Für Einkäufer gilt nur eine Maxime: So viel rausholen wie möglich! Daher beenden sie die Verhandlungen mit Verkäufern erst, wenn diese endgültig die Segel streichen, und nicht bereits, wenn sie ihren Wunschpreis erreicht haben. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Einkäufern viele Mittel recht. Was dies bedeutet, zeigt folgendes Beispiel.
Beispiel
Ein Automobilzulieferer benötigte für eine Produktionsstraße einen Lackierroboter. Mögliche Lieferanten werden gebeten, ein Angebot abzugeben. Der technische Leiter des Zulieferers prüft diese und wählt das qualitativ beste aus. Erst jetzt wird der Einkauf beauftragt, den Preis mit dem Anbieter zu verhandeln. Um möglichst günstige Konditionen zu erzielen, setzt der Einkäufer den Verkäufer der Verhandlung unter Druck, indem er sagt, zwei weitere Lieferanten seien in der Auswahl – was in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Es kommt, wie es kommen muss. Der Verkäufer ist verunsichert und weil er den Auftrag sichern will, senkt er sein Angebot um stattliche 15 Prozent. Tragisch, denn er hätte den Auftrag auch mit einem deutlich geringeren Nachlass bekommen, indem er dem Einkäufer einen „Anerkennungsrabatt“ gewährt hätte.
Mit einer frühzeitig gestellten so genannten „Budgetfrage“ lässt sich eine solche Situation vermeiden. Doch die Crux ist, dass die meisten Verkäufer zwar hervorragend in Sachen Fragetechnik und Gesprächsführung trainiert sind. Doch in der Regel stellen sie nur Bedarfsfragen, um konkret auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen zu können. Oder sie nutzen die Stalinorgel-Argumentation, das heißt der Verkäufer schießt sämtliche verfügbaren Argumente ab, ohne wirklich die Interessen des Einkäufers zu treffen. Grundsätzlich ist es jedoch besser, die Fragen so zu formulieren, dass der Verkäufer erfährt, ob und zu welchen Konditionen der Einkäufer bereit ist, mit ihm abzuschließen. Allein durch eine solche „Budgetfrage“ lässt sich die Verkaufsmarge deutlich steigern, wie ein Anlagen-Hersteller feststellte. Allein die Frage nach dem Budget bewirkt dort, dass die Verkaufsmarge um sieben Prozent stieg. Wichtig: Die Frage, welche Preisvorstellung der Einkäufer hat, sollte intensiv, aber unauffällig und vor allem authentisch formuliert sein. Schon nach kurzer Übungszeit klappt das wie folgt:
Typischer Ablauf einer Budget-Frage
Verkäufer Rüstig: "Ich habe großes Interesse an Ihrem Auftrag. Daher die Frage: Wo müssen wir preislich hin? Welches Budget haben Sie zur Verfügung?"
Einkäufer Pfiffig: "Das darf ich Ihnen leider nicht sagen."
Verkäufer Rüstig: "Nur ungefähr, so als Anhaltspunkt."
Einkäufer Pfiffig: "Mhmm, 5.300 Euro sollten Sie schon unterbieten."
Verkäufer Rüstig: "Uiii, 5.300! Puhh, das ist heftig. Gesetzt den Fall, ich könnte Ihnen die 5.300 nicht ganz bieten, hätte ich trotzdem noch eine Chance?"
Aus der Reaktion des Einkäufers lässt sich herauslesen, ob es ausreicht, einen geringeren Nachlass auszuhandeln, ohne die Chance auf den Auftrag zu verschlechtern. Es empfiehlt sich daher, lieber die Preise rauf statt runter zu handeln! Wer sorgfältig auslotet, wie weit der Einkäufer bereit ist, von seiner Forderung abzugehen, bevor er das Verkaufsgespräch abbricht, verbessert seine Verkaufsmargen!
Unternehmen, die jetzt denken, „Kein Einkäufer verrät mir sein Budget!“, täuschen sich. Zwar werden viele Einkäufer versuchen, der Budgetfrage auszuweichen. Die Erfahrung zeigt aber, dass es zahlreiche Einkäufer gibt, die schon bei der ersten geschickt formulierten Frage des Verkäufers Auskunft geben, welches Budget und welche Preisvorstellung sie haben. Mitunter nennen sie sogar die Preise der Wettbewerber. Selbst Einkäufer, die zunächst abblocken, geben spätestens bei der dritten Frage die gewünschte Antwort. Und, voilà, der Anbieter weiß nun, in welchem Maße er dem Einkäufer entgegenkommen muss, um den Auftrag zu ergattern.
Die innere Einstellung spielt somit eine ganz entscheidende Rolle für den Erfolg. Wer die Sperre im Kopf hat, dass der Einkäufer ihm sowieso nicht das Budget verraten wird, hat schon verloren. Die Bereitschaft, sich die benötigen Informationen durch geschicktes Fragen zu beschaffen, gehört daher ebenso trainiert wie die positive Einstellung zum eigenen Produkt. Zudem: Was kann schon passieren, wenn der Einkäufer die Budgetfrage nicht beantwortet? Nichts! Trotzdem scheuen etliche Vertriebsmitarbeiter diese Frage und schließen bereitwillig zu schlechten Konditionen ab.
Eine Chancen-Bilanz erstellen
Vertriebler, die nur schwer abschätzen können, wie die Chancen für die Auftragserteilung stehen, sind meist unsicher und zögerlich. Dann hilft eine Chancen-Bilanz. Sie zeigt ihm, in welcher Situation er sich befindet. Dazu wird in Gedanken der bisherige Verlauf des Gesprächs rekapituliert. Wie bei einem Puzzle ergeben einzelne Gesprächselemente und Einkäuferaussagen ein Gesamtbild, das die Abschluss-Chancen aufzeigt.

Überwiegt die grüne Seite, stehen die Chancen gut. Dann heißt es, hartnäckig dranbleiben, auch bei der Preisverhandlung. Mit einer Frage lässt sich klären, ob die Wahrnehmung stimmt, zum Beispiel: „Gesetzt den Fall, wir werden uns preislich einig, kommen wir dann ins Geschäft?“ Die Erfahrung bestätigt, dass die wenigsten Einkäufer mit dieser Art der Fragestellung umgehen können. Ein „Ja, aber“ zeigt dem Verkäufer in 80% der Fälle, dass er den Auftrag selbst dann erhalten wird, wenn er im Preis nicht zu sehr nachgibt.
Aus Einkäufersicht denken
Ohne Zugeständnisse geht es dennoch meist nicht. Denn auch die Einkäufer müssen Erfolge vorweisen – schon aus dem Interesse, den Job zu behalten. Am Ende eines Tages müssen sie schließlich die „Savings“ für das Unternehmen nachweisen. Wer das nicht kann, hat ein Problem. Die Beziehung zum Einkäufer stärkt zum Beispiel, wer im Angebot deutlich herausstellt, was der Einkäufer geleistet hat, etwa so: „Sondernachlass gemäß Verhandlung mit Herrn Schmidt .... %“. Im Portfolio jedes Verkäufers sollten sich somit auch Pseudozugeständnisse befinden, die er vor allem in kritischen Situationen anbieten kann. Der Einkäufer lässt dann eher eine akzeptable Win-Win-Situation zu.
Zudem lassen Anbieter oft einen Aspekt außer Acht: Der Einkäufer hat genauso viel Angst vor einem Verhandlungsabbruch wie Sie selbst. Clevere Vertriebsleute nutzen das und fragen: „Gesetzt den Fall, ich könnte Ihnen im Preis nicht weiter entgegen kommen, würde die Verhandlung daran scheitern?“ Auf diese Frage sollte man zwar kein schlichtes „Ja“ erwarten, aber die Antworten sind meist sehr aufschlussreich. Zudem zeigt sich, dass die Position des Verkäufers oft stärker ist, als dieser selbst annimmt. Denn nur in etwa jeder fünften Verhandlung hat der Einkäufer wirklich überzeugende Konkurrenzangebote. Was dann häufig entscheidet, sind Auftritt, Sympathie und Zuverlässigkeit - solange das eigene Angebot generell attraktiv ist.
[Bild: Fotolia.com]
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