BilMoGMehr als ein Viertel der Unternehmen schlecht auf neues Bilanzrecht vorbereitet

Die Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) ab 2010 wurde letzte Woche vom Bundestag beschlossen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland trifft das neue Bilanzrecht jedoch unvorbereitet. Mehr als ein Viertel der Firmen ist schlecht oder nur ungenügend über die bereits lange angekündigte Gesetzesänderung informiert.

Große Wissenslücken trotz möglicher Vorteile

Die Neuregelungen der Bilanzreform können gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen viele Vorteile bringen. Beispielsweise wurden die Umsatz- und Gewinngrenzen zur Befreiung der Einzelkaufleute von Bürokratiekosten auf 500.000 Euro Jahresumsatz und 50.000 Euro Jahresüberschuss hoch gesetzt. Ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) weiß dies jedoch nicht und könnte somit entscheidende Vorteile verspielen. Dies belegt die Auswertung eines Wissenstests der Sage Software GmbH und des NWB Verlages.

Auch die Kriterien zur Einteilung von Kapitalgesellschaften in die Größenklassen klein, mittel und groß sind fast jedem sechsten Unternehmen (17 Prozent) unbekannt. Dies bestimmt jedoch, in welchem Umfang der Jahresabschluss zu veröffentlichen oder ob dieser durch einen Abschlussprüfer zu prüfen ist.

Unklarheit besteht ebenfalls über die zukünftige Bilanzierung von ausstehenden Einlagen. Nur knapp die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) wusste hier, dass diese künftig nur noch offen vom Stammkapital abzusetzen sind (Nettoausweis). Auf diese Weise ist es leichter ersichtlich, ob die Anteilseigner das Eigenkapital schon vollständig aufgebracht haben.

Besonders große Wissenslücken zeigen sich bei der Frage, wann in Zukunft latente Steuern zu berechnen sind, die immer dann entstehen, wenn die Wertansätze in Handels- und Steuerbilanz voneinander abweichen und sich diese Abweichungen voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt umkehren. Fast die Hälfte der Befragten hatte hier noch Wissenslücken.

Hintergrund zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009

Die Modernisierung des Bilanzrechts durch das BilMoG verfolgt das Ziel, das bewährte HGB-Bilanzrecht weiterzuentwickeln, damit es dauerhaft eine einfachere und dadurch kostengünstigere Alternative zur internationalen Rechnungslegung nach IFRS darstellt. Der handelsrechtliche Jahresabschluss soll dabei Grundlage der Gewinnausschüttung und der steuerlichen Gewinnermittlung bleiben.

Außerdem soll die Aussagekraft der Handelsbilanz verbessert werden, unter anderem durch die Aktivierung selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, die Bewertung von Finanzinstrumenten zum Marktwert sowie die Abschaffung vieler Bilanzierungswahlrechte. Für bestimmte Einzelkaufleute ist geplant, sie von Buchführungs- und Bilanzierungspflichten zu befreien.

Die wichtigsten Änderungen im Vergleich zum Entwurf im Überblick:

  • Keine Zeitbewertung des Handelsbestands bestimmter Finanzinstrumente bei Nicht-Banken.
  • Keine Aktivierungspflicht, sondern Aktivierungswahlrechte für eigene Entwicklungskosten sowie für aktive latente Steuern.
  • Konkretisierung der Konsolidierungspflicht von Zweckgesellschaften.

Die Modernisierung des Gesetzes entlastet dabei vor allem kleine Unternehmen. Denn durch die Anhebung der Schwellenwerte von Bilanz-, Prüfungs- und Publizitätspflichten werden Firmen mit einem Jahresumsatz unter 500.000 Euro und einem Gewinn von bis zu 50.000 Euro von den Bilanzierungspflichten komplett befreit.

Zur Umfrage

Die Befragung fand unter knapp 1.000 Unternehmen auf der Online-Plattform www.BilMoG2009.de statt. Mit zehn Fragen konnten Unternehmen hier ihre Kenntnisse zur Reform überprüfen.

[po; Quelle: Sage Software GmbH; Bild: Fotolia.com]

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