FamilienunternehmenBeiräte gewinnen an Bedeutung

Die Professionalität der Arbeit von Beiräten in deutschen Familienunternehmen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. So steigt die Zahl der Unternehmen, die einen Beirat eingerichtet haben, zunehmend und die Kompetenzen der Gremien werden stetig erweitert.

Darüber hinaus werden die Beiräte mehr und mehr mit familienexternen Experten mit unternehmerischer Erfahrung besetzt. Ihre Kernaufgaben liegen vor allem in der Begleitung und Kontrolle strategischer Unternehmensentscheidungen, im Konfliktmanagement und in der persönlichen Beratung der Inhaber und ihrer Nachfolgegeneration. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Studie "Beiräte in Familienunternehmen".

Dr. Christoph Achenbach, geschäftsführender Gesellschafter der INTES:

"Die aktuelle Studie zeigt, dass die deutschen Familienunternehmer für ihre Beiräte immer öfter externe Experten mit unternehmerischer Erfahrung auswählen. Sie suchen Persönlichkeiten, die strategische Entscheidungen aktiv begleiten und im Krisenfall wie Tod oder schwerer Krankheit des geschäftsführenden Gesellschafters auch führen können. Nicht selten kommt den Beiräten die Rolle als Bindeglied zwischen den Generationen oder als Mittler bei Konflikten innerhalb der Familie oder zwischen Gesellschaftern und Fremdgeschäftsführern zu. Die Qualität der Beiratsarbeit in Familienunternehmen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die zunehmende Verknüpfung der Besetzung von Beiräten mit konkreten unternehmerischen Zielen hat in besonderem Maße dazu beigetragen."

Prof. Dr. Peter May, Gründer der INTES, unterstreicht:

"Viele Familienunternehmen haben den nächsten konsequenten Schritt der Professionalisierung absolviert. Ihre Beiräte sind nicht länger rein dekorative Elemente, sondern vielmehr aktives Instrument gelebter Good Governance. Dabei können insbesondere die Good Governance-Champions durchaus als Vorbilder für unsere Publikumsgesellschaften gelten."

Jan Eiben, INTES Stiftungslehrstuhl für Familienunternehmen an der WHU:

"Obwohl die meisten Familienunternehmen keine juristische Verpflichtung haben, eine aktive Kontrollinstanz im Unternehmen zu etablieren, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine zukunftssichernde Unternehmensführung nahezu untrennbar mit der Einführung und aktiven Nutzung eines kompetenten Beirates verbunden ist."

Verbesserungspotenziale bei der Effizienzprüfung

Grundsätzlich belegt die Studie die Existenz einer evolutionären Entwicklung bei den Beiratsgremien in Familienunternehmen. Je älter ein Familienunternehmen ist und je mehr Umsatz erzielt wird, desto stärker entwickelt sich der Beirat von einem beratenden hin zu einem aufsichtsratsähnlichen Gremium mit überwiegend externen, neutralen Mitgliedern.

Weiter ergab die Studie, dass die Familienunternehmer im Durchschnitt mit ihrem Beirat zufrieden sind. Auf einer Schulnotenskala lag der durchschnittliche Zufriedenheitsgrad bei 2,1. Fast drei Viertel aller Befragten beurteilen die Arbeit ihres Beirats als "gut" oder sogar "sehr gut". In nur knapp vier Prozent der Fälle werden die Noten "mangelhaft" oder "ungenügend" vergeben.

Trotz dieser positiven Beurteilung werden auch Verbesserungspotenziale deutlich. So beruhen die Angaben zur "Zufriedenheit" überwiegend auf der eigenen Selbsteinschätzung der Familienunternehmer. Professionelle Effizienzprüfungen durch neutrale Experten, wie sie bei Publikumsgesellschaften bereits Standard sind, sind derzeit noch selten.

Zur Studie

Die Studie wurde von INTES gemeinsam mit der WHU - Otto Beisheim School of Management und "Die Familienunternehmer - ASU" durchgeführt und ist die aktuell umfangreichste Erhebung empirischer Daten zu Beiräten in Familienunternehmen.

Knapp jedes fünfte der befragten Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz bis 10 Millionen Euro, 34 Prozent liegen im Bereich von 10 bis 50 Millionen Euro, weitere 37 Prozent erzielen einen Umsatz von 50 bis 500 Millionen Euro und immerhin 9 Prozent erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro.

[po; Quelle: INTES; Bild: Fotolia.com]

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