Evaluation von Training und Development Programm

Trainings sind nur dann sinnvoll, wenn Gelerntes auch in den Alltag transferiert wird. Evaluationen helfen, dies zu erreichen. Wie das konkret gehen kann, zeigt dieser Beitrag.

Ein zentraler Anspruch an Development Programme lautet: Die Teilnehmer sollen Gelerntes im Alltag anwenden. Optimalerweise geben sie dann auch Impulse an andere Arbeitspartner weiter, sodass sich der Mehrwert des Programms auf die gesamte Organisation ausweitet. Daher wird in der Regel viel Wert daraufgelegt, Programm-Bausteine inhaltlich und formal so zu konzipieren, dass die Chance des Transfers maximiert wird. Hier können systematische Evaluationen der Lerneinheiten unterstützen: Die Evaluationsergebnisse zeigen konkret auf, wie Development Programme kontinuierlich optimiert werden können, damit der Transfer des Gelernten in den Arbeitsalltag gelingt.

Aktuell werden zur Evaluation von Lerneinheiten bereits häufig sogenannte Happy Sheets eingesetzt, die die Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Baustein messen. Die Ergebnisse werden dann genutzt, um die Arbeit der Trainer zu bewerten. Bei fortlaufenden und aufeinander aufbauenden Trainings kann jedoch auch die unmittelbare Einschätzung der Transfermöglichkeiten aus Sicht der Teilnehmer wertvolle Informationen für die weitere Ausgestaltung des Programms liefern.

Feedbacks zur Zufriedenheit und zum Trainingsnutzen

Doch warum beschränken sich Evaluationen häufig auf Happy Sheets oder werden gar nicht durchgeführt? Eine mögliche Ursache ist, dass der Aufwand als hoch wahrgenommen wird. So schlägt Donald L. Kirkpatrick, emeritierter Professor der University of Wisconsin und Experte für die Evaluierung von Bildungsprozessen, eine vierstufige Evaluation vor, wobei die validesten Aussagen bezüglich des Trainingsnutzens erst nach Stufe drei und vier, und somit lange nach Stattfinden des Trainings, getroffen werden können. Laut neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse können auch weniger aufwendige Evaluationsbefragungen aussagekräftige Informationen liefern. Diese Befragungen sollten zwei Komponenten beinhalten und gleich nach dem Training stattfinden:

  • Erhebung der Zufriedenheit der Trainingsteilnehmer, die sogenannte emotionale Reaktion
  • Aufforderung der Teilnehmer, mit dem gleichen Fragebogen Aussagen über den wahrgenommenen Trainingsnutzen mit Blick auf ihren Arbeitsalltag zu treffen

Diese systematische Unterteilung der spontanen Beurteilung ermöglicht es den Programmgestaltern, die Informationen gezielt einordnen und nutzen zu können: Die emotionale Reaktion ist ein wertvolles Feedback für den Trainer zu seiner Wirkung, die Einschätzung des Trainingsnutzens gibt erste Hinweise, inwiefern Form und Inhalt den Lerntransfer fördern.

Eine weitere Befragung der Teilnehmer mindestens drei Monate nach der Durchführung des Bausteins dient der Evaluation des tatsächlichen Verhaltens­transfers. Hier kann den  Teilnehmern ein kurzer Fragebogen via E-Mail zugesandt werden, anhand dessen sie ohne großen Zeitaufwand Aussagen über die Möglichkeit, Gelerntes im Alltag einzusetzen, treffen können. Dieses Verfahren ist sowohl für die Teilnehmer als auch für die Evaluationsverantwortlichen ressourcen­schonend und fördert eine hohe Rücklaufquote.

Die Erfahrung mit diesem systematischen Evaluationsvorgehen zeigt, was auch aktuelle Forschungsergebnisse verdeutlichen: Es gibt einen hohen Zusammenhang zwischen der Einschätzung des Trainingsnutzens direkt nach der Durchführung des Trainings (Stufe 1) und der Einschätzung des Verhaltenstransfers zu einem späteren Zeitpunkt (Stufe 2). Die unmittelbare Einschätzung des Trainingsnutzens aus Sicht der Teilnehmer ist somit ein guter Indikator für die tatsächliche Transfermöglichkeit. Daher kann man auch die Ergebnisse der ersten Evaluation direkt im Anschluss an das Training nutzen, um Lessons Learned für die weiteren Programm-Bausteine abzuleiten.

Zudem besteht die Möglichkeit, die quantitative Auswertung der Fragebogenergebnisse direkt nach der Durchführung als Basis zu nutzen, um mit den Teilnehmern gemeinsam über Ursachen und Konsequenzen für den weiteren Verlauf zu diskutieren. Hierbei kann die Anonymität der Bewertungen gewahrt werden, indem die Programmverantwortlichen zentrale Aussagen und Ergebnisse bündeln und diese allgemein hinterfragen. Neben einer Bereicherung der Ergebnisse um Zusatzinformationen bietet diese Diskussion auch gleichzeitig eine weitere Plattform für Dialog mit den Teilnehmern. Die Teilnehmer können sich auf diese Weise verstärkt einbringen und an der Programmausgestaltung aktiv mitwirken. So wird ihre Eigenverantwortung, ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor von Development Programmen, gefördert.

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