AutomobilherstellerDezentrale Wertschöpfungsstrategien auch in der Krise unerlässlich

Die Automobilindustrie befindet sich gegenwärtig in einer globalen Krise von bislang unbekanntem Ausmaß. Auch die deutschen Automobilhersteller verzeichnen weltweit starke Absatzrückgänge. Der Ausweg: Sie müssen ihre Globalisierung auch in der Krise weiter vorantreiben, um zukünftig im Wettbewerb bestehen zu können. Die weltweite Lokalisierung von Wertschöpfungsaktivitäten stellt dabei einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg dar.

Prof. Dr. Stefan Schmid und Dipl.-Kfm. Philipp Grosche von der ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin haben in einem gemeinsamen Projekt mit der Bertelsmann Stiftung die Automobilhersteller Audi, Dacia, Renault, Toyota und Volkswagen detailliert analysiert, Best Practices identifiziert und Handlungsempfehlungen für zukunftsfähige Wertschöpfungsstrategien entwickelt. In Fallstudien zeigen Schmid und Grosche, welche Maßnahmen Automobilhersteller ergreifen müssen, um auf den weltweiten Märkten auch langfristig wettbewerbsfähig zu sein.

Automobilhersteller, insbesondere die Hersteller im Volumensegment, sollten ihre Wertschöpfungsaktivitäten verstärkt dezentral innerhalb des Unternehmensnetzwerks durchführen. Nur auf diese Weise können die Hersteller weiterhin weltweit erfolgreich sein und neue Wachstumschancen erschließen, beispielsweise indem sie die lokale Produktion als Verkaufsargument nutzen oder vor Ort Modelle entwickeln, die besonders gut auf die dortigen Kundenwünsche zugeschnitten sind. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), unterstreicht diese Forderung:

"Ein weltweiter Produktionsverbund - an dem natürlich auch die Zulieferer beteiligt sind - ist auch deshalb wichtig, weil nur so die neuen Märkte nachhaltig erschlossen werden können. Allein über den Export ist das nicht zu stemmen."

Die verlangte Dezentralisierung bedeutet allerdings nicht, dass ein Hersteller an jedem Standort alle Wertschöpfungsaktivitäten durchführen soll. Vielmehr ist eine dezentrale Zentralisierung notwendig, in deren Rahmen Kompetenzzentren mit spezifischen Fähigkeiten bestimmte Führungsaufgaben für den gesamten Konzern übernehmen.

"Die dezentrale Verteilung von Wertschöpfungsaktivitäten muss deshalb auch mit einer Dezentralisierung von Führungsfunktionen und Entscheidungskompetenzen einhergehen",

fordert Professor Schmid, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management und Strategisches Management an der ESCP-EAP Berlin. Nur so können ausländische Unternehmenseinheiten ihre lokalen Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen dem Gesamtunternehmen zur Verfügung stellen und ihm zu weltweiten Wettbewerbsvorteilen verhelfen.

Durch diese Neuausrichtung der Wertschöpfung werden insbesondere die Schwellen- und Entwicklungsländer für Automobilhersteller weiter an Bedeutung gewinnen. Standorte in diesen Ländern werden nicht mehr nur als "verlängerte Werkbank" westlicher Standorte fungieren, sondern höherwertige Wertschöpfungsaktivitäten, zum Beispiel in der Entwicklung, übernehmen.

Außerdem müssten die Automobilhersteller ihre Unternehmenskulturen an den Wandel der Wertschöpfungs- und Führungsstrukturen anpassen, betonen Schmid und Grosche in ihrer Studie. Denn die Hersteller benötigen weltumspannende Unternehmenskulturen, um die Integration der dezentralen Einheiten in das globale Unternehmensnetzwerk zu fördern.

Zur Studie

Die Studie „Management internationaler Wertschöpfung in der Automobilindustrie - Strategie, Struktur und Kultur“ von der Bertelsmann Stiftung kann kostenlos unter http://www.bertelsmann-stiftung.de/wertschoepfung heruntergeladen werden.

[po; Quelle: ESCP-EAP; Bild: ©Uolir - Fotolia.com]

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