Entscheidungen treffenWie Mitarbeiter ihre Führungskraft zum Entscheiden bewegen

Entscheidungen werden häufig aufgeschoben. Wenn aber Aufgaben von der Entscheidung der Führungskraft abhängen, geraten Arbeitsprozesse ins Stocken. Was können Mitarbeiter tun, um eine Entscheidung der Führungskraft zu bekommen?

Ihre Teamleitung muss eine Entscheidung treffen, damit es im Projekt vorwärtsgehen kann. Obwohl Sie als Mitarbeiter Ihre Teamleitung auffordern, eine Entscheidung zu treffen, kann sie sich nicht dazu durchringen. Frust macht sich breit. Denn die Arbeit im Projekt kommt nicht voran. Was können Sie tun, um die Entscheidungsfähigkeit Ihrer Führungskraft zu steigern und eine notwendige Entscheidung herbeizuführen?

Entscheidungsfähigkeit hängt von Informationen ab

Wenn Mitarbeiter von Entscheidungen ihrer Führungskraft abhängig sind, muss alles dafür getan werden, um diesen Entscheidungsprozess zu erleichtern. Das geschieht jedoch nicht, wenn ein Mitarbeiter die Führungskraft unvorbereitet oder vor dem versammelten Team zu einer Entscheidung drängt. Wie soll die Führungskraft schnell und richtig entscheiden, wenn sie sich kaum mit dem Thema auseinandergesetzt hat?

Führungskräfte sind auch nur Menschen, die von Informationen abhängig sind. Je besser Sie als Mitarbeiter die für eine Entscheidung notwendigen Informationen aufbereiten, desto leichter kann Ihre Führungskraft eine Entscheidung treffen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei.

Jede Entscheidung muss vorbereitet werden

Der Kern des Problems ist, dass Mitarbeiter eine Entscheidungsfrage und den damit verbundenen komplexen Sachverhalt nach oben weiterreichen. Die Führungskraft ist damit schnell überfordert und vertagt die notwendige Entscheidung. Die Führungskraft schützt sich so selbst. Zu komplexe Fragestellungen mit undurchsichtigen Implikationen und diffusen Vor- und Nachteilen hemmen die Entscheidungsfreude. Dies ist menschlich und verständlich.

Ihre Aufgabe als Mitarbeiter ist es, die Komplexität so gut wie möglich zu reduzieren, um es der Führungskraft so einfach wie möglich zu machen, gute Entscheidungen zu treffen. Deshalb müssen Sie die Entscheidung vorbereiten und dazu alle wichtigen Informationen zusammenstellen. Je besser Ihnen das gelingt, desto eher werden wichtige Entscheidungen auch getroffen und nicht auf die lange Bank geschoben.

Einfachheit statt Komplexität steigert Entscheidungsfreude

Um die Komplexität der jeweiligen Fragestellung zu reduzieren, ist es ratsam, die Probleme zu konkretisieren. Dies setzt oft tiefgehende Recherchen voraus. Zunächst müssen Informationen gesammelt und Fakten zusammengestellt werden. Dann werden diese strukturiert, aufbereitet und verdichtet.

Ziel ist die Reduktion auf nur mehr zwei Entscheidungsoptionen, die anschließend der Führungskraft vorgelegt werden. Dies allein wird jedoch zu wenig sein, um zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen. Für jede Entscheidungsmöglichkeit müssen Sie die relevanten Vor- und Nachteile transparent machen. Außerdem beschreiben Sie etwaige Risiken. Um Ihre Führungskraft zu unterstützen, schaffen Sie damit ein solides Fundament, auf dem Entscheidungen getroffen werden können.

Entscheidungsvorlage erstellen

Folgende Fragen sollten Sie sich als Mitarbeiter stellen, wenn Sie Ihre Führungskraft zu einer Entscheidung motivieren möchten:

  • Habe ich genügend Informationen?
  • Bin ich handlungs- und entscheidungsbefugt, zumindest eine Vorentscheidung zu treffen? Falls nein: Was muss ich tun, um entscheidungsbefugt zu werden?
  • Wurden alle für eine endgültige Entscheidung wichtigen Punkte ausreichend präzisiert?

Aus diesen Punkten heraus sollten Sie zwei Entscheidungsoptionen generieren und damit einhergehende Vor- und Nachteile in einer Entscheidungsvorlage zusammenstellen. Damit können Sie der Führungskraft einen präferierten Handlungsweg vorschlagen. Geben Sie in der Entscheidungsvorlage eine Begründung für diese Präferenz an. Die Beweggründe sollten so transparent wie möglich kommuniziert werden.

Aus Angst, dass sich die Führungskraft nicht entscheiden kann, werden die Risiken der jeweiligen Handlungsoptionen gerne unter den Tisch gekehrt. Das ist der falsche Weg. In Wirklichkeit erleichtert die Auflistung der eventuellen Risiken die Entscheidung.

Risiken und Folgen der Nicht-Entscheidung klarmachen

Wenn Entscheidungen eilen, sollte Sie das auch transparent machen. Zeigen Sie auf, was passiert, wenn keine Entscheidung getroffen wird. Denn dies ist immer eine weitere, vielleicht die schlechteste Entscheidungsoption. Sagen Sie klar, wenn beispielsweise viel Geld verloren geht oder in welchem Ausmaß die eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt wird. Je klarer Sie dies kommunizieren, desto eher wird Ihre Führungskraft bereit sein, sich zu einer Entscheidung durchzuringen.

Entscheidungs-Ping-Pong birgt Gefahren

Neben Ihrer Sicht als Mitarbeiter gibt es in jeder Entscheidungssituation auch die Sicht der Führungskraft. Diese nimmt an, dass die Aufbereitung der Informationen für eine Entscheidung eine Bringschuld des Mitarbeiters ist. Der Mitarbeiter denkt sich, dass es erst eine Entscheidung braucht, bevor er aktiv wird. So stehen im schlimmsten Fall zwei sich fundamental widersprechende Annahmen gegenüber, die zu einem Ping-Pong-Spiel führen. An dessen Ende gibt es keine Sieger und schon gar keine tragfähige Entscheidung. Dieses Statusspiel führt eher zu einer Entschleunigung des Entscheidungsprozesses. Nicht das einzige Problem.

Für alle an diesem Prozess teilnehmenden Personen ist diese Situation extrem frustrierend. Die Führungskraft hat dadurch eine negative Perspektive auf den Mitarbeiter: Fehlt dem Mitarbeiter etwa jegliche unternehmerische Denkermentalität? Und der Mitarbeiter wird unter Umständen denken, dass die Führungskraft nur die Verantwortung abwälzen möchte. Alles in allem trägt diese Situation nicht positiv zum Arbeits- und damit zum Entscheidungsklima bei.

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