Angst in der KriseWie Sie als Unternehmer besser damit umgehen

Seit Monaten beherrscht die Wirtschaftskrise die Medien und unsere Gespräche. Jeder, dessen Einkommen nicht krisensicher ist, bekommt es mit der Angst zu tun, der Angst vor der Zukunft. Die dramatische Folge: Investitionen und Konsum brechen auch in den von der Finanzkrise bislang wenig betroffenen Bereichen ein und nun haben wir wirklich eine Wirtschaftkrise. Es lohnt sich also, dass wir uns mit der Angst auseinandersetzen.

Schauen wir uns einmal ein wenig in der Menschheitsgeschichte um: Als Homo sapiens sind wir mit etwa 80.000 Jahren Entwicklungszeit eine noch recht junge Spezies dieser Welt. Wir verfügen über das komplexeste Gehirn und über die ausgeprägtesten Denkfähigkeiten aller Lebewesen hier auf der Erde. So sind wir Menschen zum Beispiel in der Lage, uns gedanklich in die Vergangenheit zurück zu versetzten oder uns ebenso in die Zukunft zu begeben.

Nun ist es (entwicklungsgeschichtlich) noch nicht sehr lange her, dass wir als Jäger und Sammler in Horden durch die Steppe zogen und von Raubtieren sowie den eigenen Artgenossen bedroht wurden. Überleben konnten wir nur in der Gruppe. Und genau auf die Anforderungen dieser Situation hin hat die Evolution unser Hirn und unsere Denkstrukturen konzipiert. Unser Gehirn funktioniert auch heute noch nach den Prozessen, die für uns in der Steinzeit förderlich waren. Leider sind diese allerdings heutzutage für uns manchmal eher hinderlich als nützlich.

Angst – für uns Menschen überlebenswichtig

Ängste waren vor langer Zeit für uns als Spezies überlebenswichtig: Die Silhouette eines Säbelzahntigers bedeutet höchste Gefahr und das Gefühl der Angst signalisierte das unseren Vorfahren mehr als deutlich. Nun kannten wir nicht alle Formen der Bedrohung instinktiv, sondern lernten im Verlauf unseres Lebens Situationen kennen, bei denen die Angst die richtigen Reaktionen (in der Regel Flucht, Angriff oder Erstarrung/Verstecken) auslöste.

Die Begegnung mit einem Säbelzahntiger war – einmal gelernt - immer die gleiche lebensgefährliche Bedrohung, insofern war immer die gleiche Reaktion angemessen. Die Angst vergrößerte also unsere Chance, zu überleben, daher hat die Schöpfung dieses Gefühl mit einer überaus starken Wahrnehmung versehen.

Heute stellt sich unsere Realität allerdings vollkommen anders dar: Wir begegnen natürlich auch heutzutage immer wieder Situationen im Leben, die uns ängstigen. Erleben wir später vergleichbare Situationen, erinnern wir uns an die früher erlebte Situation und spüren – entsprechend unserer biologischen Dispositionen - wieder Angst.

Und das, obwohl wir im Gegensatz zum Umgang mit dem steinzeitlichen Säbelzahntiger heute keinesfalls wissen, dass die neue Situation tatsächlich wieder die gleiche Bedrohung wie die vergangene Situation darstellen wird! Allerdings versucht unser Gehirn uns genau das zu suggerieren.

Verlassen wir uns nun auf die Signale und Gefühle, die unser Gehirn an uns sendet, werden wir nach einer Erfahrung, die uns Angst gemacht hat (oder die für uns unangenehm war – das ist quasi eine schwächere Version der Angst), werden wir uns nur unter Schwierigkeiten wieder in die gleiche Situation begeben.

Für uns moderne Menschen haben die Auslöser der Angst heute vielfältige, zumeist aber abstrakte Gesichter. Dieses kann beispielsweise drohende Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg oder eben eine Wirtschaftskrise sein. Oft sind das allerdings Situationen, die von uns eigentlich beherztes Handeln erfordern würden – eben wie die derzeitige Wirtschaftskrise.

Angst löst jedem Menschen unweigerlich Angriffs-, Verteidigungs- oder eine Erstarrungsreaktion aus, der gesamte Organismus wird entsprechend ausgerichtet. Der Körper wird von Stresshormonen überflutet, er fährt alle (nicht überlebenswichtigen) Funktionen runter.

Das betrifft allerdings auch wichtige Teile unseres Gehirns, die Denkfähigkeit und die Phantasie werden durch Angst massiv eingeschränkt. Das bedeutet jedoch, dass ein ängstlicher Mensch schlechter in der Lage ist, innovative Lösungen zu entwickeln und angemessen auf die vor ihm liegende Herausforderung zu reagieren.

Merke: Angst reduziert die Handlungsfähigkeit eines Menschen massiv und verringert die Chance, eine angemessene und Erfolg versprechende Lösung zu finden und lösungsorientiert umzusetzen.

Tagtäglich beschäftigen uns auch die Formen oder Abwandlungen der Angst, diese verstecken sich hinter Begriffen wie Sorge, Bedenken, Befürchtung, Beunruhigung, Unruhe oder Panik.

Angst lähmt auch Organisationen und Unternehmen

Angst lähmt aber nicht nur einzelne Menschen, sie betrifft auch die Organisationen, in denen sich Menschen zusammenfinden, zum Beispiel als Familie, als Unternehmen oder als ganze Nation.

Angst verhält sich da fast wie ein Virus, es reicht schon oft, wenn ein dominantes Gruppenmitglied – der Meinungsführer in der Gruppe - dieses ansteckende Gefühl einbringt oder aber wenn mehrere Gruppenmitglieder Ängste zum Thema machen und damit sukzessive die ganze Gruppe infizieren.

So entstehen unter anderem Krisen in Organisationen, auch eine Weltwirtschaftskrise entwickelt sich letztendlich, wenn immer mehr Menschen Angst haben und sich entsprechend verhalten. Wie können wir dieser eigentlich unberechtigten Angst in uns oder in einer Gruppe am besten begegnen? Einige nützliche Tipps dazu:

  1. Die meisten Ängste, die wir hier in unserer zivilisierten und reichen Welt haben, sind nicht wirklich real. Das beginnt damit, dass man in unseren Breiten nicht verhungern muss und auch immer ein Dach über dem Kopf haben kann. Es besteht also keine wirkliche Lebensgefahr für uns. Für diese ist aber unsere Angstreaktion in ihrer Heftigkeit von der Evolution aber eigentlich konzipiert worden.
  2. Vieles, was wir entscheiden oder tun, bringt Risiken mit sich. Zumeist überschätzen wir aber di,ese Risiken ganz erheblich.
    Ein Tipp: Finden Sie heraus, wie das für Sie negativste anzunehmende Ergebnis aussieht. In der Regel werden Sie feststellen, dass selbst beim eher unwahrscheinlichen Eintreten dieses Super-Gaus die negativen Konsequenzen nicht so groß sein werden, wie es Ihre Angst vorher suggerierte.
  3. Am häufigsten haben wir Menschen Angst vor dem Unbekannten, etwas zu wagen, das wir noch nie getan haben. Oder etwas zu tun, bei dem wir schon mal gescheitert sind, besser gesagt, noch keinen Erfolg hatten. Oftmals akzeptieren wir allein aus Angst vor dem Unbekannten lieber eine unangenehme, aber uns bekannte und damit auch hinsichtlich der negativen Konsequenzen einschätzbare Situation anstatt Neues zu wagen.
    Dies birgt zwar Risiken in sich, aber ebenso auch Chancen. Diesen Bereich, den viele Menschen so ungern verlassen, nennt man auch „Komfortzone“. Die, die diese Scheu überwinden und mutig sind, haben beispielsweise unbekannte Kontinente entdeckt oder das elektrische Licht erfunden. Der Komfortzone und ihrer positiven wie negativen Einflüsse auf uns sollten wir uns stets bewusst bleiben und wissen, dass es besondere Belohnungen oder Freuden für uns immer nur geben wird, wenn es uns gelingt, die Angst zu überwinden und außerhalb der Komfortzone zu agieren.
  4. Je mehr wir uns auf das Objekt unserer Angst fokussieren, desto intensiver werden wir die hiervon (scheinbar) ausgehende Bedrohung empfinden. Und – so ganz nebenbei – ziehen wir das, was wir eigentlich nicht wollen, fast magisch an.
    Oftmals reicht schon die (bewusste) Veränderung unseres Blickwinkels aus, wenn wir uns auf die Lösungen und die positiven Resultate unseres Handelns konzentrieren.
    Nutzen Sie die Macht Ihrer Gedanken. Bestimmen Sie selber, worüber Sie nachdenken wollen. Stellen Sie sich also (statt der Angst vor der – zumeist fiktiven - Bedrohung) die positiven Ergebnisse vor, die Sie erreichen werden. Leider fällt uns das meistens nicht so leicht, denn unser Gehirn wurde dazu angelegt, sich eher auf die uns bedrohenden Gefahren zu fokussieren.
  5. Kommen Sie ins Tun! Die schlimmste Reaktion auf Angst ist das passive Abwarten, dass der Angst machende Zustand vorbeigehen möge. In diesem Moment sind Sie hilf- und machtlos wie das kleine Rehkitz, das der Wolf (vielleicht) gleich frisst.
    Gehen Sie in die Offensive, sammeln Sie Ihren Mut, suchen Sie Ihre Energie und bewegen Sie sich aktiv und offensiv auf ihre Ziele zu. Sie werden sofort ein besseres Gefühl verspüren, zusätzliche Energie erhalten und mit Sicherheit bessere Resultate als in der Verharrung der Angst erzielen.
  6. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Positive, meiden Sie das Negative ganz bewusst. Meiden Sie negative Informationen und Einflüsse, wo Sie können. Meiden Sie auch den Umgang mit negativ denkenden Menschen. Fokussieren Sie sich ganz bewusst auf Positives, auf das Schöne im Leben. Sorgen Sie dafür, dass um Sie herum Freude und gute, positive Stimmung ist.
  7. Ein weiterer Tipp ist, auf die eigene Körperhaltung zu achten. Befinden Sie sich in einer aufrechten, selbstbewussten Körperhaltung (Schultern zurück, Brust raus, Kopf gerade) und mit beiden Füssen fest auf dem Boden, ist es kaum noch möglich, Angst zu empfinden. Insbesondere, wenn Sie zusätzlich noch ein selbstbewusstes Lächeln aufsetzen.
  8. Wichtig: Angst schädigt unseren Organismus und macht uns langfristig krank! Jeder Mensch sollte sich bewusst sein, dass die eigenen Ängste ihn nicht nur mental, sondern sogar körperlich schädigen.

Was bedeutet Angst konkret für Sie als Unternehmer

Ängste verringern die Leistungsfähigkeit von Menschen und von Organisationen, deshalb sollten Sie als Unternehmer für sich und Ihre Mitarbeiter, für Ihr ganzes Unternehmen für eine angstfreie Situation und Umgebung sorgen, dafür, dass Ängste möglichst außerhalb Ihres Unternehmens bleiben.

Als Unternehmer steht es weitgehend in Ihrem Einfluss, für Angstfreiheit im Unternehmen zu sorgen. Vieles lässt sich bereits über einen kooperativen, lösungsorientierten Führungsstil ohne Repressionen erreichen.

Seien Sie als Unternehmer Vorbild für Ihre Mitarbeiter, reagieren Sie beherzt und offensiv (natürlich dabei trotzdem besonnen) auf Situationen, die Ihnen und Ihren Mitarbeitern Angst machen – wie vielleicht zurzeit die Wirtschaftskrise. Bedenken Sie dabei, dass Sie als der Meinungsführer Ihres Unternehmens ganz wesentlich die Stimmung und das Klima Ihres gesamten Unternehmens bestimmen.

Schaffen Sie im Unternehmen eine Kultur, die auf Respekt und Achtung basiert, jedem Mitarbeiter, jedem Lieferanten und – natürlich erst recht – jedem Kunden gegenüber. Entwickeln Sie im Unternehmen eine positive, menschenfreundliche Kultur, sorgen Sie dafür, dass Sie und ihre Mitarbeiter einander stets wertschätzen.

Es empfiehlt sich, einen Umgang miteinander zu pflegen, bei dem das Augenmerk auf den Erfolgen liegt, die jeder Einzelne oder alle miteinander erzielen. Natürlich wird es immer mal wieder Kritikpunkte bei Mitarbeitern geben, das Grundklima im Unternehmen sollte aber positiv und von einem Grundvertrauen in die Leistungsfähigkeit und den Leistungswillen des Anderen bestimmt sein.

Führen Sie Ihr Unternehmen offen und transparent für Ihre Mitarbeiter. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter Klarheit haben über das, was im Unternehmen vor sich geht. Das gilt für positive wie für negative Entwicklungen innerhalb oder außerhalb des Unternehmens. Ein weiterer Weg, die Angst aus Ihrem Unternehmen herauszuhalten, ist eine besondere Form der Kommunikation – vor allem bei Kritik.

Meine Empfehlung: Eignen Sie sich die Technik der gewaltfreien Kommunikation an. Dabei handelt es sich um eine vierstufige Argumentationstechnik, die es möglich macht, auch bei Kritikgesprächen eine insgesamt positive, konstruktive Beziehung zum Gesprächspartner aufrecht zu erhalten und damit auch Ängste und alle ihre Folgeerscheinungen aus dem Unternehmen zu halten. Hier kurz das grundlegende Argumentationsmuster der gewaltfreien Kommunikation:

  1. Als Erstes schildern Sie Ihre Beobachtung ohne eine Bewertung des Beobachteten: “Mir ist aufgefallen, dass das Projekt XY noch nicht angefangen wurde, ...“
  2. Dann übermitteln Sie Ihrem Gesprächspartner die Gefühle, die diese Beobachtung bei Ihnen auslöst: “... das verunsichert mich, …“
  3. Als Nächstes erläutern Sie Ihrem Gesprächspartner Ihr Bedürfnis: “… mir ist wichtig, dass wir zeitgerecht liefern, ...“
  4. Dann schließen Sie das Gespräch mit einer Bitte ab: “… bitte halten Sie sich an die vereinbarten Termine.“

Probieren Sie es aus! Diese Art der Kommunikation kann auch bei Kritikgesprächen erheblich dazu beitragen, das Klima im Unternehmen zu verbessern. Der konsequente Verzicht auf einen persönlichen Angriff des kritisierten Menschen führt zu einem konstruktiveren Umgang und – vor allem – er vermeidet die Ängste, die sonst durch eine Kritik an der Person ausgelöst würden.

Natürlich können alle Tipps nicht die Wirtschaftskrise und deren gesamtwirtschaftlichen Folgen verhindern. Dennoch liegt es an jedem Einzelnen von uns, wie wir mit der Bedrohung durch diese Krise umgehen.

Lassen wir uns ängstigen und verbreiten diese Angst dann auch noch zusätzlich in unseren wichtigsten Organisationen – also in der Familie und in unseren Unternehmen – dann sorgen wir dafür, dass wir uns schwächen und weniger handlungsfähig machen und uns dieser Krise weiter ausliefern.

Entscheiden wir uns hingegen gegen unsere Ängste und ergreifen wir die richtigen Maßnahmen, so erhalten wir unsere Handlungsfähigkeit und schaffen damit eine der wesentlichen Voraussetzungen, damit wir diese Krise bewältigen und – besser noch – gestärkt aus dieser hervorgehen.

Dazu im Management-Handbuch

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