EnergiezufuhrWie das mittlere Management neue Impulse bekommt

Auf der einen Seite sollen sie sich menschlich zeigen und Mitarbeiter motivieren, auf der anderen Seite sollen sie dafür sorgen, dass Ziele mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden. Gerade das mitt­lere Management sitzt zwischen allen Stühlen und muss auch noch um den eigenen bangen.

Ein Gastbeitrag von Alexander Christiani, Christiani Unternehmer AG, Starnberg*

Können Menschen dem täglichen Druck standhalten? Wie gehen Sie damit um? Und welche Wege gibt es, diesen Stressfaktoren mit einem hohen persönlichen Energielevel zu begegnen?

Die Rahmenbedingungen des mittleren Managements haben sich in den letzten Jahren verändert. Die Bedeutung für den Einzelnen wird dabei häufig unterschätzt. Im Zuge des Lean Managements wurde das mittlere Management immer mehr verschlankt, viele Führungs­positionen einfach wegrationalisiert. Auch in der Zukunft stehen die Zeichen eher auf "Kostensparen". Als Folge vergrößert sich das Arbeitsvolumen für den Einzelnen, der Druck steigt. Verständlicher­weise kann dies auch einen entscheidenden Einfluss auf die Arbeits­qualität haben. Immer weniger Mittelmanager müssen immer mehr Entscheidungen treffen, ein größeres Arbeitsvolumen bewältigen und die ihnen von oben vorgeschriebenen Ziele in einer noch geringeren Zeit, vielleicht sogar mit einer reduzierten Mannschaft, realisieren. Die Sorgfalt bleibt ebenso auf der Strecke, wie die Zufriedenheit des Ein­zelnen über die erbrachte Leistung.

Das mittlere Management als Fundament und wichtiges Bindeglied zwischen Top-Management und Mitarbeitern wird zermürbt. Was passiert mit der Schicht im Unternehmen mit der höchsten fachlichen Kompetenz, die seit jeher als Innovationsquelle galt und die Realisie­rung der Unternehmensziele sicherte. Die Problematik, in der sich das mittlere Management befindet ist klar: Immens hoher Druck, perma­nente Überforderung, bei gleichzeitiger Angst, ebenso eines Tages wegrationalisiert zu werden, schafft einen hohen Stressfaktor. Diesem ist nur durch ein persönliches Energie-Management beizu­kommen. Erleichterung schaffen häufig schon kleine aber wirksame Maßnahmen, die es ermöglichen, die endlichen persönlichen Res­sourcen effektiv und effizient einzusetzen und sich nicht "aufzurei­ben".

Energie für langfristige Spitzenleistung

Berufliche Spitzenleistung ist untrennbar mit der Balance aller Lebensbereiche verbunden. Nach einem langen Tag am Schreib­tisch ist ein Waldlauf oder ein Sparziergang sicherlich die bessere Strategie, als sich faul vor den Fernseher zu setzen. Nach einer län­geren Geschäftsreise trägt ein Kurzurlaub, bei dem man ungeteilt seine Zeit dem Ehepartner und den Kindern widmet, zur persönlichen Balance und letztendlich zur Spitzenleistung danach bei. Sicherlich ein hoher Anspruch, aber der einzig mögliche Weg, um langfristig Spitzenleistung erbringen zu können.

Kurzfristig, beispielsweise beim Abschluss eines Projektes oder bei einer Produkteinführung, ist ein Arbeiten jenseits jeglicher Balance sicher machbar bzw. oft unvermeidbar. Der Ehepartner verzeiht die unzähligen Überstunden und der eigene Körper reagiert noch nicht sofort auf einen Mangel an Bewegung oder auf eine unausgewo­gene Ernährung. Wenn man sich jedoch langfristig einseitig auf einen Lebensbereich fokussiert, gerät allzu oft das Leben aus seinen Bah­nen. Das Ziel, jahrelang mit extrem hoher Intensität zu leben, ist nur für den erreichbar, der sich die Erkenntnisse aus dem Hochleistungs­sporttraining zu nutze macht: In den letzten Jahren wurden dort die größten Erfolge nicht durch eine Erhöhung der Trainingsintensität, sondern durch eine Intensivierung der Entspannungsphasen erreicht. Dieses Energiemanagement für Spitzensportler lässt sich auf physi­schem, mentalem und emotionalem Gebiet auch auf die Situation der Mittelmanager übertragen.

Denkbremsen für ein konstruktives Energiemanagement

Die Energie, die ein Mensch beruflich oder privat für sein Leben und sein Handeln zur Verfügung hat, ist entscheidend für seinen Erfolg. Um den Anforderungen im mittleren Management gewachsen zu sein, ist es nicht nur wichtig, körperlich fit und wach zu sein, sondern gerade auch, die mentale und emotionale Leistungsfähigkeit hoch zu halten. Oft jedoch fühlen wir uns von unserem Arbeitsalltag über­wältigt und wir kommen müde und kaputt nach Hause. Den Füh­rungskräften der mittleren Ebene fehlt, wenn sie einmal ehrlich über ihre Situation nachdenken, oft nicht die Zeit, etwas mit der Familie zu unternehmen oder ein Hobby auszuüben, meist fehlt ihnen schlicht­weg die Energie.

Keines der Alltagsrezepte für Stressmanagement hilft wirklich, die Energie zu optimieren und dem Stress und den Herausforderungen des Alltags souverän gerecht zu werden. „Arbeite weniger. Lerne Yoga oder eine Entspannungstechnik. Gönne dir mehr Ruhe am Wochenende. Und vor allem iss gesünder...“ In jeder Aussage liegt ein wahrer Kern. Manchmal sollten wir kürzer arbeiten und eine gesündere Ernährung kann nie schaden. Doch die Haupt-Denkbremsen für ein konstruktives Energiemanagement bleiben be­stehen: Erstens glauben viele Menschen, alle hätten einen Energie­tank, dessen Größe von Geburt an fixiert sei. Und zweitens gilt in unserer Gesellschaft Stress als Energieräuber, egal, in welcher Form auch immer der Alltag an uns nagt.

Eine ganz andere Sichtweise zum Thema Energie ergibt sich, wenn wir ein Beispiel aus dem Sport betrachten. Ein trainierter Marathon­läufer hat keineswegs einen wesentlich größeren Energietank als ein untrainierter Jogger. Die Menge des Glykogens, also des Energiere­servoirs, das in den Muskeln gespeichert werden kann, ist bei jedem Menschen ungefähr gleich. Vielmehr ist seine Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen und diesen in Energie zu wandeln wesentlich größer. Training ist das Zauberwort und gleiches gilt hier für das Energie- und Stressmanagement der Führungskräfte. Dabei ist eine Grundregel aus der Biologie sehr hilfreich: „Starke Reize führen zur Anpassung, schwache Reize führen zur Verkümmerung und überstarke Reize zer­stören.“

1. Das Wissen über den aktuellen persönlichen Energiestatus

Der erste entscheidende Schritt für ein konstruktives Energietraining ist das Wissen um den eigenen, aktuellen Energiestatus. Ähnlich, wie wenn beim Benzintank des Autos die Kontrolllampe zur Reserve an­geht, sollte man auch beim persönlichen Energiestatus sozusagen die Verbrauchsanzeige dazuschalten, um zu wissen, wie viel Energie verbrauche ich momentan und wie viel hab ich noch, bis ich end­gültig „liegen bleibe“.

Viele Menschen sind sehr überrascht, wenn sie erstmals erfahren, was der einzige Energie-Indikator ist, und vor allen Dingen, wie man ihn richtig liest. Emotionen und die Sprache unserer Emotionen sind die einzigen Indikatoren, die wir haben, um zu wissen, wie es um unseren Energiezustand bestellt ist. Müdigkeit, Lustlosigkeit, Schlafprobleme oder das ständige Gefühl, wie ein Hamster im Rad zu laufen – all diese Empfindungen wurden früher als Motivationsprobleme identifi­ziert. Stattdessen sind sie gerade im mittleren Management regel­mäßig ein Zeichen von Übertraining und Überlastung. Wenn also beispielsweise ein Manager der mittleren Führungsebene in einem großen Projekt, nach einer langen Vorbereitungsphase, plötzlich wenig konzentriert und fast schon lustlos an die Umsetzung geht oder auch besonders aggressiv mit Mitarbeitern umgeht, keinen Appetit hat und an Schlaf schon überhaupt nicht zu denken ist, und im Kopf kreist alles nur noch um diese negativen Gedanken (Das werden wir sowieso nicht schaffen!), dann braucht er keinen Motivationsspezia­listen, sondern jemanden, der ihm hilft, diesen Energieindikator richtig zu lesen und die persönlichen Ressourcen wieder auf- bzw. auszu­bauen.

2. Rituale sichern Grundversorgung – gerade in Stress-Situationen

Sowohl Über- wie auch Unterforderung auf körperlichem, mentalem und emotionalem Gebiet schwächen also unsere Energie. Müdigkeit und Lustlosigkeit, Konzentrationsschwäche oder emotionale Unaus­geglichenheit sind keine Zeichen mangelnder Motivation, sondern zeigen vielmehr, dass unser Energiehaushalt ins Ungleichgewicht ge­kommen ist. Wenn Führungskräfte ihren Energielevel, also die Stress­verarbeitungsfähigkeit erhöhen möchten, dann sollten sie aktiv nach „Stress“ suchen und selbst unerwartete Stress-Situationen als Trai­ningsgelegenheiten schätzen lernen.

Wichtig dabei ist, nicht die Balance aus den Augen zu verlieren. Die entscheidende Komponente dafür ist schlichtweg der Ausgleich der körperlichen Bedürfnisse. Wenn Mittelmanager ein bombensichere­res System zum Energiemanagement für sich aufbauen wollen, dann brauchen sie so genannte Energiemanagement-Rituale, also positive Gewohnheiten, was den Schlaf, die Ernährung, die Flüssigkeits­aufnahme oder die Entspannungstechniken angeht, die sie rituell, also in einer feierlichen Gewohnheit, auch dann praktizieren, wenn der Stress groß wird. Denn egal, wie groß der Stress auch wird, ist durch diese Rituale zumindest die Grundversorgung garantiert.

Machen wir uns nichts vor: Linearität, das Gleichbleiben auf demsel­ben Niveau nach dem Motto: „Ein bisschen Stress ist o. k. - aber bloß nicht zu viel“, behindert in unserer Kultur konstruktives Energiemana­gement. Alle lebendigen Systeme sind im ständigen Wechsel von Anspannung und Entspannung - genau das sichert ja auch das persönliche Wachstum. Allerdings müssen speziell Führungskräfte des mittleren Mana­gements darauf achten, durch Energie-Rituale die persönliche Balance zu halten.

Stress lässt sich nicht immer vermeiden und auf die Rahmenbedin­gungen haben Führungskräfte des mittleren Managements auch nur begrenzt Einfluss. Aufgabe des Einzelnen ist es deshalb, für sich selbst und in seiner Rolle als Mittelmanager, durch geeignete Maßnahmen den persönlichen Energielevel hoch zu halten. So kann er dem tägli­chen Druck standhalten und die an ihn gestellten Aufgaben nicht nur erfolgreich, sondern auf Dauer auch gesund erfüllen.

* Alexander Christiani zählt als Europas Top-Experte für Verkauf und Persönlichkeit zu den gefragten Beratern führender Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport. Sein eigener und der Erfolg seiner Kunden beweisen es: Berufliche Spitzenleistung ist untrennbar mit persönlichem Wachstum, Balance aller Lebensbereiche, Flexibilität und Offenheit verbunden.

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