DefiziteWas deutschen Managern und Führungskräften fehlt

Die Joseph-Strategie macht das Business-Leben erfolgreicher. Ein Interview von Managementtrainer und Fachautor Stéphane Etrillard mit Albert Metzler, promovierter Human Resources Manager im IT-Bereich.

Wirtschafts-Performance pur! So könnte man den Inhalt des Romans „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann beschreiben. Bereits 1926 arbeitete der Schriftsteller an diesem großen Romanprojekt, das bis 1943 dauerte und schließlich vier Bände umfasste.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte des biblischen Joseph aus dem alten Testament. Der Überlieferung nach wurde er von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft und stieg dort bis zum Pharaonenberater auf. Thomas Mann bearbeitet den Mythos in einem republikanischen Sinne. Sein Joseph ist ein erwählter Mensch, der seine Besonderheit kennt und sie sozial verantwortlich einsetzt. Angesichts der damaligen politischen Zustände in Deutschland spricht aus den Romanen eine erstaunlich heitere, den Widerstand aufmunternde Stimmung. (Quelle: wissen.de). Was kann die deutsche Wirtschaft gerade heute von Thomas Mann und seinem Roman „Joseph und seine Brüder“ lernen?

Der Managementtrainer und Fachautor Stéphane Etrillard interviewt dazu Albert Metzler, der als Human Resources Manager im IT-Bereich tätig war, bevor er beschloss, über den Roman von Thomas Mann „Joseph und seine Brüder“ zu promovieren. Dabei legt er unter anderem den Fokus auf die wirtschaftlichen und soziologischen Aspekte dieser Roman-Tetralogie.

Stéphane Etrillard: Was können, Herr Metzler, ausgerechnet deutsche Manager von der Germanistik bzw. Literaturwissenschaft lernen und warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass sie sich damit befassen?

Albert Metzler: Diese Frage ist durchaus berechtigt und heute wie nie zuvor aktuell und authentisch. Wie keine andere Wissenschaft bzw. Disziplin liefert Literatur unterschiedliche Handlungsmodelle, -muster und -lösungen, die durchaus wichtig und nützlich für die unmittelbare Entwicklung der Wirtschaft und derer Prozesse sein können. Zu solchen literarischen Werken mit einer wirtschaftlichen Implikation gehört zum Beispiel die Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann. Neben seinem literarischen Inhalt bietet dieses Werk eine riesige Palette an situativen Beschreibungen, die im Bezug auf Verkauf, Verhandlungspsychologie und Persönlichkeitsentwicklung von brisanter Aktualität sind.

Stéphane Etrillard: Sie befassen sich sehr eingehend mit einem der faszinierendsten Werke der Weltliteratur „Joseph und seine Brüder“. Welches ist die Relevanz dieses Juwels der Weltliteratur für das heutige Business-Leben?

Albert Metzler: Auf jeden Schritt und Tritt trifft der Leser immer mehr Situationen an, in denen er mit unterschiedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Situationen und Traditionen der Antike konfrontiert wird. Gerade diese Passagen vermitteln einen ausgezeichneten Einblick in die Verhandlungsweise der Kaufleute und deren Verkaufsmethoden. Dazu gehört beispielsweise der Verkauf von Joseph an die Ismaeliter und danach an Mont-kaw. Sehr oft treten unterschiedliche Momente auf, in denen der Verkauf unmittelbar als eine kommunikative und charismatisch orientierte Handlung beschrieben wird. Das ist Verkaufsshow pur! Vielmehr es ist Verkaufsperformance: Kernthemen des Romans wie Selbstbestimmung und Selbstdarstellung, Vertrauen und Verrat, Verkauf und Einkauf, Neugierde wecken und Vertrauen aufbauen, Kundenwünsche erfüllen und Lösungen anbieten werden beispielhaft und praxisnah dargestellt. Jeder General Manager, Human Resources Manager oder auch Salesmanager kann von diesen originellen Ausführungen profitieren, diese in seinen eigenen Berufsalltag integrieren und erfolgreich umsetzen.

Stephane Etrillard: Schon damals war das Thema Kultur und Verständnis zwischen den Kulturen äußerst wichtig, was können wir von Thomas Mann in Bezug auf interkulturelle Kommunikation lernen?

Albert Metzler: Die interkulturelle Kommunikation spielt in dem Roman eine sehr wichtige Rolle. Besonders deutlich wird es in den Passagen, in denen man die Gespräche bei den Verhandlungen dialogisiert. Trotz einer archaisch geprägten Form der Sprache wirken diese Dialoge aktueller denn je. In den meisten Fällen geht es um die Vorführung der Waren, Verhandlung des Preises und letztendlich Verkauf. Die interkulturelle Kommunikation beinhaltet gleichzeitig nicht nur die sprachliche klassische Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen, sondern auch symbolische Kommunikation, die eher mit Traditionen und Religionen zu tun hat. Diese Mischung von verschiedenen kulturellen Aspekten liefert ein mögliches Modell auch für eine moderne interkulturelle Kommunikation.

Stephane Etrillard: Das Buch von Thomas Mann wimmelt nur so von Metaphern und Gleichnissen. Wirtschaftsthemen werden oft angesprochen. Welche Parallelen könnte man zur heutigen Wirtschaftslage ziehen?

Albert Metzler: Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Wirtschaftsprozesse werden in jeder bestimmten Situation anders dargestellt. Als eine besondere Situation stellt sich der Verkauf von Joseph an Mont-kaw dar. In diesem Fall entsteht zum Beispiel eine mögliche Parallele zu der modernen Arbeitnehmerüberlassung, sprich Zeitarbeits- oder Leihfirmen. Der Mensch und seine Ressourcen werden zur Ware, seine Identität austauschbar oder anpassbar. Als eine biblische Symbolfigur wandert Joseph von einem Land ins andere Land aus. Von einer Kultur in die andere Kultur, von einer Sprache in die andere. Das ist eine exemplarische Widerspiegelung der heutigen Change-Prozesse, die die heutige Wirtschaft kennzeichnen. Dadurch entstehen Situationen, mit denen sich Joseph schon vor einigen Jahrtausenden als Romanfigur auseinandersetzte und die er erfolgreich meisterte.

Ein zweites Beispiel wäre dann auch die geschickte Traum-Deutung vom Pharao. Joseph sieht und sagt die ganze wirtschaftliche Entwicklung des Ägyptenlandes vorher und liefert eine brillante Managerlösung, die das Leben nicht nur in dem ägyptischen Lande, sondern auch in den angrenzenden Ländern rettet. Er handelt dabei vor dem Pharao, aber auch mit den anderen Menschen um ihn herum wie ein moderner und erfolgreicher Consultant. Dazu verhilft ihm nicht zuletzt sein unverkennbares Charisma und visionäres Denken.

Stephane Etrillard: Spannend! Wie ein moderner Consultant verkauft Joseph Lösungen. Was zeichnet Joseph Ihrer Meinung nach als Ideenbringer besonders aus? Durch welche Eigenschaften ragt er besonders heraus?

Albert Metzler: Joseph ist als Figur so facettenreich. Er kann für den modernen Consultant stehen. Andererseits kann man ihn auch genauso gut als einen Prototyp des modernen Leaderships sehen. Zweifelsohne besitzt er beinahe alle erforderlichen Eigenschaften eines modernen Leaders. In seinen Verzweiflungen und schwierigen Phasen befindet er sich auf einer ständigen Suche nach neuer Motivation, innovativen Strategien und Lösungen. In den aussichtslosesten Situationen findet er innerliche Kraft, gepaart mit unternehmerischem Geschick und überwältigt alle Hürden mit Erfolg. Sehr oft befindet sich die Quelle seiner Motivation in seinen traumhaften Visionen, in seiner Selbstbestimmung und seiner Selbstdarstellung. Er handelt sicher und beobachtet seine Umgebung mit Feingefühl. Seine Entscheidungen sind nicht immer richtig gewesen, jedoch sind sie auf seinem Lebensweg wichtige Meilensteine gewesen. Auch seine Fehler dienten dazu, seine Visionen zu verwirklichen.

Stephane Etrillard: Wenn wir Josephs Verhalten modellieren würden, was könnte denn ein heutiger Manager daraus lernen?

Albert Metzler: Es bieten sich mehrere Ansatzpunkte an. Als eine biblische und symbolische Identität eines erfolgreichen Menschen liefert Joseph mit seinem Verhalten unterschiedliche Handlungsmodelle. Er war ein besonderer Träumer: er hatte Visionen nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tage. Sein Verhalten war immer flexibel und situationsangepasst. Für einen heutigen Manager wäre Josephs Verhalten in jedem im Roman beschriebenen Fall ein neues Modell, eine neue Vision, und dadurch, wenn nicht eine strikte reale Motivation, dann auf jeden Fall die Metapher der inneren Motivation überhaupt. Genauer gesagt, es handelt sich um eine Verhaltensweise, die immer die Grenzen zwischen einer Vision, einem Traum, einer Selbstbestimmung und Selbstdarstellung verwischt und neu konstituiert. Seine Verhaltensweise macht ihn kreativ in seinen Entscheidungen und konkreten Handlungen. Josephs Geschichte liest sich für einen modernen Manager wie die Erfolgsstory von jemand, der bei null angefangen und Unmögliches geschafft hat. Als Ausländer und Fremdling in einer kulturell feindlichen Umgebung wird er aus einem Sklaven durch seine Leistung und innere Motivation zu dem Vorsteher, Retter und Manager des Ägyptenlandes. Aus wirtschaftlicher Sicht ist auch dann die Problematik der Reichtumsumverteilung und die Beschreibung des von Joseph entwickelten Steuergesetzes für unsere moderne Gesellschaft von besonderem Interesse.

Stephane Etrillard: In moderner Sprache ausgedrückt, war Joseph nicht nur ein begabter Visionär, sondern auch ein Kommunikator und Beziehungsmanager par excellence. Was macht ihn denn so einzigartig?

Albert Metzler: Josephs Kommunikationsart ist räum- und zeitlos, er kommuniziert in einer mythischen Sphäre mit den Göttern, mit den Menschen und mit sich selbst. Er befindet sich immer in einem kontinuierlichen Dialog und Monolog. Kommunikation ist für ihn das A und O seiner Existenz. Er erfindet originelle und clevere Kommunikationswege, die ihm aus den Sackgassen heraushelfen. Seine Kommunikation besteht aus bestimmten Teilelementen. Neben seinem unbändigen Willen, Neues dazuzulernen, besaß er die unglaubliche Fähigkeit, sich immer wieder auf neue kommunikative Situationen einzustellen. Thomas Mann definiert diese Kommunikation als „das schöne Gespräch". In der Kommunikation mit sich selbst überwindet er kulturelle, sprachliche und zeitliche Barrieren. Das Wissen um die ägyptische Kultur steht in keinem Konkurrenzverhältnis zu seiner ursprünglichen jüdischen Kultur. Er empfindet kulturelle Veränderungen und Traditionen als eine Bereicherung und Ergänzung seines Daseins. Diese Einstellung ermöglicht es ihm letztendlich, sich in einem fremden Lande wie zu Hause zu fühlen. Moderne Manager werden auch sehr oft mit kulturellen Unterschieden, Lebensarten und Businessgepflogenheiten konfrontiert. Sehr oft trifft man diese Thematik in der heutigen Managerwelt. Der Prozess der Globalisierung, der Vermischung der Kulturen und Sprachen, der Umgang mit Diversity ist eine weitere Parallele zwischen der beschriebenen Realität des Romans und der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung. Nur die einzigartige und immer individuell entwickelte Kommunikation eines Managers sowie seine Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlicher Provenienz flexibel umzugehen, versetzen auch heutzutage Menschen in die Lage, außergewöhnliche Erfolge zu erzielen.

Stephane Etrillard: Durch die Lektüre von „Joseph und seinen Brüdern" können wir unser Verständnis von Kommunikation erstaunlich verfeinern. Was ist denn das kommunikative Geheimnis von Joseph?

Albert Metzler: Ihre Frage möchte ich mit einem einzigen Wort beantworten. Das Geheimnis von Josephs erfolgreicher Kommunikation ist sein Charisma.

Stephane Etrillard: Was macht denn Josephs Kommunikation so charismatisch?

Albert Metzler: Die charismatische Kommunikation von Joseph kennzeichnet sich durch ihren empathischen und polarisierenden Stil. In seinen Gesprächen mit anderen versetzt er sich in die Welten und Situationen seiner Gesprächspartner und erzeugt jedes Mal eine beinahe verwirrende Atmosphäre, in der er von seinen Kommunikationspartnern als jemand mit einer anderen Identität wahrgenommen wird. Mit einer Leichtigkeit übernimmt Joseph unterschiedliche Identitäten in einer spielerischen Form. Charismatisch geht er in diesem Identitätsspiel vor. Dem Leser ist bis zum Ende nicht klar, ob es sich in diesem Spiel um eine positive göttliche Gabe oder aber auch um eine angewandte Selbstdarstellung handele. Eins bleibt allerdings immer klar. Er wird schnell bekannt, geliebt oder auch beneidet. Dies alles verdankt er seiner kommunikativen Gabe bzw. Kommunikationsfreude.

Stephane Etrillard: Wenn wir auf die heutige deutsche Wirtschaft oder die Politik schauen, stelle ich -leider- fest, dass wir kaum noch charismatische Manager haben, geschweige denn Politiker. Was könnte Deutschland von dem Roman „Joseph und seine Brüder" lernen?

Albert Metzler: Die Frage ist absolut berechtigt, da sie nach einer Antwort zielt, die Josephs Identität als Politiker, Manager und biblische Symbolfigur thematisiert. Genauso wie viele Quereinsteiger in der heutigen Wirtschaft erlebt Joseph unterschiedliche Lebensphasen, mit denen er sich selbst auf seine eigene Art und Weise manifestiert. In seiner Suche nach sich selbst entdeckt und entwickelt er neben den rhetorischen Fähigkeiten, visuellen Selbstdarstellungen und innerlichen Selbstbestimmungen seinen individuellen Lebensstil. Menschenachtung und Humanisierung der Beziehungen ist das gewisse Etwas was sehr oft in der harten Konkurrenz - im diametralen Gegensatz zu Josephs Menschenumgang - von den modernen Managern übersehen wird. Sehr viele Manager konzentrieren sich auf die Menschen nicht wie auf gefühlsvolle Wesen, sondern eher auf deren Effizienz, Funktionstauglichkeit und übersehen dabei den wahren Wert ihrer Persönlichkeit. Kaufmännische Verhandlung, Verkauf und Gewinn ersetzen auf eine ziemlich oberflächliche Art solche Begriffe wie Zufriedenheit, individuell gestaltete Beratung und Beziehungs-Langfristigkeit. Am Ende des Romans enthüllt sich eine unglaublich starke und sensible Seite von Josephs Persönlichkeit. Er trifft seine Brüder wieder und verhilft ihnen sowohl materiell als auch geistig, obwohl sie ihn verraten und verkauft haben. Die innerliche Kraft zu verzeihen determiniert ihn in diesem Sinne nicht nur als Politiker und Manager, sondern in erster Linie als Mensch.

Stephane Etrillard: Erstaunlich ist heutzutage, dass die meisten Unternehmer und Manager ohne Vision sind. Was könnten sie aus dem Roman von Thomas Mann lernen?

Albert Metzler: Visionen als Begriff hat viele Gesichter in dem Roman und wird sehr oft mit solchen Begriffen wie Tagestraum, Nachttraum vermischt. Joseph der Träumer ist ein zitathaftes Beispiel, welches das Sprichwort „Träume sind Schäume" grundsätzlich widerlegt. Joseph hat Visionen bereits als Kleinkind und verliert diese Fähigkeit im Laufe seines ganzen Lebens nie. Seine Visionen bzw. Träume sind eine Art Wegweiser, die ihn permanent begleiten. Eine Vision vermählt sich mit der anderen und ergänzt die nächste. Neben dem symbolischen Sinn vermitteln die Träume Josephs eine bestimmte Atmosphäre einer anderen Realität, in der beinahe alles realisierbar ist, vielmehr realistisch wird. Dank seinen Visionen erfindet Joseph eine neue Art von Steuer und deutet den Traum vor dem Pharao wie ein top ausgebildeter Wirtschaftsprofi. Visionen haben in diesem Sinne für ihn Vorrang vor dem Mut, eiserner Logik und Pseudorealität. Er bringt die Menschen dazu, seine Visionen als Realität zu empfinden und letztendlich anzunehmen. Träume sind für ihn nicht ein Zustand, sondern ein Prozess. Er träumt immer, er träumt gerne, er träumt überall... Ich glaube, dass Visionen bzw. Träume eine unerklärliche Dimension darstellen. Jeder versteht, was das ist und keiner kann sie erklären. Sie entstehen bei solchen Individuen, die das Naive, das Kindliche und das Menschliche in der harten Konkurrenz des Alltags nicht verloren haben. Das, was heutige Manager von Joseph lernen könnten, wäre dann aus dieser Perspektive heraus die Art, wie Joseph den Aspekt der Menschlichkeit immer wieder in den Vordergrund stellt.

Stephane Etrillard: Was können wir vom alten Ägypten lernen in Bezug auf Business-Exzellenz / Top Performance?

Albert Metzler: Das Ägyptenland, seine wirtschaftliche und kulturelle Existenz in der Antike wird in dem Roman in unterschiedlichen Vergleichen mit anderen Ländern und deren Kulturen dargestellt. Das Ägyptenland stellt sich wie eine Antizipation der Business-Exzellenz und Top-Performance zugleich dar. Neben den wirtschaftlichen Fortschritten trifft man sehr oft Beschreibungen der kulturellen und geistigen Atmosphäre. In diesen Schilderungen rekonstruiert Thomas Mann in dem Roman nicht nur die kulturelle Erinnerung, sondern auch die wirtschaftlichen Praktiken der Antike. In der Beschreibung der Organisation des politischen Systems und der wirtschaftlichen Situation des Ägyptenlandes entsteht ein Bild einer Business-Exzellenz nicht nur auf nationaler Ebene. Der wirtschaftliche Fortschritt widerspiegelt und projiziert sich auf die kulturelle Ebene der Zeit und ist vergleichbar mit der heutigen Situation in der modernen europäischen Wirtschaft.

Themen wie Ausländerfeindlichkeit, kulturelle Dominanz und Migration der Völker durchziehen den ganzen Roman. Besonders beeindruckend in diesem Zusammenhang erscheinen die nachgebildeten Details von solchen bahnbrechenden wirtschaftlichen Entwicklungen wie Wasserbewässerungskanäle, Handeln mit den anderen Ländern, Schaffung einer neuen Steuer, Verteilung des Ackerlandes etc. Für den heutigen Manager könnten von besonderem Interesse auch die Textpassagen sein, die gezielt auf die Verteilung der Human Resources eingehen. An dieser Stelle fällt mir zum Beispiel die Beschreibung von Josephs zweitem Verkauf ein. Nicht ein einziger Mensch, sondern eine Gruppe von Leuten, in den Worten der Moderne, ein Team vergibt und verwaltet die Vakanzen. Schon zu dieser Zeit existierte eine strikte und trotzdem flexible Einteilung der Aufgabenbereiche in jedem Hof und im ganzen Lande. Selbst der Pharao und sein hierarchisch aufgebauter Hof verwischen die Grenzen zwischen dem Individuellen, dem Flexiblen, dem Menschlichen und dem Göttlichen. In einem Gespräch mit dem Pharao zum Beispiel verwandelt sich Joseph aus einem Träumer in einen Deuter und übernimmt die Rolle des wirtschaftlichen Retters des Ägyptenlandes. Er bringt das Land dazu, das Getreide sieben Jahre lang zu speichern, Steuern zu bezahlen und dadurch in den sieben nächsten Jahren davon zu profitieren und zu überleben. Das, was erst als ein Traum, eine Illusion und Vision dargestellt wird, verwandelt sich eines Tages in die wirtschaftliche Realität.

Stephane Etrillard: Vielen Dank, Herr Metzier, für dieses so aufschlussreiche Interview!

Hinweis

Die Joseph-Strategie

J = Joker (den Joseph immer dann ausspielt, wenn er ihn braucht!)

O = Optimismus (den sich Joseph in jeder Situation bewahrt!)

S = Selbstbestimmung (die für Joseph immer wichtig ist!)

E = Enthusiasmus (Leidenschaft für das, was immer wichtig ist!)

P = Power (die Kraft in allen Lebenslagen)

H = Herausforderungen (die Joseph charismatisch meistert!)

* Stephane Etrillard zählt zu den innovativen Wirtschaftstrainern und Coaches der neuen Generation. Seine Schwerpunkte sind anspruchsvolle Vertriebsworkshops in verschiedensten Branchen. Auch mit Privatcoachings sowie offenen Trainings im Bereich Rhetorik und Dialektik und Selbst-PR ist er branchenübergreifend erfolgreich. Er vermittelt Kompetenz „aus der Praxis für die Praxis". Sein bewährtes Know-how ist in den letzten 7 Jahren in der Begleitung von über 2.000 Führungskräften und Verkäufern aus unterschiedlichsten Branchen in Intensiv-Workshops entstanden. Seine Seminare führte er bis jetzt in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien sowie Russland (Moskau) durch. Durch zahlreiche Publikationen ist er als Fachautor einem breiteren Publikum bekannt geworden. Sein Buch SPITZENGESPRÄCHE, 2003 bei Junfermann erschienen, zählt zu den Business-Topsellern.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Management Institute SECS, Schloss Elbroich, Am Falder 4, 40589 Düsseldorf, Tel.: 0211/7570740, Fax: 0211 /750053, E-Mail: info@etrillard.com, www.etrillard.com

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