CoachingCoaching in einer unsicheren Welt

Coachs müssen Orientierung geben in einer zunehmend unsicheren (Arbeits-)Welt. Keine leichte Aufgabe.

Endzeitpropheten sagen für 2025 den Zusammenbruch ganzer Berufszweige voraus. Immer mehr wird durch Computer und Roboter automatisiert. Durch die Konzernflure geistert der Begriff „VUCA“, der sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „volatility“ (Zerbrechlichkeit), „uncertainty“ (Unberechenbarkeit), „complexity“ (Komplexität) und „ambiguity“ (Widersprüchlichkeit) zusammensetzt. Kaum einer weiß, was das sein soll. Und jetzt kommt der Coach und soll die Menschen zwischen Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Euphorie und blinder Technologiegläubigkeit coachen. Dabei steckt er selbst mitten im Begriffswirrwarr und bringt seine Position als Coach selbst in das Thema ein.

Sind jüngere Coachs tatsächlich besser?

Wie soll sich ein Coach zu den Themen positionieren? Wie verhalten? Wie coacht man die einen, wie die anderen im System? Wie bringt man unaufgeregt Substanz in solche Begriffshülsen? Coachs gehören oft selbst der Generation der Babyboomer an. Sie haben die Computerisierung mitgemacht, die Einführung des Handys überstanden. Doch Apps, Cloud-Systeme oder Collaboration-Software sind ihnen suspekt. Irgendwie fühlen sie sich abgehängt und ausrangiert. Also werden diese Coachs systematisch nicht mehr gebucht – zu alt, ohne innovative Impulse fürs Unternehmen. Stattdessen sollen es die jungen aus der Generation Y richten. Dass sie oft ziemlich arrogant daherkommen, so als wüssten sie, wie Organisationen, wie Menschen funktionieren, ja wie die Welt funktioniert, wird dabei übersehen. Wir haben ihnen zu oft erzählt, dass sie etwas Besonderes sind, nur, weil sie als Digital Natives mit dem Internet aufgewachsen sind und nicht mehr wissen, wie die Wählscheibe eines Telefons aussieht.

Verwöhnt sind viele, weil sie ständig von Konzernen umworben werden und ihnen dadurch schon wieder – unnötig – suggeriert wird, etwas Besonderes zu sein. Aber kaum sind sie im Unternehmen, werden sie mit der rauhen Realität dort konfrontiert. Sie stoßen auf berufs- und lebenserfahrene Menschen mit grauen Haaren, die sich nicht besonders beeindrucken lassen. Aber jetzt coachen Sie mal ein solch intergenerationales Arbeitsteam, das sich nicht über eine WhatsApp-Gruppe austauscht, sondern bei Ihnen im Teamentwicklungsseminar sitzt!

Coachs müssen wissen, was funktioniert und was nicht

Als Coach soll man vermitteln und mit diesem Generationen-Wildwuchs der VUCA-Welt arbeiten. Das muss man schon individuell auf die Kette kriegen. Auch Coachs müssen hier ihren Weg finden, genügend Innovation zuzulassen und in die VUCA-Welt zu transformieren – aber eben auch genügend kritische Kompetenz zu besitzen, um die Marketinghypes zu durchschauen, kühl zu bewerten und dann auf den oft substanziellen Boden der Realität zu bringen und alle anderen Luftnummern zu entlarven.

Coachs brauchen dafür neben fachlichem Wissen (was bedeutet die digitale Transformation für unsere Welt?), geeigneten Modellen und Methoden vor allem eines: die Gabe der Unterscheidung. Sie müssen beurteilen können, was funktioniert und was nicht – und zwar nicht grundlegend für die Arbeitswelt, sondern vor Ort beim lokalen Team. Sie müssen den Reifegrad der Organisation erkennen. Sie müssen das Team und jeden einzelnen Menschen davon angemessen weiterbringen. Coachs müssen die Gruppierungen erkennen, in denen der Coachee jeweils unterwegs ist: Als Babyboomer inmitten hipper Youngster, oder als Angehöriger der Generation Y inmitten älterer Bedenkenträger.

Menschen ganz unaufgeregt in die neue Arbeitswelt begleiten

Es ist eine Folge der oben genannten Unsicherheit, Widersprüchlichkeit, Zerbrechlichkeit und Komplexität, dass Menschen immer häufiger Orientierung suchen, Sinn in ihrer Arbeit und ihrem Leben sehen wollen – und von Coachs eben auch ein Stück weit erwarten, ihnen diese Orientierung zu geben und sie bei der Sinnsuche und ihrem Platz in der Welt zu unterstützen. Der Job des Coachs dabei ist es, diese Menschen – ganz unaufgeregt – in die neue (Arbeits-)Welt zu begleiten.

Dazu im Management-Handbuch

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