BGMBetriebliches Gesundheitsmanagement in 7 Schritten einführen

Ein Leitfaden für Unternehmen, die ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen und umsetzen wollen.

Die Einführung von Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ist häufig mit Startschwierigkeiten und Frust der Projektverantwortlichen verbunden. Viel Aktionismus, unkoordinierte Maßnahmen und keine Abstimmung zwischen wichtigen beteiligten Personen erzeugen Unzufriedenheit auf breiter Ebene. Doch wie kann die Umsetzung von BGM gelingen, und in welchen Schritten sollten Unternehmen vorgehen?

Strukturen aufbauen

Der Einstieg in das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann leichter gelingen, wenn Sie auf dem aufbauen, was schon bei Ihnen im Betrieb vorhanden ist. Fragen dabei:

  • Welche Strukturen und Prozesse liegen bei Ihnen zum Thema Gesundheit im Betrieb vor?
  • Gibt es einen Ausschuss für Arbeitssicherheit, der ausgebaut werden kann?
  • Welche Aktivitäten gehen vom Betriebsarzt und von der Arbeitssicherheitskraft aus?
  • Welche Personalentwicklungsmaßnahmen, Weiterbildungsmaßnahmen und Führungskräfteschulungen gibt es?
  • Welche Sportangebote und Kurse laufen schon?
  • Haben Sie schon einmal einen Gesundheitstag durchgeführt?

Von Vorteil ist es, wenn Sie ein Gremium (Arbeitskreis „Gesundheit“ oder eine Steuerungsgruppe) einrichten, das die Aktivitäten auf dem Gebiet des BGM koordiniert und eine Person als Ansprechpartner für das Thema BGM benennen. Wichtig ist auch, dass die Unternehmensleitung hinter der Maßnahme steht und entsprechend finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Gesundheitszirkel

Gesundheitszirkel bestehen aus rund fünf Personen aus einem Arbeitsbereich im Unternehmen und sind an Qualitätszirkel angelehnt. Das Ziel: Die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Fachwissen von Experten zusammenzubringen. Dadurch sollen alle gesundheitsgefährdenden oder krankmachenden Faktoren am Arbeitsplatz identifiziert und analysiert werden.

Wikipedia

Ziele klären

Was wollen wir? Betriebliches Gesundheitsmanagement ist durch ein zielgerichtetes, systematisches Vorgehen kennzeichnet. Nicht hier und da mal ein Kurs oder ein Obstkorb, an dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedienen können, sondern ein auf die Ziele und Bedarfe abgestimmtes Vorgehen zeichnen ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement aus.

Daher ist es wichtig, sich zu Beginn des Projekts klar darüber zu werden, welche Ziele Sie mit dem Projekt erreichen wollen. Und zwar für Ihr Unternehmen. Ziele können zum Beispiel sein: die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöhen, die Zufriedenheit der Belegschaft verbessern oder die Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlicher gestalten.

Definieren Sie drei bis fünf Hauptziele und leiten Sie dann untergeordnete Ziele davon ab. Klären Sie bereits in dieser Phase die Frage, wie Sie das Erreichen dieser Ziele messen können.

Belegschaft informieren und Führungskräfte sensibilisieren

Zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für ein gelingendes Betriebliches Gesundheitsmanagement sind Partizipation und Transparenz. Informieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an über Ihre Pläne und beziehen Sie sie aktiv ein. Eine besondere Rolle spielen dabei die Führungskräfte: Sie können zum einen durch ihr Verhalten Vorbild sein. Und: Sie gestalten die Arbeits­bedingungen der Belegschaft. Holen Sie Ihre Führungskräfte deshalb ins Boot und sensibilisieren Sie sie für das Thema „Führung und Gesundheit“.

Vorrangige Handlungsfelder analysieren

Beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement gilt: Keine Maßnahme ohne eine vorherige (Bedarfs-)Analyse. Dabei können Sie auch wieder auf Vorhandenes zurückgreifen: Wurde etwa schon einmal eine Befragung zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit durchgeführt? Bei schriftlichen Befragungen sollten sie diese so kurz wie möglich halten, klare Fragen formulieren und auch offene Antwortmöglichkeiten zulassen. Achten Sie im Vorfeld darauf, dass Sie danach auch die Zeit und die Ressourcen haben, die in der Befragung aufgedeckten Handlungsbedarfe anzugehen.

Neben schriftlichen Befragungen eignen sich Mitarbeiter-Workshops, um die Bedarfe und darüber hinaus auch Verbesserungsvorschläge herauszuarbeiten. Eine mögliche Form sind Gesundheitszirkel.

Maßnahmen planen

Die Ergebnisse der Befragungen beziehungsweise Mitarbeiter-Workshops werden im Arbeitskreis Gesundheit diskutiert und dann daraus Maßnahmen abgeleitet. Dabei sollte auch geklärt werden, wann welche Maßnahmen sinnvoll sind: Wie hoch ist das Budget? Wer kann die Maßnahmen umsetzen? Braucht man externe Unterstützung? Wo findet man geeignete Kursleiter?

Mix aus verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen

Oft wird schon dann von einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement gesprochen, wenn nur Maßnahmen wie Kurse angeboten werden, die auf eine Verhaltensänderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgerichtet sind. Doch der beste Stressmanagementkurs hilft nichts, wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen sich nicht auch verändern. Bei der Planung der Maßnahmen sollten Sie als auch die Umsetzung verhältnispräventiver Maßnahmen, wie zum Beispiel Veränderungen in der Arbeitsorganisation, berücksichtigen.

Ergebnisse bewerten

Eine Erfolgsbewertung ist immer wichtig, vor allem um die entstandenen Kosten zu rechtfertigen. Wie schon bei Schritt 2 angemerkt, ist es wichtig, sich bei der Zielfindung darüber klar zu werden, wie die Ziele gemessen werden können. Das kann beispielsweise durch eine erneute Befragung erfolgen oder durch das Hernziehen harter Fakten wie etwa Fehltage oder die Teilnahme an Kursen.

Mit der Ergebnisbewertung ist das Projekt aber noch nicht beendet. Jetzt gilt es, das Thema im Unternehmen zu verankern, so dass es in allen Unternehmensabläufen selbstverständlich berücksichtigt wird. Dazu bedarf es eines kontinuierlichen Prozesses, in dem die Aspekte von Schritt 1 überprüft und die Schritte 2 bis 7 durchlaufen werden.

Fazit

Der Erfolg eines BGM-Projekts hängt wesentlich davon ab, dass sich die Projektverantwortlichen zu Beginn des Projekts über die möglichen Stolpersteine bewusst werden und so möglichst im Vorfeld günstige Rahmenbedingungen schaffen. Unabdingbar für das Gelingen eines BGM-Projekts ist die Unterstützung von Seiten der Unternehmensleitung.

Checkliste: Erfolgsfaktoren für die Einführung eines BGM

  • Unternehmensleitung steht hinter BGM
  • Festlegung der (unternehmensspezifischen) Ziele
  • Ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen
  • Klare Verantwortlichkeiten
  • Einbezug der Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Ableitung der Maßnahmen aus einer Analyse
  • Mix von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen
  • Implementierung des Themas Gesundheit in die Unternehmenskultur

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