BauindustrieExpansion nach Osteuropa und Asien

Europäische Bauunternehmen orientieren sich vor allem in die neuen Märkte nach Osteuropa und Asien. Wachstumspotenziale bieten aber auch die USA, wo die marode Infrastruktur reparatur- und ausbaubedürftig ist. Die Hochtief AG, die 85 Prozent ihrer Erträge im Ausland erwirtschaftet, und die Bilfinger Berger AG sind die deutschen Vertreter unter den Top 10 der europäischen Bauindustrie.

Mit Hochtief (Platz drei) sowie Bilfinger Berger (Platz neun) verfügt Deutschland über zwei Vertreter in den europäischen Top 10 der Bauunternehmen. Angeführt wird das Umsatzranking von der französischen Vinci. Spitzenreiter beim Ertrag ist die spanische Ferrovial-Gruppe. Diese Unternehmen zeichnen sich vor allem durch ihr internationales Engagement und ihre Expansion in die neuen Märkte Osteuropas und Asiens aus - aber auch die USA bieten interessante Perspektiven. In Deutschland war die Lage laut der Deloitte-Studie "European Powers of Construction 2007", die detailliert die Märkte, Risiken und Perspektiven der europäischen Baubranche analysiert, ermutigend. Franz Klinger, Partner Real Estate von Deloitte, erklärt:

"Die deutsche Baubranche profitiert nach wie vor vom Aufschwung in 2005, jedoch machten sich 2006/2007 bereits Stagnationstendenzen bei den Baugenehmigungen bemerkbar. Insgesamt war die Auftragslage jedoch befriedigend, was unter anderem an den volleren Kassen der öffentlichen Hand lag wie wir mit unserer Umfrage ermitteln konnten."

Frankreich stellt vier der zehn größten Bauunternehmen. In den Top 100 hingegen ist Großbritannien mit 33 Unternehmen am häufigsten vertreten, gefolgt von den Niederlanden mit elf. Deutschland kommt auf zwei Vertreter in den Top 10 und sechs in den Top 100. Klinger fasst die Ergebnisse zusammen:

"Mit 83 von 100 Unternehmen konnte die überwältigende Mehrheit ein Ertragswachstum verzeichnen, hier positionierte sich die spanische Ferrovial Group an der Spitze vor der französischen Vinci. Bis auf die schwedische Skanska erreichten alle Konzerne der Top 10 ein Ertragswachstum von zwölf Prozent und mehr. Der durchschnittliche Nettogewinn lag 2006 bei 5,1 Prozent."

Deutschland: Ende der Durststrecke

In Deutschland hält der Positivtrend aus 2006 an. Die Bautätigkeit stieg nach langer Depressionsphase um 5,6 Prozent - in der Folgezeit hat sich die Nachfrage stabilisiert. Jedoch ging die Zahl der Baugenehmigungen gegen Ende 2006 wieder zurück und blieb auch 2007 unter den Erwartungen. Die Zahl der Private Public Partnerships (PPP) hingegen vervierfachte sich im Jahr 2006 auf ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro. Hochtief sowie Bilfinger Berger sind international gut positioniert - so ist beispielsweise Hochtief Marktführer in Australien und erwirtschaftet insgesamt 85 Prozent seiner Erträge im Ausland.

Die besten Chancen für Wachstum bestehen für die europäischen Baukonzerne in den neuen Märkten wie Osteuropa und Asien. Unternehmen benötigen hierfür eine geeignete Struktur, Verständnis für die kulturellen Unterschiede sowie Kenntnis der Gesetzeslage im Zielmarkt. Aber auch die USA bieten im Augenblick interessante Wachstumspotenziale: Die marode Infrastruktur ist reparatur- und ausbaubedürftig. Dabei empfiehlt sich ein Engagement vor allem in Form von PPPs, die in den USA derzeit noch mit Zurückhaltung praktiziert werden.

Optimiertes Finanzmanagement, kompetentes Projektmanagement, nachhaltige Konzepte

Eine zentrale Rolle spielen Liquiditäts- und Working-Capital-Management. Gerade dieser oft vernachlässigte Bereich entscheidet über den Unternehmenserfolg. Deren steigende Bedeutung begründet sich unter anderem aus Shareholder-Interessen, komplexen Unternehmensstrukturen sowie der Konsolidierung im Zulieferergeschäft. Des Weiteren müssen Unternehmen komplexe Projekte managen, Risiken erkennen, klare Projektleitungsstrukturen etablieren, Best Practices anwenden und geeignetes Personal einsetzen. Franz Klinger resümiert:

"Nicht zuletzt sollten ökologische Fragen berücksichtigt werden. So gehören Energie-Systeme wie Photovoltaik und Warmwasserbereitung mit Sonnenkraft vielerorts längst zum Standard, Heizung und Stromversorgung mit Nachhaltigkeitsfaktor sind meist fester Bestandteil des Lastenhefts."

[dw; Quelle: Deloitte; Bild: fotolia]

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