BauchgefühlMit Intuition wirksamere Entscheidungen treffen

Im kopflastigen Business wird der Bauch oft gar nicht miteinbezogen. Doch intuitive Entscheidungen können manchmal besser sein, als wenn nur nach Fakten und Zahlen entschieden wird. Am besten eignet sich eine Kombination aus beidem: Rationalität und Emotionalität ergänzen sich hervorragend bei der Entscheidungsfindung.

Große Unternehmer in der Geschichte vertrauten oft auf ihren „Riecher“, wenn sie richtungsweisende Entscheidungen zu treffen hatten. Und die Größten unter ihnen verstanden es, sofort die richtigen wirtschaftlichen Schritte zu gehen, wenn ihr Bauchgefühl mit den Zahlen und Fakten des Managements im Einklang waren.

„Es muss verhindert werden, dass unternehmerische Intuition von schierem Management verdrängt wird, wenn das Unternehmen wächst!“

Diese deutlichen Worte stammen vom größten Taschenbuchverleger Europas, Heinz Friedrich (1922-2004), der dtv lange Zeit erfolgreich geleitet hat. Der Deutsche Taschenbuch Verlag hat die 50 Millionen Euro Grenze bei den Umsatzzahlen schon länger überschritten und dazu hat Heinz Friedrich maßgeblich beigetragen. Seine Biographie trägt den Titel „Erlernter Beruf: Keiner“.

Doch etwas von dieser Intuition ist in den letzten Jahrzehnten wohl verloren gegangen. Heute basieren die Entscheidungen des Managements in der Ökonomie meist ausschließlich auf Analysen, Zahlen, Fakten – auf der rein rationalen Ebene. Und dass wirtschaftliche Entscheidungen aufgrund datenbasierter Analysen fehlerfrei sind, mag auf den ersten Blick und rein rational betrachtet auch einwandfrei erscheinen. Wohin kämen wir auch, wenn jeder nach „seiner Eingebung“ leben und entscheiden würde?

Intuitive Entscheidungen können auch daneben liegen und ein Unternehmen schwer belasten oder sogar ruinieren. Aber dass Manager sich ausschließlich auf Wirtschaftanalysen verlassen, hat uns in der Vergangenheit und auf Dauer auch nicht wirklich weitergebracht. Ein deutliches Zeichen dafür ist die aktuelle Wirtschaftslage. Eines steht fest: Intuitionen erweitern den Blickwinkel und sind bei Entscheidungen jeglicher Art – als sinnvolle Ergänzung zur rationalen Ebene – sehr hilfreich.

Wissenschaftlich fundiert

Um es vorweg zu nehmen: Intuition hat rein gar nichts mit Gefühlsduselei zu tun. Auch ein Zusammenhang mit übersinnlichen Fähigkeiten ist im Business fehl am Platz. Ganz im Gegenteil - die Hirnforschung beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Phänomen Intuition und kommt zu erstaunlichen Schlüssen: Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass hinter der Intuition komplexe Prozesse in unserem Gehirn ablaufen, die ganz ohne unser Zutun zu treffsicheren Entscheidungen oder guten Lösungswegen führen.

Niemand kann bei der permanenten Informationsflut alle Eindrücke, die jeden Augenblick auf uns einprasseln, aufnehmen. Nicht jedes Detail lässt sich mit den Augen erfassen oder über unsere weiteren Sinneskanäle (Ohr, Geruchs- oder Tastsinn) sofort einordnen. In der Regel können wir nur etwa drei bis zehn Informationen direkt aufnehmen. Mehr kann unser Gehirn nicht bewusst verarbeiten. Alles andere rauscht unbewusst an uns vorbei. Dennoch stehen viele dieser Informationen später wieder zur Verfügung. Die Natur hat uns Menschen mit dieser wunderbaren Fähigkeit ausgestattet, die es uns erlaubt, trotz Informationsflut, den Überblick zu behalten. Und eben jene – unbewusst aufgenommenen Informationen – fließen später oft bei intuitiven Entscheidungen mit ein.

Diktat der Logik

Auf ihre Eingebungen verlassen wollen sich Führungskräfte aus mehreren Gründen trotzdem nicht. Schon in der Erziehung wird jedem Kind vermittelt, dass das Beweisbare über Vermutungen steht. In der Schule und im Studium setzt sich dies fort: In der universitären Ausbildung von Betriebswirten, MBAs und anderen Entscheidern der Wirtschaft herrscht das Diktat der Logik. Dort wird vermittelt, dass intuitive Entscheidungen mit einem hohen Unsicherheitsfaktor versehen sind. Bauchgefühl-Entscheidungen, die schiefgehen, fallen sofort auf den Entscheider zurück und er kann sich auf nichts Wirkliches, Beweisbares stützen. Bei rationalen Entscheidungen hingegen kann er sich auf Analysen und Zahlen berufen. Sie gelten als seriös.

Dennoch reicht das Verständnis oft sehr viel weiter als der Verstand. Wer kennt die Situation nicht, wenn der Verstand eine Richtung vorgibt, aber im Bauch grummelt es seltsam? Soll man sich auf die Ahnung verlassen oder die rationale Entscheidung durchziehen?

„Ich lasse mich von der Intuition leiten - aber nur, wenn meine Vermutungen von den Tatsa­chen bekräftigt wer­den“,

sagte der amerikanische Topma­nager Lee Iacocca, der 1979 bis 1992 Vorstandsvorsitzender von Chrysler war. Sein Nachfolger ging wohl andere Wege. Sechs Jahre nach Iacoc­cas Ausscheiden war der Automo­bilkonzern ein Übernahme­kandidat. Ob Dieter Zetsche ratio­nal oder intuitiv handelte, ist nicht bekannt, aber Daimler schlug zu (36 Milliarden US Dollar) und zahlte dabei enorm drauf. Sollte der Bauch bei der Übernahme eine Rolle gespielt haben, wird er es nicht zugeben können. Hinter­her sind immer alle schlauer.

Potentiale der Intuition erschließen

Seltsamerweise gibt es Bereiche, in denen die Intuition voll anerkannt und akzeptiert ist. Dort hat sie sich etabliert. Den­ken Sie nur an den Sport. Im Fußball müssen die Spieler in Bruchteilen von Sekunden „automatisch entscheiden“ und sie verlassen sich auf – genau – ihre Intuition. Wenn sie beispielsweise den Ball bekom­men, kommt es auf ihre Intuition an: Reicht’s für’s Tor oder an wen soll der Ball weitergegeben werden? Zeit, über die beste Spieloption nachzudenken und zu analy­sieren, hat der Spieler in diesem Augenblick nicht.

Also trifft sich die Entscheidung sozusagen wie von selbst. Im Fußball­spiel käme niemand auf den Gedanken, von den Spielern großartige Analysen zu verlangen, der Spielfluss würde dar­unter leiden. Selbstverständlich gibt es solche Analysen, die die Sportler bei den Nachbesprechungen von Partien durchgehen. Diese allerdings werden bei den nächsten Be­gegnungen auf dem Platz wieder intuitiv mit ein­fließen. In der Wirtschaft hingegen spielt Intuition immer noch eine zu ge­ringe Rolle. Kernfragen, die sich stellen, sind in diesem Zu­sammenhang:

  • Wie mache ich mir meine Intuition nutzbar?
  • Wie kann ich meine Intuition nutzen, um erfolgreicher zu werden?
  • Wie erkenne ich, ob mir meine Intuition den „richtigen Rat“ erteilt?

Versuchen Sie doch einfach über einen gewissen Zeitraum einmal, Ihre Umgebung intensiv(er) wahrzunehmen, nutzen Sie neue Chancen und erlernen Sie die Techniken der Intuition. Seien Sie unerschöpflich und kreativ und treffen Sie Ihre Entscheidungen schnell. Tägliches Anwenden und eine Integration in den Alltag verstärken Ihre intuitiven Fähigkeiten. Bleiben Sie offen für neue Chancen und stützen Sie Ihre Entscheidungen auf eine notwendige Sicherheit, die von innen kommt.

Sollen Wirtschaftsführer jetzt grundsätzlich intuitiv entscheiden und alle anderen Entscheidungskriterien über Board werfen? Nein, ganz und gar nicht. Es ist viel geschickter, wenn Sie Ihre Intuition gleichberechtigt neben alle anderen Wege zur Entscheidungsfindung setzen. Sowohl die Ratio als auch die Emotion hat ihre Stärken. Eine ganz berühmte Persönlichkeit formuliert das so:

„Der Verstand hat im Grunde wenig zu leisten auf der Straße der Entdeckungen. Da kommt ein Sprung im Bewusstsein, nenne es Intuition oder wie immer Du willst, und die Lösung kommt zu Dir und Du weißt nicht wie oder warum.“

Würden Sie dieses Zitat einem Wissenschaftler zuordnen, gar einem Physiker? Der Nobelpreisträger Albert Einstein war bestimmt kein esoterischer Träumer, seine Relativitätstheorie hält allen wissenschaftlichen Überprüfungen stand.

Intuition ist eine Fähigkeit, die jedem Menschen zur Verfügung steht – vorausgesetzt, man weiß, wie man sie anzapfen kann. Mit Intuition lassen sich Entscheidungen jeglicher Art einfach, leichter und besser treffen – wenn man dazu bereit ist, im entscheidenden Augenblick auf seinen Bauch zu hören. Nur zu wissen, welche Entscheidung die günstigste ist, genügt jedoch nicht. Nur wenn man diesem Wissen auch Aktivitäten und Handlungen folgen lässt, kann man mithilfe der Intuition mehr erreichen.

Drei Tipps für den richtigen Entscheidungsmotor Intuition und wie es gelingt, Gefühl und Verstand wirken zu lassen und damit tatsächlich wirksame Entscheidungen zu treffen, hat Dr. Jürgen Wunderlich (www.intuition-im-management.de), Autor des Buches „Intuition – Die unbewusste Intelligenz. I³-Power oder wenn der Bauch beim Denken hilft“:

1. Intuition zulassen

Betrachten wir einmal, was man als Intuition bezeichnet, ist es nicht verwunderlich, warum es im Business so schwer fällt, Intuition zuzulassen. Intuition gilt als

  • Denken ohne bewusstes Denken;
  • Wissen ohne Nachdenken;
  • Ein Gefühl von Wissen oder Vorahnung;
  • Impuls, der ohne bewusste Anstrengung entsteht;
  • Vorschnelle Einsicht ohne empirisches Wissen.

Dabei ist intuitives Denken für zwei Anwendungsgebiete im Business ideal: Wenn es zum einen um die Ideen- und zum anderen um die Entscheidungsfindung geht. Intuition bedeutet dabei nicht, alles analytische Vorgehen außer Acht zu lassen, sondern parallel auch bewusste und unbewusste Quellen intuitiven Wissens zu nutzen. So ergänzen sich rückwirkende Analyse (=Ratio) und intuitive Informationssignale (=Emotion) zur vorausschauenden Entscheidung.

2. Intuition entwickeln

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, auch nicht bei der Entwicklung der eigenen Intuition. Stellen Sie sich einen Klavierspieler vor: Auch wenn dieser sehr gut ist, werden neue Stücke vielleicht zunächst einmal etwas unsicher oder sogar schräg klingen. Beim zehnten Mal geht es schon besser, aber erst nach 30-mal werden Zuhörer vom Klang begeistert sein. Und doch übt er weiter, 50- oder 100-mal, wenn es darum geht, ein Stück zur Bühnenreife zu bringen.

Genauso verhält es sich mit der Intuition: Erst Übung macht den Meister! Vielleicht starten Sie mit dem Augenblickstraining: Sobald Sie eine neue Fragestellung bearbeiten, notieren Sie sich, welche Entscheidung Sie treffen würden, wenn Sie jetzt genau in diesem Augenblick entscheiden müssten. Dulden Sie kein Hin und Her, sondern gehen Sie sofort dran und entscheiden Sie. Es ist wichtig, dass Sie den ersten Gedanken, der Ihnen kommt, nutzen. Das ist die Augenblicksinformation. Wenn Sie einige Sekunden darüber nachgedacht haben, dann ist es schon vorbei mit der Chance auf diese Form der Intuition. Nach diesem kurzen Moment fällen Sie Ihre Entscheidung auf Ihre herkömmliche Art und Weise. Vergleichen Sie die Ergebnisse beider Entscheidungswege, nachdem Ihnen die Auswirkungen Ihrer Entscheidung vorliegen. Die meisten Manager sind sehr erstaunt darüber, wie treffsicher eine Augenblicksentscheidung ist.

3. Intuition leben

Intuitive Ideen- und Entscheidungsfindungen gelingen nur dann, wenn man bereit ist, alles, was auffällt, zuzulassen und Menschen und Vorgänge offen wahrzunehmen. Intuitiv entscheidet, wer gelernt hat, seine Sinne zu nutzen, mit offenen Augen, Ohren und Händen durchs Leben zu gehen. Dann lässt sich Intuition in den Entscheidungsprozess jederzeit wirksam integrieren in den Schritten:

  1. Wahrnehmen der aktuellen Herausforderung;
  2. Intuitive Entscheidung;
  3. Emotionale Entscheidung;
  4. Rationale Entscheidung;
  5. Abgleich Anwendbarkeit der Entscheidungswege;
  6. Entscheidung.

Intuition im Geschäftsleben hat Vor- und Nachteile, wie jede andere Art und Weise, zu einer Entscheidung zu gelangen, wohl auch. Eigene Erfahrungen können Sie jedoch nur sammeln, wenn Sie Intuition zulassen, sie entwickeln und vielleicht irgendwann sogar, ohne lange darüber nachzudenken, unbewusst nutzen. Dann wird am Ende auch gar nicht mehr so klar und wichtig sein, warum sie wann und wie welche Entscheidung getroffen haben, Hauptsache, sie ist nachhaltig wirksam.

[Bild: Fotolia.com]

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