DominantIst Apple das Ein-Mann-Unternehmen Steve Jobs?

Was Jobs verkündet, hatte immer schon Gewicht. Doch in den letzten Jahren wurde es immer bedeutender für die gesamte IT-Branche. Für Apple ist er nicht mehr zu ersetzen. Das kann auch zum Problem werden.

Es reicht schon, dass Jobs ankündigt, für seine Keynote eine gute halbe Stunde mehr zu benötigen und schon spekulieren selbst IT-ferne Medien wie die Süddeutsche Zeitung darüber, wie mögliche Produktneuheiten aussehen könnten.

Jobs' Strategie setzt nicht auf technische Überlegenheit, sondern auf Design und Innovation. Gegen den Mainstream wagt er immer wieder den ersten Schritt in neue Technologien und erfrischendes Design. Ein gewagter Produktlaunch folgte dem nächsten, nur wenige floppten in den letzten Jahren. Unterm Strich verhalfen die Innovationen der Marke zu einem Mythos, der stark mit der Person Steve Jobs verknüpft ist. Dazu meint Roger Kay, Analyst beim Marktforscher Endpoint

"Apple ist eines der wenigen Unternehmen, in denen der Vorstandschef das Unternehmen ausmacht. Jobs ist wie ein guter Dirigent, der kreative Talente zusammenspielen lässt."

Apple ist mit Jobs groß geworden, durchlitt Mitte der 1980er eine schwere Krise, in der Jobs das Unternehmen verließ, und erlebte nach seiner Rückkehr 1997 eine sagenhafte Wiederauferstehung. Jobs' Gespür für Trend und Design haben ihn zum Popstar der IT-Branche gemacht.

Die Konkurrenz schläft nicht

Der charismatische Jobs mimt den kleveren David und weist der scheinbar übermächtigen Konkurrenz die Rolle des Goliath zu - meist ist damit Microsoft-Gründer Bill Gates gemeint. In diesem Wettbewerb präsentiert sich Apple gern als Unternehmen, das seine eigenen Produkte liebt, Kunden achtet und die Mächtigen der Branche in die Schranken weisen will.

Doch Microsoft überlässt anderen nicht kampflos das Feld. Als iPod-Konkurrent positionieren die Redmonder den noch erfolglosen Musikspieler Zune, gegen das iPhone soll ein Zune Phone in Planung sein und auch die übrige Konkurrenz schläft nicht.

  • LG-Prada und Samsung haben Luxushandys mit großem Touchscreen im Angebot.
  • Nokia rühmt sich mit seinen bereits verfügbaren Musikhandys trotz geringerem Funktionsumfang ein Jahr Vorsprung zu haben.
  • Sony-Ericsson ist seit längerem mit seinen Walkman-Handys am Markt.
  • Die großen Musikverlage und vier Mobilfunkanbieter wollen demnächst ein eigenes iTunes namens Music Station starten.

Zudem sehen manche Börsen-Analysten wie JP Morgan bei Apple hausgemachte Konkurrenz. Die Bänker glauben, dass viele Apple-Fans auf das iPhone warten und sich deshalb bei den funktionsärmeren iPods zurückhalten.

Ohne Nachfolgeplanung: Riskanter Rummel um Steve Jobs

Apple und sein CEO sind nicht nur wegen ihrer Marktmacht in den Schlagzeilen, sondern auch wegen ihrer Verantwortung. Die internationale Presse schaut immer genauer hin:

  • Ob wegen der Arbeitsbedingungen in der so genannten „iPod City“ Shenzen in China oder
  • bei den noch immer andauernden Untersuchungen zu den Aktien-Options-Skandalen oder
  • im Greenpeace-Bericht, der Apple und der ganzen Elektronik-Branche ein miserables Zeugnis ausstellt.

Sollte Steve Jobs einmal unvorhergesehen vom Chefposten abtreten müssen, hätte das für Apple schwerwiegende Folgen. Denn ein Unternehmensnachfolger oder eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Schaut man sich die Skandale der letzten Monate im Detail an, wirkt einer für Jobs besonders bedrohlich: Der Skandal um rückdatierte Aktienoptionen Ende 2006. Er könnte das Image des Apple-Chefs schwer beschädigen. Staatliche Ermittler in den USA prüfen die umstrittene Vergabepraxis bei mehr als 200 Unternehmen, ein Manager der IT-Firma Brocade Communications wurde bereits schuldig gesprochen.

Mit Optionen erhalten die Empfänger das Recht, Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Durch eine Rückdatierung auf einen niedrigen Kurs können die Empfänger höhere Gewinne einstreichen.

Im Oktober räumte Jobs nach einer internen Untersuchung ein, dass zwischen 1997 und 2002 bei 15 Optionspaketen der Vergabetermin vordatiert worden war. Jobs habe das Optionspaket zwar empfohlen bekommen, aber nicht wahrgenommen. Die Börse glaubte das sofort – ohne Jobs wäre Apple kaum denkbar. Apple Finanzchef Fred Anderson hingegen willigte schon in eine Strafzahlung von 3,5 Millionen Dollar ein. Ex-Justiziarin Nancy Heinen steht noch unter Anklage: Ihr wird vorgeworfen, die Rückdatierung der Optionen veranlasst zu haben.

Unabhängige Untersuchungsergebnisse der US-Börsenaufsicht SEC und des Justizministeriums stehen noch aus. In den vergangenen Monaten hat der Skandal bereits einige Topmanager den Job gekostet. Alle fragen sich: Was hat Steve Jobs gewusst?

Jetzt soll er vor der SEC im Verfahren gegen Nancy Heinen aussagen. Die Vorladung für Jobs sei nicht Teil einer Untersuchung der SEC, berichtet Bloomberg. Vielmehr soll Jobs als Zeuge seine eigene Rolle in Bezug auf die rückdatierten Aktienoptionen darstellen. Sollte der Visionär an der Spitze stolpern, fiele das gesamte Unternehmen mit ihm.

Weitere Skandale im Detail

iPod City: Auf den Bericht der britischen Zeitung „Mail on Sunday“ hin ließ Apple die chinesischen Foxconn-Fabriken für iPod und Co. auf ihre Arbeitsbedingungen hin untersuchen. Die Zeitung hatte von 15-stündigen Arbeitstagen und Löhnen von 40 Euro pro Monat berichtet. In der Stadt Shenzhen ist jedoch ein Mindestlohn von umgerechnet 80 Euro im Monat oder 0,46 Euro pro Stunde gefordert.

Laut Apple habe man daraufhin 100 Mitarbeiter seines Zulieferers Foxconn befragt und Verstöße gegen Apples „Supplier Code of Conduct“ festgestellt. Das Regelwerk verpflichtet die Vertragspartner zur Einhaltung minimaler Standards und der geltenden Gesetze.

Laut Apple würden die Arbeiter zu keinen Überstunden gezwungen, zwei Mitarbeiter hätten jedoch von überzogenen Disziplinarmaßnahmen berichtet und den geforderten freien Sonntag habe es in einem Viertel der untersuchten Fälle nicht gegeben. Die Überstundenzahl habe zum Teil 35 Prozent über den erlaubten 60 Stunden pro Woche gelegen. Die Missstände sollen in Zusammenarbeit mit Foxconn nun abgestellt werden, ein externes Unternehmen soll die Einhaltung der Standards fortlaufend prüfen. Seit Ende Dezember dürfen sich die Arbeiter des Apple-Zulieferers gewerkschaftlich organisieren.

Greenpeace hat zur Umweltpraxis der Elektronikindustrie ein Umweltranking erstellt. Der "Guide to Greener Electronics" listet auf einer Skala von 0 bis 10 auf, wie umweltverträglich Elektronikkonzerne produzieren. Wegen dem Einsatz von PVC, hochgiftigen Entflammungshemmern und dem eingeschränkten Rücknahme- und Recyclingprogramm für Altgeräte erreichte Apple nur 2,7 Punkte, Platz 11 von 14. Wer seine Käufer mit Moral und Rebellentum begeistert, der wird genau daran gemessen.

Hinweis

Das lernen Sie

Ein einzigartiger Markenrepräsentant wie Steve Jobs kann Vor- und Nachteile haben:

  • Sein positives Image geht verloren, sobald persönliche Fehler oder Managementskandale es im unschönen Licht erscheinen lassen. Gibt es dann noch Alternativen, schwindet das Markenimage und Kunden orientieren sich neu.
  • Ist der Konzernchef die beste Marketinginstanz des Unternehmens, sollte er sich rechtzeitig um eine reibungslose Nachfolge kümmern. Sonst kann ein unvorhergesehener Rücktritt vom Unternehmen schwer abgefedert werden.

Über Apple Inc.

Apple ist einer der sogenannten „First-Mover“ der Elektronik-Branche. So werden Unternehmen bezeichnet, die das Risiko auf sich nehmen, regelmäßig innovative Techniken und Produkte am Markt zu platzieren.

Der US-Konzern aus Cupertino schreibt seit einigen Jahren eine Erfolgsgeschichte durch den Musikspieler iPod. Er ist inzwischen auf Platz 39 unter den weltweit bedeutendsten Marken aufgestiegen.

Im US-Markt für Online Musik hält Apple mehr als 70 Prozent Marktanteil, der weltweite iPod-Marktanteil liegt bei 75 Prozent. Die anhaltend hohe Nachfrage lassen Umsatz und Gewinn ständig steigen. Der Nettogewinn lag im letzten Quartal bei mehr als einer Milliarde US-Dollar, der Umsatz bei 7,12 Milliarden US-Dollar.

50 Prozent mehr iPods und 28 Prozent mehr iMac-Computer als im Vorjahreszeitraum wurden verkauft. Die 1,6 Millionen Macs wirken gegenüber den 21 Millionen iPods allerdings fast unerheblich. Der iPod trägt etwa zur Hälfte des Konzernumsatzes bei. Die ersten iPhones werden seit Juni in den USA verkauft.

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