Basel IIMittelstand leidet unter strengerer Kreditvergabe

Vor Basel II wurde die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens immer an den vergangenen Umsätzen und Gewinnen festgelegt. Nun fließen auch die Planzahlen und deren Faktoren in die Bewertung mit ein. Jede Änderung innerhalb des Unternehmens, die nicht an die Kreditinstitute gemeldet wird, kann zur fristlosen Kündigung des Kredites führen. Mögliche Lösung: Eine Kapitalbeschaffung durch Handel mit Wertpapieren.

Durch das Inkrafttreten der Basel II Bestimmungen hat der Mittelstand nur Nachteile erfahren. Diese Bestimmungen besagen, dass eine risikogerechtere Eigenkapitalunterlegung von Krediten durch die Banken ermöglicht werden soll. Dazu sollen sogenannte Ratings bei den Kredit suchenden Unternehmen durchgeführt werden und anhand dieser wird die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kreditrückzahlung berechnet und als bestimmender Faktor festgesetzt.

Je nach Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers kann die geforderte Höhe des notwendigen Eigenkapitals für einen Kredit zwischen 1,5 Prozent und 12 Prozent schwanken. Dies bedeutet für ein Kreditinstitut, dass für Unternehmen mit einer besseren Bonität weniger Eigenkapital zurückgelegt werden muss, als für ein Unternehmen mit niedrigerer Bonität bei gleicher Kredithöhe. Vor Basel II wurde die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens immer an den vergangenen Umsätzen und Gewinnen festgelegt, die Bilanzen der letzten Jahre wurden zur Beurteilung der Bonität eines Unternehmens herangezogen.

Veränderungen durch Basel II

Diese Vorgehensweise hat sich durch Basel II geändert. Heute werden nicht nur die Zahlen der letzten 2 bis 4 Jahre bei den Bewertungen berücksichtigt, es fließen auch die Planzahlen und deren Faktoren in die Bewertung des Unternehmens mit ein; Konjunkturanalysen, Markttrends, Strategien, Personalmanagement und Wettbewerbssituation werden ebenso berücksichtigt wie Krisenszenarien und Gegenstrategien. Auch der Einsatz des Privatvermögens des Unternehmers durch persönlich geleistete Bürgschaften gibt bei der Kreditgenehmigung den Ausschlag.

Für den Unternehmer bedeutet das jetzt, dass die Kreditinstitute auch über Zielsetzungen, Umsetzung und Sachkompetenz Personalentwicklung, Marketingstrategien und Märkte informiert werden müssen. Jede Änderung innerhalb des Unternehmens, die nicht an die Kreditinstitute gemeldet wird, kann zur fristlosen Kündigung des Kredites führen, was wiederum bedeutet, dass Unternehmer nicht mehr frei entscheiden können und dürfen. Investitionen, die mit „Risiken“ des Unternehmers in der Vergangenheit verbunden waren, darf der Kredit nehmende Unternehmer heute nicht mehr selbst entscheiden, er braucht für alles das Einverständnis des Kreditinstitutes.

Fazit ist, der Kredit nehmende Unternehmer wird den Einfluss auf sein eigenes Unternehmen je nach Höhe des Kredites verlieren, er wird in seinen Entscheidungen gebremst, muss dabei aber verstärkt persönlich haften. Unternehmen mit hoher Bonität wie zum Beispiel DAX bestimmende Gesellschaften oder andere börsennotierte Unternehmen, benötigen nur selten Kredite. Zumeist haben diese sich bereits das benötigte Kapital über die Börsenanleger beschafft.

Das Nachsehen hat der Mittelstand, also Unternehmen, die es in der heutigen Zeit ohnehin schwer haben, sich auf den immer kleiner werdenden Marktplätzen mit wachsenden Wettbewerbern aus dem Osten zu behaupten. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet, immer mehr Billigprodukte aus dem Osten kommen auf den europäischen Markt. Gute Ideen und Entwicklungen können nicht oder nur erschwert umgesetzt werden, eine Osterweiterung der Geschäfte oder der Standorte ist für diese Unternehmen fast unmöglich, zum einen, weil die Finanzdecke der Unternehmen zu dünn ist und zum anderen, weil beispielsweise deutsche Banken das Risiko nur selten in Kauf nehmen, mit einem Unternehmen im Osten durch Bereitstellung von Finanzierungen zu investieren.

Viele Unternehmer nehmen es in Kauf, langsam aber sicher entweder durch Kredite den Einfluss auf Ihre eigene Gesellschaft eingeschränkt zu sehen und zu verlieren, oder sie trennen sich von Ihrem Unternehmen, was in der heutigen Zeit sehr schwierig ist. Die Anzahl der in- und ausländischen Investoren, die als Teilhaber in deutsche oder österreichische Unternehmen investieren, gehen von Jahr zu Jahr immer weiter zurück. Die größeren Gewinne versprechen sich die Investoren im Osten. Ein gesundes Wachstum der mittelständischen Unternehmen wird durch Basel II extrem verzögert oder verhindert.

Kapitalbeschaffung ohne Abhängigkeit von Kreditinstituten oder fremden Investoren

Die Beschaffung des Kapitals kann genauso wie bei börsennotierten Gesellschaften über die Börse erwirtschaftet werden. Hierfür gibt es einige Möglichkeiten, ohne dass die Gesellschaft selbst zwingend eine Aktiengesellschaft sein muss. Die meisten Menschen verstehen unter einem Börsengang eine Emission in Aktien. Dass an den Börsen auch andere Wertpapiere gehandelt werden, ist zumeist unbekannt oder es fehlen ausreichende Informationen darüber.

Die einfachste Möglichkeit der Kapitalbeschaffung ist eine Börsen-Emission von Anleihen/Schuldverschreibungen/Bonds, wobei es sich bei den genannten Papieren immer um ähnliche Finanzierungsinstrumente handelt, nur in verschiedenen Varianten. Bei Anleihen - Schuldverschreibungen - Bonds gibt es im Voraus vereinbarte Zinsen für den Anleger vom Kapitalnehmer, die in der Regel höher sind als bei einem Sparbuch. Die Verzinsung kann über die gesamte Laufzeit fest sein oder variieren, je nach Festlegung der Verkaufsbedingungen und Anforderungen für diese Börsenpapiere. Anleihen können jederzeit gehandelt und verkauft werden.

Ein entscheidendes Thema für den Anleger ist die Bonität des Emittenten - des Kapitalnehmers, also dessen Fähigkeit, während der Laufzeit der Anleihe alle finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Dies aber kann man bereits vorab, aufgrund der Entwicklungsmöglichkeit des Unternehmens klären. Die Laufzeit dieser Wertpapiere liegt in der Regel bei 5 bis 10 Jahren, die Zinsen sind jährlich fällig. Das erwirtschaftete Kapital wird bilanztechnisch als Eigenkapital bewertet, dadurch erhöht sich die Kapitaldecke des Unternehmens erheblich. Der Unternehmer behält seine selbstständige Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit, ihm stehen neue Wege für Investitionen offen.

Die Erwerber dieser Wertpapiere sind mit dem Erwerb nicht Miteigentümer des Unternehmens, sondern sind nur am Gewinn prozentual beteiligt. Gehandelt werden können diese Wertpapiere an den Börsen, es sind aber auch Verkäufe auf privater Ebene möglich. Ist ein Unternehmen erst einmal an der Börse gelistet, hat dies natürlich auch einen werbenden Effekt. Der Bekanntheitsgrad des Unternehmens steigt, und einer Ausweitung des Unternehmens steht nichts mehr im Wege. Ein Börsengang mit diesen Wertpapieren ist nicht sehr kostenintensiv. Interessant ist eine solche Kapitalbeschaffung nicht nur für bereits etablierte Unternehmen sondern auch für Start-up-Unternehmen, Genossenschaften und Verbände.

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[Bild: Fotolia.com]

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