danach erfolgt eine Überprüfung der jeweiligen Einstiege bei einer Reihe von Testkunden. So wird deutlich, welcher Einstieg den Kunden am ehesten anspricht. Dieser sollte dann später auch im Verkaufsgepräch verrwendet werden.
Beispiel:
„Ihr Nutzen dabei ist, dass Sie erfahren, wie Sie mit weniger Terminen mehr Umsatz machen.“
Verpflichtung:
Im Gegensatz zum Klassischen Verkaufen ist es hierbei wichtig, ein klares Commitment vom unserem Kunden zu erhalten. Auch ein Nein zählt dazu, denn der Kunde ist ein erwachsener Mensch und wahrscheinlich schon einige Jahre in seiner Position tätig. Er weiß genau, was er und vor allem was sein Unternehmen zurzeit braucht. Er ist in der Lage zu entscheiden, ob das Angebot grundsätzlich nützlich für ihn ist. Daher wäre es auch reine Zeitverschwendung, einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen zu wollen. Verkäufer sollten ihrem Kunden stattdessen auf Augenhöhe begegnen. Das bedeutet: Voller Selbstbewusstsein das eigene Produkt präsentieren und den Gesprächspartner in seiner Kompetenz anerkennen.
Konsensitives Verkaufen bedeutet, den potenziellen Kunden nicht überreden oder überzeugen zu wollen. Angenommen, Sie erhalten eine Tüte mit unterschiedlichen Bonbonsorten. Sie sollen blind in die Tüte greifen und einzelne Bonbons herausfischen. Dabei erhalten Sie für jedes Himbeerbonbon, das Sie innerhalb einer Minute herausfischen, fünf Euro. Das erste Bonbon, das Sie erwischen, ist ein Schokoladenbonbon. Was werden sie jetzt tun? Den potenziellen Kunden versuchen zu überzeugen, dass das Schokoladenbonbon in Wahrheit ein Himbeerbonbon ist? Oder werden Sie innerhalb dieser einen Minute versuchen so viele Himbeerbonbons wie möglich zu erwischen?
Nein? Also muss die Frage erlaubt sein: Warum versuchen Verkäufer dann permanent einem potenziellen Kunden zu beweisen, dass er ein „Himbeerbonbon“ ist, obwohl er Nein zum Angebot sagt? Besser geht es mit einer klaren Frage:
Beispiel:
„Möchten Sie dieses Training nutzen?“
Konsensitives Verkaufen bedeutet Klarheit. Klarheit in den Fragen, denn so wird dem Kunden signalisiert: „Du bist mit mir auf Augenhöhe“. Außerdem werden die Gesprächspartner dankbar sein, wenn Verkäufer nicht versuchen, sie mit rhetorischen Tricks zu manipulieren oder einen billigen Erfolg durch den Einsatz von Phrasen zu erreichen.
Buchtipp:
Gaby S. Graupner, „Verkaufe deine Produkt, nicht deine Seele. Kunden ernst nehmen – Verkaufschancen erhöhen – Gespräche
führen ohne Druck“ [31] , Gabler Verlag Wiesbaden, 2010
Zusammenarbeit der Generationen im Vertrieb
Unterschiedliche Generationen im Vertrieb haben unterschiedliche Motivationen. Da gibt es auf der einen Seite die engagierten Youngster, kaum zu bremsen und immer auf ein paar Prozente mehr Umsatz aus. Viele von ihnen denken schon alles zu wissen, auf Schulungen verzichten und allein mit unbezwingbarem Willen Berge versetzen zu können. Bis der Kunde sie ausbremst. An Selbstbewusstsein mangelt es diesen jungen Verkäufern nicht, allerdings oft an Erfahrung und der nötigen Strategie.
Auf der anderen Seite stehen die älteren Verkäufer, ausgestattet mit einem immensen Erfahrungswissen, weil sie über ihr gesamtes Arbeitsleben hinweg dazugelernt haben. Sie möchten sich nicht mehr von ihrem Job vereinnahmen lassen und verschenken so den einen oder anderen Geschäftsabschluss. Derzeit sind 22 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen über 50 Jahre alt. Bis 2020 wird dieser Anteil auf 32 Prozent steigen, so die Einschätzung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft verdi. Wurde im Vertrieb oft die Schnittstelle zwischen Außen- und Innendienst als zentraler Erfolgsfaktor angesehen, liegt heute ein wichtiger Aspekt der Teamarbeit im Vertrieb darin, die Kluft zwischen der Generation 50plus und den Mittzwanzigern zu überbrücken. Wenn sich deshalb ein Vertriebsmitarbeiter im Mehrgenerationenteam übergangen, bevormundet oder benachteiligt fühlt, kann das zu internen Unzufriedenheiten führen.
Altershomogene Gruppen können Stagnation verursachen
Mit dem höheren gesetzlichen Rentenalter ist die ältere Generation geradezu gezwungen, sich der jüngeren Altersgruppe anzupassen, was umgekehrt natürlich genauso gilt. In Sachen Generationenmanagement und altersgemischte Teams versprechen sich viele Unternehmen einen Know-how-Transfer. Dennoch ist die Zusammenarbeit in solchen Teams mit vielen falschen Erwartungen behaftet. Wird die Kluft im Vertrieb dadurch nun größer oder kleiner?
Folgendes Problem taucht auf: Die älteren Verkäufer werden immer älter, haben jedoch nicht mehr das „Feeling“ für die Gegenwart. Die jüngeren Jahrgänge hingegen kommen nicht nach, weil sie nicht über die praktischen Erfahrungen der älteren Verkäufer verfügen. Sie wissen sich trotz modernem Know-how oft nicht zu helfen und erleiden einen Werteverlust, den sich die Altersgruppe 50plus so mühsam erarbeitet hat. Manchmal gleicht diese Situation einem Horrorszenario.
Die Generation 50plus tut sich mit aktuellen Trends möglicherweise schwerer – Erfolgshunger, Begeisterung und Leidenschaft im Vertrieb gehören weniger zu ihren Markenzeichen. Diese Generation wirkt ruhiger, manchmal sogar etwas träge. Auch von den neuesten Technologien lässt sie sich nicht beeindrucken und pokert nicht mehr um einen steigenden Verdienst. Ein langfristig denkendes Unternehmen kann die Generation 50plus mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung aber nicht ignorieren, denn die Zielgruppen werden generell älter, können sich mehr leisten, fordern dadurch mehr fachliche Beratung und Kompetenz. Dies kommt den älteren Vertriebsmitarbeitern entgegen.
Hinweis
Marketing-Lösungen, die Themen in den Vordergrund stellen, führen gerade bei der Generation 50plus zum Erfolg. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von rtv media solutions gemeinsam mit der A.GE – Agentur für Generationen-Marketing. Wichtiges und entscheidenderes Erfolgskriterium als eine adäquate Ansprache der Zielgruppe sei dabei die richtige Auswahl des Werbemediums.
Arbeiten die verschiedenen Generationen nur mit ihresgleichen zusammen, bedeutet das Stagnation. Die demografische Entwicklung zeigt: Mann oder Frau von heute fiebert mit Mitte fünfzig keinesfalls dem Karriereende entgegen, sondern die berufliche Entwicklung kann durchaus weitergehen. Die heute 50-Jährigen sind stark im Kommen, mehr noch: Alt ist nur der, der sich ausschließlich mit altersstarken Gruppen zusammenschließt. Die junge Altersgruppe dagegen wirkt oft impulsiv, spritzig, dynamisch, sie fordert Power und bietet sie auch an. Junge Verkäufer haben eine hohe und effiziente Auffassungsgabe und sind erfolgshungrig. Doch ihnen fehlt eben auch die nötige Berufserfahrung, die ältere Vertriebler im Laufe ihres Arbeitslebens angesammelt haben.
Künftiges Modell: altersgemischte Vertriebsteams
Altersgemischte Team können gegenüber gleichaltrig zusammengesetzten Gruppen durchaus weniger produktiv sein. Somit muss auf die Rahmenbedingungen geachtet werden, damit eine bestimmte Altersgruppe nicht dominiert. Hier erfordert es eine Mischung aus implizitem Wissen (Erfahrungswissen) der älteren und dem beruflichen Ehrgeiz der jüngeren Generation, die den Zielvorstellungen und Aufgaben im Unternehmen auch gerecht werden. Die Mischung aus den frisch erworbenen fachlichen Kompetenzen der jungen Mitarbeiter und der langjährigen Berufserfahrung der älteren Gruppe ist ein Team-Modell, das im Vertrieb künftig etabliert werden muss – auf Mitarbeiter- und auf Kundenseite. Nur so kann der Vertrieb im Unternehmen erfolgreich werden und seine Umsätze kontinuierlich steigern. Experten sagen, dass altersgemischte Teams sowohl die Leistungsfähigkeit der älteren Mitarbeiter als auch die der jüngeren Mitarbeiter steigern, weil diese von der langen Berufserfahrung der älteren Kollegen profitieren können.
Gemeinschaftliche Aktivitäten im Unternehmen helfen, die Generationsbarrieren zu durchbrechen. Eine Veranstaltung wie eine Weihnachtsfeier beispielsweise, nicht im traditionellen Stil abgehalten, sondern so, dass sie für alle Alterstufen zu einem unvergesslichen Ereignis wird, könnte eine solche Maßnahme sein. In dieser außergewöhnlichen Situation, fern des Arbeitsalltags, kann jeder Mitarbeiter seine Grenzen überwinden und neues Terrain betreten. Dadurch ergibt sich die Gelegenheit, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und generationsübergreifend zu lernen. Die Vertriebsmitarbeiter können so die unterschiedliche Herangehensweise zunächst grundsätzlich akzeptieren, in einem nächsten Schritt die erfolgsfördernden Elemente voneinander abschauen.
Die Charaktereigenschaften der alten und jungen Altersgruppe werden oft klischeehaft dargestellt. Heraus kommen dabei die jungen Alten und die alten Jungen, die erst im Team zur Höchstform auflaufen und eine immense Umsatzsteigerung erreichen können. Die Zukunft liegt also in der Zusammenarbeit beider Seiten. Die jungen Alten sollten das Feld nicht räumen müssen, um es den alten Jungen zu überlassen. Erst eine Kombination beider Gruppen garantiert den Vertriebserfolg. Will ein Unternehmen jung und innovativ bleiben, kommt es um die Generationenverknüpfung nicht herum. Die nachfolgenden drei Schritte zeigen, wie es gehen kann:
1. Flexibilität schaffen und Veränderungen zulassen
Durch Flexibilität und permanente Veränderungen in den gesamten internen Abläufen eines Unternehmens wird eine andere Art der Kommunikationsstruktur geschaffen. Sie erlaubt es, das Unternehmen mit neuartigen Medien und Trends aufzuwerten. Sind die Abläufe jedoch immer gleich, fallen die Mitarbeiter schneller in den routinemäßigen Arbeitsprozess zurück. Folge: Die Entwicklung des Unternehmens stagniert.
2. Vertriebs- und Persönlichkeitsschulungen
Altersgeschmischte Gruppen entwickeln sich durch kontinuierliche Vertriebs- und Persönlichkeitsschulungen gemeinsam weiter. So entstehen erst gar keine Barrieren zwischen den Generationen und das Miteinander wird durch vollkommen neue Strategien und Mechanismen gefördert. Dabei entsteht Vertrauen, das Verständnis schafft und das wiederum gefestigt werden kann.
3. Zusätzliche externe Aktivitäten außerhalb
Das unter Punkt 2 aufgebaute Vertrauen kann nur reifen, wenn das Team mit zusätzlichen Unternehmens- und Freizeit-Aktivitäten die Werte und Herangehensweisen beider Seiten auch außerhalb des Unternehmens noch besser kennenlernt. Eine Annäherung ist in jedem Fall auch in der Freizeit wichtig, weil hier die Sensibilisierung füreinander leichter und stärker erfolgt. Das Spiegeln der Handlungen zwischen den Generationen führt zur einheitlichen Agitation und zum kollegialen Zusammenhalt, später dann auch im Arbeitssystem.
Beratungsprojeke: Berater richtig auswählen
Eine aktuelle Befragung von Führungskräften in Deutschland und der Schweiz durch die Züricher Meta-Beratung Cardea belegt: Mehr als ein Drittel aller Projekte mit Beratern verlaufen nicht zur Zufriedenheit der Auftraggeber. Bei einem Blick auf die in der Studie genannten Gründe für die Unzufriedenheit der Führungskräfte mag sich der eine oder andere an die Probleme eigener Projekte mit Beratern erinnern. Der Auftraggeber ist danach mit dem Projekt unzufrieden, weil
- keine konkreten Ergebnisse erarbeitet wurden (87 Prozent)
- die erarbeiteten Ergebnisse nicht umsetzbar waren (76 Prozent)
- die Ergebnisse nur mit massiven Kostenüberschreitungen erzielt werden können (67 Prozent)
- das Projekt keine neuen Erkenntnisse liefert (66 Prozent)
- die Ziele nicht erreicht wurden (64 Prozent)
- die Ergebnisse nur mit massiven Terminüberschreitungen erzielt werden können (55 Prozent)
- die Ergebnisse zum Zeitpunkt ihrer Einführung bereits obsolet sind (49 Prozent)
Hinweis
Für die Studie wurden 58 Kostensenkungs- und 48 Wachstumsprojekte aus den Jahren 2006 bis 2009 untersucht. Dafür wertete Cardea die Antworten von 106 Führungskräften aller Branchen aus Deutschland und der Schweiz aus.
Zusammengefasst führten die hier bemängelten Beratungsprojekte zu unbrauchbaren Ergebnissen, überhöhten Kosten und/oder Zeitverschwendung – keine Rede also von früher, schneller, effizienter oder erfolgreicher. Kein Wunder, dass das Vertrauen in externe Berater leidet und die Bereitschaft für die Vergabe von Beratungsaufträgen sinkt. Gerade in Zeiten enger Budgets und strikter Zielvorgaben kann es sich kein Marketing- oder Vertriebsleiter mehr erlauben, wichtige Projekte mit Beratern in den Sand zu setzen. Dennoch bleibt die „richtige“ Zusammenarbeit mit den „richtigen“ Beratern sehr wertvoll für die Verantwortlichen. Es gilt daher, bei den Ursachen für fehlende Projekterfolge anzusetzen und darum, diese künftig zu vermeiden.
Was Berater können sollten
Was einige der aufgezählten Gründe angeht, so ist dort das Unternehmen selbst, also die Geschäftsleitung, der Projektleiter oder das gesamte Projektteam gefragt. Nicht immer liegt es nur am „schlechten“ Berater. Vielmehr gilt es, auch die interne Projektumsetzung zu verbessern. Die Auswahl des „richtigen“ Beraters spielt dabei eine große Rolle. Damit Unternehmen aus den oben genannten Gründen fehlgeschlagene Beraterprojekte künftig vermeiden, sollten sie bei der Auswahl folgendes beachten. Ihr Berater sollte:
- Konzeptionell stark und erfahren sein
- Ihnen ein laufendes Projektcontrolling zusichern
- Eine klare Spezialisierung auf Ihre Projektaufgabe/Ihren Verantwortungsbereich aufweisen
- Wert auf eine klare Projektpositionierung legen
- Ihre Projektleitung bei Managementpräsentationen unterstützen wollen und können
- Erfahrungen in der Erwartungsermittlung und im Erwartungsmanagement haben
- Wert auf eine klare Zielformulierung zum Projektstark legen
- In der Lage sein, eine professionelle Projektkommunikation durchzuführen
- Eine wichtige Aufgabe auch darin sehen, Ihre Führungskräfte und Mitarbeiter im Projekt mitzunehmen
- Erfahrung in Ihrer Projektaufgabe haben, um zu wissen, was tatsächlich wie viel Zeit benötigt
- Ein professionelles Projektmanagement betreiben
Wenn es Ihnen gelingt, sich auf diese Kriterien zu konzentrieren, wird Ihr nächstes Projekt erfolgreicher sein. Das setzt jedoch voraus, dass Sie sich von den gewohnten Kriterien für die Beraterauswahl frei machen. Argumente wie: Ich kenne den Berater persönlich, der Berater hat Erfahrungen in meiner Branche, er wurde mir empfohlen oder er ist ein Großer in der Branche beziehungsweise hat einen Namen, bedeuten zunächst einmal nicht viel mehr als eine gefühlte Sicherheit bei der Auftragsvergabe. Die Gefahr, sich von den scheinbar sicheren Kriterien blenden zu lassen, ist groß. Machen Sie sich also frei von emotionalen Auswahlkriterien und wählen Sie Ihre Berater ausschließlich nach rein sachlichen und fachlichen Kriterien aus. Dann werden Sie mit Ihren Projektergebnissen mit angrenzender Wahrscheinlichkeit zufriedener sein als die in der Studie befragten Führungskräfte.
Kundenrückgewinnung: Auf der Suche nach einem verlorenen Schatz
Ein kürzlich durchgeführtes Studienprojekt des Fachbereichs Wirtschaft der Hochschule Darmstadt in 130 Unternehmen aus den Bereichen B2B und B2C zum Thema Kundenrückgewinnung brachte Folgendes zutage: Erst 61 Prozent der befragten Unternehmen hatten bereits fallweise oder dauerhaft Maßnahmen zur Reaktivierung verlorener Kunden ergriffen. Mehr als die Hälfte der übrigen Unternehmen zeigten sich aber für künftige Rückgewinnungsaktivitäten aufgeschlossen.
Warum nur so zögerlich? In aller Regel ist es nicht nur kostengünstiger, sondern häufig auch leichter, abgesprungene Kunden zurückzuholen, als mühsam neue Kunden zu gewinnen. Denn oft waren es nur Kleinigkeiten, die für Verärgerung und Missstimmung gesorgt haben. Wir Menschen vergessen meist schnell und verzeihen gern. Viele ehemalige Kunden wären demnach bereit, ihren Ex-Anbietern eine zweite Chance zu geben, würde man sie nur gebührend darum bitten, etwaige Probleme aus der Welt schaffen – und ihnen das Comeback ein wenig versüßen.
Die drei Säulen des Kundenmanagements
Unternehmen können auf drei Arten Umsatz hinzugewinnen, und zwar
- durch loyale Kunden, also solche, die dem Unternehmen und seinen Leistungen emotional verbunden sind, die deshalb immer wieder kaufen und zu aktiven Empfehlern werden
>>> das ist der ergiebigste Weg
- durch neue Kunden, die zum ersten Mal bei einem Unternehmen kaufen
>>> das ist der aufwendigste und kostenintensivste Weg
- durch abgesprungene, also ehemalige Kunden, die zurückgewonnen werden können
>>> das ist der am wenigsten beachtete Weg.
Die Neukunden-Gewinnung ist in vielen Branchen völlig ausgereizt. Die Märkte sind gesättigt. Erstnutzer werden immer seltener. Das Wachsen geht meist nur noch zulasten des Wettbewerbs – und oft über ruinöse Preiszugeständnisse. Auch die Bestandskundenpflege wird zunehmend beschwerlich. Kunden sind informierter, gewiefter und flatterhafter geworden – und eigentlich nie so richtig zufrieden. Klassische Kundenbindungsstrategien funktionieren nicht mehr. Die Wechselbereitschaft ist sozial akzeptiert. Und sie steigt dramatisch. Das neue Phänomen heißt: der flüchtende Kunde.
Da bleibt nur noch die dritte Säule im Kundenbeziehungsmanagement: der verlorene Kundenbestand: ein vielfach tabuisiertes und weitgehend noch unentdecktes Potenzial mit gewaltigen Ertrags-Chancen. Die professionelle Kundenrückgewinnung muss somit stärker in den Brennpunkt rücken. Sie kann sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil entwickeln.
Die drei Säulen des Kundenmanagements:
- Neugewonnene Kunden
- Loyale Bestands-Kunden
- AbgewanderteKunden
In vielen Unternehmen konzentrieren sich die Aktivitäten auf die beiden ersten Säulen. Abgewanderte Kunden sind oft vergessene Kunden.
Der Prozess des Kundenrückgewinnungsmanagements
Das Kundenrückgewinnungsmanagement, im englischen als Customer Recovery bezeichnet, beginnt dort, wo alle Loyalisierungsmaßnahmen erfolglos blieben, wenn also der Kunde die Geschäftsbeziehung offiziell beendet beziehungsweise das Unternehmen stillschweigend verlassen hat. Demnach ergeben sich folgende Ansatzpunkte:
- das Kündigungsmanagement mit dem Ziel des Abwehrens beziehungsweise der Rücknahme von Kündigungen
- das Revitalisierungsmanagement mit dem Ziel der Wiederaufnahme der abgebrochenen beziehungsweise eingeschlafenen Geschäftsbeziehung.
Insbesondere geht es darum, zu erkennen, wer aus welchen Gründen abgewandert ist und wen man wie zurückholen kann und will, um es im zweiten Anlauf besser zu machen. Der Prozess des Rückgewinnungsmanagements lässt sich somit in fünf Schritten darstellen:
- Identifizierung der verlorenen beziehungsweise 'schlafenden' Kunden
- Analyse der Verlustursachen
- Planung und Umsetzung von Rückgewinnungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle und Optimierung
- Prävention beziehungsweise Erzielung einer ‚zweiten Loyalität’
Alle Maßnahmen zielen letztlich auf den fünften Schritt: der Prävention von Kundenverlusten. Und bei den zurückgewonnenen Kunden gilt es, eine ‚zweite Loyalität’ aufzubauen. Eine dritte Chance gibt es so gut wie nie.
- Identifizierung der verlorenen bzw. ‚schlafenden‘ Kunden
- Analyse der Verlustgründe
- Maßnahmen zur Rückgewinnung
- Erfolgskontrolle und Optimierung
- Prävention
Der Prozess des Kundenrückgewinnungsmanagements
Die Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen führt zu Optimierungsaktivitäten in den vorangegangenen Schritten. Alle Erkenntnisse aus diesem Prozess zielen auf präventive Maßnahmen, um zukünftige Kundenabwanderungen zu minimieren beziehungsweise eine ‚zweite Loyalität’ aufzubauen.
Noch besser als verlorene Kunden zu reaktivieren ist es allerdings, erst gar keine zu verlieren. Je länger ein Unternehmen einen rentablen Kunden hält, umso mehr Gewinn kann es durch ihn erzielen. Oberstes Ziel sollte es daher sein, möglichst keinen einzigen profitablen Kunden zu verlieren, den man behalten will.
Die Bedeutung des Kundenrückgewinnungsmanagements
Hohe Fluktuationsraten haben einen verheerenden Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens. Wenn zudem noch die ertragreichsten Kunden wegbrechen, ist das Ende nah. Die Richtigen - also profitable und rückholbare Kunden - zu reaktivieren, hat eine ganze Reihe von Vorteilen:
Ertragsvorteile
Das Abwandern von Kunden ist ein zweifacher ökonomischer Verlust, denn es gehen nicht nur Umsätze verloren. Wegbrechende Kunden erhöhen auch die Kosten für die Neuakquise. So hat Christa Sauerbrey im Rahmen einer Untersuchung in 17 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen festgestellt, das bei über 90 Prozent der Fälle die Kosten der Kundenneugewinnung mehr als doppelt so hoch waren als die für die Kundenrückgewinnung.
Weil die Kundenreaktivierung also vergleichsweise günstiger ist, werden Vertriebsaufwendungen und Werbebudget eines Unternehmens geschont. Daneben steigt vielfach im zweiten Anlauf, wenn er gut gemacht ist, auch der Umsatz. Und der zurückgewonnene Kunde bleibt dem Unternehmen dieses Mal länger treu. So verbessert sich insgesamt die Ertragsstruktur des Kundenstammes und damit letztlich auch der Unternehmenswert.
Loyalitätsvorteile
Die ‚Restloyalität’ aus der ersten Geschäftsbeziehung kann genutzt werden, um eine Reloyalisierung einzuleiten, also eine ‚zweite Loyalität’ aufzubauen. Werden zurückgewonnene Kunden besonders fürsorglich behandelt, lässt sich in ihrem ‚zweiten Leben’ beim Unternehmen oftmals ein höherer Kundenwert erzielen als beim ersten Mal. Denn die emotionale Verbundenheit und damit auch die Kaufbereitschaft eines Kunden steigen schnell, wenn sich das Unternehmen kooperativ mit seinem Fall beschäftigt, die Wichtigkeit des Kunden anerkennt, und wenn es sich für Unachtsamkeiten entschuldigt sowie etwaige Mängel umgehend beseitigt.
Reputationsvorteile
Wer sich um seine abgewanderten Kunden kümmert, wird negative Mundpropaganda eindämmen können. Wenn ein Kunde einem Unternehmen den Rücken kehrt, redet er über die dafür ausschlaggebenden Gründe ja meist mit vielen Menschen. Und nicht nur das. Nicht selten bringt er diese dazu, das Unternehmen ebenfalls zu verlassen. Andererseits beginnt der, der zurückkehrt, mit positiver Mundpropaganda. Denn er muss sich selbst und der Welt ja glaubhaft erklären, weshalb er seine Meinung so offensichtlich geändert hat.
Konkurrenzvorteile
Wer ein aktives Rückgewinnungsmanagement betreibt, erfährt eine Menge Interna über den Wettbewerb. Kunden, auch wenn sie nicht zurückzuholen sind, können erzählen, aus welchen Gründen es ihnen dort besser gefällt. Und zurückgekehrte Kunden schildern, wenn sie klug befragt werden, in allen Einzelheiten, wie es beim lieben Mitbewerber zuging. All dies lässt sich nicht nur in der Neukunden-Akquise, sondern möglicherweise auch bei der Aktualisierung der eigenen Geschäftspolitik sowie bei zukünftigen Rückgewinnungsaktionen prima nutzen.
Wissensvorteile
Misserfolge sind gute Lehrmeister. Und Rückkehrer sind kostenlose Unternehmensberater. Sie sind meist gesprächsbereit und werden ihre Wechselmotive mehr oder weniger offen darlegen. Im Unterschied zu klassischen Kundenzufriedenheitsbefragungen gehen gut gemachte Rückgewinnungsinterviews dabei meist stärker in die Tiefe, um den wahren Gründen für die Beendigung einer Geschäftsbeziehung auf die Spur zu kommen.
Hierdurch kann man eine Menge lernen – wenn man diese mitunter nicht ganz schmerzfreien Lektionen lernen will. Dem Unternehmen bietet sich hierdurch die Chance, Fehlerkosten zu senken und seine Leistungen nicht nur für diesen, sondern auch für alle anderen Kunden zu optimieren. Reklamationen und Abwanderungen können so in Zukunft reduziert werden.
Hoffentlich jedenfalls. Denn noch allzu oft versickern die wertvollen Informationen, die der Vertrieb bei Gesprächen mit Abtrünnigen zusammengetragen hat, in langen Berichten, in dicken Akten und vollen Datenbanken. Leider gelangen sie nicht immer dorthin, wo sie Gutes bewirken könnten: im Kundendienst, in der Produktion, im Marketing, im Einkauf sowie in Forschung und Entwicklung. Und genau darin liegt die einzige Gefahr, die im Rückgewinnungsmanagement lauert: Durch unprofessionelles Vorgehen die Kunden nun endgültig und auf immer und ewig zu vergraulen.
Fazit
Je länger ein Unternehmen einen rentablen Kunden hält, umso mehr Gewinne kann es durch ihn erzielen. Oberstes Ziel sollte es daher sein, keinen einzigen Kunden zu verlieren, den man behalten will. Hohe Kundenloyalität und niedrige Abwanderungsraten sichern den dauerhaften Geschäftserfolg. Das systematisch betriebene Kundenrückgewinnungsmanagement ist ein äußerst wirkungsvoller Baustein auf dem Weg zu diesem Ziel.
Buchtipps
Come back! Wie Sie verlorene Kunden zurückgewinnen [32]
Effiziente Kundenrückgewinnung - Die 25 wertvollsten Erfolgsrezepte für das Rückgewinnen verlorener Kunden [33]
Kundenkontakt: Kunden werden immer aggressiver
Waren es 2008 noch 2,6 Prozent an Waffenbedrohungen, so sind es 2010 bereits 3,3 Prozent. Der Anteil an körperlichen Angriffen liegt derzeit bei 9,1 Prozent. Aktuell glauben 54 Prozent der Unternehmen an eine zunehmende Gewaltbereitschaft der Kunden, 2008 waren es lediglich 49 Prozent.
Bei den auftretenden Konfliktsituationen spielt das Geschlecht des Beschäftigten nur eine untergeordnete Rolle: Männer und Frauen sind gleichermaßen von Auseinandersetzungen betroffen. Auffällig ist allerdings, dass Konflikte vor allem spontan entstehen und somit sind hauptsächlich persönliche oder telefonische Kontakte betroffen. Im schriftlichen Kontakt wären Konflikte eher selten.
Der Umgang mit Auseinandersetzungen ist für Beschäftigte nicht einfach, weshalb gegenwärtig knapp ein Drittel der Unternehmen vermehrt auf Schulungsmaßnahmen und Mitarbeitergespräche setzen. Ebenso etablierten mittlerweile rund 20 Prozent der Unternehmen Sicherheitsdienste.
Fazit der Studie: Das Thema „Aggression und Gewalt im Kundenkontakt“ wird zunehmend wichtiger und Unternehmen sollten ihre Servicestrategien auf die Vermeidung von Konflikten auslegen.
Hinweis
Im Rahmen des Studienprojektes „Aggression und Gewalt im Kundenkontakt“ untersuchten Studierende des Fachbereichs Wirtschaft der Hochschule Darmstadt, unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Neu, die Gewaltbereitschaft von Kunden im Umgang mit Beschäftigten aus Kundenservicebereichen von Unternehmen. 102 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, wie Finanzwesen, Telekommunikation oder Gesundheitswesen haben an der zweimonatigen Umfrage teilgenommen.
Weiteres zum Thema finden Sie hier:
Kundenservice am Telefon: Bei nervigen Kunden einen kühlen Kopf bewahren [34]
Quelle: Hochschule Darmstadt
Telefonverkauf: So bleibt der Kunde am Hörer
Was unterscheidet diese erfolgreichen Anrufer von der Masse der Telefonverkäufer? Zunächst einmal gilt auch beim Telefonverkauf die goldene Verkaufsregel: Erst Beziehungsaufbau, dann Verkauf! Das muss natürlich am Telefon ungleich schneller gehen, als im persönlichen Gespräch. Was fördert diesen Beziehungsaufbau? Jeder Telefonverkäufer sollte sich darüber klar sein, dass er grundsätzlich stört, also erst einmal im „Beziehungsminus“ anfängt.
Deswegen muss der erste Eindruck absolut passen: Zunächst einmal eine freundliche, verständliche Namensnennung (empfehlenswert Vor- und Zuname) und positive Atmosphäre schaffen: „Schön, dass ich Sie erreiche...“ etc. Wichtig ist hier aber eine gewisse Natürlichkeit und Echtheit – auswendig gelernte Standardfloskeln sind negativ.
Meiner Meinung nach sollten wir den Gesprächspartner fragen, ob er Zeit hat. Dabei sind aber Negativformulierungen wie „störe ich Sie?“ zu vermeiden. Besser sind positive Formulierungen: „Haben Sie einen Augenblick Zeit für mich?“ Jetzt folgen eine kurze Bezugnahme und der Grund, warum ich anrufe. Bezugnahme ist ein vorangegangenes Mailing, ein Besuch, eine Empfehlung. Beim Grund des Anrufs empfiehlt sich die sogenannte „Salamitaktik“. Dies ist eine Unterform der Alternativfragetechnik. Wir fragen nicht: „Ich rufe an, um Ihnen unsere neue Aktienanlageform vorzustellen, interessiert Sie das?“ Hier denkt unser Gesprächspartner in „ja oder nein“? Besser ist: „Ich rufe Sie an, wegen unserer neuen Anlageformen in Aktien oder in festverzinsliche Papiere. Was interessiert Sie hieran besonders?“ Hier denkt unser Gesprächspartner eher in Richtung „oder“.
Egal, wie Sie diese Gesprächseröffnung durchführen: Beziehen Sie Ihren Gesprächspartner möglichst schnell in das Gespräch mit ein. Ihre Eröffnung sollte maximal 20 Sekunden dauern. Spätestens dann stellt der Gesprächspartner auf Durchzug und Sie erreichen ihn nicht mehr. Verwenden Sie dazu offene Fragen, um Ihren Gegenüber auch zum Reden zu bringen. Offene Fragen sind die „W-Fragen“, auf die der Andere nicht mit einem Wort antworten kann. „Was interessiert Sie im Anlagebereich besonders?“ Bis hierhin entscheiden 5 Dinge über Erfolg und Misserfolg beim Anruf:
- Positive Ausstrahlung
- Natürlichkeit und Echtheit
- Verständlichkeit der Vorstellung
- Kurz fassen
- Einbeziehen des Gesprächspartners maximal nach 20 Sekunden
Das A und O zu Gesprächsbeginn ist es, den Gesprächspartner in das Gespräch einzubinden. Wie immer Sie das tun, bleibt Ihnen überlassen. Ich kenne Telefonakquisiteure, die ihren Gegenüber überraschen, sodass dieser nachfragt. Beispiel (direkt nach der Vorstellung): „Ich rufe Sie an, weil ich gerne einen Termin mit Ihnen vereinbaren würde!“ Das ist ehrlich, aber doch überraschend. In der Regel fragt der Kunden dann, um was es geht. Also zeigt er erstes Interesse und ist im Gespräch dabei. Jetzt beginnt unser Gegenüber zu überlegen, welchen Nutzen er von diesem Telefonat hat. Hierauf sollte er unaufgefordert erste Antworten bekommen.
Dabei muss sich der Nutzen sowohl auf das Produkt, als auch auf den Anruf als solchen beziehen. Beispiel: „Ich rufe Sie heute an, um Ihnen den Weg in Ihre Bankfiliale zu ersparen, gleichzeitig aber die Auswahl anzubieten, die Sie bei einem persönlichen Bankbesuch erwarten.“ Oft erhalten Sie jetzt relativ schnell einen Einwand. Das ist auch nicht verwunderlich. Ihr Gegenüber weiß fast nichts vom Produkt, kennt Sie kaum. Dieser erste Einwand ist die 2. wichtige Hürde des Telefongesprächs. Jetzt nicht falsch reagieren! Kein Eingeschnappt sein, keine Gegenargumente kein „Überreden-wollen“ des Kunden. Hilfreich ist immer, Verständnis für den Einwand zu artikulieren und eine weiterführende Frage zu stellen. In der Regel kommen an dieser Stelle immer die gleichen Einwände: „Brauche ich nicht, habe keine Zeit oder schicken Sie mir Unterlagen zu!“ Auf diese Einwände kann man sich gut vorbereiten. Wenn Sie einen Termin vereinbaren wollen, bitte Vorsicht mit der „plumpen“ Alternativfragetechnik: „Passt es Ihnen am Montag oder Dienstag besser?“ Diese Technik kennt mittlerweile fast jeder. Etwas abgewandelt klingt es schon besser: „Was halten Sie von der 34. oder 35. KW? Welcher Tag passt Ihnen hier?“
Zum Abschluss des Gespräches immer positive Stimmung aufrecht erhalten, egal ob Sie Erfolg hatten oder nicht. Für das Gespräch bedanken und die nächsten Schritte vorbereiten. Beispielsweise bei Ablehnung: „Danke für das Gespräch, darf ich Sie bei Gelegenheit wieder anrufen, wenn wir neue Informationen für Sie haben?“ Hier bekommt man eher ein „Ja“ – und schon hat man einen Aufhänger für den nächsten Anruf! Selbstverständlich gelten diese Regeln nur im Bereich der erlaubten Telefonakquise. Sogenannte „Kaltakquise“ (also nicht ausdrücklich erwünschte Anrufe) ist bei Privatpersonen gesetzlich verboten. Möglich ist sie im Firmenkundenbereich oder bei Privatpersonen, wenn sie vorher vom Angerufenen genehmigt wurde.
Verkaufsorientiert: Was Projektmanagement mit Sales zu tun hat
Am Ende des Prozesses steht in allen Unternehmen der erfolgreiche Verkaufsabschluss. Wenn diese allgemeingültige Erkenntnis in einem Betrieb konsequent umgesetzt wird, dann muss sich auch jeder einzelne Mitarbeiter und jedes einzelne Projektteam auf den erfolgreichen Abschluss konzentrieren. Bei jedem Projekt muss gefragt werden, was hat der Vertrieb davon und was verkaufen wir dadurch zusätzlich, neu oder anders?
Gerade die Projektleiter müssen deshalb wissen, wie die eigene Projektfunktion im Gesamtsystem auf den Verkauf wirkt. Projekte um des Projektes Willen haben keinen Sinn und sind nicht zielführend. Gutes Projektmanagement hat drei Aspekte:
- einen strukturellen,
- einen kommunikativen und
- einen technischen.
Allzu oft werden aber die technischen Aspekte überbetont und die strukturellen und kommunikativen kommen zu kurz. Am Ende nutzt das aber dem Verkauf nichts. Wichtig ist die Kommunikation hin zu einem funktionierenden Team als Teil einer vertriebsorientierten Gesamtstruktur.
Diese Kompetenz zeichnet moderne Projektleiter aus. Sie verfügen über systemisches Denken, kommunikatives Geschick sowie technische und menschliche Kompetenzen. Das sind genau die Tugenden und Talente, die man auch von einem erfolgreichen Verkäufer erwartet. Am Ende ist eben auch Projektleitung Verkauf. Kommen das Wissen über Vertrieb und die klassischen Instrumente des Projektmanagements zusammen, dann sind sowohl die Projekte als auch die Unternehmen als Ganzes erfolgreicher. Es steht daher fest, dass sich Projektteams und Verkauf annähern und gegenseitig fortbilden sollten. Von guten Verkäufern kann jeder im Betrieb lernen. Denn sie machen den Erfolg aus.
Kundenbindung: Das Flirten von Kunden mit Mitbewerbern verhindern
Der Kunde und der Verkäufer kennen sich seit Jahren. Die Beziehung ist gut, die Atmosphäre angenehm. Doch plötzlich kauft der Kunde bei der Konkurrenz. Und der enttäuschte Verkäufer fragt sich fassungslos: „Wie konnte das geschehen? Es war doch alles wie immer.“ Richtig, und genau hier lag das Problem.
Für Liebesbeziehungen gilt: Wenn alles wie immer läuft, haben „Nebenbuhler“ leichtes Spiel. Ähnlich verhält es sich bei Kunden. Denn ganz gleich, wie gut die Beziehung zwischen einem Käufer und einem Verkäufer ist, insgeheim stellt jeder Kunde für sich immer wieder die Kosten-Nutzen-Rechnung an: Was bringt mir das Ganze, und was muss ich dafür bezahlen? Stellt er dann fest: In unserer Beziehung sind zwar alle Abläufe eingespielt, aber neue Impulse gehen von ihr nicht aus, dann macht sich in ihm eine latente Unzufriedenheit breit. Dann ist der Gedanke an ein „Fremdgehen“ nicht mehr weit – insbesondere dann, wenn „Nebenbuhler“ mit neuen Ideen und mehr Schwung vor der Tür stehen.
Nicht in der Routine erstarren
„Same procedure as every year.“ Dieser Satz im Film „Diner for one“ erheitert in der Silvesternacht regelmäßig die Fernsehzuschauer. Schleicht er sich jedoch in die Gedanken eines Kunden ein, ist die Beziehung zu ihm schnell vergiftet. Und oft merken Verkäufer die Vergiftung erst, wenn der Kunde bereits eine tödliche Dosis geschluckt hat. Doch wie können Verkäufer eingefahrenen Kundenbeziehungen neues Leben einhauchen? Durch aufwändige Kundenbindungsprogramme? Hier ist Vorsicht angesagt!
Vielleicht kennen Sie die Geschichte von der jungen Frau, die von drei Männern umgarnt wird: Der erste Verehrer lädt sie zu einer Opernpremiere ein, der zweite in ein Sterne-Restaurant zu Champagner und Kaviar. Und der dritte? Er verbringt mit der Angebeteten den Abend im Kino – bei Popcorn und Cola. Und für welchen Verehrer entscheidet sich die junge Frau? Richtig, den dritten. „Denn nur er fragte mich nach meinen Wünschen.“
Wunschdetektiv werden
Fragen Sie also Ihre Kunden nach ihren Wünschen. Denn sie sollen sich wohlfühlen. Sie sollen zufrieden und begeistert sein. Wenn Sie wissen, was Ihre Kunden begeistert, können Sie Schritt für Schritt darauf hinarbeiten, dass sich eine immer engere, auch emotionale Beziehung zwischen Ihnen und Ihren Kunden entwickelt.
Schritt 1: Tun, was der Kunde erwartet
Vielleicht sagen Sie: Woher soll ich wissen, was mein Kunde erwartet? Dann stellen Sie sich einfach folgende Fragen:
- Was haben wir dem Kunden versprochen – zum Beispiel in unserer Werbung? Bei unseren Treffen? Unter anderem hinsichtlich Produkt, Service, Konditionen?
- Wie hat er unsere (Werbe-)Aussagen verstanden?
- Was erachtet er als selbstverständlich? Zum Beispiel, weil dies auch die Mitbewerber tun?
- Welche Erwartungen erfüllen wir nicht? Wo haben wir Schwachstellen? Zum Beispiel bei der telefonischen Erreichbarkeit? Beim Einhalten von Zusagen?
Vielleicht denken Sie: „Welch’ Banalitäten“. Doch Vorsicht! Prüfen Sie, ob alles, was Sie als „gut“ erachten, von Ihrem Kunden auch so erlebt wird. Denn aus Ihrem Privatleben wissen Sie: Ist eine Beziehung erst einmal angeknackst, genügt es nicht, dem Partner eine Rose zu überreichen, um diese wieder zu kitten. Hierfür ist mehr Zeit und Engagement nötig. Dasselbe gilt für Kundenbeziehungen.
Das Erfüllen der Erwartungen ist „Pflicht“. Das wissen auch Ihre Mitbewerber. Warum soll der Kunde also Ihnen treu bleiben, wenn Sie nur Ihre Pflicht erfüllen? Was macht ihn dann immun gegen die „Verlockungen“ der Konkurrenz? Spulen Sie also nicht nur das Pflichtprogramm ab. Gönnen Sie Ihrem Kunden die „Kür“.
Schritt 2: Tun, was der Kunde sich wünscht, aber nicht erwartet
Erfüllen Sie die unausgesprochenen, geheimen Wünsche Ihrer Kunden. Diese Forderung ist leicht gestellt. Doch wie kann man diese Wünsche erkunden? Fragen Sie sich zunächst selbst, was Sie als Kunde „spitze“ fänden. Dann kommen Ihnen gewiss neue Ideen, wie Sie Ihre Kunden eventuell beglücken könnten? Doch Vorsicht! Sie sind nicht der Kunde. Fragen Sie sich deshalb nach der Ideensammlung:
- Worüber freut sich der Kunde x oder y, gerade weil er es nicht erwartet?
- Welche (Zusatz-)Leistungen bieten ihm einen (geldwerten) Vorteil und „kosten“ uns (fast) nichts?
- Für welche Leistungen ist der Kunde eventuell sogar bereit, Geld zu bezahlen, weil sie ihm das Leben erleichtern?
Sie haben alle Erwartungen Ihres Kunden erfüllt. Und zudem haben Sie ihm zum Beispiel aufgrund Ihrer Serviceleistungen einen unerwarteten Zusatznutzen geboten. Dann denken Sie vielleicht: Wunderbar, jetzt ist alles in Butter. Das ist gefährlich! Denn Menschen gewöhnen sich schnell an „schöne Dinge“. Und rasch betrachten Sie deren Besitz als normal. Die Folge: Wenn Sie dem Kunden beim nächsten Mal denselben Service bieten, ist er nicht mehr überrascht. Er erachtet ihn als normal – und erwartet ihn ganz selbstverständlich. Deshalb kann zu viel Service schnell zu einer Falle werden.
Schritt 3: eine persönliche, emotionale Beziehung aufbauen
Was ist der Ausweg, wenn stets mehr (kostenloser) Service letztlich meist in eine, auch betriebswirtschaftliche Sackgasse führt? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, sollten Sie sich zum Beispiel fragen: Was denke ich, wenn in einem Kaufhaus ein Verkäufer, während er mich berät, immer wieder mit einem Kollegen plappert? Vermutlich: Kann der mir nicht einmal fünf Minuten seine volle Aufmerksamkeit schenken? Und was denken Sie, wenn ein Vertreter Sie zwar umgarnt, aber immer wieder zum Beispiel vergisst, dass Sie verheiratet sind und drei Kinder haben? Vermutlich: Allzu groß scheint sein Interesse an meiner Person nicht zu sein.
Und was denken Sie, wenn Sie sich mit einem Problem an den Kundendienst eines Unternehmens wenden, und dieser Sie zunächst nach Ihrer Kundennummer fragt und Sie anschließend mit irgendwelchen allgemeinen Informationen, die Ihnen kaum weiterhelfen, abspeist? Vermutlich: Bei denen bin ich nur eine Nummer unter vielen; ich sollte den Anbieter wechseln. So reagieren die meisten Menschen. Denn wenn wir das Gefühl haben, eine Person oder Organisation, interessiert sich nicht auch für uns als Mensch, kratzt dies an unserem Selbstwertgefühl.
Ebenso ist dies bei Ihren Kunden. Auch sie wollen nicht nur als Umsatzbringer gesehen und behandelt werden. Sie wollen als Mensch wahr- und ernstgenommen werden. Deshalb suchen sie die Nähe von Verkäufern, der ihnen die gewünschte Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken.
Daraus folgt: Sie dürfen als Verkäufer kein „Beziehungstechnokrat“ sein, der die Beziehungen zu seinen Kunden nur verwaltet. Sie müssen die persönlichen Beziehungen pflegen und den Kontakt mit ihnen bewusst gestalten. Fragen Sie sich einmal:
- Was wünsche ich, wenn ich ein Geschäft betrete? Wann bin ich von einem Verkäufer total begeistert?
- Wann habe ich das Gefühl, dass ein Verkäufer mich nicht nur als Umsatzbringer betrachtet, sondern mich auch als Mensch wahrnimmt?
- Wann bin ich bereit, meine Wünsche und Bedürfnisse, Sorgen und Nöte einer anderen Person anzuvertrauen und ihren Empfehlungen zu folgen?
Die Antworten auf diese Fragen müssen Sie nur auf Ihre Kundenbeziehungen übertragen! Doch erneut Vorsicht! Sie sind nicht der Kunde. Deshalb können die Faktoren, an denen der Kunde zum Beispiel misst,
- ob Sie ihm Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken,
- ob Sie ihn auch als Person wertschätzen,
- ob Sie ihn mit seinen, auch emotionalen Bedürfnissen ernst nehmen,
durchaus andere als Ihre sein.
Der aktivste und attraktivste „Verehrer“ sein
Beinahe jedes Unternehmen hat heute Mitbewerber. Also haben Sie als Verkäufer auch „Nebenbuhler“, die Ihre Kunden umgarnen. Schauen Sie nicht zu, wie Ihr Kunde mit ihnen flirtet. Werden Sie vielmehr aktiv und geben Sie Ihrer Beziehung regelmäßig neue Impulse, damit Sie ein attraktiver Partner bleiben.
Zum Lächeln verpflichtet: Mit Emotionen loyale Kunden gewinnen
„Lächeln am Telefon …“ , in 1001 Telefontrainings wird dies gebetet und wie oft schon haben wir unsere Mitarbeiter darauf hingewiesen. Wir haben ihnen den berühmten Spiegel hingestellt, in den sie hineinschauen sollen, bevor sie mit dem Kunden sprechen. Ich selbst war vor etwa 20 Jahren eine der Ersten, die propagierte, dass das Lächeln vom Gesprächspartner gehört wird. Ich habe dazu in Seminaren und Veröffentlichungen aufgefordert. Dies hindert mich jedoch nicht daran, heute kritisch zu hinterfragen: Was fordern wir von den Mitarbeitern da eigentlich? Und wie können Mitarbeiter diesen Anforderungen wirklich entsprechen?
Es wird viel gefordert von den Mitarbeitern
In der folgenden Geschichte macht eine Stewardess einem Passagier die Tragweite seines Service-Wunsches anschaulich bewusst. Der Passagier lobt sie für ihre Bedienung und fragte sie dann, ob sie dazu auch noch lächeln könne. Sie antwortet ihm: „Gerne mache ich dies, wenn Sie ebenfalls lächeln“. Das tut der Passagier dann auch, und als er in seinem Gesicht das Lächeln zeigt, sagt sie zu ihm: „So und jetzt bleiben Sie bitte so 10 Stunden lang ...!“Wer fragt sich eigentlich, wie es die Stewardess schafft, auf dem 10-stündigen Flug eine Vielzahl von unterschiedlichsten Personen mit diversen Erwartungen, auf beengtem Raum gleichbleibend freundlich zu bedienen – und sogar bei respektlosem und rüdem Verhalten von Passagieren gelassen zu bleiben?
Es ist ja nicht nur das Lächeln, wir fordern ja mehr! Wir geben den Mitarbeitern den Auftrag, ihre Emotionen einzubringen, gut gelaunt zu sein, auf den Kunden einzugehen, seine Bedürfnisse zu erkennen, zuzuhören, Beziehungen zu gestalten und seine eigenen Emotionen in Griff zu haben.
Natürlich mit einem pragmatischen Ziel, nämlich den Kunden an das Unternehmen zu binden, wir wollen, dass der Kunde weiterhin kauft und uns weiterempfiehlt. Die Emotionsarbeit der Mitarbeiter ist zweckgebunden: Das Unternehmen will mehr Umsatz machen, den Profit erhöhen! Und positive Gefühle werden dem Kunden als Service versprochen - bei einer Bank in Deutschland zum Beispiel kann er diese heute sogar einklagen.
Das kundenfreundliche Verhalten ist richtige Arbeit für die Mitarbeiter, meist sogar emotionale Schwerstarbeit. Es wird erwartet, dass die Mitarbeiter ihre Gefühle bewusst gestalten, dass sie Gefühle unterdrücken und Gefühle bei sich selbst hervorrufen können. Deshalb ist Kundenorientierung auch nicht eine Managementaufgabe wie jede andere.
Emotional beteiligt sein und dabei Distanz wahren
Oft werden für den Service und die Callcenter schon Mitarbeiter ausgesucht, von denen man glaubt, dass sie ihre Gefühle einbringen und auf den Gesprächspartner eingehen können. Empathie ist da eine viel strapazierte Fähigkeit im Anforderungsprofil. Was ist aber Empathie wirklich? Carl Rogers, der Altmeister der Gesprächstherapie definiert diese wie folgt:
„Die private Welt des Klienten so zu spüren, als ob es die eigene wäre, ohne jemals das 'als ob' zu verlieren.“
Dieser zweite Teil des Satzes wird oft vergessen, wobei darin gerade die Kunst liegt: Nämlich sich in den Kunden und seine Situation einfühlen zu können und gleichzeitig genügend emotionale Distanz zu halten, um selbst von den Problemen nicht belastet zu werden. Je mehr die Mitarbeiter natürlich mit schwierigen Problemen zu tun haben wie Reklamationsbehandlung, umso wichtiger wird diese Fähigkeit.
Ein weiteres Beispiel: Mitarbeiter der gehobenen Gastronomie oder Touristik müssen aushalten können, dass sie Produkte verkaufen, die sie sich selbst vielleicht nie leisten können. Da droht zum Beispiel der Kunde eines Luxusliners seine Kreuzfahrt für 20.000 Euro zu stornieren, weil der Business Class Flug von München nach Hamburg nicht klappt. Hier kommt es dann darauf an, in eine ganz andere Welt, nämlich die des Kunden einsteigen zu können und diese zu respektieren.
Gefühlsarbeit kann auch negative Folgen haben
Meine These ist, für diese professionelle Gefühlsarbeit wird den Mitarbeitern noch zu wenig Unterstützung gegeben. Deshalb sind die meisten Kontakte noch viel zu sachlich, noch viel zu abwicklungsorientiert.
Die sachliche Abwicklung der Dienstleistung reicht allerdings nicht. Kunden sind heute anspruchsvoll, sie wollen Wertschätzung spüren und echten Service erleben. Beziehungsmanagement findet nicht in irgendeinem CRM-System statt, sondern an der Schnittstelle zum Kunden (neudeutsch: „Customer touch points“) werden Beziehungen geknüpft und ausgebaut.
Wir haben ja festgehalten, dass in dieser professionellen Gefühlsarbeit das mit der Empathie schon nicht so einfach ist, wie es immer daher gesagt wird. Für "Emotionsarbeiter" gibt es noch eine zweite Herausforderung: Was ist, wenn das gerade geforderte Gefühl, zum Beispiel gute Laune, nicht mit dem aktuell empfundenen, gelebten Gefühl übereinstimmt (zum Beispiel wegen Sorge um etwas Privates, oder Ärger über das kurz angebundene Verhalten eines Kunden)?
Diese „Dissonanz“ erzeugt extremen Stress für den Mitarbeiter, vor allem dann, wenn dieser Missklang der Gefühle nicht wirklich bewusst ist und im emotionalen Untergrund schwelt. Bewährte und in der Praxis immer wieder zu finden. Bewältigungsmechanismen sind: Ein Gespräch wird routiniert „abgespult“, zum Beispiel „... und Ihre Kundennummer bitte?“, meist immer in derselben Tonlage. Oder es wird über Kunden hergezogen “Da war schon wieder der Meckersack dran …“ heute ist Vollmond, da sind alle Kunden wieder unausstehlich …“ und so eine negative Grundstimmung im ganzen Team erzeugt, die zwar hilft, sich abzureagieren, aber eine positive Einstellung zu den nächsten Kontakten fast unmöglich macht.
Es gibt auch Mitarbeiter, die sich extrem mit ihrer Rolle identifizieren, sodass sie die Dissonanzen gar nicht wahrnehmen wollen und können. Die Gefahr dieses zu hohen Commitments ist das zu tiefe Eintauchen in die Probleme, was zu Burn-out führen kann. Viele Mitarbeiter schaffen es auch die gewünschten positiven Gefühle zu zeigen, auch wenn es ihn gerade anders geht. Wenn diese von ihnen selbst nicht als negativ bewertet werden, dann hat dies für den Mitarbeiter keine schlechten Folgen. Allerdings bemerken die immer anspruchsvollen Kunden dieses Vorspielen teilweise und reagieren dann wiederum besonders kritisch.
Was kann man tun, um den emotionalen Anforderungen gerecht zu werden?
Stress entsteht, wenn man meint, Herausforderungen nicht bewältigen zu können. Besser ist es also emotionale Ressourcen aufzubauen, um die eigene Befindlichkeit selbst positiv beeinflussen zu können. Solche Ressourcen sind:
- Anerkennung – nur ein Mitarbeiter der selbst Respekt, Wertschätzung und Anerkennung erlebt, kann diese dem Kunden gegenüber ehrlich entgegenbringen.
- Viele gute Erlebnisse mit Kunden – oft werden nur die schlechten erzählt. Tipp: Lassen Sie eine Smiley Auswertung der Gespräche erstellen, die Mitarbeiter werten nach jedem Gespräch die Stimmung aus und machen bei dem entsprechenden Smiley einen Strich. So machen Sie die hohe Anzahl von positiven Kontakten im Vergleich von relativ wenig negativen Kontakten bewusst.
- Grad des Handlungsspielraums – Die Mitarbeiter agieren freier, wenn sie nicht vollends in Prozesse und Vorgaben eingezwängt sind.
- Zufriedenes privates Umfeld (Work-Life-Balance) - ein Mitarbeiter geht gelassener mit seinen Gefühlen um, wenn er zufrieden ist, wenn er gelernt hat, an sich zu denken und auf sich aufzupassen.
- Verständnis des Managements! – das Grundlegende, allein die Anerkennung der emotionalen Arbeit ist schon eine Erleichterung und Wertschätzung der Mitarbeiter.
- Vorgabe von Grenzen – wann können Gespräche/Kunden an Kollegen oder Vorgesetzte abgegeben werden, was sind die Grenzen für das Verhalten des Kunden?
Wenn Mitarbeiter aus diesen Ressourcen schöpfen können, fällt es leichter aus den gerade gelebten Gefühlen die geforderten zu machen, sich also emotional selbst zu regulieren.
Zusammenfassend sind es vier wesentliche Hebel, die den Mitarbeitern helfen, ihre Gefühle in Griff bekommen können.
- Bewusste körperliche Entspannung – vom Durchatmen über die „Wohlspannung“ bis zur Meditation – mit dem Ziel, aggressive Gefühle (Ärger, Wut) zu lösen, sowie um innere Ruhe in schwierigen Situationen bewahren zu können.
- Selbstreflexion: Feststellen der Dissonanzen – denn dies ist der erste Schritt, mit diesen umzugehen.
- Konzentration auf den Kunden, den Menschen – wie der Handwerker, der sein Produkt nicht fallen lassen darf. Tipp: Im Telefonat sagt der Kunde das Wichtigste im ersten Satz, also volle Konzentration auf den Anfang eines Kontaktes!
- Positive Gefühlserinnerung hervorrufen / verankern – Dies ist die hohe Schule der Selbstregulierung, nämlich sich positive Situationen vorzustellen und diese Gefühle in die aktuelle Situation hineinzunehmen.
Professionelle Gefühlsarbeit lässt sich lernen und trainieren. Es braucht nur neue Lernziele und entsprechende Trainerqualifikation. Diese Ziele sind:
- Bewusst machen des emotionalen Auftrags „zum Lächeln verpflichtet
- Rollenreflexion: Die berufliche Herausforderung
- Das Umfeld, in dem Emotional Power stattfinden kann
- Die Bedeutung der Wahrnehmung des anderen
- Durch Einfühlungsvermögen zum lebendigen Dialog
- Emotionale Impulse setzen (moments of surprise)
- Achtsamer Umgang mit sich selbst und eigene Grenzen
- Sich in einen guten emotionalen Zustand versetzen
- Körperliche Entspannung: Lernen von „Wohlspannung“
Können wir uns dies den überhaupt leisten, kostet es uns nicht zu viel Zeit? Dies ist ein Einwand, der an dieser Stelle immer wieder kommt. Das Gegenteil ist der Fall. Menschen, die sich verstehen, bewältigen Dinge viel einfacher als solche, deren Beziehung nicht stimmt. Wir haben in Telefonaten nachgewiesen: Fühlt sich der Kunde verstanden, sind die Gespräche eher kürzer!
Wird ein Kunde zu sachlich behandelt, ist er anfälliger für eine Missstimmung, es kommt zu Missverständnissen, Rechtfertigungen, versteckten Botschaften, sogar zu gegenseitigen Angriffen. In einer guten Beziehung ist die Problemlösung oder der Verkauf einfach die logische Folge eines Gesprächs. Die Rendite ist der loyale Kunde, der gerne wieder kauft und das Unternehmen weiter empfiehlt, sowie der zufriedene Mitarbeiter, der ohne Stress arbeitet und Freude an der Beziehung zum Kunden hat.
Hinweis
Weiteres zum Thema finden Sie hier:
Kundenservice am Telefon: Bei nervigen Kunden einen kühlen Kopf bewahren [35]
Verkaufsgespräch: Mit der richtigen Sprachstruktur überzeugen
Viele Verkäufer brennen vor positiver Energie und überrennen, wenn auch meistens unbewusst und ungewollt, so oftmals ihre Kunden. Gegen eine grundsätzlich positive Energie ist im Verkauf nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Allerdings sollte sie wohltemperiert und gezielt verwendet werden. Starten Verkäufer immer wieder mit blindem Elan in Verkaufsgespräche, werden sie mit ihren Kunden unliebsame Überraschungen erleben: Die Ablehnung wächst in dem Maße wie die Abschlüsse sinken. Irrtümlich meint der Verkäufer, vielleicht einfach nur noch mehr Energie einbringen zu müssen… dabei wäre das Gegenteil viel ratsamer!
Die Kraft der Vorstellung – nach innen
Prägende Bilder aus unserer Vergangenheit sind ausschlaggebend für das Handeln und Steuern unserer Emotionen im Verkauf. Und eben diese Emotionen bewegen oft den Kunden wesentlich mehr als logische Fakten, die er von jedem anderen Anbieter ebenso erhält. Bevor es zum Kundengespräch kommt oder ein neues wichtiges Projekt ansteht, sollte der Verkäufer sich in Ruhe folgende direkte und unumgängliche Fragen stellen: „Worauf bin ich stolz in meinem Leben?“, „Wofür bin ich dankbar?“ Die Kraft der Vorstellung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Verkauf. Kunden merken sofort, wenn etwas nicht stimmt und reagieren darauf mit Skepsis.
Nur in einem ausgewogenen und zufriedenen Zustand gewinnen Verkäufer Kunden im Nu für sich. Mit Leidenschaft und Lust bekommen Verkäufer eine überzeugende Aura. Sind diese authentisch und schwingen sich positiv ein, präsentieren Verkäufer auch ein ausgeglichenes Bild nach außen. Genau diese Kontrolle der eigenen Zustandswelt ist für ein überzeugendes Auftreten gegenüber dem Kunden unerlässlich. Außerdem können Verkäufer auf dieser Basis ihre Gedanken besser strukturieren, das Wesen des Kunden leichter verstehen, schon im Vorfeld scheinbare Unsicherheiten klären, das Produkt in geeigneter Weise präsentieren und dadurch den Kunden im direkten Gespräch leichter überzeugen.
Die Kraft der Vorstellung – nach außen
Imaginäre Bilder helfen nicht nur dem Verkäufer, sich selbst besser zu verstehen, sondern auch Kunden gezielter anzusprechen. Hinter unserem Handeln liegen tief sitzende und prägende Bilder, hinter diesen Bildern stecken Gefühle und hinter diesen Gefühlen wiederum Werte – Werte, hinter denen sich unbewusst alles verbirgt, was den Kunden zum Handeln bewegt. Diese Gedankenwelt zu steuern ist nicht einfach und in beiden Fällen, ob bei sich selbst oder im Umgang mit Kunden, ein komplexes Thema. Wer als Verkäufer allerdings die Vorstellungskraft seines Kunden aktivieren kann, Bilder im Kopf anschaulich lebendig werden lässt, hat im Verkauf enorme Vorteile. Folgende zwei Stepps bauen dabei logisch aufeinander auf:
- Stellen Sie Ihrem Kunden die richtigen Fragen, und er wird schon jetzt fühlen, hören und sehen, wie er das Produkt in Händen hält, es benutzt und davon profitiert.
- Bringen Sie Ihren Kunden nun dazu, aus der eigenen Perspektive genau zu schildern, was er mit dem Produkt alles machen kann, wie und wann er es erfolgreich einsetzt.
Qualität der Fragen steigert Quantität der Abschlüsse
Der Kunde muss das Gefühl haben beziehungsweise entwickeln, dass er schon heute im Besitz des Produktes ist. Er muss sich selbst, wie in einem Film, in der Zukunft sehen, wie er mit dem Produkt umgeht. Verkäufer, die auf diese Weise in die Denkstrukturen ihrer Kunden eintauchen, haben ein leichtes Spiel im Verkauf. Die drei folgenden Stepps geben den nötigen strukturellen Rahmen für ein optimales Verkaufsgespräch:
1. Konsequenz aufzeigen
Kunden möchten verständlicherweise eine optimale Lösung erhalten. Verkäufer können mit dem Faktor Konsequenz auf anschauliche Art und Weise Vertrauen beim Kunden aufbauen. Hier ist nicht nur die perfekte Gelegenheit, das Produkt in vollem Glanz erstrahlen zu lassen, sondern auch, dem Kunden klar und deutlich zu vermitteln, mit welchen Konsequenzen er rechnen muss, wenn er nicht kauft:
- Das heißt …?
- Das bedeutet für Sie …?
- Das führt dazu …?
2. Positive Absicht demonstrieren
Einmal mehr lautet die Devise im Verkaufsgespräch: Zuhören! Was strebt der Kunde an? Welche positive Absicht verfolgt er? Nur wenn der Verkäufer auf eventuelle Bedenken und Anmerkungen des Kunden eingeht, fühlt sich der Kunde gut aufgehoben und sicher. Ein guter Grundpfeiler, um auch Einwände in positive Absichten umzuwandeln:
- Ihre Absicht ist also …?
- Sie möchten also …?
- Ihr Wunsch ist …?
3. Hierarchie der Werte veranschaulichen
Welcher Wert ist für den Kunden der höchste? Durch Fragen kann der Verkäufer ein neues Ziel definieren, das für den Kunden evtl. sogar einen höheren Wert hat als das, das er ursprünglich angestrebt hat:
- Ist es nicht besser …, als …?
- Ist es nicht schöner …, anstatt …?
- Ist es nicht nützlicher …, als …?
Wichtig ist in allen drei Bereichen die Qualität der Fragen, denn diese steigert die Quantität der Abschlüsse. Und damit setzt sich für den Verkäufer eine Erfolgsspirale in Gang: Je mehr Abschlüsse umso mehr Umsatz; je mehr Umsatz umso größer ist die Gelassenheit und Sicherheit, ein Verkaufsprofi zu sein. Strahlend bei einem Verkaufsgespräch zu überzeugen, ist nicht immer einfach, wenn das ein oder andere nicht so läuft, wie erwartet. Die eigene innere Ruhe und Zuversicht, die dem Kunden suggeriert, dass er genau bei diesem (und keinem anderen) Verkäufer sehr gut aufgehoben ist, bietet jedoch eine solide Basis im Beziehungsaufbau. Mit dem Alltagsdruck umgehen und dabei nicht den Spaß verlieren, ist das Credo, das den Verkäufer von einem Erfolg zum nächsten führt.
Fazit
Und wenn das weiße Kaninchen wieder einmal auftaucht und mit einem Blick auf seine Uhr drängt: Bleiben Sie ruhig; gehen Sie, wie Sie es gelernt haben, Schritt für Schritt vor. Kunden sind auch nur Menschen … und viele von ihnen kennen das weiße Kaninchen ebenfalls. Wie wohltuend ist es da, gemeinsam einen Gang zurückzuschalten, ein ebenso angenehmes wie zielführendes Verkaufsgespräch zu führen, das beide mit dem guten Gefühl verlassen, das Richtige getan und sich richtig entschieden zu haben.
Verkaufstipps: Warum Verkäufer ihre Kunden immer wieder langweilen
In einer Beziehung gibt es nichts Schlimmeres als Monotonie und Gleichgültigkeit. Liebe oder Hass, beides ist besser als sich irgendwann miteinander zu langweilen, nichts mehr Spannendes oder Neues am Anderen zu entdecken und nur noch im alten Trott nebeneinander herzuleben. Was für eine Beziehung im Privaten Gültigkeit hat, gilt ebenso im geschäftlichen Bereich und ganz besonders im Verhältnis zwischen Unternehmen/Verkäufern und Kunden. Viele Verkäufer wurden jahrelang regelrecht „dressiert“, ihnen wurden Verkaufstechniken beigebracht und sie trainierten ausgiebig Kommunikationsstrategien. Und nun wundern sich Unternehmen, dass diese „dressierten“ Verkäufer alle nach dem gleichen Muster vorgehen. Was aber kann ein langweiliger Verkäufer unter langweiligen Verkäufern anderes tun, als seine Kunden zu langweilen?
Die eigene Gewissensberuhigung reicht nicht aus
Ist ein Kontakt vorhanden, haben Verkäufer zumindest die Chance, den Kunden zu langweilen. Von einem qualitativ hochwertigen Kontakt kann allerdings nicht die Rede sein. Da werden 08/15-Angebote abgegeben, nervige E-Mails verschickt und mit langweiligen Newslettern mehr das eigene Gewissen beruhigt als dem Kunden tatsächlich nützliche Informationen zur Verfügung gestellt. Doch nicht die Marketingabteilung mit noch so schönen Anzeigen oder die EDV-Abteilung mit der Gestaltung eines Newsletters verkauft, sondern der bewegliche Verkäufer, der Kunden immer wieder aktiv angeht, überrascht und final verkauft!
Leidenschaft siegt
Lange Jahre im Verkauf… das kann irgendwann zur Langeweile führen. Abläufe schleifen sich ein. Aus vertrauten Ritualen, die Sicherheit geben, wird abgestumpfte Routine. Der Kunde wird bedient, mehr aber auch nicht. Private Beziehungen beweisen es: Aus Langeweile kann auch wieder Leidenschaft werden. Wenn der Mut da ist, an längst vergangene Gefühle anzuknüpfen, alte Wege zu verlassen und neue Möglichkeiten zuzulassen.
Leidenschaft und Erfolg sind zwei Faktoren, die sich im Verkauf unmittelbar beeinflussen: Kein Verkaufserfolg ohne Leidenschaft und keine Leidenschaft ohne Verkaufserfolg. Wenn ein Verkäufer also nur mit Misserfolgen konfrontiert ist, wird er für seinen Beruf eher selten eine Leidenschaft entwickeln. Wenn eine Leidenschaft sich wirklich umsetzbar zeigt, ist dies meist der Fall, weil der Verkäufer in der Vergangenheit bereits Erfolge generiert hat. Leidenschaft wächst durch Siege, die man ohne Leidenschaft wahrscheinlich nie erreicht hätte. Bewahren Sie sich also – auch in Durstphasen – in jedem Fall den Spaß an der Sache, denn nur so können Sie die positive Spirale aus Erfolg und Leidenschaft immer wieder neu in Schwung bringen.
Proaktives Verkaufen ist gefragt
Veränderungen finden bekanntlich nur statt, wenn man selbst zu der Erkenntnis gelangt, dass sich etwas ändern muss. Verkäufer können also die Langweiligkeitsspirale nur dann bewenden, wenn Sie erkennen, wie wichtig Handeln ist. Dann erkennt auch der Kunde im Verkaufsgespräch: Hier ist ein Verkäufer, der sich selbst aktiv in das Gespräch einbringt, der mich immer wieder überrascht, mit dem es nicht langweilig wird.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Einkäufer in einem großen Unternehmen erlebt im Schnitt am Tag acht bis zehn Verkaufsgespräche. Und jeder Verkäufer, der ihn besucht, hat eine ähnliche Vorgehensweise. Genau da sollten Verkäufer, die mehr wollen, ansetzen: „Jetzt verändere ich meine Vorgehensweise im Verkaufsgespräch so, dass der Einkäufer die Möglichkeit hat, sich am Ende des Tages auch wirklich an mich zu erinnern. Ich werde in der Masse der Verkäufer der eine sein, der diesem Einkäufer durch eine aktive Verkaufsstrategie auffällt, der nicht nur beraten, sondern tatsächlich verkaufen will und wird.“
Natürlich gibt es die bequeme Art und Weise durch ein Verkäuferleben zu gehen. Aufträge tröpfeln so herein, die Anstrengung hält sich in Grenzen, ebenso jedoch der Spaß an der Sache. Zugegeben, manchmal ist der andere Weg verbunden mit Anstrengungen, gepflastert mit Schweiß, Blut und Tränen. Allerdings führt dieser direkte Weg auch zu unbändiger Leidenschaft, die sich – ganz nebenbei bemerkt – nicht nur auf Ihr Leben als Verkäufer im Business, sondern auch im Privatbereich positiv auswirken wird. Also: Move ist – make it – sell it! Geben wir der Langeweile im Verkauf keine Chance!
Buchtipp
... nur Du verkaufst: Mehr Wille, mehr Mut - mehr Erfolg! [36]
Kundenorientierung: Bleiben Sie Ihren Kunden in Erinnerung
Warum Sie sich selbst verkaufen müssen, liegt auf der Hand: Ihr Kunde, Ihr Kontakt muss Sie als Person "gekauft" haben, bevor Sie über Produkte oder Dienstleistungen reden und verhandeln. Sie sind derjenige, dem Ihr Gegenüber in die Augen schaut, Sie betrachtet und über Ihre Person Vertrauen sucht. Ja, richtig, er sucht Vertrauen - in Ihnen. Um das Produkt geht es hier noch nicht. Schon beim Kennenlernen geht es darum, ob der jeweils andere vertrauenswürdig ist, ob man sich auf ihn verlassen kann und wie man sich im Streitfall verhält.
Der erste Eindruck ist enorm wichtig, Menschen brauchen nur wenige Sekunden, um sich sympathisch oder unsympathisch zu finden. Ist die erste Chance vertan, wird der Aufwand zur Vertrauensbildung besonders hoch. Negative Grundeinstellungen lassen sich nur schwer wieder revidieren.
Natürlich wird sich jeder Verkäufer aufgrund seiner Aufgabe bemühen, einen anständigen Eindruck zu hinterlassen. Doch reicht das heute? Wohl nicht. Heute geht es darum, sich von der großen Menge an Kontakten abzuheben, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und sich in den Köpfen der Menschen durch einen kräftigen Abdruck positiv einzubrennen.
Werden Sie zur Marke
Vertrauen schaffen Firmen über Ihre Außendarstellung, vor allem über ihr Logo, über ihre Marke. Marken sind wie Stempel, sie hinterlassen einen Eindruck oder ein Abbild, mit dem man bestimmte Attribute verbindet. Marken werden über Jahre aufgebaut und gezielt geschaffen, gestaltet und - ganz wichtig - geschützt. So sind Marketingleiter die obersten Markenschützer im Unternehmen, deren wichtigste Aufgabe es ist, diesen äußeren Eindruck einer Firma aktiv zu gestalten.
Sind Sie eine Marke? Wenn nein, wird es höchste Zeit eine Marke zu werden. Denn Sie sollten sich die Vorteile sichern, die über eine positive Marke erwirkt werden können. Es geht nicht nur um Vertrauen, sondern auch um Wiedererkennung und noch wichtiger: um Gefühle. Wir alle verbinden mit einem Logo bestimmte Werte, Erfahrungen oder Meinungen. Diese sind immer subjektiv. Niemand ist objektiv, aber jeder ist empfänglich für Eindrücke, die die Emotionen anregen. Reagiere ich "allergisch" auf jemanden oder eher positiv.
Dazu gehört auch, die eigene Marke konstant hochwertig zu halten. Es ist einer der wichtigsten Aufgaben im Marketing, die Firmenmarke zu schützen, auszubauen und wenn es um Veränderungen geht, sehr behutsam vorzugehen. Grund ist, dass bei radikalen Veränderungen einer Marke und des Firmenimages Stammkunden verloren gehen könnten.
Aber auch bei Neukunden beziehungsweise Neukontakten hilft eine klare Positionierung als Marke. Sie hilft
- den "Neuen" sofort einzusortieren - und das hoffentlich positiv - und
- sich leichter an den "Neuen" zu erinnern.
Wie Sie zur Marke werden
Bevor Sie anfangen stellen Sie sich bitte die Frage, wem wollen Sie Ihre "Marke" präsentieren. So, wie jedes Unternehmen eine Zielgruppe hat, so sollten auch Sie genau wissen, wen Sie eigentlich erreichen wollen. Wie sieht Ihr Publikum aus, mit wem haben Sie es zu tun? Und welche Erwartungen hat diese Zielgruppe, welche Motive und Bedürfnisse. Natürlich können Sie auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Dann sollten Sie allerdings keine zwei Marken aufbauen, sondern eine, die die verschiedenen Gruppen abdecken kann.
Firmenlogos sind Bilder mit Eigenschaften. Und auch Sie sollten ein Bild von sich schaffen. Denken Sie darüber nach, wie Sie es gestalten können. Welche Attribute soll es enthalten. Soll Ihr Image eher modern oder traditionell sein. Soll es dynamisch sein oder beständig? Schreiben Sie die Merkmale auf, die Sie gerne ausdrücken wollen, vor allem aber die, die zu Ihnen passen. Wenn Sie kein Fliegenträger à la Heinz Riesenhuber sind, macht es keinen Sinn, einer werden zu wollen.
Im nächsten Schritt überlegen Sie, wie Sie dieses Äußere optisch gestalten. Wollen Sie der moderne dynamische Typ sein, dann müssen Kleidung, Frisur und andere Accessoires dazu passen. Ein Trachtenanzug, ein Dirndl würde dazu sicher nicht passen. Die Kleidung muss Ihre Persönlichkeit unterstreichen. Lassen Sie sich hierzu von Spezialisten beraten. Sie helfen, Ihren Stil zu erkennen und umzusetzen. Das sollte Ihnen ruhig etwas wert sein.
Nicht jeder ist ein Wolfgang Reitzle oder eine Maria Elisabeth Schaeffler. Googeln Sie einmal Bilder dieser Personen; Sie werden entdecken, dass deren Stil sich wie ein roter Faden durch die Abbildungen zieht. Markante Persönlichkeiten eben.
Ach - ganz nebenbei: Googeln Sie nur die Wörter Geschäftsfrau oder Geschäftsmann, wird Ihnen auffallen, dass fast nur Models zu sehen sind - männliche wie weibliche. Mir scheint, wir haben zu wenige Geschäftsleute mit einem klaren Profil.
Ihr Äußeres kann geprägt sein durch einen bestimmen Kleidungsstil, eine bestimmte Frisur, speziellen Schmuck oder eine ausdrucksstarke Brille. Haben Sie einmal einen solchen Stil gewählt, sollten Sie konstant dabei bleiben und ihn nur behutsam verä ndern.
Der erste Eindruck zählt. Legen Sie daher großen Wert auf Ihren optischen Stil. Doch hinter der Fassade werden auch Ihre Qualitäten eine wichtige Rolle spielen. Ein schönes Bild taugt nicht, wenn der Inhalt nicht stimmt.
Daher: Schaffen Sie sich ein Ansehen über die Inhalte, die Sie vertreten. Ist die optische Aussage eher für den ersten Eindruck gedacht, schaffen die Inhalte nachhaltiges Image. Das Image transportiert Eigenschaften, die man mit Ihnen verbindet. Jemand, der sich sozial engagiert, wird immer mehr Achtung und Respekt erhalten, als jemand, der inhaltlich nichts zu bieten hat.
Was tun Sie also? Haben Sie bestimmte Hobbys, Freizeitaktivitäten, spezielle Kenntnisse oder Fertigkeiten? Dann stellen Sie diese heraus; sprechen Sie darüber und sorgen Sie dafür, dass andere davon erfahren. Diese Inhalte müssen nicht zwangsläufig mit Ihrem Beruf zu tun haben, denn es geht darum, Werte zu vermitteln; da ist es egal ob Sie sich mit einem fachlich-beruflichen Thema beschäftigen oder einem Hobby. Ihre Story muss dabei konsequent und konstant sein und darf sogar ein wenig penetrant adressiert werden. Entscheidend ist, dass Sie damit Beständigkeit und Engagement zeigen sowie Vertrauen generieren.
So gestalten Sie Ihre PR-Aktionen
Haben Sie Ihre Marke geformt und definiert sollten auch Ihre Mitmenschen davon erfahren. Starten Sie jetzt PR-Aktionen. Wie können diese aussehen?
- Gestalten Sie eine Homepage zu den von Ihnen vorgestellten Inhalten.
- Starten Sie einen Blog, um tagesaktuelle Gedanken oder Inhalte zu veröffentlichen.
- Schreiben Sie Fachbeiträge und veröffentlichen Sie diese in der jeweiligen Fachpresse. Das ist leichter als Sie denken.
- Weisen Sie immer und überall auf Ihre Inhalte hin ohne aufdringlich zu sein und verknüpfen Sie Ihren Namen mit diesen Inhalten. Je öfter Sie Ihre Inhalte und Botschaften platzieren können, um so besser. Schließlich soll man Ihren Namen damit verbinden.
- Stellen Sie sich und Ihr Thema in sozialen Netzwerken wie XING oder Facebook dar. Sorgen Sie dafür, dass dies ein "roter Faden" wird, der immer zu Ihnen gehört.
- Verfolgen Sie aktiv das Ziel, ein Experte auf Ihrem Gebiet zu sein, schaffen Sie sich damit ein gutes Image und handeln Sie nach Ihren damit verbundenen Maximen.
Eigen-PR klappt am besten, wenn es andere für Sie machen. Daher: Lassen Sie Dritte über Sie schreiben. Lassen Sie sich von anderen Personen empfehlen, verlinken und vermitteln. Wie das geht? Ganz einfach: In dem Sie das Gleiche für Ihre Kontakte machen. So profitiert jeder vom anderen.
Versuchen Sie aber nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Aus sich selbst eine Marke zu machen ist nicht negativ. Ist sie aber übertrieben, werden Sie zur Karikatur. Entscheidend ist, dass Sie sich bewusst werden, wie Sie wirken und wirken wollen. Was sind Ihre Ziele? Geht es nur darum, dass man Sie nicht so leicht vergisst oder wollen Sie bestimmte geschäftliche Ziele damit verbinden? Was sollen die Kunden von Ihnen mitnehmen und sich von Ihnen merken? Wenn Sie es schaffen, dies im Einklang mit den eigenen Werten und Überzeugungen zu gestalten, prima. Denn nur Authentisches wirkt glaubwürdig und vertrauensvoll. Und ohne Vertrauen zu Ihrer Person und Marke wird niemand Geschäfte mit Ihnen machen.
Hinweis
Dies ist ein Auszug aus dem Hörbuch
Auf geht´s - es ist Tango-Zeit! Warum Verkaufen doch einfach sein kann [37]
Nicht erreichbar: Unternehmen gehen Aufträge verloren
Deutschlands Unternehmen verpassen jede Menge neue Kunden. Denn diese weigern sich, auf einen Anrufbeantworter zu sprechen, wenn sie einen Anwalt, Arzt, Handwerker oder Makler zum ersten Mal anrufen. Das zeigt Deutschlands größte Büroumfrage.
"Das Ergebnis der Studie zeigt, dass viele Unternehmer nicht einmal erfahren, dass potenzielle Kunden versucht haben, einen Auftrag zu vergeben. Der finanzielle Schaden ist erheblich."
sagt Daniel Dimpker, Vorstand von Bueroservice24.de, einem der führenden Telefonservice-Anbieter für Unternehmen.
Die Studie erbringt den Beweis, dass zwei Drittel der Anrufer direkt die Nummer des nächsten Anbieters wählen, sollten sie bei ihrem ersten Anrufversuch die Ansage einer Mailbox hören.
Weiterhin finden es fast 75 Prozent der Deutschen frustrierend, wenn Unternehmen während der üblichen Geschäftszeiten nicht zu erreichen sind. Dimpker ergänzt:
"So hinterlassen viele Unternehmen auch bei ihren Bestandskunden einen negativen Eindruck, der sich nachteilig auf Umsätze und die Kundenbeziehungen auswirkt."
Zur Studie
Die repräsentative Studie wurde im Januar 2011 von Fittkau & Maaß im Auftrag von Bueroservice24.de durchgeführt.
Quelle: Bueroservice24.de
Customer Touchpoint: Controlling mithilfe des Kunden
Im Kundenkontaktpunkt-Management werden gemeinsam mit den Mitarbeitern chronologisch all die Kontaktpunkte betrachtet, die ein Kunde im Rahmen eines Kaufprozesses beziehungsweise im Zuge der Nutzungsbeziehung hat oder haben könnte – und zwar aus dem Blickwinkel des Kunden betrachtet. Dabei geht es sowohl um die kritischen Ereignisse als auch um die positiven Geschehnisse, die ihm dort im ‚Moment der Wahrheit‘ widerfahren – oder im schlimmsten Fall widerfahren könnten.
Schließlich wird – mithilfe der Kunden – gemessen, optimiert und weiter verfeinert. Bei all dem stehen nicht nur der Erst- und Wiederkauf, sondern auch das Mundpropaganda-Verhalten und die Empfehlungsbereitschaft im Fokus. Denn wer heute nicht empfehlenswert ist, ist morgen nicht mehr kaufenswert – und übermorgen tot.
Der Prozess des Kundenkontaktpunkt-Managements besteht aus vier Schritten:
1. Die Ist-Analyse
In diesem Schritt geht es um das Erfassen der relevanten Kontaktpunkte, das Verstehen der Prozesse und das Dokumentieren der Ist-Situation. Folgende Fragen lassen sich stellen:
- Welche Kunden treten an welchen Stellen und zu welchen Anlässen wie häufig mit welchen Mitarbeitern im Unternehmen in Kontakt?
- Was erlebt der Kunde dort? Wie sehen die Abläufe an den einzelnen Punkten aus? Sind sie selbstzentriert oder aus Kundensicht gestaltet? Entsprechen sie dem natürlichen Kundenverhalten? Sind sie abteilungsübergreifend aufeinander abgestimmt?
- Sind sie markenkonform inszeniert? Wie gut leben die Mitarbeiter das, was Marke und Unternehmen versprechen? Und wie beurteilt all dies der Kunde?
- Was läuft gut? Was muss weg? Was muss zukünftig anders beziehungsweise besser gemacht werden? Und was hat uns bislang daran gehindert, dies zu tun?
- Wo besteht Mundpropaganda und Empfehlungspotenzial? Wer sind die reichweitenstärksten und einflussreichsten Empfehler? Welche Angebote werden tatsächlich weiterempfohlen? Wo wird vehement abgeraten?
- Welche Kontaktpunkte favorisiert der Kunde? Welcher Handlungsbedarf ergibt sich aus seiner Sicht? Was könnte die Geschäftsbeziehung intensivieren?
- Und wo lauern Abwanderungsrisiken? Wie erkennen wir dies? Gibt es ein Frühwarnsystem?
2. Die Soll-Strategie
In diesem Schritt geht es um das Definieren der relevanten Ziele und der angestrebten optimalen Soll-Situation. Folgende Fragen lassen sich stellen:
- Welche Produkt- und Servicequalität wollen wir welchen Kunden an welchen Kontaktpunkten zukünftig bieten?
- Mit welchen Ressourcen wollen wir diese Servicelevels erreichen? Auf welche Weise? Mit welchen Prioritäten? Welche Handlungsszenarien gibt es dabei?
- Soll die Zahl der Kontaktpunkte vergrößert werden? Oder verkleinert?Wo kann am ehesten Mundpropaganda- und Empfehlungspotenzial entwickelt werden? Welche Kundengruppen beziehungsweise Zielpersonen können uns dabei am wirkungsvollsten unterstützen? Auf welche Weise?
- Wie sollen insbesondere die Schlüsselkontaktpunkte wiederkaufaktiv und mundpropagandakonform optimiert werden?
3. Der To-do-Plan
In diesem Schritt geht es um die Planung und Umsetzung eines passenden Maßnahmen-Mixes, der von der Ist-Situation zur Soll-Situation führt. Folgende Fragen lassen sich stellen:
- Wer macht was ab/bis wann mit welchem Budget? Welche Ressourcen müssen bereitgestellt werden? Welche Zeitlinien sind sinnvoll und machbar?
- Wie kann das, was wir tun, und vor allem, wie wir es tun, ein Weitererzählen bewirken?
- Wie kann das, was wir tun, und vor allem, wie wir es tun, Empfehlungen generieren?
- In welcher Form kann bei all dem der Kunde aktiv einbezogen werden?
Dies ist - gemeinsam mit den Mitarbeitern - zu planen und anschließend umzusetzen. Ein sogenannter ‚Quick win‘, also eine Maßnahme, die einen schnellen Erfolg verspricht, sollte ganz oben auf der Liste stehen. Denn das spornt an.
4. Schritt: die Kontrolle und Optimierung
Hierbei geht es um das Messen der Ergebnisse zwecks weiterer Optimierung der Prozesse. Folgende Fragen lassen sich dazu stellen:
- An welchen Kriterien wollen wir unsere Kundenkontakt-Performance messen?
- Welche Kennzahlen wollen wir auf welche Weise wie oft und für wen erheben?
- Werden die Empfehlungsbereitschaft wie auch die Empfehlungsrate ermittelt?
- Wie wird das gewonnene Wissen dokumentiert und mit den Mitarbeitern besprochen?
- Wer leitet wie die notwendigen Prozessverbesserungen ein?
Feedback-Schleifen und schnelle Reportings, flankiert von geeigneten internen und externen Kommunikationsmaßnahmen, sichern eine kontinuierliche Weiterentwicklung zum Wohle des Kunden. Im Intranet oder in einem Firmen-Wiki kann das Ganze dokumentiert und bereichert werden. Der Rückfluss muss vor allem die Stellen erreichen, für die die Rückmeldungen wertvoll sind.

Der Kunde als Controller
Man kann höchstens erahnen, aber niemals ganz sicher wissen, ob und wann welcher Kunde an welchem Kontaktpunkt begeistert ist – oder eben auch nicht. Demnach müsste im Rahmen des Customer Touchpoint Managements jeder Kunde individuell betrachtet werden. Dies ist allerdings nur dort möglich, wo es eine überschaubare Anzahl von Kunden gibt.
In allen Branchen mit Massengeschäft müssen die Touchpoints für einzelne Kundengruppen betrachtet werden. Exemplarisch können dazu Vertreter aus der jeweiligen Zielgruppe ausgewählte Kontaktpunkte auf einer Zehn-Punkte-Skala nach den Kriterien ‚enttäuschend – okay - begeisternd‘ bewerten und priorisieren. In einem zweiten Schritt kann jeder Kontaktpunkt in seine einzelnen Leistungsmerkmale zerlegt werden, um die Befragung weiter zu vertiefen.
Auf diese Weise lässt sich ein besseres Kundenverständnis entwickeln, man kann auf Kundenwünsche differenzierter eingehen und schließlich Investitionen in die aus Kundensicht entscheidenden Bereiche lenken. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Kunden nicht immer wissen, was sie wollen, dass sie keinen Zugang zu ihren wahren Motiven haben oder im Einzelfall auch berechnenderweise falsche Angaben machen.

Fokussierende Fragen stellen
Fokussierende Fragen bringen mit einer einzigen Frage die Sache auf den Punkt. So kommt man den wahren Beweggründen des Gesprächspartners am ehesten näher – ohne ihm dabei zu nahe zu treten. Im Kundenkontaktpunkt-Management klingen sie so:
- Was war es, das Sie an diesem Punkt am meisten begeistert hat?
- Was war es, das Sie an diesem Punkt am meisten enttäuscht hat?
In den Extremen, also in massiven Unzufriedenheiten ebenso wie in hehrer Kundenbegeisterung stecken die größten Innovationschancen. Fokussiert fragen heißt auch: Konzentration auf das für den Kunden Wichtigste - statt Verzettelung auf Nebenschauplätzen. Auf diese Weise entdecken Sie vielleicht das alles entscheidende Detail, das dem Wettbewerber bislang verborgen blieb.
Und Sie werden schnell. Denn treffsicher lässt sich der konkrete Handlungsbedarf an den erfolgskritischsten Stellen erkennen, um dann sofort reagieren zu können. So löst man nicht nur die Probleme einzelner, sondern wappnet sich gegen die Unzufriedenheit vieler Kunden.
Wiederkaufabsicht und die Empfehlungsbereitschaft erfragen
Neben der Bewertung als solcher sind ferner die Wichtigkeit der Touchpoints sowie die Wiederkaufabsicht und die Empfehlungsbereitschaft an den einzelnen Punkten zu messen. So wird ausgeschlossen, dass man seine ganze Energie in eine Leistung investiert, die zwar begeistert, aber den Kunden letztlich egal ist.
Die entsprechenden Fragen lauten, auf einer Skala von 0 bis 10 abgetragen, so:
- Wie wichtig ist Ihnen dieser Punkt?
- Würden Sie an diesem Punkt wiederkaufen?
- Würden Sie diesen Punkt weiterempfehlen?
Unabhängig davon kann man den Kunden schließlich auch folgende Fragen stellen:
- Von all den Dingen, die Sie bei uns schätzen, was gefällt Ihnen davon am besten?
- Oder: Wenn es eine Sache gibt, die wir unbedingt anders machen sollten, was wäre da das Wichtigste für Sie?
- Oder: Wie würde für Sie eine perfekte Leistung aussehen? Erzählen Sie mal!
- Oder: Was ist für Sie der wichtigste Grund, uns die Treue zu halten?
- Oder: Wenn es eine Sache gibt, für die Sie uns garantiert weiterempfehlen könnten, was wäre da das empfehlenswerteste für Sie?
- Oder: Wenn es eine Sache gibt, für die Sie uns ganz sicher nicht weiterempfehlen können, was ist das für Sie?
Solche Fragen eignen sich insbesondere für persönliche oder telefonische Gespräche, können aber auch online oder schriftlich gestellt werden. Hierdurch wird Loyalität gestärkt, Empfehlungsverhalten begünstigt und Kundenschwund vorgebeugt. Man spart sich eine Menge Kosten für die langwierige klassische Marktforschung und vermeidet Fehlentscheidungen am grünen Tisch. Vielmehr wird ein praxisnahes Kundenverständnis entwickelt, man kann auf Kundenwünsche differenzierter eingehen und Investitionen in die aus Kundensicht entscheidenden Bereiche lenken.
Buchtipp
Kunden auf der Flucht? Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten [38]
Jobs im Vertrieb: (K)eine berufliche Perspektive für Informatiker?
„Unsere Vertriebler müssen die Geschäftsprozesse unserer Kunden verstehen“, sagt Christian Schneider. „Denn ohne dieses Know-how können sie für diese – unterstützt von unseren Technikern – keine passgenauen Problemlösungen entwerfen.“
Ähnlich wie der Geschäftsführer der Schneider & Wulf EDV-Beratung, Babenhausen, äußern sich fast alle IT-Unternehmen, wenn es um die Frage geht: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen ihre Vertriebsmitarbeiter? Unabhängig davon, ob es sich dabei um mittelständische Systemhäuser wie Schneider & Wulf oder Konzerne wie die Software AG handelt. Sie betonen übereinstimmend: IT-Know-how allein genügt nicht. Ohne eine fundierte Kenntnis der Geschäftsprozesse unserer Zielkunden geht heute zumindest im B-to-B-Vertrieb fast nichts mehr.
Aus einem simplen Grund, erläutert Christian Herlan, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal: „Kein Geschäftsführer oder Vorstand entscheidet einfach so ‚Lasst uns ein neues IT-System einführen’. Wenn das Management eines Unternehmens dies tut, dann verfolgt es damit konkrete Ziele.“ Zum Beispiel, dass die Arbeitsprozesse anschließend fehlerfreier ablaufen. Oder die Kunden besser betreut werden. Oder die Durchlaufzeiten sinken. Also lautet eine Herausforderung, vor der die Vertriebsmitarbeiter der IT-Unternehmen bei ihrer Arbeit oft stehen: Sie müssen den Entscheidern das Gefühl vermitteln „Mit unserer Hilfe (oder Problemlösung) erreichen Sie Ihr Ziel“.
Mehr Kaufleute als Informatiker
Genau dies gelingt reinen ITlern anscheinend oft nicht. Diese Vermutung legt die Tatsache nahe, dass in den Vertriebsbereichen der IT-Unternehmen deutlich mehr Betriebswirte und Kaufleute als Informatiker arbeiten. „Zumindest wenn es um das Tür-öffnen und Interesse-wecken geht, setzen die meisten Betriebe eher auf Betriebswirte“, betont Dr. Stephan Pfisterer, Arbeitsmarkt-Experte beim Branchenverband BITKOM. Und bei Klein- und Mittelbetrieben? Dort nehmen oft wie bei der Schneider & Wulf EDV-Beratung, die 28 Mitarbeiter zählt, die Geschäftsführer weitgehend die Vertriebsfunktion wahr.
Anders sieht dies aus, wenn ein Kunde bereits sagte „Ja, das will ich haben“ oder „Das könnte für uns interessant sein“. Dann werden oft die Techniker und Informatiker hinzugerufen. Zum Beispiel, um mit den Experten beim Kunden genau zu definieren: Welche (technischen) Anforderungen muss die IT-Lösung erfüllen, damit sie ...? Oder: Wie muss das IT-System konzipiert sein, damit es in die bestehende IT-Landschaft passt?
Dass viele Unternehmen im Vertrieb primär auf Nicht-ITler und solche „Zwitter“ wie Wirtschaftsinformatiker setzen, hat viele Gründe. Eine Ursache ist laut Dr. Oliver Grün, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands IT-Mittelstand (BITMi) und Vorstand der Grün Software AG, Aachen: Das Informatiker-Bild der Öffentlichkeit ist noch stark vom „Nerd“ geprägt – also vom blässlichen Sonderling, der tagein, tagaus am PC sitzt, über irgendwelche technischen Probleme grübelt und mit seiner Umwelt, wenn überhaupt per Computer kommuniziert. Deshalb entschieden sich eher kommunikative Typen in der Vergangenheit meist für andere Studiengänge. Der Öffentlichkeit sei zudem noch nicht bewusst, dass es sich bei der Informatik weitgehend um eine Ingenieurdisziplin handle, beklagt Grün. Die Hochschulen begriffen das zwar allmählich, was solche Studiengänge wie „software engineering“ bewiesen – „aber langsam“. Hier müssen offensichtlich solche Verbände wie der BITKOM und der BITMi noch Bewusstseins-Arbeit leisten.
Vertriebler brauchen Stehvermögen
Auch wegen der in der Vergangenheit häufig einseitigen Ausrichtung der Informatik-Studiengänge auf die Programmier-Tätigkeit fehlen vielen Informatikern heute zahlreiche Fähigkeiten, die Vertriebler brauchen. Dazu zählt nicht nur die Kenntnis der Geschäftsprozesse in Unternehmen. „Dieses Know-how hat sich manch Informatiker, der heute zum Beispiel als Projektmanager an der Schnittstelle zwischen dem IT-Bereich und den Fachabteilungen arbeitet, im Verlauf seines Berufslebens angeeignet“, betont Rosemarie Clarner, Senior Vice President Global Human Resources bei der Software AG, Darmstadt.
„Dasselbe gilt für ein gewisses betriebswirtschaftliches Know-how.“ Das genüge aber nicht, um im Vertrieb erfolgreich zu sein. „Denn ein technisches Fachgespräch unter Kollegen ist etwas anderes als ein Verkaufsgespräch“, pflichtet BITKOM-Arbeitsmarktexperte Pfisterer bei. „Und um ein Vertriebsprojekt zum Erfolg zu führen, braucht man teils andere Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale als um ein firmeninternes Projekt erfolgreich zu gestalten“, ergänzt Unternehmensberater Herlan.
Welche Skills dies sind, beschreibt Prof. Dr. Elisabeth Heinemann, die am Fachbereich Informatik der FH Worms einen Lehrstuhl für Schlüsselqualifikationen innehat. Laut Aussagen der Diplom-Informatikerin, die den Karriere-Ratgeber für ITler „Jenseits der Programmierung“ schrieb, muss ein Vertriebler zum Beispiel Niederlagen gut wegstecken können. Er müsse eine Art Stehaufmännchen sein. Nicht umsonst laute ein alter Spruch im Vertrieb: „Ein guter Vertriebler ist, wer durch die Vordertür rausgeschmissen wurde und durch die Hintertür wieder herein kommt.“ Dahinter stecke die Erkenntnis: Gerade wer im Projektverkauf tätig ist – und hierzu zählt der Verkauf von IT-Lösungen meist – braucht einen langen Atem. Denn der Kunde hat nicht immer Bedarf. Er hat in der Regel auch bereits IT-Unterstützer.
„Aber dann, wenn ein neuer Bedarf entsteht – zum Beispiel, weil das Unternehmen sich neue Ziele setzt – dann muss der Vertriebler sozusagen auf der Matte stehen“, betont Peter Schreiber, Inhaber der Vertriebsberatung Peter Schreiber & Partner, Ilsfeld. „Dann muss er sich als kompetenter Problemlöse-Partner erweisen, um einen Erstauftrag an Land zu ziehen.“
Gespür für Personen und Konstellationen
Das ist oft nicht einfach. Denn für den Verkauf von Industriegütern und -dienstleistungen gilt: Die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden sind meist vielfältig. Zuweilen widersprechen sich die Interessen der Personen, die dem Buying Center angehören – also an der Kaufentscheidung beteiligt sind – sogar. Entsprechend feine Antennen benötigt ein Vertriebler laut Schreiber dafür: Was ist dem Kunden wirklich wichtig? Was sind also seine Kaufentscheidungskriterien? Wie laufen die Entscheidungsprozesse bei ihm ab? Und: Wer hat wie viel zu sagen? Entsprechend flexibel muss ein Vertriebler in seinem Denken und Verhalten sein. Auch eine (gesprächs-)taktische Schulung ist meistens notwendig.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt Dr. Stefan Pfisterer jungen Informatikern, die sich als Entwickler wohlfühlen, eher nicht, eine Karriere im Vertrieb anzustreben – selbst wenn dort aufgrund der variablen Vergütungsanteile oft eine bessere Bezahlung lockt. Eher sollten sie darauf hinarbeiten, eine Teamleiter-Position oder eine Projektmanagement-Funktion zu übernehmen. Denn zumindest in Großunternehmen wie der Software AG stehen heute auch Spezialisten attraktive Karrierewege offen.
Berater mit vertriebsunterstützender Funktion
Als eher unwahrscheinlich erachten es die befragten Experten, dass die IT-Unternehmen künftig, wenn es um die „Türöffner-Funktion“ beziehungsweise Neukundenakquise geht, verstärkt auf Männer und Frauen setzen, deren Kernkompetenz im Informatikbereich liegt. Anders sieht dies aus, wenn bereits eine Kundenbeziehung und Vertrauensbasis besteht. Dann werden die Informatiker, die im Rahmen der mit den Kunden vereinbarten Projekte zum Einsatz kommen, künftig durchaus verstärkt die Funktion haben, zu ermitteln, welchen zusätzlichen Bedarf die Kunden haben; des Weiteren ihnen als „technische Consultants“ zu vermitteln „Aufgrund der Faktoren a, b und c empfehle ich Ihnen, ....“ Das heißt: Die Informatiker haben durchaus eine vertriebsunterstützende Funktion.
Genau an diesem Punkt besteht laut Herlan noch ein großer Qualifizierungsbedarf. „Denn die meisten Informatiker betrachten es primär als ihren Job, ein bereits definiertes Problem logisch zu lösen.“ Sie denken kaum darüber nach: Wie geht es anschließend bei dem Kunden weiter? Und: Wie können wir dem Kunden aufgrund unserer Kompetenz noch mehr Nutzen bieten – und somit auch zusätzliche Aufträge an Land ziehen?
Auch aus folgendem Grund werden die meisten IT-Unternehmen in den kommenden Jahren Informatiker eher selten zu Vertriebskräften entwickeln. Gute Informatiker und Entwickler werden in Deutschland rar. Deshalb haben die meisten Betriebe, so Arbeitsmarktexperte Pfisterer, gar kein Interesse daran, „einen Kerninformatiker zu einem Vertriebler zu entwickeln“. Denn zumindest für die Kleineren unter ihnen, die anders als die Giganten Software AG und SAP nicht jeder Hochschulabsolvent kennt, gilt: Sie sind oft schlichtweg froh, wenn sie ausreichend Mitarbeiter mit dem benötigten IT-Know-how haben.
Messebesuch: Wie aus Kontakten zahlende Kunden werden
Bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Leads von der Messe hat man nicht alleine. Wahrscheinlich gehen etliche Wettbewerber mit denselben Leads wie wir nach Hause, nicht wahr?
Auf 3 Dinge kommt es jetzt an, damit wir das Meiste aus unserer Investition in die Messe raus holen können. Wir müssen
- die Leads schnell nachfassen,
- die Leads mit dem bedienen, was sie als Nächstes brauchen,
- die vielversprechendsten Leads zuerst und bevorzugt bedienen.
Der erste Punkt, schnell sein, braucht nicht weiter erklärt werden. Wer erst dann kommt, wenn die Wettbewerber bereits Angebote verhandeln, der hat kaum noch Chancen beim Interessenten zu landen.
Der zweite Punkt ist nicht ganz so selbsterklärend. Man erlebt auch heute noch oft, dass Aussteller einfach ihr „Standard-Paket“ nach der Messe verschicken. “Das reicht”, meinen sie. Und dann kann man sich Zeit lassen mit dem weiteren Nachfassen. Der Interessent hat ja jetzt unsere Unterlagen und kann sich schlaumachen.
Reicht das wirklich? Nein. So etwas freut vor allem den Wettbewerber, der diese Leads clever und systematisch bearbeitet.
Der dritte Punkt, die vielversprechendsten Leads zuerst und bevorzugt bearbeiten, setzt voraus, dass man seine Leads einteilen kann. Man braucht ein System, mit dem man die Leads qualifiziert; A-, B-, C-Leads oder Platin-, Gold-, Silber-Leads oder ...
Auch hier ist es noch oft so, dass Aussteller die Leads so angehen, wie sie herein gekommen sind: Die vom ersten Messe-Tag werden zuerst bearbeitet, die vom zweiten als Nächstes usw.
Den unfruchtbaren Leads wird da genau so viel Aufmerksamkeit zuteil, wie den wirklich vielversprechenden. Manchmal sieht man auch noch andere Bearbeitungs-Routinen, die nicht wirklich das Geschäft optimieren beziehungsweise mit denen nicht das Meiste aus seiner Messe-Investition herausgeholt wird.
Die Vorbereitung – Ein Lead-Formular
Wer nur die Visitenkarte seines Standbesuchers für die Nachbearbeitung einsammelt, und nur auf ein paar schnell hingekritzelte Infos der Standmitarbeiter baut, der kann nicht selektiv nachfassen.
Um Leads schnell und effektiv schon auf dem Messestand zu qualifizieren, braucht es ein Lead-Formular. Und das wird am besten gemeinsam von allen Beteiligten aus Marketing und Verkauf entworfen. Auf jeden Fall müssen die Leute dabei sein, die die Leads nachher nachfassen. Dann ist sicher gestellt, dass alles Wichtige – aber auch nicht mehr als nötig – aufgenommen wird.
Wer nachher die Leads nachbearbeitet (nachfasst, anruft, E-Mails und Briefe schreibt, usw.), der braucht in der Regel folgende Informationen um qualifizierte Leads in zahlende Kunden zu verwandeln:
- Vollständige Kontaktinfo (besonders auch: Rolle im Kaufprozess);
- Wie der Lead nachgefasst werden möchte (anrufen, Info oder Muster zuschicken, usw.);
- Wann der Lead kontaktiert werden möchte (sofort noch während der Messe, zu einem bestimmten Termin);
- In welchem Stadium der Lead ist (erste Recherche, bereits mit Wettbewerbern in Gesprächen, usw.);
- Zeitraum, in dem die Kaufentscheidung fällt;
Das sind die wichtigsten Punkte, die immer dabei sein müssen. Vielleicht kommt in Ihrem Geschäft noch der ein oder andere, wie die Höhe des Budgets dazu. Allerdings sollten Sie das Formular nicht überfrachten. Zwingen Sie die Messe-Mitarbeiter, die die Gespräche führen, nicht in ein zu enges Korsett. Das schadet mehr als es nutzt.
Fazit: Wer so vorbereitet ist, hat alle Chancen raus zu holen, was drin ist – bevor der Wettbewerb eine Chance hat!
Kundenservice: Notwendiges Übel oder Profit Center?
Bisher: Informationen werden kaum genutzt
In den meisten Unternehmen werden Informationen von Kunden eher zufällig aufgegriffen und kaum systematisch verwertet. Dabei haben die Mitarbeiter oft ein Gespür dafür, welche Hinweise wichtig sind. Wie zum Beispiel bei einem mittelständischen Versandhändler: Der hat ein Produkt eingeführt, das den Kunden zu teuer ist. Der Kundendienst erfährt das schnell, mehrere Anrufer beschweren sich. Die Kollegen tauschen sich darüber auch aus und haben oft Ideen, wie das Angebot verbessert werden könnte. Aber bis zur Unternehmensleitung dringen diese Gedanken nicht vor, verändert und verbessert wird daher nichts. So oder ähnlich läuft es häufig in ganz vielen Unternehmen, wertvolle Informationen gehen dabei verloren. Wie könnte das besser gemacht werden?
Aus erster Hand für die Kundenbindung
Wer Kunden langfristig binden will, fragt sie am besten selbst, was sie brauchen und erwarten. Im Kundenservice geschieht das ohnehin und fast nebenbei: Kunden geben ihre persönliche Einschätzung zu wichtigen Aspekten bereitwillig weiter. Sie berichten zum Beispiel zur technischen Funktionsfähigkeit, zur Bedienbarkeit, zu Problemen mit dem Produkt und zu ihrer Zufriedenheit, aber auch zur Konkurrenz und zum Marketing und Außenwirkung des Unternehmens. All das wird sonst in aufwändigen Marktstudien erhoben. Diese Informationen müssten nur systematisch ausgewertet und genutzt werden, zum Beispiel in den folgenden Bereichen:
1. Kundenzufriedenheit
Unzufriedene Kunden sagen ihrem Kundenbetreuer oder dem Ansprechpartner im Kundenservice recht deutlich, was nicht stimmt. Passt die Qualität diesmal nicht, gefällt ihnen die Verpackung nicht oder war die Lieferzeit zu lang – sie geben genaue Gründe an und erklären oft auch noch darüber hinaus ihre Erwartungen und Ansprüche: „Dieser hohe Preis wäre im Grunde schon in Ordnung, wenn dafür ein Kundendienst im ersten Jahr frei wäre.“
Um solche Hinweise systematisch zu nutzen, helfen klassische Kundenbefragungen, aber Unternehmer können zusätzlich auch die Mitarbeiter im Kundenservice einbeziehen und regelmäßig Feedback zur Kundenzufriedenheit aus den Abteilungen einholen. Dafür ist es wiederum wichtig, strukturierte Informationserhebung zu fördern, zum Beispiel indem den Mitarbeitern mit direktem Kontakt die Bedeutung der Hinweise und ihre weitere Verwendung aufgezeigt wird, und sie entsprechend geschult und eingewiesen werden. Durch einen intensiven Austausch mit den erhebenden Bereichen kann sich die Unternehmensleitung die wichtigen Informationen sichern und entsprechend verwerten. Wer dabei die Kundenzufriedenheit als Kernwert des Unternehmens begreift, ist bereits einen Schritt weiter.
2. Technische Zuverlässigkeit
Wenn ein Gerät ausfällt oder ein zugesicherter Online-Dienst nicht funktioniert, fordern Kunden schnelle Abhilfe. Dem Kundenservice geben sie nicht nur Hinweise auf den genauen Fehler, sondern erklären auch, wie er sich auswirkt und was für Folgen entstehen. Oft sind sie bereit, Screenshots von der Fehlermeldung umgehend zu mailen oder ähnliche Hilfestellung zu geben, damit der Fehler behoben werden kann.
Zunächst liegt es im Interesse des Unternehmens, technische Störungen zu erfassen und schnell an die Stellen im Unternehmen weiterzugeben, die sie beheben können. Dazu braucht es auch eine Auswertung der technischen Zuverlässigkeit, also eine Dokumentation von Häufigkeit, Kategorien, Dauer der Beseitigung des Fehlers. Wenn allerdings die Dokumentation zu umfassend und zeitraubend ist, wird sie nicht genutzt, sie muss daher pragmatisch sein, zum Beispiel in Form eines Online-Tools oder eines Ticketsystems. Nach der Auswertung sichern regelmäßige Feedbackschleifen nicht nur, dass die Fehler behoben werden (Firefighting), sondern auch, dass sie auf lange Sicht nicht mehr auftreten.
3. Abläufe
Wie können die Kunden eine Reklamation abgeben, und wie schnell erhalten Sie Auskunft über ihre Bestellung? Wie gut die Prozesse funktionieren und wie anwenderfreundlich sie tatsächlich sind, das hängt vor allem an der Einfachheit und Logik der Abläufe aus Kundensicht. Wie die Kunden das wahrnehmen, können die Mitarbeiter im Kundenservice leicht herausfinden.
Die Gefahr hierbei ist eine zu große Prozessdenke seitens der Unternehmen. Denn in der Praxis gehen Unternehmen oft von den internen Abläufen aus und übersehen dabei leicht, was für den Kunden hilfreich wäre. Das lässt sich vermeiden: Workshops, in denen die Verantwortlichen sich in die Kunden hineinversetzen sollen, sind sehr wirkungsvoll. Wenn zum Beispiel die mitgelieferte Fernbedienung für Kunden nicht zu verstehen ist, wird ihnen im Workshop ein ähnliches Produkt ausgehändigt (kein unternehmenseigenes, sondern ein ihnen unbekanntes), und sie schlüpfen in die Kundenrolle und müssen sich mit dem Produkt zurechtfinden. Die Aufgabe kann auch lauten, einen Anrufbeantworter oder eine Set Top Box einzurichten – ohne weitere Hilfsmittel. So wird klar, wie es dem Kunden geht und Schwachstellen können beim eigenen Produkt verbessert werden.
4. Konkurrenz
Viele Kunden informieren sich sehr ausführlich über die verschiedenen Anbieter, beobachten den Wettbewerb genau und wissen detailliert Bescheid, welche Vor- und Nachteile die Angebote haben. So können sie sehr genau sagen, warum sie sich gerade für diesen und nicht einen anderen Anbieter entschieden haben.
Um das gezielt zu nutzen, bietet sich eine maßgeschneiderte Befragung des Kunden an – nicht unbedingt direkt nach dem Telefonat, sondern zum Beispiel später durch eine Nachfasskampagne, wenn sein ursprüngliches Anliegen (der Grund, warum er im Kundenservice anrief), gelöst wurde. So kann er befragt werden, was seine Eindrücke sind, was er als Vor- und Nachteile sieht, welche Vorteile er bei der Konkurrenz wahrnimmt und unter welchen Voraussetzungen er Kunde bleiben oder abwandern würde. Ergänzt durch das, was Kundenservicemitarbeiter von Kunden hören, lassen sich die Ergebnisse dem Management präsentieren und von ihm weiterverwenden.
Fazit
Guter Kundenservice wird immer teuer sein. Gut genutzter Kundenservice wird aber immer auch echte Werte in die Organisation zurückbringen – es lohnt sich also, das gezielt zu fördern, Informationen also strukturiert zu sammeln und weiterzuverwerten. Denn ob Kundenservice ein notwendiges Übel oder ein Profit-Center ist, liegt ganz in der Hand des Unternehmens.
Fragen über Fragen: Wie Fragen zum Verkaufserfolg führen
1. Backtracking-Fragen dienen als Rückversicherung und sind gleichzeitig nicht nur ein effektives Mittel, um deutlich zu machen, dass man dem Kunden genau zuhört, sondern sind auch eine Form des Spiegelns. „Habe ich Sie in diesem Punkt richtig verstanden? Sie wollen Ihre Produktion steigern und weiterhin den hohen Qualitätsstandard halten?“ und „Ich verstehe, Sie wollen also eine Software, die einfach zu bedienen ist und mit der die Prozesse schnell optimiert werden können?“ Durch diese Fragen versichert sich der Verkäufer, dass er die Äußerungen des Kunden richtig verstanden hat. Der Kunde fühlt sich ernst genommen und gut betreut, schließlich ist der Verkäufer mit seiner ganzen Aufmerksamkeit bei ihm. Das ist doch immer ein gutes Gefühl, nicht?
2. Bumerang-Fragen sind ein wirkungsvolles Mittel, wenn man möchte, dass der Kunde seine Aussage noch einmal überdenkt. „Sie sind wirklich der Ansicht, dass eine Standort-Verlagerung ins Ausland die Lösung für alle Probleme ist?“ und „Wie kommen Sie darauf, dass eine Investition zum jetzigen Zeitpunkt in jedem Fall mehr schadet als nutzt?“ Durch diese Art der Fragestellung wird die Aussage einfach zum Kunden zurückgeworfen und dieser kann sie noch einmal überdenken. Manchmal kann ein einziges Argument der Schlüssel sein, damit man seine Meinung ändert. Finden Sie auch, dass es einen Versuch wert wäre?
Wie aber weiß man, dass man die richtigen Fragen stellt? Man macht sich klar, dass die unterschiedlichen Phasen des Verkaufsgesprächs auch unterschiedliche Fragetypen benötigen und dass hinter jeder Frage eine Intention steckt. Was will ich mit der Frage erreichen? Ist das geklärt, kann man die verschiedenen Fragetypen systematisch einsetzen. Die beiden Archetypen offene Fragen und geschlossene Fragen sind hinlänglich bekannt und müssen nicht mehr vorgestellt werden, doch was ist mit nachfolgenden beiden Fragetypen:
3. Zirkuläre Fragen ermöglichen es Ihrem Kunden, sich in eine andere Person hineinzuversetzen und für einen Moment alle seine einschränkenden Glaubenssätze außer Acht zu lassen. „Was würde denn Ihre Frau zu diesem Kamin sagen?“ oder „Was meinen Sie, was Ihr Steuerberater Ihnen raten würde, wenn er wie Sie alle Fakten kennen würde?“ Diese Art der Frage kommt aus der systemischen Therapie und eignet sich besonders für Kunden, die große Schwierigkeiten mit Entscheidungen haben.
4. Eingebettete Fragen bieten sich dann an, wenn Sie bereits zahlreiche Fragen gestellt haben und das Gespräch schon fast die Form eines Verhörs angenommen hat. „Ich frage mich, was sich durch das neue Produkt alles ändern wird.“ Bei eingebetteten Fragen handelt es sich um ein hypnotisches Sprachmuster, das in der Praxis überaus wirksam ist. Obendrein ist es ein eleganter Weg Informationen zu erhalten, ohne wie ein Kommissar zu wirken, der einen Verdächtigen so richtig in die Zange nimmt.
Fragen sind echte Alleskönner! Umso wichtiger ist es, dass sich Verkäufer mit den unterschiedlichen Fragetypen auskennen und wissen, wann welche Frage zum Ziel führt. Damit Ihnen das so geht, hier zwei weitere effektive Fragetypen, die wahre Wunder bewirken:
5. Beschleunigungsfragen helfen dabei, einen Abschluss herbeizuzaubern, sie beschleunigen die Entscheidung. Sagen Sie: „Angenommen, wir könnten zu Ihrem Wunschtermin liefern, würden Sie sich dann heute entscheiden können?“ oder „Vorausgesetzt, wir klären diesen Punkt zu Ihrer Zufriedenheit, dann würde Ihre Entscheidung positiv ausfallen?“ Eins, zwei, Abschluss! Der Verkäufer kommt dem Kunden entgegen, erfüllt dessen Kauf-Voraussetzungen, was also sollte den Käufer noch von der Entscheidung abhalten? Schneller kann man nicht zum Ziel kommen…
6. Die Werte-Fragen zum Motiv dienen nicht dazu, schnell zum Abschluss zu kommen. Vielmehr nutzt man sie, um zu ermitteln, welche Motive der Kunde hat, was ihn antreibt, was seine Beweggründe sind. Die Werte-Fragen zum Motiv beleuchten die Person, sodass der Verkäufer seinen Kunden besser einschätzen und so durch seine anschließende Argumentation besser überzeugen kann. Sagen Sie: „Warum ist Ihnen gerade dieser Punkt so wichtig?“ und „Warum kommt nur eine Immobilie in dieser Lage infrage?“ So erfahren Sie, was die wirklichen Beweggründe für Ihren Kunden sind und können noch besser auf ihn eingehen. Es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung und die lohnt sich in der Regel immer für den Verkäufer. Wer will schon an der Oberfläche kratzen, wenn er in die Tiefe blicken kann?
Manchmal im Verkaufsgespräch stellt der Kunde eine Frage, auf die man gerade keine Antwort hat. Was dann?
7. Dann kommt die Zurückstellungsfrage zum Zug. Sagen Sie: „Das ist eine wichtige Frage. Ist es Ihnen Recht, wenn wir sie für einen Moment noch einmal zurückstellen und ich sie dann ausführlich beantworte?“ oder „Ein interessanter Punkt, wenn es für Sie in Ordnung ist, dann widmen wir uns diesem Punkt in wenigen Minuten?“ Die Zurückstellungsfrage hat gleich zwei Vorteile: Zum einen verschafft Sie Ihnen einige Minuten Zeit, um eine gute Antwort auf die Frage zu finden und zum anderen ist die Frage nach der Zurückstellung manchmal auch in Vergessenheit geraten. Auch das kann ein Vorteil sein!
8. Die Welt-Frage ist von einem ganz anderen Kaliber. Sie hilft dabei, herauszufinden, was genau der Kunde meint, was ihm besonders wichtig ist und ob Verkäufer und Kunde die gleiche Sprache sprechen. Immerhin ist das Weltmodell von Mensch zu Mensch verschieden. Fragen Sie also „Was genau erwarten Sie von Ihrem neuen Produkt?“ und „Was genau verstehen Sie unter einer hohen Rendite?“ Auf den ersten Blick mag Ihnen dieser Fragetypus zu simpel vorkommen, doch es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte. Und das ist nachhaken, nachfragen, verifizieren.
Es gibt 24 verschiedene Arten von Fragen, die man je nach Situation gezielt stellen kann. Dem Kunden ist es lieber, Sie wissen genau, was er braucht und sich wünscht, als dass Sie ihm das falsche Produkt anbieten. Und Ihnen sollte es auch lieber sein, denn schließlich steigert es Ihren Umsatz.
Verkaufstipps: Ungewöhnliche Tipps zur Steigerung des Verkaufserfolgs
Tipp 1: Vergraulen Sie Ihre Kunden – um sie für immer und ewig zu gewinnen
Überlegen Sie im Team einmal grundsätzlich, wie Sie Ihre Kunden nachhaltig und möglichst rasch in die Arme der Konkurrenz treiben können. Zum Beispiel: Immer schön sachlich bleiben, immer nur die Produktinformationen aufzählen und in trockener Punktaufzählung daher beten. Der Kunde ist eine Rationalitätsmaschine und benötigt vernünftige Argumente, um eine Kaufentscheidung fällen zu können.
Und jetzt vollziehen Sie die 180°-Wende – denn natürlich ist es genau umgekehrt: Kunden treffen Entscheidungen zunächst einmal emotional und intuitiv, die Ratio liefert nachträglich die entsprechende Begründung für die emotionale Entscheidung. Und darum sollten Sie die Verkaufsprozesse für den Kunden zu emotionalen Einkaufserlebnissen entwickeln.
Tipp 2: Scheren Sie alle Kunden über einen Kamm – indem Sie individuell auf sie eingehen
Jeder Kunde ist gleich, jeder Kunde will ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis. Das mag noch stimmen. Ansonsten aber ist die Kundenwelt bunt wie ein Kaleidoskop. Der eine Kunde will wissen, ob der Nutzen eines Produkts wissenschaftlich belegt werden kann. Den Zweiten interessiert es brennend, ob ihm der Kauf einen immateriellen Vorteil verschafft. Der dritte Kunde möchte Infos darüber, ob er mit dem Produkt seinen Verantwortungsbereich erweitern kann.
Wohl gemerkt: Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung muss den Nutzen, den Sie versprechen, natürlich auch bieten. Allerdings: Den Controller-Kunden interessiert es herzlich wenig, ob sich so seine Freiheitsspielräume zum Positiven verändern. Und den innovativen Pionier ist es im Autohaus fast schon egal, ob der Neuwagen ausreichend Platz bietet, um mit Kind und Kegel an die ligurische Küste zu fahren. Argumentieren Sie darum strikt zielgruppenorientiert. Dazu müssen Sie aber wissen, mit welchen Kundentypen Sie zu tun haben.
Tipp 3: Gehen Sie unter die Ermittler – und erkennen Sie das emotionale Profil Ihrer Kunden
Kundentypologien führen zu unzulässigen Verallgemeinerungen. Beurteilungen, die mithilfe einer Typologie vorgenommen worden sind, verfestigen sich schnell zu Etiketten; es entstehen „Schubladen“, in die man Menschen einsortiert – und in denen sich diese nicht immer wohlfühlen. Mit Recht argumentieren die Gegner der Typologien, es sei unmöglich, mit einer einfachen Typologie die Vielfalt aller möglichen Verhaltensweisen zu beschreiben.
Sie sollten sich darum nie auf dieses Raster allein verlassen: Eine Beurteilung mithilfe einer Typologie ist jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu persönlichen Gesprächen und individuellen Eindrücken und ein unterstützendes Hilfsinstrument bei der Einschätzung eines Kunden.
Solange Sie und Ihre Mitarbeiter sich der Tatsache bewusst bleiben, dass Typologien nicht die Landschaft „Mensch“ selbst abbilden, sondern eher eine Landkarte, sind sie sehr nützlich. Darum: Versuchen Sie das emotionale Profil Ihrer Kunden zu erkennen und Ihre Argumentation darauf abzustimmen.
Tipp 4: Schieben Sie die Kunden in die Röhre
Moderne Technik gestattet den Blick ins Gehirn mithilfe eines Hirnscanners und zeigt, welche Informationen, Argumente und Nutzenbeschreibungen beim Kunden eine starke Emotion auslösen. Die Computertomographie beweist nun wissenschaftlich, was Spitzenverkäufer bisher aufgrund ihrer Erfahrung und Intuition ohnehin wussten – dass etwa die Zahlen-Daten-Fakten-Kunden durch eine Rentabilitätsrechnung begeistert und die dominanten Performertypen emotionalisiert werden, indem der Verkäufer ihnen zeigt, dass der Produktkauf ihre Überlegenheitsgefühle anspricht.
Umgekehrt gilt: Vermeiden Sie es, beim Kunden negative Gefühle auszulösen. Auch hier gibt es Unterschiede: Der Verkäufer darf den erlebnisorientierten Kunden, dessen bestimmendes Emotionssystem das „Stimulanzsystem“ ist und der darum gerne Neues entdecken und neue Fähigkeiten erlernen möchte, nicht durch das bloße Herunterleiern der Vorteilsargumente langweilen. Beim Bewahrerkunden hingegen, der es liebt, dass „alles beim Alten“ bleibt, muss er tunlichst Gefühle wie Angst und Stress vermeiden.
Tipp 5: Vergessen Sie Ihren Gesprächsleitfaden
Warum sollten Ihre Verkäufer den bewährten Gesprächsleifaden über Bord werfen und sich auf unbekanntes Terrain einlassen? Ganz einfach: Weil „der Köder dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler“. Verschiedene Kundentypen brauchen verschiedene Gesprächsleitfäden. Dabei kann die Struktur des klassischen Leitfadens erhalten bleiben – doch in einigen Phasen wird die Argumentation erweitert. Ihre Verkäufer schnüren verschiedene Argumente-Bündel, die sie individuell einsetzen.
Tipp 6: Arbeiten Sie mit nur drei Fragen
Die Fragekompetenz gehört zu den Kernkompetenzen Ihrer Verkäufer. Das wissen die meisten Außendienstler – und Fragen Ihren Kunden Löcher in den Bauch. Manchmal ist weniger mehr. Besser ist es, mit einem System zu arbeiten, das zugleich die Einschätzung des beherrschenden Emotionssystems erlaubt und aus den folgenden drei Fragen besteht:
- Zielfrage: „Was ist Ihnen wichtig?“ – so lernen Sie die Ziele und Wünsche des Kunden kennen.
- Prioritätenfrage: „Was davon ist Ihnen am wichtigsten?“ Der Kunde gewichtet seine Ziele, Wünsche und Anforderungen. Sie können punktgenau argumentieren.
- Motivfrage: „Weshalb ist das so wichtig?“ So erfahren Sie die Beweggründe des Kunden, die ihn zur Kaufentscheidung führen. Und Sie können das vorherrschende Emotionssystem erkennen und die Kundenbeziehung auf sichere emotionale Füße stellen.
Tipp 7: Setzen Sie sich mit Ihren Verkäufern an den Frühstückstisch
Wird ein kuscheliger und äußerst erfolgreicher Kleinwagen-Verkäufer beim Verkauf von Luxus-Limousinen ebenso großen Erfolg haben? Wahrscheinlich nicht. Anders ausgedrückt: Ein Verkäufer mit stark ausgeprägtem Balancesystem wird kaum Dominanz-Produkte verkaufen können – wer balanceorientiert ist, hat zum Beispiel Schwierigkeiten, hohe Preise durchzusetzen.
Wenn sich die Persönlichkeitsprofile des Kunden und des Verkäufers sehr voneinander unterscheiden, dann finden Denken, Wahrnehmung und Kommunikation auf völlig verschiedenen Ebenen statt. Darum ist es Ihre Aufgabe, Ihre „Pappenheimer“ genau zu kennen, das Persönlichkeitsprofil Ihrer Verkäufer festzustellen und zusammenzuführen, was zusammengehört, sprich: Achten Sie darauf, dass die Emotionssysteme des Kunden und des Verkäufers zusammenpassen.
Die drei Emotionssysteme
- Das Dominanzsystem für Selbstdurchsetzung, Konkurrenzverdrängung, Autonomie: „Sei besser als die anderen“ und „Setze dich durch und vergrößere deine Macht“.
- Das Stimulanzsystem für Erlebnis, Kreativität, Entdeckung von Neuem, Lernen von neuen Fähigkeiten: „Sei anders und brich aus dem Gewohnten aus“ und „Suche nach Abwechslung“.
- Das Balancesystem – alle Gefühle, die nach Sicherheit, Risikovermeidung und Stabilität streben: „Vermeide jede Veränderung“ und „Lass alles beim Alten“.
Pharmaindustrie: Neuausrichtung von Marktforschung und Außendienst erforderlich
Die Notwendigkeit, den Vertrieb effektiver, aber auch effizienter zu gestalten, steigt, wie in vielen Branchen, auch bei den Herstellern pharmazeutischer Produkte. Das resultiert zum einen aus den veränderten gesundheitspolitischen und pharmaökonomischen Rahmenbedingungen, aber auch aus der Tatsache, dass wir in einer Zeit zunehmender Reizüberflutung leben. Dadurch verstärkt sich bei uns allen der Zwang, Informationen wesentlich stärker zu selektieren, und es erschwert in der Folge erheblich, Werbe- und Produktbotschaften beim verschreibenden Arzt oder – bezogen auf verschreibungspflichtige Arzneimittel – beim Endverbraucher abzusetzen. Dies gilt für alle Kommunikationsformen, gleich ob klassische Werbung, Public Relations, Direkt-Marketing oder Außendienstbesuch.
Wer den eigenen Vertrieb schlagkräftiger machen will, sollte zunächst die Marktforschung optimieren, deren ureigenste Aufgabe es ist, Informationen über aktuelle Marktentwicklungen zu beschaffen, die für Marketing- beziehungsweise Vertriebs-Strategien und die operativen Maßnahmen benötigt werden. Die Erkenntnisse der Marktforscher sollen es letztlich dem Vertrieb erleichtern, die Kundenansprache präziser, wirkungsvoller, effizienter und damit erfolgreicher zu gestalten.
Emotionale Kaufmotive ergründen
Damit die Botschaften, die der Außendienst den verschreibenden Ärzten beziehungsweise die Werbung den Endverbrauchern übermittelt, wieder stärker wahrgenommen, verstanden und als subjektiv relevant empfunden werden, muss die Marktforschung jedoch ihren Fokus stärker auf die Bedürfnisse und Motivstrukturen der Zielgruppen richten und diese exakter erfassen, als dies bislang üblich ist. Noch konzentrieren sich die Forscher mehr auf Fragen zu Präparatedetails, die für Hersteller, Marketingleiter und Produktmanager wichtig sind, um das "ideale Medikament" auf den Markt bringen zu können.
Künftig ist es indes wichtiger, mithilfe angemessener Erhebungsmethoden zu ermitteln, weshalb sich ein Arzt oder Kunde für die eine oder die andere dargebotene Produktalternative entscheidet. Es ist ebenso wichtig zu erfahren, welche tiefer liegenden Bedürfnisse, emotionalen Motive und Wünsche das Verschreibungsverhalten beziehungsweise das Kaufverhalten von Ärzten und Kunden beeinflussen. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ein Arzt zum Beispiel besonders wichtig ist, von seinen Patienten nicht als „Spardoktor" angesehen zu werden, oder ob es ihm darauf ankommt, dass ein Medikament sehr schnell wirkt, damit ihn seine Patienten als „Mann der Tat" wahrnehmen.
Derartige Informationen über den subjektiven emotionalen Nutzen, den persönlichen Vorteil einer Produktkategorie oder Marke für den verschreibenden Arzt beziehungsweise Kunden sollten systematisch erhoben werden. Gleiches gilt für die Patientenstruktur von Arztpraxen, dem Kassenstatus der Behandelten und in welchem Maße die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen Einfluss auf das Verschreibungsverhalten der Ärzte haben.
Neben den Befunden der Marktforscher und den Daten von externen Studien sind insbesondere auch alle Informationen, die die Außendienstler in Bezug auf die Motivstrukturen und das Verschreibungsverhalten ihrer Kunden liefern können, in einem CRM-System zu erfassen. Trotz und gerade wegen ihrer Komplexität sind alle Daten zu berücksichtigen, denn so wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Vertrieb später gleichermaßen effizient wie effektiv handeln kann.
Zielgruppen segmentieren
Das genutzte CRM-System sollte es ermöglichen, sämtliche Daten und Informationen über Ärzte und Kunden nach definierten Kriterien auszuwerten und Cluster zu bilden, damit sich Zielgruppen segmentieren, deren Umsatzpotenziale detailliert beschreiben, das Account-Management professionalisieren und konkrete Vertriebsmaßnahmen ableiten lassen. Viele Merkmale treffen schließlich nicht nur auf eine Einzelperson beziehungsweise Einrichtung, sondern auf mehrere Verordner oder Kunden zu. Es empfiehlt sich beispielsweise auch, mithilfe dieses Systems zu analysieren, welche Ärztegruppe und welche Krankenhäuser das höchste Absatzpotenzial haben, welche Ärztegruppen und Fachabteilungen die meisten Patienten mit einer bestimmten Indikation behandeln oder in welchem Produktsegment Wettbewerber erfolgreicher verkaufen.
Des Weiteren können Detailanalysen herausfinden, ob Ärzte, die die Vorteile eines Produktes besser kennen, es häufiger verschreiben als diejenigen, denen diese Kenntnisse fehlen. Oder es zeigt sich etwa, dass es sich positiv auf die Umsätze auswirkt, wenn ein Arzt bereits in der Vergangenheit das Präparat häufiger verschrieben hat.
Profiling und Targeting
Eine Maxime ist im Vertrieb besonders zu beherzigen: Jeder Arzt, jeder Kunde ist anders und einzigartig. Und jeder Einzelne von ihnen möchte auch so behandelt werden. Gemäß seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen. Damit dies gelingt, müssen Arzt/Kunde sowie deren Bedürfnisse, Interessen, Kaufmotive und Entscheidungskriterien bekannt sein. Diese Informationen zu beschaffen, ist, wie erwähnt, Aufgabe der Marktforschung und des Außendiensts.
Ein zusätzliches Profiling der verordnenden Ärzte und Krankenhäuser innerhalb der Segmente verdeutlicht deren Bedürfnisse, Erwartungen, Interessen und Zukunftspläne. Dieses Wissen können die Key Account Manager nutzen, um mit ihren Kunden Anknüpfungspunkte zu finden, optimale Lösungen zu erarbeiten, eine engere Kundenbeziehung herzustellen, langfristige Verträge abzuschließen und dadurch die Wertschöpfungskette effizienter zu machen. Die Erfahrung zeigt: Ärzte schätzen individuelle Empfehlungen und Lösungen, da sie ihren eigenen Aufwand reduzieren, sich über die Vor- und Nachteile eines Präparats oder einer Lösung ausführlich informieren zu müssen. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Key Account Manager. Dieses Vertrauen entwickelt sich schneller, wenn der Arzt spürt, dass es dem Vertriebsmitarbeiter nicht allein um den Verkauf von Produkten, sondern um die Befriedigung der Kundenbedürfnisse geht.
Die Marktsegmentierung erleichtert auch das Targeting und damit die Festlegung geeigneter Kommunikationsinstrumente und Distributionskanäle. Die Mittel für Werbung, Public Relations und Direktmarketing können in der Folge zielgerichteter und damit wirtschaftlicher eingesetzt werden, da die einzelnen Maßnahmen stärker auf die interessierten Ärzte und Kunden zugeschnitten werden können. Dadurch steigt das Vermarktungspotenzial signifikant. Je sorgfältiger die Zielgruppen klassifiziert werden, desto höher ist der spätere Vertriebserfolg. Zudem reduziert sich der Aufwand, die Kunden zu bearbeiten, sodass auch dies die Vertriebseffizienz erhöht.
Voraussetzung für all dies jedoch:
- systematisch Marktforschung betreiben,
- qualitative sowie quantitative Daten sammeln und
- diese Informationen klug analysieren.
Der Aufwand lohnt, schließlich ist allgemein bekannt, dass es einfacher ist, die Zahl der Verschreibungen von bestehenden Verordnern zu erhöhen, als neue Verordner und Kunden zu akquirieren.
Selbstverständlich wirkt sich dieses Vorgehen auch auf die Vertriebsorganisation aus, wenn zum Beispiel deutlich wird, dass sich infolge verstärkter Netzwerkbildung die Kundenstruktur verändert hat. Auch neue Vergütungsmodelle für den Außendienst sind die Folge, um die Leistungen angemessen zu beurteilen, etwa die Zahl langfristiger Kassenverträge.
Last, but not least hat diese Form der Marktbearbeitung auch Konsequenzen für jeden einzelnen Vertriebsmitarbeiter, die nicht nur Produktkompetenz, sondern vermehrt betriebswirtschaftliches Know-how, Verhandlungsgeschick und strategischen Wissen benötigen, um sich langfristig als Partner ihrer Kunden zu etablieren.
Checkliste: Wie Sie Ihre Vertriebseffektivität steigern
- Achten Sie darauf, dass die Marktforschung die emotionalen Kaufmotive Ihrer Kunden identifiziert.
- Erheben Sie auch über Ihren Außendienst systematisch Kundeninformationen.
- Kombinieren Sie diese Daten mit Daten aus externen Marktstudien.
- Pflegen Sie sämtliche Daten in ein professionelles CRM-System ein.
- Segmentieren Sie die Daten in Marktbereiche und Kundengruppen.
- Ergänzen Sie die Kundensegmente durch ein aussagefähiges Profiling.
- Nutzen Sie Targeting, um die Kommunikation und Distribution zu optimieren.
- Prüfen Sie, inwieweit Sie Ihre Vertriebsorganisation der neuen Vorgehensweise anpassen müssen.
- Ermitteln Sie den Qualifizierungsbedarf Ihrer Außendienstmitarbeiter, damit diese ihre Aufgaben erfüllen können.
- Führen Sie regelmäßig ein Vertriebscontrolling durch.

Weihnachtsgeschäft: Optimierung des Online-Shops zur Weihnachtszeit
Laut des Branchenverbands BITKOM bestellen rund 22 Millionen Deutsche ihre Weihnachtsgeschenke im Internet. Dies ist eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (Zur Studie [39] ) Umso wichtiger ist es für Web-Händler, ihren Online-Shop zielgruppengerecht auszurichten und an die Weihnachtssaison anzupassen. Pontus Kristiansson, CEO bei Avail Intelligence, sagt:
„Für Online-Händler hat die wichtigste Zeit des Jahres begonnen. Jetzt können sie punkten, indem sie ihre Suchfunktionen genau auf Weihnachtsgeschenke ausrichten.“
Avail Intelligence empfiehlt den Einsatz von drei Behavioral Merchandising-Techniken, um den Umsatz zur Weihnachtszeit zu steigern:
- Spezielle Suchseiten: Mit den Suchseiten, die Web-Händler problemlos in ihren Shop integrieren, können gestresste Weihnachtseinkäufer schneller und einfacher ein passendes Geschenk finden. Bei Eingabe eines Artikels wie zum Beispiel Spielzeug erhalten die Kunden Vorschläge für spezielle aktuelle Angebote oder die am meisten gekauften Produkte in diesem Segment.
- Spezieller Geschenke-Finder: Mit dem Geschenke-Finder wird ein Geschenk ermittelt, das am besten zu dem entsprechenden Kunden passt. Zwar kann der Käufer über eine spezielle Suchseite ein Geschenk eingeben, aber zu Weihnachten eignet sich der Geschenke-Finder noch besser. Hier ermittelt der Webhändler anhand des Kaufverhaltens des Kunden, was er sucht und richtet daraufhin eine Seite ein. So bleiben die Weihnachts-Shopper auf dem neusten Stand und die Chance, dass sie mit ihren Geschenken daneben liegen, ist gering.
- Add-to-basket Funktion: Die Add-to-basket Funktion hat einen besonders großen Einfluss auf die Umsatzzahlen. Sobald ein Shopper einen Artikel in den Warenkorb gelegt hat, bekommt er Vorschläge, welche weiteren Artikel ein Kunde beim Kauf des gleichen Artikels erworben hat. Hier bekommt der Suchende interessante Inspirationen für weitere Präsente und schlägt gern auch mehrfach zu. Gerade zu Weihnachten darf es oft mal ein wenig mehr sein und der Schenkende nimmt gern noch ein passendes Accessoire dazu, um zur Weihnachtszeit besonders zu überraschen.
Quelle: Avail Intelligence
Investitionsgüterverkauf: Tipps wie Sie Einkäufer für sich gewinnen
1. Streben Sie eine Partnerschaft mit den Einkäufern an.
Partnerschaft setzt wechselseitiges Vertrauen und gemeinsame Ziele voraus. Beide Faktoren entwickeln sich nur im persönlichen Kontakt.
2. Suchen Sie den persönlichen Kontakt zum Einkäufer so früh und oft wie möglich.
Zum Beispiel, indem Sie bei Gesprächen mit der Fachabteilung fragen: „Welcher Kollege aus dem Einkauf wird später hierfür zuständig sein? Darf ich mich ihm heute schon mal vorstellen?“
3. Sprechen Sie mit dem Einkäufer über seine Ziele.
Fragen Sie ihn zum Beispiel: „Welche Wünsche haben Sie bezüglich der Zusammenarbeit?“ Oder: „Ist für Sie eine Zusammenarbeit beim Optimieren des Beschaffungsprozesses oder bei der Entsorgung interessant?“
4. Pflegen Sie die Spielregel „Geben und Nehmen“.
Zeigen Sie dem Einkäufer auf, was Sie ihm/seinem Unternehmen im Lauf der Zusammenarbeit schon gegeben haben (zum Beispiel Rücknahme von Falschbestellungen, ohne Wiedereinlagerungskosten zu berechnen, Blitzlieferungen wegen verspäteter Bestellungen). Dokumentieren Sie solche „Extra-Leistungen“, damit Sie diese bei Verhandlungen in die Waagschale werfen können.
„Geben und Nehmen“ bedeutet auch: Gegenforderungen bei „Gefälligkeiten“ stellen – zum Beispiel, wenn Sie für einen Einkäufer ohne Auftragschance das nötige dritte Angebot erstellen. Sagen Sie dann: „Herr Einkäufer, ich erstelle das Angebot gerne, obwohl Sie beim Unternehmen x bestellen werden. Aber in welchem Bereich können Sie mir hierfür einen Ausgleich bieten?“
5. Verbessern Sie Ihre Einstellung zu Einkäufern.
Streifen Sie das Bild vom „bösen Einkäufer“ ab, indem Sie Stellenangebote für Einkäufer lesen und die wirklichen Aufgaben der Einkäufer von heute kennenlernen. Runden Sie das Gelesene durch persönliche Gespräche mit Einkäufern über deren Arbeit ab. Interessieren Sie sich auch für den Einkäufer als Mensch, damit Sie seine Sympathie gewinnen. Auch Besuche von Einkäufer-Seminaren und ein Sich-Informieren über Einkaufsrichtlinien (auch bei den Einkäufern des eigenen Unternehmens) tragen zu einem besseren Verständnis der Einkäufer bei.
6. Erarbeiten Sie Themenfelder für Ihre regelmäßigen Gespräche mit Einkäufern, die nicht Preise und Konditionen zum Inhalt haben.
Zum Beispiel: Unterstützung beim Optimieren der Arbeitsabläufe, Instrumente zum Erhöhen der Markttransparenz, Zuarbeit bei Projekten, spezielle Weiterbildungsangebote für Einkäufer.
7. Integrieren Sie die Einkäufer so früh und oft wie möglich in Ihre Gespräche mit den Fachabteilungen.
Nur so können Sie bei den Einkäufern das nötige Problem- und Wertbewusstsein schaffen. Einkäufer, die von Verkäufern nicht integriert und ernst genommen werden, fühlen sich in ihrer Daseinsberechtigung bedroht. Entsprechend treten sie bei Abschlussverhandlungen auf.
8. Unterstützen Sie die Evaluierungsarbeit der Einkäufer.
Stellen Sie in Ihren Angeboten klar und deutlich sowie kundenorientiert den Nutzen Ihrer Lösung dar – technisch, und kaufmännisch. Das erspart dem Einkäufer Arbeit und erhöht seine Sympathie für Ihr Angebot.
Fazit: Holen Sie die Einkäufer ins Boot, statt zu versuchen, diese „auszubooten“. Denn selbst wenn ein Einkäufer keine Entscheidungsmacht hat, so kann er Ihnen doch schaden.
Verkaufsgespräche: Machen Sie auch mal Pausen beim Sprechen
Auch ein guter Vortragsredner macht beim Reden viele Pausen – selbst wenn er alleine auf der Bühne steht und ihm niemand das Mikrofon entreißen kann. Denn er weiß: Damit meine Worte die gewünschte Wirkung erzielen, muss ich nicht nur mein Sprechtempo und die Lautstärke variieren. Nein, ich muss auch regelmäßig Sprechpausen einlegen; Pausen, in denen ich zum Beispiel innerlich langsam bis drei zähle, während mein Blick übers Publikum schweift. Und erst dann sage ich: „Ich verrate Ihnen ein Geheimnis aller Top-Redner“. Eins, zwei, drei. „Sie machen beim Reden oft Pausen – um die Spannung der Zuhörer zu erhöhen.“ Und nach einer solchen Aussage, mache ich erneut eine Pause: Eins, zwei, drei – damit die Aussage wirken, also in den „Gedanken-Speicher“ der Zuhörer eindringen kann.
Leider vergessen viele Verkäufer, wie wichtig Phasen der Ruhe zum Erzielen der gewünschten Wirkung sind. Dabei sagt schon der Volksmund: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Fast alle Verkäufer wissen heute zwar: „Wer fragt, der führt.“ Doch wirklich verinnerlicht haben sie diese Aussage nicht. Das zeigt sich oft bereits während der für den Verkaufserfolg so wichtigen Bedarfsermittlung in Kundengesprächen. Dann quasseln Verkäufer häufig, kaum hat der Kunde ihnen die erste Info gegeben, so wild drauflos, dass ihnen selbst nach einiger Zeit die Luft und Spucke wegbleibt. Und der Kontakt zum Kunden? Er geht verloren, wenn er so überhaupt zustande kam.
Die meisten Verkäufer haben auch schon den Satz gehört: „Wer fragt, der lenkt, was der Kunde denkt.“ Doch sie vergessen oft: Sogar „kleine Einsteins“ benötigen zum Nachdenken und Verarbeiten des Gehörten zuweilen Zeit – also auch sie und ihre Kunden. Deshalb rauschen ihre Worte wirkungslos an den Kunden vorüber, weil sie sich zwischendurch nicht die Zeit nehmen, um zu überprüfen: Wie kommen meine Worte beim Gegenüber an?
Und ihre Kunden? Sie sind von dem Redeschwall und der Argumentationsflut oft überfordert. Die Folge: Sie schalten innerlich ab und verlieren die Lust am Gespräch mit dem Verkäufer und an dessen Produkt. Und gegen Ende des Gesprächs sagen sie „Ich denke zu Hause noch einmal in Ruhe darüber nach“ und verschwinden auf Nimmerwiedersehen.
Echte Spitzenverkäufer, die fit im emotionalen Verkaufen sind, wissen, wie wichtig Pausen sind, um ein gutes Gesprächsklima zu schaffen und die Kunden in Kauflaune zu versetzen. Deshalb nehmen sie in Verkaufsgesprächen, wenn sie oder der Kunde etwas Wichtiges gesagt haben, oft den Fuß vom Gas – speziell dann, wenn sie zum Verkaufsabschluss kommen möchten. Sie lehnen sich (innerlich) entspannt zurück. Sie atmen durch. Sie schauen den Partner freundlich an. Sie warten, was kommt. Oder kurz: Sie machen eine Sprechpause.
Gute Gründe für mehr (Sprech-) Pausen in Verkaufsgesprächen
Pausen ...
1. ... sorgen für einen guten ersten Eindruck!
Beginnen Sie ein Kundengespräch mal nicht mit dem üblichen, langweiligen Verkäufer-Small Talk. Sagen Sie stattdessen nach der Begrüßung einfach mal nichts, während Sie Ihr Gegenüber interessiert anschauen. Das ist ein echtes Aha-Erlebnis für den Kunden und hebt Sie positiv von der Masse Ihrer Verkäufer-Kollegen ab. Also sind Sie dem Kunden sympathisch.
2. ... fördern und verstärken den Blickkontakt!
Fakt ist: Je mehr ein Verkäufer redet, desto weniger Blickkontakt hat er mit dem Kunden. Das heißt, die persönliche Beziehung geht schnell verloren. Denn diese wird weitgehend über den Blickkontakt hergestellt und aufrechterhalten. Machen Sie deshalb beim Reden immer wieder Pausen. Und sei es nur, um den Blickkontakt wieder herzustellen und dem Kunden zu signalisieren: Ich nehme dich als Person noch wahr.
3. ... erleichtern dem Verkäufer das Vorausdenken!
Reden und gleichzeitig denken – das fällt fast allen Menschen schwer. Wer pausenlos redet, kann meist nur sein antrainiertes Programm herunterspulen. Ein individuelles Eingehen auf den Kunden ist so nur bedingt möglich. Denn dies setzt neben einem sensiblen Wahrnehmen des Gegenübers auch ein regelmäßiges Nachdenken und Anpassen des Verhaltens voraus. Auch deshalb machen Spitzenverkäufer oft Pausen, um zu beobachten sowie nach und voraus zu denken, damit sie den Kunden ganz individuell ansprechen können.
4. ... vermeiden Missverständnisse!
Oft kommen Verkäufer-Botschaften in Kundengesprächen nicht wie gewünscht an – ohne dass dies der Verkäufer registriert. Regelmäßige Gesprächspausen erleichtern es dem Kunden, das Gehörte zu verstehen und einzuordnen. Sie eröffnen ihm zudem die Chance, über wichtige Fragen, ungeklärte Einwände und persönliche Wünsche nachzudenken und diese zu artikulieren. Also kann der Verkäufer hierauf reagieren. Dies zahlt sich aus, wenn der Verkäufer zum Abschluss kommen möchte. Denn dann sind alle Fragen geklärt und der Kunde artikuliert kein „Ja, aber ...“.
5. ... dienen dem Angleichen und dem Miteinander!
Im Verlauf von Verkaufsgesprächen wandelt sich oft die Stimmungs- und Bedürfnislage der Kunden. Relaxte Kunden werden plötzlich unruhig und nervös. Interessierte Kunden reagieren plötzlich gleichgültig. Kunden, die sich zunächst primär für die Technik interessierten, interessieren sich plötzlich fürs Design. Auch deshalb sind Pausen wichtig, um zu checken: Schwimmen wir noch auf einer Wellenlänge? Pausen wirken wie ein positiver Reset: Verkäufer und Kunde haben die Möglichkeit, vor- und nachzudenken, den anderen anzuschauen und auf dessen (Körper-)Botschaften zu reagieren.
6. ... wirken respektvoll und höflich, offen und souverän!
Kunden wollen als Person wahrgenommen und gehört werden. Das setzt voraus, dass man ihnen die Chance gibt, das Wort zu ergreifen – ohne den Verkäufer zu unterbrechen. Auch deshalb sind Pausen wichtig. Sie signalisieren dem Kunden: Ich bin offen für Deine Fragen, Einwände und individuellen Wünsche – und habe keine Angst vor ihnen. Das tut dem Kunden gut und weckt sein Vertrauen. Denn ein Verkäufer, der jederzeit für Fragen und Einwände offen ist, ist in seinen Augen souverän.
7. ... erhöhen die Aufmerksamkeit!
Gesprochen wird in Verkaufsgesprächen meist viel – zu viel. Entsprechend schwierig ist für die Kunden, alle Infos zu speichern und richtig einzuordnen. Signalisieren Sie deshalb Ihren Kunden vor einem wichtigen Argument oder einer wichtigen Frage oder Bitte durch ein kurzes Schweigen mit Blickkontakt: Bitte spitzen Sie jetzt Ihre Ohren und schenken Sie dem, was nun kommt, Ihre volle Aufmerksamkeit. Denn ...“
8. ... verstärken die Botschaft und erhöhen die Abschlussquote!
Gerade nach wichtigen Aussagen wie zum Beispiel dem Nennen des zentrales Kaufarguments gilt das Gebot: Schweigen ist Gold. Denn wenn Sie jetzt unmittelbar weiterreden, dann mindert dies die Wirkung Ihrer Botschaft. Sie geht sozusagen in den folgenden Worten unter. Machen Sie deshalb nach jeder wichtigen Aussage eine Pause. Dies gilt insbesondere beim Abschluss: Nennen Sie dem Kunden mit der größten Selbstverständlichkeit Ihren Preis und empfehlen Sie ihm die nächsten Schritte (und strahlen Sie dabei eine hohe Verbindlichkeit aus). Und danach? Dann schweigen Sie ... und schauen, wie das alles auf den Kunden wirkt und ob er hierauf wie gewünscht reagiert.
9. ... sorgen für Intimität und festigen die Beziehung!
Guten Freunden hört man gerne zu. Deshalb sind Pausen im Verkaufsgespräch ein Höchstmaß an zwischenmenschlicher Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Sie machen aus Kunden Partner.
Gute Freunde können auch gemeinsam schweigen – ohne sogleich panisch zu denken „Huch, wir haben uns nichts mehr zu sagen. Unsere Beziehung reißt ab“. Nein, sie genießen sogar gemeinsam diese Momente der Ruhe und Nähe, in denen sie ihre Gedanken ordnen und in sich hineinhorchen können. Gönnen Sie auch sich und Ihren Kunden, dieses Gefühl von Nähe. Denn gemeinsam schweigen zu können, ist oft ein Zeichen von Vertrauen und Verbundenheit.
Preiskampf: Es gibt immer einen, der billiger ist
Die Forschung hat mittlerweile herausgefunden, was im Hirn passiert, wenn wir ein Rabattschild sehen. Ein Teil des Belohnungssystems wird aktiv, während andere Areale, die Teil des Kontroll- und Verstandeszentrums sind, nur reduziert aktiv sind. Der Kabarettist Vince Ebert bringt es auf den Punkt: „Die Aussicht auf Schnäppchen lähmt die Großhirnrinde.“
Leider fußen nach wie vor sehr viele Marketingkampagnen auf diesem Ansatz. Dabei gibt es mittlerweile genug warnende Beispiele aus allen Branchen, die sich mit „sagenhaften Hammer-Niedrig-Preisen“ langfristig die Existenzgrundlage entzogen haben. Viel besser ist es bei der Neukundengewinnung von vornherein auf eine Strategie zu setzen, die auf Vertrauen und Werten aufbaut.
Statt ihn mit Rabatten zu ködern, ist es viel klüger, dem Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Verkäufer, die diese Profitselling-Strategie anwenden, stellen sich zunächst die Frage: Wie kann ich die Lebensqualität meines Kunden verbessern? Wie kann ich sein Leben einfacher machen, den Einkauf angenehmer gestalten, ihm ein richtig gutes Gefühl vermitteln? Die allermeisten Menschen sind bereit, einen fairen Preis zu zahlen - wenn sie dafür Lösungen und positive Emotionen erhalten; etwas, das für sie einen wirklichen Wert darstellt.
So entstehen langfristige Kundenbeziehungen. Voraussetzung für diese Methode ist, dass Unternehmen ihre Kunden kennen. Was bewegt sie? Welche Werte spielen für sie eine Rolle? Unter welchen Problemen leiden sie, in welchen Abhängigkeiten stehen sie? Um diese wichtigen Informationen zu bekommen, sollten Verkäufer ihr psychologisches Gespür und ihre Fragetechniken schulen. Wirklich jeder Kontakt sollte dazu genutzt werden, mehr über den Kunden herauszufinden und das Wissen sollte systematisch erfasst werden.
Die Recherche steht deshalb am Anfang der wichtigsten zehn Punkte, die es bei der Neukundengewinnung ohne Rabatte zu berücksichtigen gilt.
1. Recherche
Wenn Sie neue Geschäftsfelder erschließen wollen, machen Sie sich vorab im Detail mit der Zielbranche vertraut. Werden Sie zum Spezialisten; bilden Sie sich weiter. Finden Sie möglichst viel über Ihre Wettbewerber heraus. Nutzen Sie alle verfügbaren Informationen - auch firmeninterne, das wird häufig vergessen! - um herauszufinden: Was bewegt die Branche? Wo geht die Entwicklung hin? Bei welchen Kunden lohnt sich die Akquise? Nutzen Sie jeden weiteren Kontakt, um zum Experten für Ihren Kunden zu werden und seine inneren Antreiber kennenzulernen. Ihr Gegenüber freut sich über die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird. Wertschätzung ist ein großer Motivator für die Auftragsvergabe.
2. Der individuelle Mehrwert für den Kunden
Die zentrale Frage, die Sie sich vor dem ersten Kontakt mit dem potenziellen Kunden stellen sollten, lautet: Was können Sie besser als die anderen? Womit können Sie den Kunden bei seinen täglichen Aufgaben unterstützen, ihm helfen, seine Produktivität zu steigern und mehr Umsatz zu generieren? Lassen Sie sich für die Beantwortung Zeit. Fixieren Sie den Mehrwert, den Sie Kunden bieten, am besten schriftlich. Nur wenn Sie ihn selbst verinnerlicht haben, strahlen Sie ihn nach außen aus.
Nicht Gesprächsstrategien sind entscheidend, sondern die innere Einstellung. Nur wenn diese stimmt, sind Sie authentisch und glaubwürdig. Überdurchschnittliche erfolgreiche Unternehmen bedienen die Bedürfnisse des Kunden perfekt – manchmal, bevor er sie selbst kennt. Für den Mehrwert gibt es unzählige Möglichkeiten: gastronomisches Angebot im Showroom, eine besonders übersichtliche Homepage mit umfangreichem Online-Service, ausführliche Expertenberatung, besonders kurze Lieferzeiten, Komplettlösungen… Das Entscheidende ist: Der Mehrwert muss echt, also an der Welt des Kunden und nicht etwa am eigenen Unternehmen orientiert, sein. Und Unternehmer brauchen Verkäufer, die den Kunden das Einmalige ihres Angebots vermitteln können.
3. Gesprächseinstieg
Natürlich sind Argumentationshilfen und Checklisten für die Kaltakquise hilfreich. Gerade ein guter Einstieg ist für Verkäufer häufig ein Problem, die ersten Worte können eine Brücke sein. Halten Sie sich aber niemals zu starr an Gesprächsmuster. Vergessen Sie nicht, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.
4. Wer ist der Entscheider?
Im Vorfeld sollten Sie möglichst den Namen des Entscheiders recherchiert haben. Im Normalfall werden Sie trotzdem zunächst mit einer Assistentin sprechen, um durchgestellt zu werden. Versuchen Sie nicht diese zu übertölpeln, sondern behandeln Sie sie mit dem gleichen Respekt wie den Geschäftsführer. Machen Sie aber dennoch klar, dass es sich um eine Terminvereinbarung auf Geschäftsleitungsebene handelt.
5. Neugierde wecken
Mit dem Entscheider sprechen Sie über Dinge, die ihn – nicht Sie – interessieren und von denen er profitiert: Finanzen, Wachstum, Innovation, Strategien. Ihr Angebot sollte ihn in einem oder mehreren dieser Bereiche unterstützen.
6. Termin vereinbaren
Ziel des Kaltakquisegesprächs ist der Termin beim Kunden. Wenn der also Interesse signalisiert, dann schwallen Sie ihn nicht mit Details zu, sondern machen Sie genau das: einen konkreten Termin aus.
7. Messegespräche nutzen
Messen sind ein hervorragendes Instrument zur Neukundengewinnung. Auch hier gilt wie beim ersten Gespräch: Machen Sie den Besucher neugierig und überfrachten Sie ihn nicht mit Informationen! Ziel des Kontakts ist - außer bei reinen Verkaufsmessen - der Vor-Ort-Termin beim Kunden.
8. Ein „Nein“ ist okay
Viele Verkäufer haben Angst vor dem „Nein“. Machen Sie sich klar: Selbst wenn Sie eine nicht gerade gute Quote von 20:1 haben, jeder dieser Anrufe hat tatsächlich einen Wert.
Nehmen wir an, Ihr durchschnittlicher Auftragswert liegt bei 50.000 Euro. Und jedes fünfte Angebot, das Sie schreiben, wird ein Auftrag. Das heißt, die einzelnen Angebote sind 10.000 Euro wert. Vor einem Angebot hatten Sie durchschnittlich drei Termine beim Kunden, das macht dann einen Wert von 3.333 Euro pro Termin. Wenn Sie das jetzt noch durch Ihre 20 für einen Termin nötigen Anrufe teilen, kommen Sie auf 167 Euro! Das heißt, jedes Telefonat hat einen Wert von 167 Euro.
Ganz abgesehen von den Erfahrungen, die Sie in jedem Gespräch sammeln. Sehen Sie ein „Nein“ also als Herausforderung an und erkennen Sie seinen Wert!
9. Der erste Termin beim Kunden
Der Termin beim Kunden steht. Es ist eine Selbstverständlichkeit, sich darauf perfekt vorzubereiten. Gehen Sie in jedes Gespräch mit einem konkreten Ziel – der nächste Termin, das Angebot, der Abschluss - und nennen Sie es anfangs. Wie viel Akquiseaufwand Sie pro Kunde aufwenden, sollten Sie sehr genau prüfen und sich vor allem eine klare Grenze setzen. Wenn Sie bis zum gesetzten Zeitpunkt keinen Abschluss erzielt haben, wird das im Regelfall auch nicht mehr passieren.
10. Marketing - online und offline
Internetmarketing ist ein wichtiges Instrument zur Neukundengewinnung. Gehen Sie mit einer klaren Strategie vor und sprechen Sie auch online gezielt Ihre Wunschkunden an. Der Nachteil vom Internetmarketing ist allerdings, dass der Kunde im Normalfall nicht nur Sie, sondern auch Ihre Konkurrenz anfragt. Wenn Sie dagegen den Bedarf beim Kunden durch direkte, aktive Ansprache wecken, fällt dieser Wettbewerbsdruck deutlich geringer aus. Klassische Akquise und Internetmarketing sollten sich also im Idealfall ergänzen.
Erfolgreich verkaufen: Eine Frage der Verkaufstechnik oder der Psyche?
Für Verkäufer sind Verkaufstechniken das A und O! Fragetechnik, Nutzenargumente, Verhandlungsphasen und kommunikative Fähigkeiten sind aber nur eine Seite der Medaille. Und nach dem O geht es schließlich – nicht nur im Alphabet – noch weiter bis zum Z = Zuversicht. Genau an der mangelt es nämlich vielen Verkäufern derzeit. Wenn harte Zeiten hinter uns liegen, fällt es uns manchmal schwer, wieder gute Geschäfte zu machen. Wir stecken voller Selbstzweifel, sind ängstlich und denken nur an das, was schwierig war (und gedanklich immer noch ist). Die „guten alten Zeiten“ sind schon zu lange her, als dass wir uns daran erinnern könnten. So verpassen Verkäufer, auch wenn es wieder aufwärts geht, Umsätze. Die Selbsteinschätzung „Ich kann nicht gut verkaufen!“ (nur weil es in den letzten Monaten schwierig war) wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung und die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller – gedanklich und hinsichtlich des Verkaufserfolges oder besser -misserfolges.
Worauf fokussiert und konzentriert sich der Verkäufer?
Stellen Sie sich bitte einmal vor, wir würden einen Wettbewerb veranstalten. Die Disziplin ist Pfeil- und Bogenschießen. Jeder Teilnehmer konzentriert sich auf den roten Punkt in der Mitte. Das nennt man Fokussieren. Sie spannen den Pfeil und Bogen und können sich bildlich vorstellen, wie der Pfeil genau in die Mitte trifft. Bleibt die Frage, worauf Sie sich derzeit als Verkäufer fokussieren: Auf die Kunden, die in der Vergangenheit nicht kaufen wollten? Oder auf neue Chancen, die eine wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringt?
Umgekehrt ist es ebenso entscheidend, auf was sich der Kunde konzentriert beziehungsweise worauf der Verkäufer den Fokus des Kunden lenkt: Hat der Verkäufer das Bild vor Augen (und im Inneren fest verankert) „Der Kunde will nicht kaufen“, wird er diesem vielleicht sogar noch die falschen Argumente in den Mund legen. Das Unterbewusstsein arbeitet (nicht nur hier) sehr konsequent. Es geht soweit, dass Verkäufer ihren Kunden erst dazu raten, doch unbedingt noch ein Gegenangebot einzuholen.
Die Aufgabe des Vertriebsleiters und der Führungskraft
Zugegeben, der Verkauf in den letzten Jahren war nicht leicht – auch wenn in bestimmten Branchen von einer Krise keine Rede sein konnte. Diese akute Situation führt bei vielen Verkäufern dazu, dass sie von Vorannahmen ausgehen, die so in vielen Fällen nicht mehr stimmen. Da die Angst vor dem weiteren Versagen jedoch so groß ist, fällt es dem Verkäufer zunehmend schwer, von außen Empfehlungen anzunehmen. Auch wenn der Vertriebsleiter seiner Mannschaft gut zuredet, die Führungskraft von der Qualität des Verkäufers absolut überzeugt ist und dies ihm gegenüber auch kommuniziert, bringt dies so gut wie keinerlei positiven Effekt. Die schönsten und wohlgemeinten Worte sind hier nur Schall und Rauch. Der Verkäufer ist nicht in der Lage, diese anzunehmen, weil er einfach zu bedrückt ist und die schlechten (Nicht-)Verkäufe zu sehr an seinem Selbstvertrauen genagt haben. Vertriebsleiter und Führungskraft haben nur eine Möglichkeit: Positive Referenzobjekte!
Positive Referenzobjekte stoppen Selbstzweifel und Abwärtsspirale
Der Fokus des Verkäufers liegt in dieser Situation eher auf den schlechten Dingen: kaum Termine, keine Abschlüsse, zu wenig Umsatz! Aufgabe des Vertriebsleiters bzw. der Führungskraft ist es nun, diesen Fokus zu verändern, ihn also auf Punkte zu lenken, die zeigen, was der Verkäufer richtig gemacht hat und was gut war. Das stärkt das Selbstvertrauen. Meistens kommt dabei heraus, dass gar nicht alles so schlecht war. Meistens gibt es sehr wohl Beweise für das Können des Verkäufers, die er dann auch erkennt, wenn er sie schwarz auf weiß vor sich sieht. Vielleicht hatte er in den letzten Monaten nicht so viel Umsatz. Betrachtet man allerdings die Anzahl der Termine, stellt sich oft heraus, dass es auch davon beträchtlich weniger waren. Wichtig ist hier die Relation oder umgekehrt die Gewissheit: Ich muss einfach wieder mehr Termine machen, um meine Umsatzzahlen zu erhöhen. Einzelkämpfer können ihren Fokus natürlich auch selbst steuern. Eines gilt für alle Verkäufer: Das, worauf man sich konzentriert, wird verstärkt. Außerdem interpretiert man selbst meistens mehr (Negatives) hinein als tatsächlich vorhanden ist. (K)Ein Abschluss ist (k)ein Abschluss – nicht mehr und nicht weniger. Und er sagt schon gar nichts über die Chancen aus, das nächste Verkaufsgespräch mit einem Abschluss erfolgreich zu beenden.
Den Fokus durch Fragen lenken – Stuck State ade!
Jeder Satz mit einem Punkt ist eine Aussage: „Ich kann nicht mehr richtig verkaufen.“ „Ich bin nicht gut genug im Vertrieb.“, „Ich habe Schwierigkeiten, Termine zu bekommen.“ bringen Verkäufer deshalb auch in einen festgefahrenen Zustand. Den Fokus verändern und lenken können wir, wenn wir stattdessen Fragen stellen: „Wie kann ich wieder mehr verkaufen?“, „Wie kann ich im Vertrieb wieder besser werden?“, „Wie schaffe ich es, mehr Termine zu bekommen?“ Fragen bringen einen Prozess in Gang und verhindern so den blockierenden Stuck State. Doch das Ganze lässt sich noch steigern: Die Qualität Ihrer Fragen bestimmt die Qualität Ihres Lebens. Das bedeutet also: Je hochwertiger Ihre Fragen sind, desto leichter und besser können Sie Ihren Fokus lenken. Ein Beispiel:
- Wie kann ich wieder mehr verkaufen?
- Wie kann ich mit Spaß und Leichtigkeit mehr verkaufen?
- Wie kann ich mit Spaß, Leichtigkeit und wenig Aufwand 50 % mehr Umsatz generieren?
Welche dieser Fragen hat Ihrer Meinung nach wohl eine höhere Qualität? Mit welcher Frage wird ein Verkäufer tatsächlich mehr verkaufen?
Die Aufgabe des Vertriebsleiters und der Führungskraft – Teil 2
Wir haben bereits gehört, dass gutes Zureden meistens nichts hilft, auch wenn es vom Vertriebsleiter noch so gut gemeint ist. Schlimmer ist es allerdings, wenn dieser als Führungskraft selbst ein Negativ-Talking praktiziert und seine Verkäufer auch noch darin bestätigt, wie schlecht doch momentan die Umstände sind und wie schwierig es ist, zu verkaufen. Manchmal reicht es auch schon aus, wenn nur Negatives ausgestrahlt wird.
Der Druck der Unternehmensführung lastet auf den Schultern des Vertriebsleiters und im schlimmsten Fall gibt er diesen Druck ungebremst an seine Verkäufer weiter. In beiden Fällen muss der Vertriebsleiter persönlich einen Schritt zurücktreten: Er hat als Führungskraft die Aufgabe, den Druck abzufedern, damit seine Vertriebsmannschaft vernünftig arbeiten kann. Und er hat die Aufgabe, den Verkäufern den Weg zu ebnen, sie nicht alleine zu lassen, vielleicht Abschlüsse vorzubereiten, sie aber unter keinen Umständen selbst einzuholen – denn das würde den sowieso schon selbstkritischen und an sich zweifelnden Verkäufer sicher nicht motivieren.
Motivation pur ist hingegen folgende Strategie: Um dem Verkäufer ein positives Referenzerlebnis zu bescheren, kann und darf der Vertriebsleiter auch einmal in die Trickkiste greifen. Er inszeniert zum Beispiel den Abschluss bei einem kaufbereiten Kunden, den er dem Verkäufer als „schwierigen Kunden“ beschreibt, obwohl dies nicht der Fall ist. Umso größer dann natürlich die Freude des Verkäufers, wenn er den Abschluss mit „nach Hause“ bringt. Überlegen Sie als Vertriebsleiter also genau: Wollen Sie Ihren Verkäufern beweisen, dass es geht und abhängige Mitarbeiter? Oder freuen Sie sich mehr, wenn Ihre Verkäufer eigenständig sind und bleiben? Schließlich sind deren Erfolge ja auch Ihre!
Fazit
Im Verkauf wird es immer ein Auf und ein Ab geben. Branchen verändern sich und damit auch die Kaufbereitschaft der Kunden. Umso wichtiger ist es also, eine gefestigte Persönlichkeit zu sein, anstatt nur Verkaufstechniken zu beherrschen. Denn im Zweifelsfall zählt die Persönlichkeit immer mehr als die Verkaufstechniken. Der Erfolg einer Vertriebsmannschaft ist immer auch ein Teamsieg – von Psyche, Personality und Technik und von Vertriebsleiter und Verkäufern im Außen- sowie Innendienst!
E-Commerce: Steigende Investitionsbereitschaft in Social Commerce
Die wirtschaftliche Krisensituation aus 2009 scheinen die meisten Unternehmer gemeistert zu haben. Im Vergleich zur Umfrage im vergangenen Jahr erwarten deutlich mehr Unternehmen einen besseren Geschäftsabschluss für das laufende Geschäftsjahr 2010 als noch im Vergleichszeitraum 2009. 36 Prozent der befragten Unternehmer sehen sogar einer Verbesserung um mehr als 10 Prozent entgegen. Die optimistische Stimmung im aktuellen und im neuen Geschäftsjahr 2011 spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft wieder. So ist mehr als die Hälfte der Unternehmen bereit, im kommenden Jahr mehr zu investieren.
Trotz geringem Einfluss von Social Commerce auf Online-Umsätze wird weiter darin investiert
Social Commerce wird von knapp einem Drittel der befragten Experten bereits im Unternehmen betrieben. Der Aufwand für Social Commerce wird von den Experten als hoch eingeschätzt, während der Einfluss auf die Online-Umsätze eher als gering betrachtet wird. Dennoch wird ein Großteil der Befragten in 2011 weiter in Social Media-Aktivitäten investieren - sei es mit gleichem Budget weitere Erfahrung sammeln oder gar das Budget erhöhen. Die befragten Unternehmer setzen dabei mehr auf Schulungen des vorhandenen Personals als auf die Einstellung neuer Mitarbeiter für diesen Bereich.
Stichwort
Social Commerce ist Empfehlungshandel und meint eine spezielle Ausprägung des elektronischen Handels (E-Commerce). Beim Social Commerce steht die aktive Beteiligung der Kunden, die persönliche Beziehung und die Kommunikation der Kunden untereinander im Mittelpunkt. Die Kunden beteiligen sich am Design, Verkauf und Marketing, beispielsweise über Kaufempfehlungen oder Kommentare anderer Kunden. Diese sind zum Beispiel in Weblogs über Einkaufslisten veröffentlicht.
Erstmalig: Tendenzaussagen aus den USA
Become Europe veröffentlicht im Rahmen der Studie erstmalig auch Tendenzaussagen aus den USA. Die aktuelle Stimmung im E-Commerce dort ist ähnlich positiv wie in Deutschland. Drei Viertel der Befragten erwarten für das aktuelle Jahr einen besseren Geschäftsabschluss als noch in 2009. 80 Prozent der befragten US-amerikanischen Unternehmen erwarten darüber hinaus für 2011 eine Verbesserung ihrer Umsätze.
In amerikanischen Unternehmen spielt Social Commerce eine weitaus bedeutendere Rolle als in Deutschland. Bereits mehr als zwei Drittel - und somit mehr als doppelt so viele als in Deutschland - der befragten Unternehmen hat Social Commerce in das eigene Geschäftsmodell integriert. Aufgrund der geringen Stichprobengröße der antwortenden amerikanischen Unternehmen sind die Ergebnisse aus den USA jedoch nur als Tendenzaussagen zu verstehen.
Zur Studie
Die Studie "Geschäftsklima im E-Commerce 2010/2011" wurde von der Become Europe GmbH in Zusammenarbeit mit dem ECC Handel bereits zum fünften Mal erhoben.
Quelle: Become Europe GmbH
Customer first: Der Kunde steht an erster Stelle
Unternehmen geben oft so unglaublich viel Geld aus, um neue Kunden zu gewinnen. Doch kaum sind sie endlich eingefangen, wird an allen Ecken und Enden gespart: Mitarbeiter werden nicht trainiert, es sind zu wenige da, sie haben keine Lust – oder Frust. Sie werden schlecht geführt, sie haben keine Ressourcen, keinen Spielraum und keine Ideen, um ihre Kunden zu begeistern und schließlich zu loyalisieren. Diese fühlen sich nachlässig. behandelt, gemobbt, angeödet und schließlich vertrieben.
Menschen zweiter Klasse
Die Vernachlässigung der Bestandskunden als ‚Zweite-Klasse-Kunden‘ und die parallel verlaufende Vernachlässigung ihrer Betreuer als ‚Zweite-Klasse-Verkaufsmitarbeiter‘ zieht sich wie ein roter Faden durch die Managementdenke der letzten Jahrzehnte. Hingegen ist in gesättigten Märkten eine Fokussierung des gesamten Unternehmens auf die dauerhafte Loyalität seiner Kunden zunehmend die einzig verbleibende Möglichkeit für eine prosperierende Zukunft.
Doch wie viele Unternehmen beschäftigen tatsächlich ihre bestbezahlten Mitarbeiter im Bestandskunden-Kontakt? Die Kundenjäger (= Hunter) sind die Helden vom Dienst und werden fürstlich entlohnt. Die Farmer (= Innendienstler) werden hingegen ins Back(!)office verfrachtet und stehen damit im Hintergrund. Oder wir finden sie eingepfercht in den ‚Hühnerställen‘ interner Callcenter wieder, wo die Mitarbeiterfluktuation hoch und die Anerkennung niedrig ist. Sie sind die B-Mannschaft, die zweite Wahl. Dementsprechend werden sie auch bezahlt. Und so kommt das dann auch beim Kunden an.
Allerdings: Die anspruchsvollen und selbstbewussten Kunden von heute werden sich vieles einfach nicht mehr bieten lassen. Ihre beste Waffe heißt Loyalität. Wer nicht spurt, dem kehrt man den Rücken. Und im Internet erzählt man der ganzen Welt, warum. Also besser: Customer first! Der (Stamm-) Kunde gehört an die erste Stelle. Er entscheidet über das Leben und Sterben eines Unternehmens. Und wie sieht es in der täglichen Praxis aus? Schauen wir uns mal ein wenig um.
Unternehmensseiten im Internet
Internetauftritte sind virtuelle Verkaufsgespräche. Doch viele beginnen so: „Wir über uns.“ Das steht jedenfalls auf dem ersten Navigationspunkt. Was dann folgt, ist Selbstbeweihräucherung und Eigenlob. Würde ‚Wir für Sie‘ nicht ansprechender klingen? Und wäre es nicht deutlich wirkungsvoller, wenn einen die Kunden loben?
Also: Reden nicht Sie über sich und drehen Sie keine geschönten Werbefilme, lassen Sie vielmehr Ihre Kunden Referenz und Testimonial sein. Sammeln Sie systematisch positive Kundenaussagen und Erfolgsgeschichten: schriftlich und auch per Video. Stellen Sie das dann ins Web. Wenn einer Spitzenleister ist, dann ist es doch wohl am glaubwürdigsten, wenn dies nicht von den Unternehmen selbst behauptet, sondern von begeisterten Kunden bezeugt wird. Darüber hinaus lässt sich statt eigener Leistungszahlen die wirtschaftliche Erfolgskurve solcher Kunden zeigen, die schon lange mit Ihnen zusammenarbeiten. Und was löst das beim Leser aus? Einen Das-will-ich-auch-haben-Reflex.
Verkaufspräsentationen
Schauen wir nun beim Vertrieb vorbei! Agiert er selbstzentriert oder kundenverliebt? Wie stellt man sich beispielsweise beim Kunden vor? In den meisten Verkaufspräsentationen geht das seitenlang so: Wir sind… Wir haben… Wir können… Wir bieten… ! Mit anderen Worten: Ich erzähle Ihnen jetzt mal, wie toll wir sind. Schließlich auf der letzten Seite: der Logofriedhof mit den bestehenden Kundenbeziehungen. So lernt man dann: Der Kunde kommt zum Schluss. Dabei müsste er doch gerade im Vertrieb an erster Stelle stehen. Der Kunde und nicht das eigene Unternehmen ist der Held. Deshalb: Montieren Sie mal das Gesicht des Kunden in Ihre nächste Präsentation. Der Erfolg wird wahrscheinlich ein durchschlagender sein.
In schriftlichen Angeboten sieht es meist besonders langweilig aus: Produktvorteile statt Lösungen, Buchstaben- und Zahlenwüsten, listenhafte Aufzählungen, lieblose Abkürzungen, Zwischensumme, Endsumme. Öde, langweilig, austauschbar. Keine Emotionen, keine Bilder, niemand weit und breit, der sagt, wie toll es ist, mit diesem Unternehmen zusammenzuarbeiten. Bei so einem Look entscheidet immer der Preis! Also ab morgen: Lassen Sie begeisterte Kunden über die Vorteile einer Zusammenarbeit reden. Denn wer heute kauft, konsumiert oder investiert, vertraut eher den Ratschlägen vertrauenswürdiger Kunden als den Hochglanzbroschüren der Anbieter am Markt.
Ein kundenorientiertes Leitbild?
Anstatt die eigene Herrlichkeit zu feiern und sich aufs Marktführer-Podest zu wünschen, sollten Unternehmen es als ihre Mission ansehen, ihren Kunden (und deren Kunden) zu helfen, noch erfolgreicher zu sein. Meistens beginnen Leitbilder aber vollmundig mit ‚wir‘. Zum Beispiel so: „Wir sind die Nr. 1 unserer Branche und stehen für …“ Die Kunden sucht man oft vergebens. Dabei ist doch sonnenklar: Es sind die Kunden, die einen zur Nummer eins machen – oder auch nicht. Es macht einen Riesenunterschied in Denken und Handeln, ob das Unternehmen selbst oder die Kunden an erster Stelle im Leitbild stehen.
Bei Intuit, einem Hersteller von Finanzsoftware, heißt es beispielsweise: „Der Kunde soll sich mit unseren Produkten so wohlfühlen, dass er fünf Freunden sagt, sie sollten es ebenfalls kaufen.“ Das tönt sicher nicht so glattgebürstet wie die von Werbeagenturen aufgehübschten Mission Statements aus den Zeiten vor der Krise, und das ist auch gut so. Denn mit gekünstelter Leitbild-Prosa kann niemand etwas anfangen. Bei dem schlicht formulierten Intuit-Satz hingegen versteht jeder im Unternehmen, was zu tun ist und wohin die Reise geht.
Auf den Gängen und in der Kaffeeküche
Ist das Leitbild geprüft und der Blick geschärft, ist ein Spaziergang durch die Firma angesagt. So sind gerade die öffentlichen Bereiche produzierender Unternehmen meist ein reines Selbstverherrlichungsprogramm: Maschinenteile, Miniaturen von Fertigungsanlagen, Luftbildaufnahmen, Gründerportraits, eine mit den Niederlassungen befahnte Landkarte, Urkunden und Pokale. Die Kunden sucht man dort vergebens.
Es geht aber auch anders. So schickte der Markenartikelhersteller Procter & Gamble Fotografen los, um abzulichten, wie die Kunden die einzelnen Produkte benutzen. Diese wurden dann in der Firmen-Cafeteria aufgehängt.
Apropos Cafeteria: Welche ‚lustigen‘ Sprüche über ätzende Kunden hängen bei Ihnen an den Pinnwänden rum? Und was wird auf den Gängen, in der Kaffeeküche und in der Raucherecke über die Kunden erzählt? Gibt es da Nullchecker-Kunden? Reklamationszicken? Psychos am Telefon? Gerade im Innendienst ist der Frust oft groß, und so kommst es schnell mal zu solchen Auswüchsen. Da kann ich nur raten: Achten Sie darauf, wie über Ihre Kunden gesprochen wird, denn Sie werden genau solche Kunden bekommen! Und niemand hält es in einem solchen Klima lange aus. Kunden wie auch gute Mitarbeiter werden schnell die Flucht ergreifen.
Der Verlauf eines Meetings
Alles dreht sich in Meetings um Zahlen, Daten, Fakten, Prozesse und Projekte. Sich-mit-sich-selbst-Beschäftigen steht auf dem Programm. Kunden auf der Agenda? Fehlanzeige! Das lässt sich leicht ändern. Der erste Tagesordnungspunkt könnte fortan lauten: Der Kunde spricht. Und dann wird reihum über Erfolgsstories berichtet. Geschichten, die man drinnen im Unternehmen erzählt, werden auch nach außen dringen. Erzählen Sie also die Geschichten, die man über Sie erzählen soll. Reden Sie über Resultate und nicht über Probleme! Von einem Sieger-Image werden alle wie magisch angezogen: die Investoren, die Mitarbeiter und die Kunden.
Folgende Frage gehört auf jede Meeting-Agenda: „Woran erkennen unsere Kunden, dass wir hier nicht nur Sonntagsreden schwingen, sondern dass sie bei uns tatsächlich an erster Stelle stehen?“ Beim Fertighaushersteller Town & Country sitzt dazu symbolisch eine Kundin mit am Besprechungstisch: eine lebensgroße Puppe namens Uschi. Und immer, wenn Entscheidungen anstehen, wird gefragt, was Uschi dazu sagen würde: Welche kritischen Anmerkungen hätte sie? Und welche Anregungen? Was müsste anders laufen? Wie könnte es so gemacht werden, dass es die Kunden lieben? Wie könnte es gehen, dass alle im Markt drüber reden - und uns aktiv weiterempfehlen? Solche Fragen können auch bei Ihnen kleine Vertriebswunder bewirken.
Die Stammkunden-Kultur
Schauen wir nun bei all denen vorbei, die für die Bestandskunden-Betreuung zuständig sind. Ihr Ziel könnte lauten: Jedes mal, wenn ein Kunde anruft, wenn er zu uns kommt oder wir zu ihm gehen, sehen wir das als Chance, sein Anliegen auf eine solch begeisternde Art und Weise zu bearbeiten, dass er allen Grund hat, wieder zu kaufen und gut darüber zu reden.
Insgesamt ist meine Erfahrung allerdings, dass in der Bestandskunden-Betreuung viel zu sehr nur standardmäßig abgewickelt wird, ohne gezielt nach weiteren Verkaufschancen zu suchen. Oder man geht zu dilettantisch an das Mehr- und Höherwertig-Verkaufen heran. Versuchen Sie es doch statt des üblichen „Wir hätten da noch …“ einmal mit der Amazon-Methode, und die geht so: Kunden, die Produkt x gekauft haben, haben auch Produkt y gekauft. Dies ist nur eine Möglichkeit von vielen. Suchen Sie zusammen mit Ihren Mitarbeitern nach weiteren Ideen, finden Sie passende Anlässe und gestalten Sie attraktive Stammkunden-Angebote!
Und damit bei langjährigen Kunden nicht das Gefühl entsteht, dass es immer nur ums Verkaufen geht, bekommen sie von Zeit zu Zeit ein pures Dankeschön. Das klingt dann zum Beispiel so: „Lieber Kunde, heute ist unser Danke-Tag. Deshalb wollen wir danke sagen dafür, dass Sie nun schon seit … unser Kunde sind. Unsere Freude darüber ist groß, und deshalb haben wir uns für Sie etwas einfallen lassen … .“ Oder: Sie richten eine Gratulationsabteilung ein. Oder: Sie bedanken sich für automatische Vertragsverlängerungen – und für das prompte Bezahlen der Rechnung. Die Effekte einer solchen Anerkennungskultur können sehr überraschend sein.
Das Buch zum Thema
Kunden auf der Flucht? [40]
Das Hörbuch zum Thema
Treue Kunden gewinnen und dauerhaft halten [41]
Preisverhandlungen: Industriekunden Preiserhöhungen verkaufen
Die Preise erhöhen – den meisten Vertriebsmitarbeitern graust es davor, mit dieser Zielsetzung in Vertragsverhandlungen zu gehen. Denn in ihren Kundengesprächen hören sie fast täglich: „Ihr seid zu teuer. Ihr müsst mit euren Preisen runter, ...“ Deshalb wagen sie an ein Erhöhen der Preise oft gar nicht zu denken. Und wenn ihnen ihre Vorgesetzten höhere Preisvorgaben machen? Dann denken sie sofort: „Die sind nicht durchsetzbar.“
Wie also vergehen, wenn Ihr Unternehmen seine Preise erhöhen möchte oder muss? Dann gilt es zunächst, die Verkäufer als Mitstreiter zu gewinnen. Der erste Schritt hierzu ist, sie präzise über die Gründe zu informieren – zum Beispiel, indem die Geschäftsleitung ihnen in einer Vertriebstagung möglichst bildhaft und plastisch vor Augen führt,
- wie sich die Rohstoffpreise entwickelt haben und
- wie sich die höheren Einkaufspreise auf die Gewinnmarge und den Ertrag auswirken.
Diese Information sollte bezogen auf die verschiedenen Produkte und Produktgruppen erfolgen. Oder indem den Verkäufern am Beispiel der Kontrakte mit ausgewählten Schlüsselkunden aufgezeigt wird, wie aufgrund der gestiegenen Einkaufspreise aus ehemals lukrativen Verträgen Verlustbringer wurden.
Appell „Wir brauchen eure Hilfe“
Erläutern Sie den Verkäufern anschließend, welche Maßnahmen Ihr Unternehmen schon ergriffen hat, um den Ertrag wieder zu steigern – zum Beispiel die Produktion oder den Einkauf neu strukturieren. Danach sollte der Appell folgen: „Trotzdem führt kein Weg an einem Erhöhen der Preise vorbei, denn ... Und dabei benötigen wir Ihre Unterstützung, denn ...“ Dieser Appell sollte durch ein Mitglied der Geschäftsleitung erfolgen, um die Bedeutung dieser Entscheidung für das Unternehmen zu unterstreichen.
Die Verkäufer werden nach diesem Appell nicht begeistert sein – im Gegenteil. Sie werden klagen: „Das geht nicht. Die Kunden sagen jetzt schon: Ihr seid zu teuer ...“ Dass Verkäufer so reagieren, ist normal. Denn sie hören täglich „Ihr seid zu teuer“. Deshalb haben sie diese Denke oft selbst verinnerlicht. Verdeutlichen Sie Ihren Verkäufern also folgende Punkte:
- Es gehört zum Job der Einkäufer zu sagen „Ihr seid zu teuer“. Denn sie sollen möglichst preiswert einkaufen. Deshalb sagen sie sogar bei Dumpingpreisen „Ihr seid teuer“, um eventuell noch vorhandene Spielräume auszuloten.
- Doch selbst, wenn dies nicht so wäre, dann müsste unser Unternehmen trotzdem die Preise erhöhen, weil ... Und:
- Auch die Einkäufer lesen Zeitung. Folglich wissen auch sie, dass zum Beispiel die Preise für ... gestiegen sind. Deshalb sind im Moment die Voraussetzungen ideal, um eine Preisanpassung rational zu begründen.
Das Gefühl vermitteln „Es ist möglich, wenn ...“
Dies wird Ihre Verkäufer etwas besänftigen. Das enthebt Sie aber nicht von der Aufgabe, Ihre Verkäufer auf das Führen der Preisanpassungsgespräche vorzubereiten – nicht nur, weil sie eine Gesprächsstrategie brauchen. Vielmehr gilt es auch, ihre mentalen Widerstände gegen solche Gespräche abzubauen, indem Sie ihnen das Gefühl vermitteln: „Wenn ich’s richtig anpacke, kann ich das Ziel erreichen.“ Sonst stehen Ihre Verkäufer in den Gesprächen auf verlorenem Posten, weil die Einkäufer ihre Unsicherheit spüren. Entsprechend leicht hebeln sie ihre Argumentation aus.
Lassen Sie sich beim Vorbereiten der Verkäuferschulung von folgenden Gedanken leiten:
- Jede Preiserhöhung ist letztlich eine normale Preisverhandlung. Der einzige Unterschied: Das Vorzeichen des Gesprächs lautet nicht, wie viel geht der Preis nach unten, sondern um wie viel geht er nach oben. Also muss eine Preiserhöhung wie jede Vertragsverhandlung vorbereitet werden.
- Der höhere Preis muss jedem Kunden individuell verkauft werden. Also sollten Ihre Verkäufer für jeden Kunden eine spezifische Argumentationskette erarbeiten. Hierfür benötigen sie unter anderem die Information: Welche Umsätze erzielten wir mit dem Kunden in den zurückliegenden Jahren? Wie war die Umsatz-/Preisentwicklung? Welchen Lieferanteil haben wir bei ihm? Wo liegen Cross-Selling-Möglichkeiten? Außerdem sollten sie im Vorfeld analysieren: Welche Bedürfnisse hat der Kunde/Gesprächspartner? Vor welchen Herausforderungen steht er? Wie verlief die bisherige Zusammenarbeit? Diese Infos bilden das „Rohmaterial“, aus dem die kundenspezifische Argumentationskette und Gesprächsstrategie entworfen wird.
Eine Gesprächsstrategie erarbeiten
Basierend auf diesen Grundgedanken sollten Sie Ihre Verkäufer trainieren, ihre Preisanpassungsgespräche vorzubereiten und zu führen. Dabei lautet die Regel: zunächst die nötige Gesprächsatmosphäre schaffen. Dies gelingt Ihren Verkäufern am einfachsten, indem sie dem Kunden nochmals vor Augen führen, welchen Nutzen er von der Zusammenarbeit hat. Jedoch nicht, indem sie ihm dies sagen, sondern indem sie fragen: Wie lief dies? Wie lief das? Hat sich jene Lösung bewährt?
Hat der Kunde den Nutzen der Zusammenarbeit vor Augen, kann der Verkäufer das Gespräch zum Thema Preisanpassung überleiten – zum Beispiel, indem er zunächst allgemein die Entwicklung der Rohstoffpreise anspricht, bevor er hieraus ableitet, was dies für Ihr Unternehmen bedeutet. Nun kann der Verkäufer seine ganze kundenspezifische Argumentationskette entrollen, bevor der Abschluss folgt: „Deshalb müssen wir unsere Preise um 5,2 Prozent erhöhen.“ Hierfür müssen Sie Ihre Verkäufer selbstverständlich mit dem nötigen Datenmaterial ausstatten – möglichst von neutralen Quellen.
Nach der Aussage Ihres Verkäufers „Wir müssen die Preise erhöhen“ wird dessen Gesprächspartner – ganz gleich, wie gut die Erhöhung begründet ist – empört aufschreien und eventuell sogar sagen „Dann ist unsere Zusammenarbeit beendet“. Bereiten Sie Ihr Verkäufer also auf diese Kundenreaktion vor, damit er bei einer solchen Drohung nicht einknickt, sondern zum Beispiel gelassen erwidert: „Das haben wir uns gedacht. Deshalb haben wir nochmals mit unseren Zulieferern verhandelt. Außerdem haben wir die Prozesse in unserem Unternehmen weiter optimiert. Dadurch konnten wir den größten Teil der Kostensteigerungen bereits auffangen, weshalb wir letztlich unsere Preise nur um 2,9 Prozent erhöhen müssen.“ Daraufhin wird dem Verhandlungspartner Ihres Verkäufers ein Stein vom Herzen fallen. Schließlich klingen 2,9 Prozent schon anders als 5,2 Prozent.
Solche Argumentationsmuster sollten Sie (zum Beispiel als Vertriebsleiter) mit Ihren Verkäufern erarbeiten, denn die Erfahrung zeigt: Alleine fällt es vielen schwer, ausreichend technische, wirtschaftliche und emotionale Argumente zu identifizieren, um ein Erhöhen der Preise zu legitimieren. Und noch schwerer fällt es ihnen, diese in eine kundenspezifische Argumentationskette und Gesprächsstrategie zu integrieren. Doch selbst, wenn Ihre Verkäufer dem Kunden schlüssig darlegen, warum Ihr Unternehmen seine Preise erhöhen muss, ist das Ziel „Preiserhöhung“ noch nicht erreicht. Denn dann haben sie zwar ihren Wunsch begründet, der Kunde hat ihn aber noch nicht akzeptiert. Es wurde sozusagen nur die Basis für die eigentliche Preisverhandlung geschaffen.
Den Preis isolieren und relativieren
In dieser Verhandlung muss Ihr Verkäufer das gesamte Instrumentarium einsetzen, das er auch sonst bei Vertragsverhandlungen nutzt. Hierzu zählt der Versuch, die Preiserhöhung zu relativieren. Zum Beispiel, indem er sagt: „Unser Bauteil hat bei Ihren Produkten einen Stückkostenanteil von 4 Prozent. Wenn wir unsere Preise um 3,9 Prozent erhöhen, steigen Ihre Stückkosten um circa 0,17 Prozent, also 1,32 Euro.“ Oder indem er sagt: „Lieber Kunde, die Preisanpassung bewegt sich bei den einzelnen Warengruppen zwischen vier und zwölf Prozent; bei einigen Produkten konnten wir die Preise sogar senken. Da Sie vermutlich vor allem interessiert, wie sich die Preisanpassung insgesamt auf Ihre Kosten auswirkt, habe ich errechnet, wie viel mehr Sie bei den angepassten Preisen für Ihre Bestellungen in den letzten drei Monaten bezahlt hätten – insgesamt nur 1,21 Prozent mehr.“
Zögert der Kunde weiterhin die „Preiserhöhung“ zu akzeptieren, sollte der Verkäufer ihm Vorschläge unterbreiten, wie die Preisdifferenz eventuell kompensiert werden kann – gemäß der Maxime „Wenn du mir dies gibst, erhälst du jenes“. Geht Ihr Verkäufer dabei geschickt vor, kann das Ergebnis der nun folgenden Verhandlung sogar eine engere Kundenbindung sein. Die Argumentation Ihres Verkäufers kann zum Beispiel wie folgt lauten: „Herr Kunde, ich habe mir überlegt, wie wir gemeinsam einen Teil der 3,9 Prozent kompensieren könnten. Wäre es Ihnen zum Beispiel möglich, unseren Lieferanteil beim Produkt x von 32 auf 40 Prozent zu erhöhen? Dies wäre für uns ein ‚geldwerter Vorteil’. Dann könnte ich Ihnen im Gegenzug anbieten, ...“
Solche verkaufstaktischen und -strategischen Verhandlungselemente sollten Sie mit Ihren Verkäufern nicht nur entwerfen. Sie sollten mit ihnen auch deren Einsatz trainieren. Denn nur dann können Ihre Verkäufer im Kundengespräch auf die Einwände und Finten ihrer Verhandlungspartner mit der nötigen Gelassenheit und Flexibilität reagieren. Am einfachsten erreichen Sie dies, indem Sie für Ihre Verkäuferschulung (ehemalige) Einkäufer als „Sparringpartner“ engagieren, die mit Ihren Mitarbeitern Preisanpassungsgespräche führen. Selbstverständlich kann auch Ihr eigener Einkäufer dieser Sparringpartner sein.
Online-Shops: Darauf sollten Betreiber beim Aufbau achten
Auf folgenden Feldern können rechtliche Probleme für den Betreiber eines Online-Shops entstehen:
AGB: Vorsicht vor unzulässigen Klauseln
Unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) können vor allem dann auftauchen, wenn diese unkritisch und ohne Anpassung an die eigene Situation im Unternehmen von Anderen übernommen werden. Unzulässig sind zum Beispiel Regelungen über:
- Eine Abwälzung der Transportgefahr auf den Kunden bei Verträgen mit Verbrauchern
- Eine Pflicht zur Untersuchung und sofortigen Anzeige von Beschädigungen bei Verträgen mit Verbrauchern
- Unverbindliche Lieferzeiten
Hinweis
Hier finden Sie eine Übersicht mit unzulässigen Klauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB):
www.kleingewerbe.info/vertragsrecht/agb.php [42]
AGB: Einbeziehung in den Vertrag
Ein weiteres Thema in Verbindung mit AGB ist deren Einbeziehung in konkrete Verträge. Dieses Vorgehen ist nach § 305 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) eindeutig geregelt beziehungsweise vorgeschrieben. Die Vorschrift besagt, dass AGB nur dann Bestandteil des jeweiligen Vertrags werden, wenn
- die Vertragspartei ausdrücklich auf die AGB hinweist,
- ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist,
- die Vertragspartei durch deutlich sichtbaren Aushang am Orte des Vertragsschlusses darauf hinweist,
- die andere Vertragspartei mit der Geltung der AGB einverstanden ist.
Es reicht also nicht aus, die AGB bei einem Online-Shop an irgendeiner Stelle auf der Webseite anzubringen.
Angaben zu Preisen und Versandkosten
Preise müssen in einem Online-Shop korrekt und auch vollständig angegeben werden. Das Gleiche gilt für Versandkosten, die aufgelistet oder auch für den Vertragspartner berechenbar sein müssen. Die Aussage „Versandkosten auf Anfrage“ reicht dafür nicht aus.
Verwendung von Foto- oder Videomaterial
Bilder, Videos oder Texte unterliegen dem Urheberrecht, das heißt, eine bloße Übernahme für eigene Zwecke ist nicht zulässig. Betreiber von Online-Shops müssen vielmehr im Vorfeld abklären, ob für die für die eigene Verwendung vorgesehenen Werke Urheberrechte tangiert werden. Gewöhnlich muss dann an den jeweiligen Urheber eine Lizenzgebühr entrichtet werden.
Erklärung zum Datenschutz
Das Telemediengesetz (TMG) sieht vor, den Kunden eines Online-Shops bestimmte Informationen über den Umgang mit Daten mitzuteilen. Der Wortlaut der Vorschrift:
„Der Diensteanbieter hat den Nutzer zu Beginn des Nutzungsvorgangs über Art, Umfang und Zwecke der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten sowie über die Verarbeitung seiner Daten (…) in allgemein verständlicher Form zu unterrichten (…).“
Sobald Daten von Kunden an Dritte weitergegeben werden sollen, müssen Kunden diesem Vorgang ausdrücklich zustimmen.
Pflicht zum Impressum
Folgende Angaben sind für ein Impressum eines Online-Shop-Betreibers notwendig:
- Vor- und Zuname
- Anschrift des Betreibers (ein Postfach reicht nicht aus)
- Rechtsform des Unternehmens
- Vertretungsberechtigter
- Telefon- und Faxnummer
- E-Mail-Adresse
Bei Firmen, die ins Handelsregister eingetragen sind, kommen noch folgende Zusätze hinzu:
- Name des Handelsregisters
- Registernummer
- Steuernummer
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
Widerrufs- und Rückgaberecht
Online-Shop-Betreiber sind verpflichtet, ihre Kunden vollständig und ausreichend deutlich auf das Recht zum Widerruf beziehungsweise zur Rückgabe der Ware aufmerksam zu machen. Auf keinen Fall sollten die gesetzlichen Verbraucherrechte zum Gewährleistungsrecht nicht eingeschränkt oder ausgeschlossen werden, zum Beispiel Rücknahme nur in Originalverpackung oder der Ausschluss der Möglichkeit, eine Ware unfrei zurückzusenden.
Hinweis
Informieren Sie sich eingehender in unserem Ratgeber "Widerrufsbelehrung: Gesetzesänderung bringt neue Vorgaben für Webshop-Betreiber". [43]
Telefonverkauf: Am Telefon quasseln kann jeder - verkaufen nicht
Quasseln am Telefon kann jeder. Doch nur wenige Menschen können Telefonate so führen, dass zum Beispiel ein (Noch-nicht-) Kunde „ja“ zum Besuch eines Außendienstmitarbeiters sagt. Denn dies will gelernt sein. Das merken speziell Unternehmen, die ihren Kunden erklärungsbedürftige Güter verkaufen, immer wieder. Also schulen sie ihre „Telefonverkäufer“, auch Agents genannt, kontinuierlich ... und bezahlen sie angemessen. Denn sie wissen: Gute Telefonverkäufer sind rar.
Bei der Telefonkommunikation wird zwischen Inbound- und Outbound-Gesprächen unterschieden. Inbound-Gespräche werden alle Telefonate genannt, bei denen ein Kunde oder Interessent selbst anruft. Zum Beispiel weil er eine Frage hat. Bei einem Outbound-Gespräch hingegen greift der Mitarbeiter selbst zum Telefon und ruft den (Noch-nicht-) Kunden an – zum Beispiel, um ihm etwas zu verkaufen. Diese Gespräche sind die Königsdisziplin beim Telefonieren. Deshalb setzen zum Beispiel (professionell arbeitende) Callcenter hierfür meist nur ihre besten Agents ein. Denn sie wissen, wie schnell (Noch-nicht-) Kunden genervt reagieren, wenn ihnen Firmenvertreter immer wieder telefonisch etwas offerieren, das sie entweder nicht oder jetzt nicht brauchen.
Am Ball bleiben, ohne lästig zu werden
Aus Kundensicht wirkt dieses „am Ball bleiben“ zuweilen lästig, aus Unternehmenssicht ist es aber vielfach nötig. Hierfür ein Beispiel: Der Autor dieses Artikels wurde drei Jahre lang telefonisch vom Vertragshändler eines Kopiergeräteherstellers „belästigt“. Circa alle zwei Monate rief er an und fragte sinngemäß: „Brauchen Sie einen neuen Kopierer?“ Und stets lautete die Antwort: „Nein!“ Doch nach drei Jahren gab das betagte Gerät im Büro des Autors endgültig den Geist auf. Und welcher Lieferant fiel ihm als erster ein? Sie haben richtig geraten! Und welcher Händler lieferte den Kopierer, der heute in seinem Büro steht? Erneut richtig geraten!
Die zentrale Frage beim Telefonverkauf lautet deshalb oft nicht, ob potenzielle Kunden regelmäßig angerufen werden sollen. Sie lautet vielmehr: Wie führe ich die Gespräche so, dass diese nicht das Gefühl haben „Schon wieder so ein telefonischer Klinkenputzer“?
Die Gespräche gut vorbereiten
Und hier kommt ein Vorteil zum Tragen, den Outbound- gegenüber Inbound-Gesprächen haben: Sie können sich darauf vorbereiten und den Zeitpunkt des Anrufs selbst bestimmen. Diesen Vorteil sollten Sie nutzen. Das tun viele Callcenter – scheinbar. Unter anderem, indem sie für ihre Mitarbeiter ausführliche Telefonleitfäden verfassen. Entsprechend wirken deren Telefonate: standardisiert und unpersönlich. Und als angerufene Person fragt man sich: Warum spulen die kein Tonband ab? Das wäre billiger und besser. Deshalb der Tipp: Arbeiten Sie nicht mit ausformulierten Telefonscripten. Machen Sie sich lieber einen Stichwortzettel. Und üben Sie zum Beispiel mit einem Kollegen, das Gespräch locker und mit wechselnden Formulierungen zu führen.
Überlegen sollten Sie vorab auch: Wen rufe ich an? Und wie kann ich das Interesse der betreffenden Person wecken, sodass das Telefonat ein echtes Gespräch wird? Denn die Telefonate der meisten Telefonverkäufer sind wie folgt aufgebaut: „Guten Tag, mein Name ist Müller. Ich arbeite für die Firma x. Wir verkaufen ... Wir haben zurzeit ein besonderes Angebot, das ...“ Das heißt, der Kunde kommt in dem Gespräch gar nicht vor – und auch kaum zu Wort. Entsprechend schnell sind die Telefonate meist beendet, ohne dass der Anrufer sein Ziel erreicht hat.
„Und was habe ich davon?“
Im Gespräch sollten Sie zudem zwei, drei persönliche beziehungsweise firmenbezogene Nutzenargumente parat haben. Warum, dies sei am Beispiel eines niedergelassenen Arztes illustriert. Er macht sich seit Jahren einen Spaß daraus, Pharmareferenten zur Verzweiflung zu bringen. Ruft ein Pharmareferent bei ihm an, um einen Besuchstermin zu vereinbaren, fragt er stets zurück: „Und was habe ich davon?“ Die Pharmavertreter antworten dann meist: „Ich stelle Ihnen unser neues Medikament vor, das ...“ Die Rückfrage des Arztes: „Und was habe ich davon?“ Hierauf erwidern die meisten Referenten sinngemäß: „Damit können Sie Ihre Patienten besser therapieren.“ Woraufhin der Arzt erneut fragt: „Und was habe ich davon?“
Das Fazit des Arztes: „Noch kein Pharmareferent nannte mir ein Argument, warum ich als Unternehmer mir Zeit für dessen Besuch nehmen sollte – zum Beispiel, dass ich dann mehr Geld verdiene. Oder mehr Zeit für meine Familie habe. Warum sollte ich mich also mit ihm treffen?“
Ähnlich agieren viele Telefonverkäufer. Sie reden viel (und schnell), kommunizieren aber wenig mit ihren Kunden. Und schon gar nicht können sie ihnen darlegen, welchen Nutzen diese von ihrem Angebot haben. Solche kundenspezifischen (Verkaufs-) Argumente zu entwickeln, erfordert Zeit. Doch wer ist der bessere „Telefonverkäufer“: derjenige, der bei 20 Telefonaten einen Abschluss erzielt, oder derjenige, der zwar nur fünf Telefonate führt, aber zwei Abschlüsse erzielt? Auf die Klasse, nicht Masse der Gespräche kommt es an!
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Investitionsgüterindustrie: Marketing- und Vertriebskonzept für Serviceleistungen
Fakt ist: In manchen Branchen ist das Verkaufen von Serviceleistungen einfacher als in anderen – zum Beispiel, weil der Gesetzgeber aus Sicherheits- oder Umweltschutzgründen regelmäßig gewisse Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sowie Inspektionstätigkeiten vorschreibt.
Eine solche Schützenhilfe durch die Legislative ist aber keine notwendige Voraussetzung für ein erfolgreiches Verkaufen von Serviceleistungen. Das zeigt die Studie „Vermarktung von Serviceleistungen in der Industriegüterbranche“ der Hochschule Mannheim und der Unternehmensberatung Peter Schreiber & Partner. Sie hat mehrere Erfolgsfaktoren beim Vermarkten und Verkaufen von Serviceleistungen ermittelt. Die Studie belegt zudem, dass Unternehmen, die für ihre Serviceleistungen ein spezielles, schriftlich fixiertes Vermarktungskonzept haben und dieses konsequent umsetzen, mit Serviceleistungen einen signifikant höheren Anteil am Gesamtumsatz erzielen, als solche in denen ein entsprechendes Konzept fehlt.

Faktoren beim Erstellen eines Vermarktungskonzeptes
1. Der strategische Stellenwert des Service im Unternehmen
Die im Service-Bereich erfolgreichen Unternehmen haben erkannt, dass ihre Serviceleistungen strategisch wichtig sind für die Differenzierung bei der Kundengewinnung, für die Kundenbindung und für ihren Innovations- und Optimierungsprozess durch die Anwenderorientierung. Deshalb betrachten und führen diese Unternehmen den Vertrieb der Serviceleistungen als eigenständiges Geschäftsfeld und lassen den Service(-vertrieb) nicht als ein vom Markt gefordertes notwendiges Übel vor sich hindümpeln.
Die ursprüngliche, primäre Intention der Unternehmen bei der Neubewertung des Service war in der Regel, durch exzellente Serviceleistungen das Neugeschäft zu forcieren. Mit der Zeit erkannten sie jedoch: Wenn unsere Serviceleistungen wirklich exzellent sind und die Kunden den Nutzen erkennen, dann können wir direkt oder indirekt auch höhere Preise und Gewinnmargen erzielen.
2. Eigenes Marketing-Konzept für den Service
Serviceleistungen müssen wie jedes Produkt professionell vermarktet werden. Eine Kernfrage, die es in diesem Kontext zu beantworten gilt, lautet: Welche Serviceleistungen sollen welchen Zielgruppen wie angeboten werden? Ist sie beantwortet, kann ein Sortiment an Serviceleistungen aufgebaut werden, zum Beispiel nach folgender Struktur:
- die Leistungsfähigkeit wieder herstellend (Reparatur, Ersatzteile usw.)
- die Leistungsfähigkeit sicherstellend (Wartung, Inspektion usw.)
- die Leistung optimierend (Anwenderschulung, Modernisierung usw.)
- die Leistung begleitend (Anwendungsberatung, Finanzierung, Logistik usw.).
Für die so entwickelten Serviceleistungen muss anschließend eine markt- und kundenorientierte Verkaufsorganisation sowie eine zielkundengerechte Kommunikation aufgebaut werden. Professionell ist auch eine differenzierte Bepreisung der Serviceleistungen, orientiert am Nutzen und Mehrwert, den die Kunden durch diese Leistungen haben.
3. Professionelles Vermarktungs-Management
Managen ist der Regelkreis von „Planen – Umsetzen – Controllen“ betriebswirtschaftlicher Ziele, von Marktzielen, Prozesszielen und mitarbeiterbezogenen Zielen (Balanced Scorecard). Die zentrale Frage, die es in diesem Kontext zu beantworten gilt, lautet: Welche leitenden Mitarbeiter mit welcher Qualifikation und Berufserfahrung werden im Servicebereich mit diesem Weichen stellenden Vermarktungsmanagement betraut?
4. Den Verkaufsprozess definieren und organisieren
Bevor die Serviceleistungen erbracht werden können, müssen sie verkauft sein. Das Servicevermarktungskonzept muss dazu folgende Fragen beantworten:
- Wie sollen potenzielle Servicekunden akquiriert werden?
- Wie soll angeboten, nachgefasst und der Verkaufsabschluss herbeigeführt werden?
- Mit welchen Argumenten und Verkaufsförderungsinstrumenten?
- Wer ist für den Verkauf zuständig und welche verkäuferische sowie fachliche Ausbildung ist hierfür nötig?
5. Professionelle Tools für die Vermarktung
Für das Planen, Managen und Steuern des Vertriebsprozesses selbst sind Tools wie ein Vertriebsinformationssystem mit Kundendatenbanken nötig. Die mit dem Vermarktungsprozess verbundenen Aufgaben wie Akquisition und Kundenbetreuung können sonst nicht professionell ausgeführt werden. Zudem ist kein prozessbegleitendes Controlling möglich. Ebenfalls wichtig sind Tools zur argumentativen Darstellung des Nutzens der immateriellen Serviceleistungen.
6. Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter
Ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Servicevermarktung sind die Mitarbeiter. Also lautet eine zentrale Frage: Hat die Unternehmensleitung allen Mitarbeitern den Stellenwert des Services persönlich und nachhaltig kommuniziert? Detailfragen zum Schlüsselfaktor „Mitarbeiter“ sind:
- Wird allen Mitarbeitern bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Bedeutung der Serviceleistungen für den Unternehmenserfolg immer wieder in Erinnerung gerufen und mit Erfolgsmeldungen aus der täglichen Praxis belegt?
- Wird das Servicevermarktungskonzept eher als geheime Kommandosache der Führung betrachtet oder werden, was unabdingbar ist, die Vermarktungsziele, -strategien und -maßnahmen allen Beteiligten motivierend und verständlich kommuniziert?
- Werden die für das Vermarktungsmanagement der Serviceleistungen verantwortlichen Führungskräfte und Mitarbeiter entsprechend aus- und kontinuierlich weitergebildet?
- Werden die Mitarbeiter systematisch in die kontinuierliche Verbesserung der Vertriebs- und Leistungserbringungsprozesse integriert?
- Ist die optimale Nutzung der Tools zur Planung, Erbringung und für den Vertrieb der Serviceleistungen durch entsprechende Schulungen und Trainings sichergestellt? Und:
- Sind Mitarbeiter und Führungskräfte im Servicebereich unter anderem aufgrund der motivierenden Zielvereinbarungen sowie des fördernd-fordernden Feedbacks ein engagiertes und im gesamten Unternehmen respektiertes Team?
Es lohnt sich, sich mit den genannten Fragen intensiv und detailliert zu befassen, um ein individuelles Servicemarketingkonzept für das eigene Unternehmen zu entwickeln, das dann konsequent umgesetzt wird. Das belegt unter anderem die Studie „Vermarktung von Serviceleistungen in der Industriegüterbranche“. Sie zeigt nicht nur, dass beim Vermarkten von Serviceleistungen in den meisten Industrieunternehmen noch ein großer Handlungs- und Optimierungsbedarf besteht. Sie zeigt auch: Wenn die vorhandenen Potenziale systematisch und konsequent ausgeschöpft werden, dann wird auch der Wunsch Realität, mit Serviceleistungen mehr Umsatz und Ertrag zu erzielen.
Hinweis
Die Studie „Vermarktung von Serviceleistungen in der Industriegüterbranche“ kann beim Institut für Unternehmensführung der Hochschule Mannheim (E-Mail: ifu@hs-mannheim.de [44] ; Tel.: 0621/292-6151) und bei der Unternehmensberatung Peter Schreiber & Partner (E-Mail: sekretariat@schreiber-managementpartner.de [45] ; Tel.: 07062/9696-8) angefordert werden. Sie kostet 95 Euro (inkl. Versand).
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Dropshipping: Ein skalierbares E-Commerce Modell
Wer mit dem eigenen Online-Shop schnell und nachhaltig wachsen möchte, der ist einigen Herausforderungen gegenübergestellt. Neben einem ansprechenden Design, guter Usability, ausgearbeiteten Produktbeschreibungen, hohen Konversionsraten und einer angemessenen Preisgestaltung spielt auch das Produktsortiment eine entscheidende Rolle: Je mehr ein Verkäufer dem Besucher anbieten kann, desto eher findet dieser was er sucht und wird zum Käufer – das Produktsortiment hat also einen direkten Einfluss auf die Konversionsrate und die Größe des Warenkorbs in Online-Shops; es beeinflusst also potenzielle Umsätze.
Um mit einem vielfältigen Sortiment konkurrenzfähig zu sein und stetig wachsen zu können, bedarf es jedoch verschiedener Investitionen, die die Liquidität des Unternehmens einschränken: Warenvorfinanzierungen, Lagerhaltung, Mitarbeiter für den Warenversand und Support stellen das Fundament, führen jedoch noch nicht zu Umsatz. Dieser kommt erst durch das Marketing, Public Relations und Kundenbindung zustande, welche erneut Kosten und Ressourcen in Anspruch nehmen. Es ist ersichtlich, dass die Bindung des Kapitals in Ware und Struktur schnelles und weniger risikobehaftetes Wachstum negativ beeinträchtigen kann.
Lösungsansatz Dropshipping – so funktioniert das Konzept
Dropshipping ist eine Art Partnerschaft zwischen Online-Händlern und Großhändlern/Herstellern, in der der Online-Shop das Marketing und den Endkundenkontakt, der Großhändler die Lagerung und Logistik übernimmt – am besten lässt sich das Dropshipping Konzept in folgender Grafik darstellen:

Konzentration auf die Kernkompetenz für größtmöglichen Erfolg
Interessant am Ansatz des Dropshippings ist, dass sich Online- Shop und Großhändler perfekt ergänzen und sich jeweils auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren können.
Während der Großhändler optimal im Bezug auf Warenverfügbarkeit, Sortiment, Lagerung und Versandabwicklung aufgestellt ist, sieht der Online-Shop seinen Fokus in der Gewinnung und der Bindung von Kunden. Der Shop spricht Vertriebskanäle wie Suchmaschinenoptimierung, -marketing, Preissuchmaschinen, E-Mail-Marketing oder Marktplätze an, wickelt den Kundensupport ab und sorgt für den Aufbau von zufriedenen Stammkunden.
Auf der einen Seite baut sich der Großhändler/Hersteller einen neuen Vertriebskanal für seine Waren auf, auf der anderen Seite profitiert der Online-Shop von bereits bestehenden Prozessen für den Verkauf großer Produktsortimente und kann Skaleneffekte im Bezug auf Verpackungsmaterialien, Versandmitarbeiter und -kosten für sich nutzen – eine echte Win-win-Situation.
Herausforderungen im Dropshipping
Doch auch bei diesem Modell gibt es eine zweite Seite der Medaille, welche mit einigen Herausforderungen einhergeht. Verkauft der Online-Shop Produkte von zu vielen unterschiedlichen Hersteller, wird der Einkauf für den Kunden unkomfortabel, da er unter Umständen viele verschiedene Pakete zu unterschiedlichen Zeiten erhält.
Ebenfalls die Abhängigkeit vom Hersteller/Großhändler kann für den Shop problematisch werden, wenn dieser nicht pünktlich liefert oder die Qualität nicht den Ansprüchen der Kunden gerecht wird. Denn Fehler wirken sich lediglich auf das Image des Shops, nicht auf das des Großhändlers aus.
Ein weiterer Punkt, der beachtet werden muss, ist das Widerrufsrecht. Kunden des Shops haben die Möglichkeit, Ware bei Nichtgefallen 14 Tage lang widerrufen zu dürfen, diese Möglichkeit besteht bei geschäftlichen Beziehungen und somit zwischen Shop und Großhändler nicht – hier muss dringend vor der Partnerschaft eine Einigung erzielt werden.
Fazit – E-Commerce Modell mit Potenzial
Dropshipping bietet sich aus meiner Sicht perfekt an, wenn man einen neuen Online-Shop auf Basis der Zusammenarbeit mit einem Großhändler, dessen Sortiment und Strukturen aufbauen möchte. Das frei gebliebene Kapital, welches nicht in Ware investiert wurde, kann nun hervorragend in Marketing und somit Wachstum umgeschichtet werden.
Ebenfalls für die Erweiterung eines bestehenden Online-Geschäfts ist dieses Modell sehr interessant, um so die Kaufabbrüche aufgrund fehlenden Angebots minimieren höhere Konversionsraten und vollere Warenkörbe erreichen zu können.
Hinweis
Weitere Informationen erhalten Sie in dem kostenlosen E-Book:
Dropshipping als Umsatzmotor [46]
Verkaufsgespräche: Mehrwert bieten statt um Preise feilschen
Welche Antworten erhalten Sie von Ihren Vertriebsmitarbeitern, wenn Sie diese fragen, warum ein Abschluss nicht zustande kam?
- „Aufgrund meiner schlechten Vorbereitung.“
- „Weil ich dem Kunden nicht zuhörte und dessen Wünsche nicht kannte.“
- „Wegen meiner Unsicherheit bei Preisverhandlungen.“
- „Weil ich zu wenig über die Entscheidungsstrukturen beim Kunden wusste.“
- „Weil ich den richtigen Zeitpunkt verpasste.“
Haben Sie solche Antworten von Ihren Verkäufern schon mal erhalten? Vermutlich nicht! In der Regel werden sie erwidern: „Es lag am Preis. Wir waren zu teuer!“ Und wortreich erklären sie Ihnen dann, dass sie gegen die Konkurrenzangebote keine Chance hatten, weil die Kunden in Zeiten (halb-)leerer Kassen „nur auf den Preis achten“.
Das erscheint logisch. Ist es aber nicht. Denn dann müssten alle Premiumanbieter, also hochpreisigen Unternehmen, bereits insolvent sein. Das sind sie aber nicht!
Einkäufer wollen preis-wert einkaufen
Analysiert man die Antworten von Einkäufern auf Fragen wie
- „Was sind Ihre Entscheidungskriterien bei Einkaufsverhandlungen?“,
- „Warum haben Sie sich für den Anbieter x statt y entschieden?“ und
- „Was wünschen Sie sich von den Verkäufern Ihrer Lieferanten?“
dann stellt man immer wieder fest, dass hinter ihren Antworten die Botschaft steckt: „Lieber Lieferant (oder Verkäufer) hilf mir, meinen Job gut zu machen. Und mein Job ist es nicht billig, sondern preis-wert einzukaufen.“
„Das mag in der Theorie stimmen, aber in der Praxis nicht“, wird Ihnen vermutlich manch erfahrener Verkäufer erwidern, wenn Sie dies sagen. „Die meisten Einkäufer sind Erpresser und letztendlich interessiert sie nur der Preis.“ Und dann schildert er Ihnen eventuell eine Situation, die er erlebt hat. Zum Beispiel, die vom Einkäufer, der zu ihm sagte: „Jetzt mal Butter bei die Fische! Wenn Sie mit dem Preis noch zehn Prozent runtergehen, dann haben Sie den Auftrag. Ansonsten ...” Oder die vom Einkäufer, der sagte: „Ich habe einen Termin. Legen Sie Ihr Angebot einfach hin. Wenn der Preis niedriger als 50.000 Euro ist, auf meinen Tisch, ansonsten in den Papierkorb.“
Doch ist ein solches Verhalten Erpressung? Einkäufer würden erwidern: „Nein. Wenn ich so agiere, dann will ich nur sicherstellen, dass ich für mein Unternehmen alles rausgeholt habe, was möglich war. Denn dies ist mein Job.“
Sich als attraktiver Partner profilieren
Verkäufer, die in solchen Situationen einknicken, geraten in einen Teufelskreislauf. Denn ein Verkäufer, der nicht zu seinen Preisen steht, verliert in den Augen der Einkäufer an Glaubwürdigkeit. Und solange ein Verkäufer auf einen Einkäufer nicht glaubwürdig wirkt, wird dieser immer wieder versuchen, die wahren Grenzen auszuloten. Wenn Verkäufer also immer wieder mit Preisnachlass-Forderungen konfrontiert werden, dann ist dies meist eine Konsequenz davon, dass sie es versäumt haben, das nötige Vertrauen aufzubauen.
Doch wie lassen sich Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufbauen? Für manche Verkäufer ist es vermutlich schwer vorstellbar: Auch Einkäufer sind Menschen – mit Bedürfnissen und Wünschen, aber auch Zielen und Zwängen, die sich aus ihrer Funktion im Unternehmen ergeben. „Hilf mir, meinen Job gut zu machen“, lautet deshalb oft ihre Botschaft, wenn sie den Nutzen eines Angebots beziehungsweise dessen Kosten-Nutzen-Relation hinterfragen. Ihre Botschaft lautet nicht: „Ich will mit dir um den letzten Cent feilschen“. Denn erfahrene Einkäufer wissen: Darin liegt nicht der entscheidende Profit. Der liegt in der Antwort auf Fragen wie:
- „Wie können wir mit Ihrer Unterstützung neue Kunden gewinnen?“
- „Wie unterstützen Sie uns, eine höhere Rendite zu erzielen?“
- „Wie helfen Sie uns, binnen zwei Jahren unsere Kosten um zehn Prozent zu senken?“
- „Welche Arbeitsersparnis bieten Sie uns?“
- „Was tun Sie, um die Folgekosten gering zu halten?“
Ziel: eine höhere Rendite erzielen
Um folgendes Kernthema drehen sich also die Fragen des Einkäufers: Wie können wir mehr Umsatz erzielen und/oder unsere Kosten senken, sodass unsere Rendite steigt? Dabei meint der Einkäufer, wenn er von niedrigeren Kosten spricht, aber nicht das Nullsummenspiel: Gib mir etwas von deinem Ertrag ab. Seine zentrale Frage lautet vielmehr: Wie können wir gemeinsam mehr Umsatz bei weniger Kosten erzielen? Hierfür gibt es viele Ansatzpunkte. Sie liegen unter anderem in den Antworten auf folgende Fragen:
- Wie können wir die Prozesskosten senken?
- Wie können wir das „Cost-of-Ownership“ reduzieren?
- Wie können wir unsere Logistik-Prozesse so gestalten, dass daraus Einsparungen entstehen?
- Wie können wir die Durchlaufzeiten verringern?
- Wie können wir neue Kundengruppen erschließen?
Antworten auf solche Fragen sind für den Einkäufer – und sein Unternehmen – profitabler als das Feilschen um den letzten Cent. Also stellt er sie auch direkt oder indirekt dem Verkäufer in der Hoffnung: Er unterstützt mich dabei, sie zu beantworten. Und wehe der Verkäufer bleibt die erhoffte Antwort schuldig oder nennt dem Einkäufer nicht zumindest mögliche Problemlöseansätze. Dann bestraft der Einkäufer ihn mit der Daumenschraube „Gib mir einen Preisnachlass – und zwar einen möglichst hohen“. Versuchen Sie diese als Verkäufer zu vermeiden, indem Sie Ihren Job ebenso ernst nehmen wie der Einkäufer und sich professionell auf das Kundengespräch vorbereiten.
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Telefonakquise: Im Telefongespräch überzeugen und mehr verkaufen
Wer andere Menschen jobbedingt unaufgefordert und unangemeldet anruft, sollte damit rechnen: Er stört – zumeist! Denn der Angerufene wird überrascht und ist mit seinen Gedanken woanders. Also reagiert er reserviert – außer wir heben uns positiv von der Flut der (zum Glück) meist stereotyp klingenden Anrufer ab und machen die Zielperson neugierig. Deshalb ist beim Telefonieren ein Vorausdenken gefragt: Stimmt meine Stimmung? Was will ich erreichen? Und: Wie sage ich dies dem Gegenüber? Sonst hören wir das typische „kein Geld“, „keine Zeit“ und „kein Bedarf“.
Damit wir „gut rüber und ankommen“, bedarf es keiner komplizierten Techniken und Tricks. Im Gegenteil! Erfolgreiche (Telefon-)Verkäufer faszinieren die Menschen mit folgenden einfachen, aber unschlagbar wirkungsvollen Mitteln:
- ein hohes Maß an Authentizität, also „Echtheit“,
- einer guten Laune, die sie mit ihrer Stimme versprühen (Stimme = Stimmung), und
- einem ehrlichen Interesse für die Person, mit der sie gerade sprechen.
Hinzu kommt ein weiterer Erfolgsfaktor – gerade beim Vereinbaren von Terminen und Verkaufen via Telefon: eine positive Verbindlichkeit und Entschlossenheit. Denn wenn wir selbst nicht überzeugt und entschlossen sind (und wirken), warum sollte dies dann der Kunde sein?
Also, mehr Mut! Denn es ist ein Kinderspiel, mit mehr Erfolg zu telefonieren – wenn Sie folgende Tipps beherzigen.
Tipps, um erfolgreicher zu telefonieren
1. „Be emotional“, denn Menschen kaufen Emotionen.
Je sympathischer und besser gelaunt Sie als Person rüberkommen, desto eher lassen sich Menschen auf Sie ein. Wecken Sie also vor jedem Telefonat Ihre gute Laune
2. „Be different“, denn Menschen „belohnen“ das Besondere.
Langweilige Anrufer erleben Menschen Tag für Tag. Wenn Sie jedoch durch Ihre Stimme und Worte zeigen „Ich bin anders“, dann schenken Ihnen Menschen fast automatisch Aufmerksamkeit und Zeit. Telefonieren Sie mit ihnen wie mit einem Freund.
3. Achten Sie beim Sprechen auf das „Wie“.
„Was“ Sie am Telefon sagen, ist wichtig, doch entscheidend ist das „Wie“. Und das stimmt fast automatisch, wenn Sie Lust am Sprechen mit dem Gegenüber haben. Dann merkt man dies auch Ihrer Stimme an.
4. Bedenken Sie: Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt.
Denken Sie beim Telefonieren daran: Die ersten Sekunden entscheiden weitgehend über den Gesprächserfolg. Und Ihre letzten (klaren, verbindlichen) Worte darüber, was Ihr Partner von Ihnen im Kopf behält.
5. Wählen Sie einen starken, positiven Einstieg.
Neben einer sympathischen und freundlichen Stimme ist besonders wichtig, dass Sie die angerufene Person sofort für Ihr Angebot interessieren. Das gelingt Ihnen mit einem knackigen Satz wie: „Frau XY, es geht um Ihre Vertragsverlängerung. Ich habe heute ein tolles Angebot für Sie.“ Fragen Sie Kunden nicht zu sehr, ob sie Ihr Angebot interessiert. Fragen sie lieber „was“ beziehungsweise „welcher Punkt“ sie daran interessiert.
6. Sprechen Sie den Partner regelmäßig mit Namen an.
Nutzen Sie die persönliche Anrede nicht nur bei der Begrüßung und Verabschiedung. Sprechen Sie den Kunden auch bei wichtigen Fragen, Aussagen und Bitten mit Namen an. Dasselbe gilt, wenn Sie das Gespräch in eine andere Richtung lenken möchten. Dann können Sie zum Beispiel sagen: „Herr xy, lassen Sie uns bitte ...“
7. Reden Sie in kurzen Sätzen.
Unser Gehirn arbeitet im Drei-Sekunden-Takt. Alles, was wir in dieser Zeit erfassen, können wir auch leicht verstehen. Sprechen Sie also in kurzen Sätzen. Diese kommen besser an.
8. Reden Sie empfängerorientiert.
Achten Sie bei all Ihren Fragen und Aussagen darauf, wie der Kunde reagiert. Denn es zählt nur, was beim Anderen ankommt. Zuhören ist gut, ein aktives Hinhören, „wie“ der Kunden spricht oder antwortet, noch besser.
9. Achten Sie auf den richtigen Ton.
Achten Sie auch auf solche verbalen Ausdrucksmittel wie Lautstärke, Sprechtempo und Betonungen und passen Sie diese dem Gesprächspartner an. Denn kleine Gemeinsamkeiten fördern das Gesprächsklima und Vertrauen.
10. Machen Sie Pausen.
Sie brauchen Sprechpausen zum Vor- und der Kunde zum Nachdenken. Erhöhen Sie zudem durch Pausen gezielt die Spannung auf das, was kommt, und die Wirkung Ihrer wichtigen Aussagen.
11. Reduzieren Sie die Einwände.
Stellen Sie regelmäßig Bestätigungsfragen wie „Sehen Sie das auch so?“, „Wollen Sie das?“, „Einverstanden?“. So vermeiden Sie unverhoffte Einwände. Und wenn Sie einmal ein Nein als Antwort erhalten, reagieren Sie mit Verständnis. Artikulieren Sie Ihr Verständnis und erfragen Sie dann gezielt, welcher Einwand dahinter steckt – zum Beispiel, indem Sie fragen: „Wie meinen Sie das?
12. Vermeiden Sie Unwörter!
Verzichten Sie auf solche Unwörter wie „eigentlich“, „aber“, „trotzdem“ und, „man“; des Weiteren auf Pauschalisierungen wie „nie“, „jeder“, „alle“ und „immer“. Sie erzeugen Widerspruch. Dasselbe gilt für Formulierungen wie „Sie müssen ...“.
13. Fragen Sie viel und reden Sie (recht) wenig.
Wer fragt, der führt. Denn er lenkt, was der Kunde denkt. Nutzen Sie offene W-Fragen, wenn Sie viel erfahren möchten, und geschlossene Fragen, wenn Sie eine Entscheidung benötigen. Alternativfragen sollten Sie verwenden, wenn Sie zum Beispiel Termine vereinbaren möchten („Sollen wir uns am ...oder am ... treffen?).
Und noch ein Tipp. Viele Menschen sind unentschlossen und zögerlich. Deshalb lieben sie ein verbindliches Gegenüber. Beweisen Sie also Entschlossenheit, wenn es darum geht, den Termin oder Auftrag unter Dach und Fach zu bringen.
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Kunden abwerben: Wie Sie mit Ihrer Vertriebsmannschaft die Mitbewerber verdrängen
Keine Frage: Neukunden gewinnen und Wettbewerber verdrängen gehört zum „daily business“ von Vertriebs-Profis. Denn Markteinbrüche und aggressive Wettbewerber sowie „natürliche“ Kunden- und Umsatzverluste durch Insolvenzen, Fusionen, Standortverlegungen und technologische Änderungen bei Kunden zwingen jedes Unternehmen dazu.
Die Frage ist jedoch: Wie und wie gut macht dies die Vertriebsmannschaft eines Unternehmens? Geht sie beim Akquirieren von Neukunden und Verdrängen von Wettbewerbern offensiv und systematisch vor oder wartet sie primär auf durch die Marketingabteilung initiierte Anfragen? Erfolgen die Neukunden-Akquise und der Versuch, Wettbewerbern Kunden und Marktanteile abzujagen, primär in sporadischen Ad-hoc-Aktionen bei Umsatzmangel oder sind sie das Resultat eines auf Kontinuität ausgelegten, wohlüberlegten Verkaufskonzepts, das mit konkreten Verkaufs- und Arbeitszielen hinterlegt ist?
Wenn die Vertriebserfolge Ihrer Mitarbeiter und Ihrer Organisation keine Zufallsprodukte sein sollen, klären Sie als Vertriebsverantwortlicher folgende Fragen:
- Wurden unsere Vertriebsmitarbeiter im Innen- und Außendienst von der Notwendigkeit, ständig neue Kunden zu gewinnen und Wettbewerber zu verdrängen, überzeugt – und zwar nachhaltig und mit plausiblen Fakten? Haben sie diese Ziele verinnerlicht? Und sind sie von dem erforderlichen motivierenden Sportsgeist beseelt, um die Aufgaben aktiv anzugehen?
- Haben wir mit den Mitarbeitern unser „Beuteraster“ klar definiert – also fixiert, auf welche Kunden(-gruppen) wir unsere Vertriebsaktivitäten warum fokussieren? Und hat jedes Innen-/Außendienst-Team für seinen Verantwortungsbereich konkrete Zielkunden benannt, die es vorrangig angeht?
- Sind für den Akquisitionsprozess konkrete Meilensteine, Verkaufs- und Arbeitsziele definiert? Und existiert für deren Erreichung ein konsequent verfolgtes Steuerungssystem (Salesfunnel-Controlling)?
- Wurde mit den Vertriebsmitarbeitern in Workshops das praktische Vorgehen im Akquiseprozess motivierend erarbeitet – von der Zielkunden-Analyse über die Terminvereinbarung und dem Erstbesuch bis hin zum „Unter-Dach-und-Fach-bringen“ des Erstauftrags und zum Betreuen der Kunden im Aftersales-Prozess? Wurde dieses Vorgehen trainiert und live erprobt, sodass die Vertriebsmitarbeiter die erforderliche Verhaltenssicherheit im Vertriebsalltag haben?
- Wurden für die Mitarbeiter beziehungsweise mit den Mitarbeitern die notwendigen Tools erstellt wie etwa verkaufsunterstützende Zielkunden-Dossiers, ein motivierendes Salesfunnel-Controlling, verkaufsfördernd formulierte Briefvorlagen für die Kontaktanbahnung, das Zusenden von Unterlagen und die Terminbestätigung? Werden diese Tools von den Mitarbeitern akzeptiert und eingesetzt sowie im Zuge eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses aufgrund der gemachten Erfahrungen optimiert?
Konnten Sie all diese Fragen mit einem herzhaften JA beantworten? Dann steht einer Steigerung Ihres Umsatzes, Ihrer Marktanteile sowie Ihres Ertrags nichts mehr im Weg. Aber bleiben Sie als Vertriebsverantwortlicher am Ball und rufen Sie Ihren Mitarbeitern immer wieder in Erinnerung, wie wichtig das Gewinnen von Neukunden sowie Verdrängen von Wettbewerbern für den Unternehmenserfolg ist. Und verdeutlichen Sie Ihren Mitarbeitern anhand von Erfolgsbeispielen, dass das Gewinnen von Wettbewerber-Kunden kein Hexenwerk ist. Es ist die logische Konsequenz eines persönlichen Engagements und einer konzeptionell durchdachten Vorgehensweise.
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Verkauf im Einzelhandel: Wie Sie an Männer und Frauen verkaufen
Bremsen Sie die Männer aus
Männer wirken auf Frauen als Verkaufsbremsen: Begleitet ein Mann seine Frau beim Einkauf, verbringt diese in der Regel weniger Zeit im Ladenlokal, als wenn sie es alleine, mit Kindern oder einer Freundin aufsucht. Entsprechend sinkt der Umsatz je Einkauf. Verkürzen Sie deshalb den Männern die Wartezeit, zum Beispiel durch einen Sitzbereich mit Magazinen oder einem Terminal mit Internetzugang. Weil sich Männer oft für die Machart von Produkten interessieren, können Sie hier auch Produktvideos präsentieren.
Respektieren Sie das männliche Autonomiestreben
Männer orientieren sich in der Regel lieber alleine, als um Rat zu fragen. So streben viele zum Beispiel beim Kauf von Unterhaltungselektronik nicht unbedingt zum nächsten freien Verkäufer, sondern studieren in Ruhe verschiedene Produktbeschreibungen. Sorgen Sie deshalb für aussagekräftige schriftliche Produktinformationen und hängen Sie, wo es passt, Testergebnisse und technische Details aus. Ihre Verkäufer sollen sich in dieser Situation nicht aufdrängen, sondern in Ruhe abwarten, bis sich der Kunde ein Angebot ausgesucht hat, mit dem er sich intensiver beschäftigt. Erst dann soll ein Beratungsangebot formuliert werden, möglichst konkret bezogen auf das Objekt des Interesses: „Sie interessieren sich für…“.
Männer kaufen teurer
Männer kaufen zielstrebiger als Frauen ein: Sie halten sich eher an einen Einkaufsplan und lassen sich nicht so häufig zu Spontankäufen hinreißen. Denn für Männer ist das Einkaufen weniger Erlebnis als vielmehr Notwendigkeit. Dabei wird sogar der Preis manchmal sekundär: Männer vergleichen weniger Preise als Frauen. Fragt ein männlicher Kunde nach einer Ware, sollen die Verkäufer durchaus zunächst teurer anbieten. Hohe Preise werden häufig auch dann von Männern besser akzeptiert, wenn die Gelegenheit besteht, das Angebot zu testen.
Frauen wollen sich wohl fühlen
Für Frauen hat das Einkaufen in der Regel einen anderen Stellenwert als für Männer: Es soll auch Spaß machen. Zwar sind auch Frauen häufig unter Zeitdruck. Aber wenn sich Frauen in einem Geschäft nicht wohl fühlen, dann kann der Einkauf auch entfallen oder das Ladenlokal in Zukunft gemieden werden. Das Ambiente spielt dabei eine große Rolle: Wie hell ist der Verkaufsraum? Wie riecht es dort? Wie eng oder geräumig sind die Gänge? Macht alles einen sauberen Eindruck? Prüfen Sie, ob Ihr Shop genügend Platz bietet.
Gerade Frauen schätzen es nicht, wenn sie sich an anderen vorbeiquetschen müssen, von anderen Käufern berührt oder angerempelt werden. Überlegen Sie außerdem, ob Sie Ihre Regalanordnung auflockern können: Bilden Sie mit Hilfe von Vitrinen, Regalen oder Sitzecken kleine Oasen, die eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Hier können Ihre Kundinnen zum Beispiel Produkte in Ruhe anschauen und die Texte auf Verpackungen lesen.
Frauen kaufen mehr spontan
Viel mehr als Männer kaufen Frauen spontan und mehr, als sie ursprünglich planten. Nutzen Sie dies aus, in dem Sie regelmäßig Sonderangebote bieten und bestimmte Angebotsgruppen besonders hervorheben. Platzieren Sie vor der Kasse nochmals Artikel für Impulskäufe, die vor allem Frauen ansprechen: zum Beispiel kleine Geschenke, Dekorationsartikel, Blumen oder Grußkarten.
Frauen kaufen auch für andere
Frauen kaufen generell mehr für andere als Männer. Sorgen Sie deshalb dafür, dass der Zugang zu Angebotsbereichen für männliche Kunden nicht psychologisch erschwert wird. Außerdem sollen weibliche Kunden in Männerabteilungen auf Verkäuferinnen stoßen, die sie „von Frau zu Frau“ beraten. Erweitern Sie reine Frauensortimente durch eine kleine „Herrenecke“, in der sie attraktive Mitbringsel für Ihren Partner findet.
Fünf Tipps für den kleinen Unterschied in Ihrem Shop
- Frauen legen mehr Wert auf eine ausführliche Beratung als Männer und lassen sich am liebsten von Frauen beraten. Männer lassen sich von beiden Geschlechtern gerne beraten, ziehen in technischen Fragen allerdings männliches Verkaufspersonal vor.
- Gestalten Sie das Sortiment für männliche Kunden logisch, übersichtlich und selbsterklärend. Das erspart es autonomiebewussten Männern, fragen zu müssen.
- Konzentrieren Sie sich bei der Erklärung des Angebots auf die Frau – sie müssen Sie inhaltlich überzeugen. Im Abschlussgespräch richten Sie sich mehr an den Mann – das respektiert ihn als Entscheider.
- Findet ein männlicher Kunde in Ihrem Shop nicht gleich, was er sucht, droht die Gefahr, dass er es schnell wieder verlässt. Bieten Sie deshalb speziell für Schnellkäufer Orientierungshinweise an, die einen Abbruch des Kaufs verhindern.
- Richten Sie eine Spielecke ein - mit ein paar Kinderstühlen, Schaukelkissen, Bilderbüchern, Kinderzeitschriften und einfachem Spielzeug. So können die Kinder sich beschäftigen, während die Mutter in Ruhe auswählt.
Kundentypen: Typologisierung hilft beim erfolgreichen Verkaufen
Wir Menschen sind eigenartige Wesen. Wir verstecken uns gelegentlich vor unseren Mitmenschen, setzen Masken auf und verschleiern Absichten und Meinungen. Wir wollen gesehen werden, wie wir sind, aber nicht in jeder Situation und schon gar nicht von jeder Person. Und doch, wer genau hinsieht, der erkennt sein Gegenüber – wenn es sein muss, immer, denn wir unterscheiden drei Archetypen: den visuellen, den auditiven und den kinästhetischen Typen. Allen drei ist eines gemeinsam: Erfasst ein Verkäufer den bevorzugten Typus, wird Verkaufen leichter.
Der Visuelle
Der visuelle Typ spricht ebenso schnell, wie er auch Entscheidungen trifft. Er trägt gerne satte und kräftige Farben. Er ist extrovertiert und denkt in Bildern. Seine Umwelt nimmt er bevorzugt mit den Augen wahr und er beurteilt seine Mitmenschen nach dem, was er sieht. Den visuellen Typ erkennt man nicht nur an seiner Wortwahl, sondern auch an seinen schnellen Bewegungen und seinen kurzen Atemzügen in den Brustraum.
Wer visuelle Typen überzeugen will, der arbeitet in seinen Präsentationen mit vielen Bildern und visuellen Erlebnissen wie Videos. Seinen bevorzugten Sinneskanal kann der visuelle Typ nur schwer verbergen, weil er Worte wie „demonstrieren“, „Abbild“, „Überblick“, „Vorstellung“, „Wahrnehmung“, „skizzieren“ und „Mittelpunkt“ benutzt. Das sollte dann auch der Verkäufer tun, denn diese spezifischen Worte sprechen den Sinneskanal des visuellen Typen an und dieser fühlt sich verstanden.
Sagen Sie: „Nehmen wir das Produkt, das infrage kommt, einmal genau unter die Lupe, dann werden Sie klar erkennen, welche Vorteile es für Sie hat.“ oder „Darf ich Ihnen einen Überblick über das umfangreiche Leistungsangebot geben, ich bin mir sicher, die große Bandbreite wird Sie begeistern.“ Wir Menschen wollen abgeholt werden, dann fühlen wir uns wohl. Und wer sich wohlfühlt, der trifft Entscheidungen und das ist doch das, was Sie wollen, oder?
Der Auditive
Im Gegensatz zum visuellen Typ spricht der auditive Typ langsam, setzt gezielte Pausen, atmet ruhig und in langen Atemzügen. Seine Bewegungen sind ebenfalls langsamer und der auditive Typ fühlt sich in unauffälligen Farben wohl. Er ist das Gegenteil des visuellen Typen, geht eher analytisch und vorsichtig an Entscheidungen heran. Wer einen auditiven Kunden überzeugen möchte, der setzt gezielt auf die Macht des gesprochenen Wortes, denn dieser Kunde hört gern viel über das Produkt und interessiert sich sehr dafür, was andere Kunden über das Produkt sagen. Metaphern, Geschichten und Zitate sind hilfreich, außerdem spricht es den auditiven Kunden an, wenn sein Gesprächspartner sich auf ihn einstellt und seine Sprechgeschwindigkeit, seine Betonungen und seine Pausensetzung auf ihn abstimmt.
Der bevorzugte Sinneskanal des auditiven Typs ist durch folgende Worte leicht zu erkennen: „mitteilen“, „mündlich“, „Argumente“, „erwähnen“, „informieren“, „diskutieren“ und „sprechen“. Der auditive Typ braucht für die Entscheidungsfindung zwar länger, ist aber ein treuer Kunde. Umso mehr sollten Sie darauf achten, dass Sie ihn nicht drängen und dennoch vorsichtig lenken. Sagen Sie: „Ist es Ihnen Recht, wenn wir ganz in Ruhe darüber sprechen, was Sie konkret suchen und dann nenne ich Ihnen verschiedene Möglichkeiten?“ und „Sie haben erwähnt, dass Sie eine Alarmanlage für Ihr Haus suchen, die einfach zu bedienen ist und deren Preis in einem annehmbaren Rahmen liegt. Ich würde das Angebot, das sich für Sie passend anhört, gerne mit Ihnen durchsprechen.“ Sollte sich Ihr Kunde wider Erwarten nicht entscheiden können, dann ist das Telefon ein wertvoller Helfer. Der auditive Kunde telefoniert gern und wird es honorieren, wenn Sie ihn einfach von Zeit zu Zeit kontaktieren.
Der Kinästhetische
Der kinästhetische Typ (bewegungsorientiert) spricht sehr langsam und drückt sich gewählt aus; er fühlt erst, was er sagen möchte und macht lange Sprechpausen. Kinästhetische Typen haben eine weiche Stimme, atmen tief in den Bauch hinein und tragen gerne weiche unauffällige Kleidung in zarten Pastelltönen. Da sie friedfertig und introvertiert sind und lange brauchen, um eine Entscheidung zu treffen, müssen Verkäufer bei ihnen besonders geduldig sein. Kinästhetische Typen verwenden Worte wie „begreifen“, „Eindruck“, „Fühlen“, „beim Schopf packen“, „konkret“ und „Instinkt“.
Wer kinästhetisch orientierte Menschen überzeugen will, der tut das am besten mit Schaustücken, die sie in die Hand nehmen können, durch gefühlsbetonte Geschichten, persönliche Gespräche und Körperkontakt wie ein Schulterklopfen oder ein Händeschütteln. Sagen Sie zusätzlich: „Nehmen Sie das Produkt ruhig einmal in die Hand, nur so bekommen Sie wirklich ein Gefühl dafür, wie stabil es ist.“ und „Eine solche Chance bietet sich nicht jeden Tag, ich an Ihrer Stelle würde die Gelegenheit beim Schopfe packen.“ oder „Sie wissen, was Sie konkret benötigen und diese Anforderungen können wir alle erfüllen, viel wichtiger aber ist doch, ob Sie sich mit der Entscheidung wohlfühlen? Was sagt Ihr Bauch dazu?“
Kunden in eine Schublade stecken
Im Grunde genommen ist es nicht fair, aber obwohl wir selbst als individuelles Wesen mit einzigartigen charakterlichen Eigenschaften wahrgenommen werden wollen, gestehen wir das unseren Mitmenschen nur selten zu. Viel zu oft sperren wir sie in Schubladen ein und lassen sie erst wieder heraus, wenn es wirklich nicht anders geht. Doch manche Schubladen sind gar nicht so negativ, sondern erlauben Verkäufern, ihre Kunden optimal einzuschätzen, ohne ihnen die Individualität abzuerkennen. Zu welcher Gruppe gehört Ihr Kunde – visuell, auditiv oder kinästhetisch? Achten Sie auf seinen bevorzugten Sinneskanal und es wird Ihnen wesentlich leichter fallen, ihn zu überzeugen.
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Kundenorientiert: So entwickelt sich Ihr Unternehmen zur Serviceoase
Tipp 1: Schicken Sie den Servicemuffel in Rente
„Der Deutsche ist nicht fähig, dem Kunden einen exzellenten Service zu bieten, der ihn begeistert.“ Beweisen Sie, dass die Mär vom „deutschen Servicemuffel“ ein Vorurteil ist. Allerdings dürfen Sie nicht erwarten, dass Ihre Mitarbeiter geborene Service-Genies sind. Kunden- und Serviceorientierung sind erlernbar, und die entsprechenden Fähigkeiten sollten Ihre Mitarbeiter nicht zwischen „Tür und Angel“ erwerben, sondern mithilfe eines qualifizierten Entwicklungsprogramms.
Tipp 2: Öffnen Sie die Augen
Was ist die Grundlage für den Aufbau einer Servicekultur? Natürlich sind dies die Erwartungen und Wünsche Ihrer Kunden. „Es gibt nur einen Boss: den Kunden. Er kann jeden im Unternehmen feuern, von der Geschäftsleitung abwärts, ganz einfach, indem er sein Geld woanders ausgibt.“ Das hat Sam Moore Walton gesagt.
Serviceorientierung bedeutet immer Kundenorientierung. Exzellente Servicegeber beantworten zunächst einmal die Frage: Was will der Kunde? Setzen Sie also die Wahrnehmungsbrille Ihrer Kunden auf. Erst dann können Sie konkret sagen, welche Leistungen der Kunde als Selbstverständlichkeit erwartet – und welche er als Nutzen definiert, mit dem er gar nicht gerechnet hat. Wenn Sie das wissen, können Sie den Kunden durch Servicesahnehäubchen begeistern.
Führen Sie dazu eine Kundenbefragung durch. Aus ihr wird ersichtlich, wie die Kunden Ihre Unternehmensprozesse wahrnehmen und beurteilen. Und dann können Sie einschätzen, welche Prozesse aus Kundensicht wichtig sind und überarbeitet oder gar verändert werden müssen.
Tipp 3: Akzeptieren Sie, dass der Kunde Ihre Produkte nicht haben will
Verkaufen Sie immer noch Produkte und Dienstleistungen? Reihen Ihre Verkäufer im Kundengespräch Produktinfo an Produktinfo, um den Kunden zu überzeugen? Dann sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass der Kunde von heute vor allem nach einem verlangt – nach Service. Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung kann er in den meisten Fällen auch beim Wettbewerber kaufen. Vielleicht weil es dort billiger ist. Wenn Ihre Mitarbeiter ihm aber einen unschlagbaren Service bieten, wenn der Einkauf bei Ihnen zum Service-Erlebnis wird, laufen Sie Gefahr, ihn sein Kundenleben lang nicht mehr los zu werden!
Tipp 4: Haben Sie den Mut zur Lücke – um sie schließen zu können
Wo treffen Ihre Mitarbeiter auf Kunden? Analysieren Sie einmal in Ruhe Ihre Kundenkontaktpunkte. Hinterlassen Ihre Mitarbeiter beim Erstkontakt einen guten Eindruck? Sind sie darin geschult, diesen ersten Eindruck positiv zu beeinflussen? Sind sie in der Lage, eine vertrauensvolle Beziehung zum Kunden aufzubauen? Wie verhalten sie sich im Reklamationsgespräch, wenn der Kunde im psychologischen Nebel steht und sich lauthals beschwert? Verfügen sie über Deeskalationsstrategien für diese schwierigen Gespräche? Sind sie darauf vorbereitet, auf unterschiedliche Kundentypen mit unterschiedlichen Gesprächsstrategien zu reagieren?
Erkennen Sie die Servicelücken bei Ihren Mitarbeitern – also die Lücken zwischen den notwendigen Anforderungen, um den Kunden begeistern zu können, und den vorhandenen Kompetenzen. Dann können Sie sie individuell fördern und weiterbilden.
Hinweis
In folgendem Beitrag erfahren Sie mehr darüber, wie Sie mit verärgerten Kunden am Telefon umgehen:
Kundenservice am Telefon: Bei nervigen Kunden einen kühlen Kopf bewahren [47]
Tipp 5: Führen Sie den 24-Stunden-Arbeitstag ein
Es geht nicht anders: Service ist nicht zum Nulltarif zu haben, Service ist personalintensiv – und damit kostenintensiv. Nichts bleibt bei Ihrem Kunden mehr und positiver in Erinnerung als ein freundliches Gespräch mit einem hilfsbereiten und lächelnden Menschen. Wer meint, bei der Weiterbildung seiner Mitarbeiter sparen zu können, schaufelt sich sein eigenes (Service) Grab. Wer die Serviceabteilung mit dem Rotstift führt, betreibt aktive Kundenvertreibung. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter eine Service-Mentalität aufbauen und bereit sind, rund um die Uhr für den Kunden da zu sein. Überlegen Sie, an welchen Stellen des Kundenkontakts Sie zusätzliche Serviceleistungen einbauen können.
Tipp 6: Gewinnen Sie die Bundesagentur für Arbeit zum Partner
Service ist also kostenintensiv. Warum also nicht staatliche Unterstützung nutzen? Die Bundesagentur für Arbeit fördert bestimmte Entwicklungsprogramme – so die Weiterqualifizierung Ihrer Service-Mitarbeiter zu Service-Fachkräften. Der Hintergrund: Erfüllen die Weiterbildungen bestimmte Kriterien, können Sie die im Rahmen des Konjunkturpakets II kreierten Fördertöpfe für die Mitarbeiter-Qualifizierung nutzen.
Wenn Sie also die Kundenorientierung Ihrer Mitarbeiter, Ihrer Abteilung, Ihres Unternehmens steigern und zugleich helfen wollen, die „Serviceoase Deutschland“ zu entwickeln, sollten Sie überprüfen, welche der Weiterbildungsinstitute, mit denen Sie zusammenarbeiten, zu den AZWV-zertifizierten Bildungsträgern gehören. Oder gehen Sie gezielt auf die Suche nach solchen Instituten, um die Vorteile der „Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung“ (das heißt AZWV) wahrzunehmen. Nur wenn Sie mit entsprechend zertifizierten Bildungsträgern zusammenarbeiten, gehören bestimmte Entwicklungsprogramme zu den förderfähigen Maßnahmen. Dabei können bis zu 100 Prozent der Investition gefördert werden.
Tipp 7: Entwickeln Sie Ihre Service-Fachkräfte zu Verkäufern
Was würden Sie sagen, wenn Ihre Service-Fachkräfte sich auch als Verkäufer verstehen? Und dem Kunden nach erbrachter Serviceleistung einen Wartungsvertrag anbieten oder einen Zusatzverkauf anstreben, also Verkaufschancen im Servicegespräch nutzen? Cross-Selling- und Up-Selling-Chancen ergeben sich im Servicekontakt häufig wie von selbst.
Hinzu kommt: Die Kundenloyalität steigt, wenn der Servicegeber nicht nur auf einen Kundenwunsch reagiert, sondern aktiv nach weiteren Bedürfnissen fragt. Service und Verkauf sind die zwei Seiten derselben Medaille.
Zum guten Schluss: Werden Sie zum Spion
Vielleicht sind Sie mit Ihrer Service- und Kundenorientierung zufrieden und glauben, es gebe keine Verbesserungsmöglichkeiten. Dann machen Sie doch einmal den Test und schlüpfen für einen Tag in die Rolle Ihrer Kunden. Eventuell ist es sogar möglich, im eigenen Unternehmen etwas einzukaufen, also als „verdeckter Kunde“ auf Entdeckungsreise zu gehen.
Ich bin sicher: Nach diesem Spionagetag wissen Sie, wo Sie Ihre Serviceleistungen noch besser ausgestalten können.
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Kundenorientierung: Kundenbegeisterung als ganzheitliche Unternehmensstrategie
Manchmal möchte man Unternehmen und deren Mitarbeitern zurufen: „Aufwachen!“ Vielleicht spüren es viele bereits selbst: „Mensch, so kann es doch nicht weitergehen!“ Ähnliche Prospekte und Kataloge, ähnlicher Außendienst, ähnlicher Innendienst, ähnliche Argumente, ähnliche Werbung, ähnliche Produkte, ähnliche Vertriebstagungen ... und die Folge davon ist: Wir machen noch mehr Ähnliches: mehr Arbeiten, mehr Zielvereinbarungen, mehr Druck. Und diesen Druck, den wir zu spüren bekommen, geben wir weiter – an unsere Lieferanten, an unsere Mitarbeiter, an unsere Kollegen, ja vielleicht sogar an unsere Familie, also an die Menschen, die wir am meisten lieben! Wie ist es so um unsere Gesellschaft bestellt? Sorgen in allen (Arbeits-)Bereichen, wo man nur hinschaut!
Eine fünfjährige Studie des Bundesverbands Deutscher Verkaufs- & Vertriebskräfte BDV e.V. über Vertriebskonzepte und Absatzchancen von über 2.000 deutschen Firmen, bringt es an den Tag: Entweder es fehlt an einer zielgruppenorientierten Vertriebskonzeption (Note 4), oder die für den Absatz Verantwortlichen beherrschen nicht das Können eines Verkäufers (Note 5). Kurz zusammengefasst: Den meisten Firmen fehlt die Marktkompetenz, sie sind schlecht im Verkaufen!
BeGEISTernd verkaufen
Dramatische Übersättigung der Märkte führt in vielen Bereichen zu kannibalischen Zuständen. Manchmal sogar innerhalb eines Unternehmens, wenn die einmal aufgestellte Markenstrategie durch eigenes Preisdumping beschädigt wird. Mitarbeitergespräche und neue Zielvereinbarungen reichen hier ebenso wenig aus wie der einfache Appell, nun endlich mit mehr Motivation oder sogar mit mehr Begeisterung an die Arbeit zu gehen.
Wenig hilfreich ist auch der unweigerlich folgende Hinweis auf die Unternehmensvision. Der Sparzwang zum Beispiel bei der Ausstattung der Außendienst-Fahrzeuge, obwohl der Verkäufer jährlich 80.000 km fährt und fast im Auto lebt, tut ein Übriges dazu, dass die Lage sich immer dramatischer zuspitzt. Forderungen, mehr Zusatzverkauf mit der nötigen Härte durchzusetzen, werden laut und früher oder später werden nun täglich auch noch die gesteckten Ziele (beispielsweise Kundenanrufe) streng kontrolliert.
Vielleicht besinnen wir uns im Vertriebstraining darauf, dass wir Beziehungen verkaufen und verbessern unseren Service sowie die Freundlichkeit am Telefon und sind dann umso mehr enttäuscht, wenn wieder einer unserer langjährigen Kunden beim günstigeren Wettbewerber kauft - obwohl er auf dem letzten Kundenevent doch so begeistert von dem Tag war! Wo bleiben denn da Dankbarkeit und Treue? Der Frust nistet sich ein. Frust über die Kunden, Frust über die Mitarbeiter, die den Ernst der Lage nicht erkennen und Dienst nach Vorschrift machen, und Frust über den Chef, der nur Druck macht und das Bemühen und den Einsatz nicht erkennt.
Der Gefahr ins Auge blicken
Schleicht sich dann auch noch die Angst ins Unternehmen: Angst, die gesteckten Ziele nicht zu erreichen, Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor der Zentrale, Angst vor der Bank, Angst, dass der befristete Arbeitsplatz nicht verlängert wird, Angst um den Euro, Angst vor morgen ... dann beginnt sich die Spirale dramatisch nach unten zu drehen! Höchste Gefahr für das Unternehmen - alle Lampen auf Rot! Denn Angst ist der schlechteste aller Ratgeber. Angst frisst Seele auf - die Seele des Unternehmens und die Seelen der Mitarbeiter. Wer Angst hat, hört es überall knistern. Die Folge ist für alle Beteiligten ein täglicher Energieverlust. Die Batterie kann im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr aufgeladen werden. Am Ende steht der Unternehmens-Burn-out, von dem sichtbar oder unsichtbar alle Mitarbeiter betroffen sind.
Sollten Sie diese oder ähnliche Gedanken kennen, dann haben Sie den Mut, die STOP–Taste zu drücken! Es ist an der Zeit, der Gefahr ehrlich ins Auge zu sehen und zu prüfen, ob jetzt die Zeit gekommen ist, das Geschäftsmodell zu überprüfen. Alles infrage zu stellen und sich dann, mit den Mitarbeitern an Bord, auf eine neue Reise zu machen. Auf eine menschliche Reise, die ALLE Mitarbeiter mitnimmt – zumindest die, die wirklich wollen. Nur Unternehmen, die diesen Schritt ehrlich und menschlich gehen, haben eine Chance auf nachhaltige Veränderung. Dafür bedarf es echter Führung, nicht nur guter Manager!
Wohin die Reise geht…
Wohin geht die Reise? Die Reise kann nur ins Begeisterungsland führen. KundenBegeisterung als ganzheitliche Unternehmensstrategie. KundenbeGEISTerung heißt, ein angepasstes, vielleicht sogar neues Geschäftsmodell, das für Kunden spannend, anziehend und von sehr großem Nutzen ist. Eine Unternehmens-KundenBegeisterungsstrategie, die mehr ist als guter Service und eine Überraschung für den Kunden als Einmal-Verblüffung. Da bieten Industrieunternehmen mehr als Produkte für den Handel, der Handwerker mehr als seine Dienstleistung und der Dienstleister mehr als eine vergleichbare Beratung.
Checkliste
- WIR stehen für eine gelebte BeGEISTerungsstrategie:
- Wir sind konsequent in der Umsetzung unserer gesteckten Ziele, statt einem Wunschdenken von Zielen nachzugehen.
- Wir sind konsequent in der Umsetzung unserer Maßnahmen statt nur vieler neuer Ideen und Projekte ins Leben zu rufen.
- Wir sind spannend statt gewöhnlich.
- Wir begeistern unsere Kunden, statt sie zufriedenzustellen.
- Wir haben ein gutes, offenes Betriebsklima anstatt eines Angst- oder Frustklimas.
- Wir haben eine wirklich erfolgreiche Vertriebsstrategie, statt einfach nur mehr zu arbeiten.
- Wir haben ein echtes Alleinstellungsmerkmal statt preisintensiver Vergleichbarkeit.
- Wir haben eine regelmäßige Kommunikationsplattform statt nerviger, lähmender Besprechungen.
- Wir sind kreativ, statt mehr von dem Bekannten zu machen.
- Wir kontrollieren unsere Umsetzung, statt immer neue Maßnahmen einzuleiten.
- Wir konzentrieren uns auf die wichtigsten Maßnahmen, statt uns zu verzetteln.
- Wir haben richtige FÜHRUNGS-Kräfte statt guter Manager.
- Wir nehmen uns Zeit für unsere Strategie, statt permanenten Stress und noch mehr Arbeit zu haben.
- Wir haben Klarheit, wohin die Reise geht, statt immer neue Versuche zu starten.
- Wir sind selbst noch begeistert von dem, was wir tun statt so zu tun als ob.
- Wir haben einen roten Faden für die kommenden Monate statt Hilflosigkeit.
- Wir machen die Dinge anders, statt noch mehr von dem Gleichen zu tun.
- Wir verkaufen mit WOW-Effekten statt langer Verkaufgespräche.
- Wir sind für gute Mitarbeiter interessant statt Fluktuation von guten Mitarbeitern.
- Wir haben Mut statt halbherziger Maßnahmen.
- Wir tun etwas statt jammern.
Doch Vorsicht: Dieser Ansatz kann nur GANZheitlich im Unternehmen umgesetzt werden. ALLE im Unternehmen haben sich in diese Strategie einzugliedern – von der Buchhaltung bis zum Vertrieb. Da werden viele Dinge auf den Kopf gestellt – als Erstes die typische Unternehmenspyramide. Da werden alte Zöpfe abgeschnitten. Solche Veränderungen sind auch mit starken Gefühlen verbunden: Abwehr, Zorn, Angst. Nutzen Sie die Chance JETZT, diesen Schritt zu gehen. Warten Sie nicht zu lange! Wenn Sie die Eisberge schon sehen, ist es meist zu spät, den Kurs zu ändern. Das wurde auch der Titanic zum Verhängnis! Denn Kursänderungen brauchen seine Zeit.
Fangen Sie mit Ihrem Verkauf und Vertrieb an. Je nach Unternehmensgröße nehmen Sie als Unternehmensführung die Marketingprofis (intern oder extern) auch dazu. Gehen Sie mindestens zwei bis drei Tage raus aus Ihrem Unternehmen. Suchen Sie sich eine ruhige Tagungsmöglichkeit in der Natur. Stellen Sie Fragen über Fragen - am besten mit einem Profi. Ziel ist es, das Geschäftsmodell zu überarbeiten. Danach gibt es einen roten Faden mit klaren zeitlichen Phasen für das überarbeitete Geschäftsmodell. Informieren Sie alle Mitarbeiter im Unternehmen, wohin die Reise gehen wird. Führen Sie gegebenenfalls viele offene Gespräche. Reden Sie mit den Menschen. Kommunikation ist hier wesentlich wirkungsvoller als jede noch so perfekt formulierte und auf Hochglanzpapier gedruckte Unternehmensphilosophie.
Inszenieren Sie danach den Verkauf, im Innen- und Außendienst – schreiben Sie regelrechte Drehbücher. Weg von Ähnlichen. Dafür brauchen Sie sicherlich Mut. Springen Sie über Ihren Schatten. Glauben Sie mir: In 2010 schlägt der Mutige den Ängstlichen! Schon die ersten mutigen Schritte werden Ihnen neue Energie geben – eine Energie des Aufbruches, eine Energie der Begeisterung, die Sie schon lange vermisst haben. Eine Energie, die Leistungsreserven freisetzt, wirkt auch, wenn es stürmisch ist und wir im Markt hart am Wind segeln müssen! Entscheidend ist nicht, wie der Wind weht, sondern wie wir die Segel setzen – denn der Wind ist für uns alle gleich. Dafür wünsche ich Ihnen „Mast und Schotbruch“.
[Bild: Leitner - Fotolia.com]
Verhandlungstechnik: Wenn Kunden Handeln als Sport betrachten
Der englische Sozialreformer John Ruskin hatte bereits im 19. Jahrhundert erkannt: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“
Verkäufer sollten Gefühle ruhig wahrnehmen
Verkaufsgespräche laufen meist hervorragend, bis es zur Preisverhandlung kommt. Viele Verkäufer spüren dann, wie ein ungutes Gefühl in ihnen aufsteigt, die Spannung wächst. Die Folge: Sie geben Preisnachlässe, nur um den Auftrag ohne Widerstand zu erhalten – und weil geschulte Einkäufer professionelle Taktiken und vorgeschobene Einwände nutzen, um den Verkäufer zu verunsichern. Dieser kämpft bei einem Kundeneinwand zum Thema Preis mit folgenden Gefühlen – er
- hat Angst,
- ist aufgeregt,
- ist enttäuscht,
- fühlt sich persönlich angegriffen,
- fühlt sich unterlegen,
- fühlt sich hilflos,
- ärgert sich.
Sicher ist es verständlich, wenn wir uns durch einen Einwand manchmal angegriffen fühlen und danach negativ eingestellt sind. Ab und zu fühlen wir uns auch in unserer Ehre verletzt - doch können wir mit dieser Einstellung optimal verkaufen? Wie kann ein Verkaufsgespräch aufgrund solcher Einstellungen verlaufen? Ein "durchschnittlicher Verkäufer" reagiert in der Regel wie folgt:
- Er widerspricht dem Kunden. Beispiel: "Nein, was Sie da sagen, ist absolut falsch."
- Er versucht, ihn eines Besseren zu belehren. Beispiel: "Wissen Sie, ich würde Ihnen gerne einmal zeigen, wie Sie das richtig handhaben müssen."
- Er greift den Kunden persönlich an und verletzt dessen Gefühle. Beispiel.: "Sie als Kaufmann haben sicherlich Probleme, diese hochtechnische Maschine zu verstehen, deshalb werde ich mich direkt an Ihre technische Abteilung wenden."
Was empfindet der Kunde jetzt? Was hat unser Verkäufer erreicht? Der Kunde wird sich nunmehr, gelenkt von seinem Gefühl, eine mehr oder weniger negative Meinung bilden.
Warum der Preis nicht immer zählt
Kunden legen sprichwörtlich alles (Produkte/Dienstleistungen ebenso wie das, was der Verkäufer sagt) auf eine Waage. Für den Verkäufer ist es nun entscheidend, wohin diese Preis-Nutzen-Waage ausschlägt? Überwiegt der Preis, ist die Verhandlungsbereitschaft extrem hoch. Überwiegt der Nutzen oder Wert des Produktes oder der Dienstleistung, spielt der Preis schon eine viel geringere Rolle. Spricht der Kunde das Thema z. B. mit folgenden Einwänden "Der Preis ist zu hoch“ oder „Die Kosten sind zu viel“ an, signalisiert das Wörtchen „zu“ eine Vergleichbarkeit. Jetzt liegt es am Verkäufer, diesen Einwand mit einer offenen Frage zu hinterfragen: „Warum ist der Preis zu hoch?“ oder/und „Womit vergleichen Sie, Herr Kunde?“ So erhalten Verkäufer notwendige und wichtige Zusatzinformationen, die sich meistens unter dem zuletzt genannten Aspekt der Vergleichbarkeit sogar noch weiter präzisieren lassen:
1. Der Kunde vergleicht mit einem anderen Geschäftspartner / mit anderen Angeboten:
- Welche Bedingungen liegen diesem Angebot zugrunde?
- Welche Einzelheiten wurden Ihnen genannt?
2. Der Kunde vergleicht mit Informationen aus Presse, Rundfunk usw.:
- Wo und wann haben Sie gelesen/gehört?
- Welche Details wurden genannt?
- Stimmt das genau mit Ihrer persönlichen Situation überein?
3. Der Kunde vergleicht mit dem verfügbaren Geld / Budget:
- Wie hoch ist Ihr Budget?
- Was wollen Sie ausgeben?
- Welche Preisvorstellungen hatten Sie?
4. Der Kunde vergleicht mit der angebotenen Leistung:
- Auf welche Leistungen könnten Sie verzichten?
- Welche zusätzlichen Leistungen wünschen Sie sich?
Keine Verhandlung ist so wichtig
Verkäufer sollten immer bereit und in der Lage sein, eine Verhandlung abzubrechen. Nichts, aber rein gar nichts darf – vor allem erkennbar – so wichtig sein, diesen einen Auftrag bekommen zu müssen. Das ist die größte und wichtigste Voraussetzung, um als Verkäufer in Verhandlungen mit starken Gesprächspartnern bestehen zu können. Verkäufer, die sich als Ziel gesetzt haben, dieses Produkt unbedingt (an diesen Kunden) zu verkaufen, haben oft schon verloren, denn sie befinden sich längst nicht mehr in einer Verhandlung.
10 bewährte Verhandlungs-Taktiken im Preisgespräch
- Kundenaufwertung: „Sie sind ein harter Verhandlungspartner.“
- Solidarisierung: „Ich verstehe Sie, an Ihrer Stelle würde
ich auch ...“ - Verunsicherung (Bei Behauptung eines billigen Angebotes): „Haben Sie es schriftlich?“
- Wettbewerbs-Angebot-Einsicht: „Darf ich es mal sehen?"
- Mitarbeiter-Appell: „Wo können Sie mir entgegenkommen?“
- Gegen-Zugeständnis: „Können Sie die Menge verdoppeln?“
- Angebots-Abmagerung: „Wie und wo können wir das Angebot abspecken?“
- Hypothetischer Fall: „Nehmen wir an, ich könnte X nachlassen,
würden Sie …?“ - Das letzte Wort bekommen: „Lassen Sie uns einen Termin vereinbaren ...“
- Schein-Abschied: „Schade, gerade heute dachte ich ...“
Wenn es um das Thema Preisnachlässe geht, geht es immer auch um den notwendigen Gewinn und damit die Existenzgrundlage eines Unternehmens. Umso wichtiger ist für den Verkäufer, strategisch vorzugehen.
[Bild: Nathalie P - Fotolia.com]
Vertriebserfolg: Synergetisch verkaufen sichert hohe Margen
Die Herausforderungen für Vertriebsverantwortliche sind gravierend: Umsätze brechen weg, die Margen sinken infolge des steigenden Preisdrucks und auch wegen ruinöser Rabattaktionen erweist sich die bisherige Verkaufsstrategie häufig als nicht mehr zukunftsfähig. Die definierten Umsatzziele lassen sich daher mit Business as usual und – trotz oftmals sehr engagierter Vertriebsmitarbeiter – kaum noch erreichen, da sich die Rahmenbedingungen für den Vertrieb grundlegend gewandelt haben.
Mehr denn je ist daher ein Umdenken gefordert – weg vom erlernten „Machtkampf“ hin zu einer eng verzahnten Zusammenarbeit zwischen Käufer und Verkäufer. Dieser Paradigmenwechsel bedeutet nicht weniger als eine „Revolution“ der Kundenbeziehung. Die neue Strategie muss sein, dass sich die Verkäufer geschickt in die strategischen Entscheidungsprozesse ihrer Kunden integrieren. Die dadurch bewirkten Effekte: hohe Umsatzsteigerungen und bessere Renditen. Und das – dank einer optimierten Kundenbindung – nachhaltig!
Customer focus
Konkret bedeutet dies: Die Kundenbeziehungen müssen künftig synergetisch gemanagt werden. Dazu müssen die Verkäufer in der Lage sein, eine hohe Kontaktqualität zum Kunden herzustellen. Dies ist indes nicht nur eine Frage des zeitlichen Aufwands, sondern in erster Linie eine Frage des Interesses und der Fähigkeiten. Verkäufer, die nützliche Berater ihrer Kunden werden sollen, müssen deren Ziele kennen, im Idealfall sogar besser als manch Beteiligter im Unternehmen.
Dieses Wissen wiederum versetzt Außendienstler in die Lage, durch entsprechende Lösungen dazu beizutragen, dass die Kunden ihre wichtigen Ziele erreichen. Jede angebotene Lösung sollte daher individuell und exakt auf die relevante Zielgruppe – das können Abteilungen oder Einzelpersonen sein – zugeschnitten und verkauft werden. Dies bedeutet: Die Verkäufer müssen zunächst lernen, wie sie es schaffen, sich tief in den Strukturen der Kunden zu verankern, um später den Kundenkontakt zu kommerzialisieren. Entscheidend: Dies muss derart erfolgen, dass beide – Verkäufer wie auch Kunde – profitieren! Nur dann gelingt es, den Kunden dauerhaft zu binden, ohne dass Wettbewerber tatsächlich zur Konkurrenz werden. Die Strategie sollte somit lauten: eng mit den Kunden zusammenarbeiten und gemeinsam die optimale Lösung für ein Kundenproblem entwickeln. Kein Gegeneinander, wie es noch verbreitet ist.
Es ist demnach zunächst eine Aufgabe der Entscheider, die Vertriebsstrategie neu auszurichten und die Weichen entsprechend zu stellen und beispielsweise den Außendienst für seine neue Aufgaben fit zu machen. Ein namhafter Medicalprodukte-Hersteller etwa hat seinen Vertrieb gesplittet: Ein Teil der Produktmanager ist weiterhin vorwiegend als nationale beziehungsweise internationale Produktmanager tätig, die übrigen sind als Marketing- beziehungsweise Vertriebsspezialisten aktiv. Als solche gehört es zu ihren Aufgaben, eine Partnerschaft mit ihren Kunden einzugehen und gemeinsam eine individuelle Lösung für deren Probleme zu erarbeiten. Diese Neustrukturierung sorgte dafür, dass die Vertriebsstrategie nicht einseitig auf Produkte und Technik ausgerichtet ist, sondern die Befriedigung der Kundenbedürfnisse im Fokus des Handelns der Außendienstler steht. Der Erfolg bestätigt diese Vorgehensweise.
Leistungen individualisieren
Wie gut der Strategiewechsel gelingt, hängt wesentlich davon ab, dass tatsächlich umgedacht wird, auf Führungs- und auf Mitarbeiterebene. Jedem muss klar sein, dass es nicht mehr darum geht, Kunden von Produkten zu überzeugen, sondern gemeinsam mit diesen überzeugende Lösungen zu entwickeln. Dafür gibt es eine wesentliche Voraussetzung: Entscheidend ist es, die introvertierte Perspektive (Wo lassen sich Kunden für die angebotenen Produkte finden?) in eine extrovertierte Sichtweise (Welches Produkt, welche Leistungen braucht der Kunde?) umzuwandeln.
Dabei steht nicht das (Massen-)Produkt im Vordergrund, sondern kundenorientiertes Denken und Handeln. Dazu müssen die Vertriebsmitarbeiter allerdings die Situation ihrer Kunden im Detail kennen und es verstehen, sich innerhalb der Kundenstruktur als wichtige Lieferanten von Produkten und Dienstleistungen zu etablieren, die die Wertschöpfung ihrer Kunden unterstützen. Auf diese Weise profilieren sie sich als Individualanbieter und differenzieren sie sich von Massenprodukt-Verkäufern. Ein schöner Nebeneffekt: Die Zufriedenheit der Außendienstmitarbeiter mit ihrer Tätigkeit steigt. Gut für deren Motivation und Engagement.
Kompetenzen erweitern
Der Wechsel der Vertriebsstrategie erfordert auch eine andere Form der Vertriebsqualifizierung, da die Verkäufer andere Kompetenzen benötigen. Zudem reicht eine hohe Produkt- und Produktanwendungskompetenz allein nicht. Vielmehr benötigen die Außendienstler BWL-Kenntnisse, das Wissen über Prozessabläufe und das Know-how, Elemente des Consultative Sellings anzuwenden. Mithilfe dieser Kompetenzen fällt es ihnen leichter, ihre Kunden nutzbringend zu beraten, sich in die Bedarfsstruktur des Kunden zu integrieren und optimale Lösungen anzubieten.
Dazu müssen die Vertriebsmitarbeiter zunächst erfahren, wie sie zum Beispiel ein Buying-Center wirksam bearbeiten, wie sie die Engpässe beim Kunden und relevante Personen sowie Gremien für Kaufentscheidungen identifizieren, wie sie Bedarfsfelder zutreffend ermitteln und eine tragfähige Strategie entwickeln, um Kunden wirksam beim Erreichen der Ziele zu unterstützen. Dazu benötigen sie insbesondere andere Frage- und Gesprächstechniken als bisher.
Der Aufwand des Strategiewechsels und einer entsprechenden Qualifizierung der Vertriebsmannschaft lohnt sich. Denn der prozessgesteuerte Vertrieb ist dem kurzfristig orientierten Verkauf überlegen – auch was die dauerhaften Umsatzpotenziale betrifft. Einerseits verliert der Preis als Hauptargument der Kundengewinnung und –sicherung seine ansonsten dominierende Bedeutung. Andererseits lassen sich auf diese Weise Vertriebskosten in Relation zum Gesamtumsatz um bis zu 30 Prozent senken. Und beides – mehr Umsatz bei gleichzeitig geringeren Kosten – will wohl jedes Unternehmen.
Checkliste Vertriebsstrategie: Miteinander statt gegeneinander
- Das synergetische Verkaufsmodell ersetzt das herkömmliche, der Verkäufer wird zum „Partner“ seiner Kunden.
- Die neue Strategie sollte sorgfältig vorbereitet und implementiert werden.
- Es ist darauf zu achten, dass alle, Führungskräfte wie Mitarbeiter, die neue Vertriebsstrategie mittragen und die Umsetzung unterstützen.
- Da die Marktbearbeitung anspruchsvoller wird, sollten Kunden sorgfältig selektiert werden.
- Entscheidend ist, lösungsorientiert und nicht produktorientiert zu denken.
- Aufgabe der Führungskräfte ist es, die Qualität und die Qualifizierung im Vertrieb zu verbessern.
- Die Qualifizierungsmaßnahmen im Vertrieb sollten an die neuen Anforderungen angepasst werden.
- Die Führung muss auf eine Unternehmens- und Vertriebskultur achten, die die Verkäufer unterstützt und nicht hemmt.
- Die Führungskräfte selbst sollten sich zum Coach ihrer Mitarbeiter entwickeln und sie durch Vorbild und Know-how fordern.
Checkliste: Was Vertriebsmitarbeiter künftig beherrschen sollten
- Das Management von Schlüsselkunden ist als ganzheitlich strukturierter Prozess zu verstehen.
- Es sollte sorgfältig analysiert werden, welche Personen und Netzwerke beim Kunden an wichtigen Entscheidungen beteiligt sind.
- Ebenso sind die Phasen des Entscheidungsprozesses des Kunden zu analysieren.
- Während des Beratungs- bzw. Verkaufsprozesses ist darauf zu achten, dass alle Entscheidungsebenen des Kunden einbezogen werden.
- Die Entscheider beim Kunden sind, abhängig von ihren Funktionen im Entscheidungsprozess, differenziert und zielgerichtet zu bearbeiten.
- Nützlich ist es, in der Lage zu sein, Gesprächspartner auf einen Blick verlässlich und richtig einzuschätzen und dieses Wissen zur Grundlage des eigenen Handelns bzw. der eigenen Argumentation zu machen.
- Verkäufer sollten ihr eigenes Handeln stets an den strategischen Entscheidungen der Schlüsselkunden ausrichten.
- Der Abschluss ist als Folge eines erfolgreichen Beziehungsmanagement-Prozesses zu verstehen und umzusetzen.
[Bild: Mark Stout - Fotolia.com]
Emotionales Verkaufen: Die 9 Todsünden im Verkauf
Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten gilt: Ohne Emotionen, kein Umsatz. Nur wenn sich der Kunde im Gespräch mit dem Verkäufer wohlfühlt, interessiert er sich für dessen Angebot. Spitzenverkäufer wissen dies und handeln danach. Sie leben geradezu das „Emotionale Verkaufen“. Sie freuen sich auf ihre Verkaufsgespräche und sind neugierig auf jeden Kunden. Sie bauen auf ihre positive Ausstrahlung und ihr Einfühlungsvermögen. Denn sie wissen: Meine emotionale Kompetenz ist mein größter Wettbewerbsvorteil. Und sie kennen folgende Todsünden, die jedes Verkaufsgespräch zu einem Flop werden lassen. Also vermeiden sie diese.
Todsünde 1: Wenig Lust und Leidenschaft
Der Misserfolg vieler Verkaufsgespräche ist vorprogrammiert. Denn der Verkäufer ist unkonzentriert und hat keine Lust auf das anstehende Gespräch und den jeweiligen Kunden. Er gibt sich negativen Gedanken und düsteren Vorahnungen hin, statt sich zum Beispiel an sein erfolgreichstes Gespräch zu erinnern. Dabei würde dies seine Laune verbessern und seine Motivation steigern. Also würde er auch mehr Zuversicht und Leidenschaft ausstrahlen.
Todsünde 2: Kein Auge für den Kunden
Viele Verkäufer sind zu sehr mit sich oder ihrer Gesprächsstrategie beschäftigt. Deshalb nehmen sie in der für den Gesprächsverlauf so wichtigen Auftaktphase ihrer Kundengespräche, den Kunden und seine Stimmung kaum wahr. Also entgehen ihnen wertvolle Infos, die ein wirklich kundenorientiertes Gespräch erst möglich machen.
Todsünde 3: Langweiliger Small Talk
Ein sensibles Wahrnehmen des Kunden ist auch die Voraussetzung für einen guten Small Talk. Der ist für den Beziehungsaufbau wichtig. Weil ihnen die Antennen für ihre Kunden fehlen, dreschen viele Verkäufer in dieser Gesprächsphase stereotype Phrasen, die ihre Gesprächspartner langweilen.
Anders Spitzenverkäufer! Sie nehmen ihr Gegenüber sowie dessen Umfeld und Befinden sensibel wahr. Und die so gewonnenen Infos nutzen sie, um den Kunden zum Beispiel auf gemeinsame Hobbys anzusprechen. Oder die gemeinsame Situation als Eltern. So schaffen sie einen persönlichen Draht zum Kunden.
Und noch etwas praktizieren echte Profis: den „Non Talk“. Sie strahlen den Kunden nach einer freundlichen Begrüßung einfach an und sagen nichts. Das ist das beste Mittel, um Kunden sekundenschnell zu signalisieren: Ich bin anders als die Anderen! Das sorgt für ein „Aha-Erlebnis“ und steigert das Interesse sowie die Aufmerksamkeit.
Todsünde 4: Routinefragen statt echtem Interesse
Jeder Verkäufer hat solche Sätze wie „Wer fragt, der lenkt, was der Kunde denkt“ schon oft gehört. Trotzdem stellen viele Verkäufer zu wenig und zu unkonkrete Fragen. Denn sie haben kein echtes Interesse am jeweiligen Gegenüber. Also haken sie nur mechanisch antrainierte Routinefragen ab, um ihre Pflicht zu erfüllen. Anders ist dies bei Verkäufern, die ein echtes Interesse am Kunden haben. Ihnen purzeln die Fragen sozusagen aus dem Mund. Dieses echte Interesse spürt der Kunde. Also öffnet er sich und eine echte Kommunikation entsteht.
Todsünde 5: Eine kraftlose, unemotionale Sprache
Mit jedem Wort transportieren wir Information und Emotion. Und wir beeinflussen damit uns selbst und andere. Leider ist die Sprache vieler Verkäufer von langen Schachtelsätzen und vagen Formulierungen geprägt. Es fehlen kundenorientierte Aussagen wie „Sie gewinnen ...“, „Sie erreichen ...“ „Sie sparen ...“. Und sie benutzen viel zu selten emotionalisierende Magic Words wie „wertvoll“, „innovativ“ und „traumhaft“.
Dem entspricht ihre Sprechweise. Sie klingt oft alles andere als begeistert und überzeugt. Dabei gilt: Stimmt das „Wie“ nicht, kauft der Kunde dem Verkäufer auch seine Worte nicht ab. Er wird misstrauisch und zögerlich. Das ist fatal für den Abschluss!
Todsünde 6: Unflexibel im Verhalten
Viele Verkäufer haben nur eine Gesprächsstrategie. Dabei tickt jeder Kunde anders. So legt der eine zum Beispiel wert auf viele Detailinfos und will genau wissen, wie das Produkt funktioniert. Dem Anderen reicht das Wichtigste. Er will primär wissen, welche Vorteile er vom Kauf hat. Berät der Verkäufer den erst genannten Kunden zu kurz oder den anderen zu ausführlich, sind Probleme vorprogrammiert. Dabei lässt sich dies durch eine so einfache Frage vermeiden wie: „Was möchten Sie über unser Angebot wissen?“
Todsünde 7: Keine Teilerfolge sichern
Oft erfahren Verkäufer erst, wenn sie zum Verkaufsabschluss kommen wollen, ob der Kunde hierzu bereit ist. Das ist viel zu spät! Und es ist lästig, in diesem entscheidenden Moment noch mit Einwänden konfrontiert zu werden. Geschieht dies, dann sind Verkäufer meist selbst Schuld. Denn jede Kaufentscheidung ist das Resultat vieler kleiner Teilentscheidungen. Diese führen Verkäufer herbei, indem sie im Gespräch immer wieder nachfragen: „Gefällt Ihnen das so?“, „Wollen Sie das so?“ oder „Haben Sie sich das so vorgestellt?“. Solche Bestätigungsfragen veranlassen den Kunden zu Teilentscheidungen und der Verkäufer kommt schneller und sicherer zum Ziel.
Todsünde 8: Kaufsignale missachten
Verkäufer klagen oft über die Zögerlichkeit der Kunden. Dabei sehen sie häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sie sind so mit sich und ihrer Gesprächsstrategie beschäftigt, dass sie die vielen sicht- und hörbaren Kaufsignale übersehen. Ist ein Kunde interessiert, dann signalisiert er dies – zum Beispiel durch Kopfnicken, verstärkten Blickkontakt und indem er dem Verkäufer körpersprachlich entgegenkommt. Oder indem er sagt „Das klingt interessant“. Oder indem er durch Fragen wie „Wie wäre das, wenn wir ...“ offenbart, dass er bereits mit der Zeit nach dem Kauf beschäftigt ist.
Todsünde 9: Ziel- und mutlos beim Abschluss
Viele Verkäufer sind wie erfolglose Sprinter: Am Anfang zu stürmisch, am Ende verlassen sie Mut und Kraft. Nach einer tollen Beratung häufen sich plötzlich unverbindliche Formulierungen und Konjunktive. Dabei zählt in dieser Gesprächsphase freundliche Verbindlichkeit. Denn die meisten Menschen sind tendenziell entscheidungsschwach. Sie hoffen geradezu auf die Entschlossenheit des Verkäufers. Zeigt er diese im Abschlussmoment nicht, ist der Kunde verunsichert. Und oft leitet er daraus sogar ab: Der Verkäufer ist selbst von seinem Angebot nicht überzeugt. Das stimmt häufig! Deshalb fordern viele Verkäufer die Kunden selbst zum Vertagen der Kaufentscheidung auf – in der Hoffnung: Dann habe ich eine bessere Chance. Wie töricht! Warum sollte die Abschlusswahrscheinlichkeit kommende Woche oder nächsten Monat höher sein?
Übrigens: Alle genannten Todsünden haben – wie die häufige Scheu von Verkäufern, Kunden um eine Empfehlung zu bitten – etwas mit Unsicherheit sowie einem Mangel an Begeisterung, Überzeugung und Entschlossenheit zu tun. Oder allgemein formuliert: mit ihren Emotionen!
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CRM-Systeme: Ein Mehrwert für das ganze Unternehmen
Neue Kunden zu akquirieren ist bis zu fünf mal teurer und aufwändiger, als bestehende Kunden zu halten. Und doch ist die Kundengewinnung unabdingbar, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, denn auch bestehende Abnehmer halten aus den unterschiedlichsten Gründen selten lebenslang die Treue.
Was logisch klingt, wird in der Praxis nur spärlich umgesetzt: Ist die Geschäftslage gut, gibt es keine offensichtliche Notwendigkeit, neue Kunden zu akquirieren. Dafür hat sowieso keiner Zeit, da jeder damit beschäftigt ist, die bestehenden Anfragen und Aufträge abzuwickeln. Wenn das Geschäft dann erst einmal zurückgeht, ist es meistens schon zu spät. Denn oft fehlen die finanziellen Mittel für die teure Akquise, die zudem auch noch enorm lange Vorlaufzeiten benötigt, bis sie fruchtet. Die Zauberformel der Neukundenakquise heißt deshalb: konstant und nachvollziehbar am zukünftigen Kunden dranzubleiben. Diese akquiriert man, indem man sich Schritt für Schritt an den richtigen Ansprechpartner herantastet und sich regelmäßig bei diesem meldet – immer mit dem Wissen des jeweiligen Vorgesprächs.
Mit CRM-Systemen können Vertriebsmitarbeiter Kundenkontakte anlegen und Gespräche protokollieren. So wird der lange Prozess der Kundenakquise effizienter. Dies ist vor allem wichtig, wenn mehrere Mitarbeiter über einen langen Zeitraum an der Akquise eines Kunden arbeiten. Unternehmen vermeiden doppelte und damit obsolete Schritte und sparen Kosten und wertvolle Zeit für das eigene sowie für das Kundenunternehmen. Des Weiteren lässt sich sicherstellen, dass die einmal kontaktierten Firmen in regelmäßigen Abständen wieder angesprochen werden, bis sie im Idealfall zum Kunden werden. Ein CRM-Tool bietet also viele Vorteile – vorausgesetzt das System wird richtig eingeführt und verwendet.
CRM in der Praxis oder wie man es nicht macht
Die Realität in den Unternehmen sieht allerdings häufig anders aus, wie ein anonymes und zugegeben extremes Beispiel verdeutlichen soll: Eine Firma führt unter höchstem Aufwand an Kosten, Ressourcen, Zeit und Nerven eine CRM-Software ein. Nach einer kurzen Mitarbeiterschulung kommt die Anweisung von ganz oben: Ab heute hat jeder (Vertriebs-)Mitarbeiter mit dem CRM-System zu arbeiten. So weit, so gut – in der Praxis wird jedoch erst einmal weitergearbeitet wie bisher. Erst nach der dritten Rüge wird der Mitarbeiter seine Daten in einer „Light“-Version in das CRM-Tool einpflegen, zusätzlich zu seinem eigenen „System“. Und dieses besteht in der Regel aus einer Mischung aus Outlook, Excel-Tabellen, einem Offline-Terminplaner und vielen bunten Notizzetteln. Wiedervorlagen und Erinnerungen erfolgen eher nach dem Zufallsprinzip, doch der Mitarbeiter tut weiterhin sein Bestes, den Kunden zufriedenzustellen. Er ruft an, wenn ein großes Projekt ansteht oder wenn um Rückruf gebeten wurde. Auf diese Weise generiert er manchmal mehr, manchmal weniger Umsatz.
Sein Chef, der klassische Vertriebsleiter, ist über ein paar Alibidaten im CRM-System dankbar und ergänzt diese mit seinen eigenen Alibidaten. In Power-Point wird dann der monatliche Bericht für die Unternehmensleitung zusammengestellt, mit vielen Grafiken und positiven Trends ausgeschmückt und stolz präsentiert. Das Management zeigt sich – mangels Kenntnis der Möglichkeiten des CRM-Systems – zufrieden mit der unterhaltsamen Präsentation, die es ebenfalls stolz seinen verschiedenen Shareholdern vorzeigen kann. Nicht zu vergessen der Zusatz, dass man erfolgreich ein zukunftsfähiges CRM-Tool etabliert hat, welches die ohnehin schon guten Ergebnisse noch optimiert. Die Einführung des CRM-Systems war also ein voller Erfolg und alle sind zufrieden. Wirklich alle?
Echte Werte statt Alibidaten schaffen
Natürlich nicht. Derjenige, der so tun muss, als nutze er die neue, Effizienz steigernde Software, ist nicht zufrieden, denn er hat mehr Aufwand, Druck und Stress, aber keinen persönlichen Nutzen. Das Management wiegt sich in trügerischer Sicherheit, denn selbst wenn Reports aus dem CRM-System generiert werden, bilden diese nicht die tatsächliche Situation ab, ganz im Gegenteil. Damit nimmt sich die Unternehmensführung die Möglichkeit, wahre Tendenzen zu erkennen und wird im Fall der Fälle nicht mehr rechtzeitig reagieren können. Selbst die Finanzabteilung wird dies bei stark projektorientierten Unternehmen erst bemerken, wenn es zu spät ist und die Umsätze ausbleiben.
Dieses Beispiel zeigt eines: Kundenbeziehungsmanagement darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern – genauso wie der Vertrieb an sich – als integraler Bestandteil des Ganzen. Sowohl der Vertriebsgedanke als auch die Kundenorientierung müssen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Unternehmen ziehen und als Firmenphilosophie gelebt werden, wenn man langfristig erfolgreich sein möchte. Das CRM-System ist keine Insellösung, sondern stellt im Idealfall die Einstellung des Unternehmens zum Vertrieb und zum Kunden dar. Und dies lässt sich an zweierlei Faktoren ablesen: daran, welche Abteilungen an das CRM-Tool angebunden sind und daran, wie einzelne Mitarbeiter und Bereiche die Lösung tatsächlich nutzen.
Die erste Voraussetzung für den gewinnbringenden Einsatz eines CRM-Tools ist die Akzeptanz der Mitarbeiter. Und diese erreicht man nur, wenn auch der Einzelne einen Vorteil durch das CRM-System hat – und zwar nicht nur monetär, sondern auch persönlich, etwa durch spürbare Arbeitserleichterung oder einen pünktlichen Feierabend. Wichtig ist zudem die Kommunikation mit den Mitarbeitern, die schnell Aufschluss darüber gibt, wie jeder Einzelne in Wirklichkeit arbeitet. Denn absolut jeder im Unternehmen hat das Potenzial, aktiv zur Verbesserung der internen und externen Kommunikation, insbesondere mit dem Kunden, beizutragen. Vorausgesetzt, er wird gefragt.
Seinen wahren Wert erhält ein CRM-System schließlich durch die Nutzung und durch die Aktivitäten, die darin dokumentiert und protokolliert werden. Damit das System bestehende Vertriebsprozesse unterstützen und optimieren kann, gilt es zunächst, die Beziehung und die Kommunikation zwischen dem Vertrieb und den anderen Abteilungen der Firma zu intensivieren und zu verbessern. Erst dann lässt sich auch das Kundenbeziehungsmanagement, sprich die Betreuung der Kunden, optimieren. Zunächst soll die CRM-Lösung eine Plattform sein, auf der die unterschiedlichen Abteilungen sich treffen und austauschen können – ohne dabei gleich bestehende Prozesse zu verändern. Das ist der erste Schritt für eine vertriebsorientierte Mentalität eines Unternehmens und die Förderung der Teamarbeit mit Ausrichtung auf den Kunden.
Fazit: Nur indem alle Mitarbeiter und Unternehmensbereiche eingebunden werden, bringt ein CRM-System auch tatsächlich einen Mehrwert - und zwar nicht nur für den Vertrieb, sondern auch für andere Unternehmensabteilungen sowie für die Kunden und Geschäftspartner.
Cui bono – oder wer braucht ein CRM-System und wofür?
- Der Vertrieb: für die tägliche nutzen- und bedarfsorientierte Arbeit mit dem Kunden sowie zur Messbarkeit seiner Maßnahmen
- Der Vertriebsleiter: zur Bewertung und Überprüfung seiner vorgegebenen Strategie sowie der einzelnen Vertriebsmitarbeiter
- Das Marketing: für die Konzeption, Umsetzung und Erfolgsmessung von Kampagnen und sowie zur Bewertung und Kontrolle der Marketingstrategien
- Der Service- und Supportmitarbeiter: zur Einsicht in die Kunden- und Support-Historie, was eine schnellere Hilfe und damit höhere Kundenzufriedenheit ermöglicht. Die Supportfälle geben zudem die besten Einblicke in bestehendes Cross- und Upselling-Potenzial eines Kunden
- Die Unternehmensführung: zur Pflege der eigenen Kontakte, Nachverfolgung, Beobachtung und Kontrolle der Strategie, Performance und Unternehmensentwicklung
- Der Kunde: um genau das zu bekommen, was er wann und wo benötigt. Darüber hinaus kann er sich über ein Webportal einloggen und bestimmte, freigegebene Informationen wie Datenblätter, FAQs, Ansprechpartner, Lieferstatus oder Rechnungsinformationen abrufen. Das entlastet zusätzlich den Vertrieb, Support und andere Abteilungen.
- Die Lieferanten und Partnerunternehmen: um den aktuellen Status etwa einer gemeinsamen Kampagne oder dem Abverkauf eines gelieferten Produktes über ein Webportal abzurufen
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Lauterkeitsrecht: Was bei Angebot, Werbung und Akquisition unbedingt zu beachten ist
Das neue Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) im Fokus
Aufgrund europäischer Vorgaben hatte der Gesetzgeber mit Datum vom 4.8.2009 eine Neufassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verabschiedet. Doch erst am 3.3.2010 – also nach über sechs Monaten – konnte das Bundesjustizministerium den genauen Wortlaut der aktuellen Gesetzesfassung bekannt geben. Der Hintergrund: Das UWG ist in den letzten Jahren mehrfach geändert, vor allem aber ergänzt worden – weshalb Gesetzgeber und Ministerium mit den aktuellen Details kaum noch Schritt halten konnten.
Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, nicht nur bei Juristen, sondern auch im geschäftlichen Alltag meist bekannt als UWG, regelt das Zusammenspiel der Unternehmen mit ihren Kunden sowie die Wege und Grenzen des wirtschaftlichen Verhaltens einer Firma – insbesondere beim Anbieten eines Produktes oder einer Dienstleistung, bei der Werbung sowie bei der Akquisition neuer Kunden.
Wenn sich so zentrale und für die tägliche Unternehmenspraxis bedeutsame gesetzliche Spielregeln ändern, dann ist Aufmerksamkeit geboten. Sind Angebot, Preis, Präsentation im Markt, Bezugsbedingungen noch stimmig? Was muss gegebenenfalls verändert, besonders beachtet werden? Denn Probleme können schnell folgenreiche Konsequenzen haben und ärgerliche Kundenbeschwerden, Mehrkosten, Klagen oder Anzeigen mit sich bringen. Was also gilt zurzeit? Was ist im neuen UWG aufgrund zusätzlicher europäischer Vorschriften genauer, vielleicht auch anders geregelt?
Allerdings, wirklich neu ist wenig, leider fehlt eine wünschenswerte Reform gerade für den Bereich der Vorschriften des Lauterkeitsrechts unter den Kaufleuten, also für den sogenannten B2B-Bereich. Hier gilt nach wie vor das, was bereits seit der ersten Kodifizierung des Wettbewerbsrechts galt und mit folgenden Kernaussagen zusammengefasst werden kann:
- Werbung hat stets klar und wahr zu sein, insbesondere gehört hierzu Preisklarheit und Preiswahrheit.
- Maßgeblich für die Beurteilung einer Werbung ist stets und allein der Adressat, wobei ein „verständiger, aufmerksamer und durchschnittlich informierter“ Adressat unterstellt wird.
- Die Entschuldigung eigener Wettbewerbsverstöße unter Hinweis auf Verstöße anderer, gibt es (wie im deutschen Wettbewerbsrecht schon bislang) nach wie vor nicht. Auch der Einwand der sogenannten "unclean hands" ist nicht zulässig.
- Grundsätzlich haftet der Werbende auch ohne Verschulden für seine ihm wirtschaftlich zum Vorteil gereichenden werblichen Aussagen.
Auch ohne EU gab es schon viele Änderungen
In der Vergangenheit hat der Gesetzgeber bereits das deutsche Wettbewerbsrecht "entrümpelt". Erlaubt wurde zum Beispiel die Alterswerbung. Oder: Die für den Handel so wichtigen Jubiläums-, Saisonschluss- und Räumungsverkaufsveranstaltungen sowie allgemein Sonderverkaufsaktionen sind vom wettbewerbsrechtlichen Regelwerk ausgenommen. Ebenso bedeutsam: Die neben dem Wettbewerbsrecht bestehenden Nebengesetze, insbesondere Rabattgesetz und Zugabeverordnung wurden abgeschafft.
Gleichwohl bedeutet diese nunmehr seit 2004 bestehende Gesetzessituation nicht, dass zum Beispiel die Aussage "Wir schließen die Filiale – 30 Prozent Rabatt auf alle Waren!" stets zulässig wäre. Denn natürlich gilt – siehe oben – weiterhin der Maßstab "Preisklarheit und Preiswahrheit" sowie allgemein das Wahrheitsgebot. Konkret: Wenn also die Filiale gar nicht ernsthaft geschlossen würde, wäre die Aussage ebenso irreführend, wie es eine Rabattankündigung wäre, wenn nicht tatsächlich vor der Preisherabsetzung oder vor Gewährung des Rabatts der entsprechende Normalpreis verlangt worden wäre.
Aktuelle Neuentwicklungen im Wettbewerbsrecht
Die heutige Diskussion bezieht sich weniger auf die weiterhin gültige, zumindest seit der letzten Novellierung vor sechs Jahren übliche Praxis des deutschen Wettbewerbsrechts. Im Vordergrund stehen jetzt vor allem die sogenannten 30 speziellen Geschäftspraktiken, die nach der Vorgabe des europäischen Gesetzgebers in einem Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG aufgeführt sind sowie die Regelungen des § 7 UWG, der unzumutbare Belästigungen untersagt.
Im neue UWG wurden also
- zum einen eine ganze Reihe stets nach der Gesetzesvorschrift des § 3 Abs. 3 UWG unzulässige Praktiken in eine "schwarze Liste" ausgelagert und
- zum anderen im Zuge der nunmehr in § 7 erfassten neuen Kommunikationsformen eine Erweiterung der „stets als unzumutbar anzunehmenden Fälle“ vorgenommen.
Die neue „Schwarze Liste“ des UWG
Die „stets unzulässigen geschäftlichen Handlungen“ umfassen ganz überwiegend Vorgänge, die auf den ersten Blick (und sicherlich nach Auffassung aller beteiligten Wirtschaftskreise) unzulässig sind. Der überwiegende Teil dieser Handlungen war bereits seit Entstehung des UWG untersagt. Allerdings war dies noch nicht durch entsprechende gesetzliche Vorschriften geregelt, sondern sukzessive durch entsprechende Urteile des Bundesgerichtshofs sowie der Instanzgerichte. Die nun konkret aufgeführten „Dreißig geschäftlichen Handlungen“ sind selbsterklärend, sie bedürfen deshalb keiner besonderen Kommentierung mehr – sicherlich ein Vorteil der neuen gesetzlichen Regelung. Denn zuvor waren vielen von der Rechtsprechung entwickelten Fälle der Unlauterkeit nur in entsprechenden Kommentaren zum UWG beschrieben.
Hierzu zwei Beispiele:
Es war stets unzulässig, dass ein Unternehmer mit Selbstverständlichkeiten wirbt. Jetzt sieht Nr. 10 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG vor, dass ein Gewerbetreibender nicht dem Verbraucher gesetzlich zustehende Rechte als Besonderheit des Angebots präsentieren darf.
Das allgemein bekannte Verbot der Tarnung von Werbung durch einen redaktionellen Beitrag ist nunmehr durch Nummer 11 des Anhangs untersagt: Es sei stets eine „als Information getarnte Werbung“ zu würdigen und dann unzulässig, wenn der „vom Unternehmer finanzierte Einsatz redaktionelle Inhalte“ betrifft, die zur Verkaufsförderung erfolgen, ohne dass sich „dieser Zusammenhang aus dem Inhalt oder aus der Art der optischen oder akustischen Darstellung“ eindeutig ergibt.
Siehe die "Schwarze Liste" des UWG von der IHK München und Oberbayern. [48]
Endlich ist durch das "Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei besonderen Vertriebsformen" vom 4.8.2009 eine zusätzliche Sanktionsmöglichkeit im Bereich des Verbraucherschutzes durch den Gesetzgeber geschaffen worden. Nach diesen neu geschaffenen gesetzlichen Möglichkeiten ist zum Beispiel eine Werbung per Telefon stets als unzumutbare Belästigung anzusehen und somit unzulässig. Eine Ausnahme ist nur dann möglich, wenn der Angerufene vor dem Anruf eine ausdrückliche Einwilligungserklärung abgegeben hat.
Zu betonen ist: Leider ist weitgehend unbekannt, dass diese Regelung auch für Anrufe bei Gewerbetreibenden gilt. Insoweit gilt auch für diesen Personenkreis die Ausnahmegenehmigung nur über eine ausdrückliche Einwilligung.
Zwar lässt der Gesetzgeber aufgrund ganz konkreter Umstände des Einzelfalls bei Gewerbetreibenden eine „mutmaßliche Einwilligung“ zu, diese wird ein Anrufer aber nur in Ausnahmefällen darlegen und beweisen können. Das heißt: Es bleibt deshalb beim grundsätzlichen Verbot des sogenannten "cold calling" auch unter Geschäftsleuten. Ebenso wichtig ist, dass unverlangt erfolgende Telefaxwerbung eine unzumutbare Belästigung ist und deshalb stets wettbewerbsrechtlich unzulässig. Einen Ausweg bietet die sogenannte "Opt-in-Lösung"; darunter versteht man eine im Vorfeld der Telefaxwerbung erfolgte Einverständniserklärung des Empfängers. Ansonsten gibt es grundsätzlich keine weitere Ausnahme, auch keine "mutmaßliche Einwilligung".
Was gilt elektronisch?
Nicht viel anders ist die Situation bei einer Werbung mittels sogenannter elektronischer Post, also per E-Mail oder per SMS. Auch für diese Formen der Übermittlung von Werbung gilt als einzige Ausnahmemöglichkeit die vorherige ausdrückliche Einwilligung.
Konkret: Ein Versender von Werbung über das Internet via E-Mail kann sich insbesondere nicht darauf berufen, er habe E-Mail-Adressen verwendet, die in einem öffentlichen Verzeichnis, auf einem Briefbogen oder einer Visitenkarte aufgeführt sind. Die einzige Möglichkeit für Werbung auf diesem Wege besteht darin, die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Waren oder der Erbringung der Dienstleistungen erhaltenen E-Mails für eine ergänzende Direktwerbung zu nutzen. Merke: Insoweit ist der Gesetzgeber der Auffassung, dass ein Kunde ausdrücklich die Nutzung dieser Form der Werbung untersagen muss, sofern er werbliche Informationen des betreffenden Unternehmens innerhalb einer bestehenden Geschäftsbeziehung nicht (mehr) wünscht.
So bleibt der Brief die einzige nach wie vor zulässige Übermittlungsform. Wird aber ein angesprochener Verbraucher oder Gewerbetreibender aktiv und untersagt den Empfang weiterer Werbeaussendungen per Brief, dann muss sich der werbende Unternehmer strikt an diese Weisung halten.
Es droht die Abmahnung
Die einzelnen Hinweise sind deshalb von so großer Bedeutung, weil Verstöße gegen das Verbot der belästigenden Werbung nicht nur durch Mitbewerber des Verletzers, sondern auch durch rechtsfähige Vereine und Verbände von Gewerbetreibenden und Verbrauchern beanstandet werden können.
Es gibt leider mittlerweile eine Reihe von "schwarzen Schafen" unter den zur Abmahnung und zur Einhaltung der Lauterkeit befugten Verbänden und Vereinen. In den letzten Jahren musste sich die Rechtsprechung deshalb immer wieder mit Fragen nach der Höhe der Abmahnkosten und einer Anspruchsberechtigung für derartige Tätigkeiten beschäftigen. Ebenso lange ist das Bestreben der Rechtsprechung erkennbar, sogenannten selbsternannten Sheriffs auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts das Handwerk zu legen.
[Redaktion in Zusammenarbeit mit W&W Publishers, Hanau;
Bild: Fineas - Fotolia.com]
Preispolitik: Die Preise wieder erhöhen – aber wie?
Dem Vertrieb die Preisanpassung transparent machen
Die Führungskräfte sind gefragt: Sie müssen jedem einzelnen Vertriebsmitarbeiter klar machen, warum das Anheben des Preisniveaus eine unverzichtbare Maßnahme ist. Die Preise werden nicht unmotiviert erhöht, sondern an die Marktsituation angepasst. An dieser Stelle ist ein guter Informationsfluss zwischen Einkauf und Vertrieb sehr wichtig. Ein Verkäufer, der um die gestiegenen Rohstoffkosten weiß, wird um die Preisanpassung kämpfen wollen, weil er voll und ganz dahinter steht.
Dem Kunden interne Maßnahmen erklären
Der Kunde wird wissen wollen, was das Unternehmen intern getan hat, um dem Kostendruck von außen gegenzusteuern. Auf diese Frage muss der Verkäufer perfekt vorbereitet sein. Nur wenn er genau weiß, welche Maßnahmen ergriffen wurden, kann er hinter der Preisanpassung stehen und sie sicher beim Kunden argumentieren.
Beispiel: Steigende Rohstoffkosten und Löhne haben eigentlich eine Preisanpassung um 20 Prozent notwendig gemacht. Der Verkäufer erklärt dem Kunden, dass nach harten Verhandlungen mit Lieferanten, Optimierung von Produktionsabläufen etc. die Preisanpassung auf acht Prozent reduziert werden konnte. Diese acht Prozent sind unverhandelbar. Es geht um notwendige Anpassungen der Preise, um das ökonomische Überleben zu sichern.
Den Kunden unterstützen
Der Kunde wird sicherlich nicht erfreut sein. Der Verkäufer sollte deutlich machen, dass er seine Situation kennt („Ich weiß, Herr K., das tut Ihnen weh!“) und sich dann als Partner erweisen. Im Vorfeld des Gesprächs gilt es zu klären, was dem Kunden als Kompensation angeboten werden kann: In welchen Bereichen kann man dem Kunden helfen zu sparen? Welche Möglichkeiten gibt es, seine Produktivität zu erhöhen? Kann er ein Produkt durch ein Neueres ersetzen, das vielleicht sogar günstiger ist? Es gilt wie bei Preisverhandlungen die Grundregel „Geben und Nehmen“.
Klare Gesprächsstrategie
Eine intensive Vorbereitung auf den Kunden ist ein absolutes Muss. Dabei sollte der Verkäufer herausarbeiten, warum der Kunde unbedingt weiter bei ihm kaufen sollte.
Hilfreiche Fragen:
- Was macht Sie für diesen Kunden unentbehrlich?
- Wie ist Ihre Stellung bei diesem Kunden (A-, B- oder C-Lieferant)?
- Wie sieht Ihre Lieferantenbewertung aus?
- Welche Argumente sprechen für Sie?
- Welche positiven Aspekte der Zusammenarbeit aus den letzten Jahren gibt es?
Auch die Gesprächsstrategie muss im Vorfeld klar festgelegt werden: Wie werden Sie die Notwendigkeit für den Kunden darstellen? Wie zeigen Sie die internen Maßnahmen auf, sodass er sie nachvollziehen kann, ohne Ihre Kostenstruktur zu tief zu erkennen? Wie führen Sie das Gespräch in Richtung künftige Zusammenarbeit und Partnerschaft?
Auf Gegenargumente vorbereiten
Die besten Ergebnisse für Preisanpassungen werden durch intensives Üben im Vorfeld erzielt. In Rollenspielen können etwa die eigenen Einkäufer als Kunden gebrieft werden und den Verkäufern perfekte Sparring-Partner für die echten Situationen sein. Sehr hilfreich ist die Erstellung einer Liste mit immer wiederkehrenden Gegenargumenten und den passenden Antworten.
Häufige Einwände:
Ein Konkurrent von Ihnen hat erhebliche Preisvorteile und wird dadurch natürlich an Boden gewinnen! Wir haben eine feste und darüber hinaus immer noch gültige Rahmenvereinbarung mit Ihnen! Uns ist es gelungen, durch starke Rationalisierung unsere Preise stabil zu halten! Warum schaffen Sie das nicht auch?
[Bild: Alexandr Mitiuc - Fotolia.com]
Intelligente Onlineservices: Serviceangebote an die Bedürfnisse der Kunden anpassen
Aktuelle Untersuchungen verdeutlichen einen Trend zu mehr „Persönlichkeit“ in den Onlineservices: Über die Hälfte der Angebote sind bereits personalisierbar. Ein vergleichbares Ergebnis zeigt sich bei den Individualisierungsmöglichkeiten der Serviceleistungen.
Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass ein „Service-von-der-Stange“, der keine oder nur geringe Kundennuancen zulässt, genauso oft vorkommt. Neben den zählbaren Ergebnissen eines Serviceangebotes spielt die Dimension des „Erlebnisses“ in der Nachfrage beziehungsweise Nutzung für den Kunden eine weitere wichtige Rolle. Kunden trachten nach Unterhaltung und die Co-Erstellung beziehungsweise Erfahrung eines Services kann dazu beitragen. Allerdings sind die meisten der Services im Internet zwar interessant, aber nicht von großem „Erlebniswert“.
Aufgaben des Service
Sich in den Kunden hineinzuversetzen ist eine der zentralen Aufgaben bei der Entwicklung geeigneter Serviceangebote. Das Einfühlungsvermögen eines Anbieters zeigt sich nicht zuletzt in seinem Portfolio und lässt sich an den speziellen Eigenschaften der Serviceprodukte manifestieren.
Zugutehalten kann man den untersuchten Serviceprogrammen durchaus, dass sie an den Anliegen der Kunden „interessiert“ sind, aber das letzte Quäntchen „Einfühlungsvermögen“ lässt sich nur an wenigen Angeboten dokumentieren. „Was bringt dem Kunden der Service?“ Ist eine der zentralen Fragen, die bei der Gestaltung eines Serviceangebotes zu stellen ist.
Einen Wert in mehrfacher Hinsicht erwarten sich Kunden, wenn es um Bewertung und Vergleich konkurrierender Angebote geht. Die Prüfung der Serviceleistungen von Unternehmen im Internet zeigt, das weiche Eigenschaften ebenso eine Rolle spielen, wie messbare Kriterien.
Besonderheiten des Service
Besonderheiten eines Service können nicht nur aus verfahrensorientierter oder ergebnisorientierter Sicht für den Kunden von großer Attraktivität sein. So ist die ausgewiesene „Exzellenz“ eines Service - entweder durch objektive und/oder subjektive Einschätzungen belegt - als Treiber für das Kundeninteresse nicht hoch genug einzuordnen.
Nur wenige Serviceangebote im Internet sind durchaus „vorbildlich“, allerdings weisen etliche Angebote bereits einen hohen Anspruch aus. Serviceangebote mit einem unverwechselbaren Charakter sind nicht nur bei Kunden beliebt, sondern sorgen beim Anbieter für weniger Wettbewerbsdruck: Services dieser Art sind noch eher selten zu finden.
Sicherlich weisen die Angebote von Branchen zu Branche und Unternehmen zu Unternehmen immer kleine Besonderheiten auf, aber die wirklich außergewöhnlichen Angebote sind rar. Die Innovationskraft der heutigen Serviceangebote reicht von „zukunftsorientiert“ bis „ohne Innovation“. Die Ansprüche der Kunden über die Gegenwart hinaus können nur wenige Angebote einlösen. Manche Services sind zwar „zeitgemäß“, damit bedienen sie aber eher die Mode der Anbieter, als den weiterführenden Kundengeschmack.
Ansprüche an den Service
Die Ansprüche der Kunden an den Service über die Gegenwart hinaus können nur wenige Angebote einlösen. Manche sind zwar „trendig“, damit bedienen sie aber eher die Mode der Anbieter, als den weiterführenden Kundengeschmack.
Über die Anziehungskraft eines Serviceangebotes entscheidet mehr denn je die „Ökonomie“, die den Kunden darin erkennt. Eingehende Untersuchungen zeigen, dass viele Serviceangebote von Kunden als durchaus rentabel eingeordnet werden können.
Demgegenüber sind Services, die eine eindeutige Aussicht auf Gewinn versprechen, genauso selten zu finden, wie die, die dem Kunden konkrete Einsparungen versprechen. Nur wenige Serviceangebote befriedigen den zunehmenden Wunsch der Kunden nach Nachhaltigkeit. Der Erfolg eines Serviceproduktes steht und fällt mit seiner Seriosität. Serviceleistungen, die es schaffen verlässlich und glaubwürdig beim Kunden anzukommen, haben sicherlich größere Erfolgschancen.
Gestaltung des Service
Die meisten Serviceangebote werden - immer noch - für den Massenmarkt konzipiert. Durchschnittsangebote sind weitaus häufiger anzutreffen, als „Premium“- oder „Luxus“-Angebote im Service.
Damit einher geht die noch bescheidene Auswahl an „maßgeschneiderten“ und „individuellen“ Lösungen, während allgemeine oder anlassbezogene Angebote den Großteil ausmachen. Zieht man die Struktur und Beschaffenheit als wesentliche Kenngrößen zur Qualitätsaussage heran, dann lässt sich einen hohes, mittleres Niveau konstatieren. Es fehlt allerdings nachweislich an wirklich herausragenden Angebotsformaten. Die mit den Services in Verbindung stehenden „Konditionen“ verhalten sich adäquat zur ermittelten Angebotsstruktur. Diese bewegen sich weitgehend auf einer mittleren Skala. Bisweilen sind sie allerdings für den Nutzer auch „unklar“.
Nur die wenigsten der im Internet ausgelobten Services sind für den Kunden kostenlos. Das gilt insbesondere für Services, die der Kunde nicht sofort in Anspruch nehmen kann, also mittelbar produkt- oder dienstleistungsgebundene Angebote. Allerdings bewegen sich die häufig auf „normalem“ Niveau und nur Premium- oder Luxusservices haben ihren Preis.
Nutzen des Service
Nützliche Onlineservices sollen dem Kunden zu mehr Bequemlichkeit verhelfen. Vielleicht sind deshalb zahlreiche Angebote auf dieses Motiv ausgelegt. Andere sorgen indes für einen echten Komfort, während einige sich auf mehr emotionale Faktoren wie Behaglichkeit und Entspannung konzentrieren. In jedem Fall trachten so ziemlich alle Serviceangebote danach, dem Kunden das Leben schon irgendwie leichter zu machen.
Das eigene Wissen zu erweitern oder aber gar sich in einem Themen– und Sachgebiet besser auszukennen, gehört sicherlich zu den „neuen“ Ambitionen der Kunden von heute. Gerade besondere Informations- und Beratungsservices können dem Kunden zu dieser Befähigung dienlich sein.
Genaue Überprüfungen der vorhandenen Serviceangebote zeigen, dass es Unternehmen nicht immer gelingt, die Bedürfnisse des Kunden vollständig zu erfüllen. Sicherlich kann der Kunde hier und da die eigenen Kenntnisse ergänzen und auch das Know-how verbessern, allerdings haben nur wenige Angebote das Format gründlich zu unterrichten.
Ähnlich wie im Produkt– und Markenbereich ist der Kunde mittlerweile auch an Image fördernden Angeboten im Service interessiert. Was kann die eigene Reputation erhöhen und wie schaffe ich mir eine einzigartige Identität?
Manche der heutigen Serviceangebote können sicherlich einen gewissen Beitrag leisten und helfen das Image zu stabilisieren. Dennoch sind auch immer wieder Services anzutreffen, die keinen erkennbaren Mehrwert in dieser Hinsicht zulassen.
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Zusatzverkauf: Wie Unternehmen ganz leicht ihren Umsatz steigern können
Wer ein Notebook kauft, erwirbt parallel dazu oft noch weitere Produkte: ob größere Speicherkapazität, mehr RAM, schnellerer Prozessor; ob einen zusätzlichen Reiseakku, bei einer kleineren Version ein externes CD/DVD-Laufwerk oder einfach nur eine Tasche. Die Zusatzprodukte sind vielfältig und entscheiden, ob der Kunde dem Geschäft vielleicht nur 679 Euro oder mit 826 Euro einen deutlich höheren Umsatz beschert. Vorausgesetzt, der Verkäufer versteht es, den Aspekt Zusatzverkauf konsequent zu nutzen.
Manchmal merkt man bereits während des Verkaufsgesprächs, dass neben dem Produkt, um das es aktuell geht, noch weitere Zusatzprodukte oder -dienstleistungen für den Kunden interessant sein könnten. So ist es zum Beispiel im Friseurbereich durchaus üblich, nach dem Färben eine Kur (statt der günstigeren Spülung) angeboten zu bekommen oder nach dem fertigen Styling eine Empfehlung für ein Shampoo oder ein Pflegeprodukt zu erhalten. Beim Autokauf sind (teuere) Zusatzausstattungen inzwischen Normalfall und beim Zahnarzt darf es vielleicht eine gründliche (und privat bezahlte) Zahnreinigung sein. Kunden sind meistens bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sie in Kauflaune sind – unter der Voraussetzung, dass der Verkäufer überzeugende Argumente bringt und keine Angst hat, das Thema Zusatzprodukte oder -dienstleistungen überhaupt anzusprechen.
Die Angst des Verkäufers vor …
Viele Verkäufer reagieren in der Situation, wenn es um einen möglichen Zusatzverkauf geht, nicht adäquat. Sie sind ängstlich, aber nicht nur, weil sie dem Kunden eventuell noch etwas anbieten sollen, sondern weil sie unsicher sind, ob sie das Verkaufsgespräch überhaupt zum Abschluss bringen können. Sie wollen sich erst einmal auf den Abschluss konzentrieren, frei nach dem Motto „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.
Natürlich ist diese Angst nachvollziehbar, aber sie ist unbegründet. Hat der Verkäufer jede Phase des Verkaufsprozesses durchgeführt, ist es eine selbstverständliche Konsequenz, dass der Abschluss eingeleitet wird. Hat der Verkäufer bislang seinen Fokus auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet und stets im Hinterkopf behalten, dass es um den Kunden und dessen größtmöglichen Vorteil geht, dann gibt es keinen Grund, vor dem Abschluss den umsatzsteigernden Zusatzverkauf nicht einzuleiten.
Der Weg zum Kunden durch …
Oft steht dem Verkäufer die eigene Vorstellung im Weg. Er denkt, dass dieser oder jener Kunde es sich vielleicht nicht leisten kann (oder will). Dass er oder sie für das Produkt doch sowieso schon (zu) viel ausgibt. Vielleicht sollten es Verkäufer viel öfter ihren Kunden überlassen, diese Entscheidung zu treffen. Schließlich bieten sie mögliche Zusatzprodukte ja nur an und dieses Angebot sollte, anhand einer zuvor stattfindenden Bedarfsanalyse, bereits eine bedarfsgerechte Auswahl umfassen. Eines ist klar: Werden dem Kunden zu diesem Zeitpunkt keine Zusatzprodukte angeboten, die, basierend auf der Bedarfsanalyse, interessant für ihn sein könnten, wird er diese zu einem späteren Zeitpunkt bei einem anderen Anbieter erwerben.
Die verschiedenen Arten des Zusatzverkaufs
1. Cross Selling/Querverkauf
Der Einzelhandel hat das Potenzial, das im Zusatzverkauf steckt, bereits erkannt und bietet Kunden, wenn sie etwas kaufen, mögliche Zusatzprodukte an. Im Supermarkt stehen bei der Packung Spaghetti verschiedene Soßen gleich griffbereit daneben. Zum Smoking gibt es in der gleichen Abteilung das passende Hemd, eine schöne Fliege oder weitere passende Accessoires. Dabei handelt es sich um einen senkrechten Querverkauf.
Beim waagerechten Cross Selling geht es um den Verkauf von ergänzenden, jedoch nicht verwandten Produkten. Zusätzlich zu Software-Produkten könnte ein Unternehmen zum Beispiel Schulungen anbieten. Im Autohaus könnte es zusätzlich noch eine Autoversicherung oder ein Rund-um-die-Uhr-Pannenservice sein. Beim waagerechten Cross Selling bietet es sich an, Kooperationen mit Partnern aus anderen Branchen einzugehen und dadurch den Kunden vollkommen zu begeistern. Ein Finanzdienstleister, auf Versicherungen spezialisiert, hat in seinem Netzwerk sicher einen Spezialisten für den Bereich Investments und einen anderen für An- und Verkäufe von Immobilien. Natürlich macht ein solcher Aufbau von Kooperationen erst einmal Arbeit, doch es lohnt sich, denn allein durch diese Strategien lässt sich der Umsatz enorm erhöhen.
2. Upselling/Veredelungsverkauf
Eine weitere Form des Zusatzverkaufs ist das Upselling, eine Veredelung des Produkts, eine Produkterweiterung. Die Menge eines Produkts kann erhöht werden, die Qualität kann verbessert werden und es kann zusätzliche Erweiterungen des Produktes durch Extras aller Art geben.
Beim Upselling wird dem Kunden also nicht die günstigste Variante angeboten, sondern der Verkäufer offeriert vielmehr ein hochwertigeres Produkt beziehungsweise eine Dienstleistung, die in einer höheren Preisklasse angesiedelt ist. Verdeutlichen wir das Prozedere des Upsellings anhand eines Autokaufs: Der Kunde hat sich für einen spezifischen Autotyp entschieden, der Verkäufer bietet ihm dieses Modell jetzt allerdings nicht in der Basisvariante an, sondern offeriert ihm eine Premium-Variante dieses Wagens, der bereits mit zahlreichen besonderen Extras ausgestattet ist. Wichtig ist hier, dass der Verkäufer nicht für den Kunden entscheidet.
Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Upselling ist eine sehr gute Analysephase, damit der Verkäufer präzise Kenntnisse davon hat, welchen Bedarf und welches Potenzial der Kunde tatsächlich hat. Ist dies während der Analysephase nicht genau deutlich geworden, helfen vor der Einleitung eines Zusatzverkaufs folgende Fragen:
- In welcher Umgebung wird das Produkt eingesetzt?
- Welchen Belastungen muss das Produkt in der Praxis gewachsen sein?
- Wie könnten die Abläufe durch die neue Dienstleistung noch optimiert werden?
Zusatzverkauf einfach realisieren
Um einen Zusatzkauf rhetorisch auf hohem Niveau präsentieren zu können, bieten sich beispielsweise die Zusatznutzenkette (Produktstärke – Kundenutzen – Beweisführung – Kontrollfrage) oder die Zusatzargumentationskette (Standpunkt – logisches Argument – Kundennutzen – Kontrollfrage) an.
Mit diesen vier Stepps lässt sich ein Zusatzverkauf ganz elegant realisieren. Verdeutlichen wir das Vorgehen bei der Zusatznutzenkette einmal anhand eines Verkaufsgespräches über ein Notebook:
Verkäufer: „Herr Müller, ich empfehle Ihnen zu Ihrem Notebook noch extra zwei Gigabyte RAM. Das bedeutet für Sie, dass Sie mit mehreren Programmen gleichzeitig, vollkommen problemlos, arbeiten können. Und falls Sie viele Fenster offen haben, dann läuft Ihr Rechner trotzdem sehr schnell. Die meisten Kunden kaufen ohnehin im Nachhinein mehr RAM und der Aufwand ist dann deutlich höher. Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, die zwei Gigabyte jetzt gleich mit einzubauen. Sie möchten doch gerne, dass Sie flexibel sind und Ihre Arbeit noch schneller bewältigen können?“
Denn jetzt wissen sie, was sie tun …
Es ist wirklich erstaunlich, wie einfach der Zusatzverkauf ist, wenn man weiß, worauf man achten muss. Schließlich gibt es gute Gründe, warum Verkäufer den Zusatzverkauf einleiten und diese Technik in den Ablauf ihres Verkaufsgesprächs als ganz normalen Schritt eingliedern sollten: Neben einer deutlichen Umsatzsteigerung, je nach Branche, von 20 bis 50 Prozent, hat es auch positive Auswirkungen auf die vorhandene Kundenbeziehung. Durch das Angebot einer Rundum-Versorgung entsteht eine noch bessere Kundenbindung. Einen weiteren Punkt dürfen wir ebenfalls nicht außer Acht lassen: Der Kunde vertraut dem Verkäufer bereits, es ist also absolut natürlich, ihm über den ersten Abschluss hinaus noch ein Zusatzprodukt anzubieten. Würde dies nicht geschehen, merkt der Kunde vielleicht erst einige Zeit nach dem Abschluss, dass ihm etwas fehlt. Ob er dann noch zu Ihnen kommt, obwohl Sie verpasst haben, ihn auf dieses Zusatzprodukt aufmerksam zu machen? Wenn jemand seine Bedürfnisse kennen sollte, dann sind das doch Sie, oder nicht?
Der Zusatzverkauf in Kurzform
- Der Zusatzverkauf ist etwas vollkommen Natürliches, wenn Sie zuvor alle Phasen des Verkaufsgesprächs eingeleitet und durchlaufen haben.
- Eine gezielte Bedarfsanalyse hilft Ihnen dabei, zu ermitteln, welche zusätzlichen Produkte oder Veredelungen für Ihren Kunden infrage kommen.
Es gibt verschiedene Zeitpunkte, um den Zusatzverkauf einzuleiten. (Im Gespräch, vor Unterzeichnung der Papiere, nach der Unterschrift des Kunden, mehrere Tage nach Auftragsunterzeichnung.)
In vier Schritten können Sie den Zusatzverkauf durchführen. (Zusatznutzenkette: Produktstärke – Kundennutzen – Beweisführung – Kontrollfrage oder Zusatzargumentationskette: Standpunkt – logisches Argument – Kundennutzen – Kontrollfrage)
Es gibt keinen Grund, den Zusatzverkauf nicht durchzuführen, da Ihr Kunde Ihnen vertraut und bereit ist, bei Ihnen zu kaufen.
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Kundenbeziehungsmanagement: Packen Sie das Wissen über Ihre Kunden in einen Datenpool
Heute werden die Märkte daher in Segmente eingeteilt und verschiedene Kundengruppen ermittelt. Diese unterschiedlichen Zielgruppen können dann differenziert angesprochen werden. Unternehmen, die auf Nischenmärkten aktiv sind, haben noch einen kleineren Kundenkreis und können (müssen) auf ihre Kunden noch gezielter zugehen und deren Produktwünsche noch gezielter erfüllen.
Unabhängig davon, auf welchen Märkten ein Unternehmen agiert, hat sich demnach ein allgemeiner Trend herausgebildet: Der Kunde rückt in den Mittelpunkt des Handelns. Das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) ist Teil der Unternehmensstrategie und hat damit weitreichende Auswirkungen auf die Geschäftsabläufe.
Profitable Kunden ermitteln
Das Kundenbeziehungsmanagement hat drei Stoßrichtungen: die Neukundengewinnung, die Kundenbindung und die Kundenrückgewinnung. Anstatt unsystematisch zu versuchen, Kunden zu gewinnen, müssen die Anstrengungen darauf gerichtet sein, profitable Kunden zu identifizieren, zu akquirieren und zu halten. Es sind die Wiederholungskäufe, die zu verbesserter Profitabilität führen.
Der Kunde, der das Unternehmen und seine Produkte bereits kennt, kann dann mit weniger Aufwand an neue Produkte und Dienstleistungen herangeführt werden. Von einer derart engen Beziehung profitieren sowohl Unternehmen als auch Kunden. Die Prozessoptimierung kristallisiert sich zunehmend als wichtiger Wettbewerbsfaktor heraus. Es genügt nicht, dass Unternehmen ihr Augenmerk ausschließlich auf die Verbesserung von Produktionsprozessen richten. Sie müssen auch ihre Kundenprozesse fortlaufend optimieren. Vertriebsmitarbeiter beispielsweise verbringen häufig viel Zeit mit Verwaltungsaufgaben, die nicht direkt zum Verkauf gehören. Der Einsatz moderner Kommunikationslösungen und andere, die Abläufe beschleunigende Softwarelösungen ermöglichen den Mitarbeitern, sich stärker auf ihre eigentliche Tätigkeit zu konzentrieren. Mit CRM-Systemen wiederum lässt sich die Qualität der Arbeit weiter steigern.
Daten nach Bedarf
Die Fokussierung auf den Kunden ist aber nicht alleinige Aufgabe des Vertriebs oder des Marketings, sondern alle Mitarbeiter im Unternehmen müssen kundenorientiert handeln. Das Management muss diese Strategie formulieren und die Mitarbeiter entsprechend motivieren können.
Die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit verbessert nicht nur die Kundenbetreuung, sondern sie schafft mit reibungsloseren Abläufen auch enorme Kosteneinsparungspotenziale. Dazu müssen die Mitarbeiter aber auch alle relevanten Informationen schnell verfügbar haben. Die Vertriebsmitarbeiter müssen bereit sein, ihr mühselig erarbeitetes Know-how der gesamten Organisation zur Verfügung zu stellen und die Kundentransparenz zu fördern. Dies verlangt eine stärkere Teamorientierung. Damit einher geht in vielen Unternehmen die Auflösung des Abteilungsgedankens.
Datenpool als Wissensbasis
Konsequenz daraus muss die Überführung des verteilten Wissens über Geschäftsprozesse und Kunden in einen unternehmensinternen Datenpool sein. Auf diesen Datenpool müssen alle relevanten Mitarbeiter aus Verkauf, Marketing und Kundendienst – sozusagen als „Schnittstelle zum Kunden“ – bei Bedarf Zugriff über ein Softwaretool haben, das ihnen die jeweils benötigten Informationen und Auswertungen nach ihren Anforderungen zur Verfügung stellt.
Dazu gehören beispielsweise kundenbezogene Gesprächsnotizen genauso wie Korrespondenz (E-Mail, Fax, Telefax), Downloads von der Unternehmenswebsite, Reaktionen auf Angebote und Mailings, Auftragsbestandteile, Umsätze, Zahlungsverhalten oder Besonderheiten.
Gezielte Beziehungsentwicklung
Die Herausforderung für ein erfolgreiches Kundenbeziehungsmanagement besteht in der Wandlung des Unternehmenszieles vom reinen Abverkauf vorhandener Produkte und Dienstleistung hin zur Erzeugung eines Bedarfs im Markt, der zur Zufriedenheit der Kunden und unter Wahrung ihrer Interessen hinsichtlich Lieferzeit, Qualität, Preis und Service gedeckt wird.
Um dies zu erreichen, müssen nach der Identifikation möglicher Kunden deren individuelle Bedürfnisse und Wertvorstellungen analysiert, bewertet, in den Datenbestand integriert und den relevanten Abteilungen beziehungsweise Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Diese Informationen können so in die gezielte Ansprache und in die gezielte Entwicklung individueller Angebote einfließen.
Bei bestehenden Kunden dient das System der effektiven Interaktion aller Beteiligten entlang der Prozesskette vom Marketing über den Verkauf zur Produktion bis hin zum Kundendienst. Dabei konzentrieren sich alle Maßnahmen darauf, dass der Kunde auch morgen wiederkommt oder gar das Unternehmen noch weiterempfiehlt. Denn Mundpropaganda ist so effektiv wie kaum eine andere Werbemaßnahme.
Eine echte Kundenbeziehung ist keine Einbahnstraße, sondern basiert auf einem Dialog. Für viele Kunden ist dies mittlerweile allerdings schon eine Selbstverständlichkeit. Werden allerdings ihre Erwartungen übertroffen oder gar überraschende Angebote gemacht, kann dies die Kaufentscheidung positiv beeinflussen.
Kunden sind Partner
Vorausschauende Firmen binden ihre Kunden schon in die Produktentwicklung mit ein – sowohl im B2C- als auch im B2B-Geschäft. Dies fördert die Sympathie und Verbundenheit für ein Produkt auf Endkundenmärkten, garantiert aber auch, dass der Geschäftskunde die gewünschte Lösung erhält und dem Unternehmen dann auch künftig die Treue hält.
Zur Stärkung der Kundenbindung sollte das Unternehmen auch über ein funktionierendes Beschwerdemanagement verfügen. Sich beschwerende Kunden sollten sehr ernst genommen und gut betreut werden. Denn ein Kunde, der sich negativ über ein Produkt äußert, gibt einerseits kostenloses und wertvolles Feedback für die Produktentwicklung und zeigt andererseits sein Interesse am Unternehmen und seinen Produkten und Dienstleistungen. Er gibt dem Unternehmen noch eine Chance und wird ihm bei schneller Lösung des Problems höchstwahrscheinlich treu bleiben.
Fortschreitende Optimierung
Die Bedeutung von Internet und E-Mail zur Kundengewinnung und Kundenbindung wird auch im Mittelstand weiter zunehmen. Das World Wide Web dient potenziellen Kunden als wichtige Informationsquelle und auch die erste Kontaktaufnahme findet häufig per E-Mail statt. In Zukunft werden CRM-Lösungen auch E-Mails scannen und daraufhin die relevanten Kundeninformationen schon beim Abruf einer Mail anzeigen können.
Mit der Weiterentwicklung von CRM-Lösungen werden sich die Abläufe auch in mittelständischen Unternehmen weiter beschleunigen. Immer mehr Außendienstler, die auch von unterwegs auf aktuelle Daten zugreifen müssen, werden mobile CRM-Systeme auf Handhelds oder Handys nutzen.
Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [49] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [50]
[Bild: puje - Fotolia.com]
Verkaufsgeschick: Verkaufsmitarbeiter beherrschen ihren Job nicht vollständig
In einer Untersuchung von Krauthammer wurden 26 Fähigkeiten begutachtet, die im Zusammenhang mit fünf großen Bereichen des Verkaufsprozesses stehen:
- Akquise,
- Diagnose,
- Überzeugung,
- Verhandlung und
- Abschluss.
Zusammen mit Dr. Pascal Brassier von der “ESC Clermont Graduate School of Management”-Gruppe in Frankreich untersuchte Krauthammer die Ansichten der Verkäufer zu ihrer eigenen Kompetenz.
27 Prozent der Verkaufsmitarbeiter meinen, dass sie ihren Job vollkommen beherrschen. In Bezug auf „Akquise“ – das am wenigsten beherrschte Element des Verkaufsprozesses – zeigen nur 23 Prozent der Befragten volles Selbstvertrauen. Steffi Gande vom „Krauthammer Research Department“ kommentiert:
“Beim Vertrieb geht es vor allem darum, dem Kunden dabei zu helfen, erfolgreiche Entscheidungen zu treffen.“
Diese Symbiose macht den Kunden möglicherweise zu einem der größten Verbündeten des Verkäufers. Und dennoch scheinen Praktiker entscheidende Gelegenheiten zu vermissen, um diese “Win-Win”-Zusammenarbeit zu besiegeln. In Gruppenverhandlungen sehen sich zum Beispiel nur 15 Prozent der Verkäufer komplett dazu in der Lage, alle Gesichtspunkte in einem Raum zu erfassen und ihren „Verbündeten“ auf Kundenseite zu ermöglichen, unterstützende Argumente hervorzubringen. Und in der Abschlussphase können nur 13 Prozent wirklich sicherstellen, dass der Kunde sie oder ihn in Kontakt mit seinen Ansprechpartnern bringt. Demnach können wir zwei eindeutige Möglichkeiten erkennen, die den Verkäufer und ihren Kunden helfen, sich besser zu fühlen und besser zu werden.
Tipps für Salesmanager
Basierend auf diesen Forschungsergebnissen möchte Krauthammer folgende Botschaften Salesmanagern mit auf den Weg geben:
- Schwäche zugeben ist nicht einfach. Eine Untersuchung kann dabei helfen. Ziehen Sie in Betracht eine eigene interne Forschungsinitiative ins Leben zu rufen. Ihre Mitarbeiter werden sich so eher in der Lage fühlen, freier zuzugeben, wo sie unsicher sind und Unterstützung brauchen.
- Da die Akquise von Verkäufern als “schwächstes Glied” angesehen wird – machen Sie es allen einfacher, indem Sie die einsame Reise des Einzelnen in ein Team-Event verwandeln. Organisieren Sie “Telefon-Sambas”- geplante Tage an denen Verkaufsteams gemeinsam am Telefon akquirieren.
- Helfen Sie Verkäufern dabei, „Verbündete“ auf Kundenseite einzubeziehen. In schwierigen Gruppenverhandlungen ermöglichen Sie ihren „Verbündeten“, zurückhaltende Kollegen zu beeinflussen. Für den Abschluss ist die Gewährleistung, dass ein Kunde den Verkäufer in Kontakt mit seinen oder ihren Ansprechpartnern bringt – ein Merkmal für die Gewinnung des Kunden als „aktive Referenz“.
- Verkäufern fällt es einfacher Aussagen zu machen als konstruktive Fragen zu stellen, so ein Ergebnis der Untersuchung. Unterstützen Sie Gedanken zur Veränderung. Schlüsselargumente eher als Fragen, statt als Gebot zu präsentieren, fördert die Selbstdarstellung des Kunden – und erlaubt somit das Auftauchen von grundlegenden Bedürfnissen und gibt dem Verkäufer einen Einblick in diese Bedürfnisse.
- Prüfen Sie den Rhythmus der Erfolgskontrolle. 52 Prozent der befragten Verkäufer hatte diese Erfolgskontrolle seit mindestens sechs Monaten nicht. Und dabei werden Feedback und Zielvorgabe von Forschern als zwei der stärksten Erfolgsantreiber am Arbeitsplatz erachtet. Im derzeitigen Wirtschaftsumfeld sind sie geradezu unerlässlich.
- Prüfen Sie die Gesundheit der „Ehe“. Laut Forschungsergebnis fühlen sich 20 Prozent der Verkäufer ganz oder teilweise unverbunden mit ihrer Organisation. Dies ist genau zu beobachten, da das Binden von Talenten von größter Bedeutung ist.
- Fördern Sie Ihre Verkäufer dabei, ihre Stärken aufzubauen. Die Einführung von konstruktivem Coaching in Ihrer Organisation wird den Verkäufern weiterhelfen, ihre Stärken zu nutzen, um einen schwächeren Bereich oder Fähigkeiten auszugleichen – oder sogar zu beheben.
Hinweis
Sie finden das vollständige erste Kapitel dieser neuen, auf Forschungsberichten basierenden Veröffentlichung hier:
Vertriebssignale [51]
[Quelle: Krauhammer; Bild: olly - Fotolia.com]
Solution Selling: Verkaufen Sie noch oder lösen Sie schon Probleme?
Eine zunehmende Anzahl an Unternehmen hat die Zeichen der Zeit schon erkannt. Zunehmend homogenere Leistungsangebote und eine starke Fokussierung auf den Preis als Marketinginstrument reichen heutzutage nicht mehr aus, um in den Augen der Konsumenten als einzigartig wahrgenommen zu werden. Vielmehr werden die Anbieter als zunehmend austauschbar beurteilt. Ein Ausweg aus diesem immer härter werdenden Kampf um niedrige Preise, so ist sich das Wissenschaftlerteam an der TU Dortmund um Prof. Dr. David Woisetschläger sicher, ist die Neuausrichtung einer Firma als Lösungsanbieter, als "Solution Seller".
Positive Nebeneffekte beim Anbieten von Lösungen
Wenn man nach dem Umzug in eine andere Wohnung beispielsweise einen neuen Telefonanschluss benötigt, kann man diesen heutzutage bei einer Vielzahl von Anbietern bestellen. Wenn der ausgewählte Anbieter jedoch zusätzlich die Installation übernimmt, des Weiteren die Einrichtung des Kabelanschlusses und des W-Lans anbietet und man umfassend beraten wird, welche Internet-, TV- und Telefonpakete am besten passen, dann hat das Unternehmen nicht nur ein Produkt verkauft, sondern dem Kunden erfolgreich eine Lösung für mehrere Probleme bereitgestellt. Der Studie nach verbessert das nicht nur das Ansehen des Unternehmens in den Augen des Kunden, sondern hat noch viele andere positive Nebeneffekte: Der Kunde wird wahrscheinlich auch beim nächsten Umzug auf dasselbe Unternehmen zurückgreifen und Freunden und Bekannten von seinen positiven Erfahrungen berichten - oftmals ein wichtiger Werbeeffekt.
Die wichtigsten Stellhebel des "Solution Selling", die die Wirtschaftswissenschaftler an der TU Dortmund untersucht haben, sind der Umfang der Beratungsleitungen, das individuelle Zuschneiden der Leistungen auf die Kundenwünsche und die Integration verschiedener Leistungen in eine Paketlösung. "Stärkster Treiber ist dabei aber die Individualität", sagt Prof. Dr. David Woisetschläger.
Optiker und Apotheker sind Vorreiter
Apotheken und Optiker schnitten in der Studie der TU Dortmund als Gesamtbranche durchweg sehr gut ab: Beratung und Individualität werden bei den Apotheken seit jeher großgeschrieben.
Optiker punkten nicht zuletzt deshalb, weil sie ihren Kunden durch die Auswahl an Möglichkeiten, die vielfältige Beratung und auch den Service nach dem Kauf der Brille (Reinigung, Nachstellen der Bügel) ein Paket an Leistungen schnüren, bei dem sich der Kunde sehr gut aufgehoben fühlt. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Mitarbeiter, so die Studie. "Mitarbeiterqualifikation ist das A und O, um beim 'Solution Selling' erfolgreich zu sein", sagt Prof. Dr. David Woisetschläger. Die Mitarbeiter müssen dabei neben fachlichen vor allem persönliche Qualifikationen mitbringen, um eine optimale Beratung des Kunden zu gewährleisten und ihm vermitteln zu können, dass man nicht nur die Produkte, sondern eine "Lösung" verkauft.

Energieversorger und Bekleidungsfachhandel sind Schlusslicht
Schlusslicht in Sachen "Solution Selling" sind die Energieversorger, was allerdings aufgrund der erst vor einigen Jahren umgesetzten Liberalisierung des Marktes kaum verwundert. Dass aber der traditionsreiche Bekleidungsfachhandel ebenfalls schlecht abschneidet, mag überraschen. Gerade bei den großen Ketten sollen Kunden vor allem über den Preis gewonnen und gehalten werden. Die Mitarbeiter sind oft nur Aushilfen und daher meist nicht in der Lage, Kunden kompetent zu beraten. Auch die Individualität, die viele Modegeschäfte gerne anpreisen, leidet unter der Massenfertigung von Kleidung: Nur 36 Prozent der Befragten hielten das Angebot des Bekleidungsfachhandels für individuell. Im Vergleich: Optiker schnitten in derselben Befragung mit fast 80 Prozent der Stimmen ab.
Der Studie nach ist die Möglichkeit, als "Solution Seller" aufzutreten, von Branche zu Branche unterschiedlich einfach zu gestalten - grundsätzlich kann man sich aber immer, mit der richtigen Vorbereitung, als Lösungsanbieter etablieren und damit ein weiteres Vergleichsfeld, neben dem Preiskampf, eröffnen.
Zur Studie
Die Studie entstand an der Juniorprofessur für Dienstleistungsmanagement an der TU Dortmund und wurde von Prof. Dr. David Woisetschläger geleitet. Die vollständige Studie kann dort angefordert werden. Eine Executive Summary der Studie finden Sie hier:
Solution Selling als Strategieoption für den mittelständischen Handels- und Dienstleistungssektor [52]
[Quelle: TU Dortmund; Bild: sk_design - Fotolia.com]
Nonverbale Kommunikation: Lächeln für die Servicequalität
„Wenn die Deutschen Maschinen bedienen, glänzen ihre Augen, wenn sie Menschen dienen, stehen ihnen die Haare zu Berge.“
Dies ist das Credo von Minoru Tominaga. Der Japaner gilt seit vielen Jahren als Experte auf dem Feld der kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen).
Tominaga hat sich selbst als Unternehmensberater und Trainer auf die Fahnen geschrieben, die Service-Wüste Deutschland in eine Service-Oase zu verwandeln. Seine Taktik dabei lautet: L.M.A.A. – Lächle mehr als andere. Überhaupt scheint das Lachen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Servicequalität zu sein. Für Tominaga steht der selbstverständliche, freundliche Kontakt zum Mitmenschen, eine unaufdringliche Hilfsbereitschaft, fröhliches Aufeinanderzugehen und Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden im Mittelpunkt.
Hier spielt die nonverbale Kommunikation eine sehr wichtige Rolle – der Kunde merkt innerhalb kürzester Zeit, ob dem Verkäufer oder Service-Techniker die Augen vor Freude glänzen oder die Haare zu Berge stehen. Werner Stangl, Psychologie-Professor an der Universität Linz, hat in einem Beitrag auf seiner Internet-Seite ausgeführt, welche Elemente der nonverbalen Kommunikation es gibt und wie sie wirken:
Was die Körpersprache verrät
Zu Beginn einer jeden Begegnung und eines jeden Gesprächs schätzen wir zunächst die Glaubhaftigkeit des Partners ein. Dies geschieht innerhalb circa einer Sekunde völlig unbewusst über eine Analyse des Gesichtsausdrucks (besonders Augen- und Mundstellung), der Tönung der Stimme und der Körperhaltung. Auch der Körpergeruch spielt dabei vermutlich eine Rolle.
Aus diesem Grund achten wir im Alltag immer - mal bewusst, mal intuitiv - auf nonverbale Verhaltensweisen unseres Gegenüber. Einige wichtige Informationskanäle sind dabei:
- Gesichtsausdruck: Er vermittelt verschiedene Emotionen wie Angst, Furcht, Glück, Trauer, Überraschung und Abscheu.
- Augenkontakt: Häufige Blickzuwendungen deuten wir als Aufmerksamkeit, Zuneigung oder Freundlichkeit; das Gegenteil wirkt auf uns desinteressiert, gleichgültig, abwesend oder auch einfach nur ängstlich oder scheu; zu intensiven und zu langen Blickkontakt empfinden wir häufig als aufdringlich oder aggressiv.
- Berührung: Sie kann von dem Berührten als angenehm, als beruhigend, als erotisierend, aber auch als aufdringlich, abstoßend, bedrohlich empfunden werden je nach Beziehung, Situation, Kontext und so weiter; wichtig sind dabei die Distanzzonen, die von zwei Personen eingehalten werden sollten.
- Körpersprache und Körperbewegungen: Bedrohliche und beängstigende Charaktere zeigen mehr diagonale und eckige Bewegungen, während warme und sympathische Charaktere mehr runde Bewegungen aufweisen.
- Ritualisierte Gesten: Naserümpfen, Kopfschütteln, Kopfnicken oder Brauen zusammenziehen signalisieren dem Gegenüber Einstellungen und Meinungen.
Hinzu kommen Faktoren wie Kleidung, Schmuck, Frisur, Make-up und Parfüm, die besonders auf der Selbstkundgabe- und Beziehungsebene wirken. Aber auch stimmliche Merkmale und Geruchsmerkmale spielen eine große Rolle.
Es kann nur schwer erlernt werden, diese nonverbalen Informationskanäle zu beherrschen. Voraussetzung ist eine entsprechende Einstellung des Menschen zu sich selbst; von außen lässt sich das kaum aufsetzen. Deshalb meint Tominaga: Wer seinen Mitarbeitern kundenfreundliches Verhalten und serviceorientiertes Denken antrainieren muss, hat eigentlich schon verloren.
Den ausführlichen Beitrag von Werner Stangl finden Sie hier:
Was ist nonverbale Kommunikation? [53]
Weitere Informationen zum Thema:
Nonverbale Kommunikation [54]
Körpersprache richtig deuten [55]
Beispiele der Körpersprache [56]
[jf, po; Bild: JENS SCHMIDT - Fotolia.com]
Investitionsgütervertrieb: Den Einkäufern helfen, preiswert einzukaufen
„Der hat von technischen Dingen keine Ahnung.“ „Der will und kann mich nicht verstehen.“ „Der schaut nur auf den Preis.“ Solche Aussagen hört man von Verkäufern oft über Einkäufer. Immer wieder spürt man im Gespräch mit ihnen: Sie sprechen den Einkäufern das nötige fachliche Verständnis ab und sehen in ihnen eher Gegner als Partner.
Verkäufer, die so reden, haben oft den Job der Einkäufer nicht begriffen. Zu ihren Aufgaben zählt es, „preis-wert“ einzukaufen. Deshalb können sie zu Verkäufern – selbst wenn sie hiervon überzeugt sind – nicht einfach sagen „Dein Produkt ist das beste“. Denn dies würde ihre Verhandlungsbasis schwächen. Also äußern sie sich selbst dann skeptisch, wenn sie die Vorzüge einer Lösung sehen.
Einkäufer sind Beschaffungsmanager
Dies ist in der Regel der Fall. Der Einkäufer, der nur Kataloge wälzt, Angebote vergleicht und Aufträge verteilt, gibt es heute in den meisten (Produktions-)Unternehmen nicht mehr. Ihre (Fach-)Einkäufer sind Experten, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung technische Prozesse und Zusammenhänge durchaus verstehen. Sie haben zudem ein großes Know-how über (betriebs-)wirtschaftliche Zusammenhänge, denn in der Regel sind sie nicht nur für die Bestellungen zuständig. Sie müssen vielmehr ein gezieltes Beschaffungsmanagement betreiben. In entsprechend viele bereichs- und oft sogar firmenübergreifende Projekte sind sie involviert. Folglich wissen sie, vor welchen (produktions-)technischen und (betriebs-)wirtschaftlichen Herausforderungen ihr Unternehmen steht.
Weil viele Verkäufer die Bedeutung der Einkäufer falsch einschätzen, begehen sie oft folgenden Fehler: Sie konzentrieren sich bei der Akquise auf die Fachabteilungen. Mit den Verantwortlichen in diesen Abteilungen entwerfen sie die gewünschte Problemlösung. Begeistert werfen sie sich dabei den Ball „Da könnten wir dies und das tun“ zu. Dann steht die Lösung und der Verkäufer fragt: „Kann ich Ihnen dazu das Angebot schicken.“ Dabei verrät der Ton seiner Stimme bereits: Bitte ersparen Sie mir den Kontakt mit den Einkäufern, denn die verstehen nicht, was wir beide besprochen haben.
Der Verkäufer schickt also sein Angebot an den „Kollegen“ in der Fachabteilung. Bei ihm fragt er einige Tage später auch nach: Ist das Angebot okay? Dessen Antwort lautet in der Regel: Ja, wenn wir da noch was wegnehmen oder dort noch etwas mit dem Preis runtergehen, kommen wir zusammen. Der Verkäufer reibt sich die Hände und denkt: Den Auftrag habe ich in der Tasche.
Doch eine Woche später liegt der Auftrag noch immer nicht auf seinem Tisch. Statt dessen ruft ein Einkäufer an und sagt: „Ich habe eine Bedarfsmeldung der Fachabteilung xy vorliegen ...“. Sofort widerspricht der Verkäufer: „Pardon, das ist keine Bedarfsmeldung, sondern eine Bestellung.“ Und schon hat er einen Konflikt mit dem Einkäufer, denn der Hinweis, dies sei eine Bestellung, stellt dessen Kompetenz und Daseinsberechtigung infrage. Einkäufer betrachten es als ihr (alleiniges) Recht, Bestellungen vorzunehmen. Dies sagt der Einkäufer auch mehr oder minder deutlich dem Verkäufer. Pocht dieser dann weiterhin darauf, die Bedarfsmeldung sei eine Bestellung, fühlt sich der Einkäufer in seiner Funktion nicht ernst genommen. Also versucht er alles, damit der Verkäufer den Auftrag nicht erhält – allein schon, um sein „Revier“ zu markieren.
Ein Wertbewusstsein bei dem Einkäufer schaffen
Um solche Pannen zu vermeiden, sollten Verkäufer den Einkäufer möglichst früh ins Boot holen – aus fachlich rationalen und aus persönlich emotionalen Gründen. Fachlich rational ist das Einbeziehen des Einkäufers wichtig, weil dieser zwar „preis-wert“ aber nicht billig einkaufen möchte. Um „preis-wert“ einkaufen zu können, muss er den Wert der Leistung kennen.
Ein Beispiel
Ein Produktionsunternehmen benötigt für seine Fertigungsanlage Dichtungen. Angeboten werden ihm auch Dichtungen, deren Lebensdauer zwanzig Prozent höher ist als die der anderen. Die Dichtungen kosten aber drei Mal so viel. Trotzdem bevorzugt der Produktionsleiter die teuren Dichtungen, weil das Auswechseln der Dichtungen viel Zeit und der damit verbundene Fertigungsstillstand viel Geld kostet. Diesen Zusammenhang gilt es dem Einkäufer zu vermitteln, sonst fragt er sich: Warum sollen wir für eine Dichtung, deren Lebensdauer nur 20 Prozent höher ist, den dreifachen Preis bezahlen? Anders ist dies, wenn er einmal sah, wie die Fertigung still stand, weil Dichtungen ausgewechselt werden mussten. Dann kann er den Wert der Dichtungen einschätzen. Also relativiert sich für ihn der höhere Preis. Dieses Wertbewusstsein muss der Verkäufer beim Einkäufer im persönlichen Kontakt aufbauen.
Das Wertbewusstsein vermittelt dem Einkäufer auch Sicherheit. Denn er muss seine Kaufentscheidungen rechtfertigen. Deshalb präferiert er, wenn ihm mehrere Angebote vorliegen, zunächst das billigste, sofern ihm im persönlichen Kontakt und im schriftlichen Angebot nicht ausreichend Argumente geboten werden, um seine Entscheidung für die teurere Lösung zu begründen. Diese Argumente sind nicht rein fachlicher Natur. Auch Faktoren wie „bisherige Erfahrung mit dem Verkäufer/Anbieter“ und „Sympathie für ihn“ spielen eine Rolle. Auch deshalb sollten Verkäufer früh versuchen, eine persönliche Beziehung zum Einkäufer aufzubauen.
Wie ist der „Draht“ zur Fachabteilung?
Hierfür muss er zunächst ermitteln: Wie ist die Beziehung zwischen Einkauf und Fachabteilung? Dies können Verkäufer, indem sie ihre Kontaktperson in der Fachabteilung zum Beispiel fragen: „Wenn bei Ihnen so etwas beschafft wird, wer ist dann in diesen Prozess involviert? Hierauf kann die Kontaktperson unterschiedliche Antworten geben. Zum Beispiel „Das weiß ich nicht.“ Oder: „Das machen wir alleine.“ Oder: „Ich glaube, der Herr Meyer.“ Oder: „Das macht der Karl Meyer, mit dem ich früher in einer Abteilung war.“ Wichtig ist, dass der Verkäufer nicht nur darauf achtet, was die Kontaktperson sagt, sondern auch wie sie es sagt.
Erfährt der Verkäufer, dass „der Meyer“ für den Einkauf zuständig ist, könnte seine nächste Frage lauten: „Kann ich bei Herrn Meyer mal vorbeischauen und mich ihm vorstellen?“ Auf diese Frage sollte stets eine Begründung folgen, damit die Kontaktperson nicht das Gefühl hat: Der denkt, dass ich nichts zu sagen habe. Die Begründung kann lauten: „Meine Erfahrung bei anderen Kunden zeigt, dass wir, wenn wir die erarbeitete Lösung durchbringen möchten, den Einkauf früh ins Boot holen sollten. Sonst stellt er sich später quer und Sie haben eine Menge Mehrarbeit.“
Auch hierauf kann der Partner unterschiedliche Antworten geben. Zum Beispiel: „Okay, ich rufe beim Meyer an.“ Oder: „Das machen wir beim nächsten Mal.“ Auch hier gilt: Wichtig ist nicht nur, was der Partner sagt, sondern auch wie er es sagt. Daraus kann der Verkäufer ableiten: Wie ist die Beziehung zum Einkauf? Und: Welches taktische Verhalten ist angesagt?
Dem Einkäufer vermitteln: Ich nehme Sie ernst
Trifft der Verkäufer den Einkäufer, sollte er ihn keinesfalls nur mit technischen Daten und Detailinfos überhäufen, denn so lässt sich keine Beziehung aufbauen. Nun lautet die vordringliche Verkäuferaufgabe, dem Einkäufer zu vermitteln: Ich nehme Sie ernst und weiß, dass Sie eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, die Beschaffungsprozesse zu optimieren und dafür zu sorgen, dass das Unternehmen marktfähig produziert. Dabei kann ich Sie unterstützen.
Um dies zu erreichen, muss der Verkäufer im Vorfeld Gesprächsthemen erarbeiten, die für den Einkäufer von Interesse sind. Solche Themen können sei
- Welche Anforderungen stellen Sie grundsätzlich an Lieferanten? Welche Wünsche haben Sie?
- Welche Kriterien außer attraktive Konditionen fließen in Ihre Kaufentscheidung ein?
- Bevorzugen Sie als Informationsmedium einen gedruckten Katalog, eine CD oder einen Internet-Shop?
- Erfolgen die Bestellungen bei Ihnen über bestimmte „Files“? Zum Beispiel Electronic Data Interchange (E-DI)?
Neben solchen Fragen, die darauf abzielen, die Zusammenarbeit effektiv zu gestalten, sollte der Verkäufer dem Einkäufer aber auch Fragen stellen wie:
- In welche Projekte sind Sie und Ihre Kollegen eingebunden?
- Welche Kostensenkungsprogramme laufen zurzeit in Ihrer Firma?
- In welchen Bereichen denken Sie über ein Outsourcing nach?
Solche Fragen ermöglichen es dem Einkäufer, sich zu profilieren und zu dokumentieren, welch wichtigen Beitrag er zum Unternehmenserfolg leistet. Zugleich gewinnt der Verkäufer durch die Antworten Infos darüber, wohin die Reise im Unternehmen geht.
Indem der Verkäufer mit dem Einkäufer solche Inhalte erörtert, zeigt er ihm: Ich nehme Sie ernst. Erweist er sich dann noch im Gespräch und Alltag als kompetenter und zuverlässiger Partner, wächst allmählich eine Beziehung zwischen ihnen. Dies ist wichtig. Denn in die Kaufentscheidungen des Einkäufers fließt, wenn ihm mehrere ähnliche Angebote vorliegen, stets auch der Faktor „Sympathie“ ein.
Ziel: Um ein „letztes Angebot“ gebeten werden
Dieses Bevorzugen zeigt sich zum Beispiel darin, dass der Einkäufer, wenn er für mehrere Angebote die technische Freigabe hat, bei einem Verkäufer nochmals anruft und zu ihm sagt: „Ich habe drei Angebote. Denken Sie mal darüber nach, was Sie beim Preis und bei den Liefer- und Zahlungsbedingungen noch tun können.“ Dies ist oft ein deutliches Signal: Der Einkäufer möchte mit dem Verkäufer den Abschluss tätigen. Ihm fehlt aber noch etwas „Munition“, um dies intern zu rechtfertigen.
Ziel des Kontaktaufbaus sollte es also sein, dass der Einkäufer, wenn ihm mehrere Angebote vorliegen, den Verkäufer nochmals um sein „letztes Wort“ bittet, bevor er einem Angebot den Zuschlag erteilt. Dieses Ziel ist realistisch. Unrealistisch wäre das Ziel, dass der Einkäufer dem Verkäufer auch dann den Auftrag erteilt, wenn dessen Angebot – egal wie man es betrachtet – nicht das preiswerteste ist. Denn dies würde bedeuten: Der Einkäufer nimmt seinen Job nicht wahr.
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Verkäuferkompetenz: Es menschelt wieder im Vertrieb
„60 Prozent der Vertriebler sind aber Quereinsteiger.“ schrieb die Wirtschaftswoche in einem Beitrag über Berufsanforderungen und brachte mich damit sehr zum Nachdenken. Wieso sind es gerade 60 Prozent? Sind nicht alle Vertriebler eigentlich Quereinsteiger? Nach 25 Jahren Vertriebserfahrung habe ich jedenfalls noch keinen „diplomierten“ Vertriebler kennengelernt. Denn eigentlich ist jeder Verkäufer neben seiner ursprünglichen Berufsausbildung eine angelernte Fachkraft. Es gibt weder in der Schule, in der Berufsausbildung oder an den Hochschulen ein Fach „Vertrieb“ noch einen Abschluss für diesen Beruf.
Wo und wie erlernen wir also das Verkaufen? Oder steckt es bei manchen Menschen in den Genen? Sind Sie der „geborene“ Verkäufer, Berater, Verkaufsberater oder Vertriebler? Überhaupt, was für eine Bezeichnung Ihrer verkäuferischen Tätigkeit bevorzugen Sie? Stellen Sie sich als Vertreter vor? Oder benutzen Sie eine der modisch, englischen Bezeichnungen wie Consultant, Key-Account-Manager etc.? Es gibt viel Unklarheit darüber, was eigentlich ein Verkäufer ist, welche Aufgaben er hat, wie weit sein Aufgabengebiet reicht und vor allem er seine Aufgabe erfüllen soll. Und genau darauf kommt es wohl an: auf das Wie.
Woran mag es nur liegen, dass die einen wahre Verkaufstalente sind, Andere dagegen nicht? Sicher hat dies eine Menge mit Veranlagung zu tun, aber mindestens genauso viel Anteil haben Ausbildung, Training und Erfahrung. Und so sind sich alle einig: Verkaufen will gelernt sein, besonders wenn man nicht gerade viel von diesem Verkäufer-Gen abbekommen hat.
Voraussetzung für Erfolg: gut ausgebildete Verkäufer
Laut einer Studie der Personalberatung Xenagos erhalten aber mehr als ein Drittel der Vertriebler überhaupt keine Ausbildung. Das bedeutet, neben der fehlenden Ausbildung an unseren Hochschulen findet auch nur zum Teil eine strategische oder persönlichkeitsbildende Ausbildung in den Unternehmen statt. Dabei ist diese Ausbildung - gerade in Krisenzeiten - bitter nötig. So sagt der Vertriebstrainer Dirk Kreuter: „In erfolgreichen Unternehmen sind die Verkäufer gut ausgebildet und verfolgen einheitlich eine systematische Vorgehensweise – das wird trainiert.“
Anstelle verbindlicher Standardwerke wurden in den letzten 25 Jahren laufend neue Verkaufsmethoden entwickelt, die dem Vertriebler hinsichtlich seiner Erfolgschancen viel versprachen. Mal ging es um die Gesprächsführung, mal um die beratende Komponente des Vertriebes. Andere Methoden verbanden psychologische Erkenntnisse mit der Vorgehensweise im Gespräch oder meinten, man müsse nur geschickt genug darin sein, Widerstände durch rhetorische Kniffe zu umgehen und somit zu „brechen“.
Es menschelt wieder im Vertrieb
Manche dieser Methoden sind genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. Besonders das Hard- oder Powerselling hat im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise eher in eine Sackgasse geführt. Wer will auch schon gerne mit Druck zu etwas bewegt werden? Statt dessen erleben wir jetzt eine Wiederbelebung alter Tugenden und Werte. Es menschelt wieder im Vertrieb. Wir sind mitten in einem Paradigmenwechsel und damit in einer Neu-Orientierung hin zu einem vertrauenswürdigen und vertrauensbasierten Verkaufsverhalten.
Eine Rückbesinnung auf alte Werte bedeutet daher: Ein Vertriebler muss vor allem über eine Menge sozialer und emotionaler Kompetenzen verfügen. Denn es geht beim Verkaufen um den Menschen, um die Gewinnung seines Vertrauens. Erst dann kommt die Firma, die der Einzelne vertritt. Wenn wir Verkäufer nicht die Person gewinnen, kommen wir als Lieferant für die Firma kaum infrage. Der Abschluss eines Geschäftes erfolgt immer zwischen diesen Menschen mit ihren Emotionen und einer gegenseitigen Erwartungshaltung. Passen diese nicht oder täuscht man sich gegenseitig, kommt man so schnell nicht wieder zusammen. Aber genau das sollte ein Ziel sein. Eine dauerhafte, vertrauensvolle und auch belastbare Lieferantenbeziehung von Mensch zu Mensch.
Welche sozialen Kompetenzen brauchen Sie also?
Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit: Konzentrieren Sie sich auf den Menschen, auf Ihr Gegenüber. Der Kunde ist ein anonymer Begriff. Dem individuellen Menschen sollte Ihre Aufmerksamkeit gehören. Schenken Sie ihm Vertrauen und verschaffen Sie sich selbst das Vertrauen der Anderen in Ihre Person und Zuverlässigkeit.
Aufrichtigkeit: Nehmen Sie den Kunden (Menschen) wirklich ernst, ohne sie gibt es keinen Umsatz. Er ist das Maß aller Dinge.
Faires Miteinander: Zuverlässigkeit, Klarheit und Respekt sollten immer Maxime Ihres Handelns sein.
Überzeugen Sie durch Ihre Kompetenzen: Vor allem sollten Sie Ihre „Soft Skills“ trainieren und den Ausbau Ihrer authentischen Persönlichkeit anstreben. Das ist wichtiger als Produktdetails zu kennen. Weiterhin gehören unbedingt dazu: Branchenkenntnisse, Eloquenz, Überzeugungskraft und eine positive Grundeinstellung.
Zielorientierung: Stellen Sie qualitative und quantitative Ziele (zum Beispiel Kundenzufriedenheit) gleichwertig und verfolgen beides konsequent aber nicht dogmatisch.
Verkaufen Sie sich selbst zuerst: Ihre persönliche Präsenz und Ihre Zuverlässigkeit machen alleine schon 70 Prozent des Erfolges aus. Nur wer beim Kunden vor Ort ist, kann die menschliche Komponente des Verkaufens voll und ganz ausbreiten.
Doch auch bei allem Menscheln: Bleiben Sie hartnäckig und am Ball. Zu viele nette Gespräche bringen weder Sie noch Ihren Kontakt auf der Kundenseite weiter. Dazu gehört auch, verbindlich zu sein und mehr gegenseitige Verbindlichkeit herbeizuführen. Ihr Ziel muss klar formuliert sein und ausgesprochen werden. Sie treten beim Kunden an, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen. Das weiß der Andere. Aber wie lange brauchen Sie, um herauszufinden, ob Ihr Produkt für die Anforderungen geeignet ist? Und wird Ihr Kunde es auch kaufen, wenn es die Voraussetzungen erfüllt?
Die drei Kundentypen
Sozial und emotional kompetent zu sein bedeutet auch, den Gesprächspartner in seinen Handlungsmotiven möglichst schnell zu erkennen. Die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung helfen uns, Kundentypen - sehr vereinfacht gesagt - in drei Gruppen zu unterscheiden: Die Käufer, die Prestige kaufen, diejenigen, die Funktionalität kaufen und diejenigen, die Sicherheit erwerben möchten. Sind Sie als Verkäufer in der Lage, das zu erkennen und sich darauf einzustellen? Wenn ja, haben Sie gleich einen erheblichen Vorteil, denn der Kunde kauft nicht alleine das Produkt beziehungsweise die Funktionalität, sondern auch das „Versprechen“, das sich mit diesem Produkt verbindet.
Alte Tugenden aufleben lassen
Verkäufer oder Vertriebler sind unersetzbar geworden. Sie holen schließlich das Geschäft! Und das geht auch ganz ohne Drückermethoden oder den Griff in die faule Trickkiste. Wer heute auf alte Tugenden zurückgreift und sich nicht von kurzlebigen und modischen Methoden vereinnahmen lässt, wird dauerhaft mehr Erfolg aufweisen können. Geschäft zwischen Menschen; per Handschlag und mit einem guten Gewissen. Das ist es, was zählt. Schaffen wir es alte „Tugenden“ zu reanimieren und zu leben, öffnen sich völlig neue Potenziale. Für den Hersteller und Anbieter von Produkten, seinen Mitarbeitern, den Verkäufern dieser Firma und natürlich für den Kunden. Damit schaffen wir nicht nur neue Absatzchancen, sondern - fast wichtiger - Sicherheit für die Zukunft und Zufriedenheit auf allen Ebenen. Gestalten Sie also Ihre Zukunft, ehe Sie den Anschluss verlieren.
Das Buch zum Thema
Competence Selling: Das Geheimnis der Spitzenverkäufer [57]
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Verkaufen ist ein Marathon: Das 12-Stunden-Verkaufstraining war erst der Anfang
Am Eingang begrüßt ein sportlicher junger Mann im Fitness-Outfit die Teilnehmer. In der Vorhalle angekommen gibt es Bananen, Wasser, Kaffee, Tee und Säfte im Angebot, wie es sich für einen "Verkaufsmarathon" gehört. Die Stimmung ist gut und die Zuschauer wirken (noch) entspannt. Sie plauschen ein wenig, während sie in freudiger Erwartung sind, was die nächsten zwölf Stunden bringen werden.
Aus den verschiedensten Bereichen möchten Menschen an diesem Tag erfahren, wie sie ihre Produkte oder Dienstleistungen besser an den Mann bringen können. Es tummeln sich Mitarbeiter von Sparkassen, Parfümerien, Reinigungstechnik, Deutsche Post, Ernährungsberatung sowie Sportbekleidung. Sogar Zahnärzte und Zahntechniker möchten in Sachen Verkauf geschult werden.
Auch Arthur Baumann, Director of International Business Development bei Avira, freut sich auf das Verkaufstraining. Er erwartet, dass er viel für sich mitnehmen kann, und hat keinerlei Zweifel, dass sich diese Erwartungen nicht erfüllen könnten:
"Ich erwarte von diesem Training positive Energie, Tipps zur Selbstreflexion sowie Kommunikations- und Motivations-Tools."
Am Ort des Geschehens, in der Halle des Casinos in der Zeche Zollverein, ist es recht dunkel, die Beleuchtung schafft die richtige Atmosphäre für ein solches Event der Superlative. Der hohe nahezu ausverkaufte Saal wirkt wie eine Konzerthalle und als dann gleich zu Beginn die Musicaldarstellerin Deborah Woodson ein Lied anstimmt, ist die Inszenierung perfekt. Frauen und Männer lassen sich mitreißen und klatschen im Takt mit. „Was für ein Auftakt“, ruft neben mir der Teilnehmer mit der Startnummer 356.
Nachdem Deborah Woodson mit den zwei Liedern zur Einstimmung fertig ist, begrüßt die ZDF-Sprecherin Stefanie Mau die Teilnehmer. Sie moderiert den Event, der auch für sie „eine absolute Premiere und ein Abenteuer“ ist.
Dann endlich erscheint der Hauptakteur des Tages mit einem Aktenkoffer auf Rollen auf der Bühne. Hans-Uwe L. Köhler bezeichnet sich selbst als besten Verkaufstrainer. Mit seiner neuartigen Idee eines 12-Stunden-Verkaufstrainings möchte er ein Ereignis kreieren, das so stark bei den Menschen hängen bleibt, dass sie die Strahlkraft dieser Veranstaltung mit in die Zukunft nehmen können. Er ist überzeugt:
„Wir leben in einer Zeit, die Sehnsucht nach Ideen hat.“
Vor einer riesigen Leinwand, auf der die Charts der Präsentation zu sehen sind, steht Köhler und zeigt sein rhetorisches Können. In „Köhlers Welt“ passiert Einiges, was er als praktisches Beispiel heranzieht, um seine Thesen zu verdeutlichen. Aber was so locker rüber kommt und mit vielen humorvollen Anekdoten und Kommentaren untermalt ist, bedeutet für Köhler eine extrem lange Vorbereitungszeit.
Ein vielfältiges Programm
Um Abwechslung zu schaffen, hat sich Köhler Unterstützung von Diplom-Sportwissenschaftler Slatco Sterzenbach geholt. Er ist Gesundheitsexperte, mehrfacher Buchautor und coacht Führungskräfte. Was er genau bei diesem Verkaufstraining zu suchen hat, wird nicht ganz deutlich. Auch wenn es ganz interessant ist, was er zu erzählen hat, wirkt der Zusammenhang eher künstlich hergestellt. Womoglich, um die zwölf Stunden mit Inhalt füllen zu können.
Sterzenbach klärt auf über Fitness, Muskeltraining und Ernährung und weist auf seine Bücher und DVDs hin. Hat irgendwie etwas von Kaffeefahrt. Aber gut, schaden kann es nicht, wenn einem eindrücklich vermittelt wird, was dem Körper gut tut und was ihm schadet.
Einen Interviewpartner hat sich der Verkaufstrainer Köhler ebenfalls organisiert. Bernhard Sommer, Vorstand der Kern-Haus AG, erklärt, wie schlecht es der Hausbau-Branche geht. Mit Köhlers Hilfe möchte er gegen den Trend seinen Umsatz verdoppeln.
Die ersten Kilometer meistern alle ohne Probleme
Die erste Pause ist erreicht. Die Teilnehmer wirken noch immer frisch und heiter. Es werden kleine Snacks in Form von Nüssen, Früchten und Joghurt angeboten. Alles ganz gesund! Nach der Pause machen die sportlichen Helfer das Publikum mit Trillerpfeifen lautstark darauf aufmerksam, sich wieder in den Saal zu begeben. Der Marathon geht weiter und weiter und weiter.
Nach fünf Stunden berichten einige der Teilnehmer, dass sie immer noch fit und motiviert sind. Sie haben keinerlei Ermüdungserscheinungen. Na dann, auf in die nächsten sieben Stunden Vortrag.
Kein Zweifel, Köhler ist der perfekte Verkäufer, denn er weiß, wie er sich selbst am besten verkauft. Er macht sein Publikum zu Fans und wird somit von ihnen weiterempfohlen und sichert sich wieder reichlich Anmeldungen für die nächsten Seminare. Köhler setzt das zielsicher um, wovon er die Zuhörer überzeugen möchte. Es ist beeindruckend, dieses Showtalent in Aktion zu erleben.
Preise und Preisverhandlungen
In den nächsten beiden Vorträgen geht es nun endlich um das lang ersehnte Thema für Verkäufer: Preise und Preisverhandlungen. Da horchen sie alle auf, um genau zu erfahren, wie es nun geht, den höchstmöglichen Preis zu erzielen.
Im sechsten Block um 18:45 Uhr wirken schon einige Teilnehmer erschöpft und müde. Aber auch wenn die Konzentration manchmal etwas nachlässt, bringt Köhler mit humorvollen Einschüben das Publikum wieder zurück ins Geschehen. Als Energiekick singt Deborah Woodson noch zwei Lieder und die Stimmung ist erneut aufgeheizt.
Die Uhr zeigt mittlerweile schon 20:45 Uhr, doch das Publikum ist immer noch voll dabei. Arthur Baumann von Avira ist durchweg begeistert. Er möchte am liebsten noch in der Nacht starten, die Tipps umsetzen und an neuen Ideen feilen. Tschakka! Das Coaching scheint zu wirken.
Trainingserfolg mit Follow-up Coaching
Im letzten Block erklärt Köhler das Follow-up Coaching und verweist auf das Ziel, einen nachhaltigen Erfolg des Trainings zu erreichen. Der eigentliche Marathon beginnt erst jetzt: 42 Wochen lang erhalten die Teilnehmer E-Mails, um das Training zu wiederholen und eigene Erfahrungen zu dokumentieren. Sogar er selbst macht das Follow-up Coaching mit. Von der Idee, die dahinter steckt, ist er überzeugt:
„Die Idee dabei ist ja nicht, die Leute nach Hause zu schicken und sich erst wieder mit dem nächsten Prospekt zu rühren, sondern Woche für Woche einen kleinen Impuls nachzulegen.“
Eine clevere Idee der Kundenbindung, die dem Verkäufer Köhler auch in den nächsten 42 Wochen Kontakt zu den Seminarbesuchern und mögliche Aufträge bescheren soll.
Spannungsbogen bis zum Ende gehalten
Bis zum Ende um 22 Uhr wirkt der Verkaufstrainer immer noch voller Energie und ist so enthusiastisch wie zu Beginn. Hans-Uwe L. Köhler beeindruckt, weil er ein wirklich guter Redner ist. Er weiß gekonnt Pausen, Betonung und die Wahl der Wörter einzusetzen. Die Zuhörer bleiben aufmerksam und selbst nach dem siebten Vortrag kann er noch überzeugen und weckt Interesse.
Unglaublich, die Teilnehmer bleiben alle bis zum bitteren Ende. Keiner steht auf und muss schon früher weg, weil beispielsweise sein Zug fährt. Ein größeres Kompliment kann ein Trainer nach zwölf Stunden Verkaufstraining nicht bekommen. Köhler resümiert zufrieden:
„Ich bin positiv überrascht, dass tatsächlich alle 160 Teilnehmer bis zum Schluss da geblieben sind. Das war ja ein riskantes Unterfangen. Die Menschen haben es zwölf Stunden lang durchgehalten. Es war also ein voller Erfolg und ich konnte beweisen, dass ich als Trainer mit meinen rhetorischen Fähigkeiten für einen solchen Marathon geeignet bin. Genau das wollte ich.“
Fazit
Ob die Teilnehmer mit dem Training ihr Ziel erreichen, bleibt abzuwarten. Manche haben einen neuen Blick auf ihren Verkauf gewonnen. Einige können vielleicht sogar neue Kunden gewinnen, mehr Produkte verkaufen, mehr Umsatz erzielen. Sicherlich wird es auch Teilnehmer geben, die nichts davon mitnehmen und nach kurzer Zeit wieder das meiste vergessen haben. Nur wer daran glaubt, nimmt etwas mit. Köhler meint dazu:
„Es gibt immer wieder Menschen, die selbst ich nicht erreichen kann, aber wenn man das Klavier der Intensität wirklich einsetzt, dann erreicht man unglaubliche Mengen von Menschen, die einfach beseelt sind, die zu sich mehr Selbstvertrauen haben und dadurch mehr Erfolg haben werden. Erfolg ist nun mal eine Frage von Selbstvertauen und Zutrauen und nicht von irgendwelchen Preislisten.“
Dass er einen weiteren Verkaufsmarathon veranstalten wird, ist für Köhler klar. Denn die Resonanz war sehr positiv und einige Unternehmen haben sich schon über firmeninterne Seminare dieser Art erkundigt. Köhler macht aus seinen Veranstaltungen Verkaufsschlager. Ein besseres Vorbild für Verkäufer kann es nicht geben.
Angebote erstellen und optimieren
Allgemein gehaltene Angebote führen dazu, dass der Anfragende nur auf den Preis achtet und Sie als Qualitätsanbieter deshalb kaum zum Zuge kommen werden. Machen Sie es besser und beweisen Sie, dass Sie ein besonders kompetenter Partner mit einem besonders interessanten Angebot sind.
Die Anfrage analysieren
Prüfen Sie zunächst das Schreiben: Weiß der Interessent schon etwas über Ihre Firma oder Ihre Produkte? Und wo könnte er diese Informationen erhalten haben (Internet, Messe, Prospekte)? Das gibt Ihnen erste Hinweise darauf, welche Werbemittel ihn ansprechen. Benutzt er den branchenüblichen Jargon, sucht er nach speziellen Produkten? Daraus können Sie Rückschlüsse ziehen, ob es sich bei der anfragenden Person um einen „alten Hasen“ oder um einen Newcomer handelt.
Bei „alten Hasen“ können Sie schon ein Grundverständnis für die Rahmenbedingungen Ihres Angebots voraussetzen und mit Detailwissen punkten. Bei „Newcomern“ konzentrieren Sie sich dagegen auf eine verständliche Sprache und erklären auch einfache Sachverhalte sorgfältig, da Sie hier kein Vorwissen voraussetzen dürfen.
Den Internet-Auftritt studieren
In der Regel wird auf dem Briefpapier auch eine Web-Adresse des Interessenten stehen. Surfen Sie ein bisschen auf diesen Seiten. Die grafische Qualität und die Menge an Informationen geben Ihnen schnell einen Eindruck über das Potenzial des Anfragenden. Mehr über Größe, Umsatz, Firmenhistorie oder Marktsegmente erfahren Sie in der Regel in Bereichen wie „Investor Relations“ oder „Wir über uns“. Suchen Sie dann nach dem Profil der Person, die das Anschreiben unterschrieben hat. Hier kann auch ein kurzer Besuch in einem Sozialen Netzwerk wie zum Beispiel XING weitere Aufschlüsse geben, zum Beispiel für welche Aufgabenbereiche der Anfragende zuständig und wie er hierarchisch einzuordnen ist.
Zielführend antworten
Überlegen Sie anschließend, wie Sie sich mit Ihrer Antwort aus der Masse der Anbieter abheben können. Zunächst sollten Sie das Schreiben individuell abfassen und Textbausteine nur zurückhaltend verwenden. Zeigen Sie, dass Sie den Bedarf des Interessenten besser als andere einschätzen können. Fragen Sie zum Beispiel nach, ob andere Mengen und Qualitäten in Frage kommen. Bieten Sie nicht nur Standardrabatte an, sondern stellen Sie bei einer längerfristigen Geschäftsverbindung Vorteile wie zusätzliche Rabatte und Sonderkonditionen wie „Frei Haus“ in Aussicht.
Hinweis
Lernen Sie in unserem Online-Kurs, wie Sie Ihre Angebote optimieren und die Trefferquote deutlich erhöhen: Angebote schreiben: „Den Auftrag haben wir anderweitig vergeben. Tut uns leid“ - wie Sie solche Reaktionen vermeiden.
Anker setzen
Bedenken Sie stets, dass Ihr Angebot mit vielen anderen zusammen auf dem Schreibtisch des Entscheiders liegen wird. Setzen Sie Anker, mit denen Sie in Erinnerung bleiben. Dazu genügt häufig ein Anruf mit einer Nachfrage (zum Beispiel nach Liefer-Intervallen), die den Ansprechpartner veranlasst, sich mit Ihrem Angebot noch einmal auseinander zu setzen.
Nutzen Sie jeden Kontakt, um wirklich ins Gespräch zu kommen. Häufig ist es bei allgemeinen Anfragen so, dass diese noch einmal konkretisiert werden muss. Hier ist es gut, wenn Sie den direkten Kontakt haben und mit einer guten Beratung den Vorsprung vor den Wettbewerbern ausbauen können.
Fünf Tipps, wie Sie Ihr Angebot exklusiv gestalten
- Bedanken Sie sich für die Anfrage.
- Formulieren Sie in Ihrem Angebot Hinweise darauf, dass Sie sich speziell mit dem Anfragenden beschäftigt haben („Wie wir auf Ihrer Website bemerkt haben…“).
- Betonen Sie Aspekte Ihres Angebots, die andere Wettbewerber nicht bieten können, zum Beispiel regionale Nähe, 24-Stunden-Versand etc.
- Versuchen Sie, zur Anfragenden Person einen Kontakt aufzubauen.
- Geben Sie Tipps, die dem Anfragenden helfen und Ihren Sachverstand betonen („Haben Sie auch daran gedacht, dass Sie für die von Ihnen verwendeten Spannungsbereiche besondere Sicherungssysteme benötigen?“).
Auftragslöcher vermeiden: Tipps zur Akquise für Selbstständige
Sonja Klatsch (Name geändert) ist Beraterin, Coach und Projektmanagerin im Bereich Human Relations (HR). Früher war sie angestellte Personalleiterin und setzt ihr Know-how aus Arbeitsrecht und Personalführung in freier Mitarbeit ein. Ihre Aufgaben erledigt sie tageweise im jeweiligen Unternehmen, neue Projekte erhält sie durch Mundpropaganda und hat sich bisher kaum Gedanken gemacht, weitere Kunden gewinnen zu wollen. Doch dann bemerkt sie, dass es bei Ihrem größten Kunden nun um Outplacement geht statt vorher Personalsuche. Was tun, fragt sich Sonja Klatsch.
Clevere Kontaktpflege hilft am besten
Sie kennen noch den guten alten „Tante-Emma-Laden“? Der kleine Händler an der Ecke mit dem Gemischtwarensortiment, bei dem es mehr gab als nur die Ware: Das Schwätzchen, heute Smalltalk genannt. Das Neueste aus dem Viertel und eine exzellente Beziehungspflege: Tante Emma wusste um die besonderen Geschmäcker ihrer Kunden: Dürfe es denn auch der übliche Kaffee sein?
Auch Großhandels-Vertreter Müller wusste bestens über seine Einkäufer Bescheid: Gratulation zum Geburtstag, vielleicht sogar mit Blumenstrauß oder einer passenden Flasche Wein. Der letzte Urlaub des Kunden wie der Schuleintritt des Jüngsten, Freizeitinteressen und selbst Krankheitsgeschichten durften angesprochen werden. Mithilfe von Karteikarten schaffte Herr Müller es, bei vielen hundert Kunden derartige Details im Kopf zu behalten. Später wurden auf dem Computer Notizen aus wöchentlichen Verkaufsreports gespeichert und mit der Tourenplanung einer Woche ausgedruckt: „Beziehung pflegen“ lautet das Zauberwort bei Tante Emma wie bei Herrn Müller - mit den Kunden leben.
Mehr bringt mehr
Was kann das für Sie in Ihrer Expertenrolle bedeuten, der dafür sorgen möchte, jederzeit ein gut gefülltes Auftragsbuch zu haben? Schon früh kamen Marketingmenschen auf den Trichter, systematisches Vorgehen zu visualisieren, mithilfe eben eines Verkaufstrichters: Je mehr Sie oben in den breiten Schlund hineingeben, desto mehr wird letztlich aus dem schmalen Hals des Trichters herauskommen. Je mehr Kontakte, Interessenten, Klienten Sie haben, desto gesicherter kommen Aufträge wieder nach. Das belegt das Gesetz der großen Zahl, umgangssprachlich „Wer hat, dem wird gegeben!“. Deshalb halten viele Freiberufler bewusst Augen und Ohren offen. Nehmen Sie zum Beispiel eine Bahnfahrt: Sie kommen mit einem Mitreisenden ins Gespräch: aufgrund einer Verspätung, dem besonders guten Service oder eines Buches. Nun ist der Zielbahnhof erreicht. It´s so easy - einfach Visitenkarten tauschen: voilà!
Kontakte regelmäßig knüpfen, ausbauen und in Kontrakte wandeln
Wichtig dabei ist (außer mit Bahn oder Flieger zu reisen, weil Sie häufiger Kontakt haben als per Auto), alles Relevante wirklich aufzuschnappen und so aufzubereiten, dass „im Fall des Falles“ aus einem Kontakt ein Kontrakt werden kann. Gehen Sie am besten so vor:
Kontakt annehmen: Etwa durch Austausch von Visitenkarten (und einer Notiz darauf: wann? Wo?);
Kontakt bestätigen: Durch eine kurze Gesprächsbestätigung per E-Mail und/oder durch Kontaktaufnahme via Xing oder einem ähnlichen Portal;
-
Kontakt CRM-en. Was mit diesem „Customer Relationship Management“ konkret gemeint ist, dazu kommen wir gleich.
Womit aus dem ersten ABC (annehmen - bestätigen - CRM-Eingabe) ein weiteres ABC entsteht:
in CRM aufnehmen: Das kann auch Xing oder Pulse sein;
in CRM bewerten (wofür - Thema; wann, bei welcher Gelegenheit kennengelernt; mit wem in Verbindung bringen und so weiter);
in CRM chronologisieren: Wiedervorlage wann, also konkret datieren oder Frequenz eingeben, etwa „alle drei Monate ansprechen“, zu Termin einladen und so fort.
Kontakte einstufen und verschlagworten
Ein drittes „ABC“ bauen Sie bei der Kundenbewertung ein, indem Sie Kontakte und/oder Kunden nach quantitativen und/oder qualitativen Kriterien ranken:
A-Kunden sind jene mit höchstem Wert: Umsatz mindestens etwa in den letzten zwei Jahren; Auftrags-Wahrscheinlichkeit sehr hoch; bereits mit allen notwendigen Gesprächspartnern verhandelt.
B-Kunden liegen deutlich darunter; Messe-Kontakte können dazu zählen oder schlicht alle Interessenten zwischen sechs und zwölf Monaten „Alter“. Wen zählen Sie dazu?
C-Kunden sind eher „Hoffnungskunden“: Der letzte Auftrag liegt schon zum Beispiel länger als zwei Jahre zurück; sie haben Ihren Newsletter abonniert oder auf Ihr Angebot via Xing positiv reagiert, einen bestimmten Artikel von Ihnen als pdf erhalten, ohne nach Erhalt Feedback zu geben. Wer fällt Ihnen ein?
Sobald die erste Vorarbeit erledigt ist, kommen aus der Wiedervorlage immer nur kleine Portionen, die Sie durchaus nebenbei bearbeiten können. Es bleibt Ihnen vorbehalten, eine Wiedervorlage zu verschieben oder sich Kontakte früher als geplant herauszugreifen, weil ein bestimmtes Thema akut wird, das für diesen Kontakt (aus der oben erwähnten Bahnfahrt) relevant sein könnte. Wenn Sie Ihre Kontakte zudem „taggen“, also mit Finde-Stichwörtern versehen, erweitern Sie Ihre Möglichkeiten: etwa „Bahn“, „Buch“, „Messe“ und natürlich fachlich relevante Themen. Wenn Sie sich schlicht vornehmen, in dieser Art mit Ihren Kontakten umzugehen, ist das bereits „CRM als Philosophie“. Und wie behalten Sie mehr und mehr Kontakte „im Griff“?
Professionelle Software-Solutions „wer mag“
Tatsächlich gibt es mehr oder weniger aufwendige Software, mit deren Hilfe Sie relevante Daten verwalten können: Cobra bietet auf MSOffice basierende Programme, Grutzeck hat die seinen ursprünglich als Kontakt-Management-Software positioniert, Siebel, PeopleSoft und inzwischen auch SAP bieten gute Kombinations- und Selektions-Möglichkeiten auch als Leasing mit monatlicher Rate. Eine aktuelle Übersicht bietet immer uptodate das Fachmagazin Computerwoche [58] : Sie geben Ihre gewünschten Kriterien in eine Fragemaske ein und erhalten Vorschläge für Sie sinnvoller CRM-Programme zur Auswahl. Denn es gilt „You only should measure, what you can manage!“ - frei übersetzt: Tun Sie sich den „Tort“ von Eingabe, Pflege und Selektion nur an, wenn Sie diese Daten auch nutzen wollen und können. Für Mailings, E-Mail-Newsletter, Telefonmarketing, Messe-Einladungen.
DIY-Lösungen via Outlook, Excel und Webtools
Managen Sie ab sofort Ihre Kontakte zum Beispiel via www.google.com/mail/help/intl/de/about.html [59] . Das spart Ihnen Ausgaben für Software und viel Speicherplatz auf dem Rechner: Ihre Daten werden extern auf einem Speicher gehostet und sind (hoffentlich) nur für Sie greifbar, über Nutzername und Passwort. Zugriff von überall zu jeder Zeit mit welchem Gerät auch immer. Das gilt auch für www.plaxo.com [60] : Pulse wirbt damit, Ihr mobiles Notizbuch zu werden. Im Allgemeinen ermöglichen dieses Tools und Communities übrigens, dass Sie andere registrierte User mit Ihrem Adressbuch abgleichen und gegebenenfalls Ihre Kontakte automatisch aus AOL, Outlook und anderen in Ihr neues „Adressbuch“ übernehmen.
Vielleicht wählen Sie auch Social Networks wie Xing oder Linkedin, um mit Ihrem definierten Kontaktkreis intensiv im Austausch zu bleiben. Sie sind eher vorsichtig, was das Hinterlegen Ihrer Daten und jener Ihrer (wichtigen!) Kontakte „irgendwo im Internet“ angeht? Dann wählen Sie Office-Software (oder vergleichbare), mit der Sie Ihre Daten pflegen: Excel wie auch Outlook bieten meist genügend Möglichkeiten, erfasste Daten nach Stichworten oder Kategorien zu selektieren und zu sortieren. Zwar ist Outlook primär ein Mail-Programm und Excel eines für Kalkulationen. Doch wenn Sie sich „Hilfe“ oder auch die Begleitbücher anschauen, stoßen Sie auf interessante Informationen auch zum Kontaktmanagement.
Zusatzverkäufe während des Projekts
Weiterführende Medien zu seinem präsentierten Thema bietet mancher Trainer erfolgreich an, siehe das Beispiel von Gregor Staub, dem Gedächtnistrainer aus der Schweiz: Im Anschluss an seine Veranstaltungen verkauft er seine Audioprogramme, und kann sogar teilweise auf ein Vortragshonorar zu verzichten. Welche Produkte oder Dienstleistungen könnten Sie bei Ihren Projekten verkaufen? Manche Berater, Programmierer oder Grafiker verkaufen das nächste Projekt während der Laufzeit des aktuellen mit oder finden ein weiteres Thema für einen Einsatz an anderer Stelle im Unternehmen. Oder Sie provozieren für ein gleiches (oder ähnliches) Projekt eine Empfehlung: „Wer sonst sollte von meinen Diensten profitieren?“ oder „Für wen sonst könnte … auch interessant sein?“. Welche Formulierung werden Sie bei nächster Gelegenheit testen?
Analysieren Sie den möglichen Erfolgsgrad
…und konzentrieren Sie Ihre Nebenbei-Akquise auf „best chance“, also die „A-Kontakte“ anzusprechen und B sowie C zurückzustellen. Denn natürlich ist es mental wie organisatorisch einfacher zu realisieren, einige wenige Telefonate oder auch E-Mails zu planen, durchzuführen und nachzufassen als dies mit „zig“ oder gar mehreren hundert zu tun… Und damit Sie sich beim Gespräch mit Ihrem „Top-Wunsch-Kandidaten“ einfach hundertprozentig sicher sind, optimal zu verhandeln, sprechen Sie zunächst jenen Kontakt an, der für Sie in der Wahrscheinlichkeit eines Auftrags an dritter Stelle steht, dann Nummer 2: Dann erst folgt Nummer 1!
So kann eine professionelle Lösung aussehen: Sonja Klatsch greift auf ihre Kontakte in der IT zurück und besorgt sich günstig die Lizenz für ein Standard-CRM-Programm, frei von „Schischi“. Innerhalb weniger Wochen hat sie so nebenbei ihre Kontakte aus allen möglichen papiernen wie elektronischen Verzeichnissen darin erfasst und bewertet. Nun spricht sie immer mal wieder nebenbei den einen oder die andere daraus an, wie es ihr gerade in den Kram passt! Sie verschickt mal die pdf eines Artikels oder fragt, ob der Besuch einer Messe geplant sei, auf der auch sie sein wird. Sie bleibt auf dem Laufenden - beiderseits.
Buchtipp:
Allein erfolgreich! Akquise einfach so nebenbei: Verkaufen, Marketing und PR für Berater, Freelancer und Trainer [61]
[Bild: Oleg Shipov - Fotolia.com]
Cross-Selling: Mehr Umsatz mit den gleichen Kunden
„Mehr-Kunden“ identifizieren
Suchen Sie nach Kunden, die für zusätzliche Verkäufe in Frage kommen. Dies sind in erster Linie Unternehmen, die einen Teil ihres Bedarfs bei anderen Lieferanten decken und die Ihrer Einschätzung nach über das Potenzial zu höheren Umsätzen verfügen. Prüfen Sie anschließend die Reiseplanung der nächsten Monate. Welche dieser Kunden werden sowieso besucht beziehungsweise können zusätzlich besucht werden? Legen Sie auch einige sehr wichtige Kunden fest, die Sie gezielt außerhalb Ihrer Tourenplanung ansprechen möchten.
Mehr-Argumente entwickeln
Prüfen Sie, wie Sie Ihre Kunden dazu bringen können, noch mehr von dem bisher schon Gekauften zu bestellen. Dazu reicht häufig schon ein Blick in die Statistik des vergangenen Jahres. Fragen Sie sich, wie viel mehr Ihr Kunde hätte bestellen müssen, um in die nächste Rabattstaffel zu gelangen und dadurch Geld sparen. „Hätten Sie 10.000 Einheiten mehr bestellt, wären Sie in die um zwei Prozent höhere Rabattstaffel gruppiert worden“ ist ein starker Anreiz für alle Einkäufer, die Bestellmengen bei Ihnen zu erhöhen. Halten Sie auch in Ihrem Unternehmen Rücksprache, ob man bei höheren Umsätzen den Kunden bei den Lieferkonditionen (Skonto, Lieferung frei Haus, kostenlose Sonderlieferungen etc.) entgegenkommen kann.
Neu-Argumente entwickeln
Kaufen ist häufig eine Gewohnheitssache: Einkäufer nutzen bestimmte Angebote Ihres Unternehmens einfach deshalb, weil das schon lange so ist und sich bisher kein Grund ergab, das zu ändern. Aus dem gleichen Grund werden andere Angebote Ihres Unternehmens einfach nicht zur Kenntnis genommen, weil man diese von anderen Anbietern bezieht. Sammeln Sie Argumente, warum sich das ändern sollte. Dazu gehören alle technischen und organisatorischen Vorteile wie zum Beispiel eine problemlosere Qualitätsprüfung im Wareneinkauf des Kunden, Senkung von Frachtkosten und vereinfachte Abläufe. Hinzu kommen natürlich noch alle Vorteile, die in den bisher missachteten Angeboten selbst liegen.
Verkaufsgespräche inszenieren
Überlegen Sie, warum Sie bisher nicht erfolgreich für mehr Absätze oder den Verkauf anderer Angebote argumentieren konnten. Verändern Sie die Choreografie Ihrer Verkaufsgespräche. Inszenieren Sie in Gedanken, wie Sie bei den verschiedenen Kunden vorgehen möchten: Bei einigen kann es vielleicht sinnvoll sein, zu Beginn mit der „Tür ins Haus“ zu fallen: „Heute möchte ich Ihnen einmal etwas ganz anderes vorstellen“ oder „Möchten Sie wissen, wie Sie mehr von uns bekommen und dafür weniger bezahlen müssen?“ könnten offensive Eröffnungs-Formulierungen sein. Bei anderen Kunden kann es sinnvoller sein, im Verlauf des üblichen Gesprächsverlaufes einzuklinken: „Wenn wir noch fünf Minuten haben, würde ich Ihnen gerne einmal etwas Neues vorstellen.“
Verkaufsdruck entwickeln
Lassen Sie nicht zu, dass Verkaufsgespräche zu Routine-Veranstaltungen nach dem Motto „Wie viel darf es denn heute sein?“ verkommen. Entwickeln Sie stattdessen für jedes Treffen eine Strategie: Was möchten Sie verkaufen? Setzen Sie sich dazu auch Ziele, die Mehr- oder Neuverkäufe betreffen. Zur Umsetzung dieser Verkaufsstrategie überlegen Sie vor einem Besuch, welche Argumente Sie konkret einsetzen. So reagieren manche Einkäufer auf technische Vorteile, andere stellen bei ihren Überlegungen organisatorische Verbesserungen oder geringere Kosten in den Vordergrund ihrer Überlegungen.
Fünf Tipps für Ihre Mehr-Kundengespräche
- Hören Sie Ihren Kunden immer gut zu, auch beim Smalltalk. Fragen Sie konkret nach, wenn sie einen Bedarf vermuten und bringen Sie Ihre Angebote ins Spiel.
- Analysieren Sie die Abläufe Ihrer Kunden. Wie werden Ihre bisher verkauften Angebote eingesetzt? Häufig ergeben sich daraus Ansätze für Mehr- oder Andersverkäufe, zum Beispiel den Verkauf von Service-Produkten oder Folgebedarfe, die Sie befriedigen können.
- Nach jedem Abschluss darf der Verkaufsdruck nicht nachlassen – im Gegenteil, Ihre Verkaufsbemühungen müssen steigen, um noch mehr verkaufen zu können.
- Erhöhen Sie die Zahl der Kontakte zu Ihren Ansprechpartnern in den Kundenunternehmen. Hier gilt die Faustformel: Je häufiger Sie kommunizieren, desto eher ergeben sich Ansatzpunkte für zusätzliche Verkäufe.
- Stellen Sie die Kauffrage öfter als bisher. Die Frage „Möchten Sie kaufen?“ sollte – ohne dabei natürlich penetrant zu werden – zur Standard-Formulierung gehören.
CRM: Kundenbezogene Abläufe integrieren und optimieren
Emotion schafft Bindung
Customer Relationship Management muss heute nach Meinung vieler Unternehmer ein integrierter Bestandteil der Unternehmensstrategie sein. Der Grund für dieses „Muss“ des Beziehungsmanagements zwischen Unternehmen und Kunden: Viele Unternehmen haben sich und ihre Produkte bisher eher über funktionale Argumente als mit emotionaler Bindung gegenüber den Konkurrenten abgegrenzt. Ausnahmen dafür gibt es aber auch: Das profane Beispiel Autowerbung beispielsweise vermittelt weitestgehend Emotionen und befindet sich damit am anderen Ende des Spektrums von Rationalität und Emotionalität.
Die Aufzählung funktionaler beziehungsweise objektiver Eigenschaften von Produkten und Dienstleistungen gegenüber derjenigen von Interessenten und Kunden ist aber im Angesicht des wachsenden Wettbewerbs, geringer werdender Qualitätsunterschiede und der direkten Vergleichbarkeit von Eigenschaften und Preis über das Internet nicht mehr ausreichend. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen und „Hauptlieferant“ möglichst vieler Kunden zu werden, ist eine reale und steuerbare Beziehung zu diesen wichtig. Wenn die so gewonnene Loyalität gepflegt wird, lassen sich über diese Kanäle die positiven Erfahrungen einer Geschäftsbeziehung weiter in den Markt transportieren, um so weitere Kunden zu gewinnen.
CRM als Lernprozess
Mittelständische Unternehmen haben hier den großen Vorteil, dass sie im Vergleich zum Großunternehmen oder Konzern meist ohnehin nah am Kunden sind und persönliche Kontakte bestehen. Dennoch: Gezieltes Kundenbeziehungsmanagement kann aufgrund der Wettbewerbssituation der entscheidende Faktor für Erfolg oder Misserfolg sein. Loyale Kunden sind keine Selbstverständlichkeit mehr, stattdessen zeigt sich bei den Kunden eine höhere Bereitschaft, Dienstleistungsanbieter oder Produkte zu wechseln. Gefordert ist demnach ein langfristig angelegtes Beziehungsmarketing, denn es ist deutlich kostspieliger, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu halten.
Voraussetzung für ein erfolgreiches Kundenbeziehungsmanagement ist die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft von Unternehmern, Entscheidern und Mitarbeitern. Argumente wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ dürfen da keinen Platz haben. Auch die Bereitschaft, Ressourcen für die Entwicklung und Pflege der Kundenbeziehungen einzusetzen, ist essenziell. Wer hier spart, also nicht für die Erreichbarkeit der Ansprechpartner oder die schnelle und unkomplizierte Verfügbarkeit von Daten und Informationen sorgt, stellt seine Kunden ins Abseits und schickt sie quasi selbst zur Konkurrenz. Um zum Erfolg beizutragen, müssen sich im Rahmen des Kundenbeziehungsmanagements also wesentliche Unternehmensprozesse an den Bedürfnissen des Kunden orientieren. Das bedeutet, dass Prozesse nicht nur auf interne Effizienz hin, sondern gleichzeitig auch auf den Bezug zum Kunden überprüft werden sollten. Um überhaupt Prozesse am Kunden ausrichten zu können, wird eine einheitliche Datenbasis benötigt. CRM-Werkzeuge in Form von professionellen Softwarelösungen können genau an dieser Stelle unterstützen.
Intelligente Kundengewinnung
Die differenzierte Ansprache von Kunden setzt voraus, dass man diese genau kennt. Modernes Kundenbeziehungsmanagement ist daher ohne eine gewaltige Datensammlung nicht denkbar. Bei CRM-Lösungen werden alle relevanten Kundendaten – von Geburtstag über Anfrage bis zu Bestellhistorie –, aber auch Kontakte und Anfragen von Interessenten, gespeichert. Die intelligente Verknüpfung von Kundendaten erlaubt es Unternehmen, ihren Kunden maßgeschneiderte Produkte oder Dienstleistungen anzubieten oder Vorhersagen über die kurz- oder mittelfristige Absatzentwicklung zu treffen.
CRM ist damit nicht nur eine Lösung für die Bestandskundenpflege, sondern auch ein Werkzeug für eine intelligente Kundengewinnung. Kunden sind für Unternehmen keine unbekannte Masse, sondern bekommen ein Gesicht, eine Geschichte und können von Unternehmen jeder Größe ebenso persönlich betreut werden, wie dies ein Einzelhändler in einem 5000-Seelen-Dorf vermag.
Datenschutz beachten
CRM-Systeme bieten enorme technische Möglichkeiten zur Speicherung und Auswertung von kundenbezogenen Daten. Doch nicht alles, was technisch machbar ist, ist erlaubt. Unternehmen müssen bei Entwicklung und Implementierung von CRM-Systemen daher darauf achten, dass die datenschutzrechtlichen Anforderungen bei der Verarbeitung von Kundendaten erfüllt werden. Wer sorglos mit sensiblen Daten umgeht, kann schnell das Vertrauen seiner Kunden verlieren. Innerhalb des Unternehmens wiederum müssen die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter berücksichtigt werden.
Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [62] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [63]
[Bild: shockfactor - Fotolia.com]
Kundenloyalität 2010: Loyale Kunden – ein wertvoller Schatz
Die klassische Neukundengewinnung ist in vielen Branchen ausgereizt. Die Märkte sind gesättigt. Erstnutzer werden immer seltener. Das Kundenjagen ist eine fortwährende Kraftanstrengung. Dem Verkauf gehen langsam die Interessenten-Adressen aus. Das Wachsen geht nur mehr zu Lasten des Wettbewerbs. Und es funktioniert, wenn man dem Rabattgeschrei der Unternehmen lauscht, anscheinend fast nur noch über den Preis. Dies führt zu einer Margen-Situation, die ein kurzfristiges Neugeschäft kaum noch rentabel macht.
Bestandskunden hingegen bieten ein oft immer noch unterschätztes, sehr ergiebiges und insgesamt kostengünstig zu bearbeitendes Feld. Gerade dort, wo die Anlaufkosten der Neukundengewinnung hoch sind, erzielt der Ausbau eines profitablen Stammkunden-Geschäfts - gekoppelt mit einem systematischen Empfehlungsmarketing – die höchste Wertschöpfung. Natürlich ist auch das Neugeschäft wichtig, doch Unternehmen leben auf Dauer von ihren Wiederkäufern.
Bestandskundenpflege nach vorn!
Loyalität - und nicht der so gefürchtete Konsumverzicht - ist die schärfste Waffe des Kunden. Denn irgendwann wird jeder wieder kaufen beziehungsweise investieren wollen oder müssen, es fragt sich nur, bei wem. Der Aufbau einer dauerhaften Kundentreue ist somit die vorrangigste unternehmerische Herausforderung der Zukunft. Wer in Loyalitätsmarketing investiert, wird sich erfolgreich von der allgemeinen Marktentwicklung abkoppeln können und liegt in Zukunft vorn.
Das systematische Ausschöpfen des vorhandenen Kundenpotenzials bietet unzählige Chancen zu kostengünstigem und nachhaltigem Wachstum: Loyale Kunden kaufen öfter und sie kaufen mehr. Ihre Wechselfreude ist niedrig. Sie sind weniger preissensibel. Sie haben auch meist eine bessere Zahlungsmoral. Sie sind nachsichtiger, wenn Fehler passieren. Denn sie sind dem Unternehmen wohlgesonnen.
Sie helfen ihm durch passende Ratschläge, Hinweise und Tipps, besser zu werden. Sie geben den Mitarbeitern ein gutes Gefühl und machen sie stolz auf ihren Arbeitgeber. Sie erhöhen ferner die Planungssicherheit. Und sie helfen, Werbeaufwendungen zu sparen. Wer die Loyalität seiner Kunden gewinnt und dauerhaft bewahren kann, generiert kontinuierlich steigende Umsätze und reduziert gleichzeitig seine Kosten.
Blind und taub für den Wettbewerb
Ein durch und durch loyaler Kunde kommt nicht nur immer wieder, er ist auch blind und taub für den Wettbewerb. Er verteidigt seinen Lieblingsanbieter gegen jede Art von Angriffen. Vor allem aber: Er spricht voll Begeisterung über ihn und generiert auf diese Weise die so wertvolle Mundpropaganda. Positive Mundpropaganda ist die Vorstufe zum Empfehlungsgeschäft. Fan-Kunden sind die besten Verkäufer. Als glaub- und vertrauenswürdige Multiplikatoren übertrumpfen sie jede klassische Werbung. Verbunden zu einer Community können sie Unternehmen und Marken schnell ganz weit nach oben hieven. Und all das tun sie kostenlos, freiwillig und gerne.
Das heißt: Nicht nur als Immer-wieder-Käufer, sondern vor allem als aktive Empfehler sind Kunden lukrativ. Empfehlungsbereitschaft ist ein deutlicher Hinweis auf hohe Kundenloyalität. Mangelnde Empfehlungsbereitschaft hingegen ist ein erstes Absprung-Frühwarnsignal. Der amerikanische Loyalitätsexperte Frederick F. Reichheld kam in einem Beitrag für den Harvard Business Manager zu folgendem Schluss: Die im Rahmen einer dreijährigen Studie untersuchten Unternehmen mit der höchsten Zahl an positiven Empfehlern hatten gleichzeitig die höchsten Umsatzzuwächse. Da kann man doch nur noch eines rufen: Her mit der Loyalität!
Bestandskunden loyalitätsbasiert qualifizieren
In der vertrieblichen Praxis ist vielfach zu beobachten, dass Unternehmen kein klares Bild bzw. mangelnde Transparenz über den Grad der Loyalität ihrer Kunden haben. So kann man seine Kunden nach Loyalitätsgesichtspunkten wie folgt qualifizieren:
- Illoyale Kunden: Illoyale Kunden kommen und gehen. Sie sind in aller Regel Preisnomaden, also immer dort, wo es gerade am günstigsten ist - und meistens bei der Konkurrenz. Bei Ihnen tauchen sie höchstens dann wieder auf, wenn Sonderaktionen laufen und Billigpreise geboten werden. Deshalb sind sie selten rentierlich. Sie binden eine Menge Ressourcen und erzeugen dennoch am Ende Negativ-Ergebnisse. Zu beachten: Natürlich können je nach Branche auch Einmalkäufer profitabel sein. Und natürlich bieten auch Einmalkäufer einen Mundpropaganda-, Referenz- und Empfehlungswert.
- Bedingt loyale Kunden: Das sind Kunden, die Gleichartiges bei mehreren Anbietern kaufen. Sie haben zum Beispiel einen Zweitlieferanten oder eine Zweitbank. Es wird dabei auch von geteilter Loyalität gesprochen. Die Gründe dafür sind verschieden. So habe ich auf Geschäftsreisen meine Stammhotels, von meinen Kunden werde ich aber auch anderswo eingebucht. Zwar habe ich eine Lieblingstankstelle, aber manchmal geht mir vorzeitig der Sprit aus. Bedingt loyale Kunden lieben Sie nicht wirklich, hassen Sie aber auch nicht. Sie werden Ihnen treu verbunden bleiben, solange sich nichts Besseres bietet. Sie sind allerdings auch eine Gefahr, denn sie wiegen die Unternehmen in Sicherheit. Latent sind sie nämlich immer wechselbereit.
- Total loyale Kunden: Das sind uns, wenn sie rentabel sind, die liebsten. Sie kaufen fast immer oder ausschließlich beim gleichen Anbieter. Sie sind das Ziel aller Bemühungen im Loyalitätsmarketing. Solche ‚Supertargets‘ lassen sich wie folgt weiter spezifizieren: uneingeschränkt treue Wiederkäufer sowie loyale Botschafter, sogenannte Mundpropagandisten und hochloyale Empfehler. Der Unterschied? Bei der Mundpropaganda geht es vorrangig um das mehr oder weniger meinungsbildende ‚über ein Unternehmen und seine Angebote reden‘, wie zum Beispiel „Ich hab da was gesehen?“ oder: „Hast du das schon gehört?“ Eine Empfehlung impliziert über die reine Kommunikation hinaus einen einflussnehmenden Handlungshinweis, dem in den meisten Fällen eine eigene Erfahrung mit dem jeweiligen Angebot vorausgeht, wie etwa „Kann ich dir besten Gewissens empfehlen.“
Loyalität weiter ausbauen
Haben Ihre Kunden bereits einen gewissen Loyalitätslevel erreicht, heißt es, diesen auszubauen. Das kann bedeuten: Der Kunde kauft mehr, er kauft weitere Leistungen, er kauft öfter oder hochwertiger. Im Business-to-Business-Geschäft kann man systematisch immer tiefer in noch nicht erschlossene Bereiche des Kundenunternehmens vordringen, um weitere Abnahmequellen zu erschließen. Das Ziel ist erst erreicht, wenn der Kunde sein komplettes Potenzial hochrentierlich bei Ihnen abdeckt, wenn er Sie regelmäßig weiterempfiehlt und wenn er Sie gleichzeitig zu seinem Lieblingsunternehmen auserkoren hat.
Bei den total loyalen Kunden gilt es, deren Loyalität zu erhalten oder besser noch, gemeinsam mit der Rentabilität weiter zu steigern. Hierbei ist vor allem Treue zu belohnen, um diese weiter zu festigen. So veranstalteten die schweizerischen Bernie‘ Fashion Stores landesweit am Abend vor dem alljährlich stattfindenden Ausverkauf ein exklusives Nightshopping-Event mit Apéro nur für ihre Stammkunden. Die Zahl der Gäste sowie die Umsätze haben, so Marketingleiterin Patricia Cecilia, sämtliche Erwartungen übertroffen.
Loyalitätsstatus in der Datenbank
Ist die Klassifizierung komplett, lässt sich in der Folge zielsicher in Richtung Loyalität agieren. Analysieren Sie beispielsweise einmal ganz genau, wie Sie an Ihre loyalen Kunden gekommen sind, was sie auszeichnet und wie sie sich verhalten. Welche Muster sind zu erkennen? Und welche davon lassen sich reproduzieren? So können Profile und Prozesse erstellt werden, mit deren Hilfe man systematisch auf die Suche nach neuen loyalen und profitablen Kunden gehen kann. Und man lernt dabei auch, solche Kunden zu meiden, bei denen alle Loyalisierungsbemühungen zwecklos sind. Denn Loyalität lässt sich nicht bei Allen und Jedem erreichen – und schon gar nicht auf die gleiche Weise.
Ist der Loyalitätsstatus definiert, dann sollte dieser nicht nur in der Datenbank gespeichert, sondern beim Aufrufen des Datensatzes auch sofort sichtbar sein. Warum? Damit jeder Mitarbeiter sofort erkennt, wenn er einen kostbaren Kundenschatz vor sich hat. In so einem Fall wird dann zum Beispiel die Buchhaltung - hoffentlich! - in Zukunft keine Standardmahnung mehr versenden, sondern sich etwas loyalisierenderes einfallen lassen. Die Wahl der richtigen Worte kann dabei manchmal kleine Mahnwesen-Wunder bewirken.
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Vertriebsexperte Uwe Reusche im Interview
Herr Reusche, wenn Sie 10 Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen waren in Ihrem Fachbereich wichtig?
Eine der wichtigsten Entwicklungen für uns als Anbieter von vernetzen Entwicklungsarchitekturen (Organisationsentwicklung, Training und Coaching) war und ist der systemische Ansatz, der immer mehr in den Fokus der Entscheider rückt. Ein System zu erfassen, seine Beziehungen zu reflektieren, einen wirksamen Hebel zu finden, weg von der Kausalität erhöht zwar die Komplexität, ermöglicht aber wirksame Lösungsalternativen.
Welche Themen wurden in der Vergangenheit und aktuell Ihrer Meinung nach überschätzt?
Speziell das Thema E-Learning und Blended Learning für verhaltensorientierte Lernprojekte. Es wurde ein großer Hype um das Thema gemacht, es würde die Trainings voll und ganz ersetzen. Ich denke, jetzt hat das Thema seinen richtigen Platz und dient zur Wissensvermittlung. Die neuesten Erkenntnisse aus der Neurobiologie stützen die These, dass verhaltensorientiertes Lernen am Computer nicht umsetzbar ist.
Generell haben sich in den letzen Jahren die Themen die Türklinke gegeben, von Hard Selling über Emotional Selling wieder zu Hard Selling. Was nützt das beste Training dieser Themen, wenn der Teilnehmer aus dem Seminar kommt und im Unternehmen mit seinen neuen Ideen gegen die Wand läuft. Für uns ist Verkaufen etwas höchst persönliches und kommt von innen – eingebettet in organisationale Strukturen, Prozesse und in eine Unternehmenskultur, die Erfolge möglich machen.
Welche Themen werden unterschätzt?
Nach meiner Meinung steht ein großes Thema im Raum, was für viele Verkäufer noch nicht direkt spürbar ist. Im B2B und B2C werden die Märkte immer transparenter, Suchmaschinen vergleichen Preise und Anbieter feilschen auf Internetplattformen um Aufträge. Verkaufen wird sich wandeln und Verkäufer müssen sich auf diese Transparenz einstellen, sonst ist der Berufsstand gefährdet.
Dazu steht die Frage im Raum, wie müssen sich Vertriebseinheiten heute schon vorbereiten, damit sie für die Zukunft gewappnet sind.
Welche Rolle spielt business-wissen.de für Sie als Gastautor?
Business Wissen ist für mich als Leser eine Plattform, über die ich schnell Wissen generieren kann, eine wichtige Voraussetzung um ganz vorne dabei zu sein.
Als Gastautor ist Business Wissen für mich eine gute Möglichkeit, unsere Gedanken, Meinungen und Ideen einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Wir bekommen schnelles Feedback, was wiederum eine Lernschleife ermöglicht
Welche Trends sehen Sie in Zukunft in Ihrem Fachbereich?
Ein alter und zugleich neuer Trend: Wie gewinnen wir neue Kunden. Zwar gilt bei vielen Unternehmen immer noch die Devise: Einen neuen Kunden zu gewinnen kostet mehr als einen bestehenden auszuschöpfen – was grundsätzlich richtig ist. Allerdings, wer heute nichts für seine Zukunft tut, der hat keine. Kunden von heute sind sensibler geworden und wollen in der Zukunft klare Botschaften. „Was macht den Unterschied aus und warum soll ich bei Ihnen kaufen?“ fragen sich viele Kunden, und dazu gehört, nicht nur der Verkäufer, sondern Unternehmen, Produkt, nachhaltiges Wirken und vieles mehr. Wer darauf eine Antwort hat, wer agiert statt reagiert, wer seine Interessenten zu Fans entwickelt, der bleibt in der Zukunft in vorderster Reihe.
Auf welches Thema von Ihnen können sich die Leser freuen?
- Tifosi Strategie – Wie man neue Kunden gewinnt und bestehende mobilisiert – zu echten Fans macht;
- Vertrieb kommt nicht von vertreiben - Der Verkäufer ein Auslaufmodell? Neue Wege für Mehrwertorientierten Vertrieb;
- Werte in der Führung und in der Organisation – hierzu veranstalten wir am 12.5. einen Kongress
- ...und noch viele mehr, die aus dem Moment einer Begegnung mit den Menschen die wir beraten entstehen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reusche!
Serviceerwartungen: Jeder Kunde hat seinen eigenen Anspruch
Einmal-Kunden
Einmalkunden sind durch eine sehr geringe emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen gekennzeichnet. Sie entscheiden sich eher spontan für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Oft handelt es sich bei dieser Kundengruppe um Testkäufe oder Verlegenheitskäufe. In der Regel kaufen Einmalkunden für den Einmalbedarf. Von einer langfristigen Kundenbindung ist daher nicht auszugehen.
Einmalkunden setzen das Serviceangebot in Vergleich mit den „Zusatzleistungen“ andere Anbieter und suchen nach dem besten (zusätzlichen) Mehrwert, der jenseits von Produkt-, Preis- und Verfügbarkeitsentscheidung liegt. Einmalkunden suchen nach der schnellen Überzeugung im Service, die nicht nur im attraktiven Versprechen, sondern auch in der zuverlässigen Einhaltung begründet ist.
Gelegenheitskunden
Gelegenheitskunden, kaufen, was ihnen im Moment am besten gefällt. Sie entscheiden sich eher spontan für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Von einer hohen Bindung zum Unternehmen ist nicht auszugehen. Gelegenheitskunden sind in ihre Erwartung an den Service genauso emotional gestimmt, wie bei der eigentlichen Kaufhandlung: Der Reiz des Momentes entscheidet über Interesse und Zustimmung.
Besondere Serviceangebote können nicht nur die Entscheidungsfreude und Spontanität begünstigen, sondern auch für positive Effekte sorgen, die den Augenblick überdauern und das Interesse des Gelegenheitskunden zurückbringen. Die Besonderheit des Service steht beim Gelegenheitskunden nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber sorgfältige Angebote, die zu Bequemlichkeit und Komfort in der Erwerbs- und Nutzungsphase eines Produktes oder eine Dienstleistung beitragen, sorgen für eine nachhaltige Erfahrung.
Präferenz-Kunden
Präferenzkunden haben eine Vorliebe für den besten Anbieter und zeichnen sich durch eine hohe Zufriedenheit aus. Präferenzkunden gründen ihr Urteil auf Erfahrungen mit einem Anbieter und den Vergleich mit anderen. Eigenschaften von Produkten gehen genauso in die Bewertung ein, wie das Image des Anbieters oder Erlebnisse in der alltäglichen Geschäftsbeziehung. Präferenzkunden suchen auch im Serviceangebot das Beste und machen ihren Entscheid von der Besonderheit, der Güte und der Einmaligkeit in Versprechen und Erfüllung abhängig.
Stamm-Kunden
Stammkunden sind dem Unternehmen sehr treu. In der Regel werden keine Alternativen geprüft. Sie haben Vertrauen in das Unternehmen und an deren Produkte und Dienstleistungen. Stammkunden sind zufrieden mit den Leistungen eines Anbieters und gründen diese Einschätzung auf wiederholte Erfahrungen. Ihr Anspruch an den Service wird gespeist aus der Bewährtheit der bisher angetroffenen Ergebnisse und der Erfüllung eines daraus resultierenden Versprechens.
Die Serviceangebote, die sich ein Stammkunde wünscht, sind in ihrer Zusammensetzung und Beschaffenheit so gestaltet, daß sie neuerliche Entscheide für den Anbieter rechtfertigen. Eine Mischung aus Verläßlichem und Vertrautem, sowie das gewisse Extra, welches die Treue des Stammkunden belohnen kann und dabei hervorragende Voraussetzungen für eine beständige Geschäftsbeziehung schaffen.
Exklusiv-Kunden
Exklusivkunden gelten als regelrechte „Fans“ des Unternehmens. Sie sind dem Unternehmen gegenüber nicht nur treu, sondern auch sehr loyal. Exklusivkunden sind stark emotional an einen Anbieter gebunden: Produktverliebtheit, Markenidentifikation oder Imagebewunderung können dafür verantwortlich sein.
Die besondere Bindung des Exklusivkunden an ein Unternehmen soll sich nach Möglichkeit auch in der Einschätzung der Serviceangebote, in ihrer Einmaligkeit und Einzigartigkeit wieder finden. Der Exklusivkunde möchte auch hier die Alleinstellung des Anbieters erleben und fordert somit unbewusst die Homogenität von Produkt beziehungsweise Dienstleistung und Service.
Gleichwohl erwartet der Exklusivkunde ein Serviceangebot, welches in seiner Beschaffenheit seine besondere Wertschätzung für den Anbieter und Empfehlungsbereitschaft gegenüber anderen Kunden zum Ausdruck bringt.
Weiterempfehlung: Wie Unternehmen geschickt Neukunden gewinnen
Herkömmliche Methoden wie Anzeigen und Post-Mailings haben ihre Wirkungskraft weitgehend verloren. Bedeutet das, dass die Neukundengewinnung schwieriger geworden ist? Nein, die Neukundengewinnung ist zwar die größte Herausforderung unserer Zeit, doch wenn man weiß wie, können Unternehmen diese erfolgreich meistern. Speziell über das Internet lassen sich schnell positive Ergebnisse erzielen. Dabei sollte man sich jedoch einen Punkt klar machen: Durch die zunehmende Globalisierung haben es Kunden mit einer Vielzahl von vermeintlich gleichwertigen Leistungen zu tun und können sich grenzüberschreitend aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten bzw. an wen sie den Auftrag vergeben.
Umso wichtiger ist es, sich als Unternehmen darüber im Klaren zu sein, wie essentiell die Neukundengewinnung ist. Mehrere Faktoren machen die Neukundengewinnung absolut notwendig: Kundenschwund gibt es immer und überall! Hinzu kommt die Gefahr der Abwerbung der eigenen Kunden durch die Konkurrenz. Außerdem ist in manchen Branchen mit dem Kauf/Abschluss auch das Ende der Wertschöpfungskette erreicht, das heißt der Bedarf des Kunden ist erst einmal gedeckt. Umso wichtiger ist es hier, auf effiziente Art und Weise kontinuierlich potentielle Neukunden zu akquirieren.
Die Grundregeln der Neugewinnung
Die Neukundengewinnung unterliegt Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die jeder Unternehmer kennen sollte, weil der mittel- bis langfristige Erfolg von Unternehmen unmittelbar mit dem Erfolg der Neukundenakquise zusammenhängt. Diese entscheidenden Regeln lauten: Kunden werden zunehmend werberesistenter, weil Werbung einfach omnipräsent ist und es die permanente Reizüberflutung schwierig macht, die wirklich wichtigen und nützlichen Informationen herauszufiltern. Durch eine starke Nutzung der herkömmlichen Strategien sinkt außerdem die Responsequote. Was also tun?
Empfehlungen nutzen
Menschen treffen wichtige Entscheidungen selten alleine. Sie unterhalten sich darüber mit Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen oder anderen Gruppen, mit denen sie ein Interessensgebiet verbindet. Menschen greifen auf Empfehlungen zurück, wenn
- die Marktsituation zu komplex und schwer zu überblicken ist.
- Produkte und Denstleistungen erklärungsbedprftig sind.
- die Fachkenntnis fehlt.
- man sich eine Fehlentscheidung nicht leisten kann.
- man sich schwer damit tut, eine Entscheidung zu treffen.
- ein hohes Maß an Vertrauen notwendig ist.
Einer Untersuchung zufolge, die in mehr als 40 Ländern durchgeführt wurde, vertrauen drei von vier Menschen auf die Ratschläge ihrer Freunde und Kollegen und 60 Prozent der Befragten gaben an, je nach gewünschtem Produkt oder benötigter Leistung Blogs und Consumerportale zu nutzen.
Die Überzeugungstechnik im Netz
Ähnlich wie bei einem Verkaufsgespräch unter vier Augen folgt auch die Überzeugungstechnik im Netz idealerweise einer vorgegebenen Struktur. Während der Unternehmer/Verkäufer im persönlichen Gespräch allerdings einen Fehler mit Charme wieder ausbügeln kann, sind die Kunden im Netz gnadenlos. Sie lassen sich nur auf eine Entscheidung ein, wenn sie ein rundum gutes Gefühl haben. Sitzt auch nur ein Argument nicht, ist der Kunde unter Umständen bereits verloren. Ein möglicher Ablauf für eine schlüssige Überzeugungstechnik im Netz könnte sein:
- Beweise;
- Aufforderung zum Handeln;
- Logische Argumente;
- Emotionale Gründe;
- Kundenberichte/Testimonials;
- Aufforderung zum Handeln.
Im Netz lässt sich alles schnell und vermeintlich einfach einstellen und wahrscheinlich kann man gerade deshalb auch so viel falsch machen. Mit einer guten Internetseite alleine ist es noch lange nicht getan. Viel wichtiger ist, dass man gefunden wird. Damit man bei Google und anderen Suchmaschinen möglichst weit vorne gelistet wird, ist es unter anderem hilfreich, den Content der eigenen Webseite regelmäßig zu aktualisieren. Außerdem ist die Vernetzung entscheidend für den Erfolg. Durch den Aufstieg von Business- und Social Network-Plattformen (XING, facebook, myspace und andere) ist ein neuer Weg entstanden, wie Konsumenten über Menschen mit gleichen Interessensgebieten – jetzt allerdings online - an Informationen kommen. In Chatrooms und Foren finden sich schnell Bewertungen von erbrachten Leistungen – was entweder gut oder schlecht für das Unternehmen sein kann. Eines jedenfalls steht fest: Gegen die schnelle und globale Verbreitung im Netz kann kein Unternehmen etwas tun.
Weiterempfehlung durch Mundpropaganda
Regelmäßig weiterempfohlen zu werden und durch reine Mundpropaganda Geschäfte zu machen, ist für Unternehmen wie ein Sechser im Lotto. Schließlich sparen sie sich die häufig mühselige Kaltakquise und bekommen von ihren Kunden oder Bekannten potentielle Kunden empfohlen, die dann nur noch kontaktiert werden müssen. Doch wie entsteht Mundpropaganda? Folgende Faktoren spielen eine ausschlaggebende Rolle, damit Kunden zu Fans werden:
- hohe Qualität von Produkten und Dienstleistungen,
- exzellenter Service,
- Aufmerksamkeit gegenüber Kunden und Interessenten sowie
- aktive Initiierung von Mundpropaganda.
Wenn Produkte Kult werden (Ipod, Mac, Nespresso), werden Kunden zu Fans. Auch wenn dies in manchen Bereichen schwierig nachzumachen ist, können gezielte Maßnahmen dazu beitragen, die Mundpropaganda zu erhöhen. Eine Möglichkeit dafür ist virales Marketing, in dem man die Werbebotschaft auf den ersten Blick nicht immer gleich erkennen kann. So verbreiten sich zum Beispiel kurze Videos auf den entsprechenden Internetplattformen enorm schnell. Man sieht etwas, findet es gut, sendet es weiter und löst eine Kettenreaktion aus. Kleiner Einsatz, große Wirkung – vorausgesetzt natürlich, man schafft es auch hier, wie im persönlichen Umgang mit den Kunden, sich bewusst von der Konkurrenz abzuheben. Den Erfolg von viralem Marketing kann man jedoch nicht präzise messen, da er nicht eins zu eins in Abschlüssen resultiert, sondern häufiger „nur“ zu einer erhöhten Aufmerksamkeit oder einer positiveren Wahrnehmung des Unternehmens-Images führt.
Leistung optimieren - Als Unternehmen zur Marke werden
Nichts ist förderlicher für die Entstehung von Mundpropaganda als die stetige Optimierung der eigenen Leistungen. Dies geschieht, einfach und effizient, mit folgenden Fragen:
- Von all den Leistungen, die sie bereits kennengelernt haben, welche überzeugt sie am meisten?
- Wenn wir uns noch weiter verbessern wollten, wo würden Sie ansetzen? Was wäre Ihnen am wichtigsten?
- Wie würde Ihrer Meinung nach eine perfekte Leistung aussehen?
Fragen machen aus Kunden kostenlose Berater, die ein Unternehmen und dessen Leistungen, Service und Produktpalette objektiver sehen als der Unternehmer oder die Mitarbeiter, die oft mit „Betriebsblindheit“ zu kämpfen haben. Das Image eines Unternehmens und die Emotionen der Kunden bilden eine Marke, die wiederum die Kundenbindung erhöht beziehungsweise die Kunden zu Fans macht.
In vier Schritten zur Weiterempfehlung
Nicht immer ist es einfach, den Kunden um eine Weiterempfehlung zu bitten oder ihn danach zu fragen. Damit tun sich vor allem Menschen schwer, die selbst keine Empfehlungen aussprechen. Trotzdem sollte man sich als Unternehmer/Verkäufer einmal an diesen Bereich heranwagen, vielleicht am besten in folgenden vier Schritten:
1. Die Nachmotivation
Welche logischen und emotionalen Gründe haben zum Kauf/Auftrag geführt? „Frau Schmidt, was hat Sie letztendlich überzeugt, diesen positiven Schritt zu wagen?“
2. Die Vorfokussierung
Versetzen Sie Ihren Kunden in die Zukunft, damit Emotionen aufkommen können. „Wie wird sich Ihre Zukunft dadurch positiv verändern?“
3. Die Empfehlungsfrage
Fragen Sie nicht, ob Ihr Kunde jemanden kennt, sondern wen er kennt. Nennen Sie zur Unterstützung Wirkungskreise (Arbeit, Kindergarten, Verein und andere) oder verwenden Sie das Wort spontan etwa wie in der folgenden Formulierung „Wer aus Ihrem Freundeskreis fällt Ihnen spontan ein, der ebenfalls Interesse haben könnte?“, „Wer von Ihren Kollegen würde ebenfalls gerne…?“
4. Qualifizierung der Empfehlung
Ermitteln Sie die Gründe, die den Empfehlungsgeber dazu bewogen haben, gerade diese eine Person zu empfehlen. Fragen Sie alle wichtigen Details ab, damit Sie für den Kontakt gut vorbereitet sind. Anschließend stellen Sie eine hypothetische Frage: „Angenommen, Sie wären an meiner Stelle, was würden Sie anbieten?“
Fazit
So vorbereitet, gelingt der Erstkontakt zum Empfohlenen erfahrungsgemäß gut. Werden nun über den kompletten Kontakt- und Verhandlungszeitraum beide Seiten (Empfehlungsgeber und Empfohlener) regelmäßig über den Verlauf informiert, entsteht eine win-win-Situation und der Unternehmer kann auf Kaltakquise getrost verzichten. Kunden überzeugen Kunden nun einmal am allerbesten! Durch Weiterempfehlung können Verkäufer Kunden noch stärker an das Unternehmen und die Marke binden. Schließlich empfiehlt niemand weiter, wovon er nicht selbst überzeugt ist.
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Feilschen: Wie Verkäufer ihren Preis durchsetzen können
Eigentlich fing alles ganz einfach an: Unsere Vorfahren tauschten die Waren, die sie entbehren konnten, mit anderen Menschen aus und erhielten dafür, was ihnen fehlte. Ein faires und einfaches Geschäft. Doch spätestens seit der Einführung von Zahlungsmitteln gestaltet sich das Ganze nicht mehr so einfach. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Kunde von Mündigkeit über Selbstbewusstsein bis hin zur Revolte entwickelt. Wer nicht feilscht, ist selbst schuld!
Geiz ist geil! Mit solchen markanten Sprüchen wurde der Kunde regelrecht scharf gemacht – abgerichtet, keinen Preis einfach so zu akzeptieren, sondern immer nach Preisnachlässen, Sonderkonditionen, Mengenrabatten oder Zusatzleistungen zu fragen. Wie hoch, niedrig, günstig, fair oder angemessen ein Preis ist, steht nicht mehr nur aufgrund der Kalkulation des Herstellers oder Händlers fest oder wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern liegt längst im persönlichen Empfinden des Kunden beziehungsweise dessen Fähigkeit des Verhandelns.
„Rabatt und Skonto, lass dir sagen, wird vorher immer draufgeschlagen!“ Dieser Satz aus dem Volksmund beinhaltet viel Wahres. Auch, wenn uns vorgemacht wird, dass alle Preise verhandelbar sind, stellt sich doch die Frage, wo dann noch eine faire Kalkulationsgrundlage vorhanden ist und vor allem, wie der Kunde tatsächlich den Wert der Ware mit allen Attributen vergleicht. Wenn Preise seriös kalkuliert sind, sollten sie auch für alle Kunden gleich gelten, ansonsten würden ja Kunden, die nicht handeln, mit einem höheren Preis regelrecht bestraft. Das Thema Preis ist also für beide Seiten – Kunden wie Verkäufer – ein heikler Bereich, mit dem sich gerade Verkäufer vor ihren Kundengesprächen unbedingt gedanklich intensiv auseinandersetzen müssen. Folgende Strategien helfen Verkäufern dabei, die Preisthematik zukünftig etwas aktiver zu betrachten:
1. Der Preis im Kopf des Verkäufers
Viele Verkäufer glauben schon auf dem Weg zum Kunden fest daran, dass dieser die Ware als zu teuer einstufen wird: „Der wird mir eh sagen, dass wir zu teuer sind!“ Eine solche self-fulfilling prophecy hat einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie erfüllt sich, wie der Name schon sagt, mit hundertprozentiger Sicherheit, selbst. Und falls nicht, gibt es ja immer noch den Verkäufer: Spricht der Kunde den Preisaspekt nicht an, bringt manch ein Verkäufer, unbewusst so mit der Preisspirale in seinem Kopf beschäftigt, den Kunden erst auf den Gedanken. Natürlich muss ein Verkäufer sich mit dem Wert der Leistung auseinandersetzen und auch wissen, wo er denn im Vergleich zum Wettbewerb steht, allerdings gibt es auch noch andere, weitaus wichtigere und wertvollere Aspekte im Verkaufsgespräch.
2. Mit Leistungen begeistern
Kommt der Kunde auf den Preis zu sprechen, ist es nicht damit getan, Phrasen zu dreschen oder auswendig gelernte Kommunikationsstrategien anzuwenden. Viel wichtiger ist es, ganz individuell auf den Kunden und die Gegebenheiten einzugehen. Die Frage ist: Wie taktieren Verkäufer am geschicktesten? Versteht es der Verkäufer, den Spannungsbogen geschult und witzig aufzubauen, ist ihm die Aufmerksamkeit des Kunden am Ende des Gesprächs gewiss und er kann den Preis regelrecht zelebrieren.
Über eines sollte sich der Verkäufer im Klaren sein: Sobald der Preis genannt ist, ist das Verkaufsgespräch meistens zu Ende! Schlecht ist, wenn es der Verkäufer bis dahin nicht geschafft hat, den Nutzen beziehungsweise die Leistungen über die reine Ware hinaus zu präsentieren. Sicherlich versucht der Kunde, schnell auf den Preis zu sprechen zu kommen. Natürlich hat er keine Zeit und will möglichst schnell eine Information, um zu vergleichen, die Frage ist nur, mit was? Lernen Sie, dem Kunden nicht immer gleich das zu geben, was er will!
3. Äpfel mit Birnen vergleichen
Kunden haben nur in den seltensten Fällen tatsächlich eine reale Vergleichsmöglichkeit und erfolgreiche Verkäufer kommunizieren dies, wenn der Kunde fragt: „Was kostet es?“, ganz offen und ehrlich: „Welche Vergleichsmöglichkeit haben Sie, wenn ich Ihnen keine Leistungen aufzeigen kann?“
Der Preis alleine sagt schließlich nichts über die Wertigkeit der Ware (Qualität der verwendeten Materialien u. a.) und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens (Service u. a.) aus. Statt auf die Frage nach dem Preis immer mit dem Preis zu antworten, reicht es manchmal schon aus, wenn der Verkäufer den Kunden einfach nur zum Nachdenken bringt: „Nach welchen Gesichtspunkten bewerten Sie Produkte und Dienstleistungen?“ oder „Was war die größte Innovation bei ihrem jetzt eingesetzten Produkt in den letzten zwei Jahren?“ Und schon ergeben sich neue Gesprächsimpulse oder Ansatzpunkte für einen neuen Gesprächstermin.
4. Fremd gesteuert durch Rabatte des Wettbewerbs
Von einem Lieferanten bekommen Handwerker bei der Abnahme einer bestimmten Liefermenge ein Fahrrad, vom anderen gleich eine Reise nach Mallorca. Ob Motorradtour im Bayerischen Wald, Hubschrauberrundflug oder Familienausflug ins Freizeitparadies – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, sich in der Rabattschlacht zu übertreffen. Erstaunlich, dass Verkäufer und Unternehmen sich irgendwann nur noch damit beschäftigen, was man dem Kunden als Zusatzrabatt denn Besseres als die Konkurrenz anbieten könnte. Alle Kräfte des Verkäufers sind darauf konzentriert, statt sich mit den tatsächlichen Bedürfnissen des Kunden auseinanderzusetzen. Auch hier könnte eine Frage helfen, dem Kunden zu zeigen, wem auf Dauer eine wertvolle Partnerschaft wichtiger ist: „Wie bewerten Sie die Leistungsfähigkeit des Produktes?"
Nur schwache Verkäufer verkaufen über den Preis
Geht es um das Thema Preis, sehen sich Verkäufer oft in der Rolle des Schwächeren. Der Kunde hat alle Macht, feilscht auf Teufel komm raus, und wenn ich nicht mitgehe, kauft er seine Ware eben bei einem anderen Anbieter. Erst wenn es Verkäufern gelingt, dieses Eigenbild umzuwandeln, schaffen sie es, den Preis nicht mehr als Gefahr, sondern als Freund zu sehen, denn: Nur schwache Verkäufer verkaufen über den Preis, starke Verkäufer verkaufen über die Leistungsfähigkeit – der eigenen Persönlichkeit, der Ware/Dienstleistung und des gesamten Unternehmens.
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Kompetenzaufbau Vertriebsleiter: Unfähigkeitsfaktor erhöhen
Vielleicht erkennen Sie sich in einem Verkäufer wieder, der folgendes denkt:
„Ich bin sehr ehrgeizig und auf der Karriereleiter rasch immer höher gestiegen. Ich habe einen Karrieregipfel nach dem anderen erstürmt. Dazu habe ich mich regelmäßig weitergebildet, um meine verkäuferischen Kompetenzen auf- und auszubauen. Es ging eigentlich wie von selbst. Schließlich habe ich den nächsten Quantensprung gewagt und mich in meiner Firma für die vakante Position als Vertriebsleiter beworben. Aber in der neuen Funktion komme ich gar nicht klar. Jetzt ist mir zugetragen worden, dass zwei Verkäufer mein Team unbedingt verlassen wollen. Ich befürchte, ich bekleide eine Position, für die ich einfach nicht geeignet bin.“
Der Verkäufer ist an die Grenzen seiner Fähigkeiten gestoßen – er befindet sich auf der Stufe seiner persönlichen Unfähigkeit (=Unfähigkeitsfaktor).
Gipfelunfähigkeit durch mangelhafte Ausrüstung
Diejenigen Qualifikationen, die Sie zu einem Top-Verkäufer gemacht haben, genügen in der Regel nicht, um auch als Führungskraft erfolgreich zu sein. Natürlich: Ihre Fähigkeit zum kundenorientierten Denken und zur nutzenrelevanten Argumentation hilft Ihnen, sich als Führungskraft in die Rolle Ihrer Mitarbeiter zu versetzen: Man kann Ihnen nichts vormachen, denn Sie selbst haben jahrelang erfolgreich akquiriert, beraten und verkauft – Sie sind und waren ein Top-Verkäufer. Nur: Das ist für die Position eines Vertriebsleiters nicht entscheidend!
Denn ein Vertriebsleiter muss die Zahlen seiner Abteilung im Griff haben, mit anderen Leitungskräften um Ressourcen kämpfen, neben der Kundenorientierung Mitarbeiterorientierung an den Tag legen und Mitarbeiter zum Erfolg coachen. Wobei diese Mitarbeiter oft genug demotiviert und wenig engagiert zu Werke gehen, und zwar aus den verschiedensten Gründen.
Dies ist übrigens ein Denkfehler, der oft für das Scheitern der „Gipfelstürmer“ verantwortlich zeichnet: Das Engagement und die Motivation, die sie selbst als Verkäufer gezeigt haben, erwarten sie auch von ihren Mitarbeitern – und sind erstaunt bis entsetzt, wenn der Selbstmotivationsfaktor der Verkäufer zu wünschen übrig lässt.
Das heißt: Als Führungskraft benötigen Sie eine viel umfassendere Ausrüstung als diejenige, die Ihnen zu Ihren Verkaufserfolgen verholfen hat – eine Ausrüstung, die Sie sich durch eine Aus- und Weiterbildung zum Vertriebsleiter aneignen können. Daraus ergeben sich drei Konsequenzen:
Konsequenz 1: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet …“
Vertriebsleiter in spe sollten sich fragen – und dazu auch Fremdeinschätzungen einholen –, ob sie die notwendige Einstellung haben, um sich zu einer guten Führungskraft zu entwickeln. Stellen Sie sich den Extremfall vor, Sie haben es als Vertriebsleiter mit demotivierten Querulanten zu tun, die ständig an ihrer Arbeit herumnörgeln, sich mit ihrer Tätigkeit als Verkäufer nicht identifizieren und den Acht-Stunden-Tag für eine Ausgeburt ausbeuterischer Arbeitgeber halten: Wie reagieren Sie? Stellen Sie sich der Herausforderung? Sind Sie tatsächlich für diesen Beruf geeignet? Grundsätzlich gilt: Es ist besser, im Mittelgebirge als Verkäufer Verkaufsgipfel zu erstürmen, als im Himalaya als schlechte Führungskraft unter Atemnot zu leiden.
Übrigens – wenn Sie die notwendigen Führungsfähigkeiten mithilfe einer Ausbildung zum Vertriebsleiter aufbauen wollen: Achten Sie darauf, dass das Ausbildungsinstitut Sie intensiv über den genauen Ablauf des Ausbildungsganges informiert und Ihnen die Vorteile und den Nutzen, aber auch die Stolperfallen aufzeigt, die dieser Beruf, der immer auch Berufung sein sollte, mit sich bringt.
Und vielleicht bietet das Institut überdies einen Kompetenzcheck an, mit dem Sie analysieren, über welche der Fähigkeiten, die jede Führungskraft haben muss, Sie verfügen – und welche Sie noch auf – und ausbauen sollten.
Konsequenz 2: Ohne Menschenführung geht gar nichts
Ob der Vertriebsleiter nun eine vertrauensvolle Beziehung zum Verkäufer aufbauen will, ob er ihn anlassbezogen loben oder kritisieren oder ihm produktives Feedback geben möchte: Immer muss er wissen, mit welchem Menschen er es zu tun hat und einschätzen können, wie der einzelne Verkäufer auf seine Führungsarbeit reagiert. Als Führungspersönlichkeit führen Sie keine Mitarbeiter – sondern Menschen.
Dieses menschenorientierte Führen lässt sich erlernen, und zwar indem Sie ein breit gefächertes Führungsinstrumentarium erwerben, das es Ihnen erlaubt, auf verschiedene Menschen in verschiedenen Situationen differenziert einzugehen.
Ihr Ziel sollte sein, bereits vor der Übernahme der Führungsverantwortung diese Instrumente nicht nur kennenzulernen, sondern sie überdies konkret in der Führungsarbeit anzuwenden. Wie aber soll das gehen? Manche Ausbildungsinstitute haben in ihre Aus- und Weiterbildung zum Vertriebsleiter die Möglichkeit integriert, das Führungs-Know-how in sogenannten Umsetzungsphasen einzusetzen, also vorab „Gipfelluft“ zu schnuppern.
Konsequenz 3: Die Bereitschaft, Menschen zum Erfolg zu coachen
Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten verbringen den Großteil ihrer Zeit mit ihren Mitarbeitern. Sie unterstützen sie dabei, Spitzenleistungen zu erbringen. Es geht nicht darum, als Führungskraft Meetings zu planen oder am Schreibtisch Zielvorgaben zu formulieren. Führungspersönlichkeiten coachen ihre Mitarbeiter zum Erfolg – sie sind weniger Führungskraft, vielmehr Begleiter und Berater auf dem Weg zu den selbst gesteckten Zielen des Mitarbeiters.
Das wiederum erfordert eine individuelle Zugangsweise zum Verkäufer: Sie legen Ihr Herzblut darein, die persönlichen Verkaufskompetenzen eines Menschen zu stärken und seine Kompetenzlücken durch individuelle Entwicklungspläne und Fördermaßnahmen zu schließen. Coaching heißt, sich voll und ganz mit einem Mitarbeiter auf eine Wellenlänge zu begeben und auf der Persönlichkeitsebene und Verhaltensebene eng mit ihm zusammenzuarbeiten, sodass er seinen Karrieregipfel als Verkäufer erklimmen kann.
Fazit
Erinnern Sie sich noch an unseren Verkäufer, der als überforderter Vertriebsleiter vor dem Dilemma steht, dass zwei Mitarbeiter aus seinem Team fliehen wollen? Die Gefahr droht, dass er allein in eisiger Gipfelhöhe überwintern muss, weil er nicht kompetent genug ist, sein Team zu führen.
Der Ausweg besteht darin, ständig seinen Unfähigkeitsfaktor zu erhöhen, also die Grenzen auszuweiten, auf die Sie stoßen, sobald das Anforderungsprofil Ihrer neuen Führungsposition Ihr Qualifikationsprofil als Führungskraft übersteigt. Die ständige Überprüfung und Erweiterung Ihrer Kompetenzen sorgt für eine Balance zwischen Ihren Fähigkeiten und den Ansprüchen, die die Führungsposition an Sie stellt.
[Bild: Albert Ziganshin - Fotolia.com]
Verkaufsmarathon: 12 Stunden Verkaufstraining am Stück
Der Anlass für sein ungewöhnliches Veranstaltungskonzept war für Köhler der Wunsch danach, etwas Neues anzubieten. Er versucht dies mit einer pfiffigen Idee. Das thematische Motto der Veranstaltung ist der Ironman auf Hawaii. Startnummern statt Namensschilder und hawaiianische Blumenkränze erwarten die Teilnehmer. Ob im beruflichen oder im sportlichen Wettkampf - es sind für Köhler die gleichen Bausteine, die zur Höchstleistung führen: Selbstvertrauen, Strategie, Ausdauer, Euphorie, Energie, Leidenschaft und Spaß.
Aus diesem Grund ist er nur an Teilnehmern interessiert, die das Potenzial zum Erfolg in sich tragen. Der Verkaufsexperte stellt klar:
„Wer jetzt schon jammert: „Och, so lange und dann noch in meiner Freizeit!“ – den suche ich nicht! Es treffen sich Leute, die entschlossen sind, 2010 zu ihrem besten Jahr zu machen! Die anderen sollen zu Hause auf dem Sofa bleiben.“
Um die Aufmerksamkeit der Teilnehmer über 12 Stunden lang aufrecht zu halten, holt sich Köhler Unterstützung. Unter anderem von der Hauptdarstellerin des Kölner Musicals „Hairspray“ Deborah Woodson, der Stimme des ZDF Stefanie Mau und vom Gesundheitsexperten Slatco Sterzenbach. So will er statt eines trockenen Trainingstages eines der heißesten Events des Jahres 2010 veranstalten.
Hinweis
Auch unsere Redaktion begibt sich auf das 12 Stunden Nonstop-Vortragstraining. Wir möchten miterleben, wie und ob es dem Verkaufstrainer Hans-Uwe L. Köhler gelingt, die Seminarteilnehmer bei Laune zu halten. Dazu befragen wir Teilnehmer und beobachten sie während des Trainings. Das Ergebnis präsentieren wir Ihnen im Anschluss daran auf www.business-wissen.de [64] .
Hier gelangen Sie zum Nachbericht des Verkaufsmarathons:
Verkaufen ist ein Marathon [65]
Was die Teilnehmer davon haben
Laut Köhler würden die Teilnehmer durch das Seminar mehr Selbstvertrauen bekommen, die Idee einer Verkaufsstrategie entwickeln sowie die Erkenntnis erlangen, wie wichtig Ausdauer für den Erfolg ist. Dazu bekämen sie mehr Energie für die Verkaufsleidenschaft, Euphorie als Antrieb und hätten Spaß am Erfolg.
Aber nach diesem langen Tag ist es noch nicht vorbei: 42 Wochen werden die Teilnehmer weiterhin betreut. In diesem Follow-up Coaching sollen die Verkäufer immer wieder daran erinnert werden, was sie auf dem Verkaufsmarathon gelernt haben und dies auch umsetzen. Köhler sagt:
„Der eigentliche Verkaufsmarathon beginnt am Ende der Veranstaltung! Alle Starter erhalten direkt am Ende des Tages ein Roadbook, in dem allerdings wesentliche Inhalte fehlen. Jeden Montag bekommen alle eine Mail mit weiteren Informationen, um gezielt am persönlichen Erfolg zu arbeiten. Alle Fragen werden beantwortet und stehen allen Startern zur Verfügung.“
Der motivierte Verkaufstrainer Köhler hat keine Angst vor der physischen und psychischen Belastung eines 12-stündigen Vortrages. Er fühle sich fit und werde auch fit sein. Seine Motivation sei es, Dinge besser machen zu können, als das allgemein erwartet werde.
Informationen zur Veranstaltung
Wann: 20. März 2010 von 10 bis 22 Uhr
Wo: Casino in der Zeche Zollverein in Essen
Was: 12 Stunden Nonstop-Vortragstraining, 362 Sieger, 1 Trainer und 42 Wochen Follow-Up Coaching
Thematisches Motto der Veranstaltung: Ironman auf Hawaii
Anmeldung: anmeldung@verkaufsmarathon.de [66]
Weitere Infos: www.verkaufsmarathon.de [67]
[po; Bild: Adrian Hillman - Fotolia.com]
Eilige Käufer: Werbebotschaften müssen schnell vermittelt werden
Welche Aktionen zur Verkaufsförderung angesichts einer geringeren Verweildauer der Käufer in den Märkten am besten funktionieren, haben die Lebensmittel Zeitung (Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main) und die UGW Communication in der umfangreichen Verbraucherbefragung POS-Marketing-Report 2009|2010 erhoben. Hier einige Ergebnisse:
- Entgegen ihrer Planung kaufen die Kunden etwas undisziplinierter ein als noch vor zwei Jahren. Gepaart mit einer geringeren Verweildauer in den Märkten bedeutet dies, dass Werbebotschaften am POS noch schneller und klarer kommuniziert werden müssen.
- Die Kundentreue bei der Einkaufsstättenwahl ist im Vergleich zu 2007 wieder gestiegen. Dies könnte ein Indiz für die Besinnung auf Bewährtes in Zeiten der Krise sein. So werden auch altbewährte Marken in unsicheren Zeiten von rund der Hälfte der Verbraucher verstärkt gekauft.
- Die wichtigsten Faktoren der Einkaufsstättenwahl sind "Frische der Produkte" und "Sauberkeit des Marktes". Zudem sind die Konsumenten aber auch preisbewusst und achten auf das "Preis-Leistungs-Verhältnis".
- Besonders hohen Einfluss auf die Kaufentscheidung haben Angebote mit klar nachvollziehbarem "Mehr"-Wert wie Multi-Buy-Aktionen oder Mehr-Inhalt-Offerten. Von den verschiedenen kaufaktivierenden Mechaniken besitzen personalgestützte Promotions, Zugaben und Couponing nach wie vor die höchste Durchdringung bei den Shoppern. Mit einer Kaufrelevanz von fast 50 Prozent haben Personal Promotions einen sehr hohen Absatzhebel.
Zur Studie
Die Studie POS-Marketing-Report wird im jährlichen Turnus erstellt und basiert alle zwei Jahre auf einer Befragung von Verbrauchern vor Märkten des Lebensmittelhandels inkl. Drogeriemärkte. Der POS-Marketing-Report 2009|2010 ist für 275 Euro zzgl. Versandkosten und MwSt. unter www.lz-net.de/pos-marketing-report [68] beziehbar.
[po; Quelle: Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag; Bild: Fotolia.com]
Loyalitätsfokussiert: Kundenbindung bestimmt den Geschäftserfolg
Spätestens seit der globalen Strukturkrise 2008/2009, die ja vor allem eine Vertrauenskrise war, ist klar: Wir leben in einer neuen Business-Welt. Der wahre Treiber dieser Zäsur? Das Web 2.0 mit seinen partizipativen Mitmach-Möglichkeiten. Der Begriff, Ende 2005 von Tim O'Reilly [69] populär gemacht, markiert das Ableben des Von-oben-nach-unten-Monologs und den unumkehrbaren Beginn eines gleichrangigen Dialogs zwischen Unternehmen und ihren Anspruchsgruppen (Stakeholder). Das Web 1.0 stand für Produkte und Handel, das Web 2.0 steht für Menschen und Gespräche.
Das, was schließlich zur Krise führte, war wohl das letzte Aufbäumen, um im alten System noch einmal kräftig abzusahnen. Nun wissen wir jedenfalls, was passiert, wenn der schnelle Dollar mehr wert ist als der treue Kunde. Und wir haben gelernt: Der größte Luxus im Business ist Menschlichkeit.
„Es ist ein geradezu tragisches Versagen, dass Unternehmen durch Management genau der Qualitäten beraubt werden, die uns zu Menschen machen: unsere Lebenskraft, unser Einfallsreichtum und unsere Hilfsbereitschaft“,
sagt Gary Hamel, Buchautor und Direktor von The Management Lab, in einem Beitrag für den Harvard Business Manager.
Die neue Business-Welt
Es ist nun höchste Zeit für neue Umgangsformen mit den Kunden - und der Gesellschaft. Ex-und-hopp ist passé. Moralische Werte und ethische Konsumbedürfnisse bestimmen zunehmend das Marktgeschehen. Die Märkte der Zukunft verkaufen soziale Verantwortung und Lebensqualität.
„Zu den Gewinnern und Marktführern von morgen gehören die Unternehmen, die Zufriedenheit und Sinn vor die Profitmaximierung stellen“,
meint Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut. Die Sinnkomponente hat schon längst auch die Arbeitswelt erfasst. Und so sagt es Philipp Schindler, Europachef von Google, der besten Unternehmensmarke 2009:
„Erfolg ist, wenn Kunden und Mitarbeiter glücklich sind.“
Das stimmt! Denn wo die Stimmung stimmt, da stimmen am Ende auch die Ergebnisse.
Die Web-2.0-Welt steht für Freiheit, für Interaktion, Kollaboration und die ‚Weisheit der Vielen‘ (James Surowiecki). Sie steht für Open Source statt Closed Loop. Geschlossene Kreise und Kästchendenke sind Relikte aus dem letzten Jahrhundert. Open Innovation ist nunmehr gefragt. Anstatt also in immer schnelleren Zyklen selbsterfundene Produkte per Ein-Weg-Werbung in den Markt zu drücken, gehen zukunftsorientierte Unternehmen mit ihren Kunden eine lernende Beziehung ein, in der letztere das Sagen haben. Kundenbindung ist dabei ein Auslaufmodell. „Fesselspiele“ mit Kunden funktionieren nicht mehr. Loyalität ist vielmehr gefragt. Sie kann durch nichts erzwungen werden, sondern findet immer freiwillig statt.
Loyalität im Wertewandel
Um schließlich eine hohe Kundenloyalität zu erreichen, müssen Anpassungen in den unterschiedlichsten Bereichen vorgenommen werden: in der Unternehmensorganisation, in der Vertriebskultur, bei den Anreiz-Systemen, bei den Mitarbeiter-Funktionen, in den Service Centern und im Prozessmanagement. Das muss auch heißen: Aufhören, sich auf Kosten der Bestandskunden zu Tode zu sparen. Und das kann heißen, kleiner statt größer zu werden. Kleinsein kann große Wettbewerbsvorteile mit sich bringen. Die Dinosaurier der Wirtschaft, die sich zum Nachteil der Gemeinschaft mästen, werden wohl sterben. „Raubtierkapitalismus ruiniert sich selbst. Wer Erfolg hat, indem er die Dummheit und Schwäche der anderen ausnutzt, zerstört damit die Umwelt, in der er Erfolg haben kann.“, sagt der Medienphilosoph Norbert Bolz.
Gewiss: Man kann nur mit den Waffen kämpfen, die man kennt. Oder, wie es die Literaturprofessorin Gertrud Höhler sagt: „Männer wollen Schlachten wiederholen, in denen sie siegreich waren.“ Und so ist Rückfall vorprogrammiert. Die Ewiggestrigen müssen deshalb ausgetauscht werden. Dazu noch einmal Gary Hamel: „Um Unternehmen mit dem Rüstzeug für die Herausforderungen der Zukunft zu versehen, bräuchte es eine Managementrevolution, die nicht weniger bedeutend ausfallen dürfte als die Revolution, die zur Entwicklung der modernen Industriegesellschaft führte.“
Kooperation statt Konfrontation
In den neuen Geschäftsmodellen tritt das sinnvolle Teilen an die Stelle von einseitigem Abschöpfen. Der ewige Männertraum von Eroberung und Unterwerfung funktioniert nicht mehr. Die These vom ‚Social Brain‘ setzt sich immer mehr durch. Sie besagt, dass Menschen nicht primär auf Egoismus und Konkurrenz ausgerichtet sind, sondern auf Zuwendung und gelingende zwischenmenschliche Beziehungen. Erst wenn diese enttäuscht werden, reagieren wir mit Angriff. Aggression ist also ein Notfallprogramm. Vorauseilende Aggressivität ist pathologisch. Ein dauerkompetitives Umfeld macht nicht nur die Mitarbeiter, sondern schließlich ganze Unternehmen krank. Man kann auch erfolgreich sein, ohne zu zerstören. Man kann Gewinne erzielen und gleichzeitig die Welt verbessern.
Die neue Net Generation zeigt, wie das geht. Sie hat den Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft eingeläutet. Sie ist dabei, das Berufsleben und die Art, wie man Geschäfte macht, grundlegend neu zu definieren. Ihre größte Stärke? Das Wissen, wie sich aus vernetzten Strukturen Vorteile schöpfen lassen. So zeigt sie den ‚Analog Seniors‘, wo es in Zukunft langgeht:
- Kooperation statt Konfrontation;
- Gleichrangigkeit und Selbstorganisation;
- Dialog und Interaktion;
- Teilen und Partizipation;
- Transparenz und Wahrhaftigkeit;
- Kreativität und Schnelligkeit;
- Beiträge leisten und helfen wollen.
Den Unternehmen, die solche Werte leben, wird ein Großteil der Kunden die Treue halten.
Die Meilensteine im Loyalitätsmarketing
Loyalität ist heute ein rares Gut, denn die Wechselbereitschaft der Kunden ist groß. Mit einem hastig aufgesetzten Customer Retention Programm, das dazu dienen soll, flüchtende Kunden aufzuhalten, ist es nicht getan. Isolierte Aktiönchen verpuffen. Loyalität geht jeden im Unternehmen an. Wer nach den großen Trittsteinen sucht, dem kann ich die folgenden empfehlen:
- Verstehen, wie Loyalität funktioniert;
- Loyalität in die Unternehmenskultur einweben;
- Mitarbeiter als Kunden-Glücklichmacher befähigen;
- Kunden als Mitgestalter und Mitentscheider involvieren;
- Kundentreue hegen, pflegen und belohnen;
- Fan-Kunden als Promotoren und kostenlose Verkäufer gewinnen;
- Loyalitätsführerschaft zum strategischen Ziel erklären.
Im Einzelnen geht es um eine Summe von Details, die, wie ein Puzzle richtig zusammengelegt, schließlich ein großes Ganzes namens Loyalität ergeben. Jedem Unternehmen stellt sich dabei die Aufgabe, Schritt für Schritt seine eigene, unverwechselbare Handschrift in Sachen Loyalität zu entwickeln. Und zwar erst im Innen, dann im Außen.
Nur mit rentablen, durch und durch loyalen Kunden kann es eine langfristige unternehmerische Zukunft geben. Und das ist ein hehres Ziel. Denn die anspruchsvollen und selbstbewussten Kunden von heute werden sich vieles einfach nicht mehr bieten lassen. Ihre beste Waffe heißt Loyalität. Wer die Loyalität seiner Kunden erhält, der braucht sich nicht aufzudrängen, der zieht seine Kunden wie magisch an - und kann sie immer wieder neu verführen. Loyalitätsführerschaft heißt das neue Ziel.
Buchtipp
Von Anne M. Schüller
Kunden auf der Flucht? - Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten [70]
[Bild: Stefan Rajewski - Fotolia.com]
Vergütung im Vertrieb: Viele Unternehmen sind unzufrieden
Die Studie offenbart, dass die Mehrheit der Unternehmen lieber ihre Vertriebsziele der allgemeinen Wirtschaftslage anpasst, als grundsätzliche Veränderungen vorzunehmen. Viele Unternehmen haben sich zunächst für die abwartende Haltung entschieden und einschneidende Veränderungen vermieden, so Thomas Aleweld, Vergütungsexperte bei Hewitt Associates.
Unternehmen reagieren langsam
Die Verbreitung von Long-Term-Incentives (langfristige Vergütungsanreize) hat überraschend zugenommen. 41 Prozent der befragten Unternehmen nutzen dieses Instrument, um Spitzenkräfte im Unternehmen zu halten. Dagegen haben nur sehr wenige Firmen mit der Einführung von zusätzlichen kurzfristigen Leistungsanreizen auf die Krise reagiert: Eine Extra-Prämie in Höhe von durchschnittlich lediglich acht Prozent für die Erreichung bestimmter Ziele wurde zusätzlich zu den vorhandenen Vergütungsbestandteilen eingeführt. Thomas Aleweld sagt:
„Wir haben ein deutlich höheres Engagement auf Unternehmerseite erwartet, um auch in diesen schwierigen Zeiten zum einen Mitarbeiter zu herausragenden Leistungen zu motivieren und zum anderen Leistungsträger überdurchschnittlich entlohnen zu können.“
Vertriebsergebnis spielt in der Zielsetzung die größte Rolle
Die Ziele der Vertriebler beruhen in erster Linie auf drei Erfolgskriterien: Das Vertriebsergebnis des Vorjahres wurde von 29 Prozent der befragten Unternehmen genannt, gefolgt von der Ausschöpfung des Marktpotenzials (23 Prozent) und der historischen Vertriebsergebnisentwicklung (17 Prozent). Alewald:
„Eine optimale Vergütungspraxis ist transparent, konsistent und hat Spielraum. Viele Vergütungspläne ermöglichen eine Anpassung der vereinbarten Ziele, wobei wir hier zu Vorsicht raten. Denn laut der Studie erlauben mehr als 40 Prozent der Unternehmen eine Anpassung der Zielvereinbarungen ohne die Information bzw. Kontrolle durch einen weiteren Mitarbeiter. Dieses Vorgehen ist gefährlich, untergräbt die Glaubwürdigkeit eines Vergütungsplans und impliziert einen möglicherweise unstrukturierten und vagen Zielsetzungsprozess.“
Erzielte Erträge sind wichtigstes Erfolgskriterium
70 Prozent der Unternehmen bemessen den Erfolg eines Vertriebsmitarbeiters anhand der erzielten Erträge, 52 Prozent nutzen den Parameter Umsatz und 48 Prozent die Marge. 23 Prozent leiten den Vertriebserfolg aus der Kundenzufriedenheit ab.
Zur Studie
Für die Studie „European Sales Compensation Survey“ befragte die Personalmanagement-Beratung Hewitt Associates 138 Unternehmen aus 20 verschiedenen Branchen in 15 Ländern Europas.
[po; Quelle: Hewitt Associates; Bild: Fotolia.com]
Verkaufsverhandlung: Wer zu billig verkauft, verschenkt wertvolle Margen
Der Preis allein entscheidet, ob ein Einkäufer kauft oder nicht. So scheint es derzeit. Und die aktuelle Wirtschaftsflaute spielt Einkäufern in die Karten. Denn in vielen Unternehmen ist die Anweisung an die Vertriebsleute eindeutig: „Verkaufen Sie, auf Teufel komm raus!“ Selbst Premium-Anbieter hochwertiger Produkte steigen immer häufiger in den Preis-Wettbewerb ein – und können, wie die meisten anderen Unternehmen, dabei nur verlieren!
Qualität hat nun mal ihren Preis. Anders sieht es aus, wenn das Qualitätsbewusstsein auf der niedrigsten Stufe angekommen ist. Dann zählt tatsächlich nur der Preis. Aber deutsche Unternehmen gehören meist nicht zu den Billigproduzenten wie die Konkurrenz aus Fernost. Daher müssen sie zum Beispiel lernen, ihre Qualitätsprodukte leistungsadäquat zu verkaufen und Margen zu erwirtschaften, die ihre Existenz sichern. Dazu bedarf es der richtigen Verhandlungsstrategie im Verkaufsgespräch. Denn kein Kunde und kein Einkäufer wird freiwillig verraten, dass er bereit ist, mehr für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu bezahlen, auch wenn er den Preis für gerechtfertigt oder gar für zu niedrig hält.
Kompetenz der Vertriebsmitarbeiter erhöhen
Unternehmen, die kein Geld verschenken wollen, sollten daher die Kompetenz ihrer Vertriebsmitarbeiter erhöhen und ihnen vermitteln (lassen), wie sie es in Verhandlungen mit Kunden/Einkäufern schaffen, trotz des allgemeinen Preisdrucks Top-Konditionen auszuhandeln. Vertriebsführungskräfte als auch ihre Mitarbeiter sollten einige Tipps beherzigen:
Tipp 1: Wichtig ist es, den Verkäufern den Rücken zu stärken, engagiert höhere Preise zu verteidigen. Eine Untersuchung von mir ergab, dass nahezu alle Verkäufer unmittelbar in den Preiskampf einsteigen, wenn ein Einkäufer einen niedrigeren Preis fordert. Impfen Sie Ihre Verkäufer deutlich mehr (Unternehmens-)Selbstbewusstsein ein! Sagen Sie ihnen, dass sie nicht gleich Provision und Anerkennung verlieren, wenn sie „preisstabil“ bleiben und deswegen ein Auftrag durch die Lappen geht.
Tipp 2: Die Verkäufer sind aufzufordern, herauszufinden, ob ein Einkäufer bereit ist, für Qualität mehr zu zahlen. Natürlich sollten die Außendienstmitarbeiter gelernt haben, wie sie bei Kunden zwischen Preisdrückerbluff und tatsächlicher Preissensibilität unterscheiden können.
Tipp 3: Im Unternehmen sollte eine Strategie verankert werden, die den vermeintlich „heimlichen“ Wünschen der Kunden entspricht! Der Wunsch nach wertigen Produkten und Dienstleistungen ist trotz Wirtschaftskrise und „Geiz ist geil“ nach wie vor vorhanden. Entscheidend ist, dass das Produkt bzw. die Leistung mit nachhaltigen Vorteilen verbunden ist, sodass sich die Investition für den Käufer auch amortisiert.
Tipp 4: Den Verkäufern ist zu vermitteln, dass sie den Kunden klar machen sollen, welche Werte für ihr Unternehmen sprechen.
Tipp 5: Nehmen Sie Pseudo-Alternativen in Ihr Produktspektrum auf. Es ist für Ihre Verkäufer nicht einfach herauszufinden, ob ein Kunde blufft, um den Preis zu drücken, oder ob er tatsächlich nur nach dem Preis entscheidet. Mithilfe von Pseudo-Alternativen kann ein Verkäufer testen, wie wichtig der Preis tatsächlich ist.
Wie das geht, zeigt folgendes Beispiel: Der Kunde: „Technisch kommt Ihr Produkt infrage. Preislich liegen Sie leider deutlich über den Konkurrenzangeboten. Wie weit können Sie uns noch entgegen kommen?“ Der Verkäufer: „Klar, dieses Produkt ist teuerer, da es leistungstechnisch besser ist als die Konkurrenzprodukte. Doch ich kann Ihnen auch ein anderes interessantes Produkt anbieten. Das ist günstiger und entspricht bei den Leistungsdaten denen des Wettbewerbs. Ich kann Ihnen sogar einen Preis unterhalb des Wettbewerbs anbieten. Wo müssten wir da preislich hin?“
Zeigt der Kunde kein Interesse an der Pseudo-Alternative, ist das ein wichtiges Signal für den Verkäufer! Je deutlicher es wird, dass die Leistungsmerkmale ausschlaggebend für die Kaufentscheidung sind, desto klarer ist, dass es der Preis allein nicht ist. Entsprechend kann der Verkäufer darauf reagieren.
Tipp 6: Viele ehemals erfolgreiche Vertriebsmethoden sind mittlerweile in die Jahre gekommen. So schießen Verkäufer, die heute bei einem Einkäufer mit sorgfältig ausformulierten Vertriebsphrasen landen wollen, ins Leere. Zum Beispiel ist die Floskel von Telefonakquisiteuren „Schön, dass ich Sie direkt erreiche“ durch die inflationäre Nutzung dermaßen abgedroschen, dass Verkäufer eher abgeblockt werden als ihr ursprüngliches Ziel zu erreichen. Der Akquisiteur wird direkt in die Schublade „Telefonmarketing“ gesteckt und hat oft nicht mal mehr den Hauch einer Chance, beim Kunden ein offenes Ohr zu finden. Gleiches gilt für ein zu devotes Verhalten seitens des Vertriebsmitarbeiters.
Tipp 7: Ermutigen Sie Ihre Vertriebler, authentisch aufzutreten. Ein Verkäufer oder Kundendienstler mit Ecken und Kanten, aber mit gradlinigem Selbstverständnis ist den meisten Kunden lieber als stromlinienförmige „Verkaufsuniformträger“. Kunden erwarten ein klares, glaubwürdiges Auftreten. Der perfekte Verkäufer jedoch, immer gut gelaunt, in jeder Reklamation eine Chance sehend, wirkt eher unglaubwürdig. Vertriebsführungskräfte sind daher dazu aufgerufen, Ihrer Crew den Rücken zu stärken. Diejenigen Verkäufer, die authentisch sind und zu sich selbst stehen, sind zudem tatsächlich erfolgreicher. Führungskräfte sollten sie daher darin unterstützen, selbstbewusst aufzutreten und den Menschen im Verkäufer bestehen zu lassen.
Billig-Anbieter können mit dem Preis trumpfen
Natürlich ist es auch legitim, sich als Billig-Anbieter im Markt zu behaupten. Doch Unternehmen, die Kunden primär über den Preis gewinnen wollen, müssen auch entsprechend aufgestellt sein. Daher gehört etwa, bei den Herstellungskosten (Beschaffungskosten) alle Wettbewerber unterbieten zu können. Wer Preisführer sein will, muss seinerseits bei Vorlieferanten günstigere Einkaufskonditionen erzielen als der Wettbewerb. Jeder Unternehmensbereich muss zudem darauf untersucht werden, ob die Gemeinkosten geringer sind als die des Wettbewerbs. Selbstverständlich muss auch die Vertriebsstruktur hocheffizient sein, was die Aufwand-/Umsatz-Relation verdeutlicht. Billig-Anbietern ist zudem zu raten, zu ermitteln, ob ihre Kunden bereit sind, auf Leistungen und Nutzen teilweise oder völlig zu verzichten, wenn der Preis noch niedriger ist.
All dies in einem Land wie Deutschland zu verwirklichen, in dem allein schon die Löhne und Gehälter deutlich über denen aus anderen Ländern liegen, ist äußerst schwierig. Für die meisten Unternehmen ist es daher sicherlich der bessere, weil erfolgsversprechendere Weg, dass ihre Vertriebsmitarbeiter/Verkäufer lernen, wie sie Einkäufer vom Wert ihrer Angebote überzeugen und wie sie sich selbst in sehr harten Preisverhandlungen erfolgreich behaupten können.
Die Chancen, gute Preise durchzusetzen, sind nämlich im Grunde nach wie vor gut, da die Faktoren Qualität, Nutzen und Image weiterhin wesentliche Entscheidungstreiber sind. Merke: Nur, wer die Verkaufsargumente derart zu gestalten versteht, dass die Dominanz des Preises aufgehoben und Rabattdiskussionen mit Einkäufern obsolet werden, ist ein guter Verkäufer.
Checkliste: Was Sie beim Verhandeln von Preisen beachten sollten
- Jedes Produkt hat seinen Preis. Dieser Preis basiert entweder auf den Herstellungskosten (plus Gemeinkosten und Gewinn) bzw. auf dem Gegenwert der Leistung, die es einem Kunden bringt.
- Kunden, die nicht bereit sind, diesen Preis zu zahlen, sind keine geeigneten Kunden für das Produkt.
- Gibt es tatsächlich keine oder zu wenige Kunden für das Produkt, verändert eine Preissenkung nichts am Nutzen des Produkts. Der viel gelobte Kühlschrank für den Eskimo ist keine verkäuferische Leistung, sondern eine Fehlberatung.
- Nicht der Produktpreis ist an den Kunden anzupassen, sondern der Kunde zum Produktnutzen hin zu entwickeln. Das ist die Aufgabe des Verkäufers/des Marketings.
- Anerkennungsrabatte bauen verhandlerisch notwendige Brücken, ändern aber nichts am Wert des Produkts.
- Gibt es nicht genügend Kunden für ein Produkt, ist der Kundenstamm primär nicht horizontal (andere Preissegmente) zu entwickeln, sondern vertikal (neue Märkte in anderen Segmenten oder Regionen).
- Die Kunden- und Preis-Strategie muss im gesamten Unternehmen durchgängig und von allen Beteiligten getragen werden.
- Der Verkäufer darf nicht an Auftragseingängen gemessen werden, sondern an profitablen Aufträgen. Einen wenig profitablen Auftrag an Wettbewerber zu verlieren, darf nicht per se am Ansehen des Verkäufers kratzen.
Seminartipp
„Dem Einkäufer in die Karten schauen“ Strategien und Taktiken für erfolgreiche Verkäufer [71]
[Bild: Fotolia.com]
Fragetechnik: Mit Fragen mehr Umsatz im Verkaufsgespräch erzielen
Welche Fragekunst müsste man beherrschen, damit der Kunde sich selbst von dem Produkt oder der Dienstleistung überzeugt? Lassen Sie Ihren Kunden erzählen, was er für Ziele hat, wie die perfekte Umsetzung des Projektes aussehen würde und was Sie tun können, um letzte Zweifel bei ihm zu beseitigen. Mischen Sie Fragen zur Sache mit Fragen über Gefühle – Sie werden Ihren Kunden kennenlernen und er fühlt sich als Mensch und nicht nur als „Goldesel“ wahrgenommen. Wer die richtigen Fragen stellt, baut ein stabiles Fundament für eine langfristige Kundenbeziehung.
Fragen sind nicht gleich Fragen
Kennen Sie den Ausspruch: „Wer fragt, führt?“ Darin steckt viel Wahrheit, denn wer im Verkaufsgespräch Fragen stellt, lernt sein Gegenüber kennen, signalisiert Interesse und baut eine Beziehung auf. Keine Beziehung – kein Abschluss, das lernen Nachwuchsverkäufer schnell. Wie aber weiß man, dass man die richtigen Fragen stellt? Eines steht fest: Die unterschiedlichen Phasen des Verkaufsgesprächs benötigen unterschiedliche Fragetypen und hinter jeder Frage steckt eine Intention. Was will ich mit der Frage erreichen? Ist das geklärt, kann man die verschiedenen Fragetypen systematisch einsetzen. Die beiden Archetypen offene Fragen und geschlossene Fragen sind hinlänglich bekannt und müssen nicht mehr vorgestellt werden, doch was ist mit zirkulären und eingebetteten Fragen?
„Was würde denn Ihre Frau zu diesem Kamin sagen?“ oder „Was meinen Sie, was Ihr Steuerberater Ihnen raten würde, wenn er wie Sie alle Fakten kennen würde?“ Zirkuläre Fragen ermöglichen es Ihrem Kunden, sich in eine andere Person hineinzuversetzen und für einen Moment alle seine einschränkenden Glaubenssätze außer Acht zu lassen. Diese Art der Frage kommt aus der systemischen Therapie und eignet sich besonders für Kunden, die große Schwierigkeiten mit Entscheidungen haben.
Eingebettete Fragen bieten sich dann an, wenn Sie bereits zahlreiche Fragen gestellt haben und das Gespräch schon fast die Form eines Verhörs angenommen hat. „Ich frage mich, was sich durch das neue Produkt alles ändern wird.“ Bei eingebetteten Fragen handelt es sich um ein hypnotisches Sprachmuster, das in der Praxis überaus wirksam ist. Obendrein ist es ein eleganter Weg, Informationen zu erhalten, ohne wie ein Kommissar zu wirken, der einen Verdächtigen so richtig in die Zange nimmt.
Fragen über Fragen
Bei allen Fragetypen und dem guten Willen des Verkäufers, seinem Kunden auch wirklich jede Information zu entlocken. Fragen stellen allein, ist nicht des Rätsels Lösung, denn man muss auch noch wissen, wann welche Frage angebracht ist.
Backtracking-Fragen dienen zum Beispiel als Rückversicherung und sind gleichzeitig nicht nur ein effektives Mittel, um deutlich zu machen, dass man dem Kunden genau zuhört, sondern auch eine Form des Spiegelns: „Habe ich Sie in diesem Punkt richtig verstanden, Sie wollen Ihre Produktion steigern und weiterhin den hohen Qualitätsstandard halten?“ und „Ich verstehe, Sie wollen also eine Software, die einfach zu bedienen ist und mit der die Prozesse schnell optimiert werden können?“ Durch diese Fragen versichert sich der Verkäufer, dass er die Äußerungen des Kunden richtig verstanden hat. Außerdem fühlt sich der Kunde ernst genommen und gut betreut, schließlich ist der Verkäufer mit seiner ganzen Aufmerksamkeit bei ihm. Das ist doch immer ein gutes Gefühl, nicht?
Bumerang-Fragen sind ein wirkungsvolles Mittel, wenn man möchte, dass der Kunde seine Aussage noch einmal überdenkt. „Sie sind wirklich der Ansicht, dass eine Standort-Verlagerung ins Ausland die Lösung für alle Probleme ist?“ und „Wie kommen Sie darauf, dass eine Investition zum jetzigen Zeitpunkt in jedem Fall mehr schadet als nutzt?“ Durch diese Art der Fragestellung wird die Aussage einfach zum Kunden zurückgeworfen und dieser kann sie noch einmal überdenken. Manchmal kann ein einziges Argument der Schlüssel sein, damit man seine Meinung ändert. Finden Sie auch, dass es einen Versuch wert wäre?
Fragen führen nicht nur zum Ziel, sondern bewirken wahre Wunder
Ja, es stimmt, ich spreche gern über das Thema Fragen, aber es gibt ja auch Einiges dazu zu sagen. Fragen sind echte Alleskönner! Umso wichtiger ist es, dass sich Verkäufer mit den unterschiedlichen Fragetypen auskennen und wissen, wann welche Frage zum Ziel führt. Deshalb hier noch zwei weitere, effektive Fragetypen, die wahre Wunder wirken:
Beschleunigungsfragen helfen dabei, einen Abschluss herbei zu zaubern, sie beschleunigen die Entscheidung. Sagen Sie: „Angenommen, wir könnten zu Ihrem Wunschtermin liefern, würden Sie sich dann heute entscheiden können?“ oder „Vorausgesetzt wir klären diesen Punkt zu Ihrer Zufriedenheit, dann würde Ihre Entscheidung positiv ausfallen?“ Eins, zwei, Abschluss! Der Verkäufer kommt dem Kunden entgegen, erfüllt dessen Kauf-Voraussetzungen, was also sollte den Käufer noch von der Entscheidung abhalten? Schneller kann man nicht zum Ziel kommen.
Werte-Fragen zum Motiv dienen nicht dazu, schnell zum Abschluss zu kommen. Vielmehr nutzt man sie, um zu ermitteln, welche Motive der Kunde hat, was ihn antreibt, was seine Beweggründe sind und wie er als Mensch einzuordnen ist. Die Werte-Fragen zum Motiv beleuchten die Person, sodass der Verkäufer seinen Kunden besser einschätzen und dann durch seine Argumentation besser überzeugen kann. Sagen Sie: „Warum ist Ihnen gerade dieser Punkt so wichtig?“ und „Warum kommt nur eine Immobilie in dieser Lage in Frage?“ So erfahren Sie, was die wirklichen Beweggründe für Ihren Kunden sind und können noch besser auf ihn eingehen. Es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung und die lohnt sich in der Regel immer für den Verkäufer. Wer will schon an der Oberfläche kratzen, wenn er in die Tiefe blicken kann?
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Verkaufsgespräch: Den Nutzen des Kunden in den Mittelpunkt stellen
Kundenorientierung aus Kunden- und Unternehmenssicht
Die aktuelle Situation für Außendienstverkäufer sieht nicht sehr rosig aus: Billigprodukte aus Ostasien, bevorzugt in Baumärkten, Discountern und über das Internet angeboten, schmälern den klassischen Erfolg des Außendienstverkäufers für hochwertige Qualitätsprodukte.
Die zwischenzeitlich hochgetragene "Geiz-ist-geil"-Kaufmentalität sorgte zusätzlich noch für kleinere Nachwehen. Eine Trendwende zu mehr Qualität ist zwar wieder zu spüren, jedoch gelingt es den Verkäufern oftmals nicht, den Kunden in der Argumentation zu überzeugen, Vertrauen zu schaffen und den erfolgreichen Abverkauf der Ware zu gewährleisten.
Hier geht es vor allem darum, die Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen, die der Kunde hat, daraus ein entsprechendes Produkt zu empfehlen und durch geschickte Fragestellungen eine positive Stimmung für den Kaufabschluss zu schaffen. Denn durch eine persönlichere Form des Kundengesprächs zeigt sich der Kunde kauffreudiger, wenn er das Interesse an seinen Wünschen und seiner Person bei seinem Gegenüber spürt und erlebt.
Das Erfolgsgeheimnis: Kundenorientierung aus Kundensicht
Und gerade hier trennt sich die Spreu vom Weizen. So sind heute immer noch viele Kunden mit der gebotenen Beratungsqualität ihrer Verkäufer sehr unzufrieden. Das Erschreckende dabei ist, dass bei Vergleichsstudien von Homberg bei Vertriebsabteilungen deren Kunden (2007: 379 Führungskräften aus Marketing und Vertriebsabteilungen) die Vertriebsabteilungen sich dessen gar nicht bewusst sind und sich selbst eine gute bis sehr gute Beratungsqualität zuschreiben. Ihre Kunden bescheinigen ihnen jedoch nur eine mittelmäßige bis dürftige Beratungsqualität.
Dass dies kein Einzelfall ist, sondern ein branchenübergreifendes Merkmal, zeigt die Studie der Unternehmensberatung Droege & Comp. (2000) zur Fremd- und Selbstwahrnehmung in der Kundenzufriedenheit.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche internen Barrieren die Unternehmen daran hindern, ihre Kunden bedürfnisorientiert zu beraten.

Entscheidungsmotive
Finden Sie die Motive, die Ihre Kunden bewegen, denn Motive geben den Bedürfnissen eine Richtung und geben letztendlich die Begründung für die Handlungen. An einer Entscheidung können die Motive
- Bequemlichkeit,
- Ansehen,
- Sicherheit,
- Gewinn,
- Fürsorge und
- Wohlbefinden
mehr oder weniger stark beteiligt sein. Identifizieren Sie die treibenden Motive Ihrer Kunden durch eine strukturierte Bedarfs- und Bedürfnis-Analyse. Bauen Sie Ihre Argumente darauf auf und Sie werden Ihre Abschlussquote erheblich steigern.
Bedarfs- und Bedürfnisanalyse
Schlüsselfragen – wer fragt, erfährt
Neben der oft erwähnten Frageart (offene und geschlossene Fragen) ist der Inhalt der Frage ein wesentlicher Schlüsselbaustein zum Erfolg.
Beginnen Sie wenn möglich mit einleitenden WAS-Fragen, denn dadurch fokussieren Sie Ihren Kunden darauf, das Poblem näher zu beschreiben und Sie erhalten schnell und zielgerichtet einen guten Überblick über die Ausgangslage.
Offene Fragen mit Produktvorteilen verknüpfen
Um den Kunden gezielt auf den Nutzen und die Produktvorteile hinzuweisen, ist es sehr hilfreich, wenn Sie in Ihre offenen Fragen einen Nutzen einbauen; dadurch wird das Antwortspektrum des Kunden auf den Produktvorteil gelenkt. Lassen Sie dem Kunden dann etwas Zeit, diese Information zu verarbeiten bis er seine Zustimmung gibt. Dann erst fragen Sie weiter.
Statt | Formulieren Sie: |
Was halten Sie davon? | Was halten Sie von der Produktionskosteneinsparung? |
Wie sagt Ihnen das zu? | Wie sagt Ihnen die verbesserte Wärmeisolierung zu? |
Was sagen Sie dazu? | Was sagen Sie zu der höheren Reichweite? |
Was halten Sie davon? | Was halten Sie von der geringeren Bauhöhe? |
Eine noch stärkere Wirkung erzielen Sie, wenn zum Produktnutzen eine Zahl (Wert mit Maßeinheit) kommt.
- „Was halten Sie von einer Leistungssteigerung von bis zu 35 KW?“
- „Wie wichtig ist es für Sie, mehr als 30 Prozent Ihrer bisherigen Energiekosten einzusparen?“
Die Qualität der Frage bestimmt die Antwort
Vermeiden Sie die Warum-Frage, denn diese Frage ist gefährlich, weil der Kunde das Gefühl hat, seine Entscheidung rechtfertigen zu müssen. Wenn diese Frage dann noch in sensiblen Situationen gestellt wird, beispielsweise, wenn der Kunde etwas ablehnt: „Wir haben keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit Ihnen.“, haben Sie fast schon verspielt.
Fragen Sie jedoch, unter welchen Voraussetzungen der Kunde zu einer Zusammenarbeit bereit wäre, erhalten Sie Ihre Chance, die Zukunft neu zu gestalten, damit es doch noch klappt. Fragen Sie lieber mit „Wie/Was/Womit“.
Statt | Formulieren Sie: |
Warum gefällt Ihnen das Angebot nicht? | Was sollten wir tun, damit Ihnen das Angebot zusagt? |
Warum besteht kein Interesse? | Womit können wir Ihr Interesse wecken? |
Weshalb haben Sie sich für unseren Mitbewerber entschieden? | Was macht unser Mitbewerber besser als wir? |
Warum möchten Sie keinen weiteren Zulieferer aufnehmen? | Was sollten wir tun, dass Sie sich für uns als neuen Zulieferer entscheiden? |
Argumentieren - Nutzenvermittlung
Zeigen Sie Ihrem Kunden, dass Sie Ihr Handwerk verstehen und überzeugen Sie Ihn mit Ihrer Nutzenargumentation, die sich an seinen Bedürfnissen und Motiven orientiert. Nutzen Sie diese Chance! Denn das macht den qualitativen Unterschied, der Sie vom Online-Kauf und Billiganbietern unterscheidet.
Denn niemand kauft heute und erst recht nicht in der Zukunft ein Produkt um seiner selbst willen, sondern immer nur wegen dem damit verbundenen Nutzen für sich und seine Aufgaben.
Aus Merkmalen und Vorteilen Nutzen ableiten
Für eine tragfähige Nutzenargumentation leiten Sie aus Merkmalen und Eigenschaften eines Lösungsvorschlags oder Angebots die passenden Nutzenargumente für den Gesprächspartner ab. Hilfreich ist es, wenn Sie dabei aus der Sicht des Kunden durch Sie-Formulierungen argumentieren.
Tipps für die Nutzenvermittlung
Bildhaftigkeit schafft Überzeugungskraft
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – denn durch eine bildhafte Sprache sorgen Sie bei Ihrem Gesprächspartner für Aha-Erlebnisse in emotionalen und nicht bewussten Bereichen, die eine tiefgehende Wirkung und einen hohen Erinnerungswert haben. Verwenden Sie deshalb
- Analogien (Entsprechungen, Ähnlichkeiten): „der Mercedes unter den Produkten“.
- Vergleiche (Parallelen zwischen zwei ungleichen Dingen): „ein Steuerungschip, so groß wie eine 1 Euro Münze“.
- Metaphern (Wort oder Wortgruppe, das/die aus dem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wird; Sinnbild): „in Informationen ertrinken“.
Die Kraft der Sprache: Fragen statt Behauptungen
Der große Nachteil bei Aussagen bzw. Nutzenaussagen ist zunächst einmal, dass der Gesprächspartner diese nur als mit ja oder nein zu bewertende Behauptung wahrnimmt. Denn wenn wir Behauptungen hören, folgt unser Gehirn einem einfachen Mechanismus. Wir prüfen immer sogleich den Wahrheitsgehalt. Sobald wir nur einmal an etwas zweifeln, werden wir dieser Behauptung immer wieder innerlich nicht zustimmen. Ist ein Satz hingegen so formuliert, dass die eigentliche Hauptaussage als richtig gesetzt wird, wird vom Zuhörer nicht mehr die Aussage an sich, sondern nur die Folgerung daraus in Frage gestellt.
Wenn Sie also behaupten „Sie sparen bei diesem Produkt zwei Arbeitsminuten pro Durchlauf“ wird der Kunde das womöglich anzweifeln. Sagen Sie stattdessen:
„Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, wie viele Minuten pro Durchlauf Sie bei diesem Produkt sparen?“ Dann denkt der Kunde nur noch darüber nach, welche Betragshöhe sich wohl einsparen lässt, und nicht ob es stimmt oder nicht stimmt.
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Kundenorientierung: Blitzschnelle Tipps um die Kundenbindung zu erhöhen
Klassische Kundenbindung richtet den Blick nach außen: Was kann das Unternehmen für seine Kunden tun, um sie zu halten und immer wieder aufs Neue zu begeistern? Wer das beherrscht, ist schon ein großes Stück weiter. Doch um Kunden zu halten, lohnt sich auch ein Blick nach innen: Wie gut funktionieren die Prozesse, die ein Stammkunde täglich erlebt? Wie schnell erreicht ein Kunde wichtige Ansprechpartner? Wie effektiv werden Wünsche der Kunden im Unternehmen weitergegeben? Nutzen alle Abteilungen die Kundendaten?
Hier sind drei Fragen, die Ihnen helfen, Ihre Prozesse zu prüfen – und Ihre Kundenbindungsmaßnahmen zu ergänzen.
1. Wohin gelangt eine Information über einen Kunden?
Ein Beispiel: Die Techniker eines Anlagenbauers sind für eine Routine-Wartung beim Kunden vor Ort. Dort erfahren sie, dass das Unternehmen eine Erweiterung plant und bereits verschiedene Angebote eingeholt hat – eine Information, die für den Kundenbetreuer äußerst relevant ist. Erhält er sie auch?
Ein systematisches Wissensmanagement, in das vor allem diejenigen verantwortlich eingebunden werden, die im direkten Kundenkontakt stehen, ist dabei ebenso hilfreich wie der enge Kontakt zwischen allen an einem Kundenprojekt Beteiligten.
2. Wie werden Beschwerden bearbeitet?
Ein Kunde reklamiert und schickt das fehlerhafte Produkt zurück. Wie läuft der Prozess ab? Ist an alles gedacht, von der Entschädigung des Kunden bis zur Fehlerbehebung? Und wie einfach kann sich der Kunde mit einer Beschwerde an Sie wenden?
Wenn sich der Kunde ernst genommen und gut betreut fühlt, wird er immer wiederkommen. Das erreichen Sie mit konsequenter Qualitätskontrolle im Beschwerdemanagement, sorgfältiger Dokumentation und der unabhängigen Prüfung, ob jeder Fall für den Kunden zufriedenstellend gelöst wurde. Wiederholte Reklamationen sollten zu spürbaren Verbesserungen in der Produktion führen; so tragen Kundenbeschwerden kontinuierlich zur Qualitätssteigerung bei.
3. Wie schnell erreicht ein Kunde den richtigen Gesprächspartner?
Der Kunde ruft an – was geschieht dann? Wird er mehrmals weiterverbunden, oder landet er gleich an der richtigen Stelle? Fühlen sich alle Mitarbeiter zuständig und verantwortlich?
Alle Personen im Haus, die mit Kunden in Kontakt kommen, benötigen den Zugriff auf die relevanten Informationen. Dazu gehören nicht nur die Kontaktdaten, sondern auch Angaben über die letzten Aufträge und den aktuellen Stand der laufenden Geschäfte: Nur so ist eine kompetente Betreuung möglich. Dies gilt insbesondere bei neuen Kunden und für Call-Center.
Das sind nur einige Möglichkeiten, um schnell die eigene Kundenbindung zu verbessern – und zusätzliche Umsätze zu generieren. Aber schon sie zeigen: Manchmal lohnt sich der Blick nach innen ganz besonders.
Blitztipps
- Entwickeln Sie eine Checkliste: Welche Informationen über Ihre Kunden sind wichtig? Damit kann jeder Mitarbeiter im Kundenkontakt Äußerungen des Kunden einordnen und weitergeben.
- Richten Sie eine zentrale Stelle für Reklamationen ein: Sie steuert die Bearbeitung, kann dem Kunden jederzeit den aktuellen Stand mitteilen und reagiert innerhalb einer Stunde auf Anfragen. Ihre Telefonnummer taucht in jeder Korrespondenz auf.
- Führen Sie eine Checkliste für die Bearbeitung von Beschwerden: Sie wird als „Laufzettel“ eingesetzt, wobei jeder Punkt von dem jeweils Verantwortlichen mit Datum abgezeichnet wird.
- Für Kunden ist es unbefriedigend, am Telefon weitergereicht zu werden – und deshalb zu vermeiden: Ist der richtige Ansprechpartner nicht sofort bekannt, wird die Nummer des Anrufers notiert – und der zuständige Kollege ermittelt. Der ruft den Kunden umgehend zurück.
- Erstellen Sie einen Verteilerplan: Welche Stellen benötigen Kundeninformationen in welcher Form? Denken Sie dabei auch an externe Partner wie Call-Center.
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Engpassorientiert: Kundenprobleme zur richtigen Zeit am richtigen Ort lösen
Angenommen, Sie verkaufen private Krankenversicherungen an Selbständige per Telefonakquise. Und auf der anderen Seite der Leitung sitzt ein Geschäftsführer, der sich gerade den Kopf darüber zerbricht, wie er seine Mitarbeiter besser motivieren kann oder wie er mit der Beschwerdemail des Kunden XY umgeht. Da Sie als Geschäftsführer selbst mehrfach im Monat als Kunde dieser Verkäufer Ähnliches erleben, wissen Sie ziemlich genau, was in Ihnen abgeht. "Lass mich doch mit Deiner bescheuerten Krankenversicherung in Ruhe..." dürfte es ziemlich genau treffen.
Jetzt ist das Thema Krankenversicherung nicht unwichtig. Aber es ist subjektiv für den Kunden zu diesem Zeitpunkt nicht brennend. Und weil es das nicht ist, haben Sie als Verkäufer kaum eine Chance, etwas zu verkaufen. Angenommen, zur selben Zeit macht Outlook "Pling" und es kommt eine E-Mail mit einem kostenlosen eBook "Die 5 besten Ideen, seine Mitarbeiter zu motivieren" oder "Wie Sie mit der XY-Technik aus unzufriedenen Kunden begeisterte Empfehler machen". Würden Sie als Geschäftsführer diese eBooks lesen? Aber klar! Sie treffen ja exakt Ihr Problem zum entsprechenden Zeitpunkt. Vielleicht würden Sie sogar das mit dem eBook beworbene (dann kostenpflichtige) Buch oder Seminar kaufen.
Die richtige Zielgruppe definieren
Jetzt kann man natürlich mit Kanonen auf Spatzen schießen – wenn man das entsprechende Kanonen-Kleingeld hat – aber das ist meist nicht sonderlich effektiv. Schlauer ist es, seine Zielgruppe möglichst exakt (und klein) zu definieren. Wobei sich eine Zielgruppe nicht durch Merkmale (50+, Branche XY, konservativ etc.) ergibt, sondern durch ihre dringendsten Bedürfnisse, Probleme, Ziele, Träume etc. Und da die meisten Menschen nicht 24 Stunden am Tag dieselben Probleme haben – außer bei tödlichen Krankheiten oder ähnlichem, kommt es eben auch noch darauf an, den richtigen Zeitpunkt und Ort zu erwischen. Es gibt also bei jedem Menschen mehrere drängendste Probleme. (So gibt es dann auch bessere Zeiten und Orte für private Krankenversicherungen: zum Beispiel wenn man (als junger Mensch) jeden Monat seine Gehaltsabrechnung bekommt und sich über die hohen Beiträge ärgert. Entsprechend würde ich als PKV-Anbieter versuchen, mit der DATEV einen Deal zu machen und in die Gehaltsabrechnung eine Beilage einlegen, die nur aufzeigt, wie viel billiger eine PKV wäre...).
Das heißt mit anderen Worten: Brennendste Probleme zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort zu adressieren, ist die Voraussetzung dafür, dass die Kunden zu Ihnen kommen und nicht Sie erfolglos und frustriert den Kunden hinterherlaufen.
Herausfinden können Sie diese brennendsten Probleme, indem Sie möglichst nah an Ihrer Zielgruppe sind, diese mögen oder besser noch lieben und am besten Teil Ihrer eigenen Zielgruppe sind oder wenigstens eine Meile in den Mokassins Ihrer Zielgruppe gelaufen sind. Auch der Austausch mit allen, die ebenfalls nah an der Zielgruppe (zum Beispiel die eigenen Mitarbeiter) sind extrem nützlich.
Umfragen sind hingegen wenig hilfreich. In den meisten Fällen haben sich die Menschen noch gar keine Gedanken darüber gemacht (Wer denkt schon bei seiner Gehaltsabrechnung: "Mein brennendstes Problem sind meine Krankenkassenbeiträge"? Man ärgert sich kurz und das war’s dann auch schon…). Und in vielen Fällen sagen Menschen einfach nicht die Wahrheit. Warum sollten sie beispielsweise einem Marktforscher sagen, dass ihr brennendstes Problem derzeit ein Rechtsstreit mit einem Kunden ist, der im schlimmsten Fall die Existenz der Firma kostet…?
Also ran an die Zielgruppe, möglichst intensiv einfühlen und systematisch Probleme, Wünsche, Bedürfnisse und Träume sammeln. Und zwar permanent – nicht nur bei Gründung oder nach dem alle paar Jahre stattfindenden "Krisen-Strategie-Meeting". Jedes andere Vorgehen ist massive Energieverschwendung!
Engpassorientierte Konzepte
OK, was brennende Probleme (oder Wünsche, Träume, Ziele, Sehnsüchte...) sind, ist jetzt klar. Wozu brauche ich dann noch Engpässe? Und was ist das überhaupt? Engpassorientierte Konzepte gibt es nicht nur im Bereich der Unternehmensführung. Letztlich lässt sich das Konzept für alle lebenden Systeme verwenden. Beispiele hierfür sind Justus von Liebig, Nikolai Kondratieff, Wolfgang Mewes oder Eliyahu Goldratt.
Justus von Liebig hat sich ausgiebig mit dem Pflanzenwachstum beschäftigt. Er entdeckte im 19. Jahrhundert, dass Pflanzen bestimmte Nährstoffe zum Wachstum benötigen. Wasser, Licht, Phosphate usw. Fehlt einer dieser Nährstoffe in der ausreichenden Menge, dann wächst die Pflanze nicht weiter und Insekten beginnen, sich den Wanst vollzuschlagen. Die Pflanze wird sogar krank und stirbt. Fehlen zum Beispiel Phosphate, dann kann man Wasser und Licht hinzufügen, soviel man will. Die Pflanze wächst trotzdem nicht weiter. Führt man den fehlenden Nährstoff hingegen zu, so wächst die Pflanze von ganz alleine – ohne dass man an ihr ziehen oder sie sonst irgendwie manipulieren müsste. Das geht so lange, bis die Pflanze wieder an einen Engpass kommt, also wieder ein Nährstoff fehlt. Das kann natürlich durchaus ein anderer sein.
Wolfgang Mewes hat dieses Konzept mit der engpasskonzentrierten Strategie EKS auf Unternehmen übertragen. Er sagt, auch ein Unternehmen wächst so lange von alleine, bis ein Engpass entsteht. Das kann ein äußerer Engpass sein wie zu wenig Kunden oder ein interner Engpass wie fehlendes Kapital, ungeeignete Abläufe und so weiter. Wenn nun zum Beispiel Kunden fehlen, dann kann man Kapital zuführen, soviel man will. Das Unternehmen wird trotzdem nicht wachsen. Erst dann, wenn man diesen Engpass beseitigt – im Falle der fehlenden Kunden praktisch immer durch eine zielgruppenorientierte Strategie, dann wächst das Unternehmen weiter – und zwar von ganz alleine. Bis eben ein neuer Engpass auftritt.
Eliyahu Goldratt hat mit der Theory of Constraints (TOC) ebenfalls ein engpassorientiertes Konzept der Unternehmenssteuerung entwickelt. Vorzüge gegenüber der EKS sehe ich an 2 Punkten: Zum einen bei der Analyse und Identifikation der Engpässe, zum anderen bei der Entwicklung von Standardlösungen. Gegenüber der EKS fehlt hingegen meiner Einschätzung nach die Ganzheitlichkeit. Als Schwäche sehe ich zudem noch an, dass die TOC nur von Vollblut-Analytikern geschätzt werden kann und nutzbar ist. Sie widerspricht einfach unseren stark assoziativen Denkfähigkeiten. Meine Meinung dazu: Als Ergänzung an den Stellen, wo die EKS Schwächen hat, nutzbar.
Nikolai Kondratieff entwickelte Ende der 20er Jahre ein Konzept der langen wirtschaftlichen Wellen (35-60 Jahre). 1939 schrieb Schumpeter, dass die Grundlage dieser wirtschaftlichen Wellen Basisinnovationen seien. Jede Basis-Innovation führt zu Wachstum und gerät irgendwann an einen von ihr erzeugten Engpass. Dieser Engpass macht sich immer als (große) Krise bemerkbar. Beispiel: Im ersten Kondratieff-Zyklus um 1800 wird die Dampfmaschine auf breiter Front eingeführt. Die Fabriken konnten im Vergleich zu früher ein Vielfaches produzieren. Man nahm an, dass das endlos so weiter gehen würde. Tat es aber nicht. Das Zeug wurde nämlich mit Pferdekutschen und Ochsenkarren verteilt. Und damit stiegen die Transportkosten im Vergleich zu den Produktionskosten immens an. Erst als sich die Eisenbahnen durchsetzten und damit der Engpass gelöst wurde, konnte das Wachstum weiter gehen. Dasselbe Muster kann auch zur Erklärung der heutigen Krise genutzt werden (vgl. dazu ausführlich Bankenkrise - Risiken und Chancen für Unternehmer).
Systeme und Engpässe
Das Denken in Engpässen ist eine Haltung. Dahinter steckt ein Modell, eine Theorie, die auf bestimmten Axiomen beruht. Erstens das Axiom, dass sich jedes lebende System von selbst entwickelt. Auch Unternehmen und Organisationen sind lebende Systeme. Und zweitens das Axiom, dass es in jedem System zu einem bestimmten Zeitpunkt höchstens einen Engpass gibt, der das weitere Wachstum des Systems behindert.
Dabei wird zwischen lokalen und globalen Engpässen unterschieden. Lokale Engpässe sind Engpässe an einem Subsystem. Globale Engpässe sind Engpässe des Gesamtsystems. Was Subsystem und Gesamtsystem sind, hängt von der Betrachtungsweise ab. Betrachtet man den einzelnen Menschen, so kann man ihn als Gesamtsystem und seine Zellen als Subsysteme sehen. Man kann ihn aber auch als Subsystem und die Menschheit, eine bestimmte Kultur oder Organisation als Gesamtsystem.
Betrachten wir ein Unternehmen: Sie haben beispielsweise einen Unternehmensprozess, der erlaubt, 100 Produkte X pro Stunde herzustellen. Ihre Verkaufsabteilung kann 80 Produkte X pro Stunde verkaufen (und Sie hätten Interessenten für 120 Verkäufe pro Stunde). In der Produktion haben Sie hin und wieder mit dem Ausfall einer Maschine zu kämpfen. Solange nun die Produktion durch den Ausfall der Maschine nicht unter 80 Produkte pro Stunde fällt, ist der Ausfall der Maschine nur ein lokaler Engpass. Der globale Engpass, der das weitere Wachstum des Unternehmens begrenzt, liegt hingegen im Verkauf. Das ist übrigens auch dann der Fall, wenn derjenige, der die Maschine bedient, ganz subjektiv die fehlerhafte Maschine für das größte Problem hält. Engpässe haben also rein gar nichts mit Meinungsbildung zu tun, sondern mit Analyse (weswegen auch Meetings oft völlig ungeeignet sind, um den Engpass zu finden – da will der Kollege an der Maschine nämlich mit seinem Problem auch ernst genommen werden).
Natürlich können lokale Engpässe zu globalen Engpässen werden. Interessant für die Strategie eines Unternehmens sind jedoch ausschließlich die globalen Engpässe (und solche, die sehr wahrscheinlich in der Zukunft zu globalen Engpässen werden). Das hat einen einfachen Grund: Wenn Sie sich (als Unternehmer) voll und ganz auf den globalen Engpass konzentrieren, dann haben Sie Ihre volle Energie zur Verfügung. Sie verzetteln sich nicht in den Problemen mit einer fürs Gesamtsystem zu diesem Zeitpunkt unwichtigen Maschine.
Nun ist jedes System – also auch ein Unternehmen – Teil eines größeren Systems. Von diesem ist es nicht völlig isoliert (Genau genommen ist es gar nicht isoliert – lediglich unsere Betrachtungsweise als System trennt es von anderen Dingen). Von diesem übergeordneten System erhält es seine Energie, zum Beispiel in Form von Nahrung oder bei einem Unternehmen in Form von Geld und Aufmerksamkeit. Von diesem übergeordneten System erhält es seine Existenzberechtigung. Und durch das übergeordnete System erhält es seinen Sinn und seine Bedeutung – eben als Beitrag zum Ganzen.
Das bedeutet, dass man, um ein Unternehmen überhaupt nur verstehen zu können, es in seinem Beitrag zum Ganzen sehen muss. Mit anderen Worten: Jedes Unternehmen hat als einzige Existenzberechtigung die, einen Beitrag zur Entwicklung des Ganzen (oder zumindest eines übergeordneten Systems, also Region, Branche, Land, Zielgruppe etc.) zu leisten. Und den Beitrag kann es am besten leisten, indem es den Engpass des übergeordneten Systems löst.
Unterschied zwischen Engpässen und brennenden Problemen wie Zielen und Träumen
Jedes lebende System hat einen inneren Entwicklungswunsch, ein Bedürfnis oder ein Traum. Selbst auf der Ebene der Einzeller kann man von "Orientierungsbedeutungen" sprechen. Der Einzeller "will" sich beispielsweise zum Licht bewegen. Ohne einen solchen inneren Entwicklungswunsch gäbe es überhaupt keinen Engpass. Ein Stein hat – soweit wir wissen – weder innere Wünsche noch Engpässe.
Für das System entscheidend ist, dass wenn auf dem Weg zur Wunscherfüllung ein Hindernis auftritt, dies nicht aufgrund einer objektiven Analyse wahrgenommen wird, sondern durch das bestehende Wahrnehmungsmuster subjektiv empfunden wird. Und auf Basis dieser subjektiven Wahrnehmung beziehungsweise dieses subjektiven Erklärungsmusters wird dann gehandelt oder nach einer Lösung gesucht. Das kann man sehr schön bei Stubenfliegen beobachten, die stundenlang durch die Scheibe fliegen wollen. Das subjektive Erklärungsmuster (falls es in diesem Fall eines gibt), ist vielleicht 'starker Gegenwind'. Die Lösung dann 'schneller fliegen'. Die subjektive Wahrnehmung des Engpasses aus Innensicht ist identisch mit dem brennendsten Problem. Das brennendste Problem erscheint also grundsätzlich und immer vor dem Filter des internen Wahrnehmungsmusters.
Das objektive(re) Erklärungsmuster ist uns Menschen im Fall der Fliege und der Scheibe bekannt. Dummerweise verhalten wir uns in vielen anderen Situationen genauso wie die Fliege. Zum Beispiel ist der erste Reflex bei vielen Unternehmern angesichts eines Umsatzeinbruchs: 'Mehr Energie in den Verkauf'. Aber oft ist einfach die Strategie falsch. Und mit mehr Verkaufsenergie kommen Sie nicht durch die Strategiescheibe.
Jedes Unternehmen hat seine Existenzberechtigung dadurch, dass es den globalen Engpass eines übergeordneten Systems löst. Das übergeordnete System hat einen Wunsch, ein Bedürfnis, einen Traum. Und dabei steckt es fest. Gerne hätte es dafür eine Lösung und ist bereit, dafür sehr viel Energie (Geld, Aufmerksamkeit etc.) zu investieren. Leider hat das übergeordnete System in der Regel ein Wahrnehmungsproblem, sodass die Energie nicht in die Lösung fließt, also zum Beispiel nicht in die Strategieentwicklung, sondern in Vertriebsschulungen.
Mit anderen Worten: Das brennendste Problem erscheint als "Vertriebsschulung", der wirkliche Engpass hingegen liegt in "mangelnder Strategie". Ihr Erfolg als Anbieter liegt also in dem Spagat, sich dort zu präsentieren, wo das übergeordnete System (also die Zielgruppe) den Engpass sieht und dann das Problem dort zu lösen, wo der Engpass wirklich liegt.
Im obigen Fall also, indem Sie zum Beispiel als Vertriebsunterstützung auftreten und zur Implementierung dieser Vertriebsunterstützung Strategie-Workshops hineinmogeln. Das Problem dabei: Entweder Sie müssen den Kunden aus der Zielgruppe von Ihrer Sicht der Dinge überzeugen – was (zumindest per Argumentation) häufig schwer bis aussichtslos ist ("Ich sehe hier keine Strategiescheibe"...) oder er darf nicht mitbekommen, was Sie da tun. Wenn er es nämlich mit bekäme, wäre er ja überzeugt, dass Sie ihm nicht helfen ("Ich habe kein Problem mit Scheiben, sondern mit Gegenwind. Ich brauche einen stärkeren Motor und nicht das Wissen, nicht-existente Scheiben zu öffnen!").
Letzten Endes funktioniert das dort am besten, wo Ihr übergeordnetes System (Ihre Zielgruppe) in einer handfesten Krise ist. Nun existiert auch eine Krise nicht wirklich. Eine Krise entsteht nur dort, wo eine falsche Sichtweise falsches Handeln verursacht. Ein Satz, den man schon fast nicht mehr hören kann, heißt: ‚In der Krise liegt die Chance’. Das ist richtig, aber viel zu global. Die Chance beginnt an einem spezifischen Punkt. Nicht dort, wo man angesichts der Krisenprobleme vor sich hinjammert. Sondern genau dort, wo man beginnt, das Problem anders wahrzunehmen. Mit anderen Worten: Krisen, Probleme, Engpässe und so weiter sind immer Wahrnehmungsprobleme. Und die Weiterentwicklung erfordert eine andere Form der Wahrnehmung. Das bedeutet kurz und knackig:
Der Kern einer jeden guten Strategie ist eine Veränderung der Wahrnehmung. Darin liegen der Wert der Strategie, der Gewinn für Sie und der Nutzen für den Kunden.
Die Konsequenz
Mit anderen Worten, Sie brauchen drei Dinge:
- Das brennendste Problem (Wunsch, Ziel, Traum etc.) aus subjektiver Kundensicht. Das ist das, was Sie nach außen tragen. Sonst bekommen Sie gar keine Kunden.
- Den wirklichen Engpass. Das ist eine Analyse dessen, was dem Kunden wirklich helfen würde und einen Beitrag zur Entwicklung des Ganzen leistet. Was meist – nicht immer – etwas völlig anderes ist als das brennendste Problem.
- Einen mentalen oder emotionalen Weg, der die Wahrnehmung des Kunden so ändert, dass er angesichts seines brennenden Problems Ihre Lösung seines Engpasses frisst. Das ist die Positionierung.
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Umsatzsteigerung: Als Fachhändler höhere Umsätze und Erträge erzielen
Krisenstimmung im Fachhandelsgeschäft. Am Abend ist immer weniger Geld in der Kasse. Zwar gibt es ab und zu Spitzentage, doch tendenziell sinken die Umsätze. Wenn Fachhändler dies registrieren, starten sie oft panisch irgendwelche Akutmaßnahmen. Sie nehmen zum Beispiel neue Produkte ins Sortiment auf. Oder sie starten eine Werbekampagne. Oder sie fordern ihre Mitarbeiter zu mehr Zusatz- und Hochverkäufen auf – stets in der Hoffnung: Dann kommt mehr Geld in die Kassen.
Oft haben die Maßnahmen sogar kurzfristig Erfolg. Doch meist folgt nach dem Zwischenhoch ein böses Erwachen. Haben sich die Kunden mit den zusätzlich zu „Super-Schnäppchen-Preisen“ angebotenen Büromaterialien oder Betttüchern, Lichtschaltern oder Pflegemitteln eingedeckt, sinken die Umsätze wieder. Und der Zusatz- und Hochverkauf? Er schläft nach wenigen Wochen wieder ein.
Registriert dies der Händler, startet er oft die nächste Aktion. Und der Kreislauf beginnt von vorn. Die Folge: Eine kurzfristige Maßnahme jagt die andere – doch sein Ziel, den Umsatz und die Rendite nachhaltig zu steigern, erreicht der Händler nicht.
Eine Ursache, warum man solche Prozesse im Handel oft registriert, ist: Umsatzrückgange können sehr viele Gründe haben. Entsprechend wichtig ist es, vor dem Planen von Umsatzsteigerungsprogrammen zu ermitteln: Was führt tatsächlich zu dem Umsatzrückgang? Denn nur dann kann man zur richtigen Medizin greifen. Das tun die Händler und ihre Industriepartner beim Konzipieren von Umsatzsteigerungsprogrammen leider meist nicht.
Erst eine saubere Diagnose erstellen
Wenn ein Geschäft zu geringe Umsätze erzielt, liegt mit mindestens einem der folgenden drei Faktoren etwas im Argen:
- Kundenfrequenz: Es kommen zu wenig Kunden ins Geschäft.
- Pro-Kopf-Umsatz: Die Besucher kaufen zu wenig.
- Besuchshäufigkeit: Die Kunden kommen zu selten.
Daraus folgt: Händler sollten, bevor sie eine Aktion zum Steigern ihres Umsatzes starten, zunächst analysieren: In welchem Bereich weist mein Geschäft Schwächen auf? Doch Vorsicht! Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Denn wenn ein Geschäft in einem der genannten Bereiche schwächelt, kann dies erneut viele Ursachen haben. Die Kundenfrequenz kann zum Beispiel zu niedrig sein, weil
- der Standort des Geschäfts schlecht ist,
- seine Außendarstellung nicht „attraktiv“ ist,
- die Produktpalette nicht den Kunden-Bedürfnissen entspricht,
- die Kunden nicht angemessen „bedient“ werden oder
- das Geschäft den Ruf „teuer“ hat.
Entsprechendes gilt für den Pro-Kopf-Umsatz. Er kann zu niedrig sein, weil
- das Geschäft die falsche Produktpalette hat,
- die Mitarbeiter nicht verkaufen (können),
- die Ware schlecht platziert ist oder
- das Geschäft eine falsche Kundenstruktur hat.
Und die Besuchshäufigkeit? Sie kann zu niedrig sein, weil
- der Service schlecht ist,
- das Geschäft schwer erreichbar ist,
- keine Kundenbindungsinstrumente existieren oder
- die Preis-/Sortimentgestaltung nicht der Kundenstruktur entspricht.
Zur richtigen Medizin greifen
Die obige Aufzählung listet nur einige der möglichen Ursachen auf, warum ein Geschäft in den genannten Bereichen Probleme haben kann. Nicht nur deshalb fällt es vielen Fachhändlern schwer, ohne Unterstützung ihrer Industriepartner zu ermitteln, welche Gegenmaßnahmen sinnvoll wären. Hinzu kommt: Hinter allen genannten Ursachen verbirgt sich erneut ein Bündel möglicher Ursachen.
Hierfür ein Beispiel: Wenn Mitarbeiter nicht aktiv verkaufen, kann dies unter anderem daran liegen, dass sie
- nicht wissen, wie sie Kunden kontaktieren sollten (Kompetenz),
- zu träge sind, auf diese zuzugehen (Motivation) oder
- überlastet sind (Personalplanung).
Daraus folgt: Nur wenn Fachhändler exakt ermitteln, warum ihre Mitarbeiter zum Beispiel nicht aktiv verkaufen, können Sie die richtige „Medizin“ wählen.
Wechsel- und Nebenwirkungen beachten
Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, dass Sie das Pferd nicht von der falschen Seite aufzäumen. Diese Gefahr ist groß. Denn ein und dieselbe Schwäche wirkt sich oft zugleich negativ auf die Kundenfrequenz, die Besuchshäufigkeit und den Pro-Kopf-Umsatz aus.
Erneut ein Beispiel: Gehen wir davon aus, die Außendarstellung eines Geschäfts ist so schlecht, dass Passanten nicht zum Besuch animiert werden. Dann können diese Personen auch nicht als Neukunden gewonnen werden. Folglich können aus ihnen auch keine Stammkunden werden.
Diese Prozesskette ist vielen Händler nicht bewusst. Sie übersehen oft: Auch ihre besten Stammkunden waren einmal Neukunden. Deshalb sollten Händler die drei Aktionsfelder „Kundenfrequenz erhöhen“, „Pro-Kopf-Umsatz steigern“ und „Besuchshäufigkeit erhöhen“ nie isoliert betrachten. Denn damit ihr Umsatz kontinuierlich steigt, müssen sie alle drei Felder mit System bearbeiten. Dann sind sehr große Umsatzsteigerungen möglich, weil sie die Zuwächse in den Einzelbereichen potenzieren.
Hierfür ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Geschäft steigert die Zahl seiner Kunden um zehn Prozent und sorgt zugleich dafür, dass die Besuchshäufigkeit aller Kunden um zehn Prozent steigt und diese stets zehn Prozent mehr ausgeben, dann beträgt das Umsatzwachstum insgesamt fast 40 Prozent.
Solche Zuwächse können Fachhändler nur erzielen, wenn sie wissen, wo sie den Hebel ansetzen müssen und wie sie die gewünschte Wirkung erzielen können.
Von allem die richtige Dosis wählen
Die möglichen Maßnahmen lassen sich folgenden vier Handlungsfeldern zuordnen:
- Profil: alle Aktivitäten, mit denen die nötige Bekanntheit und das gewünschte Image aufgebaut werden sollen;
- Produktivität: alle Aktivitäten, die darauf abzielen, die Arbeitsprozesse so zu strukturieren, dass effektiv gearbeitet werden kann;
- Professionalität: alle Aktivitäten, mit denen den Mitarbeitern die nötige Kompetenz vermittelt wird;
- Promotion: alle Aktivitäten, die darauf abzielen, bei Kunden ein gewünschtes Verhalten, sei dies der Besuch des Geschäfts oder der (spontane) Kauf eines Produkts, auszulösen.
Nur wenn ein Geschäft in keinem dieser vier Bereiche gravierende Defizite hat, kann es die Kundenfrequenz, die Besuchshäufigkeit und den Pro-Kopf-Umsatz wie gewünscht steigern, sodass letztlich der Gesamtumsatz wie gewünscht steigt.
Erläutert sei dies am Beispiel Kundenfrequenz. Möchte ein Geschäft die Zahl seiner Kunden steigern, sollte es sich nach außen so präsentieren, dass es neue Kunden anzieht. Es muss also Profil zeigen. Das kann es unter anderem, indem es seine Schaufenster so gestaltet, dass Passanten sagen: Da schau ich mal rein.
Sind die (potenziellen) Kunden im Geschäft, müssen ihnen die Waren dort so präsentiert werden, dass die Besucher das Gefühl haben: Ich bin in einem Fachgeschäft – und nicht in einem Ramschladen. Außerdem müssen die Abläufe und Strukturen so gestaltet sein, dass das Personal produktiv arbeiten kann. Doch dies allein genügt nicht. Zudem müssen die Verkäufer die Kunden angemessen betreuen und beraten. Das heißt, sie müssen im Kundenkontakt die nötige Professionalität zeigen. Nur dann gelangt der Kunde zur Überzeugung: „In diesem Geschäft bin ich goldrichtig.“ Und nur dann lässt er sich als Stammkunde gewinnen.
Verhalten sich die Mitarbeiter nicht professionell, dann waren alle Bemühungen, das Profil des Geschäfts zu schärfen und die Produktivität zu steigern, vergebens, denn der Neukunde kommt nicht wieder. Folglich war jeder Euro, der hierfür ausgegeben wurde, eine Fehlinvestition. Deshalb sollten die Händler und ihre Industriepartner beim Planen von Umsatzsteigerungsprogrammen die vier Handlungsfelder Profil, Produktivität, Professionalität und Promotion nie isoliert betrachten, denn sie beeinflussen sich wechselseitig.
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Elektromarkt-Ranking: Kundenservice in Elektromärkten oft ein Fremdwort
Die größten Schwachpunkte: Servicemitarbeiter sind oft nicht verfügbar oder ihnen fehlt die Beratungskompetenz. Häufig geht das Personal auch nicht ausreichend auf die Kundenbedürfnisse ein oder zeigt sich wenig hilfsbereit. Gerade solche Faktoren beeinflussen die Kundenbindung aber entscheidend. So lautet das Urteil der aktuellen Branchenstudie "Servicequalität von Elektromärkten 2009" der unabhängigen Ratingagentur ServiceRating aus Köln.
Im Einzelnen wurden die Servicestärke und die Serviceprofile folgender 15 Händler in der Studie untersucht:
- Conrad Electronic,
- Electronic Partner (EP),
- Euronics,
- expert,
- Globus Haushalts- und Elektroartikel,
- die Elektroabteilungen von Karstadt,
- Kaufhof und Kaufland,
- Marktkauf-Multimedia,
- Media Markt,
- Medi Max,
- Pro Markt,
- Saturn,
- Real-Markt Technik-Center,
- toom Verbrauchermarkt-Multimedia sowie
- der Vergleichsgruppe "Elektrofachhändler um die Ecke".
Von den großen Elektromarktketten bieten demnach lediglich Conrad Electronic und Electronic Partner (EP) ihren Kunden ein vergleichsweise hohes Service- und Beratungsniveau. Der Rest der Anbieter versinkt im Mittelmaß oder zeigt deutliche Schwächen. Unangefochtener Spitzenreiter im Service-Ranking ist der "Elektrofachhandel um die Ecke". Dieser weist gleichzeitig auch die höchsten Werte bei der Kundenbindung auf. Studienleiter Stefan Heinisch, Senior Service Analyst bei der ServiceRating GmbH:
"Vielen großen Elektrofachmärkten gelingt der Spagat zwischen attraktiven Preisen und überzeugenden Serviceleistungen nicht. Im reinen Preiskampf sind sie dann Discountern oder der Konkurrenz aus dem Internet schnell unterlegen. Kundenbindung baut sich nur auf dem Weg überzeugender Serviceerfahrungen auf."
Deutliche Serviceunterschiede
Der "ServiceIndex" für die Elektromarkt-Branche liegt aktuell bei 52 von 100 möglichen Indexpunkten und damit in etwa auf dem Niveau von Baumärkten (53) oder Möbelhäusern (50).
Erreicht wird dieser allerdings vor allem durch die hohe Service- und Beratungsqualität des kleinen Fachhandels um die Ecke (77). Die Spannweite zwischen dem in puncto Servicequalität am schlechtesten und am besten bewerteten Händler liegt ansonsten zwischen 30 und 65 Punkten.
Am Ende des Rankings stehen (in alphabetischer Reihenfolge) Marktkauf-Multimedia, Medi Max, das Technik-Center von Real-Markt und toom Verbrauchermarkt-Multimedia. Aber auch andere namhafte Anbieter bekleckern sich beim Service nicht mit Ruhm. Das bekannte Geschwisterpärchen Saturn und Media Markt bietet aus Kundensicht keine großen Unterschiede; Media Markt wird ein etwas besseres Service-Image zugesprochen, Saturn erhält die etwas besseren Noten. Insgesamt finden sich beide Anbieter im unteren Mittelfeld des Rankings wieder.
In den jährlich erhobenen "ServiceIndex" der Elektromarkt-Branche gehen die Urteile der Kunden zur wahrgenommenen Beratungsqualität, zur Zuverlässigkeit und Fehlerfreiheit der Anbieter sowie zu ihren angebotenen Zusatzservices ein. Untersucht wurden darüber hinaus 32 einzelne Service- und Leistungsmerkmale und deren Einflussstärke auf die Kundenbindung. Dr. Claus Dethloff, Geschäftsführer der ServiceRating GmbH, prognostiziert:
"Am Prinzip ´Self-Service´ orientierte Einkäufe werden im Elektromarkt zukünftig noch stärker über Niedrigpreis-Suchmaschinen gesteuert oder sich ganz ins Internet verlagern. Im stationären Handel haben daher wieder solche Anbieter besondere Chancen, die echte Servicestrategien entwickeln, ihren Kunden ´Service pur´ anbieten und ihre Serviceversprechen auch tatsächlich halten."
Fazit: Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Die Elektromarktbranche darf frohlocken; sie kann in den kommenden Wochen besonders davon profitieren, dass die Weihnacht für die meisten Verbraucher keine Krise kennt. Viele Kunden würden es aber begrüßen, wenn ihnen beim Weihnachtseinkauf auch ein besonderer Service beschert würde.
Zur Studie
Für die Studie "Servicequalität von Elektromärkten 2009" wurden 2.000 Verbraucher zu ihren Erfahrungen mit dem Service von Elektromärkten und Fachabteilungen der Warenhäuser befragt.
[po; Quelle: ServiceRating GmbH; Bild: Svenja Michel - Fotolia.com]
Vertriebs-Check: So werden Sie im Vertrieb besser
Verkaufsunterlagen optimieren
Wann sind die Dokumente, mit denen Sie Ihr Angebot und Ihr Unternehmen bei neuen Kunden vorstellen, zum letzten Mal aktualisiert worden? Allzu viele Außendienstmitarbeiter begnügen sich damit, die Preislisten auszutauschen und sich dann vor Ort mit verschiedenen Prospekten zu behelfen. Dass solche „Loseblattsammlungen“ keinen guten Eindruck erwecken, versteht sich von selbst. Prüfen Sie jetzt die Unterlagen Ihrer Mitarbeiter, ob alle ein Paket für eine gelungene Erstpräsentation vollständig in einer Mappe zusammenhaben. Ergänzen Sie fehlende und aktualisieren Sie bestehende Teile und sorgen Sie auch dafür, dass alles optisch ansprechend aussieht.
"Programmlöcher" stopfen
Schauen Sie sich die Verteilung der Umsätze auf die einzelnen Produkte und Leistungen an. In der Regel werden Sie feststellen, dass Sie mit relativ wenigen Angeboten Ihres Unternehmens den größten Anteil Ihrer Verkaufserfolge bestreiten. Dies kann natürlich an der Art Ihres Sortiments oder in der Nachfragestruktur Ihres Verkaufsgebiets liegen. Aber häufig liegt der Grund auch einfach darin, dass Verkäufer nur über einen Teil des Programms Bescheid wissen und deshalb den Kunden stets die gleichen Angebote vorlegen.
Gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern den aktuellen Katalog Ihres Unternehmens durch und fragen Sie nach, wie viel Sie eigentlich von den jeweiligen Angeboten wirklich wissen. Orientieren Sie sich dabei an dem Schema „Merkmale-Kundennutzen-Verkaufsargumente“, ob die Mitarbeiter eine seriöse Beratung für alle Segmente durchführen können. Schreiben Sie sich festgestellte Lücken auf und versuchen Sie, diese in Einzelgesprächen oder Schulungsmaßnahmen zu schließen.
Besuchswesen optimieren
Es gibt Einkäufer, die honorieren jeden Besuch mit einem Auftrag. Andere dagegen haben ihren eigenen Bestellrhythmus und ignorieren Abschlussfragen mit dem Hinweis auf interne Entscheidungsprozeduren. Wenn Sie Ihre Planung gezielt optimieren, können Sie hier deutlich effizienter verkaufen. Prüfen Sie dazu, welche Kunden bei Besuchen abschließen und welche nicht. All jene, die einen Besuch durch einen Abschluss honorieren, sollten Sie öfters besuchen lassen und dadurch mehr verkaufen. Wo Sie selten mit einem Abschluss nach Hause kommen oder wo direkt im Unternehmen bestellt wird, versuchen Sie zu ergründen, wann genau hier Entscheidungen getroffen werden, und konzentrieren Sie sich bei Ihrer Besuchsplanung auf diese Zeitspanne.
Echte Kaufabsichten erkennen
Vor allem das Internet und die damit verbundene einfache Recherchemöglichkeit hat in vielen Unternehmen eine Flut von Anfragen ausgelöst, die viel Arbeit macht. Aber nicht selten ist die Ausbeute so gering, dass man sinnvollerweise nicht jede detailliert bearbeiten kann. Doch auf welche soll man sich konzentrieren, und auf welche nicht? Stellen Sie eine Liste mit Indizien auf, die auf wirkliches Interesse hinweist. Stellen Sie sich dazu Fragen wie „Hat sich der Kunde schon auf der Webseite oder woanders vorinformiert?“ oder „Wird nur nach dem Preis gefragt oder auch nach anderen Eigenschaften?“. Mit drei bis fünf Kriterien können Sie und Ihre Mitarbeiter in wenigen Sekunden erfolgversprechende von wenig aussichtsreichen Anfragen trennen und damit die Erfolgsquote der Interessentenbearbeitung deutlich erhöhen.
Beziehungsmanagement verbessern
„Alte Hasen“ im Außendienst managen die Kontakte zu ihren Gesprächspartnern „aus dem Bauch“ heraus. Das muss nicht das Schlechteste sein, erfordert jedoch ein großes natürliches Talent und viel Erfahrung. Sie selbst sollten hier nichts dem Zufall überlassen, denn Verkaufen - Sie wissen es - ist fast immer etwas Persönliches. Und nicht selten hängt ein Abschluss davon ab, ob Sie und Ihre Mitarbeiter von dem Verantwortlichen respektiert und gemocht werden. Erstellen Sie für die kommenden Monate einen Kontaktplan, in den Sie jede geplante Kommunikation mit Ihren wichtigsten Geschäftspartnern eintragen. Analysieren Sie dann, ob Sie entsprechend der Wichtigkeit jedes Einzelnen genügend Beziehungspflege betreiben. Wenn nicht, sollten Sie weitere Anlässe finden und eintragen.
Fünf Fragen: Wenn die Antwort „Nein“ heißt, haben Sie Möglichkeiten zur Optimierung Ihres Vertriebes gefunden.
- Sind alle Kunden mit allen Gesprächspartnern in einer zentralen Datenbank erfasst?
- Surfen die Mitarbeiter regelmäßig auf den Websites Ihrer besten Kunden?
- Verfügen Ihre Mitarbeiter bei den wichtigsten Kunden über mehrere Ansprechpartner?
- Kennen Sie und Ihre Mitarbeiter die wichtigen Entscheidungstermine bei Kunden? Und konzentrieren sich die Verkaufsanstrengungen auf diese Zeitspannen?
- Nutzen Sie bei größeren Aufträgen die Möglichkeit, nach Erledigung noch einmal die Zufriedenheit abzufragen?
Trends im Vertrieb: Positive Stimmung trotz erhöhtem Kostendruck
Trotz anhaltender Auswirkungen der Wirtschaftskrise sehen die deutschen Vertriebsentscheider dem Jahr 2010 überraschend positiv entgegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine branchenübergreifende Studie der Managementberatung BBDO Consulting und des Outsourcing-Spezialisten SELLBYTEL Group. Die Befragten sind in Bezug auf die Umsatzsituation im kommenden Jahr recht optimistisch. 47 Prozent rechnen mit gleichbleibenden, 29 Prozent mit steigenden Umsätzen, lediglich 24 Prozent gehen davon aus, dass sich der Umsatz verschlechtern wird.
Gegen den Trend befindet sich der Handel in "Hab Acht"-Stellung, hier rechnet knapp die Hälfte mit sinkenden Umsätzen. Wie im Marketing sieht auch der Vertrieb im steigenden Kostendruck die größte Herausforderung für 2010. Haupttreiber sind dabei geringere Margen und der Trend zu Billiganbietern. Dennoch wollen 72 Prozent die Höhe ihres Vertriebsbudgets beibehalten, 20 Prozent wollen es sogar erhöhen. Wichtigster Erfolgsfaktor ist mit 19 Prozent die Kundenbindung. Die Bestandskunden sollen vor allem durch aktives Kundenbindungsmanagement und Qualitätsoffensiven überzeugt werden. Kurz- und mittelfristig wird dabei auf einen intensiven Kundendialog (92 Prozent), sowie die Optimierung der Servicequalität (89 Prozent) und auf verstärkte Kundenorientierung (89 Prozent) gesetzt. Udo Klein-Bölting, CEO von BBDO Consulting:
"Nach Jahren der kopflosen Neukunden-Akquisition stehen in vielen Branchen nun wieder die Bestandskunden im Fokus. Betreuungs- und Service-Konzepte, die alle Kommunikationskanäle gekonnt vernetzen, erzielen beim Kunden die besten Ergebnisse und können die Kosten signifikant senken."
Darüber hinaus soll eine Überprüfung der Vertriebseffizienz (70 Prozent) durchgeführt und Investitionen in die Vertriebsstruktur (53 Prozent) getätigt werden. Auch die stärkere Bündelung von Marketing- und Vertriebsaktivitäten spielt laut 71 Prozent der Befragten im kommenden Jahr eine wichtige Rolle. Klein-Bölting kommentiert:
"Da wächst endlich zusammen, was zusammen gehört. Im digitalen Zeitalter verschwinden die Grenzen zwischen Marketing und Vertrieb endgültig."
Topthemen im Personalmanagement sind mit 75,5 Prozent die Mitarbeiterentwicklung und der Ausbau von Mitarbeiterbindungsprogrammen (60 Prozent). Dabei tritt die Unterscheidung in Innen- und Außendienst immer mehr in den Hintergrund. Michael Raum, CEO der SELLBYTEL Group, sagt:
"Außen und innen gibt es nicht mehr, sondern lediglich ein ideales Zusammenspiel von Präsenzvertrieb und virtuellem Vertrieb."
Die Ergebnisse nach Branchen
In Bezug auf die Umsatzerwartungen gibt es innerhalb der einzelnen Branchen Unterschiede zu verzeichnen. Der Chemie-Sektor (60 Prozent), Finanzdienstleister (50 Prozent) und die IT, Telekommunikations- und Medien-Branche (40 Prozent) rechnen für 2010 mit steigenden Umsätzen. Schwarz sieht hingegen der Handel für das kommende Jahr: 47 Prozent der Befragten gehen von sinkenden Umsätzen aus, in der Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie sind es jeweils 33 Prozent.
Größte branchenübergreifende Herausforderung ist der steigende Kostendruck, den insbesondere die Automobil-Branche (90 Prozent), der Handel (86,7 Prozent) und die Finanzdienstleister (82,5 Prozent) kritisch sehen. Weitere Herausforderungen sind sinkende Margen und der Trend zu Billiganbietern. Dennoch plant die Mehrzahl der Befragten eine Beibehaltung oder sogar Steigerung des Vertriebsbudgets. Spitzenreiter sind die Finanzdienstleister, von ihnen streben 22,5 Prozent eine Budgeterhöhung an, gefolgt von der IT-Branche mit 20 Prozent und der Automobil-Branche mit 15. Einhergehend mit Umsatzeinbrüchen plant der Handel für 2010 mit geringeren Vertriebsbudgets, hier gehen 27 Prozent sogar von einer Senkung des Budgets aus.
Branchenübergreifend relevant ist mit insgesamt 89 Prozent die Verbesserung der Kundenbeziehung, aber auch die Überprüfung der Vertriebseffizienz (70 Prozent) und Investitionen in die Vertriebsstruktur (53 Prozent) stehen auf der Agenda der Entscheider. Im Bereich Transport/Logistik planen 80 Prozent den Vertrieb effizienter zu gestalten, in der Automobil-Branche sind es 80 Prozent und im Handel 75 Prozent. Spitzenreiter bei den Investitionen in die Vertriebsstruktur ist mit 80 Prozent die Chemiebranche, gefolgt von den Finanzdienstleistern mit 62,5 Prozent und den Konsumgüterherstellern mit 60 Prozent. Eine weitere relevante Maßnahme ist für 71 Prozent aller Befragten eine stärkere Bündelung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Im Personalbereich setzen 75,5 Prozent auf Fortbildungsprogramme und 60 Prozent auf Mitarbeiterbindungsprogramme.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- Vertriebsbudgets profitieren von den eher positiven Umsatzerwartungen: 92 Prozent planen für 2010 mindestens mit gleichbleibendem Budget.
- Zentrale Themen: Kundenbindung und Steigerung der Servicequalität.
- Mehr Effizienz: Steigender Kostendruck, der Trend zu Billiganbietern und geringere Margen erfordern mehr Effizienz und verstärkte Investitionen in die Vertriebsstrukturen.
- Synergien nutzen: Marketing und Vertrieb wachsen zur bestmöglichen Kundenbearbeitung zusammen.
- Revolution im Personalmanagement: Investitionen in die Qualifizierung der Innendienstmitarbeiter. Ideales Zusammenspiel von Präsenzvertrieb und virtuellem Vertrieb statt Differenzierung in Außen- und Innendienst.
Zur Studie
Für die Studie wurden im Oktober 2009 in einer repräsentativen Teilerhebung 300 deutsche Vertriebsentscheider zu ihren Geschäftserwartungen, Vertriebsaktivitäten und -budgets sowie zu geplanten Maßnahmen, Investitionsschwerpunkten und Erfolgsfaktoren für das Wirtschaftsjahr 2010 befragt.
[po; Quelle: BBDO Consulting; Bild: colin nixon - Fotolia.com]
E-Shop-Systeme: Was Sie bei der Auswahl beachten sollten
Zu Beginn von E-Shop- Projekten stehen Unternehmen vor der Aufgabe, ein geeignetes System als Basis für die geplante Umsetzung zu finden. Besonders durch die enge Verzahnung eines E-Shop-Projektes mit den unternehmenseigenen Prozessketten zur Bestell- und Zahlungsabwicklung ist eine ganze Reihe von Stakeholdern zu berücksichtigen. Dies zieht sich von Marketing und IT-Abteilung über Produktplanung und Logistik bis hin zur Buchhaltung. Der folgende Leitfaden stellt eine Unterstützung zur erfolgreichen Durchführung eines Auswahlprozesses für Shop-Systeme dar.
Der Auswahlprozess
Um eine möglichst strukturierte und sachliche Auswahl eines Shop-Systems zu ermöglichen, sollte das Vorgehen einem im Vorhinein festgelegten Ablauf folgen. Dies erlaubt es insbesondere im Nachgang, den Entscheidungsprozess anhand einer Dokumentation der einzelnen Ergebnisse überprüfbar zu halten und diesen bei geänderten Rahmenbedingungen noch einmal zu revidieren.
Im Folgenden sind die relevanten Schritte beschrieben. Dabei sollte überlegt werden, inwieweit der Prozess in Eigenregie durchgeführt werden soll oder eine Unterstützung einer externen Agentur Sinn macht.
Anforderungserfassung
Ein System muss sich von einer Vielzahl von Produkten abheben. Die systematische Erfassung der Anforderungen an das neue System hilft, alle Komponenten zu berücksichtigen. Ein Anforderungskatalog stellt innerhalb in Form einer tabellarischen Struktur alle Anforderungskriterien erläuternd und mit Gewichtung dar.
Zur Erfassung bietet sich eine tabellarische Struktur an, in welcher die einzelnen Anforderungskriterien in Verbindung mit einer kurzen Erläuterung dargestellt werden. Zusätzlich sollte jedes Kriterium mit einer Gewichtung versehen werden. Hier hat sich eine Unterteilung in Muss-, Kann- und Soll-Kriterien bewährt. In diesen Prozess sollten möglichst alle am geplanten System beteiligten Parteien eingebunden werden, um eine spätere Akzeptanz des gewählten Systems weiter zu unterstützen. Außerdem bietet es sich während der Anforderungsdefinition meist an, einen Blick auf vergleichbare Shop-Angebote zu werfen.
Üblicherweise bilden sich im Zuge der Anforderungsdefinition die folgenden Themenfelder heraus:
Frontend-Funktionalitäten zur Darstellung des Produktkataloges
Hier werden Themen wie die Navigationsmöglichkeiten, automatische und manuelle Querverlinkung, Such- und Vorschlagsfunktionen, Darstellung der Warenverfügbarkeit und zielgruppenspezifische Ansprache behandelt. Konkrete Projektanforderungen an ein späteres Umsetzungsprojekt müssen hier von für die Wahl des Systems relevanten Anforderungen getrennt werden. Auch die Anpassbarkeit des Systems und seine Konfigurierbarkeit sollten berücksichtigt werden.
Interaktive Frontendfunktionen
Dieses Themenfeld behandelt Frontend-Funktionalitäten, welche es dem Besucher erlauben, sein Shop-Erlebnis individuell zu gestalten. Hierzu zählen zum Beispiel Funktionen wie Merkzettel oder Wunschliste, automatisierte Benachrichtigungen und Individualisierung von Produkten.
Bestellvorgang
Der Bestellvorgang ist ein wichtiger Bestandteil des Shops und führt bei unzureichender Umsetzung zum Verlust kaufbereiter Kunden. Hier sollte auch die vom System vorgegebene Abfolge der einzelnen Schritte geachtet werden und überlegt werden, wie die Bestellung weiterverarbeitet wird. Die einfachste Lösung ist die Benachrichtigung eines Sachbearbeiters via E-Mail sowie die Speicherung der Bestellung im Shop-System.
Zahlungsvorgang
Die eigentliche Zahlungsabwicklung erfolgt üblicherweise außerhalb des Shop-Systems, sodass hier der Schnittstellenthematik eine besondere Bedeutung zukommt. Mit Blick auf die geplanten Zielgruppen sollte eine Auswahl der anzubietenden Zahlungsmöglichkeiten getroffen werden. Dabei sind Themen wie Benutzerkomfort, Sicherheit der Zahlung und Verbreitung des Zahlungsdienstes zu berücksichtigen.
Kundenbindung
Zur Kundenbindung oder Unterstützung von Marketingaktionen werden häufig Gutscheinsysteme eingesetzt. Dabei ist auf eine entsprechende Unterstützung im Shop-System zu achten. Es müssen sowohl das Thema Gutscheingenerierung als auch Gutschrift und Validierung behandelt werden. Findet die Generierung in einem externen System statt, so ist eine Schnittstelle zur Validierung vorzusehen.
Marketingunterstützung
Wenn der geplante Shop für Marketingaktivitäten wie Newsletter, Banner oder Kampagnen auf der Website eingebunden werden soll, sollte die Möglichkeit bestehen, innerhalb des Shops Affiliate-Parameter weiterzuleiten und eventuell gefilterte Listen registrierter Nutzer für den Newsletter zu exportieren.
Pflegemöglichkeiten im Backend
Hier empfiehlt sich die Definition der Anforderungen zur Bearbeitung des Produktkatalogs. Ebenso ist die Bearbeitung von E-Mail- und sonstigen Vorlagen sowie Bestätigungsmeldungen meist wünschenswert. Dadurch entfällt eine Entwicklungsleistung, um beispielsweise Ansprechpartner zu ändern. In einigen Fällen ist ein Massen-Upload für Mediadaten zu berücksichtigen. Auch die Überprüfung eines Rechte- und Rollensystems ist sinnvoll.
Sprach- und Währungsunterstützung
Sowohl bei der Bedienung des Backends als auch bei der Darstellung des Frontends ist das Thema Mehrsprachigkeit zu berücksichtigen. Gerade im Backend finden sich im Open-Source Bereich immer noch rein englischsprachige Interfaces. Im Frontend spielt das Thema Mehrsprachigkeit eine hervorgehobene Rolle. Soll der Shop in mehreren Ländern verfügbar sein, ist zudem die Unterstützung mehrerer Währungen in einem System ein zu behandelndes Kriterium.
Statistik
Der Bereich Statistik sollte immer ausgehend der von verschiedenen Stakeholdern benötigten Zahlen geplant werden. Aus diesen lassen sich häufig Auswertungen definieren, die dann entweder vom Shop-System selbst oder durch Verwendung einer externen Tracking-Software erstellt werden müssen.
Technische Basis
Oft besteht aufgrund vorhandener Systeme bereits eine Präferenz für eine bestimmte technische Basis. Sei es, um beispielsweise bereits vorhandene Lizenzen möglichst gut nutzen zu können oder um auf bestehende Kompetenzen zurückzugreifen. Hier bietet es sich an, zwar eine Präferenz auszusprechen, allerdings noch keine konkrete Festlegung vorzunehmen.
Schnittstellen
Das Thema Schnittstellen erhält bei Shop-Systemen normalerweise einen recht hohen Stellenwert. Dies liegt insbesondere daran, dass mit einer Vielzahl spezialisierter Systeme zur Abwicklung der verschiedenen Aufgaben kommuniziert wird. Selten bringt ein System bereits alle notwendigen Anbindungen mit, sodass verstärkt auf die Flexibilität einer generischen Schnittstelle und die Verwendung offener Standards geachtet werden sollte.
Anbieterkriterien
Neben den rein funktionalen Kriterien sollten auch die Themen Verbreitung (und damit Zukunftssicherheit) des Systems, vorhandene Neu-Referenzen im letzten Jahr und geplante Roadmap sowie Lizenzkosten und verfügbarer Support berücksichtigt werden.
Systembewertung
Nach der Erstellung des Anforderungskataloges erfolgt dessen Auswertung. Die Zahl der betrachteten Systeme wird anhand prominenter Muss-Kriterien reduziert. Für diese wird eine vollständige Beantwortung des Katalogs durchgeführt. Die Beantwortung kann dabei zum einen durch Versand des Anforderungskatalogs an die Anbieter mit der Bitte um Beantwortung erfolgen. Wird dieser Weg gewählt, so sollte neben einer reinen Ja/Nein Beantwortung immer auch eine kurze Erläuterung gefordert werden.
Als Alternative, und gerade bei einer Betrachtung von Open-Source-Systemen bleibt die eigenständige Beantwortung der Fragen durch Analyse vorhandener Dokumentation oder Installation einer Demoversion. Hier kann auch häufig auf die Unterstützung einer Agentur zurückgegriffen werden. Zudem können Community-Plattformen wie Mailinglisten oder Foren unterstützende Informationen liefern.
Liegt eine Beantwortung des Kriterienkatalogs für die einzelnen Systeme vor, können diese ausgewertet werden. Besonderes Augenmerk kommt dabei den Muss-Kriterien zu, mittels derer die Kandidatenliste auf einfache Weise weiter eingeschränkt werden kann. Zeigt sich hier, dass der Kreis möglicher Systeme zu weit eingeschränkt wird, muss eventuell eine erneute Abstimmungsrunde erfolgen, um Alternativen zur gewünschten Funktionalität aufdecken zu können.
Soll- und Kann-Kriterien werden anschließend meist in einer nach Funktionsgruppen getrennten Auswertung gewichtet und je System aggregiert. Die sich daraus ergebenden Muster zeigen meist auf recht anschauliche Weise die Schwerpunkte der einzelnen Systeme auf, und dienen als Grundlage für die Erstellung der Shortlist und Systemsteckbriefe des nächsten Schritts.
Shortlist und Systemsteckbriefe
Basierend auf den Auswertungen der Anforderungskataloge ergibt sich eine Shortlist mit den in die engere Betrachtung kommenden Systemen. Zu jedem dieser Systeme sollte nun ein kurzer Steckbrief erstellt werden, der die Stärken und Schwächen des Systems in Bezug auf die Anforderungen aufzeigt. Ebenso findet hier eine Aufführung der Anbieterkriterien wie Referenzlage, Zukunftssicherheit, Lizenz- und Supportkosten Platz.
Diese Steckbriefe dienen dann als Grundlage für die Auswahl eines konkreten Systems. Stellt sich hier eine klare Konkurrenzsituation zwischen zwei Systemen heraus, so kann die nachfolgende Teststellung auch mit zwei Systemen durchgeführt werden.
Teststellung
Der Schritt Teststellung bedeutet Detailarbeit. Er kann als Teil des folgenden Umsetzungsprojekts betrachtet werden oder aber unabhängig von einem nachfolgenden Projekt stattfinden. Letzteres bedeutet einen erheblichen Zusatzaufwand bei der Umsetzung. Der Umfang der zu betrachtenden Funktionen sollte mit Bedacht gewählt werden. Relevant sind hier die Kriterien, die in der Auswertung des Anforderungskataloges noch Zweifel aufwarfen.
Projektbeginn
Je nach Gestaltung der Teststellung findet der Projektbeginn des eigentlichen Umsetzungsprojektes entweder im Anschluss oder direkt zu Beginn der Teststellung statt. Handelt es sich um ein kommerzielles System, müssen nun die Vertragsverhandlungen und der Bezug der Lizenzen abgeschlossen werden. Auch die Feinkonzeption sollte jetzt erfolgen, nachdem sie mit dem ursprünglich erstellen Anforderungskatalog noch einmal verglichen wurde.
[Bild: Martin Winzer - Fotolia.com]
Aggressive Kunden: Wie Verkäufer Konflikte gekonnt auflösen
Dass aggressive Kunden dem Harmoniebedürfnis von Menschen – und Verkäufer sind auch nur Menschen – alles andere als entgegenkommen, versteht sich von selbst. Verkäufer sollten diese Kunden jedoch nicht als lästige Störenfriede ansehen, denn sie lassen sich wenigstens noch auf eine Form der Kommunikation ein. Zwar ist diese Kommunikation mit „hitzigen“ Kunden nicht ganz einfach zu bewältigen, aber eine Herausforderung, die gemeistert werden kann. Vorausgesetzt, das Unternehmen nutzt die Chance auf Verbesserung und dem Verkäufer steht ein ausreichendes Wissen im Umgang mit aggressiven Kunden beziehungsweise der Lösung von Konfliktsituationen zur Verfügung.
Erfahrungen auf Kundenseite
Viele verärgerte Kunden machen in Deutschland ähnliche Erfahrungen: Beschwerden werden oft völlig ignoriert, es gibt keine festen Ansprechpartner dafür, sie müssen sich durch das Unternehmen hindurchfragen und endlos lange telefonieren, bis sie endlich jemanden gefunden haben, der ihnen ein Ohr leiht. Zudem müssen sie damit rechnen, zuerst angemeckert zu werden und dann auch noch damit, dass ihre Beschwerde ergebnislos im Sande verläuft. Das liegt hauptsächlich an zwei Gründen:
- Zum einen ist die persönliche Einstellung der Verkäufer und auch der Geschäftsinhaber zu Konflikten oft so, dass sie Auseinandersetzungen als Störung betrachten anstatt als Chance zur Weiterentwicklung. Sie vermeiden, ignorieren und flüchten so lange, bis es eskaliert.
- Zum anderen haben Unternehmer deshalb auch oft keine konkreten Handlungsanweisungen oder Richtlinien entworfen, die den Umgang von Verkäufern mit Kunden im Streitfall in ihrem Unternehmen regeln.
Warum Kunden sich ärgern
Damit Unternehmer Richtlinien für ein wertvolles Konfliktmanagement entwerfen können, müssen sie wissen, was ihre Kunden verstimmt. Im Einzelhandel basieren die häufigsten Motive für Verärgerung auf Mitarbeitern, die an Freundlichkeit und Fachkenntnis zu wünschen übrig lassen.
Daneben drücken lange Wartezeiten auf das Gemüt. Die Kauflust schmälert ebenso, wenn das gewünschte Produkt nicht im Regal steht und noch mehr empört Kunden, wenn sie dann ein Produkt kaufen, das sich außerdem als mangelhaft herausstellt. Auch bei den Ausgaben der Kunden gibt es Schmerzgrenzen: Ist ein Produkt zu teuer, verärgert das den Kunden. Genauso empfinden manche Käufer, wenn sie keine oder nur marginale Preisnachlässe erhalten.
Ungenießbar können Kunden werden, wenn sie sich gering geschätzt fühlen oder den Eindruck haben, übertölpelt worden zu sein. Der Kunde will selbst entscheiden und er will mit seinem Anliegen und Bedürfnissen ernst genommen werden. Verärgerte Kunden sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen.
Typische Konfliktsignale
Erste Signale sendet der Kunde durch einen veränderten Tonfall in der Stimme oder durch seine Körpersprache. Einzelne Signale müssen nicht eindeutig auf einen verstimmten Kunden hinweisen, aber meist tritt ein Anzeichen nicht alleine auf. Treten sie im Bündel auf, wird klar: der Kunde ist verärgert.
Bevor er seinen Ärger artikuliert und kommuniziert, drückt er ihn meist schon durch nonverbale Signale aus: Im Gesicht tritt eine gerunzelte Stirn auf, er rümpft die Nase oder zieht die Augenbraue hoch und er presst die Lippen zusammen (damit die Wut nicht von selbst in Form von Worten herausdringt). Mit angespannten Schultern und halb abgewandten Körper droht er vielleicht noch mit dem Zeigefinger, den er wie eine Pistole auf den Verkäufer richtet. Verschränkt er vielleicht auch seine Arme vor dem Körper und schüttelt den Kopf – dann sind die Anzeichen eindeutig.
Manche Kunden gehen dann sehr schnell und aggressiv auf den Verkäufer zu und vergessen jegliche Distanz, indem sie ihn berühren. Gleichzeitig wird die Stimme lauter, der Tonfall aufmüpfig, rechthaberisch und dickköpfig. Der Kunde kann sich in der Wortwahl vergreifen und den Verkäufer persönlich verantwortlich machen, er wird unsachlich und nimmt keine Argumente mehr wahr.
Strategien zur Deeskalation
Hilfreich ist, wenn im Unternehmen ein roter Faden für Reklamationsgespräche erarbeitet wird. Meist hat sich schon Wut aufgestaut, wenn sich ein Kunde beschwert. Ein wichtiges Ventil ist, wenn er seine Luft erst einmal ablassen kann. Lassen Sie ihn reden – und hören Sie genau zu. Fragen Sie nach und wiederholen Sie seine Vorwürfe in eigenen Worten: Erstens können Sie sich damit sicher sein, ihn richtig verstanden zu haben, zweitens soll er aussprechen dürfen, was ihn aufregt. Übernehmen Sie als Empfänger der Reklamation Verantwortung, auch wenn Sie nicht der Verursacher waren. Verweisen Sie nicht auf den Zulieferer XY oder Kollegen „Meier“, die am Malheur schuld sind (oder sein sollen). Sie repräsentieren in diesem Moment für den Beschwerdeführer das Unternehmen und sollten sich sofort um die Erledigung kümmern.
Versetzen Sie sich in die Situation des Kunden. Die emotionale Seite einer Auseinandersetzung ist nicht zu unterschätzen. Deshalb: Bringen Sie Verständnis für seine Lage auf! Er fühlt sich dann nicht so alleine gelassen. Bleiben Sie ruhig und vor allem: Geben Sie nicht dem Kunden die Schuld. Besser ist, das Problem zu lösen, anstatt die Schuldfrage klären zu wollen. Das trägt nur zur weiteren Eskalation bei.
Wenn die Ware eindeutig fehlerhaft ist, dann entschuldigen Sie sich. Wenn der Kunde verlangt, den Verkäufer zu sprechen, der ihm das fehlerhafte Produkt verkauft hat oder den Chef, weil er mit seiner Forderung nicht durchkommt, dann verleugnen sie den Kollegen oder Chef nicht. Ziehen Sie die Mitarbeiter ruhig hinzu. Der nächste Schritt ist, eine gemeinsame Lösung zu finden, die für beide Seiten annehmbar ist. Wird neben der Behebung der sachlichen Mängel dem Kunden vor allem auf der emotionalen Ebene gezeigt, dass man sein Anliegen ernst nimmt und ihn wertschätzt, so können aus unzufriedenen sogar begeisterte Kunden werden.
Ein paar Tipps für Konfliktgespräche
- Lassen Sie Ihren Kunden ausreden, hören Sie aufmerksam zu und signalisieren Sie Zustimmung.
- Unterstellen Sie Ihrem Kunden nichts: „Haben Sie die Gebrauchsanweisung nicht befolgt?“
- Bleiben Sie bei den Fakten und kommunizieren Sie klar: Auch an der Körperhaltung und Mimik kann der Kunde erkennen, wenn Sie ihn nicht ernst nehmen.
- Senden Sie Ich-Botschaften: Vermeiden Sie das Wörtchen „man“ – wer ist das?
- Verschränken Sie nicht die Arme vor Ihrem Kunden oder wenden sich klar von ihm ab.
- Bleiben Sie ruhig im Tonfall und sachlich in der Wortwahl.
- Verzichten Sie auf Verallgemeinerungen: Bei dem Produkt war noch nie etwas kaputt!
- Vermeiden Sie Gegenanschuldigungen: Das hätten Sie gleich erzählen müssen, dann...!
Eigene Einstellung ist ein Teil der Lösung
Wenn eine Situation kurz vor der Eskalation steht und der Käufer barsch wird, ist es menschlich verständlich, in Abwehrhaltung zu gehen. Wie sich viele Fachverkäufer dann verhalten, hängt von ihrer Persönlichkeit ab:
- selbstbewusste Händler verteidigen die eigene Position,
- harmoniebedürftige versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen und
- Verkäufer ohne Selbstvertrauen schieben die Gründe für den Ärger auf andere.
Diese Reaktionen beruhen auf der Vorstellung, dass Konflikte grundsätzlich negativ und damit überflüssig sind. Konflikte sind aber naturgegeben und sollten deshalb offen angegangen werden, damit eine Lösung erreicht werden kann. Zunächst sollten sich Verkäufer über ihre innere Einstellung zu Konflikten klar werden. Wichtig ist dabei, dass Mitarbeiter eine Reklamation niemals persönlich nehmen, auch wenn ein Kunde aggressiv und emotional auftritt.
Wenn ein Kunde mit einem kaputten Produkt zu Ihnen kommt, können Sie sich fragen: „Wieso kommen die Nörgler immer zu mir?“ Sie können aber auch stolz sein und sagen: „Der kommt zu mir, weil ich ihn schon beim Kauf begeistert habe und er das Vertrauen hat, dass ich ihm auch jetzt weiterhelfen kann.“ Negative Gedanken können bewusst in positive Formulierungen umgewandelt werden. Dann können Konflikte nicht nur als erster Schritt zum Streit, sondern auch als erster Teil der Lösung begriffen werden.
Chefs müssen ein Vorbild sein
Grundsätzlich ist Konfliktmanagement auf der Ebene der Führungskräfte angesiedelt. Chefs sind in diesem Zusammenhang für ihr Verkaufsteam verantwortlich – als Ansprechpartner im Krisenfall und als Vorbild im Alltag. Eine gute Konfliktkultur kann also nicht nur verordnet werden, Mitarbeiter können und sollten sie lernen – vom Unternehmer ebenso wie von den Führungskräften beziehungsweise Teamleitern. Leben Sie Ihnen also vor, wie Sie mit Auseinandersetzungen fertig werden. Beschwerden zu vermeiden oder unter den Teppich kehren zu wollen, ist illusorisch, denn selbst wenn die Kundenzufriedenheit insgesamt hoch ist, kann es vorkommen, dass dies in Einzelfällen anders ist. Kunden müssen sich beschweren können. Mit einem kleinen, aber ausdrücklichen Hinweis, dass jede Reklamation bearbeitet wird, gibt ein Unternehmen den Kunden zu verstehen, dass es deren Wünsche ernst nimmt. Sehen Sie es positiv!
Hinweis
Beschwerdemanagement: Bei Reklamationen die Kundenbeziehungen verbessern [72]
[Bild: Fotolia.com]
Beratungsdiebstahl: Wenn sich Kunden im Geschäft beraten lassen, aber im Internet kaufen
Vielen Unternehmern dürfte diese Szene bekannt vorkommen: Ein Kunde betritt das Geschäft, weil er ein Produkt erwerben will. Er lässt sich ausführlich beraten, testet verschiedene Modelle, informiert sich über Hersteller, Marken und Preise. Nachdem der Kunde alle Informationen hat und es zum Abschluss kommen könnte, kann er sich doch noch nicht entscheiden. Nur kurz darauf kauft er genau dieses Produkt im Internet, weil es dort billiger zu haben ist. Dieses Phänomen macht besonders Einzelhändlern jeglicher Branche schwer zu schaffen und hat einen Namen: Beratungsdiebstahl.
Beratung bezahlen lassen?
Der Name Beratungsdiebstahl ist irreführend: Der Kunde „klaut“ Ihnen zwar Zeit und Wissen, aber für beide gibt es keinen festgesetzten Preis.
Anders bei einem Hamburger Einzelhändler: Dieser verlangt inzwischen knapp 50 Euro für eine halbe Stunde Beratung, weil er sein Fachwissen nicht länger Online-Händlern zugute kommen lassen will. Wer dann bei ihm kauft, bekommt die Beratungsgebühr auf den Kaufpreis gutgeschrieben. Diese Kampfansage aus Wut oder Verzweiflung ist aus Sicht des Unternehmers durchaus verständlich. Aber sie schreckt natürlich so manchen Kunden ab, der wirklich kaufen wollte. Auch die Verbraucherzentralen setzen sich seit Langem für eine getrennte Bepreisung von Beratung und Ware ein – und scheitern allesamt. Der Marktdruck ist zu hoch.
Trend und Gegentrend
Interessant ist jedoch die Überlegung, wie diesem Trend, der bereits zum Sterben vieler kleiner Einzelhändler und Handwerker geführt hat, entgegengewirkt werden kann. Zwar informiert sich nach einer Studie des E-Commerce-Center Handel an der Universität Köln ein Drittel der Online-Käufer vorher im stationären Einzelhandel über das Produkt. Doch wo ein Trend ist, gibt es immer auch einen Gegentrend: Und danach wächst auch der Anteil derer, die sich vor dem Kauf über ein Produkt im Internet informieren und dann im Einzelhandel kaufen. Dafür gibt es drei gute Gründe, die für Unternehmen vor Ort eine Chance bieten:
- Die Online-Verweigerer wollen die Ware vorher in den Händen halten und prüfen können.
- Kunden, die bei Einzelhändlern kaufen, wünschen sich eine gute Beratung.
- Sie erwarten, dass ihr Händler auch bei Reklamationen für sie da ist, und wissen um die Vorteile, die ein Ansprechpartner vor Ort bietet (bzw. die Probleme, die Internetverkäufer oft bei Reklamationen machen).
Diese drei Punkte zeigen, dass sich viele Kunden durchaus die Sicherheit eines persönlich bekannten Ansprechpartners wünschen. Und Sie sind auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben – vorausgesetzt, sie sind davon überzeugt dass sie gute Qualität und eine begeisterte/begeisternde Beratung zu einem insgesamt fairen Preis bekommen. Alle drei Punkte beinhalten noch einen Aspekt, den Online-Händler nicht wirklich bieten können: Es menschelt, die Geschäfte werden Auge in Auge gemacht. Wenn ein Händler oder Handwerker es also schafft, seine Kunden zu begeistern, behält er nicht nur seinen Kundenstamm, er kann ihn auch ganz leicht erweitern. Begeisterte Kunden sind die besten Werbeträger!
Pfiffige Ideen für Unternehmer
Händler und Handwerker sind heute mit anspruchsvollen und ständig feilschenden Kunden manchmal ebenso überfordert, wie diese bei der Vielzahl sich ähnelnder Angebote. Kein Wunder, dass hier manchmal nicht nur Bedürfnisse aufeinanderprallen. Früher bei Tante Emma war das alles noch ganz anders … bei ihr zählten gute alte Werte, wie Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit und die Kunden fühlten sich im wahrsten Sinne des Wortes „wertvoll“. Auch wenn es schon lange her ist, können Unternehmer von ihr in Sachen Kundenbegeisterung – auch in der heutigen Situation – noch viel lernen. Hier das Wichtigste im Überblick:
- Verständliche Bezeichnungen und Erklärungen: Käufer wollen sich nicht mit technischen Fachbegriffen herumschlagen, sondern die Produkte und ihre Funktionen verstehen können. Händler und Handwerker sollten also in der Lage sein, dem Kunden schwierige Sachverhalte allgemeinverständlich zu erklären.
- Konstante Ansprechpartner: Menscherlebnis geht vor Materialerlebnis. Es ist Käufern wichtig, feste Ansprechpartner zu haben, auf die sie sich verlassen können und die sie persönlich kennen. Oft behalten diese Verkäufer die persönliche „Historie“ ihres Kunden im Auge – viele Erklärungen erübrigen sich dann.
- Attraktive, bisher vernachlässigte Zielgruppen erschließen: Oft ignorierte oder eher stiefmütterlich behandelte Zielgruppen, wie Kinder oder die sogenannten Best Ager, freuen sich besonders über Angebote, die speziell auf sie zugeschnitten sind.
- Kapieren, nicht kopieren: Es bringt nichts, allseits verbreitete Serviceleistungen, wie Kundenkarten, einfach nur zu übernehmen, weil dies bei Kunden keine Begeisterung und keine Loyalität hervorruft. Serviceleistungen müssen individuell zum Profil des Unternehmens wie auch zum Profil der Mitarbeiter passen.
- Marketing allein bringt nichts: Menscherlebnis geht vor Marketingerlebnis. Verspricht die Werbung besondere Leistungen, die dann im Unternehmen nicht gelebt werden, so ist das Enttäuschungspotenzial groß. Begeisterung kann beim Kunden nicht durch Werbung, sondern nur im direkten Kontakt geweckt werden.
Und – so erstaunlich das zum Thema Beratungsdiebstahl auch klingen mag:
- Mehr kompetente Kaufberatung statt weniger: Die Beratung im Handel und Handwerk ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, obwohl gerade sie die größte Chance zur Abgrenzung nicht nur vom Discount oder von Online-Händlern, sondern gerade auch vom Mitbewerber nebenan, birgt. Informationsveranstaltungen, zum Beispiel in Form von Miniseminaren, ziehen Kunden förmlich magisch ins Geschäft und die Begeisterung ist groß, wenn diese Veranstaltungen perfekt inszeniert sind. Bei soviel Mehrwert überlegt es sich der Kunde zweimal, bevor er das Produkt im Internet vielleicht ein paar Euro günstiger erwirbt.
Anders als alle anderen
Der Inhaber eines Fachhandelsgeschäftes fragte sich, was Passanten von seinem Schaufenster erwarteten. Er versetzte sich in die Lage seiner Kunden und dachte nach, was er selbst erwartete, wenn er vor einem fremden Geschäft stand. Dabei kam er zu folgendem Ergebnis: „Ich möchte wissen, ob die Menschen, die mich dort bedienen, sympathisch sind und ob ich mich einfach nur mal ungestört umsehen kann.“
Daraufhin änderte er seine Schaufenstergestaltung radikal ab: Unter der Überschrift „Wer bedient mich in diesem Geschäft?“ positionierte er ansprechende Porträtfotos von sich und seinem Verkaufsteam, wobei jeder mit Vor- und Nachnamen und einer kurzen, humorvollen Beschreibung seiner Fähigkeiten vorgestellt wurde. Unter der Überschrift „Was finde ich in diesem Geschäft?“ brachte er zwei Poster mit der Abbildung der Produkte und einer Schilderung an, warum es sich lohnt, dort einzukaufen. Auf dem dritten Plakat warb er mit seinen Garantie- und Serviceleistungen. Zuletzt stellte er ein Plakat auf, das eine Antwort auf die Frage gab: „Darf ich mich hier einfach mal umsehen?“ Darauf war zu lesen: „Aber selbstverständlich! Sie sind uns jederzeit herzlich willkommen. Treten Sie einfach ein!“
Seit der Neugestaltung des Schaufensters sind doppelt so viele Passanten wie früher im Geschäft. Diesen wird selbstverständlich die Türe geöffnet und sie werden persönlich begrüßt. Es ist wohl nicht erstaunlich, dass bei solch einem großen Interesse auch der Umsatz um 33 Prozent gestiegen ist.
Fakt ist: Beratungsdiebstahl wird es immer geben und eine Lösung, ihn zu verhindern, existiert nicht. Viele haben den Kampf gegen den Beratungsdiebstahl aufgegeben, indem sie nicht mehr beraten. Das aber kann keine zukunftsorientierte Lösung sein. Fakt ist deshalb auch: Die Lösung liegt in der Kundenbegeisterung und ist in den Schaufenstern und Geschäften in Form von kleinen, phantasievollen Überraschungen zu sehen und im persönlichen Umgang mit den Kunden vor allem zu spüren.
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Tipps für Vertriebsleiter: Wie Sie sich bei Ihren Mitarbeitern unbeliebt machen
Tipp 1: Gehen Sie Ihren Mitarbeitern auf die kommunikativen Nerven
Treiben Sie Paul Watzlawicks Pointe, der Mensch könne „nicht nicht kommunizieren“, auf die Spitze und führen Sie zielorientierte Mitarbeitergespräche wo immer möglich. Sie anerkennen und loben, Sie kritisieren und geben den Weg vor, Sie stellen Fragen und diskutieren Sachverhalte aus, Sie formulieren Anweisungen und führen Tadel- und Beurteilungsgespräche – kurz: Sie werden Ihrer vornehmsten Führungsaufgabe gerecht: Führen und managen heißt kommunizieren.
Achten Sie darauf, nicht die Zeit der Verkäufer mit unnützen Gesprächen zu vergeuden. Studien zeigen, dass Verkäufer viel zu wenig Zeit für ihre wesentliche Aufgabe haben – nämlich den Kundenkontakt. Erhöhen Sie darum stetig Ihre Kommunikationskompetenz.
Tipp 2: Pferchen Sie Innendienst und Außendienst zusammen
Es ist im Sinne der Kundenorientierung, wenn Außen- und Innendienst zum Wohle des Kunden Hand in Hand arbeiten. Abteilungsegoismen sind kontraproduktiv – sorgen Sie dafür, dass die zwei Bereiche zu einem Team zusammenwachsen können.
Fördern Sie zum Beispiel Hospitationen wo immer möglich – Missverständnisse zwischen Menschen oder zwischen Abteilungsebereichen erwachsen oft aus der Unkenntnis dessen, was „die anderen“ überhaupt machen. „Wir laufen uns da draußen die Füße wund und der Innendienst kommt mit der Nachbereitung unserer Kundenkontakte nicht nach.“ So die Klage der Verkäufer. „Wir vereinbaren einen Kundentermin nach dem anderen und die da draußen beraten und beraten, verkaufen aber nichts.“ So die Beschwerde der Innendienstler. Wenn sich der Verkäufer ein paar Stunden neben den Schreibtisch des Kollegen aus dem Innendienst setzt und dieser den Verkäufer einmal zum Kunden begleitet, wächst das Verständnis füreinander – und der Teamgeist hat eine Chance.
Tipp 3: Bringen Sie Ihre Mitarbeiter so richtig ins Schwitzen
Sie müssen Ihren Verkäufern und Innendienstmitarbeitern keine Hängematte im Büro aufhängen oder eine Grünpflanze auf den Schreibtisch stellen. Aber Sie sollten alles dafür tun, sie durch ein sonniges Betriebsklima so richtig ins Schwitzen zu bringen. Untersuchungen des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften belegen: Ein schlechtes Betriebsklima am Arbeitsplatz verursacht Kosten in Milliardenhöhe, etwa weil Mitarbeiter mit Fluchtbewegungen reagieren: in Desinteresse, in die innere Kündigung, in die Krankheit.
Ein schweißtreibendes Betriebsklima hingegen steigert die Leistungsbereitschaft, hält Fehlzeiten und Krankenzeiten niedrig und fördert eine positive und leistungsorientierte Wettbewerbssituation, in der Ihre Mitarbeiter miteinander darum konkurrieren, „ihr Bestes“ für das Unternehmen zu leisten.
Tipp 4: Schieben Sie die ganze Arbeit auf Ihre Mitarbeiter
Die meisten Mitarbeiter wollen eigenverantwortlich und selbstständig ihren Beitrag leisten. Man muss Sie nur lassen – Sie müssen sie nur lassen.
Führen Sie darum mit klaren und nachvollziehbaren Zielen, zu denen Ihre Mitarbeiter Ihr eindeutiges Ja-Wort abgeben.
Nutzen Sie das Führungsinstrument der Delegation – wenn Sie delegieren, übertragen Sie jedoch nicht nur die Aufgabe, sondern auch die zur Aufgabenerfüllung notwendigen Kompetenzen und die Verantwortung. Wer seinem Mitarbeiter einen Auftrag erteilt, ihn dann aber nur kontrolliert und nicht „machen“ lässt, sorgt mit Sicherheit dafür, dass die Aufgabe wieder auf dem eigenen Schreibtisch landet – und zwar im Eingangskorb „Unerledigtes“!
Tipp 5: Verfolgen Sie Ihre Verkäufer auf Schritt und Tritt
Big Brother is watching you! – bleiben Sie Ihren Mitarbeitern auf den Fersen und begleiten Sie sie zum Kunden. Ihre Aufgabe ist es nicht, aus dem Bürostübchen heraus Mitarbeiter zu motivieren, sondern ihnen konkrete Hilfestellung bei der Verbesserung ihrer Kundengespräche zu geben.
Darum: Begleiten Sie den Verkäufer als „stiller Beobachter“ zum Kunden, führen Sie unmittelbar nach dem Kundengespräch an einem stillen Ort eine „Bordstein-Konferenz“ durch, bei der Sie dem Mitarbeiter produktives Feedback geben: Was hat gut geklappt, wo gibt es Optimierungsbedarf?
Tipp 6: Entwickeln Sie sich bei Ihren Mitarbeitern zum Buh-Mann
Wer Leistung bietet, muss Sinn bieten. Richtig. Es gilt aber auch: Wer Sinn bietet, darf und muss Leistung fordern. Sie als Führungskraft stehen bei der Wertschätzung der Mitarbeiter nicht nur in einer Bringschuld. Ihre Aufgabe und Pflicht ist es, Unternehmensziele zu erreichen. Nicht um jeden Preis, aber doch mit allen Führungsinstrumenten, die Ihnen zur Verfügung stehen. Sorgen Sie in Ihrer Vertriebsabteilung für ein Leistungsklima, schaffen Sie materielle und immaterielle Anreize, die Ihre Leute zu Höchstleistungen anspornen.
Rechnen Sie dann jedoch damit, deswegen bei dem einen oder anderen zum Buh-Mann zu werden. Überlegen Sie: Sind diese Mitarbeiter motiviert genug, um die Unternehmens- und Abteilungsziele nicht aus den Augen zu verlieren?
Tipp 7: Treiben Sie Ihre Mitarbeiter in den Weiterbildungs-Wahnsinn
Gerade in Vertrieb und Verkauf ist es notwendig, sich ständig fortzubilden und permanent an der Weiterentwicklung der verkäuferischen Fähigkeiten zu arbeiten. Prüfen Sie daher, wo Ihre Mitarbeiter heute stehen – und wo sie morgen stehen sollen.
Beziehen Sie bei der Kompetenzbeurteilung die Menschen ein, auf die es ankommt – die Kunden. Kundenbefragungen sind eine wahre Fundgrube für Hinweise, welche Mitarbeiter welche Kompetenzen auf- und ausbauen müssen. Verwenden Sie besondere Sorgfalt darauf, Weiterbildungsmaßnahmen auszusuchen, die diejenigen Fähigkeiten in den Mittelpunkt rücken, die Ihre Mitarbeiter benötigen, um die Unternehmensziele zu erreichen.
[Bild: androfroll - Fotolia.com]
Quelle Insolvenz: Imageprobleme der klassischen Versandhäuser
Das ECC Handel ermittelte das Image von Online-Shops. Dabei wurde deutlich, dass der Online-Shop vom Versandhaus Quelle mit Imageproblemen zu kämpfen hat. Auch andere traditionelle Versandhändler landen nicht auf den vorderen Plätzen des Imagerankings – Bestplatzierter ist Otto auf Rang 7.

Distanzhandel erfolgreich wegen Online-Handel
Trotz der Pleite von Quelle geht es der Branche gut. Treiber für den Erfolg des Distanzhandels ist jedoch nicht der Katalog, sondern der Online-Handel. Hierbei gilt es, sich an die neuen Gegebenheiten des E-Commerce anzupassen, anstatt lediglich eigene Katalog-Kunden in diesen Kanal zu überführen. Wer es verpasst, sich modern zu präsentieren und online auch neue, jüngere Zielgruppen anzusprechen, geht unter.
Diese Erkenntnis unterstützt auch das herausragend gute Image des Internetpuristen Amazon im ECC-Shopmonitor, der mit großem Abstand den ersten Platz im Oktober 2009 belegte. Im gleichen Ranking konnte sich Quelle nur auf Rang 14 platzieren. Bereits vor der endgültigen Verkündung des Konkurses machte der ECC-Shopmonitor deutlich, dass Quelle bei der jüngeren Zielgruppe nicht punkten kann. Handelsexperte Joachim Zentes macht es deutlich:
"Dem Versandhaus haftet der negative Charme der 60er Jahre an."
Ob die Insolvenz nun Einfluss auf das Image der anderen Universalversandhändler hat, ist derzeit noch ungewiss.
Der ECC-Shopmonitor
Der ECC-Shopmonitor wird monatlich als Online-Befragung von 1.000 Teilnehmern – repräsentativ für deutsche Internetnutzer – im Alter ab 16 Jahren erhoben. Die Auswahl der zwanzig zu bewertenden Shops erfolgt auf Basis des Rankings der umsatzstärksten deutschen Shopping-Portale und Online-Shops von iBusiness ("Shoppingportale und Onlineshops 2008/2009").
[po; Quelle und Grafik: E-Commerce-Center Handel am Institut für Handelsforschung; Bild: Quelle]
Social Commerce: König Kunde regiert das Web
Der noch recht junge Zweig des E-Commerce bietet zurzeit ein breites Spielfeld für neue Vertriebs- und Kommunikationsstrategien. Social Commerce bezieht ganz massiv den Nutzer mit ein. Denn dieser erfragt nicht mehr nur schlicht ein Angebot, sondern beteiligt sich aktiv an den Verkaufsprozessen und deren Optimierung. Dies unternimmt er in erster Linie nicht, um dem Händler eine Freude zu bereiten, sondern um anderen Internetnutzern als Berater und Empfehlungsgeber zur Verfügung zu stehen.
Neue Rollen für Kunden und Händler
Dazu ist es wichtig zu verstehen, dass dem Kunden eine vollkommen neue Rolle im Handel zugefallen ist. Bis vor Kurzem war eine Kaufaktion sehr stark an einen Anbieter geknüpft. Interessierte sich ein Konsument beispielsweise für einen Artikel, ließ er sich von Werbeaktionen beeinflussen, besuchte einen Fachhändler, erhielt dort im besten Falle eine Beratung und musste nun mit diesen Informationen eine Kaufentscheidung fällen.
Wer etwas mehr Zeit hatte, eruierte weitere Details in Fachmagazinen, im Internet und stellte dort auch einen Preisvergleich an, indem er unterschiedliche Online-Shops besuchte. Meistens erfolgte der Kauf dann bei dem Fachhändler des Vertrauens, online oder offline. Bei Problemen und Defekten war wiederum der Verkäufer erster Ansprechpartner. Konnte oder wollte dieser nicht weiterhelfen, ließ er den Kunden spätestens in diesem Moment mit seinem Frust allein zurück.
In den sozialen Medien ändert sich das Verhältnis zwischen Verkäufer und Kunde grundlegend. Denn letzterer steht mittlerweile nicht nur einer sehr breiten Auswahl an Online-Angeboten gegenüber, sondern zudem im Mittelpunkt aller Kaufs- und Verkaufsaktivitäten. Ist der Käufer der Waschmaschine heute nicht zufrieden mit seinem Produkt, wissen es morgen alle anderen Interessenten, potenziellen Käufer und Kunden des Herstellers. Denn die ihm zugefallene Meinungs- und auch Pressefreiheit ermächtigt den modernen Netznutzer, sich immer und überall mitzuteilen. Seine Instrumente sind Communitys, Chats, Foren, Bewertungs-Tools und Ranglisten sowie Kommentarfunktionen auf Fachportalen. Der Kunde ist tatsächlich König. Sein Königreich heißt Web 2.0.
Doch ohne Infrastruktur wäre ein Königreich ziemlich leer. Die Inhalte werden natürlich nicht nur allein vom Kunden, sondern maßgeblich von den Händlern und Unternehmen produziert. Ein Angebot wird nur dann ernsthaft von den Interessenten wahrgenommen, wenn es sich an die Nachfrage anpasst. Entscheidend für Shop-Betreiber ist ein aktives Agieren in Richtung des Kunden sowie die Erschaffung einer nutzbringenden Situation für beide Seiten.
Von der Shop-Community profitieren
Der Vorteil mitteilungsfreudiger Kunden sind deren Profile, Vorlieben, Daten und Kritikfähigkeit, die Online-Händler kostenlos und freiwillig erhalten. Deshalb gehört das Angebot von Web-2.0-Funktionen im Online-Shop zum absoluten Pflichtprogramm. Die umfangreichste aber effektivste Methode, Interessenten und Kunden an das eigene Angebot zu binden, ist der Aufbau einer Community. Ob diese im Shop selbst integriert ist oder als separater Webauftritt behandelt wird, ist individuell zu entscheiden.
In dieser Corporate Community rücken die Produkte des Anbieters zunächst einmal in den Hintergrund. Wichtig ist die Mobilisierung der Zielgruppe zu ausgesuchten Themen. Als Beispiel dient an dieser Stelle ein Anbieter von Fachliteratur im Internet. Seine Nutzer sind in der Regel gebildet, informieren sich über sehr spezielle Inhalte aus den unterschiedlichsten Bereichen und haben ein hohes Interesse daran, die neu gewonnenen Erkenntnisse mit anderen zu teilen und zu diskutieren. Eine eigens für diese Gelegenheit geschaffene Literatur-Community bietet genügend Raum, Rezensionen, Meinungen und Kommentare zu schreiben. Dafür steht zu jedem Fachgebiet eine eigene Rubrik zur Verfügung. Die Nutzer haben außerdem die Möglichkeit, ein persönliches Blog einzurichten, um über ihr Thema zu berichten. Wer sich für die Beteiligung an der Community anmeldet, hinterlässt seine persönlichen Daten. Steht das Finden von Gleichgesinnten im Vordergrund sowie der Meinungsaustausch mit diesen, hilft ein detailliert ausgefülltes Profil, passende Austauschpartner zu finden.
Der Shop-Betreiber kann innerhalb der Community dezent mit Anzeigen oder einer eigenen Rubrik auf sein Angebot aufmerksam machen. Zudem kann er in der Rubrik „Bewertung von Literatur“ die von ihm angebotenen Bücher aufführen. Nutzer, die sich bislang nur innerhalb der Community bewegt haben, werden auf das Angebot des Shop-Betreibers aufmerksam. Shop-Kunden finden in der Community eine Verlängerung ihrer Kauferfahrung und werden zu dauerhaften Mitgliedern, die sich gegenseitig beraten und Tipps geben.
Empfehlungsmarketing richtig steuern
Der Online-Shop selbst kann mithilfe der gängigen Web-2.0-Funktionen bereits um einiges attraktiver gestaltet werden. Kunden vertrauen fast ausschließlich auf das Urteil anderer Kunden und legen wenig Wert auf eine Beratung durch Verkäufer. Das liegt logischerweise in der Interessenverteilung begründet: Ein Berater hat das Ziel des schnellen Abverkaufs, während Kunden die neuen Interessenten offen und ehrlich über Vor- und Nachteile des Angebots informieren. Deshalb gehören Bewertungsfunktionen und Ranking-Listen zum Standard.
- Wie hochwertig ist das Produkt?
- Welche Kritikpunkte sind hervorzuheben?
- Wie sind die Alltagserfahrungen und wie empfehlenswert ist die Verwendung?
Kommentarfunktionen geben den Nutzern zudem die Möglichkeit, eine schnelle und individuelle Bewertung zu hinterlassen. Die Angst vieler Shop-Betreiber ist unnötig: Die Nutzer setzen sich zwar kritisch, aber ernsthaft mit dem Angebot auseinander und legen vor allem Wert auf die Reaktion ihrer Meinung. Handelt es sich um tadellose Produkte, wird auch die Bewertung dementsprechend ausfallen. Zeigt das Angebot jedoch tatsächlich Mängel auf, sollten Verkäufer die Chance nutzen, diese mithilfe ihrer Kunden zu erkennen und zu beseitigen.
Zu jedem Thema finden sich Kunden, die ein besonders hohes Engagement an den Tag legen und regelmäßig posten, chatten und bewerten. Diese gilt es zu identifizieren und in die Verkaufsstrategie mit einzubinden. Ein „Expertenstatus“ schmeichelt nicht nur dem regelmäßigen Kommentator, sondern signalisiert anderen Kunden gleichzeitig Kompetenz sowie die damit verbundene Ratgeberfunktion. Ohne, dass der Verkäufer seinem neuen „Berater“ auch nur einen Cent Gehalt zahlen müsste, empfiehlt dieser seiner Community die für sie passenden Produkte.
Natürlich ist nicht nur mit positiven Kommentaren zu rechnen. Wenn Kundenbeschwerden vorliegen, dann über den Shop selbst, über ein unzulängliches Beschwerdemanagement und eine unfaire Behandlung von Reklamationen. Komplikationen treten immer wieder auf. Wer hier selbstbewusst auf seine Kunden zugeht und eine offene Kommunikationspolitik betreibt, wird schnell positiv erwähnt werden. Ein guter Service bleibt den meisten Kunden gut im Gedächtnis, sodass die viralen Effekte auch hier gewinnbringend genutzt werden können.
Die Königsdisziplin im Online-Handel ist letztlich, den Kunden vom Berater zum Verkäufer aufsteigen zu lassen. Viele Online-Nutzer führen ein eigenes Blog, eine Homepage oder offerieren Ihr Wissen auf sonstigen Community-Portalen. Wenn sie mit dem Shop-Angebot zufrieden sind, werden sie es gerne auf den eigenen Websites ihren Lesern weiterempfehlen. Als finanzieller Anreiz kann zusätzlich eine Pay-per-Lead-Strategie dienen, bei der eine Provision für jeden generierten Käufer an den Vermittler ausgezahlt wird.
Mit Social Commerce bauen Online-Händler Kundenbeziehungen auf, stärken ihr Image und steuern neue Vertriebswege. Dabei bleibt der Kunde König und profitiert von einem reichhaltigen und aussagekräftigen Webangebot.
[Bild: geando - Fotolia.com]
Kundenzufriedenheit: Überwiegend gutes Serviceklima in der Krise
Gerade in der Krise erleben Verbraucher Unternehmen als sehr kundenorientiert. Dies geht aus dem diesjährigen Kundenmonitor Deutschland hervor, der vom unabhängigen Forschungsinstitut ServiceBarometer jährlich ermittelt wird. Das Thema Kundenorientierung wird in der Untersuchung als Erfolgsfaktor auch in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld bestätigt.
Ganz vorne liegen dieses Jahr mit großem Abstand die erstmals untersuchten Versandapotheken. Auch auf Optiker, Autowerkstätten und Automobilclubs entfallen Spitzenwerte der Kundenzufriedenheit. Alle drei Branchen konnten sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verbessern. Über 70 Prozent der Kunden äußern sich „sehr zufrieden“ oder gar „vollkommen zufrieden“ mit dem von ihnen genutzten Anbieter dieser Branche.
Bankenbranche hält Zufriedenheitsniveau
Selbst die im letzten Jahr vielfach kritisierten Banken und Sparkassen schaffen es als Branche, die Kundenzufriedenheit stabil zu halten. Ein detaillierter Blick in die Einzelergebnisse zeigt jedoch, wie unterschiedlich die jeweiligen Anbieter von ihren Kunden beurteilt werden. Während die Genossenschaftsbanken ihre Zufriedenheitswerte verbessern, sind für die großen Finanzinstitute wie Deutsche Bank und Citibank erhebliche Rückgänge sowohl in der Zufriedenheit als auch in der Weiterempfehlungsabsicht ihrer Kunden zu verzeichnen.
Neben den Großbanken bekommen vor allem die Fondsgesellschaften eine rückläufige Verbraucherzufriedenheit zu spüren. Nach dem bisherigen Tiefpunkt der Zufriedenheit im Jahr 2003 hatte sich die Branche vier Jahre lang mühevoll Kundenzustimmung erarbeitet. In der Finanzkrise ging diese jetzt wieder verloren.
Die Kunden bemängeln dabei nicht nur die Wertentwicklung ihrer Fondsanlage, sondern auch die Erreichbarkeit und die Zuverlässigkeit der Aussagen ihrer jeweiligen Ansprechpartner.
Stärkste Steigerung bei Autowerkstätten und Post
Im Zehnjahresvergleich des Kundenmonitor Deutschland sind es Autowerkstätten, Briefpost und Postfilialen, die sich am stärksten in Sachen Kundenzufriedenheit steigern konnten. Den Postbranchen gelingt es dieses Jahr, auf das Zufriedenheitsniveau klassischer Handelsbranchen aufzuschließen. Dies ist insbesondere auf den wachsenden Anteil an im klassischen Einzelhandel integrierten Postagenturen zurück zu führen.
Attraktivität von Super- und Verbrauchermärkten steigt
Der Kundenmonitor Deutschland stellt auch im Handel eine steigende Kundenzufriedenheit fest. Bau- und Heimwerkermärkte sowie Drogeriemärkte erklimmen den Zehnjahresbestwert ihrer Branche. Verbraucher nehmen dabei nicht nur ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis wahr. Bei Drogeriemärkten steigt beispielsweise auch die Zufriedenheit mit der Ladengestaltung und der Verfügbarkeit von Ansprechpartnern.
Bei Lebensmittelmärkten vergeben Kunden bessere Noten im Bereich Frische und vor allem für die Angebotsvielfalt bei Bioprodukten. Bemerkenswert ist, dass in diesem Jahr die Attraktivität von Super- und Verbrauchermärkten zugenommen hat: 34 Prozent nennen einen Nahversorger als Haupteinkaufsstätte. Im Vorjahr waren es 32 Prozent. Diese Entwicklung geht zulasten der Discounter, deren Anteil von 45 Prozent auf 43 Prozent gesunken ist. Die Kundenzufriedenheit mit Super- und Verbrauchermärkten steigt darüber hinaus überdurchschnittlich stark an und erreicht das beste Kundenurteil der letzten zehn Jahre.
Trendwende bei Stromversorgern?
Wie in den Vorjahren belegen die Energieversorger auch im Kundenmonitor Deutschland 2009 hintere Plätze – weniger als 40 Prozent der Strom- und Gaskunden sind mit ihrem Anbieter vollkommen oder sehr zufrieden. Jedoch sorgen die Stromanbieter dieses Jahr für eine Überraschung. Sie schaffen es, den seit 2000 andauernden Abwärtstrend zu unterbrechen und ihre Zufriedenheitsnote von 2,77 auf 2,59 zu verbessern. Diese positive Entwicklung setzt sich auch auf Unternehmensebene fort. Alle Anbieter verzeichnen steigende Zufriedenheitswerte.
Am stärksten konnten sich EnBW und RWE verbessern. Dennoch unterscheiden sich die einzelnen Energiedienstleister in der Servicequalität erheblich voneinander – so deutlich wie in keiner anderen untersuchten Branche. Das Spektrum reicht dabei von einer 2,91 für E.ON bis zu einer 2,00 für Lichtblick, dem diesjährigen Spitzenreiter bei den Stromversorgern. Dem Ökostromanbieter gelingt es, mit überdurchschnittlichen Beratungsleistungen und beim Preis-Leistungs-Verhältnis seine Kunden zu überzeugen.
Beschwerdequoten bei Internetanbietern am höchsten
Die Kunden von Internetanbietern beschweren sich am häufigsten bei ihrem Dienstleister. Beinahe jeder dritte Kunde hatte eine Reklamation oder Beschwerde bei seinem Internetanbieter. Zum Vergleich: In allen anderen Branchen rangieren die Reklamationsquoten zwischen zwei und zehn Prozent.
Auch bei der Beschwerdeabwicklung haben die Internetanbieter Verbesserungsbedarf. Nur rund 20 Prozent der Kunden geben an, mit der Reaktion auf ihre Beschwerde vollkommen oder sehr zufrieden gewesen zu sein. In dieser Hinsicht können die Optiker ein Beispiel geben. Zwar wurde in ihrer Branche die zweithöchste Beschwerdehäufigkeit gemessen (14 Prozent), dennoch schaffen es die Optiker, über 70 Prozent ihrer Kunden mit einer guten Beschwerdebearbeitung zu überzeugen.

Zur Studie
Von März bis August wurden fast 30.000 deutsche Verbraucher zu zahlreichen Aspekten der Kundenzufriedenheit befragt. Seit 18 Jahren untersucht die Studie jährlich das Serviceklima in Deutschland. In diesem Jahr standen insgesamt 29 Branchen auf dem Prüfstand der Zufriedenheitsforscher.
Mehr Informationen sowie umfangreiche grafische Darstellungen zu den Ergebnissen des Kundenmonitor Deutschland 2009 stehen Ihnen auf der Studienwebsite www.kundenmonitor.de [73] zum Download zur Verfügung.
[po; Quelle: ServiceBarometer; Bild: Fotolia.com]
Lebensmittel für Muslime: Einzelhändler können mit Halal-Produkten Umsätze steigern
Internationale Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé oder Unilever bieten schon seit Längerem eine Vielzahl von Artikeln an, die im Sinne des Koran als unbedenklich gelten. Obwohl das Segment beispielsweise schon in Großbritannien und Frankreich floriert und Milliarden Umsätze winken, zeigen sich Händler in der Bundesrepublik nach wie vor zurückhaltend. Zu groß ist die Angst, mit Tierschützern aneinander zu geraten.
Damit verschenken sie jedoch eine Menge Umsatzpotenzial. Denn: Die Ernährung im Sinne des Korans spielt für viele Gläubige eine zentrale Rolle im Alltag. Und allein in Deutschland leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime. Tendenz steigend.
Stichwort
Halal [74] auf Arabisch und helal auf Türkisch bedeutet "das Zulässige, das Erlaubte" und bezeichnet im Islam alle Dinge und Taten, die nach islamischem Recht erlaubt oder zulässig sind. Es bezieht sich auf die Lebensweise der Muslime. Die richtige Ernährung spielt dabei eine bedeutende Rolle.
"In England ist man in Hinblick auf Halal-Produkte schon weiter als in Frankreich. Vor allem in regional von bestimmten Bevölkerungsschichten dominierten Gebieten kann man damit zu den Saisonhöhepunkten wie dem Ramadan gute Geschäfte machen",
so Daniel Lucht, Senior Retail Analyst beim Londoner Analyseunternehmen Verdict Research gegenüber pressetext. Der Tierschutz sei darüber hinaus auch in den Ländern, wo solche Erzeugnisse bereits etabliert sind, problematisch.
Einem Spiegel-Bericht zufolge wird der Markt noch weiter wachsen, vor allem aufgrund der großen Anzahl von islamisch erzogenen Kindern in Deutschland. Heute macht Halal bereits 17 Prozent des globalen Nahrungsmittelumsatzes aus. Angesichts dieser hohen Zahl scheint das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. 2004 lag der weltweite Umsatz mit islam-konformen Lebensmitteln noch bei 587 Milliarden Dollar. Ersten Berechnungen nach sollen es 2010 schon 641 Milliarden Dollar sein. Allein für Europa sagen Experten im kommenden Jahr einen Umsatz von 67 Milliarden Dollar vorher. Daher bieten in Frankreich die Casino-Supermärkte halal-produzierte Fleisch- und Wurstwaren an. In England sind es unter anderem Tesco, Sainsbury und Boots.
"Trotz der Absatzchancen ist die Diskussion um Halal-Produkte häufig emotional aufgeladen, sodass viele Händler einen Imageschaden fürchten und lieber die Finger davon lassen",
erklärt Lucht gegenüber pressetext. Auch bestehe die Gefahr, dass nicht-muslimische Kunden abgeschreckt werden könnten. Die Zurückhaltung der deutschen Händler hat vor allem mit dem Gesetzgeber zu tun. Denn ohne Betäubung zu schlachten, ist verboten. Darin liegt für viele Muslimen jedoch ein Problem. Ein betäubtes Tier gilt bereits als tot. Ein Verzehr wäre in dem Fall ein Verstoß gegen das Aas-Verbot. Um das zu umgehen, importieren viele Händler daher ihr Fleisch aus dem Ausland. Problematisch sind auch viele Koran-Auslegungen bei den in Deutschland lebenden Muslimen. Einheitliche Halal-Standards lassen weiter auf sich warten.
[po; Quelle: pressetext; Bild: adisa - Fotolia.com]
Vorbehalte unbegründet: Verkäufer brauchen keine Angst vor CRM-Systemen zu haben
Verkäufer haben oft Vorbehalte gegenüber CRM-Systemen. Die Gründe sind:
- Verkäufer sind Einzelkämpfer.
- Verkäufer „horten“ ihr Wissen über „ihre“ Kunden.
- Verkäufer teilen ihr Wissen nicht, denn das macht sie unersetzlich.
- Das ganze Berichtswesen erfordert zu viel Aufwand.
Diese Argumentation von Entscheidern und Unternehmern kann man täglich hören. Das sind die Gründe für gescheiterte CRM-Projekte. So wird argumentiert, wenn entschieden wird ein CRM-System doch nicht zu implementieren. Denn bekanntermassen lebt ein CRM-System ja von den Informationen, die Verkäufer in solche Systeme einpflegen.
Insgeheim sind es aber auch die geheimen Ängste einiger Verkäufer, Key Account Manager und Vertriebler, wie man sie nennt. Die Ängste, dass das nun zentral transparente Wissen den Mehrwert jedes Einzelnen schmälert. Dies und die vermehrte Administration ist es, was gegen die Implementierung von CRM-Systemen ins Feld geführt wird.
Und dabei verpassen sie die Chance, mehr Effizienz in ihrer täglichen Arbeit und besseren Überblick über ihren Markt und ihre Kunden zu gewinnen.
Verkäufer sind Einzelkämpfer
Wenn es sein muss, wenn Verkäufer alleine an der Front stehen und Entscheidungen getroffen werden müssen! Dann sind sie Einzelkämpfer, die im Sinne des Unternehmens Entscheidungen treffen müssen – und es auch tun!
Andererseits sind Verkäufer auch Führer, Motivatoren, Antreiber und Koordinatoren. Dies erfordert Teamfähigkeit und Führungskompetenz.
Sie sind wie ein Mittelstürmer vor dem Tor. Stets Teil des Teams, bereit auch mal „hinten mitzumischen“, aber letztendlich sind sie es diejenigen, die die letzten Meter vor dem Tor, den Schuss im richtigen Moment abgeben müssen. Sie sind die Torjäger. Alleine vor dem Tor aber hilflos ohne der Mannschaft dahinter.
Auf das Geschäftsleben übertragen bedeutet das, dass ein Spitzenverkäufer alleine nicht viel ausrichten kann. Er ist angewiesen auf die Unterstützung und vor allem auf die Informationen über alle Aktivitäten bei „seinen“ Kunden. Sei es eine Rechnung die nicht bezahlt wurde, eine Reklamation des Kunden oder aber auch eine Einladung für eine Messe. All das sind die Steilpässe tief in den Strafraum, die es ihm ermöglichen ein Tor zu schiessen!
Verkäufer „horten“ das Wissen über „ihre“ Kunden
Und das ist es, was einen wesentlichen Eckpfeiler des Erfolgs eines Verkäufers darstellt. Alle relevanten Informationen zu einem Kunden oder einer Verkaufschance, jederzeit parat zu haben. Manchmal finden sich diese Informationen in den berühmten Notitzbüchern der Verkäufer, dokumentiert im Terminplaner oder aber in Outlook. Manchesmal sind diese Informationen geordnet abgelegt, ein anderes mal herrscht Chaos. All diese Informationen sind da! Und wir im Vertrieb leben davon!
Ja und es ist auch richtig, dass das Wiederfinden dieser Informationen und insbesondere die Weitergabe oft recht mühseelig von statten geht. Benötigte Informationen dann aus dem Notitzbuch, von der Schreibunterlage oder unter den vielen Post it´s zu finden kann dann schon mal etwas dauern.
Es gibt aber auch schon viele Verkäufer, die auf die Unterstützung von professionellen Systemen hier zurückgreifen und es schätzen, dass sie ihre Informationen immer parat haben und diese auch für ihre „Mitspieler“ verfügbar sind.
Einfachheit und Effizienz steht hier im Vordergrund. Je einfacher, die „Dokumentation“ von statten geht umso effizienter ist man dan auch beim Wiederfinden der Informationen.
Verkäufer teilen ihr Wissen nicht, denn das macht sie unersetzlich
Spitzenverkäufer wissen, dass es nicht das dokumentierbare Wissen in Form von Besuchsberichten, Verkaufschancen oder Aktivitäten ist, welches sie unersetzlich macht.
Es entscheidet auch nicht der vergessene Geburtstag eines Kunden oder allfälliges Nichtwissen über vermeintliche Hobbies der Ehefrau des Kunden XY über Erfolg oder Niederlage.
NEIN! Spitzenverkäufer wissen, dass sie keine Produkte verkaufen. Sie verkaufen Emotionen und sie sind Teil dieser Emotionen.
Ein Bauchgefühl ist schwer dokumentierbar. Der „richtige“ Zeitpunkt um ein Argument unterzubringen kann nicht geplant werden. All diese Dinge sind es aber, die den Erfolg ausmachen – UND die einen Spitzenverkäufer unersetzlich machen.
Das vermeintliche Wissen in CRM-Systemen hilft ihm selbst einerseits seine „Mannschaft“ immer ausreichend informiert zu wissen und andererseits hilft es ihm den Überblick zu behalten.
Spitzenverkäufer haben keine Angst ihr Wissen zu teilen, denn unersetzlich macht sie ihre Fähigkeit Emotionen zu erkennen, zu wecken und zu befriedigen!
Das ganze Berichtswesen erfordert zu viel Aufwand
Manchmal, nämlich genau dann, wenn Frau oder Herr Verkäufer die für die Unternehmens- oder Verkaufsleitung essenziellen Informationen jedesmal wieder mühseelig zusammengetragen werden müssen. Wenn immer und immer wieder über ein und die selbe Verkaufschance diskutiert werden muss. Wenn es darum geht bestehende Fakten und Informationen zusammenzutragen.
Dann und nur dann ist es aus Verkäufersicht aufwändig und zugegebenermassen nicht wirklich wertschöpfend im Sinne eines Abschlusses.
Und genau deswegen sind CRM-Systeme ja auch so wertvoll. Denn die automatische Ablage und Zuordnung von Informationen ist die Basis dafür, dass ein CRM-System auch Steuerungsinstrument sein kann.
Damit verringert sich der berühmte „administrative“ Aufwand für jeden Einzelnen! Die lästigen Fragen, warum das eine oder andere Geschäft doch nichts geworden ist. Warum der versprochene Abschluss noch immer nicht da ist. Und die Verhandlung der nächstjährigen Quote sind ohnehin nicht zu verhindern – doch dann lieber mit Fakten die für beide Seiten gleich transparent und schlüssig sind.
Akkurate Daten helfen aber auch dem Vertrieb beispielsweise durch gezieltere Marketingmassnahmen zu neuen Verkaufschancen zu kommen.
Fazit
CRM-Systeme – Allheilmittel, gefürchtet, hochgejubelt und totgesagt? In Wahrheit ganz einfach – ein modernes Werkzeug, dass in keiner Vertriebsorganisation fehlen sollte!
Buchtipp
Von Herbert Lohner
Selling Emotions: Die Geheimnisse der Spitzenverkäufer [75]
[Bild: Fotolia.com]
Kundenrückgewinnung: Was tun, wenn Kunden abwandern?
Der Verlust von langjährigen, guten Kunden ist kostspielig und zudem ein schlechtes Aushängeschild für die Firma. Aber eine dauerhafte Kundenbindung wird angesichts steigender Ansprüche in unserer Gesellschaft immer schwieriger. Schon kleinste Unachtsamkeiten bei der Kundenbetreuung oder Qualitätsmängel können die Kundschaft ernsthaft verärgern. Nicht selten bedeutet dies das Ende einer lukrativen Geschäftsbeziehung.
Hinweis
Unternehmer sollten sich stärker als bisher für die Beweggründe ihrer abwandernden Geschäftspartner interessieren. Nur so lassen sich gezielte Rückgewinnungsmaßnahmen einleiten.
Verlorenes Vertrauen zurück gewinnen
Die verärgerte Kundschaft ist häufig über einen längeren Zeitraum mit dem Unternehmen zufrieden gewesen. Die Beendigung der Geschäftsbeziehung erfolgt dann nicht selten wegen eines einzigen Problems. Wird dieser Mangel beseitigt, stehen viele der Rückkehr zum bekannten Unternehmen durchaus positiv gegenüber. Altes Vertrauen kann so neu gefestigt und die verlorene Kundenbindung wieder hergestellt werden. Mit zunehmender Dauer und auch bei Wiederherstellung der Geschäftsbeziehung steigt das Vertrauen des Kunden. Die Folgen sind:
- Höhere Zahlungsbereitschaft
- Wiederholungs- und Folgekäufe
- “Cross Selling“ (Der Kunde gelangt über ein Basisprodukt zu einer erweiterten Produktpalette)
- Sinkende Transaktionskosten (Sie entstehen beim Tausch von Gütern- und Dienstleistungen und machen einen Teil der Produktionskosten aus.)
Zehn Faktoren können die Kundenbeziehung stören
Die folgende Checkliste, von Arthur Bird, Managing Director von eLoyalty Europe, enwickelt, soll auf die Problematik aufmerksam machen:
- Lange Wartezeiten bei Anrufen;
- Zeitlich begrenzter Kundendienst;
- Lange Lieferzeiten;
- Beleidigende Äußerungen von Mitarbeitern gegenüber Kunden;
- Nicht erfüllte Erwartungen;
- Unpersönlicher Umgang mit Kunden;
- Unhöfliches oder ignorantes Verhalten;
- Unwilligkeit, Dienstleistungen an individuelle Bedürfnisse anzupassen;
- Inkorrekter Umgang mit Kreditkarten sowie mangelhafte Kommunikation von Kreditlimits;
- Schlechtes Image von Unternehmen.
Professionelle Hilfe
Wichtiger Bestandteil einer Rückgewinnungskampagne ist das Aufspüren von Informationen über Kündigungsgründe. Sie liefern einen starken Impuls für künftige Verbesserungsmaßnahmen. Diese Aufgabe wird immer häufiger an professionelle Call-Center weiter gegeben.
Mit wissenschaftlich entwickelten Methoden der Gesprächsführung kümmert man sich hier aktiv um verärgerte Geschäftspartner. Auf Basis der Kundenwertbetrachtung und der Prognose der Rückgewinnungswahrscheinlichkeit wird zunächst eine Klassifizierung erstellt. Telefonvertriebsprofis kontaktieren anschließend die abwanderungsbereiten Kunden. Durch das aktive Beschwerdemanagement erhält das Unternehmen zusätzlich noch wertvolle Kundeninformationen. Sie sind besonders wichtig für den weiteren Kundenkontakt.
Fazit
Zu einer erfolgreichen Umsetzung von Kundenrückgewinnungsmaßnahmen gehört ein hohes Maß an Selbstkritik. Erforderlich ist die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Unternehmen differenziert auseinander zu setzen. Fehler und Schwächen des Unternehmens müssen erkannt und als Anregung für Qualitätsverbesserungen verstanden werden.
Check 1: Was ist zu tun, wenn Kunden abwandern?
- Identifizieren von verlorenen Kundenbeziehungen
- Heraus filtern der rentablen, reaktivierbaren Kundenbeziehungen
- Maßnahmen zur Rückgewinnung definieren
- Wirtschaftlichkeit und Rentabilität dieser Rückgewinnungsmaßnahmen prüfen und überwachen
- Kundenverhalten in der wieder etablierten Geschäftsbeziehung überwachen
- Qualitätsverbesserungsmaßnahmen einleiten
Check 2: Welche konkreten Rückgewinnungsmaßnahmen gibt es?
- Preisnachlässe
- Persönlicher Service und professionelle Gesprächsführung
- Möglichst individuelle Kundenbetreuung
- Intensivere technische Unterstützung und Fachberatung
- Häufigere Außendienstbesuche
- Kostenlose modernere Hard- und Software (Upgrading)
- Kostenlose Tarifwechsel
- Werbegeschenke
[ab; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]
Unsicherheit im Verkaufsgespräch: Die Angst vor dem Nein des Kunden
Wer im Verkauf tätig ist, muss zwangsläufig mit einer bestimmten Anzahl von Absagen rechnen – das ist ein Teil des Jobs. Weniger erfolgreiche Verkäufer haben jedoch oft Angst vor dem Nein des Kunden. Sie fürchten eine Beschädigung ihres Egos oder eine emotionale Zurückweisung. Ablehnung kann, wie jeder am eigenen Leib schon gespürt hat, eine sehr unangenehme Erfahrung sein. So versuchen wir, dies zu vermeiden. Wir schwafeln herum und reden um den heißen Brei, nur um der Abschlussfrage aus dem Weg zu gehen.
Der Ursprung der Angst
In Gefahrensituationen wird unser Denkhirn zurückgeschaltet und die Amygdala tritt in Aktion. Sie ist unser neuronales Gefahrenradar. Sie hat vor allem die Aufgabe, uns vor Schaden zu bewahren. Und jedes Nein eines Kunden ist eine potenzielle Gefahr. Es bedeutet Niederlage, Blamage, Liebesentzug. Jedes „Ich muss es mir noch einmal überlegen“ klingt da schon sehr viel freundlicher. So verspielen manche Verkäufer zugunsten der trügerischen Hoffnung ein wahrscheinliches Ja, um das eiskalte Nein zu vermeiden.
Die Amygdala bereitet uns in kritischen Situationen auf adäquates Verhalten vor: Ohne dass wir dies groß beeinflussen könnten, fängt unser Herz an zu rasen, Blutdruck und Atemfrequenz steigen, die Hände werden feucht, die Knie weich, die Augen aufgerissen, die Pupillen weit. Die Muskulatur spannt sich an, wir kriegen eine Gänsehaut. Die Nebennieren entladen ihre Vorräte an Adrenalin in das vorbeifließende Blut. Unser Körper wird vollautomatisch vorbereitet auf Angriff oder Flucht.
Parallel dazu wird in Sekundenbruchteilen unser cerebraler Erfahrungsspeicher nach einem passenden Programm durchsucht. Wird keine Lösung gefunden, schwemmt zusätzlich das Stresshormon Kortisol aus. Negative Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verzweiflung machen sich breit. Wir beginnen zu stottern oder dummes Zeug zu reden. Erst viel später, wenn wieder klar Schiff ist, fallen uns die richtigen Worte ein. Lampenfieber und Prüfungsangst sind ausgeprägte Phänomene dafür.
Zwei Formen der Angst
Angst kommt in vielen Schattierungen daher. Sie kann eine freundliche Warnerin sein, die uns schützt. Sie kann uns kurzzeitig aus der Reserve locken und zu Höchstleistungen führen. Doch sie paralysiert auch und zerstört. Dauerangst versetzt den Körper in permanente Alarmbereitschaft, sie mindert seine Leistungskraft und ruiniert unsere Gesundheit. Anhaltende Missstimmung sabotiert die Fähigkeit des Gehirns, sein Bestes zu geben. Der Neurobiologe Gerald Hüther unterscheidet dabei zwei Formen der Angst:
1. Die kontrollierbare Angst: Unter dem Einfluss von Adrenalin schaltet der Körper kurzfristig den Turbo ein und fährt auf volle Leistung hoch. Wir wachsen über uns selbst hinaus, entwickeln ungeahnte Kräfte, mobilisieren die letzten Reserven. Wenn sich eine Belastung als kontrollierbar erweist, wird aus einer Bedrohung eine Herausforderung. Beim Überwinden der Gefahr, also beim Bewältigen des Stressors verschwindet die Angst und es setzt ein Gefühl der Erleichterung, der Freude, des Stolzes oder gar des Triumpfes ein. Dies ist ein positiver, manchmal euphorischer Moment, ein Augenblick des Glücks. Das Vertrauen in das, was wir wissen und können, ist ein wenig größer geworden. Deshalb lieben Menschen Anreize, die sie kontrollieren und bewältigen können. Wir sind geradezu süchtig danach.
Führungskräfte haben demnach die Verpflichtung, realisierbare Ziele individuell so zu gestalten, dass Verkäufer an ihren Aufgaben wachsen können. Wir lernen am besten, wenn Herausforderungen unser Oberstübchen ‚wachrütteln‘. Das Verschwinden der Angst und die Erfahrung, ein aufgetretenes Problem erfolgreich gemeistert zu haben, ist uns die größte Belohnung.
"Die Verschaltungen des Belohnungssystems werden immer dann aktiviert, wenn wir eine kontrollierbare Belastung erfolgreich bewältigt haben“,
meint Hüther. Siege schmecken süß, sagt der gesunde Menschenverstand. Und das heißt auch: Für das, das uns einfach so in den Schoß fällt, gibt es keine Glückshormone.
2. Die nicht kontrollierbare Angst: Bei Gefahren von außen, die uns beherrschen, die andauern und denen wir uns nicht entziehen können – wie etwa unerfüllbar hochgesteckte Vorgaben, unberechenbare Vorgesetzte, permanente Kunden-Neins - werden unter dem Einfluss von Kortisol die letzen Energiereserven aufgezehrt. Wir fühlen uns kraft- und mutlos, unnütz und minderwertig, unruhig und wie gelähmt. Wir werden von Selbstzweifeln geplagt. Resignation macht sich breit. Wenn uns eine Bedrohung als unkontrollierbar erscheint, verfallen wir in Hilflosigkeit und Lethargie. Unser Hirn schaltet auf Sparflamme. Uns fällt nichts mehr ein. Die Denkleistung fällt zurück.
In einer solchen Situation den Druck weiter zu erhöhen, kann nur zu einem führen: dem cerebralen (und körperlichen) Zusammenbruch. Dabei werden veraltete und für die Lösungssuche unbrauchbar gewordene Hirnstrukturen zerstört, um einen Neubeginn möglich zu machen.
"Wenn es in eine bestimmte Richtung nicht mehr weiterzugehen scheint, wird ganz einfach all das aufgelöst und weggespült, was uns so hartnäckig daran hindert, eine andere Richtung einzuschlagen, neue Wege des Denkens und Fühlens auszuprobieren",
sagt Hüther. Verständnis und Beistand sind das wichtigste, das ein Mensch in einer solchen Situation braucht, um Sicherheit zurückzugewinnen und neuen Mut zu schöpfen. Kleine Schritte der Annäherung und erste Erfolgserlebnisse machen langsam dem Selbstbewusstsein wieder Platz. Das geht bei manchen schnell und bei anderen eher langsam.
Das Vermeiden von Angst
Ganz zwanghaft will unser Hirn immer weg vom Negativen und hin zum Positiven. Deswegen sind Cold Calls und ‚Klinkenputzen‘ auch so verpönt: Es hagelt Abfuhren. Und deswegen wird das Abtelefonieren von unergiebigen Adresslisten immer wieder herausgeschoben: Die Neins am Telefon sind ja bisweilen besonders brutal. So erfinden wir ‚vernünftig‘ klingende Gründe, weshalb es gerade heute nicht geht.
Dieses tief im Hirn angelegte Vermeidungsprogramm bringt Verkäufer auch dazu, Termine lieber mit unteren Chargen auszumachen. Man bekommt sie leichter. Vor allem aber: Das Nein eines Unteren ist weit weniger schmerzhaft als das des großen Boss. Und: Das Nein ‚großer Tiere‘ ist meistens endgültig. Das Nein ‚kleiner Entscheider‘ hingegen scheint weit weniger gefährlich zu sein, denn man kann es schließlich woanders oder später noch einmal versuchen. So rückt zwar ein Abschluss in weite Ferne – aber es gab wenigstens kein knallhartes Nein.
Die Angst besiegen
Um die Angst zu besiegen, müssen Eventualitäten einkalkuliert werden. Formulieren Sie neben Ihrem Zielplan (best case) also auch ein Ausstiegsszenario (worst case):
- Was passiert schlimmstenfalls, wenn die Gespräche zu keinem Ergebnis führen?
- Unter welchen Umständen lassen Sie die Verhandlungen platzen?
So verlieren Sie Ihre Angst vor dem Scheitern. Denn nicht jedes Verkaufsgespräch ist von Erfolg gekrönt. Manchmal ist es sogar besser, aufzugeben. Mit einer klaren Ausstiegsoption können Sie entschlossener und bestimmter auftreten.
Kurz bevor es losgeht, stimmen Sie sich mental ein. Freuen Sie sich auf das Gespräch, Ihren Gesprächspartner - und auf Ihr Lampenfieber. Der Kick macht Sie hellwach und Ihre Performance steigt. Seien Sie zuversichtlich und denken Sie an frühere Erfolge. Lesen Sie in Ihrem Erfolgsbuch nach, wie Sie dabei vorgegangen sind und was genau Sie erfolgreich machte. Und wenn Sie noch kein Erfolgsbuch führen, dann legen Sie eins an.
Falls die Aufregung zu groß wird: Atmen Sie bewusst tief und langsam in den Bauch. Legen Sie hierzu Ihre Hand auf das Zwerchfell, es muss sich fühlbar wölben. Dann mehrfach sieben Sekunden einatmen - sieben Sekunden ausatmen. Trinken Sie reichlich Wasser, das spült das Adrenalin aus dem Blut. Wenn Sie eine größere Präsentation vor sich haben: Gehen Sie in den Waschraum, warten Sie, bis Sie alleine sind und dann schneiden Sie kräftig Grimassen im Spiegel. Schließlich mit einem ‚Stoßseufzer‘ die ganze Anspannung loslassen - und dann mit einem Lächeln zum Auftritt gehen.
Ein Nein ist kein Nie
Viele Verkäufer glauben, das Nein eines Kunden bedeute Nie. Doch was heißt ein Nein denn wirklich? Es ist ein Nein für dieses Angebot und gleichzeitig das Offensein für viele andere Optionen - außer der einen, die gerade abgelehnt wird. Die Frage ist außerdem:
- Worauf zielt dieses Nein ganz genau?
- Auf den Preis, die Verpackung, den Zeitpunkt, den Verkäufer, die Story?
Verkäufer, die auf ein Nein überemotional reagieren, sind oft blockiert für diese Sichtweise und verpassen es, die wahren Gründe zu hinterfragen. Dabei läge ein Konsens oft in greifbarer Nähe!
Jeder Abschluss beginnt also im eigenen Kopf. Am besten, Sie haben ihn vor Ihrem geistigen Auge schon gemacht. Der Rest ist dann die bekannte 'sich selbst erfüllende Prophezeiung'. Vorausgesetzt, Sie sind davon überzeugt, dass Ihr Angebot das Richtige für den Kunden ist. Trauen Sie sich, ergreifen Sie die Initiative, fragen Sie nach dem Auftrag! Abschluss-Angst des Verkäufers erhöht automatisch die Kaufangst des Kunden. Und: Nicht nach dem Abschluss gefragt, ist auch ein Nein.
Machen wir uns nichts vor. Wenn Sie Ihre Gesprächspartner nicht überzeugen, wird es ein Anderer tun. Anstatt sich durch das ‚vielleicht‘ oder ‚demnächst‘ vermeintlich zaudernder Kunden zu blockieren, sollten wir besser auf ein eindeutiges Ja oder Nein pochen, um Zeit für vielversprechenderes Geschäft zu gewinnen. Ein Profi-Verkäufer kann die unecht zaudernden Kunden von den ernsthaft zögernden unterscheiden. Und er handelt dementsprechend. Nur durch Üben, nicht aber durch vermeiden, lässt sich schließlich die Nein-Quote reduzieren. Profi-Verkäufer fragen aktiv nach dem Ja.
Das Buch zum Thema
Anne M. Schüller: Erfolgreich verhandeln – erfolgreich verkaufen – Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen [76]
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Nachholbedarf: Kunden-Feedback richtig erfassen und nutzen
Für viele Unternehmen ist die Erhöhung von Kundenzufriedenheit und Kundenbindung der wichtigste Nutzen des Beschwerde-Managements. Das Feedback der Kunden spielt dabei eine wichtige Rolle. Auf folgende Nutzwerte des Beschwerde-Managements wird Wert gelegt:
- Qualitätsverbesserungen,
- Verbesserungen der Unternehmensprozesse und
- das Erkennen von Kundenbedürfnissen.
Stichwort
Beschwerdemanagement ist die Gesamtheit aller systematischen Maßnahmen, die ein Unternehmen bei einer geäußerten Unzufriedenheit des Kunden ergreift, um die Zufriedenheit des Beschwerdeführers wieder herzustellen und gefährdete Kundenbeziehungen zu stabilisieren.
Beschwerdemanagement ist Bestandteil des Customer-Relationship-Management (CRM)-Konzeptes eines Unternehmens. Ziel dieser unternehmerischen Grundhaltung ist es, dem Kunden langfristig eine kontinuierliche Wertschöpfung aus der Geschäftsbeziehung zu bieten über die gesamte Lebenszeit der Kundenbeziehung hinweg.
Beschwerde als sinnvolle Rückmeldung
Nur wenige Unternehmen verbinden mit Beschwerde-Management eine Kostenreduzierung. Gemeint sind dabei beispielsweise die frühzeitige Erkennung von Produktionsfehlern und die Vermeidung teurer Rückrufaktionen oder hohe Kosten aus der Produkthaftung. Vielmehr schätzen die Unternehmen das Beschwerde-Management als "Ohr am Markt" ein. Viele, die ein aktives Beschwerde-Management implementiert haben, bezeichnen Beschwerden als wertvolle Rückmeldungen. Falls aber das Gegenteil erfolgt, entgeht den Unternehmen ein wertvolles Feedback ihrer Kunden. Sie erhalten kein reales Bild davon, wie die Kunden Produkte und Unternehmen tatsächlich bewerten. Die ursprünglich als großer Nutzen des Beschwerde-Managements erkannte Möglichkeit, Informationen zur Verbesserung von Produkten und Prozessen zu gewinnen, wird so stark eingeschränkt.
Das Problem der falschen Software
In einigen Fällen findet die Integration mit anderen Geschäftsprozessen nicht statt: Unternehmen berücksichtigen beispielsweise Informationen über anliegende Beschwerden nicht bei der Auswahl von Kontakten für Marketing-Kampagnen oder sie informieren die Vertriebskollegen nicht automatisch über Eingang und Status von Beschwerden ihrer Kunden.
Ein Teil dieses Problems liegt auch in der verwendeten Software. Viele Unternehmen benutzen immer noch die klassischen Programme Excel oder Outlook, um Beschwerden anzunehmen oder zu bearbeiten. Eine ganzheitliche Betrachtung von Marketing, Vertrieb und Service, wie sie das CRM fordert, ist auf dieser Basis kaum möglich.
Hinweis
Lesen Sie hier mehr zum Thema CRM:
Customer Relationship Management: Kundenbeziehungen systematisch pflegen
[dw; Svetlana Miassoedov; Bild: sgursozlu - Fotolia.com]
Verkauf: Wie Sie mit Kommissionsvertrieb Ihren Absatz ankurbeln
Das Vertriebsnetz eines anderen Unternehmens nutzen
Kommissionsvertrieb begegnet uns im Alltag vielerorts, auch wenn wir ihn - zumindest auf Kundenseite - kaum als Vertriebsweg wahrnehmen. Denn beim Kommissionsvertrieb übernimmt ein Dritter, der sogenannte Kommissionär, den Verkauf Ihrer Ware für Sie. Der Kommissionär verkauft die Ware in seinem eigenen Namen, aber auf Ihre Rechnung (das heißt, Sie bleiben der Eigentümer Ihrer Ware). Er erhält für diese Verkaufsleistung von Ihnen eine Provision. Gelingt es ihm innerhalb einer festgelegten Frist nicht, die Ware erfolgreich zu veräußern, gibt er sie Ihnen als Auftraggeber (sogenannter Kommittent) zurück.
Die Vorteile für Sie liegen auf der Hand: Um eine Vielzahl von Kunden zu erreichen, nutzen Sie das Vertriebsnetz eines anderen, nicht konkurrierenden Unternehmens. Dieses stellt Ihnen seine fertige Verkaufsorganisation zur Verfügung, kennt das Absatzgebiet und die Kaufgewohnheiten der Kunden genau. Der Kommissionär erspart Ihnen die Lagerhaltung. Und er steht der Aufnahme neuer Produkte in sein Programm stets aufgeschlossen gegenüber, da er das Absatzrisiko nicht trägt.
Damit ist der Vertriebsweg Kommission immer dann besonders geeignet, wenn Sie neue Produkte schnell auf den Markt bringen möchten, wenn Sie neue Absatzmärkte, zum Beispiel im Ausland, erschließen wollen oder wenn Sie Ihren Absatz generell ein wenig ankurbeln möchten.
Partner finden Sie häufig im Internet
Neben den typischen Branchen (Brauereien und Getränkehandel; Gebrauchtmärkte aller Art; Buch-, Musik-, Kunst- und Antiquitätenhandel sowie Effektengeschäft) finden Sie Kommissionsgeschäfte heutzutage vor allem im Internet. Viele Internet-Shops bieten Ihnen die Möglichkeit, Ware in Kommission zu geben. Tippen Sie doch einfach einmal in die Suchmaschine Ihrer Wahl den Suchbegriff "in Kommission". Oder Sie suchen selbst aktiv auf Ihrer Homepage nach Kommissionären („Vertriebspartner gesucht“).
Um im Schadensfall Ihre Haftungsansprüche durchsetzen zu können, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Vertriebspartner zumindest gegen die Grundrisiken (Einbruchdiebstahl, Feuer, Wasser) abgesichert ist. Der Kommissionär übernimmt dann selbstständig den Verkauf der Ware. Zur Abrechnung schreiten Sie entweder nach erfolgtem Verkauf oder nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums, zum Beispiel halbjährlich. In jedem Fall zahlen Sie dem Kommissionär die vereinbarte Provision nur für bereits abgeschlossene Verkäufe.
Den Vertrag sorgfältig abschließen
In den Vertrag gehören zunächst Regelungen zur Dauer der Kommission und Erneuerung des Warenbestands. Beispiel: Die Kommission wird auf ein Jahr vereinbart. Bei gutem Abverkauf, zum Beispiel über 70 Prozent, können die Waren auch vor Ablauf des Jahres zurückgegeben werden. Anzeige und Abrechnung der Verkäufe erfolgen am Quartalsende. Weitere Regelungen gibt es zu den verkaufsfördernden Maßnahmen. Der Kommissionär verpflichtet sich, die Ware in seinen Verkaufsräumen auszustellen und Kunden innerhalb seiner Öffnungszeiten qualifiziert zu beraten.
Sie selbst stellen Ihrem Vertriebspartner gegebenenfalls Werbematerial zur Verfügung. Weitere Regelungen gibt es zur Preisgestaltung und zur Höhe der Provision. Die Preisgestaltung ist grundsätzlich Sache des Auftraggebers, allerdings wird jeder gute Kommissionär aufgrund seiner Marktkenntnis ein Mitspracherecht fordern. Als Faustregel gilt bei der Höhe der Provision: Je intensiver und langfristiger die Zusammenarbeit, desto höher die Provision.
Fünf Tipps, worauf Sie bei Kommissionsvertrieb achten sollten
- Wenn Sie es durchsetzen können, sollte der Vertriebspartner für Sie exklusiv tätig sein.
- Definieren Sie genau, welchen Preisnachlass der Kommissionär auch ohne Rücksprache mit Ihnen als Auftraggeber gewähren darf. Ansonsten können Billigpreisaktionen Ihre Marke beschädigen.
- Prüfen Sie, ob Ihr Angebot zu den langfristigen Plänen des Vertriebspartners passt. Entwickelt dieser zum Beispiel ähnliche Angebote wie die Ihrigen, ist eine Zusammenarbeit wohl nicht sinnvoll.
- Wie hoch ist der Schulungsaufwand, der durch den Vertriebspartner entsteht? Je höher der Aufwand ist, desto weniger lohnt sich dieser Vertriebsweg.
- Stellen Sie sicher, dass Kundenwünsche, Kundenkritik oder Innovationsideen wirklich bei Ihnen ankommen.
Nachhaltig: Erfolgreich Verkaufen und treue Freunde für sich gewinnen
Der richtige Umgang mit dem Kunden
Denn immer ist der Kunde das Ziel des Verkaufens. Und kundenorientiertes Denken ist die wahrscheinlich wichtigste Aufgabe für alle Mitarbeiter in jedem Unternehmen. Aber leider gibt es nicht den einen Kunden, sondern sehr viele und sehr unterschiedliche. Aus diesem Grund muss der gute Verkäufer seine Kunden möglichst genau kennen. Die wichtigsten Kunden muss er persönlich hegen und pflegen. Der Verkäufer ist Key Account Manager.
Unterschiedliche Kundentypen und Profitmöglichkeiten
Aber welche Kunden sind die wichtigen Kunden? Der Verkauf strengt sich an, fährt mehrmals zum Kunden, um ihn von den Vorteilen des Produkts zu überzeugen. Dabei hilft er ihm auch noch bei der Problemlösung und gibt so eine Beratung kostenlos obendrauf. Am Ende kommt ein kleiner Auftrag heraus, der kaum die Kosten deckt und dann war der Kunde nie wieder gesehen.
Ein Horrorszenario für jeden Verkäufer – aber gar nicht so selten. Die Folge: Kaum Profit, und der Kunde kommt nicht wieder.
Gerade deshalb ist es wichtig, möglichst schnell und eindeutig zu trennen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Aber woran erkennt man die guten und die schlechten?
Einfühlungsvermögen
Sie müssen den Kunden fragen. So erkennen Sie, ob seine Wünsche zu Ihren Produkten passen – und können gezielt herausfinden, was der Kunde Ihnen wert ist.
In der Praxis gibt es mehrere Methoden, in den Kundendialog einzusteigen:
- schriftliche Befragungen,
- Kontaktformular auf der Webseite,
- Telefonanruf,
- Kunden-Workshops oder Anwendertreffen,
- Kontakte auf Messen und anderen Veranstaltungen,
- Kundenkontakte während der Projektabwicklung und im After-Sales-Bereich.
Kommunizieren Sie beständig mit Ihren Kunden, aber nicht zu oft. Sie sollten das richtige Einfühlungsvermögen entwickeln, und für jeden Kunden die richtige Methoden wählen. Noch unbekannte oder neue Kunden können Sie mit standardisierten Verfahren ansprechen. „Treue Freunde“ dürfen Sie nicht anonym ansprechen; diese sollten Sie in Ihre Prozesse mit einbinden.
Der eine Kunden legt sehr viel Wert auf die richtige Produktqualität und professionelle Projektabwicklung. Für andere sind sein Gefühl und die emotionale Bindung zum Verkäufer, zum Unternehmen oder zur Marke entscheidend. In jedem Fall ist es die subjektive Wahrnehmung des Kunden die entscheidet – und in diese muss sich der gute Verkäufer hinein fühlen.
Direkter Kundenkontakt: Das richtige Verhalten
Das persönliche Gespräch mit dem Kunden ist für viele Verkäufer entscheidend. Was dabei besprochen wird, Produktmerkmale, Nutzen und Vorteile für den Kunden, beeinflusst die Kaufentscheidung nur zum Teil. Genauso wichtig ist das persönliche Auftreten des Verkäufers. Körpersprache und persönliche Wirkung hinterlassen beim Kunden einen nachhaltigen Eindruck – positiv oder negativ.
Dabei lassen sich diese Signale des Körpers nur schwer steuern. Man kann sich einen festen Händedruck, offene und positive Gesten antrainieren, aber der Gegenüber merkt, wenn nur mit dem Mund gelächelt wird und nicht mit den Augen. Die Körpersprache muss zu den eigenen Emotionen passen, sonst verrät sich der Verkäufer und wirkt unglaubwürdig.
Dennoch gibt es ein paar Grundregeln, die man lernen kann und die einen positiven Eindruck beim Kunden hinterlassen:
- Kleidung, die dem Anlass angemessen ist,
- gepflegte Erscheinung,
- angemessener und fester Händedruck, der dem Gegenüber angepasst ist,
- höfliche Umgangsformen,
- freundlicher Blickkontakt.
Ein guter Verkäufer beobachtet auch die Körpersprache seines Kunden. Sie verrät Unsicherheit, Ablehnung oder Zustimmung. Wenn Verkäufer und Kunde im Laufe des Gesprächs ihre Haltung unmerklich aufeinander abstimmen, finden sie sehr wahrscheinlich zueinander.
Organisierter Verkauf
Es mag wohl stimmen, dass schlechte Verkäufer nur allzu gerne Informationen sortieren und sich in ihre Akten vergraben. Gute Verkäufer nutzen diese Zeit lieber für Gespräche mit den Kunden. Dennoch: Wer mehr von seinen Kunden weiß, ist im Vorteil. Aus diesem Grund richten Unternehmen ein Customer Relationship Management System ein. Sie sammeln alle Informationen, die sie über ihre Kunden finden, ordnen und strukturieren diese und stellen sie ihren Verkäufern zur Verfügung.
Wichtige Hinweise ergeben sich aus der Potenzialanalyse. Welcher Verkäufer kennt den tatsächlichen Bedarf seines Kunden, wenn dieser nur einen kleinen Teil davon beim eigenen Unternehmen deckt – und den überwiegenden Rest bei der Konkurrenz kauft? Das sind leichte Angriffspunkte, um besser ins Geschäft zu kommen. Gute Verkäufer kennen den Markt ihrer Kunden und nutzen dieses Wissen geschickt, um Konkurrenzangebote aus dem Feld zu schlagen.
Stichwort
Customer Relationship Management (CRM) ist die strategische Entscheidung eines Unternehmens, den gesamten Wertschöpfungsprozess um die Bedürfnisse der Kunden anzuordnen. Das erklärte Ziel liegt in der Erhöhung der Kundenzufriedenheit und loyalität, um die Profitabilität der Kundenbeziehung zu optimieren.
Die Prozesse im Unternehmen werden auf den Kunden ausgerichtet. Im Vordergrund steht für das Unternehmen, dass der Kunde ein profitabler Kunde ist. Grundlage des CRM sind Daten, Informationen und Wissen über den Kunden und seine Märkte. Um diese zu strukturieren und schnell verfügbar zu machen, werden IT-Systeme eingesetzt. CRM beinhaltet ebenso die ständige Verbesserung der Kundenbeziehungen als Element des organisatorischen Lernens. Lesen Sie dazu auch:
Customer Relationship Management: Kundenbeziehungen systematisch pflegen
Das richtige Produkt, um Kunden zu helfen ...
Jeder Unternehmer muss kritisch analysieren: Passen die eigenen Produkte wirklich zu den Bedürfnissen der Kunden? Manchmal ist es hilfreich „Notlagen“ des Kunden auszunutzen. Gerade wenn die Kunden wenig geneigt sind zu investieren, werden Sie jedes Kaufangebot doppelt prüfen. Auch dann können Sie Argumente ins Feld führen, die für Ihr Produkt sprechen:
- Finanzieller Druck: Ihr Kunde muss seinen Umsatz steigern oder seine Kosten senken. Fragen Sie sich: Wie kann Ihre Lösung dem Kunden helfen, diese Ziele zu erreichen?
- Druck durch das Tagesgeschäft: Ihr Kunde muss seine Prozesse beherrschen, um seinen Kunden optimale Leistungen bieten zu können. Überlegen Sie, wie Sie Ihrem Kunden helfen, seine Prozesse zu optimieren und jeden Tag besser zu werden.
- Wettbewerbsdruck: Ihr Kunde muss immer besser sein als seine Wettbewerber, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende zu halten. Fragen Sie kritisch: Wie können Sie Ihrem Kunden helfen, seine Wettbewerber auszustechen und seine Kunden zu begeistern?
- Druck durch Lieferanten: Ihr Kunde muss auch für seine Lieferanten und Kooperationspartner attraktiv sein. Was können Sie leisten, damit Ihr Kunde ein starker Partner in seinem Netzwerk ist?
... und Selbstvertrauen des Verkäufers
Nur wer sich selbst vertraut, kann erwarten, dass andere im vertrauen. Nur selten führt jedes Verkaufsgespräch zum Erfolg. Verkäufer müssen lernen, mit Misserfolg zu leben. Das demotiviert und führt zu negativen Emotionen. Umso wichtiger ist es zu lernen, damit umzugehen und sich selbst wieder positiv zu motivieren. Der gute Verkäufer weiß, dass kein Kunde ihn persönlich ablehnt, sondern nur von seinem Recht Gebrauch macht, ein Produkt abzulehnen.
- Sortieren Sie Ihre Kunden nach Kundentreue und Profitabilität. Lernen Sie auch das Loslassen unrentable Kunden kosten nur Zeit und Geld. Aber Vorsicht: Entwickeln Sie für sich Kriterien, wie Sie strategische Kunden von Morgen bearbeiten, und prüfen Sie regelmäßig, ob Ihre Einschätzung noch stimmt.
- Fühlen Sie sich in die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Kunden ein. Das geht am besten direkt vor Ort und im direkten Gespräch. Machen Sie sich sofort Notizen, wenn Ihnen etwas auffällt und besprechen Sie mit Ihrem Team, was Sie dem Kunden beim nächsten Mal mitbringen, das er gut gebrauchen kann. Zeigen Sie Ihrem Kunden, dass Sie immer für ihn da sind auch wenn es nicht um einen Auftrag geht.
- Schaffen Sie sich Verbündete bei Ihren Kunden, die dort auch etwas zu sagen haben und bei der Entscheidung über Kauf oder Nicht-Kauf mitreden.
- Achten Sie auf die emotionale Bindung zu Ihren Kunden. Wenn Sie das Gefühl haben, selbst nicht gut anzukommen, schicken Sie einen Kollegen. Nicht jeder kann mit jedem.
- Bedenken Sie, dass das persönliche Auftreten mindestens so wichtig ist, wie die Nutzenargumentation. Stimmen Erscheinungsbild, innere Einstellung und Kundenerwartungen miteinander überein?
- Entwickeln Sie Ihr eigenes Customer Relationship Management System das heißt, sammeln Sie alle Informationen, die Sie über Ihre Kunden finden und stellen Sie diese Ihrem Team zur Verfügung. Beziehen Sie in Ihre Analysen auch die Kunden Ihrer Kunden und den gesamten Markt mit ein. Dafür braucht es nicht immer ein aufwändiges IT-System.
- Machen Sie Ihren Kunden erfolgreich: Zeigen Sie auf, wie er Geld sparen oder Geld verdienen kann; helfen Sie ihm aus einer Notlage. Verkaufen Sie dabei eine Lösung und versuchen Sie nicht einfach Ihre Ware loszuschlagen. Dann wird der Kunde Ihr treuer Freund.
Dass Sie alle Argumente kennen und vermitteln können, die für Ihre Produkte und Leistungen sprechen, sollte selbstverständlich sein.
[jf; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]
Verkaufstraining: Keine Angst - Kunden beißen nicht!
Beispiel für einen Verkäuferalltag
Vor Kundenbetreuer Sven Mayer liegen die Telefonnummern mehrerer Kunden, die es anzurufen gilt. Doch irgendetwas hält ihn davon ab, zum Telefonhörer zu greifen. Stattdessen erledigt er andere Aufgaben, die weder wichtig noch dringlich sind. Ähnlich ergeht es Key-Accountmanagerin Maja Beck. Deutlich spürt sie im Verkaufsgespräch: Der Kunde ist reif für den Abschluss. Doch etwas hält sie davon ab, das Auftragsformular zu zücken. Stattdessen vereinbart sie einen Folgetermin, obwohl sie weiß: Wenn ich jetzt nicht zupacke, bekommt vermutlich ein Mitbewerber den Auftrag.
Solche Situationen kennt jeder Verkäufer. Selbst routinierte Verkaufsprofis stehen im Vertriebsalltag immer wieder vor mentalen Hürden. Mal ist die Ursache, dass der Verkäufer in der Nacht zuvor schlecht schlief, mal, dass er sich über einen Kollegen ärgerte, oder, dass er unsicher ist, ob sein Produkt tatsächlich die beste Problemlösung für den Kunden ist. Dies ist kein Anlass für Panik. Denn jeder Mensch hat „Up’s and Down’s“. Zudem haben die meisten Topverkäufer Techniken parat, um mentale Barrieren, die sporadisch auftauchen, zu überwinden.
Mentale Barrieren erkennen
Anders ist dies, wenn Verkäufer regelmäßig an dieselben Barrieren stoßen. Wer sich dessen bewusst ist, kann sich froh schätzen. Denn dann können die Barrieren bearbeitet werden. Oft stellt man im Kontakt mit Verkäufern aber fest: Sie stoßen immer wieder an dieselben mentalen Hürden, ohne dies zu wissen. Die Folge: Statt beispielsweise ihre Angst, Kunden zu kontaktieren, zu überwinden, sagen sie: „Der Kunde fühlt sich belästigt, wenn ich ihn anspreche.“ Ein typisches Ausweichverhalten!
Eine Ursache, warum Verkäufer oft jahrelang mit denselben mentalen Hindernissen kämpfen, ist: Unser Verhalten wird weitgehend durch mentale Programme bestimmt. Sie laufen unbewusst in uns ab und erleichtern uns oft das Leben – auch im Beruf.
Hierfür ein Beispiel:
Als wir das Autofahren lernten, vollzogen wir das Kuppeln, Schalten und Blinken ganz bewusst. Wir waren so damit beschäftigt, diese Tätigkeiten auszuführen und zu koordinieren, dass wir in Panik gerieten, wenn unverhofft ein Hindernis auftauchte. Doch heute nach einigen Jahren Übung beherrschen wir das Autofahren wie im Schlaf. Dadurch gewinnen wir die Freiheit, beim Fahren unseren Gedanken nachzuhängen und uns bei Überlandfahrten die Landschaft anzuschauen.
Solche mentalen Programme haben wir zuhauf verinnerlicht. Und das ist gut so! Denn sie sorgen dafür, dass wir im Arbeitsalltag die nötige Routine zeigen. Daraus leiten Personalverantwortliche zuweilen ab: Unsere Verkäufer müssen die für ein professionelles Verkaufen nötigen Verhaltensmuster so lange trainieren, bis sie diese im Schlaf beherrschen. Also schicken sie ihre Mitarbeiter immer wieder in Seminare, in denen diese zum Beispiel die Bedarfsermittlung und Einwandbehandlung trainieren. Doch irgendwann stellen die Personalverantwortlichen meist frustriert fest: Trotzdem zeigen unsere Leute das gewünschte Verhalten nicht. Warum? Die mentalen Barrieren, an die die Verkäufer im Arbeitsalltag stoßen, wurden in den Seminaren nicht bearbeitet. Deshalb gelingt ihnen auch der Praxistransfer nicht.
Barrieren gezielt bearbeiten
Analysiert man den Verkaufsprozess, dann entdeckt man viele angstbesetzte Barrieren, mit denen Verkäufer oft kämpfen. Einige seien hier genannt:
auf Kunden aktiv zugehen,
fremde Menschen nach ihren Bedürfnissen fragen,
das Vertragsformular zücken,
Kunden Zusatzangebote unterbreiten,
nach Weiterempfehlungsadressen fragen,
Kunden, die beim letzten Kontakt „Nein“ sagten, erneut kontaktieren.
Allein können Verkäufer diese mentalen Barrieren meist nicht überwinden. Denn wenn eine entsprechende Situation auftaucht, läuft in ihnen automatisch stets dasselbe mentale Programm ab. Solange dieses nicht durchbrochen wird, nutzt das intensivste Training wenig. Das Ziel jeder Trainingsmaßnahme sollte daher sein, den Teilnehmern zunächst ihre mentalen Barrieren bewusst zu machen und ihnen dann zu helfen, diese zu überwinden.
Hierfür muss man wissen, welche Programme wir wie beeinflussen können. Vereinfacht lassen sich die zahlreichen Programme in zwei Gruppen einteilen:
Ur-Programme und
Mentale Muster.
Die Ur-Programme laufen in uns allen ab und sind das Ergebnis unserer Evolution. Sie entwickelten sich aufgrund der Notwendigkeit unserer Vorfahren, trotz permanenter Bedrohung durch zum Beispiel Raubtiere, Kälte oder Hunger zu überleben. Diese Programme aktivieren sich selbstständig, wenn ein entsprechender Umweltreiz erfolgt. Typische Ur-Programme sind das Flucht- und Angriffsprogramm. Ihre Symptome nehmen wir immer wieder wahr – zum Beispiel, wenn wir vor Aufregung feuchte Hände bekommen.
Glaubenssätze bestimmen unser Verhalten
Die Ur-Programme sind bei allen Menschen gleich. Wir reagieren aber auf dieselbe Situation verschieden, weil wir diese unterschiedlich wahrnehmen. Was für den einen eine Katastrophe ist, ist für den anderen eine Lappalie oder sogar Chance. Für diese unterschiedliche Bewertung sorgen die „mentalen Muster“. Sie sind die „Filter“, durch die wir unsere Umwelt wahrnehmen. Sie bestehen unter anderem aus Glaubenssätzen, die wir im Laufe unseres Lebens verinnerlicht haben. Solche Glaubenssätze sind zum Beispiel:
einen Kunden zu kontaktieren, der ihm beim letzten Kontakt die kalte Schulter zeigte,
zu einem Kunden „Nein“ zu sagen, wenn dieser überzogene Serviceerwartungen artikuliert oder
einem Kunden eine Preiserhöhung zu verkaufen?
Er erlebt diese Aufgaben als Bedrohung und sucht nach Ausflüchten, um sie nicht wahrzunehmen. Der Glaubenssatz wirkt sich also negativ auf seine Arbeit aus.
Es gibt zahllose solcher Glaubenssätze – in unzähligen Varianten. Und jeder Verkäufer hat für jede Phase des Verkaufsprozesses Glaubenssätze verinnerlicht, die in engem Zusammenhang mit seiner beruflichen und privaten Biografie stehen. So haben zum Beispiel Außendienstmitarbeiter von Versicherungen, die es gewohnt sind, aktiv zu verkaufen, meist andere Glaubenssätze als Bankmitarbeiter, die hinter dem Schalter stehen. Dies erleichtert es, Trainings- und Coachingmaßnahmen zu fokussieren.
Damit diese erfolgreich sind, gilt es zunächst den Irrglauben zu überwinden: Glaubenssätze sind nicht veränderbar. Dies trifft nicht zu! Denn unsere Glaubenssätze sind uns nicht angeboren. Wir haben sie erlernt. Folglich können wir destruktive Glaubenssätze auch durch neue konstruktive ersetzen.
Emotionen sind der Schlüssel zur Veränderung
Wichtig ist es, den Verkäufern bewusst zu machen, dass ihr Verhalten durch irrationale Glaubenssätze beeinflusst wird – positiv oder negativ. Denn dies entspricht nicht ihrem Selbstbild. Weil diese Glaubenssätze automatisch wirken, dringen sie nur selten in ihr Bewusstsein. Sie gleichen mentalen Tretminen, von denen sie nur die emotionalen Explosionen wahrnehmen.
Unsere Emotionen sind auch der Schlüssel, um unsere unbewusst vorhandenen Glaubenssätze in unser Bewusstsein zu heben, sodass sie bearbeitbar sind. Allen Emotionen, die Verkäufer im Kundenkontakt und bei ihren sonstigen Aktivitäten haben, liegen Glaubenssätze zugrunde. Indem diese Emotionen identifiziert und in einem Sales-Coaching thematisiert werden, kann auch ermittelt werden, welche Glaubenssätze sich dahinter verbergen. Zudem kann in einem individuellen Sales-Coaching analysiert werden, ob es sich hierbei um Konstruktive handelt oder solche, die zu einem unangebrachten Verhalten führen. Damit ist das Fundament gelegt, um die destruktiven Glaubenssätze durch konstruktive zu ersetzen und eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen.
[Bild: Fotolia.com]
Online-Shops: Kunden wollen nicht suchen, sondern finden
Ein Kauf kommt zustande, wenn ein Angebot die persönliche Nachfrage befriedigt. Diese Lehre aus der klassischen Volkswirtschaft bekommt durch eine aktuelle Umfrage in Deutschland von Avail Intelligence neues Gewicht: 47 Prozent der Online-Shopper erwarten beim Betreten eines Webshops auf sie persönlich zugeschnittene Angebote, die zu ihrer Nachfrage passen – und das in kurzer Zeit ohne langes Suchen. Daher ist die Individualisierung der Landeseiten, der sogenannten Landing Pages, bei Onlineshops im Hinblick auf Umsatz und Kundengewinnung entscheidender Erfolgsfaktor.
Die direkte Eingabe einer Domain-URL eher selten
Bei ihrer Suche nach einem bestimmten Produkt nutzen über 90 Prozent der Befragten externe Dienste wie Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Preisvergleiche. Die direkte Eingabe einer Domain-URL findet kaum Anwendung; stattdessen erreicht der Kunde den Webshop durch Aufrufen eines Produkt-Suchergebnisses bei Google, Geizhals oder Twitter. Da der Kunde somit bereits vor dem Betreten des Shops deutlich äußert, was er exakt sucht, erwartet er von dem Online-Händler unmittelbar ein entsprechendes, passendes Angebot.
49 Prozent der Befragten geben an, die Internetseite eines Webshops sofort wieder zu verlassen, wenn sie nicht direkt das gewünschte Produkt sehen. Wer einen Fernseher sucht, will sich weder durch Damenschuhe noch durch Digitalkameras klicken müssen. Umso stärker müssen Online-Händler daher dafür sorgen, dass der Inhalt der Landing Page – also der Shopseite, auf die der Kunde durch den Link als erstes landet – zu den Suchbegriffen passt. Bei auf den ersten Blick unpassenden Angeboten nimmt sich nur jeder fünfte Befragte Zeit für die Navigationsleiste. Und auch eine interne Shop-Suche nutzen unter diesen Umständen lediglich 30 Prozent der Besucher.
Cross-Selling: Über die Hälfte der Befragten kaufen weitere passende Produkte im gleichen Shop
Und es spricht noch mehr dafür, auf jeder Seite des Webshops auf den Kunden abgestimmte Produkte anzubieten: 57 Prozent der Befragten kaufen weitere Angebote im gleichen Shop mit ein, wenn diese zu ihren Interessen passen – vorausgesetzt, sie haben ihren ursprünglich gesuchten Artikel schnell und problemlos gefunden. 100 Prozent der Befragten halten es für durchaus möglich, bei personalisierten und passenden Angeboten, wie DVDs beim Fernseherkauf, diese spontan mitzukaufen.
Die Ergebnisse der Studie aus Deutschland zeigen, wie wichtig der Einsatz von Empfehlungssoftware und Behavioural Merchandising Techniken für Online-Shops ist. Die Avail Studie ist ein Weck-Signal an die Online-Händler: Nur wer die Wünsche des Kunden schnell und präzise erfüllt, kann langfristig erfolgreich bleiben. Der Kunde muss das Produkt bereits gefunden haben, ehe er sich über die Suche bewusst Gedanken macht – denn dann fängt meist der innerliche Ärger bereits an. Und sowohl auf der Straße wie im Web gilt: Zufriedene Kunden kaufen mehr.
[po; Quelle: Avail Intelligence; Bild: Fotolia.com]
Neurokommunikation: Mehr Umsatz durch Emotion Selling
Kunden kaufen nach neuen Entscheidungskriterien
Produktqualität und Produktleistungen gleichen sich zunehmend an, oft sind sie sogar identisch. Kunden haben also immer mehr die Wahl, bei wem sie kaufen. Durch diese veränderten Marktverhältnisse erhalten sie eine neue Machtposition. Gute Produkte und ein guter Service sind Voraussetzung und immer weniger das Entscheidungskriterium für Kunden. Für sie gibt es neue Entscheidungskriterien. Sie wählen immer mehr die Geschäfte, Geschäftspartner, Produkte, Verkäufer oder Berater nach der emotionalen Qualität aus. Das bedeutet, dass Kunden sich immer konsequenter Fragen stellen wie:
- Wo werden meine Bedürfnisse am besten erkannt und erfüllt?
- Wo werde ich am besten behandelt?
- Wo fühle ich mich am wohlsten?
- Wem vertraue ich am meisten?
Um zu den Gewinnern im Markt zu gehören, muss es das Ziel sein, bei Kunden die bestmögliche Emotion herzustellen. Denn genau diese Emotion entscheidet maßgeblich über den Erfolg bei der Neukundengewinnung oder Kundenbindung. Emotionen stehen also im Mittelpunkt, um genau zu sein, die gute Emotion des Kunden, nicht die gute Emotion des Kundenberaters. Viele verwechseln dies. Kundenbefragungen zeigen, dass es hier noch viel zu tun gibt.
Welche Chancen und Möglichkeiten sich für Unternehmen durch die Neurokommunikation und die Neuro-Emotionstheorie bieten, wird im Folgenden durch ausgewählte, wichtige Prinzipien näher beschrieben:
Kommunikation findet von Gehirn zu Gehirn statt – von Neokortex zu Neokortex. Erst seit kurzer Zeit wissen wir, was wirklich im Kopf passiert. Moderne Verfahren, wie die Magnet Resonanz Tomographie (MRT), weisen messbar nach, was Kommunikation im Kopf des Kunden auslöst. Vor diesem Hintergrund und durch die neuen Erkenntnisse der Neurokommunikation und Neuro-Emotionstheorie lassen sich neue Prinzipien für eine erfolgreichere Verkaufskommunikation ableiten.
Prinzip 1: Das „Google-Prinzip“
An erster Stelle ist das „Google-Prinzip“ zu nennen, in der Fachsprache Neuroassoziation. Das „Google-Prinzip“ (Bittner, 2005) besagt, dass jedes Wort, im Kopf des Kunden in eine so genannte neuromentale „Suchmaschine“ eingegeben wird. Die Funktionsweise ist vergleichbar mit der Internetsuchmaschine Google. Für den Verkauf bedeutet das, dass jedes Wort des Verkäufers im Kopf des Kunden alle seit der Geburt gespeicherten Erinnerungen, Assoziationen und damit fest verknüpften Emotionen auslöst.
Des Weiteren beschreibt Neurowissenschaft, welche geradezu unglaublichen Datenmengen wir bereits durch einzelne Formulierungen, Argumente und Worte im Kopf von Kunden auslösen. Man spricht von etwa 40 Millionen Bits pro Sekunde im Wachzustand (Lipton, 2007). Die Wirkung von Worten ist somit wesentlich größer als bisher angenommen. Es ist eine neue Sensibilität und Qualität in der Kommunikation nötig.
Prinzip 2: Das „Prinzip der Emotionen“
Das Prinzip der Emotionen besagt: Wir sind so attraktiv für Kunden, wie die Emotion, die wir durch unsere Kommunikation im Kopf des Kunden auslösen. Kurz: positive Emotionen verkaufen – negative nicht.
Besonders Key-Accountern, Außendienstmitarbeitern, Verkäufern und Beratern kommt durch den persönlichen Kontakt zum Kunden eine zentrale Schlüsselrolle zu. Sie benötigen eine Gesprächsführung, bei der neben der Vermittlung von Sachinhalten, das Management der Emotionen im Mittelpunkt steht. Früher war eine produktorientierte Kommunikation gegenüber Kunden im Alltag vorherrschend. Doch heute und in Zukunft ist eine neue Kommunikation gefragt.
Ein einfaches Beispiel aus dem Finanzsektor: Stellen Sie sich vor, ein Kunde geht in eine Bank und möchte Geld anlegen. Der Berater sagt zum Kunden entweder: „Bei dem Produkt besteht kein Risiko.“ oder er sagt: „Dieses Produkt bietet Ihnen eine hohe Sicherheit.“. Welcher Satz verkauft mehr? Der Informationsgehalt beider Aussagen ist der gleiche, doch der Emotionsgehalt ist ein komplett anderer.
In der ersten Aussage benutzt der Berater das Wort „Risiko“. Dieses Wort assoziiert, nach dem „Google-Prinzip“, alle Situationen, Personen, Gespräche, Gerüche, Geräusche und Emotionen, die wir mit dem Wort „Risiko“ erlebt haben. Daraus ergibt sich eine Gesamtemotionsbilanz für diesen Begriff. In diesem Fall möchte ein Kunde Geld investieren und sucht Vertrauen und Sicherheit, doch das Wort „Risiko“ löst ein „Risikogefühl“ aus, also ein negatives Gefühl. Das Risikogefühl minimiert hier die Chance, dass der Kunde anlegt. Es verkauft nicht, es behindert den Kauf.
Das Wort „Sicherheit“ löst, alle, an das Wort „Sicherheit“ abgespeicherten Assoziationen und damit Emotionen aus. Im Ergebnis bewirkt es eine positive Gesamtemotion, die verkauft. Selbstverständlich ist das Beispiel austauschbar. Egal was verkauft wird, das „Prinzip der Emotionen“ gilt immer – branchenübergreifend.
Prinzip 3: Wenn der Körper „Nein“ sagt
Neu ist die Erkenntnis, dass vom Kunden eine emotional negativ assoziierte Kommunikation den Körper durch physiologische Stressreaktionen belastet. Dabei reicht schon der Gebrauch einzelner negativer Worte beziehungsweise Formulierungen. Ein uralter, angeborener und zumeist unspürbarer Überlebensmechanismus wird ausgelöst. Alles Negative, alles was Gefahr bedeuten könnte, möchte der Mensch intuitiv vermeiden. Das heißt für den Verkauf, dass obwohl der Kunde diese messbare physiologische Stressreaktionen nicht spürt, es trotzdem eine Vermeidungsreaktion gibt. Der Kunde vermeidet unbewusst negative Verkäufer und Berater und wählt stattdessen eher die Verkäufer und Berater, die diese körperliche Stressreaktion nicht auslösen. Das bedeutet Umsatz beziehungsweise Umsatzverlust.
Vor diesem Hintergrund ist die Neurokommunikation ein wichtiger Teil der Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Eine hochwertige Kommunikation ist heute mehr denn je ein harter Faktor, mit dem viel Umsatz erwirtschaftet, aber ebenso viel Verlust gemacht wird. Wer die Effektivität des Vertriebes erhöhen und Kosten senken möchte, dem ist insbesondere zu empfehlen, sich die neuen Entscheidungs- und Kaufkriterien der Kunden anzusehen und die Kommunikation des Vertriebes entsprechend auszurichten.
Die Hauptfrage für Unternehmen ist: Wie können Verkäufer kommunizieren, damit der Kunde, den Verkäufer, das Produkt und das Unternehmen, so positiv wie möglich „googelt“ und emotional abspeichert? Es ist also weniger entscheidend, was wir sagen, als was wir im Kopf und im Körper des Kunden auslösen.
Emotion Selling ist das erste Konzept, das diese und weitere Erkenntnisse berücksichtigt und die Frage in den Mittelpunkt stellt: Mit welcher Kommunikation erreicht ein Verkäufer die höchstmögliche Kaufmotivation?
[Bild: Fotolia.com]
Verkaufswettbewerbe: Verkäufer zum Verkaufen anspornen
Trickreich drehen die Makler im Film Leuten, die kein Geld haben, Grundstücke an, die sie nicht brauchen. Als die Firmenleitung einen gnadenlosen Verkaufswettbewerb startet, stehen die Verkäufer am Abgrund. Keine gute Ausgangslage und auch kein gutes Beispiel für Verkaufswettbewerbe, die – richtig ausgeführt – Verkäufern tatsächlich aufzeigen können, wo sie stehen und in welchen Bereichen sie sich noch verbessern können. Im Idealfall also ein gesunder Wettbewerb, der Verkäufer besser macht und dem Unternehmen ein Umsatzplus beschert - erreicht nicht durch ein Gegeneinander, sondern durch ein höheres Gemeinschaftsgefühl im Team: „Wir wollen gemeinsam siegen!“ Kämpfen – aber bitte mit fairen Mitteln – muss dabei natürlich jeder alleine.
Vorteile und Gefahren von Wettbewerben
Verkaufswettbewerbe knüpfen am natürlichen Bedürfnis des Menschen an, sich zu messen und zu beweisen. Bereits Kinder erproben im Sandkasten die eigene Stärke und Geschicklichkeit. Sie wachsen so langsam in die Welt des natürlichen und gesunden Wettkampfes hinein. Zusätzlich ist ein Verkaufswettbewerb ein erprobtes Mittel, um Umsätze zu maximieren oder Produktneueinführungen zu beschleunigen.
Natürlich gibt es bei Verkaufswettbewerben aber auch Nachteile, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Der Konkurrenzkampf unter den Verkäufern wird härter und Neid und Missgunst untereinander können das Arbeitsklima im Team trüben. Des Weiteren kann ein Verkaufswettbewerb für Neulinge oder schlechtere Verkäufer demotivierend wirken, da sie von ihren Vertriebsfähigkeiten nicht überzeugt sind und schließlich bereits aufgeben, bevor der Wettbewerb richtig begonnen hat.
Der größte Nachteil aber könnte sein, dass ein Vertriebsmitarbeiter ausschließlich an seine Provision denkt und auf „Teufel komm raus“ verkauft. In diesem Fall rücken die Belange des Kunden in den Hintergrund und der Abschluss kann kaum optimal auf ihn abgestimmt sein. Langfristig kann ein Vertriebsmitarbeiter so aber nicht arbeiten, denn eine stabile Kundenbindung ist das A und O des Verkaufens.
Wettbewerb ist nicht gleich Wettbewerb
Ein Verkaufswettbewerb ist mehr als ein Lotteriespiel im Sinne einer Verheißung, da das Glück nur eine verschwindend kleine Rolle spielt. Und Verkaufswettbewerb ist nicht gleich Verkaufswettbewerb, wenn auch die unterschiedlichen Ansätze alle das gleiche Ziel haben: eine Maximierung des Umsatzes in möglichst kurzer Zeit. Anhand der unterschiedlichen Ansätze lässt sich gut erkennen, dass der eine Typ teamorientiert ist, während der andere nur die stärksten Verkäufer belohnt und der dritte individuell auf die Mitarbeiter zugeschnitten ist.
Beim teamorientierten Ansatz wird für einen definierten Zeitrahmen (zum Beispiel Quartal) ein Umsatzziel vereinbart. Wird es erreicht oder übertroffen, bekommt das Team, welches gemeinsam den Umsatz erwirtschaftet hat, die vereinbarte Belohnung, die allen zugute kommt. Das kann ein gemeinsames Essen, ein Betriebs-Event, eine Reise oder eine Provision sein.
Beim „Einzelkämpfer-Ansatz“ wird für einen definierten Zeitrahmen ein Umsatzziel vereinbart, das jeder Mitarbeiter, unabhängig davon, ob es sich um einen Spitzenverkäufer oder einen Anfänger handelt, erreichen soll. Diejenigen, die das Ziel erreichen, erhalten die vereinbarte Belohnung. Beim individuellen Ansatz wird mit jedem Vertriebsmitarbeiter, entsprechend seiner individuellen Stärken und Schwächen, vereinbart, welche prozentuale Neukundengewinnung oder Umsatzsteigerung er in einem definierten Zeitrahmen anstrebt. Bei Erreichen erhält er die vereinbarte Belohnung.
Welche Preise gibt es für wen?
Auch bei den Belohungssystemen, ein entscheidendes Kriterium bei Verkaufswettbewerben, gibt es unterschiedliche Ansätze: Entweder belohnt man den Einzelnen oder das gesamte Team. Der Konkurrenzkampf und die Gefahr unfairen Handelns werden steigen, wenn nur die Besten ausgezeichnet werden und die Motivation der Schwächsten könnte sinken. Wenn das gesamte Team belohnt wird, droht die Gefahr, dass einer oder wenige die ganze Arbeit machen, aber alle die Lorbeeren kassieren, nach dem Motto: TEAM = Toll, ein anderer macht's.
Der Einzelne kann nicht-materiell wertgeschätzt werden: Der Mitarbeiter mit dem höchsten Umsatz erhält eine Belohnung in Form eines Lobes vor dem gesamten Team, der Ehrung als Mitarbeiter des Monats oder der Nutzung eines Parkplatzes direkt vor der Tür für einen definierten Zeitraum.
Bei einer materiellen Belohnung können die Leistungen des Mitarbeiters in Form eines Statussymbols oder einer Provision anerkannt werden.
Für das Team gilt das Gleiche: Bei der nicht-materiellen Belohnung profitiert jeder Mitarbeiter, der das für alle einheitlich vereinbarte Umsatzziel erreicht hat, von einem Gemeinschaftslob, was die Motivation stärkt. Bei der materiellen Belohnung bekommen die Mitarbeiter, die jeweils das definierte Umsatzziel erreicht haben, als Anerkennung ihrer Leistung eine gemeinsame Reise, die das Teamgefühl stärkt oder sie erhalten alle ein einheitliches Statussymbol oder eine für alle gleich hohe Provision.
Wird ein Verkaufswettbewerb besonnen eingesetzt, kann, neben dem definierten Ziel Umsatzsteigerung, auch erreicht werden, dass das Gemeinschaftsgefühl im Team steigt. Die möglichen negativen Seiten des Verkaufswettbewerbs können minimiert oder sogar gänzlich beseitigt werden, während die positiven voll genutzt werden. Wichtig für das Gelingen eines Verkaufswettbewerbs aber ist, dass der definierte Zeitrahmen nicht zu groß ist, da dies der Motivation schaden kann und das Erreichen der Ziele gefährdet. Monats-, Wochen-, oder sogar Tagesziele sind dagegen ein echter Motivationsmotor.
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Verkaufspersonal: Gutes Aussehen ist kein Garant für hohen Umsatz
Bianca Price, Doktorandin der University of South Australia, hat bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass vor allem junge Kundinnen seltener zum Kauf eines Produkts bereit waren, wenn sie glaubten, dass die weiblichen Angestellten hübscher waren als sie selbst. Die Kaufbereitschaft war dabei unabhängig davon, ob das Produkt mit gutem Aussehen in Zusammenhang stand oder nicht - beispielsweise Kosmetik im Vergleich zu einem Mobiltelefon.
Für ihre Studie untersuchte Price die Kaufabsichten junger Frauen zwischen achtzehn und sechsundzwanzig in Situationen mit attraktiven und unattraktiven Verkäuferinnen. Die Ergebnisse spiegeln laut Price die soziale Vergleichstheorie wider, nach der Menschen sich mit anderen vergleichen, um so Feedback zu ihrem eigenen Erscheinungsbild zu erhalten. Ein Aufwärtsvergleich, bei dem ein Vergleich mit Menschen erfolgt, die als sozial überlegen wahrgenommen werden, kann Angst auslösen, zu einem schlechteren Selbstbewusstsein führen und das Gefühl von Unzulänglichkeit vermitteln. Price erläutert:
"In bestimmten Situationen kann ein Aufwärtsvergleich in einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten enden. Auf die Verkaufsituation übertragen, bedeutet Vermeidung weniger Verkäufe und damit letztendlich weniger Gewinn für das Geschäft."
Laut Bianca Price liegt die Erklärung der Studienergebnisse unter anderem in der zunehmenden Bedeutung von Aussehen und Körperbild bei jungen Frauen. Frauen, vor allem jüngere Frauen, betrachten ihr Aussehen als ihr Kapital. Es kann die Größe des Freundeskreises, das Glück bei der Partnersuche und den Erfolg im Beruf bestimmen.
"Frauen sind von Natur aus konkurrierend - wenn sie eine andere Frau als direkte soziale Bedrohung wahrnehmen, kann dies ihr Verhalten in dieser Situation beeinflussen",
so Price. Ladenbesitzer glauben oft, schöner ist besser. Ähnlich wie bei Stars, die zur Bewerbung eines Produkts eingesetzt werden, sollen hübsche Verkäuferinnen das Produkt verkörpern und Kundinnen zum Kauf animieren. Doch während ein Star nicht unbedingt als direkte soziale Bedrohung wahrgenommen wird, kann die junge Frau im heimischen Einkaufszentrum durchaus eine sein.
Für Price sollten Ladeninhaber auf Vielfalt in der Wahl ihrer Belegschaft achten, um so den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. In weiteren Schritten möchte sie nun untersuchen, wie bestimmte Schönheitstypen die Einstellungen und Kaufabsichten von Kunden beeinflussen. Darüber hinaus möchte sie klären, ob ähnliche Zusammenhänge auch bei männlichen Kunden auftreten.
[po; Quelle: Institut Ranke-Heinemann Ltd.; Bild: Fotolia.com]
Verhandlungsführung: Wie Banken ihre Preise durchsetzen können
Um zu hohe Rabatte bei Preisverhandlungen zu vermeiden, sollten die Banken die Werte ihrer Produkte hervorheben und dem Gegenüber nicht zu viel Raum für Preisargumente lassen. Die Preise für Bankprodukte und -dienstleistungen stehen nach wie vor unter Druck, wie Bankenexperte Georg Wübker, Partner der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners jüngst in einer Studie ermittelt hat.
Der allgemeine Preiskampf der Banken macht bei Preisverhandlungen zwischen Instituten, mit vermögenden Kunden oder mit Firmenkunden nicht halt. Der endgültige Preis kommt immer häufiger nicht durch einseitige Festsetzung sondern durch Verhandeln zustande. Wübker sagt:
„Es ist vor allem eine kluge Kommunikationsstrategie gefragt. Die Werte des Produktes müssen dem Kunden vermittelt werden, nicht der Preis. Banken sollten ihre Preise durchsetzen, sonst werden auf Dauer die Margen zu sehr belastet.“
Verhandlungen richtig vorbereiten und durchführen
Laut Wübker entscheidet sich der Erfolg bei Preisverhandlungen zum einen durch theoretisches Verständnis der Zusammenhänge, zum anderen durch taktisch-psychologisches Verhandlungsgeschick. Dazu gehört auch die professionelle Schulung der Mitarbeiter.
Jene sollten Wertargumente sammeln, Informationen über die Kundenanforderungen einholen und die Angebote der Konkurrenz im Auge behalten. Auch Akquisitionsgespräche, Verhandlungen mit den Kunden, Marktforschungen oder Rückmeldungen der Vertriebsmitarbeiter sind guter Input zur Gesprächsvorbereitung. Aus dem zusammengetragenen Material kann später ein Argumentationsleitfaden erstellt werden. Nach wie vor steht hierbei die Wert- statt der Preisdiskussion im Mittelpunkt.
Zehn wichtige Regeln für Preisverhandlungen
Bankenexperte Wübker empfiehlt folgende Taktiken zur Preisdurchsetzung in Verhandlungsgesprächen:
- Stellen Sie den Wert in den Mittelpunkt. Die Preisbereitschaft Ihrer Kunden hängt immer vom wahrgenommenen Wert Ihrer Leistungen ab (etwa Betreuungs- und Produktqualität, Rendite).
- Reduzieren Sie die Vergleichbarkeit mit Konkurrenzprodukten etwa durch intelligente Preisstrukturen oder Zusatzleistungen.
- Machen Sie eher Zugeständnisse auf Nebenkriegsschauplätzen, wie Zugaben oder Services, als beim Preis.
- Verlangen Sie für Rabatte oder Zugeständnisse Gegenleistungen (sogenannte Leistungsrabatte), wie höheres Volumen (mehr Kreditvolumen, höhere Einlagen/Assets), Vertragsdauer, Verkauf anderer Produkte.
- Spalten Sie Zugeständnisse beim Preis in Schritte auf. Statt 30 Prozent Rabatt auf einen Schlag, sollte man Rabatte nur scheibchenweise geben.
- Bündeln Sie gegebenenfalls Produkte, idealerweise ein starkes mit einem schwachen. Geben Sie beim Preis des starken Produktes nur nach, wenn der Kunde auch das schwache Produkt kauft.
- Das Preisgespräch ist grundsätzlich nicht vermeidbar. Versuchen Sie aber, es so lange herauszuzögern, bis Sie ausreichend Wert kommuniziert haben.
- Bedenken Sie, dass es bei einer Preisverhandlung nie nur um Preis und Produkt, sondern immer auch um die Person geht. Bauen Sie deshalb einen persönlichen Kontakt zum Kunden auf.
- Lassen Sie sich bei Preisverhandlungen nicht unter Zeitdruck setzen. In Eile werden meist große Konzessionen gemacht.
- Falls unvermeidbar, magern Sie notfalls die Leistung ab, um einen für den Kunden akzeptablen Preis zu erreichen.
Wübker resümiert:
„Wer professioneller verhandelt, verbessert die Marge signifikant. Werte statt Preise gehören in den Mittelpunkt der Gespräche.“
Hinweis
In unserem Online-Kurs lernen Sie, wie richtige Verhandlungsführung geht:
Verhandlungsführung: Schwierige Verhandlungen überzeugend meistern [77]
[po; Quelle: Simon-Kucher & Partners; Bild: Fotolia.com]
Preisverhandlungen: So bestehen Sie in Preisgesprächen
Welche Rolle spielt eigentlich der Preis in einem Verkaufsgespräch? Was für eine Frage, mögen Sie nun denken. Beobachtet man Preisverhandlungen jedoch einmal genau, wird man feststellen, dass das Thema Preis während des Gesprächsverlaufs zu verschiedenen Zeitpunkten durchaus unterschiedliche Wichtigkeit besitzen kann. Er kann von Anfang an dominieren, ebenso auch erst langsam an Bedeutung gewinnen, um diese unter Umständen kurz darauf wieder zu verlieren.
Der Grund für diese drei unterschiedlichen Phasen und Dimensionen eines Preises liegt in der Überzeugung des Kunden: Je nachdem, wie überzeugt ein Kunde von einem Produkt ist und wie sicher er dessen Wert beurteilen kann, umso mehr beziehungsweise weniger wird das Thema Preis in den Vordergrund treten. Wer etwas unbedingt will, ist auch bereit, dafür den adäquaten Preis zu bezahlen und wird kaum darüber diskutieren. Wer sich jedoch selbst noch nicht über seine Bedürfnisse klar ist oder den Wert des Angebots nicht einzuschätzen weiß, wird sich auf den Preis als Anker in der Verhandlung stützen.
Wie geht ein Verkäufer nun richtig damit um? Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang, wie wir das Wort „preiswert“ definieren. Landläufig wird der Begriff gerne mit „billig“ oder „preisgünstig“ gleichgesetzt. Falsch! Oder besser gesagt, ungenau. Der Schlüssel liegt bereits in den Bestandteilen des Wortes: Preis (abgeleitet von „preisen“) und Wert. Und genau darum geht es: den Wert einer Sache, der durch den Preis hervorgehoben wird, einschätzen und wertschätzen zu können.
Hier liegt auch der Knackpunkt in vielen Preisverhandlungen: Der Verkäufer besitzt gegenüber seinem Kunden einen Wissensvorsprung, da er weiß, wie sich der Preis für sein Produkt oder seine Dienstleistung zusammensetzt und weshalb es diesen auch wert ist. Der Kunde steht dem in den meisten Fällen als Laie gegenüber. Er kennt weder genau den Wert des Produkts, noch dessen Vorteile im Detail. Daher orientiert er sich einfach am Preis, das heißt, er schließt allein aufgrund des Preisniveaus auf unterschiedliche Qualitäts- und Leistungsmerkmale und gleicht diese unbewusst mit seiner persönlichen Einstellung ab. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, wird er dies jedoch kaum zugeben. Dieses Gap gilt es für den Verkäufer nun zu überwinden – ein völlig neues Ziel für ein Preisgespräch!
Jeder Preis hat seinen Wert
„Das ist aber teuer“ – eine bewährte Kundenaussage und das Schreckgespenst so manchen Verkäufers. Die erste Möglichkeit für den Verkäufer, diesem Argument zu begegnen, besteht in dem einfachen Hinweis: „Ja, hier gilt der allgemeine Grundsatz, was nichts kostet, ist nichts wert. Daher …“ Gut gekontert. Jedoch erfordert eine solche Antwort eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Doch nur Mut, es lohnt sich! In der Sozialpsychologie nennt man dieses Verfahren kognitive Dissonanz. Der Verkäufer bringt den Kunden durch seine Aussage dazu, zwei für ihn nicht vereinbare Gegensätze in Einklang zu bringen. Dadurch löst sich der negative Gefühlszustand, hervorgerufen durch den anscheinend hohen Preis, beim Kunden auf und weicht logischem Verständnis. Der Kunde wird daraufhin seine Einstellung und sein Verhalten ändern. Um dies zu unterstützen, sollte ein Verkäufer über exzellente Fachkenntnisse in Bezug auf sein Produkt verfügen, um im Anschluss dessen Vorteile detailliert „preisen“(erklären) zu können.
Und noch ein zweiter Vorteil steht hinter dem beschriebenen Verfahren: der Wechsel des Verhandlungsthemas. Das eigene Produkt steht nun nicht mehr in Konkurrenz zum Preis eines anderen, sondern es entsteht ein Wettbewerb der Werte. Diesen halten die meisten Menschen für ausgesprochen sinnvoll. In vielen Fällen möchten wir nämlich gar nicht ausschließlich das preisgünstigste Produkt kaufen. Vertrauen, Größe, Gewissheit einer Marke oder eines Herstellers oder Flexibilität, Innovation und Ausstattung eines Angebots zählen vielfach mehr als der billige Preis. Das beste Beispiel sind hier Arzneimittel. Wer kaufte denn nicht eher und lieber „Aspirin“ als Acetylsalicylsäure vom Billighersteller?
Nur wenn Produkte absolut und bis ins letzte Detail identisch sind, wird sich jeder Kunde für das günstigere entscheiden. Hier erübrigt sich jede Diskussion. Bleibt beim Kunden aber auch nur der winzigste Restzweifel, bietet dies Spielraum für Verhandlungen und kann über eine kluge Preissenkung ausgeglichen werden. Dazu an späterer Stelle noch mehr. Der Kunde wird dies mit Zufriedenheit und Treue belohnen, und damit ist jedes Zugeständnis mehr als wettgemacht. So funktioniert nun einmal das Spiel der Preise.
Lässt man sich auf dieses Spiel ein, so begibt man sich damit auch bewusst auf das Terrain der Manipulation. Denn: Kein Preis kann jemals objektiv sein, nicht für ein Produkt, nicht für eine Dienstleistung, auch nicht für eine Idee. Er wird immer die subjektive Einschätzung des angebotenen Wertes widerspiegeln. Auf der anderen Seite steht er in Bezug zur Wertschätzung des Kunden sowie zu dessen Budget, Visionen und Möglichkeiten im Hinblick auf andere konkurrierende Angebote.
Kundenbesuche: Besuchskosten runter, Gewinne rauf
Spesen - keine Überkontrolle
Auch wenn ein Außendienst gut organisiert ist, wird es innerhalb der Spesenregelungen fast immer eine Grauzone geben, in der unklar ist, ob die Erstattung wirklich gerechtfertigt ist oder nicht. Versuchen Sie nicht, durch starre Systeme eine perfekte Spesenerstattung herzustellen - das bringt zu viel Verwaltungsaufwand mit sich. Legen Sie stattdessen einen Spesensatz fest, der die Grauzone in vernünftigen Grenzen hält und möglichen Missbrauch zumindest begrenzt. Wirkung: Minimierung von Kontroll- und Verwaltungskosten, Annäherung der Erstattung an die tatsächlich angefallenen Spesen.
Transportkosten kalkulieren
Für die Frage, ob Außendienstmitarbeiter Privat- oder Geschäftswagen fahren sollen, gibt es keine allgemein gültige Lösung - Sie müssen dies also im Einzelfall durchrechnen. Erfahrungsgemäß ist bei weniger als zehn Fahrzeugen die Kostenerstattung für die Privatfahrzeuge der Mitarbeiter günstiger. Ansonsten lohnt es sich, über Firmenwagen für die Außendienst-Mannschaft nachzudenken. Ob Sie diese dann leasen oder kaufen, ist ebenfalls eine Frage der konkreten Kalkulation. Als Faustregel gilt: Je mehr Fahrzeuge, desto eher lohnt sich aufgrund günstiger Konditionen ein Leasinggeschäft. Bahn und Flugzeug sind eine Alternative, wenn sie häufig genutzt und Rabatte in Anspruch genommen werden können. Wirkung: Ausnützung vorhandener Kostensenkungspotenziale, flexibler und kostenbewusster Umgang mit dem Fuhrpark.
Personalkosten senken
Da die absoluten Personalkosten durch Arbeitsverträge und das interne Gehaltsgefüge meist festliegen, sollten Sie sich darauf konzentrieren, Prozesse effizienter zu gestalten. Dazu gehört auch, die Außendienst-Mitarbeiter von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. So kann der Innendienst Termine vereinbaren und Unterlagen nach vorgegebenen Checklisten zusammenstellen. Software für die Kundenselektion und die Routenplanung sowie für die externe Einsteuerung von Aufträgen über den Laptop helfen ebenfalls, Zeit und damit Personalkosten zu sparen. Wirkung: Effiziente Ausnutzung der Mitarbeiter, Verlagerung von Zuarbeiten auf den kostengünstigeren Innendienst.
Führung und Verwaltung abbauen
Verwaltung und Führung sind im Vertrieb häufig aufgrund traditioneller Organisationsstrukturen zu stark ausgebaut, was unnötige Kosten verursacht. Prüfen Sie die Leitungsstrukturen: Können manche der Führungsaufgaben nicht direkt an die Außendienstmitarbeiter abgegeben werden? Lassen sich ihre Kompetenzen ausweiten? Lehnen Sie außerdem ab, jeden Sonderfall und jeden Geschäftsvorgang von vornherein zu regeln und organisatorisch zu integrieren, denn die Ausführung und die Überwachung bindet kostenintensive Ressourcen. Stattdessen machen Sie möglichst klare Zielvorgaben, an denen sich die Mitarbeiter orientieren können. Wirkung: Reduzierung von Verwaltungs- und Führungspersonal, Erhöhung des Selbstorganisationsgrads der Außendienstmitarbeiter.
Tipp: So berechnen Sie die notwendige Außendienst-Stärke
Um die optimale Außendienststärke zu ermitteln, können Sie mit Sollvorgaben (abgeleitet aus den Erfahrungen oder Branchenkennzahlen) arbeiten. Sollen zum Beispiel 100 Kunden 10 Mal im Jahr besucht werden und weitere 20 Interessenten mit durchschnittlich 12 Besuchen überzeugt werden, hängt alles nur noch davon ab, wie viele Besuche ein Außendienst-Mitarbeiter in Abhängigkeit der Reisezeiten, der Besuchsdauer und der notwendigen Vorbereitung durchschnittlich pro Tag schafft. Nimmt man 200 Besuchstage pro Jahr und kann durchschnittlich jeder zweite Tag ein Besuch durchgeführt werden, ergibt sich:
(100 x 10 + 20 x 12) / (0,5 x 200) = (1240 / 100)
Damit werden 12 bis 13 Außendienst-Mitarbeiter benötigt.
Vertriebs-IT: Ohne IT-gestütztes Kundenmanagement geht nichts
Der Kunde ist die Basis des Geschäfts
Durch die Austauschbarkeit von Produkten auf globalen Märkten haben sich die Bedingungen für mittelständische Unternehmen, sich mit Alleinstellungsmerkmalen ihrer Produkte oder Dienstleistungen zu profilieren, verschärft. Heute ist die Definition und Einhaltung bestimmter Mechanismen zur Entwicklung und Pflege von Kundenbeziehungen – also das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) – ein „Muss“ für kontinuierliche Geschäftsentwicklung.
Der Grund für dieses „Muss“ des Beziehungsmanagements zwischen Unternehmen und Kunden: Viele Unternehmen haben sich und ihre Produkte bisher eher über funktionale Argumente als mit emotionaler Bindung gegenüber den Konkurrenten abgegrenzt. Die Aufzählung funktionaler beziehungsweise objektiver Eigenschaften von Produkten und Dienstleistungen gegenüber Interessenten und Kunden ist aber im Angesicht des wachsenden Wettbewerbs, der geringer werdenden Qualitätsunterschiede und der direkten Vergleichbarkeit von Eigenschaften und Preisen über das Internet nicht mehr ausreichend.
Um sich von der Konkurrenz abzusetzen und „Hauptlieferant“ möglichst vieler Kunden zu werden und zu bleiben, ist eine reale und steuerbare Beziehung zu diesen wichtig.
Wenn die so gewonnene Loyalität gepflegt wird, lassen sich über diese Kanäle die positiven Erfahrungen einer Geschäftsbeziehung weiter in den Markt transportieren, um so weitere Kunden zu gewinnen. Kosteneinsparungen stehen dabei eher im Hintergrund. Vielmehr bietet IT-gestütztes CRM dem Unternehmen ein zentrales Informationssystem, das die Prozesse hinsichtlich Kommunikation, Beratung, Verkauf, Produktion und Kundendienst unterstützen kann. Durch CRM, vorausgesetzt es ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, können dem Kunden beispielsweise schneller umfassendere Angebote unterbreitet, Wissen über die vielfältige Produktpalette allen Verkäufern zugänglich gemacht und der Vertrieb im Tagesgeschäft unterstützt werden. Zudem lässt sich die Adressqualität erhöhen und alle Kundenvorgänge inklusive Anbindung an benachbarte Systeme wie die Warenwirtschaft transparent machen. Kurz gesagt: CRM hilft, Kunden auf effektive Weise zu gewinnen und eine langfristige und für beide Seiten profitable Beziehung zu entwickeln – sie also in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.
Mit dem Kunden effektiv interagieren
Die Austauschbarkeit von Produkten auf globalen Märkten, auf denen häufig der Käufer den Ton angibt und die Spielregeln bestimmt, hat dazu geführt, dass Unternehmen meist kräftig um ihre Kunden buhlen müssen. Heute werden die Märkte daher in Segmente eingeteilt und verschiedene Kundengruppen ermittelt. Diese unterschiedlichen Zielgruppen können dann differenziert angesprochen werden. Unternehmen, die auf Nischenmärkten aktiv sind, haben einen noch kleineren Kundenkreis und müssen auf ihre Kunden noch gezielter zugehen und deren Produktwünsche noch gezielter erfüllen. Unabhängig davon, auf welchen Märkten ein Unternehmen agiert, hat sich demnach ein allgemeiner Trend herausgebildet: Der Kunde rückt in den Mittelpunkt des Handelns. Das elektronische Kundenbeziehungsmanagement ist also Teil der Unternehmensstrategie und hat damit weitreichende Auswirkungen auf die Geschäftsabläufe.
Kundenbeziehungen organisieren
Mittelständische Unternehmen haben gegenüber Großkonzernen den grundsätzlichen Vorteil, nah am Kunden zu sein und hier in aller Regel einen persönlichen Kontakt zu pflegen. Dennoch ist heute zu beobachten, dass loyale Kunden keine Selbstverständlichkeit mehr sind.
Stattdessen zeigt sich hier eine höhere Bereitschaft, Dienstleistungsanbieter oder Produkte zu wechseln. Gefordert ist demnach ein langfristig angelegtes Beziehungsmarketing, denn es ist deutlich kostspieliger, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu halten.
Voraussetzung für ein erfolgreiches Kundenbeziehungsmanagement ist die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft von Unternehmern, Entscheidern und Mitarbeitern. Argumente wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ dürfen da keinen Platz haben.
Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [78] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [79]
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Kundenpflege: Der Weg zum Customer Relationship Management
Fünf Jahre sind vergangen, seit „Das Anti-CRM-Buch“ erstmalig erschienen ist. Von einer einseitig techniklastigen Betrachtung des Themas kann heute keine Rede mehr sein. Web 2.0 hat das Informations- und Kommunikationsverhalten von Marktteilnehmern nachhaltig verändert – wenn auch ganz anders, als einst im Cluetrain-Manifest postuliert.
Viele Unternehmen haben in der Zwischenzeit ihre Hausarbeiten gemacht. Für sie hat es sich gelohnt, die Froschperspektive von technischer Implementation und Optimierung einzelner Direct-Mailing-Kampagnen zu verlassen und CRM mit den Augen der Marketingleitung zu sehen: Nämlich Unternehmensphilosophie, Vertriebsziele und die Kommunikation an den Kundenkontaktpunkten vergleichend ins Blickfeld zu nehmen und selbst zu beurteilen, ob man stolz auf seine Leistung sein kann.
Sechs Erinnerungshelfer möchten Sie begleiten auf dem Weg zu einem Customer Relationship Management, das es tatsächlich auch verdient so bezeichnet zu werden.
1. Kundenkenntnis kommt nicht allein vom Datensammeln
Daten werden von Ihnen selektiert und nicht fertig vom Kunden bezogen. Ohne eine kompetente und kritische Beurteilung sind diese Daten eher nutzlos oder können sogar zu fatalen Fehlentscheidungen führen. Noch nicht alle Mitarbeiter, die mit Kundendaten operieren, sind ausreichend für die kompetente Interpretation dieser Daten und ihrer Quellen geschult. In vielen Universitäten und Ausbildungsstätten kommt die Vermittlung dieser Fähigkeit leider noch zu kurz. Hier muss eine Schulung in den Methoden empirischer Primärforschung ansetzen: Wer die Stärken und Schwächen der Erhebungs- und der Stichprobenwahl-Methoden kennt, kann den Wert selbst erfasster oder eingekaufter Datensätze besser beurteilen und schlussfolgern, welche Informationen für das Unternehmen daraus zu gewinnen sind.
2. Kundenkategorisierung ist noch kein CRM
Oft beginnt die Einführung von CRM mit einer Kategorisierung von Kundengruppen. Als erster Schritt ist das richtig. Kategorisierung ist jedoch keine einmalige Angelegenheit. Verwenden Sie verschiedene Kategorisierungsansätze (ABC-Analyse [80] , Kundenportfolio [81] , Customer Lifetime Value) parallel und testen Sie, wie zweckmäßig diese für Ihr operatives CRM sind. Nehmen Sie sukzessive Anpassungen vor und führen Sie möglichst frühzeitig Potenzialdaten ein. Seien Sie sich aber dessen bewusst, dass Potenzialdaten auf Ihren Annahmen beruhen. Daten sind immer Ergebnis Ihrer Selektion. Übernehmen Sie auch die Verantwortung dafür!
3. Rabatte und Kundenkarten sind keine Kundenbindung
Nach und nach begreifen Unternehmen, wie sie sich auf gesättigte Märkte einstellen müssen. Kundenbindungsmaßnahmen, die nur auf Rabatte und Bonuspunkte abstellen, sind gescheitert. Die Kunden wissen, welch großen Dienst und Vertrauensvorschuss sie Ihnen geben, wenn sie ihre Daten zur Verfügung stellen und Ihnen die Möglichkeit einräumen, Käufe genau nachzuvollziehen. Bieten Sie den Kunden deshalb wirklich sinnvolle Mehrwert-Leistungen.
Ein nordostdeutscher Unternehmer im Fashion-Einzelhandel wertet beispielsweise die Verlaufsdaten seiner Kunden aus, um wirklich gute Kampagnen und Events zu machen. Er wird von seinen Kunden nicht als lästiger Direct Marketer empfunden, sondern als Partner für gute Bekleidung, der im harten Wettbewerb den Unterschied macht.
Zahlreiche Online-Shops konkurrieren untereinander mit demselben Angebot. Marketing bedeutet für sie leider nur noch Preiswettbewerb im Centbereich und Suchmaschinenoptimierung. Kundenbindung durch „nicht Nutzen stiftende Wechselbarrieren“ war keine gute Idee. Auf Trägheit und Vorbehalte von Kunden zu setzen, die nicht schon wieder einem weiteren Webshop ihre Daten übermitteln wollen, ist keine Basis für echte Kundentreue.
Überlegen Sie sich, was Ihre Käufer immer wieder zu Ihnen führt und verzichten Sie auf Gutscheinmailings. Damit unterscheiden Sie sich nicht und erweitern nur den sinnlosen Wettkampf auf weitere Schauplätze für Nullsummenspiele.
4. Technologie kann nicht managen
Der Einsatz von Software ist noch kein CRM. Das haben die zahlreichen Unternehmen erfahren müssen, die sich die vergangenen Jahre zu wenig um ihre Kunden, dafür umso mehr um softwaregestützte Abläufe im internen Kundendatenmanagement kümmerten.
Die Technologie soll uns die Arbeit erleichtern – aber auch wir müssen unsere Arbeit umstellen. Den perfekten Zustand wird es nie geben. Es kommt darauf an, dass die Software Ihnen dient und nicht umgekehrt. Lassen Sie Ihr CRM-Programm rechnen, damit Sie mehr Zeit zum Führen und Motivieren haben.
5. Lassen Sie Komplexität zu
Ganzheitlichkeit darf nicht als Streben interpretiert werden, Komplexität zu beherrschen. Dieses weitverbreitete „holistische Missverständnis“ sitzt dem technokratischen Irrglauben einer erreichbaren Informationsvollständigkeit auf, mit der sich die Realität der Unternehmensumwelt beschreiben ließe.
Es ist ein noch immer verbreiteter Irrtum, Komplexität für etwas Lästiges zu halten, das reduziert werden müsse. Immer wenn wir in der Unternehmenspraxis die Komplexität vor die Tür schicken, klingelt sie prompt an der nächsten Tür.
Natürlich sollen Sie sich kurzfassen, sollen Ihre Mitarbeiter nicht mit noch mehr Daten überhäufen – das wäre auch keine Komplexität sondern das Gegenteil: unterkomplexe Masse.
Ihr Unternehmen braucht Komplexität, damit es die unabänderliche Komplexität seines Marktes bewältigen kann. Eine Datenbank und eine CRM-Software können strukturell bedingt niemals die Komplexität aufbringen, die erforderlich ist, Geschäftschancen zu finden und mit Kundenbeziehungen unternehmerisch umzugehen. Das allein können nur Manager. Und Management heißt, sich immer mindestens doppelt so viele Handlungsoptionen zu verschaffen, wie man aktuell jeweils wahrnehmen kann.
6. Verlagern Sie Know-how an Kundenkontaktpunkte
Kundenkontaktpunkte sind in manchen Unternehmen leider Stiefkinder. Zwar besagen fast alle offiziellen Unternehmensphilosophien, dass die Kunden im Mittelpunkt stünden. Aber wie viele Unternehmen beschäftigen tatsächlich ihre bestbezahlten und bestausgebildeten Mitarbeiter im Kundenkontakt? Eher finden wir ein internes Call Center mit hoher Mitarbeiterfluktuation und wenig Anerkennung durch andere Abteilungen.
Wenn Sie Kundenkontaktpunkte an externe Callcenter auslagern, seien Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst: Lassen Sie nicht zu, dass die Beziehungen zu Ihren Kunden durch negative Erlebnisse und Belästigungen durch Cold Calls dauerhaft vergiftet werden. Das sollten sich vor allem Finanzdienstleister, Touristikanbieter und Automobilclubs rot anstreichen.
Ihre A- und B-Kunden werden von hochkarätigen Key Account Managern betreut – schön. Aber lassen Sie deshalb Ihre C- bis Z-Kunden nicht spüren, dass sie das Ende Ihres Alphabets darstellen. Verhalten Sie sich aufrichtig und kündigen Sie lieber unrentablen Kunden die Geschäftsverbindung. Die Option, an der Kundenbeziehung zu sparen, sollte für Sie nicht mehr existieren.
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Vertrieb und Vertriebstrends: Werttreiber in komplexeren Märkten
„Unsichere konjunkturelle Rahmenbedingungen, härterer Wettbewerb, eine zunehmend feinere Segmentierung der Kunden sowie eine größere Vielfalt der Leistungen und Märkte stellen den Vertrieb heute vor immer komplexere Herausforderungen. Dabei stehen längst nicht mehr nur der reine Verkauf, sondern auch Themen wie Cross-Selling und professionelles Kundenmanagement im Fokus. Der Vertrieb hat sich zu einem der wichtigsten Werttreiber in Unternehmen entwickelt.“
So steht es einleitend einer Studie vom Frühjahr 2008 des Beratungsunternehmens BBDO – und soweit die Theorie. Denn, so das zentrale Ergebnis der Studie, viele Unternehmen schöpfen trotz dieser Erkenntnisse ihr Vertriebspotenzial in der Praxis nicht aus. Konkret ging es in der Untersuchung um die Frage des Auslagerns von Vertriebstätigkeiten an externe Firmen und darum, wie zufrieden die befragten Unternehmen mit ihrem eigenen Vertrieb sind. Immerhin 60 Prozent zeigten sich „zufrieden“, 36 Prozent sogar „sehr zufrieden“. Die Frage nach den Schwierigkeiten im Vertrieb brachte jedoch am Ende einige „Ungereimtheiten“ ans Tageslicht. Als da wären:
- 61 Prozent gaben zu, dass der eigene Vertrieb nicht alle Möglichkeiten kenne, die der Markt bietet.
- 54 Prozent konstatierten, der Vertrieb verbringe zu wenig Zeit beim Kunden.
- 51 Prozent gaben an, den Kommunikations- und Organisationsaufwand des eigenen Vertriebs für zu hoch zu halten.
- Die Hälfte der Befragten glaubte, der Vertrieb nehme sich nicht ausreichend Zeit für die Akquisition.
- 45 Prozent hielten ihren Vertrieb für zu wenig innovativ.
- 39 Prozent bemängelten die lange Einarbeitungszeit ihrer Vertriebsmitarbeiter.
- 35 Prozent hielten den eigenen Vertrieb sogar für zu teuer.
Nachholbedarf: Bei der Vertriebsmehrheit spielen Neukunden keine Rolle
Es scheint zu krachen im Vertriebsgebälk. Die Autoren der Studie fragen sich, ob hinter der vorgeschobenen allgemeinen Vertriebszufriedenheit vielleicht sogar so etwas wie Schutzbehauptungen der Personen stehen, die am Ende für diese eher doch ernüchternden Ergebnisse verantwortlich sind. Seit der Veröffentlichung dieser Analyse ist ein Jahr vergangen. Grund zu fragen, wie sich die Situation heute darstellt und ob die Unternehmen – auch und zumal angesichts der Wirtschaftskrise, in der die Umsätze in vielen Branchen drastisch zurückgehen – ihre Vertriebsdefizite abgelegt haben. Das Recherchieren bringt schnell Gewissheit: Eher nicht.
Da ist zum Beispiel die aktuelle Studie der auf Vertriebsrekrutierung spezialisierten Personalberatung Xenagos, die besagt, dass für über 80 Prozent der Vertriebsspezialisten die Gewinnung neuer Kunden nicht einmal ein Viertel ihrer Umsätze ausmacht. Jeder Dritte gibt an, dass sich dieser Anteil in 2009 sogar noch verringert hat. Xenagos-Geschäftsführer Christopher Funk kommentiert:
„Wir hören allenthalben von Kunden und Experten, dass der Fokus im Vertrieb viel stärker auf das Neugeschäft gelegt werden muss, denn nur so können Unternehmen nachhaltig Umsatzverluste ausgleichen und wachsen. Anscheinend haben die Unternehmen aber große Probleme, diese Ziele umzusetzen. Es ist auch schwer, einen auf Bestandskunden fokussierten Verkäufer zur Jagd auf neue Kunden zu bringen.“
Was bitteschön, mag sich jetzt der eine oder andere fragen, tut denn der deutsche Vertriebler überhaupt, wenn nicht auch und gerade in der aktuellen misslichen Wirtschaftslage neue Kunden zu gewinnen und zumindest einen Teil der erlittenen Umsatzeinbußen dadurch wieder wettzumachen? Peter Winkelmann, Professor für Marketing und Vertrieb mit Schwerpunkt Vertriebssteuerung an der FH Landshut, mag kann das Ergebnis dieser Studie jedenfalls nicht nachvollziehen. Im nachfolgenden Experten-Interview erklärt er, weshalb.
Das gesamte Dossier hier als PDF-Datei zum Herunterladen und Ausdrucken:
Austauschbar: Dienstleistern mangelt es oft an Servicestärke und Innovativität
Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Analysen der Kölner Agentur ServiceRating auf Basis der Benchmarkstudie "Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2009"
Erhebliche Wechselrisiken
Durchgängig zeigt sich, dass ein beträchtlicher Anteil der Kunden von Dienstleistern weniger durch innere Überzeugung und Begeisterung, sondern durch Trägheit und Gewohnheit an ihre aktuellen Anbieter gebunden sind. Bereits kleinere Unzufriedenheiten oder geringe Preisunterschiede können so zum Auslöser für Kündigungen und Anbieterwechsel werden.
Dieses schlummernde Risiko wird nicht selten von den Unternehmen unterschätzt. Zudem nehmen in wenig gefestigten Kundenbeziehungen die spontanen Wechselneigungen und das "Anbieterhopping" zu. Dr. Claus Dethloff, Geschäftsführer der ServiceRating GmbH, sagt:
"Klassische Imagefaktoren wie Sympathie oder Vertrauen reichen zur Kundenbindung und Differenzierung vom Wettbewerb allein nicht aus. Eine echte Möglichkeit, sich vom Wettbewerb zu differenzieren, stellen individuell zugeschnittene Produkte und insbesondere angenehm überraschende, über das Normalmaß hinausgehende Serviceleistungen dar."
Branchenunterschiede bei den Serviceleistungen
Im Branchenvergleich gelingt es Krankenkassen und Vermittlern von Finanzprodukten derzeit noch verhältnismäßig gut, ihre Kunden mit über den Erwartungen liegenden Serviceleistungen sowie mit passgenauen Angeboten in exklusiver Weise zu überzeugen. Die größten diesbezüglichen Schwächen zeigen aus Kundensicht Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen und Personaldienstleister; im Mittelfeld landen der Handel und die Versicherungsbranche.
Neben der Servicestärke und Innovativität der Angebote stellen Faktoren wie
- Fairness in den Geschäftsbeziehungen,
- Belohnung von Kundentreue und
- die Beratungsqualität
weitere wichtige Ansatzpunkte dar, um zu einem exklusiven, nicht mehr einfach austauschbaren Anbieter für die Kunden zu werden.
Dass dies möglich ist, zeigt eine ganze Reihe für ihre vorbildliche Kundenorientierung ausgezeichneter Unternehmen. Bei diesen liegt der Anteil derjenigen Kunden, die den Anbieter für austauschbar halten und sich mit Wechselgedanken tragen bei unter 30 Prozent. Dr. Dethloff resümiert:
"Die Kunden honorieren echte Bemühungen, sie dauerhaft zu begeistern und zu binden. Gerade der Servicebereich bietet Dienstleistern hervorragende Möglichkeiten, sich als unverwechselbarer, exklusiver Anbieter zu positionieren."
Über die Studie
Die Studie "Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2009" wird jährlich in Kooperation mit der Universität St. Gallen, Steria Mummert Consulting und dem Handelsblatt durchgeführt. Untersucht wurden die Kundenorientierung und das Servicemanagement von über 100 Dienstleistungs- und Handelsunternehmen unterschiedlicher Branchen.
[po; Quelle: ServiceRating GmbH; Bild: Falko Matte - Fotolia.com]
Neukunden gewinnen: Multimediale Präsentationen auf Messen einsetzen
Messen bieten eine ideale Grundlage, um mit Kunden in Kontakt zu treten und ins Gespräch zu kommen. Neue und bestehende Kunden gezielt an den Messestand zu lotsen oder durch eine ungewöhnliche Aktivität in der Vielzahl der Wettbewerber auf einer Messe auf sich aufmerksam machen – dies sind zwei zentrale Ziele von Unternehmen, die sich auf Messen präsentieren. Apropos präsentieren … multimediale Präsentationen bieten auf eine wunderbare und vielfältige Art und Weise Möglichkeiten, diese Ziele auch zu erreichen.
10 Tipps, um (potenzielle) Kunden emotional anzusprechen
Messepräsentationen gehören zu den sogenannten Imagepräsentationen. Diese dienen dazu, das Unternehmen und die dahinter stehende Philosophie oder neue Produkte darzustellen. Werte, wie Zuverlässigkeit, Innovationsfähigkeit, Menschlichkeit, Vertrauen oder andere sollen transportiert und die Messebesucher auf der Gefühlsebene angesprochen werden. Die Gestaltung und Machart dieser Präsentationsart sind daher stark emotional geprägt und wirken meist durch stimmungsvolle Bilder, Animationen, Bewegungen, Töne und Musik. Folgende 10 Tipps für die Aufbereitung von multimedialen Präsentationen helfen Ihnen, Ihre Messeziele zu erreichen:
- Binden Sie die Projektionen oder Monitore so in den Messestand und das Messekonzept ein, dass diese sehr gut von Besuchern gesehen werden können. Gut ist es auch, wenn diese sehr stark auffallen. Siehe auch Punkt 2 bis 4.
- Große Projektionen von Präsentationen werden bereits von Weitem gesehen, und wenn die Inhalte spannend und interessant visualisiert wurden, werden dadurch viele Interessenten angezogen. Wenn Sie also die Chance haben, sehr groß zu projizieren, tun Sie dies. Es erhöht Ihren Besucherstrom.
- Ungewöhnliche Positionierungen von LCD- oder Plasma-Schirmen erzeugt Aufmerksamkeit, zum Beispiel hochkant oder Diagonalaufhängungen bis hin zu bewegten Bildschirmen.
- Innovative Projektionstechniken, wie räumliche 3D-Stereo Präsentationen mit 3D-Brillen, eignen sich ebenfalls, um die Blicke auf den Messestand zu ziehen.
- Der Inhalt beziehungsweise die Informationsmenge einer Messepräsentation sollte stark reduziert sein, das heißt maximal eine Zeile Text – alles, was darüber hinausgeht, wird nicht wahrgenommen. Stellen Sie sich einfach vor, wie viel Lust Sie hätten, auf einer Messe lange Texte zu lesen. Messepräsentationen, die mit PowerPoint erstellt wurden, sollten daraufhin genau inspiziert werden.
- Denken Sie daran, dass es bei einer Messepräsentation keinen Anfang und kein Ende gibt. Das bedeutet: Die Präsentation muss zu jedem Zeitpunkt interessant wirken. Daher lieber nach dem Motto „Weniger ist mehr“ verfahren und auf eine ausgefeilte psychologische Wirkung achten. Lieber Qualität statt Quantität.
- Zeigen Sie viele Bilder, die interessant und ungewöhnlich aussehen. In der heutigen Zeit sind wir durch die audiovisuellen Medien oder auch durch Hollywood-Filme stark beeinflusst, das heißt, letztlich steht das Bild im Wettbewerb dazu. Machen Sie sich also viele Gedanken über die verwendeten Bilder und investieren Sie gerade hier mehr Zeit und Know-how.
- Benutzen Sie auf jeden Fall verschiedene Arten von Animationen in PowerPoint, beispielsweise Zoom oder Pfad-Animationen. Sie können davon ausgehen, dass vorbeigehende Messebesucher nur einen flüchtigen Blick zu Ihrem Display aufnehmen. Wirkt das interessant, verharrt der Blick und die Person bleibt stehen. Sie können davon ausgehen, dass jemand im Schnitt nur max. 30 Sekunden auf Ihr Display schaut. Wirkt das Dargestellte zu langweilig, geht der Besucher weiter.
- Zeigen Sie, sofern genehmigt, die absolut neuesten Produkte oder Dienstleistungen. Interessant sind auch Pilotprodukte oder Zukunftsstudien.
- Bedenken Sie immer, dass die Projektionen oder Monitore eine bestimmte Aufgabe erfüllen sollen. Sie müssen a) in den Messestand und das Messekonzept eingeplant werden und b) müssen die Inhalte und die Darstellung psychologisch fundiert aufgebaut sein, um eine echte Wirkung zu erzielen.
[Bild: M.Tomczak - Fotolia.com]
Kundenanfragen: Versandhändler beantworten E-Mails am schnellsten
Andere Branchen sind deutlich langsamer. Beispiel Telekommunikationsanbieter: Innerhalb von 24 Stunden zu reagieren, schafft keine einzige Telefonfirma. Drei von vier Unternehmen lassen sich bis zu drei Tage Zeit, bis sie ihren Kunden eine Antwort schicken.
Das sind die Ergebnisse des aktuellen "Reality Checks: Kundenkommunikation" von novomind, der zusammen mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung durchgeführt wurde.
In Sachen E-Mail-Kommunikation sind Versandhändler deutlich weiter als andere Branchen - und das, obwohl sie die zunehmende Zahl von Kunden-E-Mails besonders stark spüren. Denn als Schnittstelle zum Endkunden übernehmen Online-Shops häufig den Kundenservice für viele verschiedene Markenhersteller gleich mit. 86 Prozent der deutschen Online-Kunden wenden sich mit Rückfragen zum Produkt oder Kaufablauf direkt an den Webshop. Der Produzent bleibt in der Regel außen vor.
Zudem läuft das Geschäft der Versandhändler in immer größerem Umfang über das Internet. Fast jeden zweiten Euro ihres Umsatzes erzielten Versender im vergangenen Jahr online. Für 2009 erwartet der Bundesverband des Deutschen Versandhandels einen Zuwachs von zehn Prozent. Dadurch nimmt auch die Kundenkommunikation über elektronische Wege weiter zu. Um das E-Mail-Aufkommen bewältigen zu können, stellen Versandhäuser ihren Contact Centern unter anderem mehr IT-Unterstützung zur Seite.
E-Mail-Management-Software ermöglicht die schnelle Bearbeitung
Durch spezialisierte E-Mail-Management-Software lässt sich sowohl die Bearbeitungsgeschwindigkeit als auch die Antwortqualität wesentlich steigern. Solche intelligenten Systeme beschleunigen die Antwortzeiten, indem sie mehr als 80 Prozent aller eingehenden Mails richtig interpretieren, kategorisieren und an die passenden Empfänger im Unternehmen leiten.
Angeschlossen an eine zentrale Wissensdatenbank generiert das System automatische Antwortvorschläge, mit denen die Berater Anfragen schnell, konkret und personalisiert beantworten können. Die Antworten lassen sich bearbeiten und die Datenbank wird kontinuierlich um neue Wissensbausteine ergänzt, damit alle Kundenberater stets auf aktuelle Informationen zugreifen. Für die Firmen sinkt somit der Kosten- und Zeitaufwand pro Kundenanfrage, und die Servicequalität wird kontinuierlich verbessert.
Über die Studie
Die Studie "Reality Check: Kundenkommunikation" stellt die Ergebnisse einer Mystery Call/Mailing-Untersuchung dar, die im Auftrag der novomind AG mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung durchgeführt wurde. Es wurden Servicetests durchgeführt, um die Qualität des Kundenservices deutscher Unternehmen, Ministerien und Behörden zu bewerten.
[po; Quelle: novomind; Bild: Fotolia.com]
Abläufe verbessern: So senken Sie Vertriebskosten
Unnötige Kommunikation vermeiden
Unnötiger Aufwand entsteht, wenn Ihr Kunde Ihre Mitteilungen nicht versteht und zurück fragen muss. Prüfen Sie, ob alle Formulierungen in Ihren Rechnungen, Mahnungen, auf der Webseite und in den Textbausteinen der Angebote wirklich verständlich sind. Jede ungenaue Formulierung provoziert Rückfragen und belastet die Kapazität Ihrer Mitarbeiter, die Sie woanders besser einsetzen können.
Leistungen berechnen und nicht verschenken
In umkämpften Märkten sind kostenlose Zugaben und Zusatzleistungen für die Kunden eher die Regel denn die Ausnahme. Natürlich kann das Sinn machen, wenn man damit die Kundenbeziehung stabilisieren kann. Aber in vielen Fällen werden solche kostenintensiven Geschenke ohne großes Nachdenken vergeben.
Damit nicht sinnlos Geld verschleudert wird, sollten Sie die Vergabe von Incentives, das Einräumen von Rabatten und Nachlässen strengstens reglementieren. Organisieren Sie eine Prüfinstanz, die bei der Abrechnung kontrolliert, ob dem Kunden auch alle Leistungen berechnet wurden. Ist dies nicht der Fall, muss die Instanz beim Mitarbeiter, der für die Zugabe verantwortlich war, nachhaken und dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.
Standards verringern den Aufwand
Aufgrund individueller Wünsche der Kunden sind viele Verträge mit Zusatzvereinbarungen versehen. Doch damit fängt man sich ein hohes Kostenrisiko ein. Schon die (juristische) Prüfung der Klauseln kostet Zeit und Geld; auch müssen die Beteiligten der Auftragsabwicklung auf immer wieder neue Formulierungen und Sachverhalte reagieren. Zuletzt sind Inhalte von Zusatzklauseln selten durch Erfahrungswerte abgesichert - am Ende hat man dem Kunden etwas versprochen, was man nicht halten kann. Diese Nachteile können Sie ausschalten, indem Sie ausschließlich mit Standardverträgen arbeiten. So vermeiden Sie, dass beim Kunden Missverständnisse entstehen - und in Ihrer Kalkulation Fehler passieren.
Vorschlagswesen einführen
Kundenbetreuer kennen die Probleme und Bedürfnisse der Kunden am besten, können aber durch Kommunikationsbarrieren im Unternehmen dieses Wissen oft nicht weitergeben. Durch ein betriebliches Vorschlagwesen werden alle Vorschläge zentral gesammelt, geprüft und bei Eignung umgesetzt. Sie können die Generierung von Vorschlägen als Teilaufgabe Ihrer Mitarbeiter definieren. In diesem Fall fordern Sie von jedem einen regelmäßigen Vorschlag. Wenn Sie weniger auf Zwang und mehr auf Motivation setzen wollen, können Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeiter mit Prämien fördern (zum Beispiel mit einem Preis für den „Kosten-Sparvorschlag des Monats“).
Verwaltungsaufgaben minimieren
Eine effiziente Kundenbetreuung beschäftigt sich so wenig wie möglich mit Verwaltungsaufgaben und soviel wie möglich mit der Kundenbetreuung und der Neukundengewinnung. Prüfen Sie deshalb, wie Sie Mitarbeiter von Verwaltungsaufgaben entlasten können, zum Beispiel durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit dem Innendienst oder dem Einsatz neuer Technologien.
Drei Tipps für nachhaltige Kostensenkungen im Vertrieb
- Kosten müssen real sinken. Buchhalterische Verschiebungen bringen nichts.
- Bei der Kostenreduzierung müssen Mitarbeiter frühzeitig eingebunden werden, ansonsten sind negative Wirkungen auf die Motivation zu befürchten.
- Setzen Sie die richtigen Signale und seien Sie selbst auch in kleinen Dingen (zum Beispiel Kopierpapier) sparsam. Damit sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die Vermeidung unnötiger Kosten.
Vertriebsmodell: Cross-Selling als Bestandteil der Unternehmenskultur
Neue Kunden zu gewinnen ist für jedes Unternehmen eine existentielle Notwendigkeit. Die Kosten und der zeitliche Aufwand, um potenzielle Käufer zur ersten Bestellung zu bewegen, sind allerdings immens und werden von den meisten Unternehmen unterschätzt. Eine kurzfristige Ertragssteigerung über Neukunden ist meist nicht möglich. Das Gegenteil ist sogar oft der Fall, etwa wenn Ressourcen aus dem Bestandskunden-Vertrieb abgezogen und für die Akquise eingesetzt werden.
Dabei bietet gerade die bereits existierende Kundengruppe großes Potenzial, kurzfristige und signifikante Ertrags- und Umsatzsteigerungen zu erreichen – und das in vielen Fällen ohne zusätzliche Kosten.
Erfahrungsgemäß vernachlässigen neun von zehn Unternehmen die Bestandskundenbetreuung. Dies geht teilweise sogar so weit, dass Vertriebsmitarbeiter, die überwiegend Bestandkunden betreuen (farming), im Unternehmen weniger angesehen sind als die Kollegen aus der Neukundenakquise (hunting). Dabei muss der „Farmer“ ebenso neue Projekte bei seinem Kunden identifizieren und akquirieren.
Die beiden Kundengruppen unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass die Bedürfnisse und Anforderungen eines bestehenden Kunden schon bekannt sind. Auch melden sich bestehende Kunden regelmäßig von sich aus, etwa wenn sie Fragen zum Vertrag haben, ein Angebot benötigen oder den Support in Anspruch nehmen. Dieser Kontakt eignet sich hervorragend für Cross-Selling-Aktivitäten und ist meist hoch profitabel, da er vom Kunden ausgeht - wohingegen jeder aktive Kundenkontakt, der vom Unternehmen initiiert wird, teuer ist. Um dieses Potenzial gewinnbringend nutzen zu können und aus der Aktion des Kunden Ertrag zu generieren, muss das ganze Unternehmen auf den Kunden und auf den Vertrieb ausgerichtet sein.
Cross-Selling als fester Teil der Vertriebsstrategie
Entscheidet sich ein Unternehmen für Cross-Selling als Vertriebsmethode, ist der erste Schritt eine fundierte Bestandsaufnahme. Dabei gilt es die folgenden Punkte zu beachten, um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen:
1. Entscheidung für Cross-Selling;
2. Ist-Analyse / Potenzial-Analyse;
3. Definition des Soll-Zustandes;
4. Ableitung der notwendigen Maßnahmen (Maßnahmenkatalog):
- Schnittstellendefinition;
- Technische Voraussetzungen;
- Mitarbeitervergütungsmodell;
- etc.
5. Aktivierung, Kommunikation an die Mitarbeiter;
6. Fortlaufende Effizienz-Analyse und Optimierungsmaßnahmen.
Die Entscheidung muss selbstverständlich auf oberster Ebene getroffen werden. Auch die weiteren Schritte sollten auf diesem Level umgesetzt werden – am besten in Zusammenarbeit mit einem externen Berater, welcher durch die Methodik der Analyse führt und als objektiver Part zur Seite steht.
Schritt für Schritt zur Cross-Selling-Strategie
Im Rahmen der Ist-Analyse wird unter anderem ermittelt, welche Abteilungen und welche Mitarbeiter wie oft mit den Kunden kommunizieren oder welche bestehenden Produkte, Leistungen und Services sich zum Cross-Selling anbieten. Diese werden in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, beispielsweise von sehr gut geeignet (das heißt, sie sollten eigentlich immer mitverkauft werden) bis zu völlig ungeeignet.
Visuell wird solch eine Analyse am besten mit einer Mindmap dargestellt. Bei Bedarf kann mit den Ergebnissen nahtlos an die Potenzialanalyse angeknüpft werden. Diese eignet sich sehr gut für die ersten Kalkulationen und Umsatzhochrechnungen.
Darüber hinaus ist das Ziel der Analyse, festzustellen, welche Produkte oder Leistungen neu mit hinzugenommen werden könnten (› Potenzialanalyse). Wichtig ist, bereits bei der Ist-Analyse die Mitarbeiter in den Prozess einzubinden, damit die spätere Akzeptanz gewährleistet ist.

Der nächste Schritt beginnt mit einem Brainstorming: Völlig losgelöst vom Ist-Zustand wird der gewünschte Soll-Zustand erarbeitet. Dabei sollten, wie beim Brainstorming üblich, selbst die auf den ersten Blick unpassend erscheinenden Ideen mit aufgenommen und später genauer betrachtet werden.
Bei der vierten und umfangreichsten Stufe geht es darum, die konkreten Maßnahmen herauszuarbeiten und diese mit der Ist-Situation zu verknüpfen. Passt einer der Punkte zu keiner der bestehenden Positionen, stellt man ihn in die Nähe des Bereichs, dem er am ehesten entsprechen würde.
Beispiel für Idee und Maßnahme
Beim Brainstorming kam heraus, dass ständig Kunden bei der Buchhaltung anrufen, weil Rechnungen verloren gegangen sind. Daraus lassen sich mehrere mögliche Maßnahmen ableiten:
- Man bietet diesen Kunden ein digitales Rechnungsarchivierungssystem an.
- Man bietet den Kunden an, die Rechnung zukünftig in elektronischer Form zu übermitteln, selbstverständlich mit gesetzlich vorgeschriebener digitaler Signatur è Ansatzpunkt um diesen Kunden ebenfalls ein solches System zu verkaufen.
- Man bietet dem Kunden aus seiner Personalgestellungsabteilung einen externen Buchhalter an.
- Man schaltet eine kostenpflichtige Nummer (ist wohl die ungeeignetste aber einfachste Methode des Cross-Selling, sollte aber auf jeden Fall, wie alle anderen Möglichkeiten, betrachtet und die Vor- und Nachteile abgewogen werden).
Cross-Selling wird Unternehmensphilosophie
Steht der Maßnahmenkatalog, kann das gesamte Cross-Selling-Vertriebsmodell an die Mitarbeiter des Unternehmens kommuniziert werden. In der Regel ist die Einführung dieser neuen Vertriebsstrategie so umfassend, dass parallel eine Anpassung der Corporate Identity (CI) und der Unternehmenskultur erforderlich werden. Ziel kann etwa eine ganzheitliche vertriebsorientierte Unternehmensphilosophie mit Ausrichtung auf den Kunden sein. Diese Neuerungen lassen sich den Mitarbeitern am besten in getrennten Abteilungsmeetings vermitteln.
Der sechste und letzte Schritt ist Aufgabe des Vertriebscontrollings. Hier kommt ein sehr wesentlicher Faktor dazu: die Beratung. Insbesondere direkt nach der Einführung des Cross-Selling-Modells bedarf es intensiver Kontrollen und Auswertungen, ob sich das in der Theorie entworfene System in der Praxis bewährt. Auch wenn man sich mit dem Modell so nah wie möglich an der Praxis orientiert hat, werden sich im Nachhinein zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten zeigen.
Dieser fortlaufende Prozess ist genauso wichtig wie die ursprüngliche Entscheidung, den Unternehmensertrag durch Cross-Selling zu erhöhen. Auch wenn diese Maßnahmen mit zusätzlichen Aufwendungen und Kosten verbunden sind: Die Rendite, die daraus erwirtschaftet wird, dürfte auch den letzten Kritiker überzeugen.
[Bild: JENS SCHMIDT - Fotolia.com]
Social Commerce: So binden Sie Kunden an Ihren Online-Shop
Unzählige Online-Shops buhlen mit den verschiedensten Ansätzen um die Gunst ihrer Kunden. Eine kürzlich veröffentlichte Bitkom-Studie legt zudem eine hohe Wechselbereitschaft der Online-Shopper offen: Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre bisher besuchten Online-Shops verlassen würden – zugunsten anderer, unterhaltsamerer Angebote. Für Online-Shop-Betreiber gilt es daher, auf die veränderten Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und verstärkt Maßnahmen zur Erhöhung der Kundenbindung zu ergreifen.
Die Social-Commerce-Experten Christian Otto Grötsch, Geschäftsführer der Preisbock GmbH, und Christian Malik, Geschäftsführer der dotSource GmbH, geben Tipps zur erfolgreichen Kundenbindung durch Social Commerce.
1. Aktivieren Sie Ihre Besucher
Eine lebendige Online-Community ist die Basis des Social Commerce. Erhöhen Sie die Verweildauer Ihrer Kunden und damit deren Bindung an den Shop, indem Sie ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst aktiv im Shop einzubringen.
Community-Elemente wie Foren oder Blogs können hierfür wirkungsvolle Instrumente sein, indem den Usern die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches gegeben wird - über das Warensortiment, Erfahrungen mit bestimmten Produkten oder Fragen zu Versand und Bezahlweise. Durch diese Nutzergemeinschaft entsteht das Gefühl eines Miteinanders, der Shop wird mit Leben gefüllt und verliert seine Anonymität.
2. Machen Sie Ihre Kunden zu Experten
Geben Sie Ihren Kunden die Möglichkeit, selbst zu empfehlen und zu beraten. Durch eine gezielte Einbindung der Kunden über Kommentare und Bewertungen generieren Sie für Interessenten eine wertvolle Kaufentscheidungshilfe mit einer besonders hohen Glaubwürdigkeit. Dadurch erübrigt sich oft die Recherche nach Hintergrundinformationen. Fragen der User werden häufig untereinander beantwortet.
Studien geben der Effektivität dieser Maßnahme Recht: Mehr als 80 Prozent aller Online-Shopper beziehen die Erfahrungsberichte Anderer in ihre Kaufentscheidungen mit ein. Indem Sie Bewertungen auf Ihrer Seite bündeln, sorgen Sie für besser informierte Kunden, die sich beim nächsten Einkauf gerne an die Hilfestellung erinnern. Nutzen Sie das Kundenfeedback, um Optimierungspotenzial zu erkennen und beteiligen Sie sich aktiv an den Diskussionen.
3. Lassen Sie Ihre Kunden für sich arbeiten
Einen Teil Ihrer Marketingaktivitäten können Sie durch Social Commerce an Ihre Kunden übertragen. Durch die Möglichkeit, bestimmte Produkte oder den Shop an Freunde weiterzuempfehlen, machen Sie Ihre Kunden zu Beratern und sparen Kosten.
4. Lernen Sie Ihre Kunden kennen
Um sich von der Anonymität vieler Online-Shops abzuheben, können den Kunden praktische Werkzeuge zur Personalisierung an die Hand gegeben werden. Wunsch- oder Hochzeitslisten sind bereits weit verbreitet und bieten für Käufer wie Verkäufer einen großen Nutzen: Während der Shopbesucher die für ihn interessanten Artikel zunächst in seinem Mitgliederbereich abspeichern kann, profitiert der Shopbetreiber von einer erhöhten Wiederbesuchsrate. Häufig werden auch Freunde auf die Wunschlisten verwiesen, sodass Listen auch zur Neukundengewinnung beitragen.
5. Werten Sie den Shop optisch auf
Ihre Kunden können wertvolle Beiträge zur optischen Aufwertung Ihres Online-Shops leisten. Beispielsweise schaffen von den Usern hochgeladene Fotos oder Videos durch ihre hohe Anschaulichkeit zusätzliche Kaufimpulse für unentschlossene Besucher. Vor allem bei High-Involvement-Themen wie Shops für bestimmte Sportarten oder Modeshops empfiehlt sich dieses Instrument.
Welche Elemente sich für den jeweiligen Shop eignen, muss individuell entschieden werden. Dabei gilt es, die eigene Zielgruppe, ihre Medienkompetenz sowie ihre Bedürfnisse genau zu kennen. Social Commerce-Elemente sollen das Einkaufen intuitiver, einfacher und unterhaltsamer gestalten. Hilfreich sind Befragungen der eigenen Kunden, wie die Neuerungen angenommen werden, sowie eine verständliche Anleitung („Wie funktioniert...?“).
Bevor Sie sich zu tief greifenden Änderungen innerhalb Ihres Online-Shops entschließen, sollten Sie Ihre Zielgruppe und deren Bedürfnisse analysieren. An welchen Stellen leisten Zusatzfunktionen wie Bewertungssysteme oder Kommentarfunktionen wirkliche Hilfestellung? Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Kunden, um herauszufinden, welche Ansprüche sie an Ihren Online-Shop haben und wie ihnen der Besuch so angenehm wie möglich gestaltet werden kann.
[po; Quelle: dotSource GmbH; Bild: Fotolia.com]
Kundenberatung per FAQ: Automatisierte Beratung hilft Kosten sparen
Das sind die Ergebnisse der novomind-Studie "Reality Check 2009". Allein die telefonische Beratung durch einen Service-Mitarbeiter kostet das Unternehmen pro Anfrage etwa sechs Euro. Aber auch E-Mails und die Verwendung von Kontaktformularen sind für die Unternehmen ähnlich teuer.
Zum Vergleich: Bei Live-Chats muss nur mit etwa zwei bis drei Euro gerechnet werden, da mit einem intelligenten Live-Chat-System die Betreuung von vier Kunden gleichzeitig möglich ist. Eine Seite zur Beantwortung häufig gestellter Fragen (FAQs) ist sogar noch preiswerter und kostet pro Kundenaufruf etwa zehn Cent.
Trotz der höheren Kosten kann auf den Einsatz von Telefon, E-Mail und Kontaktformular nicht vollständig verzichtet werden. Allerdings werden die drei gängigen Beratungskanäle und auch die Mitarbeiter im Service-Center durch stärker automatisierte Kommunikationsmittel entlastet: Die FAQs des Unternehmens beantworten Standardfragen direkt und es entsteht dadurch keine zusätzliche Beratungszeit. Komplexere Fragestellungen können über Live-Chats geklärt werden, weil hier Rückfragen der Kunden in Echtzeit möglich sind. Verzögerungen, wie etwa bei der Beantwortung von E-Mails, gibt es also nicht. Damit verkürzt sich auch die Bearbeitungszeit der Kundenanfragen.
Bei einer Beratung über die vergleichsweise teuren Kanäle sollten Unternehmen auf die Effizienz achten, damit Kundenanfragen schnell Fall abschließend beantwortet werden können.
In der Praxis gibt es jedoch große qualitative Mängel: Die Beratung dauert oftmals zu lange, ohne die Fragen der Kunden ausreichend zu klären. So wird nur jede zweite telefonische Anfrage korrekt beantwortet. Bei der E-Mail-Bearbeitung sind es sogar ernüchternde 28 Prozent. Diese Qualitätsmängel können durch gezielte Mitarbeiterschulungen und den Einsatz einer zentralen Wissensbasis, die von allen Kommunikationskanälen genutzt wird, weitestgehend ausgeräumt werden.
[po; Quelle: novomind; Bild: tiero - Fotolia.com]
Neukundenakquise: Neukunden zu akquirieren ist einfacher als gedacht
Leere oder sich leerende Auftragsbücher – mit diesem Problem kämpfen zurzeit viele Unternehmen, speziell Hersteller von Investitionsgütern sowie Industriedienstleister. Zwar ist auch in „guten“ Zeiten ein gewisses „Kundensterben“ normal, weshalb auch dann eine konsequente Marktbearbeitung nötig ist. In schlechten Zeiten beschleunigt sich dieser Prozess aber. Also stehen die Vertriebsabteilungen verstärkt vor der Frage: Wie können wir unsere Auftragslöcher stopfen?
Eine Möglichkeit hierzu ist, den bestehenden Kunden mehr zu verkaufen. Hierin ruht in Krisenzeiten aber in der Regel nicht ausreichend Potenzial, um zumindest kurzfristig größere Auftragslöcher zu stopfen. Also müssen die Verkäufer der Unternehmen, ob sie wollen oder nicht, auf Neukundenakquisition gehen.
Vor allem in Krisenzeiten ist Neukundenakquise leicht umzusetzen
„Wie soll das gehen?“ werden Ihre Vertriebsmitarbeiter vermutlich erstaunt fragen, wenn Sie zum Beispiel als Vertriebsleiter ihnen einen entsprechenden Auftrag erteilen – schließlich hören sie fast täglich im Gespräch mit Kunden: „Wir haben zurzeit kein Geld. Wir müssen sparen.“
Und noch erstaunter werden Ihre Mitarbeiter Sie vermutlich anschauen, wenn Sie auf diese Frage erwidern: „Gerade in Krisenzeiten ist es relativ einfach, Neukunden zu akquieren – vorausgesetzt man packt es richtig an.“ Aus folgendem Grund: In Krisenzeiten sind die Unternehmen verstärkt auf der Suche nach neuen Lösungen, wie sie zum Beispiel,
- ihre Prozesse beschleunigen und Kosten senken oder
- ihre Attraktivität für Kunden erhöhen oder
- ihre Liquidität steigern können.
Denn ihre bisherigen Problemlösungen haben sich als nicht tragfähig erwiesen. Also suchen sie neue. Entsprechend offen sind sie für Verbesserungsvorschläge von Lieferanten, für die sie in „guten“ Zeiten oft kein Ohr haben. Schließlich läuft das Geschäft ja. Entsprechend leicht ist es für Verkäufer gerade in Krisenzeiten, bestehende Lieferanten bei Unternehmen aus dem „Boot zu drängen“ – sofern die Verkäufer strategisch und taktisch klug vorgehen und zum richtigen Hebel greifen.
Diese Argumentation wird Ihre Verkäufer vermutlich überzeugen, woran sich natürlich unmittelbar ihre Frage anschließt: Wie sollten wir strategisch-taktisch vorgehen, damit wir einen Zugang zu den erhofften Neukunden finden?
Der erste Schritt ist: Ermitteln Sie mit Ihren Verkäufern, bei welchen Unternehmen sich überhaupt ein Engagement lohnt. Zum einen, weil diese noch ausreichend Kapital haben, um auch in schlechten Zeiten Investitionen zu tätigen, die sie voranbringen. Und zum anderen, weil wir ihnen aufgrund der Produkte und Problemlösungen, die wir in unserem Produkt- beziehungsweise Leistungsportfolio haben, beim Lösen ihrer „Probleme“ helfen könnten.
Ist dies definiert, gilt es bezogen auf die einzelnen Zielkunden zu ermitteln:
- Was brauchen die Unternehmen zurzeit besonders dringend?
- Denn hierüber ergibt sich: Über welchen Kanal sind die Zielkunden ansprechbar und erreichbar?
- Müssen sie zum Beispiel ihre Effizienz oder Produktivität erhöhen?
- Oder brauchen sie neue Kunden?
- Oder müssen sie vor allem darauf achten, dass sie flüssig bleiben?
Gefragt: Kreative Lösungen und flexibles Vorgehen
Ist diese Aufgabe erledigt, lautet die nächste Frage: Wie müssen wir unsere Problemlösung zuschneiden, verpacken und präsentieren, damit wir zum Beispiel beim Kunden x, der zurzeit mit Liquiditätsproblemen kämpft, eine realistische Chance auf einen Auftrag haben? Hier ist Ihrerseits beziehungsweise seitens Ihres Unternehmens ein hohes Maß an Kreativität und Flexibilität gefragt, um für die Neukunden attraktive Angebote zu entwickeln.
Hierfür ein Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Unternehmen würde hochwertige und hochpreisige Maschinen verkaufen, die integriert in die Produktionsanlagen Ihrer Zielkunden deren Durchlaufzeiten und somit Stückkosten erheblich reduzieren. Zugleich wissen Sie aber: Unsere Zielkunden sind zurzeit recht klamm. Einen fünf- oder gar sechsstelligen Betrag können sie aus Liquiditätsgründen im Moment für das Anschaffen unserer Maschinen nicht zahlen. Dann könnte Ihre Verkaufsstrategie zum Beispiel beim darauf abzielen, dass Sie einem Kunden die Maschinen nicht verkaufen, sondern mit ihm einen Leasingvertrag abschließen.
Oder noch kreativer: Sie vereinbaren mit dem Kunden, dass Sie die Maschinen „kostenlos“ bei ihm aufstellen. Für deren Nutzung überweist er Ihnen aber Monat für Monat, zwei Drittel der eingesparten Produktionskosten. Daraus ergeben sich folgende Vorteile für den Kunden:
- Er muss seine noch vorhandenen Kapitalreserven für die Anschaffung der Maschine nicht angreifen.
- Er reduziert seine Produktionskosten. Und:
- Er kann aufgrund der verkürzten Durchlaufzeiten, seine Aufträge schneller abwickeln. Also kommt er auch schneller an sein Geld, was sich positiv auf seine Liquidität auswirkt.
Wenn Sie einen solchen Deal abschließen, bekommt Ihr Unternehmen zwar im Moment nicht so viel Geld in die Kasse, als wenn der Kunde die Maschinen kaufen und sofort bezahlen würde. Sie haben aber zwei andere Ziele erreicht.
- Sie haben einen Neukunden gewonnen, mit dem Sie schon lange ins Geschäft kommen wollten. Und:
- Sie haben einen Auftrag an Land gezogen, mit dem Sie Ihre Produktion auslasten können und der Ihnen hilft, Kurzarbeit oder gar einen Personalabbau zu vermeiden.
Ihre Verkaufsstrategie kann aber auch, wenn Sie zum Beispiel wissen, dass der „klamme“ Zielkunde fünf Fertigungsstraßen hat, darauf abzielen, dass der Zielkunde zunächst nur eine Maschine „kauft“. Auch dann haben Sie bei ihm zumindest einen Fuß in der Tür. Das heißt, Sie haben sich in dem Unternehmen neben dem bisherigen Lieferanten als Zweitlieferant etabliert – eine Position, die Sie dann sukzessive ausbauen können.
Verkäufer brauchen aktive Unterstützung
Damit sie im Arbeitsalltag so gezielt vorgehen können, benötigen Ihre Verkäufer eine aktive Unterstützung – von Ihnen. Denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt: In ihnen kommen Verkäufer mit ihrem technisch-fachlichen Know-how allein nicht weit. Denn in ihnen suchen die Unternehmen primär Lösungen für ihre betriebswirtschaftlichen Probleme wie zu hohe Kosten, zu geringe Liquidität oder zu geringe Umsätze und Renditen. Also müssen Ihre Verkäufer auch betriebswirtschaftlich argumentieren können, um bei den Zielkunden zu punkten. Außerdem müssen sie den Zielkunden überzeugende Vorschläge unterbreiten können, wie sich zum Beispiel deren Produktions-, Wertschöpfungs- sowie Vermarktungsprozesse effektiver gestalten lassen.
Also lautet Ihre Aufgabe als Vertriebsleiter, Ihre Mitarbeiter in einem solchen Denken und Argumentieren zu schulen. Außerdem müssen Sie Ihren Mitarbeitern in Gesprächen immer wieder aufzeigen, wo die (Verkaufs-) Chancen in der Krise liegen und sie auf dem Weg zum Erfolg begleiten. Denn dass Verkaufen in der Krise – trotz aller Chancen – ein Knochenjob ist, daran besteht kein Zweifel.
Dabei erleichtert Ihren Mitarbeitern das Verkaufen in der Krise aber folgender Befund: In schlechten Zeiten lautet auch bei den meisten Ihrer Mitbewerber die oberste Maxime „Sparen“. Das heißt, sie erbringen für ihre Kunden weniger Serviceleistungen als gewohnt, denn diese kosten Geld. Das registrieren auch die Kunden Ihrer Mitbewerber – oft mit Verärgerung. Also lassen sie sich auch leichter zu einem Lieferantenwechsel motivieren.
Hinzu kommt: Gewiss klagen auch die Vertriebsmitarbeiter Ihrer Mitbewerber „Die Zeiten sind schlecht“. Entsprechend unmotiviert bearbeiten sie den Markt. Also kann Ihr Vertrieb auch leichter bei den Unternehmen punkten. Unter folgender Voraussetzung: Sie und Ihre Mitarbeiter lassen sich nicht wie die Vertriebsmitarbeiter Ihre Mitbewerber vom Jammern der Kunden infizieren.
[Bild: Fotolia.com]
Kundennhähe: Wie Unternehmen ihren Kunden wirklich nahe kommen
Sämtliche menschlichen Beziehungen – also auch jene geschäftlicher Art – basieren auf Nähe. Optimal ist die Nähe zum Kunden, wenn dieser nicht gewillt ist, sich mit Wettbewerbsprodukten auseinanderzusetzen. Gelingt es, Kundennähe herzustellen, kann die Konkurrenz ausgeschlossen und die Kundenbindung gesteigert werden.
Zufriedene Kunden zahlen höhere Preise für eine bewährte Bezugsquelle – bis zu einer annehmbaren Grenze. Darüber hinaus sind sie eher geneigt, Angebotspreise von Wettbewerbern mitzuteilen. Deshalb sollten Manager die Erfolgsfaktoren kennen, die die Kundenzufriedenheit prägen. Um Kundennähe zu erreichen, empfiehlt Peter Winkelmann in seinem Buch „Vertriebskonzeption und Vertriebssteuerung. Die Instrumente des integrierten Kundenmanagements“ folgende Maßnahme
- Direktkontakte (beispielsweise Außendienstbesuche, Chefbesuche, gemeinsame Abendessen, Geburtstagsgrüße, regelmäßige Kontakte durch Techniker, regelmäßige Zufriedenheitsbefragungen).
- Permanente Kundenansprache im Rahmen des Dialogmarketings (beispielsweise durch Briefe, Emails, Fax, SMS, Newsletter) beziehungsweise durch individualisierte Verkaufsförderung, wobei marketinggestützte Kundennähe oft unregelmäßig verläuft. Werden diese Kontakte hingegen positiv beleuchtet, können sie den Status außergewöhnlicher – und damit besonders wertvoller – Ereignisse erlangen.
- Gemeinsame Aufgaben und Interessen (beispielsweise gemeinsame Produktentwicklung, Wertanalyse, Marktforschung, Messeauftritt).
- Kapitalverflechtungen, Joint-Ventures, Allianzen, Unternehmenszusammenschlüsse.
Kundennähe schafft zwar eine Basis für geschäftliche Sicherheit, aber jede Medaille hat zwei Seiten. In B2B-Märkten kann sich eine zu große Kundennähe zu einer strategischen Gefahr entwickeln. Laut Werner H. Engelhardt und Jörg Freiling lauern dabei sechs Gefahrenquellen:
- Die In-Sourcing-Gefahr: Der Kunde bemerkt die wachsende Know-how-Abhängigkeit vom Lieferanten und wirbt seine besten Mitarbeiter ab.
- Die Lock-in-Gefahr: Der Zulieferer gerät in vollkommene Abhängigkeit des Kunden.
- Das schwarze Loch birgt die Gefahr, dass der Anbieter große Vorlaufrisiken eingeht (zum Beispiel im Anlagenbau).
- Beim Glashauseffekt besteht das Risiko, dass der Einfluss der Bank auf die Geschäftspolitik immer größer wird.
- Beim Outsiderproblem handelt es sich um die zunehmenden Einflüsse durch die Kunden des Kunden sowie
- das Run-away-Risiko, bei dem der Anbieter in die Kostenfalle gerät oder die Kundennähe nicht zur Kundenbindung führt.
Mitarbeiter als Maßstab – bis hin zur Treue
Befragungen beim Kunden klären, ob die Vorkauf-Erwartungen mit den Nachkauf-Erfahrungen übereinstimmen. Ein Auge auf Konkurrenzprodukte zu behalten, ist überdies selbstverständlich. Beim Kundenzufriedenheitsmanagement empfiehlt es sich, auch die eigenen Mitarbeiter zu fragen, welche Kundenzufriedenheit sie erwarten würden. Dieses Selbstbild sollten Unternehmer mit dem Fremdbild im Markt vergleichen.
Führungskräfte sollten Maßnahmen bestimmen, mit denen die Einflussfaktoren auf die Kundenzufriedenheit langfristig gesteuert werden können und ein Verhältnis zwischen den Kosten dieser Maßnahmen und dem Nutzen herstellen. Wenn die Kunden zufrieden sind, dann empfinden sie die Kundenbindung als angenehm. Erst in dem Moment wird das eigentliche Ziel einer marktorientierten Unternehmensführung erreicht: Kundentreue.
Kundenzufriedenheit ist messbar
Im Buch „Marktorientiertes Kostenmanagement. Kosteneffizienz und Kundennähe verbinden“ unterstreichen die beiden Autoren Christian Homburg und Daniel Daum, dass Kundenzufriedenheit regelmäßig gemessen werden sollte, was jedoch die meisten Unternehmen unterlassen. Erkenntnisse aus der Managementforschung belegen die Zusammenhänge zwischen der Zufriedenheit der Kunden und dem Unternehmensgewinn. Ein herausragender, individuell auf den Kunden abgestimmter Service lässt den Kauf zum Erlebnis werden, und dafür sind Kunden sogar gewillt, „etwas tiefer in die Tasche zu greifen“: Ein Hinweis darauf, dass es sich für Unternehmen lohnt, in Kundennähe und -zufriedenheit zu investieren.
Objektive Messverfahren basieren auf Ereignissen (Critical Incidents) und belegbaren Geschäftsdaten (Geschäftserfolgen). Die Messgrößen sind Kundenentwicklung, Wiederkaufraten, Umfang und Qualität der Kundenkontakte, Beanstandungen, Reklamationen, Umsatz-, Ergebnis-, Lieferanteilsentwicklung oder mit Kunden gemeinsam entwickelte Produkte.
Die subjektiven Verfahren basieren auf Urteilsbildungen. Die Zufriedenheit kann entweder direkt („Wie zufrieden sind Sie mit …?“) durch festgelegte Fragen oder indirekt über Rückschlüsse („Würden Sie uns weiterempfehlen?“) erhoben werden. Während die direkte Form eine Manipulationsgefahr birgt, geht man beim indirekten Verfahren das Risiko ein, nicht wirklich den Aspekt der Kundenzufriedenheit zu treffen.
Spezifika bei Geschäften über das Internet
Doch wie können Unternehmen Sicherheit und Nähe zum Kunden herstellen, wenn sie ihn nicht persönlich kennen und niemals zu Gesicht bekommen, weil er an einem Rechner am anderen Ende der Welt sitzt? Für Unternehmen, die ihre Geschäfte internetbasiert erledigen, stellt sich zudem die Frage, wie sie die Privatsphäre des Kunden und Vertraulichkeit garantieren.
Nicola Marsden und Alexander Wittwer beschäftigen sich im Buch „Nähe auf Distanz – Psychologische Perspektiven zu Vertrauen und Kundennähe im E-Commerce“ genau mit diesen Aspekten. Für sie stellt Vertrauen eine unverzichtbare Ressource dar. Bedingt durch die Verschiebung sozialer und wirtschaftlicher Interaktionen in das Internet, kommt dem Vertrauen eine immer größere Bedeutung zu. Was bedeutet „Kundennähe“, wenn zwischen Kunden und Verkaufenden keine Face-to-Face-Kommunikation – als Maximum der persönlichen Nähe – stattfindet?
Unternehmen im Netz sollten sich sehr genau überlegen, für welche Kommunikationsanlässe und -anforderungen sie auf welche Kommunikationskanäle zurückgreifen. Dabei spielen nicht-rationale Bedürfnisse und Forderungen eine große Rolle, denn Kunden handeln ganz und gar nicht rational und bewusst. Über 80 Prozent der Kaufentscheidungen fallen unbewusst aufgrund emotionaler Programme im Gehirn.
Unternehmen, die vor dem Hintergrund der neuen Kommunikations- und Medienbedingungen Kundennähe, -bindung und -vertrauen herstellen wollen, sollten nicht versuchen, dem „Ideal einer Eins-zu-Eins-Abbildung der Face-to-Face-Situation einfach nachzueifern“. Stattdessen sollten Unternehmen für kommunikative Anlässe sorgen, um von der Identifikationsbereitschaft der Kunden zu profitieren. Online-Kommunikation ist in der Lage, Foren zu bilden für eine Vielfalt geteilter Identitäten und Werte. Statt von einer „Verarmung“ der Kommunikation auszugehen, die man ausgleichen will, sollte sorgfältig ausgewählt werden, welches Medium für welchen kommunikativen Anlass verwendet werden kann.
Der Kunde als Co-Entwickler
Eine weitere Möglichkeit zur Generierung von Kundennähe besteht in der frühzeitigen und umfassenden Einbeziehung des Kunden als Co-Entwickler in den Produktentwicklungsprozess, wobei diese aber nur dann gewinnbringend genutzt werden kann, wenn es auch gelingt, die Wünsche und Anregungen der Kunden zu übersetzen und in die Entwicklung einfließen zu lassen.
Ein wichtiges Kriterium besteht in der Wahl des Zeitpunkts der Einbindung des Kunden in den Entwicklungsprozess. Gegenwärtig wird der Kunde – wenn überhaupt – erst in den späten Phasen der Produktentwicklung integriert. Dies ist sowohl im Sinne der Markteinführung als auch hinsichtlich der Entwicklungskosten unvorteilhaft. Es ist ratsam, den Kunden bereits in die Phasen der Ideenfindung als Co-Entwickler zu integrieren.
Kundennähe beginnt also nicht erst beim fertigen Produkt. Bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung will der Kunde seine Wünsche kundtun. Er allein entscheidet durch seine Kaufentscheidung über Erfolg oder Misserfolg eines Produktes am Markt. Gelingt es dem Unternehmen, die Kundenanforderungen frühzeitig zu identifizieren und das Know-how möglicher Abnehmer in den Entwicklungsprozess einzubeziehen, kann daraus ein deutlicher Wettbewerbsvorteil entstehen
Die Kundenbeteiligung am Entwicklungsprozess ist kein Selbstzweck, sondern basiert auf eindeutigen wirtschaftlichen Zielvorstellungen. Von Interesse ist nun, welche Kunden als Co-Entwickler infrage kommen. Einen Kunden als Co-Entwickler einzubeziehen ist nur dann zweckmäßig, wenn dieser auch einen wertvollen Beitrag leisten kann, in dem sich die tatsächlichen Anforderungen des Marktes wieder finden.
Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg an die Spitze ist ein herausragender Service. Gelingt es Unternehmen dabei, durch Etablierung eines aktiven Beziehungsmanagements Kundennähe und -zufriedenheit herbeizuführen, können sie ihren Vorsprung vor den Wettbewerbern deutlich ausbauen, da Kundentreue aus Kundenzufriedenheit resultiert und somit in soliden und beständigen Beziehungen mündet. In diesem Zusammenhang kommt dem Vertrauen eine immer größere Bedeutung zu. Im Hinblick auf die medial vermittelte Kundennähe sollten Unternehmen gewissenhaft abwägen, für welche Kommunikationsanlässe und -anforderungen sie auf welche Kommunikationskanäle zurückgreifen, da Vertrauensverluste beim Kunden nur eingeschränkt zu kompensieren sind.
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Der flüchtende Kunde: Wie Sie die Flucht verhindern können
Wer als Kunde mit Liebesentzug droht und seine Verträge nicht einfach verlängert, sondern regelmäßig kündigt, kann - zum Beispiel bei Mobilfunk- und Kabel-TV-Anbietern, bei Krankenkassen und Versicherungen, bei Zeitungen und Zeitschriften – inzwischen schon richtig absahnen:
- fette Gutscheine,
- satte Nachlässe,
- Wunsch-Handys,
- freie Vertragslaufzeiten,
- kostenlose SMS.
Ein paar hundert Euro kommen da schnell mal zusammen. Aber nur, wenn man kündigt! All die lieben netten braven Kunden, deren Vertrag sich stillschweigend von Jahr zu Jahr verlängert, bekommen natürlich nichts. Nicht mal auf Nachfrage. Heißt: Untreue wird belohnt. Treue wird bestraft. Schön doof, unter solchen Umständen treu zu sein. Also: Wir kündigen jetzt überall. Denn wir haben verstanden: Treu sein bringt nichts, wer kündigt, ist Held. Darüber werden wir stolz unseren Freunden berichten. Und im Internet erklären wir der ganzen Welt, wie so was funktioniert.
Untreue belohnen?
Beim nutznießenden Kunden kommt sicher Freude auf - doch marketingtechnisch ist so was ein Sündenfall. Denn auf diese Weise wird uns Kunden der letzte Rest Loyalität aus dem Herzen geeist. Wir lernen: Solange wir treudoof die Melkkuh geben, passiert nichts, rein gar nichts: kein Dank, keine Wertschätzung, oft nicht mal ein Kontakt. Erst, wenn wir kündigen, werden die Firmen so richtig entgegenkommend. Da regnet es plötzlich lauter schöne Überraschungen. Heißt: Kundenliebe wird mit Geld zurückgekauft. Da kann ja wohl kein Zweifel bestehen: Das ist Marketing auf Grundschul-Niveau. Wer nichts weiß, macht es über den Preis.
Ein Geschäftskunde berichtet: „Ich hatte Ärger mit meinem Mobilfunkanbieter, weil die gebuchten Tarife nicht mit unseren Endgeräten zusammen passten. Verschiedene Reklamationen waren erfolglos, ein Reklamationsschreiben blieb unbeantwortet. Erst nach der kompletten Kündigung all unserer Verträge meldete sich eine Dame mit zuckersüßer Stimme und bot uns einen Termin vor Ort an. Wir wurden auf eine supergünstige Flatrate umgestellt. Fazit: Geht doch! Man muss nur kündigen.“
Wer seine Kunden aufs systematische Kündigen abrichtet, statt sie zu hegen und zu pflegen, dem mag man wünschen, dass dies mit einem wahren Kündigungs-Tsunami bestraft wird. Doch leider ist der Schaden größer: Das Misstrauen gegen die Anbieter am Markt wird weiter geschürt. Und die Aggressivität der Verbraucher wird zunehmend steigen. Beides Dinge, die wir derzeit nun wirklich nicht gebrauchen können. Und schlimmer noch: Verbraucher mit solchen Kündigungserfahrungen werden das nun bei allen und jedem erwarten.
Treue belohnen!
Gott sei Dank machen es bislang nur ganz wenige Unternehmen wie gerade beschrieben. Einige machen es richtig und gut. Die meisten haben allerdings bis heute keinen Gedanken daran verschwendet, verlorene Kunden auf systematische Weise zurück zu gewinnen und ein professionelles Kundenrückgewinnungsmanagement aufzubauen. Wobei: Verlorene Kunden zurückzugewinnen ist natürlich immer nur die zweite Wahl. Viel wichtiger ist Prävention. Denn das größte Vermögen, das ein Unternehmen besitzt, ist die Loyalität seiner Kunden.
Im Loyalitätsmarketing werden vor allem die treuen Stammkunden belohnt - ohne dass sie darum betteln müssen. Diese, und nicht etwa die Neukunden, erhalten die besten Angebote, Vorzugspreise, Exklusiv-Services usw. Und damit sie nicht immer das Gefühl haben, dass es rein ums Verkaufen geht, bekommen sie von Zeit zu Zeit ein besonderes Dankeschön. Einfach nur dafür, dass sie schon so lange Kunde sind. Ist doch klar: Menschen verstärken Verhalten, für das sie Aufmerksamkeit, Anerkennung und Belohnungen erhalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Hohe Abwanderungsbereitschaft ist nicht nur ein soziales Phänomen, sondern in den meisten Fällen hausgemacht. Als Bestandskunde hat man oft das Gefühl, ‚2. Klasse‘ zu sein. Unternehmen belohnen nicht selten die falschen, nämlich Interessenten, damit sie Neukunden werden beuiehungsweise Abwanderungswillige, damit sie bleiben. Wer Kundentreue will, muss Kundentreue honorieren.
Kundenloyalität als Chance
Gerade in Krisenzeiten hat Loyalität (wieder) eine Chance. Denn wenn es gefährlich wird, rücken die Menschen zusammen. Überall bilden sich Selbsthilfegruppen, in denen man füreinander einsteht. ‚Vom Ich zum Wir‘ nennt der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann diesen Kurs. Der Boom von Social Networks und Communities ist eine weitere Ausprägung dieses Trends.
Der Aufbau einer sozial und ökonomisch nachhaltigen, freiwilligen Kundentreue ist derzeit oberstes Gebot. Wer die Loyalität seiner Kunden gewinnt und dauerhaft bewahren kann, wer seine Kunden blind und taub macht für die Angebote des Wettbewerbs, der betreibt die beste Zukunftssicherung. Durch und durch loyale Immer-wieder-Kunden sind die wahren Treiber einer positiven Unternehmensentwicklung.
Das Buch zum Thema
Anne M. Schüller: Come back! Wie Sie verlorene Kunden zurückgewinnen [82]
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Verkaufsrhetorik: Helfen Seminare die Rhetorik zu verbessern?
Viele Unternehmern, Manager und vor allem Verkäufer stehen vor der großen Auswahl an Rhetorikseminaren und können sich nur schwer entscheiden.
- Greife ich doch lieber zu einem Seminar Verkaufspsychologie oder wähle ich am besten die Schlagfertigkeitsrhetorik?
- Ist jetzt die Verkaufsrhetorik oder Powerrhetorik besser?
- Nehme ich jetzt Verkaufsrhetorik für Techniker, Dienstleister oder Berater?
- Rhetorik und Präsentation oder Präsentation mit Rhetorik?
- Rhetorik für den Mittelstand oder den Kaufmann?
- Wo ist die eierlegende Wollmilchsau?
Es werden Erwartungen geweckt, deren Erfüllung nicht erstrebenswert ist. Seminare, auch wenn sie ihre Zielgruppe mit klaren Titeln wie; „Rhetorik für Verkäufer“ lockt, sind nicht die Lösung. Warum? Der Verkäufer steht unter einem Erwartungs- und Leistungsdruck, der ihn nicht mehr er selbst sein lässt. Die Firma hat das Seminar bezahlt und der Mitarbeiter (Verkäufer) weiß auch, dass jetzt schnell Erfolge her müssen, das Seminar soll sich ja rechnen.
Der Verkäufer kann nicht mehr authentisch sein, denn er will sein erlerntes Wissen anwenden und so geschieht es, das er beim Kunden nur darauf schaut, welche der erlernten Elemente er anwenden muss. Nicht selten geht es soweit, dass der Verkäufer nicht nur versucht seinen Kunden zu überreden, nein, er versucht auch seine eigene Firma zu überzeugen. Nach dem Motto: Seht her, ich mache es so, wie ihr erwartet. Der Verkäufer vertritt nicht mehr sein Unternehmer, präsentiert nicht mehr dessen Philosophie und Kultur, sondern versucht mit wenig Aufwand das Optimum in kürzester Zeit zu erreichen.
Ein Verkäufer, der mit Tricks, Methoden und Tools vollgestopft wird, kann nicht entspannt sein, er ist verkrampft und steht unter dem permanenten Druck, das zu tun, was er gelernt hat. Er geht zu seinem Kunden, um zu beweisen, dass seine Verkaufsrhetorik funktioniert und nicht nur dem Kunden, nein, er muss es auch der Firma beweisen, denn schließlich hat sie die Maßnahme bezahlt. Natürlich geht das nicht ohne Verlust. Das natürliche Selbstbewusstsein weicht einer übertriebenen und aggressiven Selbstdarstellung, die auch nicht zulässt, die Firma und deren Philosophie, Image und Kultur zu repräsentieren.
Doch Verkäufer sind besser als ihr Ruf!
Sie fühlen sich nicht wirklich wohl, als jemand, der mit Manipulation und versteckten Psychotricks arbeitet, um Erfolg zu haben. Nein, sie wissen, dass Nachhaltigkeit und Kontinuität im Verkauf nur auf ihrer Authentizität beruhen, was auch erfolgreiche Verkaufsleiter und Unternehmer aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen unterschreiben. Die meisten Verkäufer beeindruckten vor allem damit, dass jeder individuell für sich eine klare Wertevorstellung definiert hat. Doch irgendwie hat es sich fest verankert, dass der Verkäufer Tricks und Methoden benötigt, um erfolgreich zu sein.
Verkaufsrhetorik - was soll das sein?
Wenn die Rhetorik glaubwürdig sein soll - das erlangt sie durch Authentizität – kann es nur eine Rhetorik geben – die authentische Rhetorik. Unterscheidet man Rhetorik, in allgemeine Rhetorik, Gesprächsrhetorik, Verkaufsrhetorik und Verhandlungsrhetorik, so stellt sich automatisch die Frage, wann ist ein Redner wo authentisch? Nein, es erinnert eher an Rezepte, in denen Manipulation scheinbar eine Rolle spielt und genau dann passiert das, was schon Aristoteles trefflich bemerkte:
„Es ist ein Unterschied, ob jemand überredet oder überzeugt.“
Die Mutter des Sokrates war Hebamme. Analog zu ihrem Beruf sah er seine Tätigkeit als "Geistige Hebammenkunst". Er sagte, er wolle selbst nichts - keine Wahrheit - gebären. Er wolle lediglich anderen dabei helfen, ihre eigene Wahrheit zu gebären. Jeder soll die Chance haben, seine eigene Rhetorik zu entdecken und umzusetzen. Wer seinen Verkaufserfolg nachhaltig und anhaltend generieren will, braucht Verkäufer die sich auch nachhaltig weiterentwickeln und langfristig an den Erfolg des eigenen Produkts glauben. Dazu bedarf es einer eigenen Sichtweise und Definition sowie die Möglichkeit es mit eigenen Worten ausdrücken zu können.
Lesetipp
Oliver Groß: Einfach gesagt – Wie Sie mit Rhetorik Menschen für sich gewinnen und überzeugen [83]
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Salesmanagement: Gute Verkäufer und Vertriebscoachs müssen sich entwickeln
Verkaufen kann jeder, wenn man ihm das kleine Ein-mal-Eins des Verkaufens vermittelt. Dieses Credo steckt unausgesprochen in den Köpfen vieler Entscheider von Unternehmen. Entsprechend verfahren sie häufig bei der Auswahl ihrer Vertriebsmitarbeiter. Wird zum Beispiel ein Mitarbeiter in der Produktion oder im Innendienst nicht mehr benötigt, entscheiden sie: Ab dem nächsten Monat arbeitet „der Mayer“ oder „die Müller“ im Vertrieb. Hurtig wird der Mitarbeiter dann noch auf zwei, drei Verkaufsseminare geschickt. Danach kann er sicher verkaufen.
Dieses Verfahren kann man aktuell auch beim Umstrukturieren vieler Unternehmen aufgrund der Finanzkrise beobachten – nicht nur bei Banken und Versicherungen, sondern auch bei Herstellern von Investitionsgütern. Getreu der Maxime: Bevor wir zum Mittel „betriebsbedingte Kündigung“ greifen oder dem Mitarbeiter eine hohe Abfindung bezahlen müssen, stecken wir ihn doch besser in den Vertrieb.
Bestärkt wurden die Personalverantwortlichen der Unternehmen in den zurückliegenden Jahren in diesem Vorgehen vielfach dadurch, dass es (scheinbar) funktionierte. Da die Wirtschaft boomte, stimmten auch die Zahlen. Also Bestand kein Anlass nachzufragen: Schöpfen unsere Verkäufer die Markt- und Kundenpotenziale aus? Und: Inwieweit entsprechen die Ausbildung unserer Verkäufer und die Unterstützung, die wir ihnen im Vertriebsalltag gewähren, den Erfordernissen des Marktes? Schließlich stimmten ja die Zahlen – auch wenn manch Mitbewerber besser war.
Verkaufen muss man lernen
Doch allmählich ändert sich diese Denke – auch aufgrund der Krise. In ihr sammeln viele Unternehmen die schmerzhafte Erfahrung: Unsere Vertriebsmitarbeiter können sich zwar in Schönwetterlagen im Markt behaupten. Doch wenn ihnen der Wind rau ins Gesicht bläst, sind sie überfordert. Spätestens dann benötigen sie eine systematische Unterstützung. Sonst gelingt es ihnen weder die Noch-Nicht-Kunden zu identifizieren, bei denen sich ein Engagement lohnt, noch bei bestehenden Kunden zusätzliche Absatzchancen zu identifizieren. Und schon gar nicht können sie die heutigen Interessenten zu einer Kaufentscheidung und damit zu Kunden machen. Unter anderem, weil sie zwar zum Beispiel eine Ingenieur- oder Technikerausbildung oder eine Ausbildung zum Bank- oder Versicherungskaufmann/-frau absolviert haben, aber nie eine Verkäuferausbildung. Und dem entspricht nicht nur ihre Denke, sondern auch ihr berufliches Selbstverständnis und Handeln.
Besonders nachhaltig machen diese Erfahrung zurzeit alle Anbieter erklärungsbedürftiger Güter und solche, die für ihre Kunden maßgeschneiderte Problemlösungen entwerfen – wie zum Beispiel viele Banken und Versicherungen sowie Hersteller von Investitionsgütern. Denn an ihre Verkäufer werden im Arbeitsalltag höhere Anforderungen gestellt als an die meisten Konsumgüterverkäufer wie Bäckerei- oder Fleischereifachverkäufer, deren Aufgabe im Wesentlichen darin besteht,
- den Kunden nach Betreten des Ladens freundlich zu begrüßen,
- die gewünschte Ware über die Theke zu reichen und
- den Kunden abzukassieren.
Verkaufen ist ein komplexer Prozess
An die Verkäufer erklärungsbedürftiger Güter sowie von Problemlösungen, die im Dialog mit dem Kunden entwickelt werden, werden andere und höhere Anforderungen gestellt. Sie müssen unter anderem zunächst die Erfolg versprechenden Kunden identifizieren können. Sie müssen Strategien entwerfen können, wie sie diese Zielkunden kontaktieren, und ihnen bildhaft vor Augen führen „Das, was ich Ihnen anbiete, könnte Ihnen von Nutzen sein“. Doch dies allein genügt nicht: Danach müssen sie im Kontakt mit dem Kunden diesen Schritt für Schritt zur Kaufentscheidung führen – also zu dem Punkt, an dem er sagt „Ja, das will ich haben“.
Dies alles ist eine schwierige und hochkomplexe Aufgabe – nicht nur, weil die Kundenbedürfnisse beim Vertrieb von Computer- und Produktionsanlagen, Wartungsverträgen und Finanzierungskonzepten viel vielschichtiger als beim Verkauf von Brötchen oder Frikadellen sind. Hinzu kommt: An der Kaufentscheidung speziell für Investitionsgüter und Industriedienstleistungen sind in der Regel mehrere Personen beteiligt. Und was von besonderer Bedeutung ist: Der Verkauf dieser Güter und Dienstleistungen ist ein Prozess. Und zwar ein Prozess, der sich anders als beim Verkauf von Wurst, Brot und Käse nicht nur über zwei, drei Minuten, sondern häufig über Wochen und Monate, zuweilen sogar Jahre erstreckt. Und nur, wenn die Verkäufer diesen Prozess in allen Phasen professionell gestalten, ist er von Erfolg gekrönt. Und genau hierbei benötigen sie eine aktive Unterstützung. Doch welche?
Verkäufer brauchen Unterstützung
Das klassische Vorgehen der Unternehmen, wenn sie verkäuferische Defizite bei ihren Mitarbeitern registrieren, ist: Sie schicken diese in ein Seminar. Zum Beispiel zum Thema „Aktiv verkaufen“. Oder „Einwandbehandlung“. Oder „Gebietsmanagement“. Als Folge davon zählen die Verkäufer und Vertriebsmitarbeiter zu den am intensivsten trainierten Mitarbeitergruppen in den Unternehmen.
Mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit können sie deshalb oft, wenn man sie danach fragt, herunterbeten, wie zum Beispiel ein Verkaufsgespräch aufgebaut sein sollte. Auch dass das „Nein des Kunden“ häufig übersetzt bedeutet „Jetzt nicht“ oder „Unter diesen Konditionen nicht“, wissen sie. Trotzdem bringen sie im Vertriebsalltag vielfach nicht die berühmten „PS auf die Strasse“. Warum? Ihr Kopf ist zwar mit Wissen vollgestopft, aber sie können dieses nicht auf ihren Arbeitsalltag und auf den Kontakt mit dem Kunden Schmidt oder Schulz übertragen.
Das haben in den zurückliegenden Jahren viele Unternehmen erkannt. Deshalb reifte in ihnen die Erkenntnis: Es genügt nicht, wenn wir unsere Mitarbeiter mehr oder minder regelmäßig auf Seminare schicken. Wir müssen sie auch im Vertriebsalltag unterstützen – zum Beispiel dabei, für bestimmte Kunden oder Kundengruppen, Marktsegmente oder Produkte die erforderlichen Handlungsstrategien zu entwerfen und umzusetzen. Und diese Aufgabe wahrzunehmen, wurde zurecht als Führungsaufgabe definiert, die zwar im Einzelfall an erfahrene Mitarbeiter oder externe Vertriebsberater delegiert werden kann, aber unabhängig davon eine Führungsaufgabe bleibt.
Führungskräfte sind als Coachs überfordert
Entsprechend oft hört man im Gespräch mit den Personalverantwortlichen von Unternehmen „Unsere Führungskräfte sollen ihre Mitarbeiter coachen“. Die Praxis zeigt aber: Die Führungskräfte im Vertrieb nehmen diese Aufgabe zumeist ungenügend wahr. Und: Sie fühlen sich von ihr überfordert. Aus vielerlei Gründen. Der zentrale Punkt ist: Beim Vorbereiten ihrer Führungskräfte auf ihre Coachingaufgabe verfahren die Unternehmen oft wie beim Vorbereiten ihrer Verkäufer auf ihre Verkäuferaufgaben: Sie schickten die Führungskräfte auf Seminar. In der zwei, dreitägigen Veranstaltung erfuhren sie dann, warum ein Coachen der Mitarbeiter wichtig ist. Außerdem lernen sie die relevanten Coachinginstrumente kennen. Und danach erhalten sie den Auftrag: Coacht fortan eure Mitarbeiter!.
Übersehen wird dabei, dass
- ein erfolgreiches Coachen der Mitarbeiter ein bestimmtes Selbstverständnis der Führungskraft voraussetzt und
- das Entwickeln der Mitarbeiter ein Prozess und kein punktueller Akt darstellt, der ebenso gezielt und professionell gestaltet und gemanagt werden muss wie das Führen von Kunden zur Kaufentscheidung.
Nicht ausreichend beachtet wird bei einem solchen Vorgehen zudem, dass das erforderliche Selbstverständnis und die nötige Kompetenz zum Coachen von Mitarbeitern (ebenso wie das entsprechende Selbstverständnis und die erforderliche Kompetenz bei Verkäufern) nicht über Nacht vom Himmel fällt. Das für ein erfolgreiches Coachen der Mitarbeiter erforderliche Selbstverständnis der Führungskräfte muss reifen. Und die für das Coachen nötige Kompetenz muss sich in einem längerfristigen Trial-and-Error-Prozess, bei dem das eigene Handeln immer wieder gezielt analysiert und hinterfragt wird, allmählich entwickeln.
Coachingkompetenz muss sich entwickeln
Das erkennen immer mehr Unternehmen. Deshalb bilden sie ihre Führungskräfte zunehmend berufsbegleitend zu Vertriebs- oder Salescoachs aus. Diesen Weiterbildungen ist gemeinsam, dass sie sich in der Regel über einen längeren Zeitraum erstrecken – zum Beispiel zwölf oder 15 Monate. Des Weiteren: Sie sind modular aufgebaut. Das heißt: Das für das Coachen nötige Wissen wird den Führungskräften nicht „en bloc“ vermittelt, sondern in wohldosierten Portionen. Ähnlich wie bei einer guten Verkäuferausbildung. Auch dort wird den (angehenden) Verkäufern das erforderliche Know-how nicht in einem ein-, zweiwöchigen Kompaktseminar vermittelt. Vielmehr wird ihnen dieses Know-how in einer Vielzahl von kleinen Schulungseinheiten beigebracht, an die sich jeweils Praxisphasen anschließen, in denen die Verkäufer das Gelernte in ihren Arbeitsalltag übertragen. Und erst wenn sich das bereits Gelernte bei ihnen verankert hat, wird das nächste Thema aufgegriffen.
Ein weiteres Merkmal einer guten Sales- oder Vertriebscoach-Ausbildung ist: Das Lernen erfolgt in den einzelnen Modulen weitgehend anhand von konkreten Aufgaben und Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmer. Dies ist gerade bei Mitarbeitern im Vertrieb sehr wichtig – unabhängig davon, ob es sich hierbei um Verkäufer oder Führungskräfte handelt. Denn die Mitarbeiter im Vertrieb sind in der Regel pragmatische Macher. Das heißt: Wenn sie nicht unmittelbar erkennen, „Das ist für meinen Arbeitsalltag relevant“, haken sie die Inhalte der Ausbildung schnell unter der Überschrift „Das ist alles nur theoretisches Gequatsche“ oder „Das funktioniert in der Praxis nicht“ ab. Sie lassen sich also auf das, was ihnen vermittelt werden soll, erst gar nicht ein, und sind auch nicht bereit, ihr bisheriges Verhalten zu hinterfragen und neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln.
Neues Selbst- und Führungsverständnis ist gefragt
Das ist aber dafür, dass die Führungskräfte im Vertrieb ihre Aufgabe „Mitarbeiter coachen“ mit Überzeugung wahrnehmen, von fundamentaler Bedeutung. Deshalb starten die meisten Vertriebs- und Salescoach-Ausbildungen mit einem Baustein, in dem sich die Teilnehmer nochmals gezielt mit den Fragen befassen:
- Welches Selbstverständnis habe ich als Führungskraft?
- Was ist meine Aufgabe und meine Funktion in der Organisation? Und:
- Wie sollte ich mich verhalten sowie meinen Arbeitsalltag gestalten, damit ich meine Aufgabe in der Organisation erfülle?
Diese Selbstreflexion ist auch nötig, weil die Leistung der Führungskräfte im Vertrieb sehr stark an den erreichten Zahlen gemessen wird. Dem entspricht ihr Verhalten. Auch sie führen ihre Mitarbeiter häufig weitgehend über Zahlen und übersehen dabei, dass diese Zahlen das Ergebnis von Prozessen beziehungsweise eines Verhaltens sind, das (sie und) ihre Mitarbeiter in den zurückliegenden Monaten zeigten. Sie übersehen im Vertriebsalltag zudem oft, dass es nicht ihr Job als Führungskraft ist, das (Nicht-)Erreichen der gewünschten Zahlen zu konstatieren. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die Prozesse in ihrem Bereich so zu gestalten und ihre Mitarbeiter im Vertriebsalltag so zu führen, dass die definierten Ziele erreicht werden.
Genau dieses Bewusstsein gilt es, in der Vertriebs- beziehungsweise Salescoach-Ausbildung bei den Führungskräften zu wecken. Denn dann nehmen sie, sofern ihnen im weiteren Verlauf der Ausbildung auch das erforderliche Können für das Coachen der Mitarbeiter vermittelt wird, diese Aufgabe auch in ihrem Arbeitsalltag wahr.
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Mehr verkaufen: 10 Stufen zum schlagkräftigen Vertrieb
Stufe 1: Das Chaos mit der Zettelwirtschaft
Viele Existenzgründer starten so: Mit Vertrieb auf Zuruf, Zettelwirtschaft und Improvisation. Als Grundprinzip hält sich die Zettelwirtschaft meist nicht lange, denn bereits bei wenigen Kunden geht komplett die Übersicht verloren. In Teilbereichen ist die Zettelwirtschaft aber auch in modernen Unternehmen noch anzutreffen. Etwa, wenn niemand bereit ist, für Exoten im Angebot vernünftige Vertriebsstrukturen zu schaffen, sodass diese Produkte nebenbei gemanagt werden. Listen Sie deshalb alle Bereiche auf, in denen entsprechende Prozesse noch optimiert werden müssen.
Stufe 2 schafft erste Ordnung: das Formularwesen
Der Übergang von der Zettelwirtschaft zum Formularwesen hat vor allem das Ziel, Ordnung und Übersicht zu schaffen. Klären Sie mit Ihren Mitarbeitern, welche Informationen dokumentiert beziehungsweise an andere Unternehmensbereiche weitergegeben werden müssen. Die damit geschaffenen Strukturen ermöglichen bereits manuelle Auswertungen und sorgen für Transparenz. Zahlreiche Probleme treten aber auch hier auf: Doppelte Datenhaltung, kostspielige Suchzeiten und eine Fülle von einzeln in Formulare einzutragende Abwicklungsvorgänge prägen die Vorgänge.
Stufe 3 ist heute unabdingbar: elektronische Daten
Diese Stufe ist eigentlich Mindest-Standard: Hier behalten Sie die Formulare bei, überführen Sie aber von der Papierform in Dateien. Das bringt erhebliche Fortschritte, denn so lassen sich Auftragswesen, Lagerdisposition und Fakturierung als Basis-Warenwirtschaftssystem installieren. Das System ist natürlich völlig starr, die Zugriffe auf einzelne Informationen sind häufig mühsam. Da Erfassung und Verarbeitung in einem deutlichen zeitlichen Abstand erfolgen, sind die Daten auch nicht aktuell abrufbar. Auch gibt es noch keine Möglichkeit, auf elektronischem Wege Kennzahlen zu erstellen.
Stufe 4: Mehr Informationen durch Sonderauswertungen
Ergänzen sollten Sie ein Formularwesen daher um Sonderauswertungen. Sie benötigen dazu eine einfache marktübliche Software, zum Beispiel Excel. Ziel ist, für Sie und Ihre Führungsmannschaft zahlreiche Informationen zu generieren wie die sogenannten. „Renner-und-Pennerlisten“ (Was geht gut, was ganz schlecht?), Mahnlisten, Umsätze für Verkaufsgebiete und ABC-Analysen. All diese Informationen führen zu einer besseren Steuerung des Vertriebs. Auch dieses System ist allerdings noch starr; bestimmte Auswertungen müssen möglicherweise erst programmiert werden (zum Beispiel monatliche Aufstellungen von Kunden ohne Umsatz). Ein großes Problem dieser Stufe ist auch, dass die Kundenbetreuung noch völlig ausgeklammert bleibt.
Stufe 5: Adressprogramme als erster Schritt zur Automatisierung
Hier erfolgt der erste Schritt in Richtung automatisierter Marktbearbeitung. Adressprogramme halten die wichtigsten Kundendaten strukturiert fest und dokumentieren in einfacher Form die Kundenhistorie. Solche Adressprogramme werden als preiswerte Standardsoftware zum bestehenden System hinzugekauft oder auf Basis einfacher Access-Datenbanken, Outlook oder Lotus-Organizer selbst angelegt. Probleme gibt es in dieser Stufe noch mit dem Umfang der verarbeitbaren Daten, weil das System „zusammengebaut“ ist und die Abläufe dadurch träge laufen. Auch sind die Auswertungsmöglichkeiten häufig noch beschränkt.
Stufe 6: Mit Database-Marketing zum „gläsernen“ Kunden
In dieser Stufe erfolgen die Integration und die Perfektionierung der verschiedenen Software-Systeme. Das Herzstück von Database-Marketing sind Kundenerfassung, Kundenanalyse und Kontaktansprache. Sogenannte „Rationale Datenbanken“ erlauben schnelles und flexibles Suchen bei Bedarf. Die Vision von Database-Marketing ist der „gläserne Kunde“, von dem man nicht nur die Stammdaten, sondern auch bisheriges Kaufverhalten, Hobbys und Neigungen wissen will. Auf Basis dieser Daten können individuelle Marketingstrategien, zum Beispiel 1to1-Marketing, realisiert werden. Aber: Keinen Lösungsansatz bietet diese Stufe für die Koordination von Außen- und Innendienst und die Abstimmung zwischen den verschiedenen Vertriebskanälen.
Stufe 7: Die Vertriebsautomatisierung
Nach der Perfektionierung der Datenverarbeitung rückt in der siebten Stufe die Verbesserung der realen Abläufe in den Vordergrund. Ziel ist die komplette Automatisierung aller Vorgänge der Marktbearbeitung. Dazu stehen zahlreiche technische Geräte wie Notebooks, Palmtops und Organizer zur Verfügung, mit denen der Außendienst Daten (zum Beispiel Präsentationen) zum Kunden mitnehmen und nach dem Besuch wieder aktualisieren kann (zum Beispiel Besuchsberichte auf Word-Basis und Bestellungen als Excel-Datei). Adressprogramme sind um Funktionalitäten wie Kundenhistorie, Besuchs- und Routenplanung und Reiseabrechnungen erweitert. Auf dieser Stufe ist bereits eine Feinsteuerung des Vertriebs möglich, wobei das System stark standardisiert ist und noch keinen direkten Zugriff von externen Kundenbetreuern (Außendienst, Wiederverkäufer) auf das Warenwirtschaftssystem und das Rechnungswesen zulässt.
Stufe 8: Professionelle Vertriebsinformationssysteme
Auf dieser Stufe überführen Sie die bisher genutzten Standard-Anwendungen in eine Branchensoftware. Diese ist den branchenspezifischen Anforderungen angepasst und lässt sich relativ leicht betriebsspezifischen Anforderungen anpassen. Führungskräfte und Mitarbeiter können sich die Software nach individuellen Arbeitsweisen einrichten. Solche Vertriebsinformationssysteme unterstützen alle Verkaufsprozesse und binden auch den Außendienst sowie externe Dienstleister wie Callcenter und Wiederverkäufer mit ein.
Stufe 9: Vernetzen Sie die Systeme
Werden angepasste Systeme über Schnittstellen mit den zentralen Mainframe-Daten der Buchhaltung, Kalkulation, Finanz- und Warenwirtschaft verbunden, ist eine vollständige und aktuelle Information aller Beteiligten gewährleistet. Absatz- und Umsatzplanung, Prognosen und jede Art von Vertriebscontrolling sind nun kein Problem mehr. Auch das Internet ist direkt mit dem Warenwirtschaftssystem verknüpft und als eigenständiger Vertriebskanal integriert.
Stufe 10: Der Vertrieb als Gesamtsteuerung
Zu diesem Zeitpunkt ist Ihr Vertrieb optimal aufgestellt. Jetzt gilt es nur noch, ihn in die Gesamtsteuerung des Unternehmens zu integrieren. Diese Form von Integration findet sich in sogenannten ERP-Systemen (Enterprise Resources Planning). Wägen Sie aber an dieser Stelle ab, ob Sie so ein System wirklich brauchen. Denn aufgrund des ganzheitlichen Anspruchs können Flexibilität und Kundennähe verloren gehen.
Tipp
Wenn Sie großen Modernisierungsbedarf sehen, werden Sie nicht unbedingt Stufe für Stufe vorgehen wollen. Bedenken Sie aber: Je mehr Stufen Sie überspringen, umso komplexer wird die Umstellung - und umso komplizierter auch die Materie, in die sich Ihre Mitarbeiter einarbeiten müssen. Wägen Sie also Kosten, Aufwand und Ziel bzw. Ergebnis sorgfältig ab.
Angebote schreiben: Mit Proposal Management steigern Sie den Erfolg Ihrer Angebote
Sales Controlling ist gut, reicht allein aber nicht aus
In den meisten Vertriebsabteilungen werden die Anzahl von Leads, Opportunities, eingereichter Angebote und Abschlüsse gewissenhaft gemessen. Sie sind Teil von Zielvereinbarungen und elementarer Bestandteil von Sales Meetings. Auch dienen die Lead zu Angebot- und Angebot zu Abschluss-Raten oftmals als Kennzahlen für den Vertriebserfolg.
Diese zahlenmäßige Überprüfung des Vertrieberfolges hat sich als durchaus notwendig erwiesen, denn ohne regelmäßige Kontrolle, Zielvereinbarungen und Incentivierungen läuft es in den wenigsten Vertriebsteams nachhaltig gut. Gleichwohl hat sich dieser rein zahlengetriebene Ansatz über die Zeit hinweg als nicht hinreichend erwiesen. Die zahlenmäßige Auswertung, dem Sales Controlling allein, fehlt in vielen Aspekten die Aussagekraft hinsichtlich Ansatzpunkte für Optimierung. Die Auswertung wird zwar durch die persönlichen Berichte der einzelnen Vertriebsmitarbeiter ergänzt, ist aber immer subjektiv, oft getrieben von einer gewissen Rechtfertigung.
Proposal Management steigert die Qualität und den Erfolg von Angeboten
Dieser Entwicklung folgend setzen große, erfolgreiche Salesteams immer häufiger auf sogenannte Proposal Manager, deren ausschließliche Aufgabe es ist, das Vertriebsteam bei (großen) Deals zu unterstützen, die Angebotsqualität zu sichern und zum Erfolg zu führen. Ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit ist es auch, dafür Sorge zu tragen, die Gesamtqualität im Angebotsprozess nachhaltig zu steigern.
Fokus hierbei liegt insbesondere bei der Angebotserstellung beziehungsweise der Qualitätssicherung der Angebote. Denn obwohl Termine und Verhandlungen oft lange geplant und vorbereitet sind, werden insbesondere Angebote oft nachlässig, oder zu schnell geschrieben und eingereicht. So leiden Aussagekraft, Formulierungen und die Anpassung an den Kunden. Die Folge: Die eher schlechten Angebote werden ausgesiebt und schaffen es nicht in die Verhandlungsphase zu kommen. Und das, obwohl Produkt als auch Preis in vielen Fällen passen würden. Die Angebotsqualität hinkt aber weit hinter der Produktqualität hinterher.
Ein Eigentor, dem die Proposal Manager vorbeugen. In Amerika gibt es diese Funktion schon länger, in Deutschland wird sie erst nach und nach populär. So wurde beispielsweise die deutsche Verbandsniederlassung der internationalen APMP (Association of Proposal Management Professionals) [84] erst 2007 - 20 Jahre nach der internationalen Gründung - aktiv.
Angebotsstandards, eine kosteneffiziente Maßnahme
Für kleine Unternehmen und Teams ist ein eigenständiger Proposal Manager oftmals nicht finanzierbar. Auch in Firmen, die eine große Anzahl von Angeboten mit vergleichsweise kleinen Umsätzen erstellen, kann der sinnvolle und innovative Ansatz des Proposal Managers selten kosteneffizient umgesetzt werden. In solchen Fällen braucht es also eine andere Methode mit der gleichen Wirkung: Steigerung der Angebotsqualität und Sicherung des Angeboterfolges.
Eine mögliche Alternative zum expliziten Proposal Management ist, einmal Zeit und Aufmerksamkeit in die Angebotsqualität zu investieren und Angebotsstandards zu etablieren. Hierbei werden Themen wie:
- Zielgruppe, Bedarfsanalyse, Nutzenargumentation,
- Form, Inhalte, Sprache, Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit, sowie
- den Prozess der Angebotserstellung, -Übergabe und -Qualitätssicherung
definiert und dann über das gesamte Vertriebsteam standardisiert eingeführt. Indem die Standards einmal ordentlich definiert werden, kann sichergestellt werden, dass die Gesamtqualität und auch die Effizienz in der Erstellung von Angeboten für das gesamte Team steigen.
Hinweis
Wie Sie bei der Entwicklung von Angebotsstandards vorgehen, vermitteln wir in unserem zwei-wöchigen Online-Kurs
Überzeugende Angebote erstellen – weniger Aufwand, bessere Ergebnisse [85]
Im Rahmen dieses Trainings werden solche Standards zudem individuell erarbeitet, sodass Sie sie im Anschluss gleich aktiv umsetzen können.
[Bild: Fotolia.com]
Preisverhandlungen: Den Einkäufern in schlechten Zeiten Paroli bieten
„Industrie in Schockstarre.“ „Aufträge im freien Fall.“ „Nachfrage dramatisch eingebrochen.“ Solche Schlagzeilen prägen seit zwei, drei Monaten die Titelseiten der Tageszeitungen. Mit einem entsprechend mulmigen Gefühl gehen Verkäufer zurzeit in Vertragsverhandlungen mit Kunden. Denn sie wissen, dass die Kunden beziehungsweise deren Einkäufer folgendes Klagelied anstimmen, kaum ist die Bürotür hinter ihnen geschlossen: „Wie Sie wissen, steht es zurzeit um die Wirtschaft schlecht. Das spürt auch unser Unternehmen. Unser Umsatz ... “ Und dieses Klagelied wird in der Forderung münden: „Deshalb müssen Sie Ihre Preise senken.“
Dieses Szenario erleben die Vertriebsbeauftragten der Unternehmen aktuell Tag für Tag. Mit entsprechend niedrigen Erwartungen gehen sie in die Vertragsverhandlungen, und entsprechend schnell werden sie von den Einkäufern an die Wand gedrückt – sofern sie nicht ausreichend auf die Gespräche vorbereitet sind.
Einkäufer nutzen Krise zum „Pokern“
Eine solide Gesprächsvorbereitung ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr wichtig. Denn in ihnen wird härter verhandelt als in guten Zeiten – auch weil die Einkäufer in wirtschaftlich schlechten Zeiten am längeren Hebel sitzen. Und diese Chance nutzen sie, um auszuloten: Wie viel Spielraum hat mein Gegenüber? Und: Welche Zugeständnisse sind für uns noch drin? Dies zu tun, gehört zum Job der Einkäufer. Ihre Kernaufgabe lautet zwar nicht, möglichst billig, aber möglichst preis-wert einzukaufen. Das heißt: die für ihr Unternehmen beste Kosten-Nutzen-Relation zu erzielen.
Deshalb wird, wenn sich Verkäufer und Einkäufer gegenüber sitzen, auch keineswegs nur über Preise und Liefermengen gesprochen. Auf der Tagesordnung stehen auch Themen wie:
- Welche Qualität sollen die gelieferten Produkte / Problemlösungen haben?
- Welche „Leistungen“ sind im Lieferpaket enthalten?
- Wie und wann wird angeliefert?
- Wie sehen die Zahlungsmodalitäten aus?
und, und, und ...
Und hier liegt der zentrale Schlüssel, um auch in schwierigen Verhandlungen gute Preise zu erzielen. Je genauer ein Verkäufer im Vorfeld einer Verhandlung die möglichen Verhandlungspunkte analysiert, umso größer ist die Verhandlungsmasse und somit sein Verhandlungsspielraum.
Möglichst große Verhandlungsmasse schaffen
Genau analysieren sollten Verkäufer im Vorfeld einer Verhandlung auch: Wie ist die Situation im Marktsegment des Kunden? Dies ist wichtig, denn Einkäufer neigen aus verhandlungstaktischen Gründen dazu, selbst wenn die Situation nur grau ist, diese pechschwarz zu malen.
Faktisch werden aber von Krisen wie der aktuellen nicht alle Branchen mit gleicher Schärfe erfasst – und auch in den verschiedenen Marktsegmenten einer Branche gibt es Unterschiede. Während in einigen das Gros der Unternehmen bereits kurz vor dem Aus steht, schreiben in anderen die meisten Betriebe noch schwarze Zahlen. Entsprechend wichtig ist es im Vorfeld von Verhandlungen, nochmals genau zu analysieren: In welchem Marktsegment ist mein Kunde überhaupt aktiv?
Ein drittes Themenfeld ist die Marktsituation und -position des jeweiligen Kunden. Hieraus ergibt sich, auf welchem Ohr er erreichbar ist. Informieren Sie sich vor der Verhandlung darüber, vor welchen Herausforderungen Ihr Kunde aktuell steht.
- Schrumpft sein Markt oder schnappen ihm die Mitbewerber die lukrativsten Aufträge weg?
- Hat das Unternehmen eher mit dem Cash-flow oder dem Ertrag Probleme?
- Sind seine Produkte und Verfahren innovativ oder steht es unter einem hohen Innovationsdruck?
Analysieren Sie auch die Beziehung Ihres Unternehmens zum Kunden:
- Welche Schwierigkeiten gab es?
- Wie wurden sie gelöst?
- Welche Umsätze sowie Erträge erzielte Ihr Unternehmen mit dem Kunden?
Ermitteln Sie bei Bestandskunden auch, welche (Service-) Leistungen Ihr Unternehmen für den Kunden erbrachte, die in keiner Rechnung auftauchten und zu denen Sie vertraglich nicht verpflichtet waren. Erstellen Sie eine Leistungsbilanz, damit Sie bei der Verhandlung „Argumentationsfutter“ haben.
Maximal- und Minimalziel definieren
Wenn Sie diese Infos haben, können Sie definieren:
- Mit welchem Maximal- und welchem Minimalziel gehe ich in die Verhandlung?
- Und was sind die Verhandlungspunkte, die ich bei Bedarf in die Waagschale werfe?
Danach können Sie eine kundenspezifische Argumentationskette für die Verhandlung entwerfen.
In der Verhandlung sollten Sie stets vor Augen haben: Schon geringe Preisnachlässe haben oft eine große Auswirkung auf die Rendite. Hierfür ein Beispiel: Ein Industriezulieferer hat eine Umsatzrendite von fünf Prozent. Erzielt das Unternehmen nur ein Prozent niedrigere Preise, dann sinkt zwar auch der Umsatz nur um ein Prozent, der Gewinn sinkt aber um 20 Prozent. Entsprechend scharf sollten Sie Ihre Preise verteidigen.
Schaffen Sie in Verhandlungen zunächst eine positive Gesprächsatmosphäre. Zum Beispiel, indem Sie Bestandskunden nochmals vor Augen führen, welchen Nutzen sie aus der Zusammenarbeit ziehen. Dies sollten Sie ihnen aber nicht einfach sagen. Fragen Sie vielmehr zum Beispiel: Wie waren Sie mit der Zusammenarbeit im vergangenen Jahr zufrieden? Hat sich die Problemlösung x bewährt?
Hat der Kunde die Vorzüge einer Zusammenarbeit mit Ihnen vor Augen, können Sie zum Beispiel sagen: „Ihre Ausführungen entnehme ich, dass Sie mit der Zusammenarbeit zufrieden sind.“ Bejaht der Kunde dies, kann als Anschluss folgen: „Dann wollen Sie vermutlich auch künftig mit uns zusammenarbeiten.“
Vom Kunden nicht ins Bockshorn jagen lassen
War die Zusammenarbeit wirklich gut, wird der Kunde dies bestätigen – jedoch mit der Einschränkung „Wenn Sie uns preislich entgegen kommen“. Daraufhin wird der Kunde all seine Argumente nennen, warum in der aktuellen Marktsituation ein Preisnachlass unumgänglich ist – schließlich hat auch er sich auf die Verhandlung vorbereitet. Und häufig werden seine Ausführungen in Aussagen münden wie: „Mir liegt ein Konkurrenzangebot vor, das fünf Prozent günstiger ist als Ihr Angebot.“
Reagieren Sie auf diese Forderung weder panisch noch entsetzt. Schließlich zeigt die Tatsache, dass der Einkäufer mit ihnen spricht: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Und: Der Preis ist offensichtlich nicht das einzige Entscheidungskriterium des Kunden. Entsprechend gelassen sollten Sie zum Beispiel erwidern: Ja, wir sind etwas teurer als manche Mitbewerber, denn wir ...“ Bestätigen Sie also zunächst den etwas höheren Preis und entrollen Sie dann Ihre Argumentationskette, warum sich eine Zusammenarbeit mit Ihrem Unternehmen trotzdem lohnt.
Oder anders formuliert: Warum Ihr Unternehmen zwar nicht der billigste, aber der preis-werteste Anbieter ist. Diese Argumentation kann zum Beispiel in der Aussage münden: „Deshalb können wir Ihnen 0,47 Prozent mit dem Preis entgegenkommen, wenn ....“Nennen Sie also, wenn Sie Preisnachlässe anbieten, nie glatte Zahlen. Denn Ihre Preise sind scharf kalkuliert. Und knüpfen Sie den offerierten Nachlass stets an Bedingungen.
Preisdifferenz relativieren und isolieren
Wenn Sie Ihrem Partner trotz Krise nur einen so niedrigen Preisnachlass offerieren, wird dieser vermutlich laut Zeter und Mordio schreien und eventuell sogar drohen: „Dann ist unsere Zusammenarbeit beendet.“ Daraufhin können Sie zum Beispiel ganz ruhig erwidern: „Das haben wir uns gedacht. Aus diesem Grunde haben wir nochmals mit unseren Zulieferern verhandelt. Außerdem haben wir die Abläufe xy optimiert. Dadurch konnten wir unsere Kosten um über ein Prozent senken. Deshalb können wir Ihnen einen Nachlass von 1,52 Prozent gewähren, wenn ...“
Daraufhin wird Ihrem Partner erst mal ein Stein vom Herzen fallen. Denn 1,52 Prozent klingen schon ganz anders als 0,47 Prozent. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass er den Preis akzeptiert. Vielmehr ist nun erst die Basis für die weitere Verhandlung gelegt.
Hierbei muss der Verkäufer sein gesamtes Verhandlungsinstrumentarium auspacken. Hierzu zählt, dass er den Preisunterschied relativiert. Zum Beispiel, indem er sagt: „Unsere Leistungen haben an ihren Gesamtkosten nur einen Anteil von 5 Prozent. Wenn Sie uns trotz des 3,5 Prozent höheren Preises als Partner engagieren, dann steigen Ihre Gesamtkosten also nur um 0,175 Prozent. Wollen Sie dafür das Risiko eingehen, dass ...“
Außerdem sollte der Verkäufer die Preisdifferenz möglichst isolieren – zum Beispiel, indem er statt um Prozente zu feilschen sagt: „Wenn wir also den Differenzbetrag von 2.200 Euro kompensieren, dann würden Sie mir den Auftrag erteilen.“
Stimmt der Kunde dem zu, sollten Sie ihn bitten, Ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Preisdifferenz kompensiert werden kann. Hierfür gibt es zahllose Möglichkeiten. Zum Beispiel: Das Zahlungsziel verändern, den Auftragumfang erhöhen oder gewisse Leistungselemente streichen.
Den Preis mit Händen und Füßen verteidigen
Wie flexibel Sie beim Verhandeln agieren können, hängt von Ihrer Beziehung zum Kunden ab, Ihrem Verhandlungsgeschick und von Ihrer Gesprächsvorbereitung. Generell gilt jedoch: Wenn Sie dem Kunden erst einmal gesagt haben „Das ist mein Preis“, dann müssen Sie diesen mit Händen und Füssen verteidigen. Denn wenn Sie zu schnell einknicken, hat der Einkäufer das Gefühl: „Der wollte es mal probieren.“ Das belastet ihre Beziehung.
Außerdem kann der Einkäufer dann anschließend nicht voller Stolz sagen: „Weil ich so geschickt und hartnäckig verhandelt habe, müssen wir nun für das Spitzenprodukt (beziehungsweise die Top-Leistung) kaum höhere Preise bezahlen.“ Gönnen Sie dem Einkäufer dieses persönliche Erfolgserlebnis. Hauptsache, Sie haben den Auftrag in der Tasche ... ohne dass Sie dem Kunden Zugeständnisse machen mussten, die Sie wirklich schmerzen.
Wie wirkt sich ein Preisnachlass von 1 Prozent auf den Gewinn aus? (Musterrechnung)

Bei einer Umsatzrendite von 5 Prozent sinkt der Gewinn bei einem Preisnachlass von 1 Prozent um 20 Prozent. Um den Gewinnverlust auszugleichen, muss mehr als das 20-fache des Gewinnsverlusts als zusätzlichen Umsatz generiert werden – also bei einem Gewinnverlust von 100.000 Euro ein zusätzlicher Umsatz von mindestens 2 Millionen Euro. Was ist einfacher: 1 Prozent höhere Preise zu erzielen oder zusätzliche Aufträge im Wert von 2 Millionen Euro an Land zu ziehen?
[Bild: Fotolia.com]
Hinweis
Zum Thema Verhandlungen bietet business-wissen.de einen nützlichen Online-Kurs an. Alle Informationen dazu finden Sie hier:
Verhandlungsführung: Schwierige Verhandlungen überzeugend meistern [86]
Vertriebsweg: Markenhersteller übersehen Absatzchancen in Online-Shops
Darüber hinaus winken den Markenherstellern Absatzchancen auf spezialisierten Plattformen. Beispiel Schlecker: Ende 2008 hatte sich die Besucherzahl des Nischenanbieters innerhalb eines halben Jahres um 83 Prozent erhöht. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen novomind-Studie "Marktplatzsortimente".
Wie schlecker.de zeigt, bündeln spezialisierte Anbieter große Konsumentenzahlen. 85 Prozent der Online-Shopper identifizieren die Drogerie-Kette dabei als Anbieter für Gesundheitsartikel.
Versteckte Marktpotenziale wie diese sollten Markenhersteller aus der Gesundheitsbranche durch eine Einbindung in solche Nischenplattformen für sich nutzbar machen. Die Möglichkeiten, die sich dadurch für unterschiedlichste Anbieter von Markenware ergeben, zeigen sich teilweise in unerwarteten Segmenten. Beispiel Lebensmittel: Während Karstadt schon seit vielen Jahren in seinen Kaufhäusern ein großes Nahrungsmittelsortiment führt, rechnet nicht einmal jeder dritte Einkäufer damit, im Internet-Shop von karstadt.de Lebensmittel erwerben zu können.
Beim Drogerieunternehmen Schlecker zeigt sich dagegen ein überraschend anderes Bild. Jeder zweite Online-Kunde geht davon aus, dort seinen Warenkorb mit Fertiggerichten, Konserven oder Müsli reichlich bestücken zu können. Wie die Beispiele zeigen, lohnt sich für die Vertriebsabteilungen der Markenhersteller ein gesonderter Blick auf die Kundenwahrnehmung im Internet. Wer so dem virtuellen Kunden folgen kann, hat die Chance, neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.
Neben der Auswahl eines möglichst passgenauen Marktplatzes bildet die technische Einbindung in die gewünschte Partnerplattform eine große Herausforderung für Markenhersteller. In der praktischen Umsetzung erfordert die Integration möglichst einfache Schnittstellen, um einen reibungslosen Abverkauf zu gewährleisten.
Zur Studie
Die Studie "Marktplatzsortimente - auf welchen Marktplätzen im Internet Markenhersteller die größten Umsatzpotenziale haben" stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag der novomind AG durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden nach diversen soziodemografischen Kennzahlen auf verschiedene Zielgruppen bezogen. An der Umfrage beteiligten sich 1.009 Online-Shopper. novomind bietet die komplette Studie [87] für 75 Euro an.
[po; Quelle: novomind AG; Bild: Fotolia.com]
CRM-System: Warum CRM-Tools oft von den Usern boykottiert werden
Zunehmender Wettbewerbsdruck, Wirtschaftskrise, verändertes Konsumverhalten – viele Branchen müssen sich hart gegen den Wind stemmen. Diese Ausgangssituation stellt sich für alle Unternehmen gleich. Darum gilt es die Loyalität der Kunden langfristig zu steigern und an ein Unternehmen zu binden, um am Markt bestehen zu können. Nicht umsonst ist die Kundenbindung eine der wichtigsten strategischen Erfolgsfaktoren.
Kreativität und Innovation sind hier erforderlich, um neue Wege der Kundenbindung zu entwickeln. CRM ist daher für viele Unternehmen zu einer Notwendigkeit geworden. Doch nur, wer Vorkehrungen zur stetigen Verbesserung der Kundenprozesse trifft und das Unternehmen auf den Kunden ausrichtet, kann CRM auch wirklich effizient nutzen.
CRM stellt also kein isoliertes Instrument dar. Allerdings: Die Implementierung der entsprechenden Denkweise (natürlich auch als Software-Tool) ist dafür ein wichtiges Instrument, um eine optimale Gesamtwirkung herbeizuführen.
- CRM beginnt im Kopf!
- CRM ist als ein ganzheitlicher Ansatz zur Unternehmensführung zu verstehen, um über alle Abteilungen hinweg alle kundenbezogenen Prozesse im Unternehmen zu optimieren und zu integrieren.
- Die Basis dafür ist eine Datenbank mit einer entsprechenden Software.
- Ziel ist die Schaffung von Mehrwerten auf beiden Seiten.
- Im CRM steht der Kunde im Mittelpunkt. Das Ziel besteht darin, einem bestimmten Kunden möglichst viele Angebote zu verkaufen.
Im Grunde sind all diese Aussagen zur Genüge bekannt. Allerdings stelle ich immer wieder in Firmen als auch in meinen Seminaren fest, dass die entsprechenden Programme oft nur ungenügend von den Nutzern gepflegt werden. Gerade aber diese Pflege ist es, was das Leben und Sterben von CRM ausmacht.
Doch woran liegt es, dass dieser Unmut sich bereits seit Generationen von Mitarbeitern durch die Firmen trägt? Die Antwort ist so einfach, dass man sie kaum glauben mag: Es liegt an den Systemen! An den Softwaretools und der Datenqualität, welche den Mitarbeitern zu Verfügung gestellt werden!!
So bitte Nicht!
In meinen Gesprächen wurden mir unter anderem nachstehende Migrationsergebnisse in Verbindung mit CRM aufgezeigt:
- Bei Datenmigrationen wurden die Laufzeiten von Verträgen auf ein „fiktives“ Datum gesetzt!
Folge: Fast alle Vertragslaufzeiten stehen falsch im System. Mitarbeiter müssen sich Vertragsdaten mühsam Zahl für Zahl aus den (oft nicht vollständigen) Akten heraussuchen.
- Das System bietet die Möglichkeit, jedem Kontakt auch Dokumente zu hinterlegen … Leider sind diese nach jedem neuen Login „verschwunden“.
Folge: Kundendaten und die dazugehörenden Dokumente sind nur über verschiedene Systeme aufzurufen. Der Mitarbeiter, welcher neu im Unternehmen ist, kann auf kein Angebot, auf keinen Schriftwechsel mit dem (potenziellen) Kunden zurückgreifen.
- Das CRM-Programm hat mittlerweile so viele neue überarbeitete Features and Functions, dass es von Mal zu Mal unübersichtlicher wurde. Die Schnittstelle zwischen CRM und Warenwirtschaft ist unzureichend, sodass Kundeninformationen nicht auf einen Blick mit bestehenden Verträgen sichtbar sind.
Folge: Ein rascher Direktzugriff – zum Beispiel während eines Telefonats – ist ein riskantes Unterfangen, da nicht sicher ist, ob die hinterlegten Informationen aktuell beziehungsweise komplett sind!
Dieser kurze Einblick in das Thema „so geht’s nicht“, zeigt auf, dass große Investitionen noch nicht bedeuten, dass künftig ganz schnell „alles gut“ wird …
(Neu-) Einführung von CRM
Eine Möglichkeit: Ein Unternehmen möchte auf ein moderneres System umstellen. Eines, welches keinen Wunsch offen lässt … Nicht den des Vertriebsmitarbeiters, ebenso wenig den des Vertriebsleiters und schon gar nicht den, des Geschäftsführers oder – oder – oder …
Ein weiteres Szenario: Es wurde ein Unternehmen oder gleich mehrere Firmen zugekauft und nun möchte man eine einheitliche Software einsetzten (bis hier hin ergibt es Sinn!)
Die Vorgehensweise bei Migrationen ist immer in mehreren Schritten unterteilt. Diese Schritte können sich an Vorgehensmodellen orientieren oder ein variableres Vorgehen zum Ziel haben:
- Datenanalyse, -bewertung und –bereinigung von den in Anwendungssystemen vorkommenden Datenarten, wie Bestandsdaten, Vorgangsdaten, Stammdaten, Bewegungsdaten.
- Stammdaten (zum Beispiel Adressen, Projekte/Produkte) und Vorgangsdaten (beispielsweise Termine, Aktivitäten). Dabei ist es wichtig, ob nur aktuelle Stände oder auch historische Daten im Zielsystem verfügbar sein sollen.
- Untersuchung und Klassifizierung der Daten.
- Eventuelle Bereinigung der Daten im Quellsystem.
- Vollständige Inventarisierung der zu migrierenden Daten.
- Beschreibung aller Abbildungsregeln.
- Identifikation der nicht zu migrierenden Daten sowie Klärung, wie diese Daten nach Abschluss der Datenmigration zu behandeln sind (zum Beispiel Daten, die im Rahmen der Migration gelöscht werden können; Daten, die nicht migriert werden, aber zu Auswertungszwecken erhalten bleiben müssen).
- Identifikation der Daten, die für das Zielsystem nicht per Migration bereitgestellt werden können, sondern zum Beispiel manuell nacherfasst werden müssen.
- Effiziente Realisierung der für die Migration erforderlichen Programme.
- Migration über Standardexport- und -importschnittstellen der CRM-Software.
Nun hat ein Unternehmen bereits eine große Investition getätigt und möchte endlich auch die gewünschten Erfolge sehen und mit dem neuen Tool arbeiten. Es möchte einfach all die „guten Dinge“ des Systems zum Wohle und zur Umsatzstärkung des Unternehmens einsetzen können.
Schon bald wird festgestellt, dass sich die zuvor angepriesene Integration in die bestehende IT-Landschaft nicht so einfach umsetzen lässt. Die Datenübernahme funktioniert nicht und es muss aufwändig nachgepflegt werden. Um den Datenaustausch mit anderen Systemen zu realisieren, sind plötzlich teure Anpassungen der Schnittstellen notwendig.
Ist dieser Posten zu gering oder gar nicht kalkuliert worden, beginnt hier die Gefahr, dass an der falschen Stelle begonnen wird, zu sparen.
Unverständlicherweise werden immer noch in vielen Projektverträgen weder Qualitätsziele noch deren definierte Erreichung festgeschrieben. In der Praxis haben sich folgende Qualitätsziele für Migrationsprojekte als besonders relevant erwiesen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Erreichung dieser Ziele messbar ist, und zwar mit in der Regel vertretbarem Aufwand.
- Vollständigkeit der Migration;
- Korrektheit der migrierten Daten und der (Ziel-) Anwendungen;
- Lauffähigkeit der (Ziel-) Anwendungen auf Basis der migrierten Daten;
- Performance und Antwortzeitverhalten der (Ziel-) Anwendungen;
- Stabilität und Verfügbarkeit der (Ziel-) Anwendungen;
- Durchführung der Migration im vorgesehenen Zeitfenster.
Nur rund ein Drittel der Unternehmen, die eine CRM-Software eingeführt haben, insbesondere im Mittelstand, sind mit den Ergebnissen zufrieden oder sehr zufrieden. Eine ganze Reihe von CRM-Projekten gerät während der Einführungsphase ins Stocken oder kann nicht wie erwartet umgesetzt werden. Bei diesen CRM-Unzufriedenen lassen sich in unterschiedlich starken Ausprägungen die immer gleichen Projektabläufe erkennen, die zu unbefriedigenden Ergebnissen führen:
Bedarf erkannt
Ein Unternehmen hat erkannt, dass es notwendig ist, etwas für die Verbesserung der Kundenbeziehungen zu unternehmen.
Die IT-Abteilung wird damit beauftragt, eine CRM-Software zu suchen – aber billig muss sie sein. Der Verkäufer versteht es, sein Produkt geschickt anzupreisen und den Nutzen der vielen Funktionen und der tollen Features zu übermitteln.
Entscheidung getroffen
Die Entscheidung für eine Lösung wird getroffen und das System wird eingeführt. Es folgt eine Schulung zum Umgang mit dem Programm.
Integrationsprobleme
Die Anwender beklagen sich, dass sich der Umgang mit der Software nicht an ihren Vorgehensweisen orientiert und ihnen deshalb keinen erkennbaren Nutzen bringt.
Mangelnde Kenntnisse
Die Kommunikation zwischen den Abteilungen, die eigentlich verbessert werden sollte, leidet mehr als vorher, weil keine Abstimmung zum Umgang mit dem Programm stattgefunden hat.
Fehlende Akzeptanz
Den Anwendern ist nicht klar, warum sie jetzt plötzlich so arbeiten müssen und welcher Zweck damit verfolgt wird. Hinzu kommt, dass die Funktionen zum großen Teil nicht genutzt werden, weil sie zu kompliziert sind, nicht richtig erklärt wurden oder gar von den Mitarbeitern für unnötig gehalten werden.
Fehlende Ergebnisse
Recht bald kommt man zu der Erkenntnis, dass sich keine messbaren Erfolge einstellen. Es werden keine zusätzlichen Kunden gewonnen, die Erkenntnisse über deren Kaufverhalten bleiben weiter unbekannt, die durchgeführten Kampagnen verlaufen ins Leere etc.
Was wurde falsch gemacht?
- Das primäre Ziel lautete: „Eine CRM-Software kaufen.“
- Es waren keine Vorgaben darüber vorhanden, was mit der Einführung des CRM-Projektes im Unternehmen erreicht werden soll, um damit auch die notwendigen Vorgehensweisen bei der Einführung korrekt durchzuführen.
- Es wurde nicht überprüft, ob die Abläufe im Unternehmen und der Umgang mit der Software aufeinander abgestimmt sind und welche notwendigen Veränderungen oder Anpassungen vorher durchgeführt werden müssen.
- Die vorhandene IT-Struktur wurde nicht analysiert, um eine sichere Integration der CRM-Lösung zu gewährleisten.
- Die Mitarbeiter wurden zu spät in das Projekt integriert und bekamen die fertige Lösung nur „vorgesetzt”.
- Die Mitarbeiterschulung bezog sich nur auf die Anwendung der Software, nicht aber darauf, was von den Mitarbeitern im Zusammenhang mit der Projekteinführung erwartet wird, welche Vorteile sich für sie daraus ergeben und welchen Beitrag sie zur Erfüllung der Erwartungen und Ziele zu leisten haben.
So lassen sich die Projekte von Beginn an positiv verwirklichen
Suchen Sie einen kompetenten Anbieter, welcher Ihnen Referenzprojekte vorstellen kann. Sprechen Sie mit diesen Kunden und fragen nach den Erfahrungen vor – während und nach der Migrationsphase. Fordern Sie neutrale Unterstützung an. Gemeinsam mit Ihrem auserwählten Anbieter, dem Entscheider in Ihrem Unternehmen und vor allem mit den künftigen Usern definieren Sie die konkreten Ziele, die erreicht werden sollen. Daraus entwickeln Sie gemeinsam die notwendigen Vorgehensweisen, um die Umsetzung Schritt für Schritt zu realisieren. So schaffen Sie es, die Motivation bei den Anwendern zu erhöhen. Unterstützung bei der Umsetzung der technischen Anforderungen auf Basis der vorhandenen IT-Struktur dürfte dann sicher sein.
Kundendaten – Ihr Kapital
Wenn Ihr nächstes Projekt die Einführung von CRM ist, so bleiben Sie bei dieser guten Entscheidung! Bedenken Sie nur von Beginn an, dass die Daten über Kontakte, Interessenten und Kunden, welche Ihr Unternehmen im Laufe der Jahre zusammengetragen, ein großes individuelles Kapital darstellen.
Nicht ohne Grund werden Daten oft hoch gehandelt. Je mehr Informationen ich kaufen möchte. Umso teurer wird jede Adresse. Wenn Sie nicht wollen, dass dieses Kapital vernichtet wird, dann beginnen Sie Ihr künftiges Kundenbeziehungsmanagement mit der notwendigen Sorgfalt.
Machen Sie dieses Projekt zu Ihrem „Baby“ und behandeln es mit der notwendigen Fürsorge, sodass Sie in der Zukunft auf das stetige, gesunde Entwickeln und Heranwachsen stolz und erfolgreich zurückblicken können.
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Strategie: Wichtige Schritte zum Vertriebserfolg in harten Zeiten
Was ist zu tun, wenn Budgets und Ressourcen begrenzt sind? Hier finden Sie neun Schritte für eine positive Unternehmenskonjunktur:
1. Generieren Sie Ideen, welchen Nutzen Sie Ihren Kunden noch bieten können
Rufen Sie die Mitarbeiter im Vertrieb und Marketing zu einem Ideenwettbewerb auf. Wie und mit welchem Aufwand kann den Kunden beigestanden werden? Testen Sie die Ideen! Gerade in der jetzigen instabilen Lage sind selbst geringe, aber dafür wirkungsvolle Leistungen gefragt, die den Kunden zeigen, dass Sie ein verlässlicher Partner sind. Schaffen Sie sich dadurch einen Kundenbindungsvorteil. Nur wer die Wünsche und die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, kann auch in Krisenzeiten erfolgreich sein.
2. Entwickeln Sie Ideen, wie Ihre Kunden sich erfolgreich behaupten
Es sollte normalerweise selbstverständlich sein: Gehen Sie in den Köpfen Ihrer Kunden spazieren! Nutzen Sie die vorhandenen Ressourcen in Ihrer Organisation und setzen Sie diese für erfolgsversprechende Vorgehensweisen bei den Kunden ein. Lassen Sie Ihren Vertrieb und Marketing für Ihre Kunden arbeiten. So haben beispielsweise gemeinsame Besuche Ihrer Verkäufer mit dem Verkäufer Ihres Kunden nach unseren Erfahrungen viele Nutzen stiftenden Erkenntnisse gebracht.
3. Bewerten Sie Ihre Lieferanten zur Steigerung der Marketingeffizienz
Gerade historisch gewachsene Beziehungen zu externen Dienstleistern unterliegen keinem echten Kosten- oder Qualitätscontrolling, da eine langjährige Zusammenarbeit nur selten hinsichtlich der Qualität der erbrachten Leistung oder auch dem Preis-Leistungs-Verhältnis hinterfragt wird. Dabei ließen sich oftmals große Teile des Marketingbudgets ohne Qualitätsverlust einsparen. Allerdings setzen derartige Budgetoptimierungen fundierte Marken- und Marketingkenntnisse voraus. Die Liste von Dienstleistern reicht von vielerlei Kommunikationsagenturen (Klassik, Dialog, Online, Presse, etc.) bis hin zu Datenerfassungsunternehmen.
Durch Nachverhandlungen mit den Agenturen, die bestehen bleiben sollen, lassen sich ohne Weiteres 10 bis 15 Prozent des Kommunikationsbudgets einsparen. Zusätzlich wird eine Reduktion der Betreuungskomplexität durch Stärkung der Markenkompetenz von Agenturen erreicht. Ziel einer Optimierung des Marketingbudgets muss es deshalb sein: Erhöhung der externen Dienstleistungsqualität bei gleichzeitig sinkenden Kosten.
4. Effizienz und Produktivität im Vertrieb und Marketing steigern
Dem Personalabbau als vermeintliches Allheilmittel der Rationalisierung sind mittlerweile Grenzen gesetzt; hier ist das Ende der Fahnenstange in vielen Unternehmen bereits erreicht. Notwendig sind eine ganzheitliche Betrachtung der Organisation und deren Abläufe. Wie können die Prozesse einfach besser gestaltet und somit Kosten eingespart werden? Wie lassen sich Abläufe strukturieren und zu festen Workflows gestalten? Prüfen und setzen Sie entsprechende IT-Unterstützung ein!
Ziel einer Optimierung der Vertriebs- und Marketingorganisation muss es sein: Verbesserung der internen Information, Vermeidung von Schnittstellen und Hinführung zu klaren Zuständigkeiten.
5. Planen Sie Ihr Marketing-Budget strategisch
Planen Sie Ihre Marketingmaßnahmen so, dass diese Ihren Zielsetzungen entsprechen. Messen Sie, sodass Sie in der Lage sind, deren Effizienz nachhaltig zu steigern. Ermitteln Sie den Return of Marketing Investment (ROMI). Priorisieren Sie die Projekte. Überprüfen Sie die Verteilung des Marketing-Budgets nach dem Erfolg. Verstärken Sie das Marketing-Controlling.
6. Überprüfen Sie Ihre Zielgruppe auf Relevanz
Gerade in einer Rezessionsphase kommt es darauf an, dass Sie sich auf die für Ihr Unternehmen relevanten Kunden konzentrieren. Nur so können Ihre Maßnahmen mit richtiger Ansprache, zu den richtigen Kunden, mit den richtigen Mitteln und zur richtigen Zeit, platziert werden.
7. Nutzen Sie Web 2.0 und Social Media
Newsletter, Online-Communities und Blogs sind neue Wege, wie effektiv neue Kunden erreicht und wie mit Ihnen kommuniziert werden kann. Sie erreichen somit direkt genau Ihre Zielgruppe. Teilen Sie Ihnen mit, was es Neues in Ihrem Unternehmen gibt, welche Nutzen stiftenden Produkte neu im Angebot sind, oder welche Empfehlungen Sie an Ihre Kunden geben, um nur einige der möglichen Themen zu nennen.
Gleichzeitig ist es unerlässlich, die eigene Website auf ihre Aktualität und Gebrauchsfähigkeit für Ihre Kunden und Interessenten zu überprüfen. Es wäre fatal, wenn zwar Leads generiert, jedoch die möglichen Kontakte nicht konsequent genutzt werden.
8. Schenken Sie Ihren „wertvollen“ Kunden Aufmerksamkeit
Erstellen Sie eine Kundenwertanalyse. Ermitteln Sie die Deckungsbeitrag starken Abnehmer. Unterstützen Sie diese in der Rezession besonders. Nutzen Sie die engen Kontakte und offerieren diesen Kunden weitere „wertvolle“ Leistungen und bieten Sie einen bindenden Service. Demonstrieren Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit.
9. Betreiben Sie Benchmarking zur Erhöhung Ihrer Marketing-Performance
Resultiert Ihr Absatzergebnis im Vergleich zum Gesamtmarkt aus Ihrer Stärke oder aus der Ihrer Wettbewerber? Wenn Letzteres der Fall ist, dann sollten Sie möglichst umfassende Informationen über den maßgeblichen Konkurrenten mit seinen Vertriebs- und Marketingaktivitäten beschaffen. Mit diesen Daten erhalten Sie einen Einblick, welche Ergebnisse mit welchen Aktivitäten und Investitionen erreicht werden können. Sie erhalten Ansatzpunkte, wie Sie Ihre eigene Marketing-Performance steigern können.
Fazit: Marketingerfolg in harten Zeiten ist machbar; allerdings erfordert dies eine genaue Planung und ein strategisches Vorgehen. Tun Sie die richtigen Schritte jetzt! Zum Vorteil Ihres Unternehmens nicht nur in der Rezession, sondern ganz besonders, wenn die wirtschaftliche Erholung bei Ihren Kunden wieder eingesetzt hat.
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Kundenintegration: Innovationspotenziale im Vertrieb nutzen
Empirische Studien - durchgeführt von Debra Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der TU Dortmund - identifizieren jetzt die Barrieren, die in der Praxis die Ideengewinnung durch den Vertrieb verhindern.
So ließen sich die Ideen, die aus Gesprächen mit den Kunden vor Ort und beiläufigen Beobachtungen entstehen, erhöhen, wenn der Vertrieb diesbezüglich besser geschult würde. Vertriebsmitarbeiter sehen die Ausschau nach neuen Ideen vielfach nicht als Teil ihrer Aufgaben und werden von ihren Unternehmen auch nicht dazu ermutigt, Ideen zur Produkt- oder Prozessverbesserung intern weiterzugeben.
Unternehmensleitung zeigt wenig Interesse
Die befragten Vertriebsmitarbeiter klagten häufig über fehlendes Interesse seitens der Unternehmensleitung.
"Vorschläge wurden mit zum Teil so schwachen Begründungen abgelehnt, dass jedes Interesse, einen Vorschlag einzureichen, im Keim erstickt wird." [Zitat eines Vertriebsmitarbeiters].
Selbst wenn ein Vertriebsmitarbeiter motiviert ist, Ideen weiterzugeben, so ist es in der Praxis trotzdem oft nur schwer möglich. Vertriebsmitarbeiter sind sich häufig nicht darüber im Klaren, wer der richtige Ansprechpartner für aufgegriffene Ideen ist und berichteten von einem mangelnden Interesse seitens der Vorgesetzten beziehungsweise der Unternehmensleitung. Weiterhin wurden fehlendes Feedback, geringe oder fehlende Anreize und unklare Vorgehensstrukturen als hemmend für die Bereitschaft, nach Ideen zu suchen und diese in das Unternehmen einzuspeisen, genannt.
Unter dem Stichwort "Idea Fishing" hat der Lehrstuhl für Marketing der TU Dortmund erste Konzepte zur Überwindung dieser Barrieren entwickelt. Zurzeit führen Debra Neumann und Professor Hartmut Holzmüller zusammen mit Professor David Woisetschläger (Juniorprofessur für Dienstleistungsmanagement), eine Reihe von weiteren empirischen Erhebungen durch. Mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse sollen Unternehmen dabei unterstützt werden, künftig stärker vom Innovationspotenzial ihrer Vertriebsmitarbeiter zu profitieren.
[po; Quelle: Technische Universität Dortmund; Bild: Fotolia.com]
Vertriebsorganisation: So optimieren Sie Ihren Außendienst
Beurteilen Sie nach einem ausgewogenen System
Die Leistungen des Außendiensts ausschließlich nach Umsatzkennzahlen zu beurteilen, bringt viele Probleme mit sich. Denn mit wachsendem Gesamtumsatz eines Unternehmens sinkt in der Regel der Umsatzanteil des Außendiensts, was fälschlicherweise auf eine abnehmende Leistungsfähigkeit hinzuweisen scheint. Auch provoziert man mit einer reinen Umsatzbeurteilung „Hard Selling“ und damit eine langfristig abnehmende Kundenzufriedenheit, weil ohne Rücksicht auf die langfristige Kundenbeziehung verkauft wird. Deshalb sollten Außendienst-Beurteilungen grundsätzlich ausgewogen erfolgen, das heißt neben den Umsätzen und der Rentabilität auch Kennzahlen wie die Reklamationsquote, die absolute Zahl an Kundenbesuchen etc. beinhalten.
Weniger Außendienst, mehr Gewinn?
In schwierigen Zeiten wird häufig überlegt, ob man die Außendienststärke nicht reduzieren könnte. Wahr ist: Es ist sehr kostenintensiv, Kunden persönlich besuchen zu lassen, eine Umstellung auf Callcenter scheint da verlockend.
Vor solchen Maßnahmen müssen jedoch die langfristigen Folgen berücksichtigt werden: Eine Verringerung der Besuchstätigkeiten und eine insgesamt weniger intensive Betreuung von Kunden können - zeitverzögert - zu einer Ergebnisverschlechterung führen.
Ermitteln Sie (zum Beispiel mit einer Szenariotechnik) mögliche Folgen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren eintreten können. Wenn Sie den Außendienst reduzieren möchten, dann möglichst nicht mit einer Vergrößerung der Verkaufsgebiete oder „nur noch A-Kunden“, sondern intelligent mit einer sorgfältigen Analyse der zukünftigen Umsatzpotenziale.
Was sind „gerechte“ Verkaufsgebiete?
Unternehmen, in denen der Außendienst traditionell eine starke Stellung hat, klagen oft „gerechte Verkaufsgebiete“ ein. Gemeint ist damit meist, dass jeder Außendienst-Mitarbeiter ähnlich große Verkaufsgebiete oder die gleiche Anzahl von Kunden betreuen sollte, um auch die gleichen Provisionschancen zu erhalten. Unberücksichtigt bleibt dabei der Betreuungsaufwand, der durch verkehrstechnische Umstände oder geografische Verhältnisse unterschiedlich ist. Deshalb sollten die Verkaufsgebiete auch einen erhöhten Betreuungsaufwand berücksichtigen (sogenanntes „Arbeitslastverfahren“). Hinzu kommt, dass die Größe von Verkaufsgebieten auch der Vertriebsstrategie folgen sollte: Sieht man in einem Verkaufsgebiet aufgrund der überragenden Stellung eines Wettbewerbers wenig Chancen, ist es legitim, dieses nur noch passiv auf Anfrage oder telefonisch betreuen zu lassen, während andere interessante Verkaufsgebiete doppelt besetzt sein können.
Optimieren Sie das Provisionssystem
Provisionssysteme zu verändern, ist häufig ein „heißes Eisen“, das von der Vertriebsleitung nur ungern angefasst wird. Schließlich sind hiervon die Einkommen der Außendienst-Mitarbeiter direkt berührt, jede Änderung kann massiven Widerstand hervorrufen. Dennoch sollten Sie Provisionen nicht als historische Erbhöfe akzeptieren, sondern leistungsorientiert gestalten. Meist können Sie neue Provisionssysteme gut durchsetzen, wenn sie ein übergeordnetes Ziel entwickeln. Das kann zum Beispiel die Erreichung einer optimalen Betreuungsintensität sein.
Lassen Sie dazu die Mitarbeiter ein grundsätzliches Umsatz- und Ergebnispotenzial ihrer Kunden definieren. Sie vergüten die jeweils prozentuale Erreichung dieser Potenziale. Dies sollte nicht für ein Verkaufsgebiet, sondern pro Kunde gelten. Damit verhindern Sie, dass vorwiegend einfach zu betreuende Kunden, die schnell Umsatz bringen, besucht werden.
Eine weitere Möglichkeit der Optimierung ist es, Provisionen erst ab einer bestimmten Umsatzhöhe zu bezahlen. Damit wird verhindert, dass unmotivierte Außendienst-Mitarbeiter ähnlich viel verdienen wie motivierte. Studien zeigen nämlich immer wieder, dass sich der absolute Umsatz von motivierten und unmotivierten Außendienst-Mitarbeitern aufgrund von Basis- und Zufallsumsätzen nur um 10 bis 15 Prozent unterscheidet.
Gewähren Sie Übernachtungen
Durch Regelungen, die Übernachtungen ausschließen sollen, entstehen nicht nur lange Heimwege, sondern es verringern sich auch die verkaufsaktiven Zeiten der Mitarbeiter. Die Vorgabe, außerhalb von Ballungszentren in möglichst preisgünstigen Pensionen zu übernachten, führt ebenfalls zu unnötigen Fahrten. Übernachtet der Mitarbeiter dagegen in Gebieten mit vielen Kundenstandorten, kann er ausgeruht und frisch ans Werk gehen und seine Kunden effizienter betreuen. Gewähren Sie deshalb sinnvolle Übernachtungen vor Ort. Zur Kostenreduzierung empfehlen sich Preisverhandlungen mit Hotelketten, die meist Sonderpreise einräumen.
Fünf Tipps, wie Sie Ihren Außendienst wirksam kontrollieren
- Werten Sie Statistiken wie die Umsatzliste, Verteilung der Umsätze auf Produkte und einzelne Leistungsbereiche, Häufigkeit der Besuche und ähnliche Aufstellungen, aus.
- Werten Sie die Außendienst-Berichte konsequent aus und beziehen Sie die Ergebnisse in die Beurteilungsgespräche mit ein – das wirkt häufig disziplinierend.
- Prüfen Sie, ob die zentrale Kundendatenbank sorgfältig gepflegt wird. Suchen Sie für Stichproben Kunden aus, von denen Sie wissen, dass kürzlich Veränderungen in deren Unternehmen stattgefunden haben, und kontrollieren Sie den Zeitpunkt und die Qualität der Angaben.
- Führen Sie regelmäßig Reisebegleitungen durch. Prüfen Sie dabei die Auswahl der Tagestour, die Vorbereitung, den Umgang mit Verkaufshilfen (Prospekte, Muster) und die Qualität der Gesprächsführung. Dadurch gewinnen Sie auch einen guten Eindruck von der Motivation Ihrer Mitarbeiter und bewahren sich den Zugang zu deren täglichen Praxisproblemen.
- Gehen Sie der Frage nach, ob die Vertretung bei Krankheit und Urlaub wirklich funktioniert. In diesen Zeiträumen dürfen Umsätze nicht wesentlich abfallen. Ist dies dennoch der Fall, drängen Sie auf eine engagierte Vertretung von Kollegen bei Abwesenheit.
Empfehlungsmarketing: Wann Menschen weiterempfehlen und warum sie dies tun
"Neue Produkte haben nur dann eine Chance, sich auf dem Markt durchzusetzen, wenn sie so bemerkenswert sind, dass die Verbraucher selbst Werbung dafür machen",
sagt Seth Godin, der Vater des Permission Marketing, in seinem Buch "Purple Cow". Und das tun Konsumenten nur dann, wenn eine Sache sie emotional so intensiv anspricht wie das Bauchkribbeln bei einer neuen Liebe. Oder wenn eine Erfahrung so außergewöhnlich war, dass der unwiderstehliche Drang entsteht, dies so schnell wie möglich mit anderen zu teilen. Anbieter müssen also ihren Kunden wirklich gute Gründe geben, ins Gespräch zu kommen – und nicht ins Gerede.
Wann Empfehlungen ausgesprochen werden
Es ist schon erstaunlich, wie viel Energie Marktteilnehmer bisweilen investieren, um über ihre Lieblingsmarken zu reden und sie anderen schmackhaft zu machen. Damit nun eine Leistung weiterempfohlen wird, muss diese empfehlenswert sein. Das hört sich banal an, ist es aber nicht. Viele Marketer stürzen sich fleißig ins Konzipieren von Empfehlungsprogrammen, ohne auch nur im Geringsten dafür zu sorgen, dass die Basis stimmt. Die Vorbedingungen für ein funktionierendes Empfehlungsmarketing heißen:
- begeisterte Kunden, die ihrem Anbieter vertrauen,
- bemerkenswerte Spitzenprodukte und –services und
- Spitzenleister, die Kunden 'lieben'.
Jede Empfehlung ist ein Vertrauensbeweis. Wer also plant, sein Empfehlungsgeschäft systematisch aufzubauen, muss einerseits Wert auf absolute Fairness, andererseits Wert auf eindrucksvolle Höchstleistungen legen. Will heißen: Sie müssen auf Ihrem Gebiet bekannt und anerkannt, also Experte und Spitzenleister sein. Empfohlen wird nur, was hervorragend, einzigartig oder aufsehenerregend ist. So kann sich der Empfehler mit Ihnen und seinem Know-how-Vorsprung schmücken - oder einem Freund etwas ganz besonders Gutes tun.
Dabei gilt es, Kopf und Herz zu berühren. Denn nur, wer von Ihrer Sache restlos überzeugt und Ihnen wohl gesonnen ist, wird Sie enthusiastisch weiterempfehlen. Es gilt also, vertrauenswürdig und sympathisch zu sein. Sie müssen Kopf und Herz Ihrer Fürsprecher erobert haben, erst dann kommt das Empfehlungsgeschäft so richtig in Gang. Denn wir empfehlen niemanden, den wir nicht leiden können.
Eine Empfehlung ist letztlich der sichtbare und geldwerte Beweis für eine exzellente Kundenbeziehung. Zufriedenheit reicht nicht. Erst wenn die Kunden begeistert sind, bringen sie uns bei anderen wohlwollend ins Gespräch. Sie wecken Neugierde auf unsere Leistungen und damit Begehrlichkeiten. So wollen sie uns unterstützen und anderen Gutes tun. Das machen sie in selbstloser Absicht - oder mit eigenen Interessen im Hintergrund.
Was einen Empfehler motiviert
Mit einer erstklassigen Empfehlung erzielt man Aufmerksamkeit und Anerkennung, erntet Lob und Dank. Mit einem schlechten Rat hingegen riskiert man Spott und Tadel. Nun versetzen wir uns in die Lage eines Empfehlenden. Dank Ihrer Spitzenleistung wird er zusätzliche Wertschätzung von Dritten erfahren. Das wird seine Loyalität weiter stärken. Versagen Sie dagegen, haben Sie vielleicht einen Feind fürs Leben. Im Wesentlichen werden Empfehler aus drei Gründen aktiv:
um 'jemand' zu sein, also Bewunderung zu erlangen,
um etwas beizutragen, also Dankbarkeit zu erhalten und
finanziell motiviert, um also daran zu verdienen.
Man gebe also potenziellen Empfehlern etwas, das sie gut aussehen lässt, womit sie anderen nützen oder sich profilieren können. Dann hat es gute Chancen, von ihnen empfohlen zu werden. Dabei geht es nicht immer vorrangig um monetären Profit, sondern auch um Ansehen, um Hilfsbereitschaft und andere gute zwischenmenschliche Gefühle. Menschen verstärken Verhalten, für das sie Aufmerksamkeit, Anerkennung und Belohnung erhalten.
Mit klugen Empfehlungen kann man sich schmücken und sein Selbstwertgefühl steigern. Man kann sich als Kenner präsentieren und hierdurch seinen Status stärken. Man kann Menschen beeinflussen und somit in gewisser Weise auch Macht ausüben. Oder man kann helfen und anderen Gutes tun. Auf diese Weise lassen sich vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, soziale Bindungen gestalten und Freundschaften festigen.
Speziell bei der Mundpropaganda sind weitere Aspekte relevant: Zu den ersten zu gehören, die von einer Sache Wind bekommen haben - oder aber Mitglied eines eingeweihten und damit privilegierten Kreises zu sein. Wer als ‚Geheimtipp‘ gilt oder sich durch künstliche Verknappung rar macht, nutzt diesen Effekt in besonderer Form. Karl Lagerfeld’s H&M-Kollektion war ein wunderbares Beispiel dafür. Und auch Steve Jobs weiß mit seinen Apple-Schönheiten diese Wirkung zu nutzen. Plötzlich redet die ganze Welt über so ein Produkt - und alle wollen es haben. Ein ‚Hype‘ entsteht und der bekommt manchmal geradezu epidemische Ausmaße.
Empfehlungen sind Emotion pur
Empfehlungen sind immer subjektiv und sehr persönlich. Sie sagen etwas über die eigenen Wertvorstellungen. Und sie polarisieren. Das, was man empfiehlt, mag man sehr – und anderes gar nicht. Für das, worüber man mit Leidenschaft spricht, geht man bisweilen ‚durchs Feuer‘. Und etwas, das man hasst wie die Pest, weil es einen zutiefst verletzt oder enttäuscht hat, will man bisweilen zerstören. Denn mit jeder Empfehlung steht auch die eigene Reputation auf dem Spiel.
Damit wird klar: Empfehlungen sind eine höchst emotionale Angelegenheit. Und für Emotionen ist unser Gehirn zuständig. Schauen wir also mal kurz dort vorbei. Es scheint gleich zwei Gründe zu geben, weshalb wir Empfehlungen so lieben:
1. Empfehlungen stimulieren unser celebrales Belohnungssystem. Dieses tritt immer dann in Aktion, wenn eine Sache von unserem Hirn für gut befunden wird. Es belohnt uns zum Beispiel für eine gelungene Flucht. Ausdauernde Läufer kennen das als ‚Runners high‘. Bei Sportwagen ist, weil sie Vorsprünge sichern, das männliche Belohnungssystem besonders aktiv, bei Kleinwagen hingegen fährt es auf Sparflamme. Auch altruistisches Verhalten und ‚Gutes tun‘ wird mit guten Gefühlen belohnt. ‚Helper‘s high‘ wird dieser Zustand genannt.
So haben US-Wissenschaftler festgestellt, dass freiwilliges Spenden für einen guten Zweck die gleichen Hirnareale mobilisiert, die auch dann aktiv sind, wenn wir einen Zuwachs beim eigenen Vermögen erwarten. Soziales Engagement und gute Taten, sich also als wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft zu zeigen, sind demnach starke Motivatoren und können eindeutig vor monetären Beweggründen stehen. Auch wenn es nicht immer so aussieht: Rein egoistische und auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Ziele sind bei Weitem nicht für jeden ein Thema.
2. Empfehlungen machen es unserem Gehirn einfach. Es favorisiert anstrengungslose Informationsverarbeitung. In Zusammenhang mit Marken ist dieses Phänomen ausgetestet. Starke Marken machen unserem Hirn die Arbeit leicht, denn es kennt die Marke, es versteht, wofür die Marke steht und braucht sich daher nicht abzumühen, sie zu decodieren. Schwache Marken hingegen sind anstrengend, weil zusätzliche Energie vonnöten ist, um sie zu entziffern. Und dabei können Fehler passieren. Unser Hirn ist aber ständig auf der Suche nach Risikominimierung - positive Erfahrungen hingegen sucht es zu maximieren. So machen uns Empfehlungen, wie starke Marke auch, das Leben einfach: sie reduzieren Komplexität, verschaffen Sicherheit und geben uns damit ein gutes Gefühl.
Gute Gefühle sind nun nichts anderes als das Ergebnis einer Ausschüttung von Glückshormonen - und dies wiederum macht uns süchtig. So werden beide Seiten, also der Empfehlende wie auch der Empfehlungsempfänger, wenn die gemachte Erfahrung eine positive war, dies wiederholen. Also in Zukunft öfter Empfehlungen aussprechen bzw. stärker auf Empfehlungen setzen. Empfehler, die uns derart gute Gefühle verschafft hat, werden wir stärker ins Vertrauen ziehen. Und die empfohlene Leistung, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben, werden wir zunehmend frequentieren – und ebenfalls weiterempfehlen. Ergo: Empfehlungen haben Suchtpotenzial. Denn sie versorgen uns mit Momenten des Glücks.
Empfehlungen sind doppelt wertvoll
Empfohlenes Geschäft ist quasi schon vorverkauft. Dies führt beim Empfehlungsempfänger zu einer positiveren Wahrnehmung, zu zügigen Entscheidungen, zu höherwertigen Abschlüssen und zu loyalerem Geschäftsgebaren. Und schnell zu neuem Empfehlungsgeschäft.
Aber das ist noch nicht alles. Im Rahmen einer experimentellen Untersuchung an der Universität Hamburg konnte nachgewiesen werden, dass sich Kunden nach Abgabe einer Empfehlung dem Unternehmen in stärkerem Maße verbunden fühlen. Ebenso konnte gezeigt werden, dass das Aussprechen einer Empfehlung eine positive Wirkung auf die Wiederkaufabsicht hat.
So ist es also doppelt sinnvoll, sein Empfehlungsgeschäft gezielt zu entwickeln. Es sorgt für kostengünstiges Neugeschäft sowie für einen Zuwachs an Kundenloyalität, sprich für längere Treue und vermehrte Käufe. Weiterempfehlungen sind somit das Wertvollste, das ein Unternehmen von seinen Kunden bekommen kann. Das Marketing und die komplette Vertriebsmannschaft müssen lernen, gezielt ihre Kunden als positive Kommunikatoren so mit einzubinden, dass diese zu aktiven Empfehlern werden.
Weitere Infos: www.empfehlungsmarketing.cc [88]
Das Buch zum Thema von Anne M. Schüller:
Zukunftstrend Empfehlungsmarketing - Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten [89]
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Kompetenz: Was macht einen Profi im Vertrieb wirklich aus?
Die Entwicklung kommt mit der Zeit, jedoch ist die Zeit kein Garant für die Entwicklung. Nur die bewusste und gezielte Entwicklung der eigenen Persönlichkeit kann zur Meisterschaft führen.
Erster Grad
Zu Beginn einer Vertriebskarriere stehen der unbedingte Wille und die Idee, vertrieblich erfolgreich zu sein. Wie ein Baby oder Säugling schreiend zur Welt kommt, verkündet der beginnende Vertriebler lautstark der Welt und den Firmen, „hier bin ich, ihr könnt kaufen, kaufen, kaufen …“. In manchmal aufdringlicher Art und Weise verkauft dieser „Vertriebsrambo“ im Markt.
Für ihn zählt nur das Ergebnis, nichts weiter. Er denkt nicht im Entferntesten daran, sich mit seinen eigenen Visionen oder den tatsächlichen Bedürfnissen seiner Kunden auseinanderzusetzen. Bestrebt in dem klaren Ziel, Erträge zu erwirtschaften, ist er ausschließlich an Techniken interessiert, die nur das zum Ziel haben. Er selbst verwirkt jedoch seine Chance, den nächsten Entwicklungsschritt eines Vertriebsprofis zu gehen.
Zweiter Grad
Der nächste natürliche Wachstumsschritt eines echten Vertriebsmitarbeiters ist durch die eigene Motivation geprägt, für sich, seine Produkte und die Kunden eine tragbare Vision zu entwickeln. Er beschäftigt sich also mit der Frage: Was ist zeitgemäß in meiner Branche und was kann ich heute tun, um auch morgen noch erfolgreich zu sein? Also was ist meine persönliche Vision als Verkäufer und wie kann ich diese für Kunden zum Ausdruck bringen? Und unweigerlich hat allein die Antwort für ihn zur Folge, dass er auch mit Kunden intensiver ins Gespräch kommt und auch bei denjenigen auf Resonanz stößt, die ihn bisher aufgrund seiner Profitorientierung ablehnten.
In diesem zweiten Entwicklungsgrad eines Verkäufers gibt es also Antworten auf die Frage: Was ist heute und morgen für mich und meine Kunden entscheidend, damit wir erfolgreich sind und bleiben? Er kann also im Kundengespräch für jetzt und morgen Lösungen bieten, die adäquat sind, wobei sicherlich der heutige wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund steht.
Kennzeichnend für diesen Grad ist auch das konkrete Interesse an weiterführenden Vertriebstechniken. Der Vertriebsmitarbeiter wird sich mit subtilen Techniken auseinandersetzen. Er wird sich mit den Geheimnissen der neurolinguistischen Programmierung im Verkauf vertraut machen und die manipulativen Techniken der Körpersprache erkennen. Weiterhin beschäftigt er sich auch mit Strategien und Taktiken in der Kundenansprache. Er ist sich an dieser Stelle ein Stück bewusster über die Wirkung seines persönlichen Auftritts und hat in jedem Fall ein Ass im Ärmel, um ein Kundengespräch zum Positiven zu wenden. Rhetorisch wird er sich verfeinern und auch mit dem Wortschatz so spielen können, dass er seine Verkaufserfolge erhöht. Und dennoch bleibt er bei manchen Kundenkontakten mit seiner Verkaufsstrategie erfolglos, weil er elementare Gesetze eines Verkaufsprofis nicht beachtet hat.
Dritter Grad
Hier spielt die strukturierte Herangehensweise an den Markt und an den Kunden sowie eine Systematik oder Ritualisierung der eigenen freien Ressourcen und Handlungen eine bedeutende Rolle. Der Vertriebsmann, der für höhere Vertriebsleistungen das Potenzial hat, erkennt die Notwendigkeit, sein eigenes Verhalten gegenüber sich selbst und den Kunden zu professionalisieren. Und hier scheitern viele, sogenannte Vertriebsprofis, an ihrer mangelnden Selbstdisziplin. An dieser Stelle sind das System des Vertriebserfolges zu optimieren und folgende Fragen zu beantworten:
- Wie können wir den Vertriebsablauf und das Gespräch verbessern?
- Oder wollen wir unseren Kunden weiterhin ewige Monologe und leere Worthülsen zumuten?
Um den dritten Grad zu erreichen, geht es also um Effizienz im eigenen Handeln und die Selektion der richtigen Kunden. Auch können in dieser Stufe die Gesprächstechnik und der Gesprächsablauf so systematisiert werden, dass die Abschlusswirkung deutlich erhöht wird. Für den Vertriebsmitarbeiter bedeutet dies, auch zu erfassen, welche Potenziale bei einem Kunden möglich sind. Er wird für die Auswahl der zu gewinnenden Firmen eine Entscheidungsmatrix entwickeln, die ihn dabei unterstützt, die „dicken Fische“ zu erkennen und dabei eine konkrete Vorgehensweise zu definieren, die ihm bei seinem Vertriebserfolg zu großen Abschlüssen verhilft. Er lernt an dieser Stelle die schnelle und gewissenhafte Recherche über seine Kunden, Interessenten und Ansprechpartner, weil er sich darüber bewusst ist, dass eine exzellente Vorbereitung auf das Gespräch eine wirkungsvolle Unterstützung für seinen Erfolg ist.
Er handhabt das Angebotswesen und allen „Papierkram“ auf eine einfache und für den Kunden angenehme Art, sodass dies nicht mehr als lästig empfunden wird, sondern einfach von der Hand geht. An dieser Stelle können wir sicherlich schon von einem weiterentwickelten Vertriebsmitarbeiter sprechen, wobei immer darauf zu achten ist, auf welchem Niveau das Ganze gelebt wird. Alle der bisher genannten Entwicklungsstufen können natürlich völlig roh und etikettenlos oder stilvoll und elegant durchgeführt, das heißt auf einem niedrigeren oder hohen Niveau erlebt werden. Doch nur, wer in jeder der bisher genannten Stufen eine bestimmte Kultivierung und ein höheres Niveau erreicht hat, dem ist es möglich, den ersten Meisterschaftsgrad im Vertrieb anzustreben.
Vierter Grad - Erster Meisterschaftsgrad
Dieser Meisterschaftsgrad zeichnet sich durch die ethische Kultivierung des Verkaufsverhaltens aus, sofern man hier überhaupt noch von Verkaufsverhalten sprechen kann. Gemeint ist darin, dass sich der Vertriebsmitarbeiter folgende Fragen bewusst beantwortet: Wie möchte ich tatsächlich mit mir, meinen Kunden, Interessenten und Mitarbeitern umgehen? Was ist der soziale Anspruch, der meinem Handeln zugrunde liegt und wie wertschätze ich die Menschen, die mir im Verkaufsprozess begegnen?
An dieser Stelle steht die Erkenntnis, dass auch emotionale Bürden zu tragen sind und nicht jedes Verhalten eines Kunden ertragen werden muss. Wer diesen Grad erreicht hat, kann sich sicherlich Profi nennen, denn er erreicht Umsatz nicht durch naiven Verkauf, sondern durch seine entwickelte Persönlichkeit, die beim potenziellen Kunden eine so nachhaltige Wirkung hat, dass dieser sich in bester Gesellschaft fühlt und bereit ist, jeden sinnvollen Weg mitzugehen. An dieser Stelle der Entwicklung sind nun also die vier wichtigsten Managementkräfte entfaltet und haben ihren Raum und ihre Berechtigung. Es ist also der kritische Dialog von Erlös heute, Zukunftsmanagement, Systemoptimierung und menschlichen Idealen, die Ihren Platz gefunden haben. Ihren Platz im täglichen Denken, Handeln und Wirken eines meisterschaftlichen Vertriebsmitarbeiters.
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Messeauftritt: Technische Güter und Industriedienstleistungen auf Messen präsentieren
2009 finden in Deutschland allein „138 überregionale Messen“ statt. Und der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e. V. (AUMA) erwartet, dass die Besucher- und Ausstellerzahlen „der Vorveranstaltungen (dieser Messen) im Durchschnitt weitgehend gehalten werden können, trotz deutlich verschlechterter Konjunkturlage in zahlreichen Branchen und zu erwartender Sparmaßnahmen der Unternehmen.“ Das zeigt, welche Bedeutung Messen im Marketing-Mix der (deutschen) Unternehmen haben. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass die 2008 auf Messen in Deutschland vertretenen Unternehmen laut AUMA-Schätzungen fast 7 Milliarden Euro in ihre Messeaktivitäten investierten.
Diese Zahl macht aber zugleich deutlich, welch hohe Kosten den Unternehmen durch ihre Messeteilnahme entstehen. Deshalb fragten sich manche von ihnen, ob die in Messen investierten Marketinggelder in einer gesunden Relation zum Ertrag stehen? Manche kamen dabei zum Schluss, dass sie diese Gelder effektiver einsetzen können – zum Beispiel für Direktmarketingaktivitäten. Andere Unternehmen gelangten hingegen zur Erkenntnis: Wir können auf das Kontaktmedium Messe nicht verzichten. Sie fragen sich jedoch weiterhin: Wie können wir die Kosten-Nutzen-Relation verbessern?
Produkte sind nicht selbsterklärend
Besonders scharf stellt sich diese Frage für Hersteller erklärungsbedürftiger (Investitions-) Güter – zum Beispiel die Produzenten von Bauteilen und Produktionsmaschinen; des Weiteren für Industriedienstleister. Denn sie stehen beim Präsentieren ihrer Produkte und Dienstleistungen auf Messen vor besonderen Schwierigkeiten. Sie können zum Beispiel im Gegensatz zu Herstellern von Gebrauchsgütern wie Kochtöpfen oder Zahnbürsten nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass sich der Nutzen ihrer „Produkte“ den Besuchern von selbst erschließt. Er muss ihnen vielmehr in der Regel erläutert werden.
Eine weitere Besonderheit ist: Hersteller von erklärungsbedürftigen Gütern – wie Computer- und Fertigungsanlagen – können ihre Produkte auf Messen oft nicht ausstellen. Sei es, weil diese zu groß sind oder weil es sich hierbei stets um maßgeschneiderte Problemlösungen für die Kunden handelt. Und wenn sie ihre Produkte wie Maschinen doch ausstellen können? Dann können sie diese auf dem Stand zumeist nicht im Einsatz zeigen. Also können den Standbesuchern deren Leistungsmerkmale sowie Vorzüge nur mit Worten und Bildern beschrieben werden.
Hieraus resultieren besondere Anforderungen an das Standpersonal, denn: Wenn das Produkt nicht für sich spricht, dann müssen die Standmitarbeiter sozusagen für das Produkt sprechen. Ihnen fällt die Aufgabe zu, den Besuchern
- die Kompetenz des Unternehmens und
- den Nutzen seiner Produkte / Dienstleistungen
so zu verdeutlichen, dass bei ihnen das Gefühl entsteht: „Diese Leistung könnte mir einen Nutzen bieten.“ Oder im Idealfall: „Diese Leistung muss ich haben.“ Dies ist vielen Standmitarbeitern nicht ausreichend bewusst. Und selbst erfahrenen Verkäufern fällt es oft schwer, diese Aufgabe auf Messen kompetent wahrzunehmen.
Messe: Für Verkäufer unbewohntes Terrain
Hierfür gibt es mehrere Gründe. Gerade die Verkäufer von Herstellern von Industriegütern sind es gewohnt, dass sie bei Kundenbesuchen einen festen Termin haben; zumeist kennen sie auch den Namen und die Funktion der Person, mit der sie einen Termin vereinbart haben. In der Regel können sie auch den Bedarf ihres Gesprächspartners beziehungsweise seines Unternehmens grob einschätzen – beispielsweise aufgrund der Vorgeschichte des Kunden oder aufgrund der Vorgespräche. Deshalb ist eine gezielte Gesprächsvorbereitung möglich.
Anders ist dies auf Messen. Hier müssen die Verkäufer aktiv auf „Fremde“ zugehen. Hier müssen sie sich nach dem Bedarf von Personen erkundigen, von denen sie oft nicht einmal wissen, warum sie den Stand ihres Unternehmens aufgesucht haben und inwieweit bei ihnen überhaupt Interesse an einem Gespräch besteht.
Deshalb kämpfen selbst erfahrene Vertriebsmitarbeiter auf Messen oft mit ähnlichen mentalen Barrieren wie bei der telefonischen Kalt-Akquise. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie nicht wissen: Wie kann ich auf Messen, bei denen viele Gespräche – ähnlich wie bei einem Stehempfang – „en passant“ geführt werden, Kunden ansprechen und mich nach ihrem Bedarf erkundigen, ohne aufdringlich zu wirken? Dieses Thema wird in Messetrainings oft nicht ausreichend erörtert.
Zentrales Ziel: In Kontakt mit Neukunden kommen
Noch wichtiger ist es aber, dass den Standmitarbeitern im Vorfeld vermittelt wird: Welche (Teil-) Ziele im Marketing- und Vertriebsprozess verfolgt das Unternehmen mit dem Besuch der Messe? Oft hat man als professioneller Messebesucher bei Gesprächen mit dem Standpersonal den Eindruck: Die Standmitarbeiter wissen überhaupt nicht,
- warum ihr Unternehmen auf der Messe ist und
- welche Teilziele im Marketing- und Vertriebsprozess es hiermit verfolgt.
Deshalb ist ihnen auch nicht klar, was ihre Aufgabe und Funktion auf Messen ist. Die Folge: Gerade die professionellen Verkäufer sind nach ein, zwei Messetagen oft frustriert. Warum? Sie gewinnen den Eindruck: „Das bringt nichts! Hier werden nur unverbindliche Gespräche, also Gespräche ohne Vertragsabschluss mit irgendwelchen Leuten, die wir nicht kennen, geführt.“ Entsprechend unmotiviert stehen sie nach ein, zwei Tagen oft in der Ecke.
Der Grund: Ihnen ist nicht ausreichend bewusst, dass es nicht die zentrale Funktion von Messen ist, irgendwelche (im Vorfeld meist bereits ausgehandelte) Kontrakte unter Dach und Fach zu bringen. Viel wichtiger ist es, mit potenziellen Neukunden in Kontakt zu kommen und mit ihnen erste zarte Bande zu knüpfen – die nach der Messe Schritt für Schritt zu Kundenbeziehungen ausgebaut werden können.
Aus dem Messeziel die Aufgaben ableiten
Diesen Punkt sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern bei deren Vorbereitung auf Messen stärker ins Bewusstsein rufen – gerade weil sich der Verkaufsprozess bei komplexen sowie erklärungsbedürftigen Industriegütern und -dienstleistungen oft über Monate, teils sogar Jahre erstreckt. Deshalb ist für die einzelnen (Stand-) Mitarbeiter oft nicht erkennbar, welchen Beitrag sie mit ihrer Arbeit auf der Messe zum Gelingen des Gesamtprozesses leisten.
Weil ihnen dies nicht ausreichend bewusst ist, ist den Standmitarbeitern oft auch nicht klar, was ihre zentralen Aufgaben auf Messen sind. Sie lauten in der Regel:
- Kontakte mit potenziellen (Neu-) Kunden anbahnen,
- ihr Interesse an den Produkten / Dienstleistungen des Unternehmens wecken und schüren,
- die relevanten Besucher- / Interessentendaten sammeln und
- diese Daten so dokumentieren, dass der Vertrieb aus den Interessenten nach der Messe mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Kunden machen kann.
Weil ihnen diese Aufgaben nicht ausreichend bewusst sind, fühlen sich die Standmitarbeiter auf dem Messestand oft nicht nur verloren, sie zeigen häufig auch ein Verhalten, das den Messezielen widerspricht. Entsprechend wichtig ist es, dass die Unternehmen ihren Mitarbeiter im Vorfeld der Messen schärfer den Zusammenhang zwischen ihrer Tätigkeit und den Messenzielen vermitteln.
Denn nur wenn als Standmitarbeiter eingesetzten Verkäufer wissen, welche Teilziele im Marketing- und Vertriebsprozess ihr Unternehmen mit dem Messebesuch verfolgt, können sie auch die Bedeutung ihrer Aufgaben auf der Messe richtig einschätzen. Und nur dann wird ihnen auch klar, warum von ihnen auf dem Messestand ein bestimmtes Vorgehen und Verhalten gefordert ist – ein Verhalten, das zuweilen sogar ihrem Verhalten im Verkäuferalltag widerspricht.
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Kundendaten: Langfristig die "richtigen" Kunden halten
Wenn Alexander Müller einkaufen geht, dann nimmt er in der Regel eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rollen ein. So macht er beispielsweise mit der B2C-Abteilung eines Unternehmens Geschäfte, die elektronische Geräte für den Hausgebrauch verkauft. Dabei schlüpft er in die Doppelrolle von Ehemann und Käufer, weil er ein Notebook für seine Frau kauft, die wiederum als die Nutzerin des Produktes beschrieben werden kann. Zur gleichen Zeit macht Kunde Müller aber auch Geschäfte mit der B2B-Abteilung dieser Firma, die auch elektronische Geräte für den geschäftlichen Einsatz verkauft. Denn in seiner Rolle als Chief Technology Officer (CTO) eines Betriebes hat er dort gerade 500 Notebooks bestellt.
Als Lieferant von Laptop und Notebooks wäre es für ein Unternehmen nun sinnvoll, diese unterschiedlichen Rollen des Kunden Alexander Müller zu kennen. Denn was passiert beispielsweise, wenn es Probleme beim Installieren der Software auf dem Notebook der Ehefrau gibt, sie deswegen das Notebook nicht nutzen kann und sich deshalb bei ihrem Mann beschwert?
Betrachtet man nur die B2C-Rolle des Kunden Müller, ist sein Anteil an der Wertschöpfung des Unternehmens nicht sonderlich groß, eine potenzielle Verärgerung des Kunden im Zweifelsfalle also verkraftbar für das Unternehmen. Aber als Kunde des B2B-Bereichs sieht das dagegen ganz anders aus. Um ihn in dieser Funktion also dauerhaft zu behalten, sollte man möglichst jede Verärgerung vermeiden. Doch das geht nur, wenn man seine beiden Rollen kennt – inklusive der Bedeutung der Ehefrau als eigentliche Produktnutzerin.
Datenqualität muss stimmen
Ohne eine einheitliche Sicht auf die Kunden ist dies allerdings nicht zu machen. Und gerade deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf Lösungen für das Customer Relationship Management (CRM). Der Vorteil: in einem solchen System werden alle relevanten Kundeninformationen aus den verschiedenen IT-Systemen an einer einzigen Stelle zusammengefasst. Nutzen kann man diesen Vorteil allerdings nur, wenn auch die Datenqualität stimmt, wirklich alle vorhandenen Informationen zusammenfließen und andererseits Dubletten bei den Adressdaten vermieden werden. Doch genau an dieser Stelle gibt es in vielen Firmen noch Optimierungsbedarf.
Bei einem "CRM Performance Test", den die Münchener Agentur Woelke von der Brüggen im vergangenen Herbst durchgeführt hat, zeigte sich: knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen können den Erfolg ihrer CRM-Maßnahmen nicht einmal messen. Über 70 Prozent der Firmen arbeiten mit inkonsistenten Daten und nur knapp 30 Prozent der Befragten haben alle Quellen der Neukundengewinnung durch ihr CRM-System abgedeckt.
Akuter Handlungsbedarf besteht auch beim Thema Datenzugriff, denn 17 Prozent der Befragten pflegen ihren eigenen Kundendatenbestand mit großem Zeitaufwand in unterschiedlichen Applikationen. Aus diesem Grund sind geschäftsrelevante Daten oft nicht für alle Mitarbeiter einfach und sicher zugänglich. Nur 36 Prozent aller befragten Unternehmen können mobil auf wichtige Kundendaten zugreifen, was für Mitarbeiter im Außendienst ein entscheidendes Erfolgskriterium ist.
Viele Firmen – so ein Ergebnis der Befragung – arbeiten allerdings daran, eine konsolidierte Datenbasis zu schaffen: immerhin 42 Prozent der Unternehmen halten ihre Kundendaten bereits zentral vor. Doch was die Datenqualität betrifft, müssen die meisten Firmen noch aufholen: wie die Umfrage ergab, verzeichnen über 70 Prozent der Unternehmen Dubletten in ihrem Datenbestand. Und das besonders Erstaunliche: ein Viertel der Befragten ändert erst gar nichts an der Adressqualität Ihrer Kundendaten, da eine manuelle Korrektur zu aufwändig wäre. Lediglich 16 Prozent der befragten Unternehmen sind sich sicher, dass bei ihnen keine doppelten Datensätze vorliegen.
Kundenbezogene Auswertungsmöglichkeiten fehlen
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Ergebnis zu den kundenbezogenen Auswertungsmöglichkeiten der vorhandenen Informationen: Lediglich 34 Prozent nutzen die technischen Möglichkeiten hier vollständig und können schnell und einfach angepasste kundenbezogene Reports erstellen.
66 Prozent der Befragten können dagegen keine aussagekräftigen Analysen durchführen. Auch in der Vertriebssteuerung verstecken sich unausgeschöpfte Potenziale: 79 Prozent der Befragten nutzen noch nicht die heutigen Möglichkeiten für einfache und individuelle Vertriebsprognosen.
"Bisher ist es mit unserem CRM-System nicht möglich, Cross- und Upselling-Potenziale zu ermitteln", gaben 34 Prozent der Befragten an. Ein weiteres Drittel der Unternehmen weiß von der Vertriebshistorie der Kunden, allerdings fehlen produktbezogene Daten, um feststellen zu können, wo mögliche Vertriebspotenziale überhaupt liegen. Für 71 Prozent der Befragten ist es gar nicht möglich, Verkaufschancen gezielt zu identifizieren.
Automatisierte Auswertungen lassen sich derzeit erst in den wenigsten CRM-Systemen vornehmen. 60 Prozent der befragten Unternehmen können deshalb die "richtigen" Kunden nicht zielgerichtet und effizient ansprechen. Bei 33 Prozent liegt es an mangelhaften Kundendaten, 20 Prozent können nicht entsprechend segmentieren.
Neue Initiative
Dass es aber durchaus auch anders gehen kann, hat zuletzt Human Inference, einer der europäischen Marktführer bei Datenqualitätslösungen, mit seiner Initiative "Was wissen Sie über Ihre Kunden?" bewiesen. Ihr Ziel ist es, das Thema Kundendaten und Kundendatensysteme aus unterschiedlichen Perspektiven zu analysieren und zu diskutieren. Forschungsprojekte gehören dabei ebenso dazu wie Frühstücksseminare und die Online-Plattform www.waswissensieueberihrekunden.de [90] .
In den Niederlanden, wo diese Initiative zuerst gestartet wurde, ist sie bereits auf eine große Resonanz gestoßen. Dort beteiligt sich auch das Beratungsunternehmen Capgemini Nederland BV zusammen mit Human Inference an einer Allianz, die größere Unternehmen mit komplexen Datenbankstrukturen beim Schaffen einer einheitlichen Sicht auf die Kunden unterstützen will. Denn auf dem Gebiet des "Master Data Management" (MDM) für Kundendaten gibt es noch erhebliche Lücken, die nun durch eine gemeinsame Anstrengung geschlossen werden sollen.
[Bild: ©puje - Fotolia.com]
Networking-Event: Mit Networking neue Geschäftskontakte knüpfen
1. Authentizität
Netzwerken und Akquise gehören für viele Selbständige zu den unangenehmsten Aufgaben überhaupt. Vielleicht verbinden auch Sie damit, sich anbiedern und Anderen etwas aufschwatzen zu müssen. Vielleicht haben Sie, wie viele andere, unangenehme Erfahrungen mit (Telefon-) Akquise hinter sich oder erinnern sich an grausige Visitenkartenpartys. Und auf Basis dieser Erfahrungen haben Sie eine Abneigung oder gar Angst vorm Akquirieren entwickelt.
Was passiert jedoch, wenn Sie Netzwerke für sich neu definieren? Ersetzen Sie das mühsame "Ich muss mich präsentieren" durch "Ich kann mich ungezwungen mit angenehmen Menschen unterhalten" - und plötzlich bekommt Akquise einen neuen Anstrich! Sie brauchen sich nicht verbiegen, nicht verstellen, verkleiden oder anbiedern. Sie müssen nicht mit Menschen sprechen, die Sie unsympathisch finden. Seien Sie Sie selbst. Wenn Sie authentisch sind, werden Sie am erfolgreichsten agieren und vor allem, Sie werden am meisten Spaß dabei haben. Auf jedem Networkingevent wird jemand sein, den Sie mögen. Und da Sympathie etwas Gegenseitiges ist, wird auch Ihr Gegenüber Sie mögen. Und wenn Sie sich selbst treu bleiben, werden Sie sich am leichtesten unter allen Teilnehmern finden.
2. Vorbereitung
Sie als Unternehmer sind integraler Teil und Repräsentant Ihrer Dienstleistung. Wenn Sie sich auf Veranstaltungen begeben, wird Ihre Dienstleistung und Ihre Qualität durch Ihre Erscheinung bewertet. Unterschätzen Sie das nicht. Überlegen Sie nochmals, was Ihr Unique Selling Proposition (USP) ist und überdenken Sie, was das für Ihre Erscheinung auf Veranstaltungen bedeutet. Wenn Sie Ihre Dienstleistung beispielsweise als Qualitätsmarke etablieren wollen, müssen Ihre Visitenkarte, Ihre Schuhe, Ihr Anzug, Schmuck, Gürtel, Haarspange, Tasche, etc. dazu passen. Dann darf die Visitenkarte nicht auf billiger Pappe mit Druckerei Logo auf der Rückseite gedruckt sein.
Sie und Ihre Gesamterscheinung sind sozusagen die Verpackung Ihres Produktes. Und eine Chaneltüte sieht nun mal anders aus als eine H&M-Tüte. Die Uniformen von IBIS-Hotel-Mitarbeitern sehen anders aus als die vom Ritz-Carlton. Nichts ist unglaubwürdiger als jemand, der eine hochpreisige Dienstleistung verkaufen will und selbst mit billigen Schuhen, ausgebeultem Anzug, ausgewachsenem Haarschnitt, ohne Gürtel und billiger Visitenkarte auftaucht. Der Kunde könnte denken: „Wenn er an sich spart, wie sorgfältig wird er dann mit meinem Auftrag umgehen?“
Passen Sie Ihre Visitenkarte und Ihre Kleidung an Ihren USP an, bzw. überarbeiten Sie Ihren USP, damit er authentisch bleibt. Das ist eine strategische Entscheidung. Und nochmals, bleiben Sie sich selbst treu. Seien Sie nicht aufgesetzt. Aber bedenken Sie: Sie sind der erste Eindruck, die Verpackung, der Vertrauensbilder, das Versprechen. Sie wirken.
3. Gästeliste
Schauen Sie, ob es möglich ist, sich die Gästeliste im Voraus anzusehen. Bei Veranstaltungen, die über www.xing.com organisiert sind, ist das normalerweise möglich. Und bei vielen anderen auch. Schauen Sie, ob Sie bereits jemanden kennen. Vielleicht wollen Sie die Person vorher anschreiben und sich dort verabreden. Neuen Netzwerkern hilft es, vor Ort schon jemanden zu haben, den man kennt. Oder vielleicht ist auf der Liste jemand, den Sie kennenlernen wollen. Merken Sie sich Namen, Gesicht und etwas zu der Person, dann können Sie sie vor Ort gleich direkt ansprechen und haben ein Thema zur Gesprächseröffnung.
4. Vor Ort
Auch wenn es anfangs schwerfällt: Gehen Sie alleine!
Sie wollen neue Kontakte machen. Wenn Sie zu zweit hingehen, werden Sie weder angesprochen, noch brauchen Sie auf jemanden zugehen. Sie haben ja schon einen Gesprächspartner. Aber Sie wollen ja neue Menschen kennenlernen. Also: gehen Sie alleine (oder wenn zu zweit, dann trennen Sie sich am Eingang! Aber das funktioniert fast nie, dem inneren Schweinehund sei dank...).
Wenn Sie merken, dass Sie unsicher sind, haben Sie die Möglichkeit den Veranstalter zu bitten, Sie einem anderen Besucher vorzustellen. Das ist völlig ok und eine gängige Praxis. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie sich einfach zu anderen dazu stellen. Sie werden merken: Alle sind froh, wenn sie angesprochen werden. Alle. Versprochen! Denn alle gehen hin, um neue Kontakte zu machen.
5. Gesprächseinstieg
Die Hemmung auf andere zuzugehen, liegt oft am Gesprächseinstieg und der Angst abgewiesen zu werden. Ein wenig, wie früher in der Disko: „Wie spreche ich den gut aussehenden Unbekannten bloß an?“ Aber was haben wir seit dem gelernt? Wenn der gut aussehende Unbekannte mich auch attraktiv findet, kam es zum Gespräch, egal wie blöd der erste Spruch war. Wenn wir uns nicht mochten, kam es nicht zum Gespräch. Beim Netzwerken ist es sehr ähnlich. Nur dass es weniger emotional ist, schließlich steht Ihr Herz nicht auf dem Spiel.
Entsprechend ist der Gesprächseinstieg im Grunde völlig egal. Wirklich. Sie können sagen "Und, was machen Sie beruflich?", oder "Die Location gefällt mir, was meinen Sie?" oder "Hatten Sie auch Glück bei der Parkplatzsuche?" oder "Waren Sie schon öfters hier?" Stellen Sie einfach eine offene Frage, denn damit kommen Sie am einfachsten ins Gespräch.
6. Gesprächsatmosphäre
Wie gesagt, wenn man sich sympathisch ist, bleibt man im Gespräch. Wenn nicht, ist das auch ok. Uns muss nicht jeder mögen, wir mögen schließlich auch nicht alle. Dann bedanken Sie sich für das Gespräch und ziehen weiter - etwa mit "Danke für das Gespräch, hat mich gefreut, hier ist meine Karte, ich zieh jetzt mal weiter, bis später." Weiterziehen wird Ihnen niemand übel nehmen. Alle sind ja da, um neue Kontakte zu machen.
Wenn sich jemand zu lange mit Ihnen unterhalten will, können Sie sich auch höflich verabschieden, in dem Sie sich für das Gespräch bedanken und mit dem Hinweis, dass Sie sich gerne noch den anderen Teilnehmern vorstellen möchten.
Seien Sie aber auch unbedingt aufmerksam für die Stimmung Ihres Gegenübers und reagieren Sie auf Signale von Unaufmerksamkeit. Vielleicht langweilt er sich oder möchte jemand anderes begrüßen? Geben Sie Spielraum und verabschieden Sie sich höflich.
7. Gesprächsverlauf
Haben Sie einen interessanten Gesprächspartner gefunden? Jemanden, den Sie sympathisch finden und der Sie sympathisch zu finden scheint? Dann verweilen Sie. Stellen Sie Fragen. Wer fragt, der führt! Hören Sie zu. Hören Sie aufmerksam zu. Stellen Sie weiterführende Fragen. Die meisten Menschen reden gerne über sich und finden das Gespräch wunderbar, wenn sie die ganze Zeit über sich erzählen dürfen. Und durch Ihre Fragen bekommen Sie wertvolle Informationen, die Sie sich bitte merken. Wenn Sie zu viel von sich selbst erzählen, verpassen Sie etwas, nämlich den Menschen, den Sie kennenlernen wollten.
8. Gesprächsthemen
Bei einem ersten Kontakt auf einem Networking-Event geht es nicht um Kompetenz und Fachwissen. Hier geht es darum, dass sich zwei Menschen kennenlernen und mögen oder nicht mögen. Wenn Sie jemanden nicht mögen, werden Sie von ihm nichts kaufen wollen, egal wie toll das Produkt ist. Und umgekehrt ist es genauso. In diesem ersten Schritt geht es wirklich nur um Sympathie. Ich wiederhole mich, ich weiß. Aber es ist erschreckend, wie selten diese einfache Botschaft umgesetzt wird.
Also vermeiden Sie es, sich und Ihre Dienstleistung im Detail zu präsentieren. Es sei denn, jemand hat wirkliches Interesse daran und fragt kontinuierlich nach. Seien Sie lieber Mensch und versuchen Sie etwas über Ihr Gegenüber zu erfahren. Hobbys, Reisen, Interessen, Autos, Freizeit etc. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten, nach etwas, das Sie beide verbindet, über das Sympathie aufgebaut wird. Natürlich erwähnen Sie im Nebensatz, was Ihre Profession ist. Vielleicht erzählen Sie auch mal kurz von den Erfolgen Ihrer Kunden. Aber lassen Sie lieber Ihr Gegenüber erzählen. Gerne auch über seinen Job und die Bedürfnisse seiner Firma. So kommen Sie nämlich zu den wichtigen Anknüpfungspunkten, die Sie in einem Folgegespräch nutzen können.
9. Gesprächsabschluss
Wenn Sie jemanden Interessantes kennengelernt, sich über Gott und die Welt ausgetauscht haben und das Gespräch dem Ende zu geht, muss zum Abschluss Ihr Fuß ins Spiel kommen. Der berühmte Fuß in die Tür. Sie haben sich nämlich nett unterhalten. Aber Sie gehen ja zum Networking nicht nur um Spaß zu haben, sondern auch deswegen, weil Sie neue Geschäftskontakte knüpfen möchten. Über Ihr Gespräch ist die berühmte Tür ein spaltweit offen. Nutzen Sie diesen Spalt, solange er offen ist. Lassen Sie nicht die Zeit vergehen. Dann schließt sich die Tür nämlich wieder.
Am besten ist es, wenn Sie zum Gesprächsabschluss einen Anker werfen und gemeinsam verabreden, ob und wie es mit Ihnen weiter geht. So können Sie etwas Ähnliches sagen wie "Ich fand das Gespräch mit Ihnen wirklich spannend und würde es gerne ein anderes Mal weiterführen. Was halten Sie davon, wenn ich Sie in den nächsten Tagen anrufe, und wir machen einen Termin aus?" Sagen Sie so etwas aber nur, wenn Sie es wirklich meinen und nicht, um jemanden abzuwimmeln. Bleiben Sie ehrlich. Sie brauchen keine Notlügen. Aber Visitenkarten, also sammeln Sie diese ein und nutzen Sie sie!
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Vertragsgestaltung: Handelsvertreter als Türöffner für den spanischen Markt
Spanien bietet für deutsche Unternehmen einen attraktiven Markt – zumal von hier aus auch gut Drittmärkte wie Portugal, Lateinamerika und Nordafrika bedient werden können. Dr. Astrid Dorfmeister von der Anwaltskanzlei Dr. Frühbeck Abogados S.L.P. in Barcelona kennt die Branche. Als Expertin betreut sie über das Beratungsnetzwerk Geneva Group International (GGI) internationale Firmen bei der Erschließung des spanischen Marktes. Dormeister weiß:
„Wer Spanien mit seinen Produkten schnell erschließen möchte, für den können Handelsvertreter oder sogenannte Vertriebshändler die erste Wahl sein. Allerdings sind einige Besonderheiten des spanischen Rechts zu beachten. Das gilt insbesondere für die spanischen Ansprüche bei einer Vertragsbeendigung, da diese vom europäischen Standard abweichen.“
Spanische Handelsvertreter als hilfreiche Partner
Handelsvertreter sind in vielen Fällen nicht nur eine schnelle, sondern oft auch eine kostengünstige Variante des Markteintritts.
- Sie erschließen einen neuen Markt autonom,
- arbeiten meist auf Provisionsbasis,
- betreiben eigenständig Werbung,
- beobachten die Marktentwicklung und
- übernehmen selbst das Inkasso von Außenständen.
Die Verträge können befristet oder unbefristet geschlossen werden, erläutert Dorfmeister. Ein auf bestimmte Zeit geschlossener Vertrag, der nach Ende seiner Laufzeit von beiden Parteien fortgesetzt werde, gelte dann jedoch als Vertrag auf unbestimmte Zeit.
Vorsicht bei der Vertragsgestaltung
Und das hat Folgen: Entgegen der EU-Richtlinie 86/653/EWG, die dem Handelsvertreter bei Beendigung des Vertrages entweder einen Ausgleichsanspruch oder einen Schadensersatzanspruch gewährt, kann der Handelsvertreter laut spanischem Recht beide Ansprüche gleichzeitig geltend machen. Und zwar immer dann, wenn der Unternehmer einen auf unbestimmte Zeit geschlossenen Vertrag einseitig kündigt. Dorfmeister erläuter:
„Der Ausgleichsanspruch kompensiert, dass der Handelsvertreter während der Vertragslaufzeit einen Kundenstamm geschaffen bzw. gepflegt hat, der in Zukunft nur noch dem Unternehmen Vorteile bringt.“
Er orientiert sich an der Vertragslaufzeit und der durchschnittlichen Jahresprovision. Schadensersatz hingegen gibt es für den dem Handelsvertreter durch eine einseitige Kündigung entstehenden Sach- bzw. Vermögensschaden. Hinzu kommt, dass der Unternehmer jene Ausgaben auszugleichen hat, die der Handelsvertreter in Ausführung seines Vertrages und auf Empfehlung des Unternehmers getätigt hat und die sich nicht mehr amortisieren können.
Für den Vertragsschluss mit einem Handelsvertreter rät Dorfmeister außerdem: Die Parteien sollten von vornherein die Gesetzgebung des Ortes, an dem der selbstständige Handelsvertreter ansässig ist, zur Grundlage nehmen. Teilweise seien abweichende Vereinbarungen ungültig, etwa nach dem spanischen Agenturgesetz. Und dann müssten sich die Unternehmen später unter Zugzwang auf ein ihnen nicht vertrautes Recht einstellen.
Auch die Kooperation mit Vertriebshändlern erfordert eine gute rechtliche Vorbereitung. Vertriebshändler sind natürliche oder juristische Personen, die für einen Zeitraum befugt sind, in eigenem Namen die Erzeugnisse des Herstellers und dessen Marke anzuwenden sowie Geschäfte abzuschließen. Dabei handele es sich um eine atypische Rechtsfigur, die in Spanien keinen ausdrücklichen Regulierungen unterliege, sagt Dorfmeister. Für Vertriebshändler gelten die grundsätzlichen Prinzipien des spanischen Agenturgesetzes sowie eine vielfältige, zu diesem Thema auf Basis des spanischen Bürgerlichen Gesetzbuches ergangene Rechtsprechung. Da ersparen klare Regelungen im Vorfeld viel Ärger.
[jf; Quelle: Geneva Group International; Bild: Designer_Andrea - Fotolia.com]
Telefonakquise: Mit Recherche und Empathie erfolgreich neue Kunden gewinnen
Zu oft laufen Gespräche in der Telefonakquise leider ab wie hier:
"Guten Tag Frau Igel, mein Name ist Karsten Klaus. Ich rufe von der Firma xxx, Ihrem Mobilfunkanbieter an. Frau Igel, ich wollte Ihnen die tolle Neuigkeit verraten, dass es jetzt DSL auch in Ihrer Wohnung in der Hasenstraße von uns gibt. Ist doch toll, oder?"
"Ähm, es ist 20.15 Uhr und ich wollte eigentlich gerade fernsehen..."
"Ja, aber wie sieht es denn mit DSL aus, wäre das was für Sie?"
"Also, ich hab schon DSL, brauche also keins und im Übrigen bin ich auch gerade umgezogen und wohne gar nicht mehr in der Hasenstraße. Wo Sie mich schon anrufen, können Sie das bitte in Ihrem System aktualisieren?"
"Das tut mir leid, Frau Igel, da müssen Sie bitte bei unserem Kundenservice anrufen. Aber wie sieht es denn nun mit DSL aus? Wir haben da einen Sondertarif, mit dem Sie einen ganz tollen Bonus ..."
"Wie ich bereits sagte: Ich habe bereits ein DSL und brauche kein zweites. Und ich möchte nun fernsehen. Auf WIEDERHÖREN!"
Es sind Gespräche wie diese, die zwar jeder kennt, aber niemand mag. Und da geht es beiden Seiten gleich. Auch diese Telefonverkäufer fühlen sich in solchen "Gesprächen" nicht wohl. Wobei "Gespräch" hier kein treffender Ausdruck ist. Denn sie führen keine echten Gespräche mit uns, sie spulen auswendig gelernte Sätze herunter, akzeptieren unsere Einwände nicht, sondern reden einfach weiter, versuchen abzulenken und uns platt zu reden. Sie kennen uns nicht, sie hören uns nicht, sie sehen uns nicht und verstehen tun sie uns schon lange nicht.
Mit solchen Vorbildern vor Augen ist es nicht leicht, sich selbst in der Rolle des Telefon-Akquisiteurs zu sehen. Schließlich haben wir berechtigte Hemmungen, mit potenziellen Kunden genau die Gespräche zu führen, die wir selbst eigentlich unerträglich finden. Nein, so wollen wir nicht sein. Dann lieber gar nicht verkaufen und verarmen! Naja, das ist leider auch keine Option.
Doch Telefonakquise muss nicht so sein. Sie können sich individuell auf Ihren Gesprächspartner einstellen und ein echtes Gespräch führen. Sie müssen nichts auswendig lernen und niemanden überrumpeln. Sie können einfach Sie selbst bleiben und doch erfolgreich verkaufen. Wie das geht? Mit Recherche und Empathie.
Recherche: Ansatzpunkte für ein individuelles Gespräch finden
Wenn Sie sich im Vorfeld gut informiert haben, können Sie auch leichter ins Gespräch kommen und kundengerecht argumentieren. Denn durch einen spezifischen, individuellen Grund für das Gespräch fühlt sich der Angerufene sofort wertgeschätzt und persönlich angesprochen. Er ist keine Nummer, nicht der 50. aus einer endlosen Liste, die der Anrufer anruft. Stattdessen merkt der Angerufene, dass sich der Anrufer vorbereitet hat. Da hört man sofort ein wenig aufmerksamer zu. Man ist weniger genervt von dem Anrufer. Der Anrufer unterscheidet sich von anderen Anrufern. Und zwar positiv.
All diese Punkte führen dazu, dass sich die Wahrscheinlichkeit, ins Gespräch zu kommen, erhöht. Und Sie können besser, individueller argumentieren, je mehr Sie wissen, je informierter Sie sind. Womit sich wiederum Ihre Erfolgsquote erhöhen wird. Sie sollen natürlich nicht so tun, als seien Sie Profi in einer Branche, in der Sie es nicht sind. Aber sich informiert zu haben, zollt Ihrem Gegenüber Respekt.
Checkliste für Ansatzpunkte
- Lesen Sie die Webseite, Produkte, Philosophie, Jobangebote etc. Finden Sie heraus, welche Firma Sie anrufen und wie Ihr Angebot dazu passt. Wenn Sie Ideen haben, überlegen Sie sich vorher, welchen Nutzen Ihre Ideen für Ihren Kunden haben. Warum sollte er dafür Geld ausgeben? Konkretisieren Sie den Nutzen so gut es geht im Vorfeld.
- Lesen Sie eventuell veröffentlichte PR -Mitteilungen, News und Blogeinträge. Vielleicht gibt es etwas, das Sie mit Ihrem Angebot in Verbindung setzten können?
- Googlen Sie über die Branche, Branchentrends und relevante Gesetze. Schauen Sie auch hier, ob Sie eine Verbindung zu Ihrem Angebot schaffen können.
- Suchen Sie beispielsweise in Xing, ob Sie Ihren Gesprächspartner dort finden. Welche Interessen hat er, welche beruflichen Stationen, Studien, Orte hat er hinter sich, was fällt Ihnen sonst noch auf? Können Sie das Gelesene nutzen, um ins Gespräch zu kommen? Vielleicht verbindet Sie sogar ein gemeinsames Interesse?
- Sie können auch in Xing schauen, ob Sie jemanden kennen, der Ihren Gesprächspartner kennt. Falls ja, kontaktieren Sie diese Person. Was können Sie über Ihre Zielperson herausfinden? Oder Sie stellen fest, dass Sie jemanden kennen, der zwar nicht Ihre Zielperson kennt, aber jemand anderen in der Zielfirma. Vielleicht kann Ihr Kontakt sogar einen Kontakt zur Zielperson herstellen, dann müssen Sie gar nicht mehr Kaltakquise machen!
- Lassen Sie alles, was Sie herausfinden konnten, wirken. Und werden Sie kreativ. Wie können Sie irgendetwas von dem, was Sie herausgefunden haben, mit Ihrer Leistung in Verbindung bringen? Überlegen Sie, ob Sie einen Ansatzpunkt für ein Gespräch finden können. Es kann ruhig kreativ und auch ausgefallen sein. Wenn Sie ein Schmunzeln erzeugen, ist es auch fein. Wenn sich irgendetwas von dem, was Sie gelesen haben, irgendwie mit Ihrem Produkt, Ihrer Dienstleistung in Verbindung setzen lässt, ist das ein idealer Einstieg ins Gespräch und schon die halbe Miete.
Empathie: Angenehme Gespräche führen
Gehen wir zurück zu unserem Beispiel vom DSL-Verkäufer. Ist der Verkäufer auf die Situation der Kundin eingegangen? Hat er wahrgenommen, dass sie fernsehen wollte? Nein. Er hat sein Verkaufsgespräch ohne Rücksicht und ohne Einbeziehen der anderen durchgezogen. Er hat sich über jeden Einwand hinweg gesetzt und Frau Igel nicht gehört. Seine Chancen überhaupt ins Gespräch zu kommen, und damit auf die Möglichkeit eines Geschäftsabschlusses, wären jedoch enorm gestiegen, wenn er Empathie [91] gezeigt und auf die Situation von Frau Igel eingegangen wäre.
Denn das Gespräch mit Frau Igel hätte auch so ablaufen können:
"Guten Tag Frau Igel, mein Name ist Karsten Klaus. Ich rufe von Ihrem Mobilfunkanbieter an. Frau Igel, ich wollte Sie informieren, dass es jetzt auch DSL in Ihrer Wohnung in der Hasenstraße gibt. Und wenn Sie gerade eine Minute für mich haben, würde ich Ihnen gerne ein Angebot dazu erstellen."
"Ähm, es ist 20.15 Uhr und ich wollte eigentlich gerade fernsehen ..."
"Oh, es stimmt, ich rufe ja wirklich zur besten Sendezeit an. Da will ich Sie natürlich nicht lange stören."
"Also, eigentlich läuft gerade noch Werbung. Worum geht es denn genau? DSL habe ich nämlich schon. Ich wohne ja auch gar nicht mehr in der Hasenstrasse, sondern bin letzte Woche umgezogen."
"Gut, dann werde ich das gleich mal in unserer Datenbank aktualisieren. Übrigens haben wir auch spezielle Angebote für Internet-Fernsehen. Damit kann man unter anderem auf die Werbepausen verzichten oder den Film anhalten, wenn zum Beispiel das Telefon klingelt wie jetzt."
"Ach wirklich? Das klingt interessant."
"Da kann ich Ihnen gerne unverbindliche Informationen zuschicken, und Sie schauen in Ruhe nach, ob sich das für Sie lohnt. Hätten Sie das lieber per Post oder per E-Mail?"
"Lieber mit der Post. Meine neue Adresse lautet: ..."
Das war doch schon ein ganz anderes Gespräch. Ein richtiges Gespräch, mit einer individuellen Ansprache, mit Eingehen auf Grenzen und ohne Druck.
So baut man Beziehungen und Vertrauen auf. So macht Telefonieren Spaß. Mit Authentizität, Empathie und ohne Erwartungsdruck.
Empathie dient also dazu, vorbelastete Gesprächssituationen ("schon wieder so ein nerviger Telefonverkäufer") nicht nur zu neutralisieren, sondern tatsächlich zu ändern. Wir spulen nicht ab. Wir sprechen miteinander. Es schafft eine offene Atmosphäre, wir kommen mit dem Menschen auf der anderen Seite der Leitung tatsächlich ins Gespräch. Und wenn Sie echte Gespräche führen und auf Ihren Gesprächspartner wirklich eingehen, ist das für beide Seiten positiv und richtig angenehm. Doch vor allem: Mit solchen echten Gesprächen belästigen Sie niemanden und machen so die Welt zu einem besseren Ort!
Die Umsetzung ist eigentlich ganz einfach: Sie können davon ausgehen, dass alles, was Sie als aufdringlich, unangenehm und nervig empfinden, auf andere wahrscheinlich ebenso wirkt. Verhalten Sie sich in Gesprächen deshalb so, wie Sie es sich wünschen würden, wären Sie auf der Seite des Angerufenen. Das mag banal klingen, macht aber einen Unterschied wie Tag und Nacht! Probieren Sie es aus.
Aufgabe: Eine Übung in Empathie
Stellen Sie sich vor, Sie wären der Angerufene. Was fänden Sie selbst angemessen, wenn Sie wie folgt reagieren würden:
- "Ich kann jetzt gerade nicht."
- "Wir haben schon einen Anbieter hierfür."
- "Was kostet das?"
- "Wir haben aktuell keinen Bedarf und ich habe gerade auch keine Zeit."
- "So etwas brauchen wir nicht."
- "Ich habe kein Interesse."
- "Woher haben Sie überhaupt meine Telefonnummer?"
Schreiben Sie zu jeder möglichen Situation auf, welche Reaktion Sie sich von Ihrem Anrufer wünschen würden. Wie würden Sie in diesen Situationen gerne behandelt werden? Fassen Sie am Ende zusammen, was die Antworten gemeinsam haben. Und welche Schlussfolgerungen Sie daraus für Ihre eigene Telefon-Akquise ziehen.
Fazit
Über individuelle Ansatzpunkte und Empathie mit potenziellen Kunden wirklich ins Gespräch zu kommen, ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen Telefon-Akquise. Denn es ist der Anfang einer persönlichen Beziehung zum Kunden, auf deren Basis beide Seiten gerne Geschäfte miteinander machen werden.
Und es macht die Telefon-Akquise angenehmer - und zwar für beide Seiten. Weil Sie nicht überrumpeln und überrennen müssen. Und Sie kein Mensch vom Typ "typisch Telefonverkäufer" mehr sind - sondern ein angenehmer Gesprächspartner.
Womit Sie nicht nur die Welt zu einem besseren Ort machen, sondern auch persönlich mehr Spaß bei der Telefon-Akquise habe.
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Trotz Wirtschaftskrise: Unternehmen investieren in Kundenbetreuungsprozesse
Obwohl die Bedeutung des Kundenmanagements in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nach eigener Einschätzung der Unternehmen zunimmt, kürzen auch einige die CRM-Budgets und verschieben Projekte auf einen späteren Zeitpunkt. Im Mittelpunkt der Investitionen sollen nach einer Studie der Unternehmensberatung xact4u strategy consulting AG Maßnahmen zur Verbesserung der Kundenbetreuung stehen. Aber auch die Frage der Betriebskosten für CRM-Systeme hat für die Mehrheit der Unternehmen eine hohe Priorität.
„Insofern wird das Thema Kundenmanagement offenbar recht stark durch die aktuelle Konjunktursituation beeinflusst“,
beurteilt xact4u Vorstand Mario Pufahl die Entwicklung und verweist auf einen Widerspruch: Gerade jetzt komme es zwar darauf an, sich den Kunden mit noch größerem Engagement zu widmen und weitere Investitionen in CRM wären nötig, andererseits müssten die Unternehmen jedoch den Gürtel enger schnallen.
Genau diese Verhältnisse bestehen auch in den befragten Firmen. Sie beurteilen zu 39 Prozent eine deutliche Fokussierung auf die Kundenbindung als eine generelle und damit konjunkturunabhängige Aufgabe. Doch in den Augen von 54 Prozent fordert die Wirtschaftskrise dazu heraus, die CRM-Maßnahmen zu forcieren.

Andererseits stellen aber höhere Erfordernisse längst noch nicht sicher, dass dafür mehr Geld zur Verfügung gestellt wird. Im Gegenteil muss sich ein Drittel der CRM-Verantwortlichen in 2009 mit geringeren Budgets zufrieden geben, bei weiteren 18 Prozent ist immer noch nicht endgültig geklärt, mit welchem Budget sie rechnen können.
Alle anderen verfügen entweder über ähnliche Investitionsmöglichkeiten wie im vergangenen Jahr (41 Prozent), einige können für 2009 sogar ein Plus verzeichnen (8 Prozent). Als direkter Reflex auf die Konjunkturverhältnisse ist aber zu bewerten, dass zwei von fünf Firmen geplante CRM-Investitionen zeitlich verschieben wollen. In jedem zehnten Fall handelt es sich dabei um Maßnahmen größeren Umfangs, die ursprünglichen Vorhaben in weiteren 34 Prozent der Betriebe sind von mittlerer oder geringer Größe.
Auch die Prioritäten der CRM-Aktivitäten lassen darauf schließen, dass die Wirtschaftskrise zum Taktstock für die Strategien geworden ist. So fällt die deutliche Hinwendung zur Kundenbetreuung auf, die in diesem Jahr für zwei Drittel der fast 300 befragten Unternehmen Priorität hat. An zweiter Stelle der vorgesehenen Optimierungsmaßnahmen folgt schon die Internetpräsenz mit ihren Shops und dem Online-Marketing.
Andere Vorhaben wie das Kampagnenmanagement (41 Prozent), die Analyse und Auswertung der Kundeninformationen (38 Prozent) und Sales Force Automation (31 Prozent) haben vergleichsweise schon eine deutlich geringere Bedeutung in den Planungen.
Die Rezession zwingt die Firmen insbesondere die Höhe der Betriebskosten für ihr CRM-System zu analysieren und zu optimieren. Ein Viertel von ihnen will deshalb sogar mit sehr ehrgeizigen Zielen für wirtschaftlichere Verhältnisse sorgen. Ein weiteres Drittel sieht hier die Notwendigkeit für punktuelle Verbesserungen.

„Grundsätzlich ändert sich trotz der Krisenstimmung in der Wirtschaft nichts an dem Erfordernis, die Kundenbindung und Kundengewinnung offensiv mit intelligenten technischen Lösungen zu unterstützen“,
urteilt Pufahl. Allerdings sieht er eine deutliche Tendenz, dass immer häufiger die Frage nach der Kosteneffizienz gestellt werde.
„Potenziale für Ersparnisse gibt es fast immer in einer Größe zwischen 10 und 25 Prozent. Um sie aktivieren zu können, müssen jedoch die richtigen Stellhebel gewählt werden. Es muss jetzt gehandelt werden, um mittelfristig auch Erfolge zu feiern. Expertenwissen kann hier Ineffizienzen vermeiden und den Kostensenkungsprozess beschleunigen“,
urteilt der CRM-Experte.
[po; Quelle: xact4u strategy consulting AG; Bild: Fotolia.com]
Abonnentenbindung: AboCards erhöhen Leser-Blatt-Bindung
Vor knapp sechs Jahren, genauer im Mai 2003, ging die KURIER€ard der Bayreuther Tageszeitung Nordbayerischer KURIER [92] mit dem Vorsatz an den Start, die Leser-Blatt-Bindung zu steigern und die Abonnentenzahlen zu stabilisieren. Unterstützung bekam das Verlagshaus dabei von den Kundenbindungsspezialisten der Concept Card GmbH [93] (CCC), die mit der KURIER€ard eines von vielen Projekten in puncto intelligente AboCard-Systeme realisierten.

Die Idee: Den Abonnenten einen deutlichen Mehrwert bieten in Form einer kombinierten Einkaufs-, Club- und Kundenkarte, die sämtlichen Bedürfnissen des Abonnenten entspricht, und die dank intelligentem CRM-System das Nutzungsverhalten der Kartenbesitzer messbar und nachvollziehbar macht. Ein Vorhaben, das erfolgreich umgesetzt wurde, wie die Bilanz vom Nordbayerischen KURIER und CCC, in Form einer umfassenden Studie beweist.
Die Vorgehensweise: Sämtliche Nutzungsdaten der KURIER€ard seit ihrem Start im Mai 2003 sowie alle relevanten Abonnentenstammdaten einschließlich gekündigter Abos rückwirkend bis 1980 wurden hinsichtlich ihres Einflusses auf die Kundenbindung ausgewertet. Um angebots- oder laufzeitbedingte Sondereffekte auszuschließen, lag der Fokus dabei explizit auf Vollabonnenten.
Eindeutige Ergebnisse
Welche deutliche Sprache die Ergebnisse der Studie sprechen, die als erste der tatsächlichen Wirksamkeit von AboCards auf den Grund geht, überraschte schließlich die Kundenbindungsspezialisten selbst.
Die wichtigsten Fakten: Vor allem in der kritischen Gruppe der „neuen“ Abonnements, welche erst maximal zwei Jahre laufen, beträgt der Rückgang der Kündigungsquote 20 Prozent – ein deutlich spürbarer Kundenbindungseffekt.
Ein direkter Zusammenhang konnte zudem zwischen der Kündigungsquote und dem Intensitätsgrad der Kartennutzung ermittelt werden: So ist in der Gruppe der aktiven Kartennutzer eine Kündigungsquote von nur 4,6 Prozent zu verzeichnen. Bei Abonnenten, die ihre KURIER€ard nicht aktiv nutzen, beträgt die Quote dagegen 22,4 Prozent.

Last but not least gelang es den CCC-Experten die Langzeitwirkung der AboCard nachzuweisen: Auch nach vier Jahren lag die Kündigungsquote aktiver KURIER€ard-Nutzer weiterhin 50 Prozent unter der durchschnittlichen Kündigungsquote sämtlicher Abonnenten. Erfreuliche Zahlen, aufgrund derer Verlagsgeschäftsführer Michael Rümmele das Projekt KURIER€ard als rundum gelungen bezeichnet.
Weitaus wichtiger sei jedoch der Nutzen, den Tageszeitungen, die auf ein intelligentes AboCard-System setzen, für die Zukunft aus den vorliegenden Ergebnissen ziehen können, so Matthias Keil, Geschäftsführer der Concept Card GmbH.
„Unsere gemeinsame Studie mit dem Verlagshaus hat gezeigt, dass nach einem Jahr Teilnahmedauer am AboCard-System bei potenziellen Kündigern die aktive Kartennutzung nachlässt. Eine Entdeckung, die im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert ist. Denn eine Tageszeitung, die diesen einzigartigen Indikator nutzt, um abwanderungsgefährdete Abonnenten zu erkennen, kann rechtzeitig geeignete Präventivmaßnahmen ergreifen, um einer tatsächlichen Kündigung vorzubeugen. Ein unbezahlbarer Wettbewerbsvorteil.“
[po; Quelle und Bilder: Concept Card GmbH; Titelbild: ©OneO2 - Fotolia.com]
Kundenakquise: Wie Unternehmensberater Auftragslöcher schnell und günstig stopfen können
„Die ersten Unternehmen stornieren Seminare.“ „Von mir haben Kunden fest geplante Projekte verschoben.“ Solche Aussagen hört man seit einigen Wochen immer wieder, wenn man mit Unternehmensberatern spricht. Das heißt: Auch viele Berater spüren inzwischen – wie die meisten Industriedienstleister – die ersten Anzeichen der Rezession. Und manch einer gerät bereits in leichte Panik, wenn er an seine Erträge im Jahr 2009 denkt.
Doch nicht nur dies. Vielen Beratern werden sozusagen über Nacht die Schwächen ihrer Unternehmungen bewusst. Zum Beispiel, dass sie den Löwenanteil ihrer Umsätze mit ein, zwei Kunden erzielen. Oder dass sie am Tropf einzelner Branchen hängen. Oder dass sie nur „softe“ Themen im Produktportfolio haben, die von den Unternehmen, wenn sie den Rotstift zücken, als erste gestrichen werden. Oder dass sie in den letzten Jahren kaum Zeit und Geld in ihrer Marketing investierten, weshalb sie auch keine „angewärmten“ Noch-nicht-Kunden in der Pipeline haben, bei denen sie im Bedarfsfall eventuell in relativ kurzer Zeit Ersatzaufträge generieren könnten.
Hauruck-Aktionen bringen wenig
Ein entsprechend großer Aktionismus macht sich zurzeit bei vielen Beratern breit. Über Nacht wollen sie alles nachholen, was sie in den letzten Jahren versäumt haben. Besonders effektiv werden diese Hauruck-Aktionen nicht sein. Denn aufgrund ihrer Marketing-Abstinenz in den zurückliegenden Jahren haben besagte Berater meist nicht nur wenig Marketingerfahrung, ihnen fehlen auch die erforderlichen Instrumente.
Zum Beispiel ein personifizierter und gepflegter Adresspool. Oder gewachsene Kontakte zu Redaktionen. Oder Produkte, die sich als „Türöffner“ bei Neukunden eignen. Oder Flyer und Projektbeschreibungen, die sich bei Bedarf schnell eintüten und versenden lassen. Entsprechend wirkungslos werden die meisten Nacht-und-Nebel-Aktionen sein. Vor allem aus folgendem Grund: Die im Trainings- und Beratungsbereich angebotenen Leistungen sind keine Schnelldreher wie „warme Leberkäs-Semmel“. Kunden kaufen sie selten spontan. Bei Bildungs- und Beratungsleistungen dauert der Kaufentscheidungsprozess oft Monate, teils sogar Jahre. Deshalb lassen sich mit Hauruck-Aktionen keine Auftragslöcher stopfen.
Dessen ungeachtet wird in den kommenden Monaten eine wachsende Zahl von Beratern vor der Herausforderung stehen, kurzfristig Auftragslöcher zu stopfen. Deshalb hier einige Tipps, die Sie beherzigen sollten, damit Ihre Aktionen eine Aussicht auf Erfolg haben.
1. Offerieren Sie Ihren Noch-nicht-Kunden Leistungen, bei denen die Hemmschwelle, „Ja“ zu sagen, relativ niedrig ist.
Berater neigen beim Versuch, Neukunden zu akquirieren, dazu, diesen ihren gesamten Bauchladen zu offerieren. Und wenn sie Noch-nicht-Kunden ausnahmsweise einmal ausgewählte Leistungen offerieren, dann wollen sie in der Regel gleich solche Megaaufträge wie „Fusionsprozesse begleiten“ an Land ziehen. Beide Vorgehensweisen sind wenig zielführend. Denn kein Unternehmen erteilt einem Berater, mit dem es noch keine Vorerfahrung hat, den Auftrag für ein Großprojekt, an dem eventuell sogar sein künftiger Erfolg hängt. Anders sieht dies bei relativ risikoarmen Produkten wie einem zweitägigen Seminar oder einem „Quick-Check“ aus. Offerieren Sie also Ihren Noch-nicht-Kunden solche kleinen, smarten Produkte, wenn Sie von ihnen einen Erstauftrag erhalten möchten. Ist dann eine (Vertrauens-) Beziehung aufgebaut, können Sie ihnen weitere, komplexere Produkte / Leistungen verkaufen.
2. Setzen Sie auf „Spezialprodukte“ und Produkte, die auf die aktuelle Problemlage der Kunden reagieren.
Wenn Berater versuchen, Neukunden zu akquirieren, dann offerieren sie diesen meist Standardprodukte, die man auch bei Hunderten von Mitbewerbern seit Jahren kaufen kann. Für diese Produkte interessiert sich, salopp formuliert, kein Schwein – zumindest kurzfristig. Warum?
Die meisten Unternehmen existieren seit vielen Jahren. Also haben sie auch schon Trainer, die bei ihnen zum Beispiel die Führungstrainings durchführen. Oder IT- und Projektmanagement-Berater. Und diese tauschen sie nur ungern aus, wenn sie mit deren Leistung einigermaßen zufrieden sind.
Deshalb können Sie mit Standardprodukten bei Noch-nicht-Kunden in der Regel keine Treffer landen. Anders sieht dies mit Leistungen aus, die zum Beispiel das Personalentwicklungsangebot des Unternehmens abrunden oder ergänzen. Bei der Frage, welche Produkte dies sein können, ist Ihre Phantasie und Kenntnis Ihrer Zielgruppe gefragt. Mit etwas Nachdenken werden Sie auf solche Produktideen stoßen. Nehmen Sie sich hierfür Zeit. Es lohnt sich. Denn gerade in Krisenzeiten sind Ihre Chancen, bei Neukunden mit Spezialangeboten auf offene Ohren zu stoßen, hoch. Warum? In Krisenzeiten stehen Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Also entstehen bei ihnen auch neue Bedarfe. Folglich müssen Sie nur passende Problemlösungen entwickeln und schon haben Sie eine Chance.
3. Analysieren Sie genau, bei welchen Kunden Sie realistische Erfolgsaussichten haben.
Die meisten Berater gehen bei der Neukundenakquise wenig zielgerichtet vor. Fragt man sie „Warum kontaktiert ihr gerade dieses Unternehmen und nicht jenes?“, dann können sie dies meist nicht begründen. Überlegen Sie sich, bevor Sie loslegen, genau:
- Bei welchen Unternehmen habe ich eine realistische Chance, einen Auftrag zu erlangen?
- Zum Beispiel aufgrund meiner beruflichen Biografie?
- Oder aufgrund der Projekte, die ich bereits durchgeführt habe?
- Oder aufgrund der Struktur oder Kultur der Unternehmen, für die ich bisher tätig war?
- Oder aufgrund ....?
Dies ist jedoch nur der erste Schritt. Wenn Sie Ihr „Beuteschema“ formuliert haben, sollten Sie aus den Kriterien, über die Sie Ihre Zielkunden bestimmt haben, Kaufargumente für sich ableiten – also Argumente, warum sich Ihre Zielkunden gerade für Sie und nicht für Ihre Mitbewerber entscheiden sollen. Ein solches Kaufargument kann sein: „Herr Müller, ich habe zehn Jahre multinationale Großprojekte gemanagt, die hochpolitisch waren. Deshalb ...“ Oder: „Frau Mayer, unsere Büros sind nur zwei Kilometer voneinander entfernt. Entsprechend schnell bin ich bei Ihnen, wenn ...“ Oder: „Herr Wagner, ich arbeite seit 15 Jahren ausschließlich für Filialisten, deren Personal weitgehend aus Frauen und Teilzeitkräften besteht. Deshalb ....“
Solche handfesten „Kaufargumente“ brauchen Sie in allen Phasen des Marketing- und Vertriebsprozesses – egal ob Sie Werbebriefe schrieben oder nach einer Präsentation Mitbewerber aus dem Rennen werfen möchten.
4. Gehen Sie keine Umwege, sprechen Sie Ihre Zielkunden direkt an.
Viele Trainer und Berater erzählen ihren Kunden immer wieder „Jungs und Mädels, Ihr müsst aktiv verkaufen.“ Sie selbst tun dies aber nicht. Statt dessen schalten sie zum Beispiel Anzeigen in Zeitschriften oder im Internet – und warten, dass potenzielle Kunden sie anrufen. Oder sie lancieren in Zeitungen PR-Artikel – und warten darauf, dass Noch-nicht-Kunden sie nach deren Lektüre anrufen. Oder sie versenden Werbebriefe – und warten anschließend darauf, dass Interessenten sie kontaktieren.
Alle diese Marketingmaßnahmen sind gut und richtig, wenn Sie Ihren Markt langfristig mit System bearbeiten möchten. Wenn Ihre Auftragsbücher jedoch leer sind oder sich zunehmend leeren, dann haben Sie für einen solchen „Schnickschnack“ keine Zeit. Dann dürfen Sie keine Umwege gehen. Dann müssen Sie direkt auf Ihre Zielkunden losgehen und bei ihnen sozusagen mit der Tür ins Haus fallen. Entweder, indem Sie tatsächlich bei Kunden, die in Ihrer Nähe ihr Domizil haben, an die Tür klopfen, oder indem Sie zum Telefonhörer greifen und zum Kunden sagen „Guten Tag, hier bin ich. Ich möchte Ihnen .....“.
Aktiv verkaufen kann ganz einfach sein
Manch Berater wird nun innerlich zusammenzucken, denn Verkaufen ist für viele eine „Igittigitt-Tätigkeit“. Sie wollen auf keinen Fall (telefonische) Klinkenputzer sein. Doch am Klinken-Putzen führt, wenn kurzfristig Aufträge her müssen, leider kein Weg vorbei. Sie müssen sich dabei ja nicht so schmierig verhalten, wie das Zerrbild des Staubsauger- oder Versicherungsvertreters, das viele Berater, wenn es um das Thema Verkaufen geht, vor Augen haben.
Aktiv verkaufen kann ganz einfach sein, wenn Sie es richtig anpacken. Das sei an zwei leicht verfremdeten, aber realen Beispielen illustriert.
Beispiel 1
Der Inhaber eines Trainings- und Beratungsunternehmens in Baden Württemberg hat ein ganz einfaches, aber effektives Konzept der Neukundenakquise. Er beschreibt es mit den Worten: „Morgens Kaffee trinken und die Lokalzeitung lesen“. Liest der Berater im Wirtschafts- oder Lokalteil der Zeitung zum Beispiel, dass das örtliche Textilkaufhaus eine neue Abteilung eröffnet, dann überlegt er sich, welche Probleme könnten für das Kaufhaus daraus resultieren. Zum Beispiel das Suchen und Integrieren neuer Mitarbeiter, veränderte Abläufe ... Anschließend ruft er dessen Inhaber oder Geschäftsführer an und sagt zu ihm, er habe gelesen, dass sein Unternehmen eine neue Abteilung eröffne. Damit verbunden seien vermutlich folgende Herausforderungen: ... Ob der Inhaber interessiert sei, sich mit ihm mal zu treffen. Und wenn der Inhaber nicht zu sprechen ist? Dann schreibt der Berater diesem einen Brief, in dem selbstverständlich auch steht: „Ich rufe Sie am .... an, um ...“
So verfährt der Berater auch, wenn er in der Zeitung liest, dass ein Unternehmen Mitarbeiter einstellt oder entlässt. Oder, dass dessen Umsätze gestiegen oder gesunken sind. Jeden Morgen, so der Berater, stünden in seiner Lokalzeitung, so viele Anlässe mit Unternehmen Kontakt aufzunehmen, dass er sich genau überlegen müsse: Will ich dieses Unternehmen überhaupt als Kunden haben?
Der Vorteil dieses Vorgehens: Der Berater
- braucht keine aufwändigen Werbemittel,
- muss sich eigentlich nie gegen Mitbewerber durchsetzen und
- kann stets Referenzkunden vorweisen, die in der Region jeder kennt.
Ein weiterer Vorteil: Der Berater kann stets darauf hinweisen, dass sich sein Büro sozusagen „ums Eck“ befindet. Deshalb sei es für beide Seiten ein geringer Aufwand, sich auf eine Tasse Kaffee zu treffen. Das senkt die Hemmschwelle der Kunden zu sagen „Dann schauen Sie doch mal vorbei“.
Beispiel 2
Ein Frankfurter IT-Dienstleister konzentriert sich mit seiner Neukundenakquise ganz auf das Gewerbegebiet Frankfurt-Niederrad, in dem Hunderte von Dienstleistern oder Verbänden ihre Büros haben. Wenn er zwischen zwei Terminen Zeit hat, klappert er gezielt Büro für Büro, Stockwerk für Stockwerk, Bürogebäude für Bürogebäude ab. Er stellt sich, sofern möglich, dem Chef des jeweiligen Unternehmens vor, wenn nicht plaudert er mit dessen Sekretärin. Er erläutert, was sein Unternehmen macht, und dass er und seine Mitarbeiter sozusagen den ganzen Tag in dem Gebiet unterwegs sind. Deshalb seien sie bei Problemen sofort da. So erschließt sich der IT-Dienstleister Büro für Büro immer neue Kunden, ohne einen Cent in seine Akquise zu investieren. Er investiert aber Zeit.
Gemeinsam ist diesen Konzepten: Sie zielen darauf ab, mit den potenziellen Neukunden möglichst schnell in persönlichen Kontakt zu treten – jedoch nicht, indem die Berater mit den potenziellen Kunden Golf spielen oder im Kirchenchor singen. Nein! Die Berater gehen direkt auf ihre potenziellen Kunden zu und sagen: Hier bin ich, und ich habe etwas, das ihnen einen Nutzen bietet, und das will ich ihnen verkaufen. Auch diese Klarheit und Direktheit schafft Vertrauen.
[Bild: ©Mark Stout - Fotolia.com]
Hinweis
Mehr zum Thema finden Sie in den Büchern von Bernhard Kuntz:
- Die Katze im Sack verkaufen [94]
- Fette Beute für Trainer und Berater [95]
- Warum kennt den jeder? [96]
Automobilhandel: Dringender Korrekturbedarf beim Geschäftsmodell Automobilvertrieb
In der Studie der Managementberatung Horváth & Partners wurde deutlich, dass das Geschäftsmodell Automobilvertrieb immer mehr an Attraktivität verliert, obwohl die Hersteller ihre Handelspartner gerade in der Krise dringend benötigen.
„Die Lage im Automobilhandel ist prekär. Hersteller nutzen ihre Machtposition gegenüber den Händlern immer noch aus. Die gesamte Steuerung des Automobilvertriebs muss auf den Prüfstand gestellt werden“,
stellt Heiko Fink, Leiter der Studie, fest. Die Folge seien Verwerfungen im Gesamtsystem und weiter sinkende Renditen, die viele Händler zur Aufgabe ihres Betriebes zwingen. Erschwerend komme hinzu, dass der Handel mit Automobilen schon in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden sei und die aktuelle Krise nun diesen Effekt deutlich verstärke. Für Umsatzeinbußen sorgten nicht nur die Überproduktionen. Auch die „C02“-Diskussionen und gestiegenen Lebenshaltungskosten führten zu einer deutlich spürbaren Kaufzurückhaltung beim Kunden.
Dennoch setzen die Hersteller bei der Steuerung der Händler, so die Studie, vor allem auf den Neuwagenverkauf. Die Händler ihrerseits fühlten sich genötigt, den Verkauf von neuen Fahrzeugen mit Preisnachlässen und Rabattschlachten anzukurbeln, was sich jedoch negativ auf die Rendite auswirke. Um die Verluste auszugleichen, konzentriere sich der Handel zunehmend auf den Service und das Gebrauchtwagengeschäft. Jedoch fehle es hier an einer verstärkten Kooperation mit den Herstellern.
Einig seien sich beide Seiten, den Kunden und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Vertriebssteuerung zu stellen. Allerdings werden, so ein weiteres Ergebnis der Studie, die Strategien von Herstellern und Händlern nicht aufeinander abgestimmt. Die Hersteller lieferten wenig konkrete und aus der Strategie abgeleitete Kompetenzanforderungen und Handlungsempfehlungen, die Händler bemühten sich – nicht immer erfolgreich – auf eigene Faust um eine Optimierung. Gegenseitiges Misstrauen sei die Folge. So glaubten etwa die Hersteller, dass die Händler für ein „professionell“ geführtes Autohaus nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter besäßen.
Die Händler wiederum wünschten sich eine stärkere Unterstützung durch die Hersteller, um die notwendigen Kompetenzen aufzubauen. Insgesamt sehen die Berater einen Mangel im strategischen Kompetenzmanagement. Darüber hinaus müssten Händler und Hersteller in der aktuellen Krise, so Heiko Fink, viel besser kooperieren und die Vertriebssteuerung in den drei Feldern Strategie, Kunde und Kompetenz neu ausrichten.
„Wenn viele Händler vor dem wirtschaftlichen Aus stehen, dann ist das auch für die Hersteller eine bedrohliche Situation. Denn sie sind mehr denn je auf den indirekten Vertriebsweg über ihre Handelspartner angewiesen.“
Zur Studie
Bereits zum fünften Mal wurden für die Studie „Automotive Retail Performance“ über 200 Händler und Vertriebsexperten von Herstellern und Importeuren in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.
[po; Quelle: Horváth & Partners; Bild: ©Uolir - Fotolia.com]
Unternehmenswachstum: Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, einen Verkäufer einzustellen
Es herrscht große Begeisterung, wenn ein Unternehmen eine gewisse Größe erreicht hat, sodass der erste Verkäufer eingestellt werden kann. Endlich ist man diese ungeliebte Arbeit des Verkaufens los, endlich kann man sich wieder ganz und gar seinem eigentlichen Fachgebiet widmen. Endlich wieder kann man sich ganz auf die Herstellung oder den Einbau des Produktes konzentrieren, das man anbietet und das der eigentliche Grund für die Existenz des Unternehmens ist.
Denn die meisten Unternehmen werden aus einer Produkt- oder Dienstleistungsidee heraus gegründet, nicht aus einer verkäuferischen Idee. Und dann hat man den ersten Verkäufer und er macht natürlich nur dummes Zeug. Ist es die falsche Person, das falsche Produkt oder die falsche Firma?
Grundausrichtungen sind der Schlüssel
Oft liegt die Lösung in der Kombination von Person, Produkt und Kundenklientel. Natürlich gibt es auch Personen, die für den Verkauf ungeeignet sind, die zumeist in diese Rolle im Rahmen von Umstrukturierung gedrängt worden sind. Da liegt die Schuld aber beim Chef und nicht beim Mitarbeiter.
Viele Menschen interessieren sich aber auch für den Beruf des Verkäufers, weil sie Freude an diesem Aufgabengebiet haben. Wenn es dann nicht klappt, liegt dies zumeist an der Grundausrichtung eines Menschen. Menschen sind in allen Berufsbildern entweder vorrangig innovativ, konzeptionell oder kommunikativ ausgerichtet. Wenn ihre Fähigkeiten ihren Ausrichtungen entsprechend eingesetzt werden können, haben sie den größten Erfolg.
Ein innovativer Forscher zum Beispiel wird sich auf vollkommen neue Dinge konzentrieren. Ein konzeptioneller wird eher mit der praktischen Umsetzung von Forschungsvorhaben betraut sein und ein kommunikativer Forscher schafft es, in uns Vertrauen für seine Vorhaben zu wecken. Diese grundsätzlichen Ausrichtungen sind natürlich auch bei Verkäufern zu finden.
Der innovative Verkäufer
Der innovative Verkäufer hat seine Blicke auf die Zukunft ausgerichtet. Hier geht der Focus auf Produkte, die morgen oder übermorgen den Umsatz des Unternehmens sichern werden. Für diesen Typ ist das Tagesgeschäft eher von mäßigem Interesse. Gespräche mit Kunden, die nicht wie er eingestellt sind, sind ihm ein Graus.
Wenn man einen solchen Verkäufer auf die normale Kundschaft loslässt, kann man schnell Kunden verlieren. Wenn man ihn mit innovativen Kunden zusammenbringt, entstehen Seelenverwandtschaften und neue Märkte. Er ist gut geeignet für spezielle Kunden und um im strategischen Vertrieb eingesetzt zu werden.
Die Wirtschaft hat aus allen Berufsbildern Menschen dieses Typs freigesetzt, weil sie scheinbar unproduktiv sind. Heute merken Unternehmen, was sie dadurch verloren haben, mittlerweile werden sogar Weiterbildungsmaßnahmen zum Innovationsmanager angeboten. Aber innovativ zu sein, ist weniger eine Frage der Ausbildung als mehr eine Frage des Typs.
Konzeptionelle Verkäufer
Hier steht der Macher des Vertriebs. Macher heißen so, weil sie eine Aufgabe übernehmen und sie umsetzten. Ihre Konzentration ist im Schwerpunkt auf dieses Ziel ausgerichtet. Macher sind oft auch kreativ, aber die Kreativität konzentriert sich auf die jeweilige Aufgabe und geht nicht wie beim innovativen Verkäufer in den freien Raum. Macher planen Verkaufsaktivitäten, im werblichen wie im verkäuferischen Bereich. Dazu entwickelten sie Konzepte mit aufeinander abgestimmten Aktivitäten und setzten sie um.
Ein Unternehmen kann so viele konzeptionelle Verkäufer vertragen, wie es unterschiedliche Aufgaben hat. Mehrer Macher sind gut, um unterschiedliche Konzepte für die gleiche Aufgabe vorgestellt zu bekommen. Mehrere Macher, die das gleiche Konzept umsetzten sollen, behindern sich gegenseitig.
Diese konzeptionellen Verkäufer sind dann gut, wenn sie ihre Kunden durch Vertriebsberatung und direkte Unterstützung beim Verkauf der Produkte unterstützen sollen. Dann entwickelt der Macher zusammen mit seinem Kunden Vertriebskonzepte, wie dieser seine Absatzaktivitäten optimieren kann. Davon profitieren beide.
Der kommunikative Verkäufer
Eigentlich kann er gar nichts oder nichts direkt Messbares. Er ist die Seele im Verkauf. Er kann eine Atmosphäre von Vertrauen aufbauen, wodurch ein Kunde in die Lage versetzt wird, ja zu sagen. Er ist der beliebte und gefürchtete unter den Verkäufern. Beliebt, weil er Aufträge ohne Fragen, ohne Argumente, ohne Preisnachlässe bringt, einfach aus seiner Person heraus.
Auch mit der häufigen Gefahr, dass der Kunde hinterher mit dem Kauf unzufrieden ist, weil er unüberlegt gekauft hat. Gefürchtet, weil der schlechte Ruf des Verkäufers aus diesem Segment kommt. Nirgends ist es so einfach, mit krimineller Energie schnell viel Geld zu verdienen, als im kommunikativen Verkauf. Menschen, die von einem Verkäufer übers Ohr gehauen worden sind, hatten immer mit kommunikativen Verkäufern zu tun. Aber hier tut man den vielen ehrlichen Verkäufern Unrecht, denn über sie wird nicht gesprochen und sie handeln nach bestem Wissen und Gewissen.
Grundsätzlich ist ein kommunikativer Verkäufer immer stärker, je besser er geführt wird. Führung und Kontrolle sind hier besonders wichtig, auch bei der Kontrolle bereits erteilter Aufträge. Anwendungstechniker, die Versprechen von kommunikativen Verkäufern ausbaden müssen, können hiervon ein Lied singen.
Der Präsenter
Eine Variante des kommunikativen Verkäufers ist der Präsenter. Der Präsenter verkauft nicht, er präsentiert nur. Ein typisches Beispiel hierfür ist ein Pharmareferent oder der Fachberater der Industrie. Beide arbeiten oft im indirekten Verkauf, indem sie beim Arzt oder bei planenden Stellen Interesse oder Bedarf für ein Produkt oder eine Anwendung wecken. Der Verkauf läuft dann immer über andere Absatzkanäle.
Der Präsenter hat ein ganz spezielles tiefgehendes Wissen aus einem ganz speziellen Bereich seines Einsatzgebietes. Auch wenn ein Arzt beispielsweise über seinen gesamten Bereich mehr weiß, so ist der Pharmareferent über seine spezielle Lösung oder Anwendung tiefer und genauer informiert. Er muss dabei aber nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch Vertrauen zu sich und damit zu diesem Fachwissen aufbauen.
Wer ist der Richtige?
Grundsätzlich ist es also nicht von entscheidender Bedeutung, ob man einen Verkäufer hat, sondern welche Zielgruppe von Kunden man hat und welchen Verkäufertyp man dafür braucht. Natürlich haben alle Typen wie auch in allen anderen Berufszweigen etwas aus allen Ausprägungen.
Man kann im Einstellungsgespräch aber leicht feststellen, welchen Schwerpunkt-Typ man vor sich hat. Innovative eignen sich eher für Zukunftsgeschäfte oder innovative Kundenklientel, konzeptionelle eher für die kurz- und mittelfristigen Unternehmensziele, kommunikative fürs direkte Geschäft und für die Kundenbindung.
Die Eigenschaften, die der neue Verkäufer nicht abdecken kann, bleiben in der Hand des Unternehmers. Und wer glaubt, durch einen neuen Verkäufer brauche er sich nicht mehr um diesen Bereich seines Unternehmens zu kümmern, wird schnell von der Realität eingeholt. Aber dann ist natürlich der Verkäufer schuld, wer sonst.
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Preisverhandlung: Gegenhalten statt einknicken
Eigene Vorteile herausarbeiten
Wie oft versuchen Einkäufer, mit vagen Hinweisen auf ein günstigeres Angebot Druck auszuüben: „Wir würden Ihnen natürlich gerne treu bleiben, wenn Sie uns beim Preis etwas entgegen kämen.“ Haken Sie in so einem Fall doch einmal nach: „Wo bekommen Sie denn bessere Konditionen? Und darf ich Sie fragen, wie die genau aussehen?“ Nun muss Ihr Gesprächspartner konkret werden und sagen, wer was billiger anbietet. Kann er dies nicht, haben Sie seine Aussage als Versuchsballon entlarvt.
Doch spielen Sie darauf niemals an, sondern argumentieren Sie jetzt, warum Ihr Preis in einem guten Verhältnis zur angebotenen Leistung steht. Ist tatsächlich ein Wettbewerber im Spiel, müssen Sie betonen, welche Vorteile Sie bieten: „Sie wissen aber, dass unser Vor-Ort-Service in der dreijährigen Garantie enthalten ist, oder?“ Auf jeden Fall brauchen Sie jetzt ein stichhaltiges Argument, warum der Kunde höhere Kosten in Kauf nehmen soll.
Argumente: Weniger ist mehr
Manchmal werden Verkäufer auch Opfer einer gezielten Verwirrungstaktik: Wahllos werden sie mit Aussagen zu angeblichen Mängeln, überzogenen Preisen, nachlassendem Service und Ähnlichem mehr konfrontiert. Und immer wieder müssen sie kontern, bis ihnen mit der Zeit „die Luft ausgeht“. Lassen Sie sich auf dieses Spiel gar nicht erst ein.
Zögern Sie stattdessen nicht, ein stichhaltiges Argument mehrmals zu wiederholen: „Wie ich bereits sagte, sind die höheren Transportkosten einzig und allein durch die neue Mautgebühr begründet.“ Man nennt diese Strategie auch „Schallplatte mit Sprung“. Dabei verwenden Sie insgesamt nur wenige, dafür aber möglichst unangreifbare Aussagen.
Wenn nachgeben, dann richtig
Nie sollte man seinen Verhandlungspartner mit dem Gefühl zurücklassen, dass er gar nichts erreicht hat. Denn er muss zumindest seinem Vorgesetzten über das erzielte Ergebnis Rechenschaft ablegen. Überlegen Sie also, was Ihr Gegenüber durch das Ergebnis gewinnt. Vielleicht lässt sich sein Vorteil nicht unmittelbar in Geld ausdrücken, ist aber auch viel wert (zum Beispiel Zuverlässigkeit). Ansonsten müssen Sie ihm zumindest ein starkes Argument „mit auf den Weg“ geben, warum das Ergebnis so und nicht anders aussieht: „Wir haben die Preise in diesem Bereich Anfang des Jahres bereits um fünf Prozent gesenkt - da ist leider keine Luft mehr drin.“
Verhandeln kann man üben
Wenn Sie glauben, bislang zu weich verhandelt zu haben, sollten Sie „hartes“ Verhandeln trainieren. Spielen Sie mit einem Kollegen zum Beispiel einmal eine schwierige Preisverhandlung durch. Oder nehmen Sie Ihren Vorgesetzten mit zum nächsten Gespräch. Lassen Sie sich von ihm aufzeigen, an welcher Stelle Sie sich besser anders verhalten hätten.
5 Tipps, wie Sie schlechte Stimmung nach harten Verhandlungen vermeiden:
- Wenn Sie eine akzeptable Verhandlungsposition erreicht haben, geben Sie beim letzten Punkt der Diskussion nach. Das bleibt Ihrem Gegenüber in positiver Erinnerung.
- Wenn Sie glauben, dass Ihr Verhandlungspartner im Anschluss verärgert sein könnte, sprechen Sie das direkt nach der Verhandlung an: „Ich fürchte, dass Sie etwas überrascht sind, dass wir Ihnen nicht weiter entgegen kommen konnten?“
- Sprechen Sie noch einmal eine frühere Transaktion an, bei der alles gut funktioniert hat. Damit stellen Sie noch einmal den Wert Ihres Angebots in Erinnerung und sorgen für positive Assoziationen: „Funktioniert mit der neuen Maschine alles gut?“
- Sorgen Sie wenige Tage nach dem Gespräch für einen Folgekontakt, der die Erinnerung an die harten Verhandlungen verblassen lässt. Auf diese Weise können Sie auch ausloten, ob sich eine schlechte Stimmung breit gemacht hat oder nicht.
- Widerstehen Sie der Versuchung, zeitnah ein anderes Entgegen kommen anzubieten. Das durchschaut der Kunde meist und wirkt nicht positiv. Besser ist es, selbstbewusst zu seiner Position zu stehen.
Verkaufs-Triathlon: Systematisch neue Kunden gewinnen
Eine regelmäßige Neukundengewinnung ist bei vielen Unternehmen immer noch ein Thema mit Priorität B oder C. Statt antizyklisch zu handeln, wird häufig auf die aktuell hohe Auslastung verwiesen, die als Rechtfertigung für fehlende Aktivitäten in diesem Bereich dient. Es ist auch verständlich. Denn Neukundengewinnung ist anfangs teuer und zeitintensiv und nicht jeder Kontakt führt gleich zu einem Auftrag.
Doch wer ein paar goldene Regeln beherzigt und das eher ungeliebte Thema aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, kann es zu einer neuen Stärke des Unternehmens ausbauen. Die Fähigkeit, Neukunden zu gewinnen, kann ein strategischer Wettbewerbsvorteil sein, der sich im immer schärfer werdenden Wettbewerb als lebensrettend erweisen kann.
Wie beim Triathlon gibt es bei der Neukundengewinnung drei Disziplinen:
- Segmentieren,
- Identifizieren und
- Akquirieren.
1. Disziplin - Segmentieren
Der Markt der Neukunden ist in der Regel groß. Da jeder Kunde, der sich noch nicht für Ihr Unternehmen oder Produkt entschieden hat, ein potenzieller Neukunde sein könnte, gilt es zunächst, ein Raster zu definieren, um sich nicht zu verzetteln.
Segmentieren Sie Ihre Neukunden: Nach Branchen, nach Größe, nach Gesellschaftsform, nach Einkaufsverhalten, nach Einkaufsmengen, nach geografischer Lage etc. und bilden Sie möglichst viele kleine Segmente. In jedem Segment sollten sich 10 – 20 Unternehmen befinden. Wenn Sie insgesamt 200 bis 400 Unternehmen zugeteilt haben, beginnt der nächste Schritt.
2. Disziplin - Identifizieren
Identifizieren Sie Ihre Ansprechpartner. Ist es die Unternehmensleitung, der Betriebsleiter, der Entwicklungsleiter, der Marketingchef oder der Einkauf. Ein Unternehmen, in dem Sie nicht wissen, an wen Sie sich wenden sollen, ist eine vertane Chance. Daher gilt es im Vorfeld, die richtigen Ansprechpartner herauszufinden.
3. Disziplin - Akquirieren
Nun geht es ans Akquirieren. Meist empfiehlt sich ein kurzes Anschreiben, mit einem entsprechend attraktiven Aufhänger, dem Sie dann hinterher telefonieren. Machen Sie in diesem Anschreiben deutlich, warum Sie meinen, dass es wichtig ist, dass der Neukunde Ihr Unternehmen und Sie persönlich kennenlernen sollte. Verzichten Sie dabei auf Geschenke, Gratisleistungen und Rabatte.
Verzichten Sie auf den Kardinalfehler
Ihr potenzieller Neukunde ist in der Regel bereits in guten Händen. Warum sollte er also wechseln und ein Risiko eingehen? Stellen Sie das gleich zu Beginn Ihres Gespräches klar. Es geht nicht um ein "entweder – oder", sondern um ein "sowohl als auch". Und in welchen „klitzekleinen“ Teilbereichen bei welchen nächsten Sonderprojekten wäre es für den Neukunden vorstellbar, dass Sie Ihre Problemlösungskompetenz zeigen können? - Das reicht im ersten Schritt völlig. Es geht darum, dass Sie den Fuß in der Türe haben, dass Sie ein kleines Stück von der Torte mitnehmen.
Wenn Sie und Ihr Produkt so gut sind, wie Sie meinen, wird Ihr neuer Kunde fast zwangsweise mehr von Ihnen wollen. Und das nicht, weil Sie ihn verkäuferisch überreden, sondern mit Ihrer Lösungskompetenz überzeugen konnten.
Wie beim Triathlon erfolgen auch die drei Disziplinen der Neukundengewinnung in einer engen Zeitfolge hintereinander. Sobald Sie sich zu viel Zeit lassen, gibt es wieder Dinge, die wichtiger sind und schon kommen Sie vom ursprünglichen Weg ab und nicht am Ziel an.
Planen Sie das Ganze detailliert wie ein Projekt. Setzen Sie sich ein Zeitziel von drei bis sechs Monaten. Planen Sie drei Wochen für das Segmentieren und weitere drei Wochen für das Identifizieren ein. Dann beginnen Sie zu akquirieren: Briefe schreiben, telefonieren, Termine vereinbaren und wahrnehmen. Nehmen Sie sich täglich oder wöchentlich eine machbare und konstante Menge vor. Die Zeit hierfür ist davon abhängig, wie groß das Team ist, das sich damit beschäftigt. Sind mehrere Mitarbeiter in diesen Prozess eingebunden, können Sie das Akquirieren auch mit einem spielerischen Kräftemessen verbinden.
Wer die drei Disziplinen in dieser Systematik für sein Unternehmen einmal umgesetzt hat, wird darauf nicht mehr verzichten wollen. Denn zum einen ist der Erfolg rasch spürbar, zum anderen ermöglicht er ein zeitnahes, geballtes Lernen und ein schnelles Reagieren auf die Rückmeldungen, die vom Markt kommen. Das Unternehmen wird dadurch noch schlagkräftiger im Wettbewerb.
Das Buch zum Thema von Christian Kalkbrenner:
Der Bambus-Code - schneller wachsen als die Konkurrenz: So machen Sie ihre eigene Konjunktur [97]
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Absatzförderung: Mehr Erfolg im Verkaufsgespräch
Preiseinwand parieren
Dem gefürchteten Einwand „Das ist mir zu teuer“ können Sie den Nutzen gegenüberstellen: „Sie sagen das, weil ich Ihnen noch nicht alle Vorteile meines Angebots mitgeteilt habe. Da wäre ...“. Ist der Preiseinwand mit einem Konkurrenzangebot verbunden („Bei Ihrem Wettbewerber bekomme ich einen günstigeren Preis!“), können Sie Ihre Begründung auf den Vergleich aufbauen: „Genau deshalb glaube ich, dass Sie mit unserem Angebot besser fahren, denn unser Preisleistungsverhältnis ist besser, weil ...“.
Einwände spiegeln
Knüpfen Sie an den Standpunkt des Interessenten an und spiegeln Sie die Kritik: „Der Verschleiß spielt natürlich eine sehr große Rolle bei der Kaufentscheidung. Deshalb haben wir auch darauf geachtet, dass ...“. Wichtig dabei: Bevor Sie den Einwand entkräften, bestätigen Sie Ihren Gesprächspartner darin, dass der von ihm angesprochene Aspekt relevant ist. Damit erkennen Sie ihn als Fachmann an und öffnen ihn für Ihre Argumente.
Andere Aspekte hervorheben
Mit der Begründungsmethode können Sie das Gespräch auch auf andere Aspekte Ihres Angebots lenken: „Das Design ist sicher ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung. Aber gerade weil wir bisher vor allem darüber gesprochen haben, sollten wir uns noch etwas über die technische Ausstattung unterhalten.“ Sie lassen den Einwand zunächst stehen und nutzen die Gelegenheit, Ihre „Trümpfe“ auszuspielen. Je nach Verlauf des Gesprächs erledigt sich der Vorbehalt von selbst oder Sie kommen wieder auf ihn zurück. Im letzteren Fall haben Sie dem Kunden bereits die Produktvorteile nahe gebracht - so lassen Sie den Einwand nachrangig erscheinen.
Verständnis zeigen
Bei sehr klarem Widerstand des Kunden empfiehlt es sich, eine mögliche Konfrontation durch eine Gegenaussage zu vermeiden. Zeigen Sie deshalb Verständnis bei Aussagen wie „In meinem Alter mache ich mich mit Breitreifen am Auto doch nur lächerlich.“ Antworten Sie: „Ich kann Sie gut verstehen, dass...“ oder „Ich finde es gut, dass Sie bei diesem Aspekt eine so klare Meinung haben.“ Suchen Sie dann nach einer damit verbundenen Aussage, welcher der Kunde zustimmen kann, und beginnen Sie damit Ihre Entgegnung: „Gerade weil sich aber immer mehr ältere Menschen heute einen Sportwagen gönnen, sollten Sie die Meinung anderer beruhigt vernachlässigen.“
Teilweise zustimmen
Wenn ein Einwand nicht völlig unberechtigt ist, können Sie versuchen, mit einer Zustimmung zu einem Teilaspekt zu punkten: „Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass unsere Lieferzeiten etwas länger als üblich sind.“ Nutzen Sie dann Ihre Zustimmung als „Sprungbrett“ für Ihre weiteren Argumente: „Aber gerade weil das so ist, sind wir als extrem zuverlässige Lieferanten bekannt. Wenn Sie bei uns bestellen, können Sie definitiv davon ausgehen, dass die Termine auch eingehalten werden.“
Seien Sie schlagfertig
Nicht jeder ist so schlagfertig, dass ihm in jeder Situation das Richtige einfällt. Strukturieren Sie deshalb Ihre Antworten nach folgendem Muster:
- Versuchen Sie, den Kunden in irgendeiner Form zu bestätigen. Zeigen Sie ihm zum Beispiel, dass Sie den Einwand wichtig finden oder diesen von vielen Kunden zu hören bekommen.
- Benutzen Sie dann Ihre Bestätigung als Sprungbrett, um Ihre Argumente anbringen zu können.
- Vergewissern Sie sich, ob diese Argumente angenommen wurden. Fragen Sie zum Beispiel nach „Was denken Sie?“ oder „Stimmen Sie mir da zu?“ Damit bringen Sie das Verkaufsgespräch näher an einen möglichen Abschluss - oder erkennen, dass noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist.
Verkäufereinstellung: Von der Kundenkommunikation zur Menschenkommunikation
Kundenkommunikation - wenn ich dies großartige Wort als Laie schon höre, oder als Kunde erfahre, dass mein Berater in "Kundenkommunikation" geschult ist, macht mich das höchst misstrauisch: Werde ich jetzt über den Tisch gezogen? Wissen dieser Berater oder die Verkäuferin besser Bescheid über meine heimlichen Schwächen als ich selbst? Werde ich im Beratungsgespräch ausreichend wach sein können, um meine Kaufentscheidung im Nachhinein nicht bereuen zu müssen? Leider kenne ich das als Kunde nur zu gut. Ich sitze, schneller als ich denken kann, in einem Vertrag, aus dem ich gar nicht oder nur kaum mehr herauskomme ...
Anders geht es mir als Verkäufer: Natürlich will ich - theoretisch - nur das Beste für den Kunden, doch insgeheim werde ich doch von einem enormen Erfolgszwang getrieben, sei es, weil dieser mir von meiner Firma oder meinen Vorgesetzten vorgegeben ist, sei es als Selbstständiger, dass ich dem eigenen Erfolg verpflichtet bin. Hier kann es soweit kommen, dass ich mit meinem Produkt derart intim verbunden bin, dass ich geradezu wie gelähmt außerstande bin, für mich selbst zu werben. Ich fühle mich, als müsste ich mich prostituieren. Das merkt man mir unweigerlich an und vernichtet jeden Erfolg. Oder ich bin von meinem Erfolgszwang so dominiert, dass ich den Kunden unbedingt gewinnen muss und dadurch unangenehm aufdringlich werde.
Am schönsten für beide Seiten ist: Der Kunde kommt zum Verkäufer und wünscht genau das, was dieser zu bieten hat. Nur leider, so funktioniert es nur selten! In der Regel weiß der Kunde gar nicht, was es gibt (und was er will, wie manche Verkaufsstrategen meinen). Auch weiß der Erzeuger in der Regel nicht, was der Kunde wünscht und braucht. Es wird auf Vermutung oder aufgrund von Marktforschung produziert, die Produkte müssen also auf jeden Fall erst über die Werbung bekannt gemacht werden.
Es werden demnach Bedürfnisse geweckt, die vorher gar nicht da waren! Da sind wir wieder beim "Über-den-Tisch-Ziehen". Aber, stellen wir uns einmal vor, wie es wäre, wenn tatsächlich nur nach Bedarf produziert würde: Wären wir nicht in unserer gesamten Gesellschaftsentwicklung ganz woanders? Gehört nicht doch dieses Bedürfnis-Erzeugen als notwendiger Antrieb zu einer weiter treibenden Entwicklung dazu? Sicher: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Es wäre vielleicht alles schlichter, ruhiger und besinnlicher, aber auch eintöniger, langweiliger und längst nicht so farbenfroh und vielseitig.
Wir sehen: Die Rolle des Verkäufers wie auch die des Kunden können in unserer sich überschlagenden Zeit recht unangenehm werden. Wir wollen diese Rollen nicht und werden doch ständig durch das Goldene Kalb des Wirtschaftswachstums und durch den Erwerbszwang in diese Rollen gepresst. Eigentlich wollen wir Mensch sein, oder besser noch: Mensch werden, in Ruhe uns entwickeln können. Diese Rollen bedrängen uns (als Kunde) oder machen uns aufdringlich (als Verkäufer). Wir werden diese Rollen nicht abschaffen können.
Aber wie können wir sie gestalten, dass sie erträglich werden und ihren Zwangscharakter verlieren? Dass wir uns als Kunde wie auch als Verkäufer wohlfühlen und dieses Spiel auch als Spiel, was es schlussendlich ist, spielen lernen? Gibt es einen Ausweg? Ich sage: JA!
Die Frage ist, wie wir uns selbst verstehen. Eine Frage des Selbstverständnisses also, der eigenen inneren Perspektive. Wenn wir uns nur aus unseren Rollen heraus definieren, verkrampfen wir uns. Wir müssen uns wieder auf unser allgemeines Menschsein besinnen. Aber was heißt eigentlich Menschsein? Hier können uns heute Vorstellungen aus den religiösen Traditionen ebenso wie die aus der neueren Physik unterstützen.
Da sind wir an einem sehr spannenden Moment in der Entwicklungsgeschichte. Beginnen wir mit der Quantenphysik: Sie zeigt - und das mittlerweile seit über 80 Jahren - dass die Materie keineswegs so fest, definier- und prognostizierbar ist, wie sie uns vordergründig erscheint. Die Atome enthalten hauptsächlich leeren Raum. Die Welt ist Schein, Maya, wie in den östlichen Philosophien seit jeher gesagt wird.
"Das Verhalten der Atome ist grundsätzlich nicht vorhersagbar, und damit auch die gesamte Entwicklung. Es kommt einzig und allein auf die Beziehungen(!) an",
so Prof. Hans-Peter Dürr, Atom- und Astrophysiker, Träger des alternativen Nobelpreises im Rahmen des 2005 erklärten Potsdamer Manifestes. Oder Dr. Vandana Shiva, die indische Quantenphysikerin, Umweltaktivistin und ebenfalls Trägerin des alternativen Nobelpreises:
"...was wir dem Netz des Lebens antun, tun wir uns selbst an".
An dieser Stelle treffen physikalische und religiöse Sichtweisen zusammen; das ist der eigentliche, geradezu aufregende Quantensprung der heutigen Zeit! Vandana Shiva's Aussage erinnert an "Was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25.40). Oder an das östliche "Tat Twam Asi" - das (alles) bist du!
Was heißt das nun für mich als Verkäufer? Es heißt nichts anderes, als dass im Grunde mein Kunde ich selbst bin, dass ich letztlich mir selbst etwas verkaufe! Und dass ich, wenn ich meinen Kunden übertrumpfen oder hereinlegen will, letztlich nur mich selbst hereinlege! Schließlich auch meine Konkurrenz: Will, muss, soll ich sie wirklich mit den oft so brutalen, wenn auch üblichen Mitteln der Marktwirtschaft aus dem Feld zu schlagen versuchen?
Versuchen Sie doch einmal Folgendes: Sehen Sie Ihre Kundenkommunikation als ein Spiel an, das sie mit sich selbst spielen! Sagen sie, mit Tucholsky, innerlich während eines Verkaufsgespräches zum Kunden: "Ich bin du, nur anders". Einfach nur so, probieren Sie es einmal aus! Sie werden sehen, dass allein schon damit sich ganz neue Dimensionen der Einfühlung, der Empathie entwickeln, die Sie in die Lage versetzen, mit dem Kunden auf gleicher Augenhöhle zu kommunizieren. Sie werden sich viel besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Kunden einstellen können.
Lassen Sie die Kundenkommunikation zur Menschenkommunikation werden! Auch wenn dies anfangs recht ungewohnt sein mag und zugegebenermaßen ein gewisses Training erfordert: Sie werden sehen, dass Sie damit eine erstaunliche Entspannung im Verkaufsgespräch erreichen. Ihnen werden Worte einfallen, die unmittelbar aus der Sicht des Kunden inspiriert sind. So sollte sich der Erfolg wie von selbst einstellen. Daneben nehmen sich all die üblichen Verkaufstricks wie ein erzwungener Krampf aus. Doch keine Angst: Sie brauchen deshalb nicht gleich alles Gelernte wie zum Beispiel die Wahl und Wirkung von Worten über den Haufen zu werfen!
Auf dem Hintergrund der hier geschilderten inneren Haltung aber wird eine völlig neue Atmosphäre und ganz andere Qualität in Ihre Kundenkommunikation kommen, nämlich eine, die über den reinen Handelsaspekt hinausgeht, die der allgemein menschlichen Dimension wieder das ihr gebührende Maß gewährt. So paradox dies vorerst dem Verstand erscheinen mag: Es wird genau jene Dimension hinzukommen, die letztlich auch der Wirklichkeit entspricht. So macht es beiden Seiten Spaß!
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Persönlichkeit: Wie viel Talent braucht ein Key Account Manager?
Bevor Sie diese Frage für sich oder andere beantworten, sollten die Begriffe "Talent" und "Key Account Management" (KAM) etwas genauer betrachten werden. Der Begriff Key Account Management entstanden in den 70er-Jahren, und wird heute in fast allen Vertriebsbranchen benutzt, in denen es Kunden in Schlüsselpositionen gibt.
Der Key Account Manager (KAM) war zum einen ein Versuch, um den ungeliebten Begriff "Verkäufer" in Deutschland aufzuwerten, zeugte aber andererseits auch von einer Sonderstellung und Sonderverantwortung dieser Funktionsträger. Zum Beispiel die Anforderung komplexer und mächtiger Schlüsselkunden im Handel der Konsumgüterindustrie erforderten eine intensive und überregionale Betreuung eines sogenannten "KAM" oder "KAM-Teams". Auch in der Investitionsgüter- Dienstleistungs- und Pharmaindustrie ist der Begriff bereits fester Bestandteil der Organisationen.
Interessanterweise gibt es diesen Begriff vorwiegend im deutschsprachigen Raum. Sucht man eine klare Definition dieses Titels im Internet, ist die Bandbreite sehr hoch. Die häufigsten Begriffe innerhalb zahlreicher KAM-Definitionen sind jedoch "Betreuung", "Ertragsverantwortung" und "Beziehung".
Der heutige Key Account Manager ist also eine Art "Effizienz- und Beziehungs-Manager" in einem komplexen und wettbewerbsorientierten Umfeld. Er steuert und verantwortet die Umsätze und Erträge der wichtigsten Entscheidungsbeeinflusser beim Key Account, zu denen er eine intakte und tragfähige Beziehung aufbaut.
Talente fördern und kultivieren
Der Begriff Talent hat seinen Ursprung im Altgriechischen "talanton", seine Bedeutung war damals: Waage und Gewicht. Später wurde es, so wie viele antike Gewichtseinheiten, zu der Bezeichnung für eine Währung. Talente können also direkt mit Vermögen in Verbindung gebracht werden.
Es gibt aber auch eine zweite Bedeutung, nämlich die von besonderer "Fähigkeit". Jemand vermag etwas zu vollbringen und ist damit im Besitz der entsprechenden Fähigkeit. Aus der Erfahrung vieler Trainings und Coachings, basieren diese Fähigkeiten auf persönlichen "Ressourcen", auch "Persönlichkeitsstruktur" oder "inneres Team" genannt. Wenn diese inneren Ressourcen bekannt sind, kann man sie fördern und kultivieren. So entstehen im Sinne beider Definitionen individuelle nutzbare Talente.
Momentan gibt es einen Trend im Weiterbildungs- oder Coaching-Markt sich mehr auf die Bewusstmachung und Förderung von Talenten und persönlichen Stärken zu konzentrieren und weniger auf das "Ausmerzen" von persönlichen Schwächen oder Defiziten. Die Schwächenbekämpfung ist ein sehr langwieriger und wenig motivierender Weg. Der bekannte Psychoanalytiker C.G. Jung schrieb bereits:
"Kritik hat die Macht, Gutes zu bewirken, wenn etwas vernichtet, verringert oder aufgelöst werden muss, aber sie wird nur Schaden anrichten, wenn etwas aufzubauen ist!"
Wenn fachliche Kompetenzen auf persönliche Talente treffen, findet eine Potenzierung statt und es entstehen überdurchschnittliche anhaltende Ergebnisse. Diesen Effekt kann man bei den Leistungsträgern im Sport, in der Politik und im Wirtschaftsleben immer wieder eindrucksvoll beobachten.

Um nun die Eingangsfrage "Wieviel Talent braucht der Key Account Manager?" zu beantworten, hilft nebenstehendes Modell, welches seine Wurzeln in der themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn hat. Um nachhaltigen Erfolg und Spaß am Beruf des KAM zu haben, hat sich die Balance der Komponenten Person (Persönlichkeitsstruktur), Interaktion (Beziehung und Umgang mit anderen) und Sache (spezifische Fachkompetenzen) bewährt. Sein berufliches Umfeld muss der KAM als komplexes System begreifen, indem er eines von vielen zusammenhängenden und wechselwirkenden Einflussgrößen ist. Kurzfristiges und kausales Ursachen-Wirkungsdenken führt häufig zu ungeliebten "Überraschungen" und Misserfolgen.

Basierend auf den Ressourcen (oder auch Grundmotivatoren) einer PERSON lassen sich Talente für die Interaktion mit anderen Personen mehr oder weniger gut entwickeln und kultivieren. Zum Beispiel das wichtige Talent intakte und tragfähige Beziehungen auf und auszubauen, hängt vorwiegend von sozialen Grundmotivatoren einer Person ab. Um in wichtigen Verhandlungssituationen durchsetzungsfähig und präsent sein zu können, benötigt der KAM aber auch eine „machtvolle“ Komponente in der Persönlichkeitsstruktur. Missverständnisse sorgen für Beziehungsstörungen. Für die nachhaltige Entstörung von strapazierten Beziehungen braucht er sowohl sensibles Wahrnehmungsvermögen und Authentizität, als auch den Mut, Dinge offen zu thematisieren. In komplexeren Verhandlungssituationen, wie beispielsweise in einem Jahresgespräch beim Kunden, ist mehr eine logisch rationale Komponente der Persönlichkeit nötig, die Zielorientierung, Struktur und Strategie ermöglicht.
Branchenspezifische Fachkenntnisse dürfen nicht fehlen
Die Sachkompetenzen von Key Account Managern hängen eng mit den Anforderungen und Spezifika der Branche zusammen. Prinzipiell benötigt der KAM aber analytische und logische Ressourcen, um Zahlen sowie deren Zusammenhänge zu verstehen und aufzubereiten, um kaufmännische und strategische Prozesse zu beherrschen und auch Spaß an dieser „faktischen Welt“ zu haben. Zudem muss er auch zeitnah und richtig priorisiert dokumentieren, informieren und kommunizieren können. Bei der Kommunikation schließt sich der Kreis der wichtigen Talente wieder, da der KAM nicht nur überzeugende Konzepte und durchdachte Argumente braucht, sondern auch Gesprächspartner, die ihm gerne zuhören und ihn verstehen wollen. Aber auch die Fähigkeit kommunikativem taktischem Druck stabil, selbstbewusst und konfliktarm zu begegnen, ist essenziell.
Der Key Account Manager benötigt also viele unterschiedliche in sich balancierte Talente, um seiner Verantwortung gerecht zu werden und sich langfristig im Job wohlzufühlen. Talente für Effizienz und Humanität, für Diversifikation und Integration, für Zielerreichung und Beziehung. Er interagiert ja nicht nur mit den vertriebsorientierten Entscheidern der Schlüsselkunden, sondern moderiert immer interdisziplinärer die Marketing- und EDV-Abteilungen sowie die Logistik beider Unternehmen.
Wenn die Talente nicht entwickelt werden
Bleiben wichtige Ressourcen unentdeckt, oder unentwickelt, fehlen auch die Talente. Der KAM kommt in „Schieflage“, agiert einseitig und versucht mit viel Anstrengung zu kompensieren. Er macht mehr Druck oder manipuliert mehr in Gesprächen als nötig und erntet Distanz, Misstrauen oder Feindschaft. Oder er neigt zur Naivität sowie zielloser Beliebigkeit und wird ausgenutzt oder "brutal über den Tisch gezogen."
Die Folgen sind Überlastung, Demotivation und "Dünnhäutigkeit". Erste Symptome der inneren Unausgeglichenheit treten nach außen. Die anspruchsvollen Schlüsselkunden haben dafür wenig Verständnis und wenig Zeit. Die Ergebnisse werden immer kritischer, "Reparaturwerkstätten" häufen sich und letztlich stehen Entscheidungen an …
In vielen Vertriebsbranchen werden die Key Account Manager immer entscheidender für die Unternehmenszielerreichung. Also bewerben sich auch viele Verkäuferinnen und Verkäufer für diese Schlüsselfunktion. Fehlen jedoch die entsprechenden Talente, oder wurden sie nie nachhaltig und balanciert entwickelt, wird dieser anspruchsvolle Job zum "Spießrutenlauf". Hier lohnt es sich frühzeitig Zeit und Geld in die Aus- und Weiterbildung zu investieren, die immer bei der Entwicklung der Persönlichkeit und der Talente beginnen sollte!
Dann macht Key Account Management anhaltend Spaß und wird auch überdurchschnittlich honoriert.
Das Buch zum Thema: Praxishandbuch Key Account [98]
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Umsatzzahlen: Leichtes Plus im Direktvertrieb
Nach einem Minus im Vorjahr geht der Bundesverband Direktvertrieb davon aus, dass sich die Umsätze im Jahr 2008 wieder positiv entwickeln werden. Wolfgang Bohle, Geschäftsführer des Bundesverbandes Direktvertrieb, sagte auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Nürnberg:
"Mit einem leichten Umsatzrückgang von 0,33 Prozent liegen unsere Mitgliedsunternehmen nach dem ersten Halbjahr 2008 fast auf Vorjahresniveau. Nachdem unsere international tätigen Direktvertriebsunternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt in neue Märkte investiert haben - vor allem in Osteuropa, aber auch in Asien und Südamerika - richtet sich der Fokus nun wieder stärker auf den deutschen Markt."
Von Januar bis Juni 2008 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von gut 869 Millionen Euro über den Direktvertrieb verkauft - gegenüber gut 870 Millionen im 1. Halbjahr 2007. Bohle dazu:
"Traditionell ist das zweite Halbjahr im Direktvertrieb sehr viel stärker, sodass wir für das Gesamtjahr ein leichtes Plus erwarten.“
Aufgrund einer Prognose-Studie aus dem Jahr 2005 geht der Verband davon aus, dass der Direktvertrieb von Konsumgütern an private Endkunden in Deutschland ein Volumen von etwas über 8 Milliarden Euro hat. Diese verteilen sich auf etwa 100 bis 150 Unternehmen, wobei der Bundesverband mit 34 Mitgliedsunternehmen, darunter AVON, Deutsche Telekom, Mary Kay, Tupperware, Vorwerk und Yello Strom, die führende Branchenorganisation ist.
Getrübt wird das Halbjahresergebnis durch die rückläufige Zahl der Außendienstmitarbeiter, die zu über 90 Prozent als selbstständige Handelsvertreter tätig sind. Beschäftigten die Mitgliedsunternehmen Ende 2007 noch rund 177.000 Außendienstmitarbeiter, sind es Ende Juni 2008 nur noch 165.000 gewesen.
Aus Sicht des Bundesverbandes haben die rückläufigen Zahlen auch arbeitsmarktpolitische Gründe. So mangele es bei Behörden und Arbeitsagenturen an der Bereitschaft, selbstständige Beschäftigung mehr zu fördern. Besonders kritisch äußerte sich der Verband zur Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse. Diese sind laut Deutscher Rentenversicherung im Jahr 2007 auf 6,6 Millionen gestiegen - gegenüber 2006 ist das ein Anstieg um 3,3 Prozent.
Viele Arbeitgeber hätten in den letzten Jahren zehntausende Stellen zugunsten geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse abgebaut. Statt unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, gehe es vielfach nur um die Einsparung von Personalkosten. Bohle sagte:
"Dagegen bietet der Direktvertrieb seinen Mitarbeitern die Chance zu einer selbstständigen Tätigkeit und zu beruflicher Weiterentwicklung - jenseits von Minijobs und Hartz IV. Zudem kann eine Außendiensttätigkeit im Direktvertrieb nebenberuflich ausgeübt werden, und die Verdienstmöglichkeiten steigen proportional zum Umsatz. Bei Minijobs dagegen stehen die tatsächliche Arbeitszeit und die Höhe der Entlohnung in einem krassen Missverhältnis.“
Der Bundesverband Direktvertrieb fordert daher, den Schritt in die Selbstständigkeit stärker zu fördern, zum Beispiel durch einfachere und schnellere Genehmigung des Gründungszuschusses.
[po; Quelle: Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e.V.; Bild: Fotolia.com]
Kundengewinnung: So knacken Sie systematisch Ihre Wunschkunden
Die erste Pflicht: Informationen sammeln
Bevor Sie Ihre Verkaufsbemühungen starten, sollten Sie zunächst den Status quo unter die Lupe nehmen. Sammeln Sie alle verfügbaren Informationen über den Wunschkunden, bestellen Sie die aktuellen Kataloge und den letzten Geschäftsbericht. Auf der Website finden Sie die Angebotsstruktur, die AGBs und meist auch Pressemitteilungen. Lesen Sie auch Texte, die für Sie zunächst nicht relevant erscheinen. Man weiß nie, bei welcher Gelegenheit man das angeeignete Wissen einsetzen kann, und sei es nur beim Smalltalk vor und nach späteren Verhandlungen mit den Entscheidern.
Wer sind Ihre Mitbewerber?
Wenden Sie als Nächstes Ihren Blick auf die Konkurrenz. Fragen Sie sich, bei welchen Wettbewerbern der Wunschkunde einkauft und warum. Gibt es objektive Gründe wie zum Beispiel technologische Innovationen, Zertifizierungen oder ähnliches? Wenn ja, sollten Sie prüfen, ob Sie hier gleichziehen können. Häufig gibt es auch nicht rationale Gründe, warum der Wunschkunde bei einem Wettbewerber kauft. Das kann einfach die Gewohnheit einer langjährigen Geschäftsbeziehung sein, gute Kontakte der Konkurrenz oder ein besseres Image als Ihr Unternehmen es hat.
Argumente entwickeln
Warum sollte der Wunschkunde Sie plötzlich in seinen Lieferantenstamm aufnehmen? Entwickeln Sie konkrete Gründe, weshalb Ihr Unternehmen für den Wunschkunden interessant sein könnte. Vielleicht sind Sie in den Augen des Wunschkunden ein zu kleines Unternehmen. Dann werben Sie mit Argumenten wie „flexibel“, „kundenorientiert“ oder mit intelligenten Lösungen, die Sie für Einzelprobleme entwickelt haben. Entwickeln Sie auf diese Weise für jeden möglichen Grund, warum Ihr Wunschkunde nicht mit Ihnen zusammen arbeiten will, ein Gegenargument.
Die richtige Taktik finden
Bei der Entwicklung der Argumente sollten Sie schon einen Ansatzpunkt gefunden haben, mit dem Sie bei Ihrem Wunschkunden punkten können. Nehmen Sie diesen als Aufhänger für die Kontaktaufnahme und überlegen Sie, wen konkret das beim Wunschkunden-Unternehmen interessieren könnte. Gibt es zu diesen Personen vielleicht schon Kontakte? Gibt es vielleicht eine Fachmesse, auf der man einen Erstkontakt herstellen kann? Drei Fragen sollten Sie jetzt beantworten können:
- Mit welchem Argument spreche ich die Zielpersonen beim Wunschkunden an?
- Wer sind diese Zielpersonen genau (Name, Kompetenzbereich etc.)?
- Wie ist eine möglichst erfolgversprechende Kontaktaufnahme möglich?
Die Entscheider ansprechen
Dass Ihnen Ihr Wunschkunde nach dem ersten Gespräch einfach einen Auftrag gibt, ist meist unrealistisch. Richten Sie sich statt dessen auf einen längeren Weg ein. Den ersten Erfolg können Sie dann schon verbuchen, wenn Sie für eine Fachmesse mit der Zielperson einen Termin zum „Beschnuppern“ vereinbaren können. Das Ziel ist dann, einen guten Ersteindruck zu machen und interessante Unterlagen übergeben zu können. Öffnen Sie hier mit Fingerspitzengefühl schon die Tür für einen möglichen späteren Termin („Darf ich Sie einmal anrufen und fragen, wie Ihnen die Unterlagen gefallen haben?“) und nutzen Sie dann die nächste Gelegenheit, einen Probeauftrag übernehmen zu dürfen.
Messeauftritt: Faktor Mensch entscheidet über Messeerfolg
Messen sind häufig ein Muss für Firmen. Denn als Anbieter trifft man nur selten in so geballter Form auf potenzielle Kunden wie bei einer Ausstellung. Doch Messestände kosten sehr viel Geld. Indes, die besten Produkte, der schönste und größte Stand allein garantieren keinen Erfolg. Die Messe-Investition rechnet sich nur, wenn das Standpersonal es versteht, dort den Vertriebserfolg zu sichern.
Damit dies gelingt, sollten der Vertrieb und die Mitarbeiter, die den Stand betreuen, frühzeitig in die Planung des Messeauftritts einbezogen werden. Ihre tagtäglichen Erfahrungen mit Kunden liefern wichtige Hinweise beispielsweise für das zentrale Motto des Messeauftritts und für damit verbundene Marketing-Aktivitäten. Noch wichtiger: Diese Einbeziehung der Mitarbeiter stellt sicher, dass sie auf der Messe engagiert die Interessen ihres Unternehmens vertreten.
Zur Vorbereitung auf die Messe gehört es, dem Standteam zu sagen, wie sich das Unternehmen präsentieren will. Daraus ergeben sich etwa Vorgaben für die Kleidung der Mitarbeiter und auch das Auftreten (Knigge und Körpersprache). Unternehmen, die als erfolgreiches, technisch versiertes Unternehmen wahrgenommen werden wollen, sollten deutlich machen, dass Mitglieder des Standteams nicht mit Comic-Krawatte und Jeans auf der Bühne stehen können, sondern der klassisch dunkle Anzug mit hellem Hemd und Krawatte beim Publikum bestens ankommt. Andererseits: Bei Unternehmen, die als unkonventionell gelten, sind Krawatte und konservativer Anzug nicht erforderlich. Nur schlampig darf es keinesfalls sein, dann fällt die Qualitäts-Argumentation bei den Produkten schwer.
Bei erfahrenen Messe-Mitarbeitern ist dafür zu sorgen, dass Einstellung und Motivation stimmen, da sie die Messen oft als "Knochenarbeit" empfinden und ansonsten ihr Programm einfach runterspulen. Außerdem gilt es, im Rahmen eines Messetrainings eingefahrene Verhaltensweisen zu hinterfragen und zu optimieren. Bei Messe-Neulingen kommt es neben der Motivation zusätzlich darauf an, ihnen die Do´s und Dont`s, die spezielle Kommunikation, Tipps und Tricks zu vermitteln, um Gespräche initiieren zu können und ‚scheue’ Besucher an die Produkte heranzuführen und konkrete Termine im Anschluss an die Messe zu vereinbaren.
Mess- und machbare Zielvorgaben
Wer Mitglieder des Standpersonals fragt, welche Ziele sie für die Messe haben, erhält meist schwammige Antworten, etwa "So viele neue Kontakte wie möglich.", "Zeigen, dass wir leistungsstark sind." und so weiter. Doch das allein kann es nicht sein, dafür sind Messeauftritte zu teuer.
Die Ziele sollten daher klar definiert werden. Nur dann sind die Ergebnisse später mess- und kontrollierbar. Gemeinsam ist zu überlegen, welche Vorgaben sinnvoll sind. Die Fragen lauten:
- Wie viel Neuumsatz sollte die Messe bringen, damit sie sich rechnet?
- Wie viele Aufträge brauchen wir, um diesem Umsatz zu generieren?
- Wie viele Angebote müssen wir abgeben, um so viele Aufträge zu bekommen?
- Wie viele potenzielle Kunden mit Kaufinteresse brauchen wir, um so viele Angebote zu haben?
Schnell wird deutlich, wie viele Gesamtkontakte auf der Messe generiert werden müssen. Das Tagesziel für den einzelnen Stand-Mitarbeiter lässt sich dann leicht errechnen. Ebenfalls sollte festgelegt werden, welche Bestandskunden zur Messe eingeladen und welche Ex-Kunden möglichst zurückerobern werden sollen.
Originelle Kundenansprache
Wie viel Hilfe braucht ein Messebesucher? Scheinbar sehr viel, denn an 98 Prozent der Messestände wird gefragt: "Kann ich Ihnen helfen?" Doch die Frage hilft niemandem wirklich weiter. Weder dem Aussteller, der mit einer solchen Ansprache meist nur eine Abfuhr kassiert, noch dem Besucher, der genau die gleiche Frage schon tausend Mal an diesem Tag gehört hat.
Wer potenzielle Kunden mit einer solchen Standardfrage langweilt, hat die Chance auf ein informatives Gespräch bereits am Anfang vergeben. Der Gesprächseinstieg entscheidet, ob das Gespräch offen und in angenehmer Atmosphäre geführt wird oder ob die Beteiligten sich ohne Ergebnisse trennen. Es lohnt daher, sich im Vorfeld gute Einstiegsmöglichkeiten in Messegespräche zu überlegen. Schließlich dient eine Messe zunächst nicht zum fachlichen Austausch, sondern dazu, schnell eine gute Beziehung zum Besucher aufzubauen. Hierzu bedarf es einer angenehmen Atmosphäre, damit Gespräche offen und konstruktiv geführt werden können.
Beispiele zur Gesprächseröffnung: Am Produkt: „Schöne Maschine, nicht? Die haben wir auch in Blau!“ Wer jetzt schmunzelt, kann sich vorstellen, wer der Besucher ist. Oder am Gang: "Kommt Ihnen unser Unternehmen bekannt vor? In welcher Branche sind Sie unterwegs?" In aller Regel antwortet der Besucher auf die zweite Frage, und Sie können nun entscheiden, ob das weitere Gespräch interessant sein könnte. Oder auch: "Wow! Sie haben ja schon viele Informationen gesammelt! Scheint ja genau Ihre Messe zu sein. Wofür interessieren Sie sich denn besonders?"
Durch geschicktes Fragen lässt sich elegant, schnell und unverbindlich herausfinden, ob es sich um
- einen potenziellen Kunden mit Kaufinteresse,
- ohne Kaufinteresse oder
- um einen Nicht-Kunden handelt.
Je nachdem wird das Gespräch intensiver oder weniger intensiv weitergeführt. Auch die weiteren Aktivitäten nach der Messe richten sich danach. Mit dem potenziellen Kunden mit Kaufinteresse sollte ein konkretes Datum für eine Produktpräsentation oder eine Angebotspräsentation vereinbart werden. Beim potenziellen Kunden ohne Kaufinteresse sollte man am Ball bleiben, schließlich ändert sich die Bedarfssituation und Kaufinteresse entsteht. Auch Nicht-Kunden sollten stets freundlich und höflich behandelt werden. Nur, zu viel Zeit sollte man mit ihnen nicht verbringen, die fehlt sonst, um die Vorgaben zu erreichen!
Bestandskunden spielen auf allen Messen eine große Rolle. Meist werden die Gespräche mit ihnen noch weniger vorbereitet als Akquisitionsgespräche. Die Folge: Man sitzt gemütlich zusammen, plaudert zu viel und das ohne konkretes Ziel. Dafür ist die Messe zu teuer. Dabei ist die Messe ein schöner Rahmen, um gemeinsam über neue Projekte und Planungen zu sprechen. Auch Ex-Kunden sollten zum Messebesuch eingeladen werden. Auf neutralem Boden besteht die Chance für einen Neustart – möglicherweise mithilfe eines Messebonus, der für den Kunden interessant ist.
Ergebnisse auswerten
Nach der Messe entscheidet sich, ob sich der Aufwand rechnet oder nicht. Das ist zwar allen klar, aber der Alltag verschlingt häufig die Energie, die auf der Messe noch jeder gespürt hat. Versprechen ("… ich melde mich kommende Woche bei Ihnen") sind schnell vergessen und Zusagen ("… da meldet sich unser Herr XY sofort bei Ihnen") werden schlicht nicht eingehalten.
Je länger aber die Messe her ist, umso kälter wird der Kontakt, und irgendwann ist der Anruf bei dem Messekontakt ein Cold-Call mit allen seinen Nachteilen und Schwierigkeiten. Nur dass dieser Cold-Call viel Geld gekostet hat. Nach der Messe ist daher Konsequenz und am Ball bleiben angesagt. Am besten ist es, wenn die Zusagen auf der Messe realistisch bleiben nach der Devise: Lieber weniger versprechen und später halten als umgekehrt.
Etwa sechs Wochen nach Messe-Ende kommt es zum ersten Zwischenfazit. Zirka vier Monate später sollte der Verantwortliche einen Abschlussbericht erarbeiten, in dem er das Auftreten und das Ergebnis auswertet und Optimierungsvorschläge für die nächste Messe darstellt. Denn auch für Messen gilt in Anlehnung an eine alte Sepp-Herberger-Fußball-Weisheit: "Nach der Messe ist vor der Messe."
Fragetypen: Beim Verkaufen kommt es auf die richtige Fragetechnik an
Ein guter Verkäufer stellt dem Kunden Fragen, Fragen und nochmals Fragen – in allen Phasen des Verkaufsgesprächs. Das wissen fast alle Fachverkäufer. Schließlich wird ihnen dieses Wissen in Seminaren immer wieder eingetrichtert. Trotzdem reden viele Verkäufer im Verkaufsalltag zu viel und lassen die Kunden zu wenig zu Wort kommen. Eine Ursache hierfür ist: Die Verkäufer sind mit den verschiedenen Fragetypen nicht ausreichend vertraut. Deshalb hier einige Hinweise, welche Fragen Sie als Verkäufer wann stellen sollten, um Interessenten schnell und sicher zur Kaufentscheidung zu führen.
Mit Informationsfragen das Gespräch eröffnen
Gehen wir davon aus, Sie treffen einen Kunden zum ersten Mal – sei es in Ihrem Geschäft oder in Ihrer Verkaufsfiliale oder in dessen Wohnung. Dann wissen Sie in der Regel noch wenig über Ihren Gesprächspartner. Also gilt es zunächst zu ermitteln: Wer steht, oder sitzt mir gegenüber? Und: Was ist dieser Person bei ihrer Kaufentscheidung wichtig? Am einfachsten können Sie dies mit offenen (Informations-) Fragen erkunden, die der Kunde weder mit einem kurzen „Ja“ noch „Nein“ beantworten kann.
Offene Fragen sind unter anderem alle Fragen, die mit den sogenannten W-Worten wie „Was“, „Weshalb“, „Wann“ und „Wie“ beginnen. Zum Beispiel die Frage: „Was erwarten Sie von Ihrem neuen Kleid? Oder: „... Ihrem neuen Auto?“ Oder: „... Ihrer Altersvorsorge?“ Mit solchen Fragen lenken Sie die Aufmerksamkeit des Kunden auf die Ziele, die er mit dem Kauf verfolgt.
Meistens geben Ihnen die Kunden Antworten wie: „Ich möchte ein elegantes Abendkleid.“ Oder: „Unser neues Auto soll ein Familienfahrzeug sein, mit dem man auch in den Urlaub fahren kann.“ Mit so allgemeinen Aussagen geben sich gute Verkäufer nie zufrieden, denn sie liefern ihnen nicht die Detailinfos, die sie für das Verkaufsgespräch brauchen. Also sollten Sie in einer solchen Situation weitere offene (Informations-) Fragen stellen. Zum Beispiel: „Zu welchen Anlässen möchten Sie das Kleid tragen?“ Und: „Wie wollen Sie in dem Kleid wirken?“ Denn nur so erfahren Sie zum Beispiel, dass die Kundin ein Abendkleid sucht, in dem sie zwar elegant, aber nicht extravagant wirkt.
Ähnlich verhält es sich beim Autokauf. Hier kann die Nachfrage lauten: „Mit wie vielen Personen fahren Sie in Urlaub und was nehmen Sie außer dem normalen Reisegepäck mit?“ Denn dann erzählt Ihnen der Kunde zum Beispiel, dass in der Familienkutsche außer drei Kindern und einem Hund auch noch die Campingausrüstung Platz finden soll. Solche Detailinfos brauchen Sie nicht nur, um das passende Produkt auszuwählen, sondern auch um es dem Kunden so zu präsentieren, dass dieser zur Erkenntnis gelangt: „Ja, das möchte ich haben.“
Sich durch Bestätigungsfragen vergewissern
Bevor Sie dem Kunden zwei oder drei ausgewählte Produkte präsentieren, sollten Sie sich aber vergewissern: Habe ich auch wirklich verstanden, was dem Kunden wichtig ist? Am einfachsten gelingt Ihnen dies, indem Sie das bisherige Gespräch nochmals mit eigenen Worten zusammenfassen und zum Beispiel sagen: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, möchten Sie ein Abendkleid, das elegant und zugleich schlicht wirkt.“ Danach sollten Sie fragen: „Trifft dies zu?“ Sie stellen nach der Zusammenfassung also eine geschlossene (Bestätigungs-) Frage, die der Kunde mit Ja oder Nein beantworten kann. Der Vorteil eines solchen Vorgehens: Mögliche Missverständnisse werden vermieden.
Nehmen wir an, der Kunde signalisiert Ihnen: Ja, das will ich haben. Dann können Sie mit der Präsentation beginnen. Diese sollte aber ein Dialog sein. Kommunizieren Sie also mit Ihrem Gegenüber. Fragen Sie zum Beispiel, nachdem Sie den Schnitt eines Kleides erläutert haben: „Entspricht der lange Schlitz an der Seite Ihren Vorstellungen?“ Oder wenn Sie die Vorzüge des Materials beschrieben haben: „Wie gut gefällt Ihnen dieser Stoff?“
Beim Autoverkauf könnten die entsprechenden Fragen lauten: „Entspricht dieser Van mit sieben Sitzen, von denen man zwei herausnehmen kann, Ihren Vorstellungen?“ Oder: „Sagt Ihnen diese Lackierung zu?“ Und beim Verkauf von Kapitalanlagen? „Entspricht ein solcher Mix von sicheren und renditeträchtigen Anlagen Ihren Wünschen?“
Durch Nachfragen Teilentscheidungen herbeiführen
Stellen Sie während der Produktpräsentation immer wieder offene Informationsfragen, die zum Beispiel mit den Worten „Wie gut …?“, „Wie sehr …?“ beginnen. Oder stellen Sie eine Bestätigungsfrage, die vom Kunden eine Teilentscheidung verlangt, wie zum Beispiel: „Entspricht diese Fahrzeuginnenausstattung, die ..., Ihren Vorstellungen? Antwortet der Kunde „Nein“, sollten Sie unmittelbar zum Beispiel nachfragen: „Was genau entspricht nicht Ihren Vorstellungen?“ Denn dann gibt Ihnen der Kunde die nötige Information, um zum Beispiel Ihre Produktauswahl oder Ihre Verkaufsargumentation zu korrigieren.
Ein solches Vorgehen hat mehrere Vorteile:
- Sie sind in einem permanenten Dialog mit dem Kunden, sodass dieser sich ernst genommen fühlt.
- Sie überprüfen regelmäßig, ob Sie sich noch auf dem Weg zum Kaufabschluss befinden. Und:
- Sie veranlassen den Kunden dazu, im Verlauf des Gesprächs bereits viele Teilentscheidungen zu treffen.
Entsprechend leicht fällt ihm am Schluss die Entscheidung: „Ja, das kaufe ich.“ Denn sie ist eine logische Konsequenz der Teilentscheidungen, die er im Verlauf des Gesprächs traf.
Fragen im Konjunktiv erzeugen Unsicherheit
Hat der Kunde die relevanten Teilentscheidungen getroffen, können Sie den Abschluss sichern. Auch diese Gesprächsphase sollten Sie mit einer Frage einleiten. Doch Vorsicht! Jetzt geht es nicht mehr darum, ob der Kunde kauft. Es gilt vielmehr nur noch, die Modalitäten des Kaufs zu klären: Was, wann, wo, wie viel?
Stellen Sie deshalb in der Abschlussphase keine Fragen mehr, die beim Kunden erneut Unsicherheit erzeugen. Dies ist zum Beispiel bei allen im Konjunktiv formulierten Fragen der Fall wie „Entspräche das Ihren Vorstellungen?“ oder „Wären Sie mit dem Auto zufrieden?“Solche Fragen veranlassen den Kunden dazu, seine Teilentscheidungen nochmals zu überdenken.
Setzen Sie vielmehr, wie alle Spitzenverkäufer, in der Schlussphase das „Ja“ des Kunden zum Kauf stillschweigend voraus und fragen Sie zum Beispiel schlicht: „Bis wann sollen die besprochenen Änderungen an Ihrem Kleid ausgeführt sein?“ Oder: „Darf ich Ihnen, bevor ich das Kleid zur Kasse bringe, noch passende Schuhe zeigen?
Mit Alternativfragen den Abschluss sichern
Häufig stellen Verkäufer in dieser Gesprächsphase auch Alternativfragen, welche die Kaufentscheidung des Kunden voraussetzen. Zum Beispiel: „Soll ich im Kaufvertrag für das Fahrzeug die Farbe grau oder grün angeben?“ Oder: „Möchten Sie bar zahlen oder unser günstiges Finanzierungsangebot nutzen?“
So verkaufsoffensiv können Sie als Verkäufer ruhig agieren, wenn der Kunde alle relevanten Teilentscheidungen getroffen hat. Denn dann möchte auch er zum Abschluss kommen und sich über seine Entscheidung freuen ... und nicht endlos weitere Zeit im Gespräch mit Ihnen vertrödeln. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie als Verkäufer das gezielte Führen von Verkaufsgesprächen mittels Fragen sozusagen im Schlaf beherrschen. Denn dies erhöht nicht nur die Abschluss-Wahrscheinlichkeit, sondern erspart Ihnen auch Zeit – Zeit, die Sie zum Beispiel für das Erzielen weiterer Abschlüsse verwenden können. Oder zum Entspannen im Freibad, weil Sie Ihre Umsatzziele bereits erreicht haben.
Die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellen
1. Offene (Informations-) Frage: Beispiel: „Was erwarten Sie von einem guten…“; „Wie meinen Sie das?“
- Antwort: (mindestens) ein vollständiger Satz
- Nutzen: ideal zum Gewinnen von Informationen, Schaffen von Klarheit, Klären von „Bedenken“
2. Bestätigungsfrage: Beispiel: „Sehen Sie das genauso?“, „Haben Sie sich das so vorgestellt?“
- Antwort: Ja oder Nein, Zustimmung oder Ablehnung
- Nutzen: führt Teilentscheidungen herbei, ideal um Einwände zu vermeiden
3. Alternativfrage: Beispiel: „Wollen Sie lieber ... oder ...?“, „Passt es Ihnen besser am ... oder am ...?“
- Antwort: bewegt sich innerhalb eines vorgegebenen Korridors
- Nutzen: beschleunigt Entscheidung bzw. führt diese hierbei, gibt dem Kunden das Gefühl „Ich entscheide ...“ (ideal für Termingewinnung, Herbeiführung des Abschlusses)
4. Geschlossene Frage: Beispiel: „Gefällt Ihnen das Produkt?“
- Antwort: Ja oder Nein, wenig Information
- Nutzen: Nur zum Herbeiführen von (Teil-)Entscheidungen verwenden!
5. Suggestivfrage: Beispiel: „Sie wollen doch sicherlich auch ...?“
- Antwort: Ja! Stark manipulierend, kein Nein zulassend
- Nutzen: Bitte äußerst sparsam verwenden!
Fazit: Fragen Sie viel und richtig! Die wichtigsten Fragen sind die Informations-, Bestätigungs- und Alternativfragen.
Verkaufsstrategie: Empfehlungen vom Zufall befreien
Demnach lautet die entscheidende Frage:
- Wie mache ich meine Kunden (und Kontakte) zu Top-Verkäufern meiner Angebote und Services?
Modernes Empfehlungsmarketing ist viel mehr als die lapidare Frage nach ein paar Adressen oder die Überreichung eines Freunde-werben-Freunde-Flyers. Das Empfehlungsgeschäft kann systematisch entwickelt werden und findet heute in zwei Welten statt, die sich immer stärker miteinander verknüpfen:
Offline (Mund-zu-Mund): Die Empfehlung von einem Individuum zu einem anderen im Rahmen eines Gesprächs, die klassische Mundpropaganda also, die es zu allen Zeiten gab. So verbreiten sich empfehlenswerte Informationen eher langsam und innerhalb eines überschaubaren Kreises.
Online (Maus-zu-Maus): Die Massenempfehlung, die erst durch die neuen elektronischen Technologien möglich wurde. Dabei können per einfachem Mausklick über geografische und kulturelle Grenzen hinweg Tausende von Menschen schnell und kostengünstig auf ein empfehlenswertes Produkt aufmerksam gemacht werden. In kürzester Zeit kann die ganze Welt es haben wollen.
Dabei gibt es aktive und passive Empfehler. Passive Empfehler warten, bis sie bei passender Gelegenheit gefragt werden. Aktive Empfehler ergreifen von sich aus die Initiative. Sie sprechen allerdings eine Empfehlung erst dann aus, wenn sie sich ihrer Sache absolut sicher sind. Denn mit jeder Empfehlung steht auch der eigene Ruf auf dem Spiel.
Eine Empfehlungsstrategie entwickeln
Wer aktives Empfehlungsmarketing betreibt, wartet nicht in aller Bescheidenheit darauf, entdeckt zu werden, er treibt vielmehr den Empfehlungsprozess systematisch voran. Dies kann Vertriebs- und Marketingaktivitäten kräftig unterstützen. Und eine Menge Werbekosten sparen. Die Planung und Implementierung erfolgt in vier Schritten:
- Schritt: die interne und externe empfehlungsfokussierte Analyse
- Schritt: die Definition der Empfehlungsstrategie (Ziele, Zielgruppen etc.)
- Schritt: die Planung und Umsetzung passender Empfehlungsaktivitäten
- Schritt: die Kontrolle und Optimierung der Empfehlungsaktivitäten
Wer hoch hinaus will, braucht ein solides Fundament. Beginnen Sie also mit der empfehlungsfokussierten Analyse. Zweck dieses ersten Schrittes ist es, sein Umfeld und das eigene Unternehmen nach Empfehlungspotenzial abzuklopfen. Der nächste große Block in diesem Prozess ist die Empfehlungsstrategie, die auf Basis der Analyse entwickelt wird. Sie umfasst die Ziele, die angesteuert werden sollen und das Ermitteln der Zielpersonen, die auf dem Weg dahin helfen können. Die dann folgende gemeinsam mit den Mitarbeitern zu erstellende Maßnahmenplanung legt schriftlich fest, was genau wie und von wem bis wann mit wie viel Budget unternommen wird, um die anvisierten Ziele zu erreichen. Die anschließende Kontrolle misst die Ergebnisse und läutet eine Optimierungsrunde ein.
Schritt 1: Die Analyse
Denken Sie - am besten schriftlich – zunächst darüber nach, was bei Ihnen, Ihren Angeboten und Ihrem Unternehmen begeisternd, begehrenswert und damit empfehlenswert ist:
- Ihre empfehlenswerten Produkte und Services;
- Ihre empfehlenswerten Fachkräfte;
- Ihr empfehlenswertes Know-how;
- Sie als empfehlenswerte Persönlichkeit.
Solange Sie selbst keine Klarheit darüber haben, was bei Ihnen einzigartig ist, was Sie so ganz anders tun als die anderen, was Sie bemerkenswert macht, welche Ihrer Leistungen eine außergewöhnliche Geschichte hergeben, solange wird auch niemand im Markt über Sie sprechen. Am besten befragen Sie dazu einmal Ihre langjährigen Kunden. Von Kunden kann man eine Menge lernen.
Analysieren Sie auch, welche Ihrer Leistungen am stärksten weiterempfohlen werden. Konzentrieren Sie sich in Zukunft vor allem auf diese. Das potenziert Ihren Erfolg. Suchen Sie ferner nach konkreten Empfehlungschancen, indem Sie beispielsweise fragen:
- Wo stecken bei uns Empfehlungschancen vor dem Verkaufsprozess?
- Wo stecken Empfehlungschancen während des Verkaufsprozesses?
- Wo stecken Empfehlungschancen nach dem Verkauf, also während der Auftragsabwicklung, bei der Auslieferung, im After-Sales-Service?
Ermitteln Sie unbedingt auch Ihre genaue Empfehlungsrate. Sie ist der Ausgangspunkt im Empfehlungsmarketing und eine der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Denn sie entscheidet über die Zukunft eines Unternehmens. Wer nicht (länger) empfehlenswert ist, ist auch bald nicht mehr kaufenswert.
Fragen Sie am besten jeden neuen Kunden, der Sie von sich aus kontaktiert, gleich beim ersten Gespräch: „Wie sind Sie eigentlich auf uns aufmerksam geworden?“ Stellen Sie so den prozentualen Anteil der Kunden fest, die Sie aufgrund einer Empfehlung gewonnen haben. Ergründen Sie ferner, weshalb Sie empfohlen wurden und wie der Empfehlungsgeber heißt.
Schritt 2: Die Strategie
Definieren Sie nun Ihre kurz- und langfristigen Empfehlungsziele – und zwar schriftlich. Dann erstellen Sie eine Liste, auf der steht, wer Ihnen bei der Zielerreichung helfen kann und wohin Sie (in Zukunft verstärkt) empfohlen werden möchten:
- in welche Branchen,
- in welche Unternehmen,
- in welche Netzwerke,
- bei welchen Zielgruppen oder Wunschkunden und
- bei welchen Meinungsführern und Multiplikatoren.
Grundsätzlich gibt es fünf Empfehlungskreise, in denen Sie tätig werden können, um neue Kunden auf sich aufmerksam zu machen und durch Flüsterpropaganda zu gewinnen:
- das private Umfeld, also Familie, Freunde und Bekannte;
- das berufliche Umfeld, also Kunden, Lieferanten, Partner, Investoren;
- die Nachbarschaft und die lokale/regionale Öffentlichkeit;
- Menschen, mit denen Sie gemeinsame Interessen teilen (bei der Ausübung von Hobbys, in Berufs-Verbänden, Cliquen, Business-Clubs und Vereinen);
- online-basierte Netzwerke.
Dabei heißt es, beziehungsstarke Networker aufzuspüren, die Kontakte oder Kunden haben, an denen Sie interessiert sind - und die sich für Ihre Sache ins Zeug legen. Durchforsten Sie dazu einmal Ihre Adressdatei oder fragen Sie in Ihrem Umfeld: "Wen kennst Du, der jede Menge Leute kennt und zu der und der Zielgruppe gute Kontakte pflegt?" oder: „Wen würden Sie in Sachen … als maßgeblichen Experten am ehesten zu Rate ziehen?“
Menschen folgen gerne der Meinung und dem Verhalten von 'Alpha-Tieren'. Es ist nun mal nahe liegend, auf die Ratschläge von Menschen zu hören, wenn die breite Öffentlichkeit eine gute Meinung von ihnen hat. Erstellen Sie also eine Liste wichtiger und einflussreicher Personen mit allen Infos, die Sie über diese haben beziehungsweise beschaffen können und speichern Sie das in Ihrer Datenbank. Eine gute Datenbank ist übrigens das A und O jedes Networking – und im Empfehlungsmarketing äußerst hilfreich.
Abschließend durchforsten Sie Ihre Datensätze auf der Suche nach Kunden, die sie bereits empfohlen haben. Die Chancen sind hoch, dass sie zum 'Wiederholungstäter' werden. Pflegen Sie Empfehler und Stammkunden besonders gut, denn das sind genau die Kunden, die Ihre Konkurrenz am liebsten hätte.
Schritt 3: Maßnahmenplanung und Umsetzung
Nun machen Sie, am besten gemeinsam mit ihren MitarbeiterInnen, einen konkreten Plan, auf welche Art und Weise Sie das Empfehlungsmarketing anstoßen und systematisch auf- bezhiehungsweise ausbauen können. Die Methoden sind vielfältig und branchenspezifisch. In meinem Buch finden Sie hierzu eine Fülle von Anregungen und Beispielen:
Zukunftstrend Empfehlungsmarketing [99]
Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen schwachen und starken Empfehlungen:
Die schwache Empfehlung: Hierbei erhalten Sie Hinweise und Namen, übernehmen das Kontaktieren jedoch selbst, indem sie sich auf den Empfehlungsgeber berufen dürfen – oder auch nicht. Wenn Sie seinen Namen nennen dürfen, erwähnen Sie den Empfehler im Gespräch mit dem potentiellen Kunden möglichst mehrmals – und sprechen Sie immer wertschätzend über ihn. Wenn Ihr Empfehlungsgeber dagegen nicht will, dass sein Name genannt wird, halten Sie sich unbedingt daran. Alles andere käme einem Vertrauensmissbrauch gleich. Verzichten Sie notfalls auf das Geschäft. Das bestehende Kundenverhältnis geht vor.
Die starke Empfehlung: Bei der starken Empfehlung kontaktiert der Empfehler die Zielperson von sich aus und schafft die Brücke zu Ihnen. Diese Art der Empfehlung ist weitaus ergiebiger und sollte daher, wenn irgend möglich, angesteuert werden. So kann es beispielsweise gelingen, firmeninterne Mundpropaganda auszulösen, um damit tief in das Kunden-Unternehmen einzudringen und in bislang unerreichte Abteilungen vorzustoßen. Dabei können über viele Jahre Anschluss-Aufträge und neue Projekte generiert werden. Im ausschreibungsintensiven Investitionsgüterbereich kann eine qualifizierte Empfehlung sogar für Geschäfte sorgen, an die man sonst niemals herangekommen wäre. Und das erspart eine Menge Papierkram.
Bedanken Sie sich in jedem Fall beim Empfehlungsgeber für eine gelungene Empfehlung mit einer besonderen Geste. Denn eine Empfehlung ist ein Geschenk. An den, der die Empfehlung erhält - und an das empfohlene Unternehmen. Geben Sie dem Empfehler auch eine Rückmeldung darüber, was aus seiner Empfehlung geworden ist: unverzüglich und überschwänglich, vorzugsweise telefonisch oder besser noch persönlich. Denn die Menschen verstärken Verhalten, für das sie Anerkennung bekommen.
Schritt 4: Kontrolle und Optimierung
Im vierten Schritt ist schließlich zu kontrollieren, ob die durchgeführten Aktionen den gewünschten Erfolg erzielten. Die Optimierung setzt je nach Ergebnis an einen der vorherigen Schritte an.
Stellen Sie intern regelmäßig folgende Fragen:
- Wie viele Kunden empfehlen uns weiter? Und warum genau?
- Wer genau hat uns empfohlen? Und wie bedanken wir uns dafür?
- Wie viele Kunden sind aufgrund einer Empfehlung zu uns gekommen? Und warum genau?
Stellen Sie Ihren Kunden diese Fragen:
- Können Sie sich vorstellen, uns weiter zu empfehlen?
- Und wenn ja: weshalb?
- Und wenn nein: weshalb nicht?
Die Frage nach dem weshalb ist besonders wertvoll, denn sie eröffnet zusätzliche Lerngewinne und deckt konkreten Handlungsbedarf auf. Analysieren Sie unbedingt auch einmal: Wie hoch ist die Abschlussquote bei empfohlenem Geschäft? Und bei nicht empfohlenem? Oder: Welche Empfehler sprechen die wirkungsvollsten Empfehlungen aus? Oder: Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden Empfehlungsnehmer selbst wiederum als Empfehler aktiv?
Die strategische Ausrichtung auf aktive, positive Empfehler ist die intelligenteste, preisgünstigste und nicht zuletzt erfolgversprechendste Umsatzzuwachs-Strategie aller Zeiten. Und: Neukunden werden auf diesem Weg gleich mit geliefert – und zwar kostenlos.
Lesetipp:
Anne M. Schüller
Zukunftstrend Empfehlungsmarketing - Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten [100]
2., erweiterte und aktualisierte Auflage BusinessVillage 2008, 140 Seiten, zahlr. Abbildungen
[Bild: Fotolia.com]
Fortschritt: Key Account Management unterstützt Pharmaindustrie beim Vertrieb
Die Position des Key Account Managers gibt es in anderen Industriezweigen schon seit Jahrzehnten. Die KAMs der Pharmaindustrie sollen nun mit weitreichenden Kompetenzen eine hohe Beratungsqualität erzielen und individuell auf die neuen und bestehenden Kundengruppen und deren geänderte Bedürfnisse eingehen. Krankenhaus-Apotheker sind eine dieser Zielgruppen mit zunehmender Bedeutung für Pharmaunternehmen.
"Wer mit einem deutlichen Kundenfokus und individueller, langfristiger und partnerschaftlicher Betreuung am Markt agiert, hat den Schlüssel zum Erfolg und zu einer starken Kundenbindung in der Hand. Maßgeschneiderte Services für Apotheker und kommerzielle Entscheider im Krankenhaus sind ein noch gering besetztes Feld und bieten deutliche Chancen im Wettbewerb",
sagt Siegfried Ertl, Business Unit Leiter bei TNS Healthcare. Die vier Hauptbedürfnisse beziehungsweise Haupterwartungen der kommerziellen Ansprechpartner und Entscheider im Krankenhaus sind dabei folgende:
- Imageverbesserung: Krankenhäuser wollen mit Unternehmen zusammenarbeiten, die in die Forschung investieren und langfristige Kooperationen eingehen.
- Optimierung von Vertriebs- und Preispolitik: Preisattraktivität, Rabattsysteme sowie genaue Informationen über Lieferungen beziehungsweise Lieferprobleme sind gefragt.
- Qualität der Kundenbetreuung: regelmäßige, informative Besuche von einem festen Ansprechpartner.
- Fachkompetenz: ein Key Account Manager sollte Verhandlungs- und Entscheidungskompetenzen besitzen, genaue Produktkenntnis vorweisen sowie wissenschaftliche Studien und Praxis miteinander verbinden.
TNS Healthcare hat in seiner Studie zur Performance der KAMs untersucht, inwieweit die genannten Erwartungen bereits erfüllt werden und welchen Einfluss sie auf die Kundenbindung haben.
Hierbei beurteilten 58 Prozent der befragten Apotheker und ärztlichen Direktoren den Gesamtauftritt der Key Account Manager der abgefragten Unternehmen mit "sehr gut" oder sogar "ausgezeichnet". Fast 90 Prozent würden diese auch weiterempfehlen. Allerdings hat nur jedes zweite Unternehmen in den Augen der Befragten generell einen Wettbewerbsvorteil.
Was sind hierfür die Gründe? An welchen Schrauben muss die Pharmaindustrie drehen, um künftig im Wettbewerbsumfeld die Nase vorn zu haben? Um Handlungsmaßnahmen generieren und priorisieren zu können, benötigt man zunächst eine genaue Analyse der kundenbindungsrelevanten Leistungsfaktoren wie zum Beispiel die Qualität der Kundenbetreuung, Serviceorientierung sowie die sogenannte "Corporate Performance".
Anhand verschiedener Qualitäts- und Leistungsmerkmale, die hinsichtlich verbaler Wichtigkeit und wahrgenommener Erfüllung von den befragten Pharmafirmen beurteilt wurden, lässt sich folgende Aussage treffen: essentiell für die Zukunft sind strategische Partnerschaften. Diese konnten als Schlüsselelement identifiziert werden, welches notwendig ist, um Kunden langfristig zu binden. Wer nicht bereit ist, eine langfristige Partnerschaft mit Krankenhäusern einzugehen, lässt anderen Unternehmen den Vortritt.
Generell gute Noten bekommt die Industrie für ihre Glaubwürdigkeit - dies hat sich wieder zum Positiven gewandelt. Ebenfalls mit "gut" bewertet werden die kaufmännische und wissenschaftliche Kompetenz der KAMs.
Andere wichtige Themen, die sich aus der Studie ableiten lassen, sind die gesundheitspolitische Fachkompetenz sowie das Beziehungsmanagement. Diese sind von den Klinik-Apothekern als "unterdurchschnittlich" bewertet worden. Das bedeutet, hier wünschen sich die Krankenhäuser etwas mehr, als bisher von der Pharmaindustrie geboten wurde.
Einen wichtigen Einfluss auf die Kundenbindung haben auch Fachveranstaltungen für Apotheker sowie für die kommerziellen Entscheider im Krankenhaus, die laut der Studie bisher ebenfalls "unterdurchschnittlich" bedient wurden. Aber auch ganz allgemeines Informationsmaterial der Pharmaunternehmen verdient in den Augen der Befragten lediglich ein "durchschnittlich".
Zur Studie
TNS Healthcare befragte über 100 Apothekenleiter sowie ärztliche Krankenhausdirektoren in Deutschland zur Performance von Key Account Managern pharmazeutischer Unternehmen.
[po; Quelle: TNS Healthcare GmbH; Bild: Fotolia.com]
Frühwarnsignale: Banken können Kundenabwanderung verhindern
Die steigende Wechselbereitschaft der Kunden macht den Banken in Deutschland zu schaffen. Die Konsequenz: Rund neun von zehn Instituten planen, bindungsrelevante Kundengruppen eindeutig zu definieren und Abwanderungstendenzen frühzeitiger zu identifizieren. Neue "Frühwarnmelder" sollen die Mitarbeiter in den Filialen und Service Centern in die Lage versetzen, wechselwillige Kontoinhaber rechtzeitig anzusprechen. Mit den bisher eingesetzten Vorwarnsystemen sind nur 22 Prozent der Bankmanager zufrieden. Es hapert vor allem auf der Kosten-Nutzen-Seite. Dies sind die Ergebnisse der Potenzialanalyse Kundenbindung in Banken 2008.
Immer schnelllebigere Produkte, Lockangebote von Wettbewerbern und die zunehmende Vergleichbarkeit der Leistungen durch das Internet heben Wechselbarrieren auf. 60 Prozent der Kontoinhaber wollen bei einem entsprechenden Angebot zu einem Wettbewerber abwandern. Damit sind die Institute gefordert, Kundenbindungsmaßnahmen noch schneller als bisher üblich anzusetzen. Voraussetzung hierfür ist eine bessere Früherkennung der Wechselabsichten.
Warnsignale, dass sich ein Bankwechsel anbahnt, sind
- Beschwerden des Kunden,
- ein Wohnortwechsel,
- typische Verhaltensweisen, beispielsweise der Abzug von Spargeldern oder rückläufige Aufträge im Zahlungsverkehr sowie
- besondere Kunden- und Vertragsereignisse, wie etwa eine Heirat oder Fälligkeiten.
Dies alles sind Hinweise für den Berater in der Filiale, sich besonders um den Kunden zu bemühen. Eine Hochzeit bedeutet beispielsweise, dass Eheleute häufig nur noch ein gemeinsames Konto nutzen und einer von beiden seine Bankverbindung auflöst. Weniger kundenbezogen, dennoch relevant, sind Markt- und Wettbewerbseinflüsse: So können Zinsbewegungen oder zunehmende Aktivitäten ausländischer Banken dazu beitragen, dass sich Bankkunden nach alternativen Angeboten umschauen.
Die mangelnde Zufriedenheit der befragten Bankmanager mit den bestehenden Lösungen macht deutlich, dass die Institute ihre Möglichkeiten in Sachen Kundenbindung durch Früherkennung von Abwanderungstendenzen noch nicht ausschöpfen. Für ein funktionierendes Frühwarnsystem ist eine konsequente Verknüpfung der verfügbaren Kundendaten notwendig, um daraus die Wahrscheinlichkeit für eine Kündigung noch genauer ableiten zu können. Die Banken, die Wechselgründe kontinuierlich analysieren und bewerten, Muster in den Kündigungs- und Abwanderungsfällen suchen und entsprechende Kündigerprofile aufstellen, vergrößern die Erfolgsaussichten, ihre Kunden längerfristig zu binden. Zudem kommt es darauf an, rechtzeitig die Kundenloyalität aufzubauen.
Hintergrundinformationen
Für die Potenzialanalyse "Kundenbindung in Banken" wurde eine Online-Befragung im Auftrag von Steria Mummert Consulting in Kooperation mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung und der Fachzeitschrift Bankmagazin durchgeführt. Es nahmen 266 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche an der Umfrage teil.
[po; Quelle: Steria Mummert Consulting; Bild: Fotolia.com]
Konsumentenenergie: Wenn der Kunde das Sagen hat
Das Phänomen des emanzipierten Kunden gewinnt im Zeitalter von Digitalisierung und Web 2.0 für Unternehmen immer mehr an Bedeutung und macht ein Überdenken der bisherigen Unternehmensstrukturen notwendig. Während derzeit erst 17 Prozent der Unternehmen der neuen Macht der Kunden eine hohe bis sehr hohe Bedeutung beimessen, wird die „Customer Energy“ bis 2015 bereits für drei Viertel der Unternehmen zum kritischen Erfolgsfaktor.
Unternehmen, denen es nicht gelingt, Kunden in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren, müssen bis 2015 mit Umsatzeinbußen von bis zu 16 Prozent rechnen. Dies geht aus einer internationalen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor, für die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut IPSOS branchenübergreifend 3.000 Verbraucher sowie Unternehmen befragt wurden. Durch die Nutzung der „Customer Energy“ können enorme Umsatzsteigerungen sowie Kostenoptimierungen von durchschnittlich 5 bis 7 Prozent auf jeder einzelnen Wertschöpfungsstufe erzielt werden. Um diese weitreichenden Möglichkeiten zu nutzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, sollten Unternehmen
- Kunden nach ihrem Energiepotenzial segmentieren,
- ihre Unternehmensstrategie radikal überdenken und
- ihre Kunden beispielsweise durch offene Plattformen vor allem besser in die Produktentwicklung einbinden.
Dr. Martin Fabel, Principal bei A.T. Kearney und Leiter der Studie, beschreibt die Customer Energy so:
„Das Phänomen der Customer Energy an sich ist nicht neu, hat durch die Digitalisierung und Web 2.0 jedoch eine andere Qualität erhalten. Zielte Web 2.0 auf den Austausch zwischen den Internet-Usern, beschreibt Customer Energy die Beziehung von Kunden und Interessenten zum Unternehmen. Beispiele wie Wikipedia, Tripadvisor, YouTube oder Ebay verdeutlichen, dass sich das Verhalten der Konsumenten in den letzten Jahren verändert hat. Der moderne, emanzipierte Kunde akzeptiert nicht mehr länger stillschweigend als reiner Konsument seinen Platz am Ende der Wertschöpfungskette, sondern nutzt vor allem das Internet aktiv für seine neue Rolle als Entwickler, Produzent und Kritiker von Produkten. Auf diese neue Macht des Kunden müssen sich Unternehmen einstellen und ihr begegnen, wollen sie wettbewerbsfähig bleiben.“
Die Bedeutung von Customer Energy und die Chancen, die sich aus deren Nutzung ergeben, haben viele Unternehmen zwar bereits erkannt – das damit verbundene Potenzial jedoch in den wenigsten Fällen bereits ausgeschöpft. Die A.T. Kearney-Studie zeigt, dass bereits heute etwa jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) der Customer Energy einen erfolgskritischen Stellenwert beimisst und dieser weiter signifikant steigen wird.
Für 2010 halten 43 Prozent und für 2015 sogar 75 Prozent der befragten Unternehmen das Nutzen der Kundenenergie für sehr wichtig. Insbesondere der Handel, Unterhaltungselektronik-, Telekommunikations- und Medienindustrie erwarten, dass Customer Energy immer mehr an Bedeutung gewinnt, während für die Energie- und Versorgungswirtschaft, die Automobilindustrie und den Bereich Banken die Bedeutung geringer eingeschätzt wird.
Die Studie macht deutlich, dass sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette Kostenoptimierungen durch die Nutzung der Customer Energy realisieren lassen. Für jede einzelne Stufe belaufen sich diese auf durchschnittlich 5 bis 7 Prozent. Für den Handel ergibt sich beispielsweise durch die Einbindung der Kunden in den Bereich Innovation und Sortimentsbildung ein Kostenverbesserungspotenzial von 17 Prozent.
Branchenübergreifend sehen die Unternehmen bis 2015 insbesondere in den Bereichen Customer Care und Marketing das größte Potenzial und rechnen bis 2010 mit einer Umsatzsteigerung von durchschnittlich 7 beziehungsweise 4 Prozent. Die Kunden selbst wünschen allerdings bereits viel früher in den Wertschöpfungsprozess einbezogen zu werden. Dies gilt insbesondere für Innovation, in die 39 Prozent einbezogen werden möchten, und den Bereich Qualitätsmanagement (47 Prozent).
Defizite im Managen der Kundenbeziehungen
Laut Fabel zeige die Studie, dass die Unternehmen ihr aktiven und kreativen Kunden vielfach gar nicht erreichen. 54 Prozent der befragten Unternehmen kennen ihre Kunden nicht, die über eine hohe Customer Energy verfügen und bieten weder einen Kanal noch einen Prozess an, um mit ihnen in Interaktion zu treten. Im Bereich Banken und Versicherungen sowie in der Telekommunikationsindustrie ist der Anteil mit 80 beziehungsweise 70 Prozent noch viel höher. Fabel führt weiter aus:
„Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, da insbesondere Branchen wie Banken und Versicherungen, Telekommunikation, Travel und Transportation sowie Energie- und Versorgungswirtschaft durch ihre Vertragskundenstruktur und Customer Relationship Management (CRM) ihre Kunden besser kennen müssten.“
Diese Ergebnisse decken sich mit der Einschätzung der Konsumenten und offenbaren enorme Defizite im Management der Kundenbeziehungen: Vier von fünf der befragten Endverbraucher sind der Meinung, dass 81 Prozent der Unternehmen ihr produktives Potenzial noch nicht erkannt haben. 60 Prozent der Konsumenten ist schlicht nicht bekannt, wie sie zur Wertschöpfung eines Unternehmens beitragen können. Vor allem die Medienindustrie scheint auf den Austausch und den Dialog mit den Kunden noch nicht vorbereitet zu sein: Hier wissen 80 Prozent der befragten Konsumenten nicht, über welche Kanäle sie Kontakt zu den Unternehmen aufnehmen können. Lediglich 11 Prozent der Befragten gaben an, zu wissen, dass ihre Anregungen und Beiträge auch angenommen wurden. Fabel stellt fest:
„Welche Folgen es haben kann, die Bedürfnisse und Fähigkeiten seiner Kunden nicht zu kennen und ihnen nicht auf Augenhöhe zu begegnen, hat die Musikindustrie in den letzten Jahren leidvoll erfahren müssen und letztlich mit einem enormen Umsatzeinbruch bezahlt. Die Musikindustrie hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und es versäumt, die Energie ihrer Kunden in ihre eigenen Geschäftsprozesse einzubinden. Die bessere digitale Vernetzung hat es den Kunden ermöglicht, eigene Wege bei der Produktion und dem Vertrieb von Musik zu beschreiten.“
Immerhin 5 Prozent aller Konsumenten sind bereit, eine Stunde oder mehr ihrer Zeit für „ihr“ Unternehmen zu investieren – unter den ganz aktiven potenziellen Content-Lieferanten sind es sogar 11 Prozent. Die Motivation hierfür ist insbesondere Neugier, die über 50 Prozent der befragten Konsumenten als Hauptgrund angeben. Aber auch soziale Anerkennung (30 Prozent) und finanzielle Motive (31 Prozent) sowie Spaß (26 Prozent) spielen eine große Rolle. In dieser Frage überschätzen sich die meisten Unternehmen allerdings: Sie sehen vor allem die Identifizierung mit der Marke und Verbraucherfreundlichkeit als zentrale Beweggründe an.
Eine wichtige Erkenntnis für viele Unternehmen: Ohne gezielte Aktivierung der Content-Ersteller bleibt eine Web 2.0-Plattform eine IT-Investitionsruine. Erst wenn die Angebote für die eigene Einbringung auch ausreichend genutzt werden, entsteht auf einer Internetseite Traffic, der sehr schnell für das Unternehmen wirtschaftlich bedeutsam wird.
Ein Beispiel für die Integration und Umsetzung von Kundenwünschen
Um die Vorschläge von Kunden zu bündeln, hat der Computer-Hardware-Hersteller Dell im Internet die interaktive Plattform "Dell Idea Storm" [101] eingerichtet. Dort können Nutzer ganz unkompliziert Ideen für neue Produkte und Services vorschlagen. Sie können auch Ideen von anderen Nutzern kommentieren und deren Ideen "promoten" (positiv bewerten) oder "demoten" (negativ bewerten).
Durch die Zählung von positiven und negativen Bewertungen schwimmen gute Ideen auf und sind in der Kategorie "Popular Ideas" gesondert abrufbar. Dell gibt auch Feedback, welche Ideen bereits aufgegriffen wurden beziehungsweise in nächster Zeit berücksichtigt werden. Diese Rückkoppelung ist enorm wichtig und zudem vertrauensbildend.
Dell Idea Storm ist eine simple – aber gut umgesetzte – Lösung, um Kunden und Interessierte in die stetige Verbesserung des Angebots einzubinden. Über 9.000 Ideen und konstruktive Kritiken hat das interaktive Forum bereits generiert. Darunter mögen zwar wenig bahnbrechende Innovationen sein, aber doch eine ganze Menge an Dingen, die Dell aufgreifen und verbessern kann.
[Quelle: Beratungsletter von Förster & Kreuz [102] ]
Wettbewerbsvorteile schaffen durch Customer Energy
„Unternehmen, die ihre Kunden kennen und denen es gelingt, die Customer Energy gezielt zu nutzen, können nachhaltige Wettbewerbsvorteile entlang der gesamten Wertschöpfungskette erzielen. Sie müssen sich die Chancen, die die Nutzung der Customer Energy birgt, bewusst machen und bereit sein, einen Teil der Kontrolle und Verantwortung auf die Kunden zu übertragen“,
so Fabel. Dabei gilt es, Risiken und Vorteile entlang der verschiedenen Wertschöpfungsstufen zu bewerten und eine Strategie zu definieren und zu implementieren, die auf den Grundsätzen der Customer Energy basiert und über die herkömmlichen Formen des Kundenmanagements (CRM) hinaus geht. Zudem sollten Unternehmen ihre Internetstrategie überdenken, um die Kunden beispielsweise über offene Plattformen besser in die Produktentwicklung zu integrieren und damit zu einer nachhaltigen Verbesserung des Innovationsmanagements beitragen.
[po; Quelle: A.T. Kearney; Bild: Fotolia.com]
Erfolgsversprechend: Was man von Apple für den Verkauf und Vertrieb lernen kann
Steve Jobs von Apple ist der zur Zeit weltweit erfolgreichste Verkäufer von Elektronik, Software und Unterhaltungselektronik. Seit letztem Jahr hat er über 6 Millionen iPhones verkauft. Analysten schätzen, dass der Absatz bis Ende des Jahres noch auf 12 bis14 Millionen steigen könnte. Die Tatsache, dass noch vor der Markteinführung des iPhones die Vorbestellungen das Fassungsvermögen der Auftragsbücher sprengte, belegen welchen Kultstatus Produkte und Software von Apple mittlerweile haben. Hinzu kommt, dass niemand soviel kostenlose PR von meinungsmachenden Medien erhält wie Apple. Wie macht er das?
1. Er bündelt Aufmerksamkeit
Letzten Monat war es einmal wieder soweit. ‚His Steveness‘ hält wieder eine seiner legendären Keynotes ab. Bereits vorher stellt sich eine „wir warten auf den Weihnachtsmann Stimmung ein!“. Lustvoll spekulieren großen Medien wie Spiegel, Stern, Fokus, Süddeutsche, Manager Magazin und viele mehr, was Steve dieses mal aus dem Sack zieht. Unzählige diskutieren darüber in Foren und Blogs. Die Gerüchteküche brodelt und wir warten gespannt. Dann kommt Steve und präsentiert das iPhone 3G. Eigentlich keine große Sache, ein upgedates Smartphone. Doch keine halbe Stunde später stehen bereits die ersten Artikel auf spiegelonline, sternonline, focusonline, etc, die begeistert über diese Revolution berichten. Man könnte jetzt vermuten, die Medien sind alle gekauft. Das ist aber nicht der Fall. Über niemanden berichten die meinungsmachenden Medien weltweit so bereitwillig, wie über Steve, wenn er wieder eine seiner Keynotes hält.
Was machen die anderen? Die anderen jagen über das Jahr verteilt eine Pressemeldung nach der anderen an die Redaktionen raus. Jede Neuerung wird sofort ankündigt. Neue Visionen, Ideen, Konzepte, Studien und Pläne werden hinausposaunt. 99,9 Prozent aller Firmen betreiben Ankündigungspolitik. Und wie in der Politik ist das gähnend langweilig, unglaubwürdig und enttäuschend. Wer kennt das nicht, da stellen Autohersteller auf einer Messe wieder eine tolle Studie vor. Presse und Kunden sind begeistert. Das fertige Auto, drei Jahre später, ist eine vergleichsweise konventionelle, mutlose Kiste. Oder Microsoft, wie oft haben sie schon den großen Wurf angekündigt, dann kommt er meist zu spät und funktioniert erst nach dem zweiten Service Pack. So gewinnt man keine kostenlose Presse und keine begeisterten Fans, die Blogs und Foren füllen und voller Spannung der nächsten Ankündigung entgegenfiebern.
Was tun? Machen Sie es wie Steve. Kündigen Sie nichts mehr an! Vergattern Sie jeden Mitarbeiter zu tiefstem Stillschweigen über Neuerungen aller Art. Veranstalten Sie ritualisiert alle paar Monate einen Event oder eine Messe, um Ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. Die sollte es dann auch sofort am nächsten Tag zu kaufen geben. Idealweiser gleich im Anschluss an die Präsentation. Marketing heißt ja, man stellt etwas her und geht danach zum Markt. Dann schreit man laut: Seht her! Das habe ich da! Kauft es! So wie Steve Jobs es uns vormacht. Aber niemand will hören, lesen oder sehen: Hallo liebe Leute, wir werden dann und dann eventuell damit in dieser oder jenen Form zum Markt gehen! Auch wenn das alle anderen so machen! Sparen Sie sich das!
2. Er verkauft selbst
Das bemerkenswerteste an Steve Jobs ist, dass er sich auf die Bühne vor die Fernsehkameras stellt und seine Produkte und Software selbst verkauft. Er ist sich als Milliardär und Vorstandsvorsitzender nicht zu schade, diesen verpönten, unangenehmen aber wichtigsten Job eines Unternehmens selbst zu machen. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter. Er nimmt sich bei seinen Präsentationen vollkommen zurück: Ausgewaschene Jeans ohne Gürtel, Turnschuhe und Grau/schwarzer Rollkragen Pullover. Allein auf einer riesigen Bühne, sein Arbeitsplatz ist an der linken Seite, darüber große Bilder. Allein durch sein Art des Anziehens verstärkt er den Kontrast zu seinen iPhones, iMacs und iPods. Sie wirken neben ihm noch viel ästhetischer, schicker und begehrenswerter. Hinzu kommt seine Fähigkeit zu verkaufen, ohne dabei wie ein Verkäufer zu wirken. Er wirkt nie aufdringlich und anbiedernd. Stattdessen wirkt er wie ein Popstar, der eine Menge Spass an tollen Produkten hat und damit eine gute Show macht. Berühmt sind seine Running Gags wie „One more thing …“ Diese Art der Produktpräsentation ist so charakteristisch, dass sie „Stevenotes“ genannt wird.
Was machen die anderen? Wie viele Vorstandsvorsitzende und Inhaber kennen Sie, die ihre Produkte und Dienstleistungen selbst einer großen Öffentlichkeit vorstellen und verkaufen? Wenn Sie jemanden kennen der das macht, dann schicken Sie mir doch bitte eine Email. Mir fällt spontan niemand sonst ein. Dabei würde ich es sehr begrüßen Herr Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, würde alle halbjährlich eine „Speech to the Nation“ halten und mir und den Millionen Mitkunden die innovativsten Finanzdienstleistungen und Versicherungen persönlich im Internet vorstellen. Oder warum präsentiert uns Herr Obermann, Vorstandsvorsitzender der T-Kom, nicht regelmäßig die neusten Internet- und Telefondienstleistungen? Oder warum stellen sich die Vorstandsvorsitzenden von VW, Audi, BMW, Porsche und Mercedes nicht regelmäßig mit ihren neusten Autos auf die Bühne? Warum tun Sie das nicht? Trauen Sie sich nicht? Es wäre doch für Kunden, Presse und Mitarbeiter viel einfacher, unterhaltsamer und spannender, Neuigkeiten zu erfahren und für das Unternehmen viel günstiger und effizienter.
Was tun? Wenn Sie selbst der Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende oder Inhaber eines Unternehmens sind, dann stellen Sie sich in Zukunft auf die Bühne und verkaufen Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen selbst der Presse. Machen Sie es wie Steve, nehmen Sie sich optisch zurück und stellen Sie, was auch immer Sie verkaufen wollen, auf das Podest. Setzen sich sich direkt Ihren Kunden aus. Schauen sie sich auf Youtube die letzen Keynotes von Steve Jobs an. Das ist sehr inspirierend, lehrreich und anregend. Notieren sie sich die besten Idee und setzen Sie diese, für Ihre Produkte und Dienstleistungen um. Sie können das auch! Sie müssen sich nur trauen!
3. Er setzt auf gutes Design
Steve Jobs setzt auf Produkte und Dienstleistungen, die schön sind und einem das Leben und die Arbeit leichter und angenehmer machen. Natürlich gibt es Laptops, die mehr können als ein iBook, natürlich gibt es Smartphones, die mehr können als ein iPhone, natürlich gibt es MP3 Player ,die auch gut sind, aber alle diese Produkte sehen meist nicht gut aus und spielen nicht so mühelos zusammen wie Produkte aus der Apple Familie. Wer es noch nicht selbst erlebt hat, muss es ausprobieren, um zu erleben wie angenehm und intuitiv der Umgang mit diesen Produkten ist.
Was tun die anderen? Schauen sie sich in der bunten Warenwelt um, die meisten Produkte und Dienstleistungen sind schauerlich designed, nicht nur von der Optik sondern auch von der Benutzung her. Aber manchmal gibt es Ausnahmen. Die Deutsche Bank ist dieses Jahr hingegangen und hat ihre Kontoauszugsdrucker auf ein DIN A4 Format umgestellt und gleichzeitig die Kontoauszüge viel lesbarer gestaltet. Eine tolle Innovation, die mir als Kunde das Leben leichter macht und vermutlich der Bank nicht teuerer kommt als die traditonellen, häßlichen und kleinformatigen, die ich noch von meinen anderen Bankkonten jeden Monat bekomme.
Was tun? Investieren Sie mehr in das Design und die Benutzerfreundlichkeit Ihrer Produkte und Dienstleistungen. Spitzenverkäufer verkaufen in der Regel nur Spitzensachen, hinter denen sie auch stehen können. Dinge die sie selbst kaufen würden. Wenn Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen gut gestalten und benutzerfreundlich anbieten, dann machen sie Ihrem Marketing und Ihrem Vertrieb die Arbeit viel leichter. Ein kultiges iPhone zu verkaufen, ist für einen Verkäufer nicht schwierig. Irgendein Smartphone zu verkaufen schon.
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Online-Shopping: Sparen beim Kundensupport führt zu hohen Folgekosten
Nachfragen gehört auch beim Online-Shopping dazu. Mehr als jeder zweite Internetkäufer in Deutschland hat vor, während oder nach dem Kauf Rückfragen an den Verkäufer. Und das nicht nur einmal: Bei zehn Einkäufen im Internet haben die Konsumenten mehr als fünf Nachfragen. Online-Shopping ohne funktionierenden Kundensupport ist somit noch undenkbar. Hier zu sparen führt schnell zu immensen Folgekosten und im Extremfall zum Verlust des Kunden. Dies sind die Ergebnisse der Studie "Kommunikationskosten im Sales und After-Sales von E-Shops".
Allerdings lassen sich die Kosten für den Kundenservice reduzieren. Drei Viertel der Befragten schicken ihre Anfrage am liebsten als elektronische Post an den Kundenservice. Die E-Mail entpuppt sich jedoch als Kostenfresser unter den Kommunikationsmedien. Eine solche Kundenanfrage kostet die Shop-Betreiber rund fünf Euro. Greifen die Internetkäufer für Rückfragen zum Telefon, fallen sogar sechs Euro pro Anfrage an.
Wechselt der Web-Kunde dagegen nicht das Medium, sondern stellt seine Anfrage direkt über das Internet, beispielsweise per automatisiertem Chat oder dynamischen FAQs, schmelzen die Kommunikationskosten auf zehn Cent zusammen. Je häufiger Online-Shops Standardfragen direkt online beantworten können, desto weniger Kommunikationskosten kommen auf sie zu. Bei monatlich 5.000 Kundenanfragen beträgt das mögliche Einsparvolumen 15.000 Euro.
Weitere Einsparmöglichkeiten ergeben sich, wenn E-Commerce-Unternehmen wissen, bei welchem Kaufvorgang die Kunden Rückfragen haben. Sie können ihre Kapazitäten im Kundenservice gezielt dort einsetzen, wo die meisten Anfragen auflaufen und die Abläufe so anpassen, dass weniger Anfragen entstehen. Mehr als 60 Prozent der Käufernachfragen entstehen nach dem Klick auf den Kauf-Button. Häufig geht es um
- den genauen Zeitpunkt der Lieferung oder
- der Kunde möchte eine alternative Versandadresse angeben.
Darüber hinaus wenden sich 22 Prozent der Befragten direkt nach dem Erhalt der Ware an den Anbieter. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Reklamationen oder Umtauschmöglichkeiten. Mehr als jeder zehnte Befragte kommt zudem mit dem Bezahlvorgang nicht zurecht und fragt deshalb nach.
Zur Studie
Die Studie "Kommunikationskosten im Sales und After-Sales von E-Shops" stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag der novomind AG in Kooperation mit dem Fachmagazin Der Versandhausberater durchgeführt wurde. Dabei wurde analysiert, in welchen Fällen sich Kunden mit ihren Fragen an Online-Händler wenden und welche Kommunikationskosten den E-Shops dabei entstehen. Die Daten sind vom 2. bis zum 7. April 2008 erhoben worden. An der Umfrage beteiligten sich 428 Online-Shopper.
[po; Quelle: novomind; Bild: Fotolia.com]
Vertriebsplanung: Erfolgreiches Planen steigert die Verkaufschancen
Vertriebsplanung als Bestandteil der Unternehmens- und Marketingplanung
Diese Ausführungen zur Planung im Vertrieb beziehen sich auf ein Unternehmen, das im Business-to-Consumer Bereich tätig ist. Der Absatz an private Endverbraucher erfolgt überwiegend unter Einschaltung des Handels. Der Handel mit Konzernen wie beispielsweise Metro, Edeka, Rewe, Walmart oder Drogeriemarktunternehmen wie dm oder Schlecker, um nur einige zu nennen, ist seit vielen Jahren zum Engpassfaktor auf dem Weg eines Produktes zum Kunden geworden. Bevor ein Konsument ein Produkt kaufen kann, muss erst der Handel überzeugt werden, dass er dieses Produkt führen soll.
Verantwortlich innerhalb eines Unternehmens gegenüber dem Handel ist die Vertriebsabteilung. Nur wenige Unternehmen haben Produkte mit überragendem, nicht schnell zu imitierendem USP (Unique Selling Proposition, das heißt »unverwechselbares Nutzenangebot«, wie zum Beispiel. Marlboro, Coca Cola oder Odol, die der Handel für seine Sortimentsgestaltung benötigt, und nur wenige verfügen über die finanzielle Kraft, dauerhaft eine »Pull-Strategie« zu betreiben. Selbst für diese Unternehmen gilt, dass Erfolg beim Handel in den Händen der Vertriebsabteilung liegt.
Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie »die Kunst der marktorientierten strategischen Planung« beherrschen. »Der Planungsprozess beginnt auf der obersten Führungsebene. Dort werden allgemeine Grundsätze festgelegt bezüglich Zweck, Politik und Strategie des Unternehmens, um den Rahmen zu setzen, innerhalb dessen die einzelnen Unternehmensbereiche ihre individuelle Planung durchführen können.« [Kotler/Bliemel (2001): Kotler, Philip/Bliemel, Friedhelm: Marketing Management, Analyse, Planung und Verwirklichung, 10. Aufl., Stuttgart, S. 110]
Ausgehend von einem strategischen Gesamtunternehmenskonzept, müssen Teilpläne für Geschäftsbereiche, Produktkategorien, einzelne Produkte, einzelne Märkte oder auch einzelne Kunden erstellt werden, die sicherstellen, dass die Unternehmensziele erreicht werden. Der Marketingplan ist der wesentliche Bestandteil der Unternehmensplanung, der sowohl strategische wie auch taktische Aspekte berücksichtigt und in dem die einzelnen Instrumente des Marketing-Mix Produktpolitik, Kommunikationspolitik, Preis- und Distributionspolitik zielführend und operativ aufeinander abgestimmt werden. Es ist die Marketingabteilung, die für die Erstellung des Marketingplans federführend verantwortlich ist.
In der Praxis werden die meisten Entscheidungen in der Distributionspolitik nicht von Marketing in Gestalt der Marketingabteilung, sondern von der – hierarchisch gleichgestellten – in vielen Fällen sogar übergeordneten und nur selten untergeordneten Vertriebsabteilung getroffen.
Das Schaubild verdeutlicht diese Situation in der Praxis: Die Marketingabteilung oft auch (richtigerweise!) als Produktmanagement bezeichnet, ist verantwortlich für die Produktplanung und die Planung der kommunikativen Maßnahmen. Zu der Kommunikation wird sehr oft auch der »persönliche Verkauf« gerechnet. Auch hier zeigt die Praxis ganz eindeutig, dass der persönliche Verkauf in den Bereich der Vertriebspolitik gehört und damit von der Vertriebsabteilung bestimmt wird.

Die Preisgestaltung eines Produktes wird oft von beiden Abteilungen gemeinsam erarbeitet. Während das Produktmanagement kosten-, nachfrage- und wettbewerbsorientierte Aspekte des Preises einbringt, trägt das Vertriebsmanagement die Erwartungen des Absatzmittler, das heißt des Handels bei. Die Konditionenpolitik wiederum wird vollständig vom Vertrieb bestimmt.
Die Entscheidungen zur Distributionspolitik liegen praktisch allein in den Händen des Vertriebs. Dieser folgt in der Absatzwegepolitik den Maßgaben, die sich aus den grundsätzlichen strategischen Entscheidungen der Marketingabteilung zur Positionierung eines Produktes ergeben. So darf der Vertrieb ein Luxus-Produkt zum Beispiel mit hoher Preislage nur ausgewählten, exklusiven Vertriebspartnern anbieten. Alle anderen vertriebsbezogenen Entscheidungen aber trifft das Vertriebsmanagement unabhängig.
Der Marketingprozess liegt also in den Verantwortlichkeiten von zwei Abteilungsbereichen, der Abteilung »Marketing/ Produktmanagement« und der Abteilung »Vertrieb/ Vertriebsmanagement«. Dies spiegelt sich im Marketingplan wider mit der Konsequenz, dass die Fragen der Distributionspolitik einschließlich der Gestaltung sämtlicher vertrieblicher Aktivitäten und die Fragen der Konditionenpolitik, wenn überhaupt, am Rande und oberflächlich behandelt werden. Eine umfassende Marketingplanung aber benötigt eine Planung aller Marketing-Mix-Instrumente einschließlich der operativen Umsetzung im Vertrieb.
»Planung« im Vertrieb von heute
Planung im Vertrieb von heute ist kurzfristig. Eine mittel- oder gar eine langfristige Planung ist praktisch nicht zu finden. Zielvorgaben dienen primär der Steuerung der Feldorganisation, das heißt der Außendienstmitarbeiter.

Planung im Vertrieb von heute befasst sich wesentlichen mit der Planung nachfolgender Bereiche:
- Zielvorgaben für die Vertriebsmitarbeiter und damit verbundene Prämien- oder Provisionszahlungen: Üblich ist eine relativ ausführliche Planung von Zielvorgaben, die eine Prämien- oder Provisionszahlung zur Folge haben. Wichtigstes Kriterium sind Umsatzvorgaben. Zunehmend wird die Ertragskraft (Rohertrag/ Deckungsbeitrag) von Verkaufsabschlüssen berücksichtigen. Bei der Einführung neuer Produkte zum Beispiel werden Distributionsziele vorgegeben und mit Prämien honoriert. Besonders beliebt sind auch Prämien für den Verkauf von abverkaufsfördernden Produktaufmachungen in Displays, Paletten und so weiter. Eine präzise Planung der Zielvorgaben ist insbesondere in den Unternehmen anzutreffen, die einen Betriebsrat haben. Gemäß § 87, Abs. 10 des BetrVG hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei allen Fragen der betrieblichen Lohngestaltung. Weiterhin nach § 87, Abs. 11 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht bei der Festsetzung der Akkord und Prämiensätze und vergleichbarer leistungsbezogener Entgelte.
- Erlösschmälerungen (Rabatte, Delcredere, Boni, Skonto): Die Ermittlung des Konditionsaufkommens erfolgt meist pauschal, ohne Berücksichtigung der zu erwartenden Konditionsansprüche einzelner Kunden und orientiert sich an Vergangenheitswerten. Das Skontoaufkommen wird auf Basis des Bruttoumsatzes abgeschätzt.
- Retouren und Gutschriften: Retouren und Gutschriften werden präzise geplant, wenn der Relaunch eines Produktes ansteht oder ein Produkt vom Markt genommen wird. Für das Standardgeschäft werden Vergangenheitswerte zur Abschätzung des Retouren-, beziehungsweise Gutschriftenaufkommens zugrunde gelegt.
- Verkaufskampagnen: Eine Verkaufskampagne ist ein begrenzter Zeitraum – oft zwei oder drei Monate –, in dem durch den Vertrieb beim Kunden verschiedene Aktivitäten durchgeführt werden sollen. Solche Aktivitäten sind im Wesentlichen: die Einführung neuer Produkte, die Forcierung von Standardprodukten, Promotionaktionen für Neuprodukte und/oder Standardprodukte mit oder ohne POS-Aktivitäten, sowie Displayangebote. Die Planung dieser Verkaufskampagnen wird zwischen der Marketingabteilung und dem Vertriebsmanagement abgestimmt.
- Verkaufsunterstützung: Unter Verkaufsunterstützung sind verschiedene Materialien und Unterlagen zu verstehen, die Vertriebsmitarbeiter bei ihrer Arbeit beim Kunden unterstützen wie beispielsweise Salesfolder, Give aways, Produktbeschreibungen, Laptops für den Einsatz von CAS/CRM oder Regaloptimierungsprogramme und weiteres. Die Planung über die Anzahl, die Aufmachung und den Einsatzzeitpunkt ist meist sehr detailliert; denn der Vertrieb erwartet durch diese Materialien positive Auswirkungen auf seine eigene Zielerreichung.
Die Planung erfolgt auf Jahresbasis und wird in den meisten Unternehmen auf eine vierteljährliche, gegebenenfalls sogar auf eine monatliche Basis heruntergebrochen. Bezugsgröße für die Planung sind die Vertriebsmitarbeiter und die Produkte/Produktgruppen. In einigen wenigen Unternehmen plant die Vertriebsabteilung auch die Umsatzziele für einzelne wichtige Großkunden.
Planungsbereiche des Vertriebs
Die Vertriebsaufgaben können in folgende zu planende Bereiche systematisiert werden:
Planung der Kunden
Der Beschäftigung mit den Kunden, obwohl selbstverständliches und originäres Interesse eines jeden Unternehmens, muss noch viel mehr Aufmerksamkeit zukommen. Zielgerichtete Kundenorientierung beginnt mit der Bewertung der Kunden beziehungsweise deren Vertriebsschienen im Rahmen von ABC-Analysen oder Portfolio-Analysen. Das ist die Grundlage für die Entwicklung von Trade-Marketing, das heißt der Entwicklung von Aktivitäten eines Herstellers gegenüber dem Handel, die das Ziel haben, den Handel zu beeinflussen und die eigene Position in der Warengruppe im Absatzkanal zu verbessern.
Aufgrund der Struktur des Lebensmittelhandels, in dem die Top 5 Kunden 65,5 Prozent aller Umsätze und die Top 10 Kunden 86,2 Prozent aller Umsätze von insgesamt 218,5 Mrd. Euro auf sich vereinigen, muss ein individuelles Trade-Marketing für diese A-Kunden und deren Vertriebsschienen geplant werden.
Unter einer »Vertriebsschiene« ist eine Kategorie von Handelsbetrieben zu verstehen, wie zum Beispiel SB-Warenhaus, Verbrauchermarkt, Discounter, C+C Markt, Warenhaus, Drogeriemarkt und so weiter. Da der Handel vertriebsschienenbezogen denkt, muss eine übergreifende vertriebsschienenbezogene Trade-Marketingplanung für B- und C- Kunden erfolgen.

Natürlich gehören zu der Planung der Kunden auch die regelmäßige Ermittlung
- der Gesamtkundenanzahl,
- der Anzahl der Verkaufsgeschäfte, die das Produkt führen und
- die Festlegung der erwünschten Neukunden/Geschäfte,
- beziehungsweise auch der Kunden/Geschäfte von denen man sich trennen muss oder von denen man ausgelistet wird.
Planung der Vertriebsabteilung
Die Bereiche, die die Vertriebsabteilung selbst betreffen und die einer Planung unterzogen werden müssen, können zusammengefasst werden in:
- Organisation der Kundenbearbeitung;
- Mitarbeiter;
- Förderung der Kundenbearbeitung.
Diese Themenkreise werden gewöhnlich sehr prägnant unter dem Aspekt der »Vertriebssteuerung« behandelt. Hier wird bewusst von diesem Begriff Abstand genommen, um den Blickwinkel auf die Zielsetzung dieser Aktivitäten zu richten: den Kunden auf der einen Seite und die Mitarbeiter, die für die Kunden im Einsatz sind, auf der anderen Seite. Die Prozesse zwischen Unternehmen/Vertrieb und Kunde werden durch verschiedene, zum Teil sehr komplexe IT-Systeme unterstützt. Diese gehören ebenfalls in den Planungsprozess, sie sollen hier aber nicht weiter ausgeführt werden.
Planung der Organisation der Kundenbearbeitung
Eine Vertriebsabteilung setzt sich typischerweise aus der Verkaufsabteilung, die für die Außendienstorganisation zuständig ist, dem Key Account Management für Großkunden, dem Innendienst, oftmals einer Abteilung Handelsmarketing/Trade-Marketing und einer Stabsstelle Vertriebscontrolling zusammen. Immer wichtiger wird die Frage nach der richtigen
- Organisation der Betreuung von Großkunden: Key-Account-Manager sind für einzelne Kunden verantwortlich. In großen Konzernen sind es Kundenteams, die unter der Führung eines Key-Account-Managers die verschiedenen Aufgaben bei einem Kunden wahrnehmen. Durch die Bedeutung der Vertriebsschienen ist bei einzelnen Herstellern oftmals ein sog. Channel-Management eingeführt oder sog. Vertriebsschienen-Manager sind eingesetzt.
- Organisation der Kundenbetreuung in der Fläche: Zu der Organisation der Kundenbetreuung zählen auch die Betreuung der Kunden in der Fläche und damit die Frage nach der richtigen Organisation der Verkaufsgebiete. Die Anzahl der Bezirke und der Außendienstmitarbeiter wird beispielsweise durch das sogenannte Arbeitslastverfahren festgestellt. Besonders wenn Unternehmen Neukunden akquirieren, ist eine Überprüfung der Lage, Größe und der Grenzen dieser Verkaufsgebiete erforderlich. Erleichtert wird dies heute durch den Einsatz von geografischer Analysesoftware für die Standorts- und Gebietsplanung.
- Weiterhin ist die Struktur der Vertriebsabteilung für eine effiziente Kundenbearbeitung festzulegen. Je nach Größe des Unternehmens, vertretbarer Kostenbelastung und weiteren Kriterien wie beispielsweise dem Umfang des Produktportfolios, können Vertriebsorganisation nach Funktionen, Gebieten (horizontal), Produkten oder Kunden (vertikal) organisiert werden. Eine festgelegte Organisationsstruktur sollte in angemessenen Zeitabständen auf Akzeptanz bei den Kunden und optimalen Ablaufprozessen überprüft werden.
Planung der Mitarbeiter
Der Verkauf wird heute von Key-Account-Managern, Außendienstmitarbeitern und Mitarbeitern im Innendienst durchgeführt. Letztere haben vielfältige Kundenkontakte und übernehmen immer mehr Verkaufsaufgaben über Telefon (Call Center) und Internet. Auch alle Fragen um die Mitarbeiter sind einer regelmäßigen Planung zu unterziehen:
- Welcher Mitarbeiterbedarf (Stellen im Vertrieb) besteht quantitativ/ qualitativ oder an fremden/externen, fallweise oder für mehrere Firmen tätigen Personen, wie zum Beispiel Merchandiser;
- Aufgaben der Mitarbeiter;
- Art der Mitarbeiterbeschaffung;
- Kriterien für die Mitarbeiterauswahl;
- Art des Einsatzes der neuen Mitarbeiter.
Weitere Themenkreise sind: Art und Anzahl der Stellen im Vertrieb, Führungsrichtlinien, Entlohnungssysteme, Beurteilungssysteme, Kontrollinstrumente.
Planung der Förderung der Kundenbearbeitung
Zwei verschiedene Ansatzpunkte können unterschieden werden:
1. Fördermaßnahmen für die Mitarbeiter selbst:
- Motivationssysteme materieller Art wie Prämien und Provisionen oder Verkaufswettbewerbe, die sowohl zu materiellen als auch immateriellen »Belohnungen« führen,
- Vergütungssysteme und
- Training und Schulung von Verkaufsgesprächen, Führen von Verhandlungen oder beispielsweise Kommunikationstechniken wie Körpersprache oder NLP (Neurolinguistisches Programmieren).
2. Fördermaßnahmen zur Erleichterung der Arbeit beim Kunden:
- Salesfolder einschl. Jahresgesprächsfoldern,
- Preislisten,
- Produkte und Produktproben,
- Produkt- und Programmbroschüren, gegebenenfalls auch Firmenbroschüren und
- auch der Einsatz von CAS/ CRM kann dazu gezählt werden.
Planung des Ergebnisses
Erster Schritt ist die Planung von Maßnahmen, die bei den Kunden vorgenommen werden sollen:
- Listungs- und Distributionsziele (numerisch und gewichtet),
- Aktionsziele,
- Platzierungsziele,
- Ziele bzgl. Umschlagsgeschwindigkeit,
- Logistische Ziele und so weiter.
Dazu folgt im nächsten Schritt die Planung der ertrags- und kostenmäßigen Auswirkungen dieser Maßnahmen, wie:
- Umsatz- und Absatzziele,
- Erlösschmälerungen,
- Retouren und Gutschriften,
- Kosten für Versand/Transport der Waren/ Logistik,
- Kosten von Trade-Marketingmaßnahmen und
- Kosten der Vertriebsmitarbeiter.
Die Kostentransparenz sowie die Steuerung und Kontrolle der Mitarbeiter in der Vertriebsorganisation und die der Kunden wird verbessert, wenn die Ergebnisse auf einzelne Produkte, einzelne Kunden, einzelne Vertriebsschienen, einzelne Verkaufsregionen sowie möglichst auch einzelne Außendienstmitarbeiter als Deckungsbeitragsrechnung herunter gebrochen werden.
Inhalt und Aufbau eines Vertriebsplans
Es wurde dargelegt, dass ein eigenständiger Vertriebsplan in Ergänzung zum Marketingplan zu entwickeln ist. Ebenso wurden die Bereiche aufgezeigt, die einer Planung unterzogen werden müssen. In Anbetracht der Komplexität sollte sich ein Vertriebsplan aus folgenden Einzelplänen zusammensetzen:
- Kundenplan;
- Vertriebsressourcen- und Entwicklungsplan;
- Ergebnisplan.
Vom inhaltlichen Aufbau muss der Vertriebsplan kongruent zum Marketingplan sein, um diesen problemlos zu ergänzen.
- Analyse der Vertriebssituation (intern/extern);
- SWOT-Analyse;
- Vertriebs-Planziele;
- Vertriebsstrategie;
- (taktische) Maßnahmen/ Projekte;
- notwendige Investitionen/ Budgets einschließlich Ergebnisrechnungen;
- Timing und Verantwortlichkeiten.

Analyse der Vertriebssituation
Entscheidungen des Vertriebsmanagements bezüglich der Distributionspolitik sind abhängig von der Beurteilung der unternehmensinternen und der unternehmensexternen Faktoren. Im Rahmen einer Situationsanalyse sind sowohl für das eigene Unternehmen als auch für die wichtigsten Wettbewerber Untersuchungen anzustellen über:
- die eigene interne Vertriebssituation und die Vertriebsorganisation,
- die gewählten Vertriebswege und die Kunden innerhalb dieser Vertriebswege,
- die Vertriebssituation bei dem einzelnen Kunden,
- die Vertriebslogistik sowie
- sonstige externe Einflussfaktoren.
Die wichtigsten Fragen hierzu zeigt folgende Tabelle:

Im Anschluss an diese Situationsanalyse ist eine SWOT-Analyse [103] möglich. Für einzelne wichtige (A-)Kunden und deren Vertriebsschienen sowie für die verschiedenen Vertriebsschienen bei den kleineren Kunden können Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens, sowie Chancen und Risiken aus der Umwelt- und Wettbewerbssituation ermittelt werden.
Ziele im Vertrieb
Es lassen sich langfristige Vertriebsziele mit strategischer Bedeutung und operative Vertriebsziele, die kurzfristig durchzusetzen sind, unterscheiden. Zu langfristigen Vertriebszielen zählen zum Beispiel Erreichung von Kundenbindung, Verbesserung der Kundendeckungsbeiträge oder Aufbau eines neuen Vertriebskanals. Unter den kurzfristigen Zielen finden sich zum Beispiel Verkürzung der Lieferzeit, Durchsetzen von Preisveränderungen oder Vergrößerung der Außendienstmannschaft. Im Einzelnen leiten sich die Ziele im Vertrieb aus den aufgezeigten Planungsbereichen ab:
- Ergebnisbezogene Ziele: Marktanteilsziele, Umsatz/ Absatzziele, Deckungsbeitragsziele und so weiter.
- Kunden, beziehungsweise vertriebsschienenbezogene Ziele: Listungs- und Distributionsziele, Aktionsziele, Platzierungsziele, Ziele bezüglich Umschlagsgeschwindigkeit, Logistische Ziele und so weiter.
- Ziele der Vertriebsabteilung: Ziele bzgl. der Organisation der Kundenbearbeitung, Mitarbeiterbezogene Ziele, Ziele bei der Förderung der Kundenbearbeitung.
Vertriebsstrategien
Für die Vertriebsarbeit müssen zielführende Strategien entschieden werden. Im Hinblick auf die Gestaltung der Absatzwege, des Channel-Managements stehen folgende Strategieentscheidungen an:
- Grundsatzentscheidung direkte und/ oder indirekte Distribution, Einweg- oder Mehrwegdistribution/ Multi-Channel-Distribution;
- Selektionsstrategie (horizontal/ vertikal): Art und Anzahl der Absatzmittler in der indirekten Distribution einschließlich Entscheidung über Aufbau vertikaler Vertriebssysteme (zum Beispiel Franchising, Vertragshändler und so weiter).
- Strategischer Verhaltensstil gegenüber den Absatzmittlern. Es lassen sich Umgehungsstrategie, Ausweichstrategie, Kooperationsstrategie, Konfliktstrategie und Anpassungsstrategie unterscheiden.
- Trade-Marketing-Strategie (Stimulierungsstrategie).
Bezüglich der Gestaltung des Vertriebsmanagements/Sales-Management muss über folgende Strategien entschieden werden:
- Kundenbearbeitungsstrategie (Key-Account-Management, Kundenbearbeitung in der Fläche, Innendienst und so weiter);
- Make-or-Buy-Strategie: eigener oder fremder Außendienst (Einsatz von eigenen Reisenden, von Handelsvertretungen oder von beispielsweise Sales Service/ Contracting Agenturen);
- Organisationsstrategie (Aufbau- und Ablauforganisation/ Gestaltung der Vertriebsprozesse);
- Vergütungsstrategie;
- Motivationsstrategie.
Implementierung einer Planung im Vertrieb
Planung im Vertrieb zu etablieren und umzusetzen ist ein »Muss«, um das eigene Angebot auch in der Zukunft attraktiv zu machen und von den Wettbewerbern zu differenzieren. Das Vertriebsmanagement, das heißt die Vertriebs- und Verkaufsleitung sowie das Key-Account-Management ist für Planungsarbeiten zuständig.
Tatsächlich zeigt sich in der Praxis bei der Implementierung von Planungsprozessen und der Umsetzung der Ergebnisse der Planung in den Unternehmen eine Fülle von erheblichen Problemfeldern. Weiterhin, dass eine mangelnde Verbindung zwischen strategischer und operativer Planung besteht. »Dadurch bekommen strategische Pläne häufig nur den Charakter theoretischer Wunschvorstellungen, die sich in der Realität des Tagesgeschäfts nicht wieder finden lassen.« [Weber/Hamprecht/Goeldel (1997): Weber, Jürgen, Hamprecht, Markus, Goeldel, Hanns: Integrierte Planung – nur ein Mythos? In: Harvard Business Manager 8/97, S. 9]
Die operative Planung wiederum konzentriert sich inhaltlich auf Kenngrößen, die sich auf Formalziele beziehen. »Der Schwerpunkt liegt bei der Planung von Umsatz, Kosten, Absatz und den entsprechenden Ergebnisgrößen...Auf detaillierte Maßnahmeplanungen zum Erreichen der gesetzten finanziellen Ziele und auf sachzielorientierte Planungen von Qualitäts- und Servicegraden, Lieferpünktlichkeit, Auftragsbearbeitungszeiten et cetera trafen wir nur in Ausnahmefällen.« [Weber/Hamprecht/Goeldel (1997): Weber, Jürgen, Hamprecht, Markus, Goeldel, Hanns: Integrierte Planung – nur ein Mythos? In: Harvard Business Manager 8/97, S. 13]
Diese Situation entspricht nicht professionellem Management. Dabei sind nur einige wenige Regeln zu beachten, die zu einer guten Planung im Vertrieb führen:
- Die Planung sollte von besonders geschulten Mitarbeitern durchgeführt werden.
- Für die Erstellung der Planung muss ausreichend Zeit eingeplant sein.
- Die Planung muss als wichtige Aufgabe erkannt werden und den notwendigen Stellenwert bei den Verantwortlichen bekommen.
Beitrag aus dem Buch "Vertriebshandbuch - Erfolge im Verkauf planen und steuern" [104] . Mit freundlicher Unterstützung des Symposion Verlags [105] .
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High Probability Selling: Gewaltfrei verkaufen
Die klassische Lehre verfolgt einen eher kriegerischen Vertriebsansatz, der Kunden wie Verkäufern das Leben schwerer macht. Einen Ausweg zeigt High Probability Selling, ein erprobter und erfolgreicher Ansatz aus den USA. Das klassische Verkaufen verliert zu viel Zeit mit Nichtkäufern, und ist mit niedrigen Abschlussquoten und hohem Sales Turnover verbunden. 98 Prozent der aktuellen Verkaufsliteratur basieren auf veralteten Annahmen und predigen Variationen des AIDA Verkaufsprozesses: Aufmerksamkeit, Interesse, Druck, Abschluss! “ so Dr. Michael Franz. Demnach liegen dem heutigen Vertrieb vielfach falsche Annahmen zugrunde, wie folgender Vergleich zeigt:

Nahkampf Verkauf!
Die meisten Vertriebsschulungen und Vertriebsliteratur messen manipulativer Verkaufsrhetorik einen hohen Stellenwert bei. Es geht dabei immer um Methoden, die den Kunden zum Kauf bewegen sollen. Mit Rhetorik hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Beispielsweise wird immer wieder propagiert, keine geschlossenen Fragen zu stellen – also Fragen, die mit Ja/Nein beantwortet werden können. Gerade zu Beginn des Verkaufsgespräches könnte der Kunde das Gespräch mit einem „Nein“ beenden. „Kunden muss man zu ihrem Glück verhelfen! Die wissen doch gar nicht, dass Sie das Produkt brauchen.“ wird immer wieder konstatiert. Man kann doch nicht einfach das Gespräch gleich zu Anfang abwürgen lassen - schon gar nicht durch den Kunden selbst - ohne die Vorteilsargumentation heruntergebetet zu haben.
Das gesamte Verkaufsgespräch ist darauf abgestellt, dem Kunden alles entgegenzusetzen, das ihn von einem Abschluss abhält – ihn „an die Wand“ zu argumentieren. Der ganze Sprachgebrauch mutet kriegerisch an: Es gilt Widerstände zu brechen, Blockaden zu überwinden, den Kunden zu knacken. Es geht um Verkaufsstrategien und Gesprächstaktiken. Ganz ähnlich klingen auch Anleitungen zum Nahkampf und zur Kriegsführung. Wie sollen da Kunden gerne und entspannt einen Abschluss tätigen?
Gewaltfrei Verkaufen mit HPS
High Probability Selling geht einen anderen Weg. Einen Weg der gewaltfreien Kommunikation – ganz ohne Manipulation. Verkäufer, die HPS anwenden, trennen möglichst schnell „Kunden“ von Interessenten. Sie holen sich gleich zu Beginn der Kontaktaufnahme, ein klares Commitment des Kunden ab, dass er von
ihnen kauft, wenn sie seine Bedingungen der Zufriedenheit erfüllen. Sie investieren ihre knappe Verkaufszeit nur in Kunden, die sich unter dieser Bedingung eindeutig zum Kauf verpflichten. Anschließend prüfen sie, ob man dem Kunden trauen kann, ermitteln seine exakten Wünsche, Bedürfnisse und Bedingungen und präsentieren dann ein maßgeschneidertes Angebot. Dieser Verkaufsprozess führt für beide Seiten zu zufrieden stellenden Vereinbarungen. Weder Kunden noch der Salesman fühlen sich übervorteilt und unter Druck gesetzt, sondern beide genießen eine angenehme, vertrauensvolle und produktive Beziehung.
Von Kontaktarmut zur Warmakquise
Viele Salesmans leiden unter „Kontaktarmut“ – sie haben nicht genug Kontakte, denen sie ihre Produkte/Leistungen anbieten können. Logischerweise klammern sie sich an das bestehende Kontakt-Portfolio und versuchen mit persönlichem Einsatz alles, um einen Abschluss zu schaffen. Dass diese wenigen Kontakte dann keine Lust haben, einen Termin zu vereinbaren und den Verkäufer weiterzuempfehlen, ist nur verständlich. Viele Salesmans sitzen auch wie die Spinne im Netz und warten auf ihre „Opfer“. Für aktive Kundenansprache fehlen oftmals die Kontakte beziehungsweise es werden Vorsätze gefunden, sich um die Kaltakqusie zu drücken.
Mit HPS wird der telefonischen Kaltakquise der Schrecken genommen. Ein Dreh um 180 Grad - Der Kunde muss sich qualifizieren. Wie? Indem man ihn mit kurzen, maximal 36 Worte langen Offerings anruft, die sofort die Frage stellen, ob der Kunde das angebotene will oder nicht. Ja oder Nein! So wird schnell die Spreu von Weizen getrennt. Mit HPS werden per Telefon kaufbereite Kunden identifiziert und alle anderen für den Moment aussortiert. So werden nur wirklich kaufbereite Kunden besucht, um jetzt ein Geschäft auszuhandeln. Alle die in dieser Runde aussortiert wurden, werden je nach Produkt / Leistung in vier bis zwölf Wochen wieder angerufen. Über diese kurzen Anrufe baut sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis auf und die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunden nach sechs bis zwölf Monaten Ja sagt, steigt gewaltig.
Ist alles bisher praktizierte falsch?
Nein, der klassische Verkauf und Vertrieb funktioniert, er ist nur weniger effizient. Hinzu kommt, dass der klassische Ansatz mit einer Menge Nebenwirkungen verbunden ist: Zum einen mit einem hohen Sales Turnover – zum Beispiel scheitern 93 Prozent aller Verkäufer von Financial Services bereits im ersten Jahr, wie aktuelle Studien zeigen. Hinzu kommen zu viele Termine mit Nichtkäufern, das führt zu niedrigen Abschlussraten pro Termin und schlechten finanziellen Ergebnissen für den einzelnen Verkäufer. Nicht zu vergessen ist die große soziale Stigmatisierung des Verkäufers in unserer Gesellschaft. Niemand will mit einem traditionellen Verkäufer/Vertriebler zu tun haben. Das führt zu großen Motivationsproblemen, einer Abneigung gegen die Kaltakquise und mangelndem Selbst-Respekt.
Wie kann ein Unternehmen und dessen Mitarbeiter von HPS profitieren
HPS reduziert die oben genannten Reibungsverluste im Vertrieb und ist mit einer Reihe von Vorteilen verbunden. Zum einem mit wesentlich höheren Abschlussraten pro Termin und höheren finanziellen Ergebnissen pro Verkäufer. Auch die Stimmung im Team ist besser, da die Mitglieder erleben, dass Kunden gerne mit ihnen zu tun haben und sich an die Vereinbarungen halten. Das führt zu niedrigeren Sales Turnover und damit verbunden zu einem leichteren Management des Vertriebsteams. Wie also kann der Umstieg vom klassischen Verkauf zu HPS gelingen? Die Abkehr von einer langjährig praktizierten Methode bedeutet Veränderung und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun und Handeln. Oft kein leichtes Unterfangen. Fünf Punkte, wie der Wechsel gelingen kann:
- Zielfunktion ändern: Sich nur noch mit Kunden treffen, die jetzt bereit sind abzuschließen.
- Rolle neu definieren: Anstelle Verkäufer teure 1 zu 1 Marketingpräsentationen machen zu lassen, aus Ihnen Unterhändler machen, die gegenseitige zufrieden stellende Deals verhandeln.
- Spiel umdrehen: Anstatt Kunden zu erlauben einen nach belieben arbeiten zu lassen, Kunden systematisch zu (dis-)qualifizieren. Der Kunde muss beweisen, dass er meine Zeit wert ist.
- Messen & Werten: Systematisch Aktivitäten & Ergebnisse der Verkäufer messen. Wirkt wahre Wunder.
- Vertrauen prüfen: Aufhören Gemeinsamkeiten herzustellen und anfangen Kunden auf ihre Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit hin zu überprüfen. Ermöglicht ein Verhandeln auf Augenhöhe.
Wie Unterscheidet sich der traditionelle Verkauf von High Probability Selling?

Mehr zum Thema finden Sie in dem Buch:
"High Probability Selling – Verkaufen mit hoher Wahrscheinlichkeit", Business-Village, 2008 [106]
Kundenpflege: Gute Geschäfte mit gestressten Kunden!
Reduzieren Sie den Auswahlstress
„Darf es ein Glas Champagner sein“, lautet die erste Frage nach dem Aperitif im französischen Restaurant "Les Cuisiniers“ in München. Diese Empfehlung lohnt sich sowohl für die Gäste als auch für das Restaurant. Dem Kunden wird damit die Entscheidung abgenommen. Er muss sich nicht stundenlang durch die Karte kämpfen. Das Restaurant fördert damit den Abverkauf seines teuersten Aperitifs zu 9 Euro das Glas. Das gleiche Prinzip gilt für jedes Verkaufsgespräch, zum Beispiel im technischen Vertrieb: Hat der Kundenberater das Problem des Kunden wirklich verstanden, spricht nichts dagegen, ihm die mühsame Zusammenstellung von Produkten und Services abzunehmen und dadurch den Auswahlstress zu begrenzen: „Nehmen Sie am besten die Schmiermittel aus unserer Linie 5, die sind am hitzebeständigsten.“
Weniger Aktionen in besserer Qualität
Wieso sollte jemand eine Geburtstags- oder Weihnachtskarte von Ihnen wollen - mit einem eingedruckten Standardspruch und dem Firmenstempel? Wenn Sie nicht sicher sind, ob einzelne Marketingmaßnahmen bei Ihren Kunden gut ankommen und in welcher Frequenz, dann fragen Sie eine repräsentative Auswahl von Kunden. Häufig zeigt sich, dass gut gemeinte Aktionen gleichgültig, manchmal sogar genervt aufgenommen werden. Bündeln Sie deshalb Ihre Aktionen auf weniger Termine im Jahr und erhöhen deren Qualität, zum Beispiel durch nützliche Informationen („Ihre Inspektion ist fällig“) und eine individualisierte Ansprache. Das erhöht die Aufmerksamkeit und schont gleichzeitig Ihr Marketingbudget.
Sicherheit reduziert Stress
Ein großer Auslöser von Stress ist die Angst, dass bei Lieferungen und Leistungen etwas schief gehen könnte. Wenn Sie Ihren Kunden diese Angst nehmen können, haben Sie schon viel gewonnen. Setzen Sie also alles daran, dass Sie gemachte Zusagen auch einhalten. Sollte dies nicht möglich sein, legen Sie das möglichst frühzeitig offen und erklären Sie die Gründe.
Sicherheit vermittelt auch die ständige Erreichbarkeit: Sorgen Sie dafür, dass Sie oder andere kompetente Gesprächspartner für nachfragende Kunden stets erreichbar sind und aufkommende Sorgen sofort zerstreut werden können. So sparen sich zum Beispiel die Paketdienste viele unnötige Nachfragen von Kunden, weil diese über Internet den Stand ihrer Paketzustellung verfolgen können. Sicherheit hat noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt: Viele Kunden werden in der Regel bereit sein, für diese Sicherheit auch höhere Preise zu akzeptieren, weil sie Billiganbietern häufig nicht vertrauen.
Dosieren Sie Innovationen
Viele Kunden möchten sich nicht ständig in neue Angebotsstrukturen von Lieferanten und Dienstleistern einarbeiten, denn das verursacht Arbeit und damit unter Umständen Stress. Dosieren Sie deshalb Ihre Neuheiten und verändern Sie vor allem Ihren Standardkatalog nicht zu sehr, damit die Kunden bereits Erlerntes und Vertrautes nicht verlieren. Gibt es Änderungen in der Systematik (zum Beispiel neue Rabattstaffeln oder eine andere Einteilung des Sortiments), sollten Sie das den wichtigsten Kunden persönlich oder telefonisch, den anderen mit einem Beiblatt erklären. Auch bei Produktinnovationen sollten Sie beim Design der Bedienungselemente nach Möglichkeit auf Vertrautes zurückgreifen und dadurch entstandene Zugangsbarrieren mildern.
Bewusst ältere Mitarbeiter beschäftigen
Gerade ältere Kunden fühlen sich durch allzu dynamische Verkaufsmitarbeiter manchmal nicht verstanden oder sogar bedrängt. Beschäftigen Sie deshalb bewusst auch ältere Menschen, denn diese strahlen oft Erfahrung, Ruhe und Verlässlichkeit aus. Mit einem Team, dessen Altersklasse gemischt ist, können Sie jeder Altersklasse Ihrer Kunden entsprechende Betreuer anbieten. Versuchen Sie auch, die Personalfluktuation in der Kundenbetreuung möglichst gering zu halten, denn häufig wechselnde Ansprechpartner führen zur Verunsicherung der Gesprächspartner - und damit eventuell zu Stress.
Fünf Tipps, wie Sie Stress im Verkaufsgespräch vermeiden
- Kommen Sie zu Besuchen auf jeden Fall pünktlich, denn Gesprächspartner unter Stress nehmen unnötigen Leerlauf besonders übel. Sind Verspätungen unausweichlich, geben Sie telefonisch Bescheid, damit die Zeit anderweitig genutzt werden kann.
- Spiegeln Sie das Kommunikationsverhalten Ihrer Gesprächspartner. Wenn Gesprächspartner viel telefonieren, kann man sie auch oft anrufen. Wer eher E-Mails schickt, fühlt sich durch Anrufe eher gestresst.
- Wenn Sie sich unsicher sind, ob für eine Präsentation ausreichend Zeit zur Verfügung steht, fragen Sie diese Information ab: „Ich möchte Ihnen heute gerne drei unserer neuen Sensoren vorstellen. Das wird etwa 30 Minuten dauern.“ Auf diese Weise geben Sie Ihrem Gesprächspartner Planungssicherheit.
- Wer unter Stress steht, reagiert auf „Ticks“ anderer Menschen besonders sensibel. Achten Sie deshalb besonders darauf, nicht ständig in Unterlagen zu blättern, mit dem Kugelschreiber zu klappern oder sich öfter mit der Hand über die Haare zu fahren.
- Eine ausführliche Bedarfsanalyse ist bei gestressten Gesprächspartner besonders schwierig: Man will keine Fragen, sondern Lösungen hören. Formulieren Sie deshalb Ihre Fragen so, dass sie bereits Lösungsansätze enthalten: „Haben Sie schon Erfahrungen mit synthetischen Ölen gemacht?“
Verkaufstraining: Strategie beim Fußball abgeschaut
Wie kann ich sicherstellen, dass mein Team die Vertriebsziele erreicht? Vor dieser Frage stehen Verkaufsleiter immer wieder. Entsprechend viele Konzepte zur Vertriebssteuerung und Steigerung des Verkaufserfolgs gibt es. Die meisten eignen sich für den Verkaufsalltag nicht, weil sie in der Regel versuchen, den Verkaufserfolg weitgehend über Kennzahlen zu steuern. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der Erfolgssteuerung zur Erfolgskontrolle. Denn Zahlen dokumentieren nur die Erfolge der Vergangenheit. Aus ihnen geht zwar hervor, ob ein Ziel erreicht wurde, sie zeigen aber nicht, was getan werden sollte, um es zu erreichen.
Aufs Spielfeld blicken
Um dies zu erkennen, müssen Verkaufsleiter sich mit den Prozessen befassen, die zu den Zahlen, also Ergebnissen, führen. Ähnlich wie ein Fußball-Trainer – zum Beispiel der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft Joachim Löw. Er steuert den Erfolg seiner „Mannen“ nicht, indem er ihnen zum Beispiel vor Beginn der Europameisterschaft vorgab: Jungs, ihr müsst in jedem Spiel mindestens drei Tore schießen. Er sitzt vielmehr bei jedem Spiel auf der Trainerbank. Und dort schaut er nicht auf die Anzeigetafel, wo der aktuelle Spielstand steht. Er blickt vielmehr aufs Spielfeld, um zu erkennen, ob seine Spieler zum Beispiel genügend Einsatz zeigen, ein gutes Stellungsspiel praktizieren oder ausreichend über die Flügel spielen. Nur dann kann er ihnen, wenn sie in Rückstand geraten, Tipps geben, wie sie das Spiel noch gewinnen können und so den kurzfristigen Erfolg beeinflussen.
Entsprechendes gilt für den mittel- und langfristigen Erfolg. Auch um ihn zu beeinflussen, muss ein Trainer wie Joachim Löw das Verhalten seiner „Mannen“ beim Spiel analysieren. Nur so erfährt er, wer wie viele Zweikämpfe gewinnt und wie viele Flanken ankommen. Diese statistischen Daten, also Kennzahlen allein nützen dem Trainer aber wenig. Denn wie zum Beispiel der Spieler Michael Ballack oder Miroslav Klose die Zahl der gewonnenen Zweikämpfe steigern kann, erfährt Löw erst, wenn er sein Wissen, dass zu wenig Zweikämpfe gewonnen wurden, mit seinen Beobachtungen beim Spiel vergleicht. Erst dann wird klar, ob der Spieler so viele Zweikämpfe verlor, weil er zum Beispiel
- zu langsam ist,
- ein schlechtes Stellungsspiel praktiziert oder
- ihm der nötige Einsatzwille fehlt.
Folglich erkennt er auch erst dann, was getan werden sollte, damit künftig der gewünschte Erfolg eintritt.
Heute den Erfolg von morgen sichern
Ebenso ist es im Verkaufsbereich. Ein Verkaufsleiter, der nur die Zahlen „studiert“, kann den Erfolg seiner „Mannen“ nicht beeinflussen. Nur indem er sich mit ihrer Arbeitsweise befasst, kann er ihre Leistung steigern. Ein Beispiel: Der Verkaufsleiter eines Softwareherstellers vereinbart mit einem Außendienstmitarbeiter Anfang Juli, dass dieser im September fünf Software-Lizenzen verkaufen soll. Wenn beide keine weiteren Vereinbarungen treffen, kann der Verkaufsleiter nur hoffen, dass der Mitarbeiter dieses Ziel erreicht. Denn dann bleibt es dem Zufall überlassen, ob der Verkäufer im Juli und August die nötigen Vorarbeiten durchführt, damit er im September sein Ziel erreicht.
Außerdem erfährt der Verkaufsleiter so erst Ende September, wenn der Mitarbeiter das Ziel verfehlt. Folglich kann er nicht mehr korrigierend eingreifen. Anders ist dies, wenn der Verkaufsleiter schon im Juli seinen Mitarbeiter fragt: „An wen wollen Sie im September fünf Lizenzen verkaufen?“ „Welche potenziellen Kunden haben Sie im Auge?“ „Wie sieht Ihr ‚Beuteraster’ aus?“ Dann veranlasst er den Mitarbeiter dazu, darüber nachzudenken, mit welchem Vorgehen er das Ziel erreichen kann und welche Maßnahmen er ergreifen muss. Zum Beispiel potenzielle Kunden identifizieren, mit ihnen Kontakt aufnehmen und bei ihnen den Kaufentscheidungsprozess in Gang setzen.
30 Anrufe, 3 Präsentationen, 1 Auftrag
Dies garantiert aber nicht, dass der Mitarbeiter die richtigen Maßnahmen ergreift. Also sollten sich Verkaufsleiter und Mitarbeiter zudem zusammensetzen und analysieren, was es konkret zu tun gilt, damit der gewünschte Erfolg eintritt. Ein probates Mittel hierzu ist, mit den Verkäufern deren Verkaufserfolge der Vergangenheit zu analysieren. Also, was tat der Mitarbeiter, damit der Erfolg eintrat. Das Ergebnis kann sein:
- Ich ermittelte zunächst 30 Unternehmen, von denen ich annahm, dass sie einen Bedarf für unsere Software haben könnten.
- Von diesen Unternehmen signalisierten mir sechs, als ich sie anrief, einen akuten Bedarf.
- Mit drei von ihnen konnte ich einen Präsentationstermin vereinbaren.
- Nach zwei Präsentationen sollte ich ein konkretes Angebot abgeben.
- Jedes zweite Angebot führte zu einem Abschluss.
Liegen diese Infos vor, wird für den Verkäufer nicht nur klar: Erfolg ist machbar. Er kann jetzt auch durch eine simple Multiplikation ermitteln, wie viele Telefonate er im Juli führen muss, damit er im September wie geplant fünf Lizenzen verkauft. Also können Sie als Verkaufsleiter mit dem Verkäufer auch Meilensteine zum Erfolg vereinbaren. Zum Beispiel:
- Ende Juli müssen (5 x 30 also) 150 Adressen von Unternehmen ermittelt sein, die sich für die Software interessieren könnten.
- Bis zum 10. August sollten all diese Unternehmen kontaktiert sein, damit wir voraussichtlich zu (5 x 3 also) 15 Präsentationen eingeladen werden. Und:
- Bis zum 30. August sollten 10 Angebote unser Haus verlassen haben.
So zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter nicht nur den Weg zum Erfolg, Sie können auch zwischenzeitlich kontrollieren, ob der gewünschte Erfolg voraussichtlich eintritt. Stellen Sie zum Beispiel Ende Juli fest, dass statt der 150 angepeilten Adressen potenzieller Kunden nur 100 ermittelt wurden, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass im September weniger als fünf Lizenzen verkauft werden. Doch jetzt haben Sie noch ausreichend Zeit, um mit Ihrem Mitarbeiter zu ermitteln, durch welche ergänzenden Maßnahmen das Ziel doch noch erreicht wird. Sie können also den Erfolg steuern.
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Kundenkommunikation: So vermeiden Sie Beziehungskiller
Killer 1: Sie beachten den Status Ihres Gesprächspartners nicht
Wenn zum Beispiel ein Geschäftsführer des Kunden zu Besuch kommt, von Ihrem Unternehmen aber nur ein Verkäufer in das Gespräch geht, dürfte dies in der Regel für Missstimmung sorgen. Denn hier spielen nicht nur persönliche Eitelkeiten eine Rolle. Vielmehr will Ihr Kunde als Geschäftspartner wichtig genommen werden. Achten Sie deshalb darauf, dass immer gleichrangige Gesprächspartner aufeinander treffen. Wenn dies einmal nicht möglich ist, sollte zumindest ein Geschäftsführer Ihres Unternehmens den Geschäftsführer des Kundenunternehmens begrüßen und sich dafür entschuldigen, dass er an der Besprechung nicht persönlich teilnehmen kann.
Killer 2: Sie verhalten sich nicht konsistent
Wenn alle Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand von einem „komplizierten Kunden“ sprechen, haben Sie womöglich etwas falsch gemacht. Vielleicht waren Sie bei den Konditionen einmal unverhältnismäßig kulant, ohne dies deutlich zu kommunizieren, und beim nächsten Mal wurde dem Kunden sein „Extrawunsch“ abgeschlagen. Da muss dieser natürlich den Eindruck gewinnen, er würde willkürlich behandelt. Dieser Inkonsistenz können Sie nur durch klare Regeln begegnen, die Sie für Rabatte, Sonderkonditionen und Extraservices festsetzen. Diese Regeln müssen Sie Ihren Gesprächspartnern auch darlegen.
Killer 3: Sie haben den Anschein von Unehrlichkeit geweckt
Hat Ihr Kunde den Eindruck, dass Sie Informationen zurückhalten oder gar verfälschen, wird er Ihnen das Vertrauen entziehen und im besten Fall beginnen, jede Ihrer Leistungen Detail für Detail zu prüfen. Im schlimmsten Fall geht er sofort zur Konkurrenz. Denn ein so grundsätzliches Misstrauen entzieht der Geschäftsbeziehung jeglichen Boden. Bedenken Sie: Vertrauen muss langfristig aufgebaut werden, kann aber schon durch ein einmaliges schwereres Fehlverhalten verspielt werden.
Killer 4: Sie strengen sich nicht besonders an
Geben und Nehmen muss wechselseitig sein. Betrachten Sie jede Bestellung des Kunden als eine „Schuld“, die Sie wieder durch überdurchschnittliche Leistungen ausgleichen müssen. Damit vermeiden Sie, dass Ihre Kunden das Gefühl bekommen, zu wenig Leistung für Ihr Geld zu bekommen. Außerdem sollten Sie Ihre Kunden immer wieder positiv überraschen: durch schnelle Lieferungen, eine persönliche Betreuung in Problemfällen oder Ähnliches.
Killer 5: Sie verhalten sich intolerant
Im Verkauf sollten Sie immer den Eigenheiten Ihrer Gesprächspartner Rechnung tragen: Der eine ist schnell, der andere langsam, der eine mag es detailliert, der andere lieber übersichtlich; der eine hat spontan Vertrauen, der andere kontrolliert alles genau nach. Menschen sind nun einmal alle unterschiedlich, warum sollte das bei Ihren Kunden anders sein? Behandeln Sie Ihre Kunden also möglichst individuell, ohne dabei jedoch ungleiche Maßstäbe anzulegen (siehe Killer 2).
Fünf Tipps, wie Sie Beziehungskiller vermeiden
- Fragen Sie in Ihrem privaten Umfeld nach, ob bestimmte Verhaltensweisen als störend empfunden werden. In vielen Fällen werden Sie entdecken, dass Sie sich auch im Berufsleben nicht anders verhalten.
- Führen Sie grundsätzlich jede Kommunikation so lange, bis alles klar ist. Denn häufige Beziehungskiller entstehen einfach dadurch, dass angesprochene Themen nicht oder nicht in der notwendigen Ausführlichkeit diskutiert worden sind. Können Sie keine Klärung herbei führen, kommunizieren Sie auch diesen Tatbestand – und begründen Sie ihn.
- Besondere Vorsicht ist im Verhalten gegenüber Dritten, mit denen sowohl Sie als auch Ihr Gesprächspartner bekannt sind, geboten. So kann schon ein Nicht-Grüßen einer Sekretärin oder eine negative Äußerung über abwesende Personen zur deutlichen Verschlechterung der Beziehung führen.
- Nehmen Sie gegenüber Ihren Kunden eine grundsätzliche Haltung der Hilfsbereitschaft ein. Auch wenn Sie ein Anliegen ablehnen müssen, versuchen Sie dennoch zu helfen: „Die Bestellung wird leider erst in drei Tagen bei Ihnen sein. Aber wie viel benötigen Sie denn kurzfristig? Dann sende ich Ihnen schon eine kleine Stückzahl vorab mit der Paketpost.“
- Formulieren Sie grundsätzlich „weich“. Denn ganz normale Entscheidungen oder Aussagen können einfach durch die Wortwahl als störend empfunden werden.
Verkaufstipps: Verkaufen Sie noch oder verführen Sie schon?
Der Markt und seine Kunden hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Verkäufermarkt war gestern, der Käufermarkt ist heute. Das bedeutet, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. Der Verkäufer ist mehr denn je vom Käufer abhängig. Und die Käufer wissen das! Die Kunden haben eine starke Position und gute Marktkenntnisse. Ihre Ansprüche sind gestiegen und sie wissen, sie haben die Macht der freien Entscheidung. Wer das Begehrtere hat, der beherrscht den Markt. Und schon ist man mitten im Verführungswortschatz: „Das Begehrtere“. Wie begehrenswert ist das Produkt oder die Dienstleistung? Wie begehrenswert ist der Verkäufer oder Berater? Wie verführerisch sein Charakter?
Ob als Verkäufer oder Verführer, das Wichtigste ist die Fähigkeit, Menschen in eine Richtung zu bewegen, in die sie es wünschen. Doch das Spiel ist gefährlich, denn sobald dieser Mensch den Verdacht hegt beeinflusst zu werden, könnte er verstimmt sein und sich abwenden. Geschickter ist es, dieser Person das Gefühl zu geben, dass sie den Verkäufer verführt, beziehungsweise dass sie die Argumente für den Kauf eines Produktes selbst liefert. Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen: In fast allen Lebensbereichen wollen Menschen andere Menschen überreden, sie für sich zu gewinnen und zum aktiven Wollen verführen. Einige sind relativ offen für dieses Ansinnen, während sich andere stur stellen und solchem Charme und Überzeugungskünsten eiskalt widerstehen.
Ein Casanova wurde durch solche Ablehnungen erst recht ehrgeizig. Je größer die Schwierigkeit, die Ablehnung, desto reizvoller war es für ihn neue ausgeklügelte Strategien zu entwickeln, um an sein Ziel zu kommen. Je mehr Widerstand seine Zielperson leistete, desto kreativer und motivierter wurde der Verführer, diesen Widerstand zu überwinden. Das gelang ihm besonders deshalb, weil er ein starkes Selbstbewusstsein hatte. Ein wichtiger Aspekt des verführerischen Charakters.
Der Verführer ist sich seiner selbst bewusst und versteht es seine Persönlichkeit gezielt einzusetzen. Casanova war vielleicht der erfolgreichste Verführer der Geschichte. Kaum eine Frau konnte ihm widerstehen. Dabei war seine Strategie ganz einfach: Wenn er eine begehrenswerte Frau traf, studierte er sie, erforschte ihre Stimmungen, ihre Vorlieben, fand heraus, was in ihrem Leben fehlte, wonach sie sich sehnte – und bot es ihr. Ein Verkäufer nennt das Bedarfsanalyse. Bei jeder Verführung passte sich Casanova den Wünschen und Träumen der Frauen an und erweckte ihre Phantasien zum Leben. Für die eine Frau wurde er zum Romantiker, für die andere ein wilder Abenteurer, für wieder eine andere ein Philosoph. Stets gelang es ihm, der Mann ihrer Träume zu werden.
Erwartungen befriedigen
Fast alle sind das ganze Leben lang für Verführung empfänglich, denn Menschen sehnen sich nach Erlebnissen, die sie bewegen, sie suchen nach Anerkennung, Wertschätzung und der Flucht aus der Routine. Der Verführer weiß genau, welche Leere seine Zielperson spürt, kennt ihre Sehnsucht, Bedürfnisse, Wünsche und Träume und er versteht es, sie auf professionelle Weise, mit der richtigen Strategie zu füllen.
Wie gut kennt der Unternehmer die Bedürfnisse, Wünsche, Träume seiner Kunden oder auch seiner Mitarbeiter? Und was unternimmt er, um diese zu erfüllen? Die Kreativität ist ein wichtiger Aspekt der verführerischen Persönlichkeit. Der Verführer sucht immer wieder nach neuen Wegen, seine Zielperson zu begeistern, zu verblüffen – denn so macht er sie unersättlich und gewinnt sie für sich. Madame Pompadour, die Geliebte des chronisch gelangweilten König Ludwigs XV., sorgte stets für andere Überraschungen: ein neues Amüsement, ein neues Spiel, eine neue Mode. Der König konnte niemals erraten, was als Nächstes passieren würde, und während er immer wieder einer neuen Überraschung entgegenfieberte, war seine Willenskraft vorübergehend ausgesetzt – er war fast süchtig nach diesen Erlebnissen, die sein Leben so versüßten. Der Verkäufer, ebenso wie die Führungskraft muss sich nun fragen: Wann und wie hat er das letzte Mal seinen Kunden überrascht, ihn begeistert, ihm ein Erlebnis verschafft?
Aufmerksamkeit wecken
Sowohl im Verkauf als auch bei der Verführung geht es um Aufmerksamkeit. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er nach Aufmerksamkeit strebt. In einer Welt der Reizüberflutung ist das manchmal eine Herausforderung, die selbst Don Juans Kreativität kräftig fordern würde. Dabei sind es nicht immer die großen Dinge, die Aufmerksamkeit erzeugen. Die Liebe zum Detail und kleine Aufmerksamkeiten können bei Kunden viel Aufmerksamkeit erzeugen. Allein, wenn der Kunde merkt, dass mitgedacht wird und ein wirkliches Interesse für ihn und seinen Bedarf besteht.
Ein Flugbegleiter zum Beispiel hat vor einiger Zeit meine Aufmerksamkeit gewonnen, weil er mich mit meinem Namen ansprach, als er nach meinem Getränkewunsch fragte. Kaum hatte ich das Flugzeug am Zielort verlassen, erzählte ich vielen Menschen von diesem einzigartigen Flugbegleiter dieser Fluggesellschaft.
Ein Restaurantbesitzer in Berlin verführt – Verzeihung … verwöhnt seine Gäste nach dem köstlichen Essen, indem er ihnen eine kurze Nackenmassage nach dem Essen anbietet. Die Gäste verlassen sein kleines Restaurant mit einem Leuchten in den Augen. Da spricht sich nicht nur das gute Essen, sondern auch der einzigartige Restaurantbesitzer schnell herum. Beste Mund-Propaganda!
Und schon ist man beim Thema Empfehlung. Auch hier kann man viel von den großen Verführern lernen, denn auch sie erkannten, dass man mit Hilfe Anderer viel leichter und effektiver an Zielpersonen herankommt. Die Verführungs-Profis begaben sich in das gesellschaftliche Umfeld der Zielperson, um nicht länger ein Fremder zu sein und Vertrauen zu gewinnen. Der Graf von Grammont zum Beispiel, ein Verführer des 17. Jahrhunderts, freundete sich zunächst mit der Kammerzofe, dem Diener, einer Freundin oder sogar einem Liebhaber der begehrten Dame an. So war es leicht für ihn, Informationen über seine Zielperson zu gewinnen und sich ihr dann auf nicht bedrohliche Weise zu nähern. Außerdem säte er gezielt Informationen im Bekanntenkreis der Dame, die sie beeindruckten und neugierig machten.
Gefühle vermitteln
Alle Verkäufer wissen, dass sie nicht das Produkt, sondern den Nutzen, die Wirkung oder ein bestimmtes Gefühl verkaufen. Gefühle werden zu einem wesentlichen Teil durch die Stimme transportiert. Die Stimme eines Verführers ist ein wichtiges Instrument, um Gefühle zu vermitteln. Gezielt eingesetzt vermittelt sie Begeisterung, Sicherheit, Freude …
Und auch die Worte sollten mit Bedacht gewählt werden! Die verführerische Rede ist eine Art von Hypnose: Sie lenkt den kritischen Verstand des Menschen ab, schwächt damit seine Verteidigung, seinen Widerstand und öffnet ihn für Suggestionen. Wichtige Elemente des hypnotischen Sprachstils sind die Wiederholung, die Bekräftigung und die bildhafte Sprache, die der eigenen Phantasie viel Spielraum lässt. Daher müssen Schlüsselwörter immer wieder wiederholt und die Zielperson damit positiv bestärkt werden („Sie haben völlig recht …“). Durch Bilder, Geschichten oder Beispiele wird die Vorstellungskraft des Gegenübers angeregt. Die verführerische Rede ist eine aktive, affirmative Sprache mit vielen Verben, Imperativen (Appelle) und kurzen Hauptsätzen. Sie zielt ohne Umschweife direkt ins Herz.
Bedürfnisse erkennen
Wenn Menschen das Gefühl haben, das jemand etwas hat, was sie nicht haben, sei es eine Information oder ein Objekt oder einfach nur eine besondere Qualität, dann sind sie offen und empfänglich für die Verführung. Die perfekte Zielperson sind Personen, die glauben, dass Sie etwas haben, was ihnen fehlt und die sich von der Aussicht verzaubern lassen, dass gerade diese eine Person es ihnen bieten kann. Zu guter Letzt sei noch einmal betont: Man kann keinen Menschen gegen seinen Willen verführen, denn das Ziel der Verführung ist die befriedigende Freude auf beiden Seiten!
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Verkauf: Abschluss - und doch kein Erfolg?
Konditionen genau klären
Besprechen Sie möglichst viele Details, nachdem der Interessent „Ja“ gesagt hat. Fragen Sie nach, welche Ausführungen und Services er wünscht. Indem Sie ihm Preise und Konditionen nennen, zeigen Sie ihm, dass das Gespräch letztlich zu einer Rechnung führen wird. Vertröstet er sie auf unbestimmte Zeit, sobald Sie konkret werden möchten, ist zu vermuten, dass die Einwilligung noch nicht endgültig ist.
Zur Unterschrift bringen
Die meisten Menschen leisten nur dann Unterschriften, wenn sie sich ihrer Sache sehr sicher sind. Tragen Sie deshalb den mündlich bestätigten Auftrag gleich in ein Formular ein und versuchen Sie, Ihren Gesprächspartner unterschreiben zu lassen. Wenn dies nicht gelingt - zum Beispiel, weil dieser nicht dazu berechtigt ist -, unterzeichnen Sie das Formular selbst. Damit machen Sie deutlich, dass Sie den Abschluss verbindlich weitergeben.
Schriftlich bestätigen
Eine Vereinbarung gilt für viele Einkäufer als bindend, wenn sie auf Papier vorliegt. Neben einem sofort ausgefüllten Formular wirkt hier vor allem eine schriftliche Auftragsbestätigung kurz nach dem Besuch. Diese sollte auch ein Liefer- oder Leistungsdatum sowie den Preis enthalten. War die Zusage in den Augen des Kunden unverbindlich, ist dies ein klares Signal für ihn, dass er spätestens zu diesem Zeitpunkt einen Rückzieher machen muss.
Mehrere Personen einbinden
Je mehr Mitarbeiter im Kundenunternehmen von dem Abschluss wissen, umso schwerer wird es für Ihren Gesprächspartner, ohne fundierte Begründung zu stornieren. Senden Sie zum Beispiel die Auftragsbestätigung in Kopie an die Einkaufsleitung und informieren Sie andere Ihnen bekannte Angestellte, zum Beispiel die Assistenz oder den Lagereingang.
Gegenleistungen verlangen
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Einwilligung ernst gemeint ist, bitten Sie darum, dass Ihr Kunde etwas für Sie tut. Fordern Sie ihn zum Beispiel auf, Informationen über Prozesse in seinem Unternehmen zusammenzustellen. Je stärker er sich dann engagiert, umso verbindlicher ist die Zusage. Die höchste Sicherheit erhalten Sie natürlich, wenn Anzahlungen geleistet werden.
Tipp
Versuchen Sie vor dem Termin einzuschätzen, wie wichtig Ihrem Gesprächspartner das Treffen ist. Je mehr dieser investiert hat, desto größer ist auch der Verbindlichkeitsgrad gemachter Aussagen. Zu diesen Investitionen gehört die Einbindung von weiteren Personen, das Studium Ihrer vorab zugeschickten Unterlagen oder auch eine angemessen lange Zeit, die mit Ihnen verbracht wird. Die Ernsthaftigkeit eines Auftrags sollten Sie spätestens dann klären, bevor Sie in Ihrem eigenen Unternehmen kostenintensive Abläufe in Gang setzen. Zu diesem Zeitpunkt ist dafür die schriftliche Bestätigung mit detaillierter Leistungsbeschreibung am besten geeignet.
Effektiv: Tipps zur aktiven Empfehlung
Schon der deutsche Schriftsteller Christian Morgenstern (1871-1914) brachte es mit seiner Aussage treffend auf den Punkt: „Alles wie im Kleinen und Großen beruht auf Weitersagen!“Die nachfolgenden zehn Tipps zur aktiven Empfehlung sollen Ihnen den Einstieg in die Königsdisziplin erleichtern. Wecken Sie Ihre schlummernden Neukundenpotenziale.
1. Lösen Sie sich vom Gedanken, Ihre Quote wird 1:1 sein
Sie sollten auf das „Gesetz der Masse“ vertrauen und jeden Ihrer Kunden ansprechen. Ergreifen Sie nach jedem gelungenen Gespräch die Initiative. Im Übrigen verbessert sich Ihre individuelle Quote häufig dadurch, dass Sie bereits am Anfang des Gesprächs Ihren Kunden auf die Empfehlungsfrage vorbereiten. Folgende Formulierung ist beispielsweise möglich: „Wenn Ihnen heute unser Beratungsgespräch gefallen hat, freue ich mich auf eine Empfehlung von Ihnen. Ich werde gerne am Ende unseres Gesprächs darauf zurückkommen!“.
Eine aktuelle Teamquote bei einem Kunden in der Dienstleistungsbranche in einem Zeitraum von 6 Monaten:
Ansprachen: 200
Adressen: 60
Angebote: 40
Neukunden: 20
2. Kein Kunde wird Ihnen böse sein, wenn Sie nach einer Empfehlung fragen
Probieren Sie es aus. Ergreifen Sie so häufig wie möglich die Initiative. Dadurch erhalten Sie viele positive Erfahrungen und die aktive Empfehlung fängt an, Ihnen Spaß zu machen. Häufig beschäftigen wir uns selbst mehr mit möglichen Einwänden als der Kunde. Hier gilt der Grundsatz: „Fehlerhaft beginnen ist besser als perfekt zu zögern!“
3. Das Schlimmste was Ihnen passieren kann ist, dass Sie keine Empfehlung erhalten
Grundlage der aktiven Empfehlung ist eine positive Erfahrung Ihres Kunden. Häufig ist der richtige Zeitpunkt der Empfehlungsfrage eine positive Bemerkung Ihres Kunden. Der Empfehlungs-4er-Schritt ist dabei ein gutes Grundraster, um die Wahrscheinlichkeit einer Empfehlung zu erhöhen.
- Kunde: „Endlich wird mir durch Ihre Beratung klar, was ich zu beachten habe!“
- Berater: „Danke, das ist auch mein Ziel, dass ich mit meiner Beratung Klarheit für Sie erreiche.“ (Schritt 1 - Zufriedenheit). „Ich freue mich immer, wenn unsere Kunden das weitererzählen.“ (Schritt 2 – allgemeiner Bezug)
- Kunde: „Das werde ich gerne tun!“
- Berater: „Wem konkret werden Sie davon berichten? (Schritt 3 – konkreter Bezug)
- Kunde: „Meinem Nachbarn!“
- Berater: „Schön, dass Sie Ihrem Nachbarn den Tipp geben und über unser Gespräch informieren. Wann treffen Sie ihn das nächste Mal?“ (Schritt 4 – Konkretisierung)
- Kunde: „Nächste Woche Donnerstag!“
- Berater: „Prima, dann rufe ich Sie am Freitag an, um zu erfahren wie er reagiert hat und ob ich Kontakt mit ihm aufnehmen darf. Ist das in Ordnung für Sie?“
- Kunde: „Sehr gerne!“
4. Sie bitten nicht um eine Empfehlung
Sie geben Ihrem Kunden die Chance, einen Tipp weiterzugeben. Ihr Kunde möchte Ihnen zudem etwas Gutes tun, Ihnen etwas zurück geben. Wenn Sie das von dieser Seite betrachten, geht Ihnen die Empfehlungsfrage „leichter von den Lippen“. Und falls Sie keine Empfehlung erhalten, kein Problem. Dann haben Sie immer noch das Gleiche wie vorher. Und das lediglich bei einer Zeitinvestion von etwa 3 Minuten.
5. Sie werden keine Empfehlung erhalten, wenn Sie nicht danach fragen
Denken Sie an den Grundsatz: Wenn Sie nach einem gelungenen Gespräch nicht „aktiv“ nach einer Empfehlung fragen, erhalten Sie auch keine. Das ist auch keine böse Absicht des Kunden, sondern er hat es einfach nicht im Fokus. Schließlich haben Sie über eine andere Angelegenheit gesprochen, über seine Themen und sein Anliegen. Er hat Ihren Wunsch nach Neukunden schlicht nicht im Fokus, es sei denn Sie fragen danach. Stellen Sie sich vor, Sie haben mit Ihrem Kunden seit Jahren gute Geschäfte gemacht, Sie und Ihr Kunde sind mit der Zusammenarbeit äußerst zufrieden und Sie haben Ihren Kunden nicht ein einziges Mal nach einer Empfehlung gefragt. Schade, denn gerade hier haben Sie bisher viel Potenzial verschenkt.
6. Fragen Sie direkt nach potenziellen Neukunden
Sie sind bei Ihrem Kunden und stellen fest, der Nachbar ist noch nicht Ihr Kunde. Er ist interessant für Sie, da er schließlich in einer wohlhabenden Gegend wohnt. Fragen Sie Ihren Kunden direkt, zum Beispiel so: „Mir ist aufgefallen, dass Ihr Nachbar noch nicht Kunde von mir ist. Was konkret kann ich tun, um ihn als Kunde zu gewinnen?“. Hier gilt der Grundsatz: „Sag was Du willst und Du bekommst was Du willst!“. Und „eiern Sie nicht herum“, wie „Könnten Sie sich ggf. evtl. vorstellen, dass Ihr Nachbar vielleicht ….“. Denn es ist das normalste der Welt, dass Sie nach Neukunden Ausschau halten.
7. Akzeptieren Sie nicht den ersten Einwand
Einwände wie
- Warum fragen Sie gerade mich?
- Haben Sie das nötig?
- Das hätte ich von Ihnen nicht erwartet?
- Das überrascht mich? usw.
kommen so gut wie gar nicht vor. Dagegen sind sie sehr präsent im Kopf des Beraters! Radieren Sie das gleich mal aus Ihrem Gedächtnis. Der häufigste Einwand oder besser noch die häufigste Reaktion, die auf eine Empfehlungsfrage kommt, ist „Mir fällt gerade niemand ein!“ oder „Da muss ich noch überlegen!“ oder „Sprechen Sie mich bitte das nächste Mal darauf an!“. Also bleiben Sie dran und betonen Sie, dass es Ihnen persönlich WICHTIG ist.
8. Haken Sie nach
Wenn es Ihnen wirklich WICHTIG ist, haken Sie nach. Avisieren Sie Ihrem Kunden Ihren Anruf und bleiben Sie dran. Auch hier ist es keine böse Absicht Ihres Kunden, wenn ihm auch nach dem zweiten Anruf keiner einfällt oder er es einfach vergessen hat. Hier ist die Frage: „Wie sollen wir in dieser Sache konkret verbleiben – was schlagen Sie vor?“ sehr erfolgsversprechend. Sie geben Ihrem Kunden den Lösungsweg in die Hand und betonen die Wichtigkeit.
9. Bedanken Sie sich beim Empfehlungsgeber
Ihr Kunde hat sich sehr viel Mühe gegeben Ihnen etwas Gutes zu tun. Er hat Ihren Namen, Ihr Produkt und/oder Ihr Unternehmen ins Spiel gebracht und Ihnen die Tür zu einem potenziellen Neukunden einen großen Spalt geöffnet. Dafür ist ein Dankeschön notwendig. Das gebietet schon die Wertschätzung Ihrem Kunden gegenüber und trägt zudem zur Kundenbindung bei. Informieren Sie Ihren Empfehlungsgeber darüber, was daraus geworden ist (auch wenn es zu keiner Neukundenverbindung gekommen ist) und bedanken Sie sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit, mit etwas Persönlichem. Lassen Sie sich etwas einfallen. Hier sind oftmals kleine individuelle Dinge mehr wert als große Geschenke.
10. Integrieren Sie das Empfehlungsgeschäft in Ihre tägliche Praxis
Das Empfehlungsgeschäft ist die Königsdisziplin im Vertrieb. Sie ist nichts Zusätzliches, was viel Zeit kostet und eine umfangreiche Technik benötigt. Vielmehr sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, danach zu fragen. Und falls Sie es nicht mehr genau wissen, stellen Sie einfach die Frage: „Ach übrigens, habe ich Sie schon mal nach einer Empfehlung gefragt?“.
10 Tipps im Überblick
- Lösen Sie sich vom Gedanken, Ihre Quote wird 1:1 sein.
- Kein Kunde wird Ihnen böse sein, wenn Sie nach einer Empfehlung fragen.
- Das Schlimmste was Ihnen passieren kann ist, dass Sie keine Empfehlung erhalten.
- Sie bitten nicht um einen Empfehlung.
- Sie werden keine Empfehlung erhalten, wenn Sie nicht danach fragen.
- Fragen Sie direkt nach potenziellen Neukunden.
- Akzeptieren Sie nicht den ersten Einwand.
- Haken Sie nach.
- Bedanken Sie sich beim Empfehlungsgeber.
- Integrieren Sie das Empfehlungsgeschäft in Ihre tägliche Arbeit.
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Verkaufsgespräch: So finden Sie den richtigen Verkaufshebel
Lösen Sie Probleme
Ihrem Gegenüber brennt etwas auf den Nägeln, wenn er Ihren Laden betritt: Er muss für einen Vorstellungstermin gut aussehen, seinen Rasenmäher reparieren oder das Abendessen kochen. Hören Sie genau hin, wenn er sein Anliegen schildert. Ihre Gesprächsstrategie: Fragen Sie, wie Ihr Produkt eingesetzt werden soll und erklären Sie möglichst praxisnah, wie es diese Aufgabe erfüllen kann.
Erkennen Sie preisbewusste Kunden
In der momentanen Schnäppchen-Stimmung möchten viele so günstig wie möglich einkaufen - scheuen sich aber, dies offen zuzugeben. Ihre Gesprächsstrategie: Nennen Sie beiläufig die Preise der gezeigten Waren. Bieten Sie nach Möglichkeit aus dem gehobenen und auch aus dem unteren Segment an und achten Sie auf die Reaktion Ihres Kunden. Wenn er Fragen zum günstigeren Angebot stellt, wissen Sie, wie viel er ausgeben will.
Beraten Sie Qualitätskäufer ausführlich
Das Gegenteil vom Schnäppchenjäger ist der Qualitätskäufer: Für ihn zählt in erster Linie, dass er langfristig gesehen einen guten Kauf tätigt. Die Betonung günstiger Preise schreckt ihn eher ab - hier befürchtet er schlechte Qualität. Ihre Gesprächsstrategie: Sie erkennen ihn an seinen Ausführungen: Er schildert meist ausführlich, wozu er den Artikel braucht, weil er sicher gehen will, dass Sie seinen Bedarf verstehen. Hier lohnt sich Geduld: Nach einer guten Beratung können Sie ihm auch teurere Waren verkaufen.
Verkaufen Sie Emotionen
Manche Interessenten suchen nicht unbedingt handfesten Nutzen, sondern emotionale Befriedigung, zum Beispiel durch Dinge, die gutes Aussehen und Individualität versprechen. Ihre Gesprächsstrategie: Häufig gibt die äußere Erscheinung (exklusive / individuelle Kleidung) Hinweise darauf, ob Sie die Gefühlsebene ansprechen sollten. Bemerkungen wie „Das hat nicht jeder“ oder „Das steht Ihnen gut“ kommen meist gut an. Bieten Sie diesen Kunden ein Erlebnis, denn sie bezahlen auch für das Einkaufsvergnügen.
Mit W-Fragen erfolgreich verkaufen
Um den richtigen „Hebel“ zu finden, müssen Sie Ihr Kunden zum Reden bringen. Mit den so genannten „W-Fragen“ können Sie seine Vorlieben ermitteln und gezielter verkaufen.
Zunächst eine weit verbreitete Variante ohne W-Fragen:
- Verkäufer: Kann ich Ihnen helfen?
- Interessent: Ich suche Lautsprecherboxen.
- Verkäufer: Haben Sie bestimmte Vorstellungen?
- Interessent: Nein, ich weiß nicht.
- Verkäufer: Möchten Sie sehr leistungsstarke Boxen?
- Interessent: Nein, eigentlich nicht.
- Verkäufer: Soll es ein besonderes Design sein?
- Interessent: Das kommt darauf an.
- Verkäufer: Möchten Sie denn etwas preisgünstiges?
- Interessent: Je nachdem. Wissen Sie, ich überlege es mir noch einmal.
- Verkäufer: Gut, auf Wiedersehen.
- Nicht-Käufer: Auf Wiedersehen!
Das geht natürlich besser, und zwar über die W-Fragen:
- Verkäufer: Wie kann ich Ihnen helfen?
- Interessent: Ich suche Lautsprecherboxen.
- Verkäufer: An welchem Gerät möchten Sie die Boxen einsetzen?
- Interessent: An meinem Autoradio.
- Verkäufer: Auf was legen Sie besonderen Wert?
- Interessent: Ja, es ist ein sehr einfaches Autoradio, deshalb können es einfache Boxen sein.
- Verkäufer: Gibt es noch etwas?
- Interessent: Nein. Doch, ja, ich bin handwerklich nicht sehr geschickt. Sie sollten sich einfach installieren lassen.
- Verkäufer: Gut, dann zeige ich Ihnen einige preiswerte Modelle, die sich einfach einbauen lassen.
- Interessent: Gerne.
Angebotsmanagement: Mehr Angebote in Aufträge umwandeln
Bei der Lektüre der Angebotsschreiben vieler Unternehmen gewinnt man den Eindruck, sie möchten keine neuen Kunden und Aufträge gewinnen. Meist sind die Schreiben von Standardfloskeln geprägt, wie „Für Ihre geschätzte Anfrage bedanken wir uns ...“. Oder: „Gemäß den umseitigen Geschäftsbedingungen bieten wir Ihnen folgende Leistungen an ...“. Außerdem sind sie gespickt mit für die Empfänger unverständlichen Artikelnummern und Produktbezeichnungen.
Und oft hat man beim Lesen den Eindruck: Das Angebot wurde von einem Sachbearbeiter verfasst, der noch nie einen Kunden traf; einem Sachbearbeiter zudem, der beim Erstellen der Angebote nach "Schema F" vorgeht, statt (mit seinen Außendienstkollegen) zunächst zu klären,
- was ist dem Kunden wichtig und
- was könnten für ihn Kaufargumente sein?
Deshalb der Hinweis: Angebote sollen Aufträge generieren. Daher sollte der Vertrieb für das Verfassen und Nachfassen der Angebote verantwortlich sein. Angebote sollen den Verkauf pushen. Also kann das oberste Ziel nicht lauten, das Erstellen der Angebote möglichst weit zu standardisieren und rationalisieren. Denn dies würde dazu führen, dass jeder Kunde ein weitgehend identisches Angebotsschreiben erhält – unabhängig davon, ob er
- sich für eine Dichtung oder Fertigungsanlage interessiert oder
- sich „nur informieren“ möchte oder
- kurz vor der Kaufentscheidung steht.
Ziele: Viele Aufträge an Land ziehen
Ein professionelles Angebotsmanagement zeichnet sich dadurch aus, dass ein möglichst hoher Prozentsatz von Angeboten in Aufträge umgewandelt wird – und zwar ohne dass viel Zeit für das Formulieren und Nachfassen von Angeboten, die nichts bringen, verschwendet wird. Beim Aufbau eines solchen Systems sollten Sie folgende drei Phasen unterscheiden:
- Angebotsaufforderung,
- Angebotserstellung und
- Angebotsverfolgung.
Sie sollten zudem analysieren: Über welche Kanäle treffen die Angebotsaufforderungen ein (Telefon, Fax, E-Mail, Außendienst)?
- Wie werden sie nach ihrem Eintreffen bearbeitet (Abläufe, Zuständigkeiten)?
- Wie reagieren wir heute auf die unterschiedlichen Angebotshintergründe, Kundenwünsche und -typen?
- Wie werden die verschiedenen Angebote nachgefasst?
- Wie viel Prozent der Angebote werden in Aufträge umgewandelt (Hitrate = Aufträge : Angebote)?
Liegen diese Daten vor, kann definiert werden, wo der Hebel beim Aufbau eines professionellen Angebotsmanagement-Systems angesetzt werden sollte. Zuvor sollten Sie jedoch Ihre Mitarbeiter für die Bedeutung des Themas sensibilisieren – zum Beispiel, indem Sie Ihre Mitarbeiter errechnen lassen, wie stark der Umsatz steigt, wenn sich die Hitrate, also die Zahl der Angebote, die in Aufträge umgewandelt wird, um zehn oder gar 20 Prozent erhöht.
Ein Beispiel: Nehmen wir an, das Angebotsvolumen Ihres Betriebs beträgt 10 Millionen Euro/Jahr, und von zehn Angeboten werden aktuell drei in Aufträge umgewandelt. Dann generieren Sie zurzeit im Jahr für drei Millionen Euro Aufträge. Nehmen wir nun an, künftig würden statt drei vier von zehn Angeboten in Aufträge umgewandelt. Dann würde Ihr Auftragsvolumen um 33 Prozent, also von drei auf vier Millionen Euro steigen.
Doch Vorsicht! Bei Ihren Verkäufern darf keinesfalls der Eindruck entstehen: Wir müssen möglichst viele Angebotsaufforderungen generieren. Denn was nutzt es Ihnen, wenn Ihre Mitarbeiter stapelweise Angebote schreiben, bei denen vorab schon feststeht: Den Auftrag bekommen wir nicht. Solche unqualifizierten Angebote verursachen nur Mehrarbeit und Mehrkosten. Also müssen Ihre Verkäufer verinnerlichen: Nicht die Zahl der Angebote, sondern die Zahl der in Aufträge umgewandelten Angebote ist für den Verkaufserfolg entscheidend.
Angebote nur nach Aufforderung erstellen
Gute Verkäufer bieten Interessenten nie von sich aus an, ein Angebot zu erstellen. Sie wissen: Wenn der Kunde nicht selbst ein Angebot fordert, habe ich ihm den Nutzen des Produkts noch nicht ausreichend vermittelt. Also ist die Chance gering, das Angebot in einen Auftrag umzuwandeln. Und fordert ein Kunde sie zur Abgabe eines Angebotes auf, dann prüfen sie zunächst die Chance, den Auftrag zu erlangen, bevor sie sich an die Arbeit machen. Denn die Motive, warum Kunden ein Angebot wünschen, sind vielfältig. Und darunter befinden sich viele Gründe, bei denen der Anbieter von Anfang an auf verlorenem Posten steht.
Beweggründe des Kunden ein Angebot anzufordern
- Der Kunde will den Verkäufer abwimmeln.
- Der Kunde ist grundsätzlich interessiert, hat aber keinen akuten Bedarf. Er benötigt jedoch eine Produkt- und Preisinformation, falls dieser Bedarfsfall eintritt.
- Er will das Angebot mit den Konditionen seines bisherigen Lieferanten vergleichen, um diesen gegebenenfalls (preislich) besser drücken zu können.
- Der „Einkäufer“ hat einen aktuellen Bedarfsfall und benötigt das Angebot eines weiteren Lieferanten, um seinen Vorgesetzten zu beweisen, dass er gut recherchiert hat. Er hat aber nicht die Absicht, bei diesem Anbieter zu kaufen.
- Der Kunde hat einen aktuellen Bedarf, den er immer wieder bei uns deckt (Wiederholungsbedarf). Für seine Einkaufsunterlagen benötigt er jedoch ein schriftliches Angebot – wie immer.
- Der Kunde hat einen aktuellen Bedarf und ist an unserer Lösung interessiert. Er braucht ein Angebot, um sich entscheiden zu können, beziehungsweise es anderen zur Entscheidung vorlegen zu können. Das Angebot ist in diesem Falle eine Entscheidungshilfe! Dazu muss es kundenorientiert Informationen und Argumente liefern!
Zwei Beispiele: Der Kunde möchte den „lästigen“ Verkäufer loswerden. Also sagt er: „Schicken Sie mir ein Angebot.“ Oder der Kunde möchte seine aktuellen Lieferanten im Preis drücken. Folglich sollten Verkäufer, bevor sie ein Angebot zusagen und verfassen, unter anderem zunächst ermitteln:
- Wie weit ist die Entscheidungssituation beim Kunden gediehen?
- Welches Auftragspotenzial hat er?
- Wie groß ist die Chance, den Auftrag zu erlangen?
Angebotsanfragen „bewerten" – Chancen, Potenziale, Entscheidungssituation prüfen!
Chancen prüfen:
- Ist die Grundsatzentscheidung getroffen, X anzuschaffen? (Im Investitionsgüterbereich: Welche Budget wurde dafür eingestellt?) Gegebenenfalls: Bis wann soll die Grundsatzentscheidung getroffen werden? Von wem?
- Welche alternativen Lösungen werden beim Kunden diskutiert? Hat unser Vorschlag rein fachlich eine Chance?
- Kann der Kunde sich uns als künftiger Lieferant und Partner grundsätzlich vorstellen?
Potenziale prüfen:
- Aktueller Bedarf: Um welches Auftragsvolumen geht es jetzt im Moment konkret?
- Zukünftiger Bedarf: Welchen Wiederholungsbedarf gibt es dafür in Zukunft?
- Weiterer Bedarf / Cross-Selling: Mit welchen anderen Lösungen sind oder könnten wir bei diesem Kunden Lieferant werden? Konkrete Potenziale und Mitbewerberverhältnisse? Akquise-Termine für diese zusätzlichen Potenziale?
- Potenziale für diese Lösung bei anderen Kunden: Welche Kunden kommen für diese Lösung noch in Frage? Konkrete Potenziale? Referenz-/Weiterempfehlungsbereitschaft des Kunden?
Entscheidungssituation prüfen:
- Buying-Center-Analyse: Wer entscheidet? Wer nimmt auf die Entscheidung direkt oder indirekt Einfluss?
- Entscheidungskriterien: Welche individuellen Interessen haben die Mitglieder des Buying-Centers? Welches sind, neben attraktiven Konditionen, technische, organisatorische wirtschaftliche und zwischenmenschliche Entscheidungskriterien? (Im Investitionsgüterbereich: Wie sieht der Investitionsantrag und die Amortisationsrechnung des Kunden aus?).
- Entscheidungsprozess und -zeitpunkt: Wann wird beim Kunden die Entscheidung getroffen? Wie läuft die Entscheidungsfindung beim Kunden ab?
Aufwand muss mit Erfolgsaussicht korrelieren
Hat der Verkäufer diese Faktoren ermittelt, kann er dem Kunden ein darauf abgestimmtes Angebot unterbreiten. Denn es ist weder unter zeitökonomischen, noch verkaufsstrategischen Gesichtspunkten sinnvoll, allen Anfragern ein differenziertes individuelles Angebot zu schicken. Zwei Beispiele. Wenn der Kunde, um den Verkäufer loszuwerden, sagt „Schicken Sie mir ein Angebot“, dann genügt es oft, ihm den allgemeinen Prospekt nebst Preisliste zu senden. Ähnlich ist es, wenn der Kunde nur die Konditionen seines aktuellen Lieferanten drücken möchte. Dann genügt ein Standardangebot verknüpft mit einem Anschreiben, das erläutert, warum es für das Unternehmen nützlich sein könnte, den Anbieter dennoch als (Zweit-)Lieferanten ins Boot zu holen.
Anders ist es, wenn folgende Prämissen erfüllt sind:
- Der Anfrager ist ein Neu- oder Wettbewerbskunde beziehungsweise es geht um ein großes und/oder wichtiges Angebot. Und:
- Der Kunde hegt ernsthafte Kaufabsichten und die Aussichten, den Auftrag zu erlangen, sind günstig.
Dann sollten Sie dem Kunden ein „maßgeschneidertes“ Angebot unterbreiten, das Ihr Unternehmen und sein Angebot optisch und inhaltlich von der Konkurrenz abhebt. Solche individuellen Angebote setzen voraus, dass Ihre Verkaufsabteilung den Bedarf des Kunden, seine Problemlage und die Personen, die über die Investition entscheiden, kennt. Also müssen die Verkäufer im Kundenkontakt die nötigen Infos sammeln. Und wenn die Angebotsaufforderung per Brief oder E-Mail erfolgt? Dann sollte das Ermitteln der Erfolgschance, des Kundenpotenzials und der Entscheidungssituation per Telefon erfolgen.
Eine differenzierte Analyse der Angebotsaufforderungen verbunden mit einer passgenauen Angebotserstellung erfolgt in den meisten Unternehmen nicht. Viele senden allen Anfragern denselben „Sehr-geehrte-Damen-und-Herren-Vielen-Dank-für-Ihre-Anfrage“-Brief. Die Folge: Ihre Angebote gehen im schwarz-weißen Einheitsbrei der Konkurrenz-Angebote unter. Dahinter steckt oft folgende Denkweise: Den Kunden interessiert letztlich nur der Preis. Dass seine Kaufentscheidung auch von fachlichen und emotionalen Faktoren beeinflusst wird, vergessen viele Unternehmen.
Angebote sind schriftlich geführte Verkaufsgespräche
Sie übersehen zudem: Angebote sind keine juristischen Dokumente oder technischen Datenblätter, sondern schriftlich geführte Verkaufsgespräche. Insbesondere ihre Angebotsanschreiben können Unternehmen dazu nutzen, ihren Kunden nochmals bildhaft vor Augen zu führen, warum sie sich für ihr Angebot entscheiden sollten. Keinesfalls darf der verkäuferische Aspekt juristischen Notwendigkeiten wie dem Verweis auf die Geschäftsbedingungen zum Opfer fallen. Schließlich haben die Verkäufer lange daran gearbeitet, dem Noch-nicht-Kunden glaubhaft zu machen, dass man für seine Aufgabe der richtige Partner ist. Dies sollte sich im Angebot widerspiegeln.
Grundregeln für die Angebots-Gestaltung
- Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner deutlich und korrekt in Titel und Funktion an.
- Nutzen Sie die Adresse, um darin erste Informationen für den Außen- und Innendienst über das Kundenprofil (Mit wem haben wir es zu tun?) zu verpacken (zum Beipiel Branche, Abteilung und so weiter).
- In der ersten Zeile des Betreffs muss der Kunde im Mittelpunkt stehen und nicht der eigene Produktname oder gar eine bürokratische Angebotsnummer.
- Schreiben Sie so, wie Sie mit dem Kunden reden würden. Das ist spannender zu lesen als Standardfloskeln, die schnell erkannt und deswegen nur überflogen werden.
- Gliedern Sie Ihr Angebot in leicht lesbare, übersichtliche Blöcke:
- Ein maximal 1,5 Din-A4-Seiten langes Anschreiben (Aufbau: Danke, Ihre Aufgaben, Ihre Lösung, Ihre Vorteile, unser nächster gemeinsamer Schritt).
- Als Anlage „Ihr Lösungspaket und Budget“ – hier kann das übliche EDV-Angebot mit Artikelnummern und Einzelpreisen verwendet werden.
- Weitere Anlagen wie zum Beispiel „Ihre sieben Vorteile“ – halten Sie hier plakativ die wichtigsten Argumente speziell für diesen Kunden fest, damit er es seinem Chef und seinen Kollegen weiterverkaufen kann.
- Anlage „Technische Daten für Experten“ – legen Sie hier Datenblätter und anderes separat bei.
- Überprüfen Sie Ihre Angebotstexte auf Killerbegriffe wie „Kosten“ (besser: Budget, Investition, Preis).
- Lassen Sie für den Kunden eine Kleinigkeit noch ungeklärt, sodass vor einer Entscheidung nochmals ein persönlicher Kontakt notwendig wird.
- Kündigen Sie am Ende Ihres Anschreibens Ihren nächsten Schritt an, statt zu schreiben „Gerne erwarten wir Ihren Auftrag“.
- Geben Sie Ihrem Angebot einen gebührenden Rahmen. Zeigen Sie Qualität und seien Sie großzügig:
- statt mit mehrfachem Wickelfalz ins C4-Kuvert gepresst, ein weißes A4-Kuvert mit Kartonrücken
- in Schnellhefter, Ordner mit Register oder Bindesystem mit Ihren Firmenfarben und Logo auf bestem Papier mit wenigen, optisch ansprechenden Übersichtsprospekten
Doch wie kann ein solch kunden- und verkaufsorientiertes Angebot konzipiert sein? Nehmen wir einmal an, Sie würden sich mit dem Kunden persönlich treffen, um ihm das Angebot zu unterbreiten. Dann würden Sie sich bei ihm zunächst für den Termin bedanken. Danach würden Sie nochmals den ermittelten Bedarf zusammenfassen, um dem Kunden daraufhin den Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Anschließend würden Sie ihm nochmals die Vorteile Ihres Angebots aufzeigen, um schließlich mit ihm zu vereinbaren, wie die nächsten Schritt aussehen.
Nach diesem Schema sollten Sie (beziehungsweise Ihre Verkäufer) auch Ihre schriftlichen Angebote aufbauen. Damit schlagen Sie viele Fliegen mit einer Klappe:
- Ihr Angebotsstil hebt sich vom Einheitsbrei der Wettbewerber ab.
- Der Kunde findet sich mit seiner Aufgabenstellung wieder und kann sicher sein, dass sein Bedarf richtig verstanden wurde.
- Weitere Entscheider im Unternehmen können das Angebot mit seinen Argumenten besser verstehen und werden ebenfalls zum Kauf motiviert.
Beim Übermitteln Ihres (schriftlichen) Angebots sollten Sie nicht im Strom der Mitbewerber schwimmen, die ihre Angebote den Kunden heute fast nur noch faxen oder mailen. Denn meist wird beim Kunden nicht sofort entschieden. Also können Sie das Angebot auch per Post schicken. Und wenn der Kunde es eilig hat? Dann senden Sie ihm das Angebot zur Info vorab per Fax, bevor Sie es in einen Briefumschlag stecken. Oder mailen Sie ihm das Angebot, bevor Sie es eintüten, als pdf-Datei. Dann können Sie es, sofern Ihr Kunde über einen Farbdrucker verfügt, auch farblich ansprechend gestalten.
Konsequent und zeitnah nachfassen
Die Angebotsverfolgung ist der letzte Schritt, um alle Verkaufschancen eines Angebotes konsequent zu nutzen. „Dranbleiben“, heißt hier die Devise, denn Kunden wollen umworben sein – gerade wenn es um hochpreisige Problemlösungen geht. Bringen Sie als professioneller Verkäufer bereits im Angebotsschreiben Ihr Interesse am Auftrag deutlich zum Ausdruck – zum Beispiel, indem Sie Ihren Anruf ankündigen. Indem Sie Ihre Angebote in einem Zeitraum von zwei bis fünf Tagen oder zum vereinbarten Termin konsequent nachfassen und beweisen Sie dem Kunden zum ersten Mal, dass Sie ein zuverlässiger und gut organisierter Partner sind.
Systematische Angebotsverfolgung
- Organisieren Sie, wer, welche Angebote wie und wann nachfasst.
- Übertragen Sie Verhandlungskompetenzen und vereinbaren Sie motivierende Ziele. Zum Beispiel Trefferquote, Umsatz aus telefonisch nachgefassten Angeboten.
- Richten Sie ein konsequentes Wiedervorlagesystem für die Angebotsverfolgung ein.
- Lassen Sie in den Angeboten ankündigen, wer wann nachfassen wird.
- Trainieren sie Ihre Außendienst- und Innendienstmitarbeiter mit einem professionellen Trainer in Gesprächsstrategien für das Nachfassen von Angeboten.
- Dokumentieren und belohnen Sie die erfolgreiche Angebotsverfolgung.
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Verkaufsaußendienst: Handelsvertreter und Reisende effektiv einsetzen
„Allianz eröffnet neue Außendienst Akademie in Köln.“ Diese Meldung hört sich an, als wäre sie schon vor etwas längerer Zeit veröffentlicht worden. Wo doch in Zeiten von Internet und Online-Shopping der Vertriebsweg „Außendienst“ kaum noch eine Rolle spielt. So könnte man meinen! Liegt damit aber falsch. Die Meldung ist vom Februar 2008. Und der Vertrieb durch Handelsvertreter oder Reisende ist für einige Branchen und Produkte immer noch der profitabelste Weg.
Stichwort
Als (Verkaufs-) Außendienst wird insbesondere im Vertrieb die Tätigkeit eines Reisenden oder Handelsvertreters bezeichnet, welcher im Hersteller- oder Händlerauftrag Kunden besucht und technische Arbeiten vor Ort erledigt sowie dabei ebenfalls (Ersatzteil-) Verkäufe oder Zusatzverkäufe abwickelt.
Der Handelsvertreter ist ein selbstständiger Gewerbetreibender, der damit beauftragt ist, für einen Unternehmer (Anbieter) Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen. Er arbeitet in fremdem Namen und für fremde Rechnung.
Der Begriff Reisender gilt innerhalb der Distributionspolitik und der Betriebswirtschaft als Bezeichnung für sozialversicherungspflichtig angestellte Verkäufer im Außendienst.
Vorteil eines Stabs an Außendienstmitarbeitern kann eine Umsatz- und Gewinnsteigerung sein und eine bessere Kundenbeziehung, die der Vertreter durch die Präsenz aufbauen kann. Hilfreich kann der Außendienst für Innovationen sein, denn er ist im direkten Kontakt mit den Kunden und erfährt, wie das Produkt ankommt, welche Verbesserungsvorschläge gemacht werden, so kann er neue Ideen für die Produktentwicklung einbringen.
Erste zentrale Frage ist, an wen sich der Außendienst wendet: Privatkunden, Firmen oder Händler? Die Verkaufsmethoden sind nämlich sehr unterschiedlich und daher ist es wichtig, die Zielgruppe zu bestimmen.
Geeignete Produktgruppen
Der „Von Tür zu Tür“–Vertreter, der sich an Privathaushalte richtet, muss einzigartige Produkte anbieten, die Neugierde wecken und nicht an jeder Straßenecke zu bekommen sind.
Welche Produkte sich eignen, hängt von folgenden Faktoren ab:
- Preis: Hochpreisige, wertvolle Artikel versprechen eine höhere Marge und sind daher rentabler über den Außendienst zu vertreiben.
- Beratung: Artikel, die einfach erklärt sind, oder der Konsument auch ohne Erklärung versteht, was ihm der Kauf des Produktes bringt, müssen nicht durch den Außendienst angeboten werden, sie können in einem Verkaufsraum angeboten werden. Der Kunde kommt zum Produkt. Für den Außendienst interessant sind Produkte, die einer intensiven Beratung bedürfen, wie beispielsweise Versicherungen.
- Demonstration: Besonders geeignet sind Produkte, die sich in irgendeiner Form präsentieren und demonstrieren lassen, wie zum Beispiel Haushaltsgeräte. Ein Auto dagegen lässt sich schwer mit zum Kunden nehmen und ist daher ungeeignet.
Handelsvertreter, die gewerbliche Kunden, also Firmen oder Händler, überzeugen müssen, bieten natürlich ebenso den Service, die Produkte zu demonstrieren und als Berater zur Verfügung zu stehen.
Planung ist das halbe Leben
Die Beschäftigung von Außendienstmitarbeitern muss geplant und gesteuert werden und das verursacht einen hohen Verwaltungsaufwand. Folgende Überlegungen müssen angestellt werden:
- Optimale Außendienstgröße: Wer den Verkaufsaußendienst nur unter Kostengesichtspunkten sieht, liegt falsch, denn die Kosten sind am geringsten, wenn man überhaupt keinen Außendienstmitarbeiter beschäftigt, dann wird aber auch nichts verkauft. Kosten und Erlöse sind gegenüberzustellen. Da es allerdings schwierig einzuschätzen ist, wie hoch der zusätzliche Umsatz eines weiteren Außendienstmitarbeiters wäre, gibt es eine einfachere Methode: Man ermittelt, wie viele Angestellte man braucht, um ein bestimmtes Besuchsprogramm auszuführen. Dazu benötigt man lediglich Angaben zu der Anzahl der zu besuchenden Kunden, die erforderliche Besuchshäufigkeit und die Besuchsdauer.
- Besuchsplanung: Bei der Planung der Besuchstätigkeit steht man vor einem Verteilungsproblem, denn seine Arbeitszeit ist eine knappe Ressource. Werden die Besuche nicht effizient geplant, verteuert das nicht nur ihren Einsatz, das Unternehmen riskiert auch zu viel Zeit in den falschen Kunden zu investieren. Es stellt sich die Frage, welche Kunden der Außendienstmitarbeiter wie häufig, wie lange und in welchem Rhythmus besuchen sollte. Nicht zu vergessen ist die Zeit, die man in die Neukundenakquisition investieren sollte, damit der Kundenstamm mengenmäßig erhalten bleibt beziehungsweise sich erweitert.
- Entlohnungssystem: Die Bestimmung eines guten Entlohnungssystems ist zwar schwierig und komplex, schafft aber auch die Grundlage für Motivation und Umsatz. Die Schwierigkeit liegt darin, dass verschiedene Ziele angestrebt werden und diese sich teilweise gegenseitig behindern. Daher ist abzuwägen, welche Ziele am wichtigsten sind. Die Entlohnung sollte:
- attraktiv genug sein, um leistungsfähige Vertreter zu gewinnen und zu halten,
- die Mitarbeiter zu höchster Leistung motivieren,
- fair sein, indem sie gleiche Einkommen für gleiche Leistung bietet,
- einfach genug sein, dass sowohl der Außendienstmitarbeiter das Modell durchschaut als auch möglichst geringe administrative Kosten entstehen,
- sicherstellen, dass der Kunde angemessen behandelt wird und vieles mehr.
Die Bausteine eines Entlohnungssystems setzen sich zusammen aus Festgehalt, Nebenleistungen, Provision, Prämie und Preise für Wettbewerbe. Diese unterscheiden sich im wesentlichen dadurch, dass sie fix oder vom Erfolg abhängig variabel sind. Vorteile des Festgehalts sind Geduld und Beharrlichkeit beim Erzielen von Aufträgen, was dem Kunden zugute kommt. Variable Entlohnung steigert die Motivation, verkompliziert aber die Umsetzung. Moderne Vergütungssysteme sind ein zentrales Element der Vertriebssteuerung die konsequente Fortführung der vertrieblichen Unternehmensstrategie. Ein Mix aus variablen und fixen Vergütungskomponenten berücksichtigt die spezifische Rolle des Außendienstmitarbeiters und seine Motivation. Vor allem durch Transparenz, Einfachheit und Zielorientierung werden gewünschte Vertriebsergebnisse erzielt.
- Umsatzvorgaben: Zur richtigen Leistungsbeurteilung und Entlohung und damit auch zur Förderung der Motivation braucht man Umsatzvorgaben, die den unterschiedlichen Bedingungen in den verschiedenen Verkaufsgebieten gerecht werden. Gibt man dem Vertreter nur vor, möglichst viel Umsatz zu generieren, besteht die Gefahr, dass man kaum feststellen kann, ob alle Verkaufchancen genutzt worden sind. Darüber hinaus erleichtert eine Umsatzvorgabe auch dem Außendienstmitarbeiter die Planung seiner Verkaufsaktivitäten, da er weiß welche Umätze erwartet werden. Er wird alle seine Anstrengungen darauf ausrichten, diese Vorgabe zu erreichen, vor allem wenn das auch Konsequenzen für seine Entlohnung hat.
Messung der Leistung
Zur Messung der vertrieblichen Leistung überprüfen die Betriebe regelmäßig verschiedene Kennzahlen. Der Umsatz gilt nahezu einhellig als wichtigster Erfolgsfaktor. Er wird generell oder nach Produktgruppen überprüft. Weitere Kennzahlen sind:
- Rohertrag
- Deckungsbeitrag nach allen Kosten
- Anzahl Neukunden
- Absatz
- Kundenkontakte
- Anzahl der Kunden
- Erreichung der individuellen Kundenziele
- Marktanteil
Auf die Persönlichkeit kommt es an
Im Kern der Vertriebssysteme steht der Mensch. Seine Leistung ist entscheidend für die Vertriebsergebnisse, da er im unmittelbaren Kontakt mit der Zielgruppe beziehungsweise den Kunden steht. Die passenden Vertriebsmitarbeiter müssen gefunden werden und deren individuellen Potenziale identifiziert und entwickelt werden. Nicht jeder Mitarbeiter ist für das Verkaufen geschaffen. Und sogar für erfahrene Verkäufer ist der Außendienst eine große Herausforderung. Dies mag bei Privathaushalten schwieriger sein, als bei gewerblichen Kunden.
Der Handelsvertreter oder Reisende sollte sich mit dem Unternehmen und den Produkten identifizieren können. Gutes Training und Schulungen erleichtern dem Vertreter professionelles Auftreten gegenüber dem Kunden. Die persönliche Beziehung zum Kunden ist oft viel intensiver als beim üblichen Verkauf und wird durch freundliches Auftreten noch gesteigert.
Der Anteil der „Stars“ in einer Vertriebsmannschaft ist gering. Schlagkräftige Vertriebe verstehen es aber, einen Großteil der Mannschaft so auszuwählen und zu fördern, dass jeder seine maximale Leistung erbringen kann. Denn durch die Erhöhung der „Stars“ erhöhen sich auch die Wettbewerbsvorteile. Ob ein Mitarbeiter Erfolgspotenzial hat, hängt zu 20 Prozent von fachlichem und methodischem Wissen ab und zu 80 Prozent von sozialer/emotionaler Intelligenz und der Reife der Persönlichkeit durch das Sammeln von Erfahrungen.
Gesetzt den Fall ein Mitarbeiter im Außendienst kündigt und die Stelle wird nicht zeitnah besetzt, führt das zur Verringerung des Umsatzes, einer Verschlechterung der Kundenbeziehungen und zu einer Verletzbarkeit durch den Wettbewerb. Ein Schnellschuss jedoch kann mindestens genauso teuer werden, denn eine Fehlbesetzung führt zu Image- und Umsatzverlusten, Beziehungseinbußen und Kosten.
Eine Stelle gilt dann als fehlbesetzt, wenn sich in den ersten sechs bis zwölf Monaten des Arbeitsverhältnisses herausstellt, dass der Kandidat nicht geeignet ist. Die Gründe dafür können sein:
- mangelndes Fachwissen,
- Fehlverhalten gegenüber Kunden, Kollegen oder Führungskräften oder
- die erbrachte Leistung und Ergebnisse sind zu schwach.
Es ist schwierig, die geeigneten Mitarbeiter zu finden, gerade in den Zeiten, in denen gutes Personal spürbar knapp wird. Der Trend bei der Personalsuche geht, vorwiegend im Verkauf, dahin, dass das Persönlichkeitsprofil mehr gewichtet wird als Fachwissen, denn dieses ist leichter vermittelbar als eine Änderung der Persönlichkeit zu bewirken wäre. Deshalb sind auch Quereinsteiger willkommen. Die individuelle Motivationsstruktur und die Selbststeuerungskompetenz sind erfolgskritische Persönlichkeitsmerkmale, weil sie Handlungsbereitschaft und vorhandene Energie für die Umsetzung von Plänen oder das Verarbeiten von Niederlagen sind.
Die Antriebskraft des Mitarbeiters kann durch drei Motive entfacht werden:
- Beziehungsmotiv: Die Kraft wird aus dem Umgang mit anderen Menschen, wie Kunden oder Kollegen, bezogen.
- Leistungsmotiv: Die Kraft wird aus dem Drang zu lernen, dem Bedürfnis innerlich zu wachsen und dem Steigern der Fähigkeiten, gewonnen. Dabei sind Erfolge bei der Arbeit und die regelmäßige Anerkennung des Chefs wichtig.
- Machtmotiv: Der Drang zu Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verleihen diesem Typen Kraft. Persönliche Freiräume sind wichtig, um Ideen umzusetzen.
Im Vertrieb ist jeder Mitarbeiter der entscheidende Erfolgsfaktor. Nachhaltige Leistungen bringt jedoch nur der Mitarbeiter, dessen unbewussten Motive mit den gesetzten Rahmenbedingungen des Jobs übereinstimmen. Wie die Persönlichkeit eines Menschen gestrickt ist und was ihn motiviert, findet effizient nur ein geeigneter psychologischer Eignungstest heraus. Auch für den Mittelstand sind diese Potenzialanalyseverfahren heute praktikabel und kosteneffizient verfügbar.
Mehr zum Thema Motivation finden Sie hier:
"Sich selbst und andere zielgerecht bewegen" [107]
Beispiel Würth
Das Unternehmen mit der größten Vertriebsgruppe der Welt, nämlich 30.000 Vertreter, schickt ihre Mitarbeiter jeden Tag los, um Schrauben, Dübel und Werkzeug zu verkaufen. Ein Motivationsfaktor für die Außendienstmitarbeiter ist der Dienstwagen. Je besser verkauft wird, desto größer der Wagen für die Verkaufstour. Jedes Quartal gibt es einen Check, ob das Auto zur Leistung passt. Ford Focus, Opel Zafira, BMW 320, Audi A4, A6, Mercedes E220, es kann in beide Richtungen gehen. Diese Belohnung ist auch deshalb so genial, weil gleich nach außen sichtbar wird, wie die Leistung des Mitarbeiters ist. Das Ansehen bei den Kollegen steht auf dem Spiel.
Verhältnis zwischen Innendienst und Außendienst
Das Verhältnis im Vertrieb zwischen Innendienst und Außendienst ist oft kritisch und verursacht Spannungen und Probleme. Der Außendienstmitarbeiter erweckt oftmals den Eindruck eines Einzelkämpfers, weil er beim Kunden in der Regel alleine auftritt. Fakt ist aber: Um erfolgreich arbeiten zu können, muss der Reisende in ein gut funktionierendes Umfeld eingebettet sein. Dazu ist eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Innen- und Außendienst zwingend notwendig. Diese kann gestört werden durch:
- Kommunikation: Austausch findet zu selten statt.
- Kundenservice: Es herrschen unterschiedliche Ansichten oder Informationen, wie mit den Kunden umgegangen werden soll (zum Beispiel die Kulanz bei Reklamationen).
- Aufgabenverteilung: Es ist nicht eindeutig, wem welche Aufgabenbereiche, wie beispielsweise Angebotserstellung, zugeordnet sind.
Solche Störfaktoren müssen durch die Führungskraft beseitigt werden.
Verhältnis zwischen Führungskraft und Außendienst
Meist wird das Verhältnis zwischen Führungskraft und Außendienst von den zu erreichenden Zielen dominiert. Die Persönlichkeit des Mitarbeiters spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, das verheizt den Verkäufer so lange, bis er am Ende total ausgebrannt ist. Für eine gute Beziehung, die langfristig anhält, muss die Basis stimmen.
Durch gezielte Fragen kann die Führungskraft herausfinden, wie der Mitarbeiter zu führen ist. Dabei sollten die „soft facts“ (In welchen Bereichen sind Erfolge gelungen? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Was ist der Antrieb?) die „hard facts“ (Wie hoch war der Umsatz?) in den Hintergrund stellen. Die Frage nach dem Umsatz beantwortet nämlich nicht, warum jemand erfolgreich ist.
Der Mitarbeiter merkt dadurch, dass er ernst genommen wird und kann sich persönlich weiterentwickeln. Das hat mindestens zwei Vorteile für das Unternehmen, nämlich Umsatzsteigerung und loyale Mitarbeiter. Die Führungskräfte kostet das Zeit, die sich aber zu investieren lohnt in Hinsicht auf motivierte, loyale Mitarbeiter und deren positiven Effekte auf die Kundenbeziehung. Damit ein gutes Verhältnis zustande kommt, müssen die organisatorischen Faktoren stimmen. Das bedeutet konkret: Die Führungskraft muss Zeit für neue und bewährte Mitarbeiter in den täglichen Zeitplan einbauen, sie sollte in der Anfangsphase auf eine besonders enge Zusammenarbeit achten und es sollte jederzeit ein Kommunikationsweg zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter bestehen.
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Auch ein Außendienstmitarbeiter ist mal krank. Damit dies nicht so häufig vorkommt, sind Konzepte erforderlich, die den speziellen Risikofaktoren (Stress, vermehrte Reiseaktivität, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und mehr) mit entsprechenden praxistauglichen Maßnahmen entgegen wirken und so eine gesunde Balance zwischen Arbeits- und Privatleben erreichen. Es ist die Aufgabe eines effektiven und die Mitarbeiter motivierenden Gesundheitsmanagements, systematische Maßnahmenkataloge bereitzustellen. Die Maßnahmen hierfür sind beispielsweise Check-ups, Seminare, Trainings sowie medizinische und psychologische Betreuungsleistungen.
Fazit
Nachdem sich das Produkt für einen Vertrieb mit AD qualifiziert hat, die Kosten- und die Umsatzerwartungen gegenübergestellt wurden und dabei ein positives Ergebnis herauskommt, ist das Wagnis zwar noch riskant, jedoch das Risiko abschätzbar und größtenteils vermeidbar. Wenn einem die Organisation jedoch zu aufwendig ist, kann der Außendienst auch an einen externen Dienstleister übertragen werden. Oder man sucht sich Partner-Unternehmen, mit denen man sich die Vertreter „teilen“ kann. Das senkt die Kosten und den Organisationsaufwand.
Eine ausführliche Markstudie von Pawlik Sales Consultants zum Thema Außendienst können Sie für 195 Euro hier beziehen:
"Marktstudie Außendienst 2005" [108]
Quellen: Pawlik Sales Consultants AG; Symposion Publishing GmbH
Jobchance: Unternehmen suchen Mitarbeiter für den Außendienst
Eigentlich hatte Kevin Ottmar einen guten Job als Anwaltsgehilfe in einer Kanzlei mit festen Arbeitszeiten und einer hohen Arbeitsplatzsicherheit. Doch mit der Zeit langweilte ihn die ewig gleiche Schreibtischarbeit. Zudem waren die Gehaltsaussichten mau. Also suchte Ottmar vor fünf Jahren eine berufliche Alternative. Heute betreut der 27-Jährige als Bezirksleiter Kunden der Bausparkasse Schwäbisch Hall – nicht als Angestellter, sondern als selbstständiger Handelsvertreter. Dieser Status gefällt Ottmar.
„Als Handelsvertreter bin ich Herr über meine Zeit und selbst dafür verantwortlich, wie viel Geld am Monatsende auf meinem Konto ist. Zugleich öffnet mir die Schwäbisch Hall-Visitenkarte viele Türen, die mir als Einzelkämpfer verschlossen blieben.“
Aus ähnlichen Motiven beschließen viele Männer und Frauen: „Ich werde Handelsvertreter“ – so wie 700.000 andere Personen in Deutschland vor ihnen. Denn das Handelsvertreter-Dasein hat Vorzüge. Man benötigt zum Beispiel keine eigene Geschäftsidee, um selbstständig zu werden, denn Handelsvertreter agieren im Auftrag anderer Unternehmen. Für diese suchen, beraten und betreuen sie Kunden und schließen mit ihnen Verträge ab. Und dafür erhalten sie eine Provision.
Ein weiteres Plus: Obwohl Handelsvertreter Selbstständige sind und im Alltag weitgehend eigenständig agieren, sind sie nicht allein. Sie erhalten Unterstützung vom Unternehmen, für das sie arbeiten – zum Beispiel die nötigen Werbe- und Verkaufsinstrumente sowie einen Kundenstamm zum Ausbauen. Sie werden zudem meist regelmäßig geschult.
Stichwort
Handelsvertreter
- sind selbstständige Unternehmer,
- betreuen im Namen eines oder mehrerer Unternehmen deren Kunden (häufig in einer definierten Region) und schließen in deren Namen (Kauf-) Verträge auch mit Neukunden ab,
- bestimmen im Wesentlichen selbst, wie und wann sie arbeiten,
- erhalten für ihre (Akquisitions- und Beratungs-) Tätigkeiten Provisionen, deren Höhe sich meist am Auftragsvolumen orientiert,
- sind im Vertrieb ganz unterschiedlicher Branchen tätig - sowohl für die Konsum- als auch für die Investitionsgüterindustrie,
- haben mit ihren „Auftraggebern“ eine andauernde (meist auf viele Jahre ausgelegte), vertraglich geregelte Geschäftsbeziehung, die häufig einen Gebiets- und Kundenschutz umfasst.
Zum Teil großzügige Einstiegshilfen
Speziell in der Finanzdienstleistungsbranche werden zurzeit Handelsvertreter händeringend gesucht. So möchte zum Beispiel MLP, Wiesloch, seinen Außendienst um 350 neue Berater aufstocken. Die Hamburg-Mannheimer sucht 800 neue Handelsvertreter und die Schwäbisch Hall sogar 1.000. Ähnlich ist die Situation bei sehr vielen Unternehmen – auch außerhalb des Finanzdienstleistungssektors. Während sie im Innendienst vielfach Personal abbauen, bauen sie im Außendienst Personal auf. Entsprechend buhlen die Unternehmen um die Gunst geeigneter Kandidaten und entsprechend großzügig sind sie mit Starthilfen. Für das erste Jahr erhalten zum Beispiel neue Berater von MLP insgesamt 15.000 Euro als Fixum – zusätzlich zu möglichen Vorschüssen und Provisionen. Ähnlich ist es bei den anderen Finanzdienstleistern.
Noch gibt es wenige Handelsvertreterinnen. Dabei wäre das Handelsvertreter-Dasein für Frauen oft ideal – zum Beispiel, wenn sie Teilzeit arbeiten möchten. Oder sich nach der Familienzeit eine neue berufliche Existenz aufbauen wollen. Dr. Christian Kugelmeier, Leiter Personalmarketing und Rekrutierung bei MLP erklärt:
„Viele Frauen stört das Bild vom „knallharten“ Verkäufer, das leider noch weit verbreitet ist. Dabei sind gerade die Eigenschaften, die typischerweise Frauen zugeschrieben werden, im Vertrieb sehr wichtig.“
Als Beispiele nennt Dorothea Stabolewski, Vertriebsleiterin bei Schwäbisch Hall, die Fähigkeit, offen auf Menschen zuzugehen und ihnen das Gefühl zu vermitteln: Ich verstehe Dich und Deine Bedürfnisse.
Eigenverantwortung ist gefragt
Ein Handelsvertreter müsse Spaß am Umgang mit Menschen haben, betont Claudia Mischon. Sie leitet den Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei der Centralvereinigung Deutscher Wirtschaftsverbände für Handelsvermittlung und Vertrieb (CDH), Berlin. Klaus Höhn, Leiter Ausbildung und Personalmarketing der Hamburg-Mannheimer sucht zudem „Typen“, die sich beim Kunden authentisch und überzeugend präsentieren können. „Außerdem müsse ein Handelsvertreter wie jeder Selbstständige bereit sein, ein gewisses unternehmerisches Risiko zu tragen, ergänzt Mischon. Er darf auch nicht beim ersten „Nein“ des Kunden die Flinte ins Korn werfen. Er muss sich stets neu motivieren können. Christian Herlan, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, betont:
„Denn machen wir uns nichts vor, die Aufträge fallen Handelsvertretern nicht in den Schoß. Sie müssen sich diese ebenso wie alle Verkäufer erarbeiten.“
Deshalb sollte, wer Handelsvertreter werden möchte, ein gewisses verkäuferisches Know-how oder zumindest Talent haben. Bei komplexeren Produkten ist zudem Fachwissen gefragt. Warum, erläutert Dorothea Stabolewski von Schwäbisch Hall:
„Nehmen Sie unsere Außendienstmitarbeiter. Die beraten unsere Kunden in Fragen der finanziellen Vorsorge sowie Baufinanzierung. Ohne ein solides Fachwissen geht das nicht.“
Dieses Know-how fällt nicht vom Himmel. Seriöse Unternehmen erwarten von Bewerbern eine Fachausbildung sowie Branchen- und Vertriebserfahrung. Und wenn ein Interessent diese Voraussetzungen nicht erfüllt? Dann muss er häufig zunächst eine auf den Außendienst zugeschnittene Ausbildung durchlaufen. Diese kann bis zu drei Jahren dauern. Ähnlich Anforderungen stellen zumeist die Hersteller von Investitionsgütern an ihre Handelsvertreter. Denn Vertriebsberater Herlan weiß, dass man ohne Berufserfahrung, Branchenkenntnis und häufig auch bereits bestehende Firmenkontakte in der Investitionsgüterindustrie zumeist keine Chance hat.
Verdienst hängt vom Talent und vom Produkt ab
So verschieden wie die Startbedingungen ist das Einkommen der Handelsvertreter. Dies hängt außer vom Produkt auch vom verkäuferischen Talent und Engagement ab. Manche Handelsvertreter verdienen nur ein „Taschengeld“ – wie zum Beispiel viele Kosmetik- und Dessous-Vertreterinnen. Andere können sich einen gehobenen Lebensstil leisten – insbesondere wenn sie die Karriereleiter hinaufklettern und zum Beispiel Bezirksdirektor werden und ein Team von Handelsvertretern betreuen.
Checkliste
Das passende Unternehmen finden
- Sie erwägen, für ein Unternehmen die Handelsvertretung zu übernehmen? Dann sollten Sie folgende Punkte prüfen – um relativ sicher zu sein, dass Ihr Partner seriös ist und zu Ihnen passt.
- Erhalte ich eine ausreichende Schulung oder Ausbildung und die erforderliche Weiterbildung?
- Bekomme ich professionelles Marketing- und Verkaufsmaterial (etwa Broschüren, Preislisten, Muster)?
- Unterstützt mich das Unternehmen im Alltag (zum Beispiel bei der Marktbeobachtung, Terminvereinbarung) zumindest mit Arbeitsmitteln?
- Wie lange ist das Unternehmen schon am Markt? Verfügt es über eine solide finanzielle Basis? Hat es einen guten Ruf?
- Wie bekannt ist die Marke bei der Zielgruppe?
- Sind die Produkte ausgereift und werden sie nachgefragt?
- Ist das Provisionssystem klar und transparent, und berücksichtigt es, in welchem Umfang die Kunden nach Vertragsabschluss betreut werden müssen?
- Investiert auch das Unternehmen in unsere „Geschäftsbeziehung“?
- Muss ich hohe finanzielle Vorleistungen für Musterkollektionen, Vorführgeräte oder Schulungen erbringen (die sich erst nach längerer Zeit auszahlen)?
- Decken sich die vertraglichen Vereinbarungen bezüglich der Arbeitsgestaltung und des zu erzielenden Umsatzes mit meinen Vorstellungen? Lassen Sie mir ausreichend Gestaltungsfreiräume?
- Soll ich primär selbst verkaufen oder möglichst viele weitere Verkäufer anwerben?
- Enthält der Vertrag einen Gebiets- und Kundenschutz?
- Wie sehen die vertraglichen Regelungen bezüglich der Beendigung der Geschäftsbeziehung aus? Ist eine Abfindung für von mir geleistete Vorarbeiten vorgesehen?
Kundengewinnung: Wie Sie Ihren Adressbestand nutzen
Was war erfolglos?
Prüfen Sie als Erstes, welche Adressen erfolglos beworben wurden und wie die Reaktion genau aussah. Blieb einfach nur eine Antwort aus, können Sie unter Bezugnahme auf den ersten Kontakt einen neuen Versuch starten. So können Sie auf ein erfolgloses Mailing ein weiteres Mailing versenden. Bei größeren Unternehmen lohnt es sich vielleicht auch nachzutelefonieren, wenn das Angebot noch nicht zu weit zurücklag. Bei den negativen Reaktionen prüfen Sie als nächstes die Antworten. Sind die Bescheide nicht gänzlich ablehnend oder war ein Bedarf aus sachlichen Gründen nicht zu erwarten, sollten Sie ebenfalls noch einmal aktiv werden.
Erstkunden zu „Wiederholungstätern“ machen
Sicher haben Sie auch Kunden, mit denen Sie bislang nur einmalig zusammengearbeitet haben. Prüfen Sie bei diesen Adressen anhand der Verkaufsunterlagen, ob beim Erstauftrag alles glatt gelaufen ist. Wenn ja, schreiben Sie sie wieder an oder telefonieren Sie nach. Bieten Sie sich dabei für ein größeres Auftragsvolumen an und stellen Sie vor allem Ihre Service-Stärken heraus.
Denn auch wenn der neue Kunde zufrieden war, will er in der Regel, dass Sie sich um ihn mehr bemühen als um Stammkunden; nur so kann er sichergehen, dass er bei Ihnen auch langfristig gut aufgehoben ist. Gab es hingegen Probleme beim ersten Auftrag, sollten Sie zwar auch einen erneuten Kontaktversuch unternehmen, ihn allerdings anders aufbauen. Stehen Sie zu ihrem Fehler und bitten Sie um eine neue Chance, die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens unter Beweis zu stellen. Günstig ist es, wenn Sie in diesem Zusammenhang Ihrem Ansprechpartner gute Referenzen nennen können.
Teilkunden zu mehr Umsatz animieren
Ein „Teilkunde“ ist ein Auftraggeber, der nicht ausschließlich bei Ihnen, sondern - aus unterschiedlichen Gründen - auch bei Wettbewerbern einkauft. Versuchen Sie hier, mit gezielten Nachlässen ein größeres Umsatzvolumen zu erzielen. Hilft das nichts, fragen Sie Ihre Ansprechpartner ruhig, was Sie tun können, um die Zusammenarbeit zu intensivieren.
Manchmal steckt dahinter auch die grundsätzliche Entscheidung, sich nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig zu machen. In diesem Fall gilt es, das Vertrauen des Kunden in Ihr Unternehmen zu stärken. Verweisen Sie zum Beispiel darauf, wie lange Sie schon erfolgreich am Markt sind, oder dass Sie seit vielen Jahren ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen.
Ehemalige Kunden ansprechen
Einer der häufigsten Gründe, warum sich Kunden von einem Lieferanten oder Dienstleister abwenden, ist nicht Unzufriedenheit mit der Leistung, sondern mangelnde Initiative des Anbieters, sich weitere Aufträge zu sichern. Zum Schluss sollten Sie daher auch Ihre ehemaligen Kunden ansprechen. Bringen Sie sich mit einer geeigneten Aktion (Mailing, Telefonakquise) wieder ins Gespräch.
Fünf Tipps, wie Sie Adressen sammeln
Je mehr Adressen Sie haben, um so besser. Geben Sie deshalb Ihren Gesprächspartnern einen Grund, Ihnen die Adresse zu überlassen:
- „Wir haben hier ein Gästebuch, in das sich alle, die über Sonderaktionen und neue Angebote informiert werden möchten, eintragen können. Darf ich Ihre Daten auch aufnehmen?“
- Wir haben öfter neue Sonderaktionen wie diese. Dürfen wir Sie bei Gelegenheit darüber informieren?
- Möchten Sie unsere Prospekte zugeschickt bekommen? Dann wissen Sie stets, wann ein Besuch bei uns besonders interessant ist.
- Dürfen wir Ihnen unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter zu senden? Dann sind Sie über alle Neuheiten bei uns schnell informiert.
- Rund ums Auto haben wir immer wieder Aktionen, wie den kostenlosen Winterreifen- oder Batterie-Check. Wenn Sie hier Ihre E-Mail-Adresse eintragen, informieren wir Sie gerne darüber.
Verhandlungssache: Wie sich Vertriebsmargen verbessern lassen
Für Einkäufer gilt nur eine Maxime: So viel rausholen wie möglich! Daher beenden sie die Verhandlungen mit Verkäufern erst, wenn diese endgültig die Segel streichen, und nicht bereits, wenn sie ihren Wunschpreis erreicht haben. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Einkäufern viele Mittel recht. Was dies bedeutet, zeigt folgendes Beispiel.
Beispiel
Ein Automobilzulieferer benötigte für eine Produktionsstraße einen Lackierroboter. Mögliche Lieferanten werden gebeten, ein Angebot abzugeben. Der technische Leiter des Zulieferers prüft diese und wählt das qualitativ beste aus. Erst jetzt wird der Einkauf beauftragt, den Preis mit dem Anbieter zu verhandeln. Um möglichst günstige Konditionen zu erzielen, setzt der Einkäufer den Verkäufer der Verhandlung unter Druck, indem er sagt, zwei weitere Lieferanten seien in der Auswahl – was in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Es kommt, wie es kommen muss. Der Verkäufer ist verunsichert und weil er den Auftrag sichern will, senkt er sein Angebot um stattliche 15 Prozent. Tragisch, denn er hätte den Auftrag auch mit einem deutlich geringeren Nachlass bekommen, indem er dem Einkäufer einen „Anerkennungsrabatt“ gewährt hätte.
Mit einer frühzeitig gestellten so genannten „Budgetfrage“ lässt sich eine solche Situation vermeiden. Doch die Crux ist, dass die meisten Verkäufer zwar hervorragend in Sachen Fragetechnik und Gesprächsführung trainiert sind. Doch in der Regel stellen sie nur Bedarfsfragen, um konkret auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen zu können. Oder sie nutzen die Stalinorgel-Argumentation, das heißt der Verkäufer schießt sämtliche verfügbaren Argumente ab, ohne wirklich die Interessen des Einkäufers zu treffen. Grundsätzlich ist es jedoch besser, die Fragen so zu formulieren, dass der Verkäufer erfährt, ob und zu welchen Konditionen der Einkäufer bereit ist, mit ihm abzuschließen. Allein durch eine solche „Budgetfrage“ lässt sich die Verkaufsmarge deutlich steigern, wie ein Anlagen-Hersteller feststellte. Allein die Frage nach dem Budget bewirkt dort, dass die Verkaufsmarge um sieben Prozent stieg. Wichtig: Die Frage, welche Preisvorstellung der Einkäufer hat, sollte intensiv, aber unauffällig und vor allem authentisch formuliert sein. Schon nach kurzer Übungszeit klappt das wie folgt:
Typischer Ablauf einer Budget-Frage
Verkäufer Rüstig: "Ich habe großes Interesse an Ihrem Auftrag. Daher die Frage: Wo müssen wir preislich hin? Welches Budget haben Sie zur Verfügung?"
Einkäufer Pfiffig: "Das darf ich Ihnen leider nicht sagen."
Verkäufer Rüstig: "Nur ungefähr, so als Anhaltspunkt."
Einkäufer Pfiffig: "Mhmm, 5.300 Euro sollten Sie schon unterbieten."
Verkäufer Rüstig: "Uiii, 5.300! Puhh, das ist heftig. Gesetzt den Fall, ich könnte Ihnen die 5.300 nicht ganz bieten, hätte ich trotzdem noch eine Chance?"
Aus der Reaktion des Einkäufers lässt sich herauslesen, ob es ausreicht, einen geringeren Nachlass auszuhandeln, ohne die Chance auf den Auftrag zu verschlechtern. Es empfiehlt sich daher, lieber die Preise rauf statt runter zu handeln! Wer sorgfältig auslotet, wie weit der Einkäufer bereit ist, von seiner Forderung abzugehen, bevor er das Verkaufsgespräch abbricht, verbessert seine Verkaufsmargen!
Unternehmen, die jetzt denken, „Kein Einkäufer verrät mir sein Budget!“, täuschen sich. Zwar werden viele Einkäufer versuchen, der Budgetfrage auszuweichen. Die Erfahrung zeigt aber, dass es zahlreiche Einkäufer gibt, die schon bei der ersten geschickt formulierten Frage des Verkäufers Auskunft geben, welches Budget und welche Preisvorstellung sie haben. Mitunter nennen sie sogar die Preise der Wettbewerber. Selbst Einkäufer, die zunächst abblocken, geben spätestens bei der dritten Frage die gewünschte Antwort. Und, voilà, der Anbieter weiß nun, in welchem Maße er dem Einkäufer entgegenkommen muss, um den Auftrag zu ergattern.
Die innere Einstellung spielt somit eine ganz entscheidende Rolle für den Erfolg. Wer die Sperre im Kopf hat, dass der Einkäufer ihm sowieso nicht das Budget verraten wird, hat schon verloren. Die Bereitschaft, sich die benötigen Informationen durch geschicktes Fragen zu beschaffen, gehört daher ebenso trainiert wie die positive Einstellung zum eigenen Produkt. Zudem: Was kann schon passieren, wenn der Einkäufer die Budgetfrage nicht beantwortet? Nichts! Trotzdem scheuen etliche Vertriebsmitarbeiter diese Frage und schließen bereitwillig zu schlechten Konditionen ab.
Eine Chancen-Bilanz erstellen
Vertriebler, die nur schwer abschätzen können, wie die Chancen für die Auftragserteilung stehen, sind meist unsicher und zögerlich. Dann hilft eine Chancen-Bilanz. Sie zeigt ihm, in welcher Situation er sich befindet. Dazu wird in Gedanken der bisherige Verlauf des Gesprächs rekapituliert. Wie bei einem Puzzle ergeben einzelne Gesprächselemente und Einkäuferaussagen ein Gesamtbild, das die Abschluss-Chancen aufzeigt.

Überwiegt die grüne Seite, stehen die Chancen gut. Dann heißt es, hartnäckig dranbleiben, auch bei der Preisverhandlung. Mit einer Frage lässt sich klären, ob die Wahrnehmung stimmt, zum Beispiel: „Gesetzt den Fall, wir werden uns preislich einig, kommen wir dann ins Geschäft?“ Die Erfahrung bestätigt, dass die wenigsten Einkäufer mit dieser Art der Fragestellung umgehen können. Ein „Ja, aber“ zeigt dem Verkäufer in 80% der Fälle, dass er den Auftrag selbst dann erhalten wird, wenn er im Preis nicht zu sehr nachgibt.
Aus Einkäufersicht denken
Ohne Zugeständnisse geht es dennoch meist nicht. Denn auch die Einkäufer müssen Erfolge vorweisen – schon aus dem Interesse, den Job zu behalten. Am Ende eines Tages müssen sie schließlich die „Savings“ für das Unternehmen nachweisen. Wer das nicht kann, hat ein Problem. Die Beziehung zum Einkäufer stärkt zum Beispiel, wer im Angebot deutlich herausstellt, was der Einkäufer geleistet hat, etwa so: „Sondernachlass gemäß Verhandlung mit Herrn Schmidt .... %“. Im Portfolio jedes Verkäufers sollten sich somit auch Pseudozugeständnisse befinden, die er vor allem in kritischen Situationen anbieten kann. Der Einkäufer lässt dann eher eine akzeptable Win-Win-Situation zu.
Zudem lassen Anbieter oft einen Aspekt außer Acht: Der Einkäufer hat genauso viel Angst vor einem Verhandlungsabbruch wie Sie selbst. Clevere Vertriebsleute nutzen das und fragen: „Gesetzt den Fall, ich könnte Ihnen im Preis nicht weiter entgegen kommen, würde die Verhandlung daran scheitern?“ Auf diese Frage sollte man zwar kein schlichtes „Ja“ erwarten, aber die Antworten sind meist sehr aufschlussreich. Zudem zeigt sich, dass die Position des Verkäufers oft stärker ist, als dieser selbst annimmt. Denn nur in etwa jeder fünften Verhandlung hat der Einkäufer wirklich überzeugende Konkurrenzangebote. Was dann häufig entscheidet, sind Auftritt, Sympathie und Zuverlässigkeit - solange das eigene Angebot generell attraktiv ist.
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Verkaufsgespräch: Tipps für den erfolgreichen Abschluss
Im Gespräch zeigt sich schnell, welchen Typ Kunde man vor sich hat: Sucht er ausführliche Informationen oder sieht er im Verkäufer eher den "Umsetzer" der eigenen Vorstellungen als einen Berater?
Gespräche gezielt steuern
Indem Sie die Bedürfnisse, Ziele und Wünsche des Kunden klären, motivieren Sie ihn, gemeinsam mit Ihnen eine Lösung zu erarbeiten, und positionieren sich so als kompetenter, vertrauenswürdiger Partner. Offene Fragen wie "Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?" eignen sich, um eine ganzheitliche Beratung umzusetzen. Das Ziel – der Abschluss – sollte jedoch von Anfang an klar sein: Statt "Welche Informationen brauchen Sie von mir?" konkretisiert die Frage "Welche Informationen brauchen Sie von mir, damit wir ins Geschäft kommen?"den Fokus des Gesprächs.
Einwände für Beratung nutzen
Non-verbale Kaufsignale wie eine offene Mimik, interessiertes Zuhören oder ideomotorisches Nicken sind wichtig, um die Kaufbereitschaft eines Kunden einzuschätzen. Ein konstruktives Gespräch jedoch entsteht aus dem, was der Kunde tatsächlich ausspricht. Dabei sind Einwände, die ein Kunde im Lauf des Gesprächs hervorbringt, aussagekräftiger als die Frage nach Garantien, Service oder Referenzen. Oft scheuen Berater die Konfrontation, dabei basieren Einwände genau auf jenen Überlegungen, nach denen ein Kunde seine Kaufentscheidung trifft. Statt nur darauf zu reagieren, sollten Einwände deshalb gezielt durch Fragen provoziert werden, etwa "Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann entspricht dieses Produkt Ihren Vorstellungen einer vernünftigen Vermögensaufbaustrategie, oder täusche ich mach da?"
"Moderne" Suggestivfragen stellen
Niemand wird gern in die Ecke gedrängt. Typische Suggestivfragen wie "Sie wollen doch in zehn Jahren nicht ohne Rückhalt dastehen, oder?" führen eher zu Widerstand als einem Abschluss. Statt einer Frage, die den Kunden zu einem "nein" zwingt, laden "moderne" Suggestivfragen den Kunden zum Dialog ein: "Ich könnte mir vorstellen, dass Sie in zehn Jahren gerne ein gutes Polster hätten, oder sehe ich das falsch?" wirkt weniger manipulativ und bringt noch nicht offen kommunizierte Vorbehalte ans Licht.
Bedenkzeit einräumen und den Sack zumachen
Überdenkt der Kunde in der Abschlussphase ein Angebot, deuten viele Verkäufer das Schweigen als Ablehnung und argumentieren alle Punkte erneut. Das Resultat: Der Kunde fühlt sich in seiner Entscheidung verunsichert statt bestärkt. Wurden alle Fragen geklärt und die Rahmenbedingungen festgelegt, stehen die Chancen gut, mit der Frage "Sehr schön, von welchem Konto sollen wir die Überweisung der 100.000 Euro vornehmen?" aktiv den Abschluss herbeizuführen.
Kleiner Tipp zum Schluss: Lieber und statt aber
Während das Wörtchen "und" verbindet, löst "aber" beim Kunden eine unbewusste Gegenreaktion aus und sollte deshalb vermieden werden: "Ich sehe, dass dieses Leistungspaket Ihre Ansprüche nicht erfüllt und ich hätte hier noch eine weitere Option für Sie."
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Verkaufsabschluss: Kicks für Unentschlossene
Reservierungen anbieten
Manche Gesprächspartner scheuen vor der Abschlussphase zurück, weil Sie sich noch zu unsicher fühlen. Dann zahlt es sich oft aus, den Kauf quasi hypothetisch zu vorwegnehmen: „Machen wir es doch einfach so: Ich reserviere Ihnen bis nächsten Montag 200 Einheiten. Wenn Sie die Lieferung dann dennoch nicht wollen, verwende ich sie einfach für einen anderen Kunden.“
Dieses Vorgehen hat viele Vorteile: Zum einen können Sie über die konkreten Lieferungs- oder Leistungsmodalitäten sprechen, als wäre der Auftrag schon bestätigt. Zum anderen geben Sie Ihrem Gegenüber die Sicherheit, einen jederzeit abrufbaren Abschluss mit Ihnen getätigt zu haben. Dadurch wird er weniger dazu neigen, ein Angebot bei einem anderen Anbieter einzuholen. In den meisten Fällen können Sie deshalb bei einem späteren Bestätigungsanruf mit einer positiven Entscheidung rechnen.
„Piloten“ einsetzen
Eine Vorgehensweise, bei der Kunden ein Produkt oder eine Leistung testen können, nennt man „Pilot“. Formulieren Sie dieses Angebot folgendermaßen: „Ich lasse Ihnen einfach einmal 20 Stück zuschicken, und Sie prüfen dann die Eigenschaften des Materials. Wenn es Ihnen nicht zusagt - kein Problem, dann nehmen wir es zurück.“
Diese Technik sollte nicht eingesetzt werden, wenn der Einkäufer noch ernsthafte Einwände hat. Er wird dann in der Testphase hauptsächlich versuchen, sich die von ihm vermuteten negativen Eigenschaften bestätigen zu lassen. Wenn er Ihrem Angebot jedoch positiv gegenüber steht, sich aber einfach noch nicht festlegen kann, ist der „Pilot“ genau richtig.
Alternativen anbieten
Manchmal kommen Verkaufsgespräche dadurch ins Stocken, dass sich ein Kunde grundsätzlich bereits für Ihr Angebot entschieden hat, aber noch nicht für eine bestimmte Ausführung. Schränken Sie die Vielfalt der Möglichkeiten ein, indem Sie zwei Alternativen nennen. Dadurch konkretisieren Sie die Diskussion und kommen so leichter zum Abschluss. Setzen Sie die Alternativtechnik jedoch nicht ein, wenn Ihr Gesprächspartner noch grundsätzlich im Zweifel ist - er wird sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen und eventuell einen Rückzieher machen.
Den Kunden fragen
Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich die Diskussion im Kreis dreht, können Sie Ihr Gegenüber bitten, selbst die nächsten Schritte zu bestimmen: „Wie würden Sie weiter vorgehen?“ Auf diese unverblümte Frage wird häufig eine direkte Antwort folgen, die Sie in Richtung Abschluss voranbringt. Vielleicht ergeben sich daraus auch andere Varianten, wie die Möglichkeit, einen weiteren Termin zu vereinbaren oder einen Kollegen einzubeziehen. Manchmal können Sie sogar einen Einwand, der bisher noch nicht genannt wurde, heraushören. Da dadurch das Gespräch auch in eine Ihnen unerwünschte Richtung gehen kann, sollten Sie diese Technik nur anwenden, wenn Sie keinen anderen Weg sehen.
Fünf Gründe, warum der Kunde sich nicht entscheidet
- Der Kauf ist für ihn nicht dringend, deshalb ist die Motivation für einen Entschluss gering. Nennen Sie in diesen Fällen sinnvolle Meilensteine wie Lieferzeiten, beschränkte Vorräte oder bevorstehende Preisänderungen, um einen dosierten Entscheidungsdruck aufzubauen.
- Ihm fehlt die Kompetenz, eine Entscheidung zu treffen. Bieten Sie hier an, noch einmal vor dem eigentlichen Entscheider zu präsentieren.
- Sie haben den Bedarf nicht richtig ermittelt und argumentieren an seinen Problemen vorbei. Fragen Sie konkret danach: „Sie glauben nicht, dass mein Angebot das Richtige für Sie ist?“ Das gibt Ihnen Gelegenheit, Ihr Angebot den vorgelegten Einwänden anzupassen und doch noch zum Abschluss zu gelangen.
- Er hat kein Vertrauen in Ihre Fähigkeiten und möchte Ihre Aussagen deshalb noch einmal überprüfen. Geben Sie Garantien, nennen Sie Referenzen und verweisen Sie auf Projektbeispiele auf der Firmen-Website.
- Er hat aufgrund von Veränderungen, die Sie nicht kennen, keinen Bedarf mehr an Ihrem Angebot. Ein Abschluss ist hier natürlich aussichtslos, aber versuchen Sie im Gespräch etwas über diese Veränderungen zu erfahren und recherchieren Sie später weiter, um bei späteren Verkaufsgesprächen im Bilde zu sein.
Kundenintegration: Wie die Kunden das Unternehmen führen
Der Konsument wandelt sich vom passiven Zielobjekt zum hoch vernetzten, bestens informierten, kritischen, emanzipierten, aktiven Marktgestalter und Kaufverhaltensbeeinflusser. Seine größte Waffe heißt Loyalität. Denn nicht Konsumverzicht, sondern die zunehmende Wechselbereitschaft der Verbraucher macht den Unternehmen am meisten zu schaffen.
Man braucht kein Detektiv zu sein, um in jedem x-beliebig gewählten Unternehmen kundenfeindliche Prozesse, Strukturen, Sprach- und Verhaltensweisen aufzuspüren. Punktuell gibt es überall Highlights, aber irgendwo – und das meist beim schwächsten Glied - reißt die interne Leistungskette. Schuld daran ist zweierlei: selbstorientiertes Denken und Handeln sowie mangelndes Verständnis dafür, was den Kunden wirklich bewegt. So schätzt Tim Bosenick, Gründer der Firma Sirvaluse, dass nur 30 Prozent aller technischen Produkte vor ihrer Markteinführung auf Benutzerfreundlichkeit getestet werden. So kommt es dann zu Flopraten von über 90 Prozent.
Alle kundenrelevanten Geschäftsprozesse gehören auf den Prüfstand! So manche Service-Handbücher sind ohne einen einzigen Abgleich mit den Kunden entstanden. Kundenfreundliche Unternehmen hingegen kooperieren mit ihren Kunden und binden sie in die Abläufe ein. Dort ist CRM keine Software, sondern das, was es ursprünglich einmal war: ein Customer Relationship Management, das den Kunden in allen Phasen - von der Neuakquise über die Kundenbetreuung und Loyalisierung bis hin zur Kundenrückgewinnung - achtsam begleitet. Schon bald, so Jacquelyn Thomas, Professorin für integrierte Marketingkommunikation an der US-amerikanischen Northwestern University, werden wir wohl nicht mehr von CRM, sondern von CMR, also von Customer Managed Relationships sprechen. Die Kunden werden die Beziehung führen.
Vom passiven Nutzer zum aktiven Mitmacher
Aus Mitarbeitern Beteiligte zu machen, sie aus der passiven Erdulder-Rolle in eine aktive Mitgestalter-Rolle zu bringen, ist in der modernen Personalführung inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Nun werden auch die Kunden als ‚Mitarbeiter‘ eingebunden. Wer sich etwa unter www.legofactory.com [109] registrieren lässt, erhält sogar einen virtuellen Mitarbeiterausweis.
Das Outsourcing klassischer Unternehmensleistungen an den Kunden ist in zahlreichen Varianten möglich: Umfragen und Abstimmungen, User-Ratings, Prognosebörsen, Diskussionsforen und Feedback-Systeme im Internet, Innovationsworkshops mit Kunden, Focus-Groups, Corporate Blogs, Firmen-Wikis, Mitmach-Brandlands … Jedes Unternehmen kann auf seine Weise Ansatzpunkte finden, um Kunden mitentscheiden zu lassen, wo es in Zukunft langgeht.
In Australien entstand beispielsweise eine neue Biermarke zu 100 Prozent durch das Zutun von Konsumenten: Blowfly Beer. Die Gründer waren keine Bierbrauer und hatten keinerlei Insiderwissen über den dortigen Biermarkt, den sich zwei nationale Marken teilten. Sie entschieden sich, alles anders zu machen, als es Brauereien klassischerweise tun. So ließen sie alle, die Lust dazu hatten, im Internet abstimmen, über:
- den Namen,
- die Geschmacksrichtungen,
- das Logo,
- den Flaschentyp,
- den Preis,
- die Bierkästen,
- die Verkaufsstellen und
- die Location für die Eröffnungsparty.
Wer mitmachte, bekam zum Dank Brewtopia-Aktien und wurde hierdurch zum Miteigentümer. Das Bier hatte 16.000 Markenbotschafter, bevor es überhaupt zu kaufen war. Auch nach dem Start passierte das meiste in Zusammenwirken mit den Fans. So wurde das Bier nicht früh am Morgen durch die Hintertür angeliefert, sondern dann, wenn die Bars voll waren, immer durch den Haupteingang und über den Bar-Tresen hinweg. Das ganze ging mit viel Hallo vonstatten, denn die Lieferwagen sahen aus wie Ambulanzfahrzeuge und waren mit Sirenen ausgestattet.
Die ‚Weisheit der Vielen‘
Bei Kunden schlummert das bislang am wenigsten genutzte Kreativpotenzial. Wer die Kunden aktiv in seine Innovationsprozesse einbindet, erhält automatisch bessere Lösungen. Durch die ‚Weisheit der Vielen‘ (James Surowiecki) wurde etwa Wikipedia, die Web-basierte und größte Enzyklopädie der Welt geschaffen. Kunden und selbst unbeteiligte Dritte verhelfen mit freiwillig zugesteuerten Ideen den Unternehmen zum Erfolg. So kann man auf der Webseite www.brainr.de [110] mit welcher Frage auch immer zum Brainstorming einladen. Konzerne wie Procter & Gamble verlagern bereits ganze Teile ihrer Forschung & Entwicklung ins Netz. 50 Prozent aller Innovationen sollen, so P&G-CEO Alan G. Lafley, von außerhalb des Unternehmens kommen. Laut einer IBM-Studie aus dem Jahr 2006 werden dort bereits 39 Prozent aller Ideen von Kunden und Partnern beigesteuert, 41 Prozent kommen von den Mitarbeitern.
Wenn dies alles funktioniert, dann stellt sich jedem Verantwortlichen im Unternehmen die Aufgabe, kollektive Intelligenz in seinen Bereich einfließen zu lassen – ob er will oder nicht. So lässt sich der Kunde entlang der gesamten Wertschöpfungskette mehr oder weniger aktiv in Arbeits- und Gestaltungsprozesse einbeziehen, er initiiert, beschleunigt, bereichert, verändert oder stoppt. Er liefert wichtige Indikatoren, wie unternehmerische Leistungen kundenspezifisch weiterentwickelt werden können und sollen, über:
- Befragungen,
- Tests,
- Verbesserungsvorschläge und
- Kritiken.
Nicht mehr durch klassische Werbekampagnen, sondern vor allem durch sich selbst organisierende User-Schwärme werden Marken und neue Trends gemacht. Nicht länger die Presseabteilungen, sondern meinungsstarke und gute vernetzte Expertenkunden, die sogenannten ‚Market Mavens‘, sichern in Zukunft als Referenzgeber die Reputation eines Unternehmens. Sie sind die wahren ‚Marktführer‘, Navigatoren in einer zunehmend komplexen Welt. Wer konsumieren oder investieren will, glaubt eher den Botschaften seiner Freunde oder dem Bericht eines anonymen Bloggers, als den Hochglanzbroschüren von Herstellern und Anbietern am Markt. Und: Das Neukunden-Gewinnen ist leicht, wenn man viele Empfehler hat.
Anstatt noch länger in den Datenfriedhöfen ihrer CRM-Programme nach Erfolgsrezepten zu suchen, nehmen Unternehmen also besser Blogs und Forum-Beiträge auf den Monitor. Dort findet die nahe Zukunft statt. Die wichtigsten Impulsgeber für das Innovieren und Fortbestehen sind nicht Marktforschung und Benchmarking, sondern Mitarbeiter und Kunden. Also: Stellen Sie ausgewählten Kunden öfter mal ein paar kluge Fragen, zum Beispiel so:
- „Nur mal angenommen, Sie wären bei uns Marketingleiter, was würden Sie schleunigst ändern?“ oder
- „Nur mal angenommen, Sie hätten bei uns Vertriebsverantwortung, was würden Sie als Erstes verbessern?“
Eines allerdings wird nicht funktionieren: den Kunden zum Knecht zu machen. Einseitiges und damit ausbeuterisches Outsourcing von Arbeit an den Kunden wird dieser sehr schnell als solche erkennen und schließlich bestrafen. Win-win ist angesagt! Wenn es dem Unternehmen dabei um Kostenvorteile geht, muss es auch für den Kunden sichtbar billiger sein. Sonst geht der Schuss nach hinten los.
‚Customer driven content‘
Das heutige Mitmach-Marketing ist nicht vorrangig auf Einsparpotenziale ausgerichtet, sondern vielmehr nützlich, lustvoll und emotionsbehaftet. Und es hat eine Sinn-Komponente. Dazu gibt es bereits Beispiele zuhauf:
- In der Online-Marktforschung: Kunden tippen ihre Daten selber ein, sie sorgen auf diese Weise nicht nur für eine bessere Datenqualität, sondern geben auch eine Menge von sich preis. Sie machen bei Befragungen mit, sie teilen ihr Wissen mit Anderen und stellen gelebte Erfahrungen ein. Sie geben ihre Meinung ab, sie bewerten einander oder empfehlen gleich weiter. Dies tun sie freiwillig und ohne jede Bezahlung. Unternehmen beobachten all das, ohne es zu beeinflussen und erfahren so eine Menge darüber, was die Menschen sich wünschen, was sie vermissen und was sie wirklich bewegt.
- In der Produktentwicklung: Ausgewählte Kunden sind exklusiv als Pre-Tester aktiv, sie weisen die Entwickler auf Fehler hin und optimieren das Produkt gleich weiter. So schickt Microsoft kostenlose Beta-Versionen in den Markt, auch bekannt als ‚Green-banana-Policy‘: reift beim Kunden. Der US-Hersteller Kettle Foods ließ seine Kunden im Rahmen einer People‘s Choice-Kampagne Geschmacksrichtungen für neue Chips-Sorten vorschlagen und auswählen - mit durchschlagendem Erfolg. ‚Designed by Lego Fans‘ steht auf Lego-Packungen, wenn ein neues Produkt aus der Schmiede eines Lego-Enthusiasten kommt. Das Hotel Haus Hirt im österreichischen Bad Gastein beteiligt Gäste an der gestalterischen Weiterentwicklung des Betriebs.
- Im Service-Design: Kunden erbringen hochwertige Organisationsleistungen, wie Selfbanking und Flugbuchungen, inzwischen selbst. Sie drucken ihre Rechnungen aus, sie checken an Automaten ein, sie sind in selbst organisierten Nutzergruppen aktiv, sie spielen Helpdesk und Kümmerer. Und das in einer Schnelligkeit, die die Unternehmen nie hinbekämen. In der Elektronik-Branche verlagert sich ein Großteil des technischen Supports in die Foren, in denen Nutzer Nutzern helfen. So hat SAP beispielsweise mit der DSAG-Community eine Non-Profit-Organisation geschaffen, die Usern und SAP-Partnern einen freien Austausch von Rat und Hilfe ermöglicht.
- In der Werbung: Kunden werden zu Logo-Werbeträgern, sie drehen Werbefilme, gestalten Anzeigen und komponieren Klingeltöne. So rief der Autovermieter Sixt seine Kunden auf, neue Anzeigenmotive zu entwickeln. Über die 36 besten Entwürfe konnte man im Internet abstimmen. Dem Sieger winkten Cabrio-Wochenenden. Die Automarke Mini bat ihre Fans in Zusammenhang mit dem Launch neuer Modelle zu einem ‚Webclip-Contest’. Die Gewinnerfilme wurden auf allen Mini-Events gezeigt. Unter dem Motto ‚Say something ketchuppy‘ konnten Kunden bei Heinz Ketchup Texte für die Etiketten der Flaschen einsenden. Acht Gewinnersprüche wurden prämiert und gedruckt. Einer hieß beispielsweise: Suche einen Job in Ihrer Küche.
- Im Vertrieb: Kunden werden zu Star-Verkäufern. Sie bringen als freiwillige Mund-zu-Mund-Propagandisten neue Produkte in den Markt. Agenturen wie Trnd haben inzwischen zig tausend so genannter ‚Buzzer’ (to buzz = summen) in ihrer Datenbank, die vorgegebene Produkte zwar gezielt, aber dennoch zwanglos in ihrem Umfeld ins Gespräch bringen. Die ausgewählten ‚Agenten’ bekommen Produktmuster und Anleitungen für die Kundenansprache. Sie arbeiten unentgeltlich und unterliegen keinem Zwang. Sie tun und sagen, was sie wollen. ‚Buzzen’ ist für sie eine Chance, Spaß zu haben, an einen Informationsvorsprung zu kommen, ihr Geltungsbedürfnis zu nähren, anderen zu helfen oder Einfluss zu nehmen.
- In der Pressearbeit: Leser werden zu Hobbyreportern, sie senden Leserfotos ein und sind als ‚Bürgerjournalisten‘ bzw. ‚Streetchecker‘ unterwegs. In Foren und Blogs machen sich mehr oder weniger professionell agierende Amateur-Berichterstatter breit. So hat sich ein eigenständiges journalistisches Format entwickelt. Immer mehr Journalisten frequentieren regelmäßig die Blogging-Szene, weil sie von dort die heißesten Tipps bekommen. Eine Umfrage unter 177 amerikanischen Journalisten zeigte: 75 Prozent nutzen Blogs als Ideengeber.
- Im Personalrecruiting: Ein Mittelständler schrieb seinen Kunden, dass er Ausbildungsplätze bevorzugt an Personen aus seinem Kundenkreis vergeben wolle – und wurde schnell fündig. Bei der amerikanischen Franchisekette Build-a-Bear, die auch einige Standorte in Europa hat, können Kunden nicht nur knuffige Plüsch-Teddybären nach eigenen Wünschen zusammenbauen, sie werden auch gezielt angesprochen, ob sie nicht im Laden arbeiten wollen. In einem dreiwöchigen Kurs werden sie zum ‚Master Bear Builder‘ geschult. Auch bei Globetrotter, einem Outdoor-Ausrüster, arbeiten viele ehemalige Kunden.
Das Ergebnis kundenfokussierter CRM
Wenn man Menschen zeigt, dass man sich für ihre Meinung interessiert, verändert sich deren Haltung zum Unternehmen und seinen Angeboten und Services positiv. Eine ganze Reihe von Untersuchungen hat gezeigt, dass Innovationen erfolgreicher sind, wenn die Kunden involviert wurden. Dies senkt nicht nur das unternehmerische Risiko, sondern baut zusätzlich Eintrittsbarrieren für den Wettbewerb auf. Denn jedes Involvieren schafft Verbundenheit.
Kunden lieben Produkte umso mehr, je intensiver sie beim Entwicklungsprozess mitreden dürfen. Hierdurch entsteht Vertrauen – und ein Stück weit auch ein ‚Mein Baby‘-Gefühl. Die Chancen stehen gut, dass solchermaßen emotional eingebundene Kunden sich begeistert als aktive Empfehler betätigen – kostenlos, aus eigenem Antrieb und gerne. Das Ergebnis: ein durch die Kunden gemanagtes Consumer-to-Consumer-Marketing (CtoC). Es findet ganz ohne die Unternehmen statt – und es boomt.
Mehr zum Thema von Anne M. Schüller:
Kundennähe in der Chefetage - Wie Sie Mitarbeiter kundenfokussiert führen [111] , Orell Füssli Verlag, Zürich 2008
[Bild: Fotolia.com]
Kundenpflege: Fünf Tipps für mehr Kundenorientierung
1. Mit Geschenken überraschen
Kleine Geschenke erhalten die Kundenbeziehung - nutzen Sie deshalb jede Gelegenheit, Ihre Kunden mit Aufmerksamkeiten für sich einzunehmen. Dazu gehört natürlich ein Werbemittel vor Weihnachten. Aber wieso überraschen Sie Ihre Kunden nicht einmal zu anderen Feiertagen wie Pfingsten oder Ostern? Sehr positiv aufgenommen werden zum Beispiel Kopien von interessanten Beiträgen aus Fachzeitschriften oder Links von nützlichen Internetseiten.
2. Unerwarteten Service bieten
Die meisten Kunden haben eine bestimmte Vorstellung davon, welcher Service „normal“ ist und wann sie zufrieden sein können. Nutzen Sie jede Gelegenheit, diese Erwartung zu übertreffen. Bittet Ihr Kunde Sie zum Beispiel bei einem technischen Problem um Rat, bieten Sie an, sich das Problem - ohne Berechnung von Kosten - vor Ort anzuschauen. Das wird ihn nachhaltig beeindrucken und Ihnen für lange Zeit die Türen öffnen.
3. Zufriedenheit abfragen
Wenn ein Auftrag erledigt ist, sollten Sie einige Zeit später Ihren Kunden telefonisch noch einmal nach seiner Zufriedenheit fragen. Er wird dies positiv aufnehmen, weil Sie dadurch zeigen, dass Sie nicht nur an Aufträgen, sondern auch an zufriedenen Kunden interessiert sind. Versuchen Sie in diesem Gespräch nicht, einen neuen Auftrag zu akquirieren, es sei denn, Ihr Gesprächspartner fragt aktiv danach. Der Kunde würde Ihre Frage nach seiner Zufriedenheit sonst als einen Vorwand werten, geschickt in ein neues Verkaufsgespräch einzusteigen.
4. Regelmäßig informieren
In der Zeit zwischen Auftragsvergabe und Lieferung oder Leistung sind viele Kunden unsicher, ob alles so klappt, wie sie es sich wünschen. Geben Sie diesen Kunden Sicherheit, indem Sie sie regelmäßig über den Stand der Arbeiten oder über aktuelle Entwicklungen informieren: „Ihre Maschine wird gerade repariert und steht Ihnen wie vereinbart ab Montag wieder zur Verfügung.“ Dies erhöht nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern vermindert auch die Zahl der Reklamationen, weil Missverständnisse gleich aufgeklärt oder Fehler früher und zu geringeren Kosten behoben werden können.
5. Kunden loben
Lesen Sie regelmäßig die Prospekte Ihrer Kunden und rufen Sie gelegentlich ihre Internetseiten auf. Stoßen Sie auf dabei Neuheiten, schicken Sie einfach eine informelle E-Mail: „Habe gerade auf Ihrer Internetseite die Aktion zum Jahresende gesehen - gute Idee!“ Wichtig ist allerdings, dass Sie dabei nicht nur schmeicheln, denn das wird Ihr Kunde schnell durchschauen. Loben Sie deshalb nur, wenn Sie es ehrlich meinen - dann klingt es überzeugend und kommt gut an.
Tipp: Rasch reagieren
Wenn Kunden warten müssen, sind Sie verunsichert und verärgert. Versuchen Sie deshalb stets, schnell zu reagieren: Schicken Sie nach einer Anfrage oder Bestellung sofort eine Bestätigung, rufen Sie rasch zurück, wenn Sie abwesend waren, und realisieren Sie Kundenwünsche möglichst schnell. Ist eine Wartezeit unumgänglich, schätzen Sie, wie lange diese dauern wird und informieren den Kunden darüber.
Electronic Banking: Banken planen am Kundenwunsch vorbei
Die Mehrheit der Banken in Deutschland richtet ihre Electronic Banking-Angebote nicht genügend an den Wünschen ihrer Kunden aus. So erwartet beispielsweise die Hälfte aller Geschäftskunden ein Währungsmanagement im Electronic Banking. Allerdings plant nur jedes zehnte Kreditinstitut, das dafür notwendige Angebot zur Verfügung zu stellen. Dadurch bringen sich die Banken um gute Chancen, ihre Kunden an sich zu binden. Dies ergab die Studie "Electronic Banking 2007" des Beratungs- und Softwarehauses PPI AG in Zusammenarbeit mit dem Institut ibi research der Universität Regensburg.
Durch den 2008 deutschlandweit eingeführten Kommunikationsstandard EBICS haben Kreditinstitute ihre Dienstleistungen im Zahlungsverkehr deutlich optimiert. Darüber hinaus könnten sie noch mehr Dienstleistungen als bisher elektronisch anbieten. Allerdings setzen die Banken bei weitem nicht alles um, was die Kunden fordern und was technisch möglich ist. Eine Ursache: Viele Geldinstitute haben ungenaue Vorstellungen davon, was für ihre Kunden wichtig ist. Besonders groß sind die Diskrepanzen in Bereichen, die grenzüberschreitende Vorgänge betreffen oder nicht zu den alltäglichen Geschäftsabläufen gehören.
Angebote gehen am Bedarf vorbei
Beispielsweise möchte rund jedes zweite Unternehmen künftig mehr Komfort bei der computergestützten Verwaltung von Bankbürgschaften und Wertpapiergeschäften. Eine Verbesserung in diesen Bereichen hat jedoch nur ein Viertel der Kreditinstitute auf der Agenda. Mit der Angebotsentwicklung am Bedarf vorbei riskieren die Banken, von Wettbewerbern überholt zu werden. Als Folge droht Kundenabwanderung zur Konkurrenz, wenn dort die gewünschten Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Bei der Einführung neuartiger Dienstleistungen im Electronic Banking für Geschäftskunden müssen sich Kreditinstitute beeilen: Drei von fünf deutschen Firmen unterhalten Konten bei mehreren Banken, und verbesserter Service wird dadurch von ihnen schnell wahrgenommen. Überzeugt eine Zweitbank mit Ihrem Electronic-Banking-Angebot mehr, könnten sich Firmenkunden sehr kurzfristig von ihrer bisherigen Hausbank trennen.
[dw; Quelle: PPI; Bild: fotolia]
Kundengewinnung: Was Sie von untypischen Neukunden lernen können
Besonderheiten suchen
Sie sollten stutzig werden, wenn Ihr Anrufer eine Eigenschaft besitzt, die nicht zu Ihrem bisherigen „Beuteschema“ passt. Das könnte nämlich der Grund sein, warum Sie bisher nicht auf ihn aufmerksam geworden sind. Handelt es sich vielleicht um ein mittelständisches Unternehmen, während Sie grundsätzlich nur Kleinkunden im Visier haben? Ist der Stammsitz in Österreich, während Sie bisher nur den deutschen Markt bearbeiten? Oder kommt er aus einer Branche, in der Sie bislang noch keine Geschäfte getätigt haben? Es kann viele Gründe geben, warum jemand durch Ihr bisheriges Raster gerutscht ist - finden Sie sie.
Was Sie lernen können: Haben Sie Ihre Zielgruppen zu eng gefasst? Ist die Branche des Neukunden generell für Sie interessant? Starten Sie mit einer Testwerbung (zum Beispiel mit einem Mailing) bei ähnlichen Unternehmen. Die Resonanz zeigt schnell, ob sich die Verfolgung dieser Spur lohnt.
Fehlerquellen finden
Vielleicht ist aber an dem Neuling gar nichts Besonderes -Ihr Unternehmen hat ihn bisher schlicht übersehen! Das deutet darauf hin, dass Sie Ihren Markt nicht optimal bearbeiten. Denn sehr wahrscheinlich kommen auf einen, der von selbst nachfragt, sehr viel mehr, die zwar Bedarf haben, sich aber nicht von selbst rühren. Gehen Sie dieser Frage nach und stellen Sie fest, wer eigentlich die Aufgabe gehabt hätte, diesem Neukunden aufzuspüren.
Was Sie lernen können: Vielleicht sind Ihre Mitarbeiter überlastet, zum Beispiel durch zu große Verkaufsgebiete. Dann sollten Sie Ihre Mannschaft verstärken. Oder Ihre Mitarbeiter sind zu stark auf die Betreuung des bestehenden Kundenstamms konzentriert und vergessen die Neukundengewinnung. Dann nehmen Sie den Punkt in die nächsten Zielvereinbarungsgespräche auf.
Neue Verkaufsargumente entwickeln
Ihr Angebot kann Eigenschaften haben, denen Sie bisher keine Beachtung geschenkt haben - einfach deshalb, weil sich bisher niemand dafür interessiert hat. Aber vielleicht ändert sich Ihre Zielgruppe, zum Beispiel bezüglich der Altersstruktur, der Organisationsstrukturen und der gesetzten Prioritäten? Ihre Produkte und Dienstleistungen können deshalb unter Umständen ganz neue Abnehmer finden, wenn Sie anders argumentieren.
Was Sie lernen können: Sie erfassen Veränderungen im Markt und entwickeln neue Ideen, wie Sie sich besser positionieren können. Ein erster Schritt könnte zum Beispiel eine Befragung bei den bisherigen Abnehmern sein, auf was diese besonderen Wert legen.
Wege zu Zufallskunden sichern
Ob bei Internetbestellungen oder der telefonischen Bestellannahme - Neukunden sollten immer gefragt werden, wie sie auf Ihr Angebot aufmerksam geworden sind. Damit haben Sie schon eine erste Spur, wo Sie noch mehr untypische Neukunden finden können: Dazu genügt ein einfaches Schema:
Wie sind Sie auf unser Angebot aufmerksam geworden? | |
Artikel in Magazin/Zeitschriften |
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TV-Sendung |
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Suchmaschine |
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Anzeigen in Printmedien |
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Radiobeitrag |
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Persönliche Empfehlung |
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Sonstiges |
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Industriedienstleistungen: So angeln Sie sich die "Big Deals"
Kann, wer das kleine Einmaleins des Verkaufens beherrscht, wirklich jedes Produkt verkaufen – Brötchen oder Unterhosen, Produktionsanlagen oder Düsenjets? Bei der Lektüre einschlägiger Fachbücher drängt sich dieser Eindruck förmlich auf. Im Vertriebsalltag zeigt sich aber: Verkäufer von Investitionsgütern und Industriedienstleistungen brauchen andere Fähigkeiten als Brötchenverkäufer. Und eine andere Persönlichkeit.
Denn bei komplexen Produkten und Dienstleistungen erstreckt sich der Verkaufsprozess oft über Jahre. Hier sind auf der Verkäufer- und der Käuferseite ganze Teams von Spezialisten beteiligt. Entsprechend strategisch müssen solche Verkaufsprojekte geplant werden, damit der Kunde, auf den man abzielt, am Schluss sagt: „Das ist der ideale Partner. Mit dem mache ich den Deal.“ Lernen Sie sieben Maximen kennen, die Sie beim Einfädeln und Realisieren von Großaufträgen, meist Projektgeschäften, beachten sollten:
1. Managen Sie den Erfolg!
Sie wollen den Auftrag. Also gilt es, die Kaufentscheidung des Kunden zu Ihren Gunsten zu beeinflussen. Hierfür müssen Sie zunächst wissen:
- Wer ist an der Entscheidung beteiligt?
- Nach welchen Kriterien wird entschieden?
- Wann und wie wird entschieden?
2. Knüpfen Sie ein engmaschiges Beziehungsnetz!
Beeinflussen können Sie die Kaufentscheidung des Kunden nur, indem Sie mit ihm kommunizieren. Flechten Sie also möglichst viele persönliche Drähte zwischen Ihrem Buying-Center und dem Selling-Center des Kunden und betreiben Sie ein gezieltes Costumer-Relationship-Management.
3. Bauen Sie Vertrauen und Sympathie auf!
Die in Big Deals vereinbarten Lösungen sind zumeist „customized“, das heißt, sie sind beziehungsweise werden auf den individuellen Bedarf des Kunden zugeschnitten. Folglich kann der Kunde deren Qualität vor dem Erteilen des Auftrags nur bedingt prüfen. Er muss darauf vertrauen, dass Sie und Ihr Team die versprochene Lösung realisieren (können). Vermitteln Sie ihm die nötige Entscheidungssicherheit, indem Sie ihm die Chance bieten, sich mit Ihrer Organisation persönlich vertraut zu machen – nicht nur auf der Einkäufer-Verkäufer-Ebene, sondern auch auf der Techniker- und Entwickler-Ebene. Dies kann zum Beispiel geschehen durch:
- Gemeinsame Veranstaltungs- und Referenzkundenbesuche
- Zusammenarbeit in Spezifikations-Workshops
- Prestudies und Tests
Dies sollte möglichst noch vor der offiziellen Anfrage oder Ausschreibung passieren.
4. Verkaufen Sie sich und Ihre Organisation als der bessere Partner!
„Mache Deinen Kunden erfolgreich!“ An dieser Maxime sollte sich Ihr Handeln orientieren. Hierfür müssen Sie und Ihre Kollegen zunächst den Kunden mit seinen Bedürfnissen kennen und verstehen. Informieren Sie sich also umfassend über ihn – zum Beispiel indem Sie mit seinen Kooperationspartnern sprechen. Sammeln Sie in den Gesprächen mit seinem Buying-Center möglichst viele Infos über ihn:
- Wer sind seine Kunden?
- Wie tickt sein Markt?
- Wen muss er mit ins Boot bekommen?
- Womit glaubt er künftig erfolgreicher als seine Wettbewerber zu sein?
- Wie können wir ihn hierbei unterstützen?
- Vor welchen Aufgaben und Herausforderungen steht mein Gesprächspartner?
- Woran misst er den Erfolg?
5. Beeinflussen Sie die Entscheidungskriterien!
Ihr Kunde sucht eine Lösung für eine Herausforderung. An diese stellt er vielfältige Anforderungen (T.A.S.K.):
- technische
- ablauforganisatorische
- sozial-menschliche
- kaufmännisch-wirtschaftliche
Oft ist dem Kunden die Vielschichtigkeit seiner Anforderungen nicht bewusst. Erkunden Sie diese trotzdem und machen Sie ihm diese verkaufsstrategisch sinnvoll klar. Je mehr Anforderungen er stellt, umso größer ist die Klaviatur, auf der Sie spielen können, um Ihr Ziel zu erreichen.
6. Machen Sie dem Kunden den Entscheidungshorizont bewusst!
Bei Big Deals trifft der Kunde zumeist eine Investitionsentscheidung für viele Jahre. Er legt sich zudem langfristig auf eine Lösung und einen Partner fest. Entsprechend groß können die Folgekosten und -schäden einer Fehlentscheidung sein. Machen Sie dies dem Kunden deutlich. Das ermöglicht Ihnen, die Kosten der aktuellen Investition zu relativieren. Zudem können Sie leichter etwa mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Support punkten.
7. Bauen Sie den Wunsch nach Zusammenarbeit auf!
Big Deals werden von Kunden oft zwanghaft mittels Spezifikationen, Lastenheften oder komplexen Vertragswerken inklusive Konventionalstrafen rationalisiert. Auch dies zeigt ihre Entscheidungsunsicherheit. Den gewünschten rationalen Nutzen müssen Sie dem Kunden bieten, daran führt kein Weg vorbei. Doch in der Regel können das auch Ihre schärfsten Mitbewerber. Sie sollten also danach streben, dem Kunden aufgrund des „Mehrwerts“, den Sie ihm in der persönlichen Beziehung bieten, allmählich das Gefühl zu vermitteln, dass Sie der richtige Partner für ihn sind.
Gelingt es Ihnen, dieses Empfinden im Buying-Center zu wecken, dann werden Sie allmählich zum Wunsch- oder Ziel-Lieferanten und als solcher zu den Vergabeverhandlungen eingeladen. Wenn Sie weiterhin über eine professionelle Verhandlungsstrategie und die erforderliche Standhaftigkeit verfügen, ist Ihre Chance groß, den Auftrag zu erhalten – und zwar zu den angestrebten Konditionen.
[Bild: Fotolia.com]
Gut betreut: Filialvertrieb wieder im Fokus
Großbanken und Sparkassen verstärken ihre Aktivitäten zur Unterstützung der persönlichen Kundenberatung. Damit planen die Finanzinstitute in Deutschland kein weiteres Ausdünnen ihres Filialnetzes. Die Zahl der Sparkassenfilialen wird in den kommenden drei Jahren stabil bleiben, die Großbanken planen sogar eine Erweiterung ihrer Standorte um rund zwei Prozent. Nur die Genossenschaftsbanken erwarten eine marginale Konsolidierung im Filialgeschäft. Sie rechnen bis 2010 mit rund fünf Prozent weniger Geschäftsstellen als noch 2007. Das ergibt die Studie "Filialkonzepte und Vertriebsqualifizierung im Retail Banking" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit ibi research an der Universität Regensburg.
Rund drei von vier der befragten Institute setzen auch in den kommenden drei Jahren schwerpunktmäßig auf die traditionelle Filiale mit Beratungspersonal. Der Grund: Der persönliche Kontakt zum Kunden soll nicht verloren, sondern tendenziell verstärkt werden. Die Zahl der reinen Selbstbedienungsfilialen wird nur leicht zunehmen, von heute 16,7 Prozent auf 17,4 Prozent in 2010. Die Banken, die hier investieren, folgen damit dem Wunsch ihrer Kunden, auch stationäre Bankgeschäfte, beispielsweise Bargeldeinzahlungen, rund um die Uhr am Terminal abzuwickeln.
Allerdings zeichnet sich ein Trend ab, SB-Zonen so einzusetzen, dass sie den persönlichen Zugang zum Kunden unterstützen und nicht verhindern. Innerhalb der Geschäftstellen mobil positionierbare Geldausgabe- oder Kontoauszugsautomaten gehören genauso dazu wie tief in die Beratungszonen integrierte SB-Zonen. Hier zeichnen sich erste Tendenzen ab, von der oft als "Barriere" empfundenen Selbstbedienungszone im Eingangsbereich abzurücken.
Innovative Filialkonzepte brauchen Zeit
Sie bietet den Beratern der Bank nur wenig Gelegenheit, persönliche Kundenkontakte zu knüpfen. Optimierungspotenzial besteht allerdings, die Filialmitarbeiter von administrativen Tätigkeiten weiter zu entlasten. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass die durch neue Filialkonzepte entstehenden Chancen auch genutzt werden können.
Innovative Filialkonzepte, beispielsweise Shop-in-Shop-Filialen oder mobile Geschäftsstellen, sind noch selten in der Filiallandschaft zu finden. Nur wenige Vorreiter sind bereits heute beispielsweise mit themen- oder zielgruppenbezogenen Filialformen vertreten. Bisher liegt der Anteil innovativer Filialen bei 8,4 Prozent. Bis 2010 werden es 9,4 Prozent sein, so die befragten Institute. Die Banken und Sparkassen, die schon heute auf derartige Konzepte setzen, können allerdings künftig von ihrem Know-how-Vorsprung gegenüber Wettbewerbern profitieren.
Erste Erfahrungen zeigen zudem, dass die Kunden innovativen Filialformaten aufgeschlossen gegenüber stehen. Künftig wird es - ähnlich wie im Einzelhandel - eine viel stärkere Streuung des Filialangebots von Finanzdienstleistern in Deutschland geben. Die Entwicklung exotischer Filialkonzepte bis hin zur Erlebnisfiliale mit Kinder- und Schülerbetreuung, der "Fastfood-Filiale" mit einheitlich gekleideten Mitarbeitern oder spezielle Zielgruppenfilialen für besonders ertragreiche Kundengruppen steht allerdings erst am Anfang.
[dw; Quelle: Steria Mummert; Bild: fotolia]
Wiedererwacht: Filialkonzepte und Vertriebsqualifizierung im Retail Banking
Flagship-Stores und Shopkonzept, Cafés und Bars, Erlebnis und Kinderbetreuung waren noch vor kurzem Begriffe, die man nicht zwingend mit einer Bankfiliale in Verbindung brachte. Doch wie sieht der Status quo im deutschen Retail Banking tatsächlich aus und wo wird die Reise in Zukunft hingehen? Diese und eine Reihe weiterer Fragen hat ibi research in der aktuellen Studie aufgegriffen.
Filialkonzepte und Vertriebsqualifizierung scheinen auf den ersten Blick keinen unmittelbaren Zusammenhang zu besitzen. Dennoch: die Umsetzung innovativer Ideen im Filialvertrieb bringt neue Anforderungen mit sich, denen die Banken nur durch eine zielgerichtete und auf die neuen Konzepte abgestimmte Auswahl und Weiterqualifizierung der dort tätigen Mitarbeiter begegnen können. Denn innovative Filialkonzepte allein bringen keinen Kunden dazu, eine Filiale zu betreten oder gar einen Produktabschluss zu tätigen. Erst wenn das neue Filialkonzept vom Vertriebsmitarbeiter mit Leben gefüllt werden kann, ist eine erfolgreiche Vertriebsleistung wahrscheinlich.
Wie also sieht das neue Anforderungsprofil dieser Vertriebsmitarbeiter aus? Wie können sich etablierte Mitarbeiter in Richtung eines „neuen“ persönlichen Vertriebs entwickeln? Einige zentrale Ergebnisse der Studie sind:
Die Anzahl der Filialen bleibt weitgehend stabil: Die Entwicklung der Anzahl der Filialen zeigt sich über alle Institutsgruppen hinweg weitgehend stabil. Im Bereich der Genossenschaftsbanken ist allerdings eine weitere Konsolidierung
zu erwarten.
Die traditionelle Bankfiliale bleibt bedeutendste Filialform: Die traditionelle, bediente Filiale macht (mit knapp 75 Prozent) den größten Anteil an den umgesetzten Filialkonzepten aus. Auch in naher Zukunft möchten die Banken an dieser Filialform festhalten. Die SB-Filiale spielt mit ca. 17 Prozent Anteil in der deutschen Filiallandschaft ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei weiteren, innovativen Filialformen handelt es sich um Vorreiter, die nur mit geringen Anteilen in der heutigen Filiallandschaft vertreten sind.
Vertriebserfolg und Kundenzufriedenheit sind Ziele der Filialkonzeption: Die Ziele der Filialkonzeption spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem sich die Banken im deutschen Retail Banking Markt befinden. Filialkonzeption dient einerseits dazu, eine günstigere Wettbewerbsposition zu erlangen und vertrieblich erfolgreich zu sein. Andererseits wollen Banken mittels ihres Filialvertriebs dem Kundenanspruch nach hoher Beratungsqualität gerecht
werden.
Betreuung ist Hauptzweck der Filiale – aber Verkaufsorientierung wird zunehmend wichtig: Bei der Frage nach den Leitlinien des Filialvertriebs steht die Betreuung der Kunden unangefochten an der Spitze der Nennungen. An zweiter Stelle steht die Service-Orientierung. Mit deutlich zunehmender Tendenz reiht sich auch die Verkaufsorientierung in die wichtigsten Leitlinien des Filialvertriebs ein.
Vertriebsqualifizierung soll den Erfolg der Bank beim Kunden und im Markt erhöhen: Wichtigstes Ziel der Vertriebsqualifizierung aus Sicht der Banken ist die Steigerung des Vertriebserfolgs. Aber auch die Erhöhung der Kundenzufriedenheit und die Verbesserung der Markt- und Wettbewerbsposition werden angestrebt. Weniger geht es den Banken bei der Vertriebsqualifizierung um interne Ziele, wie die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit oder die Vereinheitlichung von Methoden und Prozessen.
Vor allem Verkaufsmethoden werden geschult: Zentrale Inhalte von Qualifizierungsmaßnahmen im Vertrieb sind aus Sicht der Banken die Methoden von Kundenansprache und Verkaufsgespräch. Auch die Vermittlung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen, von Beschwerde- und Einwandbehandlung sowie von Serviceverhalten und Servicestandards wird priorisiert. Fachwissen und Wissen über Arbeitsabläufe liegen dagegen nicht im Fokus der Vertriebsqualifizierung.
Interaktive Wissensvermittlung ist stark im Kommen: Klassische Schulungen und Seminare werden von allen befragten Banken durchgeführt. Manche Formen der interaktiven Wissensvermittlung sind bei den Banken bereits heute beliebt, beispielsweise Workshops und Trainings. Bei anderen, beispielsweise
Coaching und Know-how-Transfer zwischen Vertriebseinheiten, zeichnet sich eine starke Bedeutungszunahme für die Zukunft ab.
Know-how-Transfer zwischen Vertriebseinheiten erfolgt meist zentral gesteuert: Bei den meisten Banken erfolgt ein Know-how-Transfer zwischen
den Vertriebseinheiten durch zentrale Vertriebsinformationen und einen systematischen Kommunikationsprozess. Der direkte, persönliche Austausch zwischen Vertriebsmitarbeitern, etwa durch Hospitationen oder Patenschaften, ist aktuell noch wenig verbreitet, wird aber in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.
Motivation soll vor allem durch Vertriebsziele sowie durch Führung und Steuerung erzeugt werden: Zur Erhöhung der Motivation der Vertriebsmitarbeiter betrachten die Banken überwiegend drei Elemente als vorrangig:
- Führungsstil und Kommunikationskultur,
- Transparenz über den Vertriebserfolg sowie
- Zielvereinbarung und Mitarbeiterbeurteilung.
Insbesondere der eigentliche Kern der Vertriebstätigkeit soll somit den Vertriebsmitarbeiter motivieren.
[jf; Quelle: ibi research]
Kundenfang: Kreditinstitute kupfern beim Einzelhandel ab
Die Kreditinstitute in Deutschland setzen auf die Erfolgsrezepte des Einzelhandels, um den Filialvertrieb zu stärken. Insbesondere bei der Ausgestaltung der Verkaufsprozesse sind entsprechende Konzepte bereits in Arbeit. So betreiben 56 Prozent der Institute eine aktive Kundenansprache in der SB-Zone oder dem Filialraum. 30 Prozent planen eine Kundenkommunikation analog zum Einzelhandel.
Eine Mehrheit orientiert sich zudem an den allgemeinen Öffnungszeiten. Jedes dritte Institut hat die Filialöffnung auf die Abendstunden oder auf Samstage ausgedehnt. Bei einem weiteren Viertel der Banken ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten geplant. Das ergibt die Studie „Filialkonzepte und Vertriebsqualifizierung im Retail Banking“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit ibi research an der Universität Regensburg.
Betrachtet man die Verkaufssituation in den Filialen, so hat hier die klassische Produktpräsentation aus dem Einzelhandel bereits weitgehend Einzug gehalten. 89 Prozent der Institute verfügen über eine saisonal und thematisch wechselnde Schaufensterdekoration. Ähnliches gilt für die Darstellung von Sonderangeboten. Dieses Werbeinstrument wird von drei Viertel der befragten Banken genutzt und ist bei weiteren zwölf Prozent geplant.
Angebotsvielfalt wie im Einzelhandel
Gut die Hälfte der Institute bietet zudem „Bankprodukte zum Anfassen“ an – beispielsweise in Form handlicher Vorteils-Boxen. Diese werden in Laufrichtung des Kunden in Produktdisplays platziert und enthalten alle relevanten Produktinformationen – vom Girokonto bis zur Geldanlage. Weitere knapp 20 Prozent der Befragten planen die Einführung dieser vertriebsunterstützenden Strategien in den nächsten Jahren. 50 Prozent der Banken stehen diesem Konzept jedoch noch ablehnend gegenüber.
Die Betrachtung der in den Bankfilialen angebotenen Produkte zeigt, dass die aus verschiedenen Einzelhandelsbranchen bekannte Angebotsvielfalt auch im Bankbereich zu finden ist. Der Einsatz von Aktionsangeboten, die im Rahmen von Vertriebskampagnen zeitlich befristet beworben werden, wird von knapp 80 Prozent der Befragten unterstützt. Saisonale Produkte setzen dagegen nur knapp die Hälfte der Institute ein. Dieser Vertriebsansatz bleibt damit hinter den Aktionskampagnen deutlich zurück.
Kampagnen in den Filialen selbst spielen bei den Maßnahmen, den Kundenzulauf zu erhöhen, eine entscheidende Rolle. 92 Prozent der Institute halten ein solches Marketingvorgehen für wichtig. Mit deutlichem Abstand folgen Promotionaktionen, bei denen der Kunde beispielsweise Incentives in Form von Gewinnspielen oder Give-aways erhält: Diese aus dem Einzelhandel bekannte Maßnahme wird nur von gut der Hälfte der Banken als wichtig eingeschätzt. Eher gering ist auch die Bedeutung von Musik im Verkaufsraum und die Integration eines Cafés oder einer Bar in der Filiale. Drei Viertel der befragten Institute wollen auch in Zukunft ihr Filialkonzept nicht in dieser Weise erweitern.
Für die Studie wurden 1.000 deutsche Banken aus allen drei Institutsgruppen angeschrieben. Auswahlkriterium war das Vorhandensein eines Filialvertriebs. Der Befragungszeitraum erstreckte sich über drei Monate von Mai bis Juli 2007.
[dw; Quelle: Steria Mummert; Bild: fotolia]
Vertrieb: So gewinnen Sie Kunden von Wettbewerbern
Erfassen Sie die wichtigsten Wettbewerbskunden
Prüfen Sie zunächst Kunden mit geringen Umsätzen: Gibt es hier Unternehmen, die nur einen Teil ihres Bedarfs bei Ihnen decken, aber noch erhebliches Potenzial besitzen? Bitten Sie außerdem alle Gebiets- oder Bereichsverantwortlichen darum, Ihnen eine Liste mit den bekannten Wettbewerbskunden und einer kurzen Potenzialeinschätzung zusammenzustellen. Versuchen Sie dann gemeinsam zu analysieren, warum Sie bei den Firmen bislang noch nicht zum Zuge gekommen sind. In manchen Fällen wird es sachliche oder technologische Gründe geben, die eine Gewinnung des Kunden so gut wie unmöglich machen.
Sammeln Sie alle verfügbaren Daten
Stellen Sie nun die wichtigsten Daten über die verbliebenen Unternehmen zusammen. Dazu gehören Unternehmensform und -größe, Entwicklung (Historie), Name der Geschäftsführer und/oder Einkäufer, die Produkt- oder Leistungsgruppen, die Sie hier anbieten wollen, sowie, falls bekannt, Lieferanten und Dienstleister. Nutzen Sie zur Recherche die Website der Wettbewerbskunden. Bitten Sie den Außendienst, die Liste mit eigenen Informationen zu ergänzen.
Analysieren Sie frühere Aktionen
Sicher haben Sie bei dem ein oder anderen Wettbewerbskunden bereits Versuche gestartet, diesen zu gewinnen. Prüfen Sie genau nach, wie diese Versuche verlaufen sind. Wie sind die Kundenbetreuer damals herangegangen (persönlicher Besuch des Außendienstes, telefonisches oder schriftliches Angebot)? Wer waren auf Seiten des Kundenunternehmens die handelnden Personen? Wie waren deren Reaktionen? Mit welcher Begründung wurden die Bemühungen schließlich aufgegeben? Vermuten Sie, Fehler, die eventuell gemacht wurden, zu erkennen und in Ihrer Planung zu vermeiden.
Was hat sich geändert?
Nun gilt es, die in Frage kommenden Wettbewerbs-Kunden zielgerichtet anzusprechen. Dazu vergleichen Sie, was sich gegenüber der damaligen Kontaktsituation verändert hat. Hat vielleicht ein Ansprechpartner im Kundenunternehmen gewechselt? Gerade neue, jüngere Mitarbeiter sind offener für neue Lieferanten - anders als Ansprechpartner, die schon jahrelang auf ihrer Position sitzen. Vielleicht haben Sie selbst inzwischen neue Angebote, die für den Wettbewerbskunden interessanter als frühere Angebote sein könnte. Auch Änderungen in dessen Angebotspalette, Übernahmen oder Expansionen bieten Ansatzpunkte, mit Ihrem Angebot aufzuwarten.
Aktivieren Sie Ihre Mitarbeiter
Es hilft wenig, einfach nur die jeweils zuständigen Mitarbeiter mit einem Versuch zu betrauen. In vielen Fällen wird das nur halbherzig versucht werden, weil doch niemand an den Erfolg glaubt. Rufen Sie statt dessen die Aktion im Intranet oder per E-Mail-Rundschreiben aus, besprechen Sie die Aktion in großer Runde und machen Sie eine „große Sache“ daraus. Erstellen Sie ausführliche Briefings und machen Sie klar, dass Sie eben so ausführliches Feedback wünschen.
Führen Sie eine „Watchlist“ ein
Unternehmen, bei denen ein Versuch im Moment aussichtslos erscheint, sollten Sie weiterhin beobachten. Ebenso Wettbewerbskunden, die ablehnend reagiert haben. Machen Sie deren Entwicklung zum Bestandteil des Berichtswesens der zuständigen Außendienstmitarbeiter oder Kundenbetreuer. Entwickeln Sie ein Standardformular, das regelmäßig ausgefüllt werden muss. Sobald sich eine Erfolg versprechende Veränderung bei einer Firma ergibt, sollten die Zuständigen sich um einen Termin bemühen.
5 Tipps für die „Aktion Wettbewerbskunden“
- Bereiten Sie alle Unterlagen für Ihre Präsentationen vor. Lassen Sie diese ggf. von Text- und Werbeprofis überarbeiten, um einen professionellen Eindruck zu machen.
- Äußern Sie sich niemals negativ über Ihre Wettbewerber. Das zeugt von schlechtem Stil und macht einen schlechten Eindruck.
- Zeigen Sie in der Ansprache und bei Terminen, dass Sie sich mit der Problemstellung der Wettbewerbskunden auseinander gesetzt haben und über adäquate Lösungen verfügen.
- Bereiten Sie sich auf klassische Einwände vor. So haben vor allem Großunternehmen gegenüber kleineren Unternehmen Vorbehalte, weil sie um die Liefersicherheit fürchten.
- Bleiben Sie am Ball. Viele Versuche werden nicht auf Anhieb gelingen, aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein!
Wechselwillig: Kundenbindung im Festnetz
Europas führende Telekomanbieter verlieren mehr und mehr an Boden in ihrem Kernbereich: dem Festnetz-Geschäft. Mit dem Verlust des Festnetzzugangs beim Kunden tritt für Telekom-Anbieter ein gravierender Fall ein: das Ende der Kundenbeziehung. Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, wie Telekomanbieter wechselbereite Kunden halten und abgewanderte Kunden zurückgewinnen können. Der Schlüssel liegt darin, die eigenen Kunden zu verstehen und den richtigen Ansatz zu finden, um wechselwillige Kunden anderer Anbieter zu erreichen.
Große europäische Telekomanbieter müssen darum kämpfen, sich in ihrem einstigen Kompetenzfeld - dem Festnetzgeschäft - zu behaupten. Einige Anbieter verzeichneten zwischen dem ersten Quartal 2006 und dem ersten Quartal dieses Jahres bereits Verluste im zweistelligen Prozentbereich. Der Verlust des Festnetzzugangs bedeutet in der Regel das Ende der gesamten Kundenbeziehung. Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, warum Kunden den Anbieter wechseln und wie sie sich mit gezielten Strategien halten lassen.
Warum wandern Kunden ab?
Viele Kunden beginnen im Laufe der Zeit, ihre Beziehung zum Telekomanbieter zu überdenken. Dies geschieht oft dann, wenn der Kunde weitere Dienstleistungen einkaufen möchte, ein einfacher Telefonanschluss um Internet oder andere Kommunikationsangebote erweitert werden soll - oder schlicht ein Umzug ansteht. Da auch Mobilfunkfirmen zunehmend Breitbandangebote offerieren, geben manche Kunden den Festnetzanschluss sogar ganz auf. Die drei wichtigsten Gründe für einen Anbieterwechsel sind:
1. Niedrigere Preise:
Breitbandangebote der traditionellenTelekomanbieter sind in der Regel mehr als zehn Prozent teurer als neuer Unternehmen auf dem Markt. Kunden bevorzugen günstige Angebote ohne viele Extras und nehmen dafür sogar geringere Bandbreiten in Kauf.
2. Einfachere Produkte:
Kunden mögen Flat-Rate-Paketangebote, die klar und einfach zu verstehen sind.
3. Mangelnder Kundenservice:
Kritikpunkte sind hier vor allem schlechte Erreichbarkeit des Kundenservice und fehlende Kompetenz.
Haben sich Kunden erst einmal für einen anderen Anbieter entschieden, kehren sie häufig nicht mehr zurück. Die Marktführer müssen daher handeln, noch bevor sie ihre Kunden verlieren.
Abwanderungsraten der Kunden vorhersehen
Die Studie zeigt beispielhaft vier verschiedene Maßnahmen, um gefährdete Kunden zu identifizieren und frühzeitig Maßnahmen gegen einen Wechsel einzuleiten:
- Entwicklung eines Prognose-Modells, mit dessen Hilfe wechselwillige Kunden identifiziert werden können.
- Ausarbeitung von Bindungsinstrumenten und -maßnahmen für diese Kunden.
- Einführung von attraktiven Produkten für Telefonie und Breitband.
- Überprüfung all dieser Maßnahmen auf Kosteneffizienz.
Gerade der dritte Punkt gilt heute als wichtigstes Instrument, um Kunden in diesem wettbewerbsintensiven Markt zufrieden zu stellen.
Funktionierende Vorhersagemodelle müssen die Kunden, die als wechselbereit gelten, möglichst genau identifizieren und einordnen. Außerdem muss das Modell präzise genug sein, um zwischen unterschiedlichen Gefährdungstypen zu unterscheiden. Das Vorhersagemodell sollte darüber hinaus ins Customer Relationship Management (CRM) des Unternehmens integriert werden, damit gefährdete Kunden beispielsweise bei Beschwerden und Serviceanfragen sofort identifiziert werden können.
Instrumente zur Kundenbindung entwickeln
Klaus-Ulrich Feiler, Partner im Kompetenzzentrum InfoCom bei Roland Berger Strategy Consultants und einer der Autoren der Studie, sagt:
"Sobald klar ist, welche Kunden besonders gefährdet sind, gilt es herauszufinden, wie sich ihr Vertrauen und ihre Treue wiedergewinnen lassen."
Zwar lassen sich oft schnelle Erfolge durch spezielle Serviceangebote erzielen, doch sind dafür häufig weit reichende Angebote nötig. Trotz gesetzlicher Einschränkungen können auch stark regulierte Unternehmen ihre Kundenbeziehung wiederbeleben, beispielsweise durch attraktive kurzfristig aufgelegte Produkte, Prämienangebote in Form von Einmalzahlungen oder Bonusprogrammen, Ratenzahlungen, Hardware-Upgrades oder "Geld-zurück"-Angeboten.
Entscheidend ist, den richtigen Ansatz für unterschiedliche wechselbereite Kundentypen zu finden. Die Studie empfiehlt, zunächst mit einer Direktmarketing-Kampagne zu beginnen. In einem weiteren Schritt sollten Unternehmen ihr Vorhersagemodell auf seine Reichweite und Genauigkeit überprüfen und mit ihrem CRM-System verknüpfen. Damit können Call Center-Mitarbeiter abwanderungsbereite Kunden erkennen, wenn sie Anrufe entgegennehmen.
Vom Zeitpunkt hängt (fast) alles ab
Damit Wiedergewinnungs-Strategien effizient und erfolgreich sind, muss klar unterschieden werden zwischen Kunden, die es zu halten gilt, und solchen, auf die das Unternehmen verzichten kann. Die Studie führt dazu beispielhaft folgende vier Parameter an:
- den durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz (ARPU),
- das Kündigungsrisiko,
- die Prämienkosten und
- den Einfluss der Prämien auf die Kundentreue.
Berger-Experte Feiler meint:
"Eine optimale Justierung dieser Faktoren ist entscheidend für den Erfolg einer Kundenbindungsstrategie."
Auch das richtige Timing ist wichtig. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass bis zu 30 Prozent der Kunden, die ihren Festnetzanschluss kündigen, wieder zu ihrem bisherigen Anbieter zurückkehren, sofern sie schnell genug angesprochen werden. Speziell ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter sollten wechselbereite Kunden ansprechen. Dazu können beispielsweise externe "Rettungsteams" eingesetzt werden, die auf Provisionsbasis tätig sind. Insgesamt können passend zugeschnittene Bindungsstrategien, kombiniert mit einer kurzen Reaktionszeit die Abwanderung im Festnetzbereich eindämmen und damit Umsatzeinbußen minimieren.
[dw; Quelle: Roland Berger; Bild: fotolia]
Verkaufsabschluss: So bringen Sie Ihren Kunden zu einer Entscheidung
„Ich möchte erst noch vergleichbare Angebote einholen“
Es macht wenig Sinn, diesen Einwand entkräften zu wollen. Schließlich ist es in den seltensten Fällen ein Fehler, mehrere Angebote zu vergleichen. Die Chance liegt für Sie darin, das Verkaufsgespräch einfach weiter zu führen: "Ich verstehe das, offensichtlich sehen Sie noch Probleme bei unserem Angebot. Darf ich fragen, welche das sind?"
Etwas zurückhaltender ist die Frage: "Nach welchen Kriterien vergleichen Sie die Angebote?". Die Antwort wird wieder Anknüpfungspunkte für die Fortführung des Gespräches bieten. Wenn Sie keine Kaufentscheidung erreichen können, ist es Ihre Aufgabe, eine Brücke zu einem Nachfassgespräch zu schlagen: "Bis wann werden Sie die Angebote der Kollegen geprüft haben? Darf ich Sie Ende dieser Woche noch einmal anrufen?" Sie haben dann gute Chancen, dass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu einer Prüfung anderer Angebote gekommen ist, auf jeden Fall verhindern Sie, dass eine Entscheidung fällt, ohne dass Sie noch einmal mit dem Kunden sprechen konnten.
„Ich muss erst noch Rücksprache mit meinem Chef halten“
Ein bequemer Ausweg für einen Einkäufer, Entscheidungen aus dem Wege zu gehen oder unangenehme Entscheidungen zu begründen, ist der Bezug auf andere Entscheidungsträger. "Ich muss noch mit meinem Chef sprechen" oder "Ich möchte noch den Fachmann hier im Hause einbeziehen" sind entsprechende Formulierungen. Hier gilt es herauszufinden, ob die Kaufentscheidungen tatsächlich von anderen Entscheidungsträgern getroffen werden - in diesem Falle ist es wichtig, mit diesen in Kontakt zu kommen.
Bieten Sie an, Ihr Angebot diesen Personen noch einmal vorzustellen oder übergeben Sie für diesen Personenkreis zusätzliches Informationsmaterial. Vereinbaren Sie, wann Sie wieder anrufen können: "Bis wann werden Sie mit Ihrem Chef gesprochen haben?" und "Schaffen Sie es bis zum Donnerstag?" Üben Sie keinen starken Druck aus, machen Sie aber dem Einkäufer klar, dass er bezüglich des Zeitpunktes seiner Entscheidung mit Ihnen eine verbindliche Abmachung trifft.
Die Entscheidung wird auf unbestimmte Zeit verschoben
Sehr gefährlich für den Verkaufserfolg ist es, wenn die Entscheidung ohne sachliche Begründung auf unbestimmte Zeit verschoben wird. "Wir müssen noch einmal darüber nachdenken" ist eine entsprechende Formulierung. Die oft absichtlich unbestimmte Formulierung gibt Ihnen zunächst wenig Ansatzpunkte, um einzuhaken.
Manchmal führt der direkte Weg zum Erfolg: "Das verstehe ich, wann werden Sie Ihre Entscheidung treffen?" Auch ein direktes "Welche Gründe gibt es für Ihr Zögern?" führt manchmal zum Erfolg. Hier ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt - gibt Ihnen der Kunde das Signal, dass er jetzt ganz einfach nicht will, sollten Sie das respektieren, um die Tür nicht ganz zuzuschlagen. Gut ist es natürlich, wenn es sachliche Argumente gibt, die Sie ins Feld führen können. "Denken Sie bitte daran, dass im nächsten Monat unsere Preise erhöht werden" erzeugt vielleicht den notwendigen Entscheidungsdruck. Auch hier gilt: Fragen Sie direkt, wann Sie sich wieder melden können.
Fünf Tipps, wie Sie Ihre Abschluss-Technik verbessern können
- Federn Sie Einwände von Kunden weich ab, denn durch Formulierungen wie „Das kann man auch anders sehen“ bauen Sie einen schroffen Gegensatz zu Ihrem Gesprächspartner auf und provozieren erneuten Widerspruch. Bessere Formulierungen sind „Sie haben grundsätzlich Recht, in diesem Fall jedoch …“ oder „In manchen Fällen mag dies zutreffen, aber …“.
- Wo immer es geht, sollten Sie Ihre Verkaufsargumente durch Fakten stützen. Denn Fakten sind für Kunden klar nachvollziehbar und stärken Ihre Überzeugungskraft. Schreiben Sie sich deshalb alle Argumente auf, die Sie regelmäßig verwenden, und sammeln Sie dazu systematisch Fakten, die Sie in Ihren Verkaufsgesprächen übermitteln.
- Bekommen Sie ein nicht ganz klares „Ja“, sollten Sie versuchen, das zu konkretisieren: „In welcher Ausführung möchten Sie es denn haben?“ Wenn Ihr Gegenüber auf diese Frage eingeht und seine Wünsche äußert, bestätigt er dadurch sein „Ja“ noch einmal. Der Vorteil für Sie: Sie müssen nicht noch einmal direkt nachfragen und dabei eventuell einen Rückzieher riskieren.
- Die Aufmerksamkeit der meisten Menschen lässt nach 20 Minuten nach. Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie also Ihre wichtigsten Argumente vorgebracht haben und bereits Einwände behandeln. Bei längeren Präsentationen können Sie nach 20 Minuten eine Phase einleiten, in der Sie leichtere Informationen geben - damit geben Ihren Gesprächspartnern Zeit zum „Ausruhen“.
- Eine Kunde, der sich zum Kauf entschlossen hat, verändert er seine Körperhaltung: Er beugt sich etwas vor und erhöht seine Körperspannung - das signalisiert, dass er bereit ist, in die nächste Phase des Verkaufsgesprächs einzutreten und zu kaufen. Einen weiteren Hinweis geben Ihnen Kunden, wenn sie ihr Kinn reiben und nachdenklich wirken. In den meisten Fällen denken sie dann darüber nach, auf welche Weise sie das Kaufangebot annehmen können. Hier können Sie mit guter Aussicht auf Erfolg die Abschlussfrage stellen.
Umsatzpotenzial: Konsumbranche nutzt Vertriebskanäle im Internet nicht optimal
Die Konsumgüterbranche erzielt den weitaus größten Teil ihres Umsatzes nach wie vor im stationären Einzelhandel. Demgegenüber fallen die Erlöse von Online-Shops und anderen Homeshopping-Plattformen mit deutlich weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes überraschend niedrig aus, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCopers (PwC) und der Universität St. Gallen hervor geht. Unternehmen unter hohem Wettbewerbsdruck nutzen die zur Verfügung stehenden Vertriebskanäle allerdings besser als der Branchendurchschnitt.
Gerd Bovensiepen, Partner und Leiter des Competence Centers Retail & Consumer Deutschland bei PwC betont:
"Die Konkurrenz wird in weiten Teilen der Konsumgüterbranche immer härter. Auf der Suche nach schwer kopierbaren Wettbewerbsvorteilen entdecken die Unternehmen erst allmählich das Innovationspotenzial des Vertriebs. Es geht nicht mehr nur darum, was zum Kauf angeboten wird, sondern auch wie das Unternehmen seine Produkte präsentiert und zum Kunden bringt."
Eine Mehrkanalstrategie ist gemäß der Studiendefinition dann erfolgreich, wenn alle Absatzkanäle einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten, die erzielten Umsätze im Vergleich zur Konkurrenz hoch sind und die Marge in jedem Vertriebskanal zufrieden stellend ist. In der Gruppe der 20 "Top Performer" mit einer erfolgreichen Mehrkanalstrategie sagen die befragten Unternehmen überdurchschnittlich häufig, dass sie sich durch Innovationen im Vertrieb von Wettbewerbern absetzen. Gleichzeitig schätzen sie die Chancen durch den technologischen Wandel höher ein als Unternehmen in der Vergleichsgruppe der "Low Performer".
Internet erfüllt Erwartungen bislang nicht
Unternehmen mit einer erfolgreichen Mehrkanalstrategie zeichnen sich durch eine vergleichsweise ausgewogene Umsatzverteilung aus. So erzielen die "Top Performer" im Internet beziehungsweise über andere Homeshopping-Angebote gut 14 Prozent ihres Umsatzes, während die "Low Performer" hier gerade einmal 1,7 Prozent ihrer Erlöse erwirtschaften. Umgekehrt hängen die "Low Performer" deutlich stärker vom stationären Handel ab (Umsatzanteil: 76,8 Prozent) als die Spitzengruppe (Umsatzanteil: 53,2 Prozent).
Die befragten Hersteller insgesamt erzielen gerade einmal zwei Prozent ihres Umsatzes über Homeshopping-Kanäle, bei den Händlern beträgt der Umsatzanteil rund 8,6 Prozent. Damit ist das Homeshopping für den Handel kaum wichtiger als der Direktverkauf an der Haustür (Umsatzanteil: 7,9 Prozent) und der Verkauf über sogenannte Beziehungskanäle ("Tupper-Party"), auf den rund 7,8 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen. Bovensiepen konstatiert:
"Der Internet-Vertrieb hat die hohen Erwartungen vieler Händler und Hersteller bislang nicht erfüllt. Nur bei den sogenannten vertikal integrierten Unternehmen, die ihre Produkte selbst herstellen und vertreiben, ist der Online-Umsatz deutlich zweistellig."
Kunden sind launisch
Für eine Mehrkanalstrategie spricht, dass sich die Kunden kaum noch auf eine Vertriebsform festlegen lassen. Marcus Schögel, professor an der Universität St. Gallen, erläutert:
"Die meisten Käufer geben ihr Geld sowohl im Geschäft als auch im Internet aus. Zudem nutzen die Konsumenten im Kaufprozess verschiedene Kanäle."
Sowohl Hersteller als auch Händler geben in der Studie an, dass sich die Vertriebspräferenzen der Kunden ständig ändern.
Die "Top Performer" sind auf die Launen ihrer Kunden vorbereitet. In dieser Gruppe nutzen Käufer im Durchschnitt deutlich mehr Vertriebswege als bei Unternehmen, die zur Gruppe der "Low Performer" zählen. Eine erfolgreiche Mehrkanalstrategie rückt zudem die Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt.
Preiswettbewerb ist unerwünscht
Beim Aufbau neuer Vertriebskanäle besteht grundsätzlich die Gefahr von Umsatzeinbußen in den alten Kanälen. Wenn Hersteller eigene Flagship-Stores eröffnen oder Filialisten ein Shopping-Portal im Internet starten, ist mit Widerständen etablierter Handelspartner wegen der befürchteten Konkurrenz zu rechnen, stellen die Studienmacher fest. Eine erfolgreiche Mehrkanalstrategie erfordert daher nicht nur eine offene Kommunikation, Unternehmen sollten auch einen Preiswettbewerb zwischen den Kanälen vermeiden. Die "Top Performer" der Studie achten stark darauf, dass das Preisniveau für Endkunden in allen Absatzkanälen völlig gleich ist.
Starke Marke ist kein Erfolgsgarant
Das Markenimage ist für den Erfolg einer Vertriebsstrategie offenbar weniger wichtig als erwartet. Die Studie kommt zu dem überraschenden Befund, dass die "Top Performer" zwar etwas stärkere Marken haben als die "Low Performer", die Unterschiede aber nur gering sind. Bovensiepen:
"Auf Dauer erfolgreiche Unternehmen überprüfen ihre Vertriebsstrukturen kontinuierlich, um ihren Abnehmern mehr bieten zu können als die Konkurrenten. Allein wegen des guten Namens bleibt weder der Kunde einem Händler, noch der Händler einem Hersteller treu."
Nur ein aktives Mehrkanalmanagement führt zum Erfolg
Der Erfolg von Mehrkanalsystemen hängt maßgeblich von dessen Ausgestaltung und den Fähigkeiten des Managements ab. Top Performer sind nicht nur besser in der Lage, die Komplexität eines Mehrkanalsystems zu steuern, sondern auch die Kosten zu managen und damit in allen Kanälen höhere Renditen zu erzielen. Insbesondere verfügen Top Performer über spezifische Stärken beim Aufbau neuer alternativer Vertriebskanäle, die für den Erfolg von Mehrkanalsystemen immer wichtiger werden.
Hinweis
An der Studie "Erfolgreich in der neuen Vielfalt - Erfolgsfaktoren für das Multi-Channel Management in Handel und Konsumgüterindustrie" [112] beteiligten sich 75 Unternehmen der Konsumgüterbranche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zusätzliche Informationen zur Studie "Erfolgreich in der neuen Vielfalt - Erfolgsfaktoren für das Multi-Channel Management in Handel und Konsumgüterindustrie" finden Sie unter: www.pwc.de [113]
[jf; Quelle: PricewaterhouseCoopers; Foto: Pixelio.de]
Kundenpflege: Mittelständler wissen zu wenig über CRM
Unternehmen spielen beim Kundenmanagement zu oft nur in der Amateurliga und verzichten auf eine professionelle Pflege der Kundenbeziehungen. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Reports „Einsatz von CRM-Systemen in KMU“ vom Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG). Danach verzichten rund 50 Prozent der befragten Unternehmen auf ein IT-gestütztes Kundenmanagement.
Kunden sind mit den elektronischen Medien auf immer vielfältigere und effizientere Weise für Unternehmen zu erreichen. Gerade für kleine und mittelständische Firmen gewinnt deshalb die professionelle Pflege der Kundenbeziehungen eine zentrale Bedeutung. Dennoch setzt lediglich jedes zweite befragte Unternehmen ein so genanntes Customer-Relationship-Management-System (CRM) ein, um effektiv Kundenbeziehungen zu pflegen.
Dabei zeigen sich je nach Unternehmensgröße starke Unterschiede. Firmen mit mindestens zehn Mitarbeitern verwenden deutlich häufiger CRM-Systeme (65 Prozent) als solche mit weniger als zehn Mitarbeitern: So gibt lediglich ein Drittel der kleineren Unternehmen an, derzeit über ein CRM-System zu verfügen. Immerhin plant rund ein Viertel der befragten Unternehmen in den nächsten Jahren einen entsprechenden Ausbau: davon rund elf Prozent noch in diesem Jahr, rund 36 Prozent bis 2009. Aber zirka 25 Prozent der Befragten ziehen eine professionelle Kundenpflege nicht für sich in Betracht.
Beim Thema CRM bleiben viele Fragen offen
Meist ist mangelndes Wissen schuld bei schlecht gepflegten Kundenbeziehungen: Fehlende Kenntnisse über die Möglichkeiten und Funktionsweisen von CRM-Systemen ist für fast die Hälfte der Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, der Hauptgrund, der gegen den Einsatz spricht. Daneben scheuen jeweils über ein Viertel der Befragten zu hohe Einführungskosten und monieren, dass für sie kein konkreter Nutzen ersichtlich sei. Andreas Duscha vom ECC Handel sagt:
„Die große Zurückhaltung mancher Unternehmen ist unverständlich. Ein professionelles Kundenmanagement ist bares Geld wert. Unser Report zeigt, dass über 70 Prozent der Unternehmen mit einem CRM-System mindestens überwiegend damit zufrieden sind. Bei vielen Unternehmen, die bisher kein CRM-System eingeführt haben, bestehen noch große Wissenslücken zu diesem Thema.“
Bundesweit beteiligten sich 232 Unternehmen an der Online-Untersuchung „Einsatz von CRM-Systemen in KMU – Status quo und Unternehmenserfahrungen“. Kleinere Unternehmen sind besonders gut vertreten: 44 Prozent der Befragten beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Alle Wirtschaftszweige sind angemessen berücksichtigt, knapp 55 Prozent der teilnehmenden Unternehmen erbringen Dienstleistungen. Die Studie wurde vom E-Commerce-Center Handel im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten NEG-Projekts "CRM bei KMU" durchgeführt.
dw; Quelle: ECC Handel; Bild: fotolia
Unzureichend: Cross-Selling von Banken zu wenig genutzt
Die Studie belegt immense Unterschiede in den Cross-Selling-Quoten der einzelnen Institute. Teilweise verkaufen einzelne Banken oder Sparkassen fünfmal so viele Produkte an ihre Kunden wie andere. Insbesondere im Firmenkundengeschäft sind die Unterschiede besonderes deutlich.
Die Abweichungen zwischen den erfolgreichen und den weniger erfolgreichen Instituten zeigt sich beispielsweise bei der Identifikation und der Nutzung von Cross-Selling-Potenzialen. Banken und Sparkassen mit höherem Cross-Selling-Erfolg setzen häufiger (+23 Prozent) Leitfäden und Skripte für Kundenansprachen und Verkaufsgespräche sowie Vertriebsdatenbanken (+21 Prozent) ein.
Weitere ausgewählte Ergebnisse sind:
- Nur den wenigsten Kreditinstituten gelingt es, über die Analyse von Kundendaten nutzbare Cross-Selling-Potenziale zu identifizieren.
- Rund 80 Prozent der befragten Kreditinstitute sehen in der Schaffung von nachhaltigem Kundenvertrauen die größte Herausforderung bei der Realisation von Cross-Selling-Erfolgen.
- Die Qualifikation und die Motivation der Mitarbeiter sind das A und O einer erfolgreichen Cross-Selling-Strategie.
- Im Controlling der Cross-Selling-Maßnahmen weisen die meisten Institute große Defizite auf.
- Zukünftig wird Cross-Selling wesentlich stärker in der Unternehmensstrategie verankert.
- Banken wollen in Zukunft mehr in ihre Cross-Selling-Aktivitäten investieren.
Im Gegensatz zu anderen Studien, die sich im Wesentlichen auf einzelne Problemfelder des Cross-Selling beschränken, analysiert diese Erhebung das Thema anhand eines ganzheitlichen Cross-Selling-Ansatzes. Vom Aufbau einer zentralen Kundendatenbank über die Potenzialanalyse und die Identifikation konkreter Maßnahmen bis hin zum Controlling des Prozesses werden zahlreiche Facetten des Cross-Selling analysiert. Die praxisbezogenen Ergebnisse liefern Banken und Sparkassen wichtige Hinweise, wie sie ihre Cross-Selling-Aktivitäten verbessern können.
Hinweis
In dieser Untersuchung wurden 64 Vertriebsexperten von Kreditinstituten aus dem deutschsprachigen Raum um ihre Einschätzung zur Verankerung des Cross-Selling in ihren Instituten gebeten. Zusätzlich wurden auch Chancen und Hindernisse des Cross-Selling abgefragt sowie die Meinung der Experten zu künftigen Entwicklungen analysiert. Mehr Informationen unter:
www.ibi.de/cross-selling [114]

Cross-Selling-Quoten im Firmenkundenbereich
[Quelle: ibi research 2007]
Immense Unterschiede in den Cross-Selling-Quoten lassen erhebliche Ertragschancen vermuten
Bei der Anzahl der verkauften Produkte pro Kunde zeigt die Untersuchung erhebliche Unterschiede zwischen den betrachteten Ländern auf. So weist Österreich im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz eine deutlich höhere Cross-Selling-Quote auf. Maßgeblich für diesen Vorsprung dürfte nicht zuletzt die Tatsache sein, dass ein österreichischer Berater mit im Durchschnitt circa 450 Privat- bzw. circa 130 Firmenkunden wesentlich weniger stark belastet ist, als seine Kollegen (in Deutschland 561 bzw. 130 und der Schweiz 700 bzw. 325) und somit mehr Zeit für die individuelle Betreuung aufwenden kann.
Im direkten Vergleich der Wettbewerber erzielen die Genossenschaftsbanken überdurchschnittliche Ergebnisse, weit unterdurchschnittlich dagegen ist die Quote bei den Großbanken.
Das Motto „Der Kunde ist König“ führt auch hier zum Erfolg!
Geht es darum, dem Kunden konkrete Cross-Selling-Angebote zu unterbreiten, so sehen die Vertriebsexperten insbesondere in der persönlichen Kontaktaufnahme große Chancen für einen erfolgreichen Abschluss. Beispiele hierfür sind die individuelle Kundenberatung in der Filiale oder der Kundenbesuch durch einen mobilen Berater.
Jedem Kunden ein optimales und individuell geschnürtes Produktpaket offerieren zu können, sehen rund 80 Prozent der Befragten als sehr bedeutend für den Cross-Selling-Erfolg. Weitere 89 Prozent halten in diesem Kontext das Wissen des Mitarbeiters über den Kunden für sehr bzw. eher wichtig. Dennoch stützen sich die Kreditinstitute erstaunlicherweise häufiger auf Kampagnen, die sich an ein breites Kundenspektrum richten.
Konsens herrscht darüber, dass ein individuelles Beratungsgespräch wesentlich besser als Vertriebskanal geeignet ist als beispielsweise semipersönliche oder unpersönliche Vertriebswege (etwa Call Center oder SB-Geräte). Die wichtigsten Vertriebskanäle für Cross-Selling sind:
- Filiale (Beratungsgespräch durch den Kundenberater)
- Mobiler Vertrieb (Kundenberater besucht den Kunden)
- Filiale (Servicebereich, Schalter, Kasse)
- Kundenberater (am Telefon)
- Internet-Banking (gesicherter Login-Bereich)
- Direktmarketing (Biref oder E-Mail)
- Webseite der Bank
- SB-Kanäle
- Zentrales Callcenter
- Handy-Banking (SMS, WAP etc.)
Die Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter sind das A und O einer erfolgreichen Cross-Selling-Strategie
Nach Expertenmeinung sind neben häufigem Kundenkontakt und der Attraktivität der Produktpalette vor allem die soziale und kommunikative Kompetenz sowie die Beratungskompetenz entscheidende Kernkompetenzen für die Vertriebsmitarbeiter. Zudem spielt nach Ansicht von ca. 75 Prozent der befragten Institute weniger die Produktkompetenz als vielmehr die Bereitstellung von Vorschlagslisten eine besondere Rolle für den Cross-Selling-Erfolg. Unterstützt werden die für die Kundenansprache und Kundenakquisition zuständigen Vertriebsmitarbeiter oftmals durch Leitfäden und Spezialisten aus den jeweiligen Geschäftsbereichen.
Bei 38 Prozent der befragten Institute ist außerdem die Einführung von Vertriebsdatenbanken zum Thema Cross-Selling geplant, derzeit nutzen lediglich Vertreter aus der Spitzen-Gruppe dieses Hilfsmittel.
Zur Motivation ihrer Mitarbeiter installieren viele Banken vermehrt Anreizsysteme. Stärker noch als ihre Mitbewerber aus der Restgruppe setzen die Institute der Spitzengruppe auf leistungsorientierte Vergütung und attraktive Aufstiegsmöglichkeiten. So haben bereits 60 Prozent der befragten Banken leistungsorientierte Vergütungssysteme umgesetzt, weitere 20 Prozent planen dies.
[jf; Quelle: ibi research]
Nachfassen: Verlorene Kunden lassen sich auch wieder zurückholen
Nur 13 Prozent aller Unternehmen betreiben ein systematisches Kundenrückgewinnungsmanagement. Dies ist das Ergebnis einer telefonischen Befragung unter 300 Führungskräften der deutschen Wirtschaft im Auftrag von Anne Schüller Marketing Consulting. Mit einer planmäßigen Reaktivierung ihrer verlorenen Kunden haben sich 48 Prozent der befragten Unternehmen nach eigenen Angaben noch nie, 39 Prozent höchstens punktuell befasst. Und nur bei knapp einem Drittel der Befragten wird die Kundenfluktuationsrate regelmäßig gemessen. Demnach zeigen die meisten Unternehmen keinerlei Interesse an ihren abwandernden Kunden und lassen diese ohne jeglichen Rückholversuch einfach ziehen. Angesichts steigernder Kosten für die Neukundengewinnung und deutlich nachlassender Kundenloyalität ist dieses Ergebnis alarmierend. Anne M. Schüller, Managementconsultant und Expertin für Loyalitätsmarketing, gibt zu bedenken:
Untersuchungen und Praxisberichte zeigen immer wieder, dass ein großer Teil der abtrünnigen Kunden bereit ist, zurückzukehren, würde man sich nur ein wenig um sie bemühen, etwaige Probleme aus der Welt schaffen und ihnen die Rückkehr schmackhaft machen. Hierzu benötigen Unternehmen definierte Prozesse, befähigte Mitarbeiter und das notwendige Know-how.
Prävention von Kundenfluktuation
Kundenverluste haben viel seltener etwas mit Produktmängeln und Preisen zu tun, als allgemein angenommen wird. In vielen Fällen liegen die wahren Abwanderungsgründe im emotionalen Bereich. So kam eine Untersuchung der Forum!-Marktforscher aus Mainz zum Ergebnis, dass nicht die Konditionen, sondern kommunikative und zwischenmenschliche Faktoren die Hauptgründe für tiefe Zufriedenheitswerte bei Ex-Bankkunden waren. Übrigens hatten nur 5 Prozent aller Kunden, aber 14 Prozent aller Ex-Kunden sich bereits bei ihrer Bank beschwert. Die jeweils letzte Beschwerde erfolgte bei den bestehenden Kunden zu 13 Prozent, bei den Ex-Kunden zu 29 Prozent per Brief. Eine schriftliche Beschwerde heißt also: Es ist schon fünf vor zwölf.
Fünf Tipps zur Vermeidung von Kundenverlusten
- Manche Unternehmen sind so sehr mit der Neukundengewinnung beschäftigt, dass Bestandskunden oft das Gefühl haben, nur noch zur „zweiten Klasse“ zu gehören. Stammkunden sind aber Ihre wichtigsten Kunden. Sie, nicht die Neukunden, bekommen also die besten Angebote.
- Kunden fehlt oft die so wichtige emotionale Aufmerksamkeit. Zeigen Sie daher Akzeptanz, Anerkennung, Wertschätzung und Respekt. Bedanken Sie sich ausdrücklich, persönlich und ehrlich für jeden Kauf beziehungsweise für jede Transaktion.
- Dem Kunden nichts aufzwingen. Lassen Sie ihn vielmehr selbst entscheiden, wer ihn wie oft und auf welchem Weg kontaktieren darf. Aktualisieren Sie kontinuierlich alle kundenrelevanten Informationen in Ihrer Datenbank und ergänzen Sie diese sukzessive um emotionale Details.
- Bei jeder Unzufriedenheit denkt der Kunde sofort über einen Wechsel nach. Beugen Sie dem vor, indem Sie fokussierende Frage stellen, wie etwa: Wenn es eine Sache gibt, die wir in Zukunft für Sie noch ein wenig besser machen können, was wäre dann das Wichtigste für Sie? Entwickeln Sie ein Frühwarnsystem mit den typischen Anzeichen für Abwanderungsbereitschaft.
- Gehen Sie mit Reklamationen professionell um. Schlecht oder gar nicht bearbeitete Reklamationen sind ein Hauptgrund für Kundenfluktuation. Denken Sie nicht nur an den Ausgleich des tatsächlichen Schadens, sondern geben Sie auch eine emotionale Wiedergutmachung. Schließlich hatte der Kunde Ärger und Stress.
Rückgewinnung wertvoller abgewanderter Kunden
Es ist vielfach nicht nur kostengünstiger, sondern auch einfacher, verlorene Kunden zurückzugewinnen, als neue zu gewinnen. Und manchmal wird ein solcher Kunde am Ende sogar zum aktiven Empfehler. Thomas Trachsler, Verkaufsleiter der Baumer Electric AG aus Frauenfeld in der Schweiz, erzählt hierzu die folgende Geschichte:
Ein Kunde besuchte uns während einer Ausstellung und zeigte großes Interesse an einem unserer Produkte. Aufgrund einer Gebietsumverteilung fasste der verantwortliche Verkäufer nicht sofort nach, und ein Anruf blieb unbeantwortet. Als wir ihn schließlich kontaktierten, war der Deal bereits gelaufen. Der Kunde war außerdem ziemlich verärgert über die scheinbare Arroganz unseres Unternehmens, solch kleine Kunden wie ihn nicht zu bedienen. Nachdem er bis dahin stolz war, unsere Produkte einzusetzen, hatte er sich daraufhin bewusst gegen uns entschieden. Er war aber offen, mich bei Gelegenheit noch einmal zu treffen. Ich bin dann gegen Abend bei ihm vorgefahren und er war spontan bereit, mir fünf Minuten seiner Zeit zu schenken. Das Gespräch hat dann über zwei Stunden gedauert.
Leider hatte er keinen weiteren Bedarf und war hochzufrieden mit der Anschaffung der Konkurrenz. Ich war zwar enttäuscht, zeigte aber Verständnis für seine Entscheidung. Sechs Monate später rief er mich an. Wir vereinbarten einen Termin für die Besprechung eines neuen Projekts im Umfang vom zehnfachen des verlorenen Geschäfts. Wir bekamen den Auftrag und weitere lukrative Folgeaufträge. Einige Monate später erhielt ich den Anruf eines uns unbekannten Unternehmens, das genau die gleiche Lösung benötigte. Nach minimalem Beratungsaufwand erhielten wir den Zuschlag. Es war eine Empfehlung des wieder gewonnenen Kunden.
Fünf Tipps zur Rückgewinnung einzelner ausgewählter Kunden
- Sichten Sie alle Informationen, die Sie über den verlorenen Kunden vorliegen haben und/oder aktuell beschaffen können. Forschen Sie nach den wahren Abwanderungsgründen.
- Telefonieren Sie zu einem optimalen Zeitpunkt, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Bereiten Sie sich auf das Telefonat gut vor. Überlegen Sie sich einen Leitfaden für den möglichen Gesprächsverlauf. Planen Sie ausreichend Zeit ein. Seien Sie auf ein mögliches Lamento des Kunden vorbereitet.
- Planen Sie das anschließende Gespräch sorgfältig. Seien Sie optimistisch, glauben Sie an Ihren Erfolg. Setzen Sie sich ein Teilziel für den Fall, dass Sie Ihr Gesprächsziel nicht erreichen. Beispielsweise: genaue Hintergründe für den Wechsel ermitteln, negativer Mundpropaganda vorbeugen, den Weg für ein späteres Zurück offen halten.
- Lassen Sie dem Kunden während des Gesprächs viel Redezeit. Fragen Sie nach den Bedingungen, unter denen er zur Rückkehr bereit wäre. Halten Sie einen Rückholköder bereit. Dieser kann materieller, finanzieller oder emotionaler Natur sein. Ein geldwertes Bonbon kommt immer gut. Sagen Sie dem Abwanderer aber auch, wie wichtig es Ihnen ist, ihn als Kunden zurückzugewinnen.
- Die ersten Transaktionen nach der Rückkehr müssen perfekt laufen. Kümmern Sie sich um jedes Detail, informieren Sie alle beteiligten Stellen und bleiben Sie in dieser Phase mit dem Kunden in engem Kontakt. Halten Sie ein kleines, überraschendes Comeback-Willkommensgeschenk parat. Bedanken Sie sich für die Rückkehr. Markieren Sie den Kunden in der Datenbank als Rückkehrer.
Rückgewinnung größerer Kundenkreise
Auch bei größeren Reaktivierungsaktionen lassen sich erstaunliche Erfolge erzielen. So vermeldete die Kölner Werbeagentur 360° Kommunikation ganz stolz das Ergebnis eines Rückgewinnungsmailings für die Großhandelskette Handelshof: eine Erfolgsquote von 34 Prozent. In drei verschiedenen Mailing-Varianten waren insgesamt 16.000 Kunden angeschrieben worden. Größte Beachtung fand die Variante, bei der jeder Empfänger unter der Headline Gesucht sein eigenes Foto aus dem Einkaufsausweis erblickte. Die Kassensysteme der dreizehn Handelshof-Großmärkte stellten schließlich fest: Gut ein Drittel der Empfänger tätigten nach zweijähriger Pause wieder einen Kauf.
Fünf Tipps zur Rückgewinnung größerer Kundenkreise
- Karteileichen nicht entsorgen, sondern wiederbeleben. Ermitteln Sie unter den abgewanderten beziehungsweise schlafenden Kunden diejenigen, die Sie zurückhaben wollen und die aus Ihrer Sicht rückholbar sind. Forschen Sie nach den wahren Abwanderungsgründen. Diese liegen oft im emotionalen Bereich.
- Bereiten Sie ein Mailing vor. Lassen Sie sich dazu einen pfiffigen, möglichst individuellen Text einfallen. Integrieren Sie einen Rückholköder. Ein geldwertes Bonbon kann kleine Rückkehrwunder bewirken. Sagen Sie dem Abwanderer aber auch, wie wichtig es Ihnen ist, ihn als Kunden zurückzugewinnen. Unterschreiben Sie den Brief persönlich.
- Bereiten Sie eine unmittelbar auf den Brief folgende telefonische Nachfass-Aktion vor. Stellen Sie dazu ausreichend Kapazitäten bereit oder versenden Sie das Mailing sukzessive. Schulen Sie die Mitarbeiter vorab. Überlegen Sie sich einen Leitfaden für den möglichen Gesprächsverlauf. Planen Sie ausreichend Zeit ein. Seien Sie auf ein mögliches Lamento des Kunden vorbereitet. Es gibt zwei mögliche Gesprächsziele: Soviel wie möglich über die wahren Wechselgründe zu erfahren und den Kunden zurückzugewinnen.
- Bearbeiten Sie die ersten wieder eingehenden Aufträge mit besonderer Sorgfalt. Informieren Sie alle involvierten Stellen, dass es sich um einen Comeback-Kunden handelt. Stellen Sie sicher, dass alle Zusagen penibel eingehalten werden. Machen Sie die entsprechenden Einträge in der Datenbank. Bestätigen Sie den Kunden in seinem Tun. Und danken Sie ihm.
- Werten Sie die Ergebnisse der Aktion aus. Sichern Sie das Lernpotenzial für spätere Aktionen. Und nicht vergessen: Feiern Sie Ihren Erfolg. Beglückwünschen Sie sich gegenseitig. Vor allem aber: Sprechen Sie darüber, wie Sie es gemacht haben. Unser Hirn liebt das Happy-End.
Die planmäßig betriebene Kundenrückgewinnung kann sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil entwickeln. Denn die durch systematische Rückgewinnungsaktionen gewonnenen Erkenntnisse helfen nicht nur, den Kundenstamm zu vergrößern, sie bringen Unternehmen auch dazu, zukünftig präventiv tätig zu werden, um Kundenverluste von vorne herein zu vermeiden. Expertin Schüller rechnet vor:
Im Vergleich zur Neukundengewinnung liegt der Aufwand, einen verlorenen Kunden zu reaktivieren, bei 20 bis 30 Prozent.
[Bild: pixelio]
Potenzial: Zulieferer müssen im Vertrieb noch viel lernen
Gastbeitrag von Bernhard Kuntz, Geschäftsführer Büro für Bildung & Kommunikation, Darmstadt*
Firmenkunde A fehlen Fachingenieure. Kunde B steht vor der Herausforderung, die Durchlaufzeiten zu senken. Und Firmenkunde C laufen die Kosten aus dem Ruder. So unterschiedlich wie die Unternehmen sind zumeist die Herausforderungen, vor denen sie stehen selbst wenn sie in derselben Branche aktiv sind. Entsprechend verschieden sind auch ihre Anforderungen an ihre Lieferanten sowie deren Produkte und Dienstleistungen. Das haben die meisten Industriezulieferer erkannt, weshalb sie sich in ihren Strategiesitzungen seit Jahren intensiv mit dem Thema Customizing befassen, also der Frage: Wie gelingt es uns, unseren Kunden statt Standardprodukten maßgeschneiderte Problemlösungen zu offerieren?
Es mangelt an analytischen und konzeptionellen Fähigkeiten
Ein weiteres Unternehmensziel vieler Hersteller von Industriegütern ist, dass sie sich vom Produktlieferanten zum Systempartner ihrer Kunden entwickeln möchten. Vereinfacht formuliert bedeutet dies: Die Unternehmen wollen sich nicht mehr mit dem Lieferanten-Dasein zufriedengeben. Sie möchten ihre Kunden vielmehr aktiv beim Erbringen ihrer Leistung unterstützen, zum Beispiel, indem sie ihnen bestimmte Aufgaben wie den Einbau der angelieferten Teile abnehmen. Oder das Warten der Anlagen. Selbstverständlich nicht uneigennützig, sondern um mit ihren Kunden höhere Umsätze zu erzielen und diese stärker an sich zu binden; aber auch um ihre Attraktivität für Neukunden zu erhöhen und Mitbewerbern leichter Kunden abnehmen zu können.

Soweit die Strategie. Im Betriebsalltag sieht vieles anders aus. Hier fehlt den Vertriebsmitarbeitern der Industriezulieferer und -dienstleister oft die erforderliche Kompetenz, um den individuellen Bedarf von potenziellen Kunden zu ergründen und darauf angemessen zu reagieren. Zudem sind viele ehemalige Produktverkäufer restlos überfordert , wenn sie komplexe Projektgeschäfte akquirieren und professionell managen sollen. Diese Erfahrung machen die Vertriebsverantwortlichen der Industriezulieferer immer wieder. Auch die Studie Strategische und operative Herausforderungen im Vertrieb von Industriegütern und industrienahen Dienstleistungen, die das Institut für Unternehmensführung der Hochschule Mannheim mit der Unternehmensberatung Peter Schreiber & Partner erstellt hat, belegt das.
Sie kommt zum Ergebnis, dass 65 Prozent der befragten 99 Top-Manager von Anbietern von Industriegütern und -dienstleistungen der Auffassung sind, die Mitarbeiter hätten die Vertriebsstrategie noch nicht ausreichend verinnerlicht. Sie sollte ihnen noch besser vermittelt werden. Fast die Hälfte der befragten Vorstände, Geschäftsführer sowie Chef-Verkäufer sind überzeugt: Viele Führungskräfte im Vertrieb können aus der Vertriebsstrategie nicht die erforderlichen operativen Ziele und Maßnahmen ableiten unter anderem, weil ihnen die analytischen und konzeptionellen Fähigkeiten fehlen. Folglich gelingt es ihnen auch nicht, ihre Mitarbeiter auf die Verkaufsziele und -konzepte einzuschwören und ihnen die erforderlichen Fähigkeiten zu vermitteln. Dies schlägt sich selbstverständlich in der Performance der Vertriebsmitarbeiter nieder. 60 Prozent der Top-Manager sind dementsprechend überzeugt, dass deren verkäuferische Kompetenz insgesamt erhöht werden muss. Zwei Drittel sehen bei den Vertriebsmitarbeitern Qualifizierungsbedarf, wenn es um das Akquirieren und Abwickeln von System- und Projektgeschäften geht.
Raus aus der negativen Preisspirale
Matthias Klimmer, der die Studie konzipierte und betreute, überrascht es angesichts der skizzierten Defizite nicht, welche Fragestellungen die Top-Manager als Schlüssel zum künftigen Erfolg ihrer Unternehmen definieren:
- Wie reagieren wir auf die höhere Preissensibilität unserer Kunden?
- Gelingt es uns, unseren Kunden die geforderten individuellen Problemlösungen zu bieten?
Beide Fragen hängen laut Klimmer aus folgendem Grund zusammen:
Wenn Unternehmen ihren Kunden verglichen mit ihren Mitbewerbern keinen erkennbaren Mehrwert bieten, zum Beispiel aufgrund ihrer individuellen oder innovativen Problemlösungen, dann geraten sie sozusagen automatisch unter Preisdruck. Denn warum sollten Kunden ihnen den hohen Preis bezahlen, wenn sie dieselbe Leistung bei Mitbewerbern günstiger erhalten? Auf Dauer kann kein Einkäufer intern rechtfertigen, warum er den höheren Preis bezahlt.
Beim Versuch, sich der nach unten drehenden Preisspirale zu entziehen, setzen die meisten Unternehmen auf eine stärkere Pflege der Kundenbeziehungen (95 Prozent) und einen Ausbau des Dienstleistungs- und Serviceangebots (86 Prozent). Zudem wollen sie prozentuale Margenverluste durch ein konsequenteres Ausschöpfen der Umsatzpotenziale mit Stammkunden und das Gewinnen neuer Kunden im angestammten Zielsegment ausgleichen und so die realen Deckungsbeiträge erhöhen. Auch diese Aussagen überraschen nicht. Denn faktisch haben die Industriezulieferer und -dienstleister, wie der Co-Autor der Studie, Peter Schreiber, betont, zumeist gar keine anderen strategischen Optionen. Der Vertriebsspezialist erläutert dies an einem Beispiel:
Nehmen Sie die Zulieferer der Automobilindustrie. Wenn sie wachsen möchten, haben sie nur eine strategische Option sofern sie nicht in neue Geschäftsfelder expandieren oder Mitbewerber aufkaufen: Sie müssen den ein oder zwei Dutzend Autoherstellern, die es weltweit gibt, mehr verkaufen. Sie müssen also entweder die Lieferanteile und -umfänge bei ihren Bestandskunden erhöhen oder ihren Mitbewerbern Kunden abnehmen. Und insbesondere letzteres gelingt ihnen in der Regel nur, wenn sie sich gegenüber ihren Mitbewerbern als die besseren Partner profilieren. Denn mit dem Instrument Preis allein kommt man bei der Neukundenakquise und beim Akquirieren von Zusatzaufträgen zumeist nicht weit.
Eine Ausnahme seien Produkte oder Dienstleistungen von sehr einfacher Natur, die für die Leistung des Unternehmens eine geringe Relevanz hätten. Dann sei es den Unternehmen letztlich egal, wer ihnen beispielsweise die Schräubchen liefert, Hauptsache der Preis stimmt.
In einer ähnlichen Situation wie die Zulieferer der Automobilindustrie befinden sich auch die Zulieferer in vielen anderen Branchen. So zum Beispiel die Hersteller von Chips für Handys und PCs. Auch sie haben weltweit nur ein oder zwei Dutzend potenzielle Abnehmer für ihre Produkte. Diese Situation wird sich laut Matthias Klimmer verschärfen, weil in vielen Märkten die Zahl der potenziellen Kunden der Industriezulieferer und -dienstleister schrumpft, etwas aus Fusionsgründen. Oder weil sich Abnehmer auf ihr Kerngeschäft besinnen und Geschäftsbereiche schließen. Dies gilt nicht nur für die globalen, sondern auch für die nationalen und regionalen Märkte. Martina Neef, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Unternehmensführung der Hochschule Mannheim, nennt ein Beispiel:
Betrachten Sie die Druckbranche. In Deutschland gibt es heute deutlich weniger Druckereien als vor zehn Jahren. Auf der einen Seite, weil Betriebe endgültig ihre Pforten schlossen, auf der anderen gab es Fusionen oder Verlagerungen ins Ausland. So stehen auch die Zulieferer der Druckunternehmen vor der Herausforderung, sich entweder neue Geschäftsfelder oder Märkte zu erschließen oder den Lieferumfang mit den Kunden in ihrem angestammten Markt zu erhöhen zum Beispiel, indem sie ihnen Zusatzleistungen anbieten.
Der Vertrieb denkt oft zu produktorientiert
Die erforderlichen Grundsatzentscheidungen hierfür haben viele Unternehmen getroffen. Auch die nötige fachliche Kompetenz haben viele schon aufgebaut. Trotzdem bleibt die strategische Grundsatzentscheidung, sich zum Problemlösepartner der Kunden zu entwickeln, oftmals eine bloße Willenserklärung. Der Grund: Die Kunden nehmen sie weiterhin als Produktlieferanten wahr. Sie trauen ihnen nicht die Kompetenz zum Lösen komplexerer Aufgaben zu. Dazu Peter Schreiber:
Die Vertriebsmannschaften vieler Zulieferer agieren weiterhin so, als sei ihr Unternehmen ein reiner Produktlieferant. Das beginnt schon beim Führungspersonal. Mancher Vertriebsleiter führt seine Mitarbeiter, in dem er ihnen lediglich Umsatzziele vorschreibt. Er analysiert mit ihnen jedoch nicht, mit wem und womit diese die geforderten Umsätze erzielen können. Und schon gar nicht tüftelt er mit ihnen aus, wie sie dabei strategisch und taktisch vorgehen sollten.
Das heißt: Die Vertriebsleiter vereinbaren mit ihren Mitarbeitern zwar zumeist quantitative Vertriebsziele, sie entwickeln mit ihnen aber keine Selling-Pläne, die ihnen den Weg zum Erfolg aufzeigen. Und häufig übersehen sie, dass man im Projektgeschäft mit einer Quartalsdenke nicht weit kommt. Da sollte man schon heute den Vertriebserfolg in zwei, fünf oder sogar zehn Jahren planen.

Dass hier Entwicklungsbedarf besteht, dokumentiert auch die Studie. 40 Prozent der befragten Manager betonen, die Vertriebsstrategien müssten sich noch klarer an den Unternehmenszielen orientieren. Und 71 Prozent erachten eine stärkere Differenzierung der Vertriebsstrategien für wichtig, damit diese den Anforderungen der verschiedenen (Teil-)Zielgruppen gerecht werden. Übersetzt heißt dies: Neben den Produkten müssen auch die Vertriebsstrategien der Unternehmen stärker auf die verschiedenen Teilzielgruppen und häufig sogar auf Einzelkunden zugespitzt werden. Eine Schussfolgerung, die für Martina Neef nahe liegt:
Was nützt es einem Unternehmen, wenn es für seine Zielkunden zwar stets individuellere und umfassendere Problemlösungen entwickelt, seine Verkäufer aber stets nach 'Schema F' agieren und weiterhin produkt- statt kundenorientiert argumentieren? Dann wird dem Kunden nicht klar, wo die Vorzüge der Problemlösung für ihn liegen.
Alleine schaffen die Verkäufer diesen mentalen Turnaround nicht. Sie benötigen die Unterstützung ihrer Führungskräfte. Das sehen auch die befragten Top-Manager so. Sie begreifen die unbefriedigende Vertriebskompetenz nicht nur als individuelles, sondern auch als organisationales Problem. Diese Vermutung legt die Tatsache nahe, dass 60 Prozent betonen, die Kultur im Vertrieb müsse noch stärker am Kunden orientiert werden. 73 Prozent geben sogar an, der Vertrieb müsse sich insgesamt noch stärker als Problemlöser verstehen.
Peter Schreiber geht noch einen Schritt weiter. Die gesamte Organisation müsse sich stärker als Dienstleister und Problemlöser verstehen. Denn alleine könnten die Verkäufer die gewünschten Problemlösungen nicht entwickeln. Also müssten sie einen leichteren Zugang zu den Spezialisten in der eigenen Organisation haben. Alleine könnten die Verkäufer aber auch den Fachleuten in der Kundenorganisation oft nicht überzeugend darlegen, welche Vorzüge zum Beispiel bestimmte Konzepte und Lösungen für ihr Unternehmen hätten. So müssten sie verstärkt mit den Experten in der eigenen Organisation Vertriebsteams bilden. Anders komme man im Projekt- und Systemgeschäft nicht weit.
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Mangelhaft: Kundenkarten viel zu wenig kundenorientiert
Kundenkarten sollen aus Verbrauchern zufriedene und loyale Kunden machen. Mittlerweile haben über 90 Prozent aller Verbraucher in Deutschland mindestens eine Kundenkarte im Portemonnaie. Aber ist dieses Werbeinstrument deshalb erfolgreich? In den meisten Fällen nein. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Strategieberatung OgilvyBrains aus Frankfurt und des Instituts für Marketing an der Universität Münster. Darin wurden erstmals die Perspektiven der kartenausgebenden Unternehmen und der kartenbesitzenden Kunden gegenübergestellt. Das Ergebnis: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Der häufigste Grund für das Scheitern vieler Kundenkarten-Programme sind halbherzige und deshalb wenig attraktive Angebote der Unternehmen. Bert Klingsporn, Geschäftsführer von OgilvyBrains, sagt:
"Im Einzelhandel, in den Bereichen Energie, Tankstellen, Automobil, Hotels, Reise- und Fluggesellschaften oder Finanzen und Versicherungen gibt es zu viele Programme, die aus einer falschen Motivation heraus aufgelegt wurden."
Nur häufige Nutzer sind mit Kartenprogrammen zufrieden
Oft würde nur nach dem Motto verfahren: Die Kunden erwarten das, also machen wir irgendetwas. Dann würden marginale Rabatte oder vermeintliche Vorteile eingeräumt, für die auf gut Deutsch niemand mehr aufstehen würde. Es sei folglich kein Wunder, dass sich die potenziellen Nutzer der Karte auf der anderen Seite des Ladentisches nicht dafür begeistern: Klingsporn weiter:
"Nur etwa 28 Prozent der von uns befragten Karteninhaber sehen ihre Erwartungen an das Kartenprogramm erfüllt. Eine freundliche, bevorzugte Behandlung als Karteninhaber stellen nicht einmal 10 Prozent fest.

Auch eine Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses werde von den meisten Befragten nicht erkannt, obwohl finanzielle Vorteile bei 72 Prozent der Programme der Schwerpunkt seien. Doch die Studie zeichnet keinesfalls ein ausschließlich düsteres Bild. Ein weiteres Ergebnis ist, dass intensive Nutzer eines Programms sich tatsächlich durch eine deutlich höhere Zufriedenheit und Loyalität zum Kartenprogramm und zum Unternehmen auszeichnen. Das Instrument an sich könne also nachweislich ein Turbo für die Kundenbindung sein, so Klingsporn. Die Empfehlung der Studienautoren: : Wenn, dann richtig. Sonst wird aus dem Turbo ein Zerstörer. Die Erfolgsfaktoren eines Kartenprogramms sind von der jeweiligen Branche, der Zielgruppe und der Wettbewerbssituation abhängig. Allgemeingültige Regeln können daher nicht erstellt werden. Ein Kundenbindungsprogramm aufzulegen ist in erster Linie eine Haltungsfrage: Bert Klingsporn:
Man muss den Kunden ernst nehmen. Nur dann kann ein Programm Erfolg haben."
Gezieltes Marketing: Gib dem Kunden was er wirklich will
Dazu gehöre erstens ein auch aus Sicht des Kunden wertvolles Angebot. Immaterielle Vorteile und besondere Services bieten noch viel zu wenig Programme an. Aber eben diese, noch dazu speziell auf die Zielgruppe zugeschnitten, können einem Kundenbindungsprogramm ein attraktives, unverwechselbares Profil geben. Ein kostenloser Express-Änderungsdienst bei Bekleidung etwa, oder die Möglichkeit, Kleidung zur Anprobe mit nach Hause zu nehmen, nützen dem Kunden wirklich und werden entsprechend geschätzt. Leider ist eine derartige Kundenorientierung bisher noch selten. Nur 20 Prozent der Befragten bezeichnen die gewährten Vorteile als wertvoll.
Zweitens eine adäquate Kommunikation über treffsicheres Dialogmarketing: In wettbewerbsintensiven Branchen seien Kundenkarten mittlerweile Standard. Hier komme es darauf an, die Vorteile und Besonderheiten eines Programms dem Kunden auch entsprechend deutlich und regelmäßig vor Augen zu führen, meint Klingsporn. Es reiche nicht, dass das Programm viel zu bieten hat, man müsse es auch sagen. Die Realität sieht auch in diesem Punkt anders aus: Knapp die Hälfte der befragten Karteninhaber kennen sich nicht mit den Vorteilen ihrer Karte aus. Und drittens sei es essenziell, dass die durch das Programm generierten Daten über die Kunden auch tatsächlich als "lebendiges Kundenwissen" genutzt würden, als Voraussetzung für ein relevantes Angebot an den Kunden. Eine fatale Folge fehlenden Kundenwissens förderte die Studie zutage: 50 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass man durch Kundenkarten viele unerwünschte Informationen und Zusendungen bekommt.
Hinweis
Wie sich Kunden heute gewinnen lassen, lesen Sie auch in unserem Dossier Kundengewinnung: Einbinden und begeistern.
[dw/Quelle: presseportal, Bilder: pixelio]
Individuell: Jagdstrategien zur Kundengewinnung
Gastbeitrag von Bernhard Kuntz, Geschäftsführer Büro für Bildung & Kommunikation, Darmstadt*
Tierzeit im Fernsehen: Ein Gepard schleicht durch die Savanne. Lautlos pirscht er sich an eine Herde Antilopen heran. Dann spurtet er los. Im Nu beschleunigt er von 0 auf 100 Stundenkilometer. Doch ehe er sich versieht, stiebt die Herde auseinander. Nur noch ein, zwei Antilopen tänzeln vor seiner Nase. Dann schlagen auch sie zwei, drei flinke Haken und der Angriff des Geparden läuft ins Leere. Das Einzige, was die Raubkatze erreicht hat, ist ein hoher Energieverbrauch. Folgen weitere Fehlversuche, schwinden ihre Kräfte zusehends und die Chance, ein Beutetier zu erlegen, verringert sich.

Ähnlich wie dem Geparden ergeht es zahlreichen Trainern und Beratern. Sie bewegen sich in einem Marktumfeld, in dem sie permanent von fetter Beute umgeben sind sei es in Form von Unternehmen, die Qualifizierungsprogramme für ihre Mitarbeiter benötigen, oder von Privatpersonen, die eine Beratung brauchen. Entsprechend groß ist oft die Euphorie bei Neueinsteigern. Doch dann starten sie ihre ersten Marketingaktivitäten und plötzlich scheint sich der Markt in Luft aufzulösen. Ihre Aktionen verpuffen wirkungslos. Das Einzige, was geschieht, ist: Sie haben immer weniger Geld in der Tasche und an die Stelle ihrer anfänglichen Euphorie treten Frust und Ratlosigkeit. Denn kaum haben sie sich von ihren Anstrengungen erholt, stellen sie erneut fest: Der Markt existiert! Doch leider bekomme ich keine Kunden.
Entwickeln Sie ein Beuteschema!
Die Hauptursache liegt darin, dass viele Trainer und Berater kein Beuteschema haben. Eine Kreuzspinne weiß, dass es für sie ein aussichtsloses Unterfangen ist, ein Kaninchen zu erlegen. Eine Katze weiß, dass es besser ist, Mäuse statt Füchse zu jagen. Und ein Löwe weiß: Von Mäusen allein werde ich nicht satt. Alle Raubtiere haben ihr spezifisches Beuteschema. Und Trainer oder Berater? Sie verpulvern ihre Energien oft sinnlos. Zum Beispiel, indem sie
- als Einzelkämpfer Jagd auf Konzerne machen und versuchen, ihnen Management-Entwicklungsprogramme zu verkaufen, obwohl diese Beute zu groß für sie ist
- nach allem jagen, was sich im Markt bewegt privaten Selbstzahlern, Klein- und Großunternehmen, Profit- und Non-Profit-Organisationen statt ihre Energie auf ausgewählte Zielgruppen zu fokussieren
- permanent Kleinstaufträgen wie einzelnen Beratungssessions hinterherjagen, mit denen sie allein ihren Lebensunterhalt nicht sichern können
Viele Berater haben kein Beuteschema, das ihnen deutlich macht, worauf sie ihre Energien fokussieren sollen. Im Umkehrschluss heißt das, auch nein sagen zu können, weil zum Beispiel die nötigen Ressourcen fehlen. Besteht bei einem Unternehmen eine realistische Chance, einen Auftrag zu erlangen, sollten sie sich voll ins Zeug legen. Weil vielen Beratern ein solches Beuteschema fehlt, setzen sie ihre Energien nicht zielgerichtet ein. Die Folge: Frustration und Misserfolg. Entwickeln Sie deshalb Ihr individuelles Beuteschema! Ermitteln Sie aus der Vielzahl Ihrer potenziellen Kunden diejenigen, bei denen Sie eine realistische Chance haben, einen Auftrag zu erlangen!
Die Beispiele zeigen: Um Ihr Beuteschema, also Ihre Zielgruppen, zu definieren, sollten Sie Ihre Biografie und Vorerfahrung analysieren. Ermitteln Sie, was Sie von der Masse der Mitbewerber unterscheidet und was Sie besser können! Denn ganz gleich, auf welche Zielgruppen Sie sich spezialisieren, sind Sie nie der einzige Trainer beziehungsweise Berater, der Leistungen offeriert. Sie brauchen also eine überzeugende Argumentation, warum sich potenzielle Kunden gerade für Sie entscheiden sollten. Wenn Sie sich auf eigentümergeführte mittelständische Produktionsunternehmen spezialisiert haben, könnten Ihre Kaufargumente folgendermaßen lauten:
- Meine Eltern hatten ein Bauunternehmen. Deshalb erfuhr ich bereits als Kind, was es bedeutet, Unternehmer zu sein.
- Ich arbeite seit 15 Jahren für mittelständische Betriebe. Deshalb weiß ich, dass diese anders als Konzerne ticken.
- Ich war acht Jahre Führungskraft in einem mittelständischen Betrieb. Deshalb weiß ich, was dort im Bereich Führung funktioniert und was nicht. Entsprechend praxisnah sind meine Konzepte.
Haben Sie auch private Ziele im Blick!

Nachdem Sie Ihre Zielgruppen definiert haben, sollten Sie noch einen Schritt weiter gehen und für sich formulieren, welche Teilgruppen Sie davon aktiv als Kunden gewinnen möchten und welche sie zunächst außen vor lassen. Die Praxis zeigt: Selbst wenn Zielgruppendefinition alle eigentümergeführten mittelständischen Produktionsunternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern in Deutschland lautet, ist die Zahl der potenziellen Kunden immer noch so groß, dass den meisten Beratern das erforderliche Kleingeld fehlt, um diese beispielsweise regelmäßig anzuschreiben. Und schon gar nicht haben sie die Zeit, um potenzielle Kunden, mit denen sie schon einmal persönlichen Kontakt hatten, in den Folgemonaten angemessen zu betreuen. So erkalten die ersten Kontakte wieder. Also gilt es, diese potenziellen Kunden zu identifizieren und aktiv zu bearbeiten, weil hier die größten Erfolgsaussichten bestehen. Formulieren Sie also Kriterien, die Unternehmen oder Einzelpersonen erfüllen müssen, damit Sie diese aktiv umwerben!
Verlieren Sie dabei aber Ihre privaten Lebensziele nicht aus dem Blick! Viele Trainer und Berater haben nur ihre beruflichen Ziele fixiert, die zumeist einen quantitativen Charakter haben. Völlig außer acht lassen viele Trainer und Berater, dass sie oft auch Väter und Mütter sind und nicht täglich in Hotels übernachten möchten. Weil viele Trainer und Berater ihre privaten Ziele nicht analysiert haben, fließen sie auch nicht in die Definition ihres Geschäftsfelds, ihrer Zielgruppen und ihrer Marketingstrategie ein. Dies sollte aber der Fall sein, damit berufliche und private Ziele nicht kollidieren.
Entwerfen Sie Ihre eigene Jagdstrategie!
Wenn Trainer und Berater ihre privaten Ziele formulieren, gelangen sie oft zur Erkenntnis: Ich sollte mein Marketing auf die potenziellen Kunden im Umkreis von 50 oder 100 Kilometern meines Wohnorts fokussieren. Wenn Unternehmen außerhalb dieses Radius' mir einen Auftrag in den Schoß legen, nehme ich ihn zwar gerne an, aber ich akquiriere solche Kunden nicht aktiv. Diese regionale Fokussierung des Marketings ist vielfach auch marketingtechnisch sinnvoll. Die Gründe: Im regionalen Umfeld können oft auch Kleinunternehmen eine starke Referenz sein, die überregional keinerlei Strahlkraft haben. Hinzu kommt, dass Sie sich mit dem potenziellen Kunden auch auf einen Kaffee treffen können. Das macht Eindruck.
Hinweis
Wie Sie erfolgreich Kunden gewinnen lesen Sie auch in unserem Dossier Kundengewinnung: Einbinden und begeistern.
Wenn Sie die Teilgruppen, die Sie aktiv bearbeiten, definiert haben, sollten Sie Ihre individuelle Jagd-, sprich Marketing- und Vertriebsstrategie, entwickeln. Aus mehreren Gründen: Zum einen sind die Fähigkeiten, Ressourcen sowie Leistungen der Trainer und Berater verschieden. Zum anderen haben sie unterschiedliche Ziele. Der eine möchte ein großes Unternehmen aufbauen, der andere nur ein gutes Einkommen haben. Auch die Persönlichkeiten der Trainer und Berater sind verschieden. So fällt es dem einen leicht, telefonisch Klinken zu putzen, während der andere schon beim Gedanken daran Bauchschmerzen bekommt. Deshalb müssen die Marketing- und Vertriebsstrategien der Trainer und Berater verschieden sein.
Beim Marketing und Vertrieb lautet Ihre erste Aufgabe, Ihren potenziellen Kunden zu vermitteln, dass es Sie gibt. Dann müssen Sie das Gefühl vermitteln, dass Sie ihnen einen Nutzen bieten können. Denn nur dann befassen sie sich mit Ihren Werbeunterlagen und hören Ihnen zu. Ob sie hierbei eher auf Anzeigen, Werbebriefe, Vorträge, Telefon- oder Internetmarketing setzen, ist eine strategische Entscheidung. Im Vorteil sind aber stets die Trainer und Berater, die genau wissen,
- wer ihre Kunden sind,
- welche gemeinsamen Merkmale sie haben und
- wo sie deshalb vermutlich der Schuh drückt.
Denn sie können die potenziellen Kunden auch auf der Wunschebene ansprechen und ihnen zum Beispiel in Werbebriefen das Gefühl vermitteln, dass sie die Probleme des Unternehmens kennt und wo Handlungsbedarf besteht.
Entwerfen Sie Schaufenster-Produkte!

Die Betonung liegt auf sofern Bedarf besteht. Dies hängt natürlich davon ab, welche Leistungen der Anbieter seinen potenziellen Kunden offeriert. Eine taktische Frage, deren Bedeutung viele Trainer und Berater unterschätzen. Ein Beispiel: Ein Trainingsinstitut offeriert gestandenen Unternehmen ganz allgemein irgendwelche Führungs- und Verkaufsseminare gerade so, als würden diese Unternehmen nicht schon seit Jahrzehnten solche Seminare für ihre Mitarbeiter durchführen. Warum sollten die firmeninternen Entscheider sich mit einem solchen Werbeschreiben befassen? Und warum sollten sie ihren aktuellen Anbieter vor die Tür setzen? Hierfür besteht kein Anlass. Also hätte das Trainingsinstitut den Werbebrief gleich in den Papierkorb befördern können.
Ähnlich verhält es sich, wenn sich ein Beratungsunternehmen mit nur zwei oder drei Mitarbeitern Konzernen beispielsweise als Berater für strategische Projekte wie Fusionen anbietet. Dann können sich die Internen, salopp formuliert, das Lachen nicht verkneifen. Denn es ist naiv zu glauben, ein Großunternehmen würde ein solches Projekt einem kleinen Beratungsunternehmen überlassen. Entwickeln sie also Produkte, die geeignet sind, das Interesse potenzieller Kunden zu wecken und ihnen sozusagen die Tür öffnen! Produkte also, bei denen die Unternehmen anfangen nachzudenken. Solche Türöffner- oder Schaufensterprodukte, die im Zentrum der Marketingaktivitäten stehen, benötigt jeder Berater, um mit potenziellen Kunden überhaupt erst einmal ins Gespräch zu kommen.
Gruppieren Sie Ihre Produkte wie ein Fachhändler!
Ein Fachgeschäft besteht aus den drei Bereichen Schaufenster, Laden und Lager. Ins Schaufenster stellt ein Fachhändler die Produkte, von denen er ausgeht, dass sie diejenigen Passanten ins Geschäft ziehen, die er als Kunden haben möchte. Die Kriterien, nach denen diese Auswahl erfolgt, können variieren. So kann der Fachhändler sich bei der Auswahl an unterschiedlichen Kriterien orientieren:
- Welche Produkte unterstreichen mein Profil als Spezialist?
- Welche Produkte sind trendy?
- Welche Produkte haben aufgrund ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses die größte Anziehungskraft?
Nach welchen Kriterien Sie Ihre Schaufenster-Produkte aussuchen, müssen Sie selbst entscheiden. Die ausgewählten Leistungen sollten Sie anschließend aber auch ausarbeiten. Denn wenn ein Interessent Ihr Fachgeschäft betritt, dann müssen Sie auch etwas vorweisen können. Ist der potenzielle Kunde im Laden, können Sie ihn aktiv bearbeiten. Jetzt können Sie darauf hinarbeiten, dass er erkennt: Sie sind der richtige Partner für ihn. Aus dem persönlichen Kontakt ergibt sich zudem die Chance, dem Interessenten auch andere Produkte anzubieten als diejenigen, wegen denen er Sie ursprünglich kontaktierte.
In Ihren Laden sollten Sie also die Produkte stellen, die Sie Kunden, nachdem Sie deren Interesse geweckt haben, eigentlich oder zusätzlich verkaufen möchten zum Beispiel, weil sie mehr Profit bringen. In Ihr Lager packen Sie alles, was Ihr Profil als Fachgeschäft verwässert. Hier stapeln Sie auch alle Produkte, die Sie zwar vorrätig haben müssen, weil (Stamm-)Kunden ab und zu danach fragen, die Sie aber nicht aktiv vermarkten möchten. Ins Lager sollten Sie auch alles stecken, was Sie noch nicht zu einem Produkt entwickelt haben. Denn Ihre Kunden wollen keine Produktideen kaufen, sondern Produkten, die sich aus Leistungen entwickelt haben.
*Kontakt:
Büro für Bildung & Kommunikation
Eichbergstr. 1
64285 Darmstadt
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Systematisch: Mit Total Quality Selling erfolgreich zu mehr Umsatz
Gastbeitrag von Ulrich Dietze, Gründer und Geschäftsführer der Deutschen Vertriebsberatung GmbH*

In Zeiten einer egalisierenden Marktentwicklung - immer mehr Anbieter mit gleichen oder ähnlichen Leistungen - wird nur der seine Marktberechtigung erhalten und ausbauen können, der seine Kernkompetenz genauso brillant beherrscht, wie die Fähigkeit, seine Leistungen auf dem gleichen hohen Niveau auch zu verkaufen. Es reicht nicht mehr aus, nur ein sehr guter Produzent, Dienstleister, Handwerker, Steuerberater oder sonstiger Fachmann zu sein. Obwohl wir gerade einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, bleibt der Eindruck, dass es auf der einen Seite immer mehr Anbieter gibt, die bereit sind, zu jedem Preis zu liefern und auf der anderen Seite immer weniger Kunden, die bereit oder in der Lage sind, einen akzeptablen Preis dafür zu bezahlen. Die TQS-Methode zeigt zum ersten Mal einen klaren und nachvollziehbaren Weg auf, wie in jeder Branche der Vertriebserfolg an den vier wichtigsten Hebeln signifikant gesteigert werden kann.
1. TQS Akquisitionsmanagement
Wie Sie auf effektive und seriöse Art und Weise einen stetigen Neukundenzuwachs erzielen.
2. TQS Anfragemanagement
Wie Sie effektiv mehr Aufträge aus Ihren Anfragen generieren.
3. TQS Angebotsgestaltung
Wie Sie Ihre Angebote kunden- und verkaufsorientiert gestalten.
4. TQS Angebotsverfolgungsmanagement
Wie Sie tatsächlich mehr Aufträge aus Ihren Angeboten abschließen.
Kontinuierlicher Zuwachs an Neukunden
Viele Unternehmen und Verkäufer kümmern sich erst dann intensiv um neue Kunden, wenn Umsatzeinbrüche bereits erfolgt sind. Wenn man den Tisch voller Anfragen hat, greift man eher selten zum Hörer und geht neue Kunden an. Erfolgreiche Unternehmen machen das anders. Auch in Zeiten einer stabilen Anfragesituation schaffen sie regelmäßig neue Kontakte.
Hinweis
Es ist besser, einen Kontakt in der Woche zu knüpfen, als zu hoffen, irgendwann mal eine Woche Zeit zu haben, um 100 neue Kunden anzusprechen. Professionelle Akquisition braucht immer auch zeitlichen Vorlauf. Deshalb akquirieren erfolgreiche Verkäufer regelmäßig, direkt und indirekt.
Das TQS unterscheidet zwischen direkter und indirekter Akquisition. In der direkten Akquisition geht der Verkäufer aktiv auf seinen potentiellen Kunden zu, zum Beispiel in Form von Mailings, Telefonaktionen oder über Kaltbesuche. Beispiele für indirekte Akquisition sind Maßnahmen wie Internetakquise, Anzeigen oder PR-Arbeit. Die indirekte Akquisition macht es dem Kunden leichter, einen Anbieter zu finden, wenn der Kunde selbst Bedarf hat. Doch bei beiden Wegen bleibt eine Erkenntnis: Der Kunde wird von der Informationsflut überrollt: Morgens Werbung in der Post und tagsüber dutzende Werbemails. Dazu durchschnittlich rufen zahlreiche Verkäufer pro Tag an und abends möchte eine Lotterie noch Lose an den Mann bringen. Das führt zu einer zunehmenden Missachtung von herkömmlicher Werbung und normalen Vertriebsansätzen. Die Kunden bauen eine Mauer um sich herum und kapseln sich regelrecht ab. Darin liegt aber auch eine Chance. Gelingt es, mit einer effektiven Akquisemethode diese Mauer zu durchdringen, sind die Erfolgsaussichten überdurchschnittlich hoch. Folgende Methoden sind dafür hilfreich:
TQS Medienmarketing

Diese Methode beschäftigt sich mit der spannenden Möglichkeit, die Medien zu nutzen, um neue Kontakte auf höchstem Niveau zu knüpfen. Einer meiner Lieblingszeitpunkte für die Neukundengewinnung ist der Sonntagmorgen nach dem Frühstück beim Zeitung lesen. Studiert man aufmerksam den Wirtschaftsteil, so stößt man auf interessante Artikel, die sich vortrefflich zur Akquisition nutzen lassen. Haben Sie schon mal einen Artikel über ein Unternehmen in der Zeitung gesehen, bei dem Sie spontan gedacht haben: Diese Firma müsste ich mal ansprechen, das wäre ein echter Wunschkunde? Auf diesen nächsten logischen Schritt kommen von 100 Verkäufern interessanterweise im Moment nur 0,7. Eine Möglichkeit ist es, diesen potenziellen Kunden per Brief anzuschreiben. Dies könnte dann beispielsweise so aussehen:
Ihr Artikel in der WamS am
Sehr geehrte(r) ,
den beiliegenden Artikel habe ich gestern in der WamS entdeckt. Besonders interessant finde ich Ihren Ansatz in Bezug auf Wir haben speziell für mittelständische Unternehmen ein Konzept entwickelt, das zu einer schnellen Verbesserung der Umsatz- und Gewinnsituation führt. Damit Sie sich ein genaues Bild von den Vorteilen für Ihr Unternehmen machen können, lade ich Sie hiermit herzlich zu einer kostenfreien Informationsveranstaltung am ein.
Für Fragen stehe ich gern unter ........ zu Ihrer Verfügung.
Beste Grüße und bis bald
Deutsche Vertriebsberatung GmbH
Ulrich Dietze
Interessant ist, wie es aussieht, wenn Sie sich danach telefonisch mit dem Kunden in Verbindung setzen: Je nach Branche kommt es in 50 bis 100 Prozent der Fälle zu einem wirklich qualifizierten Termin.
TQS Telefonakquisition
Der Königsweg zum schnellen und qualifizierten Termin ist für mich nach wie vor die telefonische Kaltakquise. Wer es beherrscht, kalt zu einem Entscheider durchzudringen und einen Termin zu bekommen oder ein anderes vertriebliches Ziel durchzusetzen, wird im Vertrieb immer sehr gutes Geld verdienen. Legen Sie sich dafür eine Wunschkundenliste mit den Unternehmen an, die Sie ansprechen wollen, denn es ist ein großer Unterschied, ob ich mir nur vornehme, neue Kunden anzusprechen, oder ob ich meine Wunschkunden permanent vor Augen habe. Für wirkliche Schlüsselkunden sollten Sie eine eigene Akte anlegen, in denen Sie Informationen über den Kunden sammeln beziehungsweise Informationen, die für den Kunden interessant sein können.
Hier fließt auch das Thema Medienmarketing mit ein und natürlich jede weitere Form der Recherche über das Zielunternehmen, wie zum Beispiel Internet oder die Homepage des Unternehmens. Alles was dabei hilft, den ersten Kontakt mit der Zielperson erfolgreich zu gestalten, sollten Sie sammeln und verwerten. Als qualifizierter Verkäufer gehört die regelmäßige Arbeit an der Wunschkundenliste zu den elementaren Bestandteilen des Erfolges. Die Wunschkundenliste muss Bestandteil der eigenen Zielplanung sein. Wenn Sie selbst Verkäufer führen, sollten Sie diese Wunschkundenliste zum Gegenstand der Zielplanung Ihrer Verkäufer machen, weil es die Erfolgsaussichten deutlich verbessert.
Recherchegespräche von Zielgesprächen trennen
Kennen Sie das Gefühl morgens wach zu werden und zu denken: Herrlich, heute habe ich endlich wieder richtig Zeit für Akquisition. Ich werde viele Interessenten anrufen. Jetzt würde Ich gerne Ihren Gesichtsausdruck sehen. Denn: Das Wort Kaltakquisition verbinden die meisten Verkäufer mit Inquisition. Es gibt Untersuchungen die belegen, dass - je nach Branche - bis zu 80 Prozent aller Unternehmen und Verkäufer scheitern beziehungsweise nicht die Ergebnisse erzielen, die möglich wären. Der Grund: Die Anzahl der Erstkontakte beziehungsweise Termine ist zu gering. Dabei hat Telefonakquisition nichts, aber auch wirklich gar nichts damit zu tun, Klinken zu putzen oder irgendjemand auf die Nerven zu gehen. Die häufigsten Verhinderer von Kaltakquisitionen sind:
- Unsicherheit im Akquisegespräch
- Angst vor Ablehnung beziehungsweise Misserfolg
- Das Gefühl, sich anbiedern zu müssen

Frustration während der Akquisition entsteht dadurch, dass man mit einem Entscheider ein qualifiziertes Telefonat führt, in dem ganz klar wird, dass ein Termin im Moment einfach keinen Sinn macht. Nein! Das, was viele Verkäufer frustriert, sind die Gespräche auf dem Weg zum Entscheider. Bei der TQS Methode trennen wir konsequent die Recherchegespräche (den Verantwortlichen herausfinden) von Zielgesprächen (mit dem Verantwortlichen einen Termin ausmachen oder sonstige Vertriebsziele umsetzen). Wann immer Sie nur eine Firma oder Telefonnummer verfügbar haben, führen Sie erst ein Recherchegespräch nach folgendem Muster:
Zentrale: Firma ABC, mein Name ist ..., guten Tag!
Verkäufer: Guten Tag Frau ..., Firma ... mein Name ist ...!
Verkäufer: Wir aktualisieren gerade unsere Kunden- und Lieferantendatei, ich möchte im Moment nicht verbunden werden. Ich brauche kurz Ihre Hilfe: Wer ist bei Ihnen verantwortlich für ...?
Die meisten Verkäufer fragen jedoch: Wer ist bei Ihnen zuständig für ...? Was ist der Unterschied zwischen zuständig und verantwortlich? Zuständig sind viele, Sie müssen aber an den Verantwortlichen heran, um Entscheidungen zu bekommen. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob der genannte Name auch wirklich der Entscheider ist, fragen Sie noch einmal nach.
Verkäufer: Welche Position hat Frau ...?" oder "Sie ist auch verantwortlich für Investitionen in diesem Bereich?!
Die Kenntnis der richtigen Ansprechpartner hat noch einen angenehmen Effekt: Tauchen diese in Ihren Adressdatenbanken auf, verbessern sich auch die Ergebnisse von Direktmarketing-Maßnahmen signifikant.
*Kontakt:
PR Agentur für Public Relations
Petra Spiekermann
Huhnsgasse 34 a
50676 Köln
Tel.: 0221-7788980
E-Mail: ps@pspr.de [119]
Web: www.pspr.de [120]
[Bilder: pixelio]
Zurückholen: In abgewanderten Kunden steckt noch viel Potenzial

Die Neukunden-Gewinnung ist in vielen Branchen völlig ausgereizt. Die Märkte sind gesättigt. Erstnutzer werden immer seltener und das Wachsen geht vielfach zu Lasten des Wettbewerbs. Doch das Abjagen von Kunden funktioniert, wenn man dem Rabattgeschrei der Unternehmen lauscht, anscheinend fast nur noch über den Preis. Dies führt zu einer Margen-Situation, die ein kurzfristiges Neugeschäft oft kaum mehr rentabel macht. Auch die Bestandskundenpflege wird zunehmend beschwerlich. Kunden sind informierter, gewiefter und auch aggressiver geworden und eigentlich nie so richtig zufrieden. Die Anforderungen werden immer höher geschraubt, die Preissensibilität steigt. Klassische Kundenbindungsstrategien funktionieren nicht mehr. Die Wechselbereitschaft ist sozial akzeptiert und steigt dramatisch. Die Illoyalen sind auf dem Vormarsch.
Der Prozess des Kundenrückgewinnungsmanagements
Bleibt also nur noch die dritte Säule im Kundenbeziehungsmanagement: der verlorene Kundenbestand - ein weitgehend unentdecktes Potenzial mit gewaltigen Ertragschancen. Die professionelle Kundenrückgewinnung wird in Zukunft verstärkt in den Brennpunkt rücken. Sie kann sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil entwickeln. Wer mehr als einmal Geschäfte mit Kunden macht, für den lohnt es sich immer, Zeit und Geld in die Kundenreaktivierung zu investieren. In vielen Punkten ist sie der Neukunden-Akquise deutlich überlegen. Untersuchungen und Praxisberichte zeigen immer wieder, dass
- die Abschlussquote beim Reaktivieren ehemaliger Kunden oft höher ist als im Neugeschäft,
- vergleichsweise weniger Kosten anfallen, wenn verlorene Kunden zurück gewonnen werden, statt neue zu akquirieren,
- Loyalität und Rentabilität zurück gewonnener Kunden oft höher sind, als die der neuen Kunden.
Die Richtigen - also profitable und rückholbare Kunden - zu reaktivieren, erfordert eine Vielzahl von Techniken sowie tiefgründige Kenntnisse neuropsychologischer Zusammenhänge. Denn das erfolgreiche Wiedergewinnen verlorener Kunden ist eine delikate Angelegenheit. Es braucht nicht nur Wissen und Können, sondern auch Fingerspitzengefühl. Und eine dicke Portion Mut. Das Kundenrückgewinnungsmanagement beginnt dort, wo alle Loyalisierungsmaßnahmen erfolglos blieben, wenn also der Kunde die Geschäftsbeziehung offiziell beendet beziehungsweise das Unternehmen stillschweigend verlassen hat. Demnach ergeben sich folgende Ansatzpunkte:
- das Kündigungsmanagement mit dem Ziel des Abwehrens beziehungsweise der Rücknahme von Kündigungen
- das Revitalisierungsmanagement mit dem Ziel der Wiederaufnahme der abgebrochenen beziehungsweise eingeschlafenen Geschäftsbeziehung
Nun geht es darum zu erkennen, wer aus welchen Gründen abgewandert ist und wen man wie zurückholen kann und will, um es im zweiten Anlauf besser zu machen. Der Prozess des Rückgewinnungsmanagements lässt sich somit in fünf Schritten darstellen:
- Identifizierung der verlorenen beziehungsweise schlafenden Kunden
- Genaue Analyse der Verlustursachen
- Planung und Umsetzung von Rückgewinnungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle und Optimierung
- Prävention beziehungsweise Aufbau einer Zweiten Loyalität.
Alle Maßnahmen zielen auf den fünften Schritt: der Prävention von Kundenverlusten. Denn noch besser als verlorene Kunden zu reaktivieren ist es, erst gar keine zu verlieren. Und bei den zurück gewonnenen Kunden gilt es, eine Zweite Loyalität aufzubauen. Eine dritte Chance gibt es so gut wie nie.
Hinweis
Prozess des Kundenrückgewinnungsmanagements:
Identifizierung der verlorenen Kunden
-> Analyse der Verlustgründe
-> Maßnahmen zur Rückgewinnung
-> Erfolgskontrolle und Optimierung
-> Prävention
Die Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen führt zu Optimierungsaktivitäten in den vorangegangenen Schritten. Alle Erkenntnisse aus diesem Prozess zielen auf präventive Maßnahmen, um zukünftige Kundenabwanderungen zu minimieren beziehungsweise eine Zweite Loyalität aufzubauen.
Erfolgsfaktoren im Rückgewinnungsmanagement
Hohe Fluktuationsraten haben einen verheerenden Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens. Doch vielfach werden Kundenverluste - wenn überhaupt registriert - tabuisiert oder als Bagatellschaden abgetan. Verlorene Kunden sind die ungeliebten Kinder des Verkaufs. Denn sie haben unangenehme Wahrheiten parat. Sie führen uns Niederlagen und persönliches Versagen vor Augen. Sie können der Karriereplanung im Weg stehen oder einen Schatten auf die eigene Herrlichkeit werfen. Vor allem aber: Den Abtrünnigen nachzulaufen hat einen entwürdigenden Beigeschmack. Dabei ist das Wiedergewinnen verlorener Kunden, im englischen als Customer Recovery bezeichnet, eine ergiebige Quelle zusätzlicher Erträge. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren des Kundenrückgewinnungsmanagement sind:
- Kundenfokussiertes Management
- Engagierte Mitarbeiter, die Kunden lieben
- Selektion der richtigen Kunden
- Zielführender Dialog
- Emotionale und materielle Köder
- Schnelles Timing
Kundeninformationen sind strategisches Kapital
1. Das kundenfokussierte Management

Die einzigen, die das Überleben eines Unternehmens auf Dauer sichern, sind die Kunden. Und zwar begeisterte, ja geradezu glückliche, dem Unternehmen durch und durch verbundene treue Kunden, die zudem als aktive, positive Empfehler das Neugeschäft sichern. Grundvoraussetzung für den Erfolg eines jeden Rückgewinnungsprogramms ist die kompromisslos kundenfokussierte Einstellung des Managements. Dies müssen alle Führungskräfte, nicht nur die für den Vertrieb und das Marketing Zuständigen, jedem Mitarbeiter deutlich sichtbar vorleben. Denn wie ein Domino-Effekt kaskadiert positives wie negatives Verhalten der Führungsspitze über alle Hierarchie-Stufen nach unten und schwappt dann zum Kunden über.Das Rückgewinnungsmanagement braucht die volle Unterstützung der Führungsetage. Nur wenn diese ein lebhaftes Interesse an verlorenen und vor allem an wieder gewonnenen Kunden zeigt, dann wird sich dafür jeder im Unternehmen mächtig ins Zeug legen.
2. Engagierte Mitarbeiter, die Kunden lieben
Verlorene Kunden sind unglücklich gemachte Kunden. Man hat ihnen keine Wertschätzung entgegengebracht, in ihnen keine Begeisterung entfacht, man hat sie nicht wirklich verstanden, man hat sie gelangweilt, verärgert oder ganz einfach vergessen. Nun suchen sie ihr Glück bei einem Anderen. Karl Born, ehemaliges Vorstandsmitglied der TUI, sagt:
Wer seine Kunden mag, dem muss es doch leid tun, wenn sie sauer sind.
Jedes Kundenrückgewinnungsprogramm ist nur so gut wie die Mitarbeiter, die es umsetzen. Also brauchen wir einfühlsame Mitarbeiter, die überzeugungsstark und frustrationsresistent agieren sowie unternehmerisch denken und handeln. Kurz: Mitarbeiter, die ihre Arbeit und die Kunden lieben. Sie entfalten sich am besten in einem fehlerfreundlichen, lernwilligen Umfeld und in einer lachenden Unternehmenskultur. Lachende Unternehmen sind kein Schlaraffenland. Sie bieten vielmehr den Mitarbeitern ständig neue Herausforderungen - im Kern ihrer Talente und auf hohem Niveau. Lachende Unternehmen schwingen positiv und verfolgen Gewinner-Strategien.
Dort finden sich ein gut gelauntes Miteinander, offene und ehrliche Kommunikation, Respekt und Anerkennung, Vertrauen, Sinn und Flow. In solchen Firmen herrscht eine pulsierende Energie gemeinsamer Begeisterung, ein Treibhausklima für Spitzenleistungen, ein Biotop für gute Ideen. In lachenden Unternehmen sind und da ist eine Menge Neuro-Psychologie im Spiel - nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden gern. Solche Unternehmen verlieren wenig Kunden und viele kommen geläutert zurück.
3. Die Selektion der richtigen Kunden
Nicht jeden Kunden wollen Sie zurück. Und nicht jeder Kunde will zu Ihnen zurück. Zu den erfolgskritischen Faktoren gehört daher auch die Vorauswahl solcher Kunden, die rentabel waren beziehungsweise sein werden und zurückholbar sind. Um sich optimal auf die zu reaktivierenden Kunden einstellen zu können, braucht es eine funktionstüchtige Datenbank. Die Betonung liegt dabei auf eine. Denn Kundenwissen ist in vielen Unternehmen auch heute noch verstreut in verschiedenen Abteilungen, versteckt in vergessenen Aktenschränken, verborgen in untersten Schubladen, in vielen Köpfen und auf vollen Festplatten. Graben Sie es aus, werfen Sie es in einen Topf, strukturieren und ordnen Sie es, füllen Sie Lücken auf und ergänzen Sie laufend!
Kundeninformationen sind strategisches Kapital. Um dem Rückgewinnungsmanagement dienlich zu sein, sollten bereits bei der Konfigurierung der Datenbank beziehungsweise des CRM-Systems die folgenden Fragen mit einfließen:
- Welche Informationen benötigen wir schon jetzt, um Kunden zurück gewinnen zu können, die möglicherweise später einmal abwandern?
- Wie kann uns das System rechtzeitig vor absprungbereiten Kunden warnen?
- Welche Prognosemodelle lassen sich erstellen?
- Welche Kunden sind besonders gefährdet?
- Können wir Muster und typische Profile potenzieller Abwanderer erarbeiten?
- Mit welcher Genauigkeit lässt sich das bevorstehende Ende eines Geschäftsverhältnisses vorhersagen?
- Wie kennzeichnen wir Kunden, die wir wieder zurück gewonnen haben?
- Wie sorgfältig wollen wir in Zukunft mit ihnen umgehen?
Doch Achtung! Bei allem Respekt vor der Bedeutung einer funktionsfähigen Software: Kunden sind keine Daten. Nur Menschen gelingt es durch das, was sie wie tun, verlorene Kunden zurückzuholen. Datenbanken sind adäquate Hilfsmittel auf dem Weg zum Ziel mehr nicht.
4. Der zielführende Dialog

Kundenrückgewinnungsgespräche sind die letzte Chance, um hohe Investitionen in die zukünftige Neukunden-Gewinnung zu vermeiden. Und es sind die vielleicht diffizilsten Gespräche in der Laufbahn eines vertriebsorientierten Mitarbeiters. Ziel ist es, die Wiederaufnahme der unterbrochenen Geschäftsbeziehung zu besprechen, um in einem zweiten Anlauf doch noch Loyalität aufzubauen. Oft geht es ebenfalls darum herauszufinden, weshalb Kunden kündigen beziehungsweise warum sie sich zurückziehen und was mit welchen Mitteln getan werden kann, um Kündigungen abzuwehren. Die Reaktivierung absprungwilliger oder bereits verlorener Kunden ist also etwas für Kommunikationsprofis. Persönliche beziehungsweise telefonische Kontakte führen dabei am ehesten zum Erfolg, denn da kann sich der Mitarbeiter ganz individuell und höchst einfühlsam um die Belange des Kunden kümmern. Dies vermittelt Wertschätzung, gibt Sicherheit und stellt Vertrauen wieder her. Es gilt deutlich zu machen, dass das Unternehmen an einer zukünftig dauerhaften Geschäftsbeziehung wirklich interessiert ist und aufgetretene Probleme aufs Beste beheben wird.
Hierbei kommt es nicht darauf an, was das Unternehmen tut, sondern wie der Kunde dies wahrnimmt. Und das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Eine Menge Verkaufspsychologie ist notwendig, um sich auf die individuelle Gesprächssituation und den jeweiligen Kundentyp optimal einzustellen. Dazu brauchen die Mitarbeiter fachliche und kommunikative Fähigkeiten und ein hohes Maß an Identifikation mit ihrem Unternehmen. Und sie brauchen beträchtliche Entscheidungskompetenzen. Denn die für den jeweiligen Fall passende Reaktion muss flexibel und schnell erfolgen. Langwierige bürokratische Prozesse verärgern den Kunden nur noch mehr. Schließlich muss der Mitarbeiter Kosten und Nutzen seiner Zugeständnisse betriebswirtschaftlich abwägen können. Blockt er zu stark ab, werden die Reaktivierungserfolge mager ausfallen. Ein sensibles Entgegenkommen ist deutlich zielführender. Und das muss gar nicht teuer sein.
5. Emotionale und materielle Köder
Untersuchungen zeigen immer wieder, dass im Rückgewinnungsmanagement die emotionalen und immateriellen Aspekte vielfach Vorrang haben vor den finanziellen. Der Grund: Den meisten Menschen fehlt die Zuwendung Dritter. Jeder ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Verstädterung, die Vereinzelung sowie die Flucht ins Internet tragen zum Zuwendungsmanko bei. Evolutionär sind und bleiben wir allerdings Herdentiere. Unsere größte Furcht gilt dem Liebesentzug. Georg Franck schreibt in seinem Buch Ökonomie der Aufmerksamkeit:
Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.
Aufmerksamkeit und Wertschätzung, Fairness und Hilfsbereitschaft, eine offene und ehrliche Kommunikation sowie eine einfühlsame und freundliche Behandlung sind für viele Kunden das größte Geschenk. Daneben sind eine effiziente Problemlösung sowie eine angemessene Wiedergutmachung wirkungsvolle Anreize zur Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehung
6. Das schnelle Timing
Egal, ob das Abwandern still und leise erfolgt oder mit einer lautstarken Kündigung verbunden ist: Reagieren Sie auf Warnhinweise sofort! Wenn die Verträge mit dem neuen Anbieter unter Dach und Fach und die ersten Transaktionen zufriedenstellend gelaufen sind, ist es zu spät. Dann können Sie sich erst wieder bei der nächsten Vertragsrunde in Position bringen. Je schneller die Reaktion, desto höher ist die Rückgewinnungsrate. Diese Erfahrung haben alle Unternehmen gemacht, die bereits Reaktivierungsaktionen durchgeführt haben. Praktiker berichten von Rückgewinnungsquoten von über 60 Prozent bei optimalem Timing.

Denn nicht immer hat sich der Abtrünnige bereits für einen neuen Anbieter entschieden. Zwar ist eine Trennung meist mit einem emotionalen Aufgewühltsein, mit Wut, Trauer, Ärger, Enttäuschung oder Rache. Dennoch hatte man sich früher ja auch einmal gut vertragen. Daran lässt sich anknüpfen. Eine Restloyalität und damit auch Gesprächsbereitschaft ist oft noch vorhanden. Sind erst einmal die emotionalen Verbindungslinien gekappt, wird das Zurückgewinnen schwieriger. Man hat sich nun einem neuen Partner zugewandt, hofft auf das Beste und rückt die positiven Seiten der neuen Beziehung in den Vordergrund. All das ist subjektiv eingefärbt wird aber rational präsentiert. Auf solche kleinen Tricks unseres Gehirns fallen geübte Verkäufer allerdings nicht herein.
Das ultimative Ziel: Prävention
Ganz klar: Die Reaktivierung ehemaliger Kunden kann immer nur ein Zwischenschritt sein. Was wir vor allem daraus lernen sollten ist die Prävention. Sämtliche Erkenntnisse, die sich aus den Begleitumständen der Kundenverluste ergeben, können helfen, es in Zukunft besser zu machen. So lassen sich die Leistungen des Unternehmens derart optimieren, das zukünftig weniger Kunden das Weite suchen. All dies zielt darauf, seine Bestandskunden länger als branchenüblich zu halten, sich ihre freiwillige Treue auf Dauer zu sichern und sie gegen jegliche Abwerbeversuche der Konkurrenz zu immunisieren. Je länger ein Unternehmen einen rentablen Kunden hält, umso mehr Gewinn kann es durch ihn erzielen. Oberstes Ziel sollte es daher sein, möglichst keinen einzigen profitablen Kunden zu verlieren, den man behalten will. Hohe Kundenloyalität und niedrige Abwanderungsraten sichern den dauerhaften Geschäftserfolg. Das Kundenrückgewinnungsmanagement ist ein äußerst wirkungsvoller Baustein auf dem Weg zu diesem Ziel.
Hinweis
Management und Marketing, so sage ich, heißt: Menschen glücklich machen. Das bedeutet im B2B-Geschäft: den Kunden helfen, erfolgreicher zu sein. Und das bedeutet im B2C-Geschäft: den Kunden helfen, besser zu leben.
Unwiderstehlich: Angebote erstellen mit Sex-Appeal
Gastbeitrag von Hermann Scherer, Wirtschaftsexperte, Freising*
Um zu erkennen, welches Potenzial in schriftlichen Angeboten steckt, lohnt ein Blick auf die übliche Praxis. Beispiel Business-to-Business: Da erläutern Konstrukteure und Entwickler den Vertriebsmitarbeitern ihres Unternehmens die Eigenschaften und Vorzüge einer neuen Anlage. Die rhetorisch geschulten Verkäufer verhandeln anschließend mit den Einkäufern ihrer Kunden. Diese geben die Informationen an die zukünftigen Anwender in der Produktion weiter, die wiederum den Produktionsleiter beraten, der den Weg zum Einkaufsleiter nimmt. Letzte Instanz ist womöglich der Geschäftsführer, nachdem der Chef des Einkaufs bei ihm vorstellig geworden ist. Von den am Beginn dieser Kommunikationskette dargestellten Details und Vorteilen erfährt der Geschäftsführer wenig oder lediglich Fachspezifisches, das er kaum versteht. Am Ende entscheidet er sich unter mehreren Lieferanten, indem er deren schriftliche Angebote prüft.
Angebote müssen formal einwandfrei sein

Man kann sich ausmalen was geschieht, wenn sich die konkurrierenden Angebote so gut wie nicht unterscheiden oder sich gar in der Auflistung völlig uninteressanter Details gegenseitig übertreffen. Keinen Entscheider kümmern interne Bezeichnungen, Lagerplatznummern oder Absicherungsklauseln der Rechtsabteilung. Er möchte durch Bilder in seinem Kopf überzeugt und emotional erreicht werden, nicht aber Zeit für Dinge aufwenden, die mit dem Produktnutzen schlicht nichts zu tun haben. Resultat: Der Geschäftsführer vergleicht lediglich den Preis. Das aber bedeutet schlechte Karten für alle, die nicht über den Preis verkaufen, sondern beispielsweise Qualitäts- oder Servicemarktführer sind. Ihr Weg aus der Preisfalle kann nur eine bessere Vermittlung der eigenen Leistungen gegenüber dem potenziellen Kunden sein. Ein äußerst potentes Mittel dafür ist das schriftliche Angebot, das letztlich die Antwort auf die Frage, Auftrag ja oder nein?, bestimmt.
Viele Unternehmen werden einwenden, dass ihnen ein großes Budget und ausreichend Arbeitskräfte fehlen, um aus schriftlichen Angeboten überzeugende Verkaufshelfer zu machen. Tatsächlich aber ist der dafür nötige Aufwand gering. Viele Maßnahmen kosten überhaupt nichts und machen doch das Angebot so unwiderstehlich, dass die Unterschrift des Kunden fast zwangsläufig auf die Zusendung folgt. Folgende Dinge sind entscheidend:
- Einwandfreies Äußeres,
- Kundenorientierte Sprache und
- Verkauf von Lösungen statt nackter Produkte.
Optimale schriftliche Offerten wecken positive Gefühle, zeigen das Profil des Unternehmens und stellen die Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt. Sie überzeugen statt zu überreden, verankern sich nachhaltig im Kundenkopf und verpacken den Preis so geschickt, dass dieser lediglich zu einem und oft eher unwichtigen Kriterium unter vielen wird.
Visuelle Darstellungen schaffen einen Wiedererkennungswert

Auf dem Weg zum verführerischen Angebot empfiehlt sich ein wenig Systematik, also eine konsequente Analyse der verschiedenen Aspekte auf Verbesserungsmöglichkeiten. Erster Schritt könnte die Betrachtung des Entrees sein, also des Formats, der äußerlichen Attraktivität und der Wortwahl. Alles Nebensächlichkeiten? Keineswegs, wie ein Seitenblick beispielsweise in die Gastronomie beweist: Was etwa würden die Gäste von einem Restaurant halten, das zwar hochwertige Menüs anbietet, diese aber von Kellnern in fleckigen Jeans und auf billigem Geschirr servieren lässt? In einem solchen Betrieb blieben die Plätze leer, sofern die Hungrigen nicht mit Dumping-Preisen geködert würden. Ähnlich gilt für das schriftliche Angebot: Der äußere Schein lässt auf das Sein schließen und ohne guten ersten Eindruck hat der Anbieter fast schon verloren.
Zu den wesentlichen Voraussetzungen in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild zählen hochwertiges Papier, ein ebensolcher Ordner oder eine gute Bindung, die Einhaltung von Corporate Identity und Corporate Design, Visitenkarten der Ansprechpartner und ein individueller Begleitbrief. Zwischen diesen Äußerlichkeiten und den inhaltlichen Kriterien stehen die visuellen Darstellungsformen, mit deren Hilfe Informationen sowie Botschaften transportiert werden können. Farben, Bilder und Symbole ziehen schnell die Aufmerksamkeit auf sich und sorgen unter anderem für einen hohen Wiedererkennungswert. Unter anderem wird das Auge des Betrachters angezogen von Ablaufschemata, Grafiken, Diagrammen, Skizzen, Zeichnungen, Plänen und Prospekten. Apropos Gestaltung: Bei vielen Angeboten passen kreative, auf den jeweiligen Inhalt zugeschnittene Formen besser als das strikte Festhalten an DIN-Normen.
Hinweis
Literaturtipp:
Hermann Scherer: Das überzeugende Angebot [121] , ist beim campus-verlag erschienen und kostet 24,90 Euro.
Von der Zauberkraft der Sprache
Ein zentraler Bestandteil jedes schriftlichen Angebotes ist die darin verwendete Sprache. Wer beispielsweise seine Aussagen mit Wörtern wie eigentlich, eventuell oder ziemlich abschwächt, braucht nicht auf große Begeisterung beim Kunden zu hoffen. Sehr wirkungsvoll sind aktive Formulierungen, mit denen der Leser direkt angesprochen wird. Ein Beispiel: Sie können mit diesem Produkt leicht Ihre Energiekosten reduzieren. In vielen Fällen hilft es schon, bestimmte Ausdrücke zu eliminieren beziehungsweise durch überzeugendere zu ersetzen. So sollten nur, relativ und wahrscheinlich ersatzlos gestrichen, ich würde gegen ich werde, alt gegen bewährt oder Problem gegen Herausforderung getauscht werden. Stets gebührt der Verständlichkeit Vorrang gegenüber der Demonstration fachlicher Kompetenz. Jeder, der ein Angebot schreibt, sollte daher bedenken: Werden die verwendeten Begriffe von den Empfängern ohne langes Überlegen oder gar Nachschlagen im Lexikon verstanden?

Dabei darf die Aufmerksamkeit nicht nur dem potenziellen Anwender des Produktes gelten, denn auch kaufmännisch Ausgebildete, der Berater und der Unternehmensinhaber lesen möglicherweise das Angebot. Fachchinesisch und nicht allgemein gebräuchliche Abkürzungen sind daher tabu, die Zahl der Fachausdrücke sollte auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Benutzte Fremdwörter müssen erklärt oder bereits in den allgemeinen Wortschatz übergegangen sein. Ein Motto für schriftliche Angebote könnte lauten: Eigenschaften klar benennen, denn der Kunde begehrt nur, was er sich vorstellen kann. Besonders nützlich sind daher Adjektive, die den oft wenig aussagekräftigen Substantiven hinzugefügt werden. Sie dienen dazu, den Wert von Produkten oder Dienstleistungen in den Kopf des Kunden zu transportieren.
Nutzen des Produkts gekonnt in Szene setzen
Die Kommunikation des Wertes ist deshalb so entscheidend, weil Offerten stets vor allem subjektiv beurteilt werden und weniger mit objektiven Vorzügen punkten. Mit anderen Worten: Der Nutzen eines Produkts ist nicht der, den es bietet, sondern der, den der Kunde wahrnimmt. Für die Gestaltung des schriftlichen Angebotes bedeutet das: Die Vorteile müssen gekonnt in Szene gesetzt werden! Eine bloße Aneinanderreihung nahezu inhaltsleer gewordener Begriffe wie Qualität, Service und Kompetenz ist dafür zu wenig. Stattdessen gilt es, haargenau die Erwartungen des Kunden zu erfüllen. An die Stelle von Schlagworten sollten exakte Beschreibungen der Leistungen treten, die das eigene Angebot von denen der Wettbewerber abhebt. Ein Weg, diesen auf die Spur zu kommen, ist die Beantwortung von Fragen wie:
- Warum sollte der Kunde gerade bei uns kaufen?
- Was schätzen die Kunden am meisten an uns?
- Worum beneidet uns die Konkurrenz?
Ebenso wichtig wie die Entdeckung des Produktnutzens ist seine Vermittlung. Während eine bloße Aufzählung vom Kunden überlesen würde und er bei zu plumpen Überredungsversuchen auf Abwehr schalten könnte, führt das Überzeugen in der Regel zum Erfolg. Mittel dazu sind beispielsweise Garantien, Referenzen, Statistiken, Beweise in Form unabhängiger Studien, die Veranschaulichung von Prozessen und Abläufen und aussagekräftige Bilder. Nicht vergessen werden darf die Positionierung des Unternehmens, denn die schafft Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der kommunizierten Produktvorteile. Auch die Entkräftung möglicher Einwände, die immer die Einnahme der Kundenperspektive erfordert, steigert die Überzeugungskraft eines Angebotes.
Die Aufmerksamkeit lenken

Wer sein schriftliches Angebot äußerlich in Form gebracht, sich der Macht der Sprache bedient und den Nutzen optimal kommuniziert hat, den sehen die Wettbewerber in der Regel nur noch von hinten. Weitere Möglichkeiten, den Vorsprung zu vergrößern, sind die gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit des Empfängers etwa durch Slogans, Brands und Claims sowie die Erhöhung der Erlebnisqualität durch Einbettung des Angebotes in ein attraktives Umfeld. Letzteres kann dem Kunden zum Beispiel das Gefühl geben, zu einer trendigen Gemeinschaft zu gehören, wenn er das betreffende Produkt kauft. In vielen Fällen trägt dies stärker zu einer positiven Kaufentscheidung bei als die objektiv beschreibbaren Eigenschaften des Angebotes und es rechtfertigt in den Augen des Kunden einen im Vergleich zu Wettbewerbern höheren Preis.
Apropos Preis: Natürlich muss auch dieser im Angebot enthalten sein, aber viele Unternehmen überschätzen seine Relevanz. Mehrwert wird bezahlt und deshalb sind Marktführer oft auch Preisführer. Sind sie geschickt, verpacken sie zudem den Preis nach der Methode des Invest-Sandwiches, also das Verstecken zwischen zwei Nutzenaussagen. Beispiel:
Sie erhalten dieses Auto mit zwei Airbags für 38.500 Euro inklusive der computergesteuerten Klimaanlage.
Sicher sind nicht für alle Unternehmen alle erwähnten Instrumente zur Optimierung schriftlicher Angebote sinnvoll einsetzbar. In jedem Fall aber lohnt sich der Aufwand, der zudem kleiner ist, als er auf den ersten Blick erscheint. Der Grund: Gewisse Standardpassagen müssen nur einmal erarbeitet werden und können dann für viele Angebote verwendet werden. Die zusätzliche Individualisierung für einen bestimmten Kunden bedeutet zwar einen zusätzlichen Aufwand, der jedoch immer im Verhältnis zum höheren Ertrag gesehen werden muss. Oftmals ist die wirkungsvolle Gestaltung von Angeboten mit Sex-Appeal im heutigen Verdrängungswettbewerb eine der günstigsten Möglichkeiten, sich von der Masse abzuheben. Sie sollte als unverzichtbares Element im Prozess des Verkaufens betrachtet werden, das dem Kunden übrigens sogar nach erfolgtem Kaufentschluss etwas ganz Wesentliches liefern kann: die Rechtfertigung seiner Entscheidung vor sich selbst. Niemand will schließlich überredet, sondern nachhaltig überzeugt werden.
*Kontakt:
Hermann Scherer
Ismaninger Straße 47
85356 Freising
Tel.: 08161-991940
E-Mail: info@hermannscherer.de [122]
Web: www.hermanscherer.de [123]
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Professionell: Bei Messen kommt es auf den Service an
Fachmessen liegen nach wie vor im Trend und gehören weiterhin zu den beliebtesten Instrumenten der persönlichen Begegnung für Unternehmen mit Kunden und Partnern. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Instituts für Kommunikation und ServiceDesign [124] aus dem brandenburgischen Potsdam. Die Studie wurde mit dem Ziel durchgeführt, Messegesellschaften und Messeausstellern neue und zukunftsgerichtete Entwicklungen bei Fachmessen aufzuzeigen. Im Fokus stand dabei die Messe als Dienstleistung für den Fachbesucher. Dieser Aspekt wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen.
Hinweis
Im Gegensatz zu Hausmessen und Kongress-Events stoßen die großen IT-Messen an ihre Grenzen. So hatte die Münchener Systems 2006 zehn Prozent weniger Besucher, die CeBIT beklagt für 2007 15 Prozent weniger Ausstellungsfläche.
Messekunden wollen Qualität statt Quantität
Weniger ist auch bei Messen mehr. Der Kunde möchte heute im gesamten Messeprozess eine individuell auf seine Bedürfnisse abgestimmte Lösungsauswahl. Dazu sagt Dirk Zimmermann, Direktor des Instituts für Kommunikation und ServiceDesign:
Um den steigenden Erwartungen der Messegäste gerecht zu werden, bedarf es einer stärkeren Kunden- und Serviceorientierung, denn das harte Wettbewerbsumfeld für Messeveranstalter wie auch Messeaussteller läßt den Besucher zum wichtigsten Interaktionspartner avancieren.

Damit dies erreicht wird, bräuchten Unternehmen nicht nur eine Servicestrategie, die die Bedürfnisse der Kunden bedarfs- und bedürfnisgerecht umsetzen, sondern die auch wirtschaftlich tragfähig ist. Dafür sei eine ganzheitliche Betrachtung des Messebesuches notwendig: vor, während und nach der Messe, welche die Beteiligten, die Ziele und die Umsetzung integriert. Auch bei den Messegesellschaften geht der Trend hin zu der Entwicklung von zusätzlichen Diensten, die den Besucher gewinnen und langfristig binden möchten. Dabei behalten die Messegesellschaften Produktpräsentation, Beratung und Verkauf als Basis einer Fachmesse weiterhin im Blick.
"Der Aufbau und die Entwicklungen einer langfristigen Kundenbeziehung spielt für die Messegesellschaften eine große Rolle, doch als Kunde wird zumeist nur den Aussteller gesehen und noch zu selten der Besucher",
so Zimmermann. So vermittle die derzeitige Struktur der Servicepalette den Eindruck, das Angebote vornehmlich erst für die Aussteller entstehen, bevor Lösungen auch auf die Besucher angewendet werden. Die Forderung eines "Full-Service-Angebots" werde auf Besucherseite zum Standard und verschiebe die Aufgabenprioritäten der Veranstalter zunehmend. So werde beispielsweise die Nutzung von Informations- und Kommunikationsangeboten zukünftig eine unterstützende Funktion im ganzen Messeprozeß einnehmen, seien es Online-Shops, Termin-Management-Systeme oder das Business-Center vor Ort. Daneben legten die Kunden insbesondere mehr Wert auf ein hochwertiges Messeumfeld in Bezug auf Infrastruktur und Technik, sowie Zusatzleistungen wie Transport, Hotellerie und Kommunikationstechnologie.
Beim Service müssen Messeaussteller noch dazu lernen
Nach Meinung der Messeaussteller (64 Prozent) steht für den Großteil der Besucher immer noch die Nachfrage nach Informationen zu Produkten und Neuheiten im Vordergrund. Doch nur ein verschwindend geringer Teil der untersuchten Unternehmen bietet aktiv Informationen hierzu an. Auch Informationen zur Planung, Vorbereitung sowie Möglichkeiten zum Dialog werden dem Besucher selten zugänglich gemacht. Dazu meint Serviceforscher Zimmermann:
"Die eigene Position als Dienstleister ist noch nicht deutlich ausgeprägt, zu stark verlassen sich die Messeaussteller auf die Messegesellschaften als Service-Provider."

Während die Messegesellschaften derzeit nur einen individualisierten Massenservice anstreben, hätten die Messeaussteller die Chance, sich mit Service für einzelne Besucher und/oder Besuchergruppen Imagevorteile zu verschaffen. Einen persönlichen Messeguide, einen Abholservice am Eingang, individuelle Wegweiser zum Stand oder Mitarbeiter, die die Besucher von den Gängen zum Stand holen, seien auf deutschen Fachmessen jedoch noch selten zu beobachten. Gerade bei immateriellen Produkten und Dienstleistungen sei es wichtig, den Nutzen für den Kunden klar zu demonstrieren und zu transportieren. Dies ginge nur über die aktive Involvierung des Besuchers, der die Problemlösung quasi am eigenen Leib erfahre. Gefragt seien Baustellen, Workshops, Test-Stationen oder Lernshops statt Präsentationsstände.
Die weichen Faktoren werden nach Einschätzung der Messeaussteller weiter an Wert gewinnen: ruhige Atmosphäre, vertrauensvolle Kommunikation und damit persönliche Erlebnisqualität. Ebenso wie eine effiziente und bedarfsgerechte Information und Beratung der Fachbesucher auf der Messe im Rahmen einer kontinuierlichen Kundenbeziehungsentwicklung,
fasst Dirk Zimmermann die Ergebnisse zusammen. Die Messeaussteller würden zusehends erkennen: Die Bedeutung von besucherorientierten Messeservices wird steigen und verlangt nach bedarfs- und bedürfnisgerechten Angeboten über den Standard hinaus.
Hinweis
Für die Studie wurden bei ausgewählten Messegesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie bei ausstellenden Unternehmen aus den Segmenten Industrie, Handel und Dienstleistung eine Analyse der Serviceangebote im Messeprozess vorgenommen.
Dabei wurden in einer ersten Stufe aktuelle Entwicklungen und zukünftige Anforderungen durch eine Sekundäranalyse von Studien, Fachartikel, Literaturquellen und Expertenaussagen identifiziert. Im zweiten Schritt wurden im Rahmen von telefonischen Interviews mit Messegesellschaften und Messeaussteller die Ansichten der Beteiligten zum Thema Aktuelle Entwicklungen bei Messeauftritten ermittelt.
[dw, Bilder: pixelquelle]
Herausforderung: Pharmabranche vor dem Wandel im Vertrieb
Gastbeitrag von Bodo Antonic, Inhaber der kontur Marketing- und Vertriebsberatung, Linthe*
Herausforderung Verkaufsproduktivität
Politisch gewollt ist die Deckelung des Gesundheitssystems. Diese Randbedingung des Marktes, die mehr und mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, wird von denen durch traditionell geradezu phantastische Marktbedingungen verwöhnten Pharmaverkaufsleitern als eine dramatische Veränderung verstanden. Unabhängig von dem an sich fragwürdigen Einfluss der Politik auf diesen hochgradig durchorganisierten Markt, muss konstatiert werden, dass diese Deckelung an sich sehr wohl in anderen Märkten vorhanden ist. Die die Qualität der medizinischen Versorgung beeinflussende Deckelung des Marktes soll eingedenk der Überalterung unserer Gesellschaft jedoch an dieser Stelle nicht diskutiert werden. So sieht sich die Pharmaindustrie zum ersten Mal mit den klassischen verkäuferischen Herausforderungen, wie sie andere Branchen schon lange kennen, konfrontiert:
- Verdrängung in gesättigten Märkten,
- Steigerung der Verkaufsproduktivität,
- Erkennen und Binden der hochperformanten Verkäufer.
Um in gesättigten Märkten erfolgreich zu verdrängen beziehungsweise weitere Marktanteile hinzugewinnen zu können, werden zumeist zwei, in seltenen Fällen drei Strategien angewandt:
- Mergers & Aquisitions (M&A)
- Hohe Marktpräsenz
- Verkaufsprozesse
So kaufen sich die an sich schon großen und finanziell gut positionierten Unternehmen weitere Marktanteile durch M&A-Aktivitäten hinzu. Der zweite traditionelle Ansatz verlangt ebenso nach einer guten finanziellen Ausstattung. Mittels einer hohen Marktpräsenz durch hervorragend ausgestattete Verkaufsmannschaften sowie einem ressourcenintensiven Umgang mit promotiven Mitteln werden Kunden dazu gebrachtt, sich dem jeweiligen Marktteilnehmer zuzuwenden. Erstaunlich ist, dass der dritte Weg, der gezielte Nutzen von Verkaufsprozessen, kaum beschritten wird. Die dabei relevanten Verkaufsprozesse müssen je nach Verkaufsumfeld des Klientenunternehmens folgende Bereiche abdecken:
- Verkaufen in Standardsituationen,
- Key Account Management,
- Chanel Partner-Vertrieb.

Kommen geeignete Prozesse zur Anwendung, so sind die Ergebnisse eine deutlich gesteigerte Verkaufsproduktivität, eine höhere Transparenz sowie eine optimierte Genauigkeit der Vorhersage. Sekundäre Effekte, die sich en passant einstellen, dürfen jedoch nicht unberücksichtigt bleiben, da sie für den Alltag des Verkäufers und seiner Vorgesetzten positive Effekte mitbringen. Verkaufsprozesse sind im Zusammenspiel mit dem empathischen Vermögen des Verkaufspersonals der Garant für das schnelle Erkennen der Rendite erzeugenden Kunden und richtigen Verkaufsziele. Darüber hinaus führen Sie zu einer Fokussierung auf den Kundenwunsch, der in den Mittelpunkt der Handlungen gestellt wird. Weitere Effekte sind:
- High Potentials lassen sich besser erkennen,
- Mitarbeiterfluktuation der Hochleistungsmitarbeiter reduziert sich,
- Die Führenden erhalten ein Indikatorsystem, welche Mitarbeiter an welcher Stelle zielgerichtet gefördert werden müssen.
Wie lassen sich dadurch nun Dramen in Chancen umwandeln? Zum einen muss konstatiert werden, dass der rechtzeitige Einsatz von Verkaufsprozessen vor entsprechenden Aktivitäten des Mitbewerbs schlichtweg dem Vertrieb einen zeitlichen und qualitativen Vorsprung verleiht, der sich letztendlich in gesteigerten Umsätzen, verbesserten Renditen und einer somit gestiegenen Verkaufsproduktivität ausdrückt. Zum anderen, indem die Bedrohung als Herausforderung zur Veränderung verstanden wird, die dem Unternehmen die Chance zur Weiterentwicklung bietet. Es ist also nicht die Anwesenheit von Veränderungen und Herausforderungen, die uns zum Schwitzen bringen sollte, sondern die Abwesenheit von äußeren und inneren Auslösern, die gefährlich werden können.
Prämiensysteme: Neues Prinzip der Vertriebssteuerung
Ein Blick auf die pharmazeutische Industrie zeigt: Vertriebssteuerung erfolgt primär über die Schlüsselkennzahl Umsatz. Dabei wird der persönliche Umsatz des Mitarbeiters als Bewertungsgrundlage herangezogen. Angeblich werden die Mitarbeiter mittels der marktüblichen variablen Einkommensanteile motiviert. Dieses Verfahren hat sicherlich den Vorteil, dass es leicht zu erfassen und zu messen ist. Jedoch führt es nach dem Prinzip des Was man sät, das erntet man eben auch genau zu dem, was sich dann quer durch alle Branchen als Ergebnis zu beobachten ist Umsatz. Umsatz hat jedoch mit Verkaufsproduktivität verhältnismäßig wenig zu tun.

Was ist nun in Anbetracht der anstehenden Gesundheitsreform (§ 305 SGB V) zu tun, wenn plötzlich keine Umsatzzahlen mehr zur Verfügung stehen? Ein erschreckendes Szenario: 20 Außendienstmitarbeiter in einer Umsatzregion, denen keine persönlichen Umsatzzahlen zugewiesen werden könnte zur Folge haben, dass keiner mehr etwas arbeitet, sondern sich alle auf den Leistungen der Kollegen ausruhen. Es gibt jedoch auch Chancen: Zum einen kann das Zusammenspiel der Verkäufer als Team eine große Dynamik entwickeln Eine Teamprämie zum Beispiel könnte ein deutlich stärkeres Miteinander bewirken. Die positiven Folgen: Ein deutlich verbesserter Austausch kundenrelevanter Daten sowie und dies ist nicht zu vernachlässigen eine signifikant bessere Stimmung und Motivation in der Verkaufsmannschaft.
Jedoch sollte ein allzu fröhliches und gemeinsames Kuscheln vermieden werden. Das könnte der Mitbewerb sofort ausnutzen. Daher gilt es, im Sinne einen gesunden Wettbewerb unter den Mitarbeitern zu fördern. Nur dieser wird die Organisation als Ganzes nach vorne bringen. Doch wie kann das ohne Umsatzzahlen funktionieren? Die Antwort liegt in den Verkaufsprozessen. Sie liefern Schlüsselkennzahlen, die in die Zukunft weisen und die Performance des einzelnen Verkäufers transparent machen. Das können sein:
- Gesundheit des Verkaufstrichters,
- Qualität und Quantität der erzielten Gewinne,
- Qualität und Quantität des Kundenkonzeptes.
Bei der Präsentation im Team-Meeting lässt sich so sehr schnell erkennen, welcher von den Kollegen seinen Teil zur Gesamtleistung beiträgt oder wer die Gruppenprämie gefährdet. Es ist also sinnvoll, individuelle und gruppenbezogene gekoppelte Prämiensysteme als neues Prinzip der Vertriebssteuerung einzuführen. Den Rest erledigen gruppendynamische Effekte, ohne dass die Verkaufsleitung eingreifen muss.
Paradigmenwechsel für den Verkauf
Auch hier hält das aktuell in der Diskussion stehende Referentenpapier zur Gesundheitsreform einige Besonderheiten für die am Verkauf Beteiligten bereit. So wird zum Beispiel das direkte Kontraktierungsrecht zwischen den Parteien Pharma, Arzt, Apotheke und Krankenkassen erweitert. Damit soll, so die Intention des Gesetzgebers, die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden. Leider ist bisher keine der Vertragsparteien dazu wirklich in der Lage. So verfügen nur wenige über Prozesse, die eine effiziente Abwicklung gewährleisten können. Zudem stellt sich die Frage, ob dies auch an sich gewollt sein kann, denn die Kernkompetenzen des Arztes und der Apotheker liegen in der medizinischen Versorgung und nicht in der preislichen Ausgestaltung von Individualverträgen.
Dennoch wird diese Reform mehr oder weniger umgesetzt werden. Für die Pharmaindustrie bedeutet das: Hätte sie früher auf den sich ankündigenden gesteigerten Verkaufseinfluss der Krankenkassen reagiert, so müsste würde sie sich heute leichter mit diesen Veränderungen tun. Die Lernbotschaft für alle im Verkauf Tätigen, auch jenseits der pharmazeutischen Industrie, muss also lauten:
- Potenzielle Gefahrenmomente antizipieren,
- das Buying Center analysieren,
- sich nicht auf dem Status quo ausruhen,
- Kreative Unruhe gezielt als Führungselement zur Steigerung und Sicherung der Produktivität nutzen.
Die zentrale Herausforderung der pharmazeutischen Industrie ist der Aufbau von Außendienstmannschaften die in die Lage versetzt werden, Krankenkassen als Chanel Partner beziehungsweise Key Accounts zu verstehen und effektiv und effizient zu betreuen. Dieser Paradigmenwechsel Verkauf statt Lobbying zieht zugleich ein verändertes Mitarbeiterprofil nach sich: Eine tief gehende Prozesskompetenz in Bezug auf Krankenkassen sowie ein nicht zu verachtendes Komposit aus juristischem, verkäuferischem und medizinischem Grundwissen.
Die pharmazeutische Industrie steht wie andere Branchen nun auch vor einem Potpourri an Veränderungen. Den medizinischen Märkten geht es jetzt so wie anderen Branchen in der Vergangenheit, die es verpassten, sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen. Die Ursachen liegen in den aus der Sicht der Rentabilität nicht akzeptablen Gründen wie beispielsweise dem Erhalten von Pfründen. Es liegt in der Eigenart des Menschen, nach Ruhe und selten nach Veränderung zu streben. Das Ausblenden des evolutionären Drucks ist ein probates Mittel, um sich eine Wirklichkeit zu erschaffen, in der es keine Fressfeinde und Bedrohungen gibt. Die Lösung: Führungskräfte müssen für eine kreative Unruhe sorgen.
Zudem muss der prozessuale Gedanke im Verkauf eine größere Rolle spielen. Will man Produktivität erzeugen, wird Transparenz und Messbarkeit und nicht die Glorifizierung des angeblich nahezu mystischen Vorgangs Verkaufen benötigt. Der Nutzen der Verkaufsprozesse trägt somit zur Produktivitätssteigerung, zur Emanzipation der Beteiligten sowie zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei.
*Kontakt:
die kontur Marketing- und Vertriebsberatung
Deutsch Bork 24
14822 Linthe
Tel.: 033748-21248
E-Mail: bodoantonic@vertriebsprozess.com [125]
Web: www.die-kontur.com [126]
[Bilder: aboutpixel]
Vertrauen: Empfehlungen durch Kunden fördern
Menschen wollen und müssen vertrauen. Ohne Vertrauen wäre in dieser Welt kein einziger Schritt möglich. Gerade in Zeiten lockerer Bindungen und hoher Komplexität nimmt die Bedeutung von Vertrauen als Basis tragfähiger Beziehungen zu. Dort, wo beispielsweise Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern hauptsächlich per E-Mail oder Telefon kommunizieren, weil Entfernungen nur noch virtuell überbrückbar sind, verbindet sie vor allem eines - Vertrauen. Unternehmen leben vom Vertrauen ihrer Mitarbeiter und Kunden. Vertrauen ist vor allem immer dann unabdingbar, wenn sich Menschen nicht regelmäßig sehen können. Wo die Zeit nicht reicht oder das Wissen fehlt, um eine Sache zu durchleuchten, ist Vertrauen der beste Kitt. Und auch wenn wir von Unbekannten aus dem Internet etwas kaufen gibt es nur eine Chance: Vertrauen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist nicht besser!

Vertrauen ist wie Geben und Nehmen ein Tauschgeschäft . Vertraust Du mir, dann vertrau ich Dir. Nur: Genau umgekehrt müsste es lauten, denn Vertrauen beginnt am besten mit einem Vertrauensvorschuss. Im ersten Schritt wird Vertrauen geschenkt. Es macht den stark, der diesen Schritt zu gehen wagt. Denn er hat die Angst vor der eigenen Verwundbarkeit besiegt. Vertrauen steigert das Tempo, sein feiger Gegenspieler, die kleinliche Kontrolle, verlangsamt es. Weniger Administration bedeutet demnach mehr Zeit für die eigentliche Arbeit. Aus diesem Grund sind bürokratische und hierarchische Strukturen auf verlorenem Posten. Sie werden den Wettlauf um die Zukunft verlieren.
Die Gesellschaft der Zukunft ist zum Vertrauen verurteilt,
schreibt der Philosoph Peter Sloterdijk. Vertrauen macht schnell - und gut. Mitarbeiter teilen ihr Wissen nur dann, wenn sie einander vertrauen können. Vertrauen öffnet und macht kreativ. Nur in Vertrauenskulturen können die ganz großen Würfe gelingen. Und die benötigen wir, denn es werden nur Spitzenleistungen weiterempfohlen. Doch nur Spitzenleister erbringen auch Spitzenleistungen. Wer empfohlen werden will, braucht also ein exzellentes Image und hoch qualifizierte Mitarbeiter, die nicht nur fachlich, sondern auch emotional gut drauf sind.
Wer anderen vertraut, wirkt selbst vertrauenswürdig. Wer dagegen zu Misstrauen neigt, weckt gleichzeitig Misstrauen bei anderen. Diese nehmen sich nun ebenfalls in Acht und Vorsicht macht sich breit. Wo Vertrauen fehlt, regieren Unsicherheit und Angst. Doch Angst blockiert und macht krank. Ein Leben in Dauerstress ist schlimmer, als gelegentlich enttäuscht zu werden.
Der Misstrauische verspielt nicht nur Gewinne, die eine Zusammenarbeit womöglich eingebracht hätte, sondern vermeidet am Ende jeden Kontakt,
meint der Soziologe Rainer Paris. Das ist eine Situation, die wir im Empfehlungsmarketing nun wirklich nicht brauchen können. Vertrauen schenken ist mit Risiken verbunden, doch die Vorteile überwiegen. Blauäugigkeit ist damit aber nicht gemeint, das wäre naiv. Intelligent ist, dem wachsamen Vertrauen eine Chance zu geben. Spieltheoretische Analysen weisen immer wieder nach, dass derjenige erfolgreich mit Anderen zusammenarbeitet, der zunächst vertrauensvoll in eine solche Beziehung investiert und sich danach immer so verhält, wie sein Gegenüber.
Das lehrt die Spieltheorie
Die menschliche Erfahrung zeigt: Wer Vertrauen erhält, tut alles, um es zu behalten. Denn es fühlt sich gut an. Je größer das Anfangsvertrauen, umso feindseliger reagiert der, der sich getäuscht oder betrogen fühlt. Vertrauen ist ein zartes Pflänzchen: Lange Wachstumsphase und schnell zerstörungsanfällig. Ein Vertrauensmissbrauch ist eher die Ausnahme. Doch wenn er vorkommt, trifft er uns tief. Deswegen tun wir alles, um uns dagegen zu schützen. In vorauseilendem Argwohn überreagieren wir mit drakonischen Kontrollmaßnahmen noch bevor es überhaupt zu einem Vertrauensmissbrauch kommt. Damit werden auch alle die Mitarbeiter und Kunden bestraft, die eigentlich unser Vertrauen verdient hätten.
Hinweis
Vertrauen sollte am besten im Rahmen festgelegter Spielregeln geschenkt werden. Falls dann ein Vertrauensmissbrauch eintritt, sollte er als Regelverstoß konsequent geahndet werden. Das ist wie beim Fußballspiel. Es gibt ein Spielfeld und Regeln. 99 Prozent der Spielzüge sind korrekt. Nur ab und an kommt es zu einem Foulspiel. Dafür gibt es eine Verwarnung, die gelbe, oder einen Platzverweis, die rote Karte.
Ein Schiedsrichter ist in einer solchen Phase klar und deutlich in seinen Gesten.
Ich pfeife das Spiel erst wieder an, wenn der verwarnte Spieler mir in die Augen gesehen hat und ich erkennen kann, dass er meine Entscheidung annimmt.
Das sagt einer der ehemalig weltbesten Schiedsrichter, Urs Meier aus der Schweiz. Aus dem Gesagten lässt sich ein Fazit formulieren:
- Biete Kooperation zunächst immer auf Basis von Vertrauen und im Rahmen eines abgesteckten Spielfelds an!
- Wenn dies mit kooperativem Vertrauen erwidert wird, mache so weiter!
- Wenn es nicht erwidert wird, handle konsequent und entziehe Vertrauen!
- Unterbreite nach einer Weile ein erneutes Vertrauensangebot - Gib die zweite Chance!
- Bestrafe nicht 98 Prozent Gute wegen 2 Prozent schwarzer Schafe!
Ein Vertrauensvorschuss ist gerade in der Anfangsphase einer Zusammenarbeit sehr wichtig. Daraus entwickelt sich eine Kraft, die viel Positives bewirkt. Ständiges Misstrauen dagegen zerstört. Reinhard K. Sprenger meint dazu in seinem Buch:
Wenn wir andere ängstlich überwachen, überwachen wir uns schließlich selbst, weil die Mauern, die wir für andere bauen, uns schließlich selbst umgeben.
Stichwort
Der promovierte Philosoph und Managementberater Reinhard K. Sprenger beschäftigt sich in seinem Buch Vertrauen führt. Worauf es im Unternehmen wirklich ankommt [127] mit der Essenz kompetenter Unternehmensführung, sprich Vertrauen.

Vertrauen ist die Basis jeder Empfehlung. Empfehlungsgespräche sind immer vertrauensvolle Gespräche, denn man vertraut dem, den man gut kennt. Vertrauen bedeutet, sich auf jemanden auch unbesehen - verlassen zu können. Vertrauen kann sogar Verstehen ersetzen, denn es ist die Brücke zum Neuland. Wenn wir das sichere Ufer des Bekannten verlassen müssen und uns in die Ungewissheit einer neuen Erfahrung begeben, zum Beispiel bei jedem Kauf, dann hilft uns Vertrauen unseren biologischen Abwehrreflex zu unterdrücken und Neugier überwiegen zu lassen: Soll ich oder soll ich nicht? Jetzt oder später? Bei diesem oder einem anderen Anbieter?
Vertrauen erfordert Mut. Insofern helfen uns wohlgesonnene Dritte, weil deren ausgestreckte Hand den Zaudernden vertrauensvoll führt. Empfehler sind das Bindeglied zwischen Gewohntem und Ungewissem. Sie legen die Trittsteine und machen den Weg sicher. Genau deshalb ist ein empfohlenes Geschäft auch so einfach abzuschließen. Der Vertrauensbildungsprozess beim Kunden setzt sich aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammen. Er braucht vor allem Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz und eingehaltene Versprechen. Ohne Verlässlichkeit kein Vertrauen. Mangelnde Transparenz schürt Misstrauen und dies öffnet Tür und Tor für negatives Gerede.
Ohne Vertrauen keine Empfehlung
Vertrautheit kann nicht aufgebaut werden, wenn bei jedem Vertriebsbesuch ein neuer Mensch auftaucht oder sich am Telefon alle zwei Monate eine neue Stimme meldet. Vertrauen schafft sicher auch nicht, wer wichtige Kundenprozesse an mangelhaft geschulte Call-Center-Agenten outsourct, Preisspielchen spielt oder Kundenadressen unerlaubt weiter verkauft. Vertrauen auf Kundenseite muss sich entwickeln. Das kostet Zeit, doch die ist gut investiert. Übrigens: Auch beinharte Kontrolle kostet. Zeit, Geld und vor allem Mitarbeitermotivation. Die so wichtige kundenfokussierte Einstellung lässt sich nicht verordnen, ein Lächeln nicht befehlen und schon gar nicht kontrollieren. Eine Bäckerei-Verkäuferin sagte einmal:
Wir müssen hier freundlich sein, wir werden nämlich heimlich kontrolliert.
Das Ergebnis dieser Arbeitssituation: Man vermutet, jeder Kunde könnte ein Aufpasser sein und behandelt ihn dementsprechend. Mit aufgesetzter Höflichkeit und einem verkniffenem Mund. Kein guter Grund zum Weiterempfehlen!
Positive Erfahrungen bauen ein Vertrauenspolster auf. Es macht uns stark und gibt uns Selbstvertrauen. Und es lässt uns die eine oder andere Enttäuschung verkraften. Vertrauen in ein Produkt oder eine Dienstleistung kann besonders gut über eine vertrauenswürdige Person aufgebaut werden. Oder über den guten Ruf einer Marke. Aldi und Ikea zum Beispiel haben zu ihren Kunden ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Ohne Vertrauen wird es keine einzige Empfehlung geben. Mitarbeiter, die kein Vertrauen erhalten, können dem Kunden auch keines vermitteln. Und wer es als Kunde nicht spürt, wird auch keine vertrauensvollen Empfehlungen aussprechen können. Vertrauen ist der Anfang von Allem.
Misstrauen entsteht durch:
- Unhöflichkeit
- Unfreundlichkeit
- Falschheit
- Vertrauensmissbrauch
- Lästern
- Missachtung
- Intoleranz
- Verschlossenheit
- Manipulation
- unberechtigte Kritik
- Drohungen
Vertrauen entsteht durch:
- Höflichkeit
- Freundlichkeit
- Integrität
- Loyalität
- Ehrlichkeit
- konsequentes Handeln
- Zuverlässigkeit
- Toleranz
- Offenheit
- Großzügigkeit
- Anteilnahme
Reorganisation: Prozesse im Vertrieb werden neu gestaltet
Gastbeitrag von Bodo Antonic, Inhaber der kontur Marketing- und Vertriebsberatung, Linthe*
Zunehmend setzt sich auch im durch gute Margen verwöhnten Pharmabereich das Bewusstsein durch, das Verkaufsproduktivität eine große Bedeutung hat. Wo Umsätze früher automatisch kamen, muss heute mit bisweilen harten Bandagen um Marktanteile gekämpft werden. Zusätzlich steigen die Kosten. Peak Oil, das Fördermaximum der Erdölproduktion, wird in den nächsten zehn Jahren eine enorme Bedeutung erfahren, da die Kfz-Kosten einen großen Anteil an den Gesamtkosten eines Außendienstmitarbeiters ausmachen werden. Vor dem Hintergrund geänderter Marktsituationen werden Verkaufsprozesse daher künftig überdacht und hinsichtlich ihrer Produktivität angepasst werden müssen.
Dem Verkauf fehlt der Prozess
In einer 2005 publizierten Studie der Unternehmensberatung Proudfoot wurde auf den geringen Teil der Arbeitszeit hingewiesen, die ein Außendienstmitarbeiter beim Kunden verbringt. Die Zahlen des allgemeinen Branchendurchschnitt ergeben, dass der Verkäufer nur etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit beim Kunden verbringt. Eingedenk der allgemein akzeptierten Tageskosten eines Verkaufsmitarbeiters (Angaben je nach Branche und Quelle bis zu 1.500 Euro), ergibt sich so ein katastrophales Bild der Verkaufsproduktivität. Dies wird drastische Folgen in den nächsten Jahren haben: Mehr denn je ist von einem deutlichen Umbau der Verkaufsaußendienstmannschaften hinsichtlich Anzahl, Struktur und Qualität auszugehen.
Nimmt man diese Grundannahmen als gegeben und richtig hin, so ergibt sich die Frage, wie diese Umstrukturierungen aussehen sollen. Zwei Schlüsselbereiche sind aus der Sicht des Autors als kritische Faktoren auf dem Weg zu höherer Produktivität im Verkauf zu benennen:
- Vorhandensein eines Verkaufsprozesses
- Coaching der Mitarbeiter durch die Führungskräfte
Kaum ein Bereich im Unternehmen wird nach wie vor so wenig prozessorientiert geführt wie der des Verkaufs. Für nahezu alle Elemente der Wertschöpfungskette gibt es Prozesse, Vorschriften zum Qualitätsmanagement im jeweiligen Bereich für den Verkauf gibt es dahingehend fast nichts. Oft ergeben sich auf die Frage nach dem Ordner mit der Beschreibung der Verkaufsprozesse Antworten, die den Schluss nahe legen, dass Verkauf durchaus Ähnlichkeiten mit dem Mysterium einer Black Box habe. Damit wird sicherlich treffend das Phänomen des Beziehungsaufbaus auf emotionaler Ebene zwischen Kunden und Verkäufer beschrieben.
Dieses zweifelsohne schwer zu beschreibende Phänomen des Rapports ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit und zwingt den Arbeitgeber des Außendienstmitarbeiters in die ungewünschte Rolle der Passivität, da nicht die Unternehmung die eigentlichen Informationen über den Kunden besitzt, sondern der konkrete Mitarbeiter. Dies führt bisweilen zu massiven Umsatzeinbrüchen, die insbesondere den zentral bedeutsamen Key Accounts großes Kopfzerbrechen bereiten.
Fokus Kunde statt Fokus Produkt
Kommt es aus Gründen wie Personalfreisetzung oder beruflicher Veränderung des Mitarbeiters zu einer Unterbrechung der kontinuierlichen Kundenbeziehung, fällt der Arbeitgeber nicht selten in ein tiefes Beziehungsloch. In diesem sitzt er dann so lange, bis ein neuer Verkäufer die Beziehungspyramide beim Kunden wieder mühsam erklommen hat. Die Folgen sind finanziell schmerzhaft, zumal der positive Ausgang ungewiss ist.
Diese Art und Weise, mit Kundeninformationen umzugehen, kann nach dem Prinzip des wer handelt, der handelt nur folgendermaßen verstanden werden: Es ist offensichtlich wichtiger, die bisweilen als unangenehm aufgefassten Veränderungsprozesse nicht anzustoßen, als den Begriff des Kundenwerts als Teil der Unternehmensbilanz auch zu leben. Das heißt im Klartext: Die Unternehmen verschwenden durch diese Art der Kundenführung Werte, die, monetär ausgedrückt, sicherlich im Bereich zehnstelliger Summen liegen dürften.
Was heißt das für ein modernes Verständnis des Begriffs Verkaufen? Sowohl Mitarbeiter als auch Arbeitgeber müssen aus der Falle des Beziehungsverkaufs aussteigen. Erst die gelebte Definition des Kunden als Geschäftspartner, der nicht nur auf persönlich-emotionaler Ebene abgeholt, sondern auch im Sinne eines B2B-Vorgangs kontaktiert werden muss, bringt den notwendigen Schub. Schlagen Anbieter und Mitarbeiter diesen Weg ein, ergeben sich zahlreiche neue Ansätze zur Kundenbetreuung. Potentielle Zusatzleistungen können sein:
- betriebswirtschaftliche Analyse der Praxis,
- Optimierung der Arbeitsabläufe der ärztlichen Praxis,
- Potentialbetrachtungen des Patientenmarktes oder
- Wirtschaftlichkeitsanalysen von Ambulanzen.
Anstatt mit der bisher praktizierten und kostenintensiven Produkt-Push-Bewerbung, rückt der Kunde mit seinen Bedürfnissen, seinen persönlichen Wünschen und angestrebten Geschäftsresultaten in den Vordergrund.
Verkaufsprozesse als Emanzipation der Beteiligten
Es gibt einen weiteren Grund, sich mit modernen Verkaufsprozessen auseinanderzusetzen. Moderne Verkaufsprozesse beinhalten allesamt die Idee des Buying Centers. Sie wurde erstmalig durch Miller und Heiman zusammen mit der Harvard Business School in Umlauf gebracht. Ihr geht es darum, die Gesamtheit aller Kaufbeeinflusser zu kontaktieren und eine win-win-orientierte Zusammenarbeit mit ihnen einzugehen. Für die Pharma- und die Medizintechnikbranche bedeutet dies unter anderem eine Optimierung der Kommunikation mit den Leistungskostenträgern. Kooperation und Kommunikation werden jedoch recht oft nur als notwendiges Übel wahrgenommen.
Mit dieser Einstellung wird der Sündenbock für geringe Verkaufsabschlüsse außerhalb gefunden und die eigene Organisation dadurch per se freigesprochen. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf diesen Markt, bietet jedoch für die Marktteilnehmer, die sich zu einer anderen Politik entschließen oder bereits entschlossen haben, einen deutlichen Produktivitätsvorsprung. Das vernetzte Denken im Buying Center gibt somit den Unternehmen handfeste Vorteile hinsichtlich Umsatz, Rendite und Produktivität.
All diese Dinge können durch den Verkaufsprozess geleistet werden. Doch soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Einführung eines solchen durchaus zu Widerständen führen kann, denn im Verlauf des Prozesses werden Schwachstellen aufgedeckt und Transparenz erzeugt. Eine Transparenz, die durchaus nicht immer erwünscht ist. Die Herausforderung an das Management und die Mitarbeiter, mit dieser Transparenz umzugehen, ist nicht zu vernachlässigen. Doch bietet sie enorme Chance für Alle.
Aus Transparenz kann eine Kreativität entstehen, die den Kunden, dem Unternehmen sowie den Mitarbeitern, zu Gute kommt. Kreativität wird das Unternehmen in seiner Entwicklung nach vorne bringen, da Kundenwünsche schneller detektiert werden und ebenso beschleunigt zur marktreifen Umsetzung kommen. Somit stellt die Einführung der Verkaufsprozesse auch eine Emanzipation aller Beteiligten dar. Die sicherlich zu beobachteten Widerstände lassen sich durch Möglichkeiten des Systemischen Coachings beziehungsweise der Systemischen Beratung moderieren. Eine erfolgreiche Prozesseinführung bedenkt hierbei die Schnittstellen zu allen anderen beteiligten Abteilungen und lässt sich durch sorgfältige Planung und Moderation des Change Prozesses erreichen.
Coaching gegen Personalfluktuation
Was lässt Mitarbeiter ihr Optimum an Produktivität erreichen? Neben dem Faktor Motivation der regelmäßig im Engagement-Index des Gallup Institutes abgebildet wird ist insbesondere der Aspekt des Coachings zu nennen. Coaching von Mitarbeitern führt zu mehreren positiven Effekten:
- Die Mitarbeiter schätzen die Aufmerksamkeit ihres Arbeitgebers und so die Bedeutung der eigenen Person und Schaffenskraft.
- Mitarbeiter verstehen Coaching als Chance zur Weiterentwicklung in ihrem beruflichen Dasein.
- Dies leistet einen positiven Beitrag zu ihrer Motivation und hoch produktive Kräfte können besser ans Unternehmen gebunden werden.
- Coaching fördert die Mitarbeiter an den Stellen, an denen sie ihre Leistungsreserven noch nicht vollständig nutzen.
Doch wie erkennt man diese neuralgischen Punkte? Eingedenk der Tatsache, dass die meisten Führungskräfte zumeist keine Ausbildung zum Coach besitzen und ihre Aufgabe als Führungskraft oftmals auch weitaus hierarchischer definiert ist, zeigen Verkaufsprozesse hier ein weiteres Mal ihre Stärke: Mit ihren Schlüsselkennzahlen ermöglichen sie individuelle Aufspüren der Leistungsreserven. Sind diese bestimmt, so lässt sich durch Nutzung klassischer Schulungs- und Trainingsmaßnahmen sowie durch das für Change Prozesse vorteilhafte Systemische Coaching die Produktivität der Leistungsträger deutlich steigern.
*Kontakt:
die kontur Marketing- und Vertriebsberatung
Deutsch Bork 24
14822 Linthe
Tel.: 033748-21248
E-Mail: bodoantonic@vertriebsprozess.com [128]
Web: www.die-kontur.com [129]
Empfehlung: Renaissance der Mundpropaganda
Die Grenzen der klassischen Werbung (TV, Radio, Print, Plakat) sind erreicht. Obwohl die Werbebudgets weiter kräftig steigen und der Werbedruck ständig erhöht wird, sinkt die Wirkung dramatisch. Wir Verbraucher sind kaum noch zu begeistern. Fernsehspots sind Wohnzimmer-Spam, ein Anzeigen-Studium Zeitverschwendung. Mailings sind Briefkasten-Spam, Werbe-Anrufe ziehen gar nicht. Gegenüber den meisten Werbeformen sind wir inzwischen immun. Wir schauen nicht mehr hin und hören nicht mehr zu. Wir fühlen uns gestört, sind gelangweilt und lassen uns nicht länger täuschen.
Menschen hören eher auf Freunde als auf Werbung. Eine glaubwürdige Empfehlung ist jeder Werbesendung deutlich überlegen. Gerade in turbulenten Zeiten leihen wir unser Ohr vor allem denen, die uns nahe stehen, denen wir wirklich vertrauen können und die ihre praktischen Erfahrungen wohlwollend mit uns teilen: verlässlichen Empfehlern. Eine fundierte Empfehlung hat manchmal geradezu magische Anziehungskraft. Gut gestreut und in das richtige Umfeld gebracht, löst sie Wellen weiterer Empfehlungen aus.
Das Empfehlungsmarketing - einst nur die meist lästige und oft auch penetrante Frage nach ein paar Adressen - hat sich mächtig weiterentwickelt. Pfiffige, bislang noch wenig beanspruchte Werbeformen und insbesondere das Internet eröffnen heute völlig neue Perspektiven in Sachen Mundpropaganda. In meinem Beitrag möchte ich folgende Schwerpunkte setzen:
- Guerilla-Marketing
- Buzz-Marketing
- Viral-Marketing
So funktioniert Guerilla-Marketing
Hinter diesem martialisch klingenden Begriff steckt ein offensives Marketing der Überraschungen. Guerilla-Marketing setzt auf brain statt Budget, auf große Ideen für kleine Portemonnaies. Ursprünglich wurde Guerilla-Marketing als Waffe für Firmen mit knappen Werbegeldern im Kampf aus dem Hinterhalt gegen die ganz Großen entwickelt. Inzwischen wird es auch von Weltmarken genutzt, um mit unkonventionellen Methoden Aufmerksamkeit zu erzielen und eine öffentliche Diskussion anzuregen.
Beispiele
Legendär ist das Bild des Leichtathleten Linford Christie mit den Puma-Augen anlässlich der Präsentation einer Sport-Ausrüstung für die olympischen Spiele in Atlanta. Das Foto mit den Logo-Kontaktlinsen des Sportartikelherstellers ging um die ganze Welt und erreichte ein Interesse, das mit klassischer Werbung so nie möglich gewesen wäre zu einem Bruchteil der Kosten.
Tribis, eine Schweizer Hundeschule aus Bubikon, machte beispielsweise wie folgt auf sich aufmerksam: Wenn Hundebesitzer nach dem Einkaufen zu ihrem vor dem Laden angebundenen Hund zurückkehrten, bekamen sie einen Schrecken. Ihr Vierbeiner hatte einen Stofffetzen zwischen den Zähnen, der wie ein Stück Hosenbein aussah. Erst bei näherem Hinsehen konnten sie auf dem Jeansstoff lesen:
Glück gehabt, das ist nur ein Fetzen Werbung. Falls Sie aber ernsthaft an den Manieren Ihres Lieblings gezweifelt haben, wird es Zeit für einen Termin bei uns.
Die Resonanz war gewaltig. In kürzester Zeit waren die Kurse ausgebucht, so dass die Aktion vorzeitig gestoppt werden musste. Kleines Budget, pfiffige Idee, große Wirkung!
Der Autovermieter Sixt nutzt beispielsweise ganz bewusst provokante Werbemotive mit dem ausdrücklichen Ziel, eine hohe Medienresonanz zu erreichen. Abmahnungen werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sind geradezu erwünscht. Eine Gefahr im Guerilla-Marketing ist die mangelnde Kontrollierbarkeit. Zu den Kernaufgaben derartiger Aktionen zählt, für Agitationen zu sorgen. Das kann sowohl die Befürworter mobilisieren, die sich schützend vor die Marke stellen, als auch Gegner auf den Plan rufen, die die Marke beschädigen.
Letzteres hat die Automarke Chevrolet bei ihrem Geländewagen Tahoe zu spüren bekommen. Chevrolet stellte eine Internetseite online, die es den Besuchern ermöglichte, Videoclips mit eigenen Werbesprüchen zu vervollständigen. Viele Teilnehmer haben diese Gelegenheit genutzt, um sich auf ironische Weise über den hohen Benzinverbrauch der Autos lustig zu machen. In einem der Clips fährt der Tahoe durch eine Wüstenlandschaft. Ein zynischer Slogan zum Clip lautet:
"Das Öl unseres Planeten ist beinahe aufgebraucht. Man benötigt kein GPS, um zu sehen, wohin uns dieser Weg führt.
Das zeichnet Guerilla-Marketing aus:
- Gut gemachte Guerilla-Marketing-Aktionen sind kreativ, mutig und frech, laut und rebellisch, idealerweise spektakulär.
- Sie kommen überraschend und meist unangekündigt aus dem Nichts daher und verschwinden dann wieder.
- Sie polarisieren und bringen sich so ins Gespräch.
- Man mag sie oder man mag sie nicht – Hauptsache, man redet über sie.
- Ihre Wirkung ist meist emotionaler Natur und damit auch nachhaltiger als konventionelle Werbung.
- Als einmaliges und meist unterhaltsames Ereignis sorgt Guerilla Marketing für eine selbständige Weiterverbreitung der Botschaft per Mund-zu-Mund-Propaganda über das Internet und oft auch über die Presse.
So funktioniert Buzz-Marketing
Aus den USA schwappen derzeit ganz neue Formen der Mundpropaganda zu uns herüber. Sie entstehen nicht aus dem good will, den zufriedene Kunden ihrem Anbieter mehr oder weniger uneigennützig entgegenbringen, sondern sie werden durch spezialisierte Agenturen planmäßig initiiert. Solche gibt es inzwischen auch in Deutschland gibt und deren Kampagnen müssen bezahlt werden.
Solche Buzz-Agenturen haben so genannte Buzzer (to buzz = ausschwärmen) in ihrer Datenbank, die vorgegebene Produkte zwar gezielt, aber dennoch zwanglos in ihrem Umfeld ins Gespräch bringen. Die ausgewählten Agenten bekommen Produktmuster und Anleitungen für die Kundenansprache. Sie arbeiten unentgeltlich und unterliegen keinem Zwang. Sie tun und sagen, was sie wollen.
Buzzen ist für sie eine Chance, mit Spaß an einen Informationsvorsprung zu kommen, ihr Geltungsbedürfnis zu nähren, anderen zu helfen oder Einfluss zu nehmen. Das bringt Selbstbewusstsein und Prestige. Buzzer sind also in aller Regel Selbstdarsteller und Vorreiter, ihre Opfer sind Leute, die dazugehören wollen oder Angst haben, den Anschluss zu verlieren. Außerdem können Buzzer neue Produkte testen, bevor sie auf den Markt kommen und so an deren Entwicklung teilnehmen. Oder sogar noch notwendige Änderungen anschieben.
Beispiel
Wie Buzz-Agenten den anvisierten Kunden ein Produkt im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft machen können, wurde bei einer neuen Wurstsorte der Marke Al Fresco deutlich. Dem produzierenden Unternehmen Kayem Foods war es mit herkömmlichem Marketing nicht gelungen, sein Produkt auf die Teller der amerikanischen Verbraucher zu bekommen. So wurde eine Truppe von Buzz-Agenten angeheuert. Sie organisierten Grillfeste, priesen die neue Wurst in Supermärkten und Grillstuben, erzählten Freunden und Verwandten davon, fragten nach der Wurst in allen möglichen Läden und beschwerten sich, dass sie dort nicht im Regal lag. So setzte eine glühende Nachfrage ein, die Verkaufszahlen schossen in die Höhe und der Umsatz stieg unmittelbar nach der Kampagne um 1,2 Millionen Dollar.
Bei dieser neuen Form der Mundpropaganda bleibt abzuwarten, ob die jeweiligen Zielpersonen die aktivierten Werber wirklich als uneigennützig und glaubwürdig erleben und den mehr oder weniger gut gemeinten Ratschlägen vertrauensvoll folgen werden. Oder aber ob sie darin einen neuen subversiven Versuch sehen, mit Tricks und Tücken insgeheim getäuscht und verführt zu werden.
So funktioniert virales Web-Marketing
Das Internet ist nicht nur ein effizienter, sondern auch ein vergleichsweise kostengünstiger Empfehlungsgenerator mit hoher Reichweite. Mund-zu-Mund-Werbung im Internet funktioniert auf subtile Weise und ist oft nur auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Sie kann durch puren Zufall entstehen oder von einem Unternehmen gezielt gestartet werden. Ein früher Vertreter des viralen Marketing war das Moorhuhn-Spiel, das am Ende zwei Drittel aller Computer infiziert haben soll. Ein weiteres Beispiel ist das Kinderlied vom Schni-schna-Schnappi-Krokodil, das vom Internet aus die Charts eroberte.
Das virale Marketing verdankt seinen Namen der dramatischen Schnelligkeit und der exponentiellen Wirkung, mit der sich eine Botschaft meist per E-Mail oder über Foren, Blogs und Chats - virusartig im Internet ausbreitet. Niemand kann darauf Einfluss nehmen, wen sie wann erreicht. Ferner kann meist nicht vorhergesagt werden, ob die Botschaft eine positive oder eine negative Richtung nimmt. Die Effekte, die durch virales Marketing ausgelöst werden, entwickeln eine hohe Eigendynamik. Sie sind weder planbar noch steuerfähig, weil nicht mehr zu stoppen.
Hinweis
Wenn Sie mehr zum Thema Empfehlungsmarketing lesen möchten, können Sie dies im Buch von Anne M. Schüller tun: Zukunftstrend Empfehlungsmarketing: Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten [130]
Das macht virales Marketing gleichzeitig so spannend - und auch gefährlich. Virales Marketing eignet sich logischerweise nur für internetaffine Kreise und vor allem für lifestylige Produkte oder Services. Der überwältigende Vorteil dieser Marketingform ist: Die Botschaft kommt von einem Menschen, den man kennt, nicht von einem anonymen Anbieter. Da die Empfehlung ohne erkennbaren äußeren Einfluss ausgesprochen wurde, wirkt sie glaubwürdig und ehrlich.
Wie bei jeder Vertriebsmaßnahme werden auch bei einer viralen Werbekampagne zunächst die Ziele (Bekanntheit, Sympathie, Abverkauf, Erinnerung, Newsletter-Bestellung oder Visits) definiert, die anvisierten Zielgruppen festgelegt sowie der optimale Zeitpunkt für den Kampagnenstart bestimmt. Danach geht es um den passenden viralen Auslöser, den Lockvogel sozusagen. Niemand wird eine Botschaft freiwillig verbreiten, die ihm selbst nicht gefällt. Nur, wenn Sie etwas bieten, worüber es sich zu reden lohnt und womit der Absender beim Empfänger punkten kann, wird ersterer für Sie aktiv.
Dabei soll der Überträger nicht nur animiert werden, die Botschaft aktiv zu verbreiten, sondern auch den Empfänger der Botschaft zur Weitergabe motivieren. Ihre Kampagne muss also beiden Seiten Nutzen versprechen. Dies kann gelingen, wenn Sie beispielsweise
- den Spieltrieb anregen,
- etwas Unterhaltsames,
- etwas völlig Neues,
- etwas Einzigartiges,
- etwas Sensationelles,
- etwas Nützliches bieten oder
- etwas zum Gewinnen ausloben.
und darüber hinaus
- für die Nutzer möglichst keine Kosten entstehen,
- die Botschaft leicht übertragbar ist und
- der Absender (wenn möglich) für seine Arbeit belohnt wird.
Manchmal funktioniert auch Extremes, das anderen einen Schrecken einjagen soll beziehungsweise mit dem man jemandem einen Streich spielen kann. Doch hierbei ist besondere Vorsicht geboten, der Schuss kann schnell nach hinten losgehen. Virale Botschaften sollen sich selbständig weiterverbreiten. Je attraktiver das Thema, desto höher ist der zu erwartende Effekt, zum Stadtgespräch zu werden. Nur, was richtig gut ist, kommt auch an. Hier einige Beispiele:
Unterhaltsames:
Wenn wir etwas besonders lustig finden, lassen wir Menschen, denen wir Gutes tun wollen, gerne daran teilhaben. Eine unterhaltsame Geschichte, ein Cartoon, ein Video-Clip, ein Spiel, virtuelle Küsse oder eine witzige E-Card. Diese Dinge werden gerne weitergeleitet. Eine meiner Trainerkolleginnen, Sabine Asgodom, hatte einmal einen strippenden Weihnachtsmann auf ihre Webseite gestellt, der sich durch Anklicken entblätterte. Damit hatte sie bei ihrer Zielgruppe, den Sekretärinnen und Assistentinnen, einen Volltreffer gelandet. Die süffisante Botschaft eroberte die Vorzimmer der Republik im Sturm.
Sensationelles:
Was sensationell, möglicherweise sogar ein wenig makaber ist, erregt die Gemüter, lässt Emotionen hoch kochen und ist in hohem Maße viral. Es wird weitererzählt oder als elektronische Post weiter verschickt, weil es die anderen zum Staunen bringen soll. Der Haarpflegehersteller Alpecin landete beispielsweise mit seinem Glatzenrechner im Internet einen riesigen Coup.
Zehn Tage nach Freischaltung der Webseite hatten sich schon über eine halbe Million Interessierte durch den Fragenkatalog geklickt, um eine Vorhersage über die Entwicklung ihrer Haarpracht zu erhalten. Das Glatzen-Szenario bewegt wohl ziemlich viele Männerköpfe, denn die Nachricht über den neuartigen Kalkulator verbreitete sich im Netz rasend schnell. Und dankend nahmen sich die üblichen Verdächtigen in der Medienlandschaft dieses brisanten Themas an und berichteten ausführlich.
Nützliches:
Checklisten, Anwendertipps, Musterbriefe und Ähnliches zum Downloaden werden gerne im beruflichen Umfeld weiterempfohlen. So gewinnen Sie zielsicher neue Kunden in den von Ihnen favorisierten Zielgruppen. Bedingung ist, dass die Unterlagen gratis bereitstehen. Kosten sind seit jeher eine Hemmschwelle im Internet, sie lassen die Klickraten schnell abebben. Zudem kommen weitere Überlegungen dazu: Ist der Anbieter vertrauenswürdig, wie bezahle ich oder ist der Download sicher? Achten Sie ferner darauf, dass sich Ihre Dokumente schnell aufbauen und leicht navigierbar sind. Weniger ist oft mehr, denn die Geduld im Web ist schnell zu Ende.
Erfolgsfaktoren viralen Marketings
- Entscheidend für den Erfolg einer viralen Kampagne ist die Frage, ob es gelingt, möglichst viele Menschen zur Weiterleitung einer Botschaft zu bewegen. Um dies zu steuern, müssen die Erstempfänger des Mailings sorgfältig ausgewählt werden. Dieser Prozess wird als seeding bezeichnet.
- Die Erstüberträger (Einzelpersonen, Webportale, Blogs) sollten Glaubwürdigkeit, Einfluss und vor allem gute Kontakte in der anvisierten Zielgruppe besitzen. Denn sie werden vor allem ihr persönliches oder berufliches Umfeld bedienen. Der Empfänger wird sich mit der Werbebotschaft, die er von einer ihm bekannten Person erhält, viel eher auseinandersetzen als mit klassischer Werbung.
- Dabei können die Mail selbst oder ein Anhang weitergeleitet werden, wobei Anhänge oft aus Angst vor Viren nicht geöffnet werden. Achten Sie auf Größe, Format und Inhalt, um nicht ungelesen in Spam-Filtern und Firewalls hängen zu bleiben.
- Formulieren Sie die Betreff-Zeile so, dass sie zum Weiterleiten anregt. Beenden Sie die Mail mit einer klaren Weiterleitungsaufforderung. Setzen Sie einen Weiterleitungs-Link, um den Erfolg ihrer Aktion zumindest bei der ersten Welle zu kontrollieren. Und dann heißt es: Daumen drücken!
Einen sensationellen Erfolg landete ein junges Berliner Zehn-Mann-Unternehmen mit seinem Produkt K-fee, einem Energiedrink auf Kaffee-Basis. Die preisgekrönten gruseligen Videoclips brachten es durch Mundpropaganda auf bis zu 100.000 Viewer pro Tag. Die herunter geladenen Clips wurden im Schnitt neun Mal per E-Mail weitergeleitet. Und die in den Clip integrierten Links generierten über zehn Prozent Responserate. Ein Spot schaffte es sogar in eine sehr populäre amerikanische Fernsehsendung und erzeugte dort eine gewaltige Nachfrage. Heute ist K-fee die Nummer Zwei im Markt der Ready-to-drink-Kaffeegetränke nach Nestlé und steht dabei noch vor Jacobs. Mit viralem Marketing lassen sich also auch Weltfirmen schlagen.
Zu jeder viralen Werbekampagne gehört auch eine Erfolgskontrolle. Spezialisierte Anbieter bieten heute bereits Online-Tracking-Instrumente an, die nicht nur die Erstübertragung einer viralen Botschaft messen, sondern auch deren weiteren Weg verfolgen können. Dies ermöglicht, das Nutzerverhalten zu begleiten und daraus zu lernen. Die Erfolgsaussichten viraler Kampagnen können so immer besser vorausgesagt und immer weiter verfeinert werden.
Durchleuchtet: Verkaufsprozess ist die Goldgrube des Vertriebs
Gastbeitrag von Christian Sickel, Köln *
Natürlich möchten Vertriebsorganisationen ausschließlich Mitarbeiter, die ihre Verkaufsziele Jahr für Jahr deutlich übertreffen. Altgediente Verkäufer, die in führende Positionen aufgestiegen sind, erzählen von ihren früheren Erfolgen und wünschen sich, dass ihre Verkäufer genau so handeln würden. Dabei übersehen sie aber eines: Vertriebsmeetings sind keine Veteranentreffen! Mal ehrlich: Welcher modern denkende Mensch hat schon Lust, sich andauernd von einmal da gewesenen Erfolgsstories berieseln zu lassen? Die Zeiten und der Verkauf haben sich geändert. Und das tun sie immer schneller. Verkaufen folgt Regelmäßigkeiten, die beachtet werden müssen!
Erreichen der Umsatzziele Drei (un)mögliche Lösungen
Eine große Rolle in der Beurteilung der Situation spielt das Gaussche-Gesetz: 10 bis 15 von 100 Verkäufern erreichen ihre Ziele immer. 10 bis 15 von 100 Verkäufern erreichen ihre Ziele nie und sollten sich einen anderen Beruf suchen. Das bedeutet, dass 70 bis 80 von hundert Verkäufern mittelmäßig sind. Bleibt die Frage zu klären, wie 70 bis 80 mittelmäßige Verkäufer in die Erreichung der Umsatzziele eines Unternehmens passen? Gar nicht! Denn der persönliche Umsatzerreichungsgrad dieser Verkäufer liegt bei gerade mal ca. 70 Prozent. und das können die anderen Verkäufer niemals ausgleichen. Wie können also künftig Umsatz- beziehungsweise Ertragsziele erreicht werden?
- Fortfahren wie bisher, die Ziele werden weiterhin nicht erreicht. Wie lange das gut geht, bleibt abzuwarten.
- Reduzieren der Ziele um 25 Prozent, die mit der bestehenden Mannschaft immer erreicht werden; dann wird das Unternehmen bald aufgeben müssen.
- Entlassung aller mittelmäßigen und klonen von erfolgreichen Verkäufern.
Bei der ersten Möglichkeit ist abzusehen, wann der Verkaufsleiter entlassen wird. Die zweite Variante ist wirtschaftlich wohl nicht ganz so elegant und die dritte ist gesetzlich verboten. Wie sieht nun eine mögliche vierte Variante aus?
Sich verlorene Verkaufsprojekte anzuschauen ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Dann lässt sich nicht nur feststellen, dass bestimmte Dinge im Verkaufsprozess nicht eingehalten wurden, sondern auch welche das genau sind. Übrigens betrifft das auch die erfolgreichen Verkäufer. Wenn Sie jetzt Halt! rufen und der Meinung sind, verkaufen ist individuell und folgt keinem fix definierten Prozess, seien Sie unbesorgt. Teilweise gebe ich Ihnen Recht.
Wenn wir aber einmal das Vergnügen haben sollten, gemeinsam Ihre Projekte durchzusehen, werden wir sehr schnell feststellen: Die meisten Projekte werden nach einem bestimmten Muster nennen wir es Prozess angegangen. Erfolgreiche Projekt waren deshalb erfolgreich, weil sie dem idealen Prozess folgten.
Unkontrolliertes Verkaufen ist unprofessionell
Dieser Verkaufsprozess, der in jedem Unternehmen unterschiedlich ist, gleicht einer Checkliste wie sie Piloten benutzten. Ein Pilot, der vor jedem Start vergisst, die Landeklappen zu kontrollieren, braucht sich nicht wundern, wenn sie irgendwann bei der Landung versagen. Vielleicht denken Sie jetzt: Nun ja, irgendwann Aber genau da liegt das Problem: Der Pilot fliegt unkontrolliert, der Verkäufer verkauft unkontrolliert. Beide haben damit aber nur eine kurze Zeit Glück. Mit Professionalität hat das wenig zu tun!
Im Vertrieb ist es das gleiche. Vergisst der Verkäufer in den ersten Phasen des Kundengesprächs bestimmte Punkte abzuklären, wird er in der Abschlussphase mit Dingen konfrontiert werden, die einen positiven Ausgang gefährden. Geschieht das häufiger, erreicht er seine Umsatzziele nicht und das Unternehmen hat ein Problem. Diese möglichen Fehler können aber reduziert werden, so dass sich die Abschlusswahrscheinlichkeit erhöht. Allerdings nur, wenn das Unternehmen nach einem idealen Verkaufsprozess vorgeht.
Das bedeutet nicht, am Verhalten der Verkäufer herumzudoktern, sondern vielmehr eine ideale einheitliche Vorgehensweise zu entwickeln. Ideal, um Schwächen auszugleichen, einheitlich, weil auch in England der Linksverkehr bewusst für alle und nicht nur für 95 Prozent der Briten gilt.
Die sechs Phasen des Verkaufs
In der ersten Phase sollte nach Zielgruppen gesucht werden: Wer könnte Interesse an dem Angebot haben? Wer sind die entsprechenden Gesprächspartner? Bei diesen Kontaktpersonen handelt es sich immer weniger um Menschen, die uns bekannt sind. Mehr und mehr entscheiden heute Personen aus den Business-Abteilungen. Es sind deren Anforderungen, die erfüllt werden müssen und es ist deren Budget, das ausgegeben wird. Tun wir das nicht, droht uns der death by falling in love. Das heißt: Unser Verkaufserfolg stirbt, weil wir uns auf die Personen konzentrieren, die nett zu uns sind, aber nichts zu entscheiden haben.
Die zweite Phase ist die Akquisition oder das hunting. Hier müssen wir unseren möglichen Neukunden innerhalb kürzester Zeit davon überzeugen, uns Informationen über sich zu geben und seinen Handlungsbedarf offen zu legen.
Genaue Informationen und Anforderungen teilt uns der Gesprächspartner in der dritten Phase, respektive beim ersten Besuch mit. Wichtig: Elementare Informationen bekommen wir nur, wenn wir die richtigen Fragen stellen. Wir treten hier überwiegend als Informationsnehmer auf, nicht als Informationsgeber. Verkäufer, die den Kunden informieren, braucht dieser nicht. Informationen kann er sich auch aus dem Internet besorgen. Bei diesem Treffen erfahren wir auch, welche weiteren Personen sich mit diesem Projekt beschäftigen.
Bevor wir ein Angebot erstellen oder eine Lösung präsentieren, sollten wir unbedingt die Anforderungen dieser Personen kennen lernen. In dieser vierten Phase lernen wir auch die informelle Projektorganisation kennen. Das bedeutet: Wir können die Personen fühlen. Denn: Menschen kaufen bei Menschen, und aus diesem Grund müssen wir uns auf die richtigen und wichtigen Personen konzentrieren.
Jeder sollte selbst einmal überlegen, mit welchen Personen er beim Kunden engen Kontakt hat. Sind es die, bei denen der Kaffee immer gut schmeckt und die immer etwas zu erzählen haben? Oder sind es auch die hohen Tiere, vor denen uns schon beim Anklopfen die Knie zittern. Diese Personen sind natürlich nicht einfach zu überzeugen. Hat die Überzeugungsarbeit jedoch funktioniert, dann setzen sie sich auch für uns und das ausgearbeitete Projekt ein.
In der fünften Phase können wir eine entsprechende Lösung beziehungsweise ein Angebot ausarbeiten. Dieses Angebot muss auf die einzelnen Personen zugeschnitten sein: Auf die Anforderungen der einzelnen Projektmitglieder muss eingegangen und der individuelle Nutzen deutlich werden. Denn nichts sagende shooting in the dark-Präsentationen werden den Kunden nicht überzeugen.
Nach der Präsentation, die idealerweise vor der gesamten Projektgruppe stattfindet, geht es in der sechsten Phase darum, das Projekt sicher abzuschließen. Hierzu müssen wir den Mitbewerber im Auge behalten. Das gelingt am besten, wenn wir uns in der Zwischenzeit unter den Projektmitgliedern Coaches aufgebaut haben, die uns informieren. So können wir agieren und bringen das Projekt sicher nach Hause.
Danach passiert leider häufig das, was der Kunde sowieso schon befürchtet hat: Die Rechnung ist bezahlt und wir lassen uns nicht mehr blicken. Gerade jetzt ist es wichtig, den Kontakt zum Kunden aufrecht zu erhalten. Entscheidend hierbei ist die Frage: Welches zusätzliche Potential steckt im Kunden? Ist der Kunde zufrieden und gut betreut, kann dies leichter herausgefunden werden.
Stichwort
Das Wichtigste in Kürze:
- Verkaufen ist ein klar definierter Prozess, der unternehmensspezifisch ausgearbeitet werden muss.
- Menschen kaufen bei Menschen; deshalb lernt man die verschiedenen Personen der Projektgruppe idealer Weise in einem frühen Verkaufsstadium kennen.
- Individuelle Lösungsvorschläge schaffen Vertrauen; Vertrauen schafft eine höhere Abschlussrate.
- Zufriedene Kunden investieren wieder schneller als neu zu akquirierende.
Christian Sickel ist Autor des Buches "Verkaufsfaktor Kundennutzen".
Kontakt:
Christian Sickel
Stadtwaldgürtel 52
50931 Köln
http://www.christiansickel.de [131]
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Verständnis: Sind Sie noch Lösungsverkäufer oder schon Problemlöser
Gastbeitrag von Christian Sickel, Köln *
Wir verkaufen ja Lösungen, Herr Sickel. werde ich häufig gescholten, wenn ich einmal ein Verkaufsbeispiel aus dem Kopier- und Drucksysteme Markt erwähne. Wobei dieses ja immer den Eindruck erweckt, als ob Lösungen oder Dienstleistungen verkaufen im Vergleich zum Produkt Verkauf etwas ganz besonders anspruchsvolles ist. Meine Frage, worin denn nun der Unterschied genau besteht, wird ausnahmslos mit Lösungen kann man nicht sehen oder anfassen beantwortet.
Nun, wenn das so ist dann muss es sich ja um etwas ganz geheimnisvolles handeln und Entschuldigung, dass ich früher einmal Produkte verkauft habe, aber ich war jung und brauchte das Geld!
Die direkte (frontale) Verkaufsstrategie
In Wirklichkeit liegt der Unterschied aber nicht darin WAS jemand verkauft, sondern WIE es verkauft wird. Ob nun Kopierer, medizinische Geräte, Outsourcing, Betreibermodelle, Software, Service oder was auch immer wir verkaufen. Das WIE macht die Musik! In der Regel gibt es zwei vertriebliche Vorgehensweisen: Die direkte (frontale) Verkaufsstrategie und die indirekte Verkaufsstrategie.
Am häufigsten treffen wir die direkte (frontale) Verkaufsstrategie am Markt an. Diese Strategie besteht darin, dem Kunden ein Produkt oder eine Lösung mit allen Merkmalen, technischen Features und Vorzügen schmackhaft zu machen. Anstatt den Kunden mit seinen Bedürfnissen in den Fokus zu stellen, präsentiert man sich losgelöst vom Kundenwunsch.
Kurz nach Gesprächsbeginn wird in den Präsentationsmodus geschaltet und dem Kunden erklärt, warum er gerade bei diesem Unternehmen kaufen muss. Es werden weder Fragen gestellt, noch wird dem Kunden zugehört. Tendenziell beschränkt man sich darauf, in Power Point Präsentationen Behauptungen über Nutzendimensionen aufzustellen, ohne zu überlegen wie dieser Nutzen vom Kunden erlebt wird.
Für diese Vorgehensweise stellt sich der Verkaufsvorgang sehr simpel dar: Wir müssen den Kunden überzeugen, dass wir das beste Produkt oder die beste Lösung haben. Dann kauft er bei uns. Und das scheint am eindrucksvollsten zu gelingen, wenn man den Kunden frontal mit dem Angebot konfrontiert.
Funktionieren kann diese Strategie allerdings nur, wenn:
- Der Kunde einen aktuellen Bedarf hat
- Wir uns auf der Beschaffungsebene (Einkäufer, IT Leiter, Orga Leiter, Personalleiter, etc.) befinden
- Unser Angebot dem Wettbewerb klar überlegen ist
- Unser Unternehmen einen exzellenten Ruf am Markt hat
- Hervorragende Referenzen schon im Kundenunternehmen selbst oder im Markt des Kunden vorhanden sind
Die grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung der direkten Strategie ist also eine erdrückende Überlegenheit gegenüber dem Mitbewerb. Wenn wir nur in einem der oben genannten Punkte schwächeln, steht sie allerdings auf wackeligen Beinen. Diese Erfahrung haben auch schon bedeutende Großunternehmen gemacht, die sich dann wieder auf ihr Kerngeschäft zurück gezogen haben. Die Ursache hierfür war, dass man annahm, die Tatsache Lösungen anzubieten - ohne die vertriebliche Vorgehensweise zu ändern - allein reiche aus. In der Regel beherrschen Berater oder Verkäufer nun aber nur die direkte Strategie, was man ihnen nicht einmal vorwerfen kann. Denn die Verantwortung dafür, was wie getan wird, obliegt dem Management. Dazu gehört auch, den Mitarbeitern die nötigen Vorgehensweisen zur Verfügung zu stellen, um im Markt erfolgreich zu agieren.
Natürlich hat die direkte Strategie in bestimmten Märkten und Verkaufsvorgängen ihre Berechtigung. Beispielsweise wenn es um kleinere Investitionen geht, der Entscheidungsprozess beim Kunden kurz ist und keine tiefere Beziehung zu ihm aufgebaut werden muss.
Ansonsten ist sie wenig Erfolg versprechend, denn der einzige Mehrwert, den sie dem Kunden bieten soll, ist die vermeintliche Tatsache beim Besten zu kaufen. Da Produkte und Lösungen heutzutage aber vergleichbar oder gar identisch sind, gibt es keinen objektiv Besten mehr. Auch durch angebotene Zusatzleistungen lässt sich in den meisten Branchen kein merklicher Abstand zum Mitbewerb gewinnen.
So ist das einzige Unterscheidungsmerkmal für den Kunden wie sollte es anders sein - der Preis. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass ständig hierüber verkauft wird. Im ersten Satz eines Verkaufsgespräches stellt der Verkäufer sein Unternehmen vor, im zweiten Satz sein Produkt oder seine Lösung und zum dritten Satz kommt er gar nicht erst, weil der Kunde dann schon nach dem Preis fragt. Bei der direkten Verkaufsstrategie ist der für ihn oftmals das einzig sichtliche Unterscheidungskriterium.
Die indirekte Strategie
Anders bei der indirekten Strategie, wo der Kunde mit seinen Bedürfnissen, eingebettet in seine Situation im Unternehmen und im Markt, im Vordergrund steht. Hier ist die Aufgabe des Verkäufers zunächst zu verstehen, was den Gegenüber bewegt. Erst dann macht er einen Vorschlag, wie und ob er den Kunden mit seinem Produkt oder seiner Lösung unterstützen kann. Das ist wie bei einem Arztbesuch: Erst die Diagnose, dann die Therapie!
Es gilt also, sich selbst als Person und das Produkt in den Hintergrund und den Kunden und seine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen.
Ziel hierbei ist es, ein tiefes Verständnis für den Kunden, seine Situation und sein Geschäft zu entwickeln. Nur so können Zusammenhänge hergestellt werden, die der Kunde selbst nicht erkennt oder so noch nicht betrachtet hat. Und vor allem kann man so für ihn in die Zukunft schauen. Das ist eine der wichtigsten und anspruchsvollsten Aufgaben von Verkäufern überhaupt und die Grundvoraussetzung, um einen echten fast unbezahlbaren - Mehrwert zu bieten. Den Verkäufer, der dem Kunden lediglich Informationen über Produkte oder Lösungen gibt, benötigt dieser nicht mehr. Solche Informationen hat der Kunde schon längst, wenn der Verkäufer zum Termin erscheint.
Es ist weder Zauberwerk, den Kunden und sein Geschäft zu verstehen, noch muss man dafür studiert haben. Es geht vielmehr darum, ihn und sein Umfeld auch mit einem gerütteltem Maß gesundem Menschenverstand zu betrachten. Erst nachdem man ein tieferes Verständnis für den Kunden entwickelt hat, kann man ihm zeigen wie und ob das Produkt oder die Lösung aufgedeckte Schwächen beseitigen oder vorhandene Stärken ausbauen also Probleme lösen - kann.
Der Verkäufer tritt also künftig als Informationsnehmer und nicht mehr als Informationsgeber auf. Hierbei ist es jedoch längst nicht mehr damit getan, dem Kunden ein paar nette Fragen zu stellen, die man sich auf dem Weg zu ihm überlegt hat.
Die Vorbereitung auf das Kundengespräch ist das wichtigste Element im Verkauf. Warum?
- Verkaufsbesuche dienen einem Ziel: Die Partnerschaft mit einem Kunden vorzubereiten und zu besiegeln oder sie auszubauen;
- Kunden hassen Zeitverschwendung, schon der Besuch, muss ihnen einen Mehrwert bringen;
- In Zeiten knapper Kassen müssen rechenbare Lösungen verkauft werden;
- Dazu müssen Probleme entdeckt, hinterfragt und der Wert / Nutzen des Angebots für die Gesprächspartner herausgearbeitet werden;
- Eine strukturierte Vorbereitung und eine nutzenorientierte Gesprächs- / Fragetechnik helfen dabei.
Die erste Vorbereitung auf das Kundengespräch besteht darin, sich mit der Branche zu beschäftigen:
Beispiel: Health-Care
1. Zielmärkte:
- Patient sowohl Kasse als auch privat, Steigerung des Privatmarktes
2. Prozesse:
- Schnelle Abrechnung der Fallpauschalen
- Behandlungsschema
3. Geschäftstreiber:
- Gesundheitsreform (weniger Finanzmittel durch die Kassen, Fallpauschalen)
- starker Wettbewerb unter den Kliniken (gestiegene Mobilität der Patienten, Ausbau des Privatbestandes)
- Dokumentation (Führung von Nachweisen der Behandlung und Medikation)
4. Marktsituation:
- starke Konsolidierung und Privatisierung
- geringere Auslastung durch kürzere Liegezeiten
- Spezialisierung und Differenzierung der Krankenhäuser durch Zusatzleistungen (Wellness im Krankenhaus, Hotelleistungen)
5. Top-Unternehmen:
- Unikliniken
- Träger (Sana, Röhn, Asklepios)
6. Regularien:
- Gesundheitsreform
- Fallpauschalen
- VDE-Vorschriften
- Haftung
- Datenschutz
- Dokumentation
7. Übliche Entscheidungswege:
- öffentliche Häuser: Verwaltungsleitung, Stadtrat bzw. Landrat.
- private Häuser (von Trägern): zentrale Entscheidung beim Träger, nur geringe Budgetentscheidung bei der Krankenhausleitung
Die Informationen über die Punkte 1 bis 7 sind schnell aus dem Internet zusammen getragen. Sie sind wichtig, um ein Verständnis für das Geschäft des Kunden zu entwickeln.
Die gewonnenen Informationen können dann auf die spezifischen Ziele und Herausforderungen des Gesprächpartners übertragen werden:
Beispiel eines Geschäftsführers (Health-Care)
Funktionsziele/ Inhalte der Stellenbeschreibung:
- Geschäft führen, Umsatz & Gewinn zu maximieren
- Visionen und Strategien entwickeln
- Geschäftsziele umsetzen und kontrollieren
- Arbeitsplätze sichern
Typischer Handlungsbedarf (um die Funktionsziele zu erfüllen):
- Ausbau des Privatpatientenbestandes
- Hohe Patientenzufriedenheit
- Ausgleich der kurzen Liegezeiten
- etc.
Unser Angebot:
Nutzen für Geschäftsführer: Was hätte er davon, wenn er es hätte? Was fehlt ihm, wenn er es nicht hat?
Handlungsbedarf: Welchen spezifischen Handlungsbedarf hat er?
Kernfragen und zentrale Informationen über Kunden-Bedürfnisse
Es muss keine Allwissenheit über das Geschäft des Kunden und seine Herausforderungen entstehen. Im Gegenteil, es ist durchaus opportun den Kunden zu fragen, ob man seine Situation richtig verstanden hat. In der Regel reagieren Kunden hierauf sehr mitteilsam. Sie merken, dass man sich mit ihnen beschäftigt und korrigieren die getroffene Situationsbeschreibung gegebenenfalls. Das ist dann der Zeitpunkt in dem der Kunde über seine wirklichen Bedürfnisse spricht. Es entsteht ein Dialog, der auf einer tieferen Ebene geführt wird und der Verkäufer erhält Informationen und Hintergrundwissen, an das er ansonsten niemals gekommen wäre.
In diesem Augenblick empfindet der Kunde den Verkäufer als kompetenten Gesprächspartner und erst jetzt hat dieser das Recht erworben, noch tiefer gehende Fragen zu stellen. Folgende Informationen über die Bedürfnisse des Kunden sind für den Verkaufserfolg entscheidend:
Handlungsbedarf des Gesprächpartners
Spiegelt die Priorität des Projekts aus Sicht des Gesprächspartners wider. Er entsteht aus der Differenz zwischen Ist und Soll.
Geschäftlichen Ziele des Gesprächpartners
Beschreiben die Ziele des Gesprächspartners aus unternehmerischer Sicht. Sie sollten quantitativ und zeitlich messbar sein.
Beispiel: Steigerung des Privatpatientenanteils um 10 Prozent in den kommenden 2 Jahren.
Persönliche Ziele des Gesprächpartners
Hinter Entscheidungen stehen oft persönliche Ziele.
Beispiele: Macht, Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit
Entscheidungskriterien des Gesprächpartners
Sind die Kriterien für den Vergleich alternativer Lösungen. Es ist wichtig, dass diese Kriterien mit den Stärken der angebotenen Lösung übereinstimmen.
Beispiele: Referenzen in der Branche, Return-on-Investment, Einfache Implementierung der Lösung
Die Vorbereitung und Durchführung von Verkaufsgesprächen, die einer indirekten Strategie folgen, nimmt sicherlich mehr Zeit in Anspruch. Andererseits ist der Nutzen für den Verkäufer deutlich. Warum?
Die indirekte Verkaufsstrategie,
- gibt einen besseren Einblick was dem Kunden schlaflose Nächte bereitet,
- zeigt angemessene Qualifikation angenommen welche
- Kundeninitiativen in den nächsten 3-6 Monaten Verkaufsprojekte werden,
- hilft, den Wettbewerber in einem frühen Stadium auszuschalten,
- reduziert die Preis-Sensibilität des Kunden erheblich,
- hebt uns in die Rolle des Beraters/Geschäftsfreund des Kunden,
- bringt unentbehrliche Informationen für eine treffende Nutzenargumentation,
- bringt Ihnen mehr Erfolg und mehr Spaß am Verkaufen!
Hinweis
Die meistgenannten Ursachen für Zeitverschwendung, die den Kunden zudem am häufigsten frustrieren (Quelle Infoteam Studie Erfolgsfaktoren im B2B Selling):
- Verkäufer, die mittels einer telefonischen oder schriftlichen Informationsflut versuchen, Termine zu vereinbaren,
- Verkäufer, die unvorbereitet und mit ungenügend Fach- und Branchenkenntnissen zu Terminen erscheinen,
- monolitische Marketing Präsentationen über den Anbieter,
- Fragen zu Themen, über die sich der Verkäufer auf der Website, im Geschäftsbericht oder in aktuellen Publikationen hätte informieren können.
Christian Sickel ist selbständiger Verkaufs-Berater und Trainer.
Kontakt:
Christian Sickel
Partner der Infoteam SPC AG
Stadtwaldgürtel 52
50931 Köln
www.christiansickel.de [132]
Positiv: Wie Telefonprofis in ein Gespräch einsteigen
Gastbeitrag von Claudia Fischer, Unterhaching *
Entscheidend sind deshalb eine perfekte und sympathische Begrüßung, ein kurzer und prägnanter Satz zur Sache sowie eine geschickte Überleitung, die das Gespräch in Gang bringt. Das sind die wesentlichen Kriterien eines Erfolg versprechenden Einstiegs.
Es mag vielleicht etwas banal klingen, doch bereits die richtige Begrüßung kann viele Türen öffnen oder eben schließen. Viele Menschen neigen leider dazu, beim Telefonat schneller zu reden als im Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Eine Tendenz, die durch Nervosität noch verstärkt wird. Wenn jedoch der Gesprächspartner schon Schwierigkeiten hat, die ersten Sätze zu verstehen, sinkt seine Lust weiter zuzuhören. Und das wirkt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit äußerst ungünstig auf den Verlauf des Telefonats aus. Die oberste Grundregel - und das gilt im Übrigen für das gesamte Gespräch lautet deshalb: Langsamer sprechen, denn das ermöglicht schnelleres Verstehen.
Ist dem Anrufer sein Gesprächspartner bereits bekannt, so folgen nach dem Gruß Vor- und Zuname sowie anschließend der Firmenname. Wer dagegen einen potenziellen Kunden anruft, mit dem er zuvor noch keinen Kontakt hatte, der nennt den Firmennamen vor seinem Vor- und Zunamen. So manchem mag es selbst heute noch zunächst übertrieben erscheinen, einem Unbekannten den eigenen Vornamen zu nennen. Doch genau das gibt der Begrüßungsformel eine individuelle, persönliche Note was ankommt und Sympathien weckt. Auch sollte der Gesprächspartner unbedingt mit seinem Nachnamen begrüßt werden, denn das wirkt wie die Botschaft: Sie sind wichtig für mich.
Ein prägnanter Satz zur Sache
Nach der Begrüßung geht es darum, möglichst schnell den Grund des Anrufs zu erklären. Besonders dann, wenn noch keine persönliche Beziehung zum Gesprächspartner besteht, heißt die Grundregel: Rasch auf den Punkt kommen! Der Anrufer muss in möglichst kurzer Zeit den anderen in seinen Bann ziehen und bei ihm Interesse wecken, denn sonst steigt dieser schnell aus.
Statt mit inhaltslosen Formulierungen zu langweilen, sollte der Anrufer geschickt die Nutzen des Angebots kommunizieren! Am besten immer zwei! Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein relevanter Vorteil dabei ist, ohne den Gesprächspartner zu überfordern. Selbstverständlich verlangt das ein gewisses Maß an Vorbereitung auf das Telefonat, weil die Formulierung der Nutzen auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sein sollte. Weiterer Tipp: Inhalte Sie-bezogen formulieren. Das heißt: Statt Wir bieten Ihnen absolute Termintreue besser Sie genießen bei uns den Vorteil absoluter Termintreue sagen.
Reaktion herauskitzeln
Der Gesprächspartner wurde begrüßt, die Nutzenargumente sind vorgetragen - was passiert dann? Schlecht ist es, einfach abzuwarten, ob und wie der andere sich äußert. Am leichtesten bekommt der Anrufer eine Reaktion vom anderen Ende der Leitung, indem er dem Gesprächspartner nach dem kurzen Einstieg eine offene Frage stellt, beispielsweise: Wie stellen Sie sicher, dass ? Diese Art von Fragen erlaubt kein ja oder nein, sondern fordert eine ausführliche Antwort der perfekte Einstieg für einen Dialog.
Wie sich dieser gestaltet, ist natürlich abhängig Sinn und Zweck des Telefonats. Der sollte dem Anrufer ganz klar sein, damit er zielorientiert darauf hinsteuern kann. Spontanes Anwählen eines Gesprächspartners ist wenig sinnvoll. Immer hilfreich ist es, vor dem Abheben des Hörers schriftlich einen Satz zur Sache zu formulieren, dabei den Nutzen für den Kunden herausarbeiten und sich eine Eingangsfrage überlegen. Das konditioniert auf Erfolg und fördert die Effizienz.
* Claudia Fischer aus Unterhaching bei München gilt als eine der renommiertesten Telefontrainerinnen im deutschsprachigen Raum.
Kontakt:
Claudia Fischer Training
Claudia Fischer
Deisenhofener Weg 2
82008 Unterhaching
Tel +49 89 61500908
Fax +49 89 61500907
E-Mail: info@claudiafischertraining.de [133]
Internet: www.claudiafischertraining.de [134]
[Bild: photocase.com]
Überzeugend: Aktive und positive Empfehler sind besonders wirksam
Empfehler sind Botschafter Ihres Hauses, kostenlose Verkäufer sozusagen (unter uns: Die besten, die Sie je hatten), vielleicht sogar kostenlose Unternehmensberater. Sie sind ungebunden, uneigennützig, unwiderstehlich. Doch meist bleiben sie unerkannt, ungedankt und unbelohnt. Wie oft hat man sich beispielsweise bei Ihnen schon einmal für eine Weiterempfehlung ausdrücklich und mit einer ganz besonderen Geste bedankt?
Empfehler sind die besten Verkäufer
Einem Empfehler gelingt es viel leichter, Ihre Angebote zu verkaufen als jedem Verkäufer. Denn der Empfehler hat einen Vertrauensbonus! Er macht neugierig und verbreitet Kauflaune. Seine Empfehlung wirkt glaubwürdig und neutral. Hierdurch verringern sich Kaufwiderstände erheblich. Empfohlenes Geschäft ist quasi schon vorverkauft. Dies führt beim Empfohlenen zu einer positiveren Wahrnehmung, zu einer höheren Gesprächsbereitschaft, zu kürzeren Gesprächen und zu zügigen Entscheidungen. Oft auch zu einer geringeren Preis-Sensibilität, zu höherwertigen Käufen und loyalerem Geschäftsgebaren. Und schnell zu neuem Empfehlungsgeschäft.
Dass Mund-zu-Mund-Werbung nicht nur gut fürs Image, sondern vor allem gut für die Erträge ist, ist eine Binsenweisheit. Doch in Marketing und Vertrieb wird dieses Phänomen nach wie vor völlig unterschätzt. Viele Unternehmer halten Empfehlungen offensichtlich für einen Glücksfall. Denn höchst selten weiß jemand genau, wer seine Empfehler sind, wie viel Geschäft er durch diese bekommt und weshalb er von ihnen empfohlen wird. Und fast niemand weiß, dass er es nicht weiß!
Menschen hören eher auf Freunde als auf Werbung
Empfehlungsmarketing ist das Mittel der Wahl in konsumschwachen Zeiten mit tosenden Preiskämpfen, nachlassender Werbewirkung und hoher Vergleichbarkeit. Dabei geht es um viel mehr als den banalen Satz Empfehlen Sie uns weiter, der meist ziemlich penetrant daherkommt und höchstens zufällige Mundpropaganda auslöst. Es geht vielmehr um den systematischen Aufbau des Empfehlungsgeschäfts. Das Empfehlungsmarketing, einst nur die Frage nach ein paar Adressen, hat sich mächtig weiterentwickelt. Pfiffige, bisher noch wenig beanspruchte Werbeformen und insbesondere das Internet eröffnen heute völlig neue Wege in Sachen Mundpropaganda.
Dies kann Ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten kräftig unterstützen - ja sogar Teile des Vertriebs ersetzen. Und eine Menge Werbekosten sparen. Dabei gilt es, Ihre Kunden und sogar Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - gar nicht bei Ihnen kaufen, zu leidenschaftlichen Fürsprechern Ihrer Sache und zu Botschaftern Ihres Unternehmens zu machen. Ein aktiver positiver Empfehler ist, wer mit hehrem missionarischen Eifer oft und liebend gerne Gutes über Sie erzählt - weil Sie ihm wirklich gute Gründe dafür liefern.
Die entscheidende Frage lautet:
- Wie mache ich meine Kunden (und Kontakte) zu Topp-Verkäufern meiner Angebote und Services?
"Neue Produkte haben nur dann eine Chance, sich auf dem Markt durchzusetzen, wenn sie so bemerkenswert sind, dass die Verbraucher selbst Werbung dafür machen", meint dazu Seth Godin, der Permission-Marketing-Guru in seinem neuen Buch Purple Cow.
Nur Spitzenleistungen werden weiter empfohlen
Empfehlungsgeschäft ist Vertrauensgeschäft. Deshalb werden nur Spitzenleistungen weiterempfohlen. Und nur Spitzenleister erbringen Spitzenleistungen. Wer empfohlen werden will, braucht also ein exzellentes Image und hoch qualifizierte Mitarbeiter, die nicht nur fachlich, sondern auch emotional gut drauf sind. Denn wir empfehlen niemanden, den wir nicht leiden können. Überlegen Sie nur einmal, wie Sie sich selbst als Empfehlungsgeber fühlen bzw. wie Sie mit einer erhaltenen Empfehlung umgegangen sind!
Auf Empfehlungen verlässt man sich vor allem bei komplexen oder teuren Entscheidungen, wenn fachkundiger Rat nötig oder die eigene Sicherheit betroffen ist. Eine wohlwollende Empfehlung verringert das Risiko einer Fehlentscheidung erheblich. Wer eine verlässliche Empfehlung erhält, kann die Versuch-und-Irrtum-Phase drastisch verkürzen. Und Risiken minimieren. Ob der Zahnarzt, für den man sich gerade entschieden hat, wirklich ein Profi ist, merkt man ja oft erst nach zehn Jahren. Und wer für dickes Geld einen Unternehmensberater beauftragt, weiß meist erst lange, nachdem dieser die Firma wieder verlassen hat, ob seine Ratschläge wirklich taugen.
Nur der, der von Ihrer Sache restlos überzeugt und Ihnen wohl gesonnen ist, wird Sie enthusiastisch weiterempfehlen. Es gilt also, vertrauenswürdig und sympathisch zu wirken. Kopf und Herz eines Fürsprechers wollen erobert werden, erst dann kommt das Empfehlungsgeschäft so richtig in Gang. Denn wir empfehlen niemanden, den wir nicht leiden können.
Wer fair berät und seine Versprechen einhält, wer sich begehrenswert macht, wer beeindruckt, verblüfft, überrascht und begeistert, wer auf seine Art und Weise einzigartig ist, also im wahrsten Sinne bemerkenswertes leistet und dem Kunden ein faszinierendes Erlebnis verschafft, bringt sich ganz sicher ins Gespräch und sorgt für den so wichtigen Stoff, der Weiterempfehlungen auslöst.
Für seine Freunde will man nur das Beste
Bei jeder Empfehlung steht immer auch die eigene Reputation auf dem Spiel. Mit einer exzellenten Empfehlung erzielt man Aufmerksamkeit und Anerkennung, erntet Lob und Dank. Mit einer schlechten dagegen riskiert man Spott und Tadel. Nun versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Ihrer Empfehler. Dank Ihrer Spitzenleistung wird er zusätzliche Wertschätzung von Dritten erfahren. Das wird die Loyalität zu Ihnen weiter stärken. Versagen Sie dagegen, haben Sie vielleicht einen Feind fürs Leben.
Wenn Sie also planen, Ihr Empfehlungsgeschäft systematisch aufzubauen, ist größter Wert auf Höchstleistungen zu legen. Sie müssen auf Ihrem Gebiet bekannt und anerkannt, also Experte und Spitzenleister sein. Empfohlen wird nur, was wirklich gut und außergewöhnlich ist, was also absolut überzeugt. So kann sich der Empfehler mit Ihnen schmücken oder einem Freund etwas ganz besonders Gutes tun. Die allerbesten Empfehlungen sind übrigens die so genannten Geheimtipps.
Mit Empfohlenen richtig umgehen
Wenn Sie nun einen Hinweis von einem Empfehler erhalten haben, dann ist der Vertrieb besonders gefragt. Denn aus der Persönlichkeitsstruktur und dem Kaufverhalten des Empfehlers lassen sich bereits erste Rückschlüsse auf die voraussichtlichen Wünsche und Bedürfnisse des Interessenten ableiten. Menschen umgeben sich mit ihresgleichen, verbringen ihre Zeit mit anderen, die die gleichen Interessen, Hobbys, Ansprüche etc. haben. Und Ihr Empfehler hätte Ihre Leistungen nie empfohlen, würde er nicht davon ausgehen, dass sein guter Rat beim Empfänger auf Gegenliebe stößt. Also: Da niemand den Empfohlenen so gut kennt wie Ihr Kunde, kommen genau von ihm die wertvollsten Hinweise, welche Argumente beispielsweise in einem Angebotsschreiben hervorgehoben werden können.
Mit dem, der eine Empfehlung erhalten hat, werden Sie besonders sorgfältig umgehen müssen. Erfragen Sie, soweit möglich, den Namen des Empfehlers und vor allem, welche spezifischen Leistungen er empfohlen hat. Denn auf diese Leistungen wird der Empfohlene besonders achten, deswegen ist er ja gekommen. Hier sind seine Erwartungen hoch. Eine Enttäuschung fiele nicht nur negativ auf Sie, sondern auch auf den Empfehler zurück. Das wollen Sie nicht nur sich selbst, sondern vor allem Ihrem Empfehler ersparen.
Indem Sie also Ihr Augenmerk auf die (Über-)Erfüllung der empfohlenen Leistungen legen, steuern Sie selbst, ob eine Weiterempfehlung die erste und letzte oder der Beginn einer ganzen Serie ist. Denn der Empfehler wird sicher eine Rückmeldung erhalten. Und auch Sie sollten ihm, wenn irgendwie möglich, Ihre Freude darüber mitteilen, dass Sie durch ihn einen neuen Kunden gewonnen haben. Ferner werden Sie sich unverzüglich und überschwänglich bedanken, am besten telefonisch oder gar persönlich. So bestätigen Sie ihn in seinem Vertrauen zu Ihrer Leistung, und er wird weitere Empfehlungen aussprechen. Die Menschen verstärken Verhalten, für dass sie Anerkennung bekommen. Denn das setzt Glückshormone frei, und die wirken wie eine Droge. Davon will man mehr!
Die Empfehlungsrate ermitteln
Wer gut im Geschäft sein will, sollte seine Empfehlungsrate kennen. Sie ist der Ausgangspunkt im Empfehlungsmarketing. Doch leider überlassen es die meisten Firmen dem puren Zufall, ob ihre Kunden sie weiterempfehlen. Das Empfehlungsgeschäft systematisch anzukurbeln, ist wie reiner Sauerstoff für die Umsätze. Was Sie dazu wissen müssen:
- Wie viele Kunden empfehlen uns weiter? Und warum genau?
- Wer genau hat uns empfohlen? Und wie bedanken wir uns dafür?
- Wie viele Kunden sind aufgrund einer Empfehlung zu uns gekommen? Und warum genau?
Die Empfehlungsrate ist eine der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Sie sollte im Geschäftsbericht ganz vorne stehen. Denn sie entscheidet über die Zukunft eines Unternehmens. Wer nicht (länger) empfehlenswert ist, ist auch bald nicht mehr kaufenswert. Doch kaum jemand, den ich je fragte, konnte mir auf Anhieb seine exakte Empfehlungsquote nennen regelmäßig ermittelt und nicht nur grob geschätzt.
Zu ergründen ist ferner, wer die Empfehler im Einzelnen sind, welche Produkte und Services weshalb empfohlen wurden und wie der Empfehlungsprozess im Einzelnen gelaufen ist, so dass diese Erfolgsparameter in Zukunft gezielt wiederholt werden können. Zu analysieren ist schließlich, wie sich die Empfehlungsrate in Hinblick auf Geschlecht, Alter, Regionen, Branchen etc. entwickelt. Und dann ist gemeinsam mit den Mitarbeitern ein Plan zu erarbeiten, um die derzeitige Quote (deutlich) zu steigern. Denn es lohnt sich, wie folgende Rechnung eindrucksvoll zeigt.
Eine Rechnung, die aufgeht: Der Loyalty Value
Viele Unternehmen kaprizieren sich heute auf die Errechnung des Kundenwerts. Dieser auch gerne Lifetime Value genannte Wert bezeichnet den Umsatz bzw. den Ertrag, den ein Unternehmer mit einem Kunden während des gesamten Kundenbeziehungszeitraums erwirtschaftet. Viel interessanter weil profitabler ist der Loyalitätswert eines Kunden. Er setzt sich aus dem Lifetime Value und dem Recommendation Value, also dem Empfehlungswert, zusammen. Wir verwenden hier als Lifetime Value bzw. Kundenwert den kumulierten zukünftigen Umsatz plus Kosteneinsparungen.
Nehmen wir einmal an, dass ein loyaler Kunde fünf Käufe pro Jahr mit einem durchschnittlichen Umsatz je Kauf von 150 Euro tätigt. Bei einem Kundenbeziehungszeitraum von zehn Jahren und einer Kostenersparnis pro Kauf (für nicht notwendige Werbemaßnahmen, Prozessoptimierungen etc.) von fünf Euro ergibt das, wie im Schaubild dargestellt, 7.750 Euro.
Der Recommendation Value 1 setzt sich analog aus dem Umsatz der neuen Kunden sowie aus Kostenersparnissen zusammen. Gehen wir davon aus, dass unser loyaler Kunde pro Jahr nur einen einzigen neuen Kunden gewinnt und jeder neue Kunde im Durchschnitt den halben Lifetime Value aufweist, so ergibt das inklusive einer Akquisitionskosten-Ersparnis von 100 Euro pro Kunde nach zehn Jahren insgesamt 39.750 Euro.
Der Loyalty Value beträgt in diesem Beispiel also für einen einzigen Kunden 47.500 Euro und ist etwa fünf Mal so hoch wie sein Kundenwert. Der Wert aus möglichen Verbesserungsvorschlägen bzw. Innovationsanstößen müsste dem noch hinzugerechnet werden.
Und das ist bei weitem noch nicht alles. Begeisterte Empfohlene werden, wenn man richtig mit ihnen umzugehen weiß, ihrerseits zu Empfehlern und versetzen ihr ganzes Umfeld in einen Empfehlungsrausch. Schließlich werden sogar Menschen, die nicht einmal Ihre Kunden sind, aber ständig von allen Seiten Gutes über Sie gehört haben, zu aktiven Empfehlern. Aus dem so gewonnenen Geschäft errechnet sich der Empfehlungswert 2. Er beträgt ein Vielfaches des Empfehlungswert 1 und kann meist nur geschätzt werden.
Der Loyalty Value eines Käufers in einer Beispielrechnung. Alle Zahlen sind eher konservativ gewählt. So liegen etwa die Akquisitionskosten für die Neukunden-Gewinnung in vielen Branchen bei weit über 100 Euro.
Wer seinen Erfolg potenzieren will, fokussiert auf den Empfehlungswert 2. Ein solches Unternehmen hat nicht nur eine Vielzahl begeisterter Empfehler, sondern macht auch die Empfohlenen zu neuen Empfehlern. So setzt sich eine Empfehlungsspirale in Gang, die sich immer weiter nach oben dreht.
Die richtigen Fragen stellen
Der amerikanische Loyalitätsexperte Frederick F. Reichheld kam im Rahmen einer dreijährigen Studie zu dem Schluss, dass die untersuchten Unternehmen mit der höchsten Zahl an positiven Empfehlern gleichzeitig die höchsten Umsatzzuwächse hatten. Dies traf beispielsweise bei Fluggesellschaften, Autovermietern und Internetanbietern, aber auch in anderen Branchen zu.
Eine der markantesten Erkenntnisse seiner Untersuchungen lautet: Unternehmen brauchen keine komplexen Kundenstudien, sondern am Ende nur ein, zwei Fragen, die kontinuierlich gestellt werden müssen. Als mit Abstand effektivste Frage schlägt er die folgende vor: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Unternehmen X an einen Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden? Dazu führte er eine Skala von eins bis zehn ein. Bei zehn war eine Empfehlung äußerst wahrscheinlich, bei fünf neutral und bei null unwahrscheinlich. Gemäß den Antworten teilte er die Kunden in Förderer, passiv Zufriedene und Kritiker ein. Die Förderer, also absolut begeisterte Kunden, gaben eine neun oder zehn. Die passiv Zufriedenen gaben eine sieben oder acht. Die Kritiker vergaben Noten von eins bis sechs. Indem er die Anzahl der Kritiker von der Anzahl der Förderer subtrahierte, errechnete er die effektiven Förderer. Unternehmen wie Amazon und Ebay erreichten in seinen Untersuchungen die besten Werte. Sie hatten zwischen 75 und 80 Prozent effektive Förderer.
In Zukunft können sich Unternehmen also in vielen Fällen kosten- und zeitintensive Kundenzufriedenheitserhebungen sparen, denn eine einzige, regelmäßig gestellte Frage bringt es an den Tag. Hier ein weiterer Formulierungsvorschlag:
- Können Sie sich vorstellen, uns weiter zu empfehlen?
- Und wenn ja: weshalb?
- Und wenn nein: weshalb nicht?
Auf Basis der Resultate lässt sich unverzüglich ein Sofort-Programm installieren, das Schwachstellen beseitigt und die Empfehlungsraten steigert. Während man auf die Ergebnisse klassischer Zufriedenheitsuntersuchungen oft monatelang warten muss, können Sie nun ganz unmittelbar reagieren und dem Kunden ein zeitnahes Feedback geben. Und, wenn nötig, rasch Veränderungen anstoßen. Denn Kunden sind ungeduldig. Sie werden jedenfalls nicht warten, bis die Unternehmen umständlich in die Gänge kommen. Die Karawane zieht dann einfach weiter.
Natürlich gibt es nicht nur positive Empfehler, sondern auch negative. Letztere sind, wenn sie ihren Frust in ihr persönliches Umfeld oder gar in die Blogging-Szene tragen, gefährliche Imagezerstörer. Als Reklamierer und damit Ideengeber dagegen sind sie kostenlose Unternehmensberater. Wenn das die Firmen nur endlich verstehen würden: Von Kunden kann man eine Menge lernen.
Fazit
Aktive positive Empfehlungen sind das Wertvollste, das ein Unternehmen von seinen Kunden bekommen kann, wertvoller noch, als sein Geld. Wer rein auf das Portemonnaie des Kunden schielt, zielt meist auf den Einmal-Kaufakt. Empfehlungsmarketing dagegen zielt auf sein anhaltend emotionales Engagement. Dies spült nicht nur einmal, sondern immer wieder Geld in die Kassen: Und zwar nicht nur das Geld der Kunden, die gerne immer wieder kaufen, sondern auch das Geld von Leuten aus seinem Umfeld.
Das Marketing und die komplette Vertriebsmannschaft müssen lernen, gezielt ihre Kunden als positive Kommunikatoren so mit einzubinden, dass diese begeistert Empfehlungen aussprechen. Die strategische Ausrichtung auf aktive, positive Empfehler ist die intelligenteste, preisgünstigste und erfolgversprechendste Umsatzbeschleunigungsstrategie aller Zeiten. Und: Neu-Kunden werden auf diesem Weg gleich mit geliefert und zwar kostenlos.

Buchtipp:
Anne M. Schüller, Zukunftstrend Empfehlungsmarketing - Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten, [135] BusinessVillage Verlag, 2005
Nutzen: Wie man (Neu) Kunden gewinnt
Gastbeitrag von Christian Sickel, Köln *
Guten Tag ... Mein Name ist ... von ... Unsere neue Generation von Netzwerklösungen kann ... oder Unser neues Buchhaltungssystem kann ... oder, oder, oder ...
Ab hier überlegt der Interessent gerade, wie er den Anbieter elegant wieder los wird. Beispielsweise mit: Schicken Sie mir mal einen Prospekt oder gar Machen Sie mir mal ein Angebot. Der Verkäufer erklärt dem Interessenten, was sein Produkt oder seine Lösung alles kann, aber nicht was sie ihm nützt. Grundsätzlich sollten wir uns einmal überlegen was genau wir denn vom Kunden wollen. Eine Brieffreundschaft eröffnen oder ihm etwas verkaufen?
Hierzu sollten wir uns darüber klar werden, dass unser Produkt im ersten Schritt der TERMIN ist, nichts anderes. Die Reaktion des Kunden auf unsere Ansprache sollte also sein: Erzählen Sie mir mehr.
Um das zu erreichen ist es wichtig, sich erst einmal klar darüber zu werden, wie die eigenen Produkte oder Lösungen den Kunden tatsächlich unterstützen. Nur so wecken wir Interesse. Am besten überlegen wir gemeinsam mit Kollegen, welchen Nutzen unsere Kunden in der Vergangenheit von der Zusammenarbeit mit uns hatten.
- Wie war die Situation beim Kunden, bevor er unsere Lösung einsetzte?
- Was genau hat sich verbessert?
- Welche Probleme genau konnten gelöst werden?
- Welche Abteilungen beim Kunden konnten profitieren?
Wir stellen uns diese Fragen aus Kundensicht und fassen sie in Fakten zusammen. Hypothesen helfen uns nicht weiter. Es zählt nur, was wir wirklich für unsere Kunden erreichen konnten. Notfalls müssen wir bestehende Kunden befragen. So erhalten wir die Schlüsselprobleme unserer Gesprächspartner und können den Nutzen unserer Lösung verschiedenen Bereichen beim Kunden zuordnen.
1. Fragen zur momentanen Situation beim Kunden:
- Welche Informationen benötigen wir über den Neu- oder Bestandskunden?
- Verstehen wir die Kundenorganisation?
- Verstehen wir den Markt des Kunden?
- Welche Referenzen und Nutzenargumente können wir heranziehen?
2. Eruieren von Abteilungen und Gesprächspartnern beim Kunden in denen
- Unsere Lösung einen Nutzen bringt ( siehe Kasten, Wem nützt die Lösung beim Kunden?)
3. Bestimmen der Strategie: Für jeden Bereich im Kundenunternehmen, für den wir einen Mehrwert finden oder Probleme lösen konnten, benötigen wir
- den richtigen Gesprächspartner in der jeweiligen Abteilung
- ein tiefes Verständnis für seine Probleme und Herausforderungen
4. Entwickeln einer Nutzenargumentation, passend zur Zielperson.
- Wir entwickeln eine Nutzenargumentation und verproben sie mit Kollegen.
- Beim ersten Kontakt soll die Argumentation kurz sein und der Nutzen sofort klar werden.
Beispiel:
VK: Guten Tag Herr Colberg. Mein Name ist Hans Julius von der DocuSolution AG. Wir unterstützen Speditionen (Branche des Kunden) bei der Optimierung ihrer Bestellabläufe. Bei sieben von zehn Kunden (Fakten) konnten wir die Produktivität steigern und die Kosten senken (möglicher Nutzen für den Kunden). Ich würde gerne mit Ihnen einen Termin vereinbaren, bei dem wir gemeinsam feststellen, ob und wie wir in Ihrem Unternehmen ähnliche Verbesserungen erreichen können.
KD: Termin? Worum geht es denn genau? (Erzählen Sie mir mehr)
VK: Herr Colberg, immer wenn wir uns mit Geschäftsführern von Speditionen (gleiche Hierarchieebene und Branche wie der Gesprächspartner) erzählen sie uns, dass durch viele teure Vordrucke wie Lieferscheine und Rechnungen (Schlüsselproblem) ein hoher Lager- und Verwaltungsaufwand entsteht. (Auswirkung des Problems) Die schwierige Auftragsbearbeitung mit den Vordrucken führt bei Nachbestellungen zu Lieferverzögerungen (weitere Auswirkung des Problems), die verärgerte Kundenreaktionen nach sich zieht. (weitere Auswirkung)
KD: Und wie wollen Sie das lösen?
VK: Wir optimieren die Lieferabläufe unserer Kunden durch flexible Formulargestaltung auf preiswertem Blankopapier. Hierdurch entfällt Lagerhaltung und die Auftragsbearbeitung wird einfacher, so dass Ihre Mitarbeiter künftig flexibler auf Kundenwünsche eingehen können.
KD: Hört sich gut an, aber wenn das so einfach wäre wie Sie sagen, hätten wir ja auch selbst drauf kommen können. (Kunde möchte einen Beweis)
VK: Wir haben bereits Firmen wie ... (Referenzen aus der Branche) erfolgreich unterstützt und konnten Kostensenkungen von bis zu 20 Prozent erzielen, bei gleichzeitiger Steigerung der Flexibilität und Kundenzufriedenheit. Können wir uns treffen, um gemeinsam festzustellen, ob Sie von einer Zusammenarbeit ebenso profitieren können?
Wir haben die Lösung mit keinem Wort erwähnt, sondern uns auf das Verbesserungspotential und die Situation des Kunden konzentriert. Auf die Aufforderung des Kunden erzählen Sie mir mehr haben wir ihm nicht unser Produkt erklärt, sondern ihm seine Situation widergespiegelt. Und genau deshalb bekommen wir einen Termin.
Wie die Lösung oder das Produkt nun genau aussieht, ist erst einmal unwichtig. Die Frage ist doch; Erkennt der Kunde seine Probleme wieder und will er sie lösen?
Ziel solcher Telefonate (oder Anschreiben) ist doch nicht, den Kunden aufzuklären, sondern ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Auf weitere Fragen des Kunden nach Details ist es doch völlig verständlich und kennzeichnet eine seriöse Vorgehensweise aus, dass wir mit der Bitte nach einem Termin reagieren. Denn um konkrete Verbesserungen in Aussicht zu stellen, müssen wir die genaue Situation des Kunden kennen.
Worum geht es denn?
Ein Teil der Herausforderung für die Neukundengewinnung besteht darin, die Assistenz des ausgewählten Gesprächspartners von der Dringlichkeit unseres Anliegens zu überzeugen. Der Einfluss dieser Personen sollte keinesfalls unterschätzt werden, denn
- Sie bestimmen die Priorität jeder an ihren Chef gerichteten Kommunikation.
- Sie entscheiden, welche Kommunikation ihren Chef erreicht und welche nie bis zu seinem Schreibtisch vordringt.
- Sie berichten ihrem Chef vorteilhaft oder weniger vorteilhaft über uns.
- Sie können eine wichtige Informationsquelle sein.
Deshalb ist es wichtig, diesen Personenkreis zu Partnern zu machen. Und somit kommen wir der Frage Worum geht es denn? zuvor und erzählen einfach worum es geht.
Beispiel:
SK: Es tut mir leid Herr Julius, aber Herr Colberg ist unterwegs. Er war auch nur kurz im Büro.
VK: Frau Schneider, haben Sie einen kleinen Moment Zeit? Ich würde Ihnen gerne kurz erklären, warum unser Angebot aus meiner Sicht so wichtig für Herrn Colberg ist.
SK: Ja, wenn ich das verstehe.
VK: Da habe ich keine Sorge. Sehen Sie Frau Schneider, immer wenn wir uns mit Geschäftsführern (gleiche Hierarchieebene wie ihr Chef) unterhalten, erzählen sie uns ... (Text wie oben)
SK: Ja, darüber beklagt er sich auch immer.
VK: Frau Schneider, die DocuSolution AG .... (Text wie oben)
Da die Assistenz immer auch eine Vertrauensstelle hat, wird sich ihr Chef auch mit ihr über seine Probleme unterhalten oder zumindest die ein oder andere Bemerkung fallen lassen. Je mehr sie sich mit unseren Ausführungen identifizieren kann, desto dringlicher wird sie unser Anliegen weiter vermitteln.
Wenn wir uns künftig mehr auf die Probleme und Herausforderungen unserer Interessenten und Kunden konzentrieren werden die Terminvereinbarungen zwar nicht zum Kinderspiel, jedoch erhält die Kundenansprache eine andere Qualität und unsere Gesprächspartner sind eher bereit, uns zuzuhören.
Wem nützt die Lösung beim Kunden?
Teil der Lösung (nicht die Lösung selbst) | Kundennutzen | Abteilungen, die profitieren |
Flexibles Formularmanagement | - Kostensenkung | - Geschäftsführer, Controlling |
Einsatz von Blankopapier | - einfache Handhabung | - Verwaltung |
Nutzenargumentation entwickeln
Möglicher Gewinn für den Kunden
- Kostenersparnis
- Produktivitätssteigerung
- pünktliche Lieferungen
- Kundenzufriedenheit
Auswirkung des Problems auf die Kundensituation
- hohe Lagerkosten
- Mehraufwand durch kompliziertes Handling
- Lieferverzögerungen
- keine individuellen Kundenwünsche möglich
- verärgerte Kunden
Das Problem an sich
- unüberschaubar viele, teure Vordrucke
Die Problemlösung (nicht die Lösung selbst)
- flexibles Formularmanagement
Beweis, belegt mit Zahlen, Daten, Fakten
- Referenzen, Firmen, die unsere Lösung bereits erfolgreich einsetzen
Christian Sickel ist selbständiger Verkaufs-Berater und Trainer.
Kontakt:
Christian Sickel
Classen Kappelmann Strasse 30a
50931 Köln
www.christiansickel.de [136]
Weiterdenken: Kundenbindung verlangt mehr als After-Sales-Service
Heimliches Davonschleichen schon in der Nacht oder ofenfrische Croissants und frisch gepresster Orangensaft ans Bett serviert … Welchen Weg Sie wählen, hängt davon ab, was Sie erreichen wollen. Wenn aus der Eroberung für eine Nacht aber ein Bund fürs Leben werden soll, reicht auch der Cappuccino am ersten Morgen nicht aus. Leider läuft es in Unternehmen ganz ähnlich. Auch hier schleichen Verkäufer und Unternehmen nach dem Abschluss im übertragenen Sinne oft heimlich davon, statt Kunden durch Serviceleistungen langfristig zu gewinnen. Kundenbetreuung nach dem Verkauf? Oft Fehlanzeige. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, sagte meine Großmutter immer. Und dieses Verhalten kann ein Unternehmen unter Umständen potenzielle Stammkunden und Geld kosten.
Nach dem Kauf ist vor dem Kauf
Die Aussage Nach dem Kauf ist vor dem Kauf ist sicherlich richtig. Die Fixierung auf den Vorgang des Kaufens selbst ist allerdings nicht mehr zeitgemäß. Für nahezu alle Produkte und Dienstleistungen gibt es heute kaum unterscheidbare Alternativen und immer mehr Menschen vergleichen die Preise im Internet. Was also animiert die Kunden noch dazu, in der Wirklichkeit statt online einzukaufen? Die Antwort ist einfach: Es sind Beziehungen, Erlebnisse und Service-Angebote, die die meisten Anbieter in virtuellen Shopping-Malls so persönlich nicht bieten wollen oder können.
Möglichkeiten für kontinuierlichen After-Sales-Service
Dazu gehören persönliche After-Sales-Leistungen wie die rund um die Uhr besetzte Hotline oder die Einstellung aller Fernsehsender durch den Händler vor Ort. Gerade kleinere Einzelhandelsgeschäfte können über diese Serviceleistungen bei bestimmten Kundengruppen gegenüber Ketten punkten. Hier ist die Kundenbeziehung häufig persönlicher und kann noch weiter ausgebaut werden. Ein Modegeschäft kann zum Beispiel seine Kunden proaktiv über neu eingetroffene Ware informieren. Aber nicht bei jeder Warensendung!
Das kann schnell aufdringlich wirken. Man muss die Bedürfnisse der Kunden genau kennen, um zu wissen, was sie wollen. Bevorzugt eine Stammkundin einen bestimmten Stil oder sucht sie immer nach passenden Business-Kostümen, kann sie mit einem kurzen Anruf oder einer SMS informiert werden, dass Ware eingetroffen ist, die wie für sie gemacht ist. Auf diese Weise wird aus dem Ereignis Kauf ein Prozess, aus einem einmaligen Vorgang der Beginn einer langen Kundenbeziehung.
Kreativität ist gefragt
Zusätzliche außergewöhnliche Service-Ideen wie ein Strauß Narzissen zum Frühlingsbeginn, das Cappuccinopäckchen zum neuen Katalog oder einige Ausgaben einer Einrichtungszeitschrift nach der Unterschrift zu einem Immobilienkauf können wahre Wunder wirken. Wer in diesem Punkt Kreativität beweist, kann die Kundenbeziehung permanent pflegen, ohne seine Kunden unangenehm unter Druck zu setzen. Wie wichtig ein solches professionelles Beziehungsmanagement ist, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schließlich hängt auch die Weiterempfehlungsquote ganz entscheidend von ausgezeichneten Serviceleistungen ab.
Überraschung und Kommunikation als Erfolgsfaktoren
Deutschland ist auf einem guten Weg, die viel zitierte Servicewüste zum Blühen zu bringen. Noch allerdings sind Unternehmen, die durchgängigen Service umsetzen, in der Minderzahl. Selbstverständlich ist das eine großartige Chance für alle, die schon heute die Standards von morgen erfüllen. Das gilt übrigens auch im Privatleben. Ein Sektfrühstück nach der ersten gemeinsamen Nacht? Unzureichend! Besser kommt es schon an, wenn er ihr als Liebesbeweis seine Lieblings-DVD leiht. Oder sie mit einem kleinen Mitbringsel von der Dienstreise, einem außerplanmäßigen Blumenstrauß oder mit einem Candle-Light-Dinner daheim überrascht. Das können Impulse für eine glückliche und längerfristige Partnerschaft sein. Überraschungen und Kommunikation beleben eine Beziehung im Privatleben wie im Unternehmen.
Gehirngerecht: Erfolgreich durch emotionales Verkaufen
Menschenversteher sein
Nur leider: Im Menschenverstehen sind wir alle mehr oder weniger Laien, das haben wir nicht auf der Schule, nicht in der Lehre und nicht an der Uni gelernt. Das stand auf keinem Lehrplan. Da konnten wir bisher nur unseren gesunden Menschenverstand konsultieren. Oder nach Erklärungen aus unseren Tagen als Steinzeit-Mensch suchen. Doch neuerdings kommt uns die Gehirnforschung zu Hilfe.
Gehirn-Tomographen liefern uns in bunten Bildern immer mehr Erkenntnisse darüber, was im Hirn des Verbrauchers vorgeht, wenn er an seine Lieblingsmarke denkt oder Kaufentscheidungen vorbereitet. Zumindest erkennen wir, durch Kontrastmittel gefahrlos sichtbar gemacht, in welch unterschiedlichen Hirnarealen gedacht, verarbeitet und schließlich entschieden wird, und wie sich das alles verknüpft. Allerdings: Was genau gedacht wird, das sieht man leider nicht.
Den Beweis dafür, dass, wer die Menschen stärker positiv emotionalisiert, auch erfolgreicher ist, trat kürzlich ein Experiment texanischer Wissenschaftler am Baylor-College in Houston an. Coca Cola-Trinker zeigten deutlich höhere Reaktionen in emotionalen Bereichen des Gehirn als Pepsi Cola-Trinker, wenn man ihnen sagte, welches Getränk sie gerade zu sich nahmen. Im Blindtest fanden übrigens beide Versuchsgruppen, dass Pepsi besser schmeckt.
Wer sich unter verkaufsrelevanten Gesichtspunkten mit unseren Hirnfunktionen näher auseinander setzt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bildgebende Verfahren dechiffrieren Schnitt für Schnitt, was intuitiv talentierte Verkäufer schon seit ewigen Zeiten Bauchgefühl nennen: Denken, fühlen und entscheiden sind untrennbar miteinander verbunden und verlaufen im Wesentlichen unterbewusst. Ohne Gefühle ist kein vernünftiges Handeln möglich. Und wenn wir noch so stolz auf unser Denkhirn sind: Eine rein sachliche Entscheidung gibt es nicht.
Der Blick ins Gehirn
Der umgangssprachlich gerne Reptilienhirn genannte evolutionär ältere Teil unseres Gehirns, unser limbisches System, trifft in Abstimmung mit unserem Großhirn völlig unbewusst und ohne dass wir dies stark beeinflussen können, ständig überlebenswichtige Schiedssprüche: Gut für uns oder schlecht für uns. Gut für uns wird mit einem angenehmen, schlecht für uns mit einem unangenehmen Gefühl belohnt. Dies wird unter anderem verursacht durch Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Adrenalin. Deren Ausschüttung erfolgt zwar im Gehirn, wir nehmen sie jedoch als körperliche Reaktionen wahr, beispielsweise im Bereich der inneren Organe. Daher Bauchgefühl. Die berühmten Schmetterlinge im Bauch sind nur ein Beispiel dafür.
Treffen zwei Menschen aufeinander, entscheidet unser limbisches System ohne unser Zutun und in Bruchteilen von Sekunden: Freund oder Feind. Ohne das wir recht wissen warum, finden wir jemanden sympathisch oder unsympathisch. In rasender Geschwindigkeit wird unser Vertrautheitsgedächtnis abgegrast, mit gespeicherten emotional konditionierten positiven oder negativen Vor-Erfahrungen abgeglichen und uns als Ergebnis präsentiert. Und das ist auch gut so. Denn in akuten Gefahrenmomenten springt unser Denkhirn viel zu langsam an, um den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen.
Mal angenommen, unser limbisches System votiert für Feind, dann kennt unser Körper wie auch der eines Tieres - nur noch drei mögliche Reaktionen: draufhauen, abhauen, tot stellen. In Situationen, die mit Angst, Wut, Stress und Bedrohung verbunden sind, erfordert es unseren ganzen Willen, sich dem Reflex von Angriff oder Flucht zu entziehen. Denn unser Körper ist voll gepumpt mit Adrenalin und bereit, die Keule zu schwingen. Da wir nun nicht mehr im Urwald leben, packen wir zivilisierten Kopfarbeiter des 21. Jahrhunderts diese gern in verbaler Form aus je nach Situation und Adrenalin-Dosis auf mehr oder weniger subtile Art und Weise. Die zugefügten Verletzungen sind emotionaler Natur und manchmal tiefer als eine körperliche Wunde. Und sie heilen oft schlechter.
Das limbische System hat gegenüber dem rationalen corticalen System das erste und das letzte Wort. Das erste beim Entstehen unserer Wünsche und Zielvorstellungen, das letzte bei der Entscheidung darüber, ob das, was sich Vernunft und Verstand ausgedacht haben, jetzt und so und nicht anders getan werden soll, schreibt der Bremer Gehirnforscher Gerhard Roth in seinem Buch Aus Sicht des Gehirns, und weiter: Am Ende eines noch so langen Prozesses des Abwägens steht immer ein emotionales Für und Wider. Die Chance der Vernunft ist es, mögliche Konsequenzen unserer Handlungen so aufzuzeigen, dass damit starke Gefühle verbunden sind, denn nur durch sie kann Verhalten verändert werden.
Lust statt Frust erzeugen
"Zu dem, der lächelt, kommt das Glück", sagt ein japanisches Sprichwort. All denen, die unerschütterlich an das Positive glauben, gibt die Gehirnforschung Recht. Immer dann, wenn wir etwas gedacht oder getan haben, das aus Sicht des Gehirns eine Belohnung verdient, werden Glückshormone ausgeschüttet. Diese körpereigenen Opiate, den Drogen chemisch sehr ähnlich, geben uns ein wohliges Gefühl, sie machen uns je nach Art und Dosierung glücklich, euphorisch, ekstatisch. Und sie machen uns süchtig. Davon wollen wir mehr! Ausdauernde Läufer kennen dieses Phänomen als Runners-High. Der Körper belohnt uns für eine gelungene Flucht.
Positive Gefühle sagen uns, was wir tun, und negative, was wir besser lassen sollten. Diese Strategie der Natur hilft uns nicht nur, zu Überleben, sondern kann auch die Qualität dieses Überlebens bemerkenswert verbessern. So hat die Evolution es eingerichtet, dass der Mensch ständig auf der Suche nach guten Gefühlen ist. Zuhause genauso wie in der Arbeit. Für den Verkauf bedeutet dies: Wem es gelingt, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu gestalten, eine positive Stimmung zu erzeugen, dem Kunden Momente des Glücks zu verschaffen, der wird dauerhaft erfolgreich sein. Denn wer sich wohl fühlt, wer ein gutes Gefühl hat, wer sich bestätigt fühlt, kauft eher - und mehr. Und der Preis als alleiniges Entscheidungskriterium tritt dann in den Hintergrund.
In einem positiven Zustand zu sein, hat weitere Vorteile. Wir werden offener und damit kreativer. Wir werden agiler und schreiten zur Tat. Und wir sehen die Welt ein wenig durch die rosarote Brille; so wie ein Verliebter, der nur die guten Seiten sieht und über kleine Schwächen milde hinwegschaut.
Negatives dagegen lähmt. Angst paralysiert und macht dumm. Die Erklärung dafür ist einfach: Bei Angst, Bedrohung und Stress sind die Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Hirnzellen, die so genannten synaptischen Spalten, blockiert. Dort können die Hirnströme nicht mehr ungehindert fließen, und wir können nicht mehr klar denken. Die Folge: ein Blackout. Über Angst und Unbehagen zu verkaufen ist genauso falsch wie über Angst zu führen. Beides mag zwar zu kurzfristigen Erfolgen führen, auf Dauer ist es aber zerstörerisch. Denn Angst ist Gift für die Seele.
Verkaufen ist Emotionsmanagement
Die meisten Entscheidungen, auch das sagen uns die Gehirnforscher, hat unser Gehirn schon getroffen, bevor wir uns dessen bewusst sind (was den Wert einer guten Entscheidung nicht mindert). Kein Wunder, dass wir manchmal Dinge tun und gar nicht wissen, warum. Oder uns entschuldigen müssen für ein Wort, das uns so rausgerutscht ist, weil sich unser Unterbewusstsein an der Schranke des angepassten sozialen Verhaltens vorbeigemogelt hat. Oft sind wir nur noch der rationalisierende Ausführer, der sich selbst und Anderen erklärt, warum eine Entscheidung genau so und nicht anders ausgefallen ist.
Wenn nun aber unserer Entscheidungen größtenteils von unserem Unterbewusstsein gesteuert werden und in Wahrheit emotionale Entscheidungen sind, dann ist es höchste Zeit, dass die nach wie vor meist fachlich-sachliche Ausrichtung vieler Verkaufsgespräche verknüpft wird mit einer richtig austarierten, emotional berührenden Argumentation. Drei Punkte sind dabei zu beachten:
- Die Menschen suchen aktiv nach guten (weil von Glückshormonen belohnten) Gefühlen.
- Die Menschen meiden negative (weil von Angst- und Stresshormonen begleitete) Gefühle.
- Emotionales wird besser gespeichert und damit nachhaltiger verankert als Rationales.
Verkaufen ist heute in erster Linie Emotionsmanagement: Gespür für die Wünsche, die oft unausgesprochenen Bedürfnisse, Gefühle, Sorgen, Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume der Kunden. Nur: Überall dort, wo der Verstand regiert, ist der Zugang zu den Emotionen recht beschwerlich. Jede Menge Feingefühl und Empathie sind gefragt, denn wer möchte in seinen wahren Gefühlen schon gerne entlarvt werden?
Menschen kaufen keine Produkte, sondern Problemlösungen und die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume. Und das betrifft nicht nur das Consumer-Geschäft. Auch die scheinbar sachlichen, in den männer-dominierten Führungsetagen getroffenen strategischen Entscheidungen haben meist mit Emotionen zu tun: mit Prestige, mit Macht, mit Reviergehabe, Positionskämpfen - und mit dem beruflichen Überleben. Oder ganz einfach mit Lebensqualität.
Der Betriebsarzt eines großen Industrie-Konzerns erzählte mir einmal, dass seine Abteilung als einzige von einem einschneidenden Kostensparprogramm verschont blieb. Denn er bot der Führungsmannschaft Massagen, Heilbehandlungen usw. Er diente auch als menschlicher Kummerkasten, bei dem sich die Herren unbesorgt fallen lassen und auch mal ausweinen konnten. Denn an der Spitze ist man einsam und traut fast niemandem mehr.
Wie emotional selbst hochpräzise, rein funktionsgesteuerte Maschinen wirken, können Sie in den Fertigungshallen der Automobilindustrie beobachten, wenn Sie Industrie-Robotern bei der Arbeit zuschauen. Und selbst reine Geldentscheidungen sind in Wirklichkeit emotionale Entscheidungen - denn Geld ist eine hochemotionale Sache. Geiz ist eben nicht vernünftig, sondern 'geil'.
Nähe schafft Vertrauen und damit Loyalität
Vertrauen entsteht durch kleine Schritte der Annäherung und durch ausbleibende Enttäuschungen. So, wie ein Hund sich auf dem gefrorenen See vortastet, um zu sehen, ob das Eis hält, so tasten wir Menschen uns vor, um zu sehen, wer unser Vertrauen verdient. Jeder Kaufakt ist ein Akt des Vertrauens. Man kauft viel eher bei Menschen, die man mag. Erst, wenn die Beziehungsebene stimmt, kann auf der Sachebene Großes bewirkt werden. Und eine Beziehungsebene wird am besten persönlich, also im zwischenmenschlichen Gespräch aufgebaut.
Das ist an sich keine neue Erkenntnis. Doch wenn man sich heute umschaut, findet Nähe zum Kunden - unter dem Mäntelchen der Kosteneinsparungen gut verpackt - immer seltener statt. Der Kunde verschwindet in der Anonymität! Nur: Dort, wo Verkäufer zu einer aussterbenden Rasse gehören, wo Menschen und damit persönliche Kontakte fehlen, sinkt automatisch die Kunden-Loyalität. Automaten und Sprachcomputer können zwar Menschen ersetzen, diese aber nicht loyalisieren. Zur Illustration ein paar Beispiele:
- Die teuerste Musik kommt aus der Warteschleife. Investigative Sprachautomaten (Wenn Sie sprechen wollen, drücken Sie die 1 ) ersparen den Unternehmen zwar Zeit und Geld, aber sie kosten Kunden. Denn wer durch sprachgesteuerte Computer-Ansagen irren muss, gibt dafür seine Zeit und sein Geld, vor allem aber Geduld und Nerven. Und das lässt sich schon lange nicht mehr jeder bieten!
- Kundenkontakte werden an Call-Center wegdelegiert (damit man endlich seine Ruhe vor Kunden hat?). Der Kunde wird quasi ghettoisiert und systematisch daran gehindert, mit den gewünschten Mitarbeitern des Unternehmens direkt zu sprechen. Stattdessen wird er mit Sprüchen zugetextet, die vom Bildschirm abgelesen sind und so gar nicht zu seinem Anliegen passen wollen.
- Im Handel gehen Kunden heutzutage nicht nur auf Schnäppchen-Jagd, sondern vor allem auf Verkäufer-Jagd. Und wer endlich einen ergattert hat, wird diesen gegen eine Horde lauernder Kunden verteidigen müssen ("Der gehört mir, den brauch ich jetzt 'ne Weile, nein, Sie können auch nicht mal nur 'ne kleine Frage stellen!"). Einkaufen als verbale Kampfsportart und das soll Kauflust wecken?
- Bei vielen Banken wird der Aufbau einer persönlichen Geschäftsbeziehung systematisch unterbunden. Kunden sollen im Rhythmus der Technologie funktionieren, oft wird man vom Schalter weg zu den Automaten gejagt. Oder man wird herumgeschubst und von Ansprechpartner zu Ansprechpartner weitergereicht. Und bei jedem Wechsel geht Wissen verloren.
Geldscheine sind Stimmzettel! Und täglich wird neu abgestimmt! Wer verstanden hat, wie ich als Kunde ticke, was ich brauche und wie man mich glücklich machen kann, der hat meine Stimmzettel verdient. Und wenn uns Kunden was nicht passt, bleibt unser Portemonnaie eben zu!
Loyale Kunden und die Zukunft kann kommen!
Loyalität entsteht viel leichter zwischen zwei Menschen als zwischen Menschen und mehr oder weniger automatisierten, anonymen Unternehmen. Gerade bei Dienstleistern spielt die Interaktion zwischen Mitarbeiter und Kunde eine entscheidende Rolle. Je individueller die Leistung für den einzelnen Kunden erbracht wird und je unmittelbarer der Kunde-Mitarbeiter-Kontakt ausfällt, desto stärker ist das Gefühl emotionaler Verbundenheit. Und gerade dort, wo Produkte nicht mehr faszinieren können, da müssen es die Menschen tun.
Emotionen managen: Das ist eine der anspruchvollsten Aufgaben eines Vertriebsmitarbeiters. Sein größtes Hindernis ist eine vom Controller verordnete 'Optimierung der Verkaufsprozesse', die Zeit für Gefühle als unnötig wegrationalisiert. Wer als Kunde allerdings 'seinem' Verkäufer emotional und dauerhaft verbunden ist, der wird diese Loyalität auch auf das Produkt übertragen.
Loyalität und nicht Konsumverzicht ist die schärfste Waffe des Verbrauchers. Kundenloyalität steigert die Wertschöpfung, denn loyale Kunden kaufen öfter, sie kaufen mehr, sie sind (meist) weniger preissensibel. Wer die Loyalität seiner Käufer gewinnt und dauerhaft bewahren kann, generiert kontinuierlich steigende Umsätze und reduziert gleichzeitig seine Kosten.
Und das ist noch nicht alles. Ein durch und durch loyaler Kunde kommt ja nicht nur immer wieder, er generiert auch Mund-zu-Mund-Geschäft. Nicht als Immer-wieder-Kunde, sondern als aktiver positiver Empfehler ist unser Kunde am profitabelsten, so wird das meiste Geld verdient. Und schließlich: Wer sein Empfehlungsgeschäft wirklich im Griff hat, hat nicht nur eine Vielzahl begeisterter Empfehler, sondern macht auch die Empfohlenen zu neuen Empfehlern. So setzt sich eine Loyalitätsspirale in Gang, die sich immer weiter nach oben dreht.
Überzeugend: Die sieben Schlüsselfaktoren im Kaufprozess
Gastbeitrag von Alexander Christiani, Christiani Kaufconsulting KG, Starnberg*
Jeden einzelnen Kunden zu gewinnen, zu begeistern und langfristig zu behalten, sollte hierzu Hauptziel allen unternehmerischen Handelns werden. Produkte und Dienstleistungen werden heute immer seltener verkauft und immer öfter gekauft. Die alten Push-Paradigmen von Verkauf und Vertrieb greifen immer weniger, während die neuen noch weithin unbekannten Pull-Mechanismen zunehmend wichtiger werden: Vom Verkäufer zum " Kaufgelegenheitsberater", vom Vertriebsprofi zum "Einkaufserlebnisgestalter", vom fehlerfreien TQM-Produkt zum erlebnisoptimierten TQM- Kaufprozess: Die Liste der umzudenkenden Unternehmensfelder und Funktionen ist lang die Benchmarkliste von Unternehmen, die mit diesen Prinzipien bereits große Erfolge erzielen, allerdings auch. Wer uns einlädt, bei dem kaufen wir gern, kommen wieder und empfehlen ihn oder sie weiter.
Die Elemente des Kaufprozesses
Sieben Punkte entscheiden darüber, ob sich Ihre Kunden mit Ihrer Marke, Ihrem Unternehmen Ihren Produkten und Dienstleistungen identifizieren. In Kombination und in richtiger Ausgestaltung können Sie eine regelrecht magnetische Wirkung auf Käufer auslösen. Ich empfehle Ihnen sich auf denjenigen Schlüsselfaktor zu konzentrieren, bei dem Sie Ihre größte Schwachstelle sehen. Anschließen lässt sich das Gesamtsystem schrittweise optimieren. Nutzen Sie den folgenden Überblick der sieben Schlüsselfaktoren für eine erste Analyse und für die Definition der ersten Umsetzungsschritte in Ihrem Unternehmen:
Menschen kaufen, wenn sie von einer Marke überzeugt sind.
1. Kundenmagnet: Expertenpositionierung Positionieren Sie Ihr Unternehmen mit einem sichtbaren Nutzenvorsprung im Kundenkopf als Marke.
Immer mehr Menschen kaufen tagsüber bei Hofer und Lidl und geben das dabei gesparte Geld abends beim Edel-Italiener Al Gallo Nero wieder aus. Für viele Unternehmer wird sich die Frage stellen, ob sie zu den Preisführern wie Hofer und Schlecker gehören wollen oder die Strategie der Qualitäts- bzw. Service- Führerschaft verfolgen wollen. Denn das Mittelmaß wird vom Kunden immer seltener nachgefragt. Dafür, dass sich in den Märkten von morgen Top-Leistungen mit wahrem Expertenstatus und Nutzenvorsprung genauso schnell herumsprechen werden, wie sich Scharlatane und schwarze Schafe selbst aus dem Markt katapultieren, sorgt ein zweiter Zukunftstrend: Die Märkte der Zukunft werden vor allem durch eines gekennzeichnet sein: Transparenz. Die aktuelle Technik-Entwicklung und die zunehmende Vernetzung ermöglicht es immer mehr Kunden, hochqualitative Information zu niedrigen Kosten zur Verfügung zu haben. Kunden werden immer informierter, Märkte immer transparenter. Daher ist es wichtig, einen Expertenstatus und einen Nutzenvorsprung dauerhaft und erfolgreich nach außen zu kommunizieren, um dadurch zum Kundenmagneten zu werden. Denn wir alle verfügen über ein beschränktes Maß an Zeit, Energie, Finanzen, Manpower, Know-how und anderen Ressourcen. Und je größer die Bandbreite des Fach- und Geschäftsgebietes ist, das wir abdecken, um so weniger Durchschlagskraft können wir entwickeln. Beim Aufbau des Nutzenvorsprunges stehen uns in den Märkten von morgen die praktisch kostenlosen Ressourcen der World of G.I.V.E. zur Verfügung: Geschwindigkeit, Information, Vernetzung und als Krönung Emotion.
Menschen kaufen, wenn sie eine Empfehlung von einer Vertrauensperson bekommen.
2. Kundenmagnet: Netzwerkarchitektur Denn Mund-zu-Mund-Propaganda ist nach wie vor die wirkungsvollste Werbung der Welt
Mund-zu-Mund-Propaganda zum eigenen Vorteil zu initiieren und aktiv zu gestalten, zählt zu den wichtigsten Methoden zur Neukundengewinnung in den Märkten von morgen. Denn potenzielle Kunden vertrauen vermehrt auf die Empfehlungen ihrer Bekannten und Freunde statt auf Werbeaussagen. Durch die Entwicklung einer emotionalen Story, einem Detail der eigenen Dienstleistung, das der Kunde gerne und begeistert weitererzählt, können wir beispielsweise unsere Kunden aktiv einladen, uns zu empfehlen. Networking mit anderen Unternehmern erlaubt Ihnen ebenfalls mit geringstem Aufwand und in kürzester Zeit neue Kunden zu finden. Doch gibt es hier einen Faktor, der oft übersehen wird. Oft scheinen nämlich die Unternehmen und Unternehmer miteinander networken zu wollen, die selbst nicht so erfolgreich sind. Und dann hofft jeder, wenn er in der Kooperation mit dem anderen etwas raffinierter ist als der Geschäftspartner, dass er ihm vielleicht doch noch einige Kunden abluchsen kann. Und damit ist der Networking-Gedanke zum Scheitern verurteilt, bevor er sich überhaupt entwickeln konnte. Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Networking zum Erfolg wird, ist sogar vielen selbsternannten Networking- Experten nicht bekannt. Sie lautet: Erfolgreiches Networking setzt einen Expertenstatus für eine bestimmte Zielgruppe voraus. Denn leistungsfähige Unternehmen, die selbst einen Expertenstatus haben, sind nur an der Kooperation mit Experten interessiert, die der eigenen Kundenbeziehung einen Mehrwert geben können.
Menschen kaufen, wenn sie sich in einem Umfeld von Kaufgründen dazu eingeladen fühlen.
3. Kundenmagnet: Kaufprozess-Mechanics Das professionelle Design der gesamten Kauferlebnis-Dramaturgie
Einer der wichtigsten Werte in den Vergnügungsparks von Disney ist Sauberkeit. Um dies zu realisieren, wurden in kurzen Abständen Mülleimer installiert. So profan dieses Beispiel im ersten Moment wirkt, so leicht wird die Bedeutung von systemischen Bedingungen für die Erreichung von Spitzenleistungen übersehen. In vielen Unternehmen fehlt die klare Definition von Abläufen, die einzelnen Mitarbeiter verfügen nicht über das notwendige Arbeitsmaterial, Informationen fließen nicht, Ziele sind nicht definiert und Kompetenzen nicht zugewiesen. Was daraus folgt, ist im ersten Schritt schwindende Mitarbeitermotivation. Wenn jedoch die Systemvoraussetzungen nicht stimmen, dann kann kein Motivationstraining oder Incentive- Programm langfristig Wachstum bewirken. Es ist im Prinzip wie im Rennsport: Solange Michael Schumacher in der Formel 1 mit schlechten Reifen und mit einem unzuverlässigen Auto zu kämpfen hat, ist das vordringlichste Ziel des Teams, am Auto und an den Reifen zu arbeiten. Denn selbst der höchstmotivierte Fahrer wird sich unter diesen Bedingungen nicht den Weltmeistertitel holen. Ein schneller und kostengünstiger Weg, sein System zu entwickeln, ist Modelling of Excellence. Schon Konfuzius sagte: Es gibt drei Wege des Lernens. Durch Nachdenken das ist der edelste, durch Erfahrung das ist der bitterste, und durch Nachahmung das ist der Leichteste. Halten Sie daher Ihre Augen offen und lassen Sie sich von den Besten inspirieren. Machen Sie dabei an Ihren Branchengrenzen nicht halt.
Menschen kaufen, wenn sie vom Service-Spirit aller Mitarbeiter angezogen werden.
4. Kundenmagnet: Kaufprozess-Humanics Schmieden Sie Ihre Mitarbeiter zu einem erstklassigen Serviceteam
Besonders in der Dienstleistungsbranche zählt die Serviceorientierung der Mitarbeiter zu den wichtigsten Faktoren, ob sich der Kunde zum Kauf eingeladen fühlt. Wer es hier versäumt, talentierten Mitarbeiter zu gewinnen, wem es nicht gelingt, Teams zusammenzuschweißen, Mitarbeiter für neue Ideen zu begeistern und Konflikte konstruktiv zu lösen, der wird weit hinter seinem eigentlichen Potenzial zurückbleiben. Was gelebte Serviceorientierung bedeutet, konnte ich einmal persönlich vor Jahren bei einem Radisson SAS Hotel in Kalifornien kennen lernen. Das Geheimnis dort lag im Prinzip Identifikation setzt Beteiligung voraus und in der Entwicklung von konkreten Serviceideen. Durch die Frage: Wenn Sie als Gast in unser Hotel kämen, woran würden Sie, am konkreten Verhalten der Zimmermädchen/der Gärtner/des Concierge... erkennen, dass diese für Sie die Extrameile gehen, und Sie als VIP und Gast persönlich willkommen heißen und exquisit behandeln?, wurde die Servicephilosophie von denen entwickelt, die letztlich die Philosophie in ihrem Bereich leben sollten. Die Beiträge der verschiedenen Mitarbeitergruppen wurden erst im Anschluss von den Mitarbeitern zu einer Gesamt-Servicephilosophie verdichtet.
Menschen kaufen, wenn sie gewonnen werden durch die Überzeugungskraft des einzelnen Kaufberaters.
5. Kundenmagnet: Persönliche Überzeugungskraft Menschen können sich gegen alles wehren, was andere sagen. Aber Sie sind völlig offen für das, was sie zu sich selbst sagen.
Wer es in den Märkten von morgen versteht, den Kunden einzuladen, sich die Problemlösung selbst zu argumentieren, kann sich einen erheblichen kommunikativen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Neben einem natürlichen und gewinnenden Auftreten auch in Belastungssituationen oder ausgefeilten Argumentations- und Präsentationstechniken können hierzu im speziellen hierzulande noch weitgehend unbekannte Techniken wie Consultative Selling und Sprachmuster des Überzeugens wertvolle Dienste leisten. Durch Consultative Selling beispielsweise gelingt es, den Kunden im Gespräch durch Fragen so zu führen, dass er sich die Lösung selbst verkauft. Das Wissen, das Sie in einem solchen Gespräch sammeln, können Sie effektiv in der weitere Betreuung zum Nutzen des Kunden einsetzen. Mit den Sprachmustern des Überzeugens gelingt es, dass Sie Zuhörwiderstände und Vorurteile des Kunden abbauen und dass Sie so sprechen, dass andere Menschen mit Ihren Ohren sehen.
Menschen kaufen, wenn die Taten des Unternehmens halten, was die Worte versprechen.
6. Kundenmagnet: Selbstmanagement Unternehmen handeln ausschließlich durch die Menschen, die für sie aktiv werden.
Die Wirksamkeit eines jeden einzelnen hängt stark von der individuellen Fähigkeit ab, seinen Plänen und Versprechen auch Taten folgen zu lassen, seine Energien aktiv zu managen und sich systematisch selbst zu motivieren. Haben Sie beispielsweise den Eindruck, dass Ihnen manchmal die zum Erfolg erforderliche Willensstärke und Selbstdisziplin fehlen? Dann sollten Sie sich folgendes vor Augen halten: Nahezu alle Menschen sind in einigen Lebensbereichen höchst diszipliniert und lassen in einigen anderen Bereichen eben diese Disziplin schmerzhaft vermissen. Lernpsychologen wissen jedoch, dass Selbstdisziplin nichts anderes ist als das Ergebnis erlernter Denk- und Gefühlsgewohnheiten. Diese Denk- und Gefühlsgewohnheiten sind stark auf den Einzelfall bezogen, das heißt, der Schreibtisch eines disziplinierten Joggers, kann durchaus aussehen, wie ein Handgranatenwurfplatz. In diesem Fall beherrscht unser Jogger eine Denkroutine, die ihn beim Dauerlauf zu konsequentem Handeln motiviert, und ein weiteres Denkmuster, das beim Schreibtischaufräumen zu konsequenter Schlamperei führt.
Wenn unser disziplinierter Jogger lernt, sich ähnliche Motivationsfilme fürs Schreibtischaufräumen zu machen, wie er sie seit Jahren beim Joggen nutzt, wird er dort ähnlich gute Ergebnisse erzielen. Noch ein Tipp zum Thema Stressmanagement: Das Ziel, jahrelang mit extrem hoher Intensität zu leben, ist nur für den erreichbar, der sich die Erkenntnisse aus dem Hochleistungssporttraining zu Nutze macht: In den letzten Jahren wurden dort die größten Erfolge nicht durch eine Erhöhung der Trainingsintensität, sondern durch eine Intensivierung der Entspannungsphasen erreicht. Wenn Sie in Ihrem Leben Phasen intensiver Anspannung mit Phasen intensiver Mußestunden abwechseln lassen, geht Ihnen die Energie für langfristige Spitzenleistung nicht verloren. Nach einem langen Tag am Schreibtisch ist ein Waldlauf oder ein Sparziergang sicherlich die bessere Strategie, als sich faul vor den Fernseher zu setzen.
Menschen kaufen, wenn die Identifikation und der Leuchtende-Augen-Faktor des Kaufberaters auf sie überstrahlen.
7. Kundenmagnet: Talentefokus Menschen faszinieren, wenn Sie Ihre Stärken leben
Sichtbar besser als andere sind wir auf Dauer nur dort, wo wir im Kernbereich unserer Talente tätig sind: Dort, wo sich automatisch hohe Lerngeschwindigkeit mit Motivation, Begeisterung, Durchhaltevermögen und dem Stolz auf das eigene Können zur Spitzenleistung verbinden. Oft verbringen wir jedoch Zeit mit Tätigkeiten, die uns nichts bedeuten, an Orten, die uns gleichgültig sind, und das möglicherweise noch mit Menschen, die uns ebenfalls egal sind und das nur aus einem einzigen Grund: Weil wir glauben, wir müssten Dinge tun. Der Sohn oder die Tochter, die in dritter Generation Rechtsanwalt werden, um den Lebenstraum der Eltern zu leben, sind ein bekanntes, aber kaum noch Aufsehen erregendes Beispiel. Viel dramatischer sind Untersuchungen, die den Trend hinter solchen Einzelbeispielen zeigen. So befragte beispielsweise das Gallup-Institut 1,7 Millionen Mitarbeiter in 101 Unternehmen in 39 Ländern der Welt nach dem Übereinstimmungsgrad von Aufgabe und eigenen Stärken. Auf die Frage Haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz täglich Gelegenheit, das zu tun, was Sie am besten können? antworteten nur 20 Prozent der Befragten mit Ja! Anders ausgedrückt: 80 Prozent aller Mitarbeiter in Großunternehmen haben nicht das Gefühl, so eingesetzt zu sein, wie es Ihren Talenten optimal entspricht. Wie ist es mit Ihnen und Ihrer Mannschaft? Welches Potenzial und welche Schätze könnten Sie für Ihre Kunden und Ihr Unternehmen heben, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter mehrheitlich im Bereich Ihrer Stärken aktiv würden? Und welche Sog-Wirkung hätte dies auf Interessenten und Kunden?
* Alexander Christiani – Wirtschaftsjurist mit über 20-jähriger Consulting-Erfahrung – widmet sich als Vordenker der auf Kaufprozesse fokussierten Unternehmensführung diesem Themenkreis seit Jahren. Er ist Mitglied im Club 55 der europäischen Marketing-Experten und wurde vor kurzem von mehreren Hundert Entscheidungsträgern zu einem der führenden Marketing-Vordenker in Deutschland gewählt (Magazin acquisa).
Nähere Informationen:
Christiani Consulting KG
Zum Alten Gericht 14
53902 Bad Münstereifel
Tel: 02253-544071-0
Fax: 02253-544071-9
www.christiani-consulting.com [137]
Kauflust: Noch erfolgreicher durch loyale Kunden
Höchste Zeit also, dass das Marketing die Blickrichtung wechselt, sich von der Verliebtheit in die eigenen Angebote verabschiedet und seine betriebliche Welt mit aller Konsequenz aus der Sicht des Kunden betrachtet. Dies erfordert viel mehr als bloßes Hinwenden zum Kunden: Wir brauchen die totale Kundenorientierung! Dabei werden viele Unternehmen und ganze Branchen ihre Dienstleistung völlig neu erfinden müssen.
Heutzutage werden Leistungen ja nicht mehr verkauft, sondern gekauft. Der Kunde hat die Macht und damit das Sagen. Er stellt die Anforderungen und die Unternehmen führen sie aus und zwar bitte möglichst sofort. Wenn uns Konsumenten was nicht passt, bleibt das Portemonnaie eben zu. Nicht länger das Unternehmen, sondern der Kunde bestimmt also heute die Spielregeln, nach denen 'verkaufen' gespielt wird. Das ist die eine Herausforderung.
Loyalität ist die schärfste Waffe des Verbrauchers
Und die zweite, damit zusammenhängende, noch viel größere: Nicht Konsumverzicht, sondern Loyalität ist die schärfste Waffe des Verbrauchers. Denn irgendwann wird jeder wieder konsumieren (müssen), fragt sich nur, bei wem. Kundenloyalität ist damit die wichtigste und gleichzeitig vorrangigste unternehmerische Herausforderung der Zukunft. Wer diese Herausforderung annimmt, wer in Loyalitätsmarketing investiert, wer sich die Loyalitätsführerschaft auf die Fahnen schreibt, wer also in Zukunft die loyalsten Kunden hat, der wird sich erfolgreich von der allgemeinen Marktentwicklung abkoppeln können, der macht das Rennen.
Loyalität? Kommt das nicht ein wenig verstaubt daher? Denkt man da nicht an blinden Gehorsam und ewige Treue? Passt Loyalität überhaupt noch in unsere schnelllebige Zeit? Die gute alte Kundenbindung jedenfalls, die ist aus dem letzten Jahrhundert. Weil das Wort Bindung zu unseren neuen Märkten nicht mehr passt. Bindung macht unfrei, hat etwas Erzwungenes, fast möchte man an Fesseln denken.
Kein Knebelvertrag, kein noch so gutes Kundenbindungsinstrument kann heute und morgen noch Kunden dauerhaft binden - das können nur die Mitarbeiter schaffen. Die Mitarbeiter sind die Umsetzungsverantwortlichen des Marketing und die maßgeblichen Loyalitätsmacher. Denn Loyalität entsteht viel leichter zwischen zwei Menschen als zwischen Menschen und mehr oder weniger anonymen Unternehmen.
Stichwort
Loyalität bedeutet:
* freiwillige Treue
* emotionale, andauernde Verbundenheit
* leidenschaftliche Fürsprache
Loyalität braucht Zeit zum Wachsen. Denn Loyalität ist freiwillige Treue. Die muss man sich genau wie seinen guten Ruf - immer wieder neu (v)erdienen. Loyalität bekommt geschenkt, wer Kundenerwartungen (deutlich) übertrifft. Alles, was mit blumigen Werbeworten bunte Prospekte, das Internet, das Verkäufergeschwader verspricht, muss nicht nur eingelöst, sondern sogar überboten werden. Überrascht, verblüfft, begeistert, ja geradezu fasziniert muss der Kunde sein, das ist der beste Nährboden für Loyalität.
Loyalität ist ein Turbo für den Erfolg
Loyalität ist das wertvollste, was Sie von einem Kunden bekommen können, wertvoller noch, als sein Geld. Wer rein auf das Portemonnaie des Kunden schielt, zielt meist auf den Einmal-Kaufakt. Loyalität dagegen zielt auf die freiwillige Treue des Kunden, auf sein anhaltend emotionales Engagement. Dies spült nicht nur einmal, sondern immer wieder Geld in Ihre Kassen: Und zwar nicht nur das Geld der Kunden, die gerne immer wieder kaufen, sondern auch das Geld von Leuten aus seinem Umfeld. Denn wer durch und durch loyal ist, wird zu Ihrem Botschafter, der mit missionarischem Eifer und leidenschaftlich gerne Gutes über Sie erzählt - weil Sie ihm gute Gründe dafür liefern.
Jedoch: Loyalität ist ein flüchtiges Gut eine Loyalitätsgarantie gibt es nicht. Man wird also ständig in Vorleistung gehen müssen, nur dann bekommt man schließlich Loyalität geschenkt. Dauerhafte Loyalität führt zu nachhaltiger Ertragssicherung. Sie zielt nicht bloß auf den langfristigen Kundenwert eines Käufers, sondern vor allem auf dessen Empfehlungsgeschäft. Denn als aktive, positive Weiterempfehler sind Kunden am profitabelsten, so wird das meiste Geld verdient.
Kundenloyalität zu erzielen ist die schnellste Umsatz-Beschleunigungsstrategie der Welt. Eine kostengünstige noch dazu, denn loyale Kunden kosten wenig. Und die durch Weiterempfehlung gewonnenen Kunden kosten gar nichts.
Der 'war for customers' - und wie man ihn gewinnt
Wenn die Angebote immer zahlreicher, die Kunden dagegen weniger und immer illoyaler werden, ist es umso wichtiger, die Kunden zu halten und zu pflegen, die man schon gewonnen hat und neue, treue Kunden zu gewinnen. Gerade in Abschwungzeiten ist es überlebenswichtig, sich auf seinen bestehenden Kundenstamm zu konzentrieren. Und: Auf der Umsatzseite liegen deutlich höhere Ertragschancen als aus der Kostenseite.
Wie Sie zu durch und durch loyalen, Ihnen emotional und dauerhaft verbundenen Stammkunden kommen, die oft und viel kaufen, die leidenschaftlich gerne immer wieder Gutes über Sie berichten und so zu Ihren besten Verkäufern werden? Durch Loyalitätsmarketing! Im Loyalitätsmarketing wird das ganze Unternehmen, jedes Marketing-Instrument und jeder einzelne Mitarbeiter auf den Kunden ausgerichtet. Die Erzielung von Loyalität wird in der Unternehmensstrategie fest verankert. Basis ist eine loyalitätsorientierte Unternehmenskultur was dem Umgang miteinander sehr gut tut.
Loyalitätsmarketing als Unternehmensstrategie
Ausgelöst und vorgelebt werden müssen die Loyalisierungsprozesse durch das Management. Wie Sam Walton von Wal-Mart einmal sagte: "Es dauert keine 14 Tage, dann werden Mitarbeiter ihre Kunden genauso behandeln, wie sie selbst von ihren Chefs behandelt wurden." Kunden- und Mitarbeiterloyalität stehen in engem Zusammenhang. Sie verstärken sich gegenseitig im Positiven wie im Negativen. Nur, wer begeisterte, loyale Mitarbeiter hat, der hat auch solche Kunden.
Jede Unternehmensstrategie ist demnach nur so gut, wie die Mitarbeiter, die diese umsetzen. Und nur Mitarbeiter, die bei ihrem Arbeitgeber begeistert, ja geradezu glücklich sind, sind loyale Mitarbeiter. Solche Mitarbeiter sind der entscheidende Wettbewerbsvorteil beim Aufbau von Kundenloyalität. Der Loyalitätsfunke muss also das ganze Unternehmen erfassen, damit die so wertvolle Mund-zu-Mund-Werbung beginnt.
Doch nur Spitzenleistungen werden weiterempfohlen. Dabei betrachtet der Kunde ein Unternehmen immer als Einheit; Abteilungsgrenzen und Zuständigkeiten interessieren ihn nicht. Er erwartet von Jedem eine perfekte Leistung, da unterscheidet er nicht zwischen Chef und Azubi. Und wenn aus Sicht des Kunden auch nur ein einziger Mitarbeiter patzt, war für ihn das Unternehmen schuld.
Total Loyalty Marketing – was steckt dahinter?
Das systematische Ausschöpfen des vorhandenen Kundenpotenzials bietet unzählige Chancen zu kostengünstigem Wachstum. Doch dies ist nicht mit einem Zehn-Punkte-Programm und auch nicht im Rahmen einer Projektgruppe lösbar. Es ist vielmehr ein Schritt für Schritt zu entwickelnder und letztlich nie endender Prozess. Ein neues Konzept, das diesen Prozess mit Führungskräften und Mitarbeitern gemeinsam gestaltet, heißt Total Loyalty Marketing.
Total Loyalty Marketing ist ein ganzheitlicher, strategischer Management-Ansatz, der erstmals die drei Erfolgsachsen Marketing Mitarbeiter Kunde systematisch miteinander vernetzt. Alles aus Marketing-Sicht wichtige ist in einem einzigen Modell zusammengeführt und zielt auf die Loyalität der Kunden.
Der Managementprozess des Total Loyalty Marketing
Am Anfang des Total Loyalty Marketing steht die loyalitätsfokussierte Analyse. Ziel dieses ersten Schrittes ist es, in Frage kommende Menschen, Märkte und schließlich auch das eigenes Unternehmen nach Loyalitätspotenzial abzuklopfen.
Der nächste große Block in diesem Prozess ist die Marketing-Strategie, die auf der Basis der Analyse entwickelt wird. Hier werden loyalitätsorientierte Ziele formuliert, Rentabilität und Loyalität versprechende Zielgruppen definiert sowie die für Kunden und Mitarbeiter relevanten Nutzen in eine strategische Positionierung verpackt.
Diese strategischen Vorgaben sind schließlich das Fundament des Total-Loyalty-Marketing-Dreiecks mit seinen Eckpunkten Management, Mitarbeiter und Käufer. Die Kunden und nicht etwa Anteilseigner, Investoren und Aktionäre - stehen in diesem Dreiecksverhältnis unumstößlich an der Spitze. Alle Aktivitäten des Management wie auch die der Mitarbeiter sind systematisch auf ihn ausgerichtet, um ihn zu begeistern und damit zu loyalisieren. Drei mal fünf Bausteine führen zu den anvisierten (Loyalitäts-)Zielen.
Die Marketing-Achse
Aus den selbstzentrierten vier P des klassischen Marketing (product, price, place, promotion) werden im Total Loyalty Marketing die auf den Kunden fokussierenden fünf K: der Käufernutzen, die Kosten des Kaufs, die Kaufprozesse, die Kommunikation als kontinuierlicher, lebendiger Dialog und schließlich die Kultur des Unternehmens, so wie der Mitarbeiter sie lebt und der Kunde sie erlebt. Ziel des letztgenannten Bausteins ist das lachende Unternehmen.
Lachende Unternehmen verfolgen Gewinner-Strategien. Dort erleben Mitarbeiter Selbstbestimmung, Freude an der Arbeit, Wertschätzung und Anerkennung, Offenheit und Vertrauen. In lachenden Unternehmen herrscht Spaßgesumme und ein Treibhausklima für Spitzenleistungen. Dort arbeiten couragierte, motivierte, engagierte, unternehmerisch mitdenkende, begeisterte und loyale Mitarbeiter. Und dort kommen Kunden gerne immer wieder. Denn wenn die Stimmung stimmt, stimmen am Ende auch die Ergebnisse.
Die Loyalitätstreppe des Mitarbeiters
Im Total Loyalty Marketing bewegen sich die Mitarbeiter auf einer fünfstufigen Achse. Die Erfolgsbausteine heißen: kommen, wissen, können, wollen und lassen. Im ersten Schritt geht es darum, Mitarbeiter zu gewinnen, die gut zur Loyalitätskultur des Unternehmens passen und Loyalitätspotenzial mitbringen. Auf den Stufen Wissen und Können erlangen sie Loyalisierungskompetenz.
Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten wollen sie nun einsetzen wenn man sie lässt, ohne sie dabei allein zu lassen. Auf jeder Stufe sind situativ passende Maßnahmen einzuleiten, um die Mitarbeiter zu professionalisieren und die Fluktuation der Mitarbeiter, die man halten will, nahe null zu bringen. Hierzu gehört auch ein neuer Führungsstil: die kundenorientierte Mitarbeiterführung.
Das 'machen lassen', verbunden mit Vertrauen, mit der Übertragung von Verantwortung und dem Gewähren von Spielräumen, ist dabei der schwierigste Schritt und eine echte Herausforderung für die Führungskräfte. Aber es lohnt sich: Wer seine fähigen und motivierten Mitarbeiter zu Mitwissern macht, sie reichlich üben und dann machen lässt, hat operativ nichts mehr zu tun. Er kann sich voll und ganz um strategischen Aufgaben und seine wichtigsten Kunden kümmern.
Die Loyalitätstreppe des Käufers
Auch der Kunde bewegt sich auf einer fünfstufigen Loyalitätstreppe nach oben. Zunächst ist er ein Interessent, der zum Erst-, dann zum Wiederkäufer und schließlich zum Stammkäufer und Empfehler wird. Dabei geht es um die Loyalität der richtigen, der gut zum Unternehmen passenden Kunden. Solche, die profitabel sind und Loyalitätspotenzial haben.
Zu jedem Zeitpunkt der Kundenbeziehung ist genau zu ermitteln, auf welcher Stufe der Käufer sich gerade befindet und mit welchen loyalitätsfördernden Maßnahmen man ihn dazu bewegen kann, eine Stufe höher zu steigen, um schließlich ganz oben anzukommen. Ziel des Total Loyalty Marketing ist der aktive positive Empfehler, dessen Loyalitätswert (Loyalty Value) seinen Kundenwert um ein Vielfaches übersteigt.
Empfohlenes Geschäft ist so gut wie vorverkauft. Es führt beim Empfohlenen zu einer positiveren Wahrnehmung, zu einer höheren Gesprächsbereitschaft und zu zügigen Entscheidungen. Und schnell zu neuem Empfehlungsgeschäft! Wer seine besten Kunden dazu bringt, reichlich Empfehlungen auszusprechen, trägt nicht nur zur Reduzierung der Werbekosten bei, sondern tut auch etwas für die Homogenität seines Zielgruppen-Mix.
Das Empfehlungsgeschäft systematisch anzukurbeln, ist wie reiner Sauerstoff für die Umsätze. Von seinen Kunden empfohlen zu werden, ist nicht nur die wirkungsvollste, sondern auch die kostengünstigste Form der Kundenneugewinnung.
Buchtipp:
Anne M. Schüller, Zukunftstrend Kundenloyalität
Endlich erfolgreich durch loyale Kunden [138] , BusinessVillage, 2004
Beziehungsmanagement: Mit dem Kunden in Verbindung bleiben
Die Inhaberin des guten, alten Krämerladens an der Ecke kannte ihre Kunden ganz genau. Sie wusste um deren Vorlieben und Wünsche, richtete sich danach und dachte gewiss noch nicht über Kundenbeziehungsmanagement nach, wenn sie »Wie beim letzten Mal?« fragte und mit größter Selbstverständlichkeit ins Regal griff.
»Tante Emma« hatte sogar ein Gespür für die nicht geäußerten, ja nicht einmal geweckten Wünsche der großen und kleinen Besucher ihres Lädchens. »Sie haben doch bestimmt wenig Zeit zum Kochen«, könnte Sie der berufstätigen Mutter gesagt und ihr einen besonders leckeren Eintopf aus der Dose empfohlen haben. Dem älteren Herrn, der die drei Treppen hoch bis in seine Wohnung kaum noch schaffte, schickte sie ohne lange zu überlegen ihren Laufburschen mit, auf dass er die Einkaufstasche nach oben trage. Und den Kindern versüßte natürlich ein Bonbon den Weg nach Hause.
Inzwischen bröckelt selbst in Branchen, für die eine Ladentheke früher obligatorisch schien, der persönliche Kontakt zum Kunden zugunsten des elektronischen. Dennoch gilt es, mit dem Kunden in Verbindung zu bleiben. Dabei ist das Telefon besonders im Zusammenhang mit einem Call Center immer noch der am häufigsten genutzte Weg, Bestellungen zu klären oder gar entgegen zu nehmen. Daneben breiten sich weitere Medien aus: E-Mail als moderne Form des Geschäftsbriefes und vor allem das Internet sind aus der Kundenkommunikation nicht mehr wegzudenken. Doch erst durch die sinnvolle Kombination von Telefon, E-Mail und Internet gelingt es, den Kunden tatsächlich ans Unternehmen zu binden beinahe als Wiedergeburt des »Tante-Emma-Ladens«.
[...]
Den vollständigen Beitrag können Sie hier als PDF downloaden:
Professionell: Einen Tick dynamischere Verkaufs-Präsentationen
Zur Seite stand uns dabei Gabriele Zienterra, professionelle Rhetorik-Trainerin im Institut für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn. www.rhetorik-online.de [139]
Erfolgskonzepte für den Aufbau
Erst das Konzept, dann der Auftritt: Der richtige Aufbau von Verkaufspräsentationen ist ihr Erfolgsgeheimnis. Hier erfahren Sie vier Grundregeln, die Sie beherzigen sollten.
Definieren Sie Ihr Ziel!
Bevor Sie eine Präsentation halten, müssen Sie sich über Ihre Ziele im Klaren sein. Wen wollen Sie ansprechen? Was möchten Sie bei Ihrem Angebot herausstellen? Überlegen Sie, wie Sie mit Ihrem Angebot die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe treffen können. Nur dann können Sie Ihrem Publikum Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung als Lösung präsentieren. Dazu sollten Sie Einiges über Ihre Zuhörer herausfinden vor allem deren Position, Interesse an Ihrem Angebot und potenzielle Vorlieben und Abneigungen. Erst dann können Text und Key-Visuals entwickelt werden, die die Eigenschaften Ihres Angebotes herausstellen und dabei die Wünsche der Zuhörer einbeziehen. Wenn dieser Zusammenhang in der Gestaltung spürbar ist, schaffen Sie eine gute Verkaufs-Atmosphäre. Berücksichtigen Sie, dass es verschiedene Käufertypen gibt. Während die Einen eher für nüchtern-sachliche Informationen zugänglich sind, überzeugen Sie Andere durch brilliante Grafiken. Was Sie in anderen Vorführungen beeindruckend finden, ist nicht unbedingt für Ihre Präsentation geeignet vor allem, wenn Produkt und Zielgruppe sich nicht decken. Überprüfen Sie zum Schluss die Aussagen Ihrer Präsentation so kritisch wie ein Außenstehender. Fragen Sie sich, welche Punkte Sie selber hinterfragen oder wo Sie Kritik üben würden.
Bleiben Sie auf dem neuesten Stand!
Die schönste Verkaufs-Präsentation ist nutzlos, wenn sie nicht den aktuellen Stand der Dinge repräsentiert. Berücksichtigen Sie daher Informationen aus allen Werbe-Medien des Unternehmens wie etwa die Internet-Seite, die neuesten Broschüren, erschienene Newsletter oder Werbe-Mails. Wenn Sie hier ein widersprüchliches Bild bieten, irritieren Sie Ihr Publikum. Zögern Sie nicht, Ihre Verkaufspräsentation zu aktualisieren, wenn es im Portfolio des Unternehmens Neuerungen gibt. Denken Sie daran, dass Produktneuerungen das Erscheinungsbild der Firma verändern. Beziehen Sie sie in vorhandene Präsentationen ein oder erarbeiten Sie eine völlig neue, die den Stellenwert der Produktneuerung unterstreicht. Natürlich können Sie auch Bewährtes zeigen solche Angebote sollten Sie dann wie einen Klassiker präsentieren. Achten Sie darauf, dass sich die Präsentation mit den Corporate Guidelines deckt, so dass Sie ein stimmiges Bild des gesamten Unternehmens nach außen tragen.
Kleine Gruppen mögens modular!
Wer eine kleine Gruppe überzeugen will, sollte keinen durchkomponierten Vortrag abspulen sondern seine Präsentation modular gestalten. So können Sie Nähe zum Publikum aufbauen indem Sie auf Fragen, Zwischenrufe und Anregungen schnell reagieren. Ihr Konzept brauchen Sie dabei nicht aufzugeben. Ein modularer Aufbau verbindet die einzelnen Abschnitte der Präsentation durch einen Leitgedanken, greift aber auf klar zu gliedernde Bausteine zurück. Um eine solche Präsentationssituation im Griff zu behalten, müssen Sie sich vorher Gedanken machen, welche Fragen bei solch einem Aufbau kommen werden und was Sie darauf antworten können, rät Gabriele Zienterra vom Institut für Rhetorik und Kommunikation. Sie empfiehlt auch, den Dialog zu Gesprächspartnern selbst herzustellen und zu halten: Dazu dienen Fragen, die in den verschiedenen Phasen der Präsentation eingesetzt werden. In der abschließenden Fragerunde erkundigt sich der Referent, ob es weitere Wünsche oder Fragen zu dem Thema gibt.
Bei einem größeren Kreis kann man durch eine moderierte Diskussion im Anschluss der Präsentation Nähe zum Publikum aufbauen. Wichtig ist hier, dass genügend Unterlagen nach der Präsentation mit weiteren Informationen vorhanden sind. Geeignet sind Zusammenfassungen, Links auf die Internet-site oder FAQs in nüchterner Form. Kundenfreundlich ist auch ein Angebot aus einzeln kalkulierten Bausteinen, die individuell zusammengestellt werden können.
Realität ist Trumpf bei Gestaltung und Text
Eine Verkaufs-Präsentation ist immer einen Tick dynamischer und schneller als andere Präsentationen, sie enthält auch mehr Animationen als etwa ein Unternehmens-Profil, erklärt Grafikerin Grazia Carella von presentation24. Da der Mensch nicht nur auditiv, sondern visuell wahrnimmt, entstehen so konkret anschauliche Argumentationshilfen, die die Produkte in Aktion zeigen. Allerdings sollten Sie beim Einsatz von Animationen und Filmen nicht übertreiben. Sie kreieren sonst nur eine Aneinanderreihung von Knalleffekten, die Ihr Publikum überfordert. Gut geeignet sind konkrete Beispiele, mit denen Sie dem Publikum zeigen, wie ein Produkt angewendet werden kann. Auch anhand laufender Projekte können Sie die Vorzüge Ihres Angebotes und den konkreten Nutzen für die Kunden herausstellen. Dabei sollten Sie aber realitätsbezogen arbeiten und eine allzu euphorische Sprache meiden. Gleiches gilt für Testimonials. Wirken sie übertrieben, erwecken sie mehr Misstrauen als Zustimmung. Auch den Einsatz der in PowerPoint weit verbreiteten Bullet-Shots sollten Sie wohl dosieren. Die Aufzählungspunkte eigenen sich, um Gleichrangiges zu sortieren und unter einem Gesichtspunkt zusammenzufassen. Fassen Sie niemals Dinge, die nicht zusammengehören, der Ordnung halber mit Bullets zusammen.
Körperlich und geistig präsent beim großen Auftritt
Präsentieren heißt Repräsentieren - Ihr Auftritt prägt das Erscheinungsbild des Unternehmens und seiner Produkte. Mit unseren Strategien können Sie Ihren Termin vor Ort souverän gestalten.
Locker einsteigen und Haltung bewahren!
Investieren Sie zunächst ein paar Ideen in einen guten Einstieg. Ein verbaler Appetizer hilft, vom Alltag weg und zum Thema zu kommen. Dadurch heben Sie die Stimmung und machen die Hörer aufnahmebereit. Humoristisches ist hier schon ein Klassiker. Gabriele Zienterra empfiehlt, auch einmal rhetorische Fragen oder sogar Provokationen einzusetzen. Oder aber, sich als besonders freundlichen Auftakt zu Beginn beim Publikum zu bedanken und Gemeinsamkeiten herauszustellen. Ein paar Regeln zur Körperhaltung sollten Sie unbedingt beachten. Die Körpersprache sollte Präsenz und Aktivität vermitteln. Die Hände sollten immer sichtbar sein, nicht abweisend oder abfällig am Körper nach unten fallen, empfiehlt Gabriele Zienterra. Die ausgebildete Managementtrainerin weist auch darauf hin, dass sich der Präsentator immer seinem Publikum zuwenden sollte: Halten Sie Blickkontakt mit den Zuhörern, schauen und sprechen Sie zum zweiten Drittel des Publikums. Sie wirken durch den gehobenen Kopf optimistisch, Ihr Kehlkopf ist frei und sie werden die angemessene Lautstärke Ihrer Stimme haben.
Augen und Ohren auf zum Dialog!
Um Ihr Publikum zu überzeugen, müssen Sie den Dialog zu ihm halten. Während der Rede ist die Resonanz beim Publikum zu beachten. Bei welchem Satz kam Beifall oder Ablehnung? Von welcher Äußerung zeigten sich die Anwesenden besonders angesprochen? Das kann der Aufhänger und Übergang zu einem lebhaften Meinungsaustausch werden, rät Gabriele Zienterra. Ihre Empfehlung, um mit kleinen Gruppen den Dialog zu initiieren: Hier bietet es sich an, etwas Haptisches, etwas zum Anfassen wie ein Produkt oder eine Probe zum herumreichen einzubauen. Weitere Möglichkeiten zur Interaktion bieten Rollenspiele oder ein zum Thema passendes Quizz. Die Publikumsbeteiligung lohnt sich, denn wer eine Präsentation mitgestalten kann, identifiziert sich viel eher mit den Inhalten als bei einem frontal erlebten Vortrag. Manche Präsentatoren lassen Ihr Publikum auch zu moderner Kunst oder zu Musik assoziieren. Für eine so intensive Beteiligung der Präsentationsteilnehmer sollten Sie souverän mit der Präsentationssituation umgehen können oder es eventuell trainieren. Wer lieber ganz nah am Thema bleiben will, kann alle Teilnehmer gezielt zum Thema befragen. Dafür kann auch ein einfach gehaltener Fragebogen verwendet werden. Das lockert die Stimmung erheblich auf und Sie können beim Auswerten der Publikums-Interaktion geschickt und sogar humorvoll auf Ihr Angebot Bezug nehmen.
Fragen? Kein Problem!
Aufmerksam sollten Sie mit Zwischenfragen umgehen. Fragen zeigen Interesse und lockern eine Präsentation für alle Beteiligte auf, denn es beginnt ein Dialog. Der Vortragende sollte die Frage immer positiv aufnehmen, wenn sie zum Thema passt, kurz beantworten, oder sie freundlich ans Ende der Präsentation stellen und eventuell auf ein leeres Flipchartblatt aufschreiben. schlägt Gabriele Zienterra vor. Wenn Sie Fragen sofort beantworten, empfiehlt sie fünf Schritte:
- Erkennen Sie die Frage an: Schön, dass Sie das fragen ...
- Wiederholen zum besseren Verständnis: Was verstehen Sie unter ...? Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie folgenden Punkt ...?
- Beantworten Sie die Fragen kurz, knapp und klar.
- Falls der Fragende noch Zweifel hat, nennen Sie ein weiteres Argument zur Untermauerung Ihrer Antwort.
- Prüfen Sie, ob der Fragesteller zufrieden ist: Habe ich Ihre Frage so ausreichend beantwortet? Falls hier ein Nein kommt, bieten Sie ihm an, dass sie sich später weiter unterhalten.
Gastbeitrag von:
presentation24, PowerPoint-Dienstleister für Konzeption, Text, Grafik sowie Coachings in PowerPoint, Präsentationstechniken und Rhetorik.
www.presentation24.de [140]
Der neue Themen-Schwerpunkt Erfolgreich präsentieren stellt verschiedene Präsentationstypen vor und wird im neuen Jahr fortgesetzt.
Verinnerlicht: Sieben Grundsätze für effiziente Kommunikation
Wo immer Kunden Kontakt mit Ihrer Firma haben, laufen sie Gefahr, Mitarbeitern des »Kundenabwehrdienstes« zu begegnen: Ein Interessent kommt mit seinen persönlichen Ideen, Vorstellungen und Erfahrungen und wird mit Unwissen, mit Gleichgültigkeit, ja sogar mit Frechheiten und Unverständnis konfrontiert. Kunden scheinen für manche Firmen eine zu vernachlässigende, anonyme Größe zu sein. Statt sie nach ihren individuellen Wünschen zu fragen (und diese möglichst zu erfüllen), werden sie lustlos und mit Standardantworten, mit Massenmarketing und undifferenzierten Dienstleistungen oder Produkten abgefertigt.
Doch »Business as usual« reicht heute nicht mehr aus. Auch reibungslose Abwicklung, Qualität und Termintreue sollten zum selbstverständlichen Geschäftsgebaren gehören. Nein, um erfolgreich zu sein, müssen Sie schon eins drauf legen: Sie brauchen zufriedene Kunden, die nicht nur sehr gerne wieder kommen, sondern die vor allem ihren Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern erzählen, wie gut sie bedient wurden. Unzufriedene Kunden erzählen allerdings auch, wie es ihnen ergangen ist und zwar drei- bis zehnmal so häufig!
Um dem entgegenzuwirken, muss man um die beiden grundsätzlichen Erwartungshaltungen von Kunden, Interessenten und Geschäftspartnern wissen:
- Die erste (!) Erwartungshaltung des Kunden richtet sich auf die Art, wie Sie und Ihre Mitarbeiter mit ihm umgehen. Das betrifft das persönliche Gespräch, den Schriftwechsel, Ihren Internet-Auftritt und ganz besonders das Verhalten am Telefon – nicht zuletzt bei Reklamationen.
- Erst die zweite Erwartungshaltung richtet sich auf die Inhalte Ihrer Geschäftsbeziehung, also auf Nutzen, Qualität, Preiswürdigkeit, Zuverlässigkeit der von Ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen – also auf das, was Ihnen gewiss besonders wichtig scheint.
Den Rahmen für die Erfüllung der zweiten Erwartungshaltung geben der Markt und Ihre spezifische Branche vor und Sie haben alle Hände voll zu tun, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Dabei passiert es leider viel zu oft, dass scheinbar sichere Geschäfte platzen, weil der Kunden seine erste (und unbewusst für ihn entscheidende) Erwartungshaltung das »Wie« in der Kommunikation nicht erfüllt sieht.
Es ist für den Kunden zwar nicht das Gleiche, ob er persönlich erscheint, telefoniert oder schreibt. Aber es ist ihm zunächst egal (und häufig weiß er es nicht einmal), ob zum Beispiel sein Anruf von einem bestimmten Sachbearbeiter oder zentral in einem Call Center entgegengenommen wird. Beziehungsweise ob jemand seine E-Mail persönlich beantwortet oder dies automatisch ein dafür eingerichteter Server erledigt. Es ist ihm egal, sofern ihn die erbrachte Leistung (zuallererst also: wie mit ihm umgegangen wird) zufrieden stellt.
Um den Kunden in allen Fällen gleichartig und angemessen zu behandeln, bietet es sich an, Regeln für die Kundenkommunikation zu entwerfen. Je nach Branche und Unternehmen, je nach Firmengröße und Organisationsstruktur lassen sich diese Regeln einheitlich oder getrennt für verschiedene Abteilungen gestalten. Auch der Grad der Detailliertheit kann sehr unterschiedlich sein.
In meinem jüngsten Buch zu diesem Thema Die Erreichbarkeitsfalle Lassen Sie Ihre Kunden nicht im Kommunikationsnirwana verschwinden, Publicis, Erlangen, 2003, ISBN 3-89578-207-6) skizziere ich sieben Grundsätze, die die Position des Kunden bestimmen und die für ausnahmslos alle Kommunikationskanäle und für alle (Gesprächs-)Situationen gelten:
- Subjektiv hat der Kunde ein berechtigtes Anliegen, das er ernst genommen wissen will.
- Ob der Kunde Recht hat, erfahren wir durch Zuhören, genaues Lesen und Nachfragen.
- Es kann sein, dass der Kunde ungerecht reagiert und wir ihn »auffangen« müssen.
- Der Kunde kann oft nicht einschätzen, ob er mit dem »Chef« oder dem »Azubi« spricht.
- Wer immer dem Kunden schreibt oder zuhört: In diesem Moment ist er zuständig.
- Und sei es privat: Es gibt niemanden in der Firma, der niemals mit einem Kunden spricht.
- Auch wenn es manchmal anders scheint: Wir können auf keinen Kunden verzichten.
Neben der Art und Weise, wie mit dem Kunden umgegangen werden muss, lassen sich die Kommunikationsregeln auch um Hinweise für das weitere Vorgehen ergänzen. So gibt es gewiss Kundenkontakte, die sofort zu erledigen sind und keine weiteren Aktivitäten nach sich ziehen. Ein sehr einfaches Beispiel ist der zufällig vorbeikommende Kunde, der eine Kleinigkeit kauft und wieder geht. Doch häufiger kommt es vor, dass sich aus dem Kontakt Informationen ergeben, die für andere Mitarbeiter relevant sind.
In aller Regel muss das Gespräch mit einem Kunden also Auslöser für eine Folgeaktivität sein, sodass die entsprechende Information an den jeweiligen Mitarbeiter oder die betreffende Abteilung weiterzuleiten ist. Fehlt der direkte Bezug der Informationen zu bestimmten Mitarbeitern, dann sollten diese Kundenkontakte in eine zentrale Kundenakte einfließen, wo sie allen relevanten Abteilungen zur Verfügung stehen. Jedenfalls müssen Sie sicherstellen, dass die Information ihr Ziel erreicht und die vom Kunden erwartete Aktion zuverlässig anstößt. Denn tatsächlich gehört Ihre Firma nicht Ihnen sondern Ihren Kunden.
Buchtipp zum Thema
Die Erreichbarkeitsfalle Lassen Sie Ihre Kunden nicht im Kommunikationsnirwana verschwinden (Publicis, Erlangen, 2003, ISBN 3-89578-207-6, 244 Seiten, 29,90 Euro)
Wege zur Erreichbarkeit müssen dort ansetzen, wo das Defizit am größten ist: bei der Kenntnis der technisch-organisatorischen Möglichkeiten der Kundenkommunikation, beim Verständnis für deren Anwendung und bei dem Willen, die Sichtweise des Kunden in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.
Jan de Vries zeigt Unternehmern, Führungskräften, Marketing- und Vertriebsleitern, aber auch IT-Managern, wie sie die Vielfalt moderner Kommunikationsmedien produktiv für ihr Geschäft nutzen können damit der Umsatz stimmt und die Kunden nicht im Kommunikationsnirwana verschwinden.
»Firmeninhaber oder Abteilungsleiter können sich mit diesem neuartigen Buch für das Gespräch mit Fachleuten der Branche rüsten.« (Horst Keitel, Bundesverband Telekommunikation, Hilden)
Rezension zum Buchtipp
Jan de Vries: Die Erreichbarkeitsfalle [141]
Verbindung: Mit Loyalty-Marketing die Krise meistern
Was können Unternehmen durch eine Konjunkturflaute lernen?
Doch in jeder Krise steckt auch eine Chance! Die Unternehmen, die in der Vergangenheit eine Konjunkturflaute gemeistert haben, waren anschließend in der Regel wirtschaftlich erfolgreicher als zuvor. Woran liegt das?
Hauptsächlich daran, dass diese Firmen ihre unternehmerischen Strategien und internen Prozesse auf Rentabilität überprüft und dann den veränderten Rahmenbedingungen flexibel angepasst haben. Im Allgemeinen steht in einer wirtschaftlich kritischen Situation sehr bald auch die Höhe des Marketing- und Werbebudgets auf dem Prüfstand. Doch davor muss eindeutig gewarnt werden! Denn die alleinige Kappung der finanziellen Mittel an dieser Stelle setzt einen Teufelskreis in Gang, da aufgrund geringerer Werbe- und Marketingaktivitäten die Umsätze danach erst recht noch weiter wegbrechen!
Eine strategische Neuausrichtung des Marketings auf die bestehenden Kunden ist da die bessere Lösung. Denn Fakt ist, dass die Kosten für die Gewinnung eines neuen Kunden extrem hoch sind und je nach Branche und Unternehmen zwischen 150 und 500 variieren.
Die Devise: Kundenbindung statt Akquise
Wer sich dies vor Augen führt, dem wird klar, wie wertvoll doch der bestehende Kundenstamm eines Unternehmens ist. Und wer sich dann noch die Mühe macht, die durchschnittlichen Erträge im Laufe einer guten Kundenbeziehung zu ermitteln also den sogenannten Kundenwert der muss erkennen, dass die bereits vorhandenen Kunden das eigentliche Kapital einer Firma darstellen.
Doch statt dieses Potential bestmöglich auszuschöpfen, wird in den meisten Betrieben leider immer noch die Akquise neuer Kunden mit massivem finanziellem und personellem Aufwand in den strategischen Mittelpunkt der unternehmerischen Aktivitäten gestellt. Dabei haben Wirtschaftsforscher festgestellt, dass es bis zu sieben Mal billiger ist, einen Kunden zu halten, als einen neuen zu gewinnen!
In der Konsequenz bedeutet dies, dass es durchaus möglich ist, die Marketing- und Werbeausgaben herunterzufahren, ohne deswegen Umsatzrückgänge befürchten zu müssen. Im Gegenteil verhält es sich gemäß einer Studie sogar so, dass bereits eine um nur 5% gesteigerte Kundenbindungsrate in manchen Branchen eine Steigerung des Ertrags um bis zu unglaubliche 100% bewirkt hat. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass insbesondere in konjunkturschwachen Zeiten eine Rückbesinnung auf die eigenen Kunden wesentlich effektiver ist, als groß angelegte und teure Werbekampagnen zur Neukunden-Akquise, die im heutigen Informations-Overkill sowieso kaum noch wahrgenommen werden.
Loyalty Marketing - Die Treue der profitablen Kunden erhalten
Eine in dieser Hinsicht besonders erfolgversprechende Strategie ist das Loyalty Marketing, bei welchem sämtliche Unternehmensaktivitäten auf die Erhaltung der Treue (Loyalty) der profitablen Kunden fokussiert werden. Durch ganzheitlich integrierte Maßnahmen der Kundenorientierung, der Kundenkommunikation und des Kundenmanagements wird versucht, die Zufriedenheit der Kunden dabei bis zur Begeisterung zu maximieren, so dass sich echte Loyalität einstellt. Da loyale (Stamm-)Kunden erwiesenermaßen mehr und häufiger kaufen und für guten Service auch höhere Preise akzeptieren sowie aufgrund von Cross-buying-Effekten werden entsprechende Umsatzsteigerungen generiert.
Durch die Mundpropaganda von 10 begeisterten Kunden wiederum werden einem Unternehmen durchschnittlich rund 3 neue Kunden zugeführt die billigste, effektivste und ehrlichste Werbung für ein Unternehmen! Dabei ist Loyalty Marketing kein neues Wundermittel, denn seine Einzelbestandteile an sich sind nicht neu. Seine außerordentliche Effektivität verdankt es dem konsequenten Einsatz von ganzheitlich integrierten, sorgfältig aufeinander abgestimmten und langfristig ausgerichteten Maßnahmen in allen Unternehmensbereichen. Im Wesentlichen basiert Loyalty Marketing auf den folgenden 6 Bausteinen:
Die sechs Erfolgsbausteine des Loyalty Marketings
- Gleichbleibende Qualität auf allen Kommunikations-Kanälen
Es kommt darauf an, sämtliche möglichen Kanäle für die Kommunikation (Telefon, Fax, E-Mail, etc.) mit dem Kunden in optimaler Weise einzusetzen. Aufgrund der technischen Entwicklungen und Möglichkeiten müssen die Unternehmen heute darauf eingestellt sein, dass die Kunden nicht nur die Kommunikationskanäle immer wieder wechseln (Channel-Hopping) sondern z.T. auch mehrere Kanäle gleichzeitig benutzen. Daher ist es besonders wichtig, dass auf allen Kommunikations-Kanälen stets ein einheitlich hoher Qualitätsstandard herrscht und Auftritt und Stil einem einheitlichen Corporate Design unterliegen. - Eine in die Unternehmensprozesse integrierte und stets aktuelle Datenbank
Das Unternehmen muss heutzutage die speziellen Merkmale, Bedürfnisstrukturen, Verhaltensmuster und Potentiale seiner Kunden kennen, um seinen Service und seine Angebote und Interaktionen möglichst individuell auf den einzelnen Kunden abstimmen zu können. Diese werden in einer zentralen und akribisch gepflegten Datenbank gespeichert, auf die alle Mitarbeiter mit Zugriffsrechten entsprechend ihrer Funktion zugreifen können. - Konsequentes Feedback-Management
Kundenzufriedenheit entsteht nur dann, wenn die Leistungserbringung durch das Unternehmen den Erwartungen der Kunden voll entspricht. Um hier entsprechende Lücken bzw. Veränderungen möglichst zeitnah erkennen zu können, ist es notwendig, diese Faktoren systematisch und permanent zu überprüfen und so gemeinsam mit einem professionellen Beschwerdemanagement für ein kontinuierliches und stets aktuelles Feedback zu sorgen. - Strategische Wettbewerbsvorteile durch begeisternden Service
Bei einer Austauschbarkeit von Produkten ist die einzige Möglichkeit, sich noch vom Wettbewerb differenzieren zu können, der Service. Um hier die Nase vorn zu haben, müssen immer wieder neue, innovative und für den Kunden relevante Service-Angebote entwickelt werden. Denn was heute für eine Begeisterung des Kunden sorgt, wird nach einiger Zeit von diesem dann bereits als Standard erwartet. - Kundenbindung durch den Aufbau von Wechselbarrieren
Um die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels zur Konkurrenz zu minimieren, wird durch systematisch geplante und durchgeführte Kundenkontakte und geeigneten Aktionen verschiedenster Art die psychologische und emotionale Bindung der Kunden an das eigene Unternehmen maximiert. - Der Mensch als zentrales Element für Qualität und Service
Um Kunden zu loyalisieren, muß ein Unternehmen zuerst einmal seine Mitarbeiter loyalisieren. Denn nur begeisterte Mitarbeiter können einen begeisternden Service liefern! Um die Bereitschaft, die Möglichkeit und die Fähigkeit der Mitarbeiter, optimale Qualität in allen Bereichen zu produzieren, zu maximieren, werden die Rahmenbedingungen angepaßt und ggf. entsprechende Trainingsmaßnahmen durchgeführt.
Wie gut ist das Loyalty Marketing im eigenen Unternehmen umgesetzt?
Wer nun wissen möchte, wie kundenorientiert das eigene Unternehmen denn aktuell eigentlich ist, kann dies im Internet unter www.LQ-Test.de mit einem kostenlosen Online-Test in nur wenigen Minuten überprüfen. Durch die Beantwortung von 40 Ja/Nein-Fragen wird dort ein sogenannter Loyalitäts-Quotient (LQ) errechnet, mit dem sich mehrere Unternehmen aufgrund einer einzigen Zahl bewertend vergleichen lassen analog dem Intelligenz-Quotienten (IQ) beim Menschen.
Die Bewertung basiert auf konkreten Indizien für die Loyalität der Kunden sowie auf den bereits umgesetzten Maßnahmen im Bereich der Kundenorientierung und des Kundenmanagements. Durch den Test erhält man so schnell und einfach eine erste Orientierung sowie Anregungen für Verbesserungsmöglichkeiten.
Links:
www.loyalty-marketing.de [142]
www.LQ-Test.de [143]
[Gastbeitrag von: Holger Helmold, LoyalQ GmbH, Obersulm. Holger Helmold ist geschäftsführender Gesellschafter der LoyalQ GmbH, einer auf Loyalty Marketing spezialisierten Marketing Agentur. Als ausgebildeter Werbekaufmann mit Marketingstudium hat er sich im Laufe seiner über 12 jährigen Praxistätigkeit in unter-
schiedlichen Positionen der Marketingbranche auf Konzepte zur Kundenbindung und Kundenorientierung spezialisiert (u.a. Relaunch des mit dem Deutschen Marketingpreis ausgezeichneten Kundenbindungsprogramms der Würth AG) und unterstützt heute als Consultant und Trainer Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Loyalty Marketing Projekten.]
Erreichbarkeitsfalle: Kunden im Kommunikationsnirwana
Das muss nicht sein: Verhindern Sie, dass die Erreichbarkeitsfalle zuschnappt und lassen Sie Ihre Kunden nie wieder im Kommunikationsnirwana verschwinden!
Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte INCCA-Studie belegt: Mehr als zwei Drittel aller verlorenen Kunden wechseln nicht etwa aus Unzufriedenheit mit dem Produkt den Lieferanten. Selbst aggressives Abwerben durch den Wettbewerb spielt eine untergeordnete Rolle. Nein, der Hauptgrund, sich der Konkurrenz zuzuwenden, ist mangelnder Kundenservice!
Immer wieder decken Kundenzufriedenheits-Analysen einen ewigen Mangel auf: die ungenügende Erreichbarkeit des Unternehmens. Die Rede ist von undurchsichtigen Websites, falschen Kundendaten, schlecht informierten Mitarbeitern und schleppenden Reaktionen auf Telefonate, E-Mails oder Faxe. Umfragen haben ergeben, dass mehr als 70 Prozent aller geschäftlichen Anrufer ihren gewünschten Gesprächspartner nicht oder wenigstens nicht auf Anhieb erreichen!
Zehn Thesen zur Erreichbarkeitsfalle
Quelle: "Die Erreichbarkeitsfalle Lassen Sie Ihre Kunden nicht im Kommunikationsnirwana verschwinden (Publicis, Erlangen, 2003, ISBN 3-89578-207-6, 244 Seiten, 29,90 Euro)
- Sie sägen an den Nerven Ihrer Kunden, weil sich niemand in Ihrer Firma für Anfragen zuständig fühlt
- Kunden lassen sich ungern mit falsch verwendeten Telefonfunktionen zum Narren halten
- Kunden tappen in einen Hinterhalt, wenn sie sich auf die Mailbox Ihres Handys verlassen
- In der Flutwelle von E-Mails gehen die Nachrichten Ihrer Kunden jämmerlich unter
- Angesichts Milliarden spannender Websites halten Kunden Ihre Homepage für eine Bagatelle
- Ihr Kommunikationsnetz ist ein Maschenwirrwarr, in dem Ihre Kunden sich hoffnungslos verheddern
- Ihr Kunde glaubt sich im Tollhaus, wenn Ihre CRM-Lösung ihn in eine Zwangsjacke steckt
- Ihr Call Center erinnert an einem Tatort, weil Ihre Kunden den Aussagen nicht trauen mögen
- Gleich einem Husarenstück überrennt Ihr Computer-Telefon jeden Kunden mit Fragen und Antworten
- Anrufe, Faxe und E-Mails von Kunden verdampfen spurlos in der Hexenküche Ihrer Messaging-Lösung
Leider umschiffen Sie das Kommunikationsnirwana (das ist ungefähr dort, wo Sie nie wieder von Ihrem Kunden hören) nicht mit einseitigen Maßnahmen wie neuer Technik hier, Telefon-Schulungen da oder Standard-E-Mails dort. Denn für sich genommen, erweisen sich deren Stärken längst als ausgereizt: Die Technik macht Fortschritte, ist aber allein kein Allheilmittel. Marketing gilt als unverzichtbar, verpufft aber ohne Ergebnis, wenn die Resonanzen teurer Maßnahmen kein Gehör finden im Unternehmen. Personal zu qualifizieren scheint ein Königsweg. Indes führt auch der in die Sackgasse, wenn das Unverständnis Einzelner Maßstab für den Stellenwert des Kunden bleibt.
Vielmehr ist eine besondere Strategie gefragt, die den diversen Anliegen von potenziellen und wirklichen Auftraggebern ebenso gerecht wird wie Ihren unternehmerischen Interessen und den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter. So erwartet jeder einzelne Geschäftspartner, im persönlichen Gespräch, aber zum Beispiel auch per Telefon, E-Mail, Internet, Fax oder Brief ebenso schnell wie kompetent bedient zu werden.
Gleichzeitig wird Ihr Unternehmen getrieben von Fragen des Wachstums, der Marktanteile und des zu erwirtschaftenden Profits; dabei möchte es in der Kunden-Kommunikation alle wichtigen Dinge tun und alle unwichtigen lassen. Schließlich hat jeder Mitarbeiter eigene Vorstellungen hinsichtlich seiner Möglichkeiten, effizient zu arbeiten, private Freiräume zu genießen und die Anerkennung seiner Leistung zu spüren.
Vor dem Hintergrund dieser Vielzahl offenbar sehr unterschiedlicher Ziele, Vorstellungen und Erwartungen zeichnen sich Anforderungen an die Kundenkommunikation ab, die sich mit einer Strategie der »zielorientierten Erreichbarkeit« bedienen lassen. Dabei wird keineswegs Erreichbarkeit »um jeden Preis« angestrebt. Vielmehr geht es um Formen von Erreichbarkeit, die die jeweils individuellen Absichten der Kunden und Geschäftspartner, des Unternehmens sowie der Mitarbeiter so gut wie irgend möglich miteinander in Einklang bringen. Daraus ergeben sich Anforderungen an die genannte Strategie, die sich in vier Dimensionen fassen lässt:
- Die persönliche Dimension
Um die Eigenverantwortlichkeit Ihrer Mitarbeiter zu stärken, könnten Sie über einen »Kommunikationsrahmen« nachdenken, der in Form von Leitlinien beschreibt, wie Sie und alle anderen Menschen im Unternehmen mit den verfügbaren Kommunikationsmitteln (vor allem aber: mit den Kunden!) umgehen wollen. - Die Unternehmens-Dimension
Nicht alles, was technisch oder organisatorisch machbar ist, werden Sie in Ihrem Unternehmen gleich und sofort umsetzen können oder wollen. Aber das, was Ihnen wichtig erscheint, sollten Sie mit Nachdruck vorantreiben. Kümmern Sie sich dabei nicht allein um Fragen der Technik, sondern auch um Fragen des Miteinanders in Ihrer Firma. - Die zeitliche Dimension
Legen Sie fest, wann Sie oder Ihre Mitarbeiter auf den Kunden zugehen. Aber klären Sie vor allem, zu welchen regelmäßigen Zeiten Ihr Unternehmen für Kunden, Interessenten und Geschäftspartner wie und wo erreichbar ist – gegebenenfalls separat für verschiedene Abteilungen oder Bereiche Ihres Hauses. Berücksichtigen Sie aber auch die Interessen Ihrer Kunden, die möglicherweise anders »ticken« und eigene Terminwünsche haben. - Die Medien-Dimension
Entscheiden Sie, welche Kunden wann und wie auf Ihr Unternehmen zugreifen sollen. Beispielsweise könnten Sie Ihren Firmenkunden ein Internet-Bestellwesen nebst Auftragsverfolgung über Ihre Website anbieten, während Privatkunden vielleicht eine Telefon-Hotline offen steht.
Für eine fundierte Strategie, mit der Sie die »zielorientierten Erreichbarkeit« Ihres Unternehmens ansteuern können, sind umfassende Analysen und eine kompetente Planung unabdingbar: Fragen Sie Ihren Berater oder Anbieter nach Vorschlägen, die neben dem technischen Konzept die Gestaltung der Geschäftsprozesse im Unternehmen, die Schulung und Mitverantwortung der Mitarbeiter sowie vor allem die Sichtweisen Ihrer Geschäftspartner einbeziehen.
Im Ergebnis sollte Ihr Unternehmen dem Kunden stets präsent sein, während seine Kaufentscheidung reift. Schöpfen Sie persönliche Kontakte aus, nutzen Sie Call Center, E-Mail, Internet und was immer Ihrem Geschäft angemessen ist. Kombinieren Sie diese Kanäle so, dass sie hohen Nutzen im Sinne effizienter Kundenbindung und Kundengewinnung versprechen. Und bleiben Sie vor allem erreichbar!
Buchrezension
Die Erreichbarkeitsfalle: Lassen Sie Ihre Kunden nicht im Kommunikationsnirwana verschwinden (Publicis, Erlangen, 2003) [144]
Bindung: Internet als wirksames Instrument der Kundenbindung
Die fortdauernde Wandlung von Verkäufer- zu Käufermärkten treibt die Wirtschaft zu einer Perfektionierung der Marketingwerkzeuge und verstärkten Bemühungen zur Bindung von Bestandskunden. Denn mehr denn je gilt: Bestandskunden zu binden ist einfacher als neue Kunden zu gewinnen. Customer Relationship Management wird zu einem wesentlichen Bestandteil des Marketinginstrumentariums. Erfolgreiche Kundenbindung wird sich in Zukunft durch eine intelligente Kombination von online und offline Maßnahmen auszeichnen.
Unternehmen, die Teile ihrer Kundenbindungsmaßnahmen ins Internet verlegen, haben mehrere Vorteile im Markt:
Effizienzsteigerung
Zum einen bietet das Internet Möglichkeiten, den Vertrieb zu rationalisieren. Während Standardaufgaben durch Online Technologien übernommen werden, können sich Außendienstmitarbeiter und Inhouse Kundenbetreuer (z.B. im Call-Center) gezielter um einzelne Fälle kümmern.
Individualisierte Kundenbeziehung
Die Firmenpräsenz im Internet ermöglicht individualisierte Kundenbindungsmaßnahmen auch in Massenmärkten, die bisher häufig anonym beliefert wurden.
Innovationsführerschaft
Alle neuen Services, die ein Unternehmen seinen Kunden über das Internet anbietet, werden sich auf das Image beim Kunden auswirken. So besteht die Möglichkeit, sich als Innovationsführer zu positionieren.
Integrierte Marktforschung
Computerunterstützte Kundenbindungspolitik kann helfen, entscheidendes Wissen über Kunden zentral zusammenzuführen und zu analysieren. Diese Wissen kann genutzt werden, um Vertriebsmaßnahmen schneller umzusetzen als die Mitbewerber.
Steigerung der eCommerce Umsätze
Außerdem sollte es mittelfristig im Interesse von Unternehmen liegen, ihre Kunden mit der eigenen Website vertraut zu machen, denn wenn Kunden dorthin kommen, weil sie dort guten Service geboten bekommen, dann kommen sie auch gerne wieder, um einzukaufen. So können sich Unternehmen über intelligente internetgestützte After Sales Maßnahmen eine gute Startposition für spätere eCommerce Maßnahmen sichern.
Folgende Vorlagen stehen zur Verfügung:
Lockmittel: Kundenbindung durch Bonusprogramme
Das Prinzip der Kundenbindung ist nicht neu. Auch mit dem guten alten Rabattmarkenheft wurde das Ziel verfolgt, Kunden durch die Belohnung ihrer Treue zu binden.
Heute werden zu diesem Zweck Kundenkarten eingesetzt, mit denen Punkte gesammelt werden können. Doch moderne Kartentechnologien gehen einen Schritt weiter. Die Karte kann eine Bonusfunktion übernehmen, für Angebote genutzt werden oder Cross-Selling-Maßnahmen unterstützen.
Moderne Kundenbindungssysteme ermöglichen aber nicht nur das Sammeln von Werten oder Punkten. Sie liefern auch wertvolle Informationen über den Kunden und sein Kaufverhalten.
Hinweis
Möchten Sie Ihre Kunden behalten? Dann werden Sie am Medium Kundenkarte nicht vorbeikommen. In vielen Branchen weht der Wind stärker, findet ein Umbruch der altbekannten Hackordnungen statt: Zunehmender Konkurrenzdruck, verändertes Konsum- und Kaufverhalten, immer homogenere Märkte. Außerdem sind nach dem Pareto-Prinzip etwa 20% der Kunden - nämlich die Top-Kunden - für ca. 80% des Umsatzes verantwortlich. Wichtiger noch, in der Regel sind diese 20% auch diejenigen, die Ihrem Unternehmen 100% des Gewinns einbringen!
All diese Faktoren zwingen viele Unternehmen dazu, über neue Wege der Kundenbindung nachzudenken. Kundenbindung gewinnt immer mehr an Bedeutung und ist eine der wichtigsten strategischen Erfolgsfaktoren unserer Zeit. Wer seinen Status nicht nur behalten, sondern auch verbessern möchte; wer sich nicht mit dem Standard zufrieden gibt, setzt immer häufiger auf die Kundenkarte als Erfolgsinstrument. Der Markt für Loyalty-Applikationen ist nicht ohne Grund einer der am stärksten expandierenden Märkte im Chipkarten-Business.