BüroeinrichtungMehr Ergonomie am Arbeitsplatz

Der richtige Stuhl, der passende Tisch, die angemessene Raumeinteilung - das sind wichtige Faktoren, damit die Mitarbeiter gesund bleiben. Dafür gibt es sogar Fördergelder.

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stiegen die Fehltage deutscher Arbeitnehmer in 2011 um 1,3 Tage gegenüber dem Vorjahr an. Dabei stellten wie in den vorangegangenen Jahren Rücken-, Gelenk- und Muskelbeschwerden die Hauptursache der Arbeitsunfähigkeit dar. Vor allem mangelnde Bewegung im Alltag und am Arbeitsplatz sowie einseitig belastende Tätigkeiten lösen Verspannungen und Fehlstellungen des Muskel-Skelett-Systems aus und führen so zu Rücken- und Kopfschmerzen, die nicht nur die Motivation, sondern auch die Leistung mindern. Doch diesem Prozess ließe sich mit einfachen Mitteln vorbeugen. Investieren Unternehmer in eine ergonomische Büroeinrichtung, fördern sie nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern steigern sogar ihre Produktivität und damit auf Dauer die Effizienz des Unternehmens.

Das bewegte Büro

Ergonomische Einrichtungsstücke sollten der natürlichen Haltung und den natürlichen Bewegungsabläufen optimal angepasst sein. Arbeitsmediziner geben daher genaue Richtlinien für ihre Eigenschaften vor. Die Tischhöhe etwa sollte sich auf einer Höhe befinden, die es dem Mitarbeiter ermöglicht, seine Unterarme im rechten Winkel darauf abzulegen. Hierbei eignen sich am besten höhenverstellbare Modelle, die optimalerweise eine Breite von rund 1,20 Metern und eine Tiefe von ungefähr 80 Zentimetern besitzen.

Bürostühle sollten Armstützen aufweisen, die eine stabile Nackenhaltung ermöglichen. Rückenlehnen geben dabei idealerweise nach und sind höhen- und neigungsverstellbar. Laut Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sollten die Lehnen auf der Höhe der Schulterblätter enden und mindestens 36 bis 48 Zentimetern breit sein. Die richtige Sitzhöhe liegt bei etwa 42 bis 50 Zentimetern. Dabei umfasst die Sitzfläche am besten eine Breite zwischen 40 und 48 und eine Tiefe von 38 bis 44 Zentimetern. Allgemein gilt hierbei zu beachten, dass Ober- und Unterschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden und die Beine durch Sitzkanten nicht eingeengt werden. Die Füße stehen fest auf dem Boden.

Spezielle Frauenstühle weisen im vorderen Sitzbereich weichere Kanten auf, die die Blutzirkulation nicht beeinträchtigen. Für Männer hingegen eignen sich Stuhlmodelle, die eine in der Sitzfläche integrierte Vertiefung besitzen, um den Druck auf die Hoden zu senken.

Zwischen Tischkante und Tastatur sollte ein Freiraum von etwa 5 bis 10 Zentimetern bestehen. Die Computermaus liegt am besten auf Höhe der Tastatur. Um die Handgelenke zu entlasten, helfen Mousepads mit elastischer Gelfüllung.

Regelmäßiges Wechseln von Sitz-, Steh- und Bewegungsphasen verringert einseitige Belastungen und bringt gleichzeitig den Kreislauf und die Leistungsfähigkeit in Schwung.

Individuellen Grundriss beachten

Die Einrichtung des Büros muss sich an den Raummaßen sowie an individuellen Stell-, Nutzungs- und Bewegungsflächen orientieren. Sonst können spezielle Grundrisse schnell zu einer schwer zu überwindenden Hürde in der Raumgestaltung werden. Und ergonomische Einrichtung verfehlt durch falsche Anordnung ihren Zweck. Insgesamt müssen drei Raumbereiche beachtet werden.

  • die individuell benötigte Stellfläche, also der Bereich, den das Mobiliar einnimmt;
  • die Nutzfläche, etwa Durchgänge sowie freie Flächen, die dem Personal genügend Platz für alltägliche Arbeitsabläufe gewähren sollte;
  • die Bewegungsfläche, der freie Raum am Schreibtisch mit einem Radius von etwa 100 Zentimetern in sitzender und etwa 80 Zentimetern in stehender Position.

Ergonomie: Eine rentable Angelegenheit

Oftmals lehnen Unternehmer ergonomische Einrichtungen aus Kostengründen ab. Doch bei genauerer Betrachtung stellt die Anschaffung der gesundheitsfördernden Möbel eine lohnende Investition dar, die die Arbeitsleistung des Personals und so auch die Effizienz des gesamten Unternehmens steigert.

Die durchschnittlichen Kosten für einen ergonomischen Bürotisch und -stuhl liegen bei ungefähr 1.000 Euro. Auf den Monat gerechnet, beträgt der Aufwand bei einem Abschreibungszeitraum von zehn Jahren rund 9 Euro pro Mitarbeiter. Lassen sich damit nur vier Fehltage, die jeweils einen Aufwand von etwa 250 Euro bedeuten, einsparen, amortisieren sich die Kosten bereits.

Über die verringerten Fehlzeiten hinaus lassen sich weitere wirtschaftliche Vorteile erzielen: Aufgrund der verbesserten Körperhaltung und der gesteigerten Mobilität am Arbeitsplatz kann das Blut besser zirkulieren und das Herz-Kreislauf-System gerät in Schwung. So lassen sich Konzentration, Reaktion und Motivation steigern und damit die Arbeitsleistung um bis zu 36 Prozent erhöhen, sagt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Office-Excellence-Check, 2007).

Finanzielle Unterstützung

Durch Zuschüsse lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen Kosten in der Anschaffung einsparen. Kam es beispielsweise zu einem Arbeitsunfall, tragen die Bundesagentur für Arbeit oder die zuständige Berufsgenossenschaft häufig die entstehenden Kosten. Auch die Deutsche Rentenversicherung springt bei Erfüllung medizinischer Vorbedingungen ein. Bis zu 1.200 Euro brutto für höhenverstellbare Schreibtische sowie bis zu 435 Euro für ergonomische Bürostühle können hier geltend gemacht werden, vorausgesetzt, der Antragsteller kann ein ärztliches Attest über die Muskel- oder Skeletterkrankung oder einen Entlassungsbericht einer Rehabilitationsklinik vorweisen. In diesem Fall muss der Antrag vor dem Kauf gemeinsam mit einem Kostenvoranschlag eines Büromöbelhändlers und einer Tätigkeitsbeschreibung gestellt werden.

Fazit

Insgesamt fördert ein ergonomischer Büroplatz einen dynamischen und gesunden Arbeitsstil, der nicht nur den Krankenstand senkt, sondern auch die Produktivität erhöht. Gleichzeitig lassen sich Zufriedenheit, Motivation und Konzentration des Personals steigern, was sich weiterhin positiv auf die Gesamtleistung auswirkt.

Spezielle Zuschüsse von Bundesarbeitsagentur oder Rentenversicherung ermöglichen Unternehmen, Kosten in der Anschaffung zu sparen. Durch den, auf den Monat gerechnet, geringen Aufwand pro Mitarbeiter und die schnelle Amortisation gilt die Investition in eine ergonomische Einrichtung als lohnend und stellt heutzutage einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil dar.

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