ArbeitsmarktJobchancen junger Erwachsener stehen schlecht

Eine Studie über die Jobchancen junger Erwachsener macht deutlich, dass der Berufseinstieg trotz guter Qualifikation schwierig geworden ist. Weitere Ergebnisse: Der spätere Karriereverlauf wird vom Arbeitsmarkteinstieg beeinflusst und flexible sowie unsichere Beschäftigungsformen nehmen zu.

Thomas aus dem Ruhrgebiet hat seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker erfolgreich abgeschlossen. Statt eines unbefristeten Arbeitsvertrages erhält er von seinem Ausbildungsbetrieb nur eine befristete Anstellung. Wie es danach weitergeht, weiß Thomas noch nicht.

Jennifer lebt in den USA und arbeitet trotz eines College-Besuchs vorerst als Kellnerin. Sie bewirbt sich derzeit für Jobs im Medienbereich und hofft, dort bald eine ausbildungsadäquate Anstellung zu finden.

Fabrizio aus Bologna in Italien hat vor eineinhalb Jahren sein Studium mit guten Noten abgeschlossen. Trotz vieler Bewerbungen war seine Suche nach einer ersten Anstellung bisher erfolglos. Wie ihm geht es auch vielen seiner ehemaligen Studienkollegen. Er wohnt bei seinen Eltern und will sich weiter bewerben.

Diese Beispiele sind heute durchaus typisch für junge Erwachsene in Europa und den USA. Sie verdeutlichen, dass der Arbeitsmarkteinstieg und die berufliche Etablierung mit längerfristiger Perspektive im Erwerbsleben in Zeiten der Globalisierung schwerer geworden sind.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität Bamberg), Prof. Dr. Karin Kurz (Universität Göttingen) und Dr. Sandra Buchholz (Universität Bamberg) untersuchte ein internationales Forscherteam auf der Grundlage repräsentativer Längsschnittdaten und mit aufeinander abgestimmten Untersuchungsdesigns, wie sich die Erwerbschancen von jungen Bildungsabsolventen in den vergangenen drei Jahrzehnten in elf sehr unterschiedlichen Gesellschaften entwickelt haben.

Einstieg ist schwieriger geworden

Als Erstes bestätigen die Ergebnisse der Studie, dass der Einstieg ins Erwerbsleben und die Etablierung am Arbeitsmarkt für junge Menschen in modernen Gesellschaften turbulenter und insgesamt schwieriger geworden ist. Seit Beginn der 1980er Jahre hat sich die Dauer, bis Absolventen eine erste Anstellung finden, bedeutend verlängert. Insbesondere ist das Risiko flexibler und unsicherer Beschäftigungsformen beim Arbeitsmarkteinstieg deutlich angestiegen und die Chancen, sich rasch sicher zu etablieren, sind dramatisch gesunken.

Dieses Ergebnis ist eigentlich paradox, denn die nachwachsenden Generationen haben im Vergleich zu den früheren in der Regel eine höhere Qualifikation, häufiger Auslandserfahrung und viel bessere Fremdsprachenkenntnisse. Trotzdem bleibt ihnen auf den Arbeitsmärkten moderner Gesellschaften häufig nur das Nachsehen. Vor allem gering(er) qualifizierte junge Erwachsene sind die eigentlichen Verlierer zunehmender Arbeitsmarktrisiken.

Arbeitsmarkteinstieg beeinflusst späteren Karriereverlauf

Weiterhin zeigt die Studie, dass sich Probleme beim Arbeitsmarkteinstieg nachhaltig auf die Erwerbschancen im späteren Karriereverlauf der jungen Menschen auswirken. Haben Bildungsabsolventen nach Abschluss der Ausbildung bereits eine relativ lange Zeit benötigt, um eine erste Beschäftigung zu finden, oder ihre Erwerbskarriere in einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis begonnen, so ist die Gefahr, dass diese Personen weiteren Risiken wie Arbeitslosigkeit begegnen, deutlich erhöht.

Flexible und unsichere Beschäftigungsformen nehmen zu

Ein wichtiger neuer Befund der Studie ist zudem, dass sich im Zuge der Globalisierung flexible und unsichere Beschäftigungsformen an den Arbeitsmärkten moderner Gesellschaften zunehmend dauerhaft zu etablieren scheinen. Mit jeder neuen Generation wird das Beschäftigungssystem deswegen zunehmend flexibilisiert und die Karrieren werden unsicherer. Wie die Ergebnisse zeigen, werden diese flexiblen Beschäftigungsformen von Unternehmen nicht nur in wirtschaftlich angespannten Zeiten eingesetzt.

Die systematische international vergleichende Analyse der Arbeitsmarktsituation junger Menschen in modernen Gesellschaften legt das Buch "Young Workers, Globalization and the Labor Market: Comparing Early Working Life in Eleven Countries" vor.

Zur Studie:

Zu den in die Analyse einbezogenen Ländern gehören Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Schweden, Dänemark, Ungarn und Estland. Gefördert wurde diese Studie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

[po; Quelle: Universität Bamberg; Bild: ©style-photographs - Fotolia.com]

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