Cloud Computing im Mittelstand

Wenn Mittelständler auf Cloud Computing umsteigen möchten, sollten sie einiges beachten. Denn schon Fehler zu Beginn können das ganze Projekt zum Einsturz bringen.

„iCloud“, „Dropbox“ oder Googles Cloud-Dienste sind nur einige Beispiele, die dank Cloud Computing mittlerweile Realität geworden sind. Daten und Anwendungen werden via Internet auf zentralen, performanten Servern abgelegt und können jederzeit weltweit abgerufen werden. Auch die Liste der weiteren Vorteile liest sich beeindruckend: Die auf dem Server ausgelagerten Backups erhöhen den Schutz vor Datenverlust, dem Anwender steht immer die aktuelle Software zur Verfügung.

Zudem zieht er sich aus den Softwarepaketen nur noch die Einzelkomponenten auf seinen lokalen Rechner, die er wirklich braucht – das erhöht die Leistung und das Tempo der Bereitstellung. Das Problem der sprungfixen Investitionen im Hardware- und Softwareumfeld, das so manchen IT-Verantwortlichen vor schwierige Entscheidungen stellt, würde sich folglich entspannen. Sind das nur schöne Zukunftsvorstellungen oder eignet sich Cloud Computing schon heute für den professionellen Einsatz im Mittelstand?

Die mittelständischen Unternehmen halten sich laut der Studie „Cloud Computing im Mittelstand - Erfahrungen, Nutzen und Herausforderungen“ von PricewaterhouseCoopers bei diesem Thema jedenfalls noch zurück. 351 Führungskräfte gaben Auskunft zu ihren Erwartungen und Erfahrungen in puncto Cloud Computing. Das Resultat: Derzeit nutzen zwar nur zwölf Prozent der Befragten die Möglichkeiten der „Wolke“ – diese sind aber zufrieden und sehen ihre Erwartungen erfüllt. Warum diese Zurückhaltung?

Klare IT-Strategie und Wahl des Anbieters

Zu Beginn stehen die Definition aller Anforderungen an das IT-System und den Cloud-Anbieter sowie das Erstellen eines IT-Lastenheftes: 

  • Was soll und was kann alles in die Cloud?
  • Wer soll wie und wo darauf zugreifen können?

Für den Einstieg in die Cloud eignen sich Applikationen wie CRM-Software, E-Mail-Lösungen oder Systeme zum File-Sharing. Diese lassen sich relativ leicht abgrenzen. Ihre Migration stellt keinen Kraftakt dar. Bei der Auslagerung von Echtzeitanwendungen, beispielsweise von Systemen zur Betriebs- oder Maschinendatenerfassung, ist allerdings Vorsicht geboten.

Die Zahl der Anbieter für Cloud-Systeme wird zunehmend unüberschaubar. Damit der Dienstleister zur Situation und Organisation im Unternehmen passt, sollten Mittelständler ihr Augenmerk auf folgende Punkte legen:

Flexibilität

Globale Cloud-Anbieter beschränken ihr Angebot oftmals auf Standardanwendungen, die sich in der Regel nicht an spezifische Prozesse im Unternehmen anpassen lassen. Ein Nachteil, wenn Unternehmen individualisierte Lösungen benötigen.

Es gilt also vorab unternehmensintern zu klären, wie viel Standard möglich ist und wie viel Anpassung benötigt wird. Die Betonung liegt auf vorab, denn manche IT-Dienstleister neigen im Kundengespräch zu der bekannten und zumeist verheerenden Antwort: „Kein Problem“. Unternehmen müssen sich außerdem die Frage stellen, ob Kosten und Nutzen zueinander passen. Entscheidend ist, dass die IT-Infrastruktur die Geschäftsprozesse optimal unterstützt. Nur dann lässt sich ein Mehrwert fürs Unternehmen erzielen.

Datensicherheit

Ein zentrales Thema ist die Sicherheit der Unternehmensdaten in der Cloud. Befürchtungen sind trotz der Anstrengungen der Cloud-Anbieter nicht durchweg unbegründet, denn immer wieder ist von Datenlecks zu hören. Die Fragen nach dem Datenablageort und nach den Sicherheitsstandards sollten potenzielle Cloudpartner daher zufriedenstellend beantworten können – durch die Offenlegung ihres Cloud-Konzepts sowie durch das Aufzeigen der technischen und organisatorischen Maßnahmen, die sie zum Schutz vor unerlaubten Datenzugriff ergreifen.

Kosten

Die Kosten hängen stark von den angebotenen Leistungen der Cloud ab. Gerade die Supportfunktionen sind oft Kostentreiber. Deshalb sollte schon in der Anfangsphase eines Migrationsprojekts geklärt werden, welche Kompetenzen im Haus bleiben und welche Aufgaben der Dienstleister übernehmen soll.

Verlässlichkeit

Unternehmen verlagern ihre IT oder Teile ihrer IT-Prozesse nicht alle Tage in eine Cloud. Daher empfiehlt es sich, den künftigen Partner im Hinblick auf eine langfristige Zusammenarbeit genauer zu analysieren: Neben der Größe, der Erfahrung und der Historie des Cloud-Anbieters sollten Unternehmen darauf achten, dass er „fassbar“ ist und die Cloud für beide Seiten die gleiche Wichtigkeit besitzt. Das Zauberwort dafür heißt Vertrauen. Die Entscheider bei Mittelständlern legen ihre Skepsis gegenüber Cloud Computing dann ab, wenn sie die Menschen und deren Kompetenzen hinter der anonymen Cloud kennen lernen und das Ganze zusammenpasst.

Fachkompetenz

Ein Servicekonzept wie Cloud Computing ist vor allem dann von Vorteil, wenn das Unternehmen im Bedarfsfall auf eine ganze Bandbreite an IT-Lösungskompetenzen beim Dienstleister zugreifen kann: auf einen Spezialisten für CRM- oder Datenbanksysteme, einer der sich beispielsweise mit SAP auskennt, auf einen Profi für CAD, CAM- oder Web-Anwendungen, auf einen Netzwerkfachmann oder auf einen Experten für Microsoft Outlook, um nur einige zu nennen. Einer unternehmensinternen IT-Abteilung ist es in der Regel gar nicht möglich, all diese Qualifikationen auf dem aktuellen Stand im Unternehmen vorzuhalten.

Den richtigen Fachmann zur richtigen Zeit zur Seite zu haben, ist einer der wichtigsten Vorteile in der Zusammenarbeit mit einem Cloud-Anbieter. Der schnellste Zugriff auf die Cloud bringt nichts, wenn der Dienstleister die individuellen Problemstellungen im Unternehmen nicht kennt und nicht über die erforderliche Lösungskompetenz verfügt.

Ein Migrationsprozess in die Wolke muss gut geplant und ausgeführt werden. Eine detaillierte Vorbereitung, ein klarer Migrationspfad und eine machbare Roadmap sind unerlässliche Erfolgsfaktoren. Sinnvoll ist es auch, mit einem Pilotprojekt zu starten. Dadurch gewinnen Unternehmen wertvolle Erkenntnisse darüber, wo welche Anpassungen noch notwendig sind. Gleichzeitig stellt das eine gute Basis für den weiteren Migrationsweg dar.

Die Umstellung von Arbeitsplätzen in die Cloud gleicht einer Operation am offenen Herzen. Es darf nichts Gravierendes schief gehen, sonst wird das Projekt gleich zu Beginn gefährdet – schon allein, weil dann die Akzeptanz auf Seiten der Anwender fehlt.

Dazu im Management-Handbuch

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