CoworkingStirbt das klassische Büro aus?

Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt bringt neue Formen des Arbeitens mit sich. Coworking zum Beispiel. Eine preiswerte Lösung für Freiberufler und Kreative.

Im Oktober 2017 gab der Community-Marktplatz Airbnb bekannt, dass neben Wohnungen ab sofort auch Büroarbeitsplätze auf dieser Plattform buchbar sind. Coworking bekommt neue Impulse. Man stelle vor, ein deutsches Unternehmen eröffnet in einem Zürcher Coworking-Space ein Büro, das aus nur einem Schreibtisch besteht. Kommen noch zwei Zeitarbeiter dazu, wird ein Vierer-Teamtisch angemietet. An vielen Orten Europas kann man mittlerweile solche Kurzzeit-Schreibtische in einer Art Großraumbüro mieten. Zunächst waren es Zeitarbeiter, Freelancer oder andere Varianten des Entrepreneurships, die unkompliziert und kurzfristig einen Büroplatz für begrenzte Zeit buchten, quasi nebenbei selbstständige Kollegen trafen und mit ihnen zusammenarbeiteten.

Mix aus Kaffeehaus-Atmosphäre und kreativem Arbeitsumfeld

Viele nutzen mittlerweile Coworking, um der Enge der eigenen Wohnung, dem Lärm der Kinder oder der Einsamkeit der eigenen Wohnzelle im Wohnblock zu entgehen. In einer Mischung aus entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre und konzentriertem Arbeitsumfeld wird ein Raum zwischen Arbeit und Privatsphäre angeboten, der Austausch, Innovation und Kreativität fördert. Dank gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops oder auch nur durch den Plausch an der Kaffeemaschine entstehen neue Kontakte, möglicherweise ergeben sich sogar gemeinsame Projekte oder Aufträge. Die Nutzung dieser Coworking-Spaces ist zumeist unverbindlich und zeitlich flexibel. Der Coworker bringt nur seinen Laptop mit, Drucker, Kopierer und Kaffeemaschine stellt das Kollektivbüro. Geschäftspartner können in Besuchsräumen empfangen werden. Die Preise für die Nutzung eines Coworking-Space bewegen sich vom Tagesticket zu 25 Euro bis zur Monatsmiete für 350 Euro einschließlich Briefkasten, Materialcontainer und Schlüssel.

Auf den Coworking-Arbeitsplätzen tummel sich vorzugsweise IKT-, Kultur- und Kreativberufe. Als Folge ihrer Internetsozialisation benötigen sie soziale Orte. Coworking-Spaces bieten ihnen eine besondere Art kreativer Nestwärme. Freiberufler erledigen unregelmäßig Aufträge und haben keine regelmäßigen Einkünfte. Bei den „Kreativlingen“ handelt es sich überwiegend um instabile berufliche Existenzen mit hoher Qualifikation bei geringem Einkommen. Wer von ihnen will sich schon ein eigenes Büro ans Bein binden? Die wenigsten Vertreter dieser digitalen Boheme können die Miete für Büros in Innenstadtlagen aufbringen. Fixkosten wirken tödlich, Coworking-Spaces risikomindernd.

Coworking ist die Antwort auf eine sich immer stärker flexibilisierende Arbeitswelt

Der Prozess der Gründung dieser neuen Art von Büro-Wohngemeinschaften ist im Gange. Die meisten Coworking-Spaces befinden sich, wo sonst, in den USA. Aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen Angebote zum „Collaborativ Working“ unter einem gemeinsamen Dach zu. Ich attestiere Coworking eine gute Zukunft, denn der Trend zu Formen einer neuen Selbständigkeit nimmt zu, insbesondere im Bereich der Kreativwirtschaft. Die entscheidenden Impulse kommen aus der Dienstleistungs- und Digitalwelt, verstärkt durch den aus zunehmender Komplexität und Dynamik resultierenden Projekt- und Beratungsbedarf.

Airbnb sprang rechtzeitig auf diesen Zug auf. Über dessen Kooperationspartner WeWork sind Arbeitsplätze buchbar, zunächst noch in Hamburg, Berlin und Frankfurt. So wie die Deutsche Bahn gleich noch das bahnhofsnahe Hotel oder den Mietwagen anbietet, können bei Airbnb ein ortsnahes Büro oder ein Besprechungsraum einschließlich Tischfußball, Hollywoodschaukel und Amüsement gebucht werden. Neben dem Schreibtisch gibt es ein umfassendes Serviceangebot. Das Frankfurter WeWork-Zentrum nennt namhafte Großunternehmen auf seiner Webseite. Es scheint, dass Coworking beziehungsweise Coworking-Spaces ein weiteres Puzzle der sich auf Flexibilisierung umstellenden Arbeitswelt 4.0 sind.

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