ChancenWeb 2.0 für kleine und mittelständische Unternehmen

Ob als Anbieter, Nutzer oder Innovator - noch gibt es wenig kleine und mittelständische Unternehmen, die die Möglichkeiten von Web 2.0 nutzen. Im Folgenden erfahren Sie, wie Web 2.0 auch in diesen Betrieben angewandt werden kann.

Gastbeitrag von Mark Buzinkay, Geschäftsführer von MB Informationsdesign, Dornbirn*

Was ist neu am neuen Web?

Die meisten Dienste sind für den Nutzer kostenlos. Inhalte werden zunehmend von den Nutzern geschaffen – sie werden zu „Prosumern“ (Produzenten und Konsumenten). So etwas nennt sich dann „User Generated Content“. Dementsprechend geht es im Zuge der Datenkontrolle mehr darum, Inhalte zu syndizieren als ihre Weitergabe zu kontrollieren. Die Interaktivität zwischen Nutzern und den Anbietern von Services steht daher im Vordergrund. Das Konzept der Hyperlinks wurde um die Dimension „RSS“ angereichert – ein standardisiertes Benachrichtigungssystem mit Bookmarkfunktion. Damit wird der Informationsfluss beschleunigt. Die Symbiose von Nutzern und Anbietern von Services zeigt sich auch in der gängigen Web-Strategie, sich den vielen einzelnen „kleinen“ Kunden zuzuwenden als auf wenige große zu setzen. Hier spricht man uncharmant auch vom „langen Rattenschwanz“ des Web.

Auch bei der Entwicklung von neuen Diensten steht der Endanwender im Mittelpunkt. Er wird ab einer bestimmten Entwicklungsstufe eingeladen, aktiv an der Verbesserung mitzuarbeiten. Die Beta-Version eines Dienstes ist hier symptomatisch. Um die Entwicklung neuer Anwendungen noch schneller voranzutreiben, bemühen sich Entwickler um offene Schnittstellen und Durchgriff auf den Code. Proprietäre Systeme fallen in ihrer Entwicklung zurück. Und nicht zuletzt: Das Web ist ein Pool kollektiven Wissens. Bestes Beispiel ist Wikipedia. Was früher Yahoo! mit seinem Verzeichnis und tausenden Editoren nicht schaffte, das gelingt der Web-Community heute recht gut.

Web 2.0, KMU und Chancengleichheit

Die nächste Frage, die sich Ihnen sicherlich stellen wird, ist: Was geht mich das an? Oder präziser: Wozu soll ich Web 2.0-Anwendungen überhaupt in meine Geschäftsprozesse, Unternehmensstrategien und Büroroutinen einbauen? Gerade für KMU ist die Relation von Aufwand und Ertrag eine entscheidende. Und hier möchte ich auch ansetzen: Wie lassen sich Web 2.0-Werkzeuge für die produktiven, kommunikativen und strategischen Anforderungen von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen gewinnbringend zum Einsatz bringen? KMU sind im Gegensatz zu größeren Unternehmen in ihren betrieblichen Funktionen weniger ausdifferenziert, das heißt ein Mitarbeiter oder eine Abteilung ist breiter aufgestellt als dies in einem Großunternehmen der Fall wäre. Hier ist die Spezialisierung in bestimmten Aufgabenfeldern dementsprechend größer.

Großunternehmen können dabei auch meist auf bessere Finanzierungsmöglichkeiten und Kapitalressourcen zurückgreifen als KMU. Dies wird beispielsweise beim Einsatz spezieller Software sichtbar. Großunternehmen haben auch hier den Vorteil, dass sich oftmals eine bessere Auslastung erzielen lässt. Ein Beispiel: Die Kosten einer IT-Abteilung relativieren sich bei einer entsprechend großer Nutzerzahl. In größeren Unternehmen finden sich zudem eher Spezialisten für ein spezifisches Problem als in einem kleinen Unternehmen.

Web 2.0 rüstet KMU auf

Im folgenden Abschnitt möchte ich jene Plus-Punkte der Web 2.0-Anwendung herausstreichen, die die gerade erwähnten Nachteile von KMU gegenüber Großunternehmen teilweise, wenn nicht ganz, wettmachen.

  1. Hoher Standard der Dienste: Viele Basis-Web 2.0-Werkzeuge sind funktional kaum von Profiwerkzeugen zu unterscheiden und können bequem und ohne hohe Kosten erweitert werden. Die Integration solcher Tools ist denkbar einfach. Dafür sorgen offene Schnittstellen und anpassbare Funktionen oder Layouts.
  2. Keine langfristigen Investitionen: Web 2.0-Werkzeuge sind online verfügbar und generell jederzeit austauschbar. Langfristige Investitionen in ein Softwarepaket gehören so der Vergangenheit an.
  3. Kein Kapitalbedarf: Die meisten Web 2.0-Dienste sind kostenlos beziehungsweise sehr günstig.
  4. Spezialistenteams ersetzen beziehungsweise ergänzen: Durch automatisierte Funktionen erledigen Web 2.0-Dienste das, wofür Großunternehmen ganze Abteilungen an Spezialisten benötigen.
  5. Schneller Einsatz: Das Web 2.0 ermöglicht KMU, sich viel besser zu vernetzen und einzelne Projekte virtuell abzuarbeiten. Langfristige oder komplizierte Firmenkonstrukte bleiben den KMU erspart. Stattdessen kann ein Projekt sehr schnell über den vernetzten Ansatz in Angriff genommen werden.
  6. Branding: Das Fehlen einer Marke oder einer Präsenz auf dem Markt ist eines der Hauptprobleme von Kleinstunternehmern. Web 2.0 gibt diesen besonders viele Möglichkeiten, effektiv und effizient präsent zu sein.
  7. Innovation: Durch das Web 2.0 können viele Geschäftsideen sehr leicht transportiert, mit Partnern und Kunden weiterentwickelt und so rasch zur Marktreife geführt werden. „Try And Error“ lautet hier ein Prinzip, das viele Große nicht anwenden können.

Doch Web 2.0 hat nicht nur Sonnenseiten. Da Web 2.0-Dienste online verfügbar sind, beziehungsweise Komponenten auf fremden Webservern benötigen, ist eine dementsprechende Abhängigkeit von der Stabilität der Leitungen und den Servern der Betreiber gegeben. Eine 100-prozentige Verfügbarkeit ist nicht gegeben.

Ausweg: Alternativ-Tools parallel fahren, soweit dies vom Aufwand her zu rechtfertigen ist.

Zweitens wird die Software nicht gekauft, sondern zur Verfügung gestellt. Konsequenterweise ist man bei der Weiterentwicklung und der Pflege des Dienstes ebenfalls an den Anbieter gebunden. Da das Geschäftsmodell solcher Dienste meist nicht oder zu kleinen Teilen auf Nutzungsgebühren basiert, können diese Tools auch recht schnell wieder verschwinden.

Ausweg: Dienste wählen, die eine große Entwickler-Community aufweisen können und die gegebenenfalls selbst gehostet werden können.

Auch die Beta-Philosophie stellt ein Problem dar. Viele Dienste werden im Entwicklungsstadium zur Verfügung gestellt, das heißt Teile der Entwicklungsarbeit wird an die Community (Tester) ausgelagert. Manche Dinge funktionieren dann noch nicht so, wie man es sich erwarten würde.

Ausweg: Selbst Funktionen und Verbesserungen anregen. Diese werden meist recht rasch umgesetzt. In einem frühen Stadium hat man die Chance, die Definition des Dienstes zu beeinflussen.

Das nächste Problem ist die Kompatibilität von Diensten. Trotz offener Schnittstellen, Open Community und State-of-the-art-Programmierung ist eine Übernahme von Daten aus einem Dienst in einen anderen nicht immer einfach. Viele Web 2.0-Applikationen bieten solche Import- beziehungsweise Export-Funktionen an, wobei hier immer nachjustiert werden muss. Das bedeutet einen gewissen Aufwand, der mit der Größe der Datenmenge wächst.

Ausweg: Von Beginn an Dienste auswählen, die eine weite Verbreitung haben – das heißt die Schnittstellen-Kompatibilität wird eher höher sein - beziehungsweise offene Formate wie OPML unterstützen.

Fairerweise muss gesagt werden, dass die letzten drei genannten Punkte ebenso auf teure, klassische Software zutreffen, ohne aber die formulierten Alternativ-Szenarien in Anspruch nehmen zu können. Web 2.0 bietet für KMU eine ganze Menge an Möglichkeiten, den Abstand zu Großunternehmen zu verringern und ihre Stärken – Flexibilität und Geschwindigkeit – weiter auszubauen. Die Adaption von solchen Tools muss immer aus der individuellen Situation der Organisation erfolgen und sich nahtlos in die eigene Unternehmensstrategie einfügen können.

Hinweis

Eine ausführliche Erläuterung der Möglichkeiten und Chancen mit Web 2.0 finden Sie im kostenlosen E-Book von Mark Buzinkay:

http://www.buzinkay.net/web20-kmu.html

*Kontakt:
MB Informationsdesign
Grabenweg 4b
A-6850 Dornbirn
Tel.: 0043-650-5600509
E-Mail: office@buzinkay.net
Web: www.buzinkay.net

[Bilder: pixelio]

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