CoachingNicht reden, machen!

Das Wort „eigentlich“ ist nur ein Vorwand, um nicht sagen zu müssen, was man wirklich denkt oder tun will. Zu Ergebnissen kommt man so nicht. Auch nicht in Endlos-Meetings.

Was wird in Meetings und Workshops in Endlosschleifen diskutiert! Da wird das Problem von allen Seiten hin- und hergewendet, als ob das Schnitzel in der Pfanne dadurch irgendwie krosser werden würde. Nein. Nichts wird besser. Es wird nur noch schlimmer, und komplizierter. Und das, je mehr Leute am Tisch sitzen und mitreden wollen. Wenn es die richtigen Leute sind, ist das ja in Ordnung. Aber oft sind es solche, bei denen ich mich frage: Was machen die hier?

Tausend Argumente dagegen

Ich sitze in einem Workshop, die Teilnehmer sind in der Regel sehr gut ausgebildet, intelligent, lernfähig, aber nicht immer lernwillig. Es geht um Praxissimulationen, besser bekannt als Rollenspiele. Das ist für viele ein Reizwort, der automatisierte Reflex also ein Ausweichen und Widerstand. Vorher diskutieren aber alle, wie kompetent sie sind und dass solche Rollenspiele nicht nötig seien. Niemand hat einen Fall zum Reflektieren dabei. Ich höre tausend Argumente, warum das nicht klappen wird und nicht nötig ist.

Ich sage also: „Wenn Sie alle so wunderbar sind, dann macht es Ihnen doch bestimmt nichts aus, mir das auch mal zu zeigen. Bestenfalls bekommen Sie von mir den Qualitätscheck 'weiter so'. Vielleicht holen wir aber auch das eine oder andere heraus, was Sie von der therapeutischen Kommunikation her noch gar nicht kennen?“ Darauf lassen sich dann alle ein – augenscheinlich zumindest. „Therapeutische Kommunikation“ klingt halt irgendwie gut.

Eigentlich ist „eigentlich“ nur ein Vorwand

Wir legen los. Mit Routinefällen und Alltäglichem. Und siehe da: Ich ermutige die Gruppe zu Feedback und es kommen Verbesserungsvorschläge. Danach gebe ich mein Feedback. Erst das Positive, „aber Sie sind ja hier, um noch etwas dazuzulernen, richtig?“ Kopfnicken. Das wollen wir ja generieren, um Offenheit zu provozieren und Neugier zu wecken.

Ich zeige, wie die Körpersprache besser eingesetzt werden, wie sie pointierter inhaltliche, verbale Aussagen unterstreichen kann. Ich formuliere Alternativen, die mehr die Beziehungsebene fokussieren als die Inhaltsebene. Ich formuliere „straight forward“, was eigentlich gesagt werden sollte und dass „eigentlich“ das Indikatorwort für „dann mach doch!“ ist. Eigentlich ist „eigentlich“ nämlich nur ein Vorwand, eben genau das nicht zu sagen oder zu tun oder zu denken oder gefühlsmäßig zuzulassen, was ich „eigentlich“ will. Dann wird naturgemäß herumgeeiert. Man will ja keinem wehtun. Und die Konsequenzen müssen auch überdacht sein.

Also sage ich den Teilnehmern, dass Herumeiern die Sache nicht auf den Punkt bringt. Es kommt nur darauf an, wie man es sagt und welche Beziehungsbotschaften man mitsendet. Ansonsten gilt: Nur Mut! Ran an den Speck! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Oft bleiben wir in der Arbeitswelt vor Problemen einfach stehen, schauen sie uns von allen Seiten an und fangen in Meeting-Marathons an zu diskutieren, wie man am besten damit umgeht. Der wahre Unternehmer ist da schon längst um die Ecke gekommen, hat das Problem erkannt und es auch gleich gebannt.

Dazu im Management-Handbuch

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