FinanzierungForderungsverkäufe erhöhen die Liquidität

Wie kann der finanzielle Spielraum eines Unternehmens erweitert werden, ohne gleich Haus und Hof verpfänden zu müssen? Für Mittelständler bietet sich das Instrument des Verkaufs offener Forderungen an. So lässt sich Liquidität steuern und auch die Hausbank profitiert davon.

Ein mittelständisches Unternehmen hat einen vorübergehenden Liquiditätsengpass – zum Beispiel, weil es mehrere Großaufträge vorfinanzieren muss. Oder weil es mit einigen Großkunden lange Zahlungsziele vereinbart hat. Also wendet sich der Inhaber des Unternehmens an seine Hausbank mit der Bitte, die Kreditlinie zu erhöhen. Der Firmenkundenbetreuer würde dem Unternehmer gerne helfen, denn er weiß: Der Betrieb ist gesund. Seine Auftragsbücher sind voll und in drei oder vier Wochen wird das Unternehmen wieder ausreichend Kapital besitzen – bis in einigen Monaten das Liquiditätsproblem voraussichtlich erneut auftaucht.

Der Firmenkundenbetreuer kann dem Unternehmer aber nicht helfen. Denn er darf die Kreditlinie nicht erhöhen. Dies würden die Eigenkapitalrichtlinien der Bank nur gestatten, wenn der Unternehmer Haus und Hof verpfänden würde. Wie kann also der Liquiditätsengpass behoben werden? Oder noch besser: Wie kann dafür gesorgt werden, dass ein solcher Engpass künftig nicht mehr auftritt? Eine Möglichkeit hierzu ist der sogenannte Forderungsverkauf.

Liquidität steuern

Im europäischen Ausland ist dies ein weit verbreitetes Mittel, um die Liquidität von Unternehmen zu sichern. In Frankreich werden pro Jahr Forderungen im Wert von fast 100 Milliarden Euro verkauft; in England sogar von 240 Milliarden Euro. In Deutschland hingegen fristet dieses Finanzierungsinstrument noch ein Mauerblümchen-Dasein, vor allem weil noch wenige Banken diese Dienstleistung anbieten. Entsprechend gering ist das Wissen über dieses Finanzierungsinstrument.

So fürchten manche Unternehmen, ein Forderungsverkauf könne ihrem Image schaden, wirtschaftlich gesund zu sein. Diese Befürchtung ist unbegründet, denn ein Unternehmen verschuldet sich nicht, wenn es offene Forderungen verkauft. Es verkauft vorhandene Aktiva. Dessen ungeachtet muss der Forderungsverkauf gewisse Grundbedingungen erfüllen, wenn es für Unternehmen ein geeignetes Instrument zum Steuern der Liquidität sein soll:

  • Es darf die Beziehung zu den Partnern des Unternehmens (Kunden, Banken, Lieferanten) nicht belasten.
  • Es muss jederzeit nutzbar sein, so dass die Verantwortlichen es bei der Finanzplanung gezielt einsetzen können.

Diese Anforderungen erfüllt eine, Securitisation genannte, Form des Forderungsverkauf. Hierbei werden die von mehreren Unternehmen aufgekauften Forderungen gebündelt in einen bankenunabhängigen Fonds eingebracht. Sie sind also am Kapitalmarkt refinanziert. Deshalb können die Unternehmen die verkauften offenen Forderungen sofort als Guthaben verbuchen. Dadurch steigt ihre Liquidität und ihre Eigenkapitalquote, wodurch sich auch ihr Rating verbessert. Bei dieser Form des Forderungsverkaufs verbleibt zudem das Mahnwesen beim Unternehmen. Es muss seinen Kunden nur ein anderes Konto für die Überweisungen nennen.

So funktioniert ein Forderungsverkauf

Wie diese Art des Forderungsverkaufs funktioniert, sei an einem fiktiven Beispiel illustriert: Der Kreditrahmen des fiktiven Unternehmens „Schaff-viel“ ist immer wieder weitgehend ausgeschöpft, während es zugleich hohe Außenstände hat. Diese Liquiditätsengpässe möchte der Inhaber künftig vermeiden, um einen größeren unternehmerischen Handlungsspielraum zu haben. Also kontaktiert er einen Spezialisten, der sich auf den Ankauf von Forderungen mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat.

Der Inhaber von „Schaff-viel“ teilt mit, von welchen Debitoren sein Unternehmen gerne Forderungen verkaufen möchte, zum Beispiel, weil es mit ihnen lange Zahlungsziele vereinbart hat oder weil die offenen Forderungen eine bestimmte kritische Höhe überschreiten. Das Unternehmen bestimmt also selbst, von welchen Kunden es Forderungen verkauft. Daraufhin werden die ausgewählten Kunden bezüglich ihrer Bonität und Zahlungsmoral bewertet.

Außerdem wird mit „Schaff-viel“ für jeden Kunden ein Limit vereinbart, bis zu dem der Forderungsspezialist Forderungen an ihn aufkauft. Aus der Addition der Limits ergibt sich der Gesamtbetrag, bis zu dem ein Forderungsverkauf möglich ist, abhängig vom Liquiditätsrahmen, den „Schaff-viel“ benötigt. Dieser Betrag wird in einem Rahmenvertrag festgeschrieben. Hat nun „Schaff-viel“ eine Forderung an einen der ausgewählten Kunden, dann tritt das Unternehmen diese an den eingeschalteten Spezialisten ab.

Parallele zum Dispokredit

So verfährt "Schaff-viel" mit allen Forderungen, die gegenüber den im Rahmenvertrag fixierten Kunden entstehen, und zwar so lange, bis das vereinbarte Limit erreicht ist. Dann kann das Unternehmen entweder das Limit erhöhen oder es wartet, bis der Kunde abgetretene offene Forderungen beglichen hat. Dann kann das Unternehmen wieder offene Forderungen verkaufen. Hierfür ein Beispiel:

Nehmen wir an, für den Kunden A legte „Schaff-viel“ im Rahmenvertrag ein Limit von 60.000 Euro fest und von den bereits verkauften Forderungen sind noch 50.000 Euro offen. Dann kann „Schaff-viel“ noch Forderungen im Wert von 10.000 Euro verkaufen. Zahlt nun der Kunde aber eine Rechnung über 20.000 Euro, dann erhöht sich dieser Betrag automatisch wieder auf 30.000 Euro. Der Forderungsverkauf funktioniert also ähnlich wie ein Dispokredit. Der Vorteil für das Unternehmen: Es muss nicht bei jeder neuen offenen Forderung nachfragen, ob ein Forderungsverkauf möglich ist. Es hat vielmehr eine feste Planungsgrundlage zum Steuern seiner Liquidität.

Viele Vorteile – auch für die Hausbank

Ein Forderungsverkauf in der oben skizzierten Form hat für mittelständische Unternehmen zahlreiche Vorteile: Das Unternehmen hat eine vertraglich fest fixierte und somit zuverlässige zweite Finanzierungsquelle. Das erhöht den unternehmerischen Handlungsspielraum. Zudem steigt die Liquidität, weshalb es auch mit seinen Lieferanten bessere Konditionen aushandeln kann. Hinzu kommt: Dadurch, dass das Unternehmen die verkauften Forderungen unmittelbar auf der Habenseite verbuchen kann, steigt seine Eigenkapitalquote.

Hierdurch verbessert sich auch sein Rating. Das Unternehmen kommt also leichter und günstiger an Kredite. Zudem kann es gegenüber den Banken selbstbewusster agieren. Und dies – und das ist wichtig – ohne die Beziehung zur Hausbank zu belasten. Der Grund: Da der Forderungsverkauf bankenunabhängig erfolgt, muss die Hausbank nicht befürchten, dass das Unternehmen mittelfristig seine Geschäftsbeziehung auflösen möchte.

Kontakt:
HAWK Deutschland GmbH
Darmstädter Str. 240
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Tel.: 06251-854990
E-Mail: holger.schmidt@hawkfinance.de
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