FührungWas soziale Kompetenz zukünftig meint

Die Digitalisierung ist wie eine Schlange, vor der auch der Mensch zu erstarren scheint. Führungskräfte können sich das nicht leisten. Mehr denn je müssen sie zukünftig über soziale Kompetenzen verfügen.

Comupterisierung und Automatisierung ersetzen immer mehr menschliche Arbeit. Okay, die Generation Y arbeitet schon heute anders. Sie interessiert sich für Projekte, will interessante Aufgaben, während die Bereitschaft, im Unternehmen zu bleiben, grundsätzlich nachgelassen hat. Wenn die Arbeit langweilig ist, sucht man sich eben einen neuen Arbeitgeber. Die Generation Y bindet sich an ihr Netzwerk, will echte Work-Life-Balance. Da spielen die Reputation des Unternehmens oder das Gehalt eine untergeordnete Rolle. Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer suchen den Sinn in der Arbeit. Gleichzeitig arbeiten Menschen in Projekten immer weniger am gleichen Ort zusammen. Sie sind verteilt tätig, mitunter über die ganze Welt. Auch die Arbeit im Home Office gewinnt an Attraktivität. Für Führungskräfte bedeutet das: Sie treffen ihre Mitarbeiter nur noch selten persönlich. Die Attraktivität der Arbeit gerät immer stärker in den Fokus. Was folgt daraus?

In den „good old days“ hatte die Führungskraft nahezu täglich Kontakt zum Mitarbeiter. Mindestens 30 bis 50 persönliche Gespräche pro Jahr. Wenn eines oder gar zwei dieser Gespräche schiefgingen, war das nicht so schlimm. Beim nächsten Gespräch konnte dies korrigiert werden. Heute, in der digitalen Welt, haben Führungskräfte vielleicht nur noch drei bis fünf persönliche Gespräche mit Mitarbeitern im Jahr. Läuft dabei etwas schief, dauert es recht lange, bis es ein nächstes Gespräch gibt. Bis dahin können Fehler in der Kommunikation verdrängt oder vergessen werden. Zukünftig wird es aber immer mehr auf die soziale Kompetenz von Führungskräften ankommen. Zunächst auf die Qualität der Mitarbeitergespräche, weil diese eben nicht mehr so oft stattfinden werden.

Nachlässigkeiten in der Kommunikation müssen aufhören

Nachlässigkeiten von Führungskräften in der Kommunikation werden aufhören müssen. Führungskräfte sind gefordert, die Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter noch viel stärker wahrzunehmen als bisher. Die jahrelange Funktionalisierung von Mitarbeitern wird mit zunehmender Digitalisierung ein Ende haben. Stattdessen werden „Führungskräfte 4.0“ sich fragen müssen, wie sie die Bleibebereitschaft ihrer Mitarbeiter erhöhen können. Eine Lohnerhöhung ist zukünftig nicht mehr ausschlaggebend. Vielmehr wird es auf die Kommunikation ankommen: Sehe ich im Mitarbeiter nur seine Funktion, oder sehe ich auch den Menschen? Entscheidend ist also die soziale Kompetenz, die soziale Performance.

Soziale Performance bedeutet ...

… die innere Einstellung eines Menschen zu anderen Menschen. Die Art, wie Konflikte gelöst werden, die Fähigkeit, Führung auch ethisch auszufüllen und rechtfertigen zu können. Hier liegt die mögliche Beweiskraft der sozialen Performance, nicht das Lippenbekenntnis.

Soziale Performance bedeutet ...

… Widerstände gegen Anordnungen, gegen Führungskräfte, gegen die zunehmende Digitalisierung abzubauen. Das wiederum heißt, Konflikte schnell und zutreffend lösen zu können.

Soziale Performance bedeutet ...

… nicht die Annahme eines bestimmten Führungsstils. Mit der Annahme eines bestimmten Führungsstils ändere ich nicht mein überzeugtes Verhalten. Vielmehr ändert die Änderung meiner inneren Einstellung zum Führungsprozess meinen Führungsstil. Vor allem bedeutet soziale Performance, miteinander persönlich zu reden, nicht zu schreiben!

Soziale Performance bedeutet ...

… in der Lage zu sein, sich auf Mitarbeiter einstellen zu können. Schnell und sicher unterscheiden zu können zwischen Informationsaustausch, Beziehungsklärung, Selbstdarstellung und Appell. Soziale Performance heißt nicht, die einzelnen Ebenen allein unterscheiden zu können, sondern die Fähigkeit, auf die einzelnen Ebenen auch sinnvoll eingehen zu können. Die Frage, ob sich die Kommunikation zu den Mitarbeitern ausschließlich auf den Austausch von Informationen bezieht, oder ob ich als Führungskraft in der Lage bin, die Beziehungsebene zuzulassen und zu fördern (Wie steht mein Chef zu mir? Kann ich meinem Chef sagen, was ich von ihm halte?), ist hier ebenso wichtig, wie die Fähigkeit, Mitarbeitern ausreichend Gelegenheit zu geben, sich selbst darstellen zu dürfen. Ebenso ist die Frage zu klären, ob Führungskräfte die Appelle ihrer Mitarbeiter hören und annehmen, also darauf sinnvoll reagieren und dann agieren können oder nicht. Das macht den ersten Teil der sozialen Performance aus.

Soziale Performance bedeutet …

… das Erkennen unterschiedlicher Stimmungen der Mitarbeiter, die oft unbewusst entstehen. Eine sozial kompetente Führungskraft ist in der Lage, auf diese Stimmungen einzugehen und sich darauf einzustellen.

Soziale Performance bedeutet …

… persönliche Werturteile, handlungsleitende Interessen und eigene Ansichten im Führungsprozess auch den Mitarbeitern verständlich zu machen.

Soziale Performance bedeutet …

... in der Lage zu sein, seine eigenen Konflikte zu lösen. Daraus ergibt sich die Fähigkeit, Konflikte auch mit den Mitarbeitern konstruktiv zu lösen. Führungskräfte sollten deshalb herausfinden, ob Mitarbeiter Widerstände gegen Personen oder Sachen aufgebaut haben. Sozial kompetente Führungskräfte sind in der Lage, sachliche Kritik auch sachlich zu klären. Sie empfinden nicht jeden sachlichen Widerspruch als persönlichen Angriff. Die Konfliktlösungsstrategien sind daran orientiert, eine für beide Seiten optimale Lösung zu finden.

Soziale Performance bedeutet …

… nicht daran interessiert zu sein, anderen weh zu tun, im Konfliktfall nicht lauter oder schneller als andere zu sprechen oder die Szene eskalieren zu lassen. Die sozial kompetente Führungskraft kann Widerstände genau lokalisieren, diagnostizieren und sich sinnvoll darauf einstellen. Sie baut die Widerstände ab, ohne sie zu brechen oder brechen zu wollen.

Soziale Performance bedeutet …

… leichtes Zugehen auf Mitarbeiter und mit diesen partnerschaftlich umzugehen. Sozial kompetente Führungkräfte können auch in Hierarchiegefügen koordinierend agieren.

Soziale Performance bedeutet …

… Mitarbeitern geduldig, genau und analytisch zuzuhören, auf das Gehörte einzugehen, ausreden zu lassen und nicht zu unterbrechen. Sozial kompetente Führungskräfte versuchen nicht zu signalisieren, sie wüssten schon im Vorhinein, was Mitarbeiter sagen wollen.

Soziale Performance bedeutet …

… das Auseinanderhalten und zureichendes Bestimmen verschiedener Emotionen. Sozial kompetente Führungskräfte sind in der Lage, mit diesen Emotionen sinnvoll umzugehen. Alexythymie, die Stummheit der Seele, ist ihnen fremd. Gleichzeitig sind sie in der Lage, Gefühle zu haben und nicht von ihnen gehabt zu werden. Die Fähigkeit, Gefühle kontrollieren, nicht unterdrücken oder verdrängen zu können, ist ebenso ausgereift wie die Fähigkeit, sich von anderen Emotionen nur kontrolliert anstecken zu lassen.

Soziale Performance bedeutet …

… die Fähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen und diesen das Gefühl von Vertrauen auch zu vermitteln, ohne Vertrauen beteuern zu müssen.

Soziale Performance bedeutet …

… sich durch Kritik oder Misserfolg nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Für sozial kompetente Führungskräfte hängt der menschliche Wert nicht von Leistung oder Erfolg ab. Misserfolg oder Kritik können sie nicht kränken oder gar verletzen.

Soziale Performance bedeutet …

… anderen Menschen verzeihen und um Verzeihung bitten zu können – unabhängig von Hierarchie oder vom Status. Eine sozial kompetente Führungskraft wird selbst dann nicht emotional, wenn ihr nicht verziehen wird.

Fazit

Soziale Performance lässt sich nicht technisch sicherstellen. Allenfalls lässt sich Vorhandenes vertiefen und verstärken. Doch wo soziale Performance gar nicht vorhanden ist, kann sie auch nicht künstlich erzeugt werden. Daran werden auch Industrie 4.0 oder Führung 4.0 nichts ändern!

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK