ArbeitsunfähigKrank im Urlaub – was Arbeitnehmer wissen müssen

Wer im Urlaub krank wird, muss dies dem Arbeitgeber anzeigen und nachweisen. Urlaubstage können unter bestimmten Bedingungen nachgeholt werden.

Wer im Urlaub krank wird, kann sich nicht erholen. Arbeitnehmer können deshalb den Urlaub nachholen. Allerdings können Sie den Urlaub nicht einfach um die Krankheitstage verlängern.

Nicht jede Krankheit zählt

Bei Erkrankungen während des Urlaubs werden die Zeiten der Arbeitsunfähigkeit nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Das heißt, die krank verbrachten Tage zählen nicht als Urlaubstage. Grund: Die Erfüllung des Urlaubsanspruchs vom Zeitpunkt der Erkrankung an ist unmöglich.

Aber nicht jede Erkrankung im Urlaub führt zur Anwendung der gesetzlichen Regelungen. Es muss sich vielmehr um eine Erkrankung handeln, die zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Erst die Arbeitsunfähigkeit macht die Erfüllung des Urlaubsanspruchs während dieser Zeit unmöglich.

Neben einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit kann der Urlaub auch bei einem gesetzlichen Beschäftigungsverbot (zum Beispiel nach dem Mutterschutzgesetz) oder bei Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme nicht geltend gemacht werden.

Urlaub verlängert sich nicht

Jedoch verlängert sich der Erholungsurlaub nicht automatisch um die durch Krankheit ausgefallenen Tage. Der Arbeitnehmer ist weder berechtigt, den Urlaub eigenmächtig zu verlängern, noch hat er Anspruch auf die sofortige Fortsetzung des Urlaubs im Anschluss. Gibt es keine anderslautende Absprache mit dem Arbeitgeber, muss der Arbeitnehmer nach der Wiedergenesung die Arbeit zunächst wieder aufnehmen. Anderenfalls riskiert er eine außerordentliche fristlose Kündigung.

Urlaub später nachholen

Die nicht als Urlaubstage anzurechnenden Krankheitszeiten sind keineswegs verfallen. Der Arbeitgeber muss die dem Arbeitnehmer noch zustehenden Urlaubstage nachträglich gewähren, wenn dieser seine Arbeitspflicht wieder erfüllen kann. Dies gilt, sofern der Urlaubsanspruch noch nicht erloschen ist, denn die Nachgewährung kann nur bis zum Ablauf des Urlaubsjahres beziehungsweise Übertragungszeitraums (31.3. des Folgejahres) erfolgen. Eine Nachgewährung kommt aber beispielsweise nicht in Betracht, wenn lediglich der Ehepartner oder ein Kind des Arbeitnehmers während des Urlaubs erkrankt und die Pflege durch den Arbeitnehmer notwendig ist.

Erkrankt der Arbeitnehmer vor Urlaubsantritt und dauert die Erkrankung über den gesamten vorgesehenen Urlaubszeitraum an, muss er den Urlaub neu beantragen. Den Antrag muss der Arbeitgeber genehmigen, sobald der Arbeitnehmer seine Arbeitspflicht wieder erfüllen kann.

Krankmeldung bei Auslandsaufenthalt

Den Arbeitnehmer treffen auch bei einer Arbeitsunfähigkeit während des Urlaubs die gesetzlichen Anzeige- und Nachweispflichten, da bei Erkrankungen im In- und Ausland ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht. Bei einem Auslandsaufenthalt muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber daher die Arbeitsunfähigkeit an sich, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort anzeigen. Gefordert ist die unverzügliche mündliche oder schriftliche Mitteilung, z.B. per SMS oder E-Mail.

Die Mitteilung an den Arbeitgeber kann auch durch Angehörige oder Begleitpersonen erfolgen. Grundsätzlich muss der Arbeitnehmer für die Übermittlung den schnellstmöglichen Weg wählen, also am besten per Telefon oder E-Mail. Immer gilt: Kehrt ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer aus dem Ausland zurück, ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber und der Krankenkasse seine Rückkehr unverzüglich anzuzeigen.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen

Des Weiteren ist der Arbeitnehmer verpflichtet, seine Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Zeugnis (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) nachzuweisen. Das Gesetz sieht keine Frist für die Einreichung bei Arbeitsunfähigkeit im Urlaub vor, so dass diese auch nachträglich erfolgen kann, jedoch unverzüglich nach Urlaubsende erfolgen muss.

Besonderheiten bei Arztbescheinigungen aus dem Ausland

Arbeitnehmer, die im Auslandsurlaub erkranken, müssen immer ein ärztliches Attest vorlegen. Grundsätzlich kommt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die von einem ausländischen Arzt ausgestellt sind, der gleiche Beweiswert wie inländischen Bescheinigungen zu. Den Beweiswert kann der Arbeitgeber gegebenenfalls nur durch Darlegung und Nachweis von ernsthaften Zweifeln erschüttern.

So reicht es bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von niedergelassenen Ärzten innerhalb der EU nicht aus, wenn die Richtigkeit der Bescheinigung einfach nur gewisse Umstände erschüttert. Vielmehr muss der Arbeitgeber das Gegenteil beweisen, nämlich dass der Arbeitnehmer betrügerisch oder rechtsmissbräuchlich handelte. Dennoch: Das Bundesarbeitsgericht verlangt bei einem ärztlichen Zeugnis aus einem EU-Mitgliedstaat keine „jeden Zweifel ausschließende Gewissheit an der nicht gegebenen Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers“.

Problem des Beweiswerts ärztlicher Bescheinigungen

In einschlägigen Problemfällen kommt es auf die persönliche Überzeugung des Richters an. Dabei kann die Weigerung des Arbeitnehmers, seine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden, als Beweisvereitelung angesehen werden. Folgende Fallgestaltungen können den Beweiswert ärztlicher Bescheinigungen erschüttern:

  • Wiederholte Erkrankung von ausländischen Arbeitnehmern jeweils im Anschluss an den Urlaub im Heimatland
  • Umbuchung eines Rückflugs vor Krankschreibung auf den Tag des Endes der Krankschreibung
  • Wiederholte gemeinsame oder gleichzeitige Erkrankungen von Ehegatten nach Urlaubsende
  • Durchführung von beschwerlichen Reisen während der Arbeitsunfähigkeit

Bei ärztlichen Bescheinigungen aus Ländern, mit denen lediglich Sozialversicherungsabkommen bestehen, gilt wie im Inland der allgemeine Beweiswert. Kann der Bescheinigung nicht entnommen werden, dass der Arzt zwischen Krankheit und Arbeitsunfähigkeit differenziert hat, ist dieser Beweiswert gering.

Dazu im Management-Handbuch

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