FokussierungDas Geheimnis des „magischen Blicks“

Weswegen das, was man tut, nicht gleich das ist, was man meint. Ein Beitrag von Thomas H. Bastian, Bamberg*, der den Blick von Führungskräften zur Problemlösung auf das Wichtige lenkt. Lernen Sie die richtige Sichtweise auszuloten und von ihr aus alles zu überblicken.

Kennen Sie das? Ihre Mitarbeiter beschweren sich, beklagen sich, dass sie zu viele Aufgaben haben, mit der Arbeitsbelastung nicht zurechtkommen, dass ihnen alles zu viel wird. Die Fehlerquote steigt, die Arbeiten werden unzuverlässig erledigt und das Controlling nimmt einen immer größeren Zeitraum ein. Klassischerweise wird nun der Blick auf das Symptom gerichtet. Auf die Aufgaben, auf die Art und Weise, wie diese erledigt werden o.ä. Sie schaffen bessere Strukturen, investieren Zeit und Geld in neue Computersysteme...und was passiert? Es ändert sich nichts. Ihre Mitarbeiter beschweren sich und beklagen sich, dass sie zu viele Aufgaben haben... Sie kennen das ja, alles wiederholt sich und Sie suchen bessere Lösungen und das Rad beginnt sich von vorne zu drehen.

Weil Führungskräfte immer mit den gleichen Augen auf die Situationen blicken, nämlich nur das Symptom im Auge haben, tappen sie immer wieder regelmäßig in diese ausgeklügelten Fallen, die ihnen ihre Mitarbeiter stellen. Wohlwollenderweise gestehen wir hier ein, dass dieses Verhalten den Mitarbeitern nicht bewusst ist, wollen dies aber nicht als Ausrede gelten lassen.

Klassische Verhaltensmuster erkennen

Vergleichen wir diese endlose Schleife mit einer Situation aus dem Familienalltag, die wohl jedem bekannt sein wird: Ein kleines Kind soll abends schlafen gelegt werden (Aufgabe: schlafen). Das Kind spürt, dass die Schlafenszeit näher rückt. Es beginnt neue Spielsachen zu holen, verteilt diese großzügig auf dem Boden, wird unleidig, dreht emotional hoch, versichert, dass es absolut nicht müde ist, wirft Gegenstände auf den Boden... Kurzum, es beginnt damit, untypische und der Situation absolut nicht angemessene Verhaltensweisen zu zeigen.

Legen wir hier den gleichen Blick wie die klassische Führungskraft an, so sehen wir ein Kind, das unangemessenes Verhalten zeigt und so von etwas ablenken, oder etwas ganz anderes mitteilen möchte. Agieren wir nun klassisch, so werden wir alles daran setzen, dass das Kind die Aufgabe erledigen kann (schlafen). Wir ermahnen das Kind, wir schimpfen, wir sagen ihm, dass es noch 5 Minuten spielen darf und dann ins Bett geht (was sich ewig hinziehen wird) und vieles mehr.

Dies erinnert uns an die oben angesprochenen Mitarbeiter. Sie zeigen unangemessene Verhaltensweisen, die nichts mit der wirklichen Situation zu tun haben. Die Führungskraft versucht nun, das Symptom zu beheben und den Mitarbeitern die Möglichkeiten zu geben, ihre Aufgaben zu meistern. Sie wird Kritikgespräche führen, Ermahnungen aussprechen, Ursachenanalyse auf der Symptomebene betreiben, und vieles mehr.

In Wirklichkeit aber könnten das Kind sehr wohl schlafen gehen und die Mitarbeiter ihre Aufgaben meistern. Sie sind nicht überlastet oder kommen mit der Arbeitsleistung nicht zurecht. Die Fähigkeiten zum Schlafen gehen sind ja vorhanden, ebenso die Fähigkeiten der Mitarbeiter, die Aufgaben zu bewältigen, denn sonst hätten Sie diese ja nicht eingestellt. Etwas anderes muss also dahinterstecken. Sowohl bei dem Kind, als auch bei den Mitarbeitern.

1. Der magische Blick

Verwandeln wir uns nun von der klassischen Führungskraft zur exzellenten Führungskraft, zu der Führungskraft die sich durch jenen gewissen „magischen Blick“ auszeichnet, Situationen zu durchschauen und klar zu durchblicken. Dann werden wir bemerken, dass mit diesem magischem Blick das Symptom zu verschwinden beginnt, es beginnt, gleichgültig zu werden, zu verblassen.

Die Krux an der ganzen Geschichte ist nämlich die, dass wir uns von den „dramatischen“ Auswirkungen des Verhaltens den Blick vernebeln lassen.

2. Die Zauberfrage

Nur mit diesem magischen Blick ist es möglich, dass wir uns die Zauberfrage stellen: „Was hat die Person davon, dass sie xxx (Symptom) macht?“

Dieser Blick und diese Frage bringen uns zu den Ursachen des Verhaltens der Mitarbeiter.

  • „Was haben diese davon, dass sie sich überlastet fühlen können/dürfen?“
  • „Was ist die Absicht hinter mit dem Verhalten, überlastet zu sein?“

3. Die Erkenntnisse:

Beantworten wir diese Fragen, so kommen wir auf erstaunliche Erkenntnisse. Versetzen Sie sich mit dem magischen Blick in die Situation Ihrer Mitarbeiter und führen Sie einen solchen inneren Dialog:
„Was habe ich davon, mich überlastet zu fühlen? Nun, mein persönlicher Gewinn aus der Situation könnte darin bestehen, dass ich die Verantwortung für mein Tun und Handeln, also die Qualität meiner Arbeit, nicht übernehmen muss. Wenn ich die Verantwortung dafür übernehme und die Arbeit geht schief, dann fühle ich mich persönlich als Versager und ich werde nicht gebraucht. Das will ich vermeiden. Deshalb bin ich lieber vorsichtshalber grundsätzlich überlastet und mache mich absolut unentbehrlich. Dann kann ich sicher sein, dass ich gebraucht werde! Wenn ich mich überlastet fühlen kann und ich das meinem Chef gut rüberbringe, dann wird er damit beginnen, mit mir Lösungen dafür zu suchen. Dass ich mir die Aufgabe nicht zutraue und mich hinter der Überlastung verstecke, erkennt er ja nicht. Ich muss nur kreativ sein und immer neue Ausreden/Überlastungen aufzeigen, dann funktioniert das wunderbar! Er wird mir also Fehler verzeihen und so brauche ich nie wirklich die Verantwortung übernehmen.“

Erstaunliches tut sich uns nun auf: Es geht überhaupt nicht darum, dass der Mitarbeiter überlastet ist, es geht darum, dass die Person die Verantwortung für den Aufgabenbereich nicht über-nimmt/übernehmen kann, dass sich die Person von der Firma, vom Vorgesetzten, gebraucht fühlen will.

Schauen wir mit diesen Augen auf die Situation, so werden wir nicht auf der Symptomebene agieren und Verbesserungsvorschläge initiieren, neue Computersysteme installieren, sondern wir werden direkt mit der Ursache (die Person wünscht sich wirklich gebraucht zu werden) kommunizieren.

Merke:
Kommuniziere nie, niemals über das Symptom, sondern blicke immer auf die Ursache dahinter. Sprich dies an und finde Lösungen für die wirklichen Ursachen. Tun Sie das nicht, so werden Sie ein sich ewig weiterdrehendes Rad anstoßen und das Symptom wird sich nur verschieben.

4. Die Lösungen:

Führungskraft: „Sie glauben also, dass Sie überlastet sind und, dass Sie Ihren Aufgabenbereich so nicht bewältigen können. Herr/Frau X, Sie sind wirklich wichtig für uns auf der Position, auf der Sie sich befinden. Was würde denn schlimmstenfalls mit Ihnen persönlich passieren, falls Sie Ihre Aufgaben nicht erfüllen können?“

Mitarbeiter: „Nun, ich will immer mein bestes Geben, ich will beliebt sein, will alles richtig machen. Kann ich das nicht, so fühle ich mich als Versager, als nicht gebraucht, als wertlos für das Team und die Firma.“

Führungskraft: „Was würde denn mit Ihnen Schlimmes passieren, wenn Sie sich nicht mehr überlastet fühlen würden?“

Mitarbeiter: „Dann würde ich mich nicht mehr gebraucht fühlen. Dann wäre ich einfach nur so ein Mitarbeiter, wie alle anderen auch. Ich wäre nichts Besonderes mehr.“

Führungskraft: „Sie möchten also etwas Besonderes sein, besonders gebraucht werden?“

Mitarbeiter: „Ja, das ist es, um was es wirklich geht! Das war mir vorher nicht klar. Meine Aufgaben könnte ich schon erledigen und wenn ich sie genau strukturiere, dann wird das auch funktionieren. Was ich wirklich möchte ist, dass ich für die Firma wirklich wertvoll bin. Dieses Gefühl brauche ich einfach.“

Führungskraft: „Sehen Sie, ich hätte da eine Aufgabe. Es ist zugegebenermaßen ein kniffeliges Projekt und erfordert hohe Qualifikationen. Ich habe es nie an Sie herangetragen, weil ich wusste, dass Sie so überlastet sind. Ich würde Ihnen dieses Projekt gerne übergeben. Meinen Sie, dass Sie Ihre Grundaufgaben bis zur nächsten Besprechung so strukturiert haben, dass ich Ihnen das Projekt verantwortungsvoll übergeben kann?“

Mitarbeiter: „Selbstverständlich, das macht mir ja Spaß. Verantwortung trage ich gerne. Ich werde alles tun, damit ich meine Aufgaben strukturiere und dieses wichtige Projekt übernehmen kann!“

Kurz und bündig:

1. Der magische Blick: Lassen Sie die Symptome in den Hintergrund rücken. Darum geht es nicht. Blicken Sie dahinter. Um was geht es wirklich?

2. Die Zauberfrage: „Was hat die Person davon, dass sie x (Symptom) macht?“ „Welchen persönlichen Gewinn hat sie davon, dass sie x macht?“

3. Merke: Kommuniziere nie, niemals über das Symptom, sondern blicke immer auf die Ursache dahinter. Sprich dies an und finde Lösungen für die wirklichen Ursachen. Tun Sie das nicht, so werden Sie ein sich ewig weiterdrehendes Rad anstoßen und das Symptom wird sich nur verschieben.

4. Die Lösungen: Hier wird getrennt zwischen dem Verhalten und der Absicht. „Was würde denn mit Ihnen Schlimmes passieren, wenn Sie sich nicht mehr überlastet fühlen würden?“ Jetzt, wo beiden Parteien bewusst ist, dass es um eine tiefe Ursache geht, verliert das Symptom an Bedeutung und ganz spielerisch einfach kann eine Lösung auf der Ursachenebene gefunden werden.

* Thomas H. Bastian ist Leiter der tba Akademie Bamberg. Die tba Akademie Bamberg führt als einzige Institution deutschlandweit die Studiengänge zum Managementcoach / Business-Consultant und zum Fachtherapeuten für Psychotherapie jeweils mit staatlicher Überprüfung und staatlicher Zulassung durch. Der Abschluss gilt EU-weit und teilnehmen können alle EU-Bürger, die die Zugangsvoraussetzungen erfüllen und das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Die Studiengänge erfolgen berufsbegleitend, dauern jeweils 29 Monate bzw. 35 Monate und werden mit Spezialisierungskursen individuell je nach Interessengebiet gestaltet.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der tba Akademie Bamberg, Studienakademie für Managementcoaches / Businessconsulter und Fachtherapeuten für Psychotherapie, Franz Ludwig Str. 5c, 96047 Bamberg, Tel.: 0951/509890, Fax: 0951/5098918, Email: info@tba-akademie.de www.tba-akademie.de

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