EinsichtenWohin geht die Reise beim Change Management?

Change Management ist zu einem geflügelten Wort in den Unternehmen geworden, das alle Veränderungen der Organisation umschreiben will. Vor allem das Top-Management und Berater sehen darin ein wichtiges Betätigungsfeld. Hintergründe und Ergebnisse einer Befragung erläutert die Studie: "Taking Stock: A Survey on the Practice and Future of Change Management"

Gastbeitrag von Holger Nauheimer, Berlin *

Change Management ist zu einem der Mode- und Zauberwörter der letzten Jahre geworden. Viele glauben sogar, dass Change Management in weiten Teilen das Projektmanagement ersetzen würde, da in heutigen Zeiten der Unsicherheit lineare Planung keine ausreichende Sicherheit für die Durchführung von Projekten mehr bietet. Auch wenn solche Einschätzungen dem Beitrag, den klassisches und modernes Projektmanagement für den Erfolg von Projekten liefern kann, nicht gerecht wird, stellen sich doch die Fragen:

  • Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Schlagwort „Change Management“?
  • Gibt es ein einheitliches Verständnis zur Gestaltung des Wandels oder viele unterschiedliche Ansätze?
  • Ist das Ende des Change Managements schon eingeläutet?

Diese Fragen hat sich das Change Management Toolbook gestellt, eine der führenden Webseiten zum Thema, betrieben von Holger Nauheimer. Im August 2004 wurde daher eine Internetbefragung durchgeführt, an der 562 Personen teilnahmen, darunter sowohl Experten als auch Novizen. Der Bericht über diese Befragung ist jetzt in englischer Sprache erhältlich („Taking Stock. A Survey on the Practice and Future of Change Management”).

Zusätzlich zur Auswertung der Umfrage zur Praxis von Change Management werden 56 verschiedene methodische Ansätze in Kurzartikeln vorgestellt.

Schließlich wagt der Autor noch einen Ausblick in die Zukunft: Basierend auf den Daten der Befragung und kombiniert mit verschiedenen Trends aus globaler Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entwickelt er verschiedene Szenarien darüber, wie sich die Situation für Berater und Anwender von Change Management Methoden in den nächsten 20 Jahren entwickeln könnte.

Die Ergebnisse

Auch wenn die Ausgangshypothese den Change Management Ansätzen eine Zukunft voraussah, waren die Ergebnisse in ihrer Eindeutigkeit doch erstaunlich. 99 Prozent aller Befragten stimmten dem Statement zu: „Change Management ist keine Mode; der Bedarf für Change Management Fähigkeiten wird in der Zukunft anwachsen“. Die Zustimmung wuchs mit der Erfahrung, die die Ressourcepersonen in der Anwendung von Change Management Ansätzen aufwiesen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis war die universelle Anwendbarkeit von Change Management Konzepten. 89 Prozent der Befragten lehnten das folgende Statement ab: „Change Management ist ein westliches Konzept, das auf andere Kulturen nicht angewendet werden kann“. Interessanterweise ist die Zuversicht in die kulturfreie Anwendbarkeit dieser Ansätze in östlichen und südlichen Kontinenten wie Asien, Afrika und Lateinamerika sogar noch größer als in Europa oder Nordamerika. Heißt das, dass hier bereits eine gewisse Sättigung stattgefunden hat?

Die Studie zeigt weiterhin, dass Change Management Konzepte in allen Sektoren (Privatwirtschaft, Staat, NROs, Entwicklungshilfe) und über alle Hierarchien eingesetzt werden, aber dass es vor allem Topmanager und Consultants sind, die an der Anwendung und Weiterentwicklung dieser Ansätze interessiert sind.

Weitere Teile des Berichts beschäftigen sich mit den wichtigsten Anwendungsbereichen (Organisations- und Personalentwicklung, Strategien, etc.), den verschiedenen Möglichkeiten, Veränderungsprozesse zu initiieren (externe oder interne Consultants, Coaching, Vorbildfunktion des Chefs, elektronische Wissensmanagementsysteme etc.), dem transformativen Potenzial solcher Ansätze sowie ihren Limitierungen.

Hier zeigt sich, - obwohl der weitaus größte Teil der Befragten von der Validität der genannten Ansätze überzeugt sind -, dass viele Veränderungsprozesse scheitern (ca. 69 Prozent).


Die wichtigsten Faktoren für den Erfolg solcher Projekte sind: die Unterstützung durch das Topmanagement, effektive Kommunikation der Ziele und erwarteten Ergebnisse sowie die Berücksichtigung und Bearbeitung von Widerständen der Beteiligten oder Betroffenen des Wandels.

Die Methoden

Unübersichtlichkeit kennzeichnet den Markt des Change Managements. Die Studie listet ca. 250 verschiedene Ansätze auf und beschreibt 56 davon in kurzen einleitenden Texten, meist graphisch unterstützt. Die unterschiedlichen Verfahren und Denkmodelle sind alphabetisch geordnet – von A wie Action Research über M wie McKinsey’s 7S Model und S wie Systems Theory bis zu W wie Ken Wilber’s All Quadrants All Levels Framework. Zu jedem einleitenden Artikel sind weitere Ressourcen wie Webseiten, Artikel oder Bücher genannt.

Der Ausblick

Wie geht es weiter? Diese Frage hat sich der Autor gestellt und hierzu drei verschiedene Szenarien entwickelt. Sie beschreiben, wie sich – bei unterschiedlichen Voraussetzungen – der Bedarf für Change Management in verschiedenen Sektoren entwickeln könnte und wie Veränderungsberater auf diesen Bedarf reagieren können. Dies sind die drei Szenarien:

  • House of the Rising Sun. Bis zum Jahr 2025 hat sich die Weltökonomie entsprechend den Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung zu einem stabilen System hinentwickelt, das durch internationale Organisationen und Vereinbarungen gestützt wird. Klein- und Mittelunternehmen (KMUs) sowie Nichtregierungsorganisationen (NROs) sind in internationale Netzwerke eingebunden und spielen eine bedeutsame Rolle für die globale Prosperität. Berater werden vor allem für die Unterstützung der Netzwerkbildung sowie zum Aufbau institutionellem und organisationellem Lernen benötigt.
  • A World Apart. In diesem Szenarium wird die Welt von wenigen multinationalen Unternehmen entsprechend den Gesetzen des Aktienmarktes gesteuert. Die „weichen“ Instrumente der Mitarbeiterführung haben sich in einem von Konkurrenz geprägtem Markt als stumpf erwiesen und sind durch klassische Führungsmodelle ersetzt worden. KMUs und NROs haben nur Nischenplätze zu besetzen. Die zunehmende Armut, gepaart von einem starken Aussteigertum, lässt eine parallele Welt entstehen, in der die Gesetze der Marktwirtschaft teilweise außer Kraft gesetzt sind. Berater sind entweder in der ersten Welt als Troubleshooter oder in der Parallelwelt als Helfer zum Aufbau neuer Institutionen tätig.
  • Spinning Wheels. In diesem Mischszenarium gibt es keine Konstanz. Prosperität und Depression wechseln sich ab; Allianzen und Netzwerke zwischen multilateralen Unternehmen, staatlichen Institutionen, KMUs und NROs entstehen, um wenig später wieder zu zerbrechen. Die Welt wird gelenkt von einer Kaste von Wissensarbeitern, die die Fähigkeit besitzen, mit hoher Flexibilität auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. Um diese Kaste rankt sich ein System von Dienstleistung, Beratung und Coaching.

Hinweis

Holger Nauheimer. 2005: Taking Stock. A Survey on the Practice and Future of Change Management.

Der Bericht ist im Selbstverlag erschienen. Er ist erhältlich unter

http://www.change-management-toolbook.com/res/Reports.html

Kontakt:
Dr. Holger Nauheimer
Rosenheimer Str.5
10781 Berlin
http://www.change-management-toolbook.com

Dazu im Management-Handbuch

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