Forschung und EntwicklungDeutsche Unternehmen sparen beim Budget

Obwohl die Ausgaben für FuE weltweit um zehn Prozent steigen, ist die Bilanz für die deutsche Industrie eher verhalten. Allein Daimler und Siemens stehen unter den Top Ten. Wichtig für Innovationen: Verständnis der Kunden und die Einbeziehung in die Unternehmensstrategie.

Forschung und Entwicklung (FuE) rückt verstärkt in den strategischen Fokus der weltweit führenden Unternehmen. Das belegt die aktuelle "Global-Innovation-1000"-Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton. Sie untersucht die FuE-Budgets und Strategien der 1.000 Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben. Erstmals seit fünf Jahren schlossen die Wachstumsraten der Ausgaben für FuE zu denen der Umsätze auf.

So stiegen 2006 die kumulierten FuE-Ausgaben der untersuchten Konzerne um zehn Prozent auf den Rekordwert von 447 Milliarden US-Dollar. Thomas Goldbrunner, Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz Allen Hamilton, konstatiert:

"Die deutsche Industrie steigerte dagegen ihre FuE-Ausgaben lediglich um 4,3 Prozent. Damit steht sie im internationalen Vergleich beim Thema Innovation eher auf der Bremse als dem Gaspedal. Zudem ist seit 2003 das Verhältnis von F&E-Ausgaben zu Umsatz konstant von 4,8 auf 4,1 Prozent in 2006 gesunken."

US-Firmen senkten im Vergleich dazu das Verhältnis der FuE-Ausgaben zum Umsatz nur von 5,1 Prozent in 2003 auf 4,9 Prozent in 2006. Insgesamt kommen noch immer 95 Prozent der weltweiten FuE-Ausgaben aus den etablierten Industrieregionen Nordamerika, Europa und Japan. Goldbrunner weiter:

"In den boomenden Schwellenländern sehen wir bei diesen Ausgaben zwar deutlich höhere Wachstumsraten von über 30 Prozent. Chinesische und indische Unternehmen investieren im Schnitt aber nur 0,8 Prozent ihres Umsatzes in FuE. Das ist gerade mal ein Fünftel des weltweiten Durchschnitts."

Erfolgsfaktoren für Innovationen: Kundenverständnis und Strategieprozess  

Dabei sind höhere FuE-Ausgaben alleine kein Erfolgsgarant. Besonders erfolgreiche Konzerne organisieren vielmehr den gesamten Innovationsprozess von der Ideenfindung über die Entwicklung bis zur Vermarktung des fertigen Produkts nach strategischen Vorgaben. Dabei evaluieren sie konsequent die Projektfortschritte. Zentrales Erfolgskriterium sei das profunde Verständnis der Kundenbedürfnisse, so Goldbrunner. Entwicklungsabteilungen, die ihre Kunden direkt in den Innovationsprozess einbeziehen, führten zu einer doppelt so hohen Gesamtkapitalrendite.

Das Wachstum des operativen Ergebnisses sei sogar dreimal so hoch wie bei Wettbewerbern, die nur einen indirekten Kundenzugang hätten. Zudem erzielen Player, die ihre Innovationsstrategie direkt aus der Unternehmensstrategie ableiten, in den letzten drei Jahren ein um 40 Prozent stärkeres Wachstum des Betriebsergebnisses und eine doppelt so hohe Eigenkapitalrendite wie solche, die diese beiden Strategiebereiche nur schwach koppeln.

So hat beispielsweise der DAX-Konzern Adidas diesen Kundenfokus sowie das Thema Innovation konsequent in der Unternehmensstrategie verankert und umgesetzt. Die Folge: Auch 2006 zählt der Sportartikelhersteller zu den so genannten "High-Leverage-Unternehmen". Diese weisen zwar im Branchenvergleich niedrigere FuE-Ausgaben auf, übertreffen aber ihre Wettbewerber nicht nur bei Umsatz und Gewinnwachstum, sondern auch bei der Kursentwicklung.

Diese Gruppe der Top-Innovatoren wuchs 2006 von 94 auf 118 Mitglieder und damit 11 Prozent der untersuchten Unternehmen an. Weitere prominente Beispiele dieser Outperformer in Sachen Innovation sind Apple, Ebay oder Black&Decker.

Mit der Studie stellt Booz Allen Hamilton auch ein Ranking der Unternehmen mit den weltweit höchsten FuE-Ausgaben vor. Die Liste wird von Toyota, Pfizer und Ford angeführt. Unter den Top 10 nehmen mit Daimler (5) und Siemens (9) zwei deutsche Konzerne vordere Plätze ein. Weitere deutsche Vertreter unter den ersten 100 sind: Volkswagen (15), BMW (33), Bayer (39), SAP (60), BASF (65), Infinion (66) und Merck (100).

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton]

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