Bewerbung im AuslandWorauf ist bei Bewerbungsunterlagen für das Ausland zu achten?

Im internationalen Umfeld bieten sich interessante Karrierechancen. Bei einer Bewerbung müssen jedoch die Gepflogenheiten des Ziellandes berücksichtigt werden.

Es gibt viele Gründe, Berufserfahrung im Ausland zu sammeln. Eine Auslandstätigkeit steigert die Karrierechancen, verhilft zu interkulturellen Skills und Fremdsprachenkenntnissen. Wer sich als Deutscher im Ausland bewerben möchte, sollte aber nicht auf die übliche deutsche Bewerbungsmappe zurückgreifen.

Formale Anforderungen

Zunächst gilt es, die Richtlinien und Standards des Gastlandes genau abzuklären. Ist eine handschriftliche Unterschrift notwendig? Welche Unterlagen werden der Bewerbung beigefügt? Diese und andere Fragen sollten beantwortet werden, bevor die Bewerbung erstellt wird. Ein Tipp dazu: Googeln Sie in der jeweiligen Landessprache nach Vorlagen für eine typische Bewerbung. Wollen Sie sich beispielsweise in Großbritannien bewerben, so führt eine Google-Suche nach „sample job application UK“ oder „sample cover letter“ meist zu brauchbaren Ergebnissen. Nach diesen Vorlagen lässt sich dann die eigene Bewerbung gestalten.

Stil der Bewerbung

Neben den formalen Standards unterscheidet sich auch der Stil beziehungsweise der Tonfall, in dem die Bewerbung verfasst wird. Hier kommen unterschiedliche Wertvorstellungen zum Tragen, die von Kultur zu Kultur verschieden sind: Im US-amerikanischen Kontext ist etwa ein sehr selbstbewusstes Loben der eigenen Fähigkeiten gefragt, im asiatischen Raum würde dies allzu prahlerisch wirken.

Sprache der Bewerbung

In welcher Sprache soll die Bewerbung verfasst werden? Einige Länder (zum Beispiel Kanada oder Belgien) haben mehrere offizielle Landessprachen. Bei international aufgestellten Konzernen verläuft mitunter der gesamte Bewerbungsprozess auf Englisch.

Wenn ein erster Entwurf der Bewerbung vorliegt, sollte dieser von einem Muttersprachler oder einem Übersetzungsbüro auf Fehler kontrolliert werden. Vor allem bei offiziellen Dokumenten, Zeugnissen und Referenzschreiben ist es ratsam, sich an eine passende Stelle für fachkundige, beglaubigte Übersetzungen zu wenden – denn die korrekte Übertragung von Noten und Arbeitszeugnissen erfordert hohes kulturelles Know-how.

Was bei der Bewerbung im Ausland anders ist

Bei einigen Punkten können Sie nichts falsch machen – sie gelten international einheitlich für alle Länder: Sprachkenntnisse, Berufserfahrung und Studienleistungen sind beispielsweise immer anzuführen. Folgende Eigenheiten variieren jedoch von Land zu Land:

  • Bewerbungsfoto: Im deutschsprachigen Raum ist das Bewerbungsfoto zwar nicht mehr erforderlich, aber durchaus noch üblich. Anders im angelsächsischen Raum. Hier wird mittlerweile auf Fotos gänzlich verzichtet, um Diskriminierung vorzubeugen. Grundsätzlich gilt, dass Bewerbungsfotos international eher die Ausnahme als die Regel darstellen.
  • Persönliche Angaben: Auf bestimmte persönliche Informationen wird in manchen Ländern ebenfalls verzichtet, da man Diskriminierungen vermeiden will. Zum Beispiel Familienstand, Religionszugehörigkeit oder Geschlecht.
  • Anordnung im Lebenslauf: Beginnt der Lebenslauf üblicherweise mit den aktuellsten Stationen oder chronologisch gereiht?
  • Empfehlungsschreiben: In einigen Ländern werden mit der Bewerbung Referenzschreiben von der Universität oder früheren Arbeitgebern erwartet.
  • Zeugnisse: Während in Deutschland Studien- und Arbeitszeugnisse häufig bereits der Bewerbung beigelegt werden, bringt man diese in anderen Ländern erst zum Vorstellungsgespräch mit.

Bewerbung in Großbritannien: Bitte mit Referenzen

Eine britische Bewerbung besteht lediglich aus dem Anschreiben („cover letter“) und dem Lebenslauf („curriculum vitae“ oder kurz „CV“).  Zeugnisse, Zertifikate und Empfehlungsschreiben werden üblicherweise bei der schriftlichen Bewerbung nicht angefügt, sondern erst beim Bewerbungsgespräch vorgelegt.

Der „cover letter“ ist pointiert zu halten und ähnelt einem kürzeren deutschen Motivationsschreiben. Wichtiger noch als der „cover letter“ ist der Lebenslauf. Der Lebenslauf kann bis zu zwei DIN-A4-Seiten umfassen und ist mit der Überschrift „Curriculum Vitae“ zu versehen.

Achtung: Ausbildung und Berufserfahrung werden in anti-chronologischer Reihenfolge dargestellt, also das Neueste zuerst. Bewerbungsfotos sind in Großbritannien nicht erwünscht. Am Ende des Lebenslaufs sind die Namen und Kontaktdetails von zwei Referenzen anzugeben, bei denen sich der neue Arbeitgeber gegebenenfalls melden kann.

Bewerbung in den USA: Nicht zu bescheiden

In den USA bewirbt man sich ebenfalls mit Anschreiben und Lebenslauf, allerdings heißt der Lebenslauf hier „résumé“. Anders als in Großbritannien wird dem Lebenslauf keine Überschrift vorangestellt und er ist auch etwas kürzer zu halten (maximal eine DIN-A4-Seite).

In den USA gelten sehr strenge Anti-Diskriminierungsrichtlinien. Daher dürfen im Lebenslauf keine Informationen zu Alter, Familienstand, Religion und Geschlecht aufscheinen. Ein Bewerbungsfoto ist ebenfalls tabu.

Für deutsche Bewerber zu beachten: Die eigenen Fähigkeiten dürfen ruhig selbstbewusst betont werden. Wer nach deutschen Standards formuliert, bleibt zu bescheiden. Verben wie  „initiated“, „provided“ oder „achieved“ signalisieren besondere Tatkraft. Erwartet werden vielerorts außerdem Empfehlungsschreiben, die zum Vorstellungsgespräch mitgebracht werden und ebenfalls sehr starke positive Formulierungen enthalten müssen.

Weitere länderspezifische Besonderheiten

Wer sich für eine Stelle in China bewirbt, sollte sich etwas zurückhaltender geben. Hier bringt Sie ein neutraler, höflicher Tonfall im Anschreiben der Stelle näher als enthusiastisches Schwärmen von den eigenen Vorzügen. Da Hierarchien im asiatischen Raum eine große Rolle spielen, ist auch unbedingt auf die Anrede mit korrektem Titel und Namen zu achten.

In den meisten Ländern sollten Sie die Bewerbung in der Landessprache verfassen. In Schweden haben Sie auch mit einer englischen Bewerbung gute Chancen. Hervorragende Kenntnisse der englischen Sprache werden dort vorausgesetzt und der Großteil der Bewerbungen wird mittlerweile auf Englisch verfasst.

In Frankreich ist die Bewerbung relativ kurz. Vor allem der Lebenslauf darf keinesfalls länger als eine DIN-A4-Seite sein. Eine weitere französische Besonderheit: Bis vor Kurzem war es üblich, das Anschreiben handschriftlich zu verlangen. Die Handschrift wurde dann einem Grafologen vorgelegt, der die Persönlichkeit des Bewerbers analysieren sollte. Mittlerweile ist aber auch in Frankreich das digitale Zeitalter eingekehrt und maschinengeschriebene Bewerbungen sind nun der Regelfall.

Fazit

Vor der Bewerbung in einem anderen Land steht immer eine sorgfältige Recherche zu den dortigen Gepflogenheiten. Informieren Sie sich dabei besonders über den formalen Aufbau der Bewerbungsunterlagen, den sprachlichen Stil im Bewerbungsschreiben und über kulturelle Besonderheiten. Neben der Suche im Internet kann es sich lohnen, persönliche Kontakte zu nutzen: Vielleicht haben ja Bekannte oder Verwandte bereits einige Zeit im betreffenden Land verbracht? Auch Übersetzungsfirmen oder Muttersprachler helfen Ihnen, interkulturelle Barrieren zu überwinden.

Und noch ein letzter Tipp: Nutzen Sie Absagen, um Ihre Bewerbung zu verbessern. Fragen Sie das absagende Unternehmen nach Fehlern oder Auffälligkeiten Ihrer Bewerbungsunterlagen. So wird Ihre Bewerbung Schritt für Schritt perfektioniert.

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