Der Manager 2020Vom Ego-Generalisten zum Multi-Generations-Experten-Team

Die Arbeit des Managers im Jahre 2020 wird sich von der heutigen drastisch unterscheiden. Gründe dafür sind die zukünftige Mitarbeiterstruktur und die Anforderungen der Mitarbeiter an den Arbeitgeber. An der Spitze wird nicht der Einzelne sondern das Team dominieren.

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1998? Für manche ist das noch gar nicht so lange her. Sie waren gerade in der Ausbildung, starteten hoffnungsfroh in ihre erste Anstellung oder hatten bereits einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und Karriere gemacht.

Das war vor elf Jahren. Doch wie wird das Arbeitsleben in 11 Jahren aussehen? Welche Umbrüche kommen auf uns alle zu? Dieser Frage gingen Jon Nicholson und Amanda Nairn von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie für Innovation & Business Skills Australia (IBSA) nach. Sie zeichnen ein differenziertes und anregendes Bild von Unternehmen und ihren Mitarbeitern im Jahr 2020. Ihr Ziel dabei ist, den Unternehmen schon jetzt ins Bewusstsein zu rufen, was auf sie zukommen kann – und sich entsprechend proaktiv darauf einzustellen.

Aus den Ergebnissen und Szenarien der BCG-Berater greifen wir einige heraus, die für alle Unternehmen und ihre Mitarbeiter in hoch entwickelten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften relevant sein dürften:

1. Generationen-Mix in den Unternehmen

In den Unternehmen wird es drei Generationen von Mitarbeitern geben, die ganz unterschiedliche Anforderungen und Erwartungen an ihren Beruf und ihre Arbeit haben. Sie lassen sich grob durch ihr heutiges Alter voneinander abgrenzen:

  • Bis 24 Jahre alt,
  • zwischen 24 und 44 und
  • die über 44-Jährigen.

Gleichwohl werden diese Generationen im Unternehmen miteinander arbeiten müssen. Die Bedeutung der jungen Generation steigt; sie ist auf Erfolg und unternehmerisches Denken ausgerichtet und alle neuen Informations- und Kommunikations-Technologien nutzt sie wie selbstverständlich. Unternehmer und ihre Personalentwickler müssen zunehmend gemischte Teams aus Mitarbeitern, die zwischen 20 und 70 Jahre alt sind, zusammenführen.

2. Das Arbeitsleben endet nicht abrupt

Denn die ältere Generation wird sich nicht so schnell aus dem Berufsleben verabschieden. Heute wird 40-45 Jahre gearbeitet, dann beginnt das Rentner-Dasein. In den nächsten Jahren werden die älteren Berufstätigen noch sehr viel länger aktiv bleiben, für die meisten dürfte es dabei einen gleitenden Ausstieg geben: Arbeitszeit und Arbeitseinkommen werden nach und nach reduziert. Populär ist heute schon die Altersteilzeit, aber einzelne Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern auch nach der Pensionierung Teilzeitstellen an.

Das bedeutet auch, dass die Unternehmen ältere Mitarbeiter aktiv einbinden müssen. Sie müssen ihre besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten nutzen und dafür sorgen, dass sie sich in gemischte Generationen-Teams einfügen und für das Unternehmen ihre Leistung bringen können.

3. Mehr Flexibilität und höhere Anforderungen am Arbeitsplatz

Die Mitarbeiter fordern von ihren Arbeitgebern mehr Flexibilität. Sie wollen ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen, Auszeiten nehmen können für die Kindererziehung oder für ihre eigene Weiterbildung. Sie können sich vorstellen, ihren Arbeitsplatz mit anderen zu teilen und sie werden immer häufiger spontan von zu Hause aus arbeiten.

Aber auch die Unternehmen haben andere und höhere Anforderungen an ihre Mitarbeiter. Sie erwarten, dass ihre Angestellten eine hohe Leistungsbereitschaft mitbringen. Dabei zählt nicht nur die Effizienz des Unternehmens, sondern die Effizienz, die jeder Einzelne an seinem Arbeitsplatz unter Beweis stellt. Gefragt sind dabei vor allem Kompetenzen in den Bereichen Problemlösung, Kreativität und Innovationsfähigkeit.

4. Das Team und der Experte stehen im Mittelpunkt

An der Spitze eines Unternehmens steht meist eine einzelne Person, die das Unternehmen repräsentiert: Der Gründer, Unternehmer oder Vorstandsvorsitzende. In den letzten Jahren ist um manche von ihnen ein regelrechter Kult entstanden. In Zukunft dominiert aber das Team.

Die Leistungen des Einzelnen werden nicht mehr ausreichen, um alle Anforderungen abzudecken. Dem entsprechend machen nicht mehr einzelne Mitarbeiter Karriere, sondern Teams. Die Aufgabe der Manager ist, ihrem Team optimale Arbeits- und Leistungsbedingungen zu verschaffen.

Im Team braucht es dann nicht mehr so sehr die Generalisten, sondern jeweils ausgewiesene Experten. Das gilt auch für Manager. Es reicht nicht mehr aus, nur Ziele zu setzen und Aufgaben zu delegieren. Sie müssen sich in mindestens einem Fachgebiet exzellent auskennen.

Diese Trends zeigen, das Arbeitsumfeld für Manager wird sich in den nächsten elf Jahren grundlegend ändern. Sie müssen neue organisatorische Voraussetzungen für ihre Mitarbeiter schaffen und auch ihr eigenes Selbstverständnis auf den Prüfstand stellen.

Hinweis

Hier können Sie die Studie, die Jon Nicholson und Amanda Nairn für Innovation & Business Skills Australia (IBSA), durchgeführt haben, herunterladen:

The Manager of the 21st Century

[jf; Bild: ©drizzd - Fotolia.com]

Dazu im Management-Handbuch

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