Finanzierung im Mittelstand mit Akquisitionen und Eigenkapital

Börsengänge sind derzeit keine Option für Mittelständler, meint Finanzexperte Lutz Weiler. Besser in Zukäufe investieren und das Eigenkapital stärken.

Herr Weiler, was bedeuten die momentane Schuldenkrise und die Achterbahnfahrt an den Börsen eigentlich für die Finanzierung eines deutschen Mittelständlers?
Natürlich ist die Finanzierung über die Kapitalmärkte aktuell deutlich beeinträchtigt. Das klassische Instrumentarium der Kapitalaufnahme für börsennotierte Unternehmen ist momentan de facto ausgeschaltet. Im Klartext: Börsengänge sind angesichts des Sturms, der an der Börse tobt, kurzfristig kaum realisierbar. Wenn momentan ein IPO gelingen sollte, dann wohl nur mit größeren Abschlägen auf den fairen Unternehmenswert. Je nach Dauer, weiterem Ausmaß der Verwerfungen an den Märkten und dem damit fehlenden Vertrauen der Anleger, könnte sich das Finanzierungsfenster über die Börse durchaus auch für längere Zeit wieder schließen. Gerade Unternehmen, die sich bereits in der konkreten Vorbereitung auf einen Börsengang befinden, sollten sich auch über alternative Finanzierungsoptionen Gedanken machen.

Welche Alternative für Mittelständler, die ihre Eigenkapitalausstattung verbessern wollen, gibt es dann?
Unternehmen beziehungsweise deren Eigentümer, die bereits Pläne für einen Börsengang haben, sollten in der aktuellen Situation zweigleisig fahren. Ein so genannter Dual Track - also die parallele Vorbereitung eines Börsengangs sowie eines außerbörslichen Verkaufs von Unternehmensanteilen - erhöht in unsicheren Marktzeiten die Flexibilität für die Entscheidungsträger. Hinzu kommt: Private Equity Fonds unterschiedlicher Couleur und Herkunft bewegen sich entgegen früherer Usancen auch wieder in Richtung Minderheitsanteile. Geld ist dort durchaus vorhanden, einige Fonds müssen sogar investieren.

Ein Mittelständler sollte sich also durchaus fragen, ob nicht gerade jetzt der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, die Kapitalbasis zu stärken. Eigenkapital von externen Investoren kann dabei helfen, für die sich eventuell abzeichnende Abschwächung des Wirtschaftswachstums gut gewappnet zu sein. Die letzte Krise hat für viele schmerzlich gezeigt, dass ausreichend Eigenkapital ein lebensnotwendiger Baustein für viele Mittelständler ist, wenn die Gewinne mal ausbleiben. Da gilt es rechtzeitig vorzusorgen.

Ist das zuletzt boomende Segment der Mittelstandsanleihen ebenfalls tangiert vom Crash an den Finanzmärkten?
Die Kursverläufe der notierten Mittelstandsanleihen zeigen, dass es dort bereits den einen oder anderen Bremspunkt gibt. Von daher sieht es danach aus, als würde diese Asset-Klasse ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Für Anleger, die sich hier ob der hohen Zinsen weiterhin engagieren wollen, gilt nun: Sollte sich die Wirtschaft ab 2012 wieder abschwächen - und danach sieht es momentan ja aus - sollte bei den Emittenten noch stärker auf die Rückzahlungsfähigkeit geschaut werden. Auch dem Rating wird aus diesem Grund nach meiner Ansicht zukünftig eine höhere Bedeutung zukommen als dies in der Vergangenheit bei den Mittelstandsanleihen der Fall war. Für die Unternehmen sind Anleihen grundsätzlich sicher weiterhin eine Option im Rahmen des Finanzierungsmix. Nur gilt es eben, genau diese Themen wie Kapitaldienstfähigkeit oder Fälligkeitsprofile genau darzustellen.

Was raten Sie einem Mittelständler, der strategische Akquisitionen ins Auge fasst, in der aktuellen Situation? Erst einmal abwarten?
Im Gegenteil: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu kaufen. Strategische Investoren verfügen in der Regel über gut gefüllte Kassen und könnten die aktuelle Marktschwäche nutzen, um ihr Geschäft sinnvoll zu ergänzen. Von Vorteil könnte sein, dass nicht mehr so hohe Preise aufgerufen werden wie noch in der ersten Jahreshälfte. Dieses „Window of Opportunity" bliebe bei anhaltendem Kursverfall so lange geöffnet, bis die Verkäufer nicht mehr bereit sind, für rückläufige Preise zu verkaufen. Es bietet sich also gerade eine gute Möglichkeit, die nicht von Dauer sein wird. Daher glaube ich, dass einige solide aufgestellte Unternehmen davon Gebrauch machen werden und somit die Anzahl der Fusionen und Übernahmen in den nächsten Monaten zunehmen wird.

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