B-PlayerLeistungsträger aus der zweiten Reihe

Sie machen einfach ihre Arbeit. Sie fallen im Unternehmen kaum auf – und sind doch so wichtig, wenn es darum geht, dass Prozesse funktionieren, die Qualität stimmt und Kunden zufrieden gestellt werden. Die sogenannten B-Player machen den größten Teil der Belegschaft aus. Doch weder die Chefs noch die Personalabteilung kümmern sich so richtig um sie.

Das zumindest stellt Andrea Bittelmeyer in ihrem Beitrag für ManagerSeminare (7/2007) fest. Im Radsport können die Stars und Favoriten nicht ohne ihre Wasserträger gewinnen. Und so sei es auch in den Unternehmen, schreibt Bittelmeyer. High Potentials und ehrgeizige Führungskräfte würden das Unternehmen nach vorne treiben. Aber auch sie brauchen fähige Mitarbeiter, die im Hintergrund zuverlässig die notwendige Arbeit bewältigen.

Seit vielen Jahren befasst sich der Harvard-Professor Thomas J. DeLong mit dem Phänomen der B-Player. Er weiß, dass sie gerade in Krisenzeiten loyal zu ihrem Unternehmen stehen. Ihnen liegt das Wohl des Unternehmens mehr am Herzen als das eigene. Sie müssen nicht selbst ständig im Mittelpunkt stehen; ein entscheidender Unterschied zu allen Top-Leuten, die vor allem auf ihre eigene Karriere bedacht sind.

Das zusätzliche Plus dieser Leistungsträger in der zweiten Reihe: Sie sind ein Wissensspeicher für viele Fachfragen, denn sie wechseln nicht ständig ihren Job, sondern haben viel Erfahrungen gesammelt. Die geben sie auch an jüngere Kollegen weiter.

DeLong unterscheidet vier Typen:

  1. Verdeckte A-Player: Sie könnten das Gleiche leisten wie die Top-Leute; aber es ist ihnen nicht so wichtig. Familie und Freizeit spielen für sie eine große Rolle. Wenn es darauf ankommt, springen sie aber im Beruf immer ein und können auch die Chefs vertreten.
  2. Ehrliche: Ihnen ist das eigene Fachgebiet wichtig. Sie stellen kritische Fragen. Ihnen geht es um die Sache an sich. An zusätzlichen Managementaufgaben und mikropolitischen Spielchen zum Erklimmen der Karriereleiter sind sie nicht interessiert.
  3. Kontaktknüpfer: Sie sind gut in innerbetriebliche Netzwerke eingebunden, kommunizieren viel mit anderen und kennen alle Normen und Werte, die im Unternehmen wichtig sind. So sorgen sie für den Zusammenhalt und werden auch oft um Rat gefragt.
  4. Mittelmäßige: Sie leisten, was sie können. Sie machen ihre Arbeit, sind loyal und halten dem Chef den Rücken frei.

Erstaunlich sei, so Bittelmeyer, dass sich die Führungskräfte kaum um diese wertvolle Ressource der B-Player kümmern. Oft werden sie sogar gering geschätzt, weil sie nicht auffallen und an einer tollen Karriere wenig Interesse zeigen. Dass sie souverän ihre Arbeit tun, macht sie fast unsichtbar. Doch das birgt eine große Gefahr: B-Player sind leicht unterfordert, weil ihnen keine neuen oder spannenden Aufgaben zugewiesen werden. Dann steigt das Risiko des sogenannten Boreout-Syndroms – krank durch Langeweile.

Aus diesem Grund müssen spezifische Entwicklungsmaßnahmen gefunden werden, um B-Player zu motivieren und ihren Wert für das Unternehmen zu erschließen. Das kann beispielsweise sein:

  • Maßgeschneiderte Weiterbildung in spezifischen Fachthemen, sodass diese Zielgruppe ihr Expertenwissen ausbauen und im Unternehmen einbringen kann.
  • Übernahme von Projektverantwortung durch die Mitarbeiter eine Abwechslung von der Alltagsroutine erfahren und neue Impulse bekommen.
  • Mentoring-Aufgaben, mit denen Sie neue oder jüngere Kollegen an das Unternehmen und ihre Aufgaben heranführen und begleiten.

Um zu erkennen, welche Maßnahme am besten passt, müssen die Personalentwickler mit den betroffenen Mitarbeitern eine regelmäßige Bestandsaufnahme und Zielplanung machen. Gerade die Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahre gewinnt dadurch Perspektiven für das eigene Arbeitsleben, die sie in dieser Phase sonst schnell vermissen.

Besonders helfen kleine Aufmerksamkeiten, wenn es darum geht, die Leistungsträger aus der zweiten Reihe zu motivieren: Einfach mal ehrlich loben, ihre Arbeit wertschätzen, sie nach ihrer Meinung fragen und „Danke“ sagen.

Hinweis

Den Beitrag von Andrea Bittelmeyer finden Sie hier:

Förderung von B-Playern: Stärkung der unsichtbaren Kraft

Weitere Informationen finden Sie von Thomas J. DeLong unter:

Are You Supporting Your B Players?

Let's Hear It for B Players

Why Mentoring Matters in a Hypercompetitive World

[jf]

Dazu im Management-Handbuch

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