Betriebliches Mobilitätsmanagement entlastet Pendler

Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements entlasten Pendler. Was hilft und wie die Umsetzung gelingt, zeigt dieser Beitrag.

Pendler haben mit Jetpiloten im Kampfeinsatz eines gemeinsam: Sie haben eine ähnlich hohe Stressbelastung. Diesen Vergleich zieht der Mobilitätsforscher Norbert Schneider. Die meisten Pendler werden es aber auch aus eigener Erfahrung wissen: Regelmäßiges Pendeln ist anstrengend und kostet neben Zeit und Geld vor allem Nerven – selbst wenn Pendler Stoßzeiten und bekannte Staufallen meiden oder sich die Zeit mit Zeitung lesen oder einem Nickerchen vertreiben.

Laut Bundesagentur für Arbeit gelten zweieinhalb Stunden tägliche Fahrzeit zur Arbeit als „zumutbar“. Allerdings sind dabei keine Unfälle, Baustellen oder Zugverspätungen einkalkuliert. Und weil, dem Statistischen Bundesamt zufolge, insgesamt 69 Prozent der deutschen Berufspendler mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsstätte mittlerweile größer ist und länger dauert, bleiben solche Situationen auch in Zukunft keine Ausnahme.

Pendlerverhalten der Deutschen

Im Rahmen des Mikrozensus untersucht das Statistische Bundesamt alle vier Jahre das Pendlerverhalten der Deutschen, zuletzt 2008.

Unterwegs statt Umziehen

Etwa 30 Millionen Erwerbstätige pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. Davon gehören 1,5 Millionen zu den Fernpendlern. Bei ihnen beträgt die Fahrstrecke mehr als 50 Kilometer. Pendeln gehört zum modernen Arbeitsleben dazu, denn die wenigsten wollen umziehen, um lange Anfahrtswege zu vermeiden. Das hat verschiedene Gründe: Wechselnde Arbeitgeber vor allem zu Beginn der Erwerbsphase, die Berufstätigkeit beider Partner, eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur oder weil der Lebensmittelpunkt der Familie am Wohnort liegt.

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Nahpendler und Fernpendler

Zu den Nahpendlern gehören diejenigen, die maximal 20 Kilometer einfachen Fahrweg zur Arbeit haben. Fernpendler legen mehr als 50 Kilometer für den einfachen Fahrweg zurück oder benötigen dafür mindestens eine Stunde.

Der Kompromiss zwischen Privat- und Berufsleben führt zu gesundheitlichen und sozialen Belastungen. Berufspendler leiden Studien zufolge häufiger unter Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen. Sie müssen früher aufstehen, während der Auto- oder Zugfahrt lange sitzen und ihnen fehlt die für einen Ausgleich sorgende Lebens- und Freizeit. Wer pünktlich zu einem Termin erscheinen muss, geht auf Nummer sicher und nimmt den Zug früher, weil Unkalkulierbares eingeplant werden muss. Neben dem Zeitdruck kommt im Autoverkehr die Unfallgefahr hinzu. Übermüdung und die immer gleiche Fahrstrecke zur Arbeit und zurück führen dazu, dass die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sinkt.

Natürlich wirkt sich der steigende Berufsverkehr auch auf die Städte aus: Lärm, Luftverschmutzung und Energieverbrauch nehmen zu. Weil Investitionen in die Infrastruktur an ihre Grenzen stoßen, setzen einige Länder und Kommunen auf Mobilitätsmanagement als einen Ausweg und unterstützen Betriebe bei der Umsetzung eines betrieblichen Mobilitätsmanagements. Aber auch für Unternehmen gibt es gute Gründe für die Einführung:

  • Parkplatzmangel,
  • Unzufriedenheit der Mitarbeiter mit der Verkehrsanbindung,
  • organisatorische Veränderungen des Unternehmens wie Mitarbeiterzuwachs,
  • Verlagerung des Unternehmensstandorts und
  • Umweltschutz.

Wie betriebliches Mobilitätsmanagement umgesetzt wird

Das Ziel des betrieblichen Mobilitätsmanagements ist die effiziente, sichere und umweltverträgliche Organisation aller vom Unternehmen ausgehenden Verkehrsströme. Die Unternehmen profitieren davon:

  • Ersparnis bei Reisekosten und Mitarbeiterparkplätzen.
  • Fehlzeiten sinken, weil die Belastung der Mitarbeiter abnimmt.
  • Die Motivation der Mitarbeiter steigt, weil sie Zeit und Kosten sparen und unter geringerem sozialen Druck stehen.
  • Die Erreichbarkeit des Unternehmens wird verbessert, was Mitarbeitern und Kunden zu Gute kommt.
  • Unternehmen verbessern ihr Image, da sie die Maßnahmen durch Eingliederung in ein Umweltmanagementsystem zertifizieren lassen können (zum Beispiel ÖKOPROFIT, EMAS).
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Betriebliches Mobilitätsmanagement

Betriebliches Mobilitätsmanagement ist eine strategische Planungsmethode zur Gestaltung des von einem Betrieb erzeugten Verkehrs. Dabei setzt Mobilitätsmanagement direkt am Betrieb an und betrachtet ihn sowohl als Ziel als auch als Quelle des Verkehrs.

Quelle: Transferstelle Mobilitätsmanagement

Neben Kooperationen mit Stadt oder Kommune eignen sich spezialisierte Beratungsunternehmen für die Umsetzung von konkreten Maßnahmen. Sie informieren über verschiedene „Mobilitätsprodukte“, stellen Arbeitsmaterialien zur Verfügung und zeigen, was umsetzbar ist. Sie erledigen die Bestandsaufnahme und Datenerhebung unter Anwendung von Fragebögen und statistischen Auswertungstools und setzen für das Unternehmen passende Maßnahmen um. Diese Arbeit kann auch ein unternehmensinternes Mobilitätsteam leisten. In jedem Fall sind vor der Umsetzung konkreter Maßnahmen folgende Fragen zu klären:

  • Von woher reisen die Mitarbeiter an?
  • Welche Verkehrsmittel benutzen sie?
  • Zu welchen Zeiten arbeiten sie?
  • Was schließt die Nutzung einzelner Verkehrsmittel aus?
  • Was kann die Nutzung einzelner Verkehrsmittel verbessern?

Welche Maßnahmen sich für welches Unternehmen eignen, hängt von Faktoren wie Lage, Mitarbeiterzahl oder Standortbedingungen ab. Je nach Bedarf sind diese Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern denkbar:

PKW-Anreise

Aushänge, Internet- oder Intranetbörsen helfen bei der Bildung von Fahrgemeinschaften (firmenintere oder firmenübergreifende Mitfahrzentralen), Angebot von Mitarbeiterbüros in der Region (Satellitenbüros), Veranstaltungen wie ein Sprit-Spar-Wettbewerb.

Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Kostenloses Job-Ticket oder Bezuschussung der Fahrkarte, Hinterlegen eines übertragbaren Tickets am Empfang oder innerhalb einer Abteilung, Nutzung von Sammeltaxis, Einsatz von Pendelbussen, bessere Ausleuchtung der Verbindungswege zwischen Haltestelle und Arbeitsplatz (in Zusammenarbeit mit der Kommune).

Anreise mit dem Fahrrad

Anschaffung von (zusätzlichen) Fahrradständern, Angebot überdachter Fahrradstellplätze zum Beispiel in der Tiefgarage, Einrichtung einer Fahrrad-Reparaturstation oder Bereitstellung von Werkzeug für kleinere Reparaturen, Einrichtung von Dusch- und Umkleideräumen, Anschaffung von betriebseigenen (Elektro-)Fahrrändern.

Fuhrpark

Vorschriften für den Einkauf von Dienstwagen, die den Kauf von Autos mit geringem CO2-Ausstoß und Spritverbrauch fördern. Anschaffung von Elektroautos mit Ladestation auf dem Parkgelände.

Dienstreisen

Veranstaltungsteilnehmer erhalten mit der Einladung eine Liste aller Teilnehmer zur Bildung von Fahrgemeinschaften (mit Genehmigung der Betroffenen), Ausstattung der Standorte mit Videokonferenzanlagen, Routenoptimierung für Außendienstmitarbeiter.

Information und Kommunikation

Auslegung einer Informationsbroschüre mit Mobilitätsthemen und Veröffentlichung im Intranet, Informationsveranstaltungstag oder -woche (zum Beispiel Spritspartraining), Veröffentlichung einer Fahrradwege-Karte, Installation eines Bildschirmes, der die aktuellen Fahrzeiten der nächst gelegenen Haltestelle(n) anzeigt.

Verständnis für Pendler gehört dazu

Eine wichtige Ergänzung zum betrieblichen Mobilitätsmanagement sind Instrumente wie flexible Arbeits- und Anwesenheitszeiten und die Möglichkeit, an einigen Tagen in der Woche zu Hause zu arbeiten. Schon das Verständnis von Vorgesetzten und Kollegen für die besondere Situation von Pendlern kann zu einer einfacheren Organisation des Berufsalltags und damit zur Minderung der Stressbelastung beitragen. Davon profitieren dann sowohl Chefs als auch die betroffenen Mitarbeiter.

Damit die Einführung eines betrieblichen Mobilitätsmanagements gelingt, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden. Im Projekt „Betriebliches Mobilitätsmanagement München“ wurden diese Erfolgsfaktoren ermittelt:

  • Beratung durch externe Fachleute,
  • Unterstützung durch die Geschäftsleitung,
  • Einbindung der relevanten Akteure wie dem Betriebsrat,
  • Öffentlichkeitsarbeit beziehungsweise Mitarbeiterinformation,
  • frühzeitige Aufstellung eines Mobilitätsteams,
  • Integration der Beschäftigten,
  • Pull-Maßnahmen wie Service- und Angebotsverbesserungen und
  • Push-Maßnahmen wie Auflagen der Geschäftsleitung beziehungsweise Firmenpolitik.

In der Studie „Mobilitätsmanagement und die Förderung von Fahrgemeinschaften im Unternehmen“ gab etwa die Hälfte der 57 befragten Unternehmen mit insgesamt mehr als 300.000 Mitarbeitern an, dass es in ihrem Unternehmen ein betriebliches Mobilitätsmanagement gibt. Ein Ergebnis der Befragung ist: Diejenigen Unternehmen, die entsprechende Instrumente anbieten, konnten den Anteil der gemeinsam pendelnden Mitarbeiter von durchschnittlich fünf auf zwölf Prozent steigern.

Welches Potenzial die Einführung von Mobilitätsmanagement haben kann, errechnete das Aktionsprogramm „effizient mobil“. Im Projekt wurden Maßnahmen für 85 Standorte erarbeitetet. Würden alle umgesetzt werden, könnten über 10.000 Pkw-Nutzer zum Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel bewegt werden. Durchschnittlich hieße das eine Reduktion von 120 Autofahrern je Standort. Insgesamt könnten so im Schnitt 1,4 Millionen Pkw-Kilometer und 248 Tonnen CO2 jährlich an jedem Standort eingespart werden.

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