CoachingEndlich zu sich selbst kommen

Warum es Menschen so schwer fällt, über sich selbst nachzudenken.

Es gibt Menschen, die stehen niemals still. Ständig sind sie in Bewegung. Die Hektik und das Getriebensein prägen ihr Leben. Ständig füllen sie Zeit mit „sinnvollen“ Dingen. Bis es dann passiert: Sie müssen irgendwann, irgendwo warten. Es gibt kein WLAN, oder der Akku vom Handy ist leer. Auf einmal sind sie gezwungen anzuhalten, ruhig zu sein.

So ausgebremst zu werden ist nicht einfach. Was macht man jetzt nur mit seiner Zeit? Die „grauen Männer“ im Roman „Momo“ umlungern einen schon und reden einen von der Seite ein, dass man nun doch etwas Sinnvolles, das heißt Produktives tun müsse.

Plötzlich denkt man über sich und sein Leben nach

Nun geht es in diesem Artikel nicht um Zeitmanagement oder Produktivität, nicht um Druck, Hektik, Stress oder Burnout. Es geht um das, was in einem solchen erzwungenen Moment der Ruhe im Zeitalter der Rastlosigkeit passiert: Man denkt plötzlich über sich nach. Hört seit langem wieder einmal den Fluss seiner Gedanken und Gefühle. Man denkt nach – über sein Leben, den Beruf, seine Beziehungen. Einige verdrängen diese Gedanken und Gefühle wieder, weil sie es nicht aushalten können oder wollen, sich selbst zu spüren, sich selbst zu begegnen, sich selbst zu begrüßen. Man will sich ausblenden, sich wieder in Bewegung wähnen, aktiv sein. Dann ist man wieder online – und muss nicht über sich nachdenken, muss nicht reflektieren.

Viele haben den Draht zu ihrem besten Freund bezhiehungsweise zu ihrer besten Freundin, nämlich zu sich selbst, verloren. Sie begegnen sich nicht auf Augenhöhe, sondern ziehen sich selbst wie einen lästigen Straßenköter hinter sich her. Manche treten sich dann selbst, strengen sich über Gebühr an, nur um irgendwem zu gefallen, den sie eigentlich gar nicht mögen, aber in dessen Abängigkeitsfesseln sie sich gerade befinden. Andere wiederum kopieren jemanden, den sie achten.

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein

Es tut weh, nicht so zu sein, wie man sein möchte. Es schmerzt, dem Vergleich mit anderen nicht standzuhalten und schlechter abzuschneiden. Es macht einen verrückt, sich abzustrampeln und aus Krisen gar nicht mehr rauszukommen. Irgendwie entstehen dann Versagensängste. Ängste vor Kontrollverlust. Angst, nicht gut genug zu sein. Und weil sich solche Gefühle nicht gut anfühlen, will man sie wieder loswerden – mit Drogen diffundieren und mit Süchten schönfühlen. Aber der Schatten bleibt.

Manchmal klebt der Dreck am Stecken sehr hartnäckig. Das Selbstwertgefühl bröckelt. Die Eltern, Lehrer und frühen Bezugspersonen haben einem sowieso nie etwas zugetraut und einen das auch spüren lassen. Man will doch einfach nur geliebt sein und versucht, sich das durch Leistung zu erkaufen. Aber keiner sieht einen. Am Ende ist man einsam, selbst in Beziehungen, in der Familie oder am Arbeitsplatz. Und dann will man sich noch weniger ins Gesicht schauen.

Das verletzte Kind sehnt sich nach Beachtung

Menschen betrügen sich selbst, wenn sie nicht zu sich selbst gehen. Die Geister, die man verdrängt, treiben immer wieder ihren Spuk, bis man ihnen ihren Platz zuweist und sie damit auch in die Schranken weist. Die Verantwortung für sich selbst liegt bei einem selbst. Vieles will heilen, aber man erstickt es mit Geschäftigkeit. Das verletzte Kind, das man einmal war, sehnt sich nach Beachtung. Es will gesehen und gestreichelt werden.

Das ist die zentrale Aufgabe: hinschauen, wahrnehmen, fühlen – und stillstehen. Nicht weglaufen, sondern aushalten. Hingehen, in die Augen sehen. Nur so hat man die Chance, sich selbst zu begegnen, mit sich ins Reine zu kommen, seine Themen zu bearbeiten, Neues zu erfahren, den Zugang zu sich selbst zu erneuern. Sich selbst neu kennenzulernen!

Dazu im Management-Handbuch

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