FeedbackPositiver Umgang mit Leistungsbeurteilungen

Regelmäßige Beurteilungen können Rückmeldung über die eigene Leistung geben. Sie können sogar wichtige Anhaltspunkte liefern, wie man seine Arbeit verbessern und dadurch die Chancen für eine Beförderung erhöhen kann – wenn man den richtigen Umgang mit Feedback beherrscht. Wenn nicht, sollte man als Mitarbeiter oder Vorgesetzter nicht resignieren, sondern ihn erlernen.

Viele Mitarbeiter versuchen, Leistungsbeurteilungen aus Angst vor Kritik zu umgehen. Die Kritik würde negative Gefühle auslösen, vor denen sich jeder schützen möchte. Vorgesetzte dagegen fürchten Wut und emotionale Reaktionen ihrer Mitarbeiter auf Kritik. Diese Versuche, kritische Beurteilungen zu vermeiden, führen zu unterschiedlichen – bewussten und unbewussten – schädlichen Verhaltensweisen:

  • Aufschub von Feedback-Gesprächen und Verzögerung wichtiger Aufgaben und Projekte;
  • Verleugnung der Realität im Unternehmen oder die Folgen dieser Wirklichkeit für die eigene Situation;
  • Grübeln über vermeintliche Überforderung, Passivität und Selbstisolation;
  • Neid gegenüber erfolgreichen Kollegen;
  • Selbst-Disqualifizierung durch unüberlegtes und unbedachtes Handeln.

All diese Reaktionen auf befürchtete Negativbeurteilungen führen in einen Teufelskreis. Die Gefahr schlechterer Leistungen und negativer Rückmeldungen wächst. Die schlechten Gefühle nehmen zu. Dies vergiftet das Arbeitsklima und schadet Vorgesetzten wie Untergebenen. So kann es beispielsweise passieren, dass man seinem Frust über den Chef bei Kollegen Luft macht, während dieser in Hörweite ist. Daher gilt es für beide Parteien, solche Verhaltensweisen zu vermeiden und angemessene Reaktionsmuster zu erlernen.

1. Schritt: Sich an regelmäßiges Feedback gewöhnen

Sich auf die Situation regelmäßiger Leistungsbeurteilungen einzulassen, erfordert eine positive Einstellung zum Feedback und bei Mitarbeitern Bereitschaft zur Veränderung. Dies können betroffene Personen lernen. Der erste wichtige Schritt ist es, die eigenen Emotionen und Reaktionen darauf zu erkennen. Dieser Prozess kann langwierig sein und ist nur möglich, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.

Meistens ist Unterstützung durch Außenstehende hilfreich. Dies trifft vor allem für die Beurteilten zu. Ideal ist es, wenn mindestens zwei unabhängige Vertraute zuhören, unterstützen und Vorschläge machen.

Anschließend sollte man versuchen, die Feedback-Situation neu, also positiv zu bewerten und destruktive Verhaltensmuster zu vermeiden. Wer Bewertungen nicht als Gefahr sondern als Chance zur Verbesserung versteht, kann sie zu seinem Vorteil nutzen.

Kritik macht vielleicht auf unbemerkte Probleme aufmerksam. Diese lassen sich lösen. Andernfalls können sie den Anstoß geben, in letzter Konsequenz auch über einen Jobwechsel nachzudenken. In beiden Fällen ist es besser, aktiv zu werden, als in Resignation oder Passivität zu verharren.

Hilfreich für einen positiven Umgang mit Feedback ist eine Strategie der kleinen Schritte. Eine große Veränderung ist in wenigen Tagen nicht zu bewältigen. Besser ist es, sich kleinere Etappen als Ziel zu stecken, die in einer angemessenen Zeit erreicht werden sollen. Dabei sollte man mit einfacheren Aufgaben beginnen und sich langsam steigern.

Um sich selbst zum Durchhalten zu motivieren, sollte man sich für jede erreichte Zwischenetappe jeweils angemessene Anreize setzen und selbst belohnen. Dadurch sind Beurteilungen nicht ausschließlich mit negativen Gefühlen besetzt. Außerdem führt man sich so die eigenen Fortschritte bewusst vor Augen.

2. Schritt: Mitarbeiter sollten Beurteilungen aktiv einholen

Wer sich auf die Feedback-Situation eingestellt hat und damit umgehen kann, sollte den nächsten großen Schritt wagen: Beurteilungen selbst suchen und aktiv einholen. Auch hier sollte man in kleinen Schritten vorgehen.

Zunächst gilt es, durch Selbsteinschätzung die wichtigsten Aufgaben des Jobs zu erkennen und sich an informelle Rückmeldungen von Mitarbeitern, Untergebenen und Kunden in der Vergangenheit zu erinnern. Dies können nicht nur Worte sondern ebenso Gestik, Mimik oder Schweigen sein. Auch in dieser Phase ist es wichtig, die zuvor erlernten Techniken zum Umgang mit möglichen negativen Erkenntnissen und Gefühlen anzuwenden.

Im nächsten Zwischenschritt sucht man Feedback von außen. Zunächst kann es hilfreich sein, einige Vertraute aus dem Kollegenkreis um Beurteilung seiner eigenen Stärken und Schwächen zu bitten. Dies kann eine „Übung für den Ernstfall“ sein oder schon Anhaltspunkte zur Verbesserung geben, vor allem aber auf das folgende Gespräch mit dem Vorgesetzten vorbereiten.

Vielleicht sind schon durch die Selbsteinschätzung und die Rückmeldung durch Kollegen Fragen aufgetaucht. Dann sollte der Vorgesetzte dies schon im Voraus wissen; ebenso, dass Kritik und Verbesserungsvorschläge erwünscht sind und angenommen werden. Während des Gesprächs selbst sollten beide Seiten ruhig bleiben. Wer nervös ist, sollte die Aufregung möglichst nicht Überhand nehmen lassen.

Im Anschluss an das Treffen mit dem Vorgesetzten muss der Beurteilte das Gesagte annehmen und begreifen. Zunächst mag dies unangenehm sein. Man sollte allerdings versuchen, die eigenen negativen Gefühle zu erkennen. Dann kann – wie bereits im ersten Schritt – die Situation positive Aspekte gewinnen und zur Veränderung genutzt werden.

Der letzte Teil eines aktiven Feedback-Prozesses ist es, Schlüsse aus den Aussagen des Vorgesetzten zu ziehen, entsprechende Pläne zu entwickeln und sie in Handlungen umzusetzen. Diese Handlungen können im Falle unlösbarer Probleme oder Differenzen sogar einen Arbeitspatzwechsel oder berufliche Umorientierung beinhalten. Das Wichtige ist jedoch immer, negative Gefühle zu verstehen, Bewertungssituationen neu zu definieren und Feedback als Chance zu nutzen. Solche Verhaltensmuster können selbst im Privatleben zu einem positiveren Umgang mit anderen und sich selbst führen.

Quelle und weitere Informationen: Jay M. Jackman und Myra H. Strober. Fear of Feedback. HBR 4/2003.

[mg; Bild: Fotolia]

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