Betriebliche KrankenversicherungAttraktives Instrument zur Mitarbeiterbindung

Zufriedene Mitarbeiter, besseres Image und steuerliche Vorteile. Die Vorzüge einer betrieblichen Krankenversicherung für Unternehmen.

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist eine Form des arbeitgeberfinanzierten Gesundheitsmanagements, bei dem Unternehmen bei privaten Versicherungsunternehmen sogenannte Kollektivverträge für ihre Mitarbeiter abschließen. Letztere kommen so beispielsweise in den Genuss spezieller Zusatzversicherungen und Vorsorgeuntersuchungen oder können Leistungen beim Heilpraktiker in Anspruch nehmen, die ihnen als einzelner Versicherungsnehmer unter diesen Bedingungen nicht zustehen würden.

Während sich die nach einem ähnlichen Prinzip funktionierende betriebliche Altersvorsorge als wichtige Säule in der Altersversorgung durchgesetzt hat, befindet sich die betriebliche Krankenversicherung noch in den Kinderschuhen. In vielen Chefetagen ist die Möglichkeit der betrieblichen Gesundheitsprävention weitgehend unbekannt oder wird aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Dabei erwachsen aus der bKV sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer einige Vorteile.

Akzeptanz der betrieblichen Krankenversicherung

Marktstudien belegen: Unternehmen erkennen zunehmend das Potenzial der betrieblichen Krankenversicherung, wenn es um Fragen des Personalmanagements geht. Wie eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der CSS Versicherung AG Ende 2012 unter 250 größeren Unternehmen ergab, sehen 75 Prozent der Befragten die Leistungen der Gruppentarife als wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung. 67 Prozent betrachten arbeitgeberfinanzierte Leistungen sogar als wichtigen Faktor für die Rekrutierung neuer Arbeitnehmer.

Auch aus Mitarbeitersicht scheint die bKV an Attraktivität zu gewinnen. Für rund zwei Drittel der Arbeitnehmer ist der betriebliche Krankenzusatzschutz für die Attraktivität eines Arbeitgebers sogar relevanter als ein Dienstwagen oder das Angebot innerbetrieblicher Gesundheitsmaßnahmen. Dies ergab eine repräsentative Marktstudie des Marktforschungsinstituts „Heute und Morgen” im Oktober 2012. Private Versicherungsgesellschaften haben diesen Trend ebenfalls erkannt und entsprechende bKV-Tarife in ihr Portfolio aufgenommen beziehungsweise modifiziert sowie die Kommunikation im Vertrieb verstärkt.

bKV hilft dem Image von Unternehmen

Trotz allem ist das Marktpotenzial in diesem Bereich noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Lediglich 19 Prozent der deutschen Arbeitnehmer verfügen einer Untersuchung der Süddeutschen Krankenversicherung zufolge über eine entsprechende betriebliche Absicherung. Dabei könnte die Investition in eine bKV für Unternehmen ein wichtiger Baustein zur Anwerbung qualifizierter Fachkräfte und zu einem insgesamt besseren Arbeitergeberimage sein. Dies erscheint vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Tatsache sinnvoll, dass in den kommenden Jahren zunehmend Fachkräfte fehlen werden.

Ein weiterer Faktor, der die bKV für Arbeitgeber interessant macht, ist die Entscheidung des Bundesfinanzhofes im April 2011, die Ausgaben der Arbeitergeber zur betrieblichen Krankenversicherung als Sachzuwendung einzustufen. So können diese die Freigrenze für Sachzuwendungen von 44 Euro voll ausschöpfen und die monatlichen Beiträge pro Mitarbeiter als Betriebsausgaben absetzen.

Vorteile und Vorbehalte aus Mitarbeitersicht

Neben monetären Vorzügen einer betrieblichen Krankenzusatzversicherung sind die geringen Wartezeiten sowie der Wegfall oder zumindest die Vereinfachung der Gesundheitsprüfung als generelle Vorteile der bKV aus der Perspektive der Angestellten zu nennen. Ehegatten sowie Kinder bis zum Alter von 25 Jahren können ebenfalls mitversichert werden. Weiterhin können Leistungsdefizite der bestehenden Krankenversicherung (gesetzlich oder privat) mithilfe der bKV aufgestockt werden.

Auf der anderen Seite weckt eine Krankenzusatzversicherung über den Betrieb aber auch die Befürchtung, der Arbeitgeber könne so Einblick in den Gesundheitszustand des Arbeitnehmers gewinnen. Dies ist allerdings unbegründet, da die sensiblen Daten grundsätzlich nur zwischen Versicherungsanbieter und dem Versicherungsnehmer ausgetauscht werden dürfen.

Doch wie bei allen Verträgen gilt auch hier der Blick aufs Kleingedruckte. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten genau prüfen, ob der Krankenversicherungsschutz innerhalb der steuer- und sozialabgabenfreien Grenze auch tatsächlich eine ausreichende und dauerhaft sinnvolle Absicherung bietet. Bei einem Wechsel des Arbeitgebers können die Verträge in den meisten Fällen fortgeführt werden. Dadurch, dass die Beiträge zuvor ohne Sparanteil für das Alter kalkuliert wurden, können sich hier die Konditionen aber zum Nachteil des Versicherten ändern und auch die sonst übliche Mitversicherung von Familienangehörigen entfällt.

Checkliste

Die wichtigsten Fakten zur bKV

  • Mindestpersonenanzahl: Für eine bKV muss ein Betrieb mindestens 20 bis 30 Personen umfassen. Manche Tarife sind aber auch für kleine Unternehmen und mindestens fünf Personen zulässig. Grundsätzlich ist die Versicherung bei unbefristet beschäftigten Angestellten außerhalb der Probezeit möglich.
  • Finanzierungsmöglichkeiten: Arbeitgeber können allgemein zwischen der Arbeitgeberfinanzierung, der Teilfinanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der Anschubfinanzierung durch Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmerfinanzierung und die Organisation über den Arbeitgeber wählen.
  • Listenanmeldung: Ermöglicht einen schnellen Aufnahmeprozess ohne erwähnenswerte bürokratische Hürden.
  • Gesundheitsprüfung: Das Versicherungsunternehmen sollte eine vereinfachte Gesundheitsprüfung anbieten. Manche Anbieter verzichten bei entsprechender Versichertenzahl ganz darauf.
  • Private Weiterführung: Sollte grundsätzlich in jedem Modultarif möglich sein.

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