EffektivitätMehr Mut und Realitätssinn bei Entscheidungen

In einer zunehmend komplexen Wirtschaftswelt ist das Treffen von "richtigen" Entscheidungen ausschlaggebend. Gefragt sind nicht Illusionen, sondern Mut, Intuition und Realitätssinn.

Gastbeitrag von Bernd Opp und Othmar Sutrich, systemische Organisationsberater, Trainer und Coaches, München und Wien.*

“Erfolg ist die Summe guter Entscheidungen”. Einmal angenommen, der Werbeslogan der Deutschen Bank stimmt. Gilt er dann auch umgekehrt im Sinne von: Misserfolg ist die Summe schlechter Entscheidungen? Die aktuellen Hiobsbotschaften aus den Häusern Siemens und Airbus legen es nahe, dem Thema „Entscheiden in Organisationen“ höchste Aufmerksamkeit zu schenken. "Entscheiden kann man, oder man kann es nicht." In Managementkreisen ist dieser Satz häufig zu vernehmen. Ähnliches wurde vor einigen Jahrzehnten auch über das Führen und Managen gesagt. Entsprechend naturwüchsig fällt das Entscheiden im Organisationsalltag aus. Entsprechend selten gibt es in Organisationen ein explizit geteiltes, kommuniziertes Wissen darüber, was Entscheiden eigentlich ist, wie es abläuft, ob überhaupt, und wenn ja, wie es individuell und kollektiv verbessert werden kann.

Die Zeit ist reif: Investitionen ins Entscheiden

In den Führungsgremien des Managements herrscht zunehmender Kontrollverlust: Zu viele Risiken wirken aufeinander ein, die alle relevant sind und die man nicht gefahrlos ausblenden kann. Zudem lässt sich ein weiteres, besonders hoch zu bewertendes Risiko beobachten: Vielen Unternehmen fällt der gemeinsame Blick auf die Realität immer schwerer. Die Welt der schönen Illusionen ist allgegenwärtig, die Konfrontation mit der Realität wird unter Karrierestrafe gestellt. Es zeichnet sich eine sprunghaft gestiegene Risikolage ab, gekennzeichnet durch:

  • Immer höhere Komplexität,
  • Mehrdeutigkeit und Flüchtigkeit der Daten,
  • schnelle Wechsel der Faktenlage und plötzliche Trendbrüche,
  • Globalisierung und globale Interdependenz auch zwischen Unternehmen,
  • gnadenlose Betonung von Leistung und kurzfristigem Gewinn durch die Börsen,
  • Zwang zu Wachstum auf neuen, weniger bekannten und weniger stabilen Märkten,
  • Zwang zur Innovation,
  • Technologierisiken,
  • mehr Vorschriften und Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden,
  • höheren Wissenstand beziehungsweise Know-how der Mitarbeiter,
  • wachsende öffentliche Aufmerksamkeit auf Unternehmen.

Die Anforderungen an gutes Entscheiden haben sich qualitativ verändert, sie sind schleichend und flächendeckend stark gestiegen. Heute betreffen sie einen viel größeren Personenkreis und schlagen sich gnadenlos in den Kosten und fehlenden Erträgen nieder. Das Fazit: Führungskräfte aller hierarchischen Ebenen und Experten können eine Stärkung und Rückendeckung beim Entscheiden sehr gut gebrauchen!

Diese Einsicht ist aber in den meisten Organisationen noch nicht angekommen. Das Thema, „Wie lernt man, besser zu entscheiden“, steht in keiner der Organisationen, die wir kennen, explizit auf der Entwicklungsagenda. Und oberste Priorität genießt es schon gar nicht. Das, obwohl Entscheiden in Organisationen unbestritten die existenzielle Basisoperation und -kompetenz darstellt, die untrennbar in alle Vorhaben auf allen hierarchischen Ebenen und Funktionsbereichen eingebettet ist.

Entscheidungen sind immer nur so gut wie ihr Prozess

Allen voran: Stellen Sie sich der Realität! Gemeinsam mit allen im Führungsteam und im Unternehmen. Unsere Erfahrung zeigt, dass schlechte Entscheidungen auf Illusionen beruhen. Jene Führungskräfte, die den Mut haben, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und dies auch mit Verstand und emotionaler Intelligenz verbinden, kommen am besten mit der gestiegenen Komplexität in Organisationen zurecht. Mut ist die Bereitschaft, das als richtig Erkannte zu tun, unabhängig davon, wie schwierig es ist. Wohlverstandene Risikobereitschaft beruht auf Integrität, starken Überzeugungen und Werten.

Mut heißt auch, der Intuition Raum zu geben. Die emotionale Intelligenz versucht immer, die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Menschen mit den Notwendigkeiten des Geschäftes in Einklang zu bringen. Da Sie aber nicht alle relevanten Perspektiven selbst einnehmen können, die zu einer guten Entscheidung gehören, sollten Sie andere dran beteiligen und Ihre Aufmerksamkeit auf die Prozesse des Entscheidens statt nur auf die Hammerfallsekunde der Entscheidung legen. Ihre Entscheidungen und die in Ihrem Unternehmen können nur so gut sein, wie der Prozess, durch den sie zustande kommen.

Investieren Sie In das Thema „besser entscheiden“. Es lohnt immer dann, wenn undurchsichtige Entscheidungssituationen oder Problemlagen, gepaart mit einem vermeintlich hohem Risiko gegeben sind. Bei einfachen Problemlagen und geringem Risiko entscheiden Sie am Besten so, wie es Sie gewohnt sind. Reden Sie offen über Fehlentscheidungen! Für nachhaltige Leistungssteigerung in Organisationen ist dies genauso wichtig wie die Sicherheit, das Selbstvertrauen und die Routinen, die aus gut gelungenen Entscheidungsprozessen erwachsen. Eine Fehlertoleranzkultur zu etablieren, Offenheit und Ehrlichkeit vorzuleben, ist Chefsache.

*Kontakt:
o-p-p GmbH
Richard-Wagner-Str. 10
85521 Ottobrunn
Tel.: 089-6095428
E-Mail: Bernd.Opp@t-online.de
Web: www.oppberatung.de

[Bilder: Deutsche Bank, photocase]

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