E-LearningAuf die Didaktik kommt es an

Schon immer wollten Menschen das Lernen vereinfachen. Heute ist E-Learning gerade in der Aus- und Weiterbildung nicht mehr wegzudenken. Doch viele Projekte scheitern noch immer an falschen Tools und mangelhafter Planung.

Gastbeitrag von Patricia Beauvery, CBTL Training + Learning GmbH, München*

Eine Studie, die 2007 im Auftrag der Karlsruher Messe Learntec vom Essener Institut für Medien- und Kompetenzforschung durchgeführt wurde, hat gezeigt, wie wichtig das elektronische Lernen in Deutschland mittlerweile geworden ist. So will rund jedes vierte der 157 befragten Unternehmen zukünftig noch stärker als bisher auf digitales Wissensmanagement setzen. 17 Prozent planen außerdem eine Lernplattform zu implementieren oder die vorhandene Plattform nachzurüsten und immerhin 16 Prozent äußerten konkrete Pläne, ihr Budget für Lern- und Wissenstechnologien zu erhöhen. Für Uwe Beck, wissenschaftlicher Leiter der Learntec, sind diese Ergebnisse keine große Überraschung. Er sagt:

„Für ein Land, das seinen Wissensvorsprung im globalen Wettbewerb behaupten will, sind Lern- und Wissenstechnologien hochaktuelle Themen.“

Das größte Potenzial steckt nach Meinung der Experten dabei in den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die E-Learning bisher erst zu rund 20 Prozent einsetzen – im Unterschied zu Großbetrieben, bei denen dieser Anteil heute mehr als doppelt so hoch ist.

Der Ursprung des E-Learning

Eine rasante Entwicklung, wenn man bedenkt, wie alles angefangen hat. Die Ursprünge des E-Learning liegen nämlich bereits im 16. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahre 1588. Auf Befehl des damaligen französischen Königs entwickelte ein findiger italienischer Ingenieur namens Agostino Ramelli ein Leserad, durch das ein Zurückgreifen auf verschiedene Literaturquellen ohne Hin- und Herlaufen zwischen den Buchregalen möglich war. Knapp 300 Jahre später, im Jahre 1866, meldete dann Halycon Skinner das erste Patent auf seine Lernmaschine an und bis 1936 wurden insgesamt rund 700 weitere Patentanträge für vergleichbare Übungsmaschinen bestätigt. Mit der zunehmenden Verbreitung der Computer rückte ab Mitte der 70er Jahre dann auch in Deutschland der rechnergestützte Unterricht zunehmend in den Mittelpunkt, konnte sich aber zunächst nicht durchsetzen. Erst Ende der 80er Jahre wurde das Thema wieder aufgegriffen. Allerdings nicht für den Einsatz in Schulen und Universitäten, sondern zunächst in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Die immer rasantere Verbreitung des Internet trug schließlich dazu bei, dass das E-Learning – ein Begriff, der sich Mitte der 90er Jahre etablierte – seit Ende der 90er Jahre seinen endgültigen Durchbruch feiern konnte. Vor allen Dingen aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung ist diese Form des Lernens heute nicht mehr wegzudenken. Doch obwohl es heute kaum noch ein Unternehmen gibt, das nicht in kleinerem oder größerem Maßstab auf das elektronische Lernen setzt, scheitern viele Projekte immer wieder spektakulär. Einer der Gründe: Trotz aller Studien und wissenschaftlicher Erkenntnisse werden E-Learning-Programme in Deutschland immer noch viel zu oft eher nach dem Äußeren und nicht nach der didaktischen Aufbereitung der Inhalte beurteilt. Unternehmen, die von Lehrwerksdidaktikern geführt werden und auf die individuelle didaktische Aufbereitung der Lerninhalte setzen, sind hierzulande noch eher die Ausnahme als die Regel.

Blended Learning: Lernen im Do-it-yourself-Verfahren

Eine Entwicklung, die vor allen Dingen damit zu tun hat, dass der E-Learning-Boom zunächst von den angelsächsischen Ländern ausging und der dort verfolgte Lernansatz ein anderer als in Europa ist. Denn während europäische Unternehmen E-Learning in der Regel tatsächlich für Schulungen – also die Wissensvermittlung – einsetzen, steht in England oder den USA eher die Informationsvermittlung im Vordergrund. Deswegen plädieren Experten auch dafür, dass Unternehmen bereits im Vorfeld sehr detaillierte Pläne ausarbeiten sollten, um sich darüber klar zu werden, was genau mit der Einführung eines E-Learning-Programms eigentlich erreicht werden soll. Schließlich ist es ein großer Unterschied, ob man den Mitarbeitern lediglich Vorschriften wie beispielsweise zur Lebensmittelsicherheit vermitteln will oder ob sie lernen sollen, Situationen selbstständig zu interpretieren und richtige Entscheidungen zu treffen. Denn für beide Szenarien sind völlig unterschiedliche Lerninhalte notwendig.

Als weitere Herausforderung kommt hinzu, dass Unternehmen sich nicht in jedem Fall ausschließlich auf E-Learning verlassen sollten. In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, eine so genannte „Blended- Learning“-Strategie zu verfolgen. Dahinter verbirgt sich ein Lehr- beziehungsweise Lernkonzept, das eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und virtuellem Lernen im Do-it-yourself-Verfahren vorsieht. Dass dies auch in der Praxis funktioniert, zeigt das Beispiel der MAN Nutzfahrzeuge AG in München. Das Unternehmen gehört zur weltweit agierenden MAN-Gruppe und hat sich besonders als Anbieter von LKWs und Bussen sowie integrierten Transportlösungen international einen Namen gemacht. Ein flächendeckendes Netz von Vertragswerkstätten sorgt dafür, dass Probleme mit den Fahrzeugen vor Ort schnell und kompetent behoben werden können.

Für die Schulung der Monteure setzt der Nutzfahrzeughersteller – neben der klassischen Methode des Präsenzunterrichts – auch auf verschiedene Web Based Trainings (WBTs), für deren Erstellung und Verbreitung das MAN Service Training Center in München zuständig ist. Durch dieses Konzept des Blended Learning wird nicht nur die Akzeptanz der Lernenden erhöht. Darüber hinaus können immer wieder optimale Trainingseinheiten zusammengestellt werden, die ein erfolgreiches Lernergebnis garantieren und sich individuell an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anpassen lassen. Aufgrund der positiven Erfahrungen hat man bei MAN bereits weitere Vorhaben im Blick: So sollen zukünftig beispielsweise auch WBTs erstellt werden, die sich noch stärker an den Vorkenntnissen der Schulungsteilnehmer orientieren und – je nach individuellem Lernerfolg – unterschiedliche Wege zur Problemlösung aufzeigen.

Web Based Training (WBT)

Web Based Training (WBT) ist ein Oberbegriff, unter dem sich auf Internet-Technologie basierte Lernprogamme einordnen lassen. Das WBT ist eine Weiterentwicklung des Computer Based Training (CBT). Es werden Lerneinheiten nicht auf einem Datenträger verbreitet, sondern von einem Webserver online mittels Internet oder Intranet abgerufen. Die Einbettung ins Netz bietet vielfältige weiterführende Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion des Lernenden mit den Mitlernern.

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[Bild: pixelio]

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