FlexibelE-Learning ermöglicht Weiterbildung an jedem Ort

Um beruflich weiterzukommen, ist lebenslanges Lernen ein Muss. Doch Seminare nehmen oft viel Zeit in Anspruch, die nicht jedem zur Verfügung steht. Deshalb nutzen immer mehr Mitarbeiter E-learning-Angebote. Diese Form des Lernens ist sehr flexibel, da nahezu überall und zu jeder Zeit gelernt werden kann.

Viele machen es in der U-Bahn oder auf dem Flughafen. Mancher liebt es abends im Bett. Frauen stehen auch drauf, wenn sie es im Büro machen können – die meisten Männer übrigens auch. Was sich liest wie die neuste Sex-Umfrage, ist in Wahrheit viel nüchterner. Es geht ums Lernen. Um lebenslanges Lernen, um genau zu sein. Was Politik und Wirtschaft lautschreierisch immer wieder fordern, ist für viele Menschen bereits alltäglich. Sie lernen nebenbei. Virtuell. Ob über den iPod eine Fremdsprache, die direkt ins Ohr geht, oder über den Klapprechner zuhause auf dem Sofa. Immer öfter sogar am Firmen-PC, während der Arbeitszeit. Überall und vor allem wann er will, kann der Wissbegierige heute lernen.

Doch bringt die Dauerbeschallung via Intranet oder mobil auf den Blackberry überhaupt den gewünschten Lernerfolg? "Auf jeden Fall", meint zumindest Stefan Janssen, Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum und Benelux bei SkillSoft. Der Düsseldorfer Chef des weltweit agierenden E-Learning-Anbieters ist naturgemäß ein Fürsprecher des Immer-und-überall-Lernens. Doch wer ihm zuhört, erfährt Erstaunliches: E-Learning sei in den Köpfen der Konzerne und im Mittelstand angekommen, sagt er und liefert ein Beispiel: Immer mehr Assistentinnen lernen Office-Updates online im Büro und nicht mehr in Tagesseminaren. Und sei eine Mitarbeiterin einmal mit der Methode vertraut, so könne sie neue Kalkulationsmodelle über ein Programm mit Videoanimationen lernen.

Oder in der Produktion: Der Esslinger E-Learning-Anbieter Festo Didactic hat Software-Module im Programm, in denen er das Innenleben und die Funktionsweise beispielsweise eines Ventils filmisch darstellt. Lernerfolge stellen sich ein, wenn Testfragen im Anschluss das Wissen der Produktionsmitarbeiter checken. Über einen Classroom-Manager können die Lernerfolge sogar gemessen werden. Und bei einer Spielzeit von ein- bis eineinhalb Stunden pro Sequenz können Mitarbeiter das Modul dann anschauen, wenn sie ein Problem lösen müssen. Das ist Know-how-Lieferung Just-in-time.

Natürlich spart diese Lernform Kosten. Beispielsweise streichen Firmen teure Tagesseminare und kaufen stattdessen E-Learning-Software, die jeder nebenbei anwenden kann. Was wenig arbeitnehmerfreundlich klingt, birgt jedoch Chancen in sich, wie der Nürtinger Rhetoriktrainer Peter Flume feststellt:

"Mittlerweile sind ganze Enzyklopädien und Bibliotheken digitalisiert, sodass sie über Suchbegriffe und Navigationssysteme weltweit zur Verfügung stehen."

Und wo sind die Schwächen im System? Peter Flume, der beispielsweise den Versicherer Direct Line in Sachen Kommunikation schult, sieht den Mangel beim fehlenden Tutor:

"Im Gegensatz zu Trainings in der realen Welt sehen sich Schüler und Dozenten beim virtuellen Lernen nicht. Dadurch fehlen Kommunikationsroutinen. Eine Geste mit der Hand, ein bestätigendes Lächeln oder ein Kopfschütteln. Die Gefahr besteht, dass der Lehrer diese wichtigen Signale verliert. Er kann das Verhalten der Lerner schlechter einschätzen."

Die Lösung für diese Dissonanz heißt "Blended Learning". Eine Symbiose der Methoden Präsenz, also Klassenzimmer und Lehrer sowie Virtualität, also Computer und digitalisiertes Buch, Video oder Simulation. Wie das funktioniert, zeigt der japanische Medizingerätehersteller Sysmex. Er schult seine Verkäufer via E-Learning-Module. Grund: Die Leute an der hart umkämpften Kundenfront sind kostbar. Deshalb kann man sie nicht für mehrere Tage irgendwo in Europa zusammenziehen, um sie zu schulen.

Heute erfahren sie per Email, dass es ein neues Produkt gibt, auf dessen Merkmale sie per Passwort im Intranet sofort Zugriff haben. Die Verkaufsargumente können sie während einer Wartezeit auf dem Flughafen oder abends im Hotelzimmer verinnerlichen. Präsenztrainings finden nur noch einmal pro Jahr in Japan statt. Hier tauscht der Außendienst dann von Angesicht zu Angesicht Erfahrungen aus.

Oder die deutsche Großbank, bei der Peter Flume und sein Schweizer Partner mehrere hundert Bankberater via Videosequenzen online für Kundengespräche fit machen, um dann mit echten Schauspielern in einem Tagesseminar die gesehenen Verkaufsgespräche sozusagen am lebenden Objekt einzustudieren. Hier vertiefen die Angestellten im Präsenztraining die gelernten Online-Inhalte.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: E-Learning ist bei vielen Menschen angekommen. Oft ohne, dass sie es merken, weil sie es nebenbei tun. Auf der Suche im Intranet etwa oder in der U-Bahn, wenn sie sich mit weißen Stöpseln im Ohr, einen Podcast anhören.

[Bild: Fotolia.com]

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